13. Jahrgang. Mittwoch, S. März 1933 M. 37. Suddeutschland fügt sich. Verhandlungen mit den Nazis angebahnt. Werden Zentrum und bayrische Volkspartei für das Ermächtigungsgesetz stimmen? Berlin, 7. Marz. Di« überraschend hohe Stimmenzahl der Nationalsozialist«« in den süddeutsche« Ändern hat es so weit gebracht, daß die bayrische Regierung bereit- von sich aus angeregt hat, i« Verhandlungen mit den Nationalsozialisten über deren Eintritt in die Regierungsmehrheit einzutreten. I« Württemberg kam eS zu Nazikn»dgebungen gegen den Staatspräsidenten Bolz, der darauf ebenfalls erklärte, den Nazis stunde eS frei, im Landtag die geschäftsführende Regierung durch eine andere zu ersetzen. Auch in Baden sind Verhandlungen mit den Nazis über eine Regierungsbildung im Gange. Gegen Hessen wurde, wl« wir bereits gestern meldeten, vom Reichsinnenmiuister eine Art Reichsexekutiv« verhängt. TA-Abteilungenbesetzte« in der Nacht die Regierungsgebäud« in Darmstadt. Der sozialdemokratische Staatspräsident Dr. Aedelung hat dagegen Protest eingelegt. Das nächste Ziel der Nazis dürst« die Erzwingung von Neuwahlen in di« süddeutschen Länderparlamente sei»/ um auch dort die Macht an sich zu reihen. Unter diesem Druck»st es nicht unwahrscheinlich, daß die bayerische Bolkspar- tei und auch das Zentrum sich schließlich bereit sind«« werden, im Reichstag dem von der Regierung geforderten Erm 8chtigu»gs gesetz ihre Zustimmung zu geben, durch die der Reichstag für laug« Zeit hinaus vollständig ausgeschaltet werden soll. Sämtlich« Parteien von der Stecht«« bis zu den beiden katholischen Parteien hätte» zusammen 44V Abgeordnete, so dah also di« verfaflungsändernd« Zweidrittelmehrheit zustande kommen könnte. Japan rtärtet sich häuslich ein. Dahnbau nadi Jehol begonnen. Tokio, 7. März. Japan trifft Borbereitun- ««, um ein« über«in« Bergkette nach der Stadt Jehol führend« Eisenbahn zu baue«, um seine Positionen in der eroberten Provinz zu sestigen. Einer aus Tokio eingetroffen«« Meldung zufolge wurde mit dem Ban. der Bahn bereits begonnen, und zwar bereits acht- imdvierzig Stunden nach Eroberung der Stadt Jehol durch die japanisch« Arme«. Japanische Flugzeuge haben dir sich von Jehol zurückziehenden chinesischen Truppe» be- schossen. Drei chinesisch« Offizier«, di« General Wanfulin begleiteten, wurden turch eine Flieger, bombe getötet. Wanfulin selbst wurde nicht verletzt, stürzte jedoch zu Boden, da sein Pferd von einem Bombensplitter getötet wurde. Den chinesischen Truppen ist es nicht gelungen, des Generals Tanjulin habhaft zu werden, der für den Ber- lust Jehols verantwortlich gemacht wird. Vie Chinesen leisten Widerstand. Tokio, 7. März.(Reuter.) Wie aus Tschin- tschau gemeldet wird, kam es in der Nähe der chinesischen Mauer zu neuen Kämpfen. Die Chinesen leisteten bei Sansjenfau nordöstlich vom Kupejkupaß hartnäckigen W i d e r st a n d. Die japanischen Abteilungen wurden in aller Eile verstärkt. Konflikt Danzig-Polen. Polen verstärkt die rtunitions- wadie auf der Westerplatte. Danzig, 7. März. Zwischen dem Senat von. Danzig und Polen ist es zu einem schweren Konflikt gekommen, weil Pole«, ohne dir Erlaubnis des Bölkerbundkommifiärs einzuholen, di« Besatzung der Westerplatte(einer Halbinsel bei Danzig), angeblich rum Schutz der dort unter- gebrachten Munitionsdepots gegen geplant« Angriffe, verstärkt hat. Der Danziger Senat hat an den Völker- bnndkommisiär ein« scharfe Protestnote gerichtet und außerdem in einem Ausruf an di« Bevölkerung die Trnppenverstärkung durch Polen als einen schweren RechtSbruch bezeichnet. Der Bölkrrbundkommissär hat von der polnischen Regierung bereits die unverzügliche Zu- urückziehung der Truppenverstärknng verlangt. Polen erklärt dagegen, es habe sich seinerzeit ausdrücklich das Recht Vorbehalten, den Militärschutz der polnischen Munitionsmagazine auf der Westerplatte nötigenfalls entsprechend zu verstärken. Ein ähnlicher Protest des Danziger Senats sei vom Bölkerbnndrat schon einmal im Dezember 1925 abgewiesen worden. Oesterreich wehrt sich gegen Nazi-Agitation? Wien, 7. März. In den Abendstunden trat der Ministcrrat zum zweitenmal zusammen und befaßte sich hauptsächlich mit Maßnahmen zum Schutze der Ordnung und Ruhe in Oesterreich. Tie Regierung sei der Auffassung, daß die Agi- totionsmethoden der Nationalsozialisten nicht länger geduldet werden dürfen. Wie das„Ertka-Blatt" meldet, hat der Ministerrat folgende Maßnahmen in Erwägung gezogen: Abriegelung Oesterreichs gegen di« Einreise extrem radikaler Agitatoren, ob kommunistischer oder nationalsogiaiistischcr Zugehörigkeit, absolutes Verbot von Versammlungen und Umzügen zumindest bis zum Herbst, Verbot der Uederiragung politischer Reden vom>Auslande durch di« Ravag und scharf« Maßnahmen gegen jenen(welchen?!) Teil der Press«, deren Schreibweise ständig, zu Haß und Verachtung gegen di« Regierung und gegen die Behörden ausreizt. Dies« Maßnahmen seien nach Ansicht der Regierung um so nom-endigcr, als ein Heer reichsdent- scher nationalsozialistischer Agitatoren in den nijch- '»en Tagen nach Oesterreich geworfen werden soll. Im Zeidien des Kellog-Pahtes. As suncion(Paraguay), 7. März. Die Ab- geordnetenkanzmer hat Montag einen Gesetzentwurf angenommen, der besagt, daß der Republik Bolivien in formaler Weise der Krieg erklärt werden soll. Ter Senat hatte diesen Gesetzentwurf bereits in der letzten Woche angenommen. Es erübrigt nur noch die Unterschrift des Präsidenten. ßtz Der bayrisch« Ministerpräsident Dr. Held hat heute namens des Gesamtministeriums an de« Landtagspräsidentcn ein Schreibe« gerichtet, in dem er ersucht, die bereits eingeleiteten Schritte zur Neubildung de» Staatsregierung in Bayern beschleunigt durch- zufiihreu. Offenbar sind damit Verhandlungen mit de« Nationalsozialist«« gememt. Auch in Bad«« find Verhandlungen zwischen Nationalsozialisten und Zentrum wegen einer Umbildung der Regierung im Gange. Die Nationalsozialisten verfolgen dabei das Ziel einer alsbaldigen Neuwahl des Landtages. Im sozialdemokratischen ,^v olksfreund" in Karlsruhe und im dortigen Volkshaus wurde« Haussuchungen vorgenommen, di« ergebnislos verliefen.„Aus Gründen der Sicherheit" sind di« beide« Gebäude vorübergehend polizeilich geschlossen worden. Der„Bolksfrrund" konnte während des Vormittags seinen Betrieb wieder aufnehmen. Der vom Reichsinnenminifter Frick für Heften eingesetzte Polizeikommissar Dr. Müller hat ans Grund der Notverordnung vom 28. Feber die Polizeigewalt in Hessen übernommen, und zwar, wie es in dem amtlichen Bericht darüber heißt,„nach rascher Beseitigung eines Mißverständnisses, das in einer ersten Unterredung zwischen Dr. Müller und dem bisherigen sozialdemokratischen Staatspräsidenten Adelung vorgekomme« war". D«r neu« Polizeikommissar besetzte unter Mitwirkung einiger Hakenkreuzfunktionär« und einer SA-Standart«, di« durch auswärtige SA- Leute verstärkt worden war, das hessisch« Innenministerium, das sozialdemokratisch« Gewerk- schastshauS, di« Wohnung des Staatspräsidenten Adelung und des Innenministers Leuschner sowie das Berlagsgebäud« des sozialdemokratischen „Volksfreund". Die Schutzpolrzei im Innenministerium und in einigen Gemeinden soll der Berlin, 7. März.(Eigenbericht,) Obwohl die Berliner bürgerliche Preffe von den Enthüllungen über di« Verbindung des Brandstifters van der Lübbe mit Brockwitzer Nationalsozialisten unterrichtet war, hat keine einzige Zeitung den Tatbestand auch nur andeutungsweise wiedergegeben. Lediglich die ausländische Prcfte brachte die Meldungen. Dieses Schweigen der deutschen Blätter konnte jedoch nicht verhindern, daß das deutsche Volk die Wahrheit erfuhr: der tschechoslowakische und der österreichische Rundfunk funkten die aufsehenerregende Nachricht in die Welt und die deutschen Arbeiter vernahmen sie. Die Rcichsregierung ist gegen diese Funkmel- dungen zu Felde gezogen. Sic gab am Sonntag im Rainen der sächsischen Regierung bekannt, daß die Nachrichten über den Aufenthalt des Brandstifters in Sörnewitz Schwindel seien. Interessant ist, daß die sächsische Regierung diese Rundfunkdementi keineswegs veranlaßt hat. Sie ist über den. einwandfreien Tatbestand unterrichtet, da sie selbst die. Untersuchung führt SA-Führung ohne Widerstand ihr« Waffen übergeben haben. Das Gebäude des„Volks- frennd" wurde um 7 Uhr früh wieder geräumt. Staatspräsident Dr. Adelung hat an de« Reichsinnenminifter ein Telegramm gerichtet, worin er dem Minister von der Uebergabe der PolizeigeschLft« an Dr. Müller Kenntnis gibt, und gleichzeitig Einspruch gegen dies« Maß- - Nahm» erhebt In Stuttgart hielten die Nationalsozialisten gestern abends ans dem Marktplatz ein« Protestkundgebung gegen die württembergisch« Regierung«nd insbesondere gegen den Staatspräsidenten Dr. Boltz ad, in der der Gauleiter der NSDAP den sofortigen Rücktritt der Regierung verlangte. In einer Unterredung mit SA.-Führern erklärte Staatspräsident Dr. Bolz, di« württem- bergifche Regierung werde morgen eine Sitzung äbhalten, um zur Frag« der Regierungsbildung Stellung zu nehmen. Für eine Neuordnung der Verhältnisse werd« die gegenwärtige Regierung kein Hindernis bilden. Zurücktreten könne die Regierung nicht, weil sie nur geschäftSführend sei. DaS Weite« lieg« beim nationalistischen Landtagspräsidenten Mergenthaler, der dafür zu sorgen habe, daß der Landtag zur Wahl eine- neuen Staatspräsidenten alsbald zufammentrete. Auch die sächsisch« Regierung hat den Reichskanzler und d«n Reichsinnenminister gebeten, dem Ministerpräsidenlen Schieck Gelegenheit zu einer Aussprache Lb«r di« politisch« Lage in Sachsen zu geben. Dies« Aussprach« soll bereits morgen stattfinden. In Breslau wurden im Lauf« des Tages von Abteilungen der SA und des Stahlhelm auf dem Polizeipräsidium, auf dem Regierungsgebäude und auf dem Rathaus in Anwesenheit von Tausenden Menschen di« Hakenkreuz« und di« Schwarz-weiß-rot« Fahne gehißt. Zum Schluß wurde di« Fahne auch auf dem Amts- und Landgerichtsgebäude gehißt. und ist nicht skrupellos genug, die Wahrheit für Schwindel zu erklären. So tut es denn die Rcichsregierung in ihrem Namen, so lügen die amtlichen Stellen des Reiches für die Länderregierungen, die auf die Lüge als Regierungsmittel bisher verzichteten. Wenn cs aber noch des Beweises• bedurft hätte, daß die Meldung über van der Lübbe richtig und unwiderlegbar ist, so ist dieser Beweis jetzt geliefert: Der nationalsozialistische Gemeindeverordnete Sommer, der die wichtigen Angaben über den Aufenthalt van der Lübbes zu Protokoll gegeben hat, ist seitSamstag spurlos ve r s ch w u n d e n. Er ist weder von den Staatsanwälten, noch von Kriminalkommifta- ren aufzufinden. Sofern er nicht einem Fememord zum Opfer gefallen ist, tat er seiner Partei und damit der gegenwärtigen Reichsregir- rnng den Gefallen,„vernehmüngsuusähig" zu werden. I Unbesiegbar! Daß der tiefere Zweck der deutschen Reichstagswahlen die Zerschmetterung des Marxismus war, um die Arbeiterklasse der Ausbeutung und Unterdrückung des Kapitalismus wehrlos auszuliefern, ist nur den geistig Blinden nicht klar. Diese Auffassung zu bestätigen, hat sich nun der Chefredakteur des „Völkischen Beobachters", Alfred Rosenberg, beeilt, der am Montag im Berliner Rundfunk ausführte,' es werde eine Aufgabe der Regierung sein, Deutschland von der landesverräterischen Tätigkeit der Sozialdemokratie zu befreien. Die Regierung Hitler-Papen-Hugen- berg hat ihr erstrebtes Ziel, die Eroberung der Macht, erreicht und sie hat nun Gelegenheit, wie versprochen, Deutschland„herrlichen Zeiten entgegenzuführen". Außer neuerlichen Zollerhöhungen auf Eier und Käse in einer den Preiswucher der heimischen Agrarier unerhört fördernden Weise hat man darüber, wie dies die Reichsregierung wirtschaftlich zu bewerkstelligen gedenkt, noch nichts gehört. Das erste Wort, das über die Pläne laut wird, die zu den goldenen Zeiten des deutschen Volkes den Weg ebnen sollen, ist wieder nur ein Haß-, ein Schmäh- und Droh- Wort. Das ist für die Hitler-Kreaturen allerdings leichter, als zu sagen, wie sie sich im Verein mit den von Hitler selbst bis vor kurzem aufs leidenschaftlichste bekämpften Popen -und-Hugenbcrg, also in Gemeinschaft mit Großindustrie und Großgrundbesitz, die soziale und wirtschaftliche Erneuerung und Gesundung Deutschlands vorstcllen. Es ist weniger interessant, daß Herr Rosenberg die Notwendigkeit der weiteren brutalen Verfolgung der Sozialdemokratie mit ihrer angeblichen„landesverräterischen Taktik" begründet, als es interessant ist, daß er und die Nazis überhaupt kein anderes Mittel sehen, um der Sozialdemokratie beizukommeu, als Gewalt, Einkerkerungen, Drangsalierungen, Verfolgungen. Den.- Landesverrat• soll die deutsche Sozialdemokratie dadurch verübt haben, weil in der Auslandspresse Minister Göring als Bluthund und Anstifter des Reichstagsbrandes bezeichnet wurde, was nach Meinung Rosenbergs der Anregung der So- zialdcmokraticzuznschrciben ist. Die Preftc des Auslandes, soweit sie nicht durch Liebedienerei vor Hitler sich zum Verschließen ihrer Augen vor der Tatsache dieses von den Nationalsozialisten verübten ungeheuerlichsten Schwindels bemüßigt fühlte, hat erst keiner Anregung gebraucht, um zu wissen, wem zu Nutzen und auf welche Veranlassung die Brandstiftung verübt wurde. Lachhaft ist auch der Versuch, die Nazi-Bande mit dem Vaterland zu. identifizieren und eine durch viele Indizien bewiesene Beschuldigung gegen sie als Landesverrat zu erklären. Er ist nur der Beweis, daß die fascistischc Regierung nm Vorwände' zur Fortsetzung der Persekution der Sozialdemokratie und ihrer Bekenner nicht verlegen sein wird. Vorläufig ist die Zerschmetterung der Sozialdemokratie allerdings vorbcigelungen. Und doch war die Sache teuflisch schlau einge- fädelt worden. Durch Verbot fast sämtlicher sozialdemokratischer Zeitungen, Beschlagnahme aller Flugblätter, Herunterreißen aller Wahl--? Plakate, Einsperrung tausender Vertrauensmänner war unsere Partei mundtot gemacht worden. Die andere Seite dagegen beherrschte mit Propagandaaufmärschen, Hakenkreuzfahnen, Rundfunk, Millionen vo>l Plakaten und Flugblättern das Feld. Traurig genug, daß sich Millionen angeblich zivilisierter Menschen durch den aufgezogenen Reklameapparat, gegen dessen tönende Phraseologie jeder Widerspruch unterbunden war, betören ließen— an den im Geiste des Marxismus erzogenen Massen ist das Trommelfeuer von Schlagworten jedenfalls spurlos vorbeigegangen. Ein geistvoller Mann hat in diesen Tagen das Wort geprägt, es gäbe heute ein denkende« Deutschland und ein— brüllendes. Dem National- Der Riesensdiwindel mit dem Reidistaosbrand. Die Schuld der Nationalsozialisten wird Immer klarer.— Der Nationalsozialist Sommer verschwunden. Seite 2 Mittwoch, 8. MLr, 1988 Nr. 87 sozkalismuS konnte es gelingen, die Phrase zur Hysterie zu steigern, die-wischen Proletariat und Hochkapitalismus stehenden und in die Gefahr der erbarmungslosesten Proletarisierung geratenen Schichten des Bürgertums zu gewinnen und auch Kreise der Unpolitischen, der geistig Minderbemittelten aus proletarischen Kreisen mitzureißen, doch an den sozialistischen Arbeitern sind alle Phrasen, so aufgedonnert sie auch sein mochten und trotz ihrer Monopolstellung während der wichtigsten Phase des Wahlkampfes, wirkungslos verhallt. Es gab eben auch vor dem Lautsprecher zwei Bolksteile: der eine, dem Nachdenken nicht fremd ist, der andere, der nur aufhorcht, wenn laut gebrüllt wird, der auf jede Logik verzichtet, Hintergründe und Zusammenhänge nicht kennt, der nackt« Ideenlosigkeit, wenn sie nur kräftig aufgetragen wird, für laulerste Weisheit hält und dem Geschrei gleichbedeutend mit Kraft ist. Politisch und ökonomisch ungebildete Menschen, auch wenn sie zu den oberen und sogenaünten intellektuellen Schichten gehören, konnten in dieser Zeit der geistigen Verwirrung zu Nachläufern eines öden Phraseurs, wie«S Hitler ist, werden, doch aller Aufwand, alles Gerede, all« Verheißungen konnte, wie die Wahlen bewiesen haben, nicht«inen bewußten und denkenden proletarischen Menschen in seiner Ueberzeugung wankend machen. So will denn der deutsche Fascismus, da dieser Ansturm mißlungen, die Sozialdemokratie ungeschwächt und ungebrochen aus diesem Wahlsturm hervorgegangen ist, es mit der nackten Gewalt versuchen. O, man kann es schon glauben, daß er aus den Wahlen die Kraft gewonnen hat, seinen Terror zu steigern, Deutschland so zu„erneuern", daß es sich zu einem einzigen großen Gefängnis umwandelt, Arbeiterleichen auf Arbeiterleichen häufen; sicher mehr Kraft und Neigung zu diesem Werke, als zu dem anderen, den hungernden Masten„Brot und Arbeit" zu geben. Der Fascismus wird gewiß, soweit als nur möglich, jede politisch« und geistig« Meinungsfreiheit ebenso wie di« Organisationen der Arbeiterklasse zu zerstören bestrebt sein, denn will er sich behaupten, dann kann er nur über einem Friedhof regieren. Er kann, wie es schon bisher zum großen Teil« geschehen ist, die Demokratie, die Arbeiterklasse entmachten, was er nicht kann, das ist: der ökonomischen Entwicklung Einhalt gebieten, ihre Tendenzen unterbinden. Man kann das Zifferblatt einer Uhr zerschlagen, die Zeit wird darum nicht stille stehen. Verfolgungen können der sozialistischen Arbeiterschaft Opfer auferlegen, harte schwere Opfer, doch die Ueberzeugung, daß diese wahnsinnige kapitalistische Ordnung einmal einer vernünftig und menschlich organisierten Gesellschaftsordnung Platz machen muß und daß sie, die Arbeiterklasse, die Trägerin dieser unvermeidlich kommenden Neugestaltung der Welt ist, wird ihr keine Brutalität des Fascismus aus Hirn und Herz reißen können. Noch ist es dem Fascismus als dem Helfershelfer des Kapitalismus gelungen, auch in Deutschland eine Massenpsychose zu erzeugen und durch betrügerische Nährung höchstgesteigerter Hoffnungen Millionen in seine ' Gefolgschaft zu bringen, doch je phantastischer I die von ihm hervorgerufenen Hoffnungen sind, desto tiefer wird früher oder später sein Sturz sein. Di« sozialistische Arbeiterklasse, die bei den Wählen in Deutschland so gut ihre Feuerprobe bestanden hat, wird auch allen noch so bitteren Verfolgungen gegenüber beweisen, daß sie und der Sozialismus unbesiegbar sind! deutsche Rundfunk hat es Sonntag nachts über den ganzen Erdball verkündet und dre Lautsprecher hoben es überall hiuausaeschvien: Das Volk Deutschlands in seiner Mehrheit will«« Sklave sein, em Knecht des Adels und des Großkapitals. Ich habe den Radio-Apparat abgestÄlt und wälze mich schlaflos im Bett. Da fällt mir Heinrich Heine«in, der große deutsche Dichter,-er vor hundert Jahren im Exil in Paris an dem versklavten Deutschland des Vormärz litt: Denk ich an Deutschland in der Rächt Dann bin ich um de« Schlaf gebracht... Aber in der Finsternis der Nacht-er langen Messer leuchtet ein Licht: Die sieben Millionen sozialdemokratischer Arbeiter haben sich nicht unterkriegen lassen und die fünf Millionen kommunistischer Arbeiter werden nach-er ersten Generalprobe des Fascismus die Dk-eutuug auch der politischen Freiheit für das Proletariat erkannt haben. Im März 1848 hat-as deutsche Volk die ärgsten Fesseln gesprengt, im März 1933 hat es sich selbst wieder in die Sklaverei verkauft. Aber ebenfalls ein deutscher Dichter war es, der nach dem Verlust der März-Errungenschaften die trostreiche Verheißung gesunken hat: Noch sind nicht alle Märzen vorbei! Dr. Michael Schacher!. jpradienrcditlidicr Ilckruna der Dezirksbehörde Dux. Im Amtsblatt« der Dezirksbehörde Dux vom ,7. November 1932, Zahl 13 wird den Gemeindeämtern allgemein ausgetragen, di« nur deutschen Amtssiegel sofort zu beseitigen, bezw. bei der Bezirksbehörde ad- zugeben. Die Bezirksbehörde Dux will also auch jene Gemeinden zur ausnahmslosen Verwendung eines doppelsprachigen AiMssiegels nötigen, in denen ein« wenigstens 20pri^entige tschechische Minderheft nicht vorhanden ist. ES liegt hier wieder ein Versuch vor, den Gebrauch der Min« derheitrnsprachen noch weiter zurückzudvänge«, als eS die Sprochenverordnuna getan hat. Es ist festgestellt, daß es sich nicht etwa nur um ein Versehen oder ein Mißverständnis handelt, sondern daß bewußt und absichtlich aus di« Be- seftigung nur deutscher Amtssiegel auch dort hingearbeitet wird, wo deren Verwendung nach der Sprache nvcro rdu ung zulässig ist. Dcmokratisdicr Landestcrtreicr and Hnhenkrcuzlcr. Einer-er beiden deutsch-demokratischen Landesvertreter in Böhmen ist Herr Wünsche auS Reichenberg, seines Zeichens Kausmann und Mitglied der Handelskammer. Wie tief das demo- kratische Empfinden in diesem Mann« sitzt, dafür wollen wir aus dein Bericht über eine Tagung der deutschen Arbeits- und Wirttchaftsgemcin- schäft, dre am letzten Sonntag in Prag stattsand, nach der„Bohemia" folgendes zitieren: „Landesvertreter Wünsche begrüßte die Tatsache, daß lu Deutschland eine nationale Erhebung Platz greift." In diese Worte kleidet Herr Landesvertreter Wünsche sein« Freude über den Sieg der Haken- kveuzler in Deutschland und reiht sich damit prächtig in die Partei jencx ein, deren Hauptblatt die Hakenkreuz-BoheMia ist. Aus dem Parlament. Die erste Parlamentssitzung der Frühjahrstagung, die für den 1t. März «inberufen wurde, findet um 3 Uhr nachmittags statt. D>« Tagesordnung bilden lediglich drei Zusatzprotokolle und vier Immunitäten. Hier deutscher Rundfunk... in der Nacht der deutschen Wahlen. Wien, 5. März. Wie ich so sitzen jetzt, Sonntag abends, Hunderttausend« in Oesterreich, in den deutschen Gebieten der Nachbarstaaten, in Deutschland, in der Schweiz vor dem Radio-Apparat. Es ist gleich 7 Uhr abends, di« deutschen Reichslagswahlen also abgeschlossen, einzelne Ergebnisse müssen schon bekannt sein. Unruhig, alle Nerven zum Reißen gespannt, warte ich und ich weiß: In dieser Minute hangen und bangen wie ich Hunderttausend« um das Schicksal des deutschen Volkes. Wird der infamste Terrorismus, wird der größt« Bluff des Jahrhunderts, wird die raffinierteste Bauernfängerei vereint mit dem geschmacklosesten, ober technisch vollendetsten Auslagen-Arrange- ment wirklich die Massen des deutschen Volkes übertölpeln? Wird d« zu so paffender Stunde prompt ausgebrochene Brand des Reichstaasgebäudes tatsächlich wirken, wird er wirklich die letzten Rechte des deutschen Volkes in Asche legen? Ein« schnarrende Stimme ertönt aus denr Lautsprecher. Der preußische Kommandoton ist unverkennbar. Auch wenn man den Herrn nicht sieht, weiß man: Jeder Zoll ein Hohenzoller, wenn er auch nicht mehr die Uniform des ManmeS trägt, der einst das deutsche Volk herrlichen Zeiten entgegenzuführen verheißen hatte. Oh, der deutsche Rundfum berichtet ganz objektiv, versichert«r, er dient nicht einer Partei, keine Spur,' nur dem ganzen deutschen Volk. Jawohl, das haben wir ja wahrend der Regierung Popen und Hitler-Papen erlebt, wo nur die Regierungsparteien ihre Wahlreden in das Mikrophon der von den Angehörtgen oller Parteien bezahlten Ruudfunkgesellschast säuseln durften. Der Oberleutnant in Zivil verkündet das erste Wahlergebnis: Bon der Zugspitze. Hoch oben, wo der Blick doch freier nach allen Seiten schweift, wo der Mensch der Ewigkeit der Natur näher steht, Kleinliches abfallen müßte, hat die fasei- stische Reaktion vierhundert Stimmen erhalten, viermal so viel als alle anderen Parteien. Freilich, wer hat heute schon die Möglichkeit, als Tourist auf die Zugspitze zu fahren? Siational- soziolisten? Die wohlhabenden Rationalen lächeln oben auf der Zugspitze wie unten in den Generaldirektionen der Bergwerks- und Hüttengesell- schasten, wie die Junker in den ostpveußi scheu Niederungen— dieser Sozialismus paßt ihnen ausgezeichnet in den Kram, er ist nicht mit Gold zu bezahsn, obwohl er doch tatsächlich mit Gold bezcchlt wird... ,«, Die Verkündung der Wahlergebnisse ist ein- gelortet. Der Rundfunk sendet jetzt Musik. Richard Wagners Ouvertüre zu der revolutionären Oper„Rienzi". Die feurigen Melodien, di« den Fveiheitskampf des römischen VolkStribunen gegen den ausbeuterischen Adel verherrlichen, sind, ob Absicht oder Zufall, eine verspottende Begleitmusik zur Versklavung durch den preußischen Adel, der das deutsche Volk wieder verfallen fft. Die Musik schweigt, wieder Wahlergebnisse. Die Namen von ein paar elenden Nestern mit kaum hundert und Kvaihundert Wählern werden in den Aethcr posaunt. In diesen zwei Dörfern hat Hakenkreuz und Stahlhelm zusammen ein Dutzend und drei Dutzend Stimmen gewonnen. Was ist mit den Städten? Es muß doch schon mehr bekannt sein, denn gleichzeitig meldet der Ansager ein«„privat e" Berechnung über die Verteilung von 400.000 Stimmen. Wer ist diese „private" Seite, was für Unfug, in einer amtlichen Wahlmftteilung eine anonyme„Private" Berechnung in die Welt zu senden! Ein Stückchen Musik und dann wieder Wahlergebnis, kleine Ortschaften, endlich auch ein« Stabt: Bamberg. Viertausend Stimmen Zuwachs für die Hakenkreuzler— in einem bayrischen Ort! Die klerikale Partei um 700 Stimmen weniger— laßt der vielgerühmte Unabhängigkeitssinn der Bayern aus? Aber ein Lichtblick: Die sozialdemokratische Partei hat in dieser alten Bischofsstadt nichts verloren, ja hundert Stimmen gewonnen. Und das bloibt weiter so: In Süd- oentschland nehmen die Hakenkreuzler, die Junker- und Fabrikantenpartei zu, die Klerikalen halten sich, die Kommunisten verlieren, die Sozialdemokratie bleibt unerschüttert, trotz des schändlichen Verbotes der sozialdemokratischen Blätter, Wahlstugschriften, Plakate, trotz der willkürlichen Verhaftung sozialdemokratischer Redner und Redakteure, trotz des blutigen Terrors der von der hohen Obrigkeit zu Hilfspolizisten erhobenen und nun auch offizdÄ init Revolvern bewaffneten Hakenkreuzler, trotz aller Drohung und Einschüchterung. Das erhebt, das tröstet über viel Lend dieses Abends hinweg. Nun worden bi« Wahlvesultate immer zahlreicher, die musikalischen Lückenbüßer immer kürzer. Hat das Rundfunkorchester zuerst„Rienzi" gespiät, begleitet es jetzt Herren- und Damenchöre bei deutfchnationalen Politischen Liedern— wer weiß, was nach Mitternacht kommt, das Horst-Wessel-Liod oder der Hitlormarsch, falls der jüdische Hakenkveu-dichter Bronnen schon den Text und ein aufgenordeter Kcckophoniker dre Melodie geliefert hat. Berichte aus Nord und Süd, Ost und West, überall zomt sich das gleiche, im Protestantischen Norden noch trauriger als in den katholischen Gebieten: Die Mehrheit der protestantischen Geistlichkeft führt ihre Bauern und Kleinbürger und soweit sie noch Einfluß auf sie hat, ihve Arbeiter unter der Fahne eines Kreuzes, dessen vier Enden umgebogen sind, in den Wahlkampf— gegen den Marxismus, wie sie sagen, in Wahrheit gegen die demokratisch« Gleichberechtigung eben dies«« Arbeiter, Bauern und Kleinbürger in Staat, Land und Gemeinde. Ich warte das amtliche Ergebnis nicht ab. Ich weiß genug: Die tsaseistische. Reaktion hat von der Mehrheit der deutschen Wähler die Sanktion für ihr« EntvechtungSPläne erhalten. Daß ein Tyrann dem Volke ferne Rechte und Frechetten raubte! ist in dar Weltgeschichte oft vorgekommen. Daß sich aber Millionen ernes Volkes dazu-rängen, ihre Gleichberechtigung hinwerfen, das war dem„Volk her Denker und Dichter" Vorbehalten. Daß ein Meuchelmörder mit einem langen Atessar den HalS eines Menschen durchschneidet, ereignet sich gelegentlich aber daß Millionen WieNschen selbst ihre Hälse darbieten und die langen Messer bejubeln, das ist in der Welweschichte das Äteueste! Ein lateinischer Geschichtsschreiber wußte die Knechtseligkeit der Römer zur Kaiserzeft mit drei Worte« herrlich zu charakterisieren:^ Corr- nullt in servitutem— sie stürzen sich in die Knechtschaft, sie laufen alle mfteinanoer um die Wette, nur um Sklaven zu werden. Der KARL Nachdruek verboten. UND DAS 20. JAHRHUNDERT Roman von Rudolf Brunngraber Copyrigth by Sodetlts-Verlag, Frankfurt am Main 1933 1880—1893 Die größtmöglichste Ordnung. Als Frederick W. Taylor(Philadelphia) 1880 als Erster konsequent den Gedanken der Ratio- »alisierung faßt«, war der Wiener Karl Laknrr noch nicht unter den Lebenden. Das entschied sich zu seinem Nachteil. Denn er hätte ebensogut damals schon achtzig Jahre alt sein können. Wär« er vierzehn gewesen und mit einem Kropf behaftet, und hatte er sich einer Operation unterzogen, dann würde man ihm allerdings mit dem Kropf die Schilddrüse herausgeschnitten haben| und er wäre«in Kretin geworden. Von dem\ Stand der medizinischen Wissenschaft jedoch ab-! gesehen, war das Leben damals verhältnismäßig noch ungefährlich. Allein Karl Lakner war weder in der einen noch in der anderen Form vorhanden. Das Schicksal hatte ihn mit achtzehnhundert Millionen anderen ausersehen, am bislang gewalttätigsten Zeitalter dieser Erde teilzuhaben. Mr. Taylor trug indessen das sein« dazu bei, di« Schienen, ans denen dieses Zeitalter rollen sollte, straffzuziehen. Er hatte den Nerv für das, waS man Zivilisation nennt. Obgleich ihm das Reifezeugnis für die Harvard-Universität ausgestellt worden war, trat er bei der Midvale Steel Company altz Hilfsarbeiter ein. Mit der Zielbewußtheit freilich, die»ur Naturen eignet, in denen die Familie ihren biologischen Höhepunkt erreicht hat. Di« Midvale Steel Co. war auch der properste Boden für einen solchen Mann. Durch ihren Betrieb waren di« bekannten Pio-I niere der Neuzeitigen Betriebsführung gegangen, Henry R. Towne, Wilfred Levis, Carl G. Barth. Das bewies, daß der Kopf des Unternehmens, Mr. William Tellers, seine Sinne offenhielt für das Kommende. ten mit elektrischen Lifts in di« Häuser im Westen aus jedem Kartoffel- '" Hier innen aber spürte man di« Bedeutung von all dem, den Wind, der damit anhob. Was gestern Arbeit gewesen war, war heut« Engagement innerhalb etwas,-as man Neuzeitig« Betriebsführung nannte. Es wurde einem wie Verbrechern auf die Finger gesehen. Zudem wandelten sich die Werkzeuge von Schicht zu Schicht, und der Werkgang erfuhr, mit und ohne Zuwachs neuer Apparaturen, fortwährend Umstellungen. Zugegeben, verdammt, daß sich alle- handlicher gestaltet«; der Vorgang an sich aebr war unheimlich. Hier wurde die Vertrautheit zwischen Mann und Maschine, und damit di« zwilchen Leben und Arbeit, in einer Weise gestört, die ein Trauen vor der Zukunft rinflößt«. Das war es: di« Neuzeitlich« Betriebsführung war ein System. Keine Angelegenheit von Fall zu Fall und nach gegebenen Anlässen, sondern etwas Drohendes, voll fremdartiger Willkür, das allgegenwärtig und unenttinnbar zu werden versprach. Die Zeit schickt« sich eben sichtbar an, exakt zu werden, da- will sagen, erbarmungslos. Man griff von oben und von unten nach deni kleinen Mann. Ging nicht im Augenblick(1882) auch ein Sturm der"Empörung durch alle Staaten gegen di« Standard Oil Co? Si« hatte die großen Oelgesellschaften zu einem Trust, wi« man Die Arbeiter der Midvale Steel Co. fanden sich ungefähr in der Lag« von Menschen, die man in di« Zugluft gestellt hat. Daß das Land eine Menge Eisenbahnen erhalten hatte, wußte jeder Zeitungsleser. Dergleichen, daß man in Chikago den er ten Wolkenkratzer baute(1883). daß man im Osten mit'igs* hinauf uhr und acker eine Petroleumfontäne stach. daS nannte, zu dem ersten Ding dieser Art vereinigt. DaS sollt« der Anfang einer wundervollen, längst fälligen Ordnung sein, die nun in di« Wirtschaft gebracht würde. So umstritt man es wenigstens in den Eitqueten, die drumherum veranstaltet wurden. Di« Konzentration, ließ der sattsam bekannte Rockeseller verkünden, brächte nur Vorteile— für die Allgemeinheit natürlich. Denn sie würde über die Ersparnisse und Intensivierungen, di« sie ermöglichte, den Trust, zumal er auch den gesamten Markt in Händen hielte, in di« Lag« versetzen, die Preis« im Inland fortschreitend zu senken. Zu schweigen von der Macht, mit der der Trust auf den Plan der Weltwirtschaft zu treten vermöchte. Amerika ist imstande, dreiviertel des Oelbedarfs der Erde zu decken, das müsse endlich seinen handelspolitischen Äusruck finden. So weit Rockcfeller,-er Litopus, der Polyp. Die Allgemeinheit aber hielt sich an die Boroergrunderscheinung der Dinge. Ihr lag der Jammer der ungezählten Kleinunternehmen in den Ohren, die als unwirtschaftlich durch den Trust der Vernichtung anheimfielen.(Rockcfeller: to carry on a busineß of some magnitude and importance in Place of the small busineß.) Und dann dachten selbst di« Fortschrittlichen, daß ihnen der Wirtschaftiapparat abermals einen Schritt näher auf den Leib rückte. Als man Farmer gewesen war, hatten die Händler und Reedereien an einem verdient: siehe di« Gerards. Beim Städtebau war man auch von den Bodenspekulanten angezapst wor-en: siche di« Rhinelander, Shermenhorn, Field und Astor. Beim Ausbau des Verkehrs hatten sich Vie Eiscn- bahnmagnaten, di« Harriman. Gould, I. I. Hills und Vanderbilt, auf Kosten der Allgemeinheit bereichert. Und nun ging es um das Letzte, um die Bewirtschaftung der Rohstoff«, und man sollte nicht nur die Carnegie und Rockeseller als besonders resolute Persönlichkeiten gegen sich haben, sondern es sollte di« ganze Wirtschaft im Sinn ihrer Entschlossenheit systematisiert ungeeinigt werden. Man sollte vor dem Teufel der Profttwirtschaft nicht einmal den Beelzebub der freien Konkurrenz mehr haben. Man sollte ausgeliefert sein. So lag der Fall und so stand die Frage. Der Mensch war nicht mehr das Erste und die Erde zu feiner Versorgung dar Zweit«, sondern da war die Erde und da war— ab nun also zu lesen— der Trust,-er si« restlos an sich riß. Die Wirtschaft präzisierte sich zu einer Ausbeutungsmaschinerie, die sich lückenlos zwischen dem Menschen und seiner Erde zusammenschloß. Seiner Erde! Hier senkten die Resolutionen und Leitartikel die Augen. Der Mensch hatte immer weniger Anlaß gehübt, sich als den Herrn der Erde zu betrachten. Dieses Vorrecht war groteskerweise auf di« Einrichtungen übergegangen, die er entwickelt hatte. Um so ener- gischer aber— hier reckten die Proteste sich wieder !— war der Mensch davor zu behüten, nun vollends zum Außenseiter herabgesetzt ,u werden. In der Tat, die Leute der USA-achten in ihrem Schrecken 1882 plötzlich wieder patriarchalischer als seit Jahrzehnten und si« stemmten sich gegen den Oeltrust wie gegen«in unheilvolles Schicksal. Mr. Rockeseller jedoch hielt sich mit dem Gebraus« kein« Minute lang auf. Offenbar dacht« er in anderen Grundbegriffen(und er hatte das schon als.Handlungsgehilfe in Cleveland getan, als er noch Hustensirup und Strumpfbänder verkaufte). Außerdem war sein Gesicht nach Baku gewendet. Die Menge des russischen Petroleums stand 11 zu 12 zu der des amerikanischen. Da saß der wahr« Gegner, nicht in einer Industrial commission in Ohio oder auf einer Trustkonfeven; in New Uork. Was di« Menschheit doch für ein Kippeliges Phänomen war! Hätte sie sich dagegen wehren können, daß die Städte, daß Chikago und Atalanta. Birmingham, Buffalo und New Orleans, Denver und Pittsburg wie der Sand in kreisenden Trommeln um sich griffen? (Fortsetzung folgt.) Rr. 57 Mittwoch, 8. März 1933 Seit« 3 I Die dringendste internationale Pflicht: Verbreitung der Wahrheit über Deutschland. Die demokratische rascistensdiauhel. Ein Paar Wochen hindurch hat die„Bohe> mia" sich zum fudetendcutschen Propaganda Matt für Hitler und den deutschen Faseisnui- «rmcdrigt; hat jedes Sputum Adolfs lieoevoll behandelt; hat kein Wort übrig gehabt gegen die maßlosen Verfolgungen alles Demokratisch«:, über di« Niedcrtrampclung der Demokratie; har dann am Wahltag durch den Abgeordneten Peters die einseitige Stellungnahme für Hitler in Objektivität und stilles Beobachtertum umzudichten versucht, weil angeblich diese Rolle allein für die Sudetendeutschen schicklich sei. Und nun ereignete sich etwas fast beispiellos Groteskes. Am ersten Erscheinungstog nach den Wahlen laßt dieselbe„Bohemia" ihren F. W-, den bekannten Herrn Friedrich Weik, urplötzlich zur Verteidigung der Demokratie los! Jetzt auf einmal, nach der Wahl, gibt die ,^öohemia" ihrer Freude Ausdruck, daß die,^Peimarer Verfassung nicht unterlegen" ist, daß ,/dre Demokratie nicht erschlagen werden konnte"; jetzt auf einmal äußert die schwer prostituierte Tante Bedenken, ob denn Herr Hitler feinen innerpolitischen Erfolg„vernünftig" nützen werde; er„wird sich hüten müssen, eine Extratour zu versuchen"— in der Außenpolitik nämlich. Und auf jeden Fall:»zünftig" wird di« Geschichte für Deutschland nur sein,„wenn die deutsche Demokratie geachtet werden wird... wenn die demokratischen Grundbegriffe nicht in den Staub getreten werden"! . Kurzum: nach der WaU verteidigt die „Bohemia" Grundsätze, für di« sie vorher hätte eintreten müssen; n a ch der Wahl verdonnert die „Bohemia" sich selber wegen der schändlichen Haltung, die sie vorher einnahm; ja, nach der Wahl spricht sie von der ,-achtunggebietenden Haltung der deutschen Sozialdemokratie"; gegen die sie vorher sämtliche Reaen Hitlers und Görings losließ: nach der Wahl spricht sie von der hocheinzuschätzenden„moralischen Geltung" der SPD, gegen deren Verleumdung, brutalste und barbarischeste Bekämpfung die»Pohemia" vorher auch nicht ein einziges Wörtlein in ihre Epakten ausnahm! Wir kämen in Verlegenheit, wenn wir einen Fall aus der journalistischen Praxis angeben sollten, der eine ähnliche Prinzipven-Untreue mit unmittelbar folgender Wetterwendigkeit, Selbstbestrafung und Verkehrung darstellt«, als diese zweimalige Schwenkung der„Bohemia" um hundertochtzig Grad. Was ist da geschehen? Hat sich endlich jenes letzte Häuflein aufr^ht-demokartischer Leser zu Worte gemeldet, deren Stillschweigen zum Prin- zipien-Berrat der ,^öohemia" wir so lange nicht verstehen konnten? Oder haben di« Herren der „Bohemia" mit der völligen Austilgung des Demokrat! smus in Deutschland am 5. März gerechnet? Haben sie um dieser Hoffnung willen Mit aller Sympathie für Hitler dem Spiele ge- kiebitzt und sind erst jetzt eines Besseren belehrt, do Sozialdemokraten, Zentrum und Kommunisten immerhin noch ein paar lumpige siebzehn Millionen Stimmen aufbrachten? Oder hat etwa Herr F. W. demnächst wieder in Genf jii tun und möchte Herrn Benes nicht gerne liebevoll unser die Augen treten, ohne das Blatt anders als durch di« Erinnerung an dessen schmachvolle Periode während des deutschen Wohlkampfes repräsentieren zu können? Oder haben schließlich gar in der„Bohemia" selber demokratische Anschauungen. die sich bisher nicht durchsetzen konnten. plötzlich wieder an Geltung gewonnen? Drose Fragen werden gewiß niemals Aar beantwortet werden— und«s ist unS darum gar nicht zu tun. Wir wollen nur für spätere Zetten den Anblick der demokratischen Fasei- stenschoukel festhalten, als di« di«„Bohemia" selbst im tollsten politischen Iahrmarkttreiben berechtigter Aufsehen erregen würde. Freilich: Zulauf dürfte ein« solche Schaukel, bei der niemand weiß, wann und wohin sie ihn über Bord wirft, nicht haben! Und besonders Demokraten seien davor gewarnt, sich dieser Scbaukckl auch nur vorübergehend anznvertranen. Denn morgen kann in der„Bohemia" schon wieder durchaus das Gegenteil dessen empfohlen werden, was sie heute so ,/>ch tu naaebi eiend". inst so viel Anspruch auf „moralisch« Geltung" vertritt! Wie sich der Reichenberger „Vorwärts" auf dem Wege zur Muhe tsfront benimmt! Das Reichenberger Kommunisteublatt stellt« Svar gestern in Besprechung des Ausfalls der Dahlen in Deutschland wiederholt di« unerschütterte Stellung der Sozialdemokratie und damit das Scheitern von Hitlers Bemühungen fest, den „Marxismus auszuro.ten". Aber in demselben Leitartikel, in dem der„Vorwärts" seiner Freude darüber Ausdruck gibt, daß Herrn Hitler sowohl di« Vernichtung der KPD als auch di« Schwächung der SPD mißlungen ist, spricht er, der„Borivärts", weiter von der„Verräter- politik der SPD-Führer" und bezeichnet diese als„S t ü tz« n des F a s c i s m u s". Die- geschieht in denselben Tagen, da die kommunistische Internationale zur Einheitsfront aufruft und die KPO an di« beiden großen sdzial- demokratischen Parteien in der Tschechoslowakei mit Verhandlungen um die Einheitsfront herantreten will!. Wir überlassen das Urteil über diese kchimpf- kiche Haltung des Reichenberger kommunistischen BlatteS den Arbeitern, und zwar sowohl den sozialdcmoralisch«, als auch den kommunistischen. Di« Arbeiterklasi« Deutschlands ist jeder Möglichkeit der freien Meinungsäußerung beraubt. Ihre Zeitungen und Versammlungen find verboten, ihre Wortführer ständig an Leib und Leben bedroht. Mit einer Flut do« Lügen und Verleumdungen überschwemmt dir Hitler-Partei das deutsch« Volk, jeden Versuch der Abwehr, ja nur der Richtigstellung beantwortet dir Regierung mit neuen Terrormaß- n ahmen. Dir Arb«it«rklafle Deutschlands ist am Sprechen verhindert, um so mehr ist es Aufgabe der Arbeiter aller anderen Länder» der Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen. DaS Fascistruprogramm ist in Deutschland in Durchführung begriffen. Mit zynischer Offenheit bekennt fich der Hakenkreuzminifter Göring zum Grundsatz des zweierlei Recht. Den Anhängern der„Rationalen Regierung" ist alles erlaubt, den „Marxisten" alles verboten. In amtlichen Erlösten hetzt dieser Minister zu allen verbrechen gegen di« Opposition, eifert er zum Riederknalleu politischer Gegner an, warnt er seine Untergebene« vor zu lästigem Gebrauch der Schußwaffe», heißt er von vornherein jede« Mißbrauch der Amtsgewalt gut. Diese Erlöste waren publiziert, bevor Hitler daS „Gottesgeschenk" des Reichstagsbrandes erhielt. Ist der jung« Holländer«in Geisteskranker, ist er ein gekaufter Subjekt, hatte der Hemdlos«, wie di« Hitler-Polizei ebenso prompt wie programmgemäß verkündet«, wirklich kommunistisch« Parteiausweise in der Tasche, waren dies« Dokumente wirklich seine eigene«? Alle dies« Frage« find ungeklärt, aber sic find unwesentlich gegenüber der Hauptfrage, ob es »eben diesem Holländer andere Schuldige, Hauptschuldige, gibt. Der Minister Göring hat verkündet, daß mindestens noch sechs Täter beteiligt gewesen sein müssen. Er braucht diese Annahme, um di« Mitschuld der kommunistische» Partei Deutsch» landS darzutun. Für die ganz« unbefangene Presse des Auslands besteht jedoch der dringend« Verdacht, daß all« diese Täter im Dienst« des Hakenkreuzes handelten. Aber wie immer das kriminell« Rätsel ich lösen mag, di« politische Ausbeutung der Brandstiftung lag von der ersten Minute an offen zu Tag. Für die schrankenlos« Verfolgung der Kommunisten wurde das Parteibuch, da» der Holländer angeblich bei fich trug, beoützt für di« Verfolgung der Sozialdemokraten genügte die angeblich« Aussage de» Verhafteten, er sei auch mit der Sozialdemokratie in Verbindung gestanden. Das Lügenmärchen war so unfinnig, daß nicht nur dir Presse des Auslands es verhöhnte, sonder» »gar die bürgerlich« Press« Deutschlands bis nach recht- zur„Deutschen Allgemeinen Zeitung" von ihm deutlich«brückt«. Aber Hitler hatte sei«„Gottesgeschenk" und blieb«utschlosseu, rS mit aller Ko», cquenz auSzunützen. Schon in der Rächt, während der Reichstag noch branut«, wurden hunderte kom- Varis, 7. März. Die Regierung hat heut« vormittag- der Kammer einen Gesetzentwurf vorgelegt, in welchem sie um di« Ermächtigung zur Ausgabe kurz- oder laugfristiger Obligatio- neu der Staatskasse i« Höhe von 10 Milliarden Franks ersucht, damit durch sie di« Budgetabgänge für die Jahr« 1930 bis 1932 definitiv gedeckt werd«« können. Der Regieruugsent- wurf konnte bereits nachmittags im Kammerplenum durckberaten werde«. Rach einer Red« des Finanzministers und«ach einer anschließen- munistischer und sozialdemokratischer Zeitungen verboten. Den Arbeiter» sollte jede Kenntnis der Stel- luugnahme ihrer Partei vorenthalten werden, der wüstesten Demagogie des HitlertumS war Tür und Tor geöffnet. Run folgte Schlag qus Schlag die Durchführung des lange vorbereitete« Programms. Durch Notverordnung wurde die Rechtsordnung aufgehoben. Kein VrrsammlungSrrcht, kein Briefgeheimnis, kein HauSrecht, kein Preßrecht existiert mehr in Deutschland, die Hitlerbauden der T. B. wurden als „Hilfspolizei" eingereiht, di« alte Staatspolizei trägt ostentativ dir hitlerischeu Parteiabzeichen, di« Todesstrafe wird zum obersten politischen Machtmittel. Die Gefängnisse find überfüllt mit kommunistischen Abgeordneten und Parteifunktionären und um dem ZhniSmuS die Krone aufzufetz«», um zu zeige», daß alle StaatSmaßnahmen nur mehr hitlerische Parteimaßnahmen find, hat ma« auf auf dem Karl Liebknecht-Haus di« Hakenkreuzfahne gehißt. Und unter all dem Terror, der fich mit seiner Schamlosigkeit brüstet, fand eine— Reichstagswahl' statt. Niemals hat es ein groteskeres Bild gegeben. Der Wahlkampf wurde nur von der eine« Seit« geführt. Alle Radiofrnder Deutschland» hatten die Ausgabe, täglich die Wahlreden der Hitler, Göring, Papen, Hilgenberg, zu derbrefte», alles hat der hitlerische Radiochef, Herr Göbbels, auf daS beste arrangiert, ganz Deutschland widerhallt« in Presse uud Versammlung von den Lügen und Großsprechereien der„uationalen Regierung". Dreizehn Millio- nen Arbeiter haben noch vor wenigeu Monaten für di« sozialdemokratisch« und die kommunistisch« Partei gestimmt. Im größte» Teil« Deutschlands durfte» fi« ihre Abgeordneten, denen fie seit Jahrzehnten immer wieder ihr vertrauen ausgesprochen haben, nicht mehr hören, konnte kei» Wahlflugblatt, kein, Wahlplakat, keine sozialdemokratisch« Zeitung vor der Wahl erscheine». Blindwütender Terror und freie» Wahlrecht find unüberbrückbare Gegensätze. Nie wird di« Sozialdemokratie, nie di« zivilisiert« Weltöffentlichkeit, ein«„Mehrheit", di« Hitler auf solcher Basis«rriugt, als rechtsgültig anerkennen. Mit Frohlocke» verkündet Hitler, daß nun, da die von ihm so»ft verhöhnt«„Schwatzbudr" des Reichstages in Flammen aufgrgangen, die neuge- wählteu Reichstagsabgeordneten di« Wallfahrt antre- ten müssen in di« Garnisonskirche in Potsdam und au der geweihten Grabstätte des Hohenzolleru- KönigS, von der man di«„Marxisten" fernzuhalten wisse« werd«, die endgültig« Beseitigung des vrr- fluchten demokratischen Parlamentarismus beschließen werden. Herr Hitler arbeitet rüstig an der Verwirklichung des faseistischen Programms in Deutschland. Aber dreizehn Millionen deutsch« Proletarier warte» zähneknirschend auf den Tag der Vergeltung, auf den Tag der Befreiung. Der Tag wird kommen! l WWWWWWWWWWWWI Kari und das zwanzigste Jahrhundert so heißt unser neuer Roman, der den jungen Dichter Rudolf Brunugraber. znm Verfasser hat. Karl Lakenbacher, der Held des RomanS, ist ein Arbeiterkind, das sich zum Lehrer emporarbeitet und, am Ziele, in den Krieg muß. Mit dem Reiche, für das er kämpfte, bricht sein bisheriges Weltbild und seine Existenz zusammen. Run versucht er, sich zurechtzusinden und ein neues Dasein zu zimmern. Aber es ist kein Platz für ihn. So ist sein Schicksal daS von Millionen. Der früher« Offizier gerat in Stot und Arbeitslosigkeit, gleitet moralisch ab und gibt sich selbst den Tod, da ein Rest seines SelbstdewußtseinS nicht zuläßt, daß er zum Verbrecher wird. Ein Roma» wie diel« ander«? Rein, eS ist der Roman unserer Rot», der Roma« unserer Zeit. Wie das Einzelschicksal verwoben ist in das politisch« und wirtschaftlich« Geschehen, wie sich di« Technik entwickelt und sich in Beziehung setzt zum Menschen— das gewinnt in diesem Roman Gestalt und Leben. Brunngraber hält der Zeit den Spiegel vor. Wir Arbeiter haben den Mut, di« Wahrheit zu sehen und bekennen unS darum zu ,^karl. Diesem Bekenntnis gesellt sich die Ueberzeugung, daß„Karl" nicht untergehen muß, wenn sich alle, die sein Schicksal tragen, zusam men schließen. hie drei letzten in Brünn verurteilten Volkssportler enthaltet. Nachdem vor einigen Tagen die beiden Volkssportler Donnhäuser und Pallieg« enthaftet wurden, iverden nun auch Jng. Haider, Illing und M e tz n c r in den nächsten Tagen gegen eine Kaution auf freien Fuß gesetzt werden. Der Schulminister au die deutsche Schuljugend. Schulminister Dr. Tsrcr hielt gestern anläßlich des 83. Geburtstages des Präsidenten Masaryk im deutschen Schulruridsunk eine Ansprache an die deutschen Kinder, worin er gegen jede Kriegspropaganda Stellung nahm und sich für di« Versöhnung der Völker«insetztr. Er sagte unter anderem:.. Di« Menschheit hat immer gui« Führer gc- braucht und braucht sie heute mehr denn je, Ohne Führer kann man durch di« Wirrnisse des Lebens nicht ans Ziel gelangen. Wenn aber di« Führer schlecht, gewissenlos, eitel sind, dann bringen sie Staat und Volk ins Verderben. Schlecht« Führer haben immer nur.Haß, Eleird, Kriege angezeitelt und herausbeschworen. Ihr, Jungen, müßt über diese Dinge ernst nachdenken. Ihr gehet ja in die Schul«, damit ihr das Denken erlernet. Merket es Euch fürs ganze Leben, und Eure Lehrer werden es Euch ins Herz und Gedächtnis einprägen. Jen«, die Haß-säen, di« iverden Elend, Krieg und Unglück ernten! Di« Natur schuf die Mcuschen, ■ damit sie sich vertragen, unterstützen, achten.- lieben und nicht hassen, verleumden, morden. Viele Eurer Väter haben den Weltkrieg mitgemachl, sie können Euch erzählen über die Schrecknisse, welche sie damals erleben mußten. Und di« Mütter! In Ängst, Elend, Hunger, Ungewißheit warteten sie oft jahrelang und vergebens auf di« Heimkehr des heißgeliebten Vater-. Tie Tranen der verzweifelten Mütter sind dir schwersten Anklagen gegen Führer; di« die Jugend ihrer Väter, Ernährer und Erzieher berauben wollen. Der Minister fand dann warme Worte für die nationale Verträglichkeit, die er von den Kindern fordert: Kinder! Nur dort ist eine glückliche Menschengemeinschaft möglich, wo Eintracht herrscht' itnb nicht Zwiespalt. Die Menschen sind verschieden, sie haben verschiedene Sprachen, verschiedene Beschäftigungen, verschieden« Ueberzeugung«» verschieden« Gefühle, verschiedene Bestrebungen^ Aber ein- muß gemeinsam sein hei allen Menschen: die Menschlichkeit. Ein jeder achte in dem anderen den Menschen. Geregelt durch den gemeinsamen Zug der Menschlichkeit können all« Verschiedenheiten der Menschen zum Segen der Menschheit werben. Den'Schwachen, den Kleinen nicht verachten, nicht zerlreten, nicht vernichten, sondern auch in ihm den Menschen schätzen, der dasselbe Recht aufs Leben besitzt, wie der Starke und Großes Groß« Nationen dürfen die kleinen nicht unterdrücken und herabwürdigen, sie müssen ihnen eher behilflich sein und Verständnis haben für ihr« Eigenheiten. was ganze Kabinett hei Hindenburg. Berlin, 7. März. Reichspräsident von Hindenburg empfing heute Reichskanzler Hitler, Vizekanzler von Pechen, Reichsminister des Inner« Dr. Frick, Reichswehrminister von Blomberg und Reich-Minister uud Reichstagspräsident Gocring zu einer gemeinsamen Besprechung der politische« Lag«. Diese Besprechung galt angeblich der Form der Eröffnungssitzung des.Reichstage- Washington, 7. März. Präsident Roosevelt appelliert« am Montag abends an die Unter- tützung der ganzen Nation für. sein Programm der wirtschaftlichen Wiederaufrichtung, ivelches «ine Herabsetzung der Steuern und die Koordinierung der gesamten Hilfsaktion in den 48 amerikanischen Staaten vorsieht. Der Präsident erklärt« die Richtlinien seines Planes in der Konferenz der Gouverneure der amerikanischen Staaten im Weißen Hause. Die Gouverneure versprachen ohne jedwede Parteirücksichten ihr« loyale Unterstützung. Roosevelt erklärt« dann,„die Staaten hätten ihm mit bewundernswerter Bereitschaft ihre ganz« Hilf« versprochen, um eine Panik in einem Augenblicke zu verhindern, in welchem sie sehr leicht habe ausbrechen können." Oie OesdiAlßkenunission der Sozialistischen Arbeiter-Internationale. 10 Hllllardcn-Anlclhc in Frankrcidi. An einem Tag von der Kammer erledigt. Die Goldkrise in USA. Roosevelt appelliert an die Nation. Ausländer werden gesucht. Aber nicht gefunden. Berlin, 7. März. An, Montag gegen 10 Uhr besetzte SA. Polizei das„V o rwär ts"-- Gebäude. Es wurde angeblich nach^zwei Ausländern, die nach Mitteilungen eines Chauffeurs in daS Gebäude gegangen sein sollten, gesucht. Di« im Haus anwesende kleine ReichSbannerwache mußte auf dem Hose Aufstellung nehmen und wurde nach Waffen durchsucht. Der soz-ialdemokra- tische Reichstagsabgeordnete Dr; Hertz, der aus dem Büro des Parteivorstandes auf den Hof ging, um flarzusMen, irm was es sich handelt, wurde von den Hilfs' lizisten angegriffen und mißhandelt. Erst nach Eingreifen eines PÄizsiwachtnieisters wurde er freigelajsen. Nach- den längeren Debatte, in deren Verlaus Tar- d i e u und H e r r i»t mehrmals hart znsam- mcnstietzen, wobei jeder seine eigen« Politik ver- tcidigte, nah« die Kammer den RegierungSent- wurf mit 360 gegen 185 Stimmen an. Die näheren Umstände, unter denen di« Regierung die Anleihe ansschreiben wird, werden noch geheim gehalten, um Spekulationen vorzubeugen. Die näheren Bedingungen werden der Oeffentlichkeit erst am Tage oer Auflegung bekannt gegeben werden. Der Präsident will einen eigenen-„Wäh- rungsagenten" mit entsprechenden Vollmachten einsetzen. Einsetzende Beruhigung? Finanzminister Woodi« erklärte hent«, er glaube nicht, daß es notwendig fei« werde, das Bankenmoratorium über den festgesetzten Termin hinan- zu verlängern. Sin solcher Schritt konnte höchstens durch außerordentliche und unvorhergesehene Umstände erzwungen werden. Der Finanzminister hat bereits die teilweise Wiederaufnahme der Bankentätigkeit gestattet. Die Banken sind nunmehr berechtigt, neue Einlagen entgegenzunehmen und von diesen neuen Einlagen anderen Einlegern die verlangte« Beträge ohne Einschränkung auSzuzahle«. dem die Suche nach den beiden Ausländern sich als vergeblich erwies, zog bi« SA-Polizei wieder ab. * Am Montag-Morgen gegen 6 Uhr 15 wurde der Redakteur des„Soz. Pressedienst" Erich Gottgetreu aus dem Bett heraus f e st genommen. Die Verhaftung erfolgte ohne Angabe von Gründen. Ueber den Verbleib Gott- getrens war trotz allen Erkundigungen bis Montag abends nicht zu erfahren. Wie das Wolffsche Büro meldet, ist eine ganze Reihe von Ausländskorrespondenten, soweit sie nicht schon selbst abgereist find, von der Regierung verwarnt worden; sie seien von der Ausweisung Zunächst verschont geblieben und hätten eine Bewährungsfrist von zwei Monaten erhalten. Seite 4 Mittwoch, 8. März 1983 Str. 57 T agesneuigkeiten Grenz-Schiebereien bei Weipert. Prag, 7. März. Zu den in der Presse aufgetauchten Nachrichten über einen Zusammenstotz von Kommunisten mit Gendarmerie in Weipert meldet di« ÖTÄ„aus guter Quelle": In der Nacht vom 4. auf den Z. März bemerkte ein« dreigliedrig« Gendarmeriepatrouill«, datz an ein«r abgelegenen Stelle in Weipert, unweit des Uebergangrs nach Sachsen, etwa 15 bis 20 Personen zusammengekommen waren. Diese ergriffen nach dem Einschreiten der Gendarmen di« Flucht, eröffneten aber nach einer Weil« ein Revolver feuer auf die Gendarmen. Die Patrouille schritt abermals«in und machte, als die Leute weiterschossen, gleichfalls von ihren Schietzwasfen Gebrauch. Verletzt wurde hiebei niemand. Die Gerüchte über die Verletzung eines der Angreifer sind wahrscheinlich dadurch entstanden, datz kurz vor dem oben geschilderten Zwischenfall die sächfisihe Grenzwache auf eine« reichsdeutschen Staatsangehörige«, der die Grenz« in der Richtung nach der Tschechoslowakei überschreiten wollte, schoß und! ihn ander Hand verletzt«. Sächsische Exekutivorgane sind auf tschechoslowakischem Gebiete überhaupt nicht eingeschritten. Insgesamt wurden 13 Angreifer verhaftet, darunter befinden sich zwei reichsdeutsch« Staatsbürger. Die Verhafteten wurden in Gerichtshaft gebracht. Einstellung der gesamten amerikanischen Filmproduttion? Hollywood, 7. März.(Reuter.) Die Direktor«« der Filmindustrie haben gestern nach einer gemeinsamen Konferenz brkanntgegeben, datz es vielleicht notwendig se»n werde, die ge, samt« Filmproduktion einzustellrn, da es ihnen bei der heutige«, infolge der finanzielle» Beschränkungen entstandene» Lage nicht möglich sei, die Gagen auszuzahlen und überhaupt di« Regie zu fiua«zieren. Antobr;szusammenstoß beiFungbunzlau Ein« Reichsdeutsche tödlich verletzt. Juugbunzlau, 7. März. Heute um halb 9 Uhr früh stieß bei dichtem Nebel auf der Staatsstraße zwischen Juugbunzlau und BezdöAn ein von Prag nach Juugbunzlau fahrender staatlicher Autobus mit einer Autodroschkc des Eiscnkolb- schen Transportunternehmens zusammen, die von Reichenberg nach Prag unterwegs war. Di« mit Passagieren vollbesetzte Auiodroschke wurde von dem Autobus im wahren Sinne des Wortes zermalmt. Aus den Trümmern des Wagens wurde die reichsdeutsche Staatsangehörige Fridri'ch hcrvorgezogen, deren nähere Pcrso- naldaten bis jetzt noch nicht festgestellt werden konnte». Sie erhielt eine tiefe Kopfwunde. Ihre Verletzung ist tödlich. Der Chauffeur der Autodroschke, Junek, erlitt einen Beinbruch. Die beiden anderen Reisenden, Josef und Marie Prokop aus Reichenberg haben zahlreiche Rißwunden im Gesicht davongetragen. Alle Verletzten wurden in das Bezirkskrankenhaus in Jungbunzlau gebracht, wo sie in Pfleg« belassen wurden. Aus dem Autobus fiel bei dem Zusammenstoß die Marktvcrkäuserin Marie Masta- lirova heraus, die leichtere Verletzungen erlitt. Die Ursache des Unglücks wurde noch nicht genau festgestellt. Der Autobus hatte keine Rebel lichter und di« Autodroschke fuhr mit solcher Geschwindigkeit, daß der Chauffeur nicht mehr Zeit genug zum Bremsen hatte, als er den Autobus erblickte. Beide Fahrzeuge fuhren nahe der Straßcnmitts. Di« Gendarmerie untersucht nun, welchem der beiden Chauffeure die größere Schuld an dem Unglück trifft. Diebsbande festgesetzt. Aus Ungarisch-Hradisch wird uns geschrieben: Jin heurigen Jänner brach in die Villa des bekannten mährischen Äkalers I. Uprka ein unbekannter Dieb ein, der dort mehrere Gemälde im Werte von 72.300 K£ und ein« Geige entwendete. Der Dieb versuchte, die gestohlenen Werke in Bratislava beim Kaufmann Arthur Äiagl zu verkaufen, wurde aber ertappt. Es wurde in ihm Oskar Wcitzmann ans StraLnice festgestellt, der jedoch im Jahre 1929 vom Gericht als geisteskrank anerkannt wurde, so daß sämtliche Strafverfahren gegen ihn eingestellt lverden mußten. Bei der jetzigen Untersuchung stellte sich heraus, daß Weitznrann eine eigen« Tiebsbande organisiert hatte, mit der er in der dortigen Gegend Raubzüge untentahm. Da ihn die Sachverständigen nun für geistig normal erklärten, wurde er vom Senat« des Kreisgerichtcs zu zwei Jahren schweren Kerkers verurteilt, wobei die Zulässigkeit der Zwangsarbeit ausgesprochen wurde. Seine Komplizen, mit denen er die übrigen Diebstähle begangen hat, der Arbeiter Viktor öerny und Josef Bavrik, wurden zu je acht Monaten und der Wiederverkäufe! Johann Sofia, qleichsalls aus StrüLnice, zu vier Monaten schweren Kerker unbedingt verurteilt. Ein Räuber erschießt zwei Gendarmen. Ungarisch-Hradisch, 7. Mär». Bei der Verfolgung des Deserteurs und Berufsverbrechers Franz O n d r ä s wurden heute nach Mitternacht der Oberwachtmeister Anderas S i t e k und der Wachtmeister Jaroslav Svoboda von der Gendarmeriestation Belehrad bei einem Dienstgang getötet. Ondrüs ist ein wegen mehrfachen Entfesselte„Höfer der iHfenllidien Holte ond Ordnung“. Unerhörte uebcrgriffe der Zwidtauer Gendarmerie.— GanzlKh Unbeteilidle werden von der Gendarmerie Im Hanse eines Freundes niedergeknüppelt. Aus Zwickau i. B. wird uns folgendes berichtet: Die Kommunisten von Zwickau und Umgebung waren gesonnen, den angesogten Hungermarsch noch Rumburg mitzumachen. Als Sammelplatz war der Platz vor der Gulichsäge bestimmt. Die Gendarmerie hot offenbar durch die e i g« n e n(!) Leute der Kommunisten von diesem Treffpunkt Kenntnis erhalten und den Platz sowie die Verbindungswege besetzt. Ein Teil der Kom- inunisten, und zwar zirka 250 Mann, erlangten Kenntnis von der ihnen drohenden Gefahr und begaben sich auf Fußwegen über das Gebirge nach Rumburg. Der andere Teil, der nicht mehr gewarnt werden konnte, ging zur Guhlichsäge. Als die Leute in die Nähe der Säg« kamen, drang die Gendarmerie sofort auf sie ein und schlug, ohne erst abzuwarten, ob die Leute nicht freiwillig fortgehcn wollten, sofort mit dem Gummiknüppel auf sie ein. Die Demonstranten lvandten sich nun zur Flucht und benützten in ihrer begreiflichen Angst alle Möglichkeiten, um aus dem Bereiche der Gendarmen zu kommen. Ein Teil dieser Demonstranten flüchtete in das Haus unseres Genossen Anton Schiller um bei der rückwärtig enTür durch den Hof das Haus sofort wieder zu verlassen. Einer der Kommunisten kam ind as Zimmer des Gen. Schiller. Kaum hatte der Riann das Zimmer betreten, stürmten schon zwei Gendarmen hinterdrein. Ohne erst zu sogen, was eigentlich los sei, forderten sie den eben gekommenen Demon- stvanten auf, sofort das Zimmer zu verlassen. Der Mann fügte sich sofort dieser Aufforderung und ging. Nun befand sich aber auch der Genosse Josef Hübner im Zimmer. Er war bereits vor einer Biertelstund« gekommen, um sich ein Stück Werkzeug auszuborgen. Ti« Gendarmen forderten auch den. Genossen Hübner auf, daS Zimmer zu verlassen. Ter Genosse Hübner meinte darauf mit Recht, daß ihn die Sache ja gar nichts angingc und daß er lediglich bei seinem Freunde sei, um sich etwas zu besorgen. Tas nützte alles nichts. Di« beiden wildgewordenen Gendarmen rissen den Genossen Hübner beim Rockkragen und stießen ihn in den Hausflur. Dort schlugen sie auf Hübner in der rohesten Weis««in. Als dann Hübner endlich mit vieler Mühe ins Frei« gelangen konnte, wurde er nochmals geprügelt. Genoss« Hübner kam ganz zerschunden nnd zerschlagen zu Hause an. Bemerkt muß noch werde«, daß Genoss« Hübner ei« Alter von 67 Jahren hat, ein Krüppel ist und durch laug« dauernde Arbeitslosigkeit völlig ausgemergelt ist. Es ist also keine Kunst gewesen, wenn zwei kraftstrotzende Gendarmen«inen solche« schwachen Gegner niederschlugen. Dies« Geirdarmen benahmen sich auch sonst wie die Berserker. Einen jungen 18jährigen Bur- schen schlugen sie auf der Gaffe nieder. Frauen, di« in di« Wohnung oder aber in di« Arbeit gehen wollten, durften den Platz nicht passieren.- In Neuhütte war die Straße ebenfalls gesperrt, die an marschierend«« Demonstranten wurden verprügelt. Es ist ganz klar, daß di« Bevölkerung von Zwickau, nicht nur soweit sie kommunistisch ist, über dos Vorgehen der Gendarmerie a u f d a s äußerste aufgebracht ist. Was den Fall Hübner anbelongt, so wird dreier noch ein parlamentarisches Nachspiel hoben! Diebstahles verfolgter Räuber. Dem Vernehmen nach sollte sich OndraL in den Wäldern um Bele- hvad aufhalten. Er plünderte mit Vorliebe Sommerwohnungen, aus welchem Grunde die Gen- darmericstanon in Belehrad auch den Schlüssel von der Billa Dr. Tomäneks aus Ungarisch- Hvadisch erhielt, weil dies« Billa bereits einmal ausgevanbt worden war. Beide Gendarmen begäben sich nach Mitternacht zu der Villa. OndräL, der sich in einem nähen Blockhaus aufhielt, dürfte ihr Kommen gehört haben, lmrevte ihnen auf untötete beide. Äerwachtnroister Sitek. wurde durch einen Brustschuß getötet, während der Wachtmeister Svoboda durch Hwei Pistolenschüsse in den Hals erschossen wurde. Den Karabiner des Oberwachtmeisters Sitek nahm der Mörder an ich, so daß er jetzt mit«ine Pistole mrd einem Karabiner ausgerüstet ist. Fran; OndrüZ ist am 13. November 1907 in Zlechov bei Ung.-Hrodifch geboren, noch Koste- lany zuständig und beschäftigungsloser Arbeiter und Reservist des Artilleriercgime>rteS Nr. 53. Er ist 160 bis'165 Zentimeter groß, mager, hat ein länglicher, sommersprossiges Gesicht, blaue Augeir, rostbraunes zurückgekämmtes Häar. bermaks Tod. Ten Attentäter erwartet ein Todesurteil. Paris, 7. März. Der amerikanisch« Sonderkorrespondent des»Petit Parisien" teilt zum Tode des Chicagoer Bürgermeisters 6erm»k mit: Die behandelnden Aerzte haben alles getan, was in ihrer Macht stand, um den Verletzten zu retten. Dreimal wurden Bluttransfusionen vorgenommcn, und mit einem Sonderflugzeug wurde aus New Iork ein« Spezialeinrichtung für Saucrstoffabgabe herbeigeschafft, um dem Kranken die Atmung zu erleichtern. 6er- mLks Konstitution habe zäh gegen den Tod angekämpft, doch habe die eitrige Lungenentzündung seinem Leben ein Ende gesetzt. 6ermük ist im Beisein seiner drei Töchter sowie seines Bruders und seiner 17jährigen Enkelin, welche ihm die Hand hielt, als er den letzten Atemzug tat, gestorben. Der Mörder Zangara wird neuerdings vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt werden, da nach dem amerikanischen Gesetz die Todesstrafe verhängt wird, wenn ein« der Personen, gegen die das Attentat verübt wurde, stirbt. Freier Absprung aus 2500 Meter Höhe. Aus Moskau wird berichtet: Der Fallschirmspringer M. N. S w o r y g i n hat soeben einen neuen Weltrekord im freien Absprung mit nicht geöffnetem Fallschirm aufgestellt. Er sprang aus einer Höhe von 2 500 Meter aus dem Flugzeug, ohne den Fillschirm zu öffnen, ließ sich 2200 Meter fallen und öffnete den Fallschirm erst nach 41 Sekunden in 300 Meter Höhe über dem Erdboden, worauf er wohlbehalten landete. Lar größte Flugzeug der Welt. Im hydrodynamischen Zentralinstitut in Moskau wird jetzt das größt« Flugzeug, der Welt, ART—20, gebaut. Das Flugzeug ist ein Ganz Metallflugzeug, das sur 70 bis 75 Personen berechnet ist. Es wird u. a. auch 24 Schlafplätze und alle Bequemlichkeiten für Langstreckenflüge enthalten. Vorgesehen ist eine Geschwindigkeit von 200 Kilometern in d«r Stund«. Da das Flugzeug große Brennstoffvorräte wird an Bord nehmen können, wird es ohne Zwischenlandung gewaltige Entfernungen zurücklegen können. Llehuag der C 1. Ziehungstag. 150-000 K: 98.879. 20.000 K: 79.571, 10.000 K: 10.410, 55.810, 83.212. 5000 K: 10.754, 49.059, 54.209, 69.813, 76.214, 83.197, 2000 K: 2.322, 5.886, 9-291, 18.076, 18.468, 21.807, 24.015, 26.408, 29.216, 29.533, 40.726, 47.160, 51.052, 52.578, 54.364, 56.008, 57.126, 61.166, 66.921, 71.261, 77.595, 79.926, 80.028, 82.700, 84.766, 85.130, 90.095, 95.064, 100-302, 101.026, 102.908, 104.868. 1000 K: 2.978,‘ 6.676, 8.653, 10.901, 20.233, 20.354, 27.464, 31.349, 33.859, 34.031, 44.284, 52.664, 54.138, 59.052, 71.904, 73.875, 74.156, 75 014, 77.633, 81.154, 83597, 85.511, 88.962, 90.146, 94.699, 101.651, 104.461 Kapitalismus, der nicht versagt hat. wenigen Jahren hat die Wirtschasts-„Ord- nung" des Kapitalismus die Produktionsstätten in der ganzen Welt in eine Wüste verwandelt, zehntauscnde Betriebe stillgeleifl sind Millionen Menschen arbeitslos auf die Straße geworfen. Nur einige Oasen hat sie bis heute erhalten und eine Industrie in Blüte gebracht, die demnach der herrschenden Klasse als die wichtigste und aussichtsreichste erscheint: die Rüstungsindustrie. Die großen französischen Rüstungswerke Schneider in Creuzot weisen im vergangenen Jahre — nach allen Abschreibungen und Investitionen— einen Reingewinn von mehr als 23 Millionen Franken aus und sie zahlen ihren Aktionären 25 Prozent Dividende. Die englisch«/ Waffenfabrik Pickers arbeitet mit Hochdruck bei Tag und Nacht, ihre Aktien steigen von Tag zu Tag. Nicht anders ist es bei den anderen Betrieben, die die Werkzeuge für den nächsten Krieg vorbereiten. Planmäßig fördern ihre Vertreter in allen Staaten jede Bewegung, die den Haß der Völker gegeneinander aufzustacheln bereit sind, liefert das Rüstungskapital des einen Landes dem Zukünftigen Gegner im Krieg nicht nur Waffen gegen die eigenen„Volksgenossen", sondern auch die Argumente, mit welchen die Kriegsstimmung erzeugt werden soll. Wäre das möglich, wenn nur das Geschäftsinteresse der kleinen Schichte der Waffenlieferanten es erforderte? Das Wachstum der Rüstungsindustrie ist das deutlichste Zeichen daftir, daß der Kapitalismus— nach einer kurzen Unterbrechung nach dem Weltkrieg— im Krieg wieder den Ausweg aus der Sackgasse, in die er geraten ist, sucht nnd sich wieder zu dem alten Grundsatz zu bekehren beginnt: Ter Krieg ist das beste Geschäft. Die Lehre, daß es im Kriege nur Besiegle, keine Sieger gibt, wird' vom Bürgertum langsam, aber sicher vergessen. An ihre Stelle treten, gerne gehört vom Klassengegner der Arbeiterschaft, die' Parolen der Schrittmacher des neuen Kieges, der Hakenkrenzler in Deutschland, der nationalistischen Bewegungen in den andern Staaten: Der Marxismus ist schuld. So schließt sich der Ring. Um Profite machen zu können, sucht der Kapitalismus den Krieg. Um Krieg führen zu können, braucht er die naiionalistische Verblendung der Massen. Um dies« zu erreichen, mutz er die Macht der sozialistischen Arbeiterschaft brechen. Schneider und Vickers erhöhen ihre Dividenden, wenn Hitlers Macht steigt. Die Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus ve« Programme«. Donnerstag: Prag: 6.15: Gymnastik. 11: Schallplatten. 18.2s! Trutsche Sendung: Dr.Moucha: Reu« Büch«. — Brün«: 16.10: Lrchesterkonzert. 18.25: Steiner- mayr: Don neuen Büchern. 19.25: Chromatische Harmonika.— Möbr.-Ostrau: 18.30: Deutsche Sendung: Tr. Haas: Zum 50. Todestage Kack Marx'. 19.40: Populäres Lrchesterkonzert.— Berlin: 16.30: Streichquartette. 19.50: Schubert.— Breslau: 19.30: Volkstümliches Konzert.— Mühlacker: 19.35: Mandolinenkonzert.— Hamburg: 21.30: Wilhelm Busch.— Königsberg: 21.10: Meister ihres Fachs. — Leipzig: 19.30: Volksmusik..— München:• 20: Orchesterkonzert.— Wien: 15.35: Brahms: Solo- quartett« Die Arbeitsmarktberichte, die seit mehr««» Wochen an jedem Mittwoch in der deutschen Arbei t«rsendu ng des Prager Rundfunks veröffentlicht werden, zeitigen— ganz abgcsthen von ihrer informativen Bedeutung— anerkennenstverte praktische Erfolge. Die Progranunleitung der Teutschen Arbciterscndung ist bereits mehrmals durch Zuschriften davon verständigt worden, daß dir Be- kanntgabe der(jetzt natürlich leider sehr spärlichen) freien Posten durch den Rundfunk ihre Frücht« trägt und wenigstens einigen wenigen Menschen rasch zur Erlangung eines Arbeitsplatzes verhilft. Arbeiterschaft wird es mit ihrem Blute bezahlen, wenn sie sich nicht rechtzeitig der Agenten der internationalen Rüstungsindustrie erwehrt. Eine dritte Bank im Reichenberger Gebiet stellt ihr« Zahlungen ein. Wir haben bereits über zwei Bankunternehmungen im Reichenberger Gebiet berichtet, di« zahlungsunfähig geworden sind. Es sind dies di«„Ank«rbank" und die Friedländer Bankgesellschaft. Dazu kommt nun, wie der„Freigeist" mitteilt, eine dritte, nämlich di«„Deutsche Hous- und Grundbesitzcrkaffe" in Reichenbcrg, di« um ein Moratorium ansucht. Die Abhebungen von Spareinlagen haben sich in der letzten Zeit derart vermehrt, daß— wie die Bank angibt— im Interesse der ruhig gebliebenen Einleger die Zahlungen eingestellt werden mußten. Di« Schuld an den Abhebungen wird der Angst der Einleger vor Verlusten zugeschrieben. Di« erwähnte Bank ist erst nach dem Krieg gegründet worden. Die Spareinlagen betrugen Ende März 1932 über 17 Millionen Kronen und 1931 erzielte di« Bank noch einen Reingewinn von 390.846 Kronen Aus diesem wurden 8 Prozent Dividende ausgeschüttet. Nächtlich« Einbrecherjagb in Pardubitz. In der flacht auf Dienstag wurden m Pardubitz fünf Einbruchsversuche gemacht, di« allem Anschein« nach von den gleichen Tätern anS- geführt wurden. Jn cher Zart von 11 bi« 3 Uhr versuchten sie in verschiedenen Stadtteilen zwei Kynsu'nie,«in Tabakhauptlager, ein Konfektionsgeschäft und einen Juwelierläden- ouszurauben. In zwei Fällen gelang es ihnen nicht, dir Hindernisse zu überwinden, in-en übrigen Fällen wurden di« bereits in di« Gebäude-eingedrungenen Täter ausgescheucht. In die Kanzleien drangen sie durch die Türen, Fenster und Lichthöfe ein, doch konnten sie nichts entweichen, verursachten jedoch Schaden an den Einrichtungen. Die Einbrecher wurden von-er Polizei und-en Wächtern der Schlscßgesellschast verftügt, doch verschwanden sie in-em undurchdringlichen Nebel. Die Täter dürsten zwei Männer sein, welche höchstwahrscheinlich um 3 Uhr früh mit dem ersten Zug in der Richtung nach Prag abveisten. Ei« Schmuggler zieht di« Schuhe ans... Aus P r« ß n i- wird uns geschrieben: In nächster Rahe der Grenze bei Jöhstadt bemerkte« sächsische Hilfspolizisten einen Mann, der mit einem großen Rucksack die Grenze überschritt und ein so auffälliges Gebaren zur Schau trug, daß die Beamten mit einiger Sicherheit anzu« nehmen glaubten, es mit einem Schmuggler zu tun zu haben. Sie riefen ihn an, worauf der Mann tödlich erschrocken die Flucht ergriff, von den Sichcrheitsorganen verfolgt. Während deS Wettlaufes warf der Verdächtige den Rucksack von sich und benützte di« wenigen Augenblicke, Ns' denen sich die Beamten mit dem Inhalt deS Rucksackes— es handelte sich um mehrere Ringe böhmischen Pfeifentabaks— beschäftigt, sich schnell auf die Straße niederzuhocken, die Schuhe von den Füßen zu ziehen und dann die Flucht in Strümpfen fortzusetzen, wohl deswegen, weck der Mann annahm, auf dies« Weise schneller vom Platze zu kommen. Der in weit ausholen- den Sprüngen dahinjagende Schmuggler, unter dessen so wenig goschützten Füßen der aus Schnee und Schmutz gebildete nasse Kot nur so aufspritzte, bot für die ihn verfolgenden Polizisten einen außerordentlich grotesken Anblick, der ss« freilich nicht hinderte, dem Unglücklichen in gleichem Tempo nachzujagen mit dem Erfolg, daß sic ihn knapp vor der Grenzlinie erreichten und festnehmen konnten. Der Mann, der angab, ei« arbeitsloser Maurer zu stin, hatte keinerlei Ausweis bei sich und wurde in völlig erschöpftem Zustande und vor Kälte und Nässe zitternd de« Zollbehörden übergeben, während der in Sachse« so begehrte böhmische Tabak der Beschlagnahme verfiel. Postbeutel mit 39.900 Mark gestohlen. Beim Verladen von Geldsäcken vor dem Hauptgebäude -er städtischen Sparkasse in Köln sind Dienstag vormittags zwei Geldbeutel mit insgesamt 39.000 Mark gestohlen worden. Der Tot-ringend verdächtig ist ein Gel-Mer der.Kassa, der geflüchtet ist. Die Kriminalpolizei hat all« Maßnahme« zur Ergreifung deS Täters eingeleitet. 9t. 87 Mittwoch, 8. März 1988 Sette 3 Naturalisiertes Eintrittsgeld. Die in de» De reinig tetr Staaten ausgebrochene «inanzkrise har auch i hre komische Seite. Die Veranstalter eines Ringkampfes in New Hark?n_ freiem Stil erklärten Montag, daß an den Kossen der Eintritt auch in Form don Gegenständen des Hausgebrauchs und von Kaufmannswaren entrichtet werden kann. In der Tat verwandelten sich die Kassen und die anliegenden Räum« in ein Warenlager. Ter Saal, wo die Ringkämpfe stattfanden, war bis auf den letzten Platz ausverkauft. Hitlerismus in Oesterreich. In Wien und anderen österreichischen Städten veranstaltete» Montag die Nationalsozialisten anläßlich der deutschen Wahlen Siegesfeiern und Fackelzüge. An einem Fackelzug in Innsbruck nahmen auch 38 reich-italienische Fafcisten in Hitler- Uniform teil, die mit einem Auto nach Innsbruck gekommen waren. Nach dem Innsbrucker Fackelzug gab es kleinere Zusammenstöße zwischen den Nationalsozialisten und Heimlvehrleu- ten. Einige Personen wurden verhaftet. Strnerzahlr stürmen«in Rathaus. In der Stadt Lincoln unsveit von Bunos Aires unternahmen Montag eine Gruppe von 200 erregter Steuerzahler einen Angriff auf das dortige Rathaus und besetzt« all« Aemter. Die Steuerzahler wollen di« Aufnahme von Arbeiten zur Neupflasterung der Straßen, tvelche sie für zu kostspielig hallen, verhindern. Polizei war vollkommen ohnmächtig. Das Rathaus blieb in I den Händen der Steuerzahler. Hochwasser in England. Obwohl der Wasserlauf der Themse wieder verhältnismäßig ruhig ist und alle umliegenden Wege bis auf geringfügige Ausnahmen wiederum gangbar sind, haben di« Montägigen Regengüsse die Gesamtsituation neuerdings wesentlich verschlechtert, besonders in der Grafschaft Horkshire, wo die Flüsse Ous«, Wharf« und Derwcnt aus den Ufern traten. Einige kleinere Ortschaften wurden überschwemmt Und der Zutritt zu ihnen ist nur mittels Booten möglich. Prauec-Msdiaii. Sklavinnen in Hongkong. Kaum irgendwo anders steht der Handel mit Weilblichen Sklaven so in Blüre wie in Hongkong. Tort werden Tausend« von Kindern und.jungen Mädchen regelrecht verkauft und sind dann wirkliche Leibeigen« ihres Besitzers. Das begann schon vor etwa hunderr Jahren. Damals siedelten sich viel« Chinesen hier an und brachten«in« große Zahl junger weiblicher Sklaven mit, die st« auf dem Festland gekauft hatten, wo di« Eltern di« Kinder veräußerten, damit st« nicht Hungers sterben sollten. Dies« verkauften Kinder bekamen keinen Lohn, hatten keine Rechte und wurden nach allen Richtungen ausgenutzt Man weiß von Fällen, wo sechsjährige Kinder. alle Arbeit für ein« ganze Familie tarrn und auch di« Waich« besorgten, ja selbst dir Säug- li«ge nachts überwachten. Jung« Mädchen, di« an öffentliche Häuser verkauft wurden, versuchten Selbstmord zu begeben. Lief«ln Mädchen, das di« Grausamkeiten nicht mehr ertragen konnte, seinem Besitzer davon, so wurde es von der Polizei aufgegriffen und zurückgebrach!. Erst im Jahr« 1880 ist <(tiK größere Bewegurrg eingel«it«l worden, um diesen unhaltbaren Zuständen ein End« zu machen. Daraufhin erließ di« englisch« Regierung ein Verbot, noch fernerhin Sklavinnen noch Hongkong zu bringen; die dort befindlichen mußten nach der neuen Berorduung Lohn bekommen, und ein Weiterverkauf wurde verboten. Jede Sklavin, die ihren Besitzer zu verlass«» wünschte, bekam di« Freiheit ,di«s zu tun. Aber mit diesem Verbot sind di« Zustände noch kei- »eSwcgS geänderr, denn die Strafen sind so geringfügig, daß st« von der Zuwiderhandlung«ich; abschrecken. Hongkong har ein« chinesisch« Bevölkerung von etwa 600.000 Menschen. Fast all« halten«in« solche Sklavin. Das bedeutet also, daß etwa 20.000 Sklavinnen dort vorhanden sein müsten. von denen aber nur M00 gemeldet sind. Di« anderen werden zum Teil als Richten und Kusinen eingeschmuggelt, und es ist sehr schwierig, hier Wand«! zu schaffen. Halsfrei— gesund. Ein Münchener Arzt weist darauf hin, daß di« Kleidung des Menschen nicht fest anliegen soll, sondern los« sitzen muß. Die Frauen kleiden sich viel vernünftiger als di« Männer, besonders in bezug auf Len Halsausschnitt. Der Körper braucht Luft, und die Luftzufuhr wird gehindert, wenn alle Ausweg« versperrt werden, wi« es zum Beispiel durch enge Kragen und enge Aermelmanschetten geschieht. Ter Münchener Arzt gibt-en Männern deshalb den Rat, ihre Kragen eine Nummer weiter als bisher zu wählen, er glaubt mit Sicherheit«in« besser« Gesundheit garantieren zu können. Di« Frauen aber sollen bei ihren halsfreien Kleidern bleiben und sich nicht etwa durch die Mode verleiten lassen, dies« ge- sundheitsmäßig vernünftig« Kleidung aufzugeben. Ein Klub als Revue-Aut«. In London hält sich ein« junge Schriftstellerin auf, di« mit ihren Erfolgen insofern einen Rekord aufgestellt hat, als sie st« in ungewöhnlich jungen Jahren erzielte. Mit siebzehn Jahren nämlich schrieb sie«ine Revue, di« fi«„Weg der Welt" betitelt«. Sie wurde mit größtem Erfolg in Toronto herauS- gebracht. Diese Revue war in ihrer Gesamtheit ihr eigenes Werk, denn sie hat nicht nur den Text geschrieben, sondern auch die Musik. Di« junge Künstlerin, es handelt sich um Maureen O'Mara, war übrigens schon als kleines Kind wegen ihrer musikalischen Begabung bekannt, und zwar konnte sie mit zwanzig Monaten schon sieben verschiedene Lieder von Anfang bis zu Ende singen, also in einem Alter, da di« meisten Kinder erst notdürftig sprechen können. Klavier hat sie seit Vollendung ihres zweiten Lebensjahres gespielt. Pra^ 7. März. Ein« tüchtig« Geschäftsfrau ist die 27jährige Witwe Mari« Z«IenF in Smichov, di« das Kohlengeschäft ihres verstorbenen Manner auf treffliche Weis« weiterzuführen wußte. Sie hatte zwar weder ein Kohlenlager, noch irgendein. Fuhrwerk zum Zufahren.der Kahlen an ihr« Kunden. Sie war nicht so dumm, sich mit.über- flüffiger Regie zu belasten. Sie begnügt« sich damit, einen entsprechenden Gewerbeschein zu besitzen und schloß im übrige« einen Pakt mit der Kohlenfirma Tomas Musik, di« di« Kunden der ZelenF bedient«. Nämlich in der Art, daß die ZelenL di« Aufträge, di« sie«rhielt, telephonisch an di« Firma Musik weitergab. Dies« Firma stellt« dann das Führwerk'bei, fertigte auch auf Grund der telephonischen Aufträge di« Kohlensuhren ab und fakturierte di« Lieferschein«. Roch außen hin aber figurierte die Frau Z«l e n f als Lieferantin. Di« betriebsame Frau kam bald darauf, daß man auf solche Weis« zu hübschen außertourlichen Verdiensten kommen könne. Si« meldete der Firma Musik telephonisch stets«ine geringer« Meng« Kohl« an, als di« Kunden bestellt hatten, Di« Lieferschein«, die der Kutscher ihr vor der Ablieferung an die Kunden zur Neberprüfung überbracht«, f äl s ch t e fi« dann geschickt auf di« tatsächlich bestellte Menge um und ließ sich von der geprellten Kundschaft den gefälschten fakturierten Betrag bezahlen, während sie der Firma Musik nur" die tatsächlich geliefert« Kohl« honoriert« Di« Ab- nehmer Ahlten also drauf, denn si« erhielten stets einige Zentner weniger geliefert als sie l Richard-Hall! Sensationell! Spannend! Aufregend! Einlkirt 1 Dollar! ES lädt herzlichst ein di« Richard-Gemeinde/ An dem angokültdigten Abend war die Richard- Hall gesteckt voll. Tausende hatten wieder fortgehen müssen. Tausende ivarteten auf der Straße, um den berühmten englischen Schriftsteller tvenigstens«in- mal sehen zu können. Punkt acht betrat Pfarrer Pirchpine das Vortragspult und sagte:„Ladies and Gentlemen, hier scheint ein Mißverständnis vorzuliegen. Biele von Ihnen scheinen anzunehmen, daß Bernard Shaw heute selber spricht. Diese sind im Irrtum. Der Redner des Abends bin ich. Mein Thema lautet: „Bernard Shaw über das Christentum." Ich habe lediglich aus Bescheidenheit meinen Namen nicht mit auf die Plakat« setzen lassen..." Da stand das Publikum auf wie rin Mann. Und verließ schnurstracks die Richard-Hall. Der Vortrag mußte vor zwei Saaldienern und einer älteren Dame gehalten werden, die jedoch leider laut schnarcht«. Aber was tat das: Di« Richard-Gemeind« hatte an diesem Abend 3729 Dollar eingenommen. * Freudiges Ereignis. Eins der berühmtesten Jmproptus der englischen Theatergeschichte wird in der Chronik des Haymarket-Theaters erzählt. Das Publikum hatte schon eine halbe Stund: vergeblich auf den Beginn des Stückes gewartet und fing an, Zeichen der Ungeduld von sich zu geben. Da trat schwcißbedeckt und mit schmutzigen Schuhen der Schauspieler Einery vor den Vorhang, verbeugte sich und sagte:„Meine Damen und Herren! Dies ist das erstemal in meinem Leben, daß ich mein Publikum um Entschuldigung bitten muß. Meine Frau ist vor einer Stunde sehr krank geworden, und ich mußt« einen Doktor holen." Während der Aufführung hatte ein Mtfpieler Emery zu fragen:„Haben Sie ein« Frau?" „Ja", war Emerys Antwort. bestellt halten und bezahlten doch di« voll« Fuhr«. Bei„normalen' Fällen betrug das Quantum, um welches die Kunden begaunert wurden, 2 bis 10 Zentner pro Fuhr«. Bei größeren Lieferungen aber fielen fette Verdienste ab. So wurde z. B. der Ver- sicherungsgeiLllschrfi„P r a ha"'auf solche Ars um 20.000 IC weniger. Kohle geliefert, als fi« bezahlen mußt«. Das Studentenheim in By.sehrad wurde um 16.000 K geprellt ustv. Wi« kann auch der Kohlenabnehmer'kontrollieren, ob ihm tatsächlich das bestellte Quantum geliefert worden ist?. Und tatsächlich hält« das sauber« Geschäft noch unabsehbar lang« Zeit weitergehen können, wenn nicht einer der Kutscher der Firma Mniik auf di« Kniffe der tüchtigen Händlerin gekommen wäre. Er wollt« dies« Kenntnis zunächst zu einer kleinen Erpressung auSnützen. Als dies fchlfchlug, zeigt« er die Sache bei der Staatsanwaltschaft an. Natürlich auch zu eigenem Schaden, denn er wird nun separat wegen des Verbrechens der Erpressung verfolgt. Aber wenigstens hatte er die Genugtuung, die ehrengeachtete Händlerin auf der Anklagebank zu sehen. 137 solcher Fälle sind ihr nachgewieseu— ein Bruchteil der gesämten Gaunereien, wie di« Anklageschrift betont, weil es einfach unmöglich war, all« Geschädigten festzustellen. Der Bruchteil des Schadens, der nachgewiesen ist, beläuft sich bei vorsichtiger Schätzung tntf nahezu 63.000 Kronen! Ter Senat des OGR. Hlousek verurteilt« di« Angeklagte zu einer unbedingten K e.r k« r- strafe von sieben Monaten.- rb. prangten vor mit der Auf- „Kinder?" Anstatt nun, wi« oorgeschrieben„ja" zu antworten, sagt« Emery leise:„Heute morgen hatte ich zwei— jetzt habe ich drei.", Das Publikum verstand»ich überschüttet« den Hetterer. Eft» lohnender Trick. In einer amerikanischen Stadt längerer Zeit überall plötzlich Plakat« schrift:„Großer Bortrag in der Richard-Hall. Sen sationelles Ereignis! Bernard Shaw über das Christentum! Di« Meinung des weltberühmten! Autors über di« Religion. Kommt in Massen zur«glückliche» Vater mit Beifall. WWIMWMilWMWIMWWIIMßWIWIWW!I!IWsI!!WWIII>IWWIWIIWWIIili>IIIWWIIIIIWWIIWMWWIMIWWWUWIM!!I Diebstahl am Kunden. Die Gaunereien einer Kohlenhändlerin. Ais Lehe«»ch To». In den Z.itung.u ist nick» weiter hie Rede davon gewesen, daß der Graf Ballor, letzter Sproß einer der ältesten französischen Familien auf lehr merkwürdige Art ums Leben gekommen ist. Toch so, wie mir die Geschichte erzählt worden ist. verdient sie. nachträglich verbreitet zu Werren, weil si« einen beispielhaften Sinn «nthält. Al'o: wie immer stand der Calaft-Cxpreß m Varis zur Absahrt bereit, lieber den Bahnsteig stürzten di« letzten Passc^wr« und suchren sich ein Abteil. Da nähen« sich eine Gruppe von drei, vier Herren der Lekomotwe, einer riesigen, achtaeosigen Paet' guemascyine neursrcr Bauart. Voran schritt d:r Bahnhofsvorsteher; ihm sorgt« Graf Ballor, eine kleine-Handtasche tragend. Ter Bahnhofsvorsteher re chtc dem Loio'uonvtührcr eine Anweisung deü Ministeriums daß Graf Ballor hemr de» Exgrcßzug bis nach Calais-Maritimes;u führen stabe. Weder der Lokomotivführer Nicoel noch der Heizer konnten sich erklären aus welchem Grunde ein Gral den Ermeß lükren'ollte Doch Zeit znm Fragen war nicht geg.ben. Schon fchwsno sich der Gmf anf die L.kv'not've, und in -er Halle ftelcn d e drei Schläge als Zeichen zur Abfahrt. Gras Ballor schien sich in der Bedienung einer Lokomotive genau anSzukenuen: ein Ruck em Regulator; der Tawv' sch ß in dte Zylinder, d'e Kolben begannen'N gleitet!. d:r Erpreß fuhr an. Niceel stand untätig hinter dem Grafen und und verfolgte achtsam Hessen Handgriffe; der H?:zcr hatte zu tun. Di« ganze Zeit hindurch wagte Niceel kein« Frage an den Grafen zu richten. obgleich er gern gewußt hätte, was dieses Unternehmen zu bedeuten hatte. Was hatte es zu bedeuten? Niemals hätte Graf Ballor dem Lokomotivführer mitgeteilt, daß es sich ganz einfach um einen Rekord handelte. Niemals hätte er verraten, daß er um seiner 'Passion willen, Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen, bis znm Minister vorgedrungen>var und diesen gebeten hotte, ihm ein cinzigesmal den Expreß nach Calais anzuvertrauen, Niemals hätte er zugegeben, daß er von einer modernen Schnell- rugSlokomotioe so gut wie nichts verstand- ein Mechaniker in den staatlichen Werkstätten hatte ihm die nottvendigstcn Griffe beigebracht. Und nun ließ er den Expreß mit Volldampf los! Ter Zug bog brausend in die scharfe Biegung zwischen Chantilly und Creil. Ter Graf drückte de.. Hebel nicht einen Zentimeter zur Seite, um mit höchstens vierzig Kilometer Geschwindigkeit in die Kurve zu gehen. Er stand unbetvcglich am Ausguck, den Blick starr auf die Strecke gerichtet. Mit achzig Kilometern Ge- 'chwindigkeit verließ der Zug die Kurve. Niceel wurde unruhig. Wieder ging der Zug in ein« Kurve. Die Räder knirschten schreiend. Ein unheimliches, drohendes Zittern bebte durch die Maschine. Neunzig Kilometer las.Niceel ab, und Bangigkeit beschicd ibn sekundenlang. Ein Stationsgebäude flog heran. Häuser- aruppen flitzten vorbei. Der Zug jagte in die Station, daß die Weichen krachten.„Clermont," dachte Niccel und sah auf die Uhr. Man war eine Viertelstunde im Vorsprung. Ich» mußt« die große Kurve kommen! Gleich... Hundert zeigte der Geschwindigkeitslmsser! llnd di« Kurve kam. Als wollte sich die Maichine aufbäumcn, so rast« sie gegen di« Biegung... und durchfuhr sie doch! Graf Ballor befahl dcnr Heizer, Kohlen nachzuschütten. Der Heizer gehorchte, wortlos, Nicoel sah zu, schweigend. Wie von der Peitsche getroffen, hetzte die Lokomotive weiter. Auf Biegen oder JBredwn raste der Zug die Strecke hinunter. Graf Ballor genoß im füllen schon den Triumph, einen Weltrekord ausgestellt zu haben. Hundertztvanzig zeigte der Meßopparat. Himdert- dreißig. bnndertvierzig mußten es werden! Aber da trai plötzlich Niceel auf den Grafen zu und schrie ihm ins Ohr:„Zug Nummer drei ist anf der Streck«! Nummer drei, elf Uhr sechzehn von Abbeville abgefahren—!!" Graf Ballor ließ sich nicht stören. Hundertdreißig mußt« jetzt fällig werden.„Nummer drei... vor uns!" schrie;um letztenmale der Lokomotivführer.„Bremsen!... Dampf weg!!" Grab Ballor rührte sich nicht. Es ging inu Sekunden. Niceel wußte, was er zu tun hatte. Er riß dem Grafen den Regulator aus der .Hand. Ter Graf griff einaensinuig wieder zu. gab Volldampf— da schlug ihn N-ceel mit der Fcnist nieder. Eine Stunde später fuhr der Erpreß fahrplanmäßig in Calais-Maritimes ein. Nfrcel ließ sich Verbasten. DaS Schwurgericht sprach ihn frei. Unter dem neuen Minister trat er den Dienst auf der Strecke Paris Nteza an. Soin- Geschichte war bisher nur wenigen bekannt. Marim. GeneHenl draoffianett! ön Je6er Betriebsversammlung, jeftee Gewerkschaftsversammlung, jeder Genossenschaftsversammlnna. jtBn Wählerversammlung, «teer Frauenversammlung, jeder politische» Versammlung, jeher Versammlung oder Sitzung eine: proletarischen Organisation sonc Ihr für di, MMutMi MtkiM intensivste Werbearbeit leisten Volkswirtschaft und Sozialpolitik Protestkundgebung der Bank angeftellten gegen die Kreditanstalt der Deutsche« In Aussig findet am 10. Diärz eine Protest- kundgebung des Verbandes der Bonk- und Spar- kasseubcamten in der 6SN. statt, welche sich gegen die empörende Personalpolitik der Kreditanstalt der Deutschen richtet. Der Verband hatte sich an die Leitung des genannten Instituts mit der Forderung getvendet, die im zweiten Halbjahr 1932 geleisteten Bilanz- und sonstigen bisher noch nicht vergüteten Ueberstunden ebenso wie in Hinkunft die zu leistende Mehrarbeit nach den in delt Bankinstituten üblichen Ucberstundensätzen zu honorieren und nicht mehr, wie bisher,«in« ungenügend«, mit der Arbeitsleistung nicht im Einklänge stehende einmalige Entschädigung auszuzahlen. Gleichzeitig Hat der Verband darauf aufmerksam gemacht, daß di« anläßlich, der Auszahlung dieser„Entschädigung" der Beamten vorgelegten Reverse, laut welcher sich dieselbe für ihre Mehrarbeit zur Gänze befriedigt erklären muß, unzulässig sind und«ine Ausnützung der Zwangslage der wirtschaftlich Schwächeren dar- stellt. AuS diesem Grunde wurde davor gewarnt, anläßlich des nunmehr fälligen Bilanzgeldcs diesen bisher geübte« Zwang der Beamtenschaft gegenüber neuerlich in Anwendung zu bringen. Die Forderung der Beamten nach Regelung der Arbeitszeit, Bezahlung der Ueberstunden und Ausschaltung jedweden unerlaubten Druckes ist mehr als berechtigt, das diesbezügliche Material wiä> manches schier Unglaubliche an den Tag bringen und den Beweis liefern, welcher Methoden sich ein auf fein GenosscnschaftSsystcm fo stolzes deutsches Unternehmen gegenüber seinen deutschen Angestellten bedient. Es wich einen wertvollen Beitrag zur Moral dieser Geldunternehmung liefern," ans dem zu ersehen sein-wird: wie sich die Kreditanstalt-er Deutschen auf Kosten ihrer versklavten und entrechteten Angestellten die Wirtschaftskrise zunutze macht. Wie recht-er Verband mit seinen Behauptungen hat. das zeigen-i« Arbeitsdcrhältnisi« in der Filiale der Kreditanstalt-er Deutschen in Aussig, das zeigt insbesondere der Verlauf der letzten Bilanzarbcit, der zu emem wüsten Arbeitssystem geführt hat, dem schließlich die BezirkSbehörde ein End« bereitet«, indem sie den leitenden Beamten zu einer Geldstrafe von 2000 Li, im Fall« der Uneinbringlichkeit zu einer Arrcststrafe in der Tauer von drei Monaten verurteilte. Di« zweit« Instanz hat die Entscheidung der ersten Instanz bestätigt. Die Kundgebung der Angestellten am 10. Marz in Aussig wich einen leidenschaftlichen Protest gegen di« unerträglichen Verhältnisse bilden, unter denen di« Angestellten der Kreditanstalt der Deutschen arbeiten müssen Um die 30'5tundenwome in Amerika. Dom Senat der Bereinigten Staaten wurde ein Unterausschuß eingesetzt, der kürzlich über einen Gesetzentwurf betreffend die Durchführung der Fünftagewoche und des SkchSstundentages in allen Industrien zu verhandeln begann, deren Erzeugnisse im zwischenstaatlichen Handel abge- setzt werden. Der Zweck des Gesches besteht nach dem Antragsteller Senator Black darin, scheu zwischenstaatlichen Handel für ungesetzlich zu erklären. wenn die Waren aus irgendeinem Bergwerk, Steinbruch, einer Dinner,ei. Konserven- fabrik, Werkstatt. Fabrik- oder Gewerbebetriebe in den Vereinigten Staaten stammen, der länger als füns Tage in der Woche oder sechs Stunden täglich" arbeitet. Senator Black fiihrte auö, daß er nicht wisse, welcher Produktionsanteil durch dreie Maßnahmen betroffen würde, aber nach seiner llebor- zeugung dürfte er ziemlich groß sein, Ter Gesetz enttvurf würde zur Folge haben, daß mehr Arbeiter in jedem Industriezweig beschäftigt würden, dessen Absatzgebiet außerhalb der Grenzen des Bundesstaates läge, in dem er selbst seinen Sitz habe. Gewisse Schwierigkeiten bereitet di« yer- rassungsmäßigc Zulässigkeit eines loschen Gesetzes. Das Staatlich« Bodenamt ist eben im Begriff.', «in« Dpe;ialabte>lung zur Unterstützung' derjenigen zu errichien. die Boden zugcteilt erhielten. Ihre Ausgade wird«S fein, der wirtschaftlichen Lage bei neuen Vodenerwerber, di« von der Krii« betroffen wurden, systematische Aufmerksamkeit zuzuwcnden »nd sowohl im allgenreinen als auch in konkreten Fällen die Ursachen ihrer Schwierigkeiten zu pküsti; Anf Grund der gewonnenen.Erkenntnisse dick' HilsSabteilung wird daun das Staatliche Bokena'n; die geeigneten Maßnahmen treffe», inn den Falgeu der herrschenden Krise unter den Bobenerurerder auf das wirksamste entgegen;n treten. Tie neue Akueilung ist der IV. Tektion angegliedert und iräg! die Bezeuhnung IV/6.«Amtlich.) Seite 6 Mttwoch, 8. März 1933 Ar. 57 Der internationale Frauentag in Prag findet gemeinsam mit den tschechischen Genossinnen t§ PRAGER ZEITUNG Vorirape unfl Veranstaltnnnen Sport* Spiel* Korperpllefle Kunst und Wissen Vereinsnadiriditen Aus der Partei die Aussteller schon im voraus mit einer sichergestellten Devisenzuteilung rechnen können, also das frühere Unsicherheitsmoment wegfällt, erwartet man eine günstige Erledigung des Vorschlages. Auskünfte über das Dcviscnverfahren anläßlich der Frühjahrsmesse erteilt das Devisenreferat der P. M. M., Prag VII-, Meffe- palast. Deutschen sozialdem. Arbeiterpartei Freitag, den 10. Mär; 1933, um acht Uhr abends> im großen Saal« des Gewerkschaftshauses Prag I„ Bergstein Jugendbewegung. Freie Bereinigung soz. Akademiker. Heute Mittwoch, halb 7 Uhr, Ausschußsitzung. Erscheinen aller Funktionäre Pflicht.— Arbeitsgemeinschaft „Bert Brecht": Heute, 22 Uhr, Cafe„Continental", Hintergebäude, 2. Stock Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker.— S. I. II. Genosse Dr. Siegfried Bcrnfeld(Wien) hält einen dreistündige» Lehrkurs„Praxis der Psychoanalyse" für Aerste Pädagogen unb Studenten ab. Samstag, den 18. März, um 17 Uhr, uud Sonntag, den 19. Mär;, um 10 Uhr..Ort: Heim der Bereinigung(I., Bartolvmejska 14). Anmeldungen erforderlich an Genossen Dr. Richard Karpe, ll., Truhladska 20, Fernruf 60684. Siegesfeier woge« Erscheinen des Feindes abgesagt. Montag abends sollte im Lrsesaal des völkischen Studentenvereins„Germania"«ine Siegesfeier der Nazistudenten stattsinden. Da die Nazis jeder sachlichen Auseinandersetzung ausweichen, beschlossen einige sozialistische Studenten, sie in ihrer eigenen Höhl« zu stellen, die wahrlich keine Löwenhöhl«, sondern eher eiu Hasenschlupfwinkel ist. Das Erscheinen von zwölf sozialistischen Studenten, die nichts wollten, ass einen Nazwortrag hören und einiges dazu sagen, veranlaßte di« tapferen Teutonen zu einer» sozusagen strategischen Rückzug. Sie beteuerten, daß weder ein Vortrag, noch eine Feier stattfände. Von den Flugzetteln, die dazu für Montag 20 Uhr in di« „Germania" einluden und di« Sonntag und Montaa mittags in der Mensa verteilt worden waren, wollten sie nichts wissen. Auf den sicher nicht unberechtigten. Einwurf eines Genossen, es scheine so, als hätten die tapferen Harzburger Angst, erwiderte ein gowifsec Herr Utschik-Dietrich, der sich als Vorstandsmitglied der„Germania" vorstzlltc, sie hätten keine Ursache, einer Diskussion mit Sozialisten auSzu- weichen. Daß ihnen hierzu noch wirklich Gelegenheit gegeben werden wird, darauf können sich die Herrschaften verlassen. Di« sozialistischen Studenten gaben sich damit zufrieden, durch ihr bloßes Erscheinen di« Nazis zum Verleugnen ihrer eigenen Versammlung gezwungen zu haben. Dem: daß es so und nicht anders war, beweisen nicht nur die verteilten Flugblätter, sondern auch die Tatsache, daß am Anschlagszettel der Nozistudenten im Studentenheim in der Krakauergasse um 19.45 Uhr noch«in« Einladung zur„Totenfeier der deutsch«» Republik" pickt«, um 19.55 Uhr aber bereits entfernt wari Bezirksorganisatton Praß der Internationale Gerätemettkämpfe in Prag. Am Sonntag, den 12. März, um halb 9 Uhr vormittags findet im großen Radio-Saal in Weinberge zum.erstenmal ein internationaler Gerätewettkampf im Arbeitersport statt, der von dem Verband unserer tschechischen Turngcuossen v«ranstaliet wird. An diesem Wettkampf sind Turner von vier Arbeitersportverbänden beteiligt, und zwar aus der Schweiz, Deutschland und der Tschechoslowakei, di« der Aussiger Verband.uud di« D T I 0. mit j« einer Mannschaft vertreten. Geturnt wird: Reck, Barren und Pferd. All« Vorführungen sind Kürübungen, so daß in diesem Wettkampf Gipfelleistungen im Geräteturnen zu sehen sein werden. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird der Prager Kreis der TD2 mit Frau«» und Männern turnerische Vorführungen zeigen. Eintrittskarten zum Preise von 3 bi- 10 K find im Sekretariate des 1. Kreises der DT3., Prag II, Havliekova ul. 5a(Sekretär äimek) sowie bei den Funktionären des Atus Prag zu haben. Wintcrfportlichc Veranstaltungen der Arbeitersportler Oesterreichs. In MürMschlag hatte am Sonntag di« Landesorganisation Steiermark der Jugendlichen, der Turner und der-Naturfreund« ihr« Meist«rschaftsb«werbe zu einer einzigen Veranftal- tung vereinig:. Der Erfolg war ausgezeichnet. Im 10-Kilometer-Lairglaus(70 Sportler) siegte Krois (Mürzzuschlag) in 29:29 Min Den 8-Kilom«t«r- Lauf der Jugendlichen gewann Kröger(Weiz) in 27:58 Min., den der Sportlerinnen Wappel(Spital) in 28:48 Min Ter Mannschaftslauf der Sportler und Wehrturner(25 Mannschaften) über 8 Kilometer wurde von den Mürzzuschlagcr Wehriporlkern in 27:18 Min. gewonnen. Bei den Sportlern(ohn« Uniform und Gepäck) siegten di« Naturfreund« Peitsch in 28:14 Min Ten Sprunglauf gewann E. Feutl (Mürzzuschlag) mit 38. 43.5 und 44.5 Meiern; außer Bewerb sprang Fcutl 60 Meter— Das Skispringen auf der Wiener Wald-Schan;« bei Hadersdorf gewann der Gasleiner Ziegler mit 34 und 14 Meter. Im Bewerb sprang Freier(Weidlingau) 46 Meter; außer Bewerb sprangen Ziegler 45,' Wickl(Leoben) 44,5,. Krammcr. iSi. Michaels 44 und Freier 42 Meter. Gleichheit Weiskirchlitz gegen Dreodeu-Lockwitz 7: 2(5:’2). Das'am Sonntag in Weiskirchlitz ausgetragene Freundschaftsspiel bracht« den Gästen eine empfindliche Niederlage. Gleichheit fand sich mit dem schweren Boden bester ab als di« Dresdener, die. typischen rrichsdeutschen Fußball,* gepaart mit Schnelligkeit, zeigten, aber den gegebenen Playver« hältnissen zum Opfer fielen. Falsch« Berichterstattung. Der Nazi-„Tag" vom 6. März läßt sich aus Prag berichten, daß am 4. März„orientalische Freiheitsheldcn" vor der Mensa Flugzettel vertem haben, was der Wahrheit entspricht, daß ihnen dies jedoch von ,^eutschbewußten Studenten" eingestellt worden fei, was unwahr ist. Tenn nicht„deutsch bewußte Studenten" waren es, die unseren Jugendlichen das Verteilen von Flugzctteln ein gestellt haben, weil sie dazu gar nicht iinstande gewesen wären, sondern die tschechischen P o l i z i st e n, di« von den ,^> e u t s ch b e w u ß- te n" Nazis zur Hilfe gegen die„volksverräteri- schen" Sozialdemokraten gerufen worden waren. Reichstagsbrand in Prag? Ten Medizin- studen-tcn und den Passanten, die Dienstag mor gens am anatomischen Institut der deutschen Universität vorbcikamen, bot sich ein außer? gewöhnlicher. Anblick. Die Wände des.Hauses waren über und über mit dem Dreipseil-Zvichen bemalt. Da die sozialistischen Studenten selbstver ständlich mit. dieser albernen Demonstration nichts zu tun haben, können es nur ihre G e g n c r gewesen sein, di« sie danrit konrproinit- tieren Wollten. Höchstwahrscheinlich dürften dir Täter unter den Nazis zu suchen fein, die das Beispiel ihres Gocriug, der den Reichstag anzün den ließ, um die Tat alsdann den Marxisten in dfe Schuhe zu schieben, nicht schlafen ließ. Tic Parallele geht übrigens noch weiter. Tenn io wenig die großen Nazis ein Parlamcntsgcbäude brauchen, so Wenig brauchen ihre Studenten ein Wissenschaftliches Institut! Devisenbegünstigungen für die Prager Früh jahrsmesse. Bon d:r Prager Mcsseleitung wurde der Devisenkommission für die Erledigung der Devisenangelegenheiten der kommenden Prager Frühjahrsmesse(19. bis 26. März l. I.) die Präposition gemacht, für die einzelnen in Be tracht kommenden Länder und Zolltarifklassen im voraus feste Kontingente zu bestimmen, in deren Rahmen die Garantie gegeben wird, die! ierische Verödung der Bühn« Dr. Eg«r, dem künstlerische Hemmungen zur restlosen Durchsetzung solcher Tendenzen und Verdienst« um wertvolles Operngut zuerkannt seien, die Begrenzung der eigenen Interessen und di« Interesselosigkeit des großen Publikums nehme ihm die Möglichkeit zu„revolutionären Experimenten",.die in Wirklichkeit dem Ursprung der Kunst zugekehrt wären, sy müßte doch wenigstens dort, wo die technischen Voraussetzungen zum großen" Theaterbetrieb fehlen: in der Kleinen Bühne, ein anderes und besseres Prinzip der Repertoiregestaltung sich durchsetzen. In den geschmackvollen Rahmen der Kleinen Bühne müßte der Inhalt gestellt werden, nach dem er geradezu verlangt: das Kammer- spiel. Mag schon der Spielplan des großen Hauses „seinen Geschäften nachgehrn', die es mit unaufhörlichen. Star-, Regie- und Ens«mblegastspielen, mit Opernvorwänden für Farbenpracht und Bühnentechnik zu machen hofft, hier, in der Kleinen Bühn«, müßten die Grundlagen zu wirklichem Ensemble- spiel, zur künstlerischen Kontinuität des SpielplanS geschaffen werden, di« allein das Interest« des Publikums auf die Dauer zu fesseln vermögen. Durch Erziehung und Dramaturgie, müßt« hier zumindest die Ahnung einer kulturellen Haltung erzeugt werden, der nicht erst Sensation die Kunst genießbar macht, der vielmehr Kunst als Kunst zur Sensation wird. Mit der kammerspielmöglichen dramatischen Schöpfung, di« an die Namen Shakespeare, Goethe, Strindberg, Ibsen, Wedekind, Hauplmann, Schnitzler, Shaw, Sl«rnheim, Brecht, Kaiser geknüpft ist, ließe sich die Kleine Bühne zu ein«m Kunstinstiint machen, das nur so die' Aufgaben erfüllen könnt«, die ihm di« deutsche Kulturentwicklung immer eindringlicher zuwcist: zu einem kleinen Refugium des Geistes, dessen Reich nicht von dieser deutschen Erde ist, soweit deren Gesicht die Höhlenbewohner des Dritten Reiches bestimme». Anlaß zu dieser Betrachtung bot die Konfrontierung der großen Sorge" Dr. Egers um die Kleine Bühne mit den„Bier Bildern aus dem Leben eines anständigen Mädchens", di« Samstag über sie gingen, die den zusammenfassenden Namen„Eva saniert das Paradies" tragen und in denen Engel und Horst demonstrieren, wie„wir zwar zugrunde gehen, uns aber dabei sehr wohl fühlen", wie Tugend gewiß zum happy end führt und mit„Anständigkeit" di« besten Geschäft« zu umchen sind. Zu dem dies erläuternden Text werden gute Schauspieler vergewaltigt: Fee von Reichl in, Götz und P a d l e s a k und manch« andere. Wo Eva das Paradies saniert, hat das Defizit der Klein«« Bühne, wie wir es sehen, von solcher Sanierung nichts zu I erwarten. Erich Heller. Wochrnspiclplan d«s Renen Deutschen Theaters. Mittwoch, halb 8 Uhr: E n s e m b l e g a st s p i e l Curt Götz:„Dr. Prätori us"(A. A.).— Donnerstag, halb 8 Uhr:„Musik um Susi" (C 2).— Freitag, halb 8 Uhr:„W e n n die kleinen Veilchen blühen"(A. A.)..— Samstag, halb 3 Uhr:„Figaros Hochzeit"