Kszelvrek 70 Heller. «Einschließlich 5 Heller Porto! Rr 53. 13. Jahrgang. Freitag, 3 Mürz 1933 %■ Die neue Terferwelle^ ums Haar geglückt war« und von deren folgen 31 Nur nodi PartelDudi- bcamtct Sozialdemokratische Beamte and Lehrer werden entlassen. Kassel. 2. März. Sus einer nationalsozialistischen Wahlversammlung erklärte der Führer der nationalsozialistischen Fraktion im preußischen Landtag, K u b e, u. a., einer der nächsten nationalsozialistischen Anträge im preußischen Landtag werde sein, angesichts der staatsgefährlichen Tätigkeit der sozialdemokratischen Partei de« Prämien und Staatsangestrllte« di« Zugehörigkeit >ur SPD. und ihren Verbänden zu verbiete«. Unter dem Kanzler H l t l e r sei auch In den Ländern nnd bei den Kommunen nur«ine nat>onalr Politik möalich. Auch. Schulen und Universitäten towi« Kunst- und Bolksbildnng müßten arund- lrgend umorganisiert werden. An der Schul« soll« di« deutsch« Äugend mm nationale» Staatsbewußtsein erzogen werde«.- schenken SA. und di« Wahl Hiller- belvähren kann. Da diese ganze Bürger- und Spießbürgerrotte ja keine Ahnung von dem Marxismus hat, den sie seit vier Jahren verflucht, verfolgt, zu Tod« redet, da sie von der Revolution die abenteuerlichsten Vorstellungen hat, erscheint es ihr durchaus glaubhaft, daß matt am Abend den Reichstag anzündet, um früh die Läden plündern und mittags die proletarische Diktatur proklamieren zu können. Sie erwägt gar nicht den nächstliegenden Einwand, daß ja außer der Brandstiftung keine der angeblich geplanten Aktionen eingetreten ist, obwohl doch nichts geschah, was den weiteren Ablauf des Planes gehindert hätte. In diesen Bürgerhirnen existiert also seit Tagen die irre Vorstellung, ein Wunder habe Berlin vor der Aufrichtung der„Kommune" gerettet und es gehe jetzt nur noch um eines: Kommunismus oder nationale Diktatur. Hb das Hitler zugutekommen wird, mit dem sichtlich di« stärker«» Bataillone, di« brutaleren Ordnungs- ebstien sind, oder Hugenberg, der heute wieder plakatieren läßt, nur er sei eift Schutzwall Plane gemäß eine wütendster offizieller Mordkowmune" und Sozialdemokratie. Es ist damit zu vis Thüringer Tyrannen verbieten sozialistische Zeitungen, Versammlungen, Abzeichen und Fahnen. Weimar, 2. März. Di« nach den Vorgängen in Berlin von der thüringischen Regierung bereits am 28. Feber getroffenen Dlaßnahmen sind durch geführt. Etwa 400 Funktionäre der KPD sind zunächst in polizeilich« Sicherungsverwahrung genom men Word«». Zahlreiche Haussuchungen und Durchsuchungen nach Waste« wurden vorgenommen. Donnerstag erschien eine Verordnung der Thüringer Regierung, nach der alle B e r sa m m- l u n g e n der kommunistischen Partei mit ihren Nebenorganisationen, die Herstellung und Ver breitung der kommunistischen Druckschriften jeder Art sowie all« sonstigen öffentlichen Kund gebungen für den Kommunismus verboten. Reichstag- und LandtagsabH« ord nete und führende Funktionär« der APD sind bis auf weiteres in polizeiliche Sicherungsverwahrung zu nehmen. verboten wird weiter die Herstellung und Ver breitung von Flugblättern, Flugschriften. Bro- gegen jede Art sozialistischer Experimente(also Fctckelzüsi durch alle Städte Deutschlands an- auch gegen die Hitlers), wird erst der Sonntag treten werden, vielleicht nur, um die Nacht erweisen.' Dagegen ist es außer allem Zweifel, der langen Messer einzuleiten... . rechnen, daß tatsächlich Hunderttausend« Bürger unter dem Alpdruck einer kommunistischen-Revolution stehen, die Von unserem Lon'lerberi'ostterststter. War«S in diesem, durch Terror und Demagogie ohne Maß gekennzeichneten Wahlkampf von allem Anfang schwerer als sonst zu Prophetien, so stören die letzten Ereigniste vollends alle Berechnungen. Bor etwa zehn Tagen rechnete man iu beiden Lagern mit ungefähr folgendem Ergebnis:. Die NSDAP, würde gegenüber den Ro- vemberwahlen bedeutend aufholen, aber bis zur Höchstgrenze ihrer Stärke am 31. Juli (rund 14 Millionen Stimmen und 236 Mandate). Hugenb«rg würde diesen Gewinn seines Kompaanons rum Teil bezahlen müssen und von seinen Erfolgen im November etwas «inbü^en. Die Stärke des Zentrums und der Bayrischen Volkspartei würden als unveränderlich bis auf kleine Abbröckelungen oder Gewinne angel«h«n. DaS marxistische Lager als Ganzes schien Pute Wahlchancen zu haben, insofern es auch diesmal kaum etwas von der S immenzahl verlieren würde, die es im Grunde seit der Revolution hält. Verschielnrngen zugunsten der Kommunisten hielt man für wahrscheinlich, iveil die SPD. als Partei deS stachen Landes viel stärker unter dem Terror auf den Dörfern leidest' als die auf radikale, städtische Wähler eingestellte KPD.,, die gerade.in den Städten besten durfte, Erwerbslose und radikalisierte Mittelständler, die den Nazis den Rücken kehren, für sich zu gewinnen. Heute, vier Tag« vor der Wahl, läßt sich nicht sagen, was von diesen Voraussagen noch seine Richtigkeit behält, in welchen Punkten sie mehr oder weniger zu revidieren tt^en. Denn weder läßt sich die psychologische Wirkung des Reichstagsbrandes im Bürgertum und in den Mi telschichten eindeutig abschätzen lrumal da man über die wahren Zusammenhänge mit niemandem aus diesen Kreisen sprechen kann, ohne Gefahr der sofortigen Verhaftung), noch läßt fick sagen, wie die neue Terrorwelle mit der völligen Ausschaltung der Linksprovaganda in Preußen auf die Arbeiterschaft wirken wird. Nochmals sei hier eingeschaltet, was wir bereits mehrfach meldeten, daß in den Kreisen der Linken kein Mensch daran zweifelt, daß die Nazi den Brand des Reichs ages gelegt und den van der Lübbe— von dem man ja keineswegs sicher weiß, pber er überhaupt ein Holländer, und wenn er dies' ist. ob«r dann der unter dem Namen van der Lübbe in Holland bekannte ehemalige Kommunist ist—- gemietet oder gepreßt, allenfalls verlockt haben, indem sie auf seine anarchistischen Jd«n einpingen. Der anderen noch möglichen Annahme, daß Lübbe oder Pseudolübbe ein Irrsinniger sei. steht entgegen, daß er dann nicht die Möglichkeit gehabt hät e, das Brandmaterial in den Reichstag zu bringen, es sachgemäß zu verteilen und so rasch, wie es geschehen ist, anzuründen. Nun darf aber nirgends in Preußen erwähnt werden, dasi die Vermutung aller, die den brennenden Reichstag sahen, ».Die Täter sind Nazi", heute jedem denkenden Menschen zur Gewißheit geworden ist. So bleibt die ungeheuerliche Tat, die ganz und gar das Maß strupellvser Btzrbrechergesinnnng hat, das man an den Hazis je nach drm eigenen Standort als bestialisch verabscheuen oder als großartig bewundern kann, nun dem unerschöpfliche Quelle Hetze gegen di«„rote die mit ihr verbündete und die Wahlabsskhten schüren politischen Inhalts der SPD, der Eiserne« Front, deS Reichsbanner Schtvarz-rot-gold. Periodisch« Druckschriften dieser Parteien und Bereinigungen sind mindestens drei Stunden vor dem Erscheinen der Ortspolize)behörde des Herstellungsortes zur Prüfung vorzulegen. Die Verbreitung darf erst nach erteilter Genehmigung und nur nach Weglassung etwa beanstandeter Stellen erfolgen. Plakate fftrd jeder örtlichen Polizeibehörde vorzulegen, in deren Bereich sie Verbreitet werden sollen. Di« Verleger von periodischen Druckschriften sind verpflichtet, Auflagenachrichten deS Innenmini steriums auf der ersten Seft« kostenfrei abzudrucken. Stellungnahme zu Auslagenachrichten ist unzulässig. Das Tragen von Abzeichen feder Art. die di« Zugehörigkeit zu einer der marxistischen Parteien oder Organisationen kennzeichnen, wird verboten. Rote Fahnen dürfen auf Gebäuden und Grundstücken nicht öffentlich gezeigt werde«. Die ülflcrpollzcL sozialistische Interpellation in der belgischen Kammer. BrrLssel, 2. Märrz. Im Außenausschuß derr Deputirrtenkammer verlangte heute der sozialistisch« Deputierte Piera rd, die belgische Regierung soll« den B ö l k e r b u nd verständigen, daß die deutsche Regierung eine ausdrücklich« Bestimmung des Versailler Friedensvertrages dadurch verletzt hat, daß sie die Hitlerpolizei in die vom Versailler Friedensvertrage bewilligte« Polizeikorps einreiht«. Es ist notwendig, sagte er, daß dies« Angelegenheit unverzüglich vor den Völkerbund gebracht werd« und daß dieser sofort über die Mittel erwäge, wie die Maßnahme der deutschen Regierung zu beseitigen sei, und daß er eventuell zu wirtschaftlichen und finanziellen Diszi- plinarmaßnahme» greise, nm den von Hitler eingrjührteu Zustand«ufzuhebeu. daß die Zwietracht zwischen den Harzburgern mrückgetreten ist hinter der Angst vor dem Bolschewismus und daß der vor wenigen Tagen unmittelbar bevorstehende offene Kampf Hugenbergs gegen Hitler immer weniger wahrscheinlich wird, weil das Bürgertum jetzt den Bruderzwist nicht verstehen würde. Nur wenn Popen ein ganz großes' Spiel zu spielen bereit wäre ukld etwa mit der Enthüllung vor Hindenburg träte, daß die Nazi den Reichstag -___._, angezündet haben, nur dann wäre ein neuer sie nur Gorings harter Zugriff gerettet hat,! Umschwung im Lager der Rechten möglich, gegen deren Wiederkehr sie nur di« Diktatur Dunkel bleibt endlich, ob sich auch bisherige der heute als HilfSpoliM dre^Straßen beherk-> Linkswähler iw den kleinen Städten und auf dem Laiche durch den Feueralarm ins Bockshorn jagen liehen. Ebensowenig wie alle Auswirkungen des Verbrechens vom 27. Feber lassen sich die Wirkungen der neuen BerbotSaktion abschätzen. Sie steigern ohne Zweifel die Empörung und die Kampflust der organisierten Arbeiter und wer die innerlich aufgewühlte Masse bei der Auflösung der Marxfeier im Sportpalast gesehen, ihr zehntausendstimmiges Pfui! und ihre brausenden Freiheitsrufe gehört hat, vermag den Unterschied zwischen diesem Feuer urtd dem bengalischen Geflacker der Spießer- begeisterung hei Nazidemonstrationen zu ermessen. Aber es bleibt fraglich, ob ohne Presse, ohne Plakate, ohne Versammlungen dieses Feuer über die Organisation hinausgetragen werden kann, ob es die Mauern des Terrors MxchbxxMü wird.üXi-Lj....... Dieser Terror selbst steigert sich von Nacht zu Nacht. Längst werden nur Bruchteile der Tragödien bekannt, die sich allnächtlich crb- , spielen. Und Zehntausend« bangen vor dem Abend des 4. März, an dem die SA. ihren Fasdsmus in Deutschland. Wohin geht der Kursl Deutschland ist in chaotischer Bewegung. Die Gegenrevolution von rechts ist in vollem Gange. Die Verfassung von Weimar ist praktisch gebrochen. Di« Verteidigung der Verfassung ist heute nur noch bei der sozialdemokratischen Arbeiterschaft und etwa den katholischen Verbänden. Gegner der Verfassung aus dem Regierungslager, wie höchste Funktionäre des Staates, sprechen es offen aus, daß sie die Vorschriften der Verfassung nicht zu beachten gedenken, wenn sie ihnen im Wege stehen sollten. Gegenüber der Mahnung an den Verfassungseid, die dem Reichskanzler Hitler von katholischer Seite entgegengehalten wurde, hat Herr Hitler erklärt, daß er sich an seinen Soldateneid aus der Zeit vor der Revolution gebunden halte. Er hat jeden nachrevolutionären Eid auf der Grundlage des 9. November mit einer Handbewegung beiseite geschoben. Mitten im Lärm des Wahlkampfes und des Terrors, der immer mehr um sich greift, werden eine Reihe von Regierungsmaßnahmen vollzogen, die durchaus gegenrevolutionären Charakter haben. Faßt man die Regieruugswaßuahmen ins Auge, so sieht man, wie ein Schwarm fasci- stischer Polittker sich auf di« Aemter stürzt. Macht und Beute scheinen zunächst der Zweck diesen Gegenrevolution zu sein, nicht soziale und wirtschaftliche Strukturänderüng. Es sind besondere Bevölkerungsklaflen, die bei diesem Ansturm auf die Aemter' hervortreten: deklassierte Adelige, Offtziere des alten kaiserlichen Heetes, sogenannte Kriegshelden, obtvohl sie den Krieg verloren haben, und Schullehrer. Marineoffiziere und Fliegeroffiziere spielen eine besondere Rolle, Cliquen und Kameraderien auS alten Offizierskreisen werden sichtbar, di« untereinander wichtigste Staatsämter verteilen.' Die Zahl der Wählerstimmen allein hätte der Partei Hitlers noch nicht die Möglichkeit zu diesem Einbruch in den Staatsapparat gegeben. Die nationalsozialistischen Politiker rechnen auf ihre Milijärorganisa- tionen. Die Bildung einer derartigen Bürger- kriegsarmee wäre niemals möglich getvesen, wenn die jahrelange Wirtschaftskrise nicht«in Menschenreservoir dafür geschaffen hätte. Die nationalsozialistisch« Propaganda hat die entwurzelte Jugend aufgefangen. Sie hat sie aus den Punkt des geringsten Widerstandes gelenkt. Statt der Eingliederung in die Wirtschaft verspricht sie der Jugend Eingliederung in die Sicherheitsorgane und die Militärorganisationen des Staates. Was den Führern der nationalsozialistischen Privatarmee die Anstellung als Polizeipräsident, ist den Mannschaften chrer Militärorganisationen die Anstellung als Polizist oder als Soldat. Man flüchtet aus der Wirtschaftskrise in den neuen Militarismus. Die Soldaten dieser Bewegung sind genau so bereit wie ihre Führer, sich auf den Staat zu stürzen und ihn als willkommene Beute zu behandeln, wenn auch die Vorstellungen der Soldaten von der Beute weniger konkret sind, als die Vorstellungen der Führer. Es ist die primitivste gesellschaftliche Methode des Kampfes um Verbesserung der eigenen Lebenslage'. Beute, nicht Arbeit! Es wird deshalb auch klar, warum wirtschaftspolitische Gedan kcngänge bei den deutschen Fascisten gar keine Roll« spielen. Es geht nicht um Strukturwandlungen des Wirtschaftssystems, wenn auch di« Strukturkrise der Wirtschaft die Bewegung ermöglicht hat. Der versprochene Bierjahresplan für die"Arbeiter und für die Bauern ist ganz ohne Belang. Geplant ist ein Um- stürz der Macht, eine Aneignung de r M 4. März vom an- haltischen Staatsminist.r.um verboten worden. * Die württembergische Regierung hat auf Ersuchen der Reichsregierung mrt sofortiger Wirkung sämtliche in Württemberg erscheinende kommunistische Zeitungen und Druckschriften sowie alle kommunistischen Versammlungen verboten. Alle kommunistischen zur Verfügung. Bei der zielbewußten Hetze gegen Kommunisten und Sozialdemokraten müssen unsere Genössen auf das Schlimm st e gefaßt sein. Alles wird gegen sie mobilisiert: die Uebermacht der kapitalistischen Presse, die Kinopropaaanda, der Rundfunkdienst, aber auch das— Schulwesen. Wurde doch in den Schulen der Wahlaufruf der Regierung Hitler-Papen- Hugenberg gegen den Marxismus angeschlagen und von Nazilehrern entsprechend„erläutert^. Alles läuft darauf hinaus, die soziali- stischen Parteien zu zerstören. Die wildesten Gerüchte sind im Umlaufe und haben sich zum Teil bereits erfüllt. Nach dem Aus- nahmszustaich und dem zeitweisen Verbot der proletarischen Presse droht die Auflösung des Reichsbanners, wie es der^»Stahlhelm" schon verlangt hat, die Auflösung wenigstens der kommuni st l- sch en Partei, die Verhaftung lasse n- der Parteigenossen und am Ende eine Art Bartholomäusnacht, die:„Rächt der langen Messer", wofür die Nazis schon lange schwärmen. In den Nächten nach dem 5. März werden die führenden Genossen gut tun, ihr Heim nicht aufz«suchen. Im Siegesrausch oder auS Wut über eine eventuelle Wahlniederlage sind die braunen Burschen zu allem fähig. Charakterisch' ist die Bemerkung eines nationalsozialistischen Ortsvertrauensmannes auf die Forderung, er solle einen randalierenden Nazi zur Raison bringen, baß er das nicht tue, denn er fürchte, von.seinem Parteifreund— erschossen zu werden. Nachgewiesen ist auch, da^ ein wegen Plünderung avgestrafter ehemaliger polnischer Insurgent heute tatkräftiger Nazis ist. Dre brutalen Gewalttaten der Nazis und ihr widerlicher Terror' stößt viele Bürgerliche ab, doch spenden sie um des lieben Friedens willen fleißig für die diversen Bedürfnisse der Streitkraft« Hillers. Man scheut sich auch nicht, Juden anzuschnorren, etwa für den„Motor S. A. Oberfchlesien". Die Spender erhalten bestätigt, daß sie mit so und soviel Mark„den Entscheidungskampf um Deutschlands Zukunft" unterstützt haben. Armes Deutschland! Heute herrscht dort die stupide Gewalt des Fascismus, der durchaus kein speziell italienische- Gewächs ist, unter dem verständnisinnigen Beifall des um seine Existenz bangenden Kapitalismus der ganzen Welt. Darüber kann doch keine Täuschung bestehen. Besonders für die europäische Ausbeuterklasse Erscheinen die Naziheroen Hitler, Göring und Frick geradezu als Retter von dem'„Bolschewismus", d. h. dem Sozialismus. Wenn doch auch alle Proletarier diese furchtbaren Zeichen oer Zeit verstünden und sich endlich zu gemeinsamen Handeln, zusammenschlössen! Biel; sehr viel können die Proletarier aller Länder aus den Vorgängen in Deutschland lernen. Nicht zuletzt, daß man fest z u p a ck e n muß, wenn man die Macht hat, aber auch zupacken, wenn es gilt, die Eroberung der entscheidenden Macht vorzubereiten. I. Sch. Druckschriften einschließlich Plakate und Flugblätter wurden beschlagnahmt. ♦ Die Chemnitzer„Volksstimme" ist am Mittwoch auf Verlangen der Reichsregierung auf vierzehn Tage verboten worden. * In Berlin ist der größte Teil der k o m- munistischen B e r ke h r sl o ka l« geschlossen worden. Bisher wurden allein in der Reichshauptstadt etwa zweihundert kommunistische Funktionäre verhaftet. Ein großer Teil der kommunistischen Führerschaft ist inzwischen ins Ausland geflohen. * Der braunschweigische Innenminister hat auf di« Dauer von zwei Wochen alle im Freistaat Braunschweig erscheinenden kommunistischen und sozialdemokratischen Druckschriften sowie Aufzüge, öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel und in geschlossenen Räumen und Mitgliederversammlungen der KPD und der SPD verboten. Das Verbot gilt zugleich für alle der KPD und SPD angeschlossenen Organisationen, wie Reichsbanner und Eiserne Front. * Die sächsische Regierung hat den sozialdemokratischen Polizeipräsidenten von Leipzig Fleißner beurlaubt. Außerdem wurden die Stellvertreter der sozialdemokratischen Amtshauptleute von Zwittau und Chemnitz mit der selbständigen Erledigung der Polizeigeschäft« be- auftragt, mithin den sozialdemokratischen AmtS- hauptleuten diese Befugnis entzog««. * Recklinghausen, 2. März. Auf Grund der umfassenden Aktion gegen die Kommunisten wurden im Rheinlande rund 1200 und in Westfalen rund 850 Personen festgenommen. Schwerin in Mecklenburrg, 2. März. Der Mecklenburg-Schwerinsche Minister des Innern hat heüt« die gesamte sozialdemokratische Presse in Mecklenburg-Schwerin für die Zeit vom 3. bis 9. März verboten. Die Erdrosselung der Freiheit. „Kleine* Meldungen aus dem Reich. f Nr. 58 Freitag, 8. März 198b Renner ebenso wie die ältere Generation deutscher Sozialdemokraten in der Tschechoslowakei „in der Atmosphäre der österreichischen Sozialdemokratie" ausgewachsen und wir bekennen unS mit Stolz dazu. Denn das war die Atmosphäre Viktor Adlers, die deS internationalen Sozialismus, der klassenbewußten Arbeiterbewegung. Und die tschechischen Nationalisten sind am allerwenigsten dazu berufen, über dieses Milieu zu spotten, denn diese Atmosphäre war es, die manchem tschechischen Politiker das Leben gerettet hat. In dieser Atmosphäre erschien die„Arbeiter-Zeunng", die die Tschechen gegen die Persekutionen des militarisierten Oesterreich in Schutz genommen hat. Der Pfeil, den die Stktbrn^-Presse auf Dr! Czech abgeschossen hat, ist auf die Herren Nationalisten wieder zuruckgefallen und sie sollten sich mehr um ihre eigene Atmosphäre kümmern, die wahrhaftig wenig angenehme Ausstrahlungen aufweist. Zusammenstoß in der Slowakei. Etwa 200 Personen aus 8ajba und Lubietovä bei Bäüskä Bhstrica zogen, wie das Tschechost. Preßbüro meldet, Mittwoch zur Gendarmeriestation und zum Notariatsamt in Lnbietovä und verlangten di« Freilassung der verhafteten Kommunisten. Die Menge bedrohte vier Gendarmen und bewarf sie mit Steinen, wobei drei Gendarmen verletzt wurden. Auch als Gendarmerie-Verstärkung aus BLüskä Bhstrica eingelangt war, nahm die Meng« weiterhin eine drohend« Haltung«in und bewar' die Gendarmen mit Steinen. Die Gendarmerie zerstreut« die Menge mit dem Gummiknüppel: 15 Personen wurden festgenommen und die Ruhe wieder hergestellt. Nochmals: die Auch-Demokraten Die schändliche Haltung der„Dohemla“ Saljte bedroht. Außerdem droht der Bundes- ranzler allen streikenden Eisenbahnern mit fristloser Entlassung.(Sie soll sein Heimweh rkolleae rm Handelsministerium, der Hochverräter und R. Putschist Jakonck, besorgen.) Tiefer Erlaß wurde den Eisenbahnern am Vorabend des Protest- f streike« ins Gedächtnis gerufen, aber der Erfolg s blieb aus: Die Eisenbahner führten den Streik lückenlos durch. Man wird nun sehen, ob es die Dollfüßler wagen die Eisenbahner anzuklagen, f Der Erlaß stammt aus einer Zeit, als der Habsburgerkrieg ausbrach und die Militarisierung, der Eisenbahner durch die Regierung Stürgkh in die Tat umgesetzt wurde. Die geistig Minderbemittelten, die sich da in der Regierung zusammengefunden haben, wiffen offenbar. nicht mehr, daß es seither ein Jahr 1918 gegeben hat, das diese schwarz-gelben Terrorgesetze wegge- schwemmt und den Eisenbahnern das Koalitionsrecht gesichert hat. Daß aber eine Regierung den Mut gefunden hat, sich mit solchen Erlässen herauszuwagen, das ist ein Symptom kür die Provokationsbereitschaft der Regierung, das ist «in Beweis für ihre bedenkenlose, skrupellose Scharfmacher«. Was dies in einer Zeit der schwebten wirtschaftlichen Krise, in den Zeiten der allgemeinen Zusammenbrüche der Wirtschaft bedeutet, wird jedem, der nicht durch die Brille der„Autokraten"-Manie sieht, klar sein. Gestützt auf den kaiserlichen Ukas wurden an verschiedenen Orten, so im M e i d l i n g e r Südbahnhof, in Salzburg, Villach und A m st e t t e n die Streikleitungen verhaftet, denen nicht' nur mit der Entlastung, sondern auch mit der drakonischen Verfolgung gedroht wiich. Der neue Machthaber der Bundesbahnen scheint sich auf eine dauernde Stellung in der Heneraldirektion einzurichten, denn er droht Ak- > tionen auf längere Sicht an und will sogar gegen die Organisatoren des Streiks Vorgehen. Man hat die Polizei mobilisiert, um etwaigen Schuf ten, die die Arbeit ausnehmen wollten, die Aufnahme des Dienstes zu ermöglichen, aber hie Herren in der"Regierung haben sich in ihren Erwartungen schwer enttäuscht gesehen: Die Eisenbahner standen trotz der Polizeiaktion ge- schlosscn hinter der Streikparole der Gewerkschaft; man wird sehen, ob die Regierung es wagen wird, 60.000 Eisenbahner anzuklagen, die von ihren gesetzlich gewährleisteten gewerkschaftlichen Rechten Gebrauch machten, um einen schändlichen Plan abzuwehren. Die Eisenbahner nehmen das läppisch« Drohen der Dollfüßler als den Ausbruch einer hysterischen Geltungssucht einiger antimärxistischer Bankerotteure, die vermeinen, in Oesterreich könne man nach deutschem Vorbild gegen die Arbeiterschaft regieren. Die nächsten Tage werden Tage des gesteigerten stampfe» gegen die Dollfüßler sein, die Tage der Gernegroße sind gezählt. „kreid ans Benner.“ WaS das Stribrns-Blatt über de« Fürsorge- Minister zu erzählen weiß. Eine Zeitlang— es war in den letzten Lebensmonaten der Regierung Udrial— ver- ! ging kein Tag, an dem nicht in irgendeinem bürgerlichen Blatte ein persönlicher Angriff auf den Minister Dr. Czcch erfolgt wäre. Die bürgerliche Presse glaubte den ihr verhaßten Fürsorgeminister durch wüstes Geschimpfe stürzen zu können — so wie einst die Juden durch ihr Geschrei die Mauern von Jericho zum Einsturz gebracht haben. Aber das Wunder aus dem alten Testament hat sich nicht wiederholt und seit dem Antritt der Regierung Malypetr haben die Angriffe auf die Person des Gen. Dr. Czech stark nachgelassen.« Am Donnerstag beginnt nun StklbrnFS „Polednt list" sich abermals mit der Person des Ministers Czech zu beschäftige» und da das Blatt augenblicklich nichts besseres weiß, rückt eS mit der furchtbar schweren Beschuldigung heraus, Dr. Czech sei öfters— mit dem ehemaligen österreichischen Ltaatekanzler Dr. Renner zusammengekommen. Das ist allerdings ein schweres Verbrechen, das man zuaeben muß. Zerknirscht wüsten wir bekennen, dag diese Tatsache auf Richtigkeit beruht. Gen. Dr. Nenner war seit dem Umsturz in der Tat mehreremäls in Prag, er hat daselbst sogar Borträge gehalten und hat h'ebei nicht nur m!t Dr. Czech, sondern auch mit anderen Genossen, deutschen und tschechischen Sozialdemokraten, ja mit dem Außenminister gesprochen, mt dem er in der Zeit seiner Kanzlerschaft sogar eiiren Vertrag abgeschlostcn hat. Deutsche und tschechische Sozialdemokraten haben sich stets sehr gerne mit Gen. Dr. Renner unterhalten, weil dieser einer der geistvollsten sozialistischen Politiker und einer der besten Kenner der mitteleuropäischen Probleme ist. Mit der Anschuldigung gegen Gen. Doktor mit Renner gesvrochen zu haben, wird also da« Ttttbrn;' Blatt nicht viel aufstecken. Tas weiß das ehrenwerte Blatt und deshalb fügt es Noch die Verdächtigung hinzu, daß„Czechs Wegs zu den tschechischen Genosten über Wie» führe" und daß— wie schrecklich!— beide, Czech und Renner,„in der Atmosplwre der österreichischen Sozialdemokratie" aufgewachsrn seien. Die erstere „Beschuldigung" soll wohl auch ein Hieb gegen die tschechiichen Genosten sein, die, angeblich nur von Wien beeinflußt, mit uns Zusammenarbeiten. Jeder Kenner der tschechoslowakischen Geschichte der letzten Jahre weiß, daß die deutschen und tschechischen Sozialdemokraten aus den Interessen der von ihnen vertretenen arbeitenden Schichten ohne jede fremde Beihilfe auS freiem Willen und eigener Initiative in Smichow 1928 zusammengekommen sind, um Schulter an Schulter miteinander zu kämpfen. Gewiß sind Czech und Je beängstigender und empörender die Vorgänge in Deutschland werden, desto tieferes Schweigen in der„Bohemia". Kein Wort der Kritik, kein Funken demokratischen Geistes und Willens! Ja, im Gegenteil! Das Blatt tut sich noch ettvas zugute drauf, daß es schweigt! Gestern leitartikelte dort Herr G. P., also der Herr Abgeordnete Peters, über die Volkssport-Abgeordneten und verspritzte seine ganz« Energie in der Verteidigung der Krebs und Jung. Und Mar so intensiv, daß jeder Uneingeweihte vermuten könnte, die ,Mohemia" sei nicht etwa das Publikationsorgan der Deutschdemokra-- ten, derenFübrer ja auch dort sitzen, sondern das amtlicheOrganderHaken- kreuzler. An dem Fall der vier sudetendeutschen Hakenkreuzler entzünden die Herren die Flamme ihres Protestwillens— di« Unterdrückung der ganzen sozialdemokratische« Press« in Preuße», di« rücksichtslos« Verfolgung aller Linksgerichteten in Deutschland, das regt die „Bohemia" n i ch t a u f! Aber nicht genug damit, bringt der Herr G. P. noch den traurigen Mut auf, das Schwei- gen der deutschbürgerlnhen Parteien zu den un- erhörten Vorgängen in Deutschland als das einzig richtige hinzustellen: Der„Sozialdemokrat"— so schreibt Herr 6. P.— ist schlechthin nicht zu verstehen, wenn er ein« Stellungnahme des für und wider zu den reichsdeutschen Geschehnissen empfiehlt und den bürgerlichen Parteien vorwirst, daß sie kein« Entrüstung zum Ausdruck bringen. Wir... stehen auf dem Standpunkt, daß wir... uns durch nichts beirren lasten sollen, was in der Welt geschieht. Alles ander« wäre Kraftvergeudung und lfeberschreitung yo.tt Grx.nzzn,.'hje utzr Sudetendeutschen gezogen find". Für wie dumm und vergeßlich hält denn der Herr G. P. die Leser der„Bohemia"? Wenn ihr an dem Deutschland vor dem Anbruch deS Fascismus etwas nicht gepaßt hat, da hat sie die „Grenzen" des Sudeterweutschtums nicht respektiert! In die französische Politik steckt sie ihre Nase bei jedem Anlaß, über die Vorgänge in England, etwa um die Zeit der Mac- Donald-Affäre ist sie zu Gericht gesessen, ganz zu schweigen von der„Kraftvergeudung" und Grenzuberschreitung, die sich das Blatt hunderte Male gegen Sowjetrußland geleistet hat! Und jetzt will der Herr G. P. jemandem einreden, daß es das einzig Richtige ist, über alle Ereignisse in Deutschland, deren Bedeutung doch so unsehbar ist, daß jeder Stellung nehmen muß, den Mund zu halten? Warum sagt Herr G. P. nicht die Wahrheit? Die lautet nämlich so, daß die,Dohemia" mit dem Hitler- fascismus und seinen Gewaltakten halb sympathisiert und zur anderen Hälfte Sympathie bekundet, weil die von der„Bohemia" erzogenen Leser, die unterschiedlichen Lehrer, Beamten, Kleinbürger und Hausbesitzer, von der„Bohemia" vermutlich nichts andere» erwarte«, als tiefstes Verständnis für die Er- schlagung der Freiheit, für die Drosselung der freien Presse, für die möglichst lange Fortsetzung des nationalistischen Rausches in Deutschland. Und so also spielt sich das Beispiellose ab, daß dieses Blatt, einmal eine Fahne des Liberalismus, nun zur Schildträgerin des Hakenkreuzes, der Reaktion geworden ist! In Deutschland wenden sich selbst rechts- stehende Blätter, wie die„Deutsche Allgemeine Zeitung", die„Germania", die„Köl- P ei ping, 2. März.(Reuter.) Durch verrat an der chinesischen Front wurden heute an einig«« Stellen Lücken in de« chinesisch«« Linien geschossen, was zur Folg« haben kann, daß China der Provinz Jehol verlustig geht. Aus verläßlicher Quelle wird gemeldet, daß General S u n- t i e n t y i n in Tschifen zu d«n Japanern über, ging und so de« sorgfältig vorbereiteten ver- teidiguugsplan TschangsueliangS vereitelt hat. Der Zusammenbruch des chinesischen Widerstandes in der Provinz Jehol hat in ganz China eine« Sturm bitterer Enttäuschung hervorgerufen. Die chinesisch« Oeffentlichkeit macht kein Hehl daraus, daß der Fall Lingiuans eigentlich schon den Verlust der Stadt Jehol und der ganzen Provinz bedeutet. ■ Japanische Bombenflugzeug-Eskadrillen bombardierten heftig di« von der Stadt Lingiuau«ach Nische Zeitung", gegen die Verdächtigung der Sozialdemokraten, an dem Attentat auf den Reichstag mitschuldig zu sein und gegen die Knebelung der sozialdemokratischen Presse aus diesem Grunde. Die ,^Bohemia" aber, der kein Hitler die Schreibweise diktiert, findet in ihrer Erbärmlichkeit kein Wort der Kritik, äußert nicht das leiseste Bedenken. Und da kommt noch der Herr Abgeordnete der Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft. Herr Peters, und verlangt einen Orden für diese Feigheit, für dieses schmähliche Unterkriechen unter den Interessen der Krebsleute? Er spricht von„Treue zu unseren Grundsätzen"? Da meint er wohl die Grundsätze des Geschäfts, der Liebedienerei vor den Lesern, denen man nicht genug nach dem Munde reden kann! Chrlsfliclisoziäic Niedertracht Die„Deutsche Presse hetzt gegen di« Flüchtling« aus Deutschland! Mit Neid dürfte die„Bohemia" auf die „Deutsche Presse" blicken, die es nicht notwendig hat, ihrer gleichfalls erzreaktionären Haltung ein Mäntelchen umzuhängen. In der„Bo- homia" meldet man mit fetten Lettern, daß Hundert« Linke verhaftet wurden und überläßt «s dem hiklerfreundlichen Leser, sich darüber zu freuen. Anders di«„Deutsche Presse". Di« jubelt auf über di« Persekutionen in Deutschland und kann vor glücklicher Erregung über den antimarxistischen Kurs kaum das Wasser halten. Na, wir Haban uns die schwärzest Brüder ni« anders vorgestellt und erleben da also keinerlei Ueberraschung. Aber daß und wie die„Deutsche Presse" gegt n da S AlYlr«ch t IpSzieht, das übersteigt doch all« Vorstellungen, di« man sich von einem noch so reaktionären Blatt« machen konnte. Man muß diesen Ausbruch für alle Zeiten festhalten: Wir wollen hoffe», baß di« tschechoslowakische Regierung ihr« Grenze» sichern wird, damit nicht di« Zahl geistiger Führer Moskauer Prägung im Land« weiter überflüssiger Weise vermehrt werde. Wir haben kaum Bedarf an solcher Geistigkeit... Wir sind nach wie vor der Ueberzeugung. daß di« Entbolschewisterung der Masse« eine Magen- und Arbeitsfrag« ist, während gegen di« satte« bolschewistischen Führer di« beste Sicherung eine fest« Grenzsperre ist. Di«s« geistigen Führer habe« kein Recht, sich aus Demokratie und Menschenrechte zu berufen, weil seit mehr als einem Jahrzehnt bereits Demokratie und Menschenrechte i» Sowfetrußland mit Füßen getreten werden. Ohne dies« Art von geistigen Führer» und ohne Bolschewismus gäbe es auch keine saseistisch« Reaktion. Da habt ihr sie, die P a t« n t ch r i st e n, die der Haß gegen alles Freisinnig«, gegen alles Sozialistische so weit treibt, daß st« der Regierung nahelegen, die Grenzen gegen verfolgt« Menschen abzurieaeln! Jawohl, so meint man in der „Deutschen Presse", aufknüpfen soll sie >«r Hitler, dies« gottverfluchten Sozi und Kommunisten, diese demokratischen Literaten! Die „Deutsche Presse" verschanzt sich dabei jesuitisch hinter den Argumenten gegen die Sowjetdiktatur, aber in Wahrheit ist ihr's nur darum zu tun^ daß der F a s c i s m u s, der in Italien seinen Frieden mit der Kirche gemacht hat und der auch in Deutschland mit ihr Bruderschaft trinken wird, allen fortschrittlichen Gei st ein den Garaus machen möge! West«« führ«»d« Straß«, aus d«r chinesisch« Verstärkung«« aus d«r Stadt Pintschuan zu Hilfe eil««, um di« chinesisch«« Stellung«« westlich von Lingiuan zu besetz««, wo di« Chines«« rin«n verzweifelten Widerstand zu leist«« beabsichtigen. Lingiuan zurUthcrohcrt! Peiping, 2. März.(Reuter.) Rach offiziellen Depeschen aus chinesischer Quell«, die um 21 Uhr in Peiping rinlangtrn, unternahmen die chinesisch«« Truppen unter dem Schutz« der ersten Dunkelheit einen mächtigen Gegenangriff gegen di« siegreich vorrückendrn japanischen Truppen, brachte« ihnen ein« Niederlage bei und Vertrieben sie aus der Stadt Lingiuan. Seite 5 ßedisjne bleibt Elsenbah- Minister In den letzten Tagen haben einige Blätter — darunter das„Prager‘ Tagblatt"— immer wieder die Behauptung ausgestellt, daß eine Rekonstruktion der Regierung bevorstehe und daß insbesondere Eisenbahnminister BechynS sein Ressort mit einem andern vertauschen wolle. Die beabsichtigte Rekonstruktion der Regierung, so schreibt außer dem„Prager TagMrtt" insbesondere das Organ der Liga, habe den Zweck, die deutschen Regierungsparteien und insbesondere den sozialdemokratischen Fürsorgeminister für die Absenz bei der Abstimmung Aber die Auslieferung der Hakenkreuzabgeordneten zu„bestrafen" uns dem sozialdemokratischen Minister ein minder wichtiges Ressort statt desjenigen für soziale Fürsorge zu geben. Der neue Fürsorgeminister solle eben der jetzige Eisenbahnmimster werden. DaS„Pvavo Lidu" ist nun ermächtigt zu erklären, daß all« diese Behauptungen erdacht sind. Eisenbahnminister Bechynö bleibt in seinem Ressort, er wünscht nicht dieses Ressort zu verlassen und di« tschechische Sozialdemokratie habe nicht die Absicht, ihn abzuberufen und für ihn ein anderes Ressort zu verlangen. Der Eisenbahnminister will im Zusammenhang mit anderen Faktoren einen Reorganisationsplan für die Eisenbahn durchführen und werde damit schon in nächster Zart beginnen. Das„Pravo Lidu" bemerkt zum Schluß tw- nisch. daß das„Prager Tagblatt" und Herr Stribrny die Berufensten dazu seien, die heutige Regierung umzumodeln. Auch das„Üefks Slovo" beschäftigt sich mit den Gerüchten über eine Rekonstruktion der Regierung. Jeden Tag tauchen, so schreibt das Blatt, Nachrichten über ein« Auswechslung von Ressorts auf, als ob es sich nicht um die höchsten Staatsämter, sondern um ein Privatvergnügen handle. Bon kompetentester Seite wurde dem Blatt« versichert, daß an diesen Gerüchten nichts Wahres sei und daß man davon überall rede, nur nicht in der Regierung/ Es sei notwendig, vor solchen Nachrichten zu warnen. Die SprengelDUrgersdiui- vorlade. Der strittig«§ 81 geht nochmals an di« Regierung. Prag, 2. Marz. Nach längerer Pause setzte heute der KulturauSschuß des Abgeordnetenhauses die Debatte über das Sprengelbürgerschnlgesetz 'ort. Bekanntlich war der Gesetzentwurf des Schulministeriums schon in früheren Sitzungen des Kulturausschusses abgestimmt worden, nur die Abstimmung über den 8 31 des Entwurfes wurde ausgesetzt. Nach diesem Paragraphen soll das Gesetz nur auf di« bereits bestehenden öffentlichen Bürger- chulen angewendet werden, während dessen Anwendung auf bi« später zu errichtenden Bürgerschulen erst der Regierung im Berordnungswege überlassen werden soll. Der Ausschuß dagegen will erreichen, daß für jeden Sprengel«in« Bürgerschule eventuell neu errichtet werden soll. Genosse Benes als Referent erklärte, daß die Regierung sich weiter für 1 bi« Beibehaltung des§ 31 ausgesprochen habe, und er glmrbt, daß man doch die Frage erwägen sollte, den genannten Paragraph trotz seinen Schwächen beiznbehal- ten, um so das Gesetz der parlamentarischen Erledigung ZN zu führen. In der daranschließenden Debatte kam»um Ausdruck, daß so ziemlich alle Redner die Mängel des§ 81 zugaben. Die Abgeordneten H o di na und Za di na traten entschieden gegen die Beibehaltung des 8 31 auf. Genosse Kremser bemängelte ebenfalls den 8 31 und erklärte, daß di« Beibehaltung dieses Paragraphen nicht nur keineBorteile ür neuzuerrichtende Bürgerschulen, sondern auch Nachteil« für die bestehenden bringen würde. Wenn der Paragraph beibchalten wird, so wird dies keine» Fortschritt auf dem Gebiete des Biio- aerschulwesenS bedeuten, sondern- es werden scher viel mehr Nachteile darans entstehen, als Vorteile darin enthalten sind. Minister Genosse'Dr. Därer erklärte die Schwierigkeiten, die der Streichung des 8 31 seitens des Finanzministeriums entgegengesetzt werden, uNd gab der Meinung Ausdruck, daß man doch erwägen solle, das Gesetz mit diesem Paragraphen anzunehmen. Nach einem kurzen Schlußwort des Referenten wurde, beschlossen, den EMWurf neuerlich der Regierung vorzulegen, sie aus die neuer Berechnungen und finanziellen Auswirkungen aufmerksam zu rnachen und um die endgültige Beschlußfassung zu ersuchen. Böhmische Landesvertretung einberufen. Die Frühjahrssession der böhmischen Landesvertretung beginnt am 18. März, die Tagung wird nur kurze Zeit in Anspruch nehmen. Der bisherige Sekretär des tschechoslowakischen Jndustriellenverbandes, Abgeordneter Prof. Dr. H o d a c, ist auf die Dauer der Ausübung seines Abgeordnetenmandats vom Industriellenverband als dessen Generalsekretär beurlaubt worden. Sein« Stellung übernimmt Jng. B. Mira. Verrat «eiere den Japanern Jehol ans? Seite 6 Freitag, 8. März 1988 Nr. 53 Tagesneuigkeiten Vie internationale der sozial« demo.rati chen Gkwrrdttreivenden an/ dem Marsche- Di« Bewegung der sozialdemokratischen Ge- werbetreibeaden und Kaufleute innerhalb der Internationale nimmt an Ausdehnung zu. Zu den schon bisher bestandenen Landesverbänden kommt nun eine Organisation in Frankreich, die in den letzten Monaten deS vorigen Jahres gegründet■ ist der Ansicht, daß der ganze Fall Landry neuerlich aufgerollt werden wird. Flüchtlinge... Zu uns kommen jetzt die vom Dritten Reich Vertriebenen; Männer von internationaler, Bedeutung(soweit man das Kulturlebefl betrachtet), Männer, deren einziges und nach Hi^er todeswürdiges Verbrechen darin besteht, dag sie die Welt, mit wachen Augen betrachtet haben und die notwendigen Wege in eine neue Gesellschaft und gerechte Zukunft in Wort oder Bild publizierten. Wer mir diesen Männern gesprochen hat, die im wahrsten Sinne des Wortes bei Nacht und Nebel die Stätte des heutigen deutschen „Erwachens" verlassen haben, kann sich ein annäherndes Bild dessen bilden, was im Reich des Hakenkreuzes vorgehl. Absolute Rechtlosigkeit der Volksmehrheit ist das Weseütliche; aus ihren Betten werden Professoren. Schriftsteller, Schauspieler geholt, um auf Grund der neuesten Notperordnung ohne richterliche Kontrolle eingekerkert zu werden. Niemand darf zu ihnen, jeder, der sich nach ihrem Verbleib erkundigt, ist schon verdächtig und wird verhaftet. Dieses Verhaften ist aber etwas, was die Kulturwelt seit vielen Jahrzehnten nicht gekannt hat: es erinnert an die mittelalterliche Inquisition, denn niemand darf es wagen, für diese Gefangenen etwas zu tun, weil schon das„Sympathisieren" mit den Marxisten Hochverrat ist. Es gibt keine rechtliche Handhabe, sich gegen diesen Terror zu wehren, weil das Rech' des Eimelnen, soweit er nicht Haken- kreuzler ist, einfach außer Kraft gesetzt wurde. Die deutschen Städte(vom Land gar nicht zu reden), sind nach den Erzählungen der Geflüchteten ein« einzig« Stadt der Menschenjagd: Spitzel zeigen der Polizei und ihren braunen Helfern den Weg, nach den Mitgliederver- zeichnisien der linken Vereinigungen wird vorgegangen und loche, wenn der Betreffende angetroffen wird: er verschwindet auf... wie lange, weiß niemand. Jeder, der es wagt, seine Meinung abweichend von dem offiziellen Pressedienst zu äußern, ist vogelfrei. Die Menschen auf der Straße iverdcn mißtrauisch, p>ie in den Zeiten des dunkelsten Absolutis- »er Millionär als Narkcndieb. Der Papa nnniredinonpiahlil. Prag, 2. März. Der reiche Teplitzer Privatier Alexander S o ch o r und sein« 22jährige Tochter Adele haben sich einer Reche frecher Diebstähle schuldig gemacht. Sie hatten es auf w e r t- volle Briefmarken abgesehen und chr« Zu- 'ammenarbeit war fein ausgeklügelt. Zunächst suchten sie durch Inserate in der„Narodni Politika" P h i l a t e l i st« n, die im Besitze entsprechender Markensammlungen waren. Dann erschienen der Herr Papa und das Töchterchen bei den Interessenten und begannen deren Sammlungen zu besichtigen. Der Tochter fiel daim di« Aufgabe zu, den Besitzer der Marken irgendwie abzulenken. Entweder simulierte st««in plötzliches Unwohlsein und bat mit ersterbender Stimme um ein Glas Dass«r. Oder sie entwickekl« den zu Rupfenden in ein intimes Gespräch und dirigierte ihn in«ine Zimmerecke u. dgl. Jedenfalls wüßte st« seine Aufmerksamkeit von dem in das Studium der Markensammlung vertieften Papa abzulenken. Dieser nützte di« Gelegenheit aus und stahl in den unbewachten Augenblicken die wertvollsten Marken. Solcherart wurde ein« Reihe von Sammlern schwer geschädigt. Der Schaden beträgt im Einzelfall bis zu 8000 K. Wenn Millionäre stehlen, pflegt sich zur rechten Zeit ein ärztliches Gutachten«inzustellen, das ihre Unzurechnungsfähigkeit feststellt. mus, die persönliche Sicherheit ist gleich Null, Bersammlungs- oder Hausrecht gibt es nicht mehr und dieselben braunen Söldner, di« noch vor Wochen jeder Polizist wegen brutaler Gewalt festgenommen hatte, sind unverletzlich. Ihr Wülen ist Gesetz und Recht, weit über die Hälfte der Nation ist vogelfrei. So erwacht Deutschland. Wenn Freunde nicht mehr telephonisch erreichbar find, weiß man, daß sie gefangen sind; dabei gibt es keine„Verlustlisten", nur selten veröffentlicht die Hitler- Polizei ihre Tagesarbeit und die dabei verzeichneten Erfolge. Wer nur kann, versucht zu flüchten, wenn er«inen exponierten Namen hat! Ruf nach Menschenwürde wird mit Peitschen beantwortet, die Braunhemden scheinen absolute Herren über das Land; aber es gärt immer mehr, je stärker die Un'erdrückung wird, desto gewaltiger wird der Widerstand. Die noch geduldeten Zeitungen bringen Tag für Tag Kriegsberichte, die von den Machthabern diktiert sind; das allexärgste ist nach den Schilderungen der ersten Geflüchteten nicht der individuelle Terror, sondern das Fehlen des Gefühls der Verbundenheit mit den Massen^ Versammlungen, Zeitungen, Vorträge sind verboten; die Berkehrslokale gesperrt» niemand weiß, was eigentlich vorgeht; Telephongespräche werden belauscht, Verdächtig« bespitzelt und mitten auf der Straße verhaftet, Hausdurchsuchungen fallen immer„erfolgreich" aus, immer wich„Ma'erial" gefunden, und da es keinen objeftiven Richter gibt, der die Gefangenen verhören müßte und das Material überprüfen könnte, versuchen eben viele die Flucht. Mit Köfferchen und Schreibmaschine, eine knappe Barschaft in der Tasche, überschreitet so mancher geistige Arbeiter die deutschen Grenzen: und erzählt von einer Welt der Bestialität, gegen die aufzustehen Pflicht der Kulturmenschheit sein muß. Zu, Frag« der Fleischkontrolle veröffentlicht das Pressebüro ein« zweifellos amtliche Meldung, der wir folgendes entnehmen: In der Tagespreise ist di« Nachricht aufgetaucht, daß di« Tschecho- flowakei der einzige Staat in Mitteleuropa sei, der keine gesetzlich« Grundlage für die Fleöchkon- trolle hätte. Dies« Nachricht entspreche nicht den Tatsachen. In den historischen Landern, auch in der Slowakei und in Karpathorußland, gelten Vorschriften, die dafür bürgen, daß in den Handel kein Fleisch gelangt, das die Gesundheit der Men- schew bedroht. Es besteh« daher bei uns keine Lücke in den Vorschriften zum Schutze der Balks- gesundheit. Di« Durchführung dieses Belanges des Gesundheitsdienstes erheische allerdings, daß die Vorschriften unifiziert und daß durch Vorschriften der Dienst der Aufsichtsorgan« verbessert werde. DaS diesbezügliche Gesetz muß besonders die Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Rechts- und dem faktischen Stand abschaffen. DaS Ministerium für Gesundheitswesen befasse sich ernstlich mit dieser Angelegenheit. Tas Befinden öermäks hat sich wiederum teilweise gebessert; trochem muß sein Zustand noch weiter als bedenklich bezeichnet werden. Tschechoslowakisch« Familie aus Sachse« ausgewiefrn. Aus W e i P e r t wird uns berichtet: Mittwoch mittags traf in einem Autobus uMer Begleitung durch ein aus neun Mann bestehendes Ueberfallskommando die Familie des in der Tschechoslowakei gebürtigen und fest einigen Jahren in Limbach im Chemnitzer Bezirke wohnhaft gewesenen Gelegenheitsarbeiters Anton, Weigert an der sächsisch-böhmischen Grenze ein, wo die neunköpfige Familie von Organen der Wcipcrter Sicherheitswache übernommen und zum Bahnhofe gebracht wurde, von wo aus der Weitertransport der Leute in ihre Heimat im Luditzer Gebiete erfolgte. Di« Ausweisung Wei- gerts ist aus Grund„besonderer Verhältnisse" er- iolgt; er stand der kommunistischen Partei nahe. Der Abtransport der Familie war unter Uetzer- wachung eines UeberfallÄommondos deshalb er- — Die Tomter 5 Monate Kerker. Herr Alexander Sochor, der zu dieser Kategorie gehört, ist im Besitz eines Gutachtens, in dem es heißt, daß er an„moralischem Schwachsinn"(morLlni blbost) leide und daß dieser Zustand dem intellektuellen Schwachsinn gleich- komme, der di« Zurechnungsfähigkeit und damit auch die strafrechtliche Verfolgung ausschließe. So wurde denn auch von der AÄlage gegen chn abgesehen und lediglich dos Fräulein Tochter wegen Mitschuld am Verbrechen des Diebstahls angeklagt. Denn bei dieser war«in geistiger Defekt beim beste» Willen nicht festzustellen. Die Angeklagte leugnet«, wurde aber durch die Zeugen vollkommen überführt. Einer der.Zeugen äußerte in scharfen Worten sein« Verwunderung darüber, daß der Bat«r der Angeklagten, der diese Diebereien mit erstaunlichem Raffinement und Scharfsinn inszeniert habe, als„Schwachsinniger" der Strafverfolgung entgehen könne. Aber dar ist schließlich Sache der Sachverständigen, deren Wohlmeinung nicht immer mit dem schlichten Laienverstand lobe reinstimmt. Der Senat des OGR. Mräzek verfuhr mit dem angeklagten. Fräulein Adele nicht eben sänft'g- lich. Di» Angeklagte wurde zu fünf Monaten schweren und verschärften Kerkers ver- urteilt. Di« Straf« ist unbedingt. folgt, weil die Behörden annahmen, von kom- munistischer Seite würde während der Fahrt zur Grenze versucht werden, di« Ausweisung Weigerts zu vereiteln. Die Familie setzte am Atzend ihre Reise in di« Heimat im Eisenbahnzuge fort. Totschlag mit der Faust. Donnerstag wurde in Pardubitz der 35jährig« Musiker Jaroslav R o d l verhaftet und in die Gerichtshaft eingeliefert. Montag geriet er mit dem 41jährig«n Restaurateur B. Ender auf dem Bahnhofsperron in Streit. Rodl schlug Ender mit der Faust so stark an den Kopf, daß dieser zur Erd« fiel. Ender ftthr dann mit dem Zug nach Haus« und verschied Mittwoch in der. Nacht. Bei der gerichtlichen Obduktion wurb« festgestellt, daß er den Schädelknochen in einer Länge von acht Zentimeter ge» spalten hatte, welche Verletzung er sich durch den Fall auf die Erd« zugezogen hatte. Er starb an innerer Verblutung. Verbandstag der Bank- und Sparkassenbeamten. Der Verband der Bank- und Sparkassenbeamten hält am 8. und u n d 9. A p r i l seinen 9. ordentlichen BerbandStag in Prag ab. Wien kaut 1300 neu« Wohnungen. Die zuständigen Ausschüsse deS Wiener Gemeinderates haben das Frühjahrsbauprogramm der Gemeinde Wien genehmigt. Es sollen sieben neue Gemeindehäuser mit 1358 Wohnungen mit einem Kostenaufwand voll 14.5 Millionen Schilling erbaut werden. Kindesweglegung. Mittwoch hinterlegte«ine etwa zwanzig Jahre alte Frau in einer Resta«- ration in Budweis wissentlich ihr drei Monat« altes Kirch. Nach einer vergebens eingeleiteten Fahndung nach oer Mutter des Kindes besorgte das Polizeiamt ein? Pflegerin, bevor in die ganze Angelegenheit Licht gebracht werden wird. Vermißter»Militärpilot. Der Feldpilot Rudolf Klima wurde der Uebungsstaffel des Fliegerregimentes Nr. 1 zwecks Ueberprüfung zugeteilt. Donnerstag erhielt er den Befehl zu einem Uebungsfluge und startete um 10 Uhr 50 auf dem Flugzeug der Uebungsstaffel^d-111-92; er ist bisher nicht zurückgekehrt. Bis 18 Uhr lag von ihm noch keine Meldung vor. Ter Multimillionär Karl Boettcher, der am 13. Feber, von seiner Wohnstätte entführt wurde. ist nach Bezahlung eines Lösegeldes von 60.000 Dollar seiner Familie zurückgegeben worden. Nach der Freilassung Boettchers bat fast die gesamt« Polizei von Denver di« Verfolgung der Entführer ausgenommen. „Tod für Hitler...!" Das Gebäude des deutschen Konsulates in Lüttich wurde in der Mittwoch-Nacht bis zu einer Höh« von zwei Metern mit roter Farbe und mit der Aufschrift in französischer Sprache„Tod für Hitler, es lebe die Revolution!" beschmiert. Außerdem sind di« Initiale« KPD und daS kommunistische Hammer-Sichel-Zeichen auf der Wand angebracht worden. Die Polizei hat all« notwendigen Schutzmaßnahme» für das Konsulat ergriffen. Sprengstoff-Diebstahl. Aus dem Sprengstofflager der Firma„Arbeitsgemeinschaft, für den Neckarkanal-Durchstich in Heilbronn wurden in den letzten Tagen 42.5 Kilogramm Gelatine- Donarit, 100 Sprengkapsel« und fünf Meter Zündschnur gestohlen. Uetzer die Täter ist noch nichts bekannt. Brand. Gestern um Mitternacht brach in dem Kohlenlager der Firma Alois Liöka, in der ehemaligen Kriegsquarantänestation in Pardubitz, ein Brand aus. Weiter verbrannten mehrere Waggons Kohl« und die eingelagerten landwirtschaftlichen Maschinen. Es droht« di« Gefahr, daß der Brand auch auf die benachbarten Baracken übergreif«. Der Brand konnte noch im Laufe der Nacht, lokalisiert werden, dauert« jedoch in den Morgenstunden noch an. DaS Lager war versichert, die Schadenhöhe konnte bisher nicht abgeschätzt werden. Die Brandursache wird von der Polizei untersucht Todesfall. Am 26. Feber verschied in Postel- berg Frau Franziska Kurka, Oberl«hr«rsgattin und gew. lit. Lehrerin, die Mutter unseres Genossen R. W. Kurka, Beamten der„Gec" in Prag.' StiHolrater 1933: März vi< Mai Statt Marx-lSedenkfeierrr. 14. März- SO. Todestag. März Sraueniag. 1. Mal. iS. Sun! Kindertag. Rüstet schon fetzt zu diesen proletarische» Feier«! Erlreul ches aus England. In London wurde der dieser Tage verstorbene erlisch« Feldmarschall Sir William Robe r t s o n bestattet. Generalstabschef Robertson, der in den letzten Jahren seines Lebens zu einem entschiedenen Pazifisten geworden war und Kriege als„nutzlos" bekämpfte, hatte in seinem Testament bestimmt, daß bei seinen Bei- letzungsfeierlichkeiten auf jeden militärischen Prunk verzichtet werden solle. So geschah es, daß bei der Gedächtnisfeier in der Westminstcr-Abtet zwar eine ganze Reihe von Vertretern des englischen Generalstabs,' des diplomatischen Korps, des Prinzen von Wales und des Königs von England, aber— nicht eine einzige Uniform zu sehen Ivar. Selbst Säbel und Federhut fehlten auf der Bahre. Nur di« über den Sarg gebreitet« Landesflagge erinnerte daran, daß ein Soldat begraben wurde. Das Oxforder Studentenparlament hat mit 275 gegen 153 Stimmen eine Entschließung angenommen, daß es„unter keinen Umständensür seineuKönig und sein Land kämpfen" werde. Diese'Entschließung hat in England ein« heftige Diskussion ausgelöst, zumal auch mehrer« andere Studentenvereinigungen Beschlüsse faßten, die zu den englischen kowervatwen Auffassungen, wie sie bisher gerade an den großen Universitäten gültig waren, im heftigsten Widerspruch stehen. So hat auch ein Debattierklub nach ein«m Besuch Lansburys mit 67 Stimmen Mehrheit«ine, Entschließung angenommen, in der es heißt: ,Jm Sozialismus liegt die einzig« Lösung für die Probleme, vor die unser Land gestellt." Ferner haben die Mitglieder des st u d e n t t» schenLabourkluds zusammen mit den Mitgliedern des kommunistischen Oktober- kl u b S vor einigen Monaten gemeinsam di« Demonstranten, die in„H u n g e r m ä r s ch e n" nach London zogen, tatkräftig unterstützt. Die Todesurteile. DaS Gericht in UeSküb verurteilt« den Schmied Usenovic aus der Gemeinde Resna, der im Lcktober des Vorjahres seinen Vater ermordet« und di« Mutter so schwer verletzte, daß si« bald im Krankenhaus« verschied, zu« Tod«. Der Mörder motivierte seine Tat damit, daß er sich der Erbschaft bemächtigen wollte. Selbstmord eines Bankkassiers. Aus der Dona« wurde di« Leiche des KassierS einer Bankfiliale in Neusatz gezogen. Der Bankier war im April des Vorjahres»ach Unterschlagungen von 200.000 Dinar geflüchtet. Freilegung einer tausendjährigen Kirche. I» italienischen archäologischen Kreisen ruft di« Entdeckung eines alten Domes aus dem X. Jahrhundert in Amalfi, eines hervorragenden Bauwerks, grofes Aussehen hervor. Diese Kirche, die der Baumeister Masone in der zweiten Hälfte des X Jahrhunderts erbaute, wurde hinter einer verlängerten Wand der Kirche Chiela di Crosefisso entdeckt, di« vor dem Kloster steht, das ehedem den Jerusalem«! Rittern, den Vorgängern des Malcheftr-Ordens, in der Zeit der größten Mut« der Republik Amalfa, gehörte. Bisher wurden ztoei Reihen von künstlerisch gearbeitete« Arkaden und ein Teil einer Marmcr- Säulenreihe freigelegt. Nunmehr wird an der Freilegung des denkwürdigen Gebäudes gearbeitet. Der Ball ohne Tänzer. Aus Sonnenberg im Erzgebirge wird uns geschrieben: Wie groß di« Notlage breiter Bevölkerungsschichten in den meisten Erzgebirgsorten ist, beweist ein Ereignis in Donnenberg. Im„Hotel Post" sollte am Faschingsonnlag ein« Tanzunt«rhal»ung abgehalken werten, zu der in ortsüblicher Weise eingeladen wurde. Aber es stellt« sich nicht ein einziger Ve'ucher ci/'. so daß die Musiker chr Podium wieder verlassen und unverrichteter Weise den Heimweg antreten mußten, während der Gastwirt betrübt di« Lichter im Saal« wieder verlöscht«... Vorn Rundfunk Empfehlenswertes aut den Programmen Samstag: Prag: 6.15 Gymnastik. 1100 Schallplatten. iS 25 Deutsche Sendung: Heitere Jugendstunde. 10.55 Drei Musketiere.— Brünn: 12.30 Hrchrstek- kongert. 18.25 Deutsche Sendung: Täi»'« in der neue« Musik. 19.25 Schrammelmusik.— Berlin: 21.15 Orchasterkonzert.— Mühlacker: 19.30 Kammermusik.— Hamburg: 22.30 Heiteres Konzern — München: 19.25 Mandolinendoppelquartett. 211’ Orchesterkonzert.— Wien: 19.00 Bericht aus Amerika. 20.00„Mesalliance", Komödie von Shaw. Anstieg der tschechoflowakischen Rundfunk' hörerzahl. Im Jänner l. I. sst in der Tschechoslowakei ein Zuwachs von 15.644 Rundfunkhörern zu verzeichnen. Die Gesamtzahl rtf 1. Feber beträgt 487.857, wovon 484.711 zahlende und 3146 nichtzahlende Teilnehmer sind. Nr. 53 Freitag, 8. WSq 1988 Sette 7 Immer wieder Krieg? VonWaltyer Victor, Der Lkichensinkman». Erzählung von Erich Grisar. Du willst doch nicht sagen, daß der Finkmann so mir nichts dir nichts zu seinem Spitznamen gekommen ist. Man nennt doch keinen Menschen I. Leichenfinkuiaun, wenn er nicht mindestens ein Menschenleben auf dem Gewissen hat. Wie es mit seinem Gewissen steht, weiß ich nicht. Bor Gericht jedenfalls hat man ihm nichts anhaben können. Nur wegen fahrlässiger Tötung hat man ihm ein halbes Jahr ausgebrummt. Mit Bewährungsfrist.. Das heißt also, daß er doch«inen umgebracht hat und einen weiteren umbringen muß, ehe er dafür in den Kasten kommt. Biel Vergnügen. Bei dem Monteur möchte ich arbeiten. Da wäre man ja seines Lebens nicht sicher. Aber nein, glaub doch, was ich dir sage. Gerade bei. Finkmann bist du deines Lebens sicher. Ich habe doch mehr als eine Montage mit ihm gemacht, wo auch nicht eine Fingerspitze dran glauben mußte. Und keiner war stolzer darauf als Finkmann. Und was auf Montage eine Fingerspitze gilt, daS weißt du doch. Aber wie konnte es dann zu der Sache kommen, die man sich von Finkmann erzählt und wegen der man ihm den Spitznamen gegeben hat? Wie konnte das kommen? Du weißt ja selbst, etwa- kommt immer mal vor und wenn man noch so sehr aufpaßt. Also, um es kurz zu erzählen, das war damals, wie wir bei Dingskirchen die Brücke erneuert haben. Du weißt schon wo, und die Lassen, die hier die Ohren spitzen, brauchen nicht gleich wissen, wovon wir reden. Also da haben wir die neue Brücke gebaut. Nun war da die Fluiöffnung ziemlich tief. Verkehr war auch allerhand. Kurz und krumm, Gerüst durften wir nicht bauen. Außerdem stand die alte Brücke noch an ihrem Platz, weil ja der Verkehr sowohl auf dem Wasser als auch auf der Brücke nicht unterbrochen werden könnte. Was war zu tun?. DaS Mittclstück mußte auf Kähnen wontiert werden. Darin war Finkmann ja Spezialist. Er ließ die Kähne durch Streckbalken und Kreuzlager gut verbinden. AuSeinanderlau- fen konnten sie uns nicht. Na, das wäre ja auch nicht in Frage gekommen. Der Tag kam, aN dem wir die Brücke einfahren konnten. Tie Eisenbahn hatte uns drei Stunden Zeit gegeben. In diesen drei Stunden wußten wir die alte Brücke ausfahren und die neue einschwimmen. Und die Schienenstöße verlaschen. Kannst dir denken, daß da der Schweiß floß. Finkmann hatte uns noch besonder- einge- schärft, daß keiner seinen Posten verlassen dürfe, was immer auch, ge/chehe, Brauchte, er uns ja nicht erst sagen. Sind doch alte Brückenbauer. Die Kähne,/die die alte Brücke.aufnehmen sollten,.standen fertig. Der letzte Zug war kaum über die Brücke gebraust/da ließen wir auch schon das Wasser aus den Tanks. Eine Pracht, nne der alte Kasten sich hob. Während dann die Auflager auSgewechselt wurden, ließ Finkman» die Anker loswerfen und die alte Brücke hatte noch nicht am Ufer angelegt, da schwamm die neue schon vom Ufer los. Nur an zwei Seilen hing der ganze Ausbau noch mit dem Land zusammen. Langsam wurden die Seile nachgelassen. '■ Oben auf der Brücke stand Mutzenkarl. Er hatte, so wie die Brücke zwischen den Pfeilern lag, ein Seil, das ihm.heraufgeschmissen wurde, oufzufangen und am ersten Ouertrag-r festzuwachen. Damit die Brücke sich richtig auf die Auflager senkte. Genau in dem Moment, als Mutzenkarl sein Tau festgemacht hatte, riß das Ankcrtau auf seiner Seite. Nun war an dem Morgen auch die Strömung noch etwas stark und so war daS Unglück da. Unten zerrte die Strö- wung den Tragkahn mit dem Gerüst unter der Brücke weg, oben hing die Brücke am Pfeiler fest. Keine zehn.Sekunden waren vergangen, da hatte die Brücke schön dreißig, ja vierzsg Grad Neigung. Wir kottntey- den Augenblick ausrechnen, wo sie uns vom Gerüst rutschen mußte und der ganze Klumpatsch im Wasser lag, Was das dedzuiet hätte,'braucht ich dir ja nicht erzählen,'flicht nur die Arbeit von Monaten wäre umsonst gewesen, auch der Bahnverkehr hätte wochenlang ,»ill gelegen. Die Brücke hätte.nicht nur den Fluß ge- sperrt, sondern auch das Wiedereinfahren der ölten Brücke-verhindert. Außerdem hatte die. Mannschaft, die auf den Kähnen stand und darauf wartete, die Tanks vollzupumpen und die Ankerlaue zu bedienen, dran glauben müssen. Finkmann sah all das in einem Augenblick. Er schrie Mutzenkarl zu, er solle das Seil loswachen und die Brücke treiben lassen. Aber ob Mutzenkarl an dem Morgen besoffen war oder was sonst mit ihm loS gewesen ist, weiß ich nicht. Er klammerte sich an das Seil, als hinge sein Leben davon ab. Dabei wär«, wenn er rechtzeitig lo-gelassen hätte, alles gut abgegangen. Vielleicht aber auch war es die strenge Anordnung Fink- wannS, nichts zu tun, was nicht befohlen war, die ihn abhielt zu tun, waS nötig war. Finkmann wartete nicht, bis Mutzenkarl seinen Befehl befolgte. Mit einem Sprung war er auf der Brücke und eilte in langen Sätzen auf die andere Seite, wo Mutzenkarl sich krampfhaft an das Seil klammerte. Schon das war eine Leistung, weil doch die Brücke allerhand Neigung Und keinen richtigen Belag hatte. Gespannt sahen wir vom Ufer aus zu, was Finkmann machen würde. Da stand er auch schon neben Mutzenkarl. Einen Augenblick kämpften die beiden miteinander. Mutzenkarl wollte das Seil auch jetzt noch nicht loslassen. Vielleicht fürchtete er den Schlag, den es geben mußte, wenn die Der japanische Krieg um di« Mandschurei nimmt seinen Fortgang. Der Völkerbund erweist, sich als ohnmächtig gegenüber den Tenderiz les Imperialismus. Gleichzeitig hat in Deutschland ein Regime, sein« Herrschaft angetreken, das Avgen den Pazifismus zu Feld« zieht.- Da sind di« folgenden Ausführungen besonders aktuell. ,^Jch war in vier Gefechten, wovon zwei ziemlich bedeutend, namentlich. das bei. Rastatt," und habe gefunden, daß der vielgerühmte Mut des Dreinschlagens die aller- o r d i n ä r st e E i g e n s ch a f t ist, die man haben kann. Das Kugelpfeifen ist eine ganz geringfügige Geschichte, und während des ganzen Feldzuges habe ich trotz vieler Feigheit kein Dutzend Leute gesehen, die sich im Gefecht feig benahmen, desto- mehr aber„tapfere Dummheit'. Lukin— ich bin überall glücklich durchgekommen, und on bout ckn vowpto ist es gut, daß einer von der„Neuen Rheinischen Zeitung" dabei war, well es demökratifches Lumpenpack in Baden und in der Pfalz war, und nun mit nicht getanen Heldentaten renommiert. Es würde wieder geheißen haben, die Herren der„Rheinischen Zeitung" seien zu feig, sich zu schlagen..." Das schreibt, 29 Jahre alt, am 28. Juli 1849, Friedrich Engels an Jenny von Westfalen, des Freundes Karl Dlarx Frau. Er sitzt in Vevey am Genfer Sees-als Adjutant von Willich, hat er die revolutionär»n. Kämpfe von Süddeutschland mitgemacht, und da sich die Erhebung mit Waffengewalt gescheitert zeigt«, ist er mit dem Rest der republikanischen Truppen über die Schweizer Grenze gegangen. Hier nun konnte Friedrich Engels, der sich zeitlebens mit Krieg und Kriegswissenschaft, Kriegstechnik und Kriegstdeologi« beschäftigt und von den Freunden darob den Namen General erhalten hat, sich aus- einandersetzrn mit dem Problem des Dreinschlastens. Für ihn selbst war der Fall erledigt: er hat keine Waffe mehr in die Hand genommen. Für di« Weltgeschichte indessen galt eS, ihn zu klären: er ging nach England, und sein LebenAverk ward es, zu beweisen, daß der Mensch und sein vielgerühmter Mut nur eine Arabeske fft am Rande eines Geschehens, das von anderen, stärkeren Gesetzen diktiert wird Und diese Gesetze haben sich, 20 Jahre nach Friedrich Engels Tod, zum Schrecken der Menschheit furchtbar bewährt. Der Weltkrieg war der,mörderische Exzeß einer Gesellschaftsordnung, die geändert werden muß, und deren unausbleiblicher Sturz auch das Ende des Krieges bedeuten wird.. jy.»-• Den Krieg ethisch zu rechtfertigen, fft. darum das. Bestreben aller derer, die das System, dessen Folge er fft, als gottgegeben und unabänderlich zu verteidigen, seine Gegner mit allen Mitteln zu bekämpfen trachten. 10 Jahre lang haben Ströme von Blut verstummen gemacht das Gerede vom „Heldentum' der Schlachtfelder und vom»Stahlbad" des Krieges. Dann ging es wieder los. Halbwüchsige begannen„Siegreich woll'n wir Frankreich schlagen"' zu singen, und heute ist es wieder so weit, daß sich di« Menschen, die sich dem Irrwahn der Kriege, diesem Amoklauf oer Menschheit entgegenstemmen, als Verräter verschrien und ihr Pazifismus als Feigheit interpretiert, ihre. Politik eine solche der Schwäche genannt wird und in den Hirnen einer für fälsche Romantik empfänglichen Jugend das kriegerische Wesen als das des wahren Helden sich abzeichnet. Wollen wir da ruhig zusehen? • Wir wollen es nicht. Vor allen Dingen wollen wir vortrete», die wir den Krieg an der Front mitgemacht hab«», und aus Erfahrung wissen, WaS Krieg heißt. Wir, die nur im Dreck gelegen, weder MunitionSgeschäst« gemacht noch an Kriegslieferungen verdient haben, weder Etappenhengste noch Schreibstubenhelden waren, we- der Kriegsgedichte hinter der Front, noch Politik, unter der andere leiden mußten, gemacht habrnz wir, die wir am eigenen Leibe das erfahren haben, was die anderen Heldentum, die»Muschkoten" aber Wahnsinn nannten, wir wollen vortreten und denen aufs Maul schlagen, dir untz heute feige schelten, und den patriotischen Mut gepachtet haben, während sie damals noch di« Windeln näßten öder im bombensicheren Unterstand der Hermat saßen. Wir wissen, daß auch im Weltkrieg der ,chi«l- gerühmte Mut di« allerordinärste Eigenschaft" war, wir wissen, daß wir aus»«chamschem Zwang, gestossen haben, daß.wir in die Notwehr hinein verführt waren, um dann zu töten, damit wir nicht getötet wurden. ES war di«„tapfere Dummheit" jener, di« ihr Gewissen mit Phrasen betäuben. Wir, die wir die tiefe Schuld empfinden, die wir durch Teilnahme an Menschenmord aus uns genommen haben, wir bewähren heut« all« Tage eine neue, Art von Tapferkeit, indem wir den Kampf führen gegen den Krieg. Indem wir leben und kämpfen wollen für die Menschheit, für den Frieden, für eine Hesse« Ordnung der Welt. * Der Kachfff ist der beste Teil des Menschen, aber erst.daS Ziel adelt dm^unpf. Wir kämpft« für das höchste Ziel der Menschheit. Für da» Glück und hsn Wohlstand aller. gegenkommen bewiesen. Dieser neuerlich« unsinnige Angriff einzelner Porzellanfabriken gegen ihre eingearbeiteten Angestellten hat aber eine derartige Erbitterung hervorgerufen, daß in der nächsten Zeit mit schweren gewerkschaftlichen Kämpfen zu rechnen fft. Das größte Unternehmen der tschechoslowakistyen Porzellan- industrie, die von der Anglo-Bank abhängige „Epiag' A.--G., hat schon am 15. Feber 193? hie Angestellten sämtlicher Betriebe gekündigt, Werl diese eine weite« Verschlechterung ihrer trostlosen. Löbenshaltung abgelehnt haben. »er KonfliM um das persische Erdöl. Die vorläufige Beilegung des englischpersischen Erdölkonfliktes ist nicht so sehr ein Erfolg der Friedenspolitik des Völkerbundes, als vielmehr ein Zeichen der Schwäche des europäischen, insbesondere des englischen, Imperialismus. Formaljuristisch war die Positron Englands di« starke«, denn ine Konzession läuft erst im Iah« 1961 ab, moralisch war das Recht vollkommen auf der Seite Persiens. Di« Konzession wurde erteilt in der Aera des versifchen Absolutismus, eines Absolutismus, dessen Gewalt sich jedoch bloß nach innen auf die Untertanen erstreckt«, wahrend nach außen der absolute Monarch vollkommen abhängig von den europäischen Mächten war; sein« einzige Freiheit bestand darin, sich abwechselnd von England Sen Rußland und von Rußland gegen England öchen zu lassen. In dieser Situation erwarb im Iah« 1901 der Australier D'Aveh di« Konzession zur Ausbeutung der südpersischen Oel- ftlder unter unerhört vorteilhaften Bedingungen; bloß sechzehn Prozent des Reingewinnes sollten als Abgabe an die persische Regierung abgeführt werden. In der auf Grundlage dieser Konzession gegründeten Anglo« Persian Oil Company erwarb die englische Regierung die absolut« Aktienmehrheit. Nach dem Weltkrieg stieg vorerst der Einfluß Englands in Persien, das zu einer verhüllten englischen Kolonie werden sollte. Aber inzwischen erstarkte bi« persisch« Nationalbewegung. Was di« Revolutionen der Iah« 1906 bis 1910 nicht zu bewirken vermochten, das bewirkte die Revolution der Jahres 1921 unter Führung deS gegenwärtigen Schah Rhiza Khan. Persien errang die faktische Unabhängigkeit; die Perfisch« Nationalbewegnng erfuhr weitgehendste Förderung seitens der Regierung Sowjetrußlands. In den letzten zwölf Jahren vollzog sich in Bersten«ine ähnlich« Entwicklung wie in der Türkei. DaS Bürgertum erstarkt und emanzipiert sich immer mehr von der Bevormundung durch daS Fremdkapital einerseits, den einheimischen KlernS andererseits. DaS Land überwindet feine beschämende ökonomische Rückständigkeit. Es enffteht ein modernes Verkehrsnetz, ein« nationale Industrie,«in modernes Schulwesen, eine persische Nationalarmee. Das aufft«bende bürgerliche Persien ertrug die harten Bedingungen der Oelkonzession immer unwilliger. Ein Minister bezeichnete sie geradezu als„idiotischen Vertrag", an der sich die Regierung nicht gebunden eracht«. Di« Stimmung gegen England verschärft« sich, als durch den englischen Pfundsturz der Schatz der persischen Regierung bei der Bank of England zusammenschmolz und damit die Hoffnung schwand, in absehbarer Zeit von der Silber- zur Goldwährung übergehen zu können. Es stellt« sich ferner heraus, daß die Petroleumgesellschaft nicht einmal di« auS der Konzession hervorgehenden Verpflichtungen einhält. Namhafte Beträge wurden, ohne in oen Reingewinn eingerechnet zu werden, der englischen Regierung zugeführt. Die persische Regierung darf in die Bucher der Gesellschaft nicht Einsicht nehmen. Als die Gesellschaft sich weigerte die vor kurzem eingeführte Einkommensteuer zu bezahlen und der persischen Regierung einen lächerlich geringen Betrag als Anteil am Reingewinn für das letzte- Jahr anbot, entschied sich diese zur Kündigung der Konzession. Das imperialistische England kann auf daS persische Erdöl nicht verzichten. Damit der wichtigste Bestandteil des Empi«, I N d i e n, der englischen Herrschaft nicht entrissen werden kann, muß die englische Flotte Pen Indischen Ozean be^ herrschen. Aber die Stellung der englischen Flotte ist erschüttert, wenn ihr das persische Erdöl als Heizstoff nicht zur Verfügung steht..Braucht England das persische Petroleum, so kann es doch nicht einen Krieg darum wagen? Denn Krieg in Persien hieße mit größter Währ- cheinlichkeit Aufstand in Indien. England braucht lluhe im Orient. Andererseits ist Persien wirt- chaftlich noch viel zu schwach, um die Petroleum- rroduktion in eigen« Hande zu nehmen. So sind eigentlich in diesem Konflikt die Bedingungen für ein Kompromiß von vornherein gegeben und cs- ist kaum zu bezweifeln, daß in der gesteckten Frist bis Mai eine Einigung erzielt werden wird, auf Grund welcher England weiterhin Inhaber der Konzession fein wird, die Bedingungen aber zugunsten Persiens abgeändert sein werden. Es ist also nur eine Kompromißlösung möglich gewesen, aber sie weist deutlich in eine bestimmte Richtung: in die Richtung des Aufstieges der orientalischen Völker zur Macht. £He triVIta illmMerte Wocftcnscftrlf. CmfteM feden fonrila* fftoall«ftäUUc* Brücke plötzlich fiel kam und den Sturz in die Tiefe, der ihm dann sicher war. Er hatte ja recht, aber eS stand mehr auf dem Spiel als das Leben eines Brückenbauers. So blieb Finkmann nichts übrig, als das Seil, daS Mutzenkarl nicht loslassen wollt«, durchzuschlagen. Plötzlich riß das' Seil. Die Brücke schlug herum und richtete sich auf. Mutzenkarl schlug mit dem Kopf gegen den Por- tälträger und stürzte ins Wasser. Finkmann hatte mehr Glück. Er schlug zu Boden und koPcke sich an einer Eisenbahnschiene anklammern.* Kaum jedoch hatte die Brücke ihre wagerechte Lage wieder, als er sich auch schon aufrichtete. Die Gefahr, daß auch das zweite Ankerseil reißen könne, war vorbei; denn so, wie die Brücke in Stromrichtung lag, genügte ein Anker, um sie zu halten. Ohne weiteren Zwischenfall zogen wir die Brücke nun an-ihren Platz. Die Tanks der Tragkähne wurden vollgepumpt. Die Schienenstöße verlascht und der erste, der die Brücke, die nun sicher auf ihren Lagern ruhte, betrat, war der Gendarm, den die Bauern, die der ganzen Affäre zugesehen, inzwischen herbeigeholt hatten,"Aber Finkman» ließ sich in seiner Arbeit nicht stören. Born Obergurt aus, auf den er geklettert war, dirigierte er die weiteren Arbeiten. Muxrend, aber einsichtig genüg,'daß hier nur einet kommandieren konnte, befolgten die Arbeiter seine Anordnungen.. Genau zur vorgeschriebenen Zeit stund-der Belastungszug auf der Brücke. Die Brücke wurde abgenommen und Finkmann hätte herunterkommen können, aber er wartete noch, RS der erste Zug über die Neue Brücke brauste;’bann erst kam er von seinem Platz herunter, gab den Arbeitern, die nach dem Körper Mutzenkarls fischten, noch einen kurzen Rat und ließ sich abfüh«n. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Bon den Angestellten der Porzellan« industrie. Aus Karlsbad wird uns geschrieben: Die wirtschaftliche Notlage der Angestellten in der westböhmischen Porzellanindustrie nimmt katastrophale Forinen an. von d«u früher in der ffchechoflowakischeu Por- zellanindustri« tätigen 1500 Angestellten sind heut« nur noch über 800 Angestellte beschäftigt. Das Los der- noch Beschäftigten fft äußerst trau- rig. Die Porzellam ndustrie-Ängestellten gehörten schon in den frühe«» Jahren zu den schlecht bezahltesten Angestelltengruppen. Sie hatten keinen wie immer gearteten Anteil an den Gewinnen der Konjunktur, dagegen wurden sie durch die Auswirkungen der Krise auf das Empfindlichste ge troffen. Sie mußten nicht nur einen beispiellosen Gehaltsabbau annehnien, der in einzelnen Fabriken über 40 Prozent der früheren Bezüge beträgt, sondern sie mußt:» auch auf die Hälfte der Remuneration des Jahres 1932 verzichten. Im Fall« der Nichtbeschäftigung erhalten die weftbohmischen Porzellanindustrie- Angestellten nur ein Drittel des Gehaltes, bezw. Lohnes, ausgezahlt. Dazu kommt noch, daß die meisten Angestellten am 1. und 16. eines jeden Monates einmonatlich gekündigt, werden können und daß einzeln« Porzellanfabriken weder die getroffenen Vereinbarungen noch di« gesetzlichen Bestimmungen einhalten und oer Ansicht zu sein scheinen, daß sie nur durch eine vollständige Proletarisierung ihrer Angestellten konkurrenzfähig bleiben können. W;nm der Export an Gebrauchsgeschirr im Jahre 1932 auf ungefähr ein Drittel des Exportes im Jahre 1928 zusammengeschruptpft ist, so ist dies gewiß aus di« Weltwirtschaftskrise und auf das Anwachsen autarkischer Strömungen in fast allen Ländern und di« damit verbundenen Zoll- erhöhungen, Einfuhrsperren, dglatarischen Bestimmungen usw. zurückzuführen. Es muß aber unbedingt, ,u. zw, mit aller Schärft,' ftWehaltrn werden, daß sich die tschechoslowakisch« Porzellanindu- strie viele Absatzgebiete selbst verdorben hat und es müssen jetzt die Angestellten und Arbeiter nicht nur die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, sondern auch die Sünden und Fehler der Vergangenheit bitter Rißen. Da auch der Jnlandverbrauch, der übrigens nur 15 Prozent der Gesamterzeugung betrug, infolge der gesunkenen Kaufkraft der Bevölkerung um möhr als Re Hälfte zurückgegangen fft, hat auch«in wütender Konkurrenzkampf der Por- zelwnfabrikm um den Jnlandmarkt begonnen, der, wenn er in den bisherigen Formen weiter- geführt wird, auch den Jnlandmarkt noch gänzlich verdirbt. Dieser Konkurrenzkampf soll natürlich ans dem Rücken der Angestellten und Arbeiter anSgefochten werden. Darum wollen einzelne Porzellanfabriken die Vergütung für die zahllosen unbezahlten Uebcr- stunden(Remuneration) im Jahr« 1933 gänzlich streichen und die schon rücksichtslos gekürzten Gehalte und Löhne noch weiter abbauen. D i e wenigen noch beschäftigten Angestellten sollen trotz der durch Rational i si er wn g m a ß lo s g e st e i g e r t« n A r- beitsleistung noch weniger bezahlt erhalten wie bisher. Die Angestellten der westböhmischen Por- zellaniitdustrie, die fast restlos gewerkschaftlich organisiert sind, haben gewiß weitgehendstes Ent- Beit« 8 Freitag, 8. MSr, 1833 Är. 53 PRAGER Vom goidenen Sürgertzmea. Prager Straßenszen«. In den Bormittagsstmrdeu des 2. März int Jahre des Heiles 1833 brach in der Karolinenchaler Königstraß««in« alt« Fran aus dem Gehsteig zu- sammen. Di« Diagnose war einfach. Ein Blick in das abgezehrt« Gesicht der Greisin— wortwörtlich „Haut und Knochen".— genügt zu der nüchternen Feststellung: Hunger! Dir arme alte Frau hatte also immerhin mildernde Umstände für ihr polizeiwidriges und den öffentlichen Verkehr störendes Verhalten. Ein Kreis neugieriger Zuschauer, der sich schnell um di« Zu» sammengsbrochene gebildet hatte, trug die bei solchen Anlässen übliche Teilnahme zur Schau. Ein junger Polizist müht« sich sichtlich verlegen, aber mit ehrlichem Mitgefühl um di« Bewußtlos«. Vielleicht werden solch« Zwischenfälle in abseh» barer Zeit nicht mehr zu aufsehenerregenden Ereignissen zählen. Di« Zeit schreitet fort und die Not mit ihr. Was hier vermerkt werden soll, ist nicht dieser Zwischenfall selbst, sondern die Art, in der das goldene Herz eines Bürgers auf diesen Zwischenfall reagierte. Eben in dem Augenblick, als der grauhaarige Kopf der Greisin in dem armseligen Kopftuch auf das Pflaster aufschlug, schob sich«in zum Zerplatzen gemästetes zweibeiniges Tier- mit menschlichem Antlitz den Gehsteig entlang. Dreifaches Kinn, dreifache Speckfalt« im Nacken, Lackschuhe und Stadtpelz. Im Maul«ine Zigarre, in der Tasche die„Närodni Politika". Und wie die all« Frau zusammenbricht, wie der hungerzermürbt« Körper den Dienst rersägt, entringt sich dem Fettwanst ein« lebendige Aeuße» rung der Teilnahme:„B sc———!* Die'em AuÄruck entspricht im Deutschen etwa das Wort .Plumps oder„Bumsti". „B äc——!" so reagiert die Dreckseel« des Spießers auf ein himmelschreiendes Zeichen der Zeitnot. Ein Momentbild von der seelischen Verfassung des kapitalistischen Abschaums. Ein Mensch vor Hunger zusammengebrochen?———„Bäc!" — Sie^benhunderttausend Arbeitslos«?„Bäc!" So«agiert dieser bürgerlich« Auswurf im kleinen wie im großen auf das Elend des Proletariats. Bg. Kunst und Wissen Verwirrung der Gefühle. Deutsch« Uraufführung am Neuen Deutsch« Theater. In den„drei Akien", denen ihr Autor du Gard «ine nähere Bezeichnung des, dramatischen Genres nicht voransetzt«, handelt er sich um Menschen, deren tragische Verwirrung der Gefühl« großtcils im abnormal Geschlechtlichen wurzelt. Ein harter, verschlossener Mann(„Un Taciturne", rin Berjchlos- stner Schweigsamer, heißt das Stuck im Original) ist da, Thierry, hen Vererbung und Kriegsinvalldi» tät zum Krüppel auch im Liobesleben machten; einmal und immer wieder von der einzigen Frau abgewiesen, nach der ihn verlangt«, hat er sich in seine Arbeit und in das überströmend« Gefühl zur jüngeren Schwester verkapselt. Di« wiederum, Js-r- bella, ist selber in früher Jugend Opfer gleichgeschlechtlicher Neigung geworden und hat in verwirrtem Gefühl eine früh angekränkelte Gefährtin blutig verletzt. Aus diesem Jugenderleben zog sie die Konsequenz der Lobensflucht. Ein Weiter Mann i ist noch da, Armand, der Isabellen unglücklich liebt. Und dann taucht eiy dritter auf, der jung«, gesund«, , alles erobernde Joe, der di« Herren der Geschwister ■unb des abseits stehenden Armand erobert. Trotz der lesbisch bestimmten Intrigen Wandas, jener i Frau, um derentwillen Isabella vier Jahr« im I Zuchthaus verbrachte, kommt es zum Lirbesbund j zwischen Isabella und dem jüngeren Joe. Im Augenblick, da das Verhältnis oifen vollzogen wer- I den soll, f«tzt ihr Thierry leidenschaftlichen, befin- i nungslo'en Wderstond entgegen. Warum? Er scheint es selbst nicht zu wisseu, sein Freund Armand muß ihm erst in di« Verwirrung seiner Gefühl« Klarheit bringen: Thierry liebt« seit Jahren in verschlossener Neigung die eigen« Schwester; aber nun liebt«r. wiederum anders abnormal, den Jüngling Joe. Also zum Bewußtsein verkehrter und hoffnungslos«! Neigungen gebracht, begeht Thierry Selbstmord. Di« drei Akt« von Roger Martin du Gard sind kaum als eine dramatische Arbeit im üblichen Sinne anzusprcchen; du Gard, in seiner , frenzösi'chen Heimat als einer der besten zeitgenössi- | Ischen Romanciers geschätzt, beweist mit diesem Seelen» und Stimmungsbild wohl, daß er ein Dichter ist— Bühnendichter ist er nicht, lieber die Schilderung eines Milieus, seiner Voraussetzungen und der Eigenwilligkeit einiger kranker Charakter« kommt er nicht hinaus;«S gibt kein nennenswertes Geschehen vor unseren Augen, daS Stück ist bis hart ans Ende mit Exposition angefüllt, so daß ein« urdramatrsche Spannung rntstcht, dramatisch ist bestenfalls der dritte Akt mit der Konfliktlösung durch den Axitod. Irgendwie Spiegel von Besonderheiten In unserer Zeit, Verteidigung freierer, gesünder«! Auffassung und Beurteilung alles Krankhaften im Liebes- und Geschlechtsleben ist gleichfalls fast nirgends zu finden. Möglich daß im sranjösischcn Original die Sprach« deS Autors das Hin und Wider der inneren Vo'nänge seiner und wirksamer ausschwingen läßt— in der deutschen Usbersetzung ZEITUNG. (von Birth Ebelsbach und Eva Mertens) wird die Verdeutlichung des Sinns in ungewöhnlichem Maße den Darstellern und, ihrem Regisseur überlassen. Was nun diesen anlangt, so hat«S Dr. Rudolf Beer als gastierender Inszenator ausgezeichnet verstanden,«in klares Bild in verschwimme nden Konturen zu entwerfen, di« nötig« Stimmung und Abstimmung zu bävegen und festzuhalten,«in halbes Dutzend Schauspieler-Jndividua- litäten zu harmonischem Zusammenspiel wirken zu lasten. Trotzdem muß man fragen, ob nicht auch dieses Regie-Gastspiel überflüstig und«ine finanziell« Ueberbelastung war, di« sich mit den Verhältnissen keineswegs zu vertragen scheint. So viel Aufhebens um«ine Sgche, deren Reiz und Wert durchaus nicht verneint werden soll, di« aber doch trotz ihres Neuartigen dem großen Geschehen um uns völlig entrückt ist? Was sollen uns diese Keinen Explosion«» in privatesten Sphären, während di« Kanonen der Weltgeschichte auffahren? Nichtsdestoweniger muß eine L«i st u n g, wi« sie die Darsteller unter Beers Führung zustaüde- brachten, freudig anerkannt werden. Vor allym der Thierry Herrn B ak k S, der sowohl in seiner ur- sprüngkichen Bechaltenheit und Zusammengefaßtheit als auch dann itn rasenden Ausbruch sein«! tätlichen Gefühle jeden Augenblick festelt« und überzeugt«. Sehr fein und konsequent durchdacht auch di« Problematik Isabellens durch Frau Meller; wenn in ihrer entscheidenden Erzählung nicht voll« Glaubhaftigkeit sich durchsetzt«, so liegt das vielleicht, weniger an der Künstlerin als an der konstruiert wirkenden Fabel. Eine prachtvolle Figur, herzhaftes Mittelding zwischen Jugend-Gan und selbstbewußter Männlichkeit. der Joe des Herrn Frey; nur möchte sich die stellenweise Derkrampftheit des Stückes nicht fälschlich im Gesicht deS Darstellers widerspiegeln. Herr H ö l z l i n erzielte mit seinem Armand, gerade durch die anfängliche Trockenheit, stärker« Wirkung in der Entwicklung warmer freundschaftlicher Gefühle und Fräulein Behrens fügt« sich als irrlichternd- zurückhaltend« Lesbierin sehr gut in di« Atmosphäre. In einer Episode amüsant Herr Janitschek. Das Publikum nahm das Stück etwas befremdet und nur mit langsam steigendem Interesse auf. Rieselnder Beifall wurde erst nach Schluß stärker. Dr. Beer, der namens des Dichters dafür dankte, darf ihm einen Achtungserfolg melden. L. G. Ferienkolonien-Konzert. Die Konzert« des B e r- ei n es zur Erhaltung der deutschen Ferienkolonien waren früher immer di« künstlerisch repräsentativsten Veranstaltungen im Prager deutschen Musikleben. Denn sie boten progrämm- lich immer ganz besonderes und vermittelten immer wieder neu« Bekanntschaften Wit weltberühmten Konzertkünftlern, was man leider von dem vorgestern im großen Lucernasäal« abgehaltenen diesjährigen Ferienkolonien-Konzert« nicht bchaup- ten könnte. Denn Margherita PerraS, die Koloratursängerin der Berliner Staatsoper, di« der«ine der Konzertgäst« war, ist kein« bedeutend« Künstlerin; weder der Stimm« nach, die/— klein im Volumen— nur koloratursoubrettenmäßig zu wirken vermag, npch hinsichtlich des Vortrages, der kon» ventionell und uninteressant ist. Daß die Sängerin gesangstechnisch güt beraten ist, sei anerkennend festgestellt. Unmöglich unsortschrittlich war ihr Programm, das di« abgesungensten Lieder von Schumann und Strauß und unvermeidliche Opernarien von Mozart, Meyerbeer und Rossini enthielt. Auch das Programm des jungen ungarischen Geigers Käroty Szönässy offenbarte einen unbegreiflich engen künstlerischen Horizont?. Oder sollten fremd« Konzertkünstler das Prager Publikum so tief einschätzen, daß sie ihm nur streng konservativ und kitschig begegnen zu müssen glauben? Paganinis D-Dur-Konzert mag noch hingehen, aber S a r a s a t« s„Zigeunerweisen" sind in einem modernen seriösen Konzertprogramm« unentschuldbar, auch wenn sie technisch noch so bravourös gespielt werden. Mehr als technisch bedeutendes Können hatt« Szönssty auch nicht Gelegenheit zu zeigen. Als vorbilltlicher Klavierbegleiter waltete Prof. Franz Langer von der Deutschen Musikakademie seines Amtes. E. J. Wocheuspielplan des N«uen Deutschen Theaters. Freitag,#8 Uhr:„Orpheus"(DI).— Samstag, Uhr:„Götterdämmerung". Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Freitag. 8 Uhr:„Salon Pitzelberger"—„Die schöne Galaths".— Samstag,%8 Uhr: „Eva saniert das Paradies', Erstaufführung. Sport ♦ Spiel* Körperpflege zwei$ronten. Streit um den Begriff Amateur wird es so lange geben, wie di« Sportler in mehrer« Lager getrennt sind. Den reinen Amateur haben nur di« Arbeiiersportler, die in der Tschechoslowakei im Arbeiter-Turn- und Sportveöband(Atus), Sitz Aussig, zusammengeschlossen sind und international in der Sozialistischen Avbeiter-Sport-Äitternationale. Selbst in der„Roten Sportinternational«', di« ein parteipolitisches Anhängsel der Kommunisten ist, kennt man den Begriff Amateur nicht, in seiner vollen Klarheit, weil Rußland Berussfußbaldspie'ler hat. Am schlimmsten ist es bei den bürgerlichen Beregnen und Verbanden, deren Ideologie angeblich nur aus di« Körpererjüchtigung ihrer Mitglieder eingestellt ist Tatsächlich macht sich hier«in verkappter Profsssionoltum breit, das aus der vollzogenen Kör» Perertüchtigung Einkommen zieht. Zu diesen „Profi-Amateuren" kann man rechnen die Leicht, athleten, Fußballer, Tennisspieler, Eislaufkünstler, Schwimmer, di« auf ihren Spezialgebieten infolge ihrer Veranlagung und ihres guten Trainings bei einem— meist bezahlen— Trainer Hervorragendes leisten, also sogenannt« Spitzenkönner sind, und von den Vereinen gekeilt sind, wobei ihnen gute Berufsstellungen vermittelt wurden. Dazu zu rechnen sind auch alle di« Spitzenkönner, die fast ständig in der Welt umherreisen und bei den verschiedensten Sportfest«« gegen„Erstattung der Spciien" Mitwirken. Richt zu vengesscn di« Fußballer, di« in den bürgerlichen Vereinen schon seit langem für jedes Spiel Spesen erhalten und jetzt drauf und dran sind, eine Erhöhung durchzusetzen, wozu chnen die Abneigung der Verein« gegen den Professionalismus willkommene Handhabe bietet., Dem gegenüber stehen die Arbeit«rfportler, die nicht nur keinen Heller bei ihren Starts erhalte», sondern in den meisten Fällen noch Eintrittsgeld und Fahrtunkosten selbst tragen. Der Begriff des reinen Amateurs ist. einmal so definiert worden: „Amateur heißt Liebhaber!- Ein solcher treibt alles, um seinen Neigungen entgogenzukommen. Sein Motiv zur. sportlichen Betätigung wird also die Freude, die Liebe zur und an der Sach« sein. Darum.werden wirkliche, reine Amateur«(== Liebhaber!) oft zurückschrecken, in di« Arena vor das Publikum zu treten, das für sein Eintrittsgeld Sensation und Sport sehen will, nicht aber Lieblingsbeschäftigungen reiner Amateure!" Zum nngarischen Jubiläumsfest. Di« ungarischen Arbeitersportler begehen am 17. und 18. Juni in BudapH das 25jährige Jubiläumsfest ihrer Bewegung. Die Verhandlungen mit den österreichischen Arbeitersportlern wegen Unterstützung deS Festes sind erfolgreich abgefchlosten worden. Die Vermeidungen österreichischer Arbeiteirportler für | Budapest sind so zahlreich eingegangen, daß ab Wien «in Sonderzug fahren wird. Genosst« Alice Rühle, Dresden, spricht Samstag, den 4. März, im letzten Kursabend zum Thema Sr-keh««q zur Gemeinschaft im Studentenheim(OborovF düm). Beginn 6 Uhr, Schluß gegen 8 Uhr. Berständ.gi alle Teilnehmer! Der Film Herr Artur. Ein« französische Operette; ganz im Fahrwasser gborioser Ufa-Muster, ganz im Schlepptau jener bürgerlichen Ideologie, deren Verlogenheit und Bestialität jetzt in Deutschland Reinkulturblüten treibt. WaS immer da zu sehen ist, ob Generaldirektoren oder Besitzer von VerschönerungS- lalonS, alles zeugt vom selbstbewußten Uebermut der herrschenden Klaffe, di« heut« die Stirn hat, eigne Geschmacklosigkeit, eigenen Sumpf als Kultur, als Sein der Menschheit hinzustellen; wie der deutsch« Bruder Tonfilm arbeitet auch der. französisch« mit Ausstattung, Beleuchtungseffekten, Musitch lagern, luten Schauspielern. Hinter diesem Unsinn an Handlung von Liebe und Verlogenheit steckt di« m- ternationale Fratze des Fascismus: er verherrlicht di« Welt der Herrschenden, stellt sie als einzig existierende hin, kennt kein« arbeitende Menschheit, di« ihm nur als Arbeitssklave möglich erscheint. Der sehr gute Schauspieler B o n c o t muß bedauert werden, daß er in diesem, allerdings zwei Jahr« alten Film mitwirkt W. L. Literatur Sin f,e mi ches Gefch chttwrrl. Einer der bedeutendsten deutschen Heimatforscher in der Tschechoslowakei, ein Mann, dem das deutsche Volk dieser Landes ein« Reihe wertvoller GeschichtS- werke verdankt, und dessen Bücher auch von Sozialisten mit größtem Interesse gelesen werden können, ist der Schriftsteller und Oberlehrer Joseph Blau in Neuern. Schon in seinen früheren Eeschichtswer- ken hat er sich von der Masse der übrigen Heimatschriftsteller dadurch vorteilhaft unterschieden, daß er vor allem den ökonomischen und sozialen Verhältnissen groß« Beachtung schenkt« und zur Aufhellung der Wirtschafts- und 2 ostalg«schichte der Whmerwald- Landschaft außerordentlich Bedeutsames geleistet hat. Denselben Vorzug kann man an seinem neuosten Werke„Di« Geschichte der künifchen Freibauern im Böhmerwald", wovon zwei Lieferungen uns vorliegen, erkennen.*) Wau gcht bei seiner Darstellung zuerst von der Landschaft des Gebietes, das er beschreibt, aus, schildert hi« erst« Besiedlung des BöhmerwaldeS und zeigt dann, wie di« Bauern in der Gegend etwa zwischen Neuern mW Winterberg lange ihre Freiheit behielten und mcht unter adlige Grundherrfchaft kamen, weil chnen die Grenzwacht anvertraut war. Erst im 13. Jahrhundert kamen di« künifchen(von königlichen) Gemeind«^ in den Besitz adliger Pfandherren und *) Joseph Blau,„Geschichte der künifchen Freibauern im> Böhmerwold". Verlag der ersten böhmischen Druck-Jnduftrie-A.-G., PiTen, 1932. Preis pro Heft.KS 10.—. Prager Frühjahrsmesse Itr-M. Mirs 1933. Eine Woche vorteilhatten Einkaufes. Allgemeine Messe— Radiomesse— Möbel- u. Ptaaomeese— SondergrnDpe für sparsame WirtschatUfübninE im kl-näh>lt— Reklamemesse— etc. Messelexitimatiooen. die zd 3-0/ Fahrpreisermäßigung berechtigen bei den Messe Vertretern und beim 1s 7« Messeamt Prag VII., Massepalast. nun beginnen die heroischen Kämpfe der freie« Bauern um ihre alten Recht«, die bis zum bewaffneten Aufstand gediehen. Diese Darstellung ist ein« Bereicherung unserer Kenntnisse von den Bauernaufständen in Böhmen, di« insbesondere im Hindlük auf die Bauernaufstände im Böhmerwald, groß« Lük- ken aufgewiqen haben. Besonders wertvoll ist an der Arbeit die Darstellung der bäuerlich«, Wirtschaft und der Anfänge des Glasgcwerbes im Böhmerwald. Mit unglarMichen Fleiß und äußerster Sorgfalt sind die Quellen zu dieser Darstellung zusammengesucht worden und es ist ein Buch entstanden, daS mit großer Liebe geschrieben ist und nicht nur zu den wertvollsten Böhmerwaldbüchern, sondern zu den wertvollsten Heimatschriften überhaupt gehört, welche die Deutschen in der Tschechoslowakei besitzen. E. St Walther Howard, ein moderner österreichischer Pianist und Musiker, hat im Berliner Verlag für Kultur und Kun st eine Reihe musikali- 'Her Schriften und Bücher herausgegcben, denen alS Bekenntnissen und grundsätzlichen Studienergebnisseu eines fortschrittlichen Musikgeistes größt« Beachtung zukommt. Besonders sein im ersten Teil vorliegendes Buch„Wissenschaftlich« Harmonielehre der Künstlers' ist so rerolutionär in 'seinen neuen Grundlagen, daß di« breiteste Oe'fent- lichkeit darauf hingewiesen werden muß. Howard tritt nämlich— ähnlich wie der Wiener Musikrevolutionär Arnold Schönberg— für die Schaffung der Zwölftonreih« im Musik- organiSmus ein. Nur ist er noch konsequenter io (einer Forderung und bleibt den tonalen Grundsätzen treu, wenn er dre These der Gleichbedeutung und Gleichwertigkeit aller zwölf auf ein- ander folgenden diatonischenund chromatischen Töne einer Grundtonart aufstellt und zu diesem Zweck« an Stelle der bisherigen Intervall- und Ton-Bezeichnungen das Zählsystem vou 1—IS(I—XU) einführt, das dem gesamten Tonmaterial nach oben und unten in reichster Vieldeutigkeit Rechnung trägt. Vorläufig behandelt der Verfasser nur-die. Intervall«.und Akkorde an sich ohne verbindende Beziehungen zu einander; der interessanteste Teil der praktischen Nutzbarmachung seiner Lehre ist also noch zu erwarten. Die technischen Mittel und der künstlerisch« Sinn für ihre Anwendung sind in ihren ursächlichen Beziehungen einander der tiefer« Inhalt dieser neuen Harmonie' lehre. Für die musiklernende Jugend und ihr* Lehrer als praktisch« Mittter hat sie schon um der erstrebten Vereinfachung und erschöpfenden Vollständigkeit willen weitesttragende Bedeutung; den» schöpferische Musiker, Dirigenten, Instrumentalist«" und Sänger können aus ihrer Anwendung für die Praxis den größten Nutzen ziehen.— Mit der modernen und nach der Ansicht des Autors vielfach verfehlten Musikpädagogik setzt sich Howard in einer „Richtlinien zersetzender Pädagogik betitÄren Streitschrift auseinander. D«r satirische Hauptinhalt dieser Broschüre ist die groteske Forderung noch dem Negativen, um das Positiv« zu erzielen.— Auch sogenannte„Kleine Konzertführer" gibt Walther Howard heraus; der erst« ist der Fünften Rhapsodie Franz Liszt! gewidmet. Di« Art des Verfassers, das Werk geistig" inhaltlich uiw«inyehendft fachlich dem Lsser aufzw 'chließen, macht auf weitere Folge» dieser Führer neugierig. Denn sie bieten nicht nur dem künstlerisch '«llbst tätigen Musiker viele wertvoll« Anhaltspunkt«. sondern find auch geeignete musikalische Wegweiser für den Laien und das Volk. E. J I KINO-PROGRAMM| J vom S. Mirs bl« ft. Mirs 1833. Wran-Urania-Xino nr ee> Ceo't’»e i n»«r,r»>« py' ..Das sdiöne Abenteuer“ Uio Film, der durch die meisterhafte Darstellung von Adele Sandrock Berühmtheit erlangte. Weiters Kithe von Nas?» Wolf Aibach Retty. Otto Wallburg. Wlfverkehren wir? | Olt„CanPaenlar, Prag, Grauen] OaeswlrtsdsnM ii do vir Diira dk»d:iekn», Mil Erlitz sir 13.800/VII 1U80 bewillig:.— Bezu,«d«dnigüngc»l 8e: Zusrellun, ins Hous odrr bei Bstllg durch du Poll«snallich U 16.—. 0UN«Ii«dltich JU so,—» tzsttusiw» sch 66,—. st— 3-I-WU Mts«a lsa| tutl-ft ketSatt, S«t»tHtta SusasUsss«, P:«li»ochi»r>— ztnckprchunH sss«sssltrchNH säfalst aal det Suqsschssch sei fUuraaaMt