Muzelpreis 70 Heller. Enschließlich 6 Heller Pori- Srfchelni mit Ausnahme des Montag täglich früh.■ n»amon u.»HWoltuno: Bros u, Ikeltzoala 18 ♦ Zeltsft.: 30793, 31309. StcxtHrfOofL(as 31 ll,r): 33838* voMcheckaml: 87344 Freitag, 10 März 1933 13. Zahrgang. Rr 59. Auch Bayern unter der Knute! General von Epp übernimmt die Polizeigevralt. Berlin, S. Mär;. Amtlich wird dekanntgegeben: Mit Rücksicht ans die Beunruhigung(!) der bayrischen Bevölkerung und mit Rückficht darauf, dafi die weitere Erhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in Bayern nicht gewährleistet war, hat die Reichsregierung von dem 8 2 der Verordnung des Reichspräsidenten vom 28. Keder 1933 zum Schutze von Volk und Staat Ge- rauch gemacht und die Bcfugnisie der obersten Landesbehörde sowie sie die Erhaltung der öffentliche» Sicherheit und Ordnung zum Gegenstand haben, übernommen und fie dem Generalleutnant a. t. Ritter v. EPp übertragen. Dey ganze» Nachmittag über hatte der bayrische Ministerrat getagt. Die Regierung hatte sich mit dem Gedanken getragen, von fich aus den General von Epp zum Generalftaat^kommifiär zu ernennen, um feiner Einsetzung als Reichskommifiär zuv^rz.:kommen. In einem amtliche« Bericht über den Ministerrat wird lediglich zugegeben, dast sich die bayrische Regierung in diese* Krage mit dem Reichspräsidenten und mit der Reichsregierung in Verbindung gesetzt habe., 1 Gegen abend hatte sich auf dem Marienplatz in München eine grotze Menschenmenge angesammelt und sah der Hissung der Hakenkre«flagge auf dem Rathaus zu. Mittags war die Flagge bereits auf dem Marienplatz gehitzt worden. Der bayrische Landtagspräsident hat über Ersuche« der bayrischen Regierung den Landtag telegraphisch für Samstag z« einer Sitzung einbernfe», in der die Wahl eines neuen Ministerpräsidenten vorgenomme» werde« soll. Landtag and Zentralorgan der bayrischen Volkspartcl von SA. besetzt! Kurz vor acht Uhr erschien ein SS-F«hr«r im bayrischen Landtag«, der den Direktor h«s LiMdtagSaMtes unter Hinweis auf di« Bestellung des Generals von Epp zum Kommissar des Reiches für di« bayrische Polizei mittrilte, die SA werd« in'kurzem das Landtagsgebäud« besetzen. Im Anschluß au di« Hissung der Hakens kreuzfahne auf dem Rathausturm wurde von nationalsozialistischer Seite verkündet, General von EPP habe als Kommissar des Reiches di« Polizeigewalt übernommen und Reichs- SS- Führer Himmler, Mitglied des Reichstages, zum Leiter der Polizeidirektio« München bestellt. Oberbürgermeister Scharnazl habe das Rathaus verlassen. Im Uebrigen ist das BerlagSgebäud« des„Bayrischen Courters", des Zentralorgans der bayrischen Bolkspartei, von SA und SS besetzt wor^ c». Auch die sozialdemokratische„Münchener Post" ist von SS- und SA-Abteilung besetzt worden. Ob die beiden Zeitungen werden erscheinen können, ist im Angenblick nicht zu ermitteln. VergcMMic Proteste. Ministerpräsident Dr. Held hat an den Reichskanzler Adols Hitler folgendes Telegramm gerichtet: „Der Reichsinnenminister hat nach bisher unwidersprochenen Nachrichten auf Grund des ß 2 der Verordnung vom 28. Fever 1938 die Poltzeibefugniss« der Obersten Landesbehörden in Bayern an General v o n E p p übertrage«. In Bayern fehlen di« Voraussetzungen zur Anwendung dieser Verordnung vollkommen, Weil Ruhe und Ordnung und Bekämpfung kommunnstscher Ausschreitungen mit den staatlichen Machtmitteln zweifellos gesichert Ware«. Namens des Gesamtmmisteriums erhebe ich gegen dir Verordnung des Herrn Reichsinnen- ministers den schärfsten Einspruch." Um 20 Uhr 30 sind starke Abteilungen von SA. und SS. vor dem Ministerium, vor dem Landtag und der Polizeidirektio» München erschienen, um die Gebäude in Besitz z« nehmen. Auch Württemberg und Baden haben telegraphisch gegen di« Einsetzung von StaatSkom- missären protestiert. * General von Epp war nach dem Krieg Mitglied der bayrischen Bolkspwvtei; 1924 wurde er zmn Nachfolger des Mnnsterpräsidenten von Kahr vorgeschlagen; er galt auch einige Zeit als Präsumtiver Staatspräsident. Im Jahrs; 1928 ließ sich Epp jedoch von den Nationalsozialisten für den Reichstag kandidieren; er tmirdc für den Wahlkreis Franken gewählt. Dresden unter dem SA-Terror. Streik in Dresden. Prag, 9. März. Messebesucher, di« aus Leipzig kommen und sich in Tresdcn.aufgchaltcn Haden, berichten heute über den Eindruck vollständiger Anarchie, die zu Dresden herrscht. Leden und Eigentum von Funktionären der Arbeiterbewegung, Anhängern demokratischer Parteien, Ausländern und. den SA.-Leuten mißliebigen Personen ist in höchsten» Maße gefährdet. SA.-Truppen versuchten in den letzten Nächten in Privatwohnnngen einzudringen und Politiker und Journalisten aus den Betten zu holen. Die Polizei steht diesem wahnsinnigen Treiben der SA. untätig gegenüber, worin sich die Machtlosigkeit des regulären Ordnungsdienstes offenbart. Bei der Plünderung und Zerstörung der Dresdner Volksbuchhandlung Kaden u. Co. und der Druckerei' der Dresdner■ Volkszeitung und des Votkshauses zeigte sich diese Tatsache besonders scharf. Während die SA.-Leute die Plünderungen Vornahmen, hätte die Polizei die umliegenden Straßen abgcspcr'rt, so daß eine Gegen- knndgcbuug der Arbeiter, die ihr Eigentum bedroht sahen, unmöglich war. Tic Polizei ging teilweise mit ausgepflanzten Bajonetten gegen die Arbeiter vor, ganze Straßenzeilen sind von SA.-Leuten abgesperrt worden, die nicht unter dem Kommando ordentlicher Polizei stehen. Di« SA. beherrscht nach dem Eindruck, den jeder Besucher Dresdens gewinnen muß, die Lage. Auf den Dächern des Verwaltungsgebäudes der „Dresdner Volkszeitung" und des Gewerkschaftshauses stehen SA.-Leute in kriegsmäßiger Ausrüstung mit Stahlhelm und schußbereiten Gewehren, die jeden Passanten, der sich diesen Ob« jc'ten nähern will, am Leben bedrohen. Die innerhalb der Grundstücke des Dresdner Volkshauses besindlichen privaten Werkstätten und Wohnungen sind von der SA. gleichfalls besetzt. Das Turner-Kreisheim des Atus in D r c s- d e n-Parkstraße wurde von SA.-L«uten d e m o- liest; in das zerstörte Heim wurde SA, einquartiert. Die Konsumvereinsfiliale in der Königsbrückenstraße wurde vollkommen zerstört, Waren und Kleider ans die Straße gebracht und an SA. und mit ihr Sympathisierende v e r t ei l t. Auch die Konsumvereinsslliale in der Rosengafle wurde besetzt, ebenso das Jugendheim in der Oppeltstraße, dessen Einrichtung völlig demoliert wurde. Der„Freiheitskamps", das Dresdener Organ der Hakenkreuz!», bringt heute aus der ersten mehr Seit« folgende Meldung: „Für jeden SA.-Man«, der vom heutigen Tag« ermordet wird, müssen drei Kommuni st e« mit dem Tode büßen!" Die Bewaffnung der SA. durthgeftthrt. Seit heut« Nacht ist in Sachsen, vornehmlich in Dresden, die Bewaffnung der gesamten SA.-Mannschaft durchgeführt. Das Stadtbild Dresdens ist ausgcfüllt von einzelnen SA.- Prrsonen und Trupps, die alle mllitärisch bewaffnet sind. An der deutsch-tschechischen Grenze sieht man bei den wichtigsten Grenzübergängen neben regulären Grenzwachorganen bewaffnete junge SA.-Leute. Die Zahl der als Hilspolizei in den Dienst gestellten bewaffneten SA.-Leute beträgt ein Vielfaches der regulären Polizei. Di« übrigen mehrere Hunderttausend zählenden kasernierten SA.-Leute sind gleichfalls bewaffnet. Spontaner Streik in Dresden Ein Teil der Dresdner Arbeiter hat heut« früh als Antwort auf di« unerhört brutalen Vorgang«, die sich bei der Plünderung des Bolks- hanseS abspielten, mit der Niederlegung der Arbeit geantwortet. Ob es der Regierung gelingen wird, de« SA.-Terror zu brechen und damit ein« Streikgcfahr von ungewöhnlichem Ausmaß« ab- ^zuivenLen, Muß zunächst abgewartet werden. Mrs sw sa zurlkk- gcptinen? Der gestern zum Reichskommissar für di« staatliche Polizei eingesetzte Nationalsozialist Kil- linger— überdies eiuer der Beteiligten an der Ermordung ErzbergerS— hat sei« Amt bereits angetreten. Die Folg« ist, daß di« SA.-Bän- dc» in der Stadt hemmungslos wüten. Bereits gestern verlangt« die SA. von den Schupobeamten, daß st« die Hakenkreuzler dienstlich zuerst grüßen! Heute erläßt Killinger einen Ausrnf, in dem er zuerst den SA. und SS. dankt(!), soweit sie es von fich aus„für notwendig gehalten hätten, in Verwaltung, Polizei«nd Verkehr cin- z»greisen". Die von de« SA. getroffene« vorbeugenden Maßnahmen seien jedoch durch den ihm gewordenen Auftrag hinfällig. In Zukunft müff« es ihm überlassen bleiben, alle notwendige« Maßnahmen und Eingriffe anzuordnen und durchzusühren. Alle von der SA. und SS. getroffenen Maßnahmen, sowei fie nicht von ihm gebilligt und aufrecht erhalten werden, seien deshalb aufzuheben. Er erwart« von der Disziplin der SA., daß fie allen seinen Besehlen pünktlich nachkomme. KPD-ADgeordnete im sächsischen Landtag verhaltet Dresden, 9. März.(Eigenbericht.) Der Aeltestenvat des sächsischen Landtages trat Donnerstag, den 9. März Vormittag zusammen. Sämtliche Fraktionen außer den Kommunisten waren vertreten. Die KPD-Abgeordneten waren im Landtag verhaftet worden. Der Präsident des Landtages hatte dagegen schärfsten Protest erhoben, da ihm allein die Pölizeigewalt im Laichtag zusteht, woraus ein Kriminalkommissar dem Landtagspräsidenten crllärte, das gehe ihn nichts an, die KPD-Abgeordneten würden verhaftet. Landtagsabgeövdneter P ö ch l hat darauf hingc- wiesen, daß noch am Montag die Regierung erklärt habe, die Immunität der Landtagsabgeordneten werde geschützt werden. Eine Lanotags- sitzung fand in Dresden insolange nicht statt, als der Landtag unter dem Drucke von außen steht. Im Landtag ist es auch zu.Einbrüchen gekommen. Aus einem Fraktionszimmer, in dessen Eingangstür die Glasoberlichtc zertrümmert war, sind Krügen, Taschentücher, Strümpfe und Akten gestohlen worden. Die Täter wurden nicht eruiert. Sa sich aber, vor dem Landtagsgebäud« PolizeibcanUe mit Karabinern'befanden und im Landtagsgebäudc SA und aus dieser rekrutierte .Hilfspolizeimannschaft, ist cs nicht schwer, auf im Gebäude anwesende Tater entsprechende Schlüffe zu ziehen. In der Geschichte des. sächsischen Landtages werden diese Vorgänge als beispiellos bezeichnet. So geht es nicht! Bor allem zwei Zitate. Am Mittwoch schrieb der Reiche nberger„Vorwärts" unter anderen nichtswürdigen Beschimpfungen der Sozialdemokratie:„Noch niemals hat sich so klar wie in diesem Wahlkampfe gezeigt, daß die Sozialdemokratie die soziale Hauptstütze der Bourgeoisie ist ..." Am Tage darauf bringt derselbe„Vorwärts" einen Artikel, in dem er den Eindruck zu erwecken sucht, daß er für die Herstellung der Kampfeseinheft zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten eintritt und. den er überschreibt:„Die vereinigte und kämpfende Arbeiterschaft ver- nich tet alle H i.tle r der Welt!" Wie? Mit derselben Sozialdemokratie, die als die soziale Hauptstütze der Bourgeoisie bezeichnet wird, will die kommunistische Partei gegen den Fascismus kämpfen? Und er hält dafür, daß just erst in dem. Momente, wo mit dieser„verräterischen und korrupten Sozialdemokratie"— wie er an anderer Stelle unsere Partei zu bezeichnen beliebt— die einheitliche Kampffront geschlossen wird,.„alle Hitler der Welt" vernichtet werden können? Das kommunistische Hauptorgan verstrickt sich selber in die Netze, mit denen es unter den im sozialdemokratischen Lager stehenden Arbeitern auf Seelenfang ausgeht. Diejenigen unter den kommunistischen Anhängern, die sich noch eiyen Funken Logik bewahrt haben, müßten sich fragen: sirr wie dumm hält man uns? Entweder ist die Sozialdemokratie wirklich die soziale Hauptstütze der. Bourgeoisie, wie kann man uns dann zümuten, mit ihr als Bnndes- genoffen zu kämpfen? Oder die Sozialdemokratie ist für den revolutionären Kampf doch ein wertvoller Partner und nur mit ihr vereinigt werden wir imstande sein,„alle Hitler der Wett" zu vernichten— warum hat man uns dann viele Jahre hindurch über den wahren Charatter der Sozialdemokratie belogen und betrogen? ■ In einem Punkt allerdings sagt der „Vorwärts" die Wahrheit. Die Feststellung, daß die vereinigte und käinpfende Arbeiterschaft imstande wäre, alle Hitler der Wett zu vernichten, wird auch jeder von uns unterschreiben. Roch mehr: es gäbe überhaupt keinen Fascismus, wenn es stets eine vereinigte Arbeiterbewegung gegeben hätte! Wie konnte der Einfluß der Nationalsozialisten in Deutschland ein so großer werden, daß er zum Siege des Fascismus führte? Die Nationalsozialisten sind eine Partei, die„Marxisten" aber zwei, und sie waren zwölf Jahre hindurch nicht einfach zwei proletarische Parteien, die neben einander marschierten, sondern die Kommunisten sahen seit jeher die ihnen vorgeschrie- bene Aufgabe darin, die Sozialdemokratie als den„Hauptfeind" zu bekämpfen. Das Bürgertum war in einem gewissen Schwächezuständ, solange es in viele Parteien zersplittert war.. In dieser Zeit konnten ihm Konzessionen an das arbeitende Boll abgerungen werden, das waren die„sozialen Errungenschaften", für deren Erhaltung und Bewahrung zu kämpfen sogar die kommunistische Partei gemäß der neueren ihr zuteil gewordenen Weisungen als notwendig erklärt. Seitdem sich das'Bürgertum mit seiner Gefolgschaft in der Nazipartei gesammelt hat, ist es stark geworden und feine Macht stieg in dem gleichen Maße, in dem sich der Bruderkampf innerhalb der Arbeiterklasse verschärfte und daß er immer schärfere Formen annahm, dafür wurde von Moskau ausgiebig gesorgt, das eine Führergarnitur nach der anderen absägte, wenn sie in der Bekämpfung der Sozialdemokratie Lauheit an den Tag legten. Das geschah— ungeachtet aller Gefahren, die von der Weltreaktion drohten— so lange, bis die blutbefleckte Faust des Fasris- mus in Deutschland, begünstigt durch die Schwäche der Arbeiterbewegung, das Proletariat an der Gurgel faßte. Buchstäblich b i s zum letzte» Tage. Solange noch die gc- Seite 2 Freitag. 10. Mär, 1033. Nr. SS. 3 NaeMraek verbot ec. den waS Sie tschechischen Genossen zur gegenwSttigen Lage. Dienstag fand ein« Klubsitzung der Abgeordneten und Senatoren der tschechischen Sozialdemokratie statt, in der Genosse Be ch h n Z über die internationale und auch über die Innenpolitik referiert«. Er kam zu dem Schluß, daß die Partei mit allen demokratischen und republikanischen Elementen in der Republik in der Verteidigung der Demokratie und der Verfas- sungsmatzigkeit ausharren müsse, damit bei«ns daS innerpolitische Loben nicht so vergiftet werde, wi< in«in«r Reihe anderer Staaten, wo Schwachheit Zerfall und große wirtschaftliche und sozial« Schaden habe auffommen Kissen. Die Tschecho- slolvakei müsse em« Insel,«ine Grundlage der Demokratie in Mitteleuropa sein. Der Parteivorsitzende Genoss« Hampl betont« auf eine Anfrage, ab unter den gegenwärtigen Verhältnissen im Ausland wie im Jnland eine Aenderung in de: Politik der Partei wünschenswert sei, daß Höhere Interessen ein sehr um-, sichtiges Vorgehen erheischen. Wenn in der Politik des Staates und bei den Koalitionsparteien kein Umschwung in den Ansichten über die demokratische und verfassungsmäßig« Form eintret«, und die dringende» Erfordernisse wirtschaftlicher und sozialer Natur respektiert würden, so ergebe sich in dieser verantwortungsvollen, schweren Zeit nicht di« Notwendigkeit, daß sich das arbeitende Volk des Einflusies auf di« Poilitik und die Entwicklung der Verhältnisse in der Republik begeb« und daß die Partei in dieser Angelegenheit ihren Standpunkt ändere. Sie werd« freilich fordern, daß der Staat genug Kraft finde, um d i e Demokratie gegen zersetzend« Element« und das darbend« Volk gegen sHunger zu schützen. übrigen Parteien. Für die Durchführung der Verteilung der' Ernährungs-karicn ist also nicht der Minister für soziale Fürsorge, sondern die dem Ministerium des Innern unterstellten Bezirksbehörden verantwortlich! Was di« angeblich kontrollose Wirtschaft d«s Ministeriums für soziale Fürsorge betrifft, so ist dies, wie all« anderen Behörden, dem Meisten Kontrollamt in dieser Hinsicht unterstellt und wird von diesem Amt auch tatsächlich kontrolliert. Ein« Verwendung der Gelder des Ministeriums für soziale Fürsorge für politische Parteien hat n l e« mals stattgefunden und«S ist das eine ordinäre Berleuntduna, welche sich das betreffend« Blqtt auS den Fingern saugt. Es wäre viel beffer und würde diel positivere Ergebnisse liefern, wenn sich die bürgerliche Presse um di« Verteilung der Gelder aus dem Kunstdün- gerfonds kümmern würde. Irgend«inen Erlaß, daß die Bezirksbehövden an Ort und Stelle keine Untersuchungen vorzunehmen haben, wie es das mährische Agrarblatt schreibt, hat das Ministerium für sozial« Fürsorge nicht hin- ausgogeben. All« sogenannten Anschuldigungen gegen das Ministermm für soziale Fürsorge stellen sich also als böswillig« Verleumdungen heraus; sie sind nur ein Mittel im politischen Kampfe des Bürgertums gegen di« sozialen Bestrebungen des Fürsorgeminifters. Je schärfer diese Angriffe werden, desto stärker wird das Bewußtsein m der Arbeiterschaft, daß Minister Dr. Czech in der Regierung die. Interesse der arbeitenden Menschheit vertritt! Gegnern das Schauspiel geboten wird, daß einer der Verbündeten jede passende und unpassende Gelegenheit benützt, um den anderen zu bespeien. Ist schon die Introduktion, mit der die Komintern ihre Einheitsfront-Aktion einleitet, kein« vielversprechende, so sind es noch weniger die Umstände, unter denen diese Einheitsfront begründet werden soll. Eine Herstellung der Einheitsfront kann nur durch Verhandlungen und Beschlüsse der beiden Internationalen möglich sein. Es geht nicht an, schon vor Beginn dieser Verhandlungen Bedingungen über di« Art der Führung des gemeinsamen Kampfes diktieren zu wollen, wie es die Kommunistische Internationale tut und solange nicht beide Internationalen ihre Zustimmung dazu gegeben haben, geht es auch nicht an, daß Vereinbarungen im Rahmen der einzelnen Länder getroffen werden, wie in dem Aufruf verlangt wird. Welche Ueberraschung! Tie Kommunistisch« Internationale läßt ihren Sek.ionen nicht die geringste Bewegungsfrei- heit, doch nun auf einmal hält sie jede dieser Sektionen für befähigt genug, um auf eigene Faust Vereinbarungen abzuschließen! Nochmals: so geht es nicht! Auch für die sozialdemokratischen Parteien ist die Sozialistische Arbeiter-Internationale oberste Instanz und, soll allen Versuchen, die Einheitsfront wieder zu einem Manöver zu machen, die Spitze abgebrochen werden, dann müssen in freier Vereinbarung alle Kampfbedingungen zwischen den beiden Internationalen vorher abgeschlossen werden. So lange dies nicht geschehen ist und so lange die Kommunistische Internationale zu glauben scheint, man könne mit Beschimpfungen Verbündete schaffen, so lange wird sich keine sozialdemokratische Partei bereit finden, einen Weg zu gehen, auf dem vorläufig nichts als die alten Leimspindeln zu finden sind. KARL UND DAS 20. JAHRHUNDERT Roman von Rudolf Brunngraber Copyright by flodetlt**Verlag, Frankfurt am Main 1093 Vor allem aber war Mr. Taylor Arbeitern unheimlich. Wohin führte, dieser Mann anstrebte? Zu' einer Maschinenhalle, wie er einmal gesagt hatte, in der man auf einem Schemel sitzen und bloß noch auf Zifferblätter zu sehen hätte? Wer würde dann die Maschinen machen? Wieder Maschinen? Das ging in einen ganz anderen höllischen Stollen hinaus. Was kam, wenn das so weiterging, roar rin« Fabrik, in der es auSsah wie in einem Panoptikum, in das«in Wirbelwind gefahren ist. Aber so weit würd« es ni« kommen, auch im zwanzigsten Jahrhundert nicht. Und anderen TagS war wieder eine Maschine kaputt. Und zwar durch die Hände derer, di« von der Straße hereingeholt worden waren. Zur gleichen Stunde aber 0885} verpflanzt« der Marmesekretär William C. Whitney den „Tahlorismus" in die StaatSb«tri«be. Den Arbeitern fiel ein dumpfer Schrecken ins Hirn. Di« Gefahr löste sich von ihrem Urheber, di« Gefahr verselbständigte sich. Bald würde sie überall und unaustveichlich sein. Ein Strich würde sich durch die Welt ziehen, über den cs keine andere Auseinandersetzung gab, als daß man über ihn sprang, versteht sich, wie nian über di« Klinge springt. Ja, hatte man bisher denn nicht gearbeitet? Aus Grund welcher Notwendigkeit wurde das Leben zum Spießrutenlauf? Die Arsenalarbeiter meuterten. Daraufhin kam es zu einer Probevorsührung vor Vertretern d«r Re- präsentantenkammer. Die einfältigen Leute hielten den Atem an. Der Marinesekretär William gönnte den Engländern diese Brems« im Genick, wie sie sie den Franzosen gönnen mochten. Wie lange noch aber wollte Amerika, zwischen einem solchen Europa und jenem Asten, aus seiner splendiden Monroereserve und seinen ungehobenen Naturschätzen sitzen bleiben? DaS Ni«-dagewesen« schaukelte mit diesem kommeichen Jahrhundert herauf, allein die Witterung für die revoltierenden Kräfte besahen hier, neben den Wirtschaftsleuten, bestenfalls nur noch die Militärs. Der deutsche Doktrinär Clausewitz hatte festgeftellt: der Krieg ist die Fortsetzung der Politik. Hier verstand man den Kettenschluß schon in seiner modernen Abwandlung: und die Politik war die Fortsetzung der Wirtschaft. Man würde das allmählich auch den Presbyterianern in den Senaten begreiflich machen. Wie es Mr. Havemeyer (Zucker& Whisky) mit legerer Unerschrockenheit neulich getan hatte, als er di« Frage, ob«r mit seinem Geld die Kongreßbeschlüsse beeinflußt hätte, mit der Wendung beantwortete: Zweifellos (Undouhtedly, that is what I have been down here kor). Ohne Frage, di« Politiker waren zu Sinnbildern ohne Sinn herabgesunken. ES war ihnen die Mitte ihres Kreises, der absolut« Kern abhanden gekommen. Sie gaben mit ihrer lendenlahmen Feierlichkeit«ine Erscheinung ähnlich den Arbeitxr» ah, di«(seit 1889) am ersten Mai mit roten Fahnen herumzogen. Wie di« sich an ein« Utopie hängten, die niemanden gefährdete, weil sie ein« Kathederangelegenheit war, so meinten di« Politiker noch immer, von veralteten Illusionen zehren zu können. DaS im Zeitalter der baren Zahlung und der wieder akut gewordenen Frage, wer in der Reihe der Welt(märkt)beherr- scher Spanien, Holland, Frankreich, England der nächste sein sollt«. Dabei hatte di« Phantastik der Proletarier immerhin ein« moderne Methode. Schließlich waren sie die Mitgpbnrten der Ma- ichinenära, die blauen Schemen, di« die Stahl- C. Whitney hatte«inen Ausdruck im Gesicht wi« Rocksfeller, al- er seinen Oeltruft zerlegt hatte. Di« Regierungsleut« bewahrten Haltung und untersagten di« Anbringung von LeistungSmeß- instrumenten in den staatlichen Bettieben. Der Marinesekretär ging zur Tagesordnung über; eS gab ander« Möglichkeiten, da» Tempo zu halten. Hier ging es nicht um Marotten, hier ging eS um den Geist d«r neuen Zeit. Dem man folgen mußte, wollte man nicht auf der Streck« bleiben. Dagegen gab eS weder Petarden noch ein Klarinettensolo. Jedenfalls batte sich abermals herauSgestellt, daß das Steuer ser Dinge aus den Händen der Politiker in di« der Wirtschaftsleute überging. Aber das war nicht erstaunlich, hob man den Mick von diesen Senaten aus Europa hinüber, dem man noch seine Eisenbahnen ichuldia war. Selbst di« Japaner hatten im letzten Jahrzehnt ihr« Ausfuhr glatt verdoppelt, und zwar zur Hauptsache in dj« Union herein. DaS enorm« Tempo aber wurde noch immer von dem alten Kontinent vorgelegt. England und Deutschland führten im Jahr(1888) für 400 Millionen Mark Maschinen auS, Amerika für 70 Millionen. Dort drüben wurden die Leistungen tumultuarisch aus dem Boden gestampft; dieser Boden, mit all seinen 52 Souveränen, war also bei weitem noch nicht morsch. Im Gegenteil, fast war eS, als wüchsen in den Deutschen di« Römer des technischen Zeitalter» heran. Ihr Land, das gestern noch ein Gefälle von Aeckern gewesen war, mit armen Obstbäumen drin, verkrustet« sich rapid zu Eisen und Rauch. 70 Millionen Tonnen Kohlenförderung gegen 30 Millionen vor fünfzehn Jahren. Dazu den Fuß schon in Afrika, di« Harck in Brasilien. Deutschland war ein aufbräielnder Kessel der Vermehrung von jeglichem: von Menschen, Material und Macht. Und manchmal war es, als meldeten sich hinter dem dröhnenden Ge- schwäryl bereits die Kriegstrompcten an. Dian blüte der Erde mitausgeschlagen halt«, und ihr Traum wurde aus einer gewissen Not hochgepreßt» di« man ihnen nicht ersparen konnte. Ja, seit Louis Blanc, Friedrich Ermels und dem in London exilierten Professor(1847: Proletarier aller Länder, vereinigt euch!) hatte ihr Programm sogar ein« Point«. Den Mühlenstuhl und di« Windsägemühle im 17. Jahrhundert hatten sie noch zertrümmert, desgleichen die Wollscher» und Kardiermaschine im 18. und schließlich den Dampfwebestuhl; heute, da nicht nur Wind, Wasser und Dampf die RÄ>cr trieben, da Heißluft, Druckluft, GaS und Elckttizität die Kolben vortvärtsstießen und di« Treibriemen die Erde;u umspannen begannen, heut« hatten sie den Einfall der Enteignung. Di« Welt wachs«» zu lassen, um die fertige in dl« Tasche zu schieben. Aber daS Gesetz von der Gewalt der Wenigen über die Bielen hatte, seit der Planet um seine Achs« schwang, seine Geltung gehabt; nun wurde cs auch durch die Form des Wirtschaftsprozesses erzwungen. Der Wirtschaftsprozeß, zumal der in den Produktionsmitteln, war auf weit« Sicht angelegt und dergleichen war nie anders als autokratisch durchgeletzt worden. Im übrigen war diese ganze Handlanger- bowcgUng ebenso einfältig wie letzten Eirdes unbedeutend. Was hieß: unentrinnbares Elend durch die Schuld des Kapitals? Durch de« Dampfwebstuhl waren in England achthunderttausend brotlos geworden und der Gouverneur von Indien hatte zu der Bemerkung Anlaß gehabt: di« Knochen der Baumwollweber bleiche» die Ebenen Indiens. Unbestritten. Doch tvaren in der maschinellen Weberei heute nicht ungleich mehr Menschen beschäftigt, als vor sechzig Jahren durch sie brotlos geworden waren? Und dann: war nicht auch Andrew Carnegie der Sohn eines solchen Webers, den die Maschine auS Schottland vertrieben hatte? Gorch tzung folgt.) Neuerliche Kampagne gegen Dr. Czcdi. Die Vertreter des Finanzkapitals gegen den Fttrsorgeminister. Di« in Europa stärker auftretende Reaktion scheint auch das Signal für di« bürgerlichen Parteien der Tschechoslowakei zu sei«, im Angriff gegen die Sozialdemokraten vorzugehen.. Die bürgerlichen tschechischen Parteien, insbesondere di« Nationaldemokraten, verärgert darüber, daß es ihnen nicht gelungen ist, die deutschen Sozial demokraten aus der Regierung zu verdrängen und damit die sozialdemorratische Position in der Tschechofloivakei zu schwächen, eröffnen ein Trommelfeuer auf den iynen verhaßten Minister für soziale Fürsorge, Genossen Dr.-Czech. Be merkenswert ist, daß sich diesmal an dem Kessel treiben der parlamentarischen Führer der Natio- naldemokraten, Abgeordneter Dr. Hodaö, be teiligt, der allerdings allen Grund hat, al» Bize- prAwent des tschechoslowakischen Industriellen verbandes im sozialdemokratischen Fürsorge minister den Mann zu sehen, der ihm auf dem Wege zur Erfüllung seiner duncklen Pläne im Wege steht. Hodaö schreibt im„Pondölnik nürodnlch zäftnü", daß nian nicht mit dem Betrage für die Arbeitslosensürsorge auskommen würde, ^wenn in der Wirtschaft fortgefahren würde, wie sie Dr. Czech eingeführt hat. Ich erheb« den Bor wurf, daß t« Regierung zwei Monat« versäumt hat, ohne di« BerschwendungsPolitik Dr. Czechs «inzustellen. Der Aufwand für Arbeitslos« darf nicht größer werden, als veranschlagt ist. Mr di« gerechten Ansprüche wirklicher Arbeiter genügt der Betrag, der im Budget ist, für ungerecht« darf auch nicht«in Heller mehr ansgegeben werden." Das Mittagsblatt der Nattonaldemokraten „Nürod" vom Donnerstag druckt di« Angriffe auf den Fürsorgeminister ab und behauptet, daß Genosse Dr. Czech den Ruf nach der Kontrolle der Arbeitslosenunterstützung bisher ignoriert habe und daß dies sehr verdächtig sei. Ein« Aenderung deS Regimes im Ministerium für soziale Fürsorge sei unbedingt nottvendig. Di« klerikalen ,Lidovö Listy" wieder, die all« übrigen Parteien im Nationalismus über treffen wollen, erheben gegen Genossen Czech den Borwurf, daß er sich zu sehr um die deutschen Gebiete kümmere und daß ,/rus den Geldern deS Ministeriums für soziale_ Fürsorge politisch« Parteien und Parteichen fröhlich ihre Organisa tionen nähren". Schließlich erzählt«in agrarisches Blatt „Svovod a" von irgendwelchen Manipulationen mit der Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung in Freistadt. Angeblich hat das Ministerium für soziale Fürsorge den Auftrag gegeben,_ die Untersuchungen durch di« Gendarmerie mögen nicht an Ort und Stelle durchgeführt werden. Die gestrigen„N ä r o d n r Li st v" sammeln all« diese in letzter Zeit gegen di« Arbeitslosenunterstützung in der Presse erfolgten Angriffe in einer groß aufgemachten Meldung auf der ersten Seit« und schreien Zeter und Mordio, weil angeblich das Gleichgewicht im Staatshaushalt bedroht wäre, wenn da nicht„Oichnung" geschaffen würde. Wir haben schon oft und oft den Gegnern des Genossen Dr. Czech Vorlesungen darüber gehalten, auf welchen Grundlagen dr« Arbeitslosenunterstützung in der Tschechoslowakei beruht. Die Arbeitslosenunterstützung nach dem Genter System beruht auf einem Gesetz und di« Unterstützung des Einzelnen ist durch den gesetzlichen Anspruch des Arbeiters auf Unterstützung begründet. I« mehr Arbeitslose es in der Tschechoslowakei acht, desto mehr Menschen müssen daher in den Genuß der gewerffchafüichen Arbeitslosenunterstützung geraten. Daran ist nicht Genosse Dr. Czech schuld, der nicht, wie einmal«in bürgerlich^ Blatt geschrieben hat, di« Arbeitslosigkeit erzeugt, sondern e« fft dies di« Wirtschaftens«, dr« auch dort wirksam ist, wo Dr. Czechs Macht nicht hinr«icht, z. B. in den Vereinlgten Staaten. WaS die ErnahrungSaktion betrifft, so werden die betreffenden Beträge jedesmal durch die Regierung bewilligt. ES ist also nicht nur Dr. Czech, sondern di« gesamt« Regierung, welche für di« Höh« dieser Beträge die Verantwortung tragt. Unter denjenigen, welche diese Beträge bewilligen, ist auch der national- demokratische Minister Matouöek, an den sich also Herr Hodaö(der natürlich alles das weißwenden möge. WaS di« Verteilung der Ernährungskarten betrifft, so nimmt diese-nicht der Minister für sozial« Fürsorge, sondern di« Bezirks- und Gemerndevehörden vor, und zwar di« sozial« Kommission dieser Selbstverwaltungskörper, i in denen Agrarier uns Nationaldemokraten ebenso I sitzen, wie Sozialdemokraten und Vertreter aller ringst« Möglichkeit bestand, durch die Verein!-' die Komödie einer„Einheitsfront" mitzu- gung der Kräfte der Arbeiterschaft den Sieg machen, bei bereden vor Vergnügen feixenden des Fascismus zu verhindern, gal die Haupt-/ kraft der kommunistischen Partei der Unter- wühlung der Arbeiterbewegung. Erst am i Sonntag, also am Wahltage, fand sich! das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale bereit, mit einem Aufruf, der eigentlich nur eine Antwort auf den von der Sozialistischen Arbeiter-International« erlas senen-Aufruf zur Bildung einer proletarischen Einheitsfront ist, herauszukommen. Biel zu spät, um an den Dingen in Deutschland etwas damit ändern zu können. Zu einer Zeit, da der Fascismus bereits alle Bluthunde loSge- koppelt hatte, um die Kommunisten und di« Sozialdemokraten anzufallen. Es mag für die Kommunisten ein schmerzliches Erwachen aus ihrem Phrasezzrausch sein, daß sie sich nun von denselben Leuten aufs brutalste verfolgt sehen, mit denen sie gegen die Sozialdemokratie jahrelang zusammen gegangen sind und denen sie geholfen haben, die Demokratie zu unterhöhlen. Aber auch wenn man der Ansicht fft, daß ein« Erkenntnis nie zu spät komm«, — sieht die Kommunistische International« wenigstens jetzt ein, daß es frevelhaft war, das Zustandekommen einer Einheitsfront zu verhindern und ihr Hauvtziel im Berennen der Sozialdemokratie zur Freude des Fascis- mus zu erblicken? Ein Blick in die kommunistische Presse genügt, um zu erkennen, daß die kommuni- stische Partei auch jetzt noch nicht daran denkt, ihre verhängnisvolle Taktik«inzustellen und' eine Verständigung anzubahnen. Den gleichen Geist verrät auch der Aufruf der Kommunisti schen International«. Der größt« Teil des Aufrufes ist wüsten Beschuldigungen der Sozialdemokratie gewidmet, deren Verbündete die Kommunisten werden sollen. Dabei wird hervorgehoben, die Kommunistische Interna tionale könne nach„der ganzen bisherigen Politik und Tätigkeit der Sozialisttschen Ar beiter-Internationale der Aufrichtigkeit der Erllärung des Büros der Sozialistischen Arbeiter-Internationale... keinen Glau ben schenken"l.„Dessen ungeachtet" will das Exekutiv-Komitee der Kommunistische^ International«„noch einen Versuch zur Her stellung der Einheitsfront mit den sozialdemo- kratffchen Arbeitermassen durch Vermittlung der sozialdemokratischen Parteien machen". Kein Wort davon, ob di« früheren Be schlüsse der Kommunistischen Internationale, denen zufolge die Einheitsfront ein taktisches Manöver dazu sein sollt«,„die Loslösung der sozialdemokratischen Arbeiter von ihren ver räterischen Führern zu verwirllichen", noch Geltung behalten. Statt dessen Häufung von Beschuldigungen gegen di« Partei, mit der man angeblich vereinigt vorgehen will. So geht es nicht! Wir möchten den Kommunisten auf das eindringlichste sagen, daß wir kein« Schonung von ihnen erflehen. Die sozialdemokratische Arbeiterschaft, die zwölf Jahre kommunistischer Hetze nicht in ihrer Ueberzeu- gung wankend machen konnte, ist gestählt genug, um die kommunistischen Angriffe gegen ihre Partei achtlos abgleiten zu lassen. Aber wir und mit uns jeder einzelne unserer Par teigenossen verspürt nicht di« geringste Lust, Nr. 59. Frektag, 10. Mär; 1933. Sette 3 Eine derbe Lektion für die Popen Leute Die Nazi in Preußen haben Anspruch aus „alleinig« Machtausübung"! Berlin, 9. März». Zwischen der deutschnatio- !>alen und der naftonalsazialistischen Landtags- upktion, bzw. ihren Präsidenten ist es bereits zu ^rrcm Krach gekommen, weil Landtagspräsidertt Kerft heute eigenmächtig auf dem Landtags» Kchäudc nu r die Hakenkrvuzflagge aufziehen ließ. Daraufhin hat-er Deutschnationale von Winterüb sofort boi Kerrl Protest eingelegt und gcsor- kwt, daß auch die schwarz lvei^ Preußcnslagge dio schwarz-weiß-rot« Flagge aufgezogen «erde; es sei dies„ein selbstverständlicher Alt °er Loyalität". Daraufhin hat Kerrl Wintersold telephonisch Aftac teilt, es sch für ihn eine„selbstverständliche Pflicht der Loyalität" gegenüber der stärksten Partei Deutschlands gtivescn,„die aufallei» "ige Machtausübuna in Preußen Einen gerechtfertigten Anspruch" bähe, einige Stunden nur die.Hakenkreuzflagge zeigen. Es sei aber von vornherein beabsichtigt fctoef«», auch schwarz ive iß und schtvarztveiß-rot flag^ett. Sefftzers vermsmtnfs. Anläßlich de» Ausrufes' der Kommunistischen Huteruat anale über, dle lsiuheittsront- erinnert Genosse 2-i v i n im„Pr«vo Lidu" an den , Vorschlag des Proletarier»tongresses, den, Josefs Seliger 1920 gemacht hat. Stivin schreibt: „Wir wollen au- unseren Archiven«ine wichtige, vielleicht vergess'ene Angelegenheit ans Licht ziehen. Sie ist aus dem Jähre 1920, da schon di« oerbrecherijchen Bedingungen der Dritten Internationale bekannt gegeben waren unser Arbeiterbewegung die Gefahr der Spaltung drohte, die Ersetzung des Klaffentampfes der Arbeiterschaft gegen die Bourgeoisie durch den Kampf der Arbeiter gegen-i« Arbeiter, zur Freude der Bourgeoisie, wie dies di« Moskauer Diktatoren befahlen. Damals kamen die Parteivorstände der tschechoslowakischen und deutschen Sozialdemokratie zusammen und verhandelten über den Weg, der zur Erhaltung-er Einheit der Arbeiterbewegung hätte führen können. Am 10. September 1920, gerade ein« Woche danach, da bei uns di« Bedingungen der Moskauer International« veröffentlicht wurden, fand dies« Sitzung statt und setzt« ein« gemeinsame Kommission ein, di« beauftragt wurde, ein organisatorisches und taktisches Programm der gemeinsamen Aktion aller Arbeiterklassenparteien in der Republik- ziveckj gemeinsamen Borgehens auszuarbeiten. Diese Kommission kam zusammen und der verstorben« Führer d«r deutschen Sozialdemokratie in der Tschechoslowakischen Republik, Josef Seliger, legt« ihr«inen auS- goarbeiteten Antrag vor, der dann von der deut- ichen Partei angenommen und am 30. September 1920 auch einhellig von der Parteivertretung der tschechoslowakischen sozialdemokratisch«» Arbeiterpartei genehmigt wurde. In ihrem Beschluß sagt« unser« Parteivertretung, daß es sich um di« Schaffung eines ständig«» sozialistischen Kongresses handle, der sich aus den Vertretern der politischen, gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Organisationen der Arbeiterschaft oller Nationen in der Republik, soweit diese auf dem Grundsätze des KlaffenkampfeS stehen, zusammensetzen soll«. Diesen Kongreß hat sich Josef Seuger als oberstes Organ vorgestellt, dessen Beschlüssen sich all« unterordnen müßten. Im Gespräch mit dem Schreiber dieser Zeile» hat er damals erklärt, daß di« Beschlüsst! des Kongresses auch Verpflichtet fein müßten, für di« Frage der Teilnahme an der Regierung. Josef Seliger hatte am 3. Oktober sein« letzte Schlacht auf dem Parteitag der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei für diesen seinen Plan -«schlagen. Mit dem Fuß« im Verband, schwer trank, stand er auf der Tribüne des Karlsbader Parteitages, kämpft« mit der Demagogie Karl Kreibichs, im letzten Augenblicke die Einheit der Arbeiterreihen schützend. Karl Kreibich hat als Redner der Dritten Internationale Selig«rS Plan lächelnd abgelehnt. Er verkündet«, daß °«r Plan schon zu spät komme, daß in der Tsche- chosiowakei in der allernächsten Zeit Sowjets werden gebildet werden, mit Huf« derer di« wmmunsstische Diktatur«ingeführt werden wird. Wozu also ein proletarischer Kongreß auf Grund- wg« demokratischer Zusammenarbeit aller soziali- nischen Parteien? Seliger hat seine Rede auf °«m Karlsbader Parteitag mit dem Leben be- sahlt. Aus der Fußverletzunq entstand ein« Blutvergiftung und Seliger fiel als Soldat in ber Schlacht am 18. Oktober... Heut« erinnern wir nach Jahren an das Vermächtnis SeligerS. Sein Plan ift daS wilh, wie sich di« Sozialdemokratie °i« Einheitsfront vorstellt: durch -«genseitig« Vereinbarungen, durch Zusammenarbeit, durch demokratische Unterordnung d«r Minderheit unter die Mehrheit. Nur so kann die Arbeiterklasse in unserem Staate erfolgreich d«n Kamps für di« Befreiung d«s Proletariat« führen. Die Kommunisten haben damals den Plan ab- lstlchnt, sie werden ihn zweifellos auch heute vblehnen. Wenn in dem erwähnten Ausruf der International«, daß jeder, der nacb der Vereinbarung die Bedingungen für di« Durchführung ber Einheitsfront verletzen würde, als Streik- brechxr betrachtet würde, dann sagen wir, daß wir mit Reibt jeden, der auch h«nt« SeligerS Plan ablehnen würd«, als *g«^Nt der Bourgeoisie betrachten!" Chinesische Gegenoffensive? Peiping, 9. März.(Reuter.) Heute fand ein« Konferenz zwischen Marschall Tschiankaischck, Tschangsueliang und dem provisorischen Ministerpräsidenten der chinesischen Stationalvegierung Sun statt. Die Konferenz entschied sich für die Offensive und es werden daher eifrig Vorbereitungen getroffen, um die Niederlage der chinesischen Truppen in Jehol wettzumachen. 9tach Meldungen aus offiziellen Quellen marschieren bereits drei mächtige chinesische Truppenkörper gegen die japanische Front an der südlichen Jcholgvenze vor. Di« japanischen Truppen habe» sich in Erwartung dieses Angriffes vom Kupcj- kau-Sattel gegen die Stadt Jehol zurückgezogen, um geeignete Bertoidig>tngsstxllcn zu beziehen Iruppenhonzcnfrlcningen gegen men? Wiener Arbeiterschaft m höchster Alarmbereitschaft Wie«, 9. März.(Eigenbericht.) Für heute hatte« Vie Sozialdemokraten sofort nach Erlassung des Bersammlungsverbotes 75 Bereinsversammlungen »ach 8 2 einberufen. Dadurch, vast Vie Regierung diese Versammlungen, die überhaupt nicht Verbote» werden dürfen, trotzdem in gesetzwidriger Weise Verbote» hat, hat sich die Situation äusserst verschärft. Die Regierung hatte in allen Versammlungslokalen Polizei aufgestellt und die Strassen und Zugänge durch Polizeikovdons absperren kaffen. Gemäss der Parole der Partei begaben sich die Arbeiter in ihre einzelnen SekttonSlokale und hielten dort die Versammlungen ab. Auch diese Bersaurm- lungen aufzuläsen, hat sich die Regierung offenbar doch nicht getraut. Am Nachmittag ist der von den Sozialdemokraten einbernscne Wiener Landtag zusammengetreten. ES kam dort u> einem stürmischen Zusammenstoß zwischen Sozialdemokraten und Christlichsozialen. Bon sozialdemokratischer Seite wurde der heut« früh von der Regierung in der „Arbeiter Zeitung" konfisziert« Ausruf des Parteivorstandes an die Arbeiter immunisiert. Di« Regierungspress« droht jedoch, daß auch die immunisierten Landtagsbenchte neuerdings beschlagnahmt werden. Der grotzdeutsch« Vizepräsident des National. rateS Dr. S t r a f f n e r hat heute abends den Nationalrat für Mitwoch zu einer Sitzung ein» berufen. Di« Regierung läßt allerdings eröären, daß sie diese Einberufung nicht anerkennen will. Auch die christlichsoziale Partei soll heute Beschlüsse in dieser Richtung gefaßt haben. Der äußerste recht« Flügel fordert sogar die Auflösung der Wiener Gemeindevertretung und des Landtages sowie die Einsetzung eines Regie- rungSkommissarS. Dr. Straffner kündigt für den Fall der Verhinderung der Sitzung des Natioualrates eine Beschwerde an den Berfasiungsgerichtshof an. Dpäl nachts gewinnt es de« Eindruck, als ob die Regierung doch entfchloffen fei, es in Oesterreich auf das äusserste ankourmen zu lasten. Im Laufe des AbeudS wurde« a«S ganz Oesterreich grosse Truppenmass en«ach Wie« zu- sammengezogen. Die Arbeiterschaft Wiens ist auf diese Meldungen hi« in allerhöchster Alarmbereitschaft! Ueberall ärgster Terror. Berkin, 9. März. Aus fast allen Teilen des Reiches laufen Meldungen über unerhört« Gewalttaten der entfesselten Nazi-Banden gegen sozialdemokratische Bolkshäuser und Zeitungen«in. In Neukölln wurden gestern ganze Straßenzüge von der SA. gesperrt und Haus für HauS durchsucht. Aus einem Hau» wurden ftchs Personen in die SA.-Kaserne geführt und dort derart zugerichtet, daß sie in das Krankenhaus geschafft werden mußten. Zu den Verletzten erhält niemand Zutritt. In Braunschweig wurde der sozialdemokratische„B o l k s f r e u n d" polizeilich besetzt und geschlossen. Bei der Schließung wurde der Werbeleiter Hans Sailc, offenbar ein Soizaldcmokrat, durch einen Bauchschuß getötet. Di« Polizei erklärt, es seien erst Ermittlungen im Gange, ob dabei«in„strafbares Verschulden" vorliege. In Köln wurden nach einer Polizeimeldung der Reichstagsabgeordnete Genosse Sollmann und Redakteur Efferoth in ihren Wohnungen von„politisch Andersdenkenden" d. h. Nazibaditen, angegriffen und angeblich „n u r" leicht verletzt. Statt die Attentäter zu verhaften, wurden Sollmann und noch einige sozialdemokratische Führer in Schutzhaft genommen. Auch in Meißen wurde das GewerkschaftS- haus besetzt; es kam dabei zu einer Schießerei, bei dcr jedoch niemand verletzt wurde. L e i p z i g, 9. März. Don der SA und SS sind heute Abend ähnlich wie in anderen Städten da» Volkshaus, das Gebäude der Leipziger BolkSzeitung" und di« Zentrale der KPD angeblich nur vorübergehend besetzt worden. Ein« Abteilung Schutzpolizei traf SicherungSmanßahmen. Bon ein«m Genossen aus der Umgebung von Chemnitz erfahren war, daß in Chemnitz am Montag abends zwei Arbeiterheim« eingeäschert worden sind. Zweibrücken(Pfalz), 9. März. Das im Vorigen Sommer auf dem Hild«gard»Dlatz errich- tate Denkmal für Ebert, Ercherger und Räthenau ist in her vergangenen Nacht von unbekannten Tätern z« r st o r t worden. Tie Nationalsozialisten habe« heute dir am Mittwoch bereits im Rheinland begonnene Aktion gegen Warenhäuser und bestimmte andere Geschäft« auch in Berlin anfgenom- mrn. ES kam nicht nur vor dem Warenhaus« Tietz, sondern auch vor anderen Warenhäusern und Einheitspreisgeschäften zu Demonstratio- neu der SA. Am stärksten wurde di« Aktion in Moabit durchgeführt. Auch ein EinheitS- preiSgeschäft in Wilmersdorf wurde besetzt. Auch aus Magdeburg und anderen Städten werde« SA-Aktionen gegen Warenhäuser und Einheitspreisgeschäft« gemeldet. In Hindenbnra haben Nazi-Horde« sogar Alten aus d«r städtischen Finanzvcrwaltung geraubt. Gestern wurde in Magdeburg auf das Restaurant des Hotels„A m st« r d a m", das größtenteils von jüdischen Gäste« aufgesucht wird in den Abendstunde» von Hakenkreuzleru ein Ueberfall verübt. Sie schlügen aus die Gäste und das Mobil««in. Einer der Täter trug ei» Messe, und eine Pistole in der Hand. Verletzt wurden vier Italiener, ein Schweizer und drei Reichsdeutsche. Sie wurden zunächst »ach dem Altstadt'scheu Krankenhaus gebracht, bi- auf zwei konnten sie wieder nach Anlegung von verbänden entlassen iverden. Di« Täter konnten natürlich flüchten. Fememörder Heines stiehlt GewerKsdialtshons Breslau, 9. März.(Eigenbericht.) Im Zu- sammenhang mit den Zusammenstö ß« n tut Breslauer GewerkschaftshauS wurden im Laufe,des Mittwoch zahlvoiche Mitglieder >dor Eisernen Front festgenommen. Darunter Stadtrat Rasch der Verwalter des Gewerk- schastÄhauseS Philipp umd mehrere Getverk- schaftsangeftellte. Die Festgenommenen wurden ins PoliDigefängms«mgeliefort. Um die Mit- tagsstumde belief sich die Zahl der Verhafteten auf 30. Es ist von keiner amtlichen Stelle zu erfahren, ob seitdem ivoitere Personen festgonommen wurden. - Die Aktion der SA wird von dvUl nationalsozialistischen RchchStagsabgeordneten H e i n e s geleitet. Gewaickscha ftshauS, auf dem seit Mittwoch zwei große.Hakenkreuzfahnen wehen, wurden sämtliche Büros von Polizei und SA durchsucht. Zahlreiche Türen und Schränke wuv. den eitbrochen. Die SA-Leute schleppten aus sämtlichen Büros Akten und sonstiges Matrial auf die Straße und verbrannten es dort. In den spaten Abendstunden wurde vor dem Gewerkschaft-haus auch Inventar verbrannt. Weitere Anschläge gegen Arbeitereigentum. Neber die gestrige Durchsuchung d«S Berliner Gewerkschaftshauses durch die Polizei und Nazi bringt das bürgerliche„Berliner Tageblatt" folgende Einzelheiten: Nachdem die Türe« zum Gewerkschafts- haus erbrochen wodrtn waren, drang man zuerst in die Büroräume d«r Buchdruckergewerkschaft«in. Di« meisten Türfüllungen der einzelne« Zimmer sind zerschlagen. Auf den Flur«« liegen zersplitterte Scheiben. Schwere Schreibtisch« wurden um gestürzt und»ach Akte« durchwühlt. Bilder von Ebert, Loeb« und Bebel, di« an den Wände« hingen, wurden heruntergerissen und zertret««. Auch in di« Bürozimmer des allgemeinen deutschen GewrrkschaftsauSschusses ist man eingedrungen. Es wurden Schreibtische umgewor- sen. Türfüllungen«ingrschlagen, Bilder von de« Wänden gerissen. Das Arbeitersekretariat, das Invalid« und Kranke betreut, wurde ebenfalls schwer heimgesucht. In Köln drangen am Mittwoch-Vormittag in das August Bebel-Haus, in dem sich die Geschäftsräume der„Rheinischen Ze i- t u n g" befinden, etwa 60 SA-Leute ein. In der Bitchhandlung nahmen sie Broschüren, Druck- vapier und einige Dekorationsfähnchcn an sich. !Di« Siegesbeute wurde auf der Straße verbrannt. Später hißten Nationalsozialisten auf dem August Bebel-Haus die Hakenkreuzwahne. Die Polizei erklärt« auf Anruf, daß sie gegen di« Hifsung der Fahne nichts unternehmen tverde, jedoch wolle sie das Haus schützen. In Kassel hatte die SA unter Führung des Nazi-Abgeordneten Roland Freisler vorübergehend das Gewerkschaftshausbesetzt. Auf dem Gebäude wurde die Hakenkreuzfahne gehißt. Außerdem wurden Türen eingeschlagen, Akten, Bücher und das Schriftmaterial zerstreut. Mitgenommen« Fahnen wurden öffentlich verbrannt. Der Schaden ist erheblich,— Als ein Gewerkschaftsführer utner dem Schutz eines Schupobeamtcn die SA-Leute zum Verlassen des Gebäudes aufforderte, rückten si« wieder ab. Si« nahm«» eine Anzahl Fahnen mit, dir sie auf dem Martinsplatz verbrannten. Unter ihnen befanden sich einige alte Handwerkcrfahnen vo» hohem geschichtlichen Wert. Hebamme Frau GOnther sagt: Jede verständige Mutter gibt ihren Kindern Kathreiners Malzkaffee! „Kathreiner**, doppelt stark eingekocht, zur Hälfte mit Milch vermischt, ist 3 mal(I) so leicht verdaulich als pure Milch und erhält die Kinder frisch und kräftig. Tausende Arzte empfehlen ihnl Ein frisches Lüftchen? Die„B ohe iu i n" macht. Fortschritte— wenn auch noch nicht den Fortschritt. Nachdem sie, bis zum 5: März total hakenkreuzlerisch, am Dienstag ganz plötzlich ihren Herrn F. W. einen Borritt in die verlassenen demokratischen Gefilde hat unternehmen lassen, sucht sie fetzt, ihrem Karren weiter sachte Wendungen nach links zu geben; nicht nur ist in den Titeln über diverse Deutschland-Meldungen bereits ein leises Knurren der,<8ohemia" gegen Aqllvater Hitler zu ternehmen, sondern auch demokratische Worte fallen ihr jetzt wieder ein; zwar noch nicht gegen die Persckutionen der Arbeiterschaft, ihrer Parteien und ihrer Presse; zwar noch nicht über die zynische Brutalität, mit der.Herr Hitler seine braunen Banditen tveiter okkupieren, drangsalieren und morden läßt; aber immerhin über den Gewaltakt in den Dresdner Staatstheatern murrt die alte Tante ganz vernehmlich. Nun, cs soll uns freuen, lvcnn das neue Gebiß allmählich auch kräftiger funktionieren sollte. Aber auch die Teplitzer Schwester der „Bohemia" scheint, sich, sachte umzustellen; der „To p l i.tzH chö n ä:ff,er Anzeiger" ist ganz empört über die gewaltsame Entfernung des Generalmusikdirektors Busch und gibt zugleich auch erbitterter Besorgnis über die Gctvaltakte gegen jüdische Geschäfte und Warenbäusrr in Essen Ausdruck. Wir wollen nicht höhnen, wollen nicht den merktvürdigen Umstand näher charakterisiere«, daß sich der„Teplitz-Schöuauer Anzeiger" erst getroffen sieht, wenn Tbeaterno:- gungen seiner Leserichaft zu schwingen beginnen und jüdische Geschäftsleute in Teplitz das Fürchten lernen. Wir begnügen uns niit der Feststellung einer zarten Wandlung. Die Herrschaften hatwn geglaubt, daß Herr Hitler Halt mache» werde, wenn er den Sozialdemokraten eins, über den Schädel gehaut hat. Nun aber lebt cmerseiis die Sozialdemokratie sehr kräftig weiter, andererseits stehen kulturelle und Eigentums- i n t e r e s s e n auf dem Spiel, di« den ltz^ermden des Driften Reichs in der Prager Lilicnqasse und auf dem Teplitzer Schulplatz dach noch näher sitzen als das braune Hemd. Und da rücken sie nun auch gegen Hitler aus— wenn auch zunächst nur mit bequemen kleinen Taschenspritzen, die man ohneweiteres wieder kann verschwinden lassen, wen» das eigene Häusel nicht mehr bedroht werden sollte. Aber immerhin: ein frisches Lüftchen ist da. Und an Herrn Hitler wird cs gewiß nicht liegen, wenn die Klappen wieder bald geschlossen werden sollten! Nene Wirtsdiaitsverhandluiugen mit Oesterreich. Wien, 8. März. Wie di«„Börse" von einer der österreichischen Regierung nahestehenden Seite erfährt, steht die Wiederaufnahme der Handels- verftagsvcrhandlungen zwischen Oesterreich und der Tschechoslowakischen Republik unmittelbar bevor.. Teile 4 Freitag, 10. März 1038. 5k. 59. Eine interessante Wahlstatistik. Bei den Reichstogswahlen haben im KAn Männer und Frauen gstvemet ihre Stimmen' abgegeben. Dor Anteil der Frauenstimmen an den iusgosamt abgegebenen Stimmen ist bei den Regiernngsparkeien fast gleich groß, bei den Linksparteien ist er kleiner. Boi der SPD vereinigten die Männer ans sich 16.5 Pvozerrt, die Frauen 13.3 Prozent; bei der KPD ist die Differenz noch größer: 21.7 Prozent Männer gegenüber 14.9 Prozent Frauen. Beim Zentrum ist das Berhälinis umgekehrt: hier wurden 23.8 Prozent Frauenstimmen gegenüber 19.4 Prozent Männerstimmen gezählt. (ffiiiHiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiuiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiinitiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiHiHiHiiiHHiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiHiHmiiiiniininiinuiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiHiMiiiiiniiiiiiimniiiiHiuniiiiiiiiiH T agesneuigkeiten Die Bräunung der Machen Staatsttzeater. Die Parteileitung der Nationalsozialisten hat in Dresden tatsächlich„Ordnung" gemacht. Der Generalintendant der Staatstheater, Dr. Alfred Reucker, ist seines Amtes enthoben, aus dem Staatstheater hinausgeschmisse» worden. An seine Stelle tritt jener Schauspieler Posse, dessen bisher bekanntes Verdienst um die deutsche Kunst in dem Besitze eines nationalsozialistischen Mitgliädsbüchel besteht. Mit dem Generalintendanten sind auch der bisherige Dramaturg und-er St udienleiter der Dresdner Staatsoper dem Hitlerismus zum Opfer gefalle». Nunmehr ist Kutzschbach Direktor der Oper, der Schauspieler Schröder Direktor des Schau- spielhauses; und mit Ausnahme der technischen Leitung sind auch die Träger aller übrigen wichtigen Funktionen ausgewechselt worden. Dem GcneralmusWirektor Fritz Busch ist, wie es in dem Ukas heißt,„eine weitere Tätigkeit als Generalmusikdirektor a n h e i m g e st e l l t Worden". Das wird Wohl soviel bedeuten, daß man mit dem Charakter des bedeutenden Dirigenten und also mit seinem Verzicht auf weitere Tätigkeit rechnet! Es ist bemerkenswert, daß die Nationalsozialisten gar nicht den Versuch unternehmen, diele radikale Auswechslung mit Hinweisen auf künstlerische Notwendigkeiten begründen zu wollen, was ihnen ja auch nur unter dem Fluche der Lächerlichkeit möglich Wär«, da es sich sowohl bei Busch wie bei Reucker um unumstrittene Künstler ersten Ranges handelt. Nein, hier fragt sichs nach der Partei allein! Diejenigen, die rechtzeitig„Gesinnungs"-Anschluß an die Bagage gefunden haben oder sich dazu drängen ließen, die bekommen fetzt Posten und Pöstchen, rücken vor, machen Nullen, die hinter ihnen stehen, Platz. So sieht di« Arbeitsbeschaffung Ml Hitler-Deutschland aus! Die Verdrängten, di« Abgesägten, die Hinausgeworsenen, di« mögen schauen, wo sie bleiben! Ob sie genial oder nur tüchtig sind, ob sie sich Verdienste erwarben, ob sie vielleicht ein ganzes Leben lang ihr Bestes hergaben— das alles ist den braunen Gesellen Wurscht. Wurscht auch, ob es sich um Arbeiter, um Beamte, um K ü n st l« r, um Gelehrte handelt! Freie Bahn allen Nationalsozialisten, allen Kreaturen, allen, die ihre Gesinnullg verleugn«», allen, di« abschwören. Fort mit allen, die kein Parteibuch haben! Auch in diesem Punkte erlebt Deutschland eine Schmach, die ohnegleichen in der Geschichte eines modernen Kulturstaate- ist. Und man müßte Wasser statt Blut in den Adern haben, wenn'man dieser Schändung der Nation Kants, Goethes und Beethovens nicht mit allen Fasern seines Herzens ein rasches Ende hcrbeisehnt«! Biiryermeisterö-rmals BearSbnts Chicago, 9. März. Am Freitag findet das feierliche Begräbnis des Chicagoer Bürgermeisters Anton Oermak statt. Der Leichnam, der aus Miami.nach Chicago gebracht wurde, wurde in der Privanvohnung des Bürgermeisters aufgebahrt und vom heutigen Vormittag an im Rathaus öffentlich ausgestellt. Die Beisetzungsfeierlichkeiten finden im großen Stadion von Chicago statt, das 100.000 Personen faßt. Die kirchlichen Zeremoniell werden nach amerikanische« Brauch, um dem Verstorbenen Achtung zu erwciien, von Priestern aller drei Glaubensgemeinschaften(!!), und jioat der katholischen, protestantischen und südlichen Kirche vorgenommen werden. Nach den Trauerkundgebungen wird öermäk aus dem tschechischen Friedhöfe in dem Grabe zur letzten Ruhe bestattet werden, in denl seine vor vier Jahren verstorbene Gattin begraben liegt. Feuertod einer Familie. Bochum, 9. März. In einem Hause in Bochum-Linden brach heute vormittags ein Brand aus, der drei Todesopfer forderte. Das Feuer ist wahrscheinlich in einem im Erdgeschoß liegenden Lebensmittelgeschäft entstanden. Die in den oberen Stockwerken schlafenden Bewohner des Hauses wurden von dem Feuer überrascht. Von einer Familie fielen der Mann, die Frau und ein Kind den Flammen zum Opfer, ein anderes Kind erlitt schwere Verletzungen. Ein weiterer Hausbewohner trug durch Sprung zum Fenster hinaus ebenfalls schwere Verletzungen davon, eine Frau wurde leichter verletzt. Die Feuerwehren von Bochum und Linden nahmen mit allen verfügbaren Kräften die Bekämpfung des Brandes auf. Wiener Reaktion. Aerzte-Kur»dgeb««g gegen de« Krieg»erböte«. Wien, 9. März. Die von einem Aerzte- Komitee gestern abends einberufene Kuiidgebung gegen die Gefahr eines Krieges wurde von der Behörde im letzten Augenblick verboten. Biele Aergte, die die Versammlung aufsuchten, fanden den Saal gesperrt und zwei Wachleute forderten die Versammlungsbesucher auf, sich zu entfernen. Rekordslieger. Paris, 9. März. Der französische, Flieger Lemoine stellte gestern zwei Weltrekorde auf. Er erzielte auf einer Strecke von 1000 Kilometern mit einer Nutzlast von 1000 Kilo eine Durch- schnittsgcschwindigkeit von 281 Kilometern 250 Metern. Der bisherige Weltrekord wurde seit dem Jähre 1930 von dem tschechoslowakischen Flieger S v o z i l mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit 252.380 Kilometern gehalten. Lemoine erzielte gleichzeitig einen Weltrekord auf 1000 Kilometer mit einer Belastung von 500 Kilo. Dieser Rekord war seit dem Oktober 1930 in den Händen des tschech. StabskapiAus Wcipcrt wird uns geschrieben: Genosse Lorenz, der Lokalvertrauensmann unserer Partei, und der Vorsitzende der KP in Bärenstein erhielten in der Vorwoche vor der Wahl in Deutschland Drohbriefe, die di« Absichten der Nazis in unverhüllter Weise zum Ausdrucke brachten und mit den verheißungsvollen Worten endeten:„Und dann Gnade Ihnen Gott!" I« den letzten Tagen der verflofscnen Woche verkündeten nun die Sendlinge aus dem Dritten Reiche, daß noch in der Nacht vom 4. zum 5. März„die Buoedes Lorenz und Fickert in Rauch aufgehen werde." Die Genossen unserer Partei trafen daher im Verein mit den Kommunisten in Barenstein alle Vorbereitungen, um die Genannten vor dem Terror der entfesselten braunen Mordbestien zu schützen. Aus diesem Grunde sollen nun auch Kommunisten von hüben an der Grenze Wache gehalten haben, um ihren bedrängten Genossen jenseits der Grenze zu Hilfe eilen zu können. Diese Ansammlung nahe der Grenze wurde nun der Behörde berichtet, die durch die Polizei, verstärkt durch Gendarmerie, in der Nacht vom 4. zum 5. März das Gebiet an der Grenze abstreifen ließ. Bei der Grenzbrücke in der nächsten Nähe der Blech- hammerschänke kam es nun in dieser Nacht zu Schießereien zwischen sächsischen Zollbeamten und Kommunisten. Soweit bisher Mitteilungen über den Hergang dieser Schießereien vorliegcn, bei der zwei Kommunisten verletzt wurden, ist aus ihnen zu entnehmen, daß das Feuer nicht von kommunistischer Seite eröffnet wurde. Die sächsischen Zollbeamten zwangen die angehaltenen Kommunisten, mit hochcrhobenen Händen die Grenze nach der tschechischen Seite zu überschreiten, und veranlaßten sie, in diesem Zustande mit vorgehaltenen Gewehren solange zum Aushorren, bis sie sie der inzwischen herange- kommenen tschechischen Gendarmerie übergeben täns Kalla, der ein« Turchschnrttsstundenge- schwindigkeit von 275.269 Kilometer erzielt hat. Kairo, 9. März. Der deutsche Weltftiegcr Karl Schwab c-Partcnkirchcn, der nach Kapstadt unterwegs ist, flog gestern von Aleppo ohne Zwischenlandung eine Strecke von 1100 Kilometern bis Kairo. Der Flug wird weiter am Nil entlang führen. Loudon, 9. März.(AR.) Der 19jährige südafrikanische Flieger Victor Smith startete beute nachts um 2 Ahr vom Flugplcch in Lympne zu seinem dritten Versuch eines Rekordfluges nach K a p st a d t. Um 7.45 Ahr landet« er in Perpignan in Frankreich und startete kurz darauf zum Weiterflug nach Oran. Der Dollar fällt. Als in Deutschland die Jnflafion aus einer Mark Millionen machte, die weniger Wert hatten, als das Papier auf dem die Zahl stand, da gab es in den sogenannten Wirtschaftskreisen den Kinderschreck: „Der Dollar fällt"; das war nämlich nach Ansicht der eingeweihten Führer unmöglich und der Inbegriff alles Schreckens, so ungefähr wie das altrömische Drohwort:„Hanni- bal ante Portas!" Und jetzt stürzt dieser Götze des internationalen und die Welt drangsalierenden Finanzkapitals vom Piedestal seines Wertes, den er nur dem Kunstgerüst des Kapitalismus verdankt. Sämtliche Goldklauseln unserer.in den Grundbüchern eingetragenen Darlehen wird man umschreiben müssen, denn sie halten sich an den Dollar, an dessen unverrückbaren Wert die genialen Wirt- schaftsheroen und Kapitalsraubritter unserer Zeit geglaubt haben wie an die eigene nicht existierende Fähigkeit zur fruchtbaren Arbeit. Das Land der ungeheuerlichsten Naturreich- stümer, der ungeheuersten Industrieorganisatio- ! nen, die der ganzen Welt imponierten und die besten Arbeiter zu konzentrieren verstanden haben, das Land der Wunder und Phantasiekarrieren, dieses Land hat innere Krämpfe: Millionen„Gentlemens" wandern auf den Landstraßen als blutarme Tramps, Ford legt seine Werke still, von Hollywood wird die Schminke gewaschen und stehen bleibt eine geistlose Bande hilfloser Schwindler, die Schlächter in Chicago feiern und die paradiesischen Obstkulturen in Kalifornien liegen brach, die herrlichen Früchte faulen auf den Feldern, weil ihr Preis nicht einmal mehr die Kosten des Erntens decken will.— Der Danke«, der gewohnt war, mit Schecks zu bezahlen, sieht heute mit Entsetzen, daß„seine" Bank die Auszahlung der ihr anvertraüten Gelder verweigert, seine Schecks werden nicht eingelöst,, sein Vertrauen zur Welt verschwindet. Man sagt nicht umsonst, daß der Amerika- ner ein großes Kind sei: war er noch vor kurzem überzeugter Individualist, so verfällt er jetzt ins andre Extrem, er spielt mit Fünf- jahresplänen oder betet die Technokratie an; denn ohne ganz großes Schlagwort erscheint dem Amerikaner das Leben unmöglich. Und Millionen stolzer Amerikaner sehen in der Inflation das einzige Mittel der Rettung: der stolze Dollar soll fallen, geopfert werden konnten. Dabei hatten sic aber selber schon di« rcichsdcutschc Grenze weit überschritten und befanden sich eine ziemliche Strecke auf tschechischem Blchen. Bei Ankunft der Gendarmerie soll es nun unweit der Schmiedlfabrik zu einem neuerlichen Feuerangriff gekommen sein, bei dem auch die tschechischen Gendarmen von chrer Waffe Gebrauch machten. Mit. dieser Ouvertüre wurde an der Grenze in Bärenstein—Weipert der Wahlsonntag eingeleitet. Die Verhafteten, nach den vorliegenden Berichten drei aus Kühberg und vier aus Weipert, wurden noch in der Nacht dem Bezirksrichter in Weipert zur Einvernahme eingeliefert und inhaftiert. Auf Grund der eingeleiteten Erhebungen seitens der Gendarmerie wurden im Laufe, des Sonntags noch weitere Personen, darunter ein S t a d t r a t v e r h aft e t. Die Verhaftungen wurden am Montag fortgesetzt. Man verständigte dabei Leute rn den Fabriken, sie mögen zur Einvernahme erscheinen und„Brot mitbringen". Nach Abschluß der Erhebungen sollen die Verhafteten dem Kreisgerichte in Brüx übergeben werden. Ein besonderes Kapitel dieser Vorfälle bildet jedenfalls tue Berichterstattung der bürgerlichen Presse, die sich darin gefällt, von einem marxi- stischen Mordgesindel zu schreiben und damit chr« bekannte„objektive" Wahrheitsliebe bis zum Erbrechen offenbart. Dabei ist es kein Geheimnis, daß die allgemeine Meinung in der Oesfentlich- keit vorherrschend ist, daß di« Ansammlung der Kommunisten bei der Uebergangsbrücke b«l der Blechhammerschänke, nur aus dem Grunde erfolgte, um Parteigenossen, welche in der Nähe der Brücke auf sächsischem Gebiete wohnen, bei einem Ueberfall durch Nationalsozialisten zu schützen. Vom Rtindhink Empfehlenswertes aus de« Programme«. Samstag: Prag: 6.13: Gymnastik, 11: Schallplatten, 13.30: Jugendliteratur, 18.35: Deutsch« Sendung: Jungst« deutsch« Dramatik, 22.15: Bunter Abent aus Mähr.-Ostrau.— Brünn: 12.30: Orchesterkon- zert, 18.26: Deutsche Sendung: Deutsch« Kmn> pomsten aus der Tschechoslowakei.— Berlin: 1630: Di« Meistersinger von Nürnberg, Oper von Wagner.— Hamburg: 19.90: Zitherkonzert.— Königsberg: 20.10: Aus Johann Straußschen Mersterope- retten.— Leipzig: 19.90: Chorkonzert, 20: Heiter« Abend.— München: 18.45: Kammermusik. 21: Mozart und Salieri.-— Wim: 19.40: Arien und Lieder, 20.15: ,Me tolle Therese", Operette von Johann Strauß— Vater. Welch« Sender bringen Frühmeldung«»?. Für Hörer, die zeitlich schlafen gehen und morgens noch keine Zeitung ausliegen haben, werden von folgenden Sendern die wichtigsten Abendmeldungen des drahl- losen Dienstes wiederholt bezw. di« neuesten Nachrichten durchgegebcn: 6 Uhr Mühlacker, 6.15 Uhr und 7 Uhr Prag, 7 Uhr Hamburg und München, 7.15 Uhr Mühlacker.— Auch Breslau dürste in der Zeit während der Pause im Morgenkonzert Nachrichten bringen.->,« am Altar des Verdienstes. Das Gebäude des amerikanischen Kapitalismus bricht zusammen, verzweifelt versucht die Regierung das System zu halten, was ihr aber nicht gelingen wird. Der eigentliche Katastrophensturm, der dem Kapitalismus ein Ende setzen wird, steh: noch bevor. Kommunisteu-Hatz in Frankreich. Dos „Journal" berichtet, daß an der Vorschule für Schiffsjungen der Kriegsmarine in B r e st, dir Zöglinge im Alter von 13 Jähre« aufnimmt, eine kommmristische Zelle entdeckt worden.-'sei, di« aus etwa zwölf Schülern unter der Führung eines link-.radikal eingestellten Lehrers bestanden habe. Di« betreffenden Schüler seien daraufhin strafversetzt worden. Rach dcnr„Motin" sollen sogar zwei Lehrer in die Angelegenheit verwickelt sein. Nach dieser Quell« dürften die Schüler entlassen und gegen die Lehrer disziplinarisch vo«gegangen werden. Selbstmord eines Doppelmörders. Der Top- pelmördier Rudolf I a n t u 8 e k, der Dienstag, in Dlh« bei Delks Dcvina im Bezirk S i'I l e i n seinen Schwiegervater und seine Sch wiege r m u t t e r, die Eheleuitr Cisarik, erschossen hatte, schoß sich Mittwoch in den Mittagsstunden aus einer Schrotflinte in den Bauch, als er von Gendarmen im Walde umzingelt wurde. I" hoffnungslosem Zustand wurde cr in das Kran- kcnhauH nach Tvenöin gebracht. Der Eisbrecher„Sibirjakow" wurde Mittwoch noch Beendigung seiner Fahrt Archan- g« l s k—W l adiwosto k—S u e z—M u'r- ma nsk in einer Gesamtlänge von 21,000 Meilen in Murmansk festlich bewillkommnet."Zn seiner Begrüßungsansprache erklärte der Prass' deut der wissenschaftlichen Akademie Karpinikij, daß die Fahrt des„Sibirjakow""einen Vleiten- stein zwischen zwei Epochen darstelle, und tzvst zwischen der Epoche der wissenschaftlichen Tittch forschung der sogenannten„nordöstlichen Passagt' und der Epoche, in welcher diese Passage zu einem gewöhnlichen Handclsweg wird. Falsche Kronenstücke in Geldautomaten. 3* dem Jglauer Hotel„Bei den drei Fürsten" wurde» in einen« Geldautomat, Typ Rotary, starr Kron<» aus Metall hcrgestellt« Fälschungen! vorgk' funden. Bei der näheren Unttrsuchung alser Gc>^ automaren in der Stadt wurden rn Viesen 170* Stück aus Metall und 400 Stück aus Papier hcf' gestellter Falsifikat« gefunden. Das Polizeikominis' sariat nahm unter den eifrigsten Spielern desir Automaten Nachforschungen auf und hat heute 24jährigen Automechaniker Alfred Progil, den jährigen Kürschnergehilfen Kazda und dessen sährtin Emilie Freibauer verhaftet. Bei den isir- hafteten wurden noch 200 Nachahmungen vr» Kronenmünzen aus Blei beschlagnahmt. Die Falsn fikat« wurden in der Werkstatt eines Optikers durs Gipsabdrücke hergestellt. Die ganze Gesellschaft wurde heut« einschließlich des Optikers dem Krrsi' geeichte«ingeliefert. Dir Ziehung der Jugendfürsorge-Lotteri« rhttf 1 unwiderruflich schon am Mittwoch den 15. Hätt 1933, um 10 Uhr vormittags in Reichenberg, Hal-' zell« 14, statt. Treffer im Wert« von 250.000 kommen zur Verlosung, darunter Haupttreffer's 125.000, 20.000 und 10.000 8. Es sei nochmals daran! hingewiesen, daß nur solche Lose gewinnen könnet für die der Betrag bis längstens 14. März d. eingezahlt wird— es ist also höchste Zeit! Lose zum Preise von 5 K noch zu haben bei allen Lol' Verschleiß-Stellen, Trafikanten und zu beziehen vo" der Deutschen Landeskommission für Kinderschuh und Jugendfürsorge, Reichenberg, Waldzcile 14. Wertvoller Fund. Wie aus Laibach gemeld'l wird, fanden Arbeiter, di« mit der Aushebung M Grundes für eine Handelsakademie beschäftigt sind. einen herrlichen Sarkophag aus der Römer' zeit. Der Konservator des Laibacher Museum- begann sofort an der Stelle weiter« Nachgrabung«', wobei er Münzen und Bilder der römischen Kai''' Trajan, Nero und Konstantin sowie ein« ganj< Reihe anderer wertvoller historischer Gegenständ fand. SMrisches Obst. Die Gartenkulturversuchff station in der sibirischen Stadt Zlatousta hat m>l gutem Erfolg Birn-, Pflaumen-, Aepfel- und Mandelbari me gezücht«t, wodurch der Beweis erbraäft wurde, daß di« allgemein« Ansicht, wonach der Ural di« natürliche Grenze für die Züchtung dieser Obst'! bäume darstelle, de« Tatsachen nicht entspricht. uiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifliiiiiiiiiiiiiiiniiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinitiiiiiiiiiiifniiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiniiiiiitiiniiifiiiiiiiiiiiiiiiiiii{iininniiuiiifiiiniiuiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Ak WWk» MkN«WMkll»MtkN, WO W GkNvMkll UH KWMllW Id WMIn-MW. Lebergriffe der Mstschen Zollbeamten. Rr. 59. Freitag. 10. März 1983. Jtttt 5 ga.'sb WaSemai». (Zu seine« 60. Geburtstag am 10. März.) Dichten heißt nach einem bekannten Ausspruch Ibsens„Gerichtstag halten über sein eigenes Ich". Man muß diese Deutung noch erweitern. Nicht allein über sein eigenes Ich, sondern über Zeit, Volk und Menschheit hält der tvahre Dichter Gerichtstag. Es gibt wenige deutsche Dichter der Gegenwart, auf die diese Deutung in so hohem Grade zütrifft, wie auf Jakob Wassermann. Die Form der Dichtung, di« Zeitgeschehen und Menschenerleben am erschöpfendsten zu gestalten und am einleuchtendsten zu erklären vermag, ist der Roman. Wir haben seit dem Beginn unseres Jahrhunderts eine Blüte der deutschen Erzählerkunst erlebt, wie kaum jemals in früheren Zeiten. Und wir leben heut« in einem Zeitalter stürmischer Entwicklung und Umwälzung, das von Stoff und Motiven für große Romandichtungen geradezu überquillt. Aber nur in ganz seltene« Ausnahmefällen bemächtigen sich unsere wirklich bedeutenden Erzähler— man mag vielleicht an Alfred Döblin, Heinrich Mann oder Leonhard Frank denken— solcher Stoffe; der sehr zeit- oewußte Thomas Mann beispielsweise bemüht sich schon seit einer Reihe von Jahren um«ine Darstellung der alttestamentlichen Josef-gestalt. Was uns dagegen an Zeitromanen in unübersehbarer Zahl entgegentritt, das ist fast immer mehr oder weniger öde, schablonenhafte, gesin- uungstreu«, einseitige Tendenzschriftstellerei oder ungestaltet«, auf den Zufallseindruck gestellte Naturalistische Reportage. In der Bereinigung größter künstlerischer Vertiefung und einer über die unmittelbare Beziehung zur Gegenwart hinaus zeitlosen Aktualität der Schilderung liegt eben Wassermanns besonderes Verdienst. Seinen Ausgang nimmt Wassermann immer '■— und gerade darin liegt die eigentliche Wahrheit seiner Schilderung— von der Darstellung einzelner Menschen und persönlicher Schicksale. Aber unendlich mannigfaltig sind Umwelt und Verhältnisse, die das Einzelschicksal bedingen und bestimmen, und aus der Ergründung, Erklärung und vielseitiger, von Objektivität und Verständnis getragenen Beleuchtung dieser Umwelt und Verhältnisse ergibt sich ganz natürlich, ohne gesuchte Konstruktion, die Typik und Allgemeingültigkeit der Schilderung. So spiegelt Wassermanns stofflich aktuellster Roman„Der Fall Maurizius" die psychologische und soziale Seile von Kriminalität und Strafvollzug umfassend und klar und mit einzigartiger dvamattscher Lebendigkeit Und Wucht. So ist im„Etzel A n d e r g a st" mit seherischer Sicherheit und gewissenerfüllter menschlicher Teilnahme di« Enge und Ziellosigkeit charakterisiert, di« die Jugendlichen unserer Zeit ins Lager des politischen Radikalismus treibt. So ist in»Landin und die Seinen" das moderne Sheproblem bis in seinen tieisten Grund durchforscht. So ist in Wassermanns dichterisch reifstem und feinstem Roman„DaS Gänsemännchen" di« Tragik des Künstlers und der Konflikt des Einzelgängers, des Ausnahmemenschen, mit der Gesellschaft geschildert. Und so wird der„Christi a n W a h n s ch a f f e" in seiner Zusammenfassung einer fast verwirrenden Fülle verschieden- artigster Charaktere und zeitgeschichtlicher Erscheinungen zu einem monumentalen Zeitepos von der sozialen Mission des Menschen, durch dessen utopischen, idealisierten Schluß noch das Antlitz eines großen Menschen und Menschenfreundes und eines starben Ethikers hindurchleuchtet. Auch auf geschichtliche Vorgänge hat Wassermann seinen Gerichtstag über Zeit, Volk und Sowldrußland und die Arbeiterklasse. In dem gleichen Maße, wie in Europa die Reaktion fortschrertet, wird Sowjetrußland zu einer immer stärkeren Hoffnung für die Arbeiter- klasie. Seine Erfolge, seine Kampfe, seine Entwicklung werden aufmerksam verfolgt und. geben, trotz der grundsätzlichen Verbundenheit, die jeder Proletarier mit Rußland fühlt, zu Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Klasse- Anlaß. Nicht immer werden diese Meinungsverschiedenheiten mit sachlichen Mitteln ausgctragen: oft besteht zu wenig Klarheit über die inneren Verhältnisse der Sowjetunion, nicht weniger oft wird den konrmunistischen Arbeitern von ihrer Partei eingeredet, die Sozialdemokratie sei Sowjetnrßländ nicht nur feindlich gesinnt, sondern fordere sogar die kapitalistische Intervention gegen den Ratr- staat. Klarheit über Rußland,, die ungeschminkte Wahrheit über die in ihm herrschenden Vcrhält- nissc den Arbeitern zu vermitteln, ist eine der wichtigsten Aufgaben der aegenwärrigen sozialistischen Bildungsarbeit. Mchts wäre gefährlicher, als die kritiklose Verherrlichung der russischen Zu- stände unbeantwortet zu lassen, die in jeder kom- Nlunistischen Zeitung zu lesen ist. Das Erkennen der Wahrheit und der Schwierigkeiten verpflichtet den Proletarier viel stärker für Rußland als alle Lobpreisungen. Und wenn wir diese Wahrheit künden, so ist das alles andere denn ein Verrat au Rußland; es ist m Wirklichkeit die beste hjlsc, die wir Sowjetrußland leisten können. In der Broschüre„Towjetrirßland und die Menschheit ausgedehnt. In historischen Reportagen hat er abenteuerlich« Entdecker— Columbus und Stanley— zu neuem Lebn erweckt. Stärker freilich vermag er das Bild der Geschichte in freier dichterischer Nachschöpfung anschaulich, zu machen. In einem seiner frühesten Werke steht die seltsam« Gestalt des vor hundert Jahren ermordeten»Kaspar Hauser" und dos Zeitalter des Vormärz im Mittelpunkte. Und vom Zeitalter der Religionslämpfe und der Inquisition wird es kaum eine eindrucksvollere und im historischen Gesamtbild echtere Schilderung geben, als sie uns Wassermann in seiner kleineren Erzählung„Der Aufruhr um den Junker Ern st" gibt. Es ist besonders bemerkenswert, daß gerade die Charatt«risierung halbwüchsiger Knaben dem Dichter so überraschend sicher gelingt. B«i allen stofflichen Vorzügen ist Wassermann doch wesentlich phantastevoller dichterischer Gestalter. Sogar ein Hang Mr Romantik ist bei ihm unverkennbar und verleiht seinen Erzählungen einen eigenartigen Reiz. Der Aufbau seiner Erzählungen ist von großartiger Architektonik, Prag, 9. März. Von der niederträchtigen und verderblichen Tätigkeit d«r KautionShhänen, di« verzweifelten Arbeitsuchenden die letzten Groschen aus der Tasche ziehen, ist hier schon oft di« Rede gewesen. Heut« wurde vor dem Senat des OGR. S u d o m a«in Fall verhandelt, den man geradezu als Typus dieses Sözialverbrech en s betrach- len kann. Angeklagt war ein« Frau, di« 55jährige Inhaberin eines Modesalons, Bertha Vävra aus den Weinbergen. Die Anklage lautet auf das mehrfache Verbrech«» des Betruges und des achtfach begangenen Verbrechens der Veruntreuung.. Di« Bet rugs fälle wollen wir hier außer- acht lasst«, Es handelt sich um War«, welche von Großfirmen auf Kredit geliestrt, aber nicht bezahlt, sondern trotz dem Eigentumsvorbehalt der Lieferfirmen verkauft wurd«. In den Dschungeln der„schöpferisch«nPrivatinitiatived«S Unternehmers" kennt sich der unverderbt« Menschenverstand nicht so leicht aus und es ist nicht so einfach zu entscheiden, wo di«„kaufmännische Usane«" aufhött und der Strafparagraph beginnt. Auch die Richter kamen in diesem Punkt zu keiner schlüssigen Entscheidung und sahen sich hier zu einem Fr«ispruch genötigt. Anders aber im zweiten Hauptteil der Anklage, der den abscheulichen Kautionsschwindel betrifft. Acht arm« Mädel um 60.000 Kronen geprellt! Der Modesalon der Angeklagten prosperierte nicht. Neber di« Situation dieses Unternehmens geben die Akten Auskunft. Ganze Stöße von Akten, di« verlor«»« Zivilproz«sse betreff««. Zwanzig Klagen vor dem Zivilgericht, größtenteils bereits rechtskräftig zu Ungunsten der Airgeklagten entschieden, Haust» von Exekutionsprotokollen, di« von erfolglosen Elutionen bericht«», mehrer« verloren« Prozesse vor dem Arbeitsgericht, Klagen der Krankenkasse, der di« Angeklagte 2000 K schuldet. Allerdings hat sie meist ihre Angestellten überhaupt nicht zur Versicherung angemeldet. Bei diesem Stand« der Dinge, zu einer Zeit, da ihr Geschäft überhaupt nicht in Betrieb war, sucht« sie im Jahr« 1831 durch Inserat« in der „Rarodni Politika" ihre Opstr. Sie sucht« Verkäuferinnen, obgleich er nichts wehr, zu verkaufen gab. Nacheinarwer meldeten sich- a-ch-t arm« Madel, die ihr auf ihr Verlangen Betröge von je 1000 bis 10.000 8 als Kaution anvertrauten. Letzt« Ersparnisse, zusammengeborgte Groschen! Allez in der Hoffnung auf ein halbwegs Arbeiterklasse"*), di« soeben im Verlage unseres Parteivorstandes erschienen ist, gibt Genosse Dr. Strauß einen zwar gedrängten, aber doch sehr instruktiven Ueberblick über die sowjetrussische Wirtschaft. Er bespricht die Wirtschaftspläne und ihre bisherige Erfüllung, di« nur teilweise befriedigend ist und eine Hebuna der Lebenslage der russischen Proletarier nicht zu erreichen vermocht« und für die nächste Zeit kaum zu erreichen vermag. Insbesondere verweist, e'r auf den Mißerfolg des ersten Fünfjahrplanes, in der Landwirtschaft und auf die Tatsache, daß es in Rußland zwar keine- industrielle Arbeitslosigkeit, aber«nie landwirtschaftliche Ueherhevm- kcrung von 9 bis 10 Millionen gibt. Besonders aufschlußreich ist die Darstellung des russischen Außenhandels, aus der zu entnehmen ist, daß die Weltkrise des Kapitalismus auch auf Rußland zurückwirkt und die Schwierigkeiten des wirtschaftlichen Aufbaues vermehrt. Ter Verfasser beschäftigt sich mit der kommunistischen Agitation, die. die Stellung der Sozialdemokratie zu Rußland ins Gegenteil umlugt. Gestützt auf die. Beschlüsse der Sozialistischen?lr- beitermternationale weist er nach, daß die Sozialdemokraten nicht nur theoretisch Gegner einer Intervention gegen Rußland sind, sondern eine solche unmittelbar nach dem Kriege sogar verhindert haben und daß die russischen Soualdemokrä- ten unter Einsatz ihres Lebens für die Rettung der russischen Revolution kämpften. Zu den Folgerungen, di« wir aus der Lage der Sowjetunion zu ziehen haben, gehört in erster *) Emil Strauß:„Sowjetrußland und di« Ar beiterklafse." Verlag der P'rtcivorstandeS der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, Prag. Preis K$ 2.—. und von der ersten bis zur letzten Seit« herrscht eine ungestüm mitreißende Spannung, die den Leser kaum losläßt. Dazu ist feie Darstellung von geschlissener Klarheit des Sprachstiels. Es ist wohl eine der wertvollsten Eiaenschaf- ren Wassermannscher Werke, daß sic über die eigentliche Anteilnahme an der geschilderten -Handlung hinaus so unerhört stark zum Nachdenken anregen. Selbst über die kleinsten, scheinbar ganz belanglosen Einzelheiten macht der Dichter oft erstaunlich scharfe, tveffende Beobachtungen. Mag man über die Problematik in seinen Romanen im einzelnen denken, wie immer inan will,>o wird man von ihnen doch in jedem Falle eine tiefe innere Bereicherung erfahren. Wir dürfen ftoh sein, in einer Zeit, in der gewisse Mitmenschen Geist und Kultur mit dem Browning bekämpfen, Repräsentanten deutschen Geistes wie Jakob Wassermann zu besitzen, und wir wollen uns zuliebe noch eine weitere reich« Ausbeute keines Schaffens wünschen. Dr. Wilhelm Bolze. gesichert«» Stück Brot. Summa summarum 60.000 K. Statt Lohn„Vorschüsse von ü bis 10 Krone». Manche der armen Dinger„arbeiteten" bis zu einem halben Jahr bei der Angeklagten. Zu tun war allerdings nichts. Dafür bekamen sie aber auch keinen Lohn. Großmütig bewillig:« di« Chefin von Zeit zu Zeit„Borschüsse" von fünf bis zehn Kronen. Die Vertrauensseligkeit der Opfer mag unbegreiflich erscheinen. Aber man bedenke: fast alle sind nicht mehr ganz jung. Sie sind meist schon in Jahren, wo der tätig« Mensch im Sinn« der kapitalistischen Moral als nicht mehr„erstklassiges Material' qualifiziert wirb. Dar bedeutet in der heutigen Zeit: Frauen von über 30 Jahren. Kniffe. Die Angeklagte beteuert« ihr« H it schuld. Es habe sich um„Geschäftseinlagen" gehandelt, nicht um rückzahlbar« Kautionen. Auf diesen Gaunerkniff ist hier schon unzähligemal« hingewiesen worben. Ein« Kaution" ist eine unbedingt rückzahlbare Forderung, di«„Einlage" ein« Beteiligung am Geschäft. Was in der Praxis bedeutet, daß«in« verloren« Kaution den Empfänger unter allen Umständen straffällig macht, während bi« Einlage bei einer Pleite eben verloren ist. Der Einleger ist Teilhaber und seine Einlage teilt das Schicksal des ganzen Unternehmens.. Auf diese Lücke-in den Maschen des Gesetzes hat auch bi« Angeklagte spekuliert. Sie ließ sich Vereinbarungen unterzeichnen, in denen es heißt, daß b!« „Kaution auch zu geschäftlichen Zwecken verwendet werden darf". Der Vorsitzende lehnt« allerdings dies« Machinationen in scharftr Weise als„bloßes Spiel mit Worten" ab. Geradezu erschütternd abkr war der Aufmarsch der acht Opfer, die ein« nach der andern zum Schluß der Verhandlung den erlittenen Schaben bezifferten und brr ihre Erregung während des Plädoyers des Verteidigers oft nicht zu beherrschen wußten. Di« Angeklagte verantwortet« sich zäh und hartnäckig, dreht« jeder Zeugin das Wort im Munde um und hatte für alles ihre Ausflüchte bereit. Der Gerichtshof beutteikt« die Sache mit sehr berechtigter Strenge. Die Angeklagte wurd«, soweit es di« Anklage wegen Veruntreuung betrifft, voll-schuldig«rkannt und zu fünfzehn Monaten schweren und verschärften Kerkers, zum Verlust dez Wahlrechtes und zur R ü ck« r st a t t u n g der von den Geschädigten geltend gemachten Beträge verurteilt. rb. Linie die Herstellung Zusammenfassung aller proletarischen Kräfte, di« nicht mrr die beste Sicherheit der russischen Revolution wäre, sondern dem sozialistischen Gedanken in der ganzen Welt neuen Boden gewinnen könnte. Allerdings darf, sagt Dr. Strauß mit Recht, die Notwendigkeit einer Zusammenfassung der Kräfte nicht blind machen gegenüber den verschiedenen Kampfbcd'ingungen in den einzelnen Ländern. Daß die- selbst führende Kommunisten erkennen, wird am Schlüsse der Broschüre durch das Zitieren einer wichtigen Rede M a n u i l s k i 8 bewiesen. Solche Erkenntnisse haben bei den Kommunisten, insbesondere aber bei der Kommunistischen Internationale, bisher nicht zu den entsprechenden Konsequenzen Geführt. Noch immer verbreitet die kommunistische fresse das Lügenmärchen von den„sozialfascistischen Feinden Sowjetrußlands", noch immer nehmen die Weisungen aus Moskau auf die anders gearteten Verhältnisse der verschiedenen europäischen Länder überhaupt nicht Rücksicht. Die Broschüre des Genossen Strauß wird die bisherige Stellungnahme der sozialdemokratischen Arbeiter zu Sowjetrußland festigen und sie könnte, unter den kommunistischen Arbeitern und Intellektuellen verbreitet, viele falsche Vorstellungen und durch sie erzeugte Giftstoffe beseitigen. Wir bejahen Sowjetrußland, sind entschlossen, es zu beschütze^. Und.wir kommensw dieser Stellungnahme trotz unserer Kritik. Wenn die sachliche und aufschlußreiche Schrift des Genossen Dr. Strauß auf kommunistischer Seite ein würdiges Echo fände,.so wäre ein wirklicher Schritt zur Verständigung innerhalb der Arbeiterbewegung getan.• K. K. Prager Zeitung. Zum„Schutz" der Bevölkerung. Auf Anregung der Zentrale der Roten Kreuz-Stellen sind in allen Staaten Maßnahmen zum Schutze der Zivilbevölkerung gegen die Folgen von Luftoder chemischen Angriffen bei einem eventuelle» bewaffneten Konflikt zwischen Staaten getroffen worden. In der Tschechoslowaki wurde die Zentrale des Bcvölkerungsschutzes im Jahr« 1930 gegründet. Gestern konstituierte sich im Sitzungssaale deS Altftädter Rathauses ein Ausschuß de- Bevölkerungsschutzes für Groh-Prag. Ei» Sondermotorzng nach dem Riesengebirq« wird am 11. und 12. März d. I. expediert, falls sich bis Freitag, den 10. dS., bei der Kassa Nr. 13 des Masarhk-BahnhöfeS in Prag mindestens 30 Teilnehmer melden. Preis für Verpflegung und Fahtt 108 K, ohne Verpflegung 65 K. Wie«beitet«in Fotoamateur-Sozialist- Debatte des Bundes sozialistischer Fotoamateur« (Svaz socialistickö fotografie), Freitag, 10. März, 19.30 im Odborovy dum. Prag II., Ra Persiynßll, Souterrain-Restauration. Gäste willkommen. Bringet Euere eigenen Photographien mit. Kunst and Wissen Zwischenfall in der Kleinen Bühne Gestern abends kam es in der Kleinen Bühne zu einem höchst peinlichen und beschämenden, in der Theatergcschichte vielleicht einzigarligen Zwischenfall. Ein Ensemble mit dem bekannten Komiker Fritz G r ü n b a u m begann gestern sein auf drei Tage anberaumtes Gastspiel mit„Weekend im Schnee", einer angeblich„heiteren Revue" Mehr noch als durch die unbeschreibliche Armseligkeit des Stückes, dessen Autoren vor den, seichtesten und ältesten Witzen nicht zurückschreckten, fühlte sich das Publikum in dem zu teuren Plätzen fast auSver- kausten HauS durch das kaum delettonrischr Niveau der übrigen Darsteller beleidigt; auch Fritz Grünbaum selber vermocht« weder Stück noch Darstellung auch nur einigermaßen zu heben. Nach Schluß der ersten Atter wurde der Beifall einiger weniger durch Zischen erstickt. Nach dem dann, in der Pause,«in Teil deS. Publikums seiner Empörung darüber, daß man- chm. solches Vorsitze,Ausdruck gegeben hatte, begannen gleich nach Beginn des zweiten Aktes laut« Mißfallensäußerungen, neuerdings Zischen, ironischer Applaus und schließlich rin paar Zurufe: „Schluß!" Ein Tbea-'erskandal schien bevorzustehen. Grünbaum rettet« d e Situation, indem er, aus seiner Rolle heraus zur Rampe tretend,«in« improvisierte Ansprache hielt, in der er gesstreich, geschickt und humorvoll dem Publikum Komplimente weg«» seines guten Geschmacks machte, der solchen Schmarren nicht verdauen könne. Der Sprecher brachte allmählich dir Lacher auf sein« Seit« und stellt« das Publikum zuftieden und die Rnh« wieder her, indem er dos Stück nicht zu End« spielen ließ und an seiner Stelle mit einem gur gespielten. Sketsch, aufwartete, der ungetrübten Beifall fand. So ist also diese Geschichte noch leidlich abgelaufen. Aber vielleicht läßt sich di« Direktion dies«n Zwischenfall nun doch zur Warna ng dienen! Bor wenigen Togen ist an dieser Stell« Grundsätzlicher über den Spielplan der Kleinen Bühne und ihre wahren. Aufgaben gesagt worden. Nizu ist einem Teil des Publikums selber einmal ü!« Geduld qerissen! „Kleinkunst" nun schon im März, während sich im eigenen Repertoire nchtS rührt; Versuch, mit jüdischen Witzen schlechtester Art zu unterhalten; und mit Schauspielern, die aus keinem Borstadttheaier Berechtigung haben..Herr Grünbaum teilt« pvar mit, daß dieses Ensemble in Frankfurt, Zürich und Brünn „triumphalen Erfolg" hatte— und er wunderte sich selber darüber—das erleichtert uns das Nachrenken über dieser Wunder! Um etwaige falsche Vorstellungen hintanzu» Halen sei kestgrstellt, daß der Zwischenfall nicht im mindesten antisemitischen od«r sonstwie politi- scheu Charakter hatte, sondern lediglich durch dar erbärmliche Niveau des Stückes und seiner Darstellung durch ein paar beispiellos-unzulängliche .Kräfte" hervorgerufen wurde. L. G. „Dxr med. Hiob PrAoriuS."(Ensemblegast- p i e l d e r T r u p p e E u r t G ö tz.) An dem Schauspieler und Autor Curt Götz erweist sich die alte Erfahrung als richtig, daß der darstellende Künstler, wenn er echtes Theaterblut hat, auch ein guter Stückeschreiber ist, der dem Theater gibt, was des Theaters ist. Man wird di« Komödien, die Curt Götz für sich und seine Frau schreibt, nicht an den wenigen Dichtungen messen, di« heut« noch di« Bretter erreichen, aber man kann sie sehr zu ihrem Nutzen mit der Ucberfülle papierener Literaten- vrobuktion vergleichen, die gähnende Langweile verbreitet, ob lle nun geballt und gestuft oder weitschweifig und geschwätzig dahcrkommt. Götz har reckt, wenn er sich immer wieder über dieses Genre lustig macht, wenn er aus den Schreidtisch-Amlurionen hoffmurgsloser Verlagsbeamten, indem er sie wendet und zu Hanswurstiaden umarbeitet, dem Theater ein paar witzig« Effekt« gewinnt. Auch seine Aerzte- komödie„Dr. med. Hiob Prätori üs", die in den Rabmen einer Sherlock Holmes^zen«. gespannt wird, hat alle Vorzüge der leichten Muse. Witz, oft Eine weiblich? Krmtionshyäne. Gerechte Strafe.— Warnung au Stellungsuchendr! Seit« 6 Freitag, 10. Mürz 1088. Ar. SS. Fiir Böikerfrieden und Menschenrecht. Der Internationale Frauentag in Prag. MtttMvngen ans dem Publikum. Spar«« am recht«« Fleck ist nicht leicht, dazu gehört Lebenserfahrung und praktischer I nn Man wundert sich oft, wie Leu!« mit ganz geringen Mit- teln ihr« Kleidung und Schuhe elegant erhallen»Luch Sie werde« sich überzeugen, wie wenig Geld Sie im Jahr für Ihr Schuhwerk ausgeben, wenn Sie B e r. son-Gummiabsätze und-Sohlen aus Berson- LAma-Gmmnileder tragen 100 Wittlich« Satire, ein in feiner sprunghaften Munterkeit besonders restvoller Dialog, wirksam auch dort «och, wo er zum szenenlangen Monolog wird, zahlreiche szenische Einfäll« und vor allem kein Zuviel an Logik, sondern statt dieser der Glanz des Unwirklichen, Operettenhaften über Handlung, Figuren und Sprache, machen d«n Zauber des anspruchslosen Stückes aus, bei dem man sich unterhielt und das mehr Anlaß zum Lachen gab als«in ganzer Hahresrepertoire der Kleinen Bühn« bietet. Der Humor entbehrt des tieferen Sinnes nicht, aber es liegt'kaum in den Intentionen des Autors und Darstellers, seine kleinen und großen Bosheiten gegen di« Medizinmänner ausführlich und ties- gründig zu deuten.— Die Ausführung wurde von Eurt Götz beherrscht, der den sarkastischen Sherlock Holüies ebenso wie den kindlich frohen Dr. Prätorius, beide mit weltmännischer Haltung, sicher und überlegen formt«. Valerie von Martens hatte nur in einer Szene Gelegenheit, ihre reizvoll« Erscheinung und ihre diesmal auf sächsisch gestimmt« Suada wirken zu lassen. Auch das übrige Ensemble war zufriedenstellend. Di« unheimliche Gestalt des Faktotums Shundersou wurde von Carl Meinhard ausgezeichnet charakterisiert. E. F. SamStag, halb L Uhr:„Figaros Hochzeit." (Gerneinsam mit der„Urania".) Susanns: Tilly d« Garmo, das beliebte ehemalige Mitglied des Neuen Theaters, jetzt Staatsoper, Berlin. Ganz klein« Preise. Teuerster Platz 1s K. Hansi Nies« in„Katharina, die Widerspenstige'; Festvorstellung für den Deutsch- Oesterreichischen Hilfsvereiu, am Freitag, den 17. März(D 1). „Komödie der Irrungen", in neuer Uebertragung von Hans Rothe, wird im Neuen Theater vorbereitet. Wochenspielplan des Reu«« Deutschen Theaters. Freitag, M8 Uhr:„Wenn die kleinen Veilchen blühen."(A.A.)— Samstag, Uhr: „Figaros Hochzeit'(A.A.);>48 Uhr:„Mäd- che«fahre einer Königin"(A.A.). Wochenspielplan der Kleinen Bühn«. Freitag, 8 Uhr: Ensemblegastspiel Fritz Grünbaum.— SamStag, 8 Uhr: Enfemblegastspiel Fritz G r ü n- bäum ArkNcr-TH» in< Sportverein Prag Mittwoch, de« 15. März, trat halb acht Uhr abends findet im Wintergarten des Hotels „Monopol"(gegenLber Ankunftsseil« des Masarykbahuhofes) unser« Mitgliederversammlung statt, in welcher Genossin Lotte Belina «inen Bor trag, über „Körper und Geist"' halten wird. Wir erwarte»«in zahlreiches und pünktliches Erscheinen aller, besonders aber der Turnerinnen. Gäste u«d Freund« der freie« Tnrnbcwrguug willkommen! Di« Vereinsleitung. Sport ♦ Spiel' MmvllM Internationale und Landes-Bestleistungen in der Arbeiter-Leichtathletik. Laufen über 800 Meter: International« Bestleistung: 1:57.9, O«st« r- re i ch; Landes-Bestleistungen: 1:58.8, Ungarn; 1: 58.9, Deutschland; 1:59.2, Lettland; 2:00.6, Norwegen; 2:03.6, Belgien; 2:03.8, Polen; 2:06.5, Tschechoslowakei; 2:06.8, Schweiz; 2:07.3, Estland; 2:10.1, Palästina.— Laufen über 1000M«ter: Internationale Bestleistung: 2: 36.2, Deutschland; Landes-Bestleistungen: 2:36.4, Ungarn; 2:89.3, Lettland; 2:39.4, Norwegen; 2:39.8, Oesterreich; 2:50.4, Polen; 2:51, Estland; ll:52,.Dänemark; 3:02, Tschechoslowakei.— Laufen über 1500 Meter: Internationale Bestleistung: 4:04.3, Deutschland; LandeS- Destleistungen: 4:05.4, Oesterreich; 4:08.8, Ungarn; 4:09.2, Lettland; 4:09.3, Norwegen; 4:19.9, Estland' 4:21.1. Schweiz; 4:22. Tlchechoslowa- k«i(DTJ.); 4:24.4, Polen; 4:27.8, Tschechoslowakei(A t u S). Nazi als Sportförderer. Im preußischen Landtag haben die Nationalsozialisten einen Antrag eingebracht, wonach die Regierung von den Rennsportvereinigungen verlangen soll, daß im Rcnnbetrieb keine ausländischen Jockeys verwendet werden sollen, um den inläitdischen Rennsport nicht zu schädigen. Ueber die Lag« des inländischen Körpersportes haben sich die Herrenreiter-Nazi keine Gedanken gemacht. Ihre Sorge gilt vorerst dem Rennsport und der Pferdezucht. In ihrem Programm fordern sie den Volkssport und in der Wirklichkeit fördern sie den Herrrnsport. RtltUtt, kümmert euch ua eure Jugend! Unterstützt dir Kindrrsrruudebewegung und di« Jugendorganisation. Der Sozialismus beginnt nicht in der Versammlung, sondern in der Familie! Es ist bereits zu einer wertvollen Tradition geworden, daß der Kampftag der sozialistischen Frauen in Prag im Zeichen innigster internationaler Solidarität begangen Witt». So war es auch eine Selbstverständlichkeit, daß der diesjährige Frauentag, der am 8. ds. stattfand, gemeinsam von den deutschen und tschechischen Genossinnen veranstaltet wurde. Die Raume des„LidovF düm" vermochten die Frauen und Mädchen und die in erfreulicher Anzahl erschienenen Genossen nicht zu fassen. Den Auftakt bildete der Einzug unserer prächtigen Roten Falken, die mit Fahnen und Gesang durch den Saal marschierten. Sie eröffneten die Kundgebung mit einem deutschen und einem tschechischen Sprechchor und bann sprach ein Falkenmädel— ebenfalls deutsch und tschechisch— den Gruß der Kinder an die kämpfenden Frauen. Ein gut vorgctragener Frauenchor— das„Lied der Arbeit"— der tschechischen Genossinnen schloß sich an. Sodann begrüßten die Vorsitzenden, Genossin Pola- k o v a(tschechisch) und Genossin Hackenberg (deutsch) die mächtige Versammlung. Das tschechische Referat erstattete Genoffin Abg. Jurneökova. Sie verwies in ihrer ausgezeichneten Rede auf die Anarchie der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, die trotz Ueberfluß Millionen Proletarier zu Hunger und Elend verdammt. So wie in allen Ländern versuchen auch in der Tschechoslowakei die bürgerlichen Parteien, den Arbeitern ihre Rechte streitig zu machen, sie bekämpfen die Maßnahmen zum Schutz der Krisenopfer, die Genosse Czech durchgesetzt hat/in gleicher Weise wie den Antrag des Genossen Meißner zur Reform des fluchbeladenen 8 144. Genossin Jurneokova beschäftigte sich des weiteren mit der drohenden Kriegsgefahr und stellte fest, daß der Krieg für die Rüstungsindustrien aller Länder ein Geschäft ist, nach dem sie sehnsüchtig verlangen. Gegen den Der Film Abenteuer in Engadin. So oft im Film«i« Erfolg erzielt wird, ebenso oft beginnt eine Reihe von Plagiat««; die Skiwunder der bisherigen Filn« von Dr. Famk haben di« Produktion angeregt, dasselbe zu versuchen. Selbstverständlich geschieht das mit den bewährten „KalkulationSmethoden". Man muß den erwarteten Erfolg auf eine möglichst breite Basis einstellen und versucht darum, die Handlung im Sinne der„gangbaren'- War« mit Operettenhandlung zu gestalten, wodurch, natürlich, der. Hauptesfekt des Sportsilms erschlagen wird. Ein« Handlung von einem eleganten Mädchengeschöpf der ollerobc^tep Vornehmen, die in einem Monat nicht nur Meisterin des Skilaufs, sondern auch des Bobfahrens, des Skijöring Wahnsinn des Krieges, gegen Nationalismus und Klcrikalismus, gegen kapitalistische Wirtschaftsanarchie und für die bessere Weltordnuna des Sozialismus kämpfen die tschechischen sozialstemo- kratischen Frauen gemeinsam mit ihren Parteigenossen und zu diesem Kampfe reiche»! sie auch ihren deutschen Genossinnen brüderlich die Hand. (Lebhafter Beifall.) Genossi« Abg. Kirpal, die das deutsche Referat hielt, skizzierte in wirkungsvollen Worten das namenlose, seelische und materielle Leid, das der Kapitalismus über die Menschheit gebracht hat, unter dessen Herrschaft jede Erfindung des Menschengeistes zunächst einen Fluch für die Arbeiter bedeutet. An herzergreifenden Beispielen wies die Rednerin insbesondere die Unsinnigkeit des müttermordenden § 144 nach. Der Fascismus will die Frauen zurück ins Mittelalter führen. Wer für den Fascismus ist, ist gleichzeitig für Krieg und Mord. Indem wir gegen jeden Fascismus kämpfen, erklären wir gleichzeitig unseren leidenschaftlichen Kampf gegen den Krieg. Wir vergessen nicht, daß im Weltkrieg täglich 8294 Soldaten verbluteten — alles Menschen, die von einer Mutter unter Schmerzen geboren wurden. Aber der Krieg kann nur durch die einige internationale Arbeiterklasse aus der Welt geschafft werden. Unter stürmischer Zustimmung der ganzen Versammlung entbot Genossin Kirpal den im schtversten Ringen mit einem brutalen Gegner stehenden Arbeitern in Deutschland die herzlich st en Grüße. Wir kämpfen für eine neue Welt, für eine Welt des Friedens, der Liebe und der Freundschaft.(Lebhafter Beifall.) Nach Verlesung der Resolution, die einstimmig angenommen wurde, beschloß eine tschechische Spielgruppe die prächtig verlaufene Kundgebung mit einem wirksamen symbolischen Spiel. -. P. und natürlich der Liebe wird(trotzdem sie diese Anstrengungen nicht nötig hat, weil ER si« schon immer geliebt hat), solch eine Handlung kann auch durch den Sport nicht erträglich werden. Dabei wird natürlich»im jeden Preis alle hundert Meter ein neuer..Witz konstruiert, der so gar nicht in di« wahrhaft großartige LaudschaftSszenerie des oberen Engadin paßt. Max O b a l hat als Regisseur den von der Produktion diktiert«« Kitsch mit recht viel Dewegungsbildern würzen wollen, seine Kainera ist fast unaufhörlich in Bewegung, wodurch sich sehr interefsant« Einstellungen ergeben. Und da der panchromatische Film nun«inmal di« technische Eignung besitzt, sornrnbeschienen« Schneeflächen und Hänge naturgetreu wie-erzugebe«, Kontraste zu zeigen, Stimmungen zu bringen, ist der Film'in dieser Hinsicht, kein Versager^ Sehr witzig, in der Lauftechnik bewundernswert sind di« Haupthelden Walter Rimmel und Lutzi Lantschner. VV. L. Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialstem. Arbeiterpartei Heute, Freitag, 10. März 1933,' um acht Uhr abends im großen Saal« des Gewerkschaftshauses Prag i„ Bergstein Parteillersammlung. Tagesordnung: den Terrorwahlen in Deutschland" Referent Genosse Joses Hofbauer. Di« B ez i rksv e r t r e t u ng. Vereinsnadiriditen Ortsgruppe Prag. Sonntag, 12. ds., Treffpunkt Endstation der 5er-Eltttrisch«n nWl^WiMin Hluboöeph um 8 Uhr. Führt Plotz.— Voranzeige: Oster-Wanderung ins Böhm. Mittelgebirge, 2 Tage. Näheres in den Vereinsabend«« jeden ersten Donnerstag im Monat. Allgemeiner Angestellteu-Berbaud, Prag. Jahresversammlung am Freitag, den 17. März, iim halb 8 Uhr im Kleinen Uraniasaal. Vorher Ausschußsitzüng. : KINO-PROGRAMM i vom 10. März bin 16. März 1038. 4' I Wran-Urania-Kino 2U76 I einziges deutsches ülno Prags. i et-0.429 Richard Tauber singt in' „Melodie der Liebe.“ Wo verkehren wir? |£al£„ContinentaJ“, Prag, firnen GmtwirtadiaH 487 UDOVT»IIPI (Oeaa. WBMteeBam Opa00.000 Außerordentlich«' Reserven.<•„ 32,784.38; Allgemeiner und spezieller Pensionsfonds.... Einlagen auf Eiulagsbüchel•-■• Einlagen gegen Kafsascheine--. v-m. «tu».~ Die ÄeuuMimoilfiitiontatu: würbe ,°u Ber Po», u. reie,ra»I,e»»iretliou mit Ittlab Rt 13.800/VII-19J0 bewUN^,-»e,u,«bebinuuu,e»:»ei zuftrlluo, iu» Hau«-bet bei«e,ua Batch bie Post-i-aaUich U« 16.—,»ietteliahtlich M 18.—, v|jiSbj«|tig K4 88,—,«outiohni tu U8,-»,—> Jnserats»erbe» laut Datil biüteS betechu«, Bei oNeteu MuNbaltuuae» Vteisuachlatz.—«uckstellun, V»u esauulktipn» etfolgt uur bet Stateabuitg ber gietoatmatie».