biozeHreis 70 Heller. (Einschließlich 5 Heller Portos 13. Jahrgang. Sonntag, 5 März 1933 Nr 55. Der Brandstifter im Reichstag — Nationalsozialist! Verbindung mit Nazi-Führern festgestelitl Meißen, 4. März.(Eigenbericht.) Aus Meißener amtlichen Kreise« erfahren wir telephonisch folgendes: Die sozialdemokratischen Abgeordneten machten dem sächsischen M i- nister Richter heute die Mitteilung, daß der Brandstifter im Reichstag Marius van der Lubbe in der Rächt zum 1. Juni 1932 laut Eintragung in das Neber« nachtungsbuch in der Gemeinde Sörnewitz(Amtshauptmannschaft Meißen) übernachtet hat. Führenden Nationalsozialisten in Brochwitz gegenüber, und zwar dem Gemeindeabgeordneten Alb. Sommer von der NSDAP, sowie dem Gärtnereibesitzer Schuhmann von der NSDAP., hat er sich als Nationalsozialist ausgegeben. Ban der Lubbe wurde von dem nationalsozialistischen Gemeindeabgeordneten Sommer zwei Tage lang verpflegt und ist dann verschwunden. Er äußert« dem Sommer gegenüber, daß in Deutschland im Oktober der Bürgerkrieg ausbrechen werd«; die NSDAP, sei zu allem gerüstet. Der Gemeindeabgeordnetr Sommer hat diese Agaben bereits dem Bürgermeister von Brochwitz und dessen Sekretär gemacht und wurde nach der Amtshauptmannschaft Meißen beordert, um dort vor dem Regierungsrat Dr. Hartl diese Mitteilungen zu wiederholen. Di« sächsische Regierung ist bereits von dem Tatbestand, der eine ungeheuere politische Tragweite hat, informiert worden und sagte zu, die amtlichen Erhebungen unverzüglich auszunehmen. Die Reichsregieru ng»nd die R ci ch,s tagabge o rdneten wurden bereits telegraphisch von der Sachlage in Kenntnis gesetzt. Kriminalbeamte begeben sich von Dresden nach Meißen. Ein aufschlußreicher Verbindungsgang zwischen Reichstag und Reichsinnenministerium.. Am Vorabend der Wahl, brenzsp rre lOr alle politisch taugen Personen? Berlin, 4. März.(Eigenbericht.) Rach den bisher vorliegenden Nachrichten ist der Bor- aibend der Wahl, an dem die Hakenkreuz!« mit Fackelzügen und Rundfunkübertragungen der Rede Hitlers aus Königsberg, überall noch«ine» großen Rummel veranstalteten, ohne größere Zwischensäll« verlause«. Bon der Grenze wird gemeldet, daß heute der Grenzübertritt ins Ausland für alle polrtisch tätigen Persönlichkeiten mit sofortiger Wirksamkeit gesperrt wurde. Nach einer Wiener Meldung soll dos Kabinett lediglich die Erhebung einer Taxe von 300 Mark für den Grenzübertritt beabsichtigen, um so den Uebertritt Reichsdeutscher noch Oesterreich und der Tschechoslowakei zu erschweren. Die Politischen Berhaftnugen gehen fast im ganzen Reich weiter fort. Heute wurde der erste Ausländskorrespondent ausgewiese«. Es handelt sich um den Franzosen Kamil Laut re, der aufrichtig für eine deutsch-französische Verständigung eintritt. Heute wurde das Gebäude des„Vorwärts" »nd das Haus der Metallarbeiter in Berlin stundenlang von Polizei durchsucht. Die thüringische Regierung hatte die Frechheit, auf Grund einer Notverordnung der sozialdemokratischen Presie die Berösfenmchung der letzten Red« Hit- lers im Berliner Sportpalast als sogenannte »Auflage" unter Einstellungsdrohung auszuzwingen. Arbeiter bleiben sozialdemokratisch. Wahlen In den Beniner Wasserwerken. Die Betriebsrats«) ahlcn bei den Berliner Städtischen Wasserwerken haben genau so, wie di: Wahlen bei den Elektrizitäts- und' Gastverken die erfreuliche Feststellung gebracht, daß die frcigewerk- schäftliche Front auch in diesen stürmischen Tagen vollkommen unerschüttert ge- bliebcn ist. Bei den Wahlen.zum Arbeiter- rat wurden 1063(1931: 1182) Stimmen abgegeben: davon erhielten die Freien Gewerkschaften 677(752). Kommunisten 369(122). Mandate erhielten die Freien Gewerkschaften 7, die Kom- Mumsten 4: die M a n d a t sv c r t e i l u n g blieb also wie 1931. Bei den Wahlen zum A n a c st c l l t e n r a t wurden 661(633) Stimmen abgegeben: davon erhielten die Freien Gewerkschaften 270(276), Komba(DBB.) 239(350). Nazis 149(0). Mandate erhielten die Freien Gewerkschaften 4 (193* 4), Komba 3(5), Nazis 2. Werbeumzug Ser Eisernen Front beschossen Pirmasens, 4. März. Bei einem Werbeumzug der Eisernen Front am Freitag abends in Thaleschweiler sielen, als der Zug an dem Perkehrslokal der Nationalsozialisten vorbeikam. kurz hintereinander etwa 20 Schüsse. Ten Berichten von Gendarmerie und Bürgermeisteramt sei nicht einwandfrei zu entnehmen, wer die Schießerei begonnen hat. Ein Arbeiter, der der Eisernen Front angehört, erhielt einen Halsschuß. Er ist seiner Verletzung heute früh erlegen. Ein anderer Angehöriger der Eisernen Front erlitt einen schweren Leibschuß und ein vierjähriger Fung« einen Waden- schuß. Sozialdemokraten verlassen Oen Hamburger Senat. Hamburg, 4. März.(Eig. Drahtb.) Tie sozialdemokratischen Mitglieder des Hamburger Senats haben am Freitag aus Protest gegen das Verbot des„Hamburger Echo" ihre A e m t e r n i e d e r g e l e g t.' Sic sind damit aus der Hamburger Rcgierungs- .koalition ausg e s'ch irden, der sie seit 1919 ununterbrochen angehört haben: Die Meldungen, daß die Hamburger Staatspa r t e i eine Koalition mit den Nazis ««gegangen fei, ist u n z u t r e s f e n d.. Bisher hot der Führer der.Hamburger Staatspartei, Bürgermeister Petersen erklärt, er werde seinen Posten und sein Bürgcrschaftsmandat niederlegen, wenn seine Partei eine Verbindung mit den Nazis eingehen würde. Dresden, 4. März,(Eigenbericht.) Wie durch eingehende Nachforschungen an ortskundiger Stelle festgestcllt wurde, führt vom Reichstag zum Reichsinneuministcrium, dem Sitz des Innenministers Göring, ein für Personen passierbarer Heizgang, der gewöhülich durch eine Türe abgesperrt war. Nach Entdeckung des Brandes wurde diese Türe von Feuerwehrleuten und Schupobeamten erbrochen.aufgesunden, eine Tatsache, die im ofsiziellen Bericht der Behörden verschwiegen wurde. Da überhaupt nichts darüber veröffentlicht wurde, auf welchem Wege der Attentäter in den verschlossenen Reichstag gelangen konnte, ist es im höchsten Ausmaß wahrscheinlich, daß der Nazi-Freund durch das hakenkreuzle- rische Hauptquartier in den Reichstag gelangt ist. Auffallend ist auch die Tatsache, daß am entscheidenden Montag fast alle Wachebeamten des Reichstagspersonals dienstfrei hatten und daß nicht einmal dos allernotwendigste Sichcrheitspersonal zur Zeit der Brandstiftung anwesend war, so daß zur Zeit der Entdeckung der Brandstiftung das Gebäude schon fast vollkommen in Flammen stand. Bei ordentlicher Bewachung hätte der Brand niemals so katastrophale Folgen haben können; da in diesen kritischen Tagen sämtliche öffentliche Rückkehr der Sozialistischen Arbeiterpartei Berlin, 3. März.(TU.) Ter Vorstand der Sozialistischen Arbeiterpartei hat in seiner Mehrheit beschlossen, seinen Anhängern die Liquidierung der Partei und den Uebertritt zur Sozialdemokratischen Partei zu empfehlen. Neue Linksverhaitungen in Berlin Berlin, 4. März. Im Zusammenhang mit der Polizeiaktion sind in der vergangenen Nacht 110 Personen festgenommen worden. 70 von ihnen sind ins Polizeipräsidium eingeliefert worden. Der überwiegende Teil gehört der k o m m u n i st i s ch e n Partei an. Wenn SA-Leute Polizeidienst versehen. Gebäude verschärft bewacht wurde», ist auch diese Maßnahme der Behörden verdächtig. vor Nazi-Brandstifter Lübbe. Kommunistische Opier in Köln Köln, 4. März. Ein schwerer politischer Zusammenstoß ereignete sich hier in der vergangenen Nacht in der Kalk-Muetbrimer-Straßc^ Dabei wurden etwa 20 Schöffe abgegeben. Vier Kommuni st en erhielten schwere Verletzungen. Zwei der Verwundeten sind bereits gestorben, bei einem dritten besteht Lebensgefahr. Jehol in Sen Händen der Japaner. Peking, 4. März.(Reuter.) Nach offiziellen Berichten ist Jehol um 12 Uhr 40 Minuten in die Hand der Japaner gefallen. General Tanjulin, der Oberkommandant der chinesischen Armee, di« Jehol verteidigen sollte, ist aus der Stadt entflohen. Seine Flucht bildete dos Signal zu einer allgemeinen Flucht der chinesischen Truppe« sowie der Zivilbevölkerung aus der Stadt. Die Nachricht von der Desertion des Generals Tanjulin wurde in Peiping mit ungewöhnlich großer Erbitterung ausgenommen. Wenn General Tanjulin ergriffen wird, wird er wahrscheinlich sofort hmgerichtrt Noch einmal: Weimar gegen Potsdam! Die Heerschau vom 5. März. Von unserem Sonderberichterslatter. Kann und wird die Wahl vom 5. März eine Entscheidung bringen? Die herrschenden Parteien haben durch ihre Führer wiederholt erklären lassen, daß sie die einmal gewonnene Macht nicht wieder aus der Hand geben würden. An der A b s i ch t, die Macht festzuhalten, ob nun 51 Prozent des Volkes für das Kabinett Hitler- Papen- Hugenbcrg stimmen, oder ob es in der Minderheit bleibt, ist weder bei den Nazis, noch bei den Junkern, noch bei den Schwerindustriellen zu zweifeln. Das Vermögen, an der Macht zu bleiben, hat zunächst keine dieser Gruppen aus eigener Kraft. Erst die Verbindung mit dem Reichspräsidenten, besser gesagt, die Macht über ihn, und kraft dieser Verbindung die Ber- fiigungsgewalt über die R e i ch s w e h r würde die Gesamtrcaktion oder«ine ihrer Gruppen stark genug machen, die Macht gegen den Willen der Mehrheit des Volkes oder gegen den der verbündeten Gruppe festzuhalten. Bleiben di« Herren beieinander, so dürfte ihnen diese Machj Verfügung stehen, auch wenn sie trotz alltzm Terror die 51 Prozent nicht erreichen. HM die Koalition Hitler- Papen-Hugenberg dicht, dann wird der Feldmarschall, nach allen Erfahrungen seit dem 30. Jänner zu schließen, dieser Koalition auch als Vertretung einer Minderheit die Macht weder schmälern noch nehmen. Kommt es— was seit der Komödie mit dem Reichstagsbrand und der darauffolgenden Bolschewikenhetze weniger wahrscheinlich ist als bis zum 27. Feber— zum Bruch zwischen den Teilhabern des gegenwärtigen Geschäftes der Kon- trerevolution, zum Bankrott der Rcichsverwer- tnngs G. m. b. H., dann wird zunächst der Feldmarschall und, wenn eine Gruppe, ihm den Gehorsam verweigern und meutern sollte, die stärkste bewaffnete Macht, die Reichswehr entscheiden. Dem Herzen des Marschalls stehen weder Hitler noch Hugenberg nahe, Wohl aber Papen, der Vertreter der Junker und des konservativen Adels. Er könnte am ehesten mit der Unterstützung Hindenburgs rechnen, er ist der Homo regius, dem unter gewissen Umständen die ganze Mach: anvertraut würde, wobei Blomberg als seine rechte Hand eingeschaltet würde. Aber es hängt selbswerständlich von dem Wahlergebnis ab, welche Gruppe der Reaktion die größten Chancen haben wird. Und insofern ist der 5. März noch einmal eine Entscheidung, als er den reaktionärsten Kreisen die Wahl zwischen dem jetzigen Sy- st e m der kontrcrevolutionären Hitler-Papen- Hugenbcrg Compagnie und einer reinen Hitler- oder einer reinen P a p e n- Dikta t u r läßt. Demnach würde die Linke ganz aus- s schallen? Keineswegs. Die große Bedeutung der Volksabstimmung liegt eben auch darin, daß noch einmal alle moralischen Kräfte für Weimar und gegen Potsdam mobilisiert werden können. Auf lange hinaus wahrscheinlich zum letztenmal kann mit der risikolosen Waffe des Stimmzettels ein Stoß gegen das System geführi werden, das in symbolischer Weise den Reichstag niedergebrannt und die Garnisvnskirche von Potsdam, in der Fridericns rex, der historische Schutzpatron der Harzbnrger, bestattet liegt, zum Sitz des neuen Reichstages er- kyrcn hat. Für alle weiteren Kämpfe um die zweite Republik wird es höchst bedeutsam sein, wie stark ihre, moralische Ausgdügs- stellmrg am 5. März sein wird. Diese Wahl Braunschweig, 4. März. Wie die Polizei mitteilt,. wurde am Freitag abends ein Äljähriger Tischtergesclle im. Schlößgarten durch einen Hilfspolizoibeomlen anyeschossen. Der/- Tischler hatte auf die mehrmaligen Anruf«, und Aufforderungen des Polizeibcainten, die Hände hoch zu heben, nur di« linke Hand hochgehalten, während er die rechte in der Tasche behielt. Die Berwun- .dungen des jungen Tischlers sind ernster Natur..werde«. Sette S Sonntag, S. März 1988 Skr. 55 Vergebliche Waftensudie im Grazer Arbelierhelin. Wien, 4. März.(Eigenbericht.) Heute abends wurde in Graz das' dortige Arbeitecheim überfallsartig von Polizei und Militär besetzt. Nicht nur das Arbeiterheim salbst, sondern auch die Arbeiterkammer und das Gebäude eines dem Verein„Arbeiterheim" gehörenden Hotels wurde von Polizei und Militär umzingelt. Die Polizei wies einen Haussuchungsbefehl vor, nach dem sie beauftragt war, das Haus nach Waffen zu durchsuchen. Alle Telephone im Haus wurden besetzt und sogar die Redaktion des„Arbeiterwille" daran verhindert, nach außen irgendwelche telephonische Mitteilungen zu übermitteln. Diese Haupt- und Staatsaktion der Regierung hat jedoch mit einer großen Blamage für die Behörden geendet. Trotzdem die Keller aufgerissen und Mauern niei^rgelegt worden waren, blieb die Waffensuche völlig ergebnislos, so daß sich schließlich um halb 12 Uhr nachts die bewaffnete Macht rühmlos wieder zurückziehen mußte. ist mehr als jede vorhergegangene, stand in einem der letzten Leitartikel des inzwischen zum Schweigen gebrachten„Vorwärts" zu lesen, eine wirkliche Heerschau. Sie soll, bevor die Gegner sich mit anderen Waffen schlagen, der Welt zeigen, wie stark die beiden Gruppen im Volke sind. Es wäre für die Kontrerevolu- tion eben doch ein gewaltiger Erfolg, wenn sie eine knappe Mehrheit und vor dem Ausland den Schein des Rechts für alle ihre Schandtaten erhielte. Wenn der neue Reichstag die Ausschaltung des Parlaments selbst besorgte und den Machthabern die vierjährige Frist zur Vollendung ihrer Pläne ausdrücklich zubilligte, bliebe den Harzburgern manche Verlegenheit erspart. Wüßten sie das nicht, fürchteten sie daS Gegenteil nicht, sie hätten es mit der Terrorisierung der Linken nicht gar so eilig gehabt. Dieser überstürzte Terror dient dem seit 1930 heiß erstrebten Ziel, auf demokratische Weise, nämlich unter dem Vorwand und dem Schein der Mehrheitsentscheidung an die Macht zu kommen. Es wäre für di« Gegner des FasciSmus in Deutschland der denkbar größte moralisch« Erfolg, von«Hem Anfang die beste sittliche Legitimation für ihre kommenden Kämpfe, wenn sie trotz dem privaten und dem staatlichen Terror der Gegner die Mehrheit behielten. Hoffnung darauf besteht noch, eine sichere Gewähr dafür gibt es nicht, denn die Wahlentscheidung werden nicht die großen Städte, von deren Stimmung man sich ein Bild machen kann, sondern die Dörfer bringen, in denen der Terror weit mehr vermag und deren Entscheidung ganz im Dunkel liegt. Aber auch innerhalb der Linksfront gilt es eine Entscheidung. Seit dem September 1930 war die SPD im Abstieg, die KPD im Aufstieg. Die soziale Umschichtung des deutschen Proletariats aus einer arbeitenden in eine erwerbslose Klaffe förderte und bedingte diese Umgruppierung im proletarischen Lager. Die Frage ist, ob dieser Pro« sich fortsetzt, ob die beiden proletarischen Parieren diesmal zu ungefähr gleich starken Gruppen werden, ob vielleicht die KPD die SPD sogar überholen, oder ob sich diesmal ein anderes Bild als bei den drei vorhergegangenen Wahlen ergeben wird. Für den Kampf gegen di« Reaktion, für das Zustandekommen der proletarischen Einheitsfront, für di« zu wählende Taktik wird das von entscheidender Bedeutung sein. Ob die deutschen Arbeiter in freier Selbstbestimmung den Kampf um di« Freiheit aufnehmen, ob sie sich dabei ein ihnen gemäßes Ziel sehen, oder ob sie in ihrer Taktik vom Ausland abhängen, in ihrer Zielsetzung von fremdem Vorbild beeinflußt sein werden, das wird im Ringen zwischen SPD und KPD — so wenig es diesmal ein„Kampf" im gewohnten Sinne war— entschieden werden. Ob der Gedanke der ehrlichen Einheitsfront, wie ihn Stampfer und Loeb« formuliert haben, oder das bloße Manöver der Einheitsfront siegen, darum geht es innerhalb der Linken. Es ift der l e h t e L e b e n s b e w e i s, den die Weimarer Verfassung von sich gibt, und vielleicht ihr stärkster, daß in einem Augenblick, in dem ganz andere Waffen die Entscheidung bringen müffen, doch noch einmal der Stimmzettel in Funktion tritt, daß Potsdam selbst, das Lager der geschworenen Feinde der Demokratie, den Appell an das Volk als Kampfmittel wählt, nicht zur Entscheidung, aber als Auf'akt zu ihr. Im Zeichen der schon verlorenen Verfassung findet noch einmal vor dem Kampf die große Heerschau statt. Je stärker sich Weimar bei ihr erweist, desto früher wird über daS Zwischenspiel von Potsdam die zweite deutsche Republik siegen, über das Deutschland der Junker, der Industriellen und ihrer Söldner, das Deutschland der Arbeiter! a blattstelle läßt jedoch darauf schließ« Sätze in dem verleumderischen Kopp risch«! Der kommunistische Senator Lokota wurde in Ungvar zu zwei Jahren Kerker(!) und 200 K Geldstrafe verurteilt, weil er am 20. November 1932 in Stavnä„die öffentliche Ordnung bedrohte und die Bevölkerung gegen die Gendarmerie aufhetzte". Lokota hat gegen das Urteil Berufung eingelegt. Auch Jung einvernommen. Keine Verhaftung. Prag, 4. März. Heute fand die Einvernahme des vierten ausgelieferten deutschen nationalsozialistischen Abgeordneten, des Jng. Jung, statt; er wurde entlassen mit dem Bemerken, daß»sich dem Ünterschungsrichter weiter zur Verfügung zu halten habe. sorgen. Wir würden es wärmstens begrüßen, wenn das Projekt der Arbeitsbeschaffung durch großzügige Investitionen von vollem Erfolg begleitet wäre, aber wir müssen gerade bei dieser GÄegenheit— und selbst auf die Gefahr hin, di« schwachen Nerven des Herrn Dr. H o d a« wiederum in Mitleidenschaft zu ziehen— neuerdings mit aller Entschiedenheit darauf verweisen, daß nur ein einziger Weg zur tatsächlichen Lö- sung des Arbeitslosenpnoblems führen kann, nämlich die Verkürzung der Arbeitszeit in einem solchen Ausmaß, daß eben das vorhandene Arbeitsquantum auf all« nach Arbeit sich ausstreckenden Hände gerecht aufgeteilt wird! Seit langem liegt diesbezüglich ein Plan des Fürsorgemini st ers über di« Arbeitszeitverkürzung und die Regelung des Arbeitsmarktes durch obligatorische Arbeitsvermittlung fertig ausgearbeitet vor. Wir empfehlen den verantwortlichen Regierungsstellen diese Vorschläge dringendst zum eingehenden und unvoreingenommenen Studium, und zwar noch vor der endgültigen Ausarbeitung der Vorlage über die Jnvestitionsanleihe! Arbeitsbeschaffung durch Arbeitszeitverkür- zung kann nicht fehlschlagen. Dagegen wäre cs verhängnisvoll, wenn die aus der Jnve- Vie„Arbeits-Anleihe“. Ein Block von wirtschaftlichen Vorlagen in Vorbereitung. Wichtige Kabinettsberatungen in der kommenden Wocke. stitionsanleihe fließenden Mittel, die doch nur beschränkt sein können, einmal erschöpft wären, ohne daß die Ankurbelung der Wirtschaft dann wirklich in dem erhofften Ausmaß eingetreten wäre! AuS all dem ist ersichtlich, daß den wirtschaftspolitischen Verhandlungen innerhalb der Regierung im Laufe der nächsten Tage«ine ganz außergewöhnliche Bedeutung zukommt. I« ge-. schioffener sich die Massen der Arbeiter und der Arbeitslosen in diesen Tagen hinter die sozialistischen Parteien und ihre Vertreter in der Regierung stellen werden, desto größer wird auch" di« Aussicht auf einen vollen Erfolg in dem unermüdlichen Äbwehrkampf gegen Krise und politische und wirtschaftliche Reaktion sein! So also begeht di« Heimat", deren Schriftleiter schließlich auch etwas von der durch das anarchistische kapitalistische Wirtschaftssystem heraufbeschworenen Weltwirtschaftskrise wissen sollte, bewußt eine Geschichtsfälschung. Denn wie verhält es sich denn in Wirklichkeit mit den „14 Jahren sozialdemokratischer Herrschaft" m Deutschland? Wenn sich der„Heimat"-Scbriftlei- ter die Mühe einer Untersuchung der einzelnen Reichstagswahlergebnisse der Nachkriegszeit geben würde, so müßte er herausfinden, daß die marxistischen Parteien, und somit erst recht die Sozialdemokraten allein, bei jeder Wahl in der Minderheit blieben. In 14 Jahren haben sich die Sozialdemokraten nur 61% Monate an Koalitionsregierungen mit Bürgerlichen beteiligt. Und während dieser 61H Monate hatten die Sozialdemokraten nur ganze 3# Monate lang die Mehrheit, die übrige Zeit waren sie in der Minderheit. Neun von de« verflossenen vierzehn Jahren wurde von rein bürgerlichen Regierungen gegen die Sozialdemokraten regiert. Also, Herr„Heimat"-Schriftleiter, wer wäre also, um bei Ihrer Art— Pardon,— diese haben sie ja doch nur dem Nazireichskanzler Hitler nachgeahmt— der Heranziehung zur Beranttvor- kung zu bleiben, für das heutige Elend in Deutsch- land dem Richter zu übergeben? Ein objektiver Ankläger müßte das deutsche Bürgertum, das sich gegen die soziale Umformung von Wirtschaft und Gesellschaft stellte, und damit natürlich auch die Agrarier auf die Anllagebank bringe«! Da di« bewußte Geschichtslüge dem„Hei- mat"-Redakteur allem Anscheine nach noch nicht genügend Möglichkeit bot, seinen Hatz gegen die Sozialdemokratie auszulaffen, finden wir in der erwähnten Lügennotiz noch die Frage, warum nicht die nur kurze Zeit bestehende sozialdemokratische Revolutionsregierung im Jahre 4918 die Erfüllung der sozialdemokratischen Bcrsprc- chungen gebracht hat. „Wo blieben die eigenen Autos und Schiffe?" So frägt die„Heimat" in Anlehnung an das offenbar von ihr erfundene sozialdemokratische Flugblatt. Scheinbar ist sich hiebei der agrarische Artikelschreiber gar nicht der Schwere dieser frechen Frage bewußt. Denn, was er heute so herausfordernd verlangt, hätte, ihm zweifello- im deutschen Revolutionsjahre heillosen Schreck eingejagt; es säßen dann die deutschen Grundherren und Großbauern nicht mehr auf ihren Besitztümern, unberührt von der Not der Zeit und die ganzen Jahre in Tätigkeit, um die deutsche Arbeiterklasse wieder zu Boden zu drücken und aller Errungenschaften politischer, kultureller und sozialer Art zu berauben. Die Sprache in der erwähnten „Heimat"-Notiz ist Nazi-Sprache! Sie tragt deren Stempel: Verlogenheit, verleumderische Frechheit und protzenhafte Herausforderung. Die„Heimat" hat sich damit auf einen gefährlichen Boden begeben. Uns kann das schließlich recht sein, denn sie beschleunigt damit nur die Erkenntnis in den Köpfen der Arbeiter, daß die Agrarier jederzeit zu faseistische« Methode« bereit find, sobald es gegen die Sozialdemokratie geht, und daß ihre Gegnerschaft zum Nationalsozialismus nur so weit reicht, als p« sich durch ihn bedroht fühle«. Es kann daher die.Heimat" schon heute die Versicherung entgegennehmen, daß die Faust der wiedererstarkten Arbeiterllasse vor dem getarnten Agrarfascismus nicht Halt machen wird, wenn sie dereinst zum entscheidenden Schlag gegen ihr« Feinde ausholen wird. Nazl-PnrzclbiiniiK der agrarischen„Heimat“. Verleumdung der Sozialdemokratie durch bewußte GcsdilchtslUgcn. Das in Saaz erscheinende cmrarische Blatt Heimat" hat sich als Ableger selbst der blödesten antimarxistifchen Schmäh- und Lügenartikel be reits eine traurige Berühmtheit erworben. Es scheint, daß der„Heimat"-Redakteur«ine Aus einandersetzung mit der Sozialdemokratie erst dann als abdruckfähig ansieht, wenn sie den nöti gen Grad von Unkenntnis, Dummheit und ver- dreherischer Frechheit aufweist. Was sich dieses Provinzblättchen in seiner Ausgabe vom 16. Feber unter dem Titel„Ehemalig Versprechun gen der Roten Internationale" wiederum leistet, stellt sogar die gewohnten Schmähartikel durch das Ausmaß von Verleumdung und Demagogie noch weit in den Schatten, so daß eS nicht un- widersprochen bleiben darf. Sah bisher die gesamte agrarische Dresse chre Aufgabe darin, die sozicckistsschen Arbeiter als Menschen hinzustellen, die vom Enteignung«- und Gleichmachungsteufel besessen sind, so läßt die „Heimat" diesmal ab von diesem Bürgerschreck- Rezept und versucht krampfhaft ihre Liede für die Arbeitsmenschen hevvorzukehren. Und was liegt da schon naher, als der freche Versuch, die Sozialdemokraten des Avbeiterverrates zu zechen, eine Methode, die von den Kommunisten gegen dies« eingeführt, von den Hakenkreuzlern auf di« gesamten marxistischen Parteien ausgedehnt wurde, und nun von den Agrariern nachgeplap pert wird. Um diesen Beweis zu erbringen, beruft sich die„Heimat" auf ein angebliches sozialdemokratisches Flugblatt aus dem Iah« 1904, ohne natürlich Näheres über die Quelle dieses ihres Wissens zu sagen. In diesem Flug blatt soll gestanden haben, daß die Arbeit«! einst „auf eigenen Wagen fah«n, mit eigenen Schiffen die Meer« durchkreuzen" werden, u. ä. m. Di« ganze Anlage der in der Heimat" zitierten Flug blattstelle läßt jedoch darauf schließen, daß diese Sätze in dem verleumderischen Kopfe eines agra» rischen Schriftleiters entstanden sind, weshalb eS uns alS überflüssig erscheint, bei diesem Punkte länger zu verweilen. Will die„Heimat", daß wir vor aller Oeffentlichkeit näher darauf rinaehen, so möge sie doch den gesamten Wortlaut dieses angeblichen Flugblattes veröffentlichen und an geben, aus welchem Anlaß eS erschien oder möge sie es uns zur Stellungnahme einsenden. Im folgenden wollen wir lieber nachweisen, wie die„Heimat", um uns ih«r Wendungen zu bedienen, ihre Auseinandersetzung mit der Sozialdemokratie„auf Lug und Trug" aufbaut. Die„Heimat" schreibt: „Und als die Sozialdemokraten im Besitze der staatlichen Macht waren, und chre Versprechungen einlösen sollten, da haben sie neuerlich Verrat an den deutschen Arbeitsmenschen begangen, wie lie schändlicher und ärger nie zuvor von einer poli tischen Bewegung begangen worden war!" Wieso die„Heimat" zur Konstruktion deS „neuerlichen Verrates" kommt, bleibt aller dings unerklärlich, da ja doch auch im Falle, daß die Sozialdemokraten wirklich auf nichts anderes, als auf Arbeiterverrat ausqehen würden, sie ohne den Besitz der Macht gar keine Gelegenheit hiezu gehabt hätten. Aber schließlich dürfte auch hier das Bedürfnis, recht viel Schuld auf das Haupt der Sozialdemokratie zu laden, ausschlaggebend für die„Heimat" gewesen sein.. „Nach 14 Jahren sozialdemokratischer Herr schaft in Preußen und Deutschland liegen Millio nen deutscher Arbeiter hungernd auf der Straße, tausende Fabriken stehen still und leer, tausende landwirtschaftliche Betriebe verfallen: Arbeits- losigkeit ist das traurige Schicksal Millionen deut scher Volksgenossen." P r a g, 4. März. Für den Beginn der Früh- jahrStagung der Nationalversammlung am 14. März werden im Anschluß an die bereits verabschiedete Borlage über die Zinsfutzregelung noch weitere wirtschaftliche Vorlagen der Regierung erwartet, die der Nationalversammlung als einheitliches Ganzes präsentiert und möglichst bald verabschiedet werden sollen. Mit diesen Vorlagen sollen die im Gefolge der Krise als notwendig erkannten regulierende» Eingriffe von Seite des Staates in die Wirtschaft z« einem gewissen Abschluß gebracht werden. A« der Borbereitung dieser Vorlagen wird innerhalb der Regierung— und in Konferenzen mit Vertretern der Finanz« und Wirtschaftskreise i— eifrigst gearbeitet. Um die beteiligte« Ressortminister für diese Beratungen ganz frei zu machen, wurden alle Besuchstag« bei den Ministern auch für die nächste Woche abgesagt. In diesen Beratungen spielt vor allem die endgültig« Vorbereitung nnd Durchführung der Jnvestitionsanleihe, die den Titel„Arbeitsanleihe" führen wird, eine groß« Roll«. Die diesbezügliche Vorlage soll bereits am 14. d. im Parlament aufgelegt werden; ihr wird ein ver- zeichnis der aus ihrem Erträgnis dnrchzuführen- den Jnvestationeu angefügt sein. Dieses Verzeichnis endgültig festzusetzen, wird Aufgabe der WirtschaftSminister in den nächsten Tagen sein. Wir haben bereits gemeldet, daß von den beteiligten ReffortS(öffentlich« Arbeiten, Eisenbahnen, Post, Gesundheitsministerium, Landwirt- schaftSministerium und— im Zusammenhang mit den Investitionen der Selbstverwaltungskörper— auch das Innenministerium) bereits vor einiger Zeit eine Aufstellung der wünschenswerten Investitionen angefordert wurde. Di« Gesamtsumme der von den Refforts vorgeschlagenen Investitionen übersteigt fünf Milliarden, ist also unter den heutigen Verhältnissen in diesem Umfang Wohl nicht realisierbar. Darum arbeitet eine eigene interministeriell« Kommission derzeit an der Aufstellung von drei Eventualprogrammen(ein Maximal-, ein mittleres und«in Minimalprogramm). Di« Wirtschaftsminister werden nun die Aufgabe haben, aus diesen Programmen di« endgültige Auswahl zu treffen, wobei als Richtlinie di«nt, daß di« Investitionen rentabel, gemeinnützig und dringlich sein müffen. Auch di« technisch« Seit« der Anleihe und namentlich der Anteil der Selbstverwaltungskörper an ihr wird in den RegierungSberatungcn der nächsten Woche endgültig sestgelegt werden. Der größte Teil der Anleihe soll für Kommunikationszwecke Verwendung finden, also in erster Linie zum Ausbau des Straßennetzes; damit wird gleichzeitig auch manifestiert, daß der Staat m dem Kampf zwischen Eisenbahn und Automobil keineswegs beabsichtigt, die EntWicklungSmögsichkeiten des Automo- biliSmns zugunsten der Eisenbahnen etwa künstlich zu drosseln. Auch die nicht st«tätlichen Straßen sollen in dieses Prograinm einbezogen werden, was wieder Verhandlungen mft den Selbstverwaltungskörpern, di« diese Straßen erhalten. zwocks Beteiligung an der Arbeitsanleihe mit sich bringt. Großes Gewicht soll auf eine entsprechende territoriale Verteilung der Investitionen, d. h. dev n«u geschaffenen Arbeitsmöglichkeiten, gelegt und Gebiete mit stärkerer Arbeitslosigkeit entsprechend berücksichtigt werden. Hier wird vor allem von unserer Seit« mit größtem Nachdruck gefordert werden müsse«, daß di« Arbeitsmöglichkeiten tatsächlich nach dem Grade der Arbeitslosigkeit in den einzelnen Gebiete« des Staates gerecht aufgeteilt werde« u«d daß dabei nicht etwa ein iraendwi« ausgetüftelter„nationaler Schlüssel" di« deutschen Hungergebiete kraß benachteiliat. Leider ist«ine derarttgr Befürch- tuna nicht von vornherein von der Hand zu weisen, da ia die angekündiaten Straßen, baute«, di« den Hauptteil aller Investitionen bilden, auch dem Ausbau der Koumuni- kationen mit der Slowakei dienen solle«, di« ne« zu bauenden Straßen also dnrch vorwiegend tschechisch-agrarisches Gebiet führe« werde«, das von der Krise keineswegs am schlimmsten heimgesucht ist! Die in letzter Zeit wieder ausgetauchten Sensationsmeldungen einiger tschechischer Blätter über unglaubliche„Mißbräuche" der Arbeitslosenunterstützungen durch hakenkreuzlerische Vorsteher im deutlichen Gebiet— Meldungen, die kritiklos leider auch vereinzelt von sogialisti- schen Blätter weiter verbreitet wurden, ohne daß man lange darnach fragen würde, warum denn eigentlich die agrarischen Bezirkshariptleute nicht zur Verantwortung- gezogen werden, wenn sie in ihren Bezirken eventuell vorkommende Mißstände cnrf d'elem Gebiet ruhig dulden, lassen darauf schließen, daß wieder Angriffe von recht- auf di« ArbeitSlosenfür« sorge zu erwarten sind. Wir wissen schon gut, was mit der Forderung nach„verschärfter Kontrolle" da eigentlich gemeint ist! Hier werden die sozialistischen Parteien sehr auf der Hut sein müssen, damit aus eurer„R e- o r g a n i s a t i o n" des Unterstützungswesens nicht eine erhebliche Restriktion werde. Der Staat hat unter allen Umständen die Pflicht, für die Opfer der Krise entsprechend zu' Wr. 55 Sonntag, 8. Marz 1933 S«t« 3 wenig durch jedoch einige Zwei Offiziere in Half. Im Zusammenhang mit dem Kasernenstnrm! Brünn, 4. März. Das Verhör Kobsineks bei der Brünner Polizeidirektion wurde heut« in den Hauptlinien abgeschlossen und K o b s i n e k wurde nachmittags in die Haft des Strafkreisgerichtes«ingeliefert. Auf Grund seiner Aussagen wurden auch einige Offiziere verhört, vo» denen heute zwei in Verwahrungshast genommen wurden. Di« Untersuchung gegen sie ist aber noch nicht abgeschloffen. seine Demission bekannt. Nunmehr wollte der Vizepräsident R a m e k, der den Vorsitz über- n«- schließlich Montag geschlossen. Heute soll zwischen Hoover und Roosevelt die Frage einer Lvprozrn« tigen Staatsgarantie für Bankeneinlagen verhandelt worden sein. Bei seinem Amtsantritt wies Roosevelt dar auf hin, daß die gegenwärtige Lag« in den Banken nur den geldgierigen Machenschaften gewissenloser Spekulanten zuzuschreiben sei. Er werde vom Kongreß sofort Vollmachten verlangen, um die Banken zu überwachen, der Spekulation ein Ende zu machen und für eine gesunde Währung zu sorgen. New Pork. 4. März. Der Gouverneur des Staates New Pork, Lehmann, hat zu der Er klärung des Bankenmoratorrums für den Staat New Pork«ine ausführliche Begründung Der Nationalrat vcrtiandlnngsunläliig. Genosse Dr. Renner zurttAgelreten. Wien, 4. März.(Eigenbericht.) Am Abend ist es im Nationalrat zu einer Kris« gekommen, in deren Verlaus der Präsident Genosse Dr. Renner spät nachts seine Demission gab; da daraufhin auch die übrigen Parteien ihre Vizepräsidenten abberiefen, ist der Nationalrat derzeit verhandlungsunfähig. Um Mitternacht traten di« einzelnen Abgeordnetenklubs zusammen, um zu dieser ungewohnte« Lage Stellung zu nehmen. Di« Vorgeschichte dieser Krise ist folgend«: 5Vm Nationalrat standen die Maßnahinen der Regierung gegen die Eisenbahner, die am 1. d. gestreikt hatten, zur Debatte. Di« Soziäldeino- kraten.verlangten die Niederschlagung aller getroffenen Blaßnahmen; dieser Antrag wurde zwar abgelehnt, dagegen ein ähnlich lautender Antrag der Großdeutschen in seinem wichtigsten Teil mit 81:80 Stimmen gegen die Regierung angenommen. Die Regierung verlangte trotzdem noch die Abstimmung über einen Antrag der Mehrheit, der durch die Annahme des großdeutschen Antrages jedoch schon illusorisch geworden !war. Zwecks einer Beratung des Präsidiums wurde die Sitzung vertagt. Nach Wiederaufnahme der Sitzung brachte Dr. Renner zwei Fälle' von Versehen bei der Abstimmung zur Kenntnis, durch di« das Abstimmungsergebnis jedoch nicht beeinflußt worden war„ und erklärte di« Sache damit für erledigt. Als die Christlichsozialen und der Heimatblock dagegen stürmisch protestierten, gab Dr. Renner * v Ein Kapitel für sich ist die bürgerliche Vefsc.'Mit Ausnahme d.'s„Berliner Tageblat- der„Vossischen" und der„Frankfurter !!fitunq" gibt es anscheinend keine anständige Ärgerliche Preffe mehr in Deutschland. Alles !"rige, von der Großstadtpressc bis zum kleinen LwPPzeug in den Provinznestern, hat vor dem Mismus kapituliert. Ja noch mehr, diese satter überbieten sich geradezu in Liebedienerei ?r dem herrschenden Regime. Die Ueberschriften W noch fetter und greller als die der Nazipresse, die lange noch, Herr Innenminister?"— Ausrottung des roten Mordgesindel"—„Die ”te Bestie wird rücksichtslos niedergeschlagen" das sind nur einige markante Titel der ^hemnitzer ZcitungcI eines einzigen Tages. Und ^den Spalten dieser Blätter reagieren die Her- jSM Schriftleiter ihre rassische oder nationale Minderwertigkeit in widerlichste Mastdannghm- ^stik an den Röhmlingcn ab. Niemals noch ist * Die Versammlungen der Partei, sind gut, teilweise sogar massenhaft besucht. Die Arbeiter find voller Erbitterung, aber auch kampfentschlossen bis zum Aeüßersten. Ueberhauvt: das einzige Erfreuliche im gegenwärtigen Deutschland sind die durch die SPD geschulten Arbeiter. Die Opferwilligkeit der Genossen ist grenzenlos. Im Bezirk Chemnitz sind 45 Prozent der Parteimitglieder arbeitslos. Der Parteikassier aber erklärte mir, daß diesmal die bereitgestellten Sammellisten nicht ausreichten und daß mehr Gelder einfließen, als jemals erwartet werden konnte. Ich habe nun sieben Versammlungen hinter mir und habe viel« prächtige Menschen kennengelernt, Genoffen, die wissen, worum es geht. Ich kann nicht glauben, daß der Faseismus über diese Bewegung dauernd zu triumphieren vermag. Man muß di« Reichsbannerleute gesehen haben, wie sie seit vielen Tagen Abend für Abend unermüdlich und unverdrossen in die Versammlungen ziehen und Saalschutz stellen, man muß die Genoffen und Genossinnen— ja auch die Genossinnen— der Eisernen Front beobachtet haben, wie sie Flugblätter verteilen und agitieren trotz alledem und alledem, um sich zu dem Wort zu bekennen: ,^FHr hemmt uns, doch ihr zwingt uns nicht". Das Reden in den Versammlungen ist durch die diversen Perordnungen sehr erschwert worden. Man kann die Dinge nicht immer bei ihrem Namen nennen, besonders ist es verboten, Mitglieder der Reichsregierung„böswillig verächtlich" zu machen. Aber Redner und Zuhörer haben sich überraschend schnell umgestellt und verstehen die„Bkümensprachc" gern und ganz. Und manchmal gibt es trotz der Not der Zeit, dank der Maßnahmen der empfindlichen Regierung, sogar ein bißchen Heiterkeit. * Im allgemeinen konnten wir sudetcndeut- schen Genoffen in Sachsen ungehindert sprechen, nur in der Amtshauptmannschaft Annaberg nicht. Dem Herrn Amthauptmann hatte es erst der tschechisch klingende'Name des Genoffen K r e i c t angetan, aber auch ich wurde trotz meines unzweifelhaft deutschen Namens mit einem Redeverbot bedacht. Wir seien eben„Tschechen" und dürfen mit Rücksicht auf die Stellung der Kleinen Entente zu Deutschland nicht sprechen. so hieß es in oen Verboten.(Nebenbei: daß in der Tschechoflowakei dreieinhalb Millionen Deutsche leben, braucht der Amtshauptmann des Grcnzbezirkes nicht zu wissen.) Ich sollte gestern in Thum, im Bezirk Annaberg reden, da cs mir aber dort verwehrt war. bin ich dafür iü«ine Versammlung nach Annaberg selbst gegangen und habe vor der Nase des übereifrigen Herr» Amtshauptmannes gesprochen. Daß uns dieser Streich gelang, hat uns ein Erheiterung verschafft. Die Nazis ziehen auch in Chemnitz die Straßen, von einer Begeisterung ist wenig zu spüren. Gestern marschierten hundert SA.-Leute unter klingendem Spiel auf. Aber kein Heilruf erklang, keine Hand hob sich. Biel« proletarische Existenzen sind unter ihnen, denen der Hunger aus den Gesichtern schaut. Di« halten die vier Jahre, die Hitler regieren will, nicht aus, Und die Ernüchterung, dio auf den tollen Fasching des Jahres 1933 folgen wird, wird gerade bei diesen Menschen furchtbar sein. * Uebermorgen wird also gewählt, wenn es den Herren in Berlin nicht noch gefällt, durch ein Attentat oder etwas ähnliches einen Vorwand zur Verhinderung der Wahlen zu schaffen. Das Ergebnis der Wahlen wird s«hr interessant sein, entscheidend aber ist cs kaum»lehr. Der Kampf geht am 6. März tveiter. N. Bericht von der Kampffront in Deutschland. Auf Wahlagitation in Sachsen. Chemnitz, am 8. März 1933. I die Charakterlosigkeit, aber auch der besinnunqs- Wir sind ost und gern nach Deutschland! lose Haß der bürgerlichen Preßdirnen so offen- gefahren, zu Jugendtagen, Kongressen und Sit-, kundig geworden, wie in dieser schweren Zeit, jungcn, und insbesondere die Teilnahme an den deutschen Wahlkämpfen als Redner und Werber für die gemeinsame Sache war uns eine liebe internationale Pflicht. Und so sind wir auch, diesmal ein Dutzend Genoffen und Genossinnen über die Grenze jenes Staates gezogen, der immer noch„Deutsche Republik" heißt, um un seren Klaffcnbrüdcrn in ihren schweren Kämpfen beizustehen, um ihnen gleichzeitig zu sagen, wie ks uns ums Herz ist und wie die heiße Liebe °er Proletarier aller Länder und vor allein jener der Tschechoflowakei sie begleitet. * Durch sächsisches Nachbarland fahren wir, sieuz und quer. Es gibt wohl kaum ein Gebiet m Deutschland, in dem die verheerenden Wir kungen der Krise ähnlich kraß zu Tag« treten. Die ausgedehnten sächsischen Industrieanlagen «egen fast all« still. Es ist ein ans Herz, grei- MweS Bild, diese weiten Industriefrredhöfe sehen zu müssen. Ein Plakat fällt uns da immer bieder in di« Augen, das uns eindringlicher als alle Wahlplakate die Not der Zeit entgegen- schreit, das an vielen gewaltigen Fabrikskomple- J®n zu lesen ist:„Zu vermieten— zu verlau sen", dessen Schrift ost schon verwittert ist, denn niemand hat Lust— auch im beginnenden Drit- >en Reich nicht— Geld in Fabriken zu inve- Mren und die gefüllten Speicher noch mehr mit. iUnverkäuflichen Waren anzustopfen. * Die politischen Verhältnisse beginnen immer ^»erträglicher zu werden. Dabei ist es Zweifel kd in Sachsen noch viel besser als in Preußen, «tn die sächsische Regierung(das Beamten kabinett Schick) kapituliert nur Schritt um Schritt bvr dem Berliner Diktat. Die Verordnungen werden nicht mit preußischer Schneidigkeit durch- keführt. Trotzdem holt auch hier die Reaktion zu Mtscheidcnden Schlägen gegen di«! Arbeiter aus. Gestern wurde„über Auftrag der, Reichsreaie- ’uttg" unser Partciblatt, die„Bolksstimme", das uuch unter der furchtbaren Presseknebelung noch Manches tapfere Wort fand und das darum den Monde rcn Haß aller Gegner erntete, auf zwei «ochen verboten. Die kommunistische Preffe ist Ebenfalls verboten, desgleichen alle kommunisti schen Versammlungen. Heute lesen wir, daß auch !? Sachsen 1500 Mann Hilfspolizei aus„ver- ! Wchcn nationalen Elementen" gebildet und Wtzestellt werden.?;•’•••'..-’V Der Wahlkampf wird im Chemnitzer Gebiet fo-if unglaublicher Erbitterung geführt, wenn M die Mittel— wie überall in Deutschland ungleich verteilt sind. Wir haben nur noch die Versammlungen als Werbemöglichkeiten, ferner Mgblätter und das Wort von Mund zu Mund. £ie andern verfügen über alle Mittel der Mas- ieupropaganda und sie nützen sie rücksichtslos »Us. Es ist aber noch keineswegs sicher, ob der Uolg in dem erwarteten Maße eintritt. Einmal prt man sich Herrn Hitler an, wenn sein Mexisches Geschrei aber jeden Tag aus dem uether gellt, schaltet grau gern um. So scheinen such viele Wähler in Deutschland zu denken. ?ks ich am letzten Sonntag in meine Versamm- u»ig fuhr, war ich Zeuge einer bezeichnenden Unterhaltung. Ein Durchschnittswähstr erzählt« ?i»er Nachbarin:„Gestern sollte im Rundfunk ?rr Kölner Karneval übertragen werden, es Mach aber«ur der Minister Göring." Es Mint also doch ein Naziministcr noch nicht von Ucn deutschen Wählern als'vollgültiger "Ufchingsersatz anerkannt zu werden. I Die Chemnitzer Arbeiterbewegung zählte in Pt letzten 14 Tagen drei Todesopfer: den Wirgbannermann Fischer, den kommunisti- Jw Arbeiter CH rhardt und den Iungban- NMann Franke. Alle drei wurden durch Mückenstiche von vertierten Mördern gefällt. Man p. angesichts der zahlreichen Mordtaten an Ar bitern schon ein wenig unempfindlich geworden. 'öer wenn man das Schicksal der Familie des Mordeten Franke kennenlernt, wird man zu- ?kfst aufgewühlt. Der Vater des jungen Opfers N braunen Pest war mit drei erwachsenen Mnen im Krieg an den Fronten. Aus dem Horden des Weltkrieges sind sie alle gesund zu- ^ckgekehrt. Da haben di« braunen Mordgesellen W den jüngsten Sohn brutal niedergestochen, Mr weil er mit dem Freiheitspfeil am Rocke ’n der Straße stand. titfnziidie Betriebsstillegung der Glasfabrik Neusalti. Die Glasfabrik Siemens A.-G. In Neusattl (bei Karlsbad), die in normalen Zeiten 1200 bis 1400 Arbeiter beschäftigte, arbeitet in den letzten Monaten so weit eingeschränkt, daß nur noch 300 Personen beschäftigt werden konnten. Die Direktion der Glasfabrik verlautbart, daß die Glasfabrik in den nächsten Tagen gänzlich eingestellt wird. Die Arbeiterschaft und die Beamten haben bereits die Kündigung erhalten. Dadurch ist die größte Glasfabrik der OSR. zum Stillstand gekommen und das Arbeitslosenheer um einige Hundert vermchrt. Vie Angriffe auf Dr. Czedi beginnen stfion wieder! Wir haben erst unlängst den unsinnigen Angriff vermerkt, den das Stribrny-BIatt auf den Fürsorgeminister Genossen Dr. Czech verübt hat, worin es ihm nichts anderes Vorwersen konnte, als daß er irgend einmal— mit Genoss«« Dr. Renner zusammengekommen ist. Dem Stri- brny Blatt gesellt sich nun das Nachmittagsblatt der Nationaldemokraten,„NLrod", zu, welches seinen Lesern in der Ausgabe vom Samstag unter einem dreispaltigen Titel nichts anderes vorzu- . setzen weiß, als daß Genosse Dr. Czech„den verbrecherischen Mißbrauch der Arbeitslosemlnter». stützung ermöglicht". Die Nationaldemokrat«» haben nach der Abstimmung üb«r die Auslieferung der hakenkreuzlerischen Abgeordneten den Versuch gemacht, die deutsche Sozialdemokratie aus der Regierung zu verdrängen oder ivenig- stens den Geiwssen Dr. Czech aus dem Ministerium für soziale Fürsorge zu entfernen und der deutschen Sozialdemokratie dafür ein minder wichtiges Ressort zuzuschanzen. Dieser Plan ist ihnen nicht gelungen, weswegen sich ihre Wut in einem Angriff auf den verhaßten Fürsorgeminister entlädt. Was haben die Nationaldemokratcn dem Ge- noffen Dr. Czech vorzuwerfen? Erstens, daß die Zahl der Arbeitslosen unt«r der Meisterschaft des Dr. Czech auf fast eine Million gestiegen ist und daß„sogar vielfach dafür agitiert wurde, daß die Zahl der Arbeitslosen möglichst groß sei". Zweitens, daß die Staatskasse geradezu ausgeraubt wurde, weil die ArbeitsloseuuntcrstützUngeu jedem gegeben wurden, der sich nur anmeldete. Was den zweiten Vorwurf betrifft, ist cs überflüffig, sich lange damit zu beschäftigen. Di« staatliche Arbeitslosenunterstützung bekommen die gewerkschaftlich Organisierten und die Ernährungskarten verteilen die Bezirke durch di« Ge- nieinden. Das Ministerium für soziale Fürsorge entscheidet nicht selbst, ob der oder jener Ortseinwohner eine Ernäbrungskarte bekommt oder nicht. Wenn Mißbräuche Vorkommen,, so tragen di« di« Karten verteilenden Behörden dafür die Verantwortung. Daß der Minister Dr. Czech für das Anwachsen der Arbeitslosigkeit nicht verantwortlich gemacht werden kann, mit diesem Unsinn muß man sich ja überhaupt nicht beschäftigen. Oder ist vielleicht Genosse Dr. Czech. auch für das Wachstum der Arbeitslosigkeit— in den Vereinigten Staaten und für den Zusammenbruch der Banken des Herrn Ford in Detroit verant-, wörtlich. Je mehr und unverschämter die bürgerliche Preffe den Fürsorgeminister angreift/ desto mehr wird die Arbeiterschaft- in dem Bewußtsein gestärkt werden, daß Genosse Dr. Czech in der Regierung di« Interessen der arbeitenden Schichten und vor all«m der ärmsten Opfer dieser Krise, der Arbeitslosen, verficht. Die passive Handelsbilanz gegenüber Deutschland. Maßnahmen des Finanzministeriums bevorstehend. Die bereits im Schlußwort Dr. Beueäs zur außenpolitischen Debatte augedeutetcn Maßnahmen zur Senkung des Passivums unserer Handelsbilanz im Warenverkehr mit Deutschland sollen bereits in den nächsten Tagen durch eine Verordnung des Finanzministeriums in die Tat umgesetzt werden. Offenbar wird ein gesperrtes S a m ur e l k o n t o eröffnet werden, das ähnlich wie im Clearingverkehr, der mit einigen anderen Staaten cingcführt ist, die gegenseitigen Forderungen aus Export und Import im Verleb'">-t Deutschland ausgleichen soll. Der Import ans Deutschland, der noch im nbgelauscnen Jahr unseren Export um 750 Millionen Kronen überstieg, würde auf diese Weist auf die Höhe unserer Ausfuhr herabgesetzt tverden, falls keine ivciteren Devisen von der Nationalbank zur Verfügung gestellt werden. Aenderung der parlamentarischen Geschäftsordnung? Wie verlautet, beschäftigt sich die Regierung u. a.' auch mit einer Reform der Geschäftsordnung der Nationalversammlung in dem Sinn, daß es den Ministern erleichtert tverden soll, ohne das Klim-bim einer offiziellen Regierungserklärung mit ihren Konsequenzen, wie Eröffnung der Debatte darüber usw., auch in den Plenarverhandlungen deS Parlamentes jederzeit in die Debatte einzugreistn, so oft es die Ver- hältniffe erfordern. In den meisten westlichen Ländern ist dies durchaus gebräuchlich^ es wäre auch bei uns sicher nur z« begrüßen, wenn der betreffende Ressortminister ohne große Formalitäten mitten in der Debatte aufstehen und einem Redner kurz antworten könnte, falls es ihm nötig erscheint. Die Beschwerden über die Teilnahmslosigkeit der Parlamentarier gegenüber allen Plenarverhandlungen würden sicher zurückgehen.— Allerdings müßte bei einer Reform der Geschäftsordnung auch einmal mit dem schrecklichen Unfug des bloßen Verlese nsvon wörtlich ausgeschriebenen Reden— die z. B. bei den Kommunisten gut zu neunzig Prozent auch noch der Klubsekretär abzufaffeu pflegt— gründlich aufgeräumt werden. Ein solches Leseverbot hat im Reichsrat bestanden und wurde auch im alten böhmischen Landtag streng gehandhabt. Sette 4 Sonntag, S. März 1933 jit. SS Ein Gedenktag. Gestern waren es 14 Jahre seit dem 4. Marz 1819, an dem cs im Verfolg von Demonstrationen im deutschen Gebiete eer Tschechoslowakischen Republik;u Zusammenstößen gekommen ist, die eine Reihe von Todesopfern gefordert haben. Diese Demonstrationen waren— man muß daran erinnern, weil insbesondere von nationalistischer Leite mit der Erinnerung an den 4. März Mißbrauch getrieben wird— von d e r de u t sch e n S o z i a ld c m o k r a t i c ve r- a n fta l t e t. Tie waren Kundgebungen für die politischen Interessen der deutschen Arbeiterschaft in einem geschichtlichen Augenblick. Wir haben am gestrigen Tage den Opfern des 4. März 1919 ein stilles Gedenken bewahrt so wie wir es allen denjenigen gegenüber getan haben, die im Kampfe für die Interessen der Arbeiter zu Blutopfern geworden sind. Ter politische Kampf hat in der Vergangenheit Opfer gefordert, er wird solche auch in Zukunft fordern. Es ist eine Ehrenpflicht der proletarischen Bewegung, ihrer vergangenen Opfer zu gedenken und ihr Andenken rein zu erhalte« und dafür einzutrcten, daß nicht gerade von jener Seite, die alle Freiheit mit Füßen »tritt— das ist von Seit« der deutschen Nationalisten— die Bedeutung eines geschichtlichen Augenblicks gefälscht wird. ArbeitslosenHirsorge der Dentsdinatlonalen. In der deutschnationalen Presse werden die Herren von der deutschen Nationalpartei und ihre Nazi nicht müde, über die Unzulänglichkeit der staatlichen Arbeitslosenunterstützung zu zetern und ihr Gift gegen den Fürsorgeminister Tr. Czech zu verspritzen. In der Praxis sieht ihre „Arbettslosenfürsorge" anders aus. Die Stadt Tetschen, an deren Spitze der Rationalparteiler Friedrich Leinweber steht und deren Füvsorgereferent der nationalparteiliche Bizebürgermeister Hausmann ist, hat in ihrem Boranschlag ganze 7000 Kronen bei einem Stand von 500 Arbeitslosen eingesetzt. Ein Antrag unserer Genossen, die gewiß bescheidene Summe von 50.000 Kronen diesem Zweck au widmen, wurde mit den Stimmen der Dcutschnationalen und Hakinger abgelehnt. So besteht die ganze Arbeitslosenhilfe der Stadtgemeinde darin, daß sie an die Arbeitslosen Mittagessen verabfolgt, wofür die Kosten im Wege freiwilliger Spenden ausgebracht werden. Die Kosten eines solchen Mrttagessens betragen etwa zwei Kronen pro Person. , Nun ist den Herrschaften auch dieser Bettel noch zu viel und so haben sic beschlossen, einen „freiwilligen Arbeitsdienst" einzuführen. Die sich dazu Meßenden sollen als Gegenleistung für das Mittagessen und gegen einenBarlohn von sageund schreibe sechs Kronen zwanzig Heller an einigen Tagen der Woche für die Stadt arbeiten. Aber auch diesen beschämend niedrigen Betrag, der kaum dem Stundenlohn eines qualifizierten Arbeiters glcichkommt, wollen die Herrschaften nicht aus Gemcindemittcln, sondern aus den Sammelgeldern bezahlen. Natürlich finden die Arbeitslosen wenig Verständnis für eine solche Art„freiwilligen Arbeitsdienstes" und melden sich eben nicht. Angesichts dieser Situation geht nun der nationalparteiliche Bürgermeister her und versendet an die Arbeitslosen amtliche Dienstzettel folgenden Inhalts: Herrn■ ' Tetschen a. E Im Nachhange zu unserer Zuschrift vom .... werden Sie aufgefordert, sich zu dem freiwilligen Arbeitsdienst zu melden. Ter Bürgermeister:' Leinweber. Was dieser deutschnationale Bürgermeister da tut, ist eine Provokation der Ar- britslolen und der Spender. Er will die Arbeitslosen zwingen, für einen S ch a n d l o h u zu arbeiten und will dazu Gelder verwenden, die die Bevölkerung zur Hilfe für die Arbeitslosen und nicht zur Sanierung der G e nte i n d c spenden. So sieht die Arbeitslosenfürsorge der Dcutschnationalen aus. Vom Rundfunk Eutpschlenswertce aus Den Programmen. Montag: Prag: 6.15: Gvmuastik. 11: Schallplatte«. 17.30- Aindersiünde. 18.25: Deutsche Sendung: Prof. Knoll: Blüten und Insekten. Brünn: 18.25: Tentschc Sendung: Französisch 19.40: Lieder. 21: ,',Tic Wahrheit siegt", Funkbild.— Miihrisch- Ostrau: 12.30: Orchesterkonzert. 18.30: Deutsche 2 e n d u n g: Dr. Schimeczet: Zum 120. Todestag Wieland».— Breslau: 21.30: Henri Marteau geigt. — Königsberg: 21.40: Mannerchor.— Langenberg: 22.30: Nachtmusik. Leipzig: 19.30: Loewe Balladen— München: 20.55: Symphoniekonzen.— Wien: 22.10: Tanzmusik. Dienstag:' Prag: 0.15' Gvmnast'k. 1010: Deutscher S ch u l f u n k. 18.25: D e u t s ch e S c n d u n g: Prof Flusse,: Aus Masatyks Werken. 19.30'„Ter Jakobiner". Oper von Dvorak.— Brünn: Orchesterkonzert. 18.25: Tcullche Sendung: AuS dem Reiche der denischntährischen Sage— Berlin: 18: Beethoven— Mozart.— Mühlacker: 19.30: Bala- laika-Konzert.— Hamburg: 19.301 Volksmusik.— Königsberg: 19: Liederstunde.— Leipzig: 22.15: Orchestergeiänge— Men: 20: Bei den Wiener Schrammeln. 21: Symphoniekonzert. den Straßenlärm abzuschließen. Ter VillenbesitzN war mit dem Kauf nicht zufrieden gewesen,: weil er ihn vor dem Lärm, dem er zu Lerbc ziehen wölbe nicht geschützt habe. Es kam in dieser.Holzerei zu« Prozeß u>td zu vielen Terminen; selbst das Reichsgericht beschästigte sich mit dem Baum— endlich Hal man sich jetzt nach fünf Jahren geeinigt: Fichten sollen bezahlt werden, wachsen, blühen und gedeihen. Bürgermeister Ceirnäi verbrachte eine unruhig Nacht, im Verlaufe derer er von einem ZivcrchftH kramp? befallen wnrde. 2as verkokte Ske^n Wer hat die Leiche wus der Anatomie gestohlen? New Dort, End« Feber.(Eig. Ber.)' J In Amerika erregt augenblicklich ein geheimnis- volles Verbrechen großes Aufsehen. Mord und E'4" schleichcrei bildeten das Hauplthema der seltsam:" und phantastischen Affäre. Daß in der Hinterirep pengeschichte auch«in lebender' Leichnam und ei" Mörder, der gar kein Mörder ist, Herumspuken, vci' vollkommnet diesen Kriminalroman aus der ciiwf- konischen Wirklichkeit. Der ei ns ame F a r m e r. In einem kleinen Ort im Staate Virginia ledU. ein-reicher- Farmer namens Hastings völlig ad-fs schieden in feiner- Billa. Zu den wenigen Gäfün-1 die das Haus- des- Sonderlings betreten dursten, hört« der Resse des Farmers: Jim Collier, Gärtner von Beruf, ein nicht gerade sehr aufgeweckter, aber wohl herzensguter Bursche. Ter Alt« hatte ihn ins -Her; geschlossen; kein Wunder, daß er ihn als All«'" erben seines Riesenvermögens einsetzt«. Aber Mister Hastings hatte noch einen andetc" Ressen, einen gewisien Edgar Field, der ganz iu^ gar nicht davon entzückt war, bei der Million«"' crbschaft leer auszugehen. Er hatte im geheim«? seine Angen auf die Erb'chast gerichtet ur.d ke'chlo'' sen, durch einen einzigartigen Gewaltstreich de» Universalerbe« um seine Millionen zu prellen IW M a s k i c rt c Räuber! Vor einiger Zeit starb der alle Erbonkel. Uebcrgabe seines Vermögens an den Universalerbe" Collier war bereits in die Weg« geleitet, aber W* entscheidende Dokument vom Notar noch nicht au^ gshändigt worden. Wenig« Tage vor der Testament^' Übergabe ereignete sich nun in d«r Wohnung des J'->" Collier ein Verbrechen, das wegen seiner Begl:>b umstände ungeheure Empörung hervorr:«? M- Nacht und.Nebel drangen maskiert« Räuber***• Haus ein und entführten den Universalerben Am an-e' Morgen wilrdc in einer verbran"' txn Hütte ti alde«in völlig verkohltes menscb' liches Sielet:-> irden. An der Räh« lagen Papiere, di« aus den Namen Jim. Collier lauteten. Alla«' mein nahm man an, daß di« Räuber den atme" Erben uqch seiner. Entführung in der Hütt« brannt hätten. In allen Zeitungen Amerikas schienen spaltenlange Berichte über das graue«' elK Verbrechen. Tie. Ermordung des jungen Gärtnn- wurde zum Tagesgespräch. Tck» Vermögen So-.- zugedacht war, fiel nunmehr Edgar Field zu. Kstf sam erschien nur, daß Fiel- nicht vor Gericht lchien, um seine Ansprüche geltend zu machen Jim Collier gesungen? Kaum hatten sich di« Gemüter beruhigt, als b'-c Affäre ein« sensationell« Wendung nahm. Ti« AW tomie des Staates Virginia erstattete Anzeige, do? in der Mordnacht aus dem Schauhaus eine Lil- geswhlen worden sei. Ein findiger Kriminalist sdW bald di« Lösung des Rätsels. Der Mami, der der Waldhütt« verbrannt aufgesunden wurde, itzl gar nicht Jim Collier. Di« verkohlten Men'che"' resle stammten von der aus der Anatomie gestohlen-'" Leiche. Wo aber war nun der Universalerbe blieben? Ter lebend« Leichnam, der offiziell b" reits für tot erklärt worden war, konnte nirgend'! mehr gefuitden werden. Auch Edgar Field. d'l wahrscheinlich als der Urheber des schaurigen Dra' maz anzusprechen ist, blieb verschwunden. Der Mörder, der gar kein Mörder ist, und W" Tot«, der offenbar immer noch lebt und irgendwo gefangen gehalten wird— sie beide werden setzt ve" der Polizei fieberhaft gesucht* Die amerikani'M Oeffentlichkeit ist gespannt darauf, in welcher dtw malischen Weise sich das Schlußkapitel d'«'-' Schauerromans aus der Wirtlichkeit abrollen w'>'"- Gegen Grippe und Erkältungskrankheiten sind Togal-Tabletten ein hervorragendes Mittel. Togal scheidet die Harnsäure aus, ist in hohem Maße bakterientötend und geht daher direkt zur Wurzel des Nebels. Im Anfangsstadium Grippe, Erkältungs-Krankheiten! genommen, verhindert Togal den Ausbruch der Grippe. Erstaunliche Erfolge! Mehr als 6000 ärztliche Gutachten! Ein Versuch überzeugt. In allen Apotheken. Gcneraldcpot: Brauners Apotheke„Zum weißen Löwen", Prag II., Prlkopy 12. HilHUIII1inillliniHIIIUIIflllUIIHIIHIIIIIIillHnillllUlillllllllllllUIHHHiniillllHllllllfllHIIIIIHIIIIIIIHnUHHIIIIIHIIHIIIIIIIIIIIinHIIIIII1IIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIHIHI!lfHlllllllllllllilllllllllllfllillllllllinn T agesneuigkeiten Ein Gendarm erWetzt Frau und Kind und begeht Selbstmord. Urhorod, 4. März. Am 1. März erschoß der Gendarmeriewachtmeister Bratistav K e j r in Akna Szlatina seine Frau Anna, sein fünf- jähriaes Töchterchen Dera und verübte hierauf Selbstmord durch einen Schuß in den Kopf. Kes? dürfte diese Tat wahrscheinlich in einem Plötzlichen Anfall von Sinnesverwirrung verübt haben. Bereits im Vorjahr, als er den Kurs für die Ausbildung von Stationskoinman- danten in USHorod besuchte, zeigte Ksjr Anzeichen von Geisteskrankheit, wurde dann zur Beobachtung an die psychiatrische Abteilung des Uxhoroder Krankenhauses geschickt, von wo er in di« häusliche Pflege entlassen wurde. Bergarbeiter-Tod Roßleben(Unstrut), 4. März. Im Grubenbetrieb der Gewerksthaft Roßleben(Sachsen) wurden gestern zwei Bergleute aus Roßleben sowie der aufsichtführende Steiger von hereinbrechendem Salzgestein verschüttet. Die Bergarbeiter konnten nur als L e i ch e n geborgen werden. Der Steiger wurde schwcrver- l e tz t. historische Erinnerungen Am 24. Mai 1878 lehnte der Reichstag Bismarcks erstes Sozialistengesetz ab. Die Sozialdemokraten begnügten sich, durch Liebknecht folgende Erklärung abgeben zu lassen: „Der Versuch, die Tat eines Wahnwitzigen, noch ehe die gerichtliche Untersuchung geschlossen ist, zur Ausführung eines lange vorbereiteten Rcaktionsstreiches zu benutzen und die„moralische Urheberschaft" des Mordattentats auf den deutschen Kaiser einer Partei aufzuwälzen, welche den Mord in jeder Form verurteilt und die wirtschaftliche und politischeEntwicklungals von dem Willen einzelner Pcrf o n e n—g a n z unabhängig a u f f a ß t, richtet sich selbst so vollständig in teilt Augen jedes vorurteilslosen Menschen, daß wir, die Vertreter der sozialdemokratischen Wähler Deutschlands, uns zu der Erklärung gedrungen fühlen: Wir erachten cs mit unserer Würde nicht vereinbar, an der Debatte des dem Reichstage heute vorliegenden Ausnahmegesetzes teilzunehmen, und werden uns dnrch keinerlei Provokationen» von welcher Seite sic komnten mögen, in diesem Entschluß erschüttern lassen. Wohl aber werden wir uns an der Abstimmung beteiliaen, weil wir cs für unsere Pflicht halten, zur Verhütung eines beispiellosen Attentats auf die Bolksfreiheit das Unsrigc bcizutrogcn, indem wir unsere Stimmen in die Waqschale werfen. Falle die Entscheidung des Reichstages aus, wie sie wolle, die Deutsche Sozialdemokratie, an Kampf und Verfolgung gewöhnt, blickt weiteren Kämpfen mit jener zuversichtlichen Ruhe entgegen, die das Bewußtsein einer guten und unbesiegbaren Sache verleiht." Logik der Hakenkreuzpresse. Da das„erwachende Deutschland" vom Antisemitismus ausgegangen ist, darf natürlich auch in den Zeiten ärgsten weißen Terrors gegen den Marxismus nicht an die sozusagen moralische Pflicht vergessen werden, den Juden auch ihren Anteil am„Bankrott des 7. November" zuzuschieben. Nach gutem alten Muster, das aus den Zeiten des Kriegsfanatismus stammt, wird auf«in und derselben Seite zugleich das Gegenteil behauptet, um die gerade gewollte These zu bekräftigen. Da meint die Hakenkreuzpresse, daß die Juden am Steigen der. Lebensmittelpreise schuld seien, iveil die großen Warenhäuser die jetzt mit erhöhten Zöllen belasteten Produkte gehamstert hätten. Der allzu große Einkauf ist also nach dieser Version der Grund, warum die einzige von der jetzigen Reichsregierung ergriffene Wirtschaftsmaßnahme gegkn das Volk wirk: und die Lebenshaltung verteuert. Nach dieser Behauptung diskreditieren die Juden darum durch die Folgen ihres Einkaufs die Reichsregierung, sind also Bolksschädlingc und müssen beseitigt werden. Einig« Spalten weiter kann man aber eine nicht minder tiefe Erwägung darüber lesen, wieso in den letzten Tagen der Handel vollkommen darnieder liegt, wieso der Geldmarkt zugrunde gerichtet wurde und das ganze Wirtschaftsleben stockt: weil nämlich die großen jüdischen Warenhäuser und ihre Konzerne programmatisch den Einkauf unterlassen, bewußt und absichtlich keine Geschäfte machen, dadurch dem Markt keine Geldmittel zuführen, die sie nach der Hakenkreuzphraseologie gehamstert hatten, und so durch Unterlassen des Einkaufs die Reichsregierung moralisch schädigen, diskreditieren und daher bekämpft werden müssen. Arme Leser dieser Kriegsberichte; wie dumm müssen Euch die Herren teutschen Führer halten. Was einerseits die Juden zum Schaden des Hakenkreuzes tun, würde diesem andrerseits zum Vorteil gereichen; ja, da ist es natürlich schwer, einen sicheren Wirtschaftsplan aufzustellen. Was immer man für das erwachende Deutschland tut, wird sich sogleich ins Gegenteil wenden, weil eben diesen» Wahnsinn des heutigen Reichs auf die Dauer nicht zu helfen ist. Nächste Woche kein« Ministerbesnche. Die Mitglieder der Regierung-werden Ivegen ihrer Teilnahme an den Beratungen über dringende Regierungsarbortcn vom 6. bis 11. März 1933 keine Besuche empfangen. Spenden für Kinderschuh und Jugendfürsorge. Der Präsident der Republik hat, wie uns mitgeteilt wird, zu Zwecken des Kinderschutzes und der Jugendfürsorge, und zwar insbesondere für die Mütterberatungsstellen, einen Betrag von 200.000 K gespendet, von welcher Summe auf die deutschen Einrichtungen 60.000 X entfallen. Dieser Anteil der Spende des Präsidenten ist'auf die deutschen Landeszentralen in Böhmen, Mähren, Schlesien und der Slowakei nach dem Bevölkerungsschlüsiel aufgeteilt worden und wird zweifellos zur Belebung der Arbeit in den Mütterberatungsstellen dienen. Dem Reichsverband ist auch eine Spende von 30.000 X der Kreditanstalt- er Deutschen für die Kinder von Arbeitslosen zugekommen. Auch diese Spende wird nach-em Bevölkerungsschlüsiel auf die vier Länder aufgeteilt!»erden. Die Sittlichkeit der Barbarei. Der Berliner Polizeipräsident hat sich veranlaßt gesehen. 13 Lokale, deren Betriebe seit langem zu Bcanstanöungen in sittlicher Beziehung Anlaß gegeben haben, zu schließen. Für zwei andere Lokale ist die Polizeistunde vorgelegt worden. Schmuggler und Grenzwache. Aus Uxho- rod wird gemeldet: Am 2. Mär; wurden von der rumänischen Grenzwache sechs Schmuggler angehalten die die Grenze bei Selos Slatina überschritten. Als sie auf die Auf- ford?rnng'der Wache nicht stehen blieben, machte die Woche von der Schußwaffe Gebrauch; wobei einer der Schmuggler schwer verletzt wurde. Tie übrigen ergriffen die Flucht und ließen eine größere Menge'S p i r i tu s zurück. Die Polizei hat die Nachforschungen nach den Schmugglern ausgenommen. Die Juristen im Eisenbahndienst. In der Tagespress« erscheineu in der letzten Zeit Nachrichlen, daß die in den Diensten der Staatsbahnen tätigen Juristen in größerer Zahl zu anderen Tienstzweigen -er Staatsverwaltung versetzt rverden. Bon amtlicher Stelle werden wir dahin informiert, daß diese Nachricht, die unter den betroffenen Beamten Beunruhigung hervorruft. der Grundlage enlbchrt. denn über ein« Massenversetzung von Eisenbahnsilristen zu anderen Tienstzweigen kann nicht gesprochen werden. Verunglückter Eisenbahner. Aus G ö r k a u wird uns berichtet: Auf-em hiesigen Bahnhose verunglückte-er 39jährige Kondukteur Johann M e l s a aus Bruch dadurch,-aß er vom Trittbrett eines Eisenbahnwagens infolge Ausgleitens abstürzte und sich beim- Aufschlagen auf-en Bahnkörper eine schwere Gehirnerschütterung zu- ^rg, so daß sich die Ueberfnhrung-es Verunglückten ins Krankenhaus als notwendig erwies. Auto-Unglück. Auf der Staatsstraße bei Landsbera am Lech verunglückte ein Kraftwagen der Reichswehr, der auf der vereisten Straße ins Schleudern geraten war. Der Wagen überschlug sich und stürzte einen Abhang hinunter. Der Feuerwerker Bayer! wurde getötet, ein Unterwachtmeister schwer verletzt. Falscher Arzt verhaftet. Aus Wcipert wird uns berichtet: Der st e l I e n l o s e K a u f m a n n Edmund Ziegler aus Plauen hatte sich eine Zeit-lang in der Tschechoslckwakei aufgehalten und hier in der Rolle eines falschen Arztes zahlreiche Betrügereien begangen. Der Festnahme vermocht« er sich eitte lange Zeit hindurch zu entziehen, daß er seinen Aufenthaltsort immer dann wechselte, wenn ihm eine Betrügerei gelungen war. Schließlich gelang es der Polizei in Ko- motau, Ziegler fcstzunehmen und dem Gerichte einzuliefevn. Dort wurde er zu einer längeren Freiheitsstrafe verurteilt, nach deren Verbüßung er als lästiger Ausländer aus der Tschechoslo- wakei ausgewiesen wurde. Die tschechoslowakische Behörde brachte ihn im Schubivege au die sächsische Grenze, wo seiner neues Berhängnis insofern harrte, als er sich auch in Sachsen verschiedener Betrügereien schuldig gemacht hatte. Die Gendarmerie in Bärenstein nahm ihn deshalb fest und lieferte ihn dem Amtsgericht in Anna- brrg zur Aburteilung ein. Der Baum als Zeug«. Vor einem Berliner Kammergerichl erschien am Frertagnzorgen«in 8 Meter hoher und 60 Zentner schwerer Zeuge: eine Fichte, di« gemeinsam mit zehn anderen ihrer Art,«in Villenbesitzer von einem Baumschuleninhaber gekauft hatte, um sein Grundstück gegen Deutsche Hilfspoliz«!. SA.-Hilfspolizisten erhalten von einem Polizeibeamten Unterweisungen im Waffengebrauch. Nr. 85 Sonnlag, 8. Mikr; 1988 .ititt 5 Sos Erdbeben in Japan. Volkswirtschaft und Sozialpolitik 3orderuugen der Haudelsangestellten. Wir haben bereits über di« Verhandlungen der Fachsektion für Handel des All- gemeine« Angestelltrnverbande»(Reichen berg), die in Teplitz-Schönau am 26. Feber stattfand, berichtet und lassen noch di« Ent- schließnng folgen, die dort angenommen wurde. Die Konferenz der Fachsektion Handel und verwandt« Berufe im Allge- meinen Ungestelltenverband Reichenberg am 26, Feber 1933 in TePlitzSchönau sowie di« Hauptversammlung der Bereini- Sung der Gehilfendertreter in Handel, Spedition nnd Export, Sitz Reichenberg, am selben Tage iu Teplitz-Schönau haben sich in eingehenden«invernehmlichen Beratungen »kit den Berufsfragen der Angestellten im Handels-, Spedition-- und Exportgewerbe und in verwandten Berufen beschäftigt. Die beiden Tagungen nehmen bi« Tätigkeitsbericht« ihrer Leitungtkörperschaften Mit Zustimmung zur Kenntnis»ich haben insbesondere mit Genugtuung festgeftellt, daß auf d«m Dege zur Verwirklichung der vollständigen Sonntagsruhe in der Derichtszeit einige, wenn auch »ur wenig« Fortschritte erzielt werden konnten. Die beiden Tagungen erneuern dir Förderung nach all- «meiner gesetzlicher Einführung der vollständigen Oanzjährigen Sonntagsruhe im gesamten Staatsbereich« sowie auch nach gesetzlicher emheit- bcher Festlegung des Offenhaltens der Äe- IchäftSräume an Wochentagen von 8 bis E Uhr vormittags und 2 bis 6 Uhr nachmittags. Die gesetzliche Anordnung des Fünfuhrladrn- ichlusseS am A. Dezember und sein« Durchführung hat gezeigt, daß damit einem allgemeinen Bedürfnisse entsprochen wurde. Di« beiden Tagungen erblicken sowohl in diesem Gesetz« als auch in den in der Berichtsgeit erzielten Erfolgen in beztW auf bi« Sonntagsruhe und ftüheren GeschästSschluß insbesondere daS Ergebnis der außerordentlichen Bemühungen des FürsorgemiuisterS Dr. Czech, dem hi«für Anerkennung und Dank ausgesprochen wird. Die beiden Tagungen nehmen auf das ent- schiedenstr Stellung gegen jedes in den Verhältnissen nicht begründet« Verlangen nach Ueberstundenleist ungen, fordern di« unbedingt« Einhaltung b«r gesetzlichen Höchstarbeitszeit und spreche» sich für«in« weiter« Verkürzung der Arbeitszeit i« einem Umfange auS, der dem Stande der technischen Errungenschaften und den tatsächlichen Bedarfsdeckungsmöglichkeiten für di« Bevölkerung entspricht. Auf dem Weg« zu diesem Ziel« stellen sich die beiden Tagungen auf den Boden der Forderung nach der Vierzigstundenwoche. Die bestehenden Schutzbestimmungen und sozialpolitischen sowie sonstigen Einrichtungen und Vorschriften, wie Weihnacht-- bzw. Neujahr-» temunerationen, Urlaub usw. sollen ungeschmälert aufrechterhalten und nach.den Bedürfnisten der arbeitenden Menschen weiter auSgÄaut werden. Bezüglich der Kündigungsfristen wird die Stellungnahme des Reichsverbandes der Kaufmann- ßhaft und anderer Arbeitgeberorganisationen gegen di« zeitgemäße Verlängerung der Kündigungsfristen entschieden abgelehnt und di« Erwartung auS- gesprochen, daß di« darauf abzielende Gesetzesvorlage nicht nur durchges«tzt, sondern noch verbessert wird. Mit aller Schärfe sprechen sich beide Tagungen gegen jeden Versuch auS, di« ohnehin unzureichend« Entlohnung sei es durch direkte Kürzungen, sei«s durch Umwandlung der ganzen oder eines Teiles der Bezüge in Umsatzprovisionen zu schmälern, weil sich-erartige Maßnahmen, di« für di« davon betroffen«» Angestellten von unheilvollen Folgen begleitet sind, durch di« damit vrrbund«n« tveiter« Senkung der Kaufkraft nur wieder zu Ungunsten des Wirtschaftslebens, also zum Nachteil« von Erzeugung und Handel auswirken mästen. Ans den gleichen Gründen muß di« Halbtagsbeschäftigung von Angestellten abgelehnt werden. Zum Lehrlingswesen wird di« Beseitigung der Lehrlingszüchterei, die Festlegung gesetzlicher Mindeftbezüge sowie d«r Weiterbehaltspflicht nach-er Au-lehr« mit Mindcskbezügen in Anpassung a» die tatsächlichen Lebensbedürfnisse und die Ein gliederung des LehrlingSrechteS in das Angestelltengesetz gefordert und zur Frage von Lehrling-- und Gehilfenprüfungen die ablehnende Haltung mit dem Verlangen nach auf wissenschaftlicher Grundlag« aufgebauter Berufsberatung und AüSbau der Fach und Fortbildungsschulen neuerlich bekräftigt. Vierzehn Jahr« hat di« Prohibition in den Vereinigten Staaten gedauert. Si« ist in dieser kurzen Zeit in di« Weltliteratur eingegangen: mit den Verbrechen um si« herum, mit ihren vergifteten Opfern. Schon als Roosevelt am 8. November des vorigen Jahres gewählt wurde, stand da- Ende des Alkoholverbots fest. Ader man nahm an, daß es noch einige Z«it dauern würde, bis di« Aufhebung des Gesetzes di« vorschriftsmäßige Bahn gegangen war und di« vorschriftsmäßige Mehrheit gefunden hatte. Jetzt ist«S unerwartet schnell gegangen. Der Senat hat di« erforderliche Zweidrittelmehrheit auf- gebracht. Was wird aus de» Nkoholschmnggler»? Seit dem 8. November 1932 aber schon stellen sich di« Bootlegger, di« Alkoholschmuggler, um. Es «st nicht zu«rwarten, daß Amerika mit d«m Verbot auch di« Last seiner berüchtigften Verbrecherbanden los wird. Es hat sie, das steht wohl einwandfrei fest, durch die Prohibition bekommen. Ja viel« behaupten noch mehr: daß die hohe Kriminalität Amerikas hier ihren Ursprung habe. Wo eine Gesetzesumgehung so von der gesamten Bevölkerung sanktioniert wird, steht man auch anderen Verbrechen milder gegenüber. Nun, man soll di« Arbeitslosigkeit nicht vergrffen. Man soll die Krise nicht vergessen, di« auch der Hauptgrund für die Einführung der Mkohol- war. Der min längst abgesetzte New Korker Bürgermeister Jimmy Walker zog schon gegen di« Prohibition mit dem Schlachtruf zu Feld:.„Beer for taxation!"—„Bier ist eine neue Steuerquell«!" Nun werde» neu« Steuern zum„Ankurbeln" geschaffen, aber es gibt neue Arbeitslose, gefährlich« Arbeitslos«. Arbeitslos« mit einer ausgezeichnet«» Organisation und mit d«n schnellsten Revolvern der Welt. Di« Racketeer« stelle» sich um. Im Dezember bereits tauchten Klagen auf über die Ausdehnung des„Racket', das die amerikanisch« Geschäftswelt mehr fürchtet als di« Steuereinnehmer. Wir kennen, Glückliche, nur das Wort TemriS-Racket. Racket heißt Netz,«S bezeichnet beim Tennisschläger di« straff gespannt«» Saiten. In Amerika bedeutet das Wort eine Verschwörung, ein Netz, das um ein« bestimmte Industrie, um«in bestimmter Unternehmen gezogen wird. Und wenn den„Racketeers", den Banden nicht di« verlangten Summen gezahlt werden, so gehen sie rücksichtslos vor: mit Bomben, mit Entführung, mit Brandstiftung, mit Mord. Die Allohol-Racketeer» suchen sich neu« Betätigungsfelder. Sie„erschließen" sich neu« Industrien. Ihr Terror wächst. In di« Freude auf das unge- törte und verbilligt« Biertrinken mischt sich beim amerikanischen Bürger di« Angst: worauf tverden di« Racketeers sich nun stürzen? Hi»ei» in» Geschäft! Ein großer Teil der bisherigen Schmuggler zwar weiß«inen besseren Ausweg: sie werden solide Gcschästsleut« tvevden. Sie werden den Alkohol, mit dem sie vertraut sind, jetzt legal vertreiben. Er verheißt auch jetzt noch stattliche Gewinn«, di« Ein- ühr und di« Nachfrage werden groß sein. Man muß nur einen fetten„GeneraHvertrieb" haben. Deutsch« Großbrauereien wissen von Angeboten aus Amerika zu berichten, di« von Männern auSgehen, di« einwandfrei nachweisbar Bootlegger waren. Nicht Räuber mit gepanzerten Autos und Maschinen- Dic Erfindung der Spritze. Tas wichtigste Instrument des Arztes.— Wir man sie anwendet.— Pravaz, ei» Wohltäter der Menschheit. Bor rund 10V Jahren erfand der franzö- rsche Arzt Charles— Gabriel Pravaz die nach ihm benannte Pravazspritze, die es gestaltete, Arzneien und Flüssigkeiten durch die kleine Oeff- nung einer Hohlnadel in den Körper einzuküh- ren oder aus ihm zu entfernen. Pravaz ist in dem kleinen Städtchen Pont de Beauvoistn in Savoyen geboren und leftete bis zu seinem Tode— 1853— ein orthopädisches Institut in der Nähe von Paris. Er versuchte mit seiner Spritze Arzneistoffe in die große Körperschlagader einzuführen, um deren krankhafte Erweiterung zu heilen. 1855 spritzte der englische Arzt Wood zum erstenmal schmerzbetäubende Mittel in die Umgebung von Nerven unter di« Ham. Können Sie sich heut« noch einen Arzt ohne Spritze vorstellen? Sie ist geretdezu das Symbol der ärztlichen Tätigkeit geworden! Man darf ruhig lagen, daß die Erfindung der Spritze für die Medizin fast die gleiche Bedeutung hat, wie die Erfindung des Rades für die.Technik. Man pritzt in Körperhöhlen, in Blutgefäße, in den Muskel, unter die Haut, in die Haut. Die blitzschnelle Einverleibung von Heilstoffeu in sonst unzugängliche Körpergegenden ist oft di« einzige In den sonstigen allgemeinen Angestelltenfragen .e.usen sich beide Tagungen auf die vom Allgemeinen Angestelltenverbaich Reichenberg und vom Deutschen Gewerkschaftsbund Reichenberg vertretenen Forderungen, deren Verwirklichung als den Bedürfnissen entsprechend angestrebt wird. gewehren, sondern angesehene Leut« in großen Geschäftshäusern. Di«.Gangster waren oft nur ihr« Angestellten. große und klein« Verbrecher, bis herab zum Arbeitslosen, der in seiner Rot sich in jed« Gefahr begab. Di« Gangster mögen sich neu« düstere Geschäft« tuchen. Di« Großen in den Büropalasten werden in Ruh« und Sicherheit Handel treiben. Sie kennen di« Wa«, sie kennen di« Bedürfnisse des Publikums. Man bekam schon immer, in den anderthalb Jahrzehnten der Prohibition, neben den schlechten, giftig» Sachen ganz echt« War« aus Europa: Bier au- Deutschland und aus Pilsen, Wein und Likör auS Frankreich. Di« Bootleggerri reicht« bis an di« Küsten unseres Erdteils. Arbeitslose Schiffer fanden sich überall, di« di« gefährlich« Fracht nach Amerika brachten. Man muß nur di« Reklame etwas nmstellen. Bisher reizte das Geheimnisvolle: Der Ausgang m di« Seitenstraße, wenn die Polizei wirklich einmal kam. Die Fahrt im Auw in ein dunkles Stadtviertel, da- Sitzen in einem spelunkenähnlichen Raum in einer ,Mästerkneipe". Jetzt hat man eilig dir„Bier-Romantik" erfunden. Di« Amerikaner, die, von Cook's Reisebüro eilig durch Deutschland geführt, den Rhein««klang fuhren, in Berlin ins Hau- Vaterland, in München ins H o f b r ä u- Hans gingen, haben den Eindruck drüben verbreitet. Er hat sich dann schnell zu einen: einigen Bild verwischt, das in den großen Revuen, Bild„Deutschland' folgendermaßen aussieht:«in Pärchen tanzt Walzer. DaS ist Grinzing. Aber was lut«S? Blondlockige Mädchen fingen dazu ,„Di« Loreley". In Berlin tauchten- kürzlich in einem bekannten Künstlercaf« zwei amerikanische Ehepaar« auf, di« sich von Cook freigemocht hatten. Sie waren sehr enttäuscht, als sie in dem Cafs keine Männer mit wildgeschlungenen Krawatten und wollenden Haaren sahen. Darauf bestellten sie, während ringsum alles Kaffee trank, Pilsner Bier, tranken den Umsitzenden laut mit„Prost" und„Prosit" zu und waren sehr stolz auf diese Leistung. Liudeuwirti» in Amerika. Di«„Bier-Romantik" drüben steht daraufhin folgendermaßen auS: es werden Lokal« mit Rheinterrassen hergerichtet. ES werden Fkaschenetiketten mit blonden- Mädchenköpftn, weinlaubumkränzt, bestellt. Niemand ist-zu belehren, daß dar Biertrinken mit dem Rhein gar nichts zu tun hat! Es ist den Amerikanern auch gleichgültig, wie echt das Banz« ist. Die Hauptsache: es ist romantisch! Man bestellt in Deutschland, neben dem Bier, auch Reklamesprüch«: deutsche Trink- und Burschenlieder. Was bisher deutsche Studenten aus Ulk machten: das Lied von der Lindenwirtin in fremd« Sprachen sehen, das besorgen jetzt di« amerikanischen Reklamebüros, um di« neu« erlaubt« Leidenschaft ihrer Kundschaft anzufeuern. Auf,jeden Fall ist dieser Spaß harmloser als der bisherig«. And nach dem ersten Rausch— im wahrsten Sinne des Wortes— werden die Räusche in Amerika bestimmt harmloser und seltener werden, als sie es bisher waren. Biele Deutsche beklagten sich: si« hätten nirgends so viel getrunken wie in Amerika. Weil sie trinken mußten! Ihr« Freunde drüben waren stolz darauf, wenn sie ihnen auch drüben zu trinken bieten konnten, trotz des Alkoholverbots. Und da war es dann stets unmöglich, di« Freude der Gastgeber zu trüben und das Getränk abzulehnen. Die deutschen Brauereien machen den„Spaß", die„Bier-Romantik' achselzuckend mit. DaS Geschäft kommt ihnen natürlich gelegen, und«S wird schnell genug zu Ende sein. Di« Vereinigten Staaten haben heut« ganz« zwei Brauerei«», di« auS der Zeit vor der Prohibition stammen. Bald werdtn di« Alkoholfabriken wie Pilze aus der Erde schießen! Möglichkeit, ein bedrohtes Leben zri retten. Die Wohltat der örtlichen Betäubung wäre ohne Spritze nicht möglich. Die Fortschritt« in der Heilung von Infektionskrankheiten wären ohne das kleine Instrument undenkbar und unausführbar. Wo wäre die Blutübertragung, die Heilung der Gehirnerweichung mit Malariablut, die operationslose Beseitigung von Krampfadern, die Möglichkeit, aus verschlossenen Körperhöhlen die kranken Stosse zu entfernen, ohne hineinzuschn.iden? Freilich sieht die erste Spritze gegenüber den modernen Spritzen aus wie das erste Auto gegenüber einem 16-Zylinder von heute. Sie bestand aus Glas und Hartgummi und hatte einen Lrderkolbcn, man konnte sie also weder auskochen noch grünlich säubern und desinfizieren. Die heute allgemein übliche Rekordspritze besteht aus Glas und Nickel mit einem Metallkolben. Alle Teile sind leicht auSeinandcrzuneh-i men, zu säubern, zu kochen, keimfrei zu machen. Aber allen Spritzen der Jetztzeit dient die Pra- vaz-Spritze zum Borbild. Ein glücklicher Gedanke hat ungeahnten Segen für die leidende Menschheit gebracht. Seit 1924 gibt es in der Geburtsstadt des Arztes ein Pravazdenkmal. Aber jeder, dem die Spritze einmal Linderung und Hilfe gebracht hat, sollte für den Namen Pravaz in keiner Erinnerung ein eigenes Denkmal errichten. Dr. med. M. G. Der Eintritt des Tauwetters hat wiederum Halsentzündungen und Grippe im Gefolge. Vielleicht haben Si« selbst davon erivas gespürt? Erinnern Si« sich daran, daß ,^8akerol" bei Witterungswechsel ein zuverlässiges Vorbeugungsmittel gegen Husten, Heiserkeit und Halskatarrh ist. Wenn es sich darum handelt, Linderung und Hilf« zu bringen, ist„Lakerol" allen anderen Tabletten überlegen. Nicht nur der Hersteller sagt daS.— Lesen Sie hier, was eine hervorragende medizinische Autorttäl über „Lakerol" sagt: Jn meiner Praxis habe ich in vielen Fällen „Lakerol"-Tabletten in Verwendung genommen und kann bestätigen, daß dieselben bei Katarrhen des Halses und der Atmungsorgane äußerst wohltuend und schmerzstillend wirken und auch bei veralteten Fällen Besserung und Heilung brachten. Gez. E. Jacobson, Leibarzt S. M. des Königs■ von Schweden." „Lakerol"-Tablett«» wirken rasch und zuverlässig, sind wohlschmeckend und sparsaiu im Gebrauch. Jn allen Apotheken und Drogerien erhältlich. Generaldepot: Brauners Apotheke„Zum Weißen Löwen". Prag II., Pkikopy IS. 1908 Meine Reportagen Dir letzten Vierprüfer. Di« Engländer sind«in konservatives Boll. I» England sitzt der Vorsitzende des Parlaments auf einem Wollsack, tragen Richter und Parlamentsmitglieder und Anwälte Perücken, ist der Lord- maYorSzug in London eine Trachren'chau auS ver- gangenen Jahrhunderten. Neulich hat man her- auSgefunden, daß«S in London noch immer amtliche Bierprüfer gibt, di««in Gchalt beziehen und unter den heutigen Verhältnissen natürlich längst nichts mehr zu Mn haben. Sie hatten einst als Staatsbeamte die Gasthäuser zu besuchen und sich zu überzeugen, ob das dort verabreicht« Porter oder Ate auch allen Anforderungen entsprach, di««in Gast an dies« Getränk« nach Recht und Billigkeit stellen konnte. Sie hatten auch darüber zu wachen, ob di« Gäste auch das Maß erhielten, für das sie bezahlen mußten eigentlich, wenn man es recht bedenkt, ein« sehr vernünftige Einrichtung, di« auch heut« noch eine gewisse Berechtigung hätte. Wenigstens wird man in München der Meinung sein. Aber in England haben die'e amtlichen Bienprüfer längst kein« Gelegenheit mehr, ihr wichtiges und menschenfreundliches Amt au-zuüben— die Kontrolle der Getränk« erfolgt durch daß Gesundheitsamt und di« .Prüfung pich. Eichung, der Gefäße durch das Amt für Maße und Gswichtei. Und dqß^r^stin richtiges Maß bekommt,.jsafür. hat ijeder.GdE stöbst zü,sorge«. Trotzdem würden diese" Bierprüfer immer"stoch an- gsstellt, erhielten imm«r noch Gehalt Ein Land ohne Schulden. Bei dem■ allgemeinen Ueberfluß an Goidmangcl, unter dem nicht nur der Einzelne, sondern auch di« Volksgemeinschaften leiden, möchte man es nicht für möglich halten, daß es ein Land ohne Schulden gibt. Ja, wilde Völkerschaften, di« Kaurimuscheln als Währung betrachten, und denen daraufhin kein anderer Staat etwas borgt, haben kein« Schulden, aber Kulturstaatrn? Und doch gibt«S einen solchen weißen Raben: einen Staat, dessen Budget vollständig ausgeglichen ist, und das niemandem einen roien Heller schuldet. Dieser w«iße Rabe ist Alaska. Ein Abgeordneter diese» herrlich geordneten Staatswesen» im amerikanischen Kongreß hat kürzlich seinen Kol- liegen«inen Vortrag gehalten uich ihr«» gezeigt, wie di« andern Staaten es auch hätten machen müssen. Di« Regierung von Alaska darf nämlich nach der Verfassung des Landes nur gegen bar kaufen-- wenn st« kein Geld hat, so kauft st« eben nichts. Schuld«« zu machen tft ihr strengstens untersagt, und außerdem darf st« auch di« Bürger nicht übermäßig besteuern. So hat Alaska di« niedrigsten Steuersätze in den Vereinigten Staaten— ein Musterland, dar leider erst viel zu spät als solche» erkannt wird! Alaska hat früher einmal Rußland gehört. Es war äußerst schwach besiedelt, eigentlich nur von Pelzjägern und Nomaden. Die Bereinigten Staaten erwarben das Land, das für Rußland absolut wertlos war. Für sieben Millionen Dollars. DaS war ein« sehr bescheidene Summ« für ein so auSgedehnte» Land. aber es gab damals genug. Leut«, die den Erwerb als«in« Art politischen Größenwahnsinn an- ahen. Di« sieben Millionen haben sich für di« Bereinigten Staaten rentiert— eS war einer der besten Käufe, di« je gemacht Wörden sind. Di« Vereinigten Staaten haben im Laufe der Jahrzehnt« 157 Millionen Dollars in das Land hineingest«ckt und aus dem Lande einen Handelsgewinn von mehr als zweieinhalb Milliarden herausgezogen. Das ist eine ganz nette Verzinsung, insbesondere, wenn man bedenkt, daß die Zahl der Einwohner Alaskas nicht mehr als sechzigtausend beträgt. Es ist ja auch nicht gerade verlockend, in Alaska zu wohnen: das Klima ist etwas rauh, und nur der geringer« Teil des Landes ist mehr al» drei Monate im Jahre eisfrei. Aber das Land ist unendlich reich an Bodenschätzen, insbesondere auch an Geld— man erinnert sich der Zeit, da Tausend« uitd aber Tausende vom Gold- "ieber erfaßt nach Alaska zogen. Einige haben große Vermögen aus der Erd« geschaufelt, aber Viole Tausende sind jämmerlich zugrunde gegangen. Nun ist di« Goldgewinnung geregelt, und in dem unwirt lichen und doch so reichen Laich herrscht Ordnung. Die Bewohner Alaska», da» heut« den wertvollsten Besitz der Bereinigten Staaten darstellt, such nicht wenig stolz auf ihr blühendes Gemeinwesen und haben in Wastington mitgeteilt, daß sie etwas mehr Rücksicht verlangen, al» ihnen bisher zuieil geworden ist. aHiiiuiiiiininiininiiiiiiiii)(niiniiiniin!niiiiiimiiininnnnnnjiiinHiiiiniuiiiiiiiiiiniliinn»iiiiiiiinii]iiiniiiiiiiimnmiiiiEiiiniiiiiiiititiiiiiiiiiiitMniiiiiinfiiniiiitiiiHimiiiitiii{iiini!iiiiii>iiiiiiniitiiini Amerika wird nutz. Von William Warr««. 0WMl1MlWWMM»MWMWWW0IMIlIW«MlMMWWWMWlWlWl»l»lWllWMllWMMMmi«MWM1MWWMW Seit- 6 Soimtaa, 8. Mlkrz 1988 t. 53 Der internationale Frauentag in Prag findet gemeinsam mit den tschechischen Genossinnen nttiwodi, den 8. März, Punkt 7 Uhr abends im großen Saal des„LidOVy düm“ statt. Deutsches Referat:„Für Völkerfrieden- für Menschenrechte“ Genossinnen, Genossen! Sorgt für einen zahlreichen Besuch! Abgeordnete Genossin Kirpal, Aussig, PRAGER ZEITUNG. Neuerliche Verhaftung eines fozialift fchen Hochschülers. Gestern mittag verteilten sozialistische Jugendliche vor der Deutschen Studcntcnküchc in der Lützowova Flugzettel, in denen den Studenten einiges Interessantes über Adolf Hitlers Regierungstätigkeit gesagt wurde. Begreiflicherweise war es den anwesenden Naziführern überaus angenehm, daß ihre Kommilitonen einmal die Wahrheil erfahren sollten. Zuerst drohten sic mit der Anzeige an das Rektorat, ihre hiesige oberste Instanz. Zu ihrem Leidwesen war dies wirkungslos, da die Verteilenden Ange st eilte waren, über die sich Marian San Nicolos Macht nicht erstreckt. Da blieb nur— ultima rätio aller Nazis— die Pol ize i. Bis zu ihrem Eintreffen hinderten sie die Verteilenden mit Brachialgewalt, nachdem sie zu diesem Zwecke vorsorglicherweise eine zehnfache Ueberzahl gesammelt hatten. Dem endlich eintreffenden Polizisten lieferten die völkischen Helden einen Genossen aus, hatten aber insofern Pech, als sie einen Hochschüler erwischten, der sich— getreu der Weisung Seiner Magnifizenz— an der Verteilung nicht beteiligt hatte. Er wurde auf das Polizeikommisiariat geführt, wo er sich zur Zeit noch befindet. Ob die Nazis glauben, aus diese Weise den Studenten die Wahrheit vorcnthalten zu können? Wachsende Not unter de« Studenten. Vom Verein. Deutsche Studentenfürsorge werden wir um Aufnahme folgender beachtenswerter Notiz ersucht: ' Die bisherige Bearbeitung und, Einsichtnahme in di« zur ueucn Freitischaktion des akad. Wirtschoftskörpers„Verein Deutsche Studentenfürsorge" cingelaufenen Unterstützungsgcsuche enthüllen ein besorgniserregendes Bild der fortschreitenden Verelendung unter Sen Prager deutschen Studenten und geben ein erschütterndes Zeugnis von dem schweren Ringen und all den Entbehrungen, unter denen heute ein großer Teil der studentischen Eltern gezwungen ist, ihren Kindern die Ausbildung an der Hochschule zu ermöglichen. Bei 268 Studenten erreicht das Jahreseinkommen der Eltern nicht di« Summe von 12.000 Kö. Diese Studenten müssen sich ganz ohne jede elterlich« Mithilfe durchschlagen. Bei 137 studentischen Eltern steigt das Jahreseinkommen bis zu 20.000 KL und bei 76 bis z» 30.000 KL. Wohl all« diese Studenten sind ausschließlich auf die weitmöglichste Unterstützung durch di« studentischen Fürsargocinrichtungen angewiesen und es ist flat, daß die für normale Zeiten ausgebauten Hilfseinrichtungen nicht mehr genügen können, um die ärgsten Schädigungen der gegenwärtigen Notzeit von unseren Stundenten fernzuhalten. Die Studeirtcnfürsorge kann die notwendigen außerordentlichen Hilfsaktionen nur dann bestreiten, wenn di« bisherigen Beiträge der Freunde und Mäzene des studentischen Licbcswerkes ihr erhalten bleiben und nach Möglichkeit erhöht werden. Kunst and Wissen lieber die Situation des Prager Deutschen Theaters berichtet« gestern abends dessen Direktor Dr. Paul Eger einer Versammlung im Deutschen Haus, zu der Intendant Leonhard Kaiser di« Prager deutschen Verein« geladen hatte.- Egers Rede war ein Motive nbericht zu d«m Aufruf, der kürzlich im Theater selbst und in d«r Presse an das Publikum ergangen war, das dem Theater nicht nur durch Besuch und künstlerische Anteilnahme, sondern auch durch wohltätig« Spcndcil wieder auf di« Beine helfen soll.■ Der Direktor unterstrich mit Würde und Bescheidenheit die anerkennenswerte künstlerische und organisatorische Leistung seiner Direktionsführung, di« dem Theater ein beträchtliches Opernniveau gab und nicht nur dadurch, sondern auch durch Gutscheine dem Theaterbesuch neu« Antriebe gab. Er rühmte die Wunderleistung seines technischen Personals, das den Bühneuvorgängen«inen stets farbigen und amüsanten Rahmen gibt, ohne den Kassier sonderlich zu belästigen. Di« Steigerung des Etats um■ 200.000 K sei verschwindend gegen die künstlerische Mehrleistung, die erzielt wurde. Gleichwohl sei das Theater in einer finanziell außerordentlich prekären Situation, was aber nur au der mangelhaften Subvention, keineswegs an einer unzulänglichen Leitung liegt. Das ginge deutlich aus den Bergleichsziffern hervor, di« reichsdeutsche Bühnen gleichen Ranges liefern. 900.000 Mark betrag« dort die übliche Subvention, di« Staat, Land und Stadt einem solchen Theater zukommen lassen, während das Prager Deutsch« Theater mit einer Unterstützung von 360.000 Mark sein Auslangen finden soll, was es denn auch nicht tut. Mit einem: das Prager Publikum muffe seinem Kultur- und Kuust- bedürfnis ein den Preis von Abonnement- und Eintrittskarte übersteigendes Opfer bringen und Patro- natfchein« zeichnen. Der Opferstnu des Mittelstandes würde dann das deutsche Großkapital in di« moralische Zwangslage bringen, sein größeres Schevflein beizutragen. Dies Egers Theatersanierungsplan, dem von ganzem Herzen Erfolg gewünscht sei. In der Debatte, in der Abg. Dr. Rosche ländlich-bsschwingte, Herr Direktor Scholz fugend-, lich-begeisterte Wort« für Egers Appell sanden, gab Redakteur Genosse Goldschmidt, die initiative künstlerische und administrative Leistung Dr. Egers voll anerkennend, di« notwendige Kritik feiner Thcaterführung: Ueberwiegen der Oper auf Kosten des Sprechstücks, Ueberfüllung des Ensembles an der einen, Lücken an der andern Stell«, kostspielige und künstlerisch nicht immer einträglich« Regicgast- spiel«; abschließend plädierte Goldschmidt— der also keineswegs, wie der Berichterstatter des„Prager Tagblatt" fälschlich behauptet,„Besetzungsfragen besprach"— dafür, den Gastier, und Starcharakter des Theaters in einen Ensemble- Charakter mit sparsamer Wirtschaft zu übersüh.en. Dr. Eger versprach im Schlußwort den prinzipiellen Einwänden fein--»„privates" Interesse und nahm das öffentlich« noch«iutnal für die Notlage des Theaters in Anspruch. Die Versammlung schloß mit'der Ankündigung eines Rundschreibens, das den Vereinen Vorschläge zu einer organisierten Hilfe unterbreiten soll. e. d. Der heimische Bildhauer Adolf Henk« in Smichow wurde verständigt, daß sein« im Salon Internationale de la Medaille in Paris ausgestellt« Kollektion von Porträtplaketten und Medaillen vom Nationalmuseum in Paris allgekauft und bereits in die Sammlungen des Museums eingereiht wurden. Die von Ad. Henk« im Teplitz. Schönauer Museum ausgestellt« größere Kollektion von Porträtplaketten und Medaillen wurde für das Tcplitz-Schönauer Museum angekauft. Operation mit Musik. Die Patienten der Klinik von Bradford werden seit kurzer Zeit bei Operationen nicht mehr allgemein narkotisiert, sondern mit einem Serum geimpft, das schmerzunempfindlich, aber nicht bewußtlos macht. Während der Operation werden den Patient«» Radiokopshörer umgeschnallt, durch di« die Ucbertragung von Tanzmusik vermittelt wird. Die leitenden Aerzte der Bradforder Klinik erklärten, daß sie mit ihrer kombinierten Betäubungs- und Beruhignngsmethode gut« Erfolge erzielt haben. Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theaters. Sonntag, halb 3 Uhr nachm.: Arbeitervorstellung: „Salon Pitzelberger"—„Die schöne Galath 6«"; halb 8 Uhr: Ensemblegastspiel Bässe r m a n n: Konflikt"(A. A.).— Montag, halb 8 Uhr: Fest Vorstellung aus Anlaß des Geburtsfestes des Herrn Präsidenten der Republik: „Hoffmanns Erzählungen"(D 2).— Dienstag, halb 8 Uhr:„Verwirrung der Gefühle"(A 2).,— Mittwoch, halb 8 Uhr: Ensemblegastspiel Curt Götz:„D r. P r 8 t o r i ü s" (A. A.).—Donnerstag, halb 8 Uhr:„Musik um Susi'(C 2).— Freitag, halb 8 Uhr:„Wenn di« kleinen Veilchen blühen"(A. A).— Samstag, halb 3 Uhr:„Figaros Hochzeit" D e r Ä d j u t a n t seiner Exzellenz" geschlossen werden. Von Mitt« März ab wird in den Barrandovstudios gearbeitet werden, wo zwei Ateliers zur. Verfügung sichen sollen. Di« technische Ausstattung dieser Ateliers wird allgemein gelobt,—wl— f Böhmische Union-Bank (VEREINIGT MIT DEM ALLGEMEINEN BÖHMISCHEN BANK-VEREIN) Z^ntra^e in Prag Aktienkapital KL 200,000.000’— Reservefonds Ki 201,550.000- t- FILIALEN: Asch. Aussig. Bodenbach. Böh- misch-Budweis. Bratislava. Braunau i..B„ Brünn. Brüx,.Freiwaldau Fr^dek, Gablonz a. N.. Graslitz. Hohenelbe Iglau. Jägerndorf. Karlsbad, Königinhof a. E„ Leit- meritz, Marienbad Mähr.-Ostrau Mähr.-Schönberg. Neu-Tttschein. Olmütz. Pardubitz Pilsen, Profi- nitz. Reichenberg. Rumburg, Saaz. Teplitz-Schönau. Trautenao Troppau. Warnsdorf. Zwittau EXPOSITUREN:’«l Prag-Lieben und Prag-Weinberge. Zucker*Abteilungen: Präs. Bratislava. Olmütz Jroppau. Verlangen Sic In jeder Verkaufsstelle des Konsumvereines SEICHWABEN der Firm» HEGNER« Cie.. PILSEN Selchwaren der Fs HEGNES s Cie.. 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