Nszelpreis 70 Heller. «Muschließlich 5 Heller Portos 13. Jahrgang. Sonntag, 12 März 1933 Rr 6i. Mo NüvZvllrrL schon In Oesterreich! „Bereit sein,.. mit Blut einzulösen.“ Seit DonncrstflU in einem Vorarlberger Konvikt. Viehische Mißhandlungen. Wie es Sollmann erging. Saarbrücken, 10. Mär^.(Eigenbericht.) Bon dem Ueberfall auf den Genüssen Sollman« werde» folgende Einzelhevten bekannt: Einige SA.-Stürme drangen in die Wohnung ein. schlugen das Mabilar kurz und Nein, fielen über den an der Schreibmaschine sitzende« Genossen Sollmann mit viehischer Brutalität her, schlugen ihn ohnmächtig. Damit nicht genug. Di« vertierten SA.-Derbrcchcr schütteten dem Be- wußtlosen einige Eimer Wasser über, um ihn wieder zuv Besinnung zu bringen. Als dos Mittel nicht Haff, griffen die Bestien in Menschengestalt zu anderen Mitteln. Sie zogen dem ohnmächtig daliegenden Genossen Sollmann Schuhe und Strümpfe aus und hielten eine brennende Fackel unter die nackten Fußsohlen. Durch den wahnsinnigen Schmerz kam der unmenschlich Gequälte wieder zu sich. Damit war der feigen Bev- brechcrbande die neue OpcrationsbwsiL gegeben. Jetzt spuckten sie ihm ins Gesicht, einer der Gesellen schmiß dem wehrlos daliegenden Genossen Sollmann«ine Handvoll Senf in die Augen mit dem Riis: Da hast du schwarz-rot-goldenes Dreckschwein deinen Reichsfarben-Senf. Di« SA.- Banditen hielten Sollmann die Arme fest, so daß Sollmann nicht einmal die tief schmerzenden Augen sreiwischen konnte. Damit immer noch nicht genug der Quälerei. Di« Hakenkreuz-Sadisten wollten noch größere Orgien erleben. Sie öffneten mit hrutoler Gewalt den Mund des wehrlos Daliegenden, schütteten ihm Essig hinein, um dann hinein zu urinieren! Dann wurde Sollmann aufs neu« mit Och senschwänzon und Karabinern bearbeitet,.bis er wieder bewußtlos war. Nun gings, los zum Triumphzug. Der ohnmächtige Genosse Sollmann wurde mist)' Musik durch"die Straßen geschleift, wortwörtlich über den Boden geschleift bis zur Nazikneipr. Dort wurden Sollmann so teuflisch erdacht« Mißhandlungen zuteil, daß der so unmenschlich Mißhandelte iusabge des wahnsinnigen Schmerzes wieder das Bewußtsein erlangte. Aufs neue begann da« Spucke« ins Antlitz und dos Verhöhnen und Gejohl«. Sollmann wurde schließlich über«inen Biertisch gezogen und halbtot geprügelt.. Die SA.-Banditen begleiteten diese unerhörten Mißhandlungen mit Triumphgeheul. Dann wurde der nur noch leise röchelnde Genosse Sollmann in einen Kohlenkeller geschmissen. Weitere viehische Roheiten der SA. Berlin, 11. März.(Eigenbericht.) Die Terrorakte der Hakenkreuze!, die der Führung offenbar ganz aus der Hand geglitten sind, gehen ununterbrochen weiter. In Ottendorf Okrilla(Sachsen) zogen in der Rächt aus heut« etwa 600 SA.Leutc durch den Ort und holten sämtliche bekannten Funktionäre drr sozialdemokratischen Organisationen aus ihren Wohnungen,«m sie mit Peitschen und Stahlruten in viehischer Weis« durch den Ort zu jage« und zu mißhandeln. SA. besetzte das der sozialistischen Jugend und den Kinderfreunden gehörende Jugendheim in Stenz-und machte es für die Unterbringung der Hitlerjugend frei. In Dresden wurde der Redakteur Heilbutt von der„Dresdener Volkszeitung" verhaftet. Seine Frau wurde bei der Verhaftung ihres Mannes durch Schrotschüffe verletzt. SA-Sträilinge erhalten Urlaub! Nach einer Meldung, aus Elmshorn sind dort im Laufe des Freitag vier verurteilteNatio- nalMialistcn des letzten. Bombenlegerprozeffes aus der Strafanstalt Rendsburg ciygrtroffen. Sie haben, wie zuverlässig versautet, gegen ehre n- wörtliche Verpflichtung einen stingeren Urlaub erhalten, nachdem sich der Elmsdorfer Führer in Berlin für ihr« Beurlaubung eingesetzt hat. Wie«, 11. Mürz.(Eigenbericht.) Heute vormittags war i« Oesterreich das Gerücht verbreitet, dass Otto von Habsburg Donnerstag in Oesterreich ein- getroffen sei. Dies« Nachricht wurde von der österreichischen Regierung bestritte« und die Abendblätter, welche diese Nachricht in Wie« gebracht hatte«, wurde beschlagnahmt. Tatsächlich wird aber aus Vorarlberg bestätigt, datz Otto Habsburg am 9. März mit dem Hollandzug in Liuda« ankam, dort den Zug verliest, i« Begleitung des Grafe« Almassy ei« Anto bestieg und bei dem Grenzort Unterhochsteg die österreichische Grenze passterte. Er soll i« dem Jesuitenkonvitt Stella«atutina in Vorarlberg, das unter der Leitung des als Monarchisten bekannte« Bischofs Wetz steht, Aufenthalt genommen habe«. Die österreichische Staatspolizei gab am Abend Journalisten gegenüber bereits zu, dass tatsächlich an dem Tag zwei Herren, deren Name« sie nicht kenne« will, den Hollandzug in Lin da« verlassen«nd in einem Anlo die Grenze passiert hätte«. Die Staatspolizei behauptet jedoch, nichts zu wissen, wohin fich dieses Anto in Oesterreich gewendet hab«. Berichterstatter ans Vorarlberg hallen tatsächlich die Nachricht aufrecht,»ast Otto auf diesem Wege nach Oesterreich gekommen fei und sich«och hier befind«. Diese Nachricht gewinnt im Zusammenhang mit de« Gerüchte«, di« bereits gestern gemeldet wurde«, ganz besondere Bedeutung. Reichsminister für Luftfahrt G o e r in g hat Samstag iu E ff e n bei der Eröffnung der> deutschen Luftfahrtausstellung eine Rede gehalten, die «ckles bisher Dagewcsene übersteigt und die Wohl auch nicht ohne diplomatisches Nachspiel bleiben wird. Er erklärte u. a.: Heute seien die alten Gegner Deutschlands in Genf schon wieder am Werke, die deutsche Luftfahrt, die kaum begonnen habe, sich wieder aufzurichten, abermals zu vernichten. Aber alle diese Anschläge würden an seinem Widerstande zerschellen. Wie ein Rochcr de Bronce werde er sich den Feinden der deutschen Luftfahrt ent- aegenstemmen. Er sei schon wiederholt ausgefordert worden, nach Genf zu gehen. Er habe das bisher abgelehnt. Wenn er aber dorthin gehe und das Wort ergreife, dann werde das letzte Wort gesprochen. Die Lebenden hätten die heilige Pflicht, das mit Blut geschriebene Vermächtnis drr Toten des Weltkrieges auSzusühren. Wenn es gar nicht anders gehe, müsse man bereit sein, ei« mit Blut geschriebenes Vermächtnis auch mit Blut einzulöfen. Im Geist« der Front und im Geist« der Pfichtersüllung und letzter Opferbereitschaft müsse dieses Vermächtnis ansge- sührt werden. rranzöslsth-hritisdie Demarche weilen Kehl von Erfolg begleitet. Paris, 11. März. Zn der Besetzung der Ka- sssrue in Kehl berichtet„Matin" auS Straßburg, daß die bewaffneten Hitlerleut« gestern abends Ein Aufrcdricr. Minister Dr. Desdi macht die Putschplane nicht mit. Inzwischen hat fich auch sonst i« Oestrrr- reich die Lage nichts weniger als entspannt. Im Ministerrat ist Minister Dr. Resch, der Sozwl- Minister und der einzig« Mann in dieser Regierung, der als l i n k e r Flügel der Christlichsozialen gilt, zurückaetrctcn. Zu seinem Nachfolger wurde Ministerialrat Dr. Kerbel ernannt. bund fich auf Vorschlag d«S Vizekanzler- Dr. Winster bemühe» will, i« letzten Augenblick, noch ehe der Konflikt zu einer Katastrophe führt, eine Brücke zwischen den geguerischen Parteien zu schlagen. Die Situation ist aber durch den Rücktritt Dr. ReschS verschärft«nd der intransigente Flügel der Christlichsoziale«, der er zweifellos auf eine endgültig« Entscheidung abgesehen hat, ist so stark in Führung, daß wenig Aussicht ans«ine« Erfolg einer eventuellen Vermittlungsaktion d»S Landbundes besteht. Wie die„Reue Freie Presse" erfährt, sollen folWnde dringliche Wirtschgftsange^«rchsiten vorläufig.. apf Grund des, kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes• geregelt werden: Die Frage der Kreditanstalt, die Gewerbenovell«, die Herabsetzung der Regie bei den Banken, di« Arbeitsbeschaffung, die Verringerung der Zinsfußspannung, di« einjährige Sperr« für die frei« Eröffnung von Geschäften und das Verbot von Einheitsgeschäften. die'Kaserne urrd nach Strgßenmanisrstatiouen auch die Stadt Kehl verlasse« haben.' Desgleichen haben die berittene Eskadron, die Rad- und Motorradfahrer die Stadt verlassen. Die- sei hem! gestern erfolgten energischen diplomatischen Einschreiten des französischen und des britischen Botschafters in Berlin zuzuschreiben. Diplomatische Schritte Der Rücktritt de- Ministers ist zweifellos darauf zurückzüführen, daß er mit dx» weitgehenden Staatsstreichplänen der Regierung, zu denen auch Pie Zertrümmerung aller sozialen und Arbeitsgesetz« durch Notverordnung gehöre« soll,«icht einverstanden gewesen ist. In Wie« hat heut« der Landbund seinen Parteitag abgehalte«. Ek faßte eine Resolution, di« dahin gedeutet werde« kann, daß der Land- Wegen der Angriffe auf Ausländer. Berlin, 11. März. Der französische Konsul sucht« heute den Berliner Polizeipräsidenten aus Und machte ihn aufmerksam, daß zwei französische Staatsangehörige aus der Straße von einer Gruppe Nationalsozialisten bedroht wurden. Ter französische Konsul ersuchte den Polizeipräsidenten, die deutschen Behörden möchten Maßnahmen zum Schutze der französischen Staatsangehörigen trefsen, die dauernd oder vorübergehend in Berlin weilen. Ter Polizeipräsident sprach fein Bedauern über den gemeldeten Vorfall aus und versicherte dem französischen Konsul, daß Maßnahmen getroffen werden würden, um künftighin derartige Vorfälle zu verhindern..' Auch die Konsuln einiger anderer Staaten protestierten beim Berliner Präsekten gegen die Gewalttätigkeiten, denen ihre Staatsangehörige in den letzten Tagen ausgesetzt sind. 11. a. würde auch von tschechoflowakischer Seite den deutschen Behörden eine Reihe ähnlicher Vorfälle gemeldet. Ferner ereignete sich gestern noch ein anderer Vorfall; vom Auto des rumänischen Gesandten wurde nämlich von einem SA-Mann di« Flagge Wit den rumänischen Staatsfarben heruntergerissen. Auf diesen Fall spielte Hitler in seinem gestrigen Aufruf an, in dem er die„Belästigung" von Ausländern rügte. Van Her lobbe ist Nationalsozialist. Ein neuer Beweis! Saarbrücken, ll. März.(Eigenbericht.) Jetzt wird bekannt, datz der Reichstagsbrandstifter van der Lnbbe «icht nur in Sörnewitz bei Meisten der Gast nationalsozialistischer Funktionäre war, sondern auch in Bayern. Gr hat sich dort schriftlich als Anhänger der NSDAP auSgewiesen und fein« Mitgliedschaft bei dieser Partei beeidet. Gr war sogar offizieller Gast eines hochgestellten bayerischen Naziführers. Reichsminister Dr. Frick hat aber die bayerisch« Staatsregierung telegraphisch gebeten, dies« Nachricht in der bayerische« Presse zu unterdrücke«. kür Vfflkerfrlcden und Menschenrecht! Zehntausend duldende, leidende Frauen in den Städten, in den Arbeiterdörfern, in den Siedelungen an den Hängen und in den Tälern unserer Berge, Zehntausende, hundert- tausinde, die von früher Jugend an durch das Leid gegangen sind und immer nur durch Leid gehen mußten. Arbeitslos der Mann oder ans kargen Lohn gesetzt, arbeitslos die Söhne und die Töchter, arbeitslos gar oft auch sie selber, diese notgewohnten Frauen. Leer die Küchenschränke und Spind und Truhe, lind doch müssen diese Frauen ost noch die Trösterinnen der anderen sein, der Männer, der verdrossenen, vor dunkler Zukunft hoffnungslos stehenden Sohne und Töchter. Müssen sie die Tapferen sein, die ihre Angehörigen aufrichten. Und müssen mit der Qual der Not, des Hungers noch quälenderes seelisches Leid tragen, das ihnen die schmalen Wangen, die hageren Körper, die verlangenden Augen ihrer Kinder bereiten. Und sie brechen nicht zusammen, sie erliegen noch immer nicht, diese tapferen Frauen! Liebe zu denen, die ihren Herzen nahestehen, hält sie aufrecht. Und noch ein anderes: der Glaube, der starke, innige Glaube an die Selbstbefreiung der Arbeiterklasse durch die Eroberung des Sozialismus! jliiH iwr rn den Heeren der organisierten, der wirklich klassenbewußten proletarischen Frauen lebt dieser Glaube, wirkt diese Ueber- zeugunß! Weift weit hinaus über hkft Rahmen unserer Organisationen ist- die sozialistische Idee gedrungen,— unklarer, durnpfer, aber doch tröstend und erhellend und starkenh ist sie lebendig auch in zehntausend anderen... In den letzten Kriegsjahren, als die Neugeborenen in Zeitungspapier gehüllt wurden, weil es andere Windeln nicht mehr gab,— als die Mütter Kräuter auf den Wiesen suchten, um sie zu Suppen zu verkochen,— als der blutige Tod über die Schlachtfelder stürmte und der Hungertod von Hütt« zu Hütte sich schlich,— damals, als Millionen Frauen klar wurde, was die Politik im Leben auch der unpolitischesten Frau bedeutet, damals arbeiteten sie sich zu sozialistischem Denken durch. Und wurde auch nicht jede aktive Mitkämpferin — ihre Herzen schlagen für die Arbeitersache und damit für die eigen« Sache! Sie all«, die organisierten und die mit uns sympathisierenden Arbeiterfrauen, rufen wir zum sozialdemokratischen Frauentag! Der sozialdemokratische Frauentag tvar vor dem Krieg« Erwecker der proletarischen Frauen zum Kampfe um ihr Wahlrecht,— «r war alljährlich Heerschau über die Armeen der Kämpferinnen. Der sozialdemokratische Frauentag war dann, später, als die politische Gleichberechtigung errungen war, Tag der Sammlung zu neuen Kämpfen um Tagesfragen, um die Verwirklichung proletarischer Frauenforderungen. Er ist heuer anderes und größeres! Im Fernen Osten und in Südamerika Krieg! Allüberall Rüstung zum Krieg! Vordringen des Fascismus in Europa und damit drohende Steigerung der Kriegsgefahr! Tie. arbeitenden Frauen rufen, mahnen zum Frieden, sie marschieren auf zum Kampf« für die Erhaltung des Friedens! Mögen manche Männer vergessen haben, was der Krieg ist, und mag aus manchen, der im Schützengraben, in Dreck und Feuer liegend, den Krieg verfluchte, ein rührselig-bra- marbasierender Veteran geworden sein, der stolz darauf ist,„auch dabei" gewesen zu sein — die Frauen, die Mütter, die Schwestern und Töchter, sie können nicht vergessen haben, was der Krieg'ist! Jähes Erschrecken pack' sic, da ferner Kriegslärm zu ihnen dringt. Jäh steigt die Erinnerung an die große Zeit des großen Mordens und des großen Hungers in ihnen auf,— das Erinnerung an die Zer- Sette S Sonntag, 12. StSti 1983 xr. 01 aus dem Willen der Arbeiterklasse, damit aber auch aus dem Willen der-proletarischen Frauen erwächst,— jenem Morgen, da gesichert ist, was heilte noch Kampfparole ist: Bölkerfrieden und Menschenrecht! Die Rückwirkung der Ereignisse in Deutschland hat auch in Oesterreich«ine kritisch« Situation hervorgerufen. Wir wollen versuchen, sie in wenigen Worten zu erklären. Halten wir zunächst den Ablauf der Ereignisse fest: In Oesterreich haben am 1. März die Eisenbahner einen zweistündigen Demon- strationsstreik durchgeführt, weil die Bundesbahnverwaltung ihnen entgegen den gesetzlichen Bestimmungen ihre Bezüge nicht voll ausbezahlt hat. Dieser Streik, eine rein wirtschaftliche Abwehrmaßnahme gegen einen säumigen Schuldner, der so lückenlos gelang, daß während dieser zwei Stunden von tausend fahrplanmäßigen Zügen nur sieben in Bewegung gesetzt werden konnten, wurde von der Reak.ion mit Recht als eine für sie gefährlich« Kraftprobe der österreichischen Eisenbahner empfunden- Di« Bundesbahnverwaltung und die hinter ihr stehende Regierung antworteten mit Mahregelungen: der Kridatar spielte den starken Mann. Dagegen erhoben die Sozialdemokraten im österreichischen Parlament heftigen Protest. Ein Antrag, der di« Regierung verpflichtet, Maßregelungen der streckenden Eisenbahner zu unterlassen, wurde mit einer Stimme Mehrheit angenommen. Bei der Abstimmung ereignete sich ein belangloses technisches Versehen: ein sozialdemokratischer Abgeordneter gab irrtümlich einen nicht auf seinen, sondern auf den Namen seines Sitznachbarn wütenden Stimmzettel ab. Dies nahmen die Regierungsparteien zum Borwand, um di« Abstimmung anzufechten. Und als der Präsident, der Sozialdemokrat Dr. Renner, sie fiir gültig erklärte, remonstrierten sie so heftig, daß der Präsident sein Amt niederlegt«. Auch der zwei!« und dritte Präsident, die den bürgerlichen Parteien angehören, taten das gleiche: das Parlament stand ohne Präsidenten da. In der Verwirrung wurde nicht einmal die Sitzung geschlossen. Der Fall ist in der Geschäftsordnung des 5fter«Mifchen.-PaÄümerfts nicht vorgesehen, aber aps dem Sinn dieser Geschäftsordnung und vielen ihrer Bestimmungen geht klar hervor, daß das Amt deS Präsidenten des Naiio- nalrats nicht unbesetzt bleiben kann: selbst wenn das Präsidium sein Amt, das heißt, sein« Rechte der Volksvertretung, die es gewählt hat, zur Verfügung stellt, bleiben doch die Pflich«n des Präsidenten bestehen und müssen solange erfüllt werden, bis er das Amt einem ordnungsgemäß gewählten Nachfolger übergeben kann. Trotz dieser Rechtslage, di« einzig und allein dem Geist der österreichischen uiv iviiyvnviuMivii— uns vp utiu uucui uviu wip wv innern an jenen Tag der großen französischen Verfassung entspricht, hat die österreichische Revolution, da die französischen Frauen nach Regierung den Versuch unternommen, die Versailles marschierten,— uns erinnern an! momentane Schwierigkeit, in die das Parla ment durch rein formal« Zwischenfälle geraten ist, zu einem Angriff auf die Verfassung selbst auszunützen. Sie bediente sich dazu des sogenannten Kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes, eines aus dem Jahre 1917 stammenden Gesetzes der alten K. u. K. Monarchie, auf Grund dessen damals, in den Zeiten des Krieges, der Regierung die' Ermächtigung gegeben war, einzeln« wirtschaftliche Maßnahmen auf dem Weg der Verordnung zu treffen. Das Gesetz ,agt ausdrücklich, daß diese Ermächtigung nur für die Zeit der durch den Krieg hervorgerufenen außerordentlichen Verhältnisse gilt und daß sie nur den Zweck hat, di« Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu sichern. Auf Grund dieses Gesetzes wurden Bestimmungen über di« Zuweisunq von Kohle, über den Handel mit Kraut und Rüben getroffen; nunmehr soll dieses Gesetz der kaiserlichen Kriegswirtschaft dazu dienen, di« Verfassung der österreichischen Republik zu zertrümmern! Auf Grund dieses Gesetzes hat nämlich die Regierung zwei Verordnungen herausgegeben, di« wichtige politische Freiheitsrechte des österreichischen Dockes gefährlich«inschränken. Ein Erlaß verhängt ein allgemeines strenges Bersammlungsverbot. Eine Verordnung hebt die in der Verfassung gewährleistete Pressefreiheit auf und unterwirft die Presse den schlimmsten Bedrückungen. lieber oppositionelle Zeitungen kann die Vorzensur verhängt werden; den Geist dieser Verordnung kennzeichnet am besten die Bestimmung, daß«ine Zeitung wegen Beleidigung von Mitgliedern der österreichischen oder auch ausländischer Regierungen— also wegen jedes Wortes gegen Hitler, Horthy, Mussolini!— ohne gerichtliches Verfahren von der Polizei bestraft werden kann. Wird kein« höhere Strafe als zweihundert Schilling in Geld oder vierzehn Tage Arrest verhängt, so gibt es nicht einmal eine Möglichkeit der Berufung! ES ist klar: diese Notverordnungen sind ^er erste.Anfänä des Versuches, auch in OtzWev reich öine. Diktatur gufturichten, der erste Schritt zum österreichischen Fascismus.. Dieser gefährliche Anfang einer„neuen Aera" in Oesterreich hängt zweifellos mit dem verhängnisvollen Ende einer Aera zusammen, das wir ietzt in Deutschland schaudernd erleben. Di« Dollfuß-Diktatur in Oesterreich beneht ihr« Frechheit von der Hitler-Diktatur in Deutschland; aber sitz bezieht sie auf Umwegen. In Oesterreich regiert die christlichsoziale (klerikale'» Partei mit einem Anhängsel von Landbündlern(Aorariern) und unter dem Druck der österreichischen Spielart des Fascis- muS, der Heimwehr, die— so schwach sie trampelung alles menschlichen Rechtes durch den Militarismus, an di« Schändung alles Menschlichen— und ibr Wille strafft sich— sic werden gegen den Krieg,,, sie werden für * den Völkerfrieden kämpfen! Im Nachbarlande rast durch die Straßen der braune Mord, dringt in die proletarischen Wohnungen, fällt Männer und Frauen unserer Klasse. Das einfachste, das natürlichste, das selbstverständlichste, das mit jedem Menschenkind« neu geborene Menschenrecht, das Recht zu leben, ist alisgelöscht,— jedes Arbeiterleben ist preisgegeben der Willkür viehischer Möftrer, die ihre Legitimation zum Recht aufs Morden aus dem braunen Hemd und der Zugehörigkeit der Partei des Reichskanzlers ableiten. Und ist dieses Recht bedroht— wie erst alle anderen Menschenrechte! Wird das Proletariat völlig entrechtet, entrechtet und bestohlen zugleich, dann ist auch politisches Recht und Menschenrecht der Frau verloren, dann hat sie nur noch ein„Recht", das ihr der Fascismus als grausame Pflicht aufbürdet: Kind auf Kind zu gebären, sie hineinzu- gebärenineineschmachvolleDelt und ein des Lebens nicht mehr wertes Leben, sie zu gebären für Arbe i t s skla vere i und Kriegsbarbarei! Was vermag gegen Mordraserei, gegen die Herrschaft des Sadismus, gegen die Entfesselung aller Instinkte der Roheit die Frau? Wird nicht ihre Mahnung nach Sicherung des Friedens, wird nicht ihr Ruf nach Gerechtigkeit und Menschlichkeit ungehört verhallen, verschlungen werden vom Gebrüll und Getobe des Mordnationalismus? Ja, unqehort verhallt die Stimm« der einzelnen Frau. Ohnmächtig ist der Wille der einzelnen Frau. Aber wenn tausende, wenn zehntausend«, wenn hunderttausende ihre Stimmen vereinen zu einem gewaltigen Chor— dann werden die Stimmen der Frauen, dann wird der Ruf der Frauen gehört weichen! Und wenn tausende, wenn zehntausend«, wenn hunderttausend« proletarischer Frauen ihren Willen binden an den der anderen, wenn Abwehr und Gestaltungswille der proletarischen Frauen sich vereinen mit dem gleichen Willen der proletarischen Männer, wenn die Gesamtheit der proletarischen Frauen sich eingliedert in die sozialdemokratischen Kampfformationen, mitkämpfend, vorwärtsdrängend, befeuernd— dann erlangt auch der Wille der proletarischen Frauen gestaltende Kraft! Tag»er BmmdRA im^fstörbaren Verbundenheit der proletgrisch^n Frguen mit dem Sozialismus, mit der sozialdemokratischen Partei,— Tag des Kampfaufmarsches der arbeitenden Frauen,— Tag der Formung und Zielrichtung des Willens der proletarischen Frauen ist der sozialdemokratisch e Frauentag!. Wir wollen am proletarischen, am sozial- dem-okratischen Frauentag uns daran erinnern, daß an so vielen großen geschichtlichen Bewegungen, an so vielen erneuernden Kämpfen die Frauen teilgenommen haben,— uns er* alles Leid,.durch das die Frauen der Arbeiter- llasie gegangen,— und dann hoffend, fordernd, tatkühn di« Blicke dem Morgen zuwen den,— jenem Morgen, das nach der Episode der Barbarei kontmt,— jenem Morgen, das WWWMWMMWiMIUMMWIMMMWWMMIIMKliMMWWBMMWIMMWMIWMWWWMiWMIWWWIIWlll Was geht in Oesterreich vor? Bon OSkar Pollak, Wien.' KARL Nachdruck verboten. UND DAS 20. JAHRHUNDERT Roman von Rudolf Brunngraber Copyrigth by Socie Äte Veilag. Frankfurt am Main 1983 Auch Carnegie hatte Kinderarbeit getan, hatte als zwölfjähriger Klöppeljunge fünf Schilling die Woche verdient. Carnegie, der Stahlkönig. Und I. I. Astor, der Herr des Boden- von New Dark, war ein Walldorfer Schlächterssohn und Cornelius Banderbilt, der Lieferant der Flotten der USA, hatte mit einer Jähre und 100 Dollar angefangen. Tas bewies alles und bewies noch mehr. Diese Männer hatten die Gesundheit und Moral gehabt, mit der Entwicklung, zu gehen, statt ihr Fußangeln zu legen. Solch eine Normaltype zu sein, stand auch fürderhin jedermann offen. Man war hierzulande doch zweifellos noch liberaler als die in Manchester. Mit den Anarchisten aber und ihren pseill>o- bürgerlichen Traktätchenhammeln, die von den Gracchen bis zu den Enzyklopädssten immer wiederkehren, würde die Entwicklung selber fertig werden. Das Bürgertum hatte nicht abstehen können, di« ganze Erd«, als es ihrer Stofs« bedurfte, zu unterjochen und einen ganzen Kontinent, als eS seiner Arbeitskräfte nicht«ntraten konnte, ru versklaven. Eine auf Erden nie erhörte Sachlichkeit bestimmte den Gong der Dinge. Und nun ging es augen'ällig um die letzte Etappe dieser Entwicklung zur Ordnung, Mr größtmöglichen.Ordnung. um oie Üeberwindung der übernommenen nationalen Gogematze innerhalb des Weltwirtschaftsapparotes, um die Etablierung der Erve imker einem Verwaltungskörper. Kurz, um die neue Weltherrschaft, die die endgültig« sein würde. Gewiß, die Menschheit würde diesen Zustand nicht ohne schwere Kämpfe 4 erreichen, das kommende Jahrhundert würde ein Weg der Katastrophen sein. Aber das war der Gang der Dinge und Amerika hatte wie jedes Land dem Unentrinnbaren zu dienen. Nur daß Amerika, das da- Neunfache der Menschen fassen konnte, die es jetzt zählte,— daß Amerika, das drei Viertel deS Oels der Erd«, drei Fünftel deS Eisens, die Hälft« der Baumwolle und der Kupfers, zwei Fünftel der Kohle, der Wasser- kräfte und des Bleis und ein Viertel des Weizens in di« Waag'chale werfen konnte und die unbeschwerteste Rasse befaß,— nur daß Amerika berufen war, bei der bevorstehenden Entscheidung den hervorragendsten Part ju verwalten. Von allen Völkern der Erde hat das unsere die Zukunft für sich! rief im April 1894 der beliebte Abgeordnete Theodor Roosev-lt, the most dynamic man of the United States Und Amerika diente dem Unentrinnbaren. Es erhöhte die Zölle und protegierte feine Trusts und die Einwanderung. ES sorgt« sich um republikanische■ Präsidenten(Cleveland, McKinley, Roo tvekt) und verhängte über streikende Arbeiter den Belagerungszustand. ES unterstützt« alle Religionen, mit Ausnahme der der vielweiberikcken Mormonen in Utah, und erstickte jede Freige.sterei. Und es nahm Kurs aus den Imperialismus, indem eS über die Sand- wichinseln das Protektorat aussprach und auf die spanischen Antillen, auf Kuba, die Philippinen, die Samoa-Jnieln, gewisse Strecken Alaskas und das strategisch bedeutsame Kolumbia sei» Augenmerk richtet«. Im übrigen garantierte eS den Robusten unter seinen Staatsangehörigen unein- ge'chränkte Bewegungsfreiheit und verließ sich auf das. was ihm die Vorsehung geschenkt hätte. So steß der Abenteurer William A. Clark auf«ine Mine, di« ihm in zwei Jahren 30 Millionen Vftrnd Kupfer abwark Da zog er in seinen Wirkungskreis auch Zuckerrübenfarmen Kaffeeplantaqen. Goldminen. Kohlenbergwerke, Bauholzlager, Viehfarmen und Zeitungen. Der Cowboy und Goldgräber Edward L. Doheny fragte einen Nigger, wo er das Pech auf seiner Karre herhätt«, worauf nach zwei Jahren an dem Pechloch in Westlakc-Park(Los Angeles) 200 Gesellschaften um 2300 Oelquellen saßen. Doheny aber ging wie mit einer Wünschelrute weiter nach Kalifornien und von da nach Tampico, wo er das Oel, von Indianern und Spaniern unbeachtet, auf der Straße liegen fand. Er gründete mit einem Kapital von 10 Millionen Dollar die Merican Petroleum Co., indes der Apothekerssohn Harry F. Sinclair seine Petroleumröhren durch alle Staaten legte, durch Mexiko und Kuba, Kolumba und Kostarika. Rockefeuer ließ seine! Prospekte in 120 Sprachen drucken und brachte einige Millionen Lampen nach China, damft die Chine«n iws Petroleumbrennen lernten. Carnegie legte seinen Stahlfabriken Bergwerke, Banken und Dampferflotten zu. man gründete, über den ehemaligen Dellaktien, das Riesenunterneh- men der General Electric Co., die Schlachthäuser in Chicago führten das laufende Band ein(1890) und der Kohleneinkäufer Henry Ford baute:n einer alten Scheune eines der ersten Autos Amerikas. Die Manufacturing Investment Co. jedoch berief Mr. Taylor als Reorganisator in ihre PaPiermechSkabriken nach Madison und Apple- ton, womit sie eine bedeutende Aendcrung in seinem Leben anbahnte. Als Mr. Taylor 1893 von ihr zur Simonds Rollmg Machine Co. hinüberwechselt«, batte die Wissenschaftliche DetriehSfiih- rung eine solche Beachtung gewonnen, daß er sich von da ab. für einen Tagesverdienst von 37 Dollar, der rein beratenden Tätigkeit widmen konnte. 1893—1902 Die so»«täqttche Wett. In diesem Augenblick(1893) kam auch Karl Lakner zur Welt. Im Findelhaus des 17. Wiener Gemeinde- bezirkes, in Hernals. Mithin 6000 Kilometer von heute bereits in der Bevölkerung ist— im Parlament die paar. Stimmen beistellt, die dieser Pegierung eine Einstimmenmehrheit ermöglichen. Diese kleriko-fascistisch« Reaktion in Oesterreich ist durch den Aufstieg der Nazi in Deutschland, namentlich durch ihren Einbruch in das klerikale Süddeutschland, Erschreckt;-sie fürchtet, daß der Ansturm der Hakenkreuzler auch in Oesterreich die alten Parteien des Bürgertums überrennen, groß« Teile der Wähler in das Lager Hitlers hinüberreißen wetde. In dieser Situation entstand bei den Kleriko-Fascisten der Gedanke, die Hakenkreuzler dadurch abzuwehren, daß sie ihnen den Wind aus den Segeln nimmt und die Diktatur, das Regime der starken Hand in eigener Regie aufrichtet. Was also jetzt in Oesterreich beginnt, ist das Gegenstück zur Papen- und Schleicher- Regierung in Deutschland: der Versuch,. Hitler zuvorzukommen, den Ansturm der Nazi abzuwehren, indem man das Parlament ausschaltet und ein autoritäres Regime der„konservativen Ordnung" errichtet, das sich der fascistischen Kräfte soweit bedient, um die „Marxisten" im Zaum zu halten, im Uebri-- aen aber Sozialisten und Nazi in gleicher Weise niederhält, ja, die Hakenkreuzler eben dadurch von der Macht fernhält, daß es die Arbeiter selber knebelt. Man sieht: zum Wesen der Papen-Situa- tiön gehört der Versuch, die Auftriebskraft des Hitlerfascismus zu benützen, ihn aber gleichzeitig in dienender Stellung zu erhalten. Es ist der Versuch, die Hakenkreuzler geaen die Sozialisten auszuspielen— und umgekehrt. In der Tat: in den Berechnungen der österreichischen Reaktion hat sicherlich auch der Gedanke mitgespielt, die österreichischen Sozialdemokraten würden ebenso wie die deutschen bereit sein, Notverordnungen zu tolerieren, weil sie sich scheinbar auch gegen.die Hakenkreuzler richten. Das ist der falsche Punft in der Rechnung. Die österreichische Sozialdemokratie hat aus den furchtbaren Erfahrungen der deutschen Bruderpartei gelernt, daß diese Politik des kleineren Uebels den Fascismus nicht aufhält, daß sie ihn vielmehr nur auf einem Wege herbeiführt, auf dem sich Schrift für Schritt und unentrinnbar die Widerstandskraft des Proletariats schwächen und lahmlegen läßt. Die österreichische Sozialdemokrati« wird diesen Fehler nicht begeben.. Sie ist entschlossen, schon dem ersten Schrift zum Fascismus, dem ersten Versuch, her Diktatur,dim. ganzen. Widerstand'entgegen-, zusetzen, dessen die einige.österreichische'Arbeit terklass«''fähig ist. Partei undftAewerkichaften haben sofort die gesamte Organisation des Widerstandes in Bereitschaft gesetzt. Sie sind- entschlossen, lieber am Anfang des Weges den EntscheidnngSkampf zu wagen als ihn am Ende deS Weaes nicht mehr wagen zu können. Die österreichische Arbeiterklasse wird kämpfen; und sie wird siegen— oder ehrenvoll untergehen. Im Augenblick spitzt sich die Situation auf di« Frage zu, ob das österreichische Parlament zusamwentreten wird. Der dritte Präsident, der Großdeutsche Dr. Straffner, der zweifellos als noch amtierend angesehen Mr. Taylor entfernt und nach 37 Jahren in der Generationenfplge. Der entwicklung-geschichtliche Abstand betrug mindesten- ein Jahrhundert. Denn di« Mutter Karl LaknerS war ein zwanzigjährige-, kleine- Weib, ein vom Land eingewanderter Dienstbote, der zwar schon mit der Eisenbahn gefahren war, oder von der Dampfmaschine bis an da- Ende seiner Tage kein« Vorstellung gewinnen sollte. Diese Frau fand mit 800 Wörtern in allen Lebenslagen ihr Auskommen, indes Mr. Taylor 14.000 benötigte. Der Unterschied zwischen den beiden Leben-ebenen war so groß, daß cs angezeigt ist, hier nicht einfach zu lagen: im Jahr. 1893 kam Karl Lakner zur Welt, sondern: einer von den 40 Millionen schreiende« Würmern, die damals geboren wurden, war der Anfang eines Menschen, der sich später seiner als Karl Lakner bewußt wurde..< Vorläufig hieß er übrigens Karl Windisch, da er ei« uneheliches Kind war. Sein Vater, der einundzwanzigjährige Josef Lakner,«m Zivilberuf Maurergehilfe, diente eben al- Fahriano- nier beim Feldartillerieregiment Nr. 3 seine dreijährige Militärpflicht ob. Das tat jedoch nichts zur Sache, das Leben war gut. Karl war zwar eine Zangengeburt gewesen, wobei man ihm das linke Ohr ein wenig verdellert hatte, aber er wog 3.70 Kilo. Und seine Mutter, das kleine Weib, war gesund in den Geweben und Gefäßen, daß sie Von, ihrer Milch an andere Säuglinge, di« minder bemittelt waren, noch abgeben konnte. Sst hatte rauhe blond« Haare und lebhafte blau« Augen. Die Schwangerschaft hatte sie den Posten gekostes und sie wußte, daß es noch ein« Not werden würde mit dem kleinen Frosch und den drei Jahren,-i« der Mann beim Militär zu bleiben hatte. Aber das verdarb ihr keineswegs die Heiter? keit. Si« war mit«lf Jahren, nach dem Tode des Vaters, Yon daheim in den Dienst weqge- kommen und hatte es sich bisher gefügt, so würde es sich auch weiterhin fügen. Gortsttzun- folgt.) Nr. 61 Sonntag, 12. MLq 1938 Seite 3 werden muß, hat den Nationalrat für Mittwoch einberufen. Di« Regierung droht, sich dem Zusammentritt des Parlaments zu widersetzen. Tut sie dies wirklich— dann ist die Stunde des Kampfes da. Schreckt die Regierung im letzten Augenblick vor diesem verhängnisvollen Schritt zurück, tritt das Parlament wieder zusammen — dann sind, für alle Welt sichtbar, die Dikta turplänc zunächst abgewehrt. Auch dann bleibt freilich noch ein schwerer Kampf zu bestehen und kritische Tage, heiße Stunden stehen den österreichischen Arbeitern bevor. Me Uittcrnchinerlf ncdite würgen einen Streik mit Gewalt ad Harburg- Wilhelmsburg, 11. März. Wie amtlich von der Polizeidirektion mitgeteilt wird, war Freitag nachmittags in den Betrieben der Thoerls Bereinigten Oel-Fabriken infolge sehlgeschlaaener Verhandlungen zwischen der Direktion und dem Betriebsrat wegen anderweitiger Festsetzung der Akkordlöhne plötzlich di« Arbeit «iedergelegt worden. Da es sich hierbei nicht um einen„ordnungsgemäßen" Streik gehandelt hat, wurde ei« Mitglied d«S Betriebsrates und in Gewerkschaftsangestellter, di« die Streikparol« hrrausgegebcn haben sollen, in Schutzhast genommen, weil eine Gefährdung der Rah« und Sicherheit zu befürchte« war. Aus dem gleichen Grunde wurde auch «ine für 19 Uhr festgesetzte Versammlung polizeilich verhindert. Rach längeren Verhandlungen, bi« mit dem Ergebnis endeten, daß die beide« in Schutzhast genommene« Personen sich verpflichtete«, dafür zu sorge«, daß di« Arbeit in den Thoerl-vetrieben sofort wieder aufgenommen werd«, wurde di« Schutzhaft wi«d«r ausgehoben. Terror überall... Bunzlau, 11. März. Das hiesige BolkShauS wurde heute von SA besetzt. Arbcitersrekretär Hartmann, Gewerkschaftssekretär Brockers und die Geschäftsführer Riedel und Patschke wurden von der Polizei in Schutzhaft genommen. Magdeburg, 11. März. Oberbürgermeister Reuter wurde heute früh von SA-Leuten in feinem Amtszimmer.aufgefordert, ihnen zu folgen. Als die SA-Leute mit Obettürgcrmeisftr Reuter das Rathaus verließen, erschien das Ueberfallkommoirdo und nahm ihn in Schutzhaft. Der zweite Bürgermeister Dr. Goldschmidt wurde ebenfalls von der Polizei in Schutzhaft genommen. Bochum, 11. März. In der vergangenen Rächt wurde, um Ausschreitungen zu verhindern, das Hauptyertvaltungsgebäuift des B«rgbaü-JN- dustriearbert«rverbandes von SA besetzt. Ein Dell' der BerbandSangestellteir; darunter auch der Ber- bandsvorsitzende Reichstagsabgeordneter Huf«- «ann wurde in Schutzhaft genommen. Königsberg, 11. März. Der Hauptschristleiter der sozialdemokratischen Königsberger Volkszeitung* Wh rgätsch wurde heut« auf Anweisung des Polizeipräsidenten in Schutzhaft genommen. München, 11. März. Der„Bayrische Ätt?i«t* und das„Neue Müncheiccr Tagblatt" wurden mit sofortiger Wirksamkeit bis 18. März einschließlich wegen eines der Staatsautorität abträglichen Artikels verboten. Adizlg Gelangene werden gefoltert Loudon, 10. März.„Daily Herold" m«ld«t, daß die SA. in Deutschland planmäßig die verhafteten politischen Gegner foltert! Jin Berlin seien drei geheime Arrestlokalie vorhanden, wo die Häftling« mit Stahlruten mißhandelt werden. Die Opfer werden dann in Jnquisitenspitäler übergofühvt. Infolge des Terrors wagen nicht einmal die Angehörigen der Gefolterten zu sprechen, weil sie für das Leben der Häftlinge furchte«. Die Mißhandlungen werden zumeist von der nativnalsoziälistischen Hilfspolizei ausgeführt. Bor Zwei Tagen seien achtzig politische Häftlinge in die Folterfemmern gebracht und grausam geprügelt worden. Der„Daily Herold" erklärt am Schluß seiner Meldung, daß er die voll« Verantwortung für die Richtigkeit dieser Meldung übernehme. SA besetzt Breslauer Börse. Breslau, 11. März. Der Börsenvorstand teilt mit: Noch während die amtlichen Notierungen von dem Vorstand der hiesigen Produktenbörse festgesetzt werden sollten, erschien eine Abteilung SA und besetzte di« Börse, so daß die Versammlung geschlossen werden mußte. Tie Börsenbesuchcr wurden nach Waffen durchsucht. Hierauf wurden sämtliche Börsenbesuchcr aufgefordert, den Saal zn verlassen. SPD vertagt Aulnahmssperre. Berlin, 11. Diärz. Wie der„Jungdeutsche" »eri chtet, soll di« SPD. mit Wirkung vom 9. März ab eine Mitgliedersperre verfügt haben. Neuaufnahmen sollen nur erfolgen, wenn die politische Haltung der Bewerber einwandfrei i sozialistisch ist. Begründet wird dies« Maßnahme damit, daß die Partei sich vor Provokateuren Und unzuverlässigen Elementen schützen will. In den letzten Tagen sollen Phlrciche Kommunisten, vm sich tociter" politisch betätigen zu können, sich hei der SPD. als Mitglieder angemeldet haben. ] allerdings nicht zugestellt worden. Das heutige„Rud 6 Prävo" der- öffentlicht folgende Meldung aus Deutschland: Die Meldungen, daß Deutschland am April di« militärische« Bestimmungen des einschließlich Schufo, Eiserne Front und soziali- stischc Arbeiterjugend mit sämtlichen Nebenorganisationen für das Gebiet des Freistaates Bayern verboten nnd aufgelöst. Auch das Tragen von Abzeichen und das Zur-Schaustellen von Symbolen von Fahnen der genannten verbände wird verbot««. 1. April di« militärische» Bestimmungen des Versailler Vertrages für ungültig erkläre« wird, werd«« durch die Ereignisse der letzten Tage bestätigt. In Deutschland ist die Mobilisierung der Reichswehr in vollem Zug«. Auf allen Bahnhöfen sind überall Soldaten in voller Ausrüstung z« sehen. Der Stand der Reichswehr wird ab 1. April von 100.000 auf 400.000 Man« erhöht und zwar so, daß 1. das Zwölftel der Reichswehr, das(wie alljährlich nach vollendeter Dienstzeit) jetzt ab- rüfte-u soll, nicht«brüsten wird, und 2. die militärische« Kontingente durch di« Einberufung von Stahlhelm- und SA-Mann- schaften verstärkt werde«. I« den letzten Tagen wurden allein in Berlin 700 ehemalig« Offiziere zum Dienst einberufen, und zwar sowohl Offizier« der ehemaligen kaiserlichen Armee wie auch solche der besondere« Stahlhelm- und SA.-Formatwn«n. I« Ostpreußen ist das Rüstungstempo direkt ein fieberhaftes. Alle Bahnen find mit einrückende« Sohlhelm- und SA-Mannschaften überfüllt. Di« Konzentrierung polnischen Militärs im Korridor ist nichts anderes als di« Antwort auf dies« Fakte«, di« jeder Reifend« bestätigen kann. Bis 1. April werden auch einige Bombenfliegerstaffeln in Bereitschaft gesetzt. Di« Staffel« werden aus Verkehrsflugzeuge« und au» verschiedenen privaten" Fliegerschule« zusammengestellt. Das Flugkommiffariat des Ministers Göring hat am Freitag das leer« Gebäude der ehemalige« Darmstädter und Nationalbank in der Französischen Straß«, eines der größte« Bankgebäud« in Berlin, übernommen. Aus den Betrieben der Schwerindustrie in Westdeuffchland wird mitgeteilt, daß dort mit der Serienerzeugung von Tanks und schwerer Artillerie begonnen wurde, so daß also im Lauft des April auch aus diesem G^iet der Versailler Vertrag von Deuffchlaud annulliert werde« wird. Reisend«, welch« Freitag die Strecke Hamburg-Leipzig fuhren, tellen mit, daß längs der ganzen Strecke fast bei jeder Stadt Truppen im Gelände übten. Die Brücken m der Umgebung Hamburgs sind militärisch bewacht. Die Werften stehe« unter der Aufsicht der Hilfspolizei und der technffchen Nothilfe, namentlich jene Werften, di« 1918 für den Bau von Unterseebooten in Betracht kamen. Di« Aufstellung des Militärs und die Ingangsetzung der Kriegsindustrie soll die ArbritS- wsenziffer um etwa 400.000 herabsetze«. Di« Frag« der Verstaatlichung der Reichsbank und dir Beseitigung LutherS hängt unter anderem mit finanziellen Plänen zusammen, di« für den I Ausbau der neuen deutschen Arme« notwendig Ifind. stören und ihr Erbe werd« ein Sowjetdeuffch- land sein. Sie haben die Demokratie auf diese Weift zerstört und ihr Erbe ist ein Hiller-Deutschland. Aus dieftr Erfahrung müssen wir lernen. Di« Demokratie auf dem Boden der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, die Demokratie, die noch vom Bürgertum beherrscht wird, die Demokratie im Staate bei kapitalistischer Autokraffe in den Fabriken, bleibt gewiß den Arbeiter» unendlich viel schuldig. Aber Ihr bracht etwa bloß das demokratische Deutschland unter dem Reichskanzler Herma«« Müller«nd das saseistische Deutschland von heute zu vergleichen, um zu verstehen, welche Lebensnotwendigkeit es für die Arbeiterklasse ist, mit ihrer ganzen Kraft di« Demokratie gegen den Angriff des Faseismu- zu ver. leidigen. Wir worden, wenn wir kämpft» müssen, diesen Kamps führen mit der Entschlossenheit, der Arbeiterschaft zu erhalten, was sie in jahrzehntelangen opferreichen Kämpfen erobert hat. Wir werden ihn führen mit dem Einsatz der Möglichkeiten, die das Proletariat hat kraft seiner Zahl, kraft der Notwendigkeit seiner Arbeit in den Betrieben. Ich weiß, ein solcher Kampf kann die entsetzlichsten Opfer kosten, und darum reden wir nicht leichtfertig von einem solchen Kampfe. Aber eines muß ich sagen, ohne pathetisch werden zu wollen: Das Leben in diesem Lande, das Leben in dieftr Zeit ist entsetzlich schwer geworden. Ich' rede jetzt gar- nicht davon, wie furchtbar schwer das Leben für die Unglücklichen ist, die seit Jahren arbeitslos sind, seit Jahren vergebens auf Arbeit warten, seit Jahren mit dem Bettel einer immer wieder herabgesetzten Nofftandsaushilft leben müssen, die ihnen zum Schluß auch noch genommen wird. Aber selbst sirr den, der noch nicht in dieser schlimmsten Lage fft, ist dos Leben in dieser Zeit und in diesem Londe, wenn er sich nur ein bißchen menschliches Fühlen bewahrt hat, unerträglich geworden, weil es untragbar fft, so einen entsetzlichen Jammer, so furchtbar viel Not und Elend ständig um sich zu fthen, ohne helft« zu können.:> In dieser schweren Zeit gibt es nur eines, waz diese« düstere Leben noch erträglich macht: das eine, daß wir in unserem Lande wenig- stens noch«nS zusammenschließen, für unser« Gedanken, Ideen, Ideelle werben, wenigste«« noch um eine ander«, besser«, größer« Zukunft. kämpfe« können. Das sollen tri« Bürgerlichen alle wissen, und daraus unsere Entschlossenheit verstehen: wenn man unS auch das noch nähme, dann wär« uns das L«b«n nichtmehr wert! Augenblick. in dem sich Europa wieder in zwei feindliche Lager zu spalten droht— auf der einen Seite die fascistischen Staaten, Deutschland, Italien und Ungarn, auf der andern Seite das imperialfftische Frankreich mit seinen östlichen Bundesgenossen—, in diesem Augenblick steht Oesterrcch vor einer schicksalsschwere» Entschei- — das he« das In einer Wiener Bertrauensmännerver- sammlung sprach Otto Bauer zur Lage. Seiner denkwürdigen Rede entnehmen wir, folgende Steifen: Deutschland ist in einem Zustand, in dem das deutsche Volk zum Gespött wird für die freiheitliebenden und freiheitgewohnten Völker im Westen und Norden Europas. Und doch gibt es in diesen Stunden in Deutschland ein Bill» sittlicher Größe, das uns stolz macht uttd uns- Hoffnung gibt. Die Deutsche Sozial demokratie hat einen Wahlkampf durch gemacht, wie es noch feinen gegeben hat seit 1867, settdem die deutschen Arbeiter Wahlkämpfe geführt haben. Während dieses Wahlkampfes hat cS in Preußen keine sozialdemokratische Zeitung, i kein sozialdemokratisches Flugblatt, kein sozial- 5 demokratisches Plakat, feine sozialdemokratische Wählerversammlung geben könne«, während alle; Mittel der Gewalt und der Technik in den Dienst des herrschenden Fascismus gestellt wareü. Aber obwohl keine Werbung für unsere Idee, obwohl nicht einmal eine Warnung vor den Lügen des Feindes möglich ivar. hat die Deuffche Sozial demokratie. die im November bei frcftr Wahl agitation 7 200.000 Stimmen bekommen hat, bei dftftr Wahl immer noch mehr als 7,000.000 erhalten. Ein Bild der inneren Festigkeit, ei« Bild der Gesinnungstreue von Millionen Prole tariern» auf das wir stolz sind. Noch mehr! Die. Kommunisten find unsere Gegner, und sie sind haßerfüllte Gegner dazu. Und die deutsche kommunistische Partei hat chwere Fehler begangen, die nicht unschuldig ind an dem, was ftht in Deutschland geschieht.. Aber, wenn man sich vergegenwärtigt, wft di« ganze Meute der herrschenden Gewalten gegen die Kommunisten losgelassen war. dann ist. trotz ihrem großen Stimmenverlust, doch auch dft Stimmenzahl, die sie diesmal bekommen hohen, em Beweis, daß mit Verfolgung und Gewalt fei«« Gesin nung gebrochen werden kann. Es ist schon einmal der Borusch gemocht worden, die deutsche' Sozialdermckratie niederzu weben. Bismarck hat ihn 1878 gemacht. Der efferne Kanzler hat damals Attentate auf den Kaffer zum Borwand genommen, so" itri« dies mal der Brand des Reichstagsgebäudes zum Vorwand genommen wurde. Damals war dft deutsche Sozialdemokratie ein kleines Häuflein; aber dieses klein« Häuflein hat schließlich doch den Kanzler und fern Sozialistengesetz besiegt. Dft Millionen, die dft Festigkeit und Unerschüt- terlichteit ihrer Gesinnung am 8. März in, Deutschland«litten, int Toben der Reaktion bewiesen haben, sind viel, vftl mehr, al- das kleine Häuflein von 1878; sie werden das deutsche Voll von der blutigen Schande des Dritten Reiches befreien. Uns schreckt das deutsche Beffpiel. Wir haben aus den deutschen Erfahrungen etwas gelernt. Darum sagen wir den herrschenden Klassen: WaS in Deuffchlaud geschehen ist, wird sich in Oesterreich nicht wiederhole« und des wegen werden wir durch die deutsche« Erfah rungen belehrt, schon diesen ersten versuche«,« uns aus deutsche Bahnen zu führen, den zähe ste«, hartnäckigsten und entschlossensten Wider stand entgegensetze«.- Auf unserem fetzten Parteitag im Novem ber habe ich den Parteitagsdelegierten gesagt: Vergessen wir nicht, wo Oesterreich liegt! Im Süden von uns der blutige Fascismus in Ita lien, östlich von ihm dft gewalttätige Militär diktatur in Jugoslawien, weiter nördlich an unserer Ostgrenze das Ungarn der Hen ker und auf der andern Seite, an unserer West grenze, das Deutsche Reich, das in den Fascismus hinabgleitet. Ich habe damals den Genossen gesagt: in dieser Lage rings um uns, wo wir gleichsam umzingelt sind vom Fascis mus, wird es die große, schwere, aber desto ruhmvollere Aufgabe der österreichischen Arbei terschaft sein, Oesterreich als eine Insel der Demokratie zu erhalten, als eine Insel der Freiheit mitten in dftftm fascfftischen Meer. Als ich dies gesagt hatte, da waren manche jüngere Genossen mit mir unzuftftden und haben mir gesagt: Hast du der Jugend fei« höhere- Ziel zu setzen, als di« Erhaltung der Demokratie, tri« uns doch alles schuldig bleibt? Hast du uns kein höheres Ziel zu setzen, als zu erhalten, was fft. während wir danach brennen, Größeres zu erobern? Die Genossen, die damals unzufrieden waren, werden mich heute, nach den Ereignissen in Deutschland, vielleicht besser ver stehen. Ach ja, wir wissen alle, was die vom Bürgertum beherrschte Demokratie, die Demo kratie auf der Basis der kapitalistischen Produk tionsweise uns schuldig bleibt. Aber Demokratie, das bedeutet doch die! Bewegungsfreiheit des Proletariats, die Or ganisationsfreiheit des Proletariats, dft! Kampsfreiheit der Arbeiterllasft, dft Freiheit, nnftr« Ideen zu verkünden und für unser« Ideale zu werden. Die Zerstörung all dessen, das ist der Faskisüms. Und der Fascismus ist! ein« Krankheit, die ansteckend werde« kann, wenn man sich gegen dft Ansteckungsfeime nicht rechtzeitig abriegelt. Tas macht de» Kamps hier so ungeheuer.._ schwer, aber auch so ungeheuer wichtig. In dem| Schwarz-Rot-Gold mit sämtlichen Formationen, Was ist die Demokratie wett? Eine Kampircdc Otto Bauers. düng. Der Fascismus im Innern deutet dft Einbeziehung Oesterreichs in .saseistische Staatenbündnis. Und dos würde dann in einer nahen oder fernen Zukunft bedeuten, daß wir, so wft wir im Jahre 1914 auf dft Schlachtbank geschickt würde» für den Ruhm und dft Größe der Herren Hitler, Mussolini und Horthy. Der andere Weg aber, der, den wir wol len, ist der, die Demokratie, das Selbstbestim-- mungsrecht des österreichischen Volkes zu erhal- iten und damit zu erhalten eine Politik der strengen Neutralität gegenüber dem einen wft gegenüber dem andern der beiden kriegerischen Staatenbündnisse. .Deshalb wär« nichts verfehlter,- als tvenn wir diese Schicksalsbedeutung, die Verteidigung der Demokratie unterschätzen wollten. Es wird mir gerade heute nicht leicht, ein Wort gegen dft deutschen Kommunisten zu lagen, denn fft sind in diesen Tagen gehetzt, verfolg; dft Meute der Kapitalisten ist gegen sie los. Aber wir müssen aus den Erfahrungen fernen. Dft deuffchen Kommunfften haben alle diese Jahre hindurch den deutschen Arbeitern— und Mil lionen deutscher Arbeiter sind ihnen gefolgt— gesägt: „Was Ist denn die Demokratie wert?“ „Macht sie euch satt? Gibt sie den Arbeits losen Arbeit? Die Demokratft ist doch auch nur eine Form der Diktatur der Bourgeoisie! Es steht nicht dafür, dft Demokratie gegen den Fascismus zu verteidigen, sondern unsere Auf- aab«>»st, dft Demokratft zu stürzen und an ihrer Stelle ein Sowjetdeutschland zu erobern." Und nach dftftr Theorie haben dft deuffchen Kommunisten gehandelt. Seit 1930 war ein Reichstag da, mit erner großen fascistischen Fraktion rechts «ich mit einer großen kommunistischen Fraktion links. Dft beiden hatten zusammen dft Mehrheit. Sie konnten zusammen nicht regieren, aber sie konnten zusammen jedes demokratische Regieren unmöglich machen. Dft Kommunisten haben gehofft, auf dies« Weise di« Demokratft zu zer- önniiiiiiniiiiiniiiiiiHiiiiitiiiiiiniiitiiitiinHnnniiiitiitnniiiiiiiiuniiiHiitiiHiiiiiiiniiiiHiiniiiiiiiiHitnniiiiiniiiiiiiiiuTniitiiiHiiHiiiiiifliiiiiinniiiiiiiiiiiiiiiiii)iiniinnitiiiiiinin]HiiiiniiiuriitintHiiiinn Aufrüstungspläne in vollem Bang? Alarmierende Nachrichten über neidiswelirrüstungen. Reichstag am 21. März. Kommunisten nicht eingeladeu. Berli«, 11. März. Wie das VDZ.-BLro meldet, hat dft Reichstagsverwaltung heute an die Mitglieder des neuen Reichstages die Einladungen zur Eröffnungssitzung des Reichstages am 21. März 5 Uhr nachmittags in der Kroll-Oper ergehen lasse». An die kommunistischen Mitglieder des Reichstages find keine Einladungen ergangen. Ferner hat dft kommissarische preußische Regierung durch eine Verordnung den ncugc wählte« preußischen Landtag für de« 22. März 1933 nachmittags 3 Uhr nach Berlin einberusen. Wie das Nachrichtenbüro des VDZ. hört, ist der Text dieser Verordnung den neugewählten Abgeordneten heute zugestellt worden und gilt als Einladung für die erst« Landtagssitzung. Den Kommunisten ist dft Verordnung Reichsbanner-Verbot für Bagern und Draunsdiwelg. München, 11. März. Der Kommissar für das bayrisch« Staatsministerium des Innern hat mit sofortiger Wirkung das Reichsbanner e«it« 4 Sonntag,!• Würz IMS ytt. 6i G uhigendc Erklärung über die künftige Blattes ab und nahm einen Wechsel S 4 M Va av• S» A t* M Lm■*— Ka S iA*“ I ist, beweist auch di« Rede, i der Eröffnung der Lust- fahrtausstellüng hielt, in der er den„alten Fein» und de» Innenminister» üb« er selbst ans. Mit der Wahrnehmung der andere« Geschäft« wurde« Hakenkreuzler kommissarisch beauftragt. Staatspräsident Dr. Schmidt wurde in seiner Wohnung zu seiner persönlichen Sicherheit in Sch u tz h a s t genommen. Auch dem Lübecker Senat hat der Reichsinnenminister die Befugniff« der Oberste« Lan- drsbehörd«, soweit sie zur Aufrechterhaltung der össentlichen Sicherheit und Ordnung notwendig gemeinsam kämpfe«: gegen Krieg, gegen FaftiSmuS, gegen Klassenherrschaft, für gleich« Recht«, für Menschheitsrecht«, für Völkervereinigung, für de« Sozialismus. der Arbeitslosen in die Produktion und Konsumtion überhaupt nicht möglich— alle diese Binsenwahrheiten sind in das Kaffeekrärn-ben der Tante Bohemia nicht eingedrunacn. Das aber wird die alte Dame,- der Herr Dr. Peters ein« Hakenkrembrosche an die altmodische Bluse mit dem Stehkragen geheftet hat, nicht abhalten, ihre süßsauer» Weisheiten weiter an ihr« Leser zu verzapfen, zur Erhebung und Herzstärkung der einen und— zur Erheiterung der anderen in dieser bitterernsten Zeit! Kegen die Angriffe ani d e ArbeitslolenmtteiMlsnnfl. Sitzung der gemeinsamen gewerklchaftlichen Landeszentrale. Der Zentralrat der gemeinsamen Emdeszentrale„Odborovs sdruLenl öesbos'ovenfkö" h:el: am 9. Mörz eine Siftimg ab, die sich mit den Fragen der Arbeitslosigkeit, insbesondere mit 5A Unterslützungs und produktiven Fürsorge Ix' faßte. In der Debatte wurden die allgemein gehaltenen Angriffe, die insbesondere in der Taget- presse gegen die Arbeitslosenunterstützung erhoben wurden, zurnckg«wiesen. Insbesondere betrachtet der Gewerkschaftsrat die Angriffe auf das Min- sterium ftir soziale Fürsorge besonder» niis den Fürsorgeminister Äs ungerecht. denn in unzähligen Fällen wurde sestgestellft daß es sich uw unrichtige Durchführung der Vorschriften durch einige untergeordnete Aemter, insbesondere d: Gemeinden handelt. Dir Gewerkschastsovganfta' tionen sind gegen jeben Mißbrauch der Unter' stützung. Sie stellen jedoch fest, daß die beste Maßnahme gegen den Mißbrauch die Einführung ordentlicher Iwangsarbeitsvermittlungsämter ist, die Erweiterung der produktiven Fürsorge und die zweckmäßige Verteilung von ArbeitHzelegeu- hsiten, die durchgeführt werden könnte durch Ber- kürgung der ArbeitSgeit, Verhinderung der Top- pelbefchaftigung der Pensionisten und durch andere Maßnahmen, durch welche di« Arbeit? gelegenheit vermehrt werden könnte Holz tritt Redaktenr Häffner. Auch in dem vom gleichen Verlag herausgeaebrnen„8-Uhr- Abendblatt" wurde«in Wechsel in der Person de» Chefredakteurs durchgeführt.- nanfttncrzldit Popens. Vizekanzler von Papen wird auf die von ihm auf den Waylvorschlag der Kantpffront Schwarz- wriß-rot errungenen Mandate noch sämtlich vor der Eröffnung des Reichstages verzichten. Papen habe es stets abgelchnt, in sich den Exponenten Leser! Parteigenossen! Die Nachrichten, die auf offiziellem Wege aus Deutschland kommen, tragen de« Stempel der Niedertracht und der Verlogen helt. Das den fascistl sehen Herren nicht Genehme wird unterdrückt, die Tatsachen werden In ihr Gegenteil verkehrt Es ist In diesen Tagen doppelte Pflicht der sozialdemokratischen Presse, die Wahrheit über die deutschen Zustände zu künden. Wir färben nicht! Wir berichten Tatsachen! Daß sie erschütternd sind und die ganze gesittete Welt mit Abscheu und Empörung gegen die fascistl sehe Blutherrschaft und ihre Träger erfüllen, ist deren eigene Schuld. Die bürgerliche Presse begnügt sich mit der Wiedergabe der amtlichen deutschen Meldungen. Nur die sozialdemokratische Presse hat den Mut und die Möglichkeit eine von den amtlichen deutschen Falsch meidungsbüro unabhängige Berichterstattung einzurichten. Wie gut sie funktioniert beweisen die sozialdemokratischen Zeitungen Tag um Tag.» Die Wutausbrüche des Morphinisten Göring werden uns nicht daran hindern, weiterhin unsere Pflicht zu erfüllen. Ihr. Leser und Parteigenossen, müßt aber dafür sorgen, daß die Wahrheit über das Dritte Reich in immer weitere Kreise des Volkes dringe, ihr müBt unserer Presse Leser und Abnehmer werben! Gebt das Blatt das ihr gelesen habt, weiter, gebt es den Brüdern Jenseits der Grenze! Sie lechzen darnach. Leitet selbst alle Meldungen, die ihr aus verläßlichen privaten Quellen erfahrt sofort an uns. Ihr, Leser, und wir haben gemeinsam die große Aufgabe zu erfüllen, das Volk aufzuklären, es immun zu machen gegen das fascistische Gift und durch die Zusammenarbeit mit den unterdrückten deutschen Arbeitern und Republikanern deren Widerstandskraft zu festigen. Die Schriftleitung. Der ordinärste Minister der Weit. Ein Morphinist als Deutschlands Diktator. Abnormale als StaatsiOhrer. Die Red«, die der Minister Göring am vergangene« Freitag in Essen hielt, ist von der Weltöffentlichkeit mit Ekel und Abscheu aufge nommen worden. Ei« Mann, dem die Sicherheit des größten deutschen Landes andertraut ist, dankt seinem Schöpfer, nicht objektiv, fondern ein ge wissenloser Bluthund zu sein! Der Minister eines •— allerdings gewesenen Kulturstaates— begrüßt «s, daß Staatsbürger um ihrer Gesinnung willen mißhandelt werde« und gibt seiner Verwunde rung darüber Ausdruck, daß überhaupt noch an dere al» Nazi-Zeitungen existieren. Ein führen der Staatsmann rühmt sich, daß er, wenn auch! oft zu kurz oder zu weit, schieße« läßt. Und er beklagt sich, daß die ausländische Prelle vor ihm nicht in de« Staub sinkt, sondern die Wahr- heit schreibt. And er betätigt sich al» g e w ö h n- sicher Erpresser, wenn er sagt, i« Deutsch land würden so lange keine sozialdemokratische« Zeitungen erscheinen, solange die sozialdemokra tischen Blatter des Ausland»-so hundsgemein über da» Deutschland Adolf Hitler» schreiben*. Nun, da» Deutschland, da» wir achteten und liebten, ist vorlänsia nicht«ehr. Was sich jetzt da» offizielle Deutschland nennt ist nur unseres Hasse» und unserer Verachtung wert Uns müßt« die deutsche Kultur so wenig be deute«, wie de« hakenkreuzlerischen Bomben werfern und Morobrennern, wenn wir nicht «m dieser Knltnr willen Über die Führer des anfgenordelcn Reiches di« Wahrheit sägte«. Heute sind Deutsch« in anderen Länder« freier als in ihre« geistigen Vaterland. Görings Arme reichen nicht so weit, diese Freiheit z« vernichten und dar«« wird unser Wort auch weiterhin erschalle«. Die Drohung Göring» schreckt weder uns noch di« deutsche Arbeiterklasse. Sozialdemokratische Blatter, die dem Herrn Göring genehm wären, l""— jä bis k—■'*“ y“ ohnehin keinen Sinn mehr. Sie ist geschult ge- 1‘"““ ,,MM gen; ihr wird dies Schweigen beredtersein al» Linsengericht einer Gnade,"die Mörder, Brand- r:':"",~ möchten, verzichten wir aus unsere Meinung nicht. herigeu verautwcrttichc» Redakteurs Dr. Bret-f Gedanken zum Frauentag! Von Irene Kirpal. Der Gedank« des internationalen Frauen tages wird von uns-Frauen immer aufs neu« freudigst begrüßt. Wenn auch ab und zu die Parolen des Frauentages wechseln, er wich doch immer im Zeichen des Kampfes für die Freiheit und Erlösung der Frau, für die Freiheit und Erlösung der Arbeiterklasse abgehalten. Jeder Frauentag bringt aber auch zum Ausdruck die Bekundung der Solidarität, der Verbundenheit der sozialdemokratischen Frauen und Mädchen mit der Gesamtpartei. Unser diesjähriger Frauentag hat eine dop pelte Bedeutung: Dankbar gedenken wir unsere» großen Vorkämpfers Karl Drnrx, dessen 50. Todes tag wir am 14. März begehen, und in seinem Sinne führen wir den Abwehrkampf gegen das wahnwitzig« kapitalistische System, gegen d« plan los« Wirtschaft. AuS dem geistigen Erb« unseres Begründers des wissenschaftlichen Sozialismus wissen wir, daß Krisen in der kapitalistischen Wirtschaft unvermeidlich sind. Sie können zwar vorübergehend gemildert- werden, aber sie werden, solange der Kapitalismus besteht, als seine unzer trennliche Begleiterscheinung immer Wiederkohren und immer schärfer sich auswirken. Die Plan- losmkeit des kapitalistischen System» wird gekenn zeichnet durch Aufhebung der Handelsverträge, Verlust von Absatzgebieten, Absperrmaßnahmen, künstliche Hochhaltung der Preise(Kartell- und Trustpolitik), Verlust von Arbeitsplätzen, Ver nichtung einer zu guten Ernt« trotz Hungers auf der anderen Seit«. Aber auch der Mensch selbst leidet außerordentlich unter den Folgen der kapi talistischen GesellschaftSordnmw: Wir sehen nieder gedrückte, verzweifelt«, seelisch gebrochene Men schen, ein Anblick, der uns di« ganze Tragik der Gegenwart, den grenzenlosen Jammer des Pro letariats unbarmherzig aufzeigt. Wenn«s in dieser furchtbaren Zeit«inen Lichtblick für das große Heer der Arbeitslosen gibt, so ist es die unermüd lich« Arbeit des Genossen Dr. C z e ch, die er als Minister für soziale Fürsorge im Interesse dieser bedauernswerten Menschen leistet. Ihm hiefür aufrichtige« Dank zu sagen, ist uns allen Herzens- bcdürfniS! Für wekhe Forderungen haben wir uns an nnserem Frauentag««inzusetzen? Zunächst kämp fen wir für di« gleichen Recht« der Frauen. Es gilt de« zähen Widerstand gegen di« Frauen- «rwerbSarbeit zu brechen. Di« Oeffentlichkeit muß endlich anerkennen, daß bie v Eingliederung der Frauen in di« Erwerbsarbeit«in« Selbstverständ lichkeit»st,«nd daß daS Recht auf Arbeit allen Mensche« in gleichem Maß« zusteht. Die jetzig« Kris« erschwert uns allettnngs diesen Kampf außerordentlich. Das Ringen um den Arbeitsplatz, die Furcht vor,der Einreihung in di« Armee der Arbeitslosen führt oft zu schweren Ungerechtig, keilen, insbesondere gegen die erwerbstätig« ver heiratete Frau. Der Ruf pach ihrer Entfernung vom Arbeitsplatz will nicht verstummen. Wenn wir auch volles Verständnis für das Streben der Männer nach Arbeit und Äerdienstmöglichkeit haben, so müssen wir doch mit aller Klarheit zum Ausdruck bringen, daß das Recht auf Arbeit allen auf Erwerb angewiesenen Menschen, also auch den verheirateten Frauen, in gleicher Weis« zusteht. Diese Forderung, di« wir als ein« Selbstverständ lichkeit betrachten, kann nur-in einer gemeinsamen Kampffront der Frauen nnd Männer dnrchgrsetzt sehr verbietet, wenn er«och so sehr brandschatzen und morden läßt: unser Wort wird über di« Grenzen dringen und von Mund zu Mund getragen werde«. Es wirddaSSchwertder Rach« schleifen— trotz allen Gö- r i ngS! Wer fit der Mann, der der Sozialdemokratie nachsagt, sie bestehe aus Gaunern, di« deutsches Gut stahlen, der dem Zentrum vorwirft, dabei Schmiere gestanden zu sein? ES ist ein kranker Mensch, besten sadistisch« Trieb« unverkennbar find. Und es ist in Dentfchland offenes Geheimnis, daß man e» bei Göring ant einem schweren Morphinisten zu tun hat. Einem solchen Wesen ist da» Leben von Millionen deutscher Menschen anvertrauti Deutschland ist znm Gespött der Welt geworden. Die Männer aus dem Piedestal, die das noch nicht zur Kenntnis nehmen wollen, werd«« e» bald merken. Der politischen Einkreisung, die die neuen Männer erreichten, hat sich ine moralische Einkreisung gesellt— und im Vorjahr feierten wir da» Andenken Goethes! In Bayern wird ein Röhm Minister„zur besonderen Verwendung"; es ist nicht nur in Deutschland bekannt, daß er sich tatsächlich zu besonderen Dingen verwenden läßt. Urch im Kanderstall sitzt ein Psychopath, der dem Manne zur besonderen Verwendung unentwegt die Treu« hälft DaS Deutschland der Gegenwart darf sich rühmen, den ordinärsten Minister der Welt und Männer an seiner Spitze zu haben, di« die schwere Krankheit des deutschen BolkSkörperS versinnbildlichen. Da» Dritte Reich ist ein Kerker und ein Friedhof und die Kerkermeister sind Menschen, „. die es in normalen Zeiten nicht weit ins Irrenhätten Jür die deutsche Arbeiterklasse Haus hätten. ....„"”„’ Daß die» richt» mig, auch das Schweigen ihrer Preffe zu ertra- die Göring gestern ä_*7*“'“'‘*3 fahrtauSstellung hielt, in der er den„alten Fein- Blätter, die Herrn Göring gefielen. Um da» den Deutschlands" unverblümt mit Rache droht Linsengericht einer Gnade, die Mörder, Brand- und Stimmung für einen neuen Krieg macht.— stifter und Halbirre über ihr« Opfer verhängen Hoffentlich steigen noch einige solcher Minister- möchten, verzichten wir auf unsere Meinung nicht, reden, damit daS deutsche Volk sieht, wohin es Und wenn Herr Göring in Deutschland noch so sich gewählt haft Badens Staatspräsident in Sdintzhalt. Rekhskommlssar Überträft sich alle Reglerungsbeiugnlsse. Karlsruhe, 11. Mürz. Der Reichskommissar für dre Polizei in Baden Robert Wagner, hat einen Aufruf erlaflen, in d«m er u. a. erklärt, er habe sich veranlaßt gesehen, im Interesse der öffentlichen Meinung und Sicher heit die gesamt« Regier»ngSgewalt in Baden auf Grund der ihm von der Reichsregierung übertragenen Befugnisse zu über nehmen. Die Amtsobliegenheiten des badischen Staatspräsidenten Dr. Schmidt sowie der Mi nister des Innern, für Kultus und Unterricht, o nnd für Finanzen seien in sein« Hand über»! sind, abgenommen und st« einem Naziführer gegangen. Di« Befugniff« des Staatspräsidenten 1 übertragen. „nerNner rageDtatr darf wieder erscheinen. Berlin, 11. März. Ter Polizeipräsident hat das bis zum 13. März eiuschkicÄich ausgesprochene Verbot des„Berliner Tagmatt" abge^rzt. Die Zeiftmg darf bereits am morgigen Sonntag, den 12. llstorz wieder erscheinen. Der Berlag Masse gab den« Polizeipräsiden ten eine ber>" Haltung des, x...„.......... in der Redaktion vor; erst dann wurde das Der- von Parteien oder parlamentarischen Kombinatio- bot deS Blattes aufgehoben. An Stelle des bis- neu zu sehen. ErzaWnyen der alte» Tante. Wer etwa wissen möchte, was die alte Tante beim Kaffeeklatsch, mit dem Strickstrumpf in der.Hand, wie sie die Aelteren auS den„Fliegenden Blättern" seligen AngchenkenS kennen, über dir Verkürzung der Arbeitzeit erzählen würde, der nehm« di«„Bohemia", das für Hitler sympathisierende Blatt der Deutschdemokraten Ulr Hand und lese den Leitartikel vom gestrigen Tage. Die alt« Tante macht zunächst eine Verbeugung nach links. Sie sieht ein, daß di« Idee der Arbeitszeitverkürzung„nicht mehr von der TagesoÄnung verschwinden" wird und daß di« Einführung einer kürzeren Arbeitszeit in der „industriellen Produktion" und„beim mechanisierten Ackerbau" möglich ist. Aber die Folgen einer Arbeitszeitverkürzung würden— man hört das halbunterdrückt« Schluchzen der alten Dame— entsetzliche sein.„Jede Handreickmng müßte sozusagen(sozusagen ist gut D. Red.) mit Gold ausgewogen werden... Eine Revolution der Hausfrauen» di« selbstverständlich auf ähnliche Erleichterungen An- !spruch erheben würden, wäre die notwendig« Folge... eine völlige Auflösung der Familie die nächste Etappe... Der Vater... wird von seinen Kindern weder verlangen noch erwarten können, daß sie täglich fünf oder sechs Stunden in der Schule sitzen..." kurz und gut, der Untergang der Welt und alle» dessen, was Kaffeeschwestern ans Herz gewachsen ist, würde, um in der Sprache der„Bohemia" zu reden, di« nächste Etappe sein. Vielleicht würde sogar daz Strümpfestricken aufhören und damit war« der Untergang der europäischen Kultur endgültig besiegelt. Schöne Welt, ade! Es ist als ob di« Weltgeschichte seit dem Kriege spurlos an der Liliengasse, wo die alte Tante seit Jahrzehnten ihr trautes Heim hat, vorübergegangen wäre. Die Welt erstickt im Uebersluß an Gütern, die planmäßige Verteilung oer Arbeitskräfte auf die vorhandene Arbeitsmöglichkeit ist der einzige W«g, di« Arbeitslosen zu beschäftigen, ohne Verkürzung der Arbeitszeit ist dir Einreihung der Millionenarmee werdeu. Der Kampf geht aber nicht nur um d'« ideelle Bewertung und Anerkennung der Frauen arbeit, sondern auch um ihre materielle Einschätzung. Aus diesem Kampfziel ergeben sich folgerichtig zwei Forderungen: 1. Für gleich« Arbeit gleiche« Lohn! 2. Für all« Ardeitsmrnschcn ausreichenden Lahn! Der Anspruch auf Berbesierung der Lebcnc- lag«, Sicherung für gesund« Arbeitsbedingungen, umsasicnder Schutz der erwerbstätigen Frau sind Forderungen der soizaldemokratischen Frauen und Mädchen. Wir begrüßen wärmstens den Antrag des I8en»fsen Minister Dr. Sic<6 auf Einführung da virrzigstündigen Arbeitswoche! Die Herabsetzung der Arbeitszeit hat für di« erwerbstätige Frau eine doppelte Bedeutung. Durch die Verkürzte Arbeitszeit würde der überbürdeten Frau mehr Zeit zur Verrichtung ihrer häuslichen Arbeiten Übrig bleiben, andererseits hätte die Frau weit mehr Gelegenheit auf ihr« Gesundheit zu achten, di« ohnedies unter den Folgen der Rationalisierung in größerem Maß« als früher geschädigt wird. Der Frauentag steht auch im Zeichen de» Kampfes um di« frei« Mutterschaft. Wir ersrhnen «in« 8««d«rung des Paragraphen 144, weil er für den weit größten Teil unserer Mütter«in« Qual und große Gefahr für ihr Leben und ihr« Gesundheit bedeutet. Di« Unhaltbarkeit dieses sür unser« Proletariermütt«r vielleicht unheilvollsten Paragraphen ist schon längst bewiesen. Wir rechnen bei der Forderung nach Durchsetzung deS von Genoffen Minister Dr. Mrißner eingebrachten Gesetzentwurfes betreffend die Novelle deS Paragraphen 144 mit der Unterstützung aller rechtlich denkenden und menschlich cmpsindcnden Menschen. Wir verhehlen uns aber auch nicht, daß di« Widersacher nichts unversucht lassen' werden, um auch weiter di« Gefährdung des Lebens und der Gesundheit der Proletarierfrauen im Gesehe verankert zu lassen. KlerikaliSmus, Kapitalismus, Militarismus und als Vierter im Bunde der Fascismus brauchen für die Erhaltung und Durchsetzung ihrer Macht willfährige Werkzeuge. Insbesondere der FascismuS sorgt durch seine Derelendungstheorie und durch den Zwang zur Mutterschaft, daß genügend Kanonenfutter für den kommenden Krieg vorhanden ist. Im Zeichen des internationalen Frauentages erklären wir, sozialdemokratische Frauen und Mädchen, daß unser Wille zur Erhaltung des Friedens unerschütterlich ist. Allen Krieashetzern gilt unser heftigster Kamps: Krieg ist Verbreche», Krieg ist Mord! Der Gedanke der internationalen Abrüstung muß in de« Gehirnen der Menschen fest verwurzelt werden. Gerade weil sich der Völkerbund bi» heut« al»«iu unwirksames Instrument für Erhaltung des Völkersriedens erwiese« haft muß der Gedanke der Völkerverbrüderung bei allen Frauen und Mädchen, ob sie nun dies« oder jene Sprach« sprech««, Eingang finden. So wolle« vir 5Jr. 81 Sonntag. 12. Marz 1933 Seite 5 Vom Rundfunk Montag. Prag: 6.15: Gymnastik. 11: Jazzmusik. 18.85: Deutsche Sendung: Reichenberger: Karl Hanel. ein deutscher Meister. 19.45: Konzerts 20.10: Vor dem Gericht, Skizze von Hermann. 21.85: Entwich' lung der Klaviersonate.— Brünn: 17.20: Frauenstunde. 18.25: Deutsch« Sendung: Französisch für Anfänger.— Mähr.-Ostrau: 12.80: Orchesterkonzert. 18.30: Deutsch« Sendung: Gätsch- mann: Die Fahrt mit dem.Schnelldampfer. 19.40: Blasmusik. 20.30: Populäres Orchesterkonzert.— Mühlacker: 20: Nordische Musik— Leipzig: 19: Zitherkonzert. 20.45: Sinfoniekonzert.— München: 21.30: Die Puppens«, Ballett.— Wien: 18.25: Palcstrina, musikalische Legende von Pfitzner. Dienstag. Prag: 6.15: Gymnastik. 10.10: Deutsche. Schulfunk. 17.50: Schallplatten. 18.26: Deutsche Sendung: Dr. Wüllner: Forumszene aus Julius Cäsar.— Brünn: 12.30: Orchesterkonzert. 18.25: Deutsche Sendung: Dr.Kocaurek: Das Neueste über Ernährungsfragen. 19.10: Dir Stimmen leben. 19.30: Militärblasmufik. 21: Orchesterkonzert.— Berlin: 16: Zeitgenössische Lautenlieder.— Breslau. 20: Heiteres Konzert.— Mühlacker: 19.30: Falstafi, Oper von Verdi.— Königsberg 16.20: Orchester konzcrt.— Müncheu: 19: Tärüe aller Völker.- Wien: 21.30: Lieder. Unalücksoacht in Amerika Blick ins Dritte Reich EH 3. Audi das MlrgcrlldK England hüll die Nationalsozialisten für die Brandstifter! Daß die sözkgltzem os^r atzsch« Par- t e i. welch« für den Parlamentarismus lewenschaft» licher als irgend ein« ander« deutsch« Partei kämpft, sich mit Leuten verbunden haben soll, die denReichstag in Brand st ecken und dadurch daS Wahlresultat gefährden, spricht gegen jede Wahrscheinlichkeit. Selbst wenn der gefangen genommene Brandstifter, von dem behauptet wird, daß er ein holländischer Kommunist sei, tatsächlich davon sprach, in Verbindung mit der sozialdemokratischen Partei gestanden zu sein, so ist diese Behauptung offensichtlich unglaubwürdig. Hunderte Tote und BrSnse im Katastrophengebiet. weiten Strecken der Gegend von LosAngeles brennende Ruinen gesehen habe. Der Strand von Lang Reach hab« von Menschen gewimmelt,. die verängstigt hi»«nd her liefen. Außerdem glaub« er Haufen von Leichen wahrgenommen zu habe«. Die Benzinniederlagen in Los Angeles, San Pedro, Long Bach und Willmington ständen in Brand. Die gewaltigen Mauern der Wasserwerke in Los Angeles seien znsammengestürzt «nd die Wassermengen hätten sich in zahlreiche Häuser ergossen. Comptou., das zwischen Los Angeles und Long Beach liegt, weist ebenfalls große Verheerungen auf. Dort wurden auch Kirchen, Banken und andere große Gebäude zerstört. Einem noch unbestätigten Bericht zufolge ist ine elektrische Kraftanlage in San Pedro eingestürzt. Angeblich liegen unter den Trümmern zweihundert Menschen begraben. Das Erdbeben, dessen Epizentrum in Long Beach zu sein scheint, begann um 17.55 Uhr Ortszeit und dauerte 90 Minuten. Rach 21 Uhr folgte ein weiteres schweres Beben. Es wurden 14 schwere und mindestens 110 leichtere Erdstöße gezahlt. Tic Katastrophe ist die schwerste, die sich in Kalifornien bisher zugetragcn hat. Die Erdbebenzone umfaßt etwa 6000 Quadratmeilen. Sie ist als besonders erdbebengefährdet bekannt und hatte fast alle 75, Jahre!in großes Beben. Tas letzte hat sich im Jahre 1857 ereignet. Die Meldungen aus den betroffenen Orten gehen nur sehr langsam ein, da die telephonischen und telegraphischen Verbindungen unterbrochen sind. Los Angeles und Long Beach in Trümmern. Tausende Verletzte.— r“' Los A n g e l e s, 11. März. Kalifornien, einer der reichsten amerikanischen Bundesstaaten, wurde gestern durch ein schweres Erdbeben verwüstet. Die Städte LosAngeles mit Hollywood«nd Long Beach wurden znm großen Teil in Trümmer gelegt. Die Zahl der Toten wird nach den letzten Rachrichten auf 500 geschätzt. Tausend« verletzte wurden geborgen. NacdonaM in Genf. Genf, 11. März. Der englische Premierminister Macdonald ist heute früh in Genf eingetroffen. Die Gesamtsituation in Genf ist sehr ernst. Di« Komplikationen, um deren Lösung es sich jetzt handelt, sind vor allem durch die Entwicklung der Verhältnisse in Deutschland gegeben. Macdonald gibt die Hoffnung noch nicht auf, daß es doch möglich sein wird, in einem provisorischen Abrüstungsabkommen die bishetigen Beschlüste der Abrüstungskonferenz zusammenzufassen und so einen Mißerfolg zu verhindern^ ! i S)iKH.Mefte,ü uzid gngejchenfte- wiMchMiche.. Wochenschrift Euglgnds,-der konservative^The Eco no mist", bringt in seiner am 4, März, also nach vor den deutschen Wahlen erschienenen Nummer«inen Artikel über den Reichstagsbrand, in dem eindeutig gegen di« verlogen« Behauptung der Regierung, daß die Kommunisten in Verbindung mit den Sozialdemokraten als die Urheber dieser Schandtat anzusehen sind, Stellung genom» men wird. Das heißt aber mit anderen Worten, daß auch diese englische konservative Zeitschrift, ebenso wie wir schon von allem Anfang an, di« Nationalsozialisten selbst als di« Drahtzieher und eigentlichen Schuldigen an diesem kriminellen und politischen Verbrechen ansieht, das an Größe zu übertreffen sich höchstens der italienisch« Fascis- mus rühmen kann. Wir veröffentlichen den ersten Teil diefts Artikels in wörtlicher Uebersetzung, der sich wohltuend von Aeußerungen und auch Richtäußerungen„auch"-dcmokratischer Blätter vom Schlage der„Bohemia" unterscheidet. „Bevor Deutschland durch di« Nachricht, daß Kommunisten den Reichstag in Brand gestickt hätten, überrascht wurde, wäre«ine komnrunistischc Gewalttat das letzte gewesen, was di« öffentlich« Meinung erwartet hält«. Es mag stimmen, daß die deutsche, kommunistische Partei unter der Führung von Leuten steht, di« man schwerlich als klarblickende, besonnene Politiker bezeichnen kann. Das kommunistische System, das' alle Abweichungen von dem orthodoxen Standpunkt durch Ausschluß aus der Partei oder bestenfalls durch politische Kaltstellung bestraft, würde keine Personen mit«inen unabhängigen Meinung dulden, so daß di« kommunistisch« Partei in Deutschland, so wi« in den übrigen Ländern, unter der Führerschaft weniger Demagogen steht, welche Moskau mit wenig Ueberlegung und ohn« jeden Sinn-für ihre eigen« Verantwortlichkeit folgen. Ueberdies steht«s in Einklang mit der kommunistischen Taktik, ein« Art„Propaganda der Tat" zur Zeit akuter politischer Spannung zum Zweck d«r Aufhetzung der Massen für«in« revolutionäre Aktion zu verfolgen. Nichtsdestoweniger.ist es schwer !denkbar, daß di« Kommunisten, wenige Tage vor der Wahl eine solche Wahnsinnstat wie den Reichstagsbrand verübt hätten, welch« ihren ärgsten Feinden"jede möglich« Waffe gegen sie in die Hand drücken müßte. Di« kriminelle Untersuchung wird sclbswerständlich vor der Wahl nichts ans Licht bringen,- welches ermöglichen könnte, sich in irgend einer Form eine Idee der tatsächlichen Situation zu machen. Was immer die wahren Umstände di«ser fragwürdigen Begebenheit gewesen sein mögen, so hat der Vorfall sicherlich die Absichten der Regierung zu einem außerordentlichen Schritt beschleunigt. Sie hat unverzüglich weitreichende Maßnahmen getroffen, nicht allein gegen die Kommunisten, sondern auch gegen die Sozialdemokraten...(Es folgt die wörtliche Zitierung des Goering-Erlasies, durch den di« Freiheitsrechte des deutschen Volkes vernichtet wurden.) bin Flammenmeer. Eine drahtlose Meldung, die in San Diego von Lo» Beach aufgesangen wurde, bemerkt, daß die ganze Küste i« Flammen zu stehen scheint. 62.000 GebLude sollen in Long Beach zerstört lvorden sei». Automobil« sind in den Straßen unter dem Schutt vergraben. I» viele» Dörfern, in der Hauptsache zwischen Los Angeles und seinen 20 Meilen entfernt liegenden Hafendistrikten sind Feuer ausgebrochen. Die Polizei teilt mit, daß 500 Tot« allein in Lang Beach zu verzeichnen sind. Die Polizei hat drahtlos mindestens 100 Aerzte und Schwestern angefordert. I» Los Angeles wird die Zahl der Verletzten auf etwa 4000 geschätzt. Wieviel Menschen ums Leben gekommen sind, ist noch unbestimmt, da das Rettungswerk in erster Linie den Verletzten gilt. Im Allgemeinen Krankenhaus hatte sich der Kranken eine allgemeine Panik bemächtigt. Die Kranken drängten den Ausgängen zu; hiebei fielen zahlreiche Personen in Ohnmacht. . Die Frau des ehemaligen Präsidenten Hoover befindet sich, wie aus New Jork gemeldet wird, in Los Angeles. Hoover hat bisher vergeblich versucht, mit ihr telephonische Verbindung zu erhalten. Professor Einstein hatte gerade das Kali- fornia-Jnstitüt verlosten, als der Erdstoß erfolgte. Er und die Studenten sind in Sicherheit. bin Bild de» Grauins. Ein Flieger, der das vom Erdsieben betroffene Gebiet Lberflogsn hat, berichtet, daß er auf Panik i« Hollywood. Die Erdstöße erstreckten sich voy San Diego Ventura. Ganz Südkalifornien wurde in Mordverdacht Der am 29. März 1906 in Dresden geboren« Funker Schenk Rudolf Heinrich(siehe Lichtbild), zuletzt in Dölzschen, Torsplatz 82, wohnhaft ge wesen, der am 1. Dezember 1910 tii Leipzig-Reud nitz geborene Telegraphenbauarbeiter Fränkel Friedr ch Robert(stehe Lichtbild), zuletzt Dresden, Chemnitzer 2:raße Rr. 113, III wohnhaft ge wesen, der am 30. Jänner 1912 zu Kleinzschach witz geboren« W oi c i k Malter Joses(stehe Licht bild), zuletzt in Dresden, Marienberger Straße 69, I., wohnhaft gewesen, alle flüchtig, stehen im drin genden Berdach«, in der Nacht vom 4. zum 5. November 82 in der Gegend von Malter bei Dresden, gemeinschaftlich, mit Vorsatz und Ueber- legnng, den Maschinenschlosser Hentsch Herbert aus Dresden durch Erschießen getö:et und seine Leiche in der Talsperre bei Malter versenkt zu haben. Tie Genannten haben sich offenbar am 10. oder II. November über Reichen berg in der Tschecho slowakei nach Italien begeben. Als Äufenthalts- orte in Italien kommen in zeitlicher Reihenfolge in Frage: Malcestn«, Bozen und Verona. Ob sic sich jetzt noch in Jtalieu aufhalten, steht mit S'chcrhcil nicht fest. Möglicherweise nennt sich; Schrnk:, Z a u o n i Enrico. Fränkel: Friedrichs Kirrt, und Woicik: Mally Giuseppe. Zuletzt j sollen sie sich, in Verona,„Albergo Rsstorante Cart'era". Ouartiere Rom, ausgehalteu haben. Auch Venedig kann als jetzger Aufenthaltsort in Frage kommen Schenk ist etwa 165 Ztm. groß, bartlos, an«Sache zu einem kl«in«n Treppenwitz der Welt- Kameraden des Herrn ReiAskanzler Hitler werden stedibrieiliiii verfolgt. Aul der Sache nali den Mördern des nentsch. In der Zeitschrift für Internationale Oes-> fentliche Sicherheit, deren Jahrgang,_ Nummer und Erschcinungstag aus Gründen der öffentlichen Kontrollmöglichkeit angeführt wird, ist folgender Steckbrief als Text zu drei Lichtbildern erschienen, di« mit der Nummer 3659 versehen sind: IX. Jahrgg. Wien; 1. März. Nr. Internationale Oesfenlliche Sicherheit. Offizielles Publikationsorgan der Internationa len Kriminalpolizcilichen Kommission. Schriftleitung: Wien IX., Rossauer Lände 7. Verwaltung: I., Bräunerstraße 5(Gebäude der Polizeid rektion). 3659 bi- Mitleidenschaft gezogen. Auch in Hollywood verurfachten die Erdstöße Schäden. Hunderte von Filmarbeitern mit ihren Direktoren und den Filmstars liefen auf die Straßen, als der Stuck von den Wänden der Filmateliers hcrabfiel. Ju San Pedro soll der Teil der Pados-Verde- Hügel, die bei der Redondo-Küste gelegen sind, zusammengestürzt sein. Eine ungeheure Staubwolke ist sichtbar. Hilfsaktionen. Präsident Roosevelt hat angeordnet, daß die Armee und die Marine an den Rettungs- arbeiten teilnehmen. In Long Beach wurde der AusnahmSzustand erklärt. Zehntausend Matrosen und Marineschützen versehen in der Stadt. den Wachdienst. Die Flotte, die zum großen Teil vor San Pedro lag, dampft« am späten Abend in der Richtung LongBeachs ab, wo sie heut« früh erwartet wird. Dann! stehen etwa 25.000 Matrosen zur HilfeleistüngJur Verfügung.. Die Rundfnnkansager haben alle*' ehemaligen Hccresangchörigen zur Teilnahme an Notstandsarbeiten im Erbbebengebiet aufgefordert. > Warzen, dunkelblondes Haar,«r trug graublauen Schlips, hellen, grauen Knickerbockeranzug, dunkelbraune Halbschuh«. Fränkel ist etwa 168 Ztm. groß, bartlos, hat längliches Gesicht, aufgeworfene, dicke Lippen, dunkles, volles, bürstenartiges Haar. Woicik ist etwa 170 Ztm. groß, bartlos, hat volles Haar, nach hinten gekämmt, trug graubraunen Knickerbockeranzug. Das Amtsgericht in Dresden hat' gegen die Genannten«inen Haftbefehl erlösten. Es steht zur Zeit noch nicht fest, ob das im Gange befindlich« Verfahren zur Auslieferung auS Italien zu einem Ergebnis führen wird. Auslieferung würde auch aus überseeischen Ländern begehrt werden. ES wird um Festnahme von Schenk, Fränkel und Woicik und im Erfolgsfall« um Drahtnachricht an die Staatsanwaltschaft in Dresden zu Aktenzeichen 16 StA. 362532, ersucht. Schlesisches Landeskriminalamt in Dresden. L. K. A. I. 871, 8/33, vom 2. Februar 1983. In einer Beilage sind di« erwähnten Lichtbilder veröffentlicht. Wenn auch in diesem Steckbrief di« Parteizugehörigkeit der Mörder unerwähnt bleibt, so gibt der Nam« d«S EiimoÄeten Maschinenschlossers Hentsch, deffen Tötung noch in Erinnerung ist, Aufschluß darüber, daß hi«r„Kameraden ä la Potempa" des ! Herrn Reichskanzlers Hitler gesucht werden. Wir ! können ihm desten versichern, daß die Veröffentlichung der Photographien in der besten Gesell- sö^ift erfolgt ist. Unter Scheckfälschern und Betrügern, Hochstaplern und Zichältern, Raubmördern und Falschmünzern repräsentieren sie das gegenwärtige Deutschland des Herrenklubs | und des Fascismns, in dem sie, zur Zeit bestimmt, nach erfolgter Auslieferung noch mit Straffreiheit und Anerkennung rechnen dürfen. 'Daß das Publikationsorgan für internationale öffentliche Sicherheit vom 1. März datiert ist, also zu einem Zeitpunkt erschienen ist, da -der Herr Reichskanzler Hitler und seine Helfershelfer den Kampf um di« moralische IGesundung der Nation führten, macht di« Schenk>>t etwa 16a Ztm. groß, bartlos, an I Mache zu der rechten un:er«n Gesichtssei-e hat er mehrere I gcschichte. Seite 6 Sonntag, 12. März 1933 St. 61 I Erziehung zum Sozialismus. Ein Mahnruf an die Mütter zum Internationalen Frauentag. „Die DE ist sMd“ - Tic bürgerlichen Part«!«» versuchen den offensichtlichen Zusaiiliueiidruch kcr kapitalisttsck)«n Wirtschaft mit allen möglichen Ausflüchten zu erklären, nur nicht mit der Wahrheit. Je länger die Krise dauert und je l-estiger sie wird, um so mehr ist man beslrebt, für diese wirtschaftliche Zerrüttung nach Erklärungen zu suchen, die alle anderen, nur nicht die kapitalistischen Parteien selbst belasten. In Deutschland war cs ebenso. Die Nationalsozialisten nnd di« Teutschnatio- nalen wandten, sich mit dem Rufe ,,di« Politik der.Sozialdemokraten hat die Wirtschaft ruiniert, das Massenelend hrrbcigeführt", an die verzweifelten und. hungernden Menschen, die zu neunzig Prozent politisch, als auch wirtschaftlich unwissend, diesem hanebüchenen Schwindel glatt erlagen. Aber nicht nnr in dem von Krise, Not und nationaler Hebe unterhöhlten Deutschland geht inan mit diesem plumpen Schlager hausieren,^sondern auch bei un§ wird immer häufiger versucht, für.'.alle Sünden der kapitalistischen Wirtschaft die Politik der Arbeiter schuld werden zu lassen. So bringt, die„L a n d p o st" am 8, März unter dem Titel„Ter freie Unternehmer" einen Leitartikel, in dem zum Teil offen, zum Teil ver-, steckt erklärt wird, daß unsere Wirtschaft an politische Glaubenssätze gebunden sei' und deshalb der Ausweg aus der Krise nicht gefunden werden kann. Da heißt es u. a.: „Noch liegt in dem Hiuausschiebrn einer ernsten Tat zur Abkehr von den bisher cinge- halten«» Wegen eine Stütz« für politische Glaubenssätze; dies verhindert es auch, daß ernste Versuche erwogen tvcrdcn, die der Arbeiterschaft und dem Staatswesen nützen könnten. Es Ist in erster Linie«ine politische Parteiangclegenheit, was bisher den Beweggrund zur Unterstützung der Ar- brilslosen in der jetzigen Form bildete und was dazu führt, daß an den bisherigen Gepflogenheiten nicht gerüttelt werden darf," Und weiter: „Geändert kann diese Lage nur dann werden, wenn di« Unternehmer die Erzeugung von Gütern wieder aufnehmen und sich mehr als bisher in diese Erzeugung teilen, daraus ergäbe sich von selbst, daß wieder mehr Menschen an die Arbeit kommen. Dazu müßte— sagen unklar und vorsichtig die Vertreter der Industrie— der Unternehmer volle Freiheit haben. Sie getrauen sich Hoch nicht ganz, deutlich zu sagen, in welcher Hinsicht sie frei sein wollen. Gemeint ist damit die Befreiung von allen Hemmnissen, di« es verhindern, di« Arbeitskräfte unter den Bedin- gungen.zu beschäftigen, die der. Ertrag des Unternehmens erlaubt. Noch reichen die politischen Schlagwort« zu weit; als baß di« Arbeiter überfugt werden könnten, wi« sehr ihnen mit' den Errungenschaften des Klassenkampfes ein Schlei«« über die Augen gezogen wurde." Was für eine wirtschaftlich« Ausbildung mag der Manu, der diesen Artikel geschrieben, tvohl genossen haben, daß er sich getraut, der Oeffent- lichkeit«inen solchen Unsinn vorzusetzen? Angenommen, die politischen„Schlagworte" würden nicht mehr so weit reichen, um di« Arbeiter davon zu überzeugen, daß sie ein Recht auf Wohnung, Nahrung und Kleidung haben, angenommen, es gelang« der Reaktion, die Arbciterklasie völlig niedcrzuwerfen, würde dann der Weg aus der Krise beschritten worden sein? Selbst dann, wenn all« sozialen Lasten von den Schultern der Produzenten oder besser gesagt der Besitzenden genommen würden, könnte so wenig wie im ersten Fall von einem Wiederaufbau der Wirtschaft gesprochen tverdeu. Abbau der Löhne, Beseitigung der sozialen Hilfe bedeutet Berrin- gerung des Konsums, gl«ichzertig also auch Einschränkung der Produktion. Mt diesen Mitteln kann vielleicht einflnen Unternehmern„geholfen" werden, nicht aber der-Wirtschaft und noch weniger der Masse. Geholfen kann den Menschen, die unter der Wirtschaftskrise leiden, nur werden,! wenn die Hemmungen in der Wirtschaft selbst beseitigt wcrden. Das sind nicht di« politischen „Schlagworte" der Arbeiter, sondern es ist die Geld- und Profitwirtschaft unserer Zei t. Wäre die Politik Ursache der Wirtschaftskrise, dann-- und das sollte sogar jedem politischen Analphabeten einleuchten— hätte es in Amerika unmöglich zum Zusammenbruch der Zndustri« und der Finanzwirtschaft kommen können. Ernst« Versuche zur Beseitigung d«r Wirtschaftskrise können«rst dann unternommen iver- den, wenn-man über die Ursachen unserer Wirt- schaftskatastrophc Klarheit schafft. Solange man aber die Massen zu täuschen versucht, und die Politik der Parteien für den Widersinn der kapitalistischen Ordnung verantwortlich macht, will man diese Klarheit nicht nnd tappt den finstern, grauenbaften Weg des Nationalsozialismus, der nur Blut und neues Elend, nicht aber Erlösung aus Krise und Not- bringen kann. -WWIL-JIlMMIMJUra droht mit weiterem Vormarsth. Tokio, 11. März. Die chinesische Negierung wurde anfgefordert, entlang,der Süd- und Westgrenze der Provinz Jehol eine neutrale. Zone zu schaffen. Es wurde ihr angedeutet, daß dies die einzige Möglichkeit sei, wie es den Einfall der japanischen Armee in das eigentliche China verhindern könne. In Peiping wird zugegeben, daß di« Japaner nunmehr Sikenkn und Kupciku besetzen werden. Die chinesischen Trnppenabteilungen haben sich 20 Meilen gegen Süden zurückgezogen. Niemand hat tiefer formenden Einfluß auf ein Kind als seine Mutter.. Sie steht in engster naturhafter Beziehung zu ihrem Kind, wenn... ja, weim dieser natürlich« Zusammenhang nicht durch die schädigenden Einflüsse zerstört würde, di« aus dem Versagen der Gesellschaft erwachsen Kapitalisinus, Arbeitslosigkeit mit allen ihren Erscheinungen wie Unterernährung, Wohnungselend, Unsicherheit der Persönlichen Existenz, Zu- sammenbruch der Familie schädigen den erzieherischen Bezug zwischen Mutter und Kind. Sie schädigen diesen notiocndigen Bezug in einer Art, daß daraus für die Zukunft der jungen und jüngsten Generation schon jetzt schtverst« körperliche, geistige und ethisch« Schädigungen festzustellen sind. Aus der Erkenntnis, daß es zunächst um das Wohl der eigenen Kinder, im weiteren Sinn« nm das Wohl und Schicksal ganzer Generationen in dem Kampf um di« Neugestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse geht, sollte allein schon der Politische Wille der Frau erwachsen, Rch an diesem Kampf mit den ihr zitstehenden Mitteln zu beteiligen, s Die typischen Aufgaben einer politischen Frauenbewegung sind mannigfaltig. Die oesell- schaftlich-polittsch wichtigst« Aufgabe liegt für di« Mutter aber bei der Erziehung ihrer eigenen Kinder. Alle gesellschaftlichen, Politischen und wirtschaftlichen Umgestaltungen im Sinne des Sozialismus bedürfen zu ihrer Durchführung einer durch Erziehung vorbereiteten Generation. In dieser gewaltigen Erziehungsaufgabe liegt T agesneuigkeiten Ein verurteilter Kriminalbeamter begeht Selbstmord im Gerichtssaal. Schueidemühl, 11. März. Nach mehr als sechswöchiger Dauer wurde heut« vormittags vor der hiesigen großen Strastammer in dem Prozeß gegen den.Kriminalpolizeivat Kurt Philippi und den Krimmalvberkommissor Rozumek in öffentlicher Sitzung das Urteil verkündet. Philippi wurde zu einem Jahr drei Monaten Zuchthaus und 100 Mark Geldstrafe verurteilt. Als der Bovsitzende mit der Urteilsbegründung begann, fiel plötzlich«in Schuß im Gerichtes-?al. Philippi sank kurz daraus in sich zusammen. Es wurde festgestellt, daß er sich mit einer P i- stole aus der Hosentasche heraus einen Schuß in den Leib bcigobracht hatte. Ter Arzt stellte den Tod fest. Die Angst um die„Geschäfte"— wenn die ausbricht, dann spiegelt sich das am deutlichsten im„Prager T a g b l a t t" wieder. Tiefer bewegt als durch unzählige Greucltatcn an deutschen Arbeitern, mehr erschüttert als von der allgemeinen Tyrannis, linter der das arbeitende Volk Deutschlands heute leidet, mehr interessiert als an all dem ist das„Prager Tagblatt" daran, daß der Geschäftswelt nur ja kein Schaden erwachse. Und über drei Spalten glückstrahlend brachte dieses Blatt, gestern an erster Stelle den Appell der Deutschnationalen an den Reichskanzler, Ueberfälle auf Geschäfte zu untersagen. Irgendwo ist bürgerliches Eigentum in Gefahr— da weiß das Tagblatt, was es seinen Lesern schuldig ist. Arbeiterhäuser, Arbeiterzeitungen— die mögen sie draußen ruhig vernichten, dafür hat man kritiklos Verständnis. Und darum folgt im„Prager Tagblatt" an zweiter Stelle ohne Mucken des Kanzlers Parole:„Vernichtung des Marxismus". Gegen diese Vernichtung haben die Herrschaften nichts einzuwenden. Man möchte gerne Garantien dafür haben, daß das Geschäft auf keinerlei Weise gestört wird und natürlich hat man einen gewissen Sinn für die Angst der jüdischen Kaufmannschaft. Aber gar so schrecklich wird das ja auch nicht sein— und auf jeden Fall ist ihnen selbst ein kleiner Pogrom lieber als der„Marxismus". An der Prager Börse äußern, wie uns ein Ohrenzeuge berichtete, gut-jüdische Händler unverhohlen ihre Genugtuung über das Regime in Deutschland; mag dabei auch hie und da ein Nichtarbeiter Schaden davontragen, mag auch hie und da ein frommer Bürger die brutale Hand der Henker von Deutschlands Freiheit zu spüren bekommen— das alles ist tausendmal besser, so sagen sie auf der Börse, als wenn eine Diktatur von links gekommen wäre. Wenn nur der Kapitalismus erhalten und gefördert wird, wenn nur das Geschäft im großen Ganzen weiter blüht— das andere, Gott,'s sind halt mal schwere Zeiten, muß man mit hinnehmen. Darin sind sie sich alle einig, tschechische und deutsche, getaufte und ungetanste Bürger. Und im Grunde ihres Herzens würde jeder einzelne von ihnen auch hierzulande sich einen Hitler und einen Göring j wünschen, wenn er nur dem eigenen Körper und Geschäft Sicherheit garantieren würde! Zur Feier d«r„nationalen Erhebung" in der Nacht vom 4. auf den 5. März suchten Nationalsozialisten das HauS des bekannten W'sienfchaft- lcrs Prof. Lessing aus, um an ihm-wahrscheinlich ein« der größten Verpflichtungen der Mutter. Das Erziehungsziel der bürgerliche» Pädagogik ist, das Kind für das Leben zu erziehen. Unser Erziehungsziel inuß und soll sein, das Kind in dem Willen zur Gestaltung eines besseren Daseins zu erziehen. In diesem Erziehungsziel liegen alle Elemente einer Erziehungsaufgabe: Bildung der Persönlichkeit, Hingabe an die Gemeinschaft, nationale und internattonale Solidarität und nicht zuletzt religiöser Aktivismus. Di« soziali- stische Mutter muß ihre eigene Familie zu einem sozialistischen Kleinstaat Mistalten, denn ihre Familie ist eine Zelle des Staates. Zfhr reiner Wille muß dem Kinde Vorbild im Sinne einer sozialistisch«» Willens- und Geist«sgeftaltung sein. Di« elementarsten Grundsätze eines sozialistischen Gemeinwesens wi« Solidarität, Toleranz, Achtung vor der Frau, kameradschaftliche Haltung zwischen den Kindern verschiedenen Geschlechts, Uneigennützigkeit, Arbeitsbcrcitschaft für di« Gemeinschaft, Humanität, Friedenswille usw. müssen zu Grundsätzen in der Erziehungsarbeit qn ihren Kindern werden. Ihr mütterlicher Geist muß unter den Einflüssen der Umwelt zum Wühl ihrer Kinder austoähle» können. All das aber kann sie in Vollendung nur, wenn nicht der Schatten der Rot in ihrem Haus sein beängstigendes Unwesen treibt. Helft um eurer eigenen Kinder willen mit an der getval- tigen Aufgabe, diesen Schatten durch unseren Sieg, zu bannen! ibr Mütchen zu kühlen. Sie trafen ihn aber glücklicherweise nicht me-hr an und so gingen sie gegen seine Wohnungseinrichtung und Bibliothek vor, indem sie dies« mit flüssiger Jauche ü-bcrgossen. Dieser Vorfall ist typisch für die„Gcisteskuittrr", die vorgibt, gegen den Ungeist des Marxismus zu känipfen. Das Jauchefasi als Argument gegen Sinn und Vernunft! Ein besseres Symbol hätten di« Nazis gar nicht finden können, uni ihren geistigen Fä- higkeite» bildhaften Ausdruck zu geben. Minister für soziale Fürsorge Dr. Czech empfängt am Dienstag, den 14. d M., kein« Besuche. Gegen die Aufhebung der kleinen Steuerämter. Ueber Anregung des Aktionsausschusses gegen die Aufhebung von Steuerämtern hatte der Vorstand des Verbandes tschechoslowakischer Städte für Samstag in den Großen Sitzungssaal des Altstädter Rathauses in Prag eine Beratung über die in Vorbereitung befindliche Re- fonn in ver staatlichen Finau^dmini'stratwe, die die Aufhebung selbständiger Steueränner in klei- neren Städten mit sich bringen soll, einbcrnfcn. Nach den vorgetragcnen Referaten faßte der Honpttescrcnt die in den Referaten uud iu der Debatte vorgebrachtcn Ausführungen zusammen. Das auf diese Weise gewonnene Material wird der Regierung und den führenden Faktoren der staatlichen Finanzadministrative vorgelcgt werden. Ter Mörder der Gendarmcriewachtmeister S i.t e k und Sv o bo da-befindet sich— wie die Gcndarm«riestatian in Preßburg nntteilt— auf der Fl u ch t i n die Slowakei. Er wurde zuletzt in der Gemeinde Brodskc bei Kuty in der Westslowakei gesehen. Die Nachforschungen nach -dem Verbrecher wurden verschärft. Ein Rektor in der Schul« verbrannt. Im Rektorzimmer der kathellischcn Mgricnschule in Ost«rod«(-Ostpreußen) brach gestern nachnnt- tags ein Brand aus, dem, wie befürchtet wird, der Rektor S a l e w s k i zum Opfer gefallen ist. Das Rektorzimmer, die Hausmeisterwohming und der Dachstuhl sind ausgebrannt. Bei den AufräunmngSavbciton fand man dann in einam Winkel des Rektorzinrmers unter Schutt und Trümniern eine verkohlte Leiche, di« bisher noch nicht einwandfrei identifiziert werden konnte. Die Leiche weist Verletzungen am Kopf auf. Berurut- lich handelt es sich um den Schulleiter, der leit dem Brande vermißt wird. Ei« teurer Radioapparat. Vor einiger Zeit erstand der Prager Radiohänd^r Bernhard Fischer in Chemnitz Bestandteile für einen Radio-Kurzwellenempfänger, die er zusammen mit einem Kaufmanne aus Chemnitz bei Bären- stejn—Weipert über die tschechosloivakische Grenze bracht« und in«inem Gasthaus« in Weipert zur Aufbewahrung gab. Di« Finanzbehörde erhielt Kenntnis von dem Schmuggel und beschlagnahmte das gepaschte Paket. Fischer hielt sich zu dieser Zeit noch in Chemnitz auf, woselbst ihn auch die Nachricht von der Entdeckung des Schmuggels erreicht«. Er erlegte an Zollstraf» einen Betrag von 60.000 Kronen, doch ist er bisher in die Tschechoslowakei nicht zurückgekehrt, da er eine neue Strafe wogen Uebcrtrctung de» Radiovorschriften(Kurzwellenempfänger sind verboten) befürchtet. Sechster Deutscher Juristentag. Der Vorstand der „Ständigen Vertretung" fetzt« in seiner letzten Sitzung das Programm des zu Pfingsten (2. bis 5. Juni) in' B r ü n n stattfindcnden Sechsten Deutschen Juristentages in der Tschechoslowakei wie folgt fest: Freitag, den 2. Juni: 7 Uhr abend: Erste Plenar-tEröffnungs-Mersammlung. 9 Uhr: Begrüßungsabend(in den Räumlichkeiten des Deut- ichcn Houses). Samstag, den-8. Juni: 9 Uhr: Beginn der wissenschaftlichen Beratungen in drei Sektionen. Tie Beratungen- werden nachmittag fortgesetzt.!> Uhr abend: Festabend im Großen Saale des Deutschen Hauses. Song tag, den 4- Juni: Ans der Arbetter-Tnrn- uw* Sportbewegung Tagung des Internationalen Fachausschuss«^ sür Handballspiele in Prag. Der Internationale Fachausschuß für Handball- spüle, dem di« Betreuung der Spielbewegung der SASF. übergeben ist, hielt am vergangenen Donnerstag und Freitag in Prag ein« Sitzung ab, an der di« Genossen Storch(Lustig), Trey> bal(Wien) und Schulze(Leipzig- teilnahmen Auf der Tagesordnung, standen folgend« Punk>«: „Bericht über den Stand der internationalen Spici-- bewegnng",„Neu« Wege der Propaganda".„Änter nattonale Spielbestimmungen' und„Die Handbaf' spielbewegung und das ErziehungSproblcm", Aus dem Bericht des Vorsitzenden, Geuosteu Storch, war zu entnehmen, daß trotz Kris« und Arbeitslosigkeit in allen der SASJ. ange sch loste neu Ländern die Spielbewegung auch im vergangenen Jahve gptc Fortschritte gemacht Hal. lk> Länder spielen nach de« offiziellen Regeln bereits Handball, 9 Tennis. Daneben'werden in allen Ländern noch die verschiedensten Spiele gepflegt. An der Spitze, sowohl ziffernmäßig-'als auch in der Organisation, steht der Arbeitersportbund Deutschlands, der 8000 Spielmannschaften zählt, darunter allein 6000 Handballmannschaften. Für die künftige Propaganda der. Spielbewegung ist der Beschluß, daß einheitlich« und international verbindliche Spielregeln auch für Tischtennis, Korbball, Ha zena und-Volleyball heraüSgegeben werden sollen-und damit für diese Spiel« rin« internationale Bctätigungsmöglichkeit geschaffen werden soll, von großer Bedeutnngi Eigen« Ausschüsse w«rden di« internationalen Spielregeln und Bestimmungen dielet Spiele bearbeit«». Für di« Regelung d e 8 i n t« r n ä r i o- na len Spielverkehrs wurden di« von Genossen Schulz«(Leipzig) vorgelegten Besttmmun- gcn nach eingehender Durchberatung und gründlicher Durchkorrektur angenommen. Di« von Genoffen Storch beantragten Richtlinien für die E r zi« h u ng s a u fga b« N, die den Handball- spielern im Rahmen des Arbeitersportes und der Politischen Arbeiterbewegung gestellt sind, wurden unverändert angenonrmen. Donnerstag abend fand eine geme.ln schäft- licheSitzungdesJnternätionalrnFach; aus schuss« 8 mit Vertretern der DTÄ. Prag und A t u s(Aussig) statt,' in' der' über«ine Ausgestaltung der mitteleuropäischest Spielbewegung verhandelt wurde. Am Schluß der Verhandlungen legt« der Vorsitzende Genostr Storch einen Antrag vor, d«r besagt)' daß sich der Prager Verband(DT2.) verpflichtet, di« interaational««erkannten Spiele«inzu führen, bot- allem Ha n dba ll,-und--daß der- Jntrrnjaijonalrä Fachausschuß^ Hage»a»«L-Boihsehb a l-l a p« vW kennt und die Prager-Genossen beauftragt, für- diese beiden Spiele Regelentwürfe auszuarbeiten urd dem Fachausschuß vorzulegen, dzr" sie dann-durch den Prager Verband herausgcben läßt. Dieser Antrag wurde nach zweistündiger Diskussion einstimmig a- genommen. 0 Uhr: Fortsetzung der wissenschaftlichen Beratungen 2 Uhr: Autofahrt zur Besichiigung der Mäcocha oder Autofahrt zum Bau-er Frainer Talsperre. M o n tag, d«n 5. Juni: 9 Uhr: event. Fortsetzung uv) Beendigung der wissenschaftlichen Beratungen. 0 Uhr: Haupttagnng der„Ständigen Berlretung"'Halb 11 Uhr: Zweite Plenar-(Schl»ß-)Versammlung.'Tie-. Plenarvcrlainmlungen und olle wissenschaftlichen Be- ratui^rn finden in der Deutschen Technik statt. Das schriftliche Gutachten zum Thema„Welche Maß, nahnien empfehlen sich, um dem Grundsatz« von Treu und Glauben u-nd dem Verbot sittenwidrigen-?an deins auf dem Gebiete des öffentlichen Rechtes Gel tung zu verschaffen?" hat Univ.-Prof. Dr. Friedrich Giese(Fraickfurt a. M.) übernommen. Das mündliche Referat wird Rechtsanwalt Dr. Walter Perlmann(Reichenberg) erstatten Das müichliche Re fera-t zum Thema„Welche währnngsrechtlichen Bestimmungen empfehlen sich auf dem Gebiete des Pridatrechtes?' wird anstelle des Prof. Dr. Gros-- mann-Doerth(Freiburg» Oberlandcse«richisrat D-r. Karl Wahl«(Wien) erstatten. Frauenkreude— Mödchen^ttü. So betitelt sich eine in Prag evscheinetzhe. von Dr. Käthe Haar als' vevanttvortlichc Schri^tleiterin gezeichnete illustrierte Familie n z e i t s ch v i f t. Fn dieser Zeitschr'fi Nr. 374, Anfang März 1933, finden wir auf Seite 19, zweite Spalte unten, unter verfchie denen Menschenfleifch-Anbolcn. auch ein Inserat folg«M-cn verlockenden Inhailtes: Herr für französisch« A r b« i. gesucht. Vorerst briefliche Ein- lührnng.- Ausführliche Zuschriften erbeten unter»Run n«k«l 156ä0‘ an di« Derw. d. Bl. Wenn die zwei Kennwort« von rechts nach lin-- gelesen werden, ergibt sich der Zweck der Tätig keil, welche«in« Feinschmeckerin„nach französischer Art" von ihrem Reflektanten verlangt. E-? ist nicht ausgeschlossen, daß um diese Zeit schon „Arbeitssuchende"'Entsprechende" Beschäftigung gefunden hoben. Auch viel« andere, auf der glei' chen Seite befindliche, bezahlte Einschalttingc" sind nicht ganz einwandfrei. Vielleicht empfickhtt-es sich, da-ß di« Zensu- Behörde diese so harmlos scheinenden Zeitfchrif ten mit der gleichen Aufmerksamkeit beehrt, m-> der sie sonst andere Blätter hcimsucht. Ät. 61 Sonntag, 12. März 1938 Leite 7 Das sind Nachkommen von Verbrechern! Die allen ramiilen Australiens— eine Gelehrtenfamilie stammt von einem zehniaoien nörder ad Seltsamer Ahnenstolz. Am 18. Jänner 1788 traf ein englisches Geschwader nach langer Irrfahrt unter Führung des Kapitäns Arthur Philipp an der Küste des australischen Festlandes ein. Die Ladung der Fahrzeuge bestand fast ausschließlich ans Schwer- verbrechern, 788 Mördern, Zuhältern, vielfach rückfälligen Dieben und anderen wenig sympathischen Personen, die das Mutterland dazu bestimmt hatte, die ersten englischen Siedler Australiens zu werden. In der Nähe der jetzigen Millionenstadt Sydney wurden sie ausgeladen, Baumaterial, Werkzeuge wurden, ihnen zur Verfügung gestellt, und dann mußten sie, bewacht von einer Abteilung Seesoldaten, mit der schweren Arbeit der Siedler auf völlig jungfräulichem Gebiet beginnen. In den nächsten Jahren stieß das Mutterland noch rund 2000 Schwerverbrecher an seine längste Kolonie ab, darunter den berüchtigten zehnfachen Mörder Brown, den Mörder Miller und einen der größten Betrüger zu Ausgang des 18. Jahrhunderts, den Schotten Head. Gewichtige Stimmen sprachen sich zu jener Zeit in London gegen dir Ausbildung oer hoffnungsvollen neuen Kolonie zu einer ausgesprochenen Verbrechersiedlung aus, die Milde der Regierung wurde getadelt, es fehlte nicht viel und der damalige Premierminister wäre über das australische Siedlunasproblem gestrauchelt. Aber dir Pessimisten, die der Meinung waren, man zieht in Australien systematisch rin Volk von Verbrechern hoch, sollten nicht recht behalten. Im Gegenteil. Schon nach wenigen Jahren konnten die Bewachungsmannschaften auf ein Minimum reduziert werden und die Berichte des Kapitäns Philipp, der zum Gouverne.ur der Strafkolonne ernannt worden war, lauteten außerordentlich günstig. In der Folgezeit begaben sich zahlreiche englische Mädchen nach Australien, die es den Sträflingen ermöglichten, Familien zu gründen, und die Kolonie blühte enorm auf. So günstig wurde die Entwicklung beurteilt, daß nach weiteren wenigen Jahren auch die Auswanderung freier Bürger einsetzte, Sydney als Haupt- Handels- und zugleich Kriegshafen entstand und allmählich wurden die Küsten des ganzen Kontinents besiedelt. Mit zunehmender Bevorzugung Australiens als Kolonisationsland für englische Bürger konnte natürlich di« Strafkolonie nicht mehr aufrechterhalten werden. Aber nur sehr wenige der Verbrechersiedler wurden nach England zurücktransportiert. Manche waren inzwischen verstorben, indessen der größte Teil hatte sich zu erstklassigen Kolonisatoren entwickelt, die wertvollst« Pionierarbeit geleistet hatten, Frau und Kinder besaßen und seit Jahren nur noch formell unter polizeilicher Bewachung ständen. Es war eine Selbst- vcrständlichkclt, daß diese Sträflinge nach Auflösung der Berbrecherkolouie nicht zurück in englische Zuchthäuser gebracht werden konnten, und so verfügte die Regierung eine Massenbegnadigung, die auch unter den freien englischen Siedlern Australiens beifällig ausgenommen wurde. Fast 150 Jahre sind seit der Gründung der Verbrecherkolonic verflossen. Um die kleine Sträflingssiedlung herum hat sich der blühendste Bundesstaat des australischen Kontinents, Neu-Süd- Wales, entwickelt mit der Millionenstadt Sydney als Zentrum. Von der Verbrecherkolonic selbst ist nichts mehr zu finden, alle Spuren sind fort- aewischt, wo«Hernals die vergitterten Hütten der Sträflinge waren, wo die Verbrecher zum Teil in Ketten vom frühen Morgen bis. in die Nacht hinein arbeiteten, stehen heute Landhäuser, oehnen sich große Parks, wo die Kaufleute von Sydney ihre Freizeit zubringcn. Und die Berbrccherfamilien, die eigentlichen Gründer des australischen Staatswesens? Es gibt iu, Sydney eine Familie Head, eines der angesehensten Kaufmannsgeschlechtcr. Stammvater ist jener berüchtigte Großbetrügcr Head, der zu dem ersten Sträflingstransport gehörte. Auch eine Familie Brown, eine bekannte, Gelehrten- familre, ist in Sydney zu finden, deren Urahn der Mörder Brown war, der ebenfalls zu den ersten Berbrcchersiedlern Australiens zählte. Einige Dutzend australischer Familien, die zu den an- geseherssten des Landes gehören, find in der Lage, Mitglieder der Verbrecherkolonic als, ihre Stammväter nachweisen zu können. Merkwür- dioerwbisc sind nun diese Familien nicht etwa bestrebt, ihre verbrecherische Abstammung zu verheimlichen, im Gegenteil, sie empfinden sie als eine Auszeichnung. In jeder Familie ist der verbrecherische Urahn auf vielen Bildern zu finden, oft werden sogar die.. Spitzhacken und andere. Geräte, mit denen die Sträflinge die ersten Arbeiten auf australischem Boden verrichten mußten, aufbewahrt und als. Reliquien gezeigt. Ein seltsamer Kult, der zeigt, wie schnell die Welt lebt, wie kurz die Erinnerung ist, der zugleich aber beweist, daß selbst die abgefeimtesten Verbrecher unter ganz neuen Daseinsbedingungen zu nützlichen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft werden können, zu so nützlichen, daß ihre Nachkommen für sich in Anspruch nehmen, auf Grund ihrer Abstammung des Geschlecht der Patrizier zu bilden. G. N. Dosiertes Leben. Geburtenregelung— auch in Afrika. Von Ernst Heinrich Schrenz«l. Die Frag« des Familienzuwachses steht für die Eingeborenen oes Scywarzen Kontinentes im allgemeinen unter/dem Aspetr freudigster Bejahung des Lebens. Die Geburt eines Kindes wird Nicht gefürchtet, sondern ersehnt, Kinderlosigkeit gilt alS Fluch, Kinderreichtum als Segen. Denn Afrikas Völker leben in der Natur— nicht gegen sie; gleicherweise vom Instinkt wie vom bewußten Willen getrieben, sich in die gegebene Umwelt zu schmiegen— nicht von einem rationalistischen Lcbensplan verlockt, di« Natur zu „bezwingen". Gerade darum zeigt der afrikanisch« G.'sellschaftsaufbau in Gebieten geographisch und klimatisch verschiedener Struktur auch gegensätzlichstes soziales" Gefüge. Wie dieses sich zwischen den Polen Monogamie und GruppcNehe, Vielweiberei und Biel-s männerei, Baterrccht und Mutterrecht bewegt, so erscheint auch die„Kinderfrage" hft völlig gegensätzlich gelöst. Trotz kultisch-mystischer Verkleidung zeigi sich das an gewissen Erscheinungen sinnfällig; bei manchen Stämmen des Kongo werden Zwillinge als„unheilverkündend" ausgesetzt oder getötet— bei den Bagandas Ostafrikas gellen sie als segenbringend für das Elternpaar, ja für den ganzen Stamm. Dabei zeigt sich, daß im ersten Fall« beschränkte Lebensmöglichkeiten, im zweiten überreichliche für die Eingeborenen gegeben sind, daß die mystische Einstellung also bevölkerungsökonomisch fundiert ist. Ueberall in Afrika nimmt die soziale Gruppe — Sippe, Stamm, Staat— leidenschaftlicheres Interesse an der Frage der Fortpflanzung als dir Familie, überall hat sich das Individuum den Zweckwünschen der Gemeinschaft zu fügen. Das ist dem Eingeborenen so selbstverständlich, daß er es nicht als Zwang empfindet! Soweit der Kontinent leichteste Lebensbedin- gungen bietet,/ lassen die Eingeborenen der menschlichen Fruchtbarkeit freien Lauf, ersehnen Kinder, je mehr, je besser. Dort leben Hirtenstämme friedlich nebeneinander, glückliche Grup- ?en von Naturkindern in benachbarten Para- Ibsen der Steppe. Wo aber das Klima nur karge Enrt« gibt, oder wo die Ueberfruchtbarkeit der Urwaldftora die mühsam sreigehaltenen Aecker der Meuscheunahrnng stündlich mit dem „Ueberwachscnwerden" bedroht, setzt sofort eine .^kontingenjierüng" der vorhandenen Mittel und ihrer. Nutznießer«in.. . Primitivste Stufe: ein Stamm bekämpft den andern um Weideplätze, Aecker, Herden: man will die konkurrierende sosiale Gruppe vernichten, um der. eigenen die Existenz zu sichern. Dem ent-^ spricht:/der gefangene Feiüd wird entmannt— die, Gebnrtrnverminderung der gegnerischen Gruppe soll di« wirtschaftlich« Lage der eigenen verbessern- den eigenen Kirchern sollen weniger feindliche Wettbewerber- gegenüberstehen. Das ist der/nüchterne Sinn, der dem schauerlichsten Bild-inn«wöhnte, das ich je in Afrika sah: einen Galgen/ von dem di« Trophäen eines Sieges Über die Mäüyer des feindlichen Stammes hingen/. 3/ V Mancher, der öfters Gelegenheit hat, Zirkusvorstellungen und ähnlichen Veranstaltungen beizuwohnen, wild sich gewundert haben, wie es eigentlich möglich sst, daß Menschen anscheinend ohne die geringsten Schädigungen irgendwelche scharfe Fremdkörper verschlucken. Mit zu den Hauptattraktionen gehören die sogenannten Nadelschlucker. Ein besonders interessantes Beispiel dieser Art schildert Dr. Hawkins in einer kalifornischen medizinischen Wochenschrift. Ein Artist hatte sich der eigenartigen Beschäftigung gewidmet, regelmäßig«ine größere Anzahl von Radeln, di« manchmal sogar di« Länge von zwei bis drei Zentimetern, erreichten, zu der. schlucken. Niemals, hatte er trotz seiner. zweifellos gefährlichen Tätigkeit über irgendwelche schwerwiegende Schädigungen zu klagen. Sechs Jahre setzte \ er sein aufregendes Gewerbe fort. Plötzlich jedoch traten heftige Schmerzen«in und«in« genau« Unter« ! suchung ergab eine deutliche Schwellung der unteren Bauchhaut. Mit Hilf« des Röntgenapparates wurden jetzt an nicht tveniger als drei Stellen die vor vielen Jahren derschlu'ckten Nadeln entdeckt und konnten durch eilte Operatioü glücklich entfernt werden. Wieder verging«in Jahr und dieselben Beschwerden traten auf. Die jetzt vorgenommen« Röntgenuntersuchung zeigte an anderen Bauchstcllen erneut das Vorhandensein einiger Nadeln, die vorher gar nicht zu sehen waren. Nach operativer Ent- fernung blieb der Patient von weiteren Schädigungen verschont. Welch wunderbare Wanderungen diese Nadeln im Laufe der vielen Jahre aus dem Körperinner» auf dem unmöglichsten Wegen bis in die Bauchhaut vorgenommen haben müssen! Ter menschliche Körper verträgt wirklich viel. Gelächter an der ZMren e. (Nachdruck verboten.) Aus dem Oberer zaebirge wird uns geschrieben: Je mehr die wirtschaftliche Verelendung breiter Bevölkerungsschichten zunimmt, um so zahlreicher wird"iu den knapp an der Greir^ gelogenen Gebeten.die Schar, der Leut«, di« sich auf dem. nicht Mehr ungewöhnlichen Weg des Schmuggels eine Einnahmsquell« zu erschließen bestrebt sindp sie wjffen Aenau, welchen Gefahren sie sich aussetzen, wenn ft« sich berufsmäßig auf das Paschen verlegen. aber vielfach räumt bittere Not die letzten Moralischen Hemmungen, reizt vielleicht auch das Abenteuerlich des eigenartigen„Bernfes" manches armen Teufels Begierde, sich den zahlreichen Schmugglcrgruppcn anzuschließen nnd zu versuche», den Grenzwachen ein Schnippchen zu schlagen und daraus klingenden Gewinn zu erzielen... Wie oft diele Unternehmungen einen tragischen Ausgang genommen haben, darüber berichten immer wieder di« Zeitungen? es geht Nianchmal hart auf hart an den Grenzen zu. und so liegt es in der Natur der Din«, daß Gewehre und Revolver hier schneller losgeyen wie qnders- wo, tiefer drinnen im Land, wo dem Verfolgten kein« Möglichkeit geboten ist. sich durch einige schnelle Sprunge auf fremdes Gebiet zu retten, dahin, wo er sicher sst vor dem Zugriff oder vor der Kitgel des Verfolgers., der wi«d«r sein« Pflicht Und nichts anderes als.sein« Pflicht erfüllt und der freilich auch häufig in der Nowehr handelt, wenn«r zum Karabiner, zur Pistole greift. Viel kostbares Menschenblut ist um kleine Dinge an den Grenzen schon geflossen: einiger Kilogramm Tabak wegen eines Säckchens mit Salz, einiger Butterpakete., einiger Päckchen Schokolade... Wer n«ben diesen bedauerlichen Zwischenfällen an der Grenze gibt es zum Glück auchl iolche, die schmunzeln machen und von den«» im nachstehenden zwei festgehalten seien... gewissermaßen als Beweis dafür, daß nicht Schrecken allein nm Zollbeamte und Pascher sein muß. Ein« Frau spielt Osterhase. Schauplatz: di« sächsisch-böhmische Grenze bei Bärenstein im Chemnitzer Bezirk«. Eine unwabr- scheinlich voluminöse Frau nähert sich über die Grenzbrücke m Zollamt der deutschböhmifchen Grenzstadt Weipert. Sie sieht sehr unschuchig aus und tut, auf-em Gehsteig dahirüvandelnd, keinen Blick auf daS rechts von der Straße stehende Gebäude der sschechoftowakischen Zolltvache. Aber mit einem Mal— die gefährliche Grenzlinie scheint glücklich überwunden— durchfährt bleicher Schreck di« Unglückliche: es hat hinter ihr deutlich „Klatsch!" gemacht, und da liegt auf dem Pflaster ein zerschmettertes Hühnerei... gerade so, als wenn sie, di« gute Frau, versucht hätte, es einer braven Henne nachzumachen. Bevor noch die Erschrockene sich zu fassen vermag, kommt schon vom Zollamte her ein barscher Zuruf:„Holla, Sie da, Fran... kommen Sie doch einmal her!" Die Angerufene tut«in paar Schritte gegen-en -n der Tür stehenden Zollmänn... und da klatscht es abermals fatal hinter ihr: ein Ei. Und dann noch ein Ei. Und noch... Das mag der wackeren Frau di« Gcsstcsgegenwart wiedergegeben haben! mit einem Ruck macht sie kehrt und flüchtet über die rettende Grenzbrückc hinüber auf sächsische- Gebiet, nach Bärenstein. Aber welch eine Flucht ist da-: unaufhörlich klatscht es hinter der Eierschmugglerin auf di« Straße nieder, Ei um Ei, und bä die Biedere den rettenden sächsischen Port erreicht hat, läuft hinter ihr her eine gslbweiße, I glitschige Spur,-i« von der Guten, die offenbar I ein bißchen Osterhase hatte spielen wollen, wahr- icheinlicherweise noch ost im Träum« erblickt worden fein mochte als die fatale Pechsträhne, di« auch die Grenzwächter in zügelloses, Gelächter hatte auSbrechen lassen, diese sonst so.ernsten, Zurückhaltenden Menschen, um di« man besser einen Bogen macht, wenn man-ein Schock Eier in di«... Beinkleider oder sonst wohin gesteckt hat. Der läutende Busen. Diesmal spielt die Szene im Abschnitt Oberwiesenthal im Obcverzgebirge, beim Grenzübergang Säch siich-N jeder schlag und Böhmisch-Ham- mer. Eine Frau aus Böhmen hat der Barbara Uttmann-Stadt Annaberg einen Besuch abge- stattet und bei dieser Gelegenheit eine schöne und dabei billige Weckeruhr erstanden, deren zollfreie „Einfuhr nach Böhmen ihr keine Sorge niacht. Sie versteckt also di« Uhr einstweilen zwischen Hemd, Bluse und Mantel, da, wo di« Natur die Frau etwas gewölbter als den Mann gestaltet mit... und begibt sich getrost auf den Heimweg. Kein Mensch wird etwas merken, sagt sie sich, und gewiß wäre ihr Vorhaben in der allernettesten Weis« geglückt, wenn sie nicht noch auf«inen kleinen Tratsch bei einer bekannten Familie im Grenzort Niederschlag eingekehrt wäre. Frauen behalten Geheimnisse nicht! das gute Weib aus Böhmen stellt also die Weckeruhr in der Wohnung der«Bkannten auf den Tisch, lobt di« Billigkeit und freut sich der Anerkennung, die ihr Kauf findet, worauf sie mit Behagen die Tasse Kaffee trinkt, die ihr ängeboten wird. Aber da ist ein junger Mann in der Familie, der hat es faustdick hinter den Ohren. Er wendet die Weckeruhr hin und her, lobt sie über den grünen Klee, dreht an den Zeigerschrauben und läßt das Läutiverk laufen.„Das ist ein« fabelhafte Uhr", stellt er fest, hoffentlich bringen Sie sie hinüber über di« Grenze!" Di« Frau tut den letzten Schluck aus der Kaffeetasse, wischt sich den Mund und lächelt: „Das wär noch schöner! Die Uhr findet kein Zollwächter!" und sie streckt die.Hand aus. nimmt den Wecker, läßt ihn zwischen Mantel, Bluse,. Hemd und... hm... nackter Haut verschwinden, sagt schönen Dank und gute» Tag uich strebt dem zwei Gehminuten entfernten Grenzübergang zu. Der Jüngling grinst hinter ihr her... grinst immerzu, hat seine Taschenuhr in der Hand und guckt einmal auf das Zifferblatt und einmal hinter der dahinwandclnden Frau aus Böhmen drein, bis sie um die Ecke beim Zollhaus verschwunden ist. Und dort begibt sich Seltsames: harmlos nähert sich die Liebhaberin einer unverzollt bleiben sollenden Weckerphr dem Zollamt, vor-em ein Beamter steht und Ausschau nach verdächtigen aPssanten hält. Die starke Frau, di« da" von Niederschlag konlint, kennt er; schon hebt er die Rechte, um sie zum Gruß an die Kappe zu führen, da stutzt er... und mit ihm stutzt die Frau, die mit einem Mal wie angewurzelt auf dem Fleck bleibt: durchdringend gellt ein Läuten aus dem Busen der Bestürzten, ein langanhaltendes, bluterstarrendes Klingeln einer funkelnagelneuen Weckeruhr! So lange klingelt und läutet und rumort es aus der entsetzt wogenden Fülle der erbleichenden Dame aus Böhmen, bis der Beanfte an ihrer Seite steht und sie zu einem kurzen Besuch der Amtsstube einlädt, weil er kraft seine- Amtes.und in Wahrnehmung seiner Pflicht üch bemüßigt fühlender anatomischen Merkwürdigkeit einer mit Klingelwerk versehenen menschlichen Brust auf den Grund zu gehen..., In Niederschlag empfindet ei» junger Maibeträchtliche Freude über einen Streich, zu dessen Ausführung'«s nu' Aufziehens einer Weckeruhr und ei»' bätzungsvermögcns bedurft hatte' Geo Bayer. Seite 8 Nr. kl Sonntag, 12. M8^ 1938 PRAGER ZEITUNG bekannt- Kunst und Wissen Geriditssaal Mitteilungen aus dem Publikum in der Titelpartie; ein« wenig reizvolle, ungefähr Höhe und Tief«, im Rezi- Wir glauben ja nicht, daß Gewalt zurück und Vaverka stellte ihr perverse Anträge. Als sie sich sträubte, gab er ihr ein« derartige Ohrfeig«, daß sie vom Sitz aus den Boden fiel. Dann fuhr d«r Tragen weiter und Vaverka wiederholte sein Verlangen. Als sie sich abermals weigerte, gab er ihr«ine zweite Ohrfeig«, so daß ihr das Blut aus der Nase schoß. Der Chauffeur steuerte den guten Rat bei, das Mädel aus dem Wagen zu werfen. Das geschah auch, und zwar bei voller Fahrt. Franziska G. erlitt einen schweren Bruch des fünften Lendenwirbels. Die Rohlinge fuhren unbekümmert um das. weitere Schicksal ihres'Opfers weiter und ließen di« Mißhandelte auf der Landstraße liegen. Es ist'ein großes Glück, daß dieser Bruch nicht zu einer schweren Lähmung führt«, sondern zur Ausheilung kam. Die Angeklagten leugneten und erklärten, sie seien all« betrunken gewesen und hätten während der Fahrt geschlafen. Di« Verletzt« sei in der Betrunkenheit selbst aus dem Auto gesprungen. Aber Augenzeugen haben gesehen, wie die Tür des Wagens geöffnet wurde und eine Frau um Hilfe rief. Di« Augenzeugen haben auch gesehen, daß ihr Gesicht blutig war, wodurch die Mißhandlungen bestätigt sind. Der Senat des OGR. Formanek erkannte beide Angeklagten im Sinne der Anklage des Verbrechens der Freiheitsbeschränkung und der schweren Körperbeschädigung schuldig.und vernrteilte den Vaverka zu vier Monaten Kerker, den Chauffeur Baumann zu zwei Monaten, den letzteren bedingt. rb. das Ehegesetz scharf überwacht, viel größer als in der Sowjetunion. Heute werden schon genaue Statistiken über Scheidungen in der Sowjetunion geführt, und sie lassen eäennen, daß das gewiß frei« Gesetz nicht zu Exzessen geführt hat. Trotz dieser Erfahrungen haben sich die Sowjets entschlossen, das Ehegesetz in einer Rich, tung zu reformieren, di« für weite Kreise der Sowjetöffentlichkeit unverständlich ist. Die neuen Resormpläne, die gegenwärtig in Moskau lebhaft erörtert werden, bedeuten einen Rückzug der Sowjets in dieser Frage. Verschiedene amtliche Sowjetstellen behaupten, daß es gelte, die Ethische Ehe" zu schützen. Es gibt Moskauer Theoretiker. di« trotz der nicht schlechten Erfahrungen mit dem Sotvjet-Ehegeletz behaupten, es sei viel zu frei und müsse reformiert werden! Bisher kannte das Sowjetgesetz bei Ehescheidungen keine Scheidungsgründe. Das war der radikalste und wichtigste Punkt des Sowjetgesetzes. Wenn zwei Ehegatten gewillt waren, sich zu trennen, dann genügt« dieser Grund, um ein« Ehegemeinschaft auszulösen.. Gegen diesen Punkt rennen nun gewiss« Moskauer Parteipolitiker an, und, wie man hört, schenkt ihnen die Sowjetregierung Gehör. Di« Aufhebung dieser Bestimmung würde dem- nach bedeuten, daß jede Ehescheidung ,,Gründ«"' haben muß und damit auch einen„ichuldigen Teil". Also entlvlckelt sich dieser Reformplan ganz nach dem sonst so erbittert von den Sowjets bekämpften westeuropäischen Ehegesetz. Bisher wurde auch in der Sowjetunion«in« LebenS- MWM>»MW»«»W«WNM^WWWWWWI»>l|J.1 neuner VkHer-Turn und Sportverein Profi Mittwoch, den 15 März, um halb acht Uhr abends findet im Wintergarten des Hotels „M o n o p o l"(gegenüber Ankunstssrite d. pünktliches Erscheinen aller, besonders aber der Turnerinnen. Gaste und Freund« der kreien Turnbewegung willkommen! Die Derei nsleitn ng WW^8VWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWN>.' D«r Gastierbetrieb im Deutschen Theater, der sich auf Oper und Schauspiel, auf Einzel, und auf Ensemble-Gastspiele, auf Regisseur«, Kapellmeister, Sänger, Schauspiel«!(und Nichtschauspieler), auf beide Bühnen, auf solenne Abend- uiw auf ärmliche Nachmittagsvorstellungen erstreckt— dieser Gastier-, betrieb, d«r einerseits allerhand Geld kostet, anderseits etliche von den engagierten Mitgliedern berechtigte Klagen, wegen unzulänglicher Beschäftigung erheben läßt, hat gestern nachmittags auch «ine„F i g a r o"-Vorstellung, von deren Fadesse wir uns durch einundeinhalb Akte überzeug:««, ,,in-' teressant" gemacht. Vermutlich, weil Herr Hölzlin für di« nächste Spielzeit schon anderswohin ver- pflichtet wurde, präsentiert« man in der Titelrolle unter allen Anzeichen eines Gastspiels auf Engagement einen jungen Künstler, der außer einer guten Erscheinung, sympathischem Wesen und einer reichlich übertriebenen Springlebendigkeit vorläufig.gar. nichts Beachtliches mithringl,>•■> kleine, mäßig gebildete, baritonale Stimme ohne tativ kaum verständlich. Frühlingserwachen! Der Frühling kündigt sich an. Tas Modenwarenhäus Schiller veranstaltet Mittwoch, den 15. März l, I. im Lurernasaale die FrühjahrSnwdeschau. Die vielen-Fremden, die zur Mustermesse da sind, werden mit den vielen Freunden des bewährten Warenhauses nicht versäumen, die Modeschau zu besuchen. 1879 gemeinschaft zweier Menschen, wenn sie auch standesamtlich nicht eingetragen war, ganz als gleichgestellt mit einer gesetzlichen Ehe betrachtet. Der Reformplan erwägt aber auch«inen Unterschied zwischen einer eingetragenen Ehe und einer einfachen Lebensgemeinschaft vor dem Gesetz. Also auch in diesem Punkt«in großer Rückzug. In den Moskauer Arbeiterklubs diskutiert man sehr eifrig über di« erwarteten Neuerungen im Ehegssetz. Die Sowjetregierung vermeidet es, sich offiziell über die geplante Ehereform zu äußern. Aber so war es auch mit der Fünftagewoche. In der Oeffentlichkeit diskutierte man auch damals die Resormpläne, bis dann eines Tages ein Dekret vom Kreml j zum Teil aushob. Mit Recht glaubt man nun in Moskau daß die Regierung auch gegenüber dem Ehegesetz so ohne Hemmutlgen handeln werde. Im offiziellen Moskauer Rundfunk läßt man Vorträge halten, di« auf Mängel des geltenden Ehegesctzes Hinweisen. Man sagt, das Gesetz sei vielfach mißbraucht worden. Deshalb soll eine Aende- run" des Gesetzes unbe^inät- nötig sein. Auch die Frage der Alimente bedürfe dringend der Aenderung..Als-«ne Konzession an das Volk will man in Moskau einen Gesetzentwurf zusammenstellen, in dem der Begriff der„Kamerad- 'chaftSehe" entbot, sein soll. Leicht wird jedoch di Arbeit der Moskauer Refo—'sten nicht sein, denn der Sowjetbürger ist an das jetzt seit fünfzehn Jahren geltende Chegeietz schon allzu sehr gewöhnt. Nathan G u r d u S. Ehereforni io der Sowjetunion. Von der Ehe in Sowjetrußland macht man sich in Westeuropa oft eine falsche Vorstellung. Von Sowjetgegnern wird sie als absolut verwerflich und das Sowjetgesetz für die Ehe als unmoralisch bezeichnet. Blind« Sowjetanhänger wieder sehen nur das Gute und Preisen di« Ehe- geietzgebung in der Sowjetunion als die idealste Regelung des menschlichen Zusammenlebens. Es erscheint deshalb angebracht, den großen Versuch den die Sowjets mit ihren Ehegesetzen unter-, nommen haben, ganz objektiv zu betrachten und politische Motive von Sowjet-Freunden und -Feinden aus dem Spiele zu lassett. Seit der Revolution ist die neue russische Elxgesetzgebung in Kraft. Eheschließung und ' Ehescheidung, sind dadurch' io leicht gemacht wor- dpn, daß man sie jährlich mehrere Male vorneh- »ien konnte. Zwischen eitler Heirat und einer Scheidung mußte. nach einer Bestimmung nur «in« Frist von zwei Monaten'eingehakten werden. Die Formalitäten konnten von jedem Polizeirevier durchgesühri. werden. Also Eheschließung und Ehescheidung waren.so einfach wie noch niemals und nirgends zuvor. Man irrt sich aber» wenn man glaubt, daß dadurch eine Scheidungsepidemie in der Sowjetunion ausgebrochen sei. Auch Exzesi« der iogenannten„freien Liebe" waren nur sehr selten. Prozentual' ist di« Schei- duiigslvelle in Amerika, trotzdem die Kirche dort Sine Kache. Prag, 11. März. Di« Hausgehilfin Antonie K. erstattet« am 13. August v. I. aus dem Weinberger Kommissariat die Anzeige gegen ihren Freund Josef W., die dahin lautet«, er habe sie, nachdem sie von ihm schwanger geworden sei, zu einer Hebamme geführt und an ihr einen Eingriff vollziehen lassen, der zu einer Fehlgeburt führte. Sie schilderte sehr anschaulich und in allen Einzelheiten, wie sie«in totes Kind zur Welt gebracht, di« Kindesleiche zerstückelt und dann verbrannt habe. Natürlich kam es zur Untersuchung gegen den Beschuldigten. Aber schon drei Tage später erschien Antonie K. auf der Polizeidirektion uiid widerrief die Anzeige. Sie gestand, sie habe sich bloß an ihrem Geliebten für schlechte Behandlung rächen wollen. In dieser Absicht hat sie sich einen recht krassen Fall ausgedacht Sie wurde ivegen Verleumdung angeklagt und vor dem Einzelrichter OGR. Sudoma zu einer bedingten Kerkevstrafe von zwei Monaten ver urteilt. xb. Arbeitsgemeinschaft deutscher~ proletarischer Organisationen in Prag. Wert« Genossen und Genossinnen! In diesen Tagen werden es fünfzig-Jahre, seitdem der Begründer des wissenschaftlichen^ Sozialismus und der internationalen sozialistischen Arbeiterbetvegung, Karl Marx, gestorben ist.■ Gerade in einer Zeit, da das Bürgertum die schärfsten Angriffe aus den Marxismus richtet, müssen wir das Andcirken eines Mannes ehre»,. der der schaffeirden Wkenschheit den Weg aus dem kapitalistischen Chaos in ein« höhere Gesellschafts- oronung gewiesen hat. Auch in Prag werden die deutschen proletarischen Organisationen das Gedenken an Karl Marx festlich begehen, in einer Feier, die in einem künstlerischen Rahmen besonder« geistige Würdigung von Karl Marx und seinem Werke bieten wird. Die Karl-Marx-Feier der deutschen proletarischen Organisationen in Prag findet Riontag, den 20. März, um 20 Uhr abends im H e i n c s a a l in Prag- Weinberge, Fochovä 25, statt. Programm: 1. Einzug der Jugendgenossen und-Genossin- N«u unter den Klangen der Marseillaise (Bläserchor des NeuöN Deutschen Theaters). 2. Rezitation: Fritz Balk, Mitglied des Neuen Deutschen Theaters in Prag.. 3. Gedenkrede, gehalten von Universitätsprofessor Dr. Max Adler(Wien). 4.„Die Internationale").gesprochen und geblasen. Die Beteiligung an dieser Marx-Feier scheint uns ein« Ehrensache jedes deutschen klassenbewußten arbeitenden Menschen in Prag zu sein. * Als Regiebeitrag werden von den Besuchern je 3 XL, von Jugendlichen und Studenten ft 1 Ke eingehoben werden, Arbeitslose haben freien Eintritt. er sich ein Engagement ersungen hat. Aber wozu dieses Gastspiel überhaupt? Was suchen denn di« Herren? And sie noch nicht davon überzeugt, daß gerade die Fach-Art, die Herr Hölzlin vertritt, hier nicht gebrauch, wird? Ein ausgesprochener Baß- Buffo wird doch kaum gesucht— und für das Fach eines ersten oder zweiten seriösen' Bassisten konnte doch der Sänger dieses„Figaro"— was man vorher hält« wissen können— nicht in Betracht kommen? Also wozu das alles? Wozu auch das Gastspiel der Fran Tilly de Garmo? Den Stil ihrer Susann« hat man immer geschätzt; aber stimmlich haben leider die Berliner Jahre nicht förderlich gewirkt' Wozu also auch das? Wir wollen das Rätselraten gar nicht erst versuchen, da man ja doch nur„privat" Auskunft erhielte.. l g Arbeitervorstellung„Hoffmanns Erzählungen", Oper von Offenbach, am S o n n t a g, Än 19. März, um halb 3 Uhr nachmittags i>n Neuen Deutschen Theater. Karten täglich von 8-~2 uitö 4—ss Uhr bei Optiker Deutsch, Graben,„Koruna". Donnerstag: Erstaufführung„Glückliche Reise", Operette von Eduard Künneke. Inszenierung: Har-' precht, Dirigent: Komlos, Hauptrollen: Walter, Motz,. Reichlin, Dörner, Dudek, Jantich.. Libal, Padlesak, Ichork, Ständler etc.(C 1). .• Spielplan des Neuen Deutschen Theater». Sonntag, 2)4'Uhr:„Leinen au's Irland" (A'A);- 7)4 Uhr:„Hos f m a mns.Erzähiun- g e n"(D 2); Montag, 714 Uhr:„Bor Sonneu u n t ergang"(volkMmliche LorlteUunal(A^A)! Diens'ag, 7% Wjt:„Orpheus"(A 1): Tiitt- woch, 7)4. Uhr:„M-äd-ch«njahre i ne r Königin" iB 2): Donnerstag- 714' Uhr, zum erstenmale:„Glückliche Reise"(C 1); Freitag'- Wohltätigkeitsvorstellung des Oesterreich. Hilfs- vere'ns, Gastspiel Hansi Nies«: 1% Uhr: Katharina, die Widerspenstige"(T 1)! Samstag: Neueinstudiert, 714 Uhr:..Fidelio" (Ä 1). Spielplan der.„Kleinen Bühne". Sonntag, 3 Uhr, Ensemblegastfpicl. Fritz Krünbaum: 8 Uhr, Ensemblegastspiel Fritz G r ü n b a u m: Mon ag. 8 Uhr:„Mustergatte"; Denstag,.8 Uhr: „Eva saniert das Paradies"; Mittwoch: Bankbeamten II, 8 Uhr:„Mulik um Suii"; Donnerstag, 8 Uhr:„Candida"; Frestag, Kul:ur- verbandsfreunde, 8 Uhr:„F ät me"s,. SamStag: Neueinstudiert, 8 Uhr Komödie der Irrunge n.: Radiobastler reiten eine fiimeipcddion. Eine Geschichte, in deren Verlauf eine Anzahl von Menschenleben üurch Radiobastler gereitet werden konnte, spielte sich kürzlich auf Alaska ad. Der amerikainsche Filmregisseur De Vinna war der Leiter«uier Filmexpedilion durch das Polargebiet. Ihre Arbeit zwang die Teilnehmer an dieser Expedition, in Alaska zu überwintern. Sie bauten sich«in« Hütt« und setzten ihre Arbeit fort. De Vinna war ein leidenschaftlicher Radiobastler. Und nun, da er sich in dieser Wildnis befand, 5000 Meilen von der letzten Menschensiedlung und jeder Verbindung mit der Außenwelt ledig war, bastelte er sich einen kleinen Sender und Empfänger zusammen und funkte in der Welt herum. Und er hatte Glück. Sern„Programm" wurde von einem zweiten Radiobastler in Neuseeland empfangen und bald wurde der Kontakt zwischen diesen beiden Stationen hergestellt. Man unterhielt sich köstlich und die Expeditionsteilnehmer hatten groß« Freude an ihrem Neuseeländer Freund. Bis der Sender Alaskas eines Tages plötzlich verstummt war Trotz aller Versuche des Neuseeländers, mit seinem Freunde in Verbindung zu treten, antwortet« Alaska nicht mehr. Da mußte der Neuseeländer Verdacht schöpfen und«r fing an, Gefahr zu wittern. Kurz entschlossen tat er das, was all« Funker in einem solchen Falle zu Mn pflegender sandte SOS-Rufe in den Aether hinaus. Es war zwar ein schwacher Sender, aber immerhin war seine Mühe nicht ohne Erfolg. Die SOS-Rufe irrten über den Pazifik herum, bis sie ein dritter Radiobastler in San Franzisko auffing. Dies war der Millionär Charles Foster, der nebenberuflich Radiobastler war. Als er vom Neuseeländer Bastler weitere Einzelheiten über das vermutliche Unglück der Filmexpedition zu hören bekam, begann er auch nun seinerseits di§e Hilferufe auszn- ftnden. Ein vierter Bastler fing die Ruf« auf, trommelte sein« Freunde zusammen und eilte in ihrer Begleitung der Filmexpedition zu Hilfe. Lang« mußten st« nach der vermißten Hütte suchen, denn«in Schneesturm hatte di« ganze Landschaft in ein« weiße Wüst« verwandelt. Nach unsäglichen Mühen war es der Mannschaft jedoch gelungen, di« Hütt« ausfindig zu machen. Sie mußten sich erst Zugang zu ihr verschaffen, denn» sie lag meiertief unterm Schnee. Als sie endlich die Tür aufreißen konnten, bot sifitz ihnen ein grausiges Bild. Da lagen sämtliche Teilnehmer der Expedition in der Hütt«, halberfroren und besinnungslos. Die Rettungsmannschaft stürzte sich auf die Unglücklichen und machte Belebungsversuche. Bald kehrte allen die Besinnung zurück und sie erzählten Einzelheiten über das Unglück, das sie ereilte. Dann aber entsann sich De Vinna seines unbekannten Freundes und Lebensretters in Neuseeland, stellte die Verbindung mit diesem wieder her, und unermeßlich war die Freude dieser Bastelfreunde. Dann mußte natürlich auch Mr. Charles Forster benachrichtigt werden. So blitzten dann lauter Freudenrufe durch den Aether des Pazifik. Trauer-Kleidung für Damen und Mädchen in der separaten Trauer-Abteilung der Firma Busch, Prag, P t i k o p y 27, Eingang nur innen im Hause im 1. Stock! Einzigartige Auswahl, 1906 Parteiversammluna in Prag. Freitag, den 10. März, fand eine Mitgliederversammlung der deutschen sozialdemokratischen Bezivksorganisa- tion in Prag statt, auf deren Tagesordnung die Ereignisse in Deutschland standen. Das Referat erstattete Genosse Hofbauer, der nicht nur ein Bild des Wahlkampfes in Deutschland gab, sondern auch den Ausgang der Wahlen und Re den Wahlen folgenden Ereignisse einer kritischen Betrachtung vom allgemein-politischen sowie vom parteimäßigen Standpunkt unterwarf. An dps interessant« und klare Referat knüpfte sich eine lebhafte Debatte, an der die Genossen Karl Deutsch, Dr. Posamentir, Fuhrmann, Iltis, Dr. Hofmann, Dr. Wiener, Dr. Strauß, die Genossinnen Deutsch und Abgeordnete Bla tn y teilnahmen, worauf Genoss« Hofbauer sich in einem Schlußwort mit den Ausführungen der Debatteredner beschäftigte. Der Abend hat den Teilnehmern Gelegenheit gegeben, sich über die Ereignisse in Deutschland auszusprechen und die notwendigen politischen Lehren daraus zu ziehen. Prager Autorenabend. Am 25. März veranstaltet der Deutsche Dilettantenverein gemeinsam mit, der „Concordia" einen Autorenabend zugunsten not« leidender K ü n stle r. Es gelangen Einakter von Oskar Baum, Ernst Feigl, Rudolf Fuchs und Georg Mannheimer zur Aufführung. Mit Rücksicht auf den sozialen Zweck der Veranstaltung ist zahlreicher Besuch erwünscht. Die Aufführung findet im„Mozarteum" statt. Vorverkauf in der „U r a n i a". Die Staatsbahndirektion in Prag veranstaltet in den Tagen vom 17. bis 20. März«inen Sonderzug nach Budapest zu dem zwischenstaatlichen Fußballkampf LSR—-Ungarn. Abfahrt von Prag nach 20 Uhr am 17. ds., Rückkehr nach Prag am 20. ds. um 8 Uhr früh. Preis mit gesamter Verpflegung pro Person X 430.—. Anmeldungen, Prospekte und Informationen bei der Kasse Nr. 13 des Masarykbahnhofes in Prag, Tel. 279—51 Ermäßigte Fahrpreise ins Sazawatal. Das Eisenbahnministerium führt für beide Sazawa- sttecken, d. i. Prag—Leröan und Prag—Dobkis, besonders ermäßigt« Fahrpreise eist, um den Besuch dieser Gegenden zu steigern. Die ermäßigten Fahrkarten werden von den Bahnhöfen Prag-Wilson- bahnhof, Weinberge, Wrschowitz-Nusle, Michl«, Krö und auch von Branik-HodkoviLky aus Geltung haben; je nach der Entfernung wird di« Ermäßigung bis zu 60 Prozent betragen. Für di« Strecke von Prag-Wilsonbahnhof, Weinberge usw. bis nach Branik wird ein Einheitsfahrpreis von einer Krone eingeführt werden. Es werden auch Rückfahrkarten zum doppelten Preis auSgegeben. Nähere Einzel- heitism übet diese außerordentlichen Tarifermäßigungen werden in den nächsten Tagen gegeben werden. Rohlinge. Ein Mädel aus dem fahrenden Auto geworfen. Prag, 11. März. Der 42jährige Schwimmmeister Karl Vaverka— seine Straftarte weist ein« stattliche Anzahl schwerer Vorstrafen aus— landete nach einer durchbummelten Nacht in dem Kleinseitner Lokal„V P o d s v 8 t i"(„Unterwelt"), wo er«ine der dort befindlichen Protistuier- ten Franziska G. zu einer Autofahrt«inlud. Denn dieser Schwimmeister scheint beträchtliche Nebeneinkünfte zu haben, wie er denn auch zur Verhandlung in äußerst elegantem Stadtpelz und in Lackschuhen erschien. Der 33jährige Chauffeur Josef Baumann, der heute als Mitangeklagter vor Gericht erschien, stellt« sein Auto zur Verfügung. Man fuhr nach KönigsaaI, wo die Franziska G. von ihrem Kavalier genug bekam und den Wagen verlassen I wollt«. Vaverka und Baumann hielten sie aber m i t t*in das tzeim des NasienbewMev|■ ^Meilers gehört b. Zentralorgan. 11 per Deutschen sozialdemokr. Arbeiterpartei■ I -„Sozialdemokrat"—II Nr. 61 Cfottttfag, 12. 9t8r} 1938 «leite 9 Aus cf er Partei Augenvbewegung. Freie Verein gung ioziaristiicher Aiaüemi er. Dirn-tag, 11. März, 20 Uhr, im Heim: Fachsek-ion der Juristen:„Tie Laienbcteiligung in der Rechtsprechung." Dienstag, 14. März, 23 Uhr: Conti-Hiuier- gebäude.„Arbeitsgemeinschaft Bert Brecht", Chorprobe. Pünktliches Erscheinen aller Genossen dringend notwendig. Der Lchrkurs der Gen. Dr. Siegfried Bernfeld(Wien):„Praxis der Psychoanalyse', finde: Samstag, den 16. März, um 17 Uhr und sonntag, den IS. März, um 10 Uhr im Heim statt. Anmeldungen b;i Genossen Dr. Richard Karpe, Prag II., Truhlarska 20, Fernruf 60684.— Wir empfehlen den von der Bildugnsstelle der Bankbeamten veranstalteten öffentlichen Bortrag des Gen. Bernfeld über„Liebe und Sexualität in der Freud'schen Auffassung". Näheres wir- noch bekanntgegeben. Montag, 20. März, Karl-Marxfeier. Redner: Gen. Max Adler(Wien)— Heinefaal. Dienstag, 21. März, Gen. Prof. Max Adler spracht über„Soziale und politische Demokratie". 19 Uhr 30 Mn. im Topzsaal, II., Jungmannova 29. Snort- Spiel- MumliM - Internationale und Landes-Bestleistungen in der Arbeiter-Leichtathletik. W« i t s p r i n g e n: International« Bestleistung: 7.09 Meter, Deutschland; Landes-Bestleistungen: 6.96, Finnland. Norwegen; 6.81, Ungarn; 6.58, Tschechoslowakei(TTJ); 6.55, Lettland; 6.52, Oesterreich; 6.62, Schweiz; 6.40, Tschechoslowakei(AtuS); 6.37, Belgien:— Hoch springen: Internationale Bestleistung: 1.88 Meter, Norwegen; Landes-Bestleistungen: 1.86, Finnland; 1.85, Schweiz; 1.83, Deutschland; 1.79, Tschechoslowakei(Atus); 1.77, Oesterreich; 1.72. Polen.— Srabhochspringen: Internationale Bestleistung: 3 80 Meter, Finnland; Landes-Bestleistungen: 3.70, Deutschland; 3.65, Oesterreich; 3.5Z, Lettland: 3.39, Norwegen; 3 50, Tschechoslowakei 7DM): 8.35, Estland; 3.30, Polen: 3.15, Schweiz; 8.00, Tschechoslowakei (8 t u S). Die Arbeiterfußballcr NirderösterreichS haben eine Regeländerung dnrchgeführt. Waren bisher zwei oder mehr Vereine, die an der Spitz« der Tabelle lagen, am End« der Meisterschaft punkte- Mattonis Gicsshttblcr mit heißer Nildi ärztlich empfohlen bei Husten und Heiserkeit. Früh und abends 1—2 Gläser V2 halb heiße Milcb, V2 Giesshübler. 1916 gleich, so erhielt jener Verein den Vorrang, der die größere Anzahl von Siegen oder, wenn auch diese gleich groß waren, das bester« Torverhältnis hatte. Die internationalen Wettkampfbestimmungen für Fußball schreiben allerdings hör, daß in einem solchen Fall Entscheidungsspiele ausgetragen werden ! müsten. Diese Bestimmungen haben mm auch di« ■ niederösterreichiichen Fußballer einge^ührt. •RrftiMMr Ipwi Deutsche Studenten gegen das Olympia in Berlin. Den starken gegenolympischen Strömungen innerhalb' der Deutschen Turnerschaft haben sich auch Hochschulkreis« angeschlossen. Di« Studentenvertreter von 18 deutschen Hochschulen haben sich ans einer Tagung in einer Entschließung gegen die Abhaltung des Olympias 1936 in■ Berlin und gegen di« mit der Abhaltung verbundenen hohen Kosten gewandt. ftinOtrfrennte Vrag. Dienstag, den 14. März. 20 Uhr, im Handwerkerverein(Urania), kleiner Saal Elternabend. Thema: ,Lst unser« Arbeit richtig?" Den einleitenden Vortrag hält Genoss« Ernst Paul. Literatur Temjon Rosenfeld:„Rußland vor dem Sturm." Roman. Ans dem Russischen übertragen von Werner Bergengruen. 231 Seiten. Ganzleinen. Verlag: Der Bücherkreis, G. m. b. H., Berlin SW 61. 1983. Preis 4.30 Mark(resp. 8.60 Schilling, 35.— Kd). Schlägt man das Buch, den Roman„Rußland vor dem Sturm", der im vorrevolutionären Rußland spielt, auf, so stößt man auf das Motto des russischen Dichters N. Nekrassow. Diese Zeil« prägt sich unverlierbar kn unser Gedächtnis ein. Sie lautet:„Mir ließen Jahr« lastenden Erlebens für immer ihr« Spur zurück..." Es ist wirklich«in„lastendes Erleben', das hier in eurem spannenden Erlebnis' roman schlicht und ohne Pathos, ja mit fast unbeweglicher Ruhe niedergeschrieben ist. In raschem Szenenwechsel rollen di« Geschehnisse des Romans ab. Ein russischer Intellektueller kehrt aus dem Auslände heim, um seiner Militärpflicht zu genügen. Er hat sich aber der Behörde zu'spät gestellt und kommt vor ein Kriegsgericht. Das Urteil lautet: „Der Schub nach Sibirien!" Der erst« Teil d«S Buches, der den gleichen Titel trägt, schildert nun, wie der Held von Station zu Station strafweise nittcllungcn da*„Urania“ Konzert Emmi Leisner ermäßigt« Karten.. Karten zu allen Veranstaltungen, Mitglieder» 10 bis halb 1 und 8 bis 7 Uhr. Fernsprecher: 26821. * Wran-Urania Kino. „Melodie der Lieb«." Richard Tauber. 2, 4, 6, 8% Uhr. „Medizin für alle." .Der Wirkungskreis der Fran." Red. Margaret« Krögler. ll. Bortrag im Frauen» Zyklus.. Samstag 3 Uhr:„Weltstadt in Flegelsahren: Ehikago." Kulturfilm. Erstaufführung. Vorankündigung. „Ucber di« gegenwärtig« Anschauung vom Anf- Opernredoute." Konvikt:| bau des Kosmos." Dr. Erwin Finlav Freundlich Lido:„Schwester An-^Einstein-Institut, Potsdam). Montag, den 20. dt. Maceska:! Dazu alle praktische» und Sprachkurs« der „Bomben> Urania-Volkshochschul«. Ein Mädel mit Tempera-! A.-;»v■ Menschen" Ara-!„ Gräfin von Monte Christo, LNmeldurrgen: Urania-Kassa, Svretschkaaask W, halb Filmt li Prager Uihtsjielli&iiserB bis einschließlich Donnerstag, den 16. März: Dran-Urania:„Melodie der Liebe" Adria: „Fräulein No Io." Alfa:„Der Paradiesvogel." veränek:„Bring sie lebend heim." Fenix: „Fräulein Io Io." Flora:„Gehetzte Menschen." Gaumont:„Liebesqnartett." Hollywood: „Mamba." Hvkzda:„Dar Schiff ohne Hafen.: Julis: „Der Onkel aus Amerika." Kinema, B-Th.: Journal«, Report., Groteske. Ab 12.30 bis 7.30. Koruna:„Tas Schiff ohne Hafen." Kowa:„Tas Fensterchrn." Lurerna:„Das Fensterchen" Metro: „Dar Fensterchen." Olympie:„Mamba." Passage: „Abenteuer im Engadin." Praha: ,M«be — ein Naturgesetz." Rad o:„Bring sic lebend heim." Skaut:„Jngagi.: Svktozor:„Abenteuer im Engadin." Alma:„Ein Mädel mit Temperament."> Avion:„Der Onkel aus Amerika." vajkal:„Bring, si« lebend heim." Favorit:„Wie werde ich reich; und glücklich?" Kapitol:„C „G e hetzte Menschen." gelika." Louvre:„Bring sie lebend heim." „Ein Mädel mit Temperament/^ PerStyn: über Shanghai.: Roxy:„r ment." vakdrk:„Gehetzt« Menschen/, drmia:„r Velvedrr«:„Anton Spelec— der Scharsschütz«." Carlton:„Gchetz:e Menschen." Domovina:„Sehnsucht 202." Jllnfion:„Gehetzte Menschen." Sport-Smichov:„Joh. Strauß, k. k. Hosballmusik- direktor." U Vojvodu:„Sehnsucht 202." Zvo«:„Die Herrin von Atlantis." an seinen GarnifonSori geschafft wird. Alle Schreck-1 niste des barbarischen Gefängnis- und Gefangenen- transportwesens im alten Rußland werden auf diesen Seiten lebendig. Daran schließt sich der rin- drucksvolle Bericht über di« Militärdienstzeit des Erzählers. Mitten hinein in dieses öde Getriebe platzt die Nachricht vom Ausbruch des Weltkrieges. Auch diese sibirisch« Garnison ist zunächst Mann für Mann felsenfest davon überzeugt, daß ihre Armee den Sieg erringen wird. Aber je länger der Krieg an der deutsch-russischen Front dauert, desto stärker wächst auch der Abscheu gegen den Wahnsinn des Krieges. Mit der Erkenntnis:„Man darf keinen Krieg führen, man darf nicht Millionen gegen Mil« lionen hetzen", klingt das Buch aus.— Das Rußland der Vorkriegszeit, der brutalen zaristischen Gewaltherrschaft und Knute, der Pogrome, der sinnlosen barbarischen Menschenkurchtung und Men- schrnvernichtung durch eine dir in den.innersten Kern, verfaulte militärische und zivil« Bürokratie, steigt aus den Seiten dieses Buches herauf. Jeder, vor allem di« Jugend, wird es mit flammendem Zorn und im Meisschlichsten gepackt aus der Hand legen! . Wochenprogramm: 16 Uhr: Handelskurs. Fr. Schenk, halb 11 Uhr:„Wie«in Film entsteht." mit Vorführungen von Szenen aus dem Heute Heute Diskussion in Arbeit befindlichen Burian-Film. In Anwesenheit der Filmautoren, Regisseur« und Hauptdarsteller. Heute halb 11 Uhr: Rhetorik. K. Salzer. Heut« 5 Uhr:„Rub«ns—Mmbrandt." Dr. Messer. „Knnftgeschichtliche Weltreise." HI. Montag 8 Uhr:„Rußland von heute."(Zwischen dem 1. und 2. Fünfjahrplan.) Mit Lichtbildern Uni»- Prof. Dr. Otto Hoetzsch, Berlin. Montag US Uhr:„Die Generallinie." Dienstag 8 Uhr:„Manu und Weib in Afrikas Großer Farben-Lichtbiltervortrag. Ernst Heinrich Schrenzel, Dresden. Dienstag 8 Uhr: Urania RaGodmw Mitttooch 3 Uhr:„GrockS, des weltberühmien Clowns groß« lustig« Szene." Tonfilm. Dazu„Großpapas Goldkind." Lustspiel. Außerdem„Deutsche Sagen", erzählt mit Lichtbildern. Jugendveranstaltung. Donnerstag 8 Uhr:„Ueber richtig« und falsch« Ernährung." Univ.-Doz. Dr. Paul Mahler. I. Vortrag einer neuen Reihe: Freitag 8 Uhr: Hr«»«,«»» 2i««trir» r»»»-»Ittuhhtir Silktl««likiit— S«ant»o«ltd>etSe6afttsi: Dr«au Slr«»tz. dr»,.- Druck: R»I,- u.« tut Äeitiuta-««»««»•— Kur se» fturf Mum.i'iTuu* Cii» v'j'jt. Cto,— Di«.>n»>N»nlr wurdr»»»»rr do«.». r«le,r»vtzr"»ir«u»>» Mil Eriotz Nr lL.S00sVH/USl> drw'.IUal.— Hx,(jlliicLu»» II>««rrtrt»ürch»i« Post mollariich Ut Ui.—, rlrr»!i»stlilch u» oi.—, *»Echm» M«»im»*«, M«<-.- s»n»u»»«#«» tam l«M dchl,st drnch»«. Sri»I«««MM»««« d«.,»»chia,.-«»’«»<■»»»«'«ich«»»«, rroMffn.BHInfift• Kraftersparnis i ‘Haushalt. Wissenschaft und Technik berechnen heur- Mtage alles bis ins,kleinste Dstail und so haben u. a. auch Ingenieure berechnet, Laß beim Liegen nur ganz geringe Kraft erfordert wird, während beim Sitzen um 4 Prozent mehr, beim Stehen schon um 12 Prozent mehr und beim Bücken gar um 55 Prozent mehr Kraft als beim Liegen erforderlich ist. Und nun betrachten wir uns einmal unsere Hausarbeit. Wenn die Hausarbeit, die beinahe von allen, die selbst Hausarbeit leisten, als die undankbarste Arbeit angesehen wird— Sisyphusarbeit im wahrsten Sinne des Wortes— und daß die Frau froh ist, endlich nichts davon zu sehen und zu hören, kommt nicht zuletzt daher, daß die Hausfrau nicht überlegt, daß Hausarbeit auch Kopfarbeit ist und viel Verstand und Vernunft zu einer rationellen und gedeihlichen Haushaltführung notwendig Mud. Wenn die im Hause arbeitende Frau bei ihrer nicht leichten Arbeit überlegen würde, wie sie diese Arbeit bei größtmöglichster Kraftersparnis verrichten kann, so würde sie vielleicht auf viele Griffe und Wege verzichten können und ihre bisherige Arbeitsleistung, zum Teil auch ihre Arbeitsgeräte umgestalten müssen. Bei den einfachsten Arbeiten, die sich täglich wiederholen und die meistens gar nicht beachtet wer- den, kann die Frau, wenn sie darüber nachdenkt, Kraft sparen. Es ist im allgemeinen üblich, bei der Arbeit in der Küche zu stehen.„Man ist cs schon so gewöhnt!" Doch warum? Warum muß die Frau stehen, wenn sie Kartoffel schält, Gemüse putzt oder die sonstigen Vorarbeiten zum Kochen trifft? Oft steht sie auch noch gebückt, weil der Arbeitstisch oder die Bank viel zu tief sind. Wenn sich die Frau alles zum Kochen Nötige in bequeme Reichweite zur Hand legt, kann sie gut bei der Arbeit sitzen und wird nachher merken, daß sie breit(was sie der Gefährlichkeit wegen auf keinen gar nicht so müde, geworden ist, wie sonst. Hat die Frau einen übernorniol hohen Stuhl oder einen Drehsessel in der Küche, so wird die Sitzmöglichkeit beim Arbeiten in der Küche eine noch weit größere sein. Oft genügt eine kleine Veränderung eines Kastens oder Stockerls, um der Frau eine Erleichterung zu schaffen. Es ist ja kein Gesetz, daß die Bank, auf der das Gefäß zum Geschirrwaschen steht, so niedrig sein muß, daß sich die Frau beim Waschen und Spülen des Geschirres ununterbrochen gebückt halten muß.— Hängt die Frau Wäsche auf die Leine, so stellt sie in den meisten Fällen den Korb mit der nasien Wäsche auf die Erde und das Herausnehmen eines jeden Stückes erfordert ein Bücken, wodurch die vom Waschen ohnedies schon ermüdete Frau den Rest an Müdigkeit bekommt und nun„wie erschlagen" ist. Ein Stuhl unter den Korb und die Wäsche ist in Handhöhe und die Frau wird fühlen, daß alles viel rascher und müheloser geht. Beim Waschen der Wäsche selbst steht auch ost der Waschtrog so niedrig, daß die Frau schon nach kurzer Zeit„ihren Rücken kaum spürt". Mit einigen geschickten Handgriffen lassen sich alle derartigen Nebel beseitigen, wenn die Hausfrau bei ihrer Arbeit, oder besser gesagt, vor Beginn ihrer Arbeit diese überdenkt. Ob die Frau auch beim Bügeln sitzen kann, ist eine viel umstrittene Frage und doch betonen viele Frauen, die sich das Sitzen beim Bügeln bereits angewöhnt haben, daß es sehr gut geht, besonders das Bügeln von kleineren Stücken. Also, vielleicht probieren wir es einmal! Wie putzen viele Frauen Fenster? Sehen wir von jenen ab, die ein« bequeme Leiter mit Abstellvorrichtung für den Einrer besitzen und bleiben wir bei einem ganz einfachen Haushalt, dem jede Möglichkeit einer Neuanschaffung fehlt. Die Frau steigt auf einen Stuhl, oft auch auf das Fenster- Fall tun sollte) und der Eimer steht auf dem Fußboden. Es ist dies eine arge Ungeschicklichkeit mit unnötiger Kraftverschwendung und doch— Genossin, host du es nicht auch schon einmal so gemacht? Es ließen sich noch eine ganze Reihe von Arbeiten anfühoen, die durch Ueberlegung und manchmal durch ganz geringe, leicht selbst vorzunehmendc Aenderungen an Tisch und Kasten erleichtert werden könnten, durch Aenderungen, die der Frau die Möglichkeit bieien, Kraft und Mühe und Zeit zu sparen. Den Nutzen hat auf alle Fälle die Frau selbst. Sie wird durch-alle genannten Vorteile einer rationellen Haushaltführung ihren Kindern und ihrem Manne Kameradin sein können, sie wird nicht immer bedauern müssen, für die Kinder keine oder nicht genügend Zeit zu haben, sie wird nicht darunter leiden, mit ihrem Mann nicht Schritt halten zu können in ihrer geistigen Entwicklung, weil sie der Haushalt austraibt. Sie wird sich durch Verbesserung ihrer Hausarbeit ein« freie Stunde schaffen, während der sie nicht vollkommen erschöpft sein wird und in der sie gern die Zeitung, eine Broschüre oder ei» Buch lesen wird. Sie wird aber auch Zeit finden, einen Vortrag zu hören oder eine Versammlung zu besuchen und sie wird ihre Aufgaben und Pflichten als Genossin der Partei gegenüber gut und voll erfüllen könne». In einer Gemeinschaft Gleichgesinnter wird sie durch gemeinsame Arbeit und durch Gedankenaustausch Bildungsmöglichkeiten haben, die sie nicht mehr blinden Auges in die Welt schauen lassen. Ihre vier Wände werden sich dehnen, ihr Blickfeld erweitern und die Arbeit im Haus und außer Haus wird ihr zur Freude werden! G. P. Hausfrauen! Achtung2 STOCK BRANDY MEDICINAL kann im HAUSHALTE mannigfaltige Verwendung finden: Für Torten u. feineres Gebäck, im Tee— das Feinste, in heißer Milch, fördert die Verdauung, gehört in jede Hausapotheke, unentbehrlich bei Grippe und Verkühlungen, schafft neue Lebenskraft. Sorgen Sie also dafür, daS In Ihrem Haushalte STOCK BRANDY MEDICINAL nie fehle! lOv Unsere neuen Artikel: KINDER■Kleidchen Kl NDER"Mäntel für das Alter von 4 Jahren. 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Ti« Molo spielt vollkommen farblos, dagegen befriedigen Theodor Loos und C. L. Diehl vollauf. Auch der Film wird langsam wehrfreudig...■ W. L. reinigt, färbt, plissiert erstklassig Dem allgemeinen WUNSCHE .«<* VERBILLIGUNG dar MACHERLÖHNE haben wir in weitestgehender Weise entsprochen. die Dame. die sich heute riantel oder Kostüm anschafft, will wissen, woran sie ist: Futter, Stoff, Verarbeitung, alles ist sc wichtig wie Paßform Die«»fichtbaee Front Einer der jetzt so beliebten deutschen Spionagefilm; Regisseur Eich berg hat großzügig ge- vrbeiwt. Aus Wochenschauen wurden Flottenmanöver geschnitten, di« Schauspieler bewegen sich in gut gebauten Prachträuaien. Kri«gsminist«rien unterscheiden sich von Luxushotels ebensowenig wie Kopenhagen von Berlin oder London(soweit sie im Film zu sehen sind). Die Holden sind Trude v. Molo und C. L.'Diehl, dt« im. Weltkrieg munter und von niemandem behindert ihr« Missionen in obigen drei Städten tapfer vollbringen und die dazwischen Verlanget stets die bestbekannten Erzeugnisse der Firma liegende Langeweile durch einen netten kleinen Flirt würzen, der sich in di« gliche deutsche Liede erst allmählich wandelt. ES geht also gut auS; das ist das einzig Unkomplizierte an diesem Film. Di« Hängung wird mir Erfolg dadurch kompliziert, daß einer ins Zimmer tritt, wenn der Gesucht« zur andern Tür draußen ist oder daß Autoscheinwerfcr viel« und lange Effekt« erzielen. Trude 9. Molo ist stets in deutschen Spionagediensten, ebenso ihr edler Freund; nur das Publikum wird sich, darüber nicht so leicht klar, weil im Verlaus der Handlung deutsche und englische Spione derart durcheinander, wirken, daß niemand mehr weiß, wer eigentlich der Bös« ist. Für einen guten braven deutsches!; Film avno 1932 war es natürlich klar, daß di« schwarzen Seiten des sonst heitern Kri«g«rdafeins bei den wimtig w und Prei Und deshalb geht sie zu Fleischwaren, Wurst- und Konservenfabrik Telephon Nr. IIS 7n•F Wir verfertigen und liefern nach MASS und den neuesten MODELLEN erstklassige SALON ARBEIT PRAG II., Nekdzanka 13, PRAG XII., Slezskd ul., KLADNO, Masarykova tf., KROCEHLAVY, Komenskeho tf., LAUN, Hilbertova ul., TEPLITZ-SCHÖNAU, Schlangenbadstraße, TEPL1TZ-SCHÖHAU, Edmundstraße, TEPLITZ-SCHÖNAU, Meißnerstr., TURN, Kulmerstr., DUX, Husstr., WEISSKIRCHLITZ, Teplitzerstr. Kraluper Gesellschaft für Chemische Pro ukte __(L au b. IL ML, Kybirniki 44 lemmma: Rcn«alM Pfw. T.**• Xralnpar Oslgsstllschaft Mim,"föwvftn ________ 3098, 3099 Färberei und chemische Reinigung RUDOLF RIEMER xKRALUPOLa wL AN GLO-CECHOSLO V ARISCHE UND PRAGER CREDITBANK ZENTRALE IN PRAG AUSLANDS-FILIALEN: Belgrad, Bukarest, London, Sofia. 82 Filialen In der Cechoslovakischen Republik.:: 7 Exposituren in Frag. PRAG, NA PftrrOPE 7-11 FEINSTE NASSARBEIT facon J* KOSTÜME und MÄNTEL « ZOO.- Ws 300.- je nach Modell SP«Ä°“ d. SEIDENKLEIDER •50." Ws 250.- je nach Model' diesmal an Handlungsdummheit geboten wird, über- j trifft alles an Peel schon Vergangene. Tas Prinzip feiner Film«, der Ucberraschungsesfekt, geht ganz verloren, jede Situation wird- breit vorbereitet und. wenn er auf dem Motorrad dahinfägen darf,' wissen. wir schon im vorhinein, daß er als Erster, ans Ziel kommt und sind darauf vorbereitet, daß- sein Sprung ins Motorboot weder gehört noch gesehen werden wird: denn er ist eben unüberwindlich. Seine nordisch-blonde Partnerin ist schlechter alsiöie kess) Trude Berliner, er selbst trägt bereits gcschmi iiste L'p- pen zur Schau als Wahrzeichen filmischer Karriere. So vernichtet d'e Filmmache ihre eigenen'Erfolgchancen. „Dienst ist Dienst." Ti«s«r Film von»den ge-- lungenen Abenteuern eines Pscifendeckrls beim frohen Waffendienst" ist so ziemlich Sie letzte Mache mili-' taristischer Naivität und Geschmacklosigkeit, die seit- Jechren im Kino gezeigt werden dürfte. Ohrfeigen der Rekruten, Saufereien, sadistische Roheitest und Verhöhnung der„Dummheit des Soldätentrottelk", Idiotische Schimpfereien sind das Wesentl che dieser Mlitärschwanks, bei dem man wirklich nach dem Zensor ruft. Während wertvollste Filme nicht herein' dürfest, weil angeblich keine. Valuten da sind, er-? laubt eint reaktionäre Kulturpolitik die Einfuhr/ solcher Provokationen, die das Ansehen Teutfchlands- wohl mehr herabsehen, als die beste antideutsch«? Propaganda Billige Böhm Dctflcdcrn nur reine» gewaschene, gutf Ülleude Ware 1 kg graue, geschlissene Ki 18.—. halb, weiße Kä 22.—. weil« Xö 30.— bessere KL 40.—, daunenw, K5 50— und Kö 65.—. beste Sorte Kl 80.» und Kfi 00.—. Versand franko gegen Nachnahme. Muster gratis. Umtausch und Röck nähme gestattet. Benedikt Sadisel, Lobes Nr. 25 bei Pilse», Böhmen. Festig englische Mäntel Kc 200.— bis 400— Efnfärbige Modemäntel Ai 250.— bis 500.— audi nach Mag in eigener Werkstatt in neuzeitlichen Formen und erstklassiger Ausführung erzeugen der Fabriken der Firma wenn& co„ Prag» HavIKkovo näm. Nr. 32 ist? Telephon: 243-9-6. 274 8 4 917 Illustrierte Preisliste gratis. K. Mittelbach Söhne Komotau „Das Schiff»hue Haft«." Unser Harry Piel ändert sich nicht wesentlich: er ist heut« der Karl May des deutschen Films, elegant und gütig zugleich, je nach Bedarf erobert er dar Herz schöner Frauen und seit er zu seinem eigenen Regisseur avanciert ist, gelingt ihm dies auch bei Gesang und Tanz. Sein« Filme werden nicht bester: di«. Operettenlust der teutschen Art weht bis ins Gespensterschiff, von dem man nicht weiß, warum es bei Tag und bei Nacht mit wehenden Segeln auf dem ofsenenl oder geschlossenen Meer nach Schätzen sucht. So kön-1 a nen Film« wirklich nicht mehr gemach: werden: was i^ Seite 12 „Ctogtalbeiitofari* Semntas, fit«Lr, w?ü 92r. 6* 1 Hyrrah, an die Arbeit! WIR ERMASSIGEN DIE PREISE WIR SIND ZU IHREN DIENSTEN! AB 3. APRIL 1933 IN UNSEREN VERKAUFSSTELLEN Herren-Halbschuhe aus festem, schwarzem Glanzleder, mit Gummisohle Wir steigern die Produktion. Wir erhöhen die Qualität. Wir verbessern unseren Dienst Für die Einkaufsgänge: Halbschuhe au* festem Box, mit Ledersohle. Xi 49.- 39. Wir bieten Ihnen für weniger Geld, mehr Schuhe und mehr Dienst. Gute Schuhe brauchen Sie gerade jetzt. Gr. 27-34. Schnürschuhe au* feinem Box mit Ledersohle. Gr. 35-38 früher KE 45.-, jetzt 39.- Dultbox-Hatbschuhe mit dauerhafter Gummi- sohle. Gr. 35-38 früher KE 25.-, jetzt KE 19. 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