). Kvzelvreks 70 Heller. Enschlirßlich 5 Heller Porrn '— Erscheint mit Ausnahme des Montag tüg'.tch früh. St.bam»»».«eewall»»» Vraa II, orua»aa»o t». rrlep».: 2»ra» r,4»o.^achlretoN.(ab 31 Ust): 33356 ♦ vorlchnkom!:37544 13. Jahrgang. Dienstag, 14 Mörz 1933 Nr 62. Der Unsterblidie. „Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große feindliche Lager, in Mei große, einander direkt gegenüberstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat." Dieser eherne Satz der Geburtsurkunde des wissenschaftlichen Sozialismus, des„Kommunistischen Manifests", ist er nicht manchmal angezweifelt worden in unseren Reihen? So sehr vereinfache sich, wähnten manche, der Gang der gesellschaftlichen. Entwicklung nicht, daß es schließlich nur noch zwei Klassen gäbe, mir noch ein Hüben und Drüben gelte. Aber mag in manchen Ländern das Werden der Gesellschaft noch nicht jenen Höhepunkt erreicht haben, den-Marx und Engels vorauS- sahen— in Deutschland ist die Spaltung der Gestllschaft in. zwxi große einander direkt gegenüberstehcnde feindliche Klassen vollzogen, gibt es nur noch ein Hüben und Drüben. In dem gigantischen Ringen der Klassen ist, weil sie uneinig war und weil sie zu spät die Bedeutung, die schicksalhafte Bedeutung der gegenwärtigen Klassenkämpfe erkannte, die Arbeiterklasse dem geeinten Klassenfeind unterlegen, ist das Proletariat vorübergehend geschlagen worden. In dieser Niederlage der Arbeiterklasse sieht die Bourgeoisie«ine Niederlage des Marxismus, und gerade in diesem März, in dem wir an seinem fünfzigsten To-estage unseres Meisters Karl Marx gedenkest, seiner gedenken in stolzer und verehrender Dankbarkeit, verkündet der deutsche Fascisnms triumphierend die völlige Vernichtung, die Ausrottung des Marxismus. Denn wenn, so wähnt er, die marxistischen Zeitungen verboten und die Versammlungen der Arbeiter unmöglich gemacht. wenn ihre Organisationen zerstört und ihre Druckereien demoliert und die Volkshäuser verwüstet sind, die Vertrauensmänner der Arbeiter entweder erschlagen oder eingekerkert sind, dann gibt es keinen Klassenkampf mehr! Deutschland ein einziges, großes Gefängnis— dann gibt es den Marxismus als Bewegung nicht mehr. Und wenn man aus den Buchhandlungen die marxistischen Bücher auf die Straßen schleppt und verbrennt— ja, dann muß doch mit den Büchern auch der marxistische Geist vernichtet sein! Dann endlich ist der Marxismus überwunden... Gäbe es für die deutsche Bourgeoisie«in« andere Form der' Geschichte als die srideri- cianische Legende und heroisierende Kriegsberichte, gäbe es für sie nur wenigstens noch Tatsachenkenntnis,— es müßte ihnen die deutsche Geschichte sagen, daß mit der Einkerbung oder Ermordung der Verkünder und Träger von Ideen nicht auch die Ideen gezotet sind. Daß Ideen, die geboren sind aus den gesellschaftlichen Zuständen, nicht durch gewaltsame Konservierung dieser Zustände ausgerottet werden können. Es gelang vor mehr als achtzig Jahren, die deutsche bürgerliche Revolution niederzuschlagen. Es gelang, Revolutionäre gefangen zu setzen, manche hinzurichten, viele aus dem Lande zu treiben. War die Revolution rot? Jene wirtschaftlichen und politischen Notwendigkeiten, für die achtzehnhundertachtundvierzig auf den Barrikaden gekämpft wurde, setzten sich durch, als längst die Barrikaden und die Parrikadenkämvfer gefallen waren. Und recht behielt Ferdinand Freiligrath, der damals die Revolution sprechen ließ: Ich war, ich bin, ich werde sein! Damals, als Freiligraih diese Worte schrieb, war in ganz Europa dex Kapitalismus erst werdende Wirtschaftsform, war die Bourgeoisie noch werdende Klasse, schickte sie sich erst an, den Weg zur Herrschaft zu suchen. Damals war das Proletariat eine noch schwache, unentwickelte Klasse, und soweit sozialistische Ideen in diese Klasse einzudrin-> wirtschaftlichen und politischen Geschehens gen vermochten, waren sie höchst unklares Ge-i seiner Zeit, der. exakten Erforschung der Be- misch von humanitär-utopischen und putschst( wegungsgesetze der Wirtschaft, dieses.' Ergebnis stisch-utopischen Vorstellungen. Und doch hatte: wissenschaftlicher Arbeit eines ganzen-in Enge damals schon Karl Marx den Weg der Baut-' und. Not verbrachten Lebens.— der wissen- geoisie, die Entwicklung des Kapitalismus, di« schaftliche Sozialismus— ist heute lebendig in geschichtliche Rolle der Arbeiterklasse voraus-' Millionen Arbeiterhirnen. Tausend bürgergesehen! Er hat nicht mit jedem Worte recht liche Oekonomen haben in mehr, als tausend behalten, er Hai das Tempo der Cnüvicklung j Büchern die ökonomischen Lehren des Marxis- überschätzt, aber alle Entwicklungslinien richtig gesehen. Und nicht prophetische Schau war es, die ihn jenen Weg der menschlichen Gesellschaft, auf den wir nun zurückblicken können, und darüber hinaus den Weg in kommende Zeiten richtig sehen ließ— es war seine Entdeckung der Gesetze des geschichtlichen Geschehens, war seine Erkenntnis der der kapitalistischen Pro- duktionsweise innewohnenden Entwicklungs-. gesetze, die ihn befähigte, vprauszusagcn, was wir heute erleben.. Der Wissenschafter Karl Marx, der Denker Karl' Marx war es, der der. Arbeiterklässe den Weg zu, ihrer Befreiung wies!' Die Frucht des Denkens des eistsamen großen Denkers, das Ergebnis tausend durchwachter Nächte, mühevollen'Durchforschens der Geschichte, sorgfältiger Untersuchung des. muS zu widerlegen versucht. Ihr- Leben, ihr Erleben hat die Proletarier immer wieder, und hat immer mehr Proletarier von der Richtigkeit dieser Lehren überzeugt.’ Bürgerliche Historiker und Philosophen sind gegen Marxens Geschichtsphilosophie ins Feld gezogen, — aber di« große Erkenntnis, zu' der die Marx'sche Geschichtsbetrachtung führt, die Erkenntnis von den Klassenkämpfen als der entscheidenden geschichtsgestaltenden Kraft, ist den Arbeitern immer wieder aufgezwungen worden durch ihr Leben in der kapitalistischen Gesellschaft. I m m e r"w i e d e r h a t d c r tote Marx triumphiert über seine l ehest den Gegner! Und nie ist dieser Triumph einer wissenschaftlichen Erkenntnis, nie ist dieser Triumph des Marxismus größer, unbestreitbarer, augenfälliger gewesen als in unseren Tagen!— Der ungeheure Am fang und die alle Voraussagen der Konjunkturforscher zuschanden machende Dauer der größten aller Krisen des Kapitalismus— ist sie nicht Bestätigung, eindringliche, unwiderlegbare Bestätigung der Marx'schen Theorien? Sind sie nicht alle ratlos, die bürgerlichen Wirtschaftstheoretiker und di« Wirtschastsführer? Wagt denn der Kapitalist selber nock die kapitalistische Wirtschaftsordnung als die denkbar beste, als die allein mögliche zu preisen? Bor ein paar Jahren führest europäisch« Nationalökonomen und europäische Feuilletonisten nach den Bereinigten Staaten von Nordamerika, um aus nächster Nähe den Zauber der ewigen Prosperität auf sich wirken zu lassen. Und kamen begeistert heim und schrieben verzückt Buch auf Buch über das„amerikanische Wirtschaftswunder" und ließen es nicht fehlen an hämischen Bemerkungen über di« Irrtümer des Marxismus, dessen Wirtschaftstheorien eben durch jenes Wirtschaftswunder gründlich widerlegt seien. Aber noch standen diese Bücher unverkauft in den Schaufenstern der Buchhandlungen, als die ersten Berichte über den Einbruch der Krise in die amerikanische Wirtschaft kamen, und heute ist der Lobgesang auf die ewige Prosperität im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten längst verstummt— schlimmer noch als im alten Europa wütet di« Wirtschaftskrise in der nordamerikanischen Union... Di« kapitalistische Wirtschaft versagt. Sie kann die Aufgabe der Wirtschaft, den Menschen die zum Leben nötigen Lebensmittel und Bedarfsgüter zu vermitteln, nicht mehr erfüllen. Ja, das, was heut« noch als kapitalistische Wirtschaft bezeichnet wird, verdient den Namen„Wirtschaft" überhaupt nicht mehr! Alles wirtschaftliche Geschehen unserer Zeft ist Bestätigung der ökonomischen Lehren des Marxismus. Reif ist die Zeit, den Kapitalismus, diese überalterte', greisenhafte, versagende Form der Wirtschaft zu ersetzen durch die sozialistisch« Planwirtschaft. Aber mit jeder Wirtschaftsform ist ein besonderes Klassenshstem verbunden. Noch nie ist eine herrschende Klasse freiwillig abgetreten. Wie wenig jene Klasse, die Trägerin und Nutznießerin des Kapitalismus ist^ zum Verzicht auf ihre Klassenherrschaft geneigt ist, lehrt dm jüngst« Entwicklung in Deutschland. Aber auch das ist Bestätigung inarxistischer Erkenntnisse, daß die Bourgeoisie es nicht wagen konnte, offen ihr Wirtschaftssystem zu verteidigen, daß sie ihren Feind, die Arbeiterklasse, nur niederringen und damit noch einmal ihre Klassenherrschaft behaupten konnte, indem sie die Deklassierten und Entwurzelten, die Lumpenvroletarier und Spießer, die Abenteurer und Verbrecher, die geistig und seelisch heimatlos Gewordenen, die pensionierten Generäle und die arbeitslosen Angestellten, die verschuldeten Kleinbürger und Bauern und die an aller Vernunft irregewordenen Intellektuellen sammelte unter der Fahne seines Allerwelts-Scheinsozialis- mus. Millionen Opfer des Kapitalismus haben den Sieg der Kapitalisten über di« Feinde des Kapitalismus ermöglicht.. Aber ermöglicht hat ihn auch die verhängnisvolle Spaltung der sozialistischen Arbeiter, ermöglicht hat ihn nicht zuletzt, daß Marxens Lehre und Marxens Geist zu wenig lebendig war in der deutschen Arbeiterklasse! Im Streit um die Deutung der Lehre haben sich' di« Arbeiter entzweit. Im Streit um die Form der proletarischen Klassenherrschaft hat sich die Arbeiterklasse gespalten und damit die unvcrhüllte, uneingeschränkte, brutale Klassenherrschaft der Bourgeoisie erst er- Sette S Dienstag, 14. März 1938 Nr. 62 I selbst. Was not tut, ist marxistische Erforschung der heutigen Kampfbedingungen und Kampfmöglichkciten für die Arbeiterklasse, ist innigste Verschmelzung marxistischer Theorie mit der Praxis des proletarischen Klassen- kampfeS! Und nicht anders dürfen wir unseren Meister ehren wollen! Anwendung seiner Lehre an federn Tage und in jeder Stunde unseres Klassenlebens! Und je lebendiger der Geist des Unsterblichen im Proletariat ist, je mehr- Marxens Geist Leben und Tun der Arbeiterklasse durchdringt, um so früher kommt di« Stunde des Wiederaufstieges, des WiedervorsturmS— des Angriffs im letzten entscheidenden Klassenkampf! Sie wähnen den Marxismus vernichtet, die rote Fahne für immer in den Staub getreten, den Riesen Proletariat ohnmächtig für alle Zeiten! Aber wehe ihnen! ES ist jene verhaßte Lehre, die sie jetzt ausrotten wollen, die den getretenen, mißhandelten, geächteten Proletariern neu« Kraft gibt/ die in den Tagen der Schmach ihre einzige Hoffnung ist, und di« zugleich wirkt wie ein Wunderelexier— es ist die Marx'sche Lehre, die in jedem Arbeiter jene Ueber>«ugung lebendig erhält, die aus den trotzigen Dorten jenes Blattes spricht, dessen Leiter vor acht Jahrzehnten.Karl Marx war, aus den Abschiedsworten her„Neuen Rheinischen Zeitung": „Bald richt ich mich rasselnd in die Höh', Bald kehr ich reisiger wieder!" J. H. Die erste Karl-Marx-Feier in Wien• Vor 40 Jahren, Von Dr. Michael Schachert. Au» meinem ungedruckren Memo ren- buch„Partei! Partei!" Der darin erwähnte Dirkutierklub Berita» war ein sozialdemokra.ischer Studentenverein. der Festredner Karl Leuthner ist heut« Miglied der österre chischen Nationalversammlung. Bor 30 Jahren war eine Versammlung, die n'cht verboten oder, aufgelöst wurde, eine große Seltenheit. Eine Generalprobe für das Können der im Diskutierklub„BeritaS" vereinigten jungen Studenten war die vom Parteivorstand beschlossene Feier des zehnten Todestages von Karl Marx, am 14. März 1893. Sie war gleichzeitig schon durch ihren Zweck eine Generalprobe für dre Ergebnisse der bi-hertgen Erziehungsarbeit der Sozialdemokratie an den k. k. Behörden, sie sollte zeigen, war man in Wien wenigstens schon wagen konnte. Beide Teile bestanden die Probe gut; die Versammlung in den großen Sophien- säl-n wurde nicht verboten, der Regierungsvertreter löste sie nicht auf, er machte nur eifrig Notizen, allerdings nicht viel, denn aus dem Feuerstrom, der aus dem Munde des Festredners. Karl Leuthner, wie aus einem Vulkan, nur viel rascher entquoll, konnte er nur einzelne glühende Sterne und Bomben in Sicherheit bringen, um sie seinen Vorgesetzten als Proben, und der Ehrenkodex der k. k. Offiziere wußte erstarrte Lapilli vorzulegen. zwar von Spielschulden und Ehrennotwehr zu Viktor Adler hatte für die Festversamm- erzählen, aber Karl Marx— was war das? Dre ***"— x—' Polizei meldete dem Kriegsminister den Inhalt der Red« und der Minister ordnete die Unter« üchung vor dem OffizierS-Ehrenrat gegen das chwarzr oder vielmehr rote Schaf an. Der Offi- iers-Ehrenrat fand es denn auch für unehren- wft, daß' sich ein k. k. Reserve- Leutenant, so wenig Reserve auferlegte, öffentlich und noch dazu vor Arbeitern em Bekenntnis zum Sozialismus abzulegen. Und der Kriegsminister er-> klärte daraufhin Karl Leuthner für unwürdig», weiterhin Offizier zu sein. So wurde er denn »um„Gemeinen"— erhoben und rückte in der Folge zu den Waffenübungen als Infanterist ein. Nach Eroberung des allgemeinen Wahlrechtes wurde er aber von der Arbeiterschaft ins Parlament„einrückend gemacht, wo«r dem Landesverteidigungsminister, in den Delegationen dem Kriegsminister und der übrigen Generalität durch seine ebenso geistreiche wie sachkundig« Kritik noch unbequemer wurde, als es der rote Reserveleutenant gewesen war. Nach der Marxfeier waren wir alle stolz, der Partei einen solchen Redner geliefert«r haben— die Marxrede, die den wissenschaftlichen Sozialismus vom philosophischen, historischen wie nationalökonomischen Gesichtspunkt beleuchtete, war wie alle anderen Reden Leuthners früher und später zwar sorgfältig überdacht, aber vollständig frei ohne Konzept oder Notizen gehalten worden. Das Ansehen der in der„Veritas" gesammelten „Intelligenz" stieg dadurch bedeutens. erstarrt« Lapilli^ vorzulegen. lung nach einem passenden Redner" gesucht und! Richard Singer, der Kassier der„BeritaS", mit dem er im Kaffeehaus darüber sprach, hatte ihm Karl Leuthner vorgeschlagen, der gleich nach der Gründung der„BeritaS" zu uns gestoßen war und sich bald in den Debatten durch fein unheimliches Wissen in Philosophie und Ge- fchichte, Nationalökonomie und Literatur wie durch sein überschäumendes Temperament als Redner auSzeichnete. Adler hatte ihn noch nicht gehört und kam in dte nächste Versammlung der „BeritaS", wo Leuthner einen Vortrag angekündigt hatte. Unglücklicherweise erkrankte Leuthner am selben Tage, sagte aber nicht ab, da er hörte, daß Adler seinen Vortrag anhören wolle. Der Eindruck, den Leuthner trotz starken Unwohlseins machte, war derart gut, daß ihn Adler mit der Festrede der Karl-Marx-Feier betraut«. Die Rede Leuthners war eine Sensation selbst für uns, die wir seine Beredsamkeit, seinen Scharfsinn und sein universelles Wissen von den Debatten der„Veritas" kannten. Karl Leuchner war ein Student, der alles studierte, mit Ausnahme seine» Faches; ich glaube, er hätte JuS studieren sollen. Die Red« war ein glühendes Bekenntnis zum Marxismus, zur Sozialdemokratie, das alle tief erschütterte, Junge und Alte, Arbeiter und Intellektuelle, die da in Massen gekommen waren— also war die Generalprobe auch für die Parteigenossen gut ausgefallen. Schlecht hielt sich nur die k. k. Militärbehörde. Leuchner war Leutenant in der Reserve möglich!. Im Klammern an Worte des Meisters, und doch nie ferner als damit seinem Geiste, hat das eine Lager die Demokratie bekämpft und verhöhnt und so mitgeholfen, den Boden für die Aktionen des Prolelariats zu zerstören. Ueberschätzunq der demokratischen Institutionen, reformistischer Glaube an das friedliche Hineinwachsen in den Sozialisnrus im anderen Lager haben das rasch« Anwachsen der faseistischen Gefahr übersehen. Werden nicht, müssen nicht, unter dem Drucke des das Gesamtproletariat bedrohenden FascismuS, nun beide proletarische Lager wieder zu einem verschmelzen müssen? Die Niederlage der deut schen Arbeiterklasse in einem mit allen Mit teln der Barbarei von oben gefiihrten Klassenkampf müssen die Fehler der Arbeiterklasse korrigieren, müssen zu kritischer Selbstverstän- digung des Proletariats führen! Das Proletariat wird diesen Weg der Selbstverständigung gehen, es wird zur Selbstverständigung finden, gerade weil es in seinem Kern marxistisch ist! Und nie tvaz.en der marxistischen Theorie so große Aufgaben gestellt wie setzt, wie fünfzig Jahre nach dem Tode des Meisters! Denn nicht mehr das ist die große Aufgabe, die Lehren Marxens zu popularisieren. Das ist in umfassendstem Ausmaß« geschehen. Und da für, daß diese Lehren, die zum Klassenbewußtsein führen, immer wieder in mehr und mehr Arbeiterköpf« Eingang finden, auch unter dem Marxismus, dafür sorgt der Kapitalismus Geschichte unserer Zeit im Lidite des Marxismus. ständnis der Vergangenheit im Ranke'schen Sinn« auch die Gegenwart richtig sehen läßt. DaS ließe sich aus manchem Beispiel auS der Reihe der Epigonen ebensogut wie an dem der Meister selbst erweisen. Otto Bauer» Analyse der österreichischen Nationalitätenfrage und seine Voraussage nicht nur des Kriege», sondern auch des Zerfalle» Oesterreichs, Hilferdings allerdings mehr in» Oekonomische weisend« Voraussicht, di« der RachkriegSkapttaliSmus bestätigt hat, viel« Prognosen KautSky»— der zum Beispiel sehr bald nach dem Umsturz di« Wendung der deutsche« Reaktion in» demagogischkleinbürgerlich« Geleise, zum Antisemitismus und ScheinsoziaÜSmu» vorhersagte— bestätigen di« Zuverlässigkeit der marxistischen Methode der Geschichtsbetrachtung. Wenden wir(zum guten Teil gestützt auf di« in einer Reih« wissenschaftlicher Abhandlungen angestellten Untersuchungen der Zeitgeschichte durch führende Marxisten vo« Engels bis Rosenberg und von KautSky bis Bauer) diese Methoden auf unser« Zeit, also ungefähr auf di« 50 Jahve an, di« seit dem Tode von Karl Marx verflossen sind, so entwirrt sich sehr bald das ChaoS. dem unsere Zeit zu gleichen scheint, und wir können die Hauptrichtunge« der Geschehens in ihren Zusammenhängen und ursächlichen Bedingungen erkennen. Zu Anfang der 80er Jahre d«» vorigen Jahrhundert» nimmt der europäische Kapitalismus (in gewissem Sinne auch bereit» der amerikanische, obschon dessen Gestaltung noch immer durch di« Tatsache bestimmt wird, daß in Amerika alljährlich Tausend««euer Bauern angesie delt, Land erschlossen, der in««« Markt vergrößert werden) die Formen an, di« man heut« allgemein unter dem Sammelbegriff I m p e r i a- l i s m u» faßt, so sehr in der Besttmmung einzelner Merkmal« di« Meinunaen auseinander- gehen mögen. Frankreich betreibt seit 1880 ein« Richt nur di« visionär« Schau de» Sehers, deren sich di« Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus wie all« großen Politiker von Berufung in hohem Maße rühmen konnten, sondern auch der tief« Einblick in die geschichtlichen Zusammenhänge, den ihnen daS exakte Studium der ökonomischen und sozialen Entwicklung gleichermaßen wie di« kritische Untersuchung der ideo- logischen Moment« eröffneten, ließen sie frühzeitig da» gewaltige Ereignis der kommenden Jahrzehnt«, den allgemeinen Krieg der europäischen Nationen voraussehen. Karl Marx hat noch im Laufe des deutsch-französischen Krieges» als sich der Kampf der deutschen Stämme aus einem Verteidigungskrieg in«inen Erobenmgsfcldzug offenbart«, dre Allianz deS republikanischen Frankreich mit dem zaristischen Rußland als di« notwendig« Folg« der Annexton Elsaß-LothringenS mehr als zwei Jahrzehnte, bevor si« Tatsache wurde— vorausgesagt. Friedrich Engels hat in der letzten Frist vor seinem Tode ebenfalls den europäischen Krieg in den Formen, in denen«r sich 1914 entwickelte, prophezeit und mit der ganzen Leidenschaft für militärische Fragen, di« chn zeit seines LebeS beseelt«, hatte«r vor seinem geistigen Auge den Aufmarsch der Millionenarmeen, dte strategischen und taktischen Probleme deS europäischen Ringens vorweggenommen. Freilich glaubte er, daß der Kriegserklärung di« Uebernahm« der Regierungsgewalt durch die deutsche Arbeiterklasse folgen müsse, aber auch für diesen Fall sah«r di« rasch« und völlige Niederwerfung Frankreichs (ganz im Sinne deS Schliefsen'schen Plane») als die nächst« Aufgabe der deutschen Heer« an. Nach dem Siege über Frankreich sollt«, Engels' Ansichten zufolge, di« deutsch« Arbeiterregi«rung den Franzosen einen ehrenvollen Frieden, einer vielleicht an die Macht gelangten französischen Arbeiterregierung das Bündnis«gen den russischen Zarismus anbieten. So sahen di« Altmeister unser Schicksal in großen Umrissen Vorau» und es ist nicht ihre Schuld, wenn der tatsächliche Verlauf der Ereignisse in entscheidenden Punkten von dem Bild abwich, das sich Engels vo» ihnen gemacht hatte. Den entscheidenden Fehler von 1914, der nicht in der AnMhme der KrieaS- kvedite, sondern in dem Verzicht auf ein« politische Gegenforderung und in der Burgfriedenspolitik lag, konnte er zu Lebzeiten BebelS und vor allem des alten Liebknecht nicht vorauSsehen. Denken wir an di« Prognosen, di« Marx für Rußland gestellt hat, dem er unter gewissen Voraussetzungen eine Entwicklung im Sinne der Narodniki(also deS Bolschewismus, der seit Stalin ja die ganz« Ideologie der allen Narodniki ausgenommen und an di« Stell« der rein marxistischen gesetzt hat) prophezeite, denken wir an die zuerst im Kommunistischen Man liest unspäter an zablrejchen Stellen der Aufsätze und Briefe von Marx und Engels angestellten Be- trachtuncen über die Ausbreitung der kapitalistischen Ordnung aus di« außereuropäischen Erdteile, über di« Entwicklung in den Kolonialgebieten und in Lstasien. an die sehr konkreten Andeutungen der faseistischen Entw'ckluna. di« wir überall finden, wo Marx und Engel» stch mit den Ideologien des Kleinbürgertums, mit der Roll« des Lumpenproletariats und mit dem sogenannten„Deutschen SozialiSmitS" befassen, so können wir Wohl behaupten, daß auch außerhalb der Oekonomie. die den MarriSmus in unseren Taaen in so furchtbarer Exaktheit bestätigt, die Geich'^chtSauffassuna Marx' und Eng«ls' stch als«in« treffsichere Methode erwiesen bat. die unS nicht nur die Vergangenheit verstehen, sondern dank dem Ber- .Osteuropa geht die bäuerliche, über Mitteleuropa die bürgerliche Revolution hinweg. Noch ehe es zum Krieg zwischen den Mächten kommt, zeigen sich auch in der inneren Struktur des Kapitalismus entscheidend« Veränderungen. An die Stelle deS freien, auf dem wilden Konkurrenzkampf aller gegen alle beruhenden Kapitalismus der liberalen, man- chestetlichen Aera tritt der organisierte Kapitalismus mit seinen Kartellen, Trusts und Konzernen, die sich nach dem Krieg zu ge- Waltigen, die Wel^produktion beherrschenden M o» 0 P o l« n Wetterentwickeln. Damit hört zwar daS Niederkonkurrieren der kleinen Unternehmer. vorübergehend auf, aber nur, um die Kapitalsmacht und den Kapitalsbesitz um so stärker in den Händen einiger weniger Wirtschaftsherren zu konzentrieren. Der kleine Unternehmer wird abhängig vom Rohstosslieferanten, von den prei»- bildenden und marktbeherrschenden Kartellen, von den Kreditgebern. Die entscheidenden Funktionen fallen mehr und mehr dem Finanzkapital ;u, da sich in den Direktorien der Großbanken, bei den Clearinghäusern des Weltmarktes alle Macht über die Wirtschaft zu konzentrieren beginnt. Damit setzt der Kapitalismus aber auch den Mechanismus, der ihm bisher am Leben erhielt, der auf di« Kris« nach rasendem Preissturz und Ausschaltung zahlreicher konkurrenzunfähiger Unternehmen aus dem Produktionsprozeß di« Konjunktur folgen ließ, fast ganz außer Kraft. Die nächste schwere Krise, die über den, Kapitalismus hereinbricht— eben di« Krise unserer unmittelbaren Gegenwart—, zeigt bereit» das Versagen des selbständigen Mechanismus der kapital!stischen Wirtschaft, sie wird aus der bloßen Absatzkris« zur strukturellen Krise, ihre Ueberwindung wäre nur. denkbar und möglich durch tiefgehend« Eingriff« in- die Wirtschaftsorganisation. Daher zeigen sich seit 1930 im Monopolkapitalismus starke Tendenzen zum Staatskapitalismus— wobei das Finanzkapital den Mittler abgibt— und da die Arbeiterklasse ja nicht mehr lediglich Objekt der' Geschichte ist, auch die Gegentendenzen zum S t a a t»s o z i ä l i S m u».-• Mit dem Niederbruch der kapitalistischen Kon-" junktur beginnt di« Deklassierung der kleinbürgerlich«« Mittelschichten ei» raschere« Tempo anzunehmen. Spielen rebellierende Kleinbürgerschichten schon in der politischen Geschichte der Vorkriegszeit gelegentlich «in« Roll«, so treten sie seit 1923 und von neuem seit.1929 in den mitteleuropäischen Ländern vor allem, wo die Ueberwälzung der Kriegslasten von, den Besitzklaffen auf Proletarier und Kleinrentner di« Entwicklung beschleunigt, alS mächtig« poli-' tische Faktoren hervor. Unter verlogenen, schein- sozialistischen Parolen werden sie vo.» Demagoge»^ oi« im Sold der Kapitafisten stehest, politisch' organisiert, vielfach. bewaffnet und zum Kampf? gegen das llaffenbewußte Proletariat eingesetzt. Der Prozeß der Rationalisierung, beschleunigt durch den KriegSkapitaliSmuS und den Warenhunger der ersten Nachkriegszeit, vermindert gleichzeitig die. Zahl und di« Macht des industriellen Proletariats, die von 1889 bis 1914 in allen Ländern in ständigem Anstieg gewesen waren. Die Spaltung der Arbeiterklasse, hervorgerufen durch daS Experiment des Bolschewismus und den Versuch der Uebertra- gung russischer Methoden auf Europa, begünstigt den Machtanstieg fleinbürgerlicher Parteien mit scheinsozialistischen Programmen(Fascisten, Nationalsozialisten), di« in der Zeit der Krise zu den eigentlichen Sachwaltern der bürgerlichen Klasseninteressen werde». Der Frieden von Versailles, das Derk d« siegreichen Bourgeoisie des Westens,, hat in ganz Europa zahlreiche Herde der Unruhe geschaffen und die Festigung der Demokratie Mitteleuropas verhindert. Er legt aber auch ideologisch di« Wurzel zum Wiedererwachen des Nationalismus in den besiegten Staaten. Zugleich entstehen durch die Gründung der Sowjetunion großzügige Kolonialpolitik, zunächst widerstrebend, dann nach Bismarcks Sturz mit überhitztem Eifer folgt der deutsche Kapitalisntus, England, das in den 70er Jahren sein indisches Reich gesichert hatte, schreitet an den Ausbau der südafrikanischen Kolonien(Cecil RhodeS, Burenkrieg) und seiner Südseebesitzungen(Commonwealth of Australia), Rußland wettdel sich der Mandschurei zu. Neue Märkte, neu« Rohstoffquellen werden erschlossen, die großen Goldfunde der 90er Jahre tun ein übriges, die seit 1873 andauernde und zuletzt durch eine Landwirtschaftskrise verstärkt« Stagnation zu überwinden. Seit 1894 tritt der Kapitalismus in ein Stadium relativer Prosperität, daS ebenso wie die Gründerepoche um die Mitte d«S Jahrhunderts von einer Reihe von Kriegen begleitet ist. Der spanischamerikanische Krieg 1898, der Burenkrieg 1898 bis 1901, der russisch-japanische Krieg 1904,05, der lybisch« Krieg(Italien-Türkei) 1911, die beiden Balkankriege und endlich der Weltkrieg sind di« kriegerischen Entwicklungsstufen der. letzten größeren Blute-Epoche deS Kapitalismus. Den Interessen der herrschenden Klasse, dem ökonomischen Charakter der Epoche und ihrer Staaten entsprecheiw, handelt es sich hiebei meist um Krieg«, di« kapitalistischem Jnteressenstreit entspringen, handelspolitischen Gegensätzen, dem Kamps um die Märkte, aber insbesondere auch um Rohstoff«, wobei di« Bedeutung von Kohle, Eisen, Edelsteinen und Edelmetallen langsam hinter der von Kupfer, Erdöl, Kautschuk zurückbleibt. Aber so wenig daS wirtschaftliche und sozial« Antlitz Europa- von 1880 dir 1914 das Bild der Gleichförmigkeit bietet, so wenig sind di« politischen Lebensformen uniform. Neben den überwiegend kapitalistischen und ihrer gesellschaftlichen Struktur dementsprechend bürgerlichen, ihrer Verfassung nach demokratischen Ländern Westeuropa- haben wir da- feudal-bäuerlich«, bis 1905 absolutistisch regiert« Rußland mit geringen, wenn auch treibhauSartig üppigen Ansätzen kapitalistischer Wirtschaft und zwrschen diesen Extremen di«„Mittelmächte", Deutschland und Oesterreich-Ungarn, in denen einer zum Teil schon sehr mächtigen bürgerlichen Gesellschaft«in« feudale Herrenschicht die politischen Geschäft« besorgt. Niemand, der den besonderen politischen Mechanismus dieser Länder, in denen di« Bourgeoisie zwar ökonomisch eine entscheidend« Roll« spielt, Politisch aber unter der Vormundschaft d«S Adels, der Dynastien, der Kirch« und deS Militärs steht, nicht ins Kalkül zieht, wird di« Entwicklung, die zum Weltkrieg führt«, wirklich verstehen können, men stoß vö» 1914 ist di« Uebereinan- derschichtung zweier, in ihrem Wesen grundverschiedener Kon- s l ik t«: des rein kapitalistisch bedingten Kampfe» zwischen England und Deutschland, in dem Frankreich zunächst«ine Nebenrolle spielt, und des dynamisch-feüdalen, religiös-nationalen Ringens zwischen den Habsburger» und Romanows, zwischen Oesterreich und Rußland. Dabei war päischen Herrenklassen, ihr« Unzulänglichkeit vor allem in den Fragen der imperialistischen, bürgerlich-kapitalistischen Politik, die eine derartig« Ueberschneidung der Gegensätze und di« an sich widernatürliche Allianz zwischen der Demokratie ~ gegen die mittel europäischen Monarchien ermöglichte. Währeneinander ab, 191? fällt dar KriegStheater sichtbar chanismuS dieser Länder, in twu, vwar der Mann der Wissenschaft. Aber das war noch lange nicht der halbe Mann. Die Dienstag, 14. März 1833 W Ile die jetzt in ♦) Die Enteigner werden enteignet. Marx und die Gegenwart. Genossen in den Fabriken Sahen einander an Mit Trauer in den Blichen Und Stande aal Stunde verrann• Argwöhnisch blickten die Schergen. „Ihr könnt midi ins Zuchthaus sdtmeißen, Wir werden dodt bestehn. Wir müssen zusammen uns sdiweiBen Und einig zusammenstehn Trotz Bismardt und seinen S{bergen!“ Seid einig, ihr Proleten, Und kämpft als Masse mit. Laß euch nicht länger treten Und knebeln vom Profit!“ „Ins Zuchthaus!“ riefen die Schergen Darlegung Entsaftung nur finden Sie reichten einander die Hände Und flüstertent Marx ist tot. Dodt einer schriet„Macht ein Endel Ich pfeif’ auf erheucheltes Brot, Aut Bismardt und seine Schergen. Wandlung der Arbeitsmittel in nur gemeinsam verwendbare Arbeitsmittel, die Oekonomisieruug aller Produktionsmittel durch ihren Gebrauch als Produktionsmittel kombinierter gesellschaftlicher Arbeit, di« Verschlingung aller Völker in das Retz des Weltmarktes und damit der internationale Charakter des kapitalistischen Regimes. Mit der beständig abnehmenden Zahl der Kapitalmagnaten, welche alle Vorteile dieses Umwand- lungsprozeffeS usurpieren und monopolisieren, wächst die Mass« des Elends, des Drucks, der Knechtschaft, der Entartung, der Ausbeutung, aber auch die Empörung der stets anschwellenden und durch den Mechanismus des kapitalistischen Pro- duktionsprozetz selbst geschulten, vereinten und organifirrten Arbeiterklasse. Das Kapitalmonopol wird zur Fessel der Produktionsweise, die mit und unter ihm aufgeblüht ist. Di« Zentralisation der Produktionsmittel und di« Vergesellschaftung der Arbeit erreichen eine» Punkt, wo sie unverträglich werden mit ihrer kapitalistische« Hülle. Sie wird gesprengt. Die Stund« des kapitalistischen Privateigentums schlägt. Dir Expropriateurs werden expropriiert*). sKapital, 1. Vand, 6. Auflage, S. 728.) Das ist die berühmte klassische der kapitalistischen Entwicklung, der ihrer Widersprüche, die ihre Lösung können im Sozialismus. Hat je einer der Antimarxisten, Deutschland das Heft in den Händen haben und Wissenschaft war für Marx«ine geschichtlich be- wegeichc, eine revolutionäre Krafi. So reine Freude er haben konnte an einer neuen Entdeckung in irgendeiner thcoreti'chen Wissenschaft, deren Praktische Wirkung vielleicht noch gar nicht abzusehen— eine ganz ander« Freude empfand er, wenn cs sich um eine Entdeckung handelt«, die sofort revolutionär eingriff in di« Industrie, in di« geschichtliche Entwicklung überhaupt. So hat er di« Entwicklung der Entdeckungen auf dem Gebiete der Elektrizität, und zuletzt noch die von Max Deprez. genau verfolgt. Denn Marx war vor allem Revolutionär. Mitzuwirken, in dieser oder jener Weise, am Sturz der kapitalistischen Gesellschaft und der durch sie geschaffenen StaatSeinrichtungen, mitzu- wirken an der Befreiung des modernen Proletariats, dem er zuerst das Bewußtsein seiner eigenen Lage und seiner Bedürfnisi«, das Bewußtsein der Bedingungen seiner Emanzipation gegeben hatte— dies war sein wirklicher Lebensberuft.Der Kampf ivar sein Element. Und er hat gekämpft mit einer Leidenschaft, einer Zähig- heit, einem Erfolg wie wenige. Erste Rheinische Zeitung 1842, Pariser Vorwärts 1844, Brüsseler Karl Marx (Zum 50. Todestag). Von Bruno Schönlank Nichts spricht für die Lebenskraft des Marx- schen Gedankengebaudes mehr, als die Tatsache, daß der Antimarxismus das große Schlagwort der bürgerlichen Reaktion geworden ist. Der Marxismus erscheint der Bourgeosie als die große Gefahr, die der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und der bürgerlichen Herrschaft droht. Während aber der bürgerliche Heerbann die Fahne des Antimarxismus hin- und herschwenkt, erzittert der Boden, aus dem die Schlacht tobt» unter dem Erdbeben, das die kapitalistische Welt erfaßt hat und in dem die von Ma» entdeckten Entwicklungsgesetze der kapitalistischen Wirtschaft furchtbare Wirklichkeit geworden find. Die große geschichtliche und wissenschaftliche Leistung von Marr besteht darin, daß er die Gesetze der kapitalistischen Wirtschaft aufgedeckt und gezeigt hat, daß diese Entwicklung aus ihrer innern Notwendigkeit heraus zum Sozialismus führe. Eine solche Entwicklungstendenz ist die stetig wachsende Konzentration des Kapitals, die zur Verewigung aller wirtschaftlichen Macht in den Händen weniger Kapitalbesitzer führe, die im stärksten Widerspruch zur Vergesellschaftung der Arbeit stehe. Dieser Widerspruch muß zur Sprengung des Kapitalismus führen. Marx drückt das so aus: „Hand in Hand mit dieser Zentralisation oder der Expropriation vieler Kapitalisten durch wenige entwickelt sich die kooperativ« Form d«S Arbeitsprozesses anf stets ivachsrnder Stnfenleiter, die bewußte technisch« Anwendung der Wissenschaft, dir planmäßige Ausbeutung der Erde, die Vrr- versucht, diese von Marx entdeckten und darge- legtcn Entwicklungstendenzen zu bestreite« oder zu widerlegen? Sie können es nicht. Sie können nicht leugnen, daß der Großbetrieb den Kleinbetrieb seit hundert Jahren in Grund und Boden schießt— wir haben in der Tschecho- siowakei seit Kriegsende die Vernichtung des Schuhgewerbes durch die Schuhfabriken als klassisches Beispiel dieser Entwicklung miterlebt. Schon vor dem Weltkriege haben wir den Zusammenschluß von Unternehmungen in Produktionskartellen und Verkaufssyndikaten sich vollziehen sehen, was nach dem Weltkriege in gesteigertem Tempo weiter vor sich gegangen ist, so daß es heute in Deutschland tausende, in der Tschechosiowakei Hunderte von Kartellen gibt. In den Bereinigten Staaten von Nordamerika hat das Verbot von Kartellen zu noch festere« Zusammenschlüffen in den Trusts geführt— ein Beweis, daß die Gesetze der kapitalistische» Staaten die Gesetze der kapitalistischen Wirtschaft nicht aufheben können,— riesenhaften Gebilden, welche ganze Produktionszweige des Landes beherrschen und von denen einzelne bis zu einer Äiertelmillion Arbeiter beschäftigen..Die Verbindung von Banken und Industrie haben in aller Welt zu einer neuerlichen Konzentration des Kapitals geführt, jede Bank hat ihren Jn- dustriekonzern, das Finanzkapital beherrscht das Industriekapital und(durch die Hypothekenbanken) die Landwirtschaft. Seit 1918 haben aber die internationalen Zusammen- »e der Industrie aller Länder gewaltige hritte gemacht, es gibt eine ganze Reihe internationaler Kartelle, Syndikate, Exportaufteilungsstellen, Konzerne, Jntereflengemein- schaften, FinanzierungS- und Holoingsgesell, schäften, die immer mehr die Wirtschaft aller Staaten beherrschen. Immer weniger Menschen halten die Hand am Steuer der Weltwirtschaft, immer mehr Menschen verlieren ihr Interesse an dem Weiterbestände des kapitalistischen Systems. Mit unentrinnbarer Notwendigkeit vollziehen sich die Entwicklungsgesetze des Kapitalismus so, wie sie Marx daraestellt und vorausgesehen hat. Di« kapitalistische Entwicklung geht ihren Weg, langsam, aber unablässig, unabwendbar. Mögen die Antimarxisten noch so sehr in die Welt hinausschreien, mit dem Marxismus müsse Schluß gemacht werden, das granitene Gebäude der Marxschen Lehre steht fest und unerschüttert. Und wächst auch nicht„die Masse des Elends, des Drucks, der Knechtschaft, der Entartung, der Ausbeutung" der Arbeiterklasse, so wie es Marr vorausgesagt hat? Es hat Zeiten gegeben, in dessen selbst sozialistische Theoretiker die Richtigkeit dieser sog.„Verelendungstheorie" bestritten haben und nachweisen wollten, daß sich Marx in diesem/Punkte geirrt habe. Gewiß wär der Widerstand des Proletariats gegen die Verelendung nicht erfolglos und geführt von den Gewerkschaften und der Sozialdemokratie haben die arbeitenden Massen ihr Lebensniveau tatsächlich heben können. Aber die Verelendungs t e n o e n z e n, die aus der kapitalistischen Profitwirtschaft immer' wieder hervorgchen, können im Kapitalismus, unter der Herrschas. d.er Bourgeoisie nicht beseitigt Ur*rden. Gerade die Zeit der Rationalisierung und dos größten Wirtschaftskrise des Kapitalismus, die wir«ritcrleben> zeigen uns das mit großer Deutlichkeit. Xuch die durch die Rationalisierung herbeigefuhrte Verdrängung der menschlichen Arbeitskraft hat Marx mit Worten beschrieben, deren Sinn unS erst jetzt, da wir die Entwicklung der Technik in den letzten Jahren überdenken, voll aufgeht. In dem Abschnitt„Maschinerie und Industrie" feines Hauptwerkes zeigt uns Marx, daß unter dem Kapitalismus„die Entwicklung der Produktivkräfte sich gleichzeitig als ein Werkzeug gegen die Arbeiter erweist". Die Maschinerie ist stets auf dem Svrung„den Lohnarbeiter überflüssig zu machend Die allgemeine Tendenz der kapitalistischen Entwicklung wird gerade dadurch bestimmt, daß„eine immer wachsende Masse von Produktionsmitteln dank dem Fort- schritt in der Produktivität der gesellschaftlichen Arbeit mit einer progressiv abnehmenden Ausgabe von Menschenkraft in Bewegung gesetzt werden kann" und daß darum„je höher die Produktivkraftoer Arbeit... desto prekärer also ihre Existenzbedin- gung..." Wo sind denn die Antimarxisten, oie diese von Marx festgestcllte Entwicklung widerlegen wollten? Ist es nicht vielmehr so, daß alle von Marx beobachteten Erscheinungen und die daraus abgeleiteten ökonomischen Gesetze in einer Weise und Stärke aufgetreten sind, die uns selbst überraschen? Hat nicht die Entwicklung der lebten Jahre mit ihren Wunderwerken der Technik, mit ihrer feinsten und zugleich ungeheuerlichsten Maschinerie, mit ihrer Mechanik und Automatik der Produktion alle Phantasien früherer Zeiten übertroffen? Wo sind die Marx-Bernichter, die solche- zu leugnen versuchen? Und hat nicht die Krise der Weltwirtschaft, welche heute schon eine Katastrophe der Menschheit geworden ist, die ganze Problematik des Kapitalismus aufgezeigt, den Wunderbau des kapitalistischen Weltgebäudes ins Wanken gebracht? Haben nicht gerade die letzten Tage das„amerikanische Wirtschaftswunder" als ein Märchen nur für allerkleinste Kinder enthüllt?' Gerade Marx war es, der den Wechsel von Konjunktur und Krise als ein Entwicklungsgesetz der kapitalistischen Wirtschaft erkannt hat und der die ständige Wiederkehr der immer mehr Produktionszweige und immer mehr Länder erfassenden Krise auf die ungleichmäßige Entwicklung der einzelnen Zweige der kapitalistischen Wirtschaft, vor allem der Produktion und Kon- Deutsche Zeitunq 1847, Neue Rheinische Zeitung I bei uns noch erbärmlicher kopiert werden, je 1848 bis 1849, New Jork Tribüne 1852 bis 1861 — dazu Kampfbroschüren die Menge, Arbeit in Vereinen in Paris, Brüssel und London, bis «Mich die große Internationale Arbeiterassozia tion als Krönung des Ganzen entstand— wahr lich, das war wieder ein Resultat, auf das sein Urheber stolz sein konnte, hätte er auch sonst nichts geleistet. Und deswegen war Marx der bestgehaßte und bestverleumdete Mann seiner Zeit, Regie rungen, absolut« wie republikanische, wiesen ihn aus, Bourgeois, konservativ« und extrem-demo kratische, logen ihm um di« Wette Verlästerungen nach. Er schob das alles beiseite wie Spinnweb, achtete dessen nicht, antwortete nur, wenn äußer ster Zwang da war. Und er ist^gestorben, ver- chrt, geliebt, betrauert von Millionen revolu tionärer Mitarbeiter, die von den sibirischen Berg werken an über ganz Europa und Amerika bis Kalifornien hinein wohnen, und ich kann cs kühn ägen: er möchte noch manchen Gegner haben, aber kaum noch einen persönlichen Feind. Sein Nam« wird durch die Jahrhunderte fortleben und so auch sein Werk! Seite 4 Dienstag, 14. Mörz ISN Nr.« fumtwn, zurückgeführt hat. Während eS vor und nach Marx Oekonomen gegeben hat, welche die Ursache der periodischen Krisen mehr oder weniger in Zufälligkeiten oder Besonderheiten der WeltwirtschaftSentwicklung gesehen haben, erfaßt Marx di« entscheidend« Ursache der Krisen im Wesen der kapitalistischen Produktion selbst und lehrt, daß die Entwicklung des Kapitalismus gar nicht anders vor sich gehen könne als in regelmäßig sich wiederholenden Krisen. Das im Gefolge der Konjunktur erreichte Gleichgewicht deS gesellschaftlichen Reproduktionsprozeßes wird liilmer wieder gestört, vor allem dadurch, daß die Produktion ganz andern Gesetzen folgt als die Konsumtion, daß die Erzeugung in ganz anderem Tempo wächst als der Verbrauch.„Für das Geschick der Produktion, für ihr Ausmaß, ihre Verminderung oder Vermehrung" ist„nicht die Konsumtion und deren Wachstum das Entscheidende, sondern die Realisierung deS Profits. Es wird produziert, um einen bestimmten Profit zu erzielen, einen bestimmten BerwertungSgrad des Kapitals zu erhalten. Die Produktion wird damit abhängig Nicht von der Konsumtion, s^onoern von demVerwer- tungSbedursniS des Kapitals und eine Verschlechterung der Berwer- tungSmöglichkeit bedeutet eine Einschränkung der Produktion". (Hilserding: Finanzkapital, S. 299.) Auf die Dauer kann oaS Gleichgewicht zwischen Produktion und Konsum in der kapitalistischen Gesellschaft überhaupt nicht hergestellt werden, da sich die Produktion immer nur nach den Verwertungsbedürfnissen des Kapitals(d. i. den Profit- interessen der Bourgeoisie) richtet und nicht nach den Konsumtionsbedürfnissen der Maßen. Erst eine planmäßig organisierte Wirtschaft kann die Produktion dem Konsum anpassen und dadurch das notwendige Gleichgewicht des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses herstellen. Diese gesellschaftliche Planwirtschaft kann aber erst entstehen, wenn die Gesellschaft über ihre Reichtümer verfügt, nicht aber private Produzenten. DaS AuSeinanderklaffen von Produktion und Konsum kann erst durch den Sozialismus überwunden werden, erst mit dem Ende der kapitalistischen Wirtschaft ist das Ende der Krisen gekommen. Gerade die Weltkrise seit 1929 hat die Richtigkeit der Marx'schen Krisentheorie erwiesen, gerade diese Krise hat die Widersprüche der kapitalistischen Wirtschaft, die Marx aufgedeckt hat, ms Grandiose und Katastrophale gesteigert: d i e Weltkrise deS Kapitalismus hat Marx recht gegeben. Hat schließlich di« Entwicklung der menschlichen Gesellschaft in dem halben Jahrhundert, das seit dem Tode MarxenS verflossen ist, nicht der Marx'schen Klaffentheorie recht gegeben, sind nicht die letzten Jahrzehnte ein Beweis dafür, daß„die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft.. die Geschichte von Klaffenkämpfen" ist? Immer mehr schließen sich die einzelnen Gesellschaftsklassen zusammen, immer heftiger entbrennen die Klaffenkämpfe. Gerade diejenigen, die den Marxismus am schärfsten bekämpfen, organisieren aufs eifrigste die Bourgeoisie zum Kampfe gegen oaS Proletariat: es ist grotesk, daß sogar an den Handlungen der Antimarxisten der Marxismus seine Richtigkeit erweist. In der Epoche der Gegenrevolution, die wir jetzt durchleben. würden wir jeden Halt verlieren, wenn wir die von Marx entdeckten Entwicklungsgesetze der kapitalistischen Gesellschaft nicht an- wenoeten. Diese Erkenntnis lehrt uns auch, daß die gesellschaftlichen Kräfte der Revolution sich auf oie Dauer als stärker erweisen werden, denn die der Reaktion, daß das Proletariat die aufsteigende und die Bourgeoisie die zum Untergang bestimmte Klaffe ist. Die Marx'sche Lehre ist uns in der trüben Nacht europäischer Gegenrevolution die leuchtende Fackel, die unS den Weg zeigt aus den Niederungen einer brutalen kulturfeindlichen Reaktion zu den Höhen einer freien Menschheit. Dem Heisern Geschrei der Antimarxisten holten wir entgegen das^stolze und tapfere Bekenntnis zum Lehrer und Wecker des internationalen Proletariats: zu Karl Marx. E. St. imiHiiiiiniimniiiiiifliiiHiniiiiiiHniiniiiiiniiinuiiiiiiiiiiu- schen Arbeft und Eigentum, durch Arbeit nur schwer gefristeten Daiein und arbeitslos herrschaftlicher Lebensführung,—«in Gegensatz, der ter Hort, zur Entartung der gesellschaftlichen Beziehungen, zu einer„sozialen Verelendung"(wie der Altmeister des Marxismus, Karl Kautsky, den Begriff geprägt hat) führt; ein Gegensatz, der immer mehr zu Fesseln der Produktivkräfte, der Lebenskraft der Gesellschaft wird. und daher gesprengt werden muß. Bis endlich die aufstrebende Klaß« der Arbeft di« veraltete Derteilungsweis« mit den sie auf- vechterhaltenden Gewaltapparaten abbaut und die neu« arbeitsmäßige(und daher ethische) Verteilungslveise mit den entsprechenden neuen gesellschaftlichen Lebensformen und den neuen Staatsapparaten errichtet. * Diese Grunderkenntnis der Marxfchen Lehre ist im sogenannten— und recht unglücklich sogenannten„historischen Materialismus" formuliert; in dem Grundgesetz des Marxismus, den Rtarx selber in einem Vorwort des Kapitals"„das ökonomische Bewegungsgesetz der Gesellschaft" nennt. Dies a l l g em e i n e„ökonomifthe Bewe- gmrgsgesetz" der Gesellschaft wird dann in den Bänden des„.Kapitals" auf di«„moderne" oder kapitalistische Z eite Poch« angewendet. Der„h i st o r i sch e Materialismus" formuliert also die durchgehend« Gesetzmäßigkeit, wi« Klaffengesellschaften sich entwickeln. , Di« im„K a P i t a l" enthaltenen wirtschaftssoziologischen Untersuchungen zeigen auf, in wel. cher Form heute der klaffengesellfthaftliche Gegensatz zwischen Arbeit und Eigentum zutage tritt. * Wenn wir nun die Grunderkenntnis der Marxfchen Lehr« möglichst kurz charakterisieren wollen, so können wir sagen, Marx hat das menschliche Denken überdaS soziale Leben realisiert und revolutioniert. Er hat eS realisiert, weil er ausgezeigt hat, wi« das sozial« Leben nicht durch Ideen, sondern durch di« gesellschaftliche Arbeit und ihr Schicksal gestaltet wird; wie Ihnen und Jdeolo- gi«n dem jeweiligen Arbefts- und damit Geiell- kchastsschick'al sozusagen entquellen"(wenn auch sie dann später oft ihren eigenen Entwicklungsgang nehmen können). Er hat daS menschliche Denken über das soziale Leben revolutioniert, er stellte fest, daß klaffengesellschaftlich« Gegensätze immer und notwendigerweise zu Klassenkämpfen führen. Auch di« Art und Weis« dieser Klaffenkämpfe ist von der allgemeinen Entwicklungsstufe der Gesellschaft abhängig(das ist eben ein« der Grundursachen der deutschen und damft europäischen Katastrophe, daß di« bolichewistisch-kom- munistische Gewalt-Romantik dies nicht verstehen wollte)— ihr Ergebnis ist aber immer das'elbe: Entweder gelingt es der aufstrebenden Klasse, di« gesellschaftlichen, insbesondere aber Eigen- tumsverhältniffe ihrem Sinne gemäß umzugestalten und damit der gesellschaftlichen Entwicklung freie Bahn zu schaffen. Oder aber gelangt das ihr nicht. In diesem«weiten Falle ist di« Antwort der Geschichte daS Chaos. Marxismus und Bolschewismus• Von Johann Polaoar der kleine Kerl nun seltsamertvcise nur noch mehr. Später legte sie ihn— da sie keine Wiege hatte— in eine Konnnodenlade und lief um eine.Heimarbeit. Tag und Nacht saß sie und drehte Papicrblunien und Zigarettenhülsen. Nur am Nachnüttag, wenn die Sonne reif über der Stadt stand, als wollte sic unverrückbar da bleiben, ging das klein« Weib mit dem.Kind auf eine Wiese hinunter. Ta hatten die Nachbarinnen, weitaus feistere Frauen schon, ihre Wäsche zum Bleichen aufgehängt, und sie sahen das kleine Weib mit ihrem Bankert scheel an. Aber das«hinderte.nicht, sich seitab zu setzen, das Kind auf den Knien zu wicgen und ins Blaue zu schchlen. Wenn das kleine Weib ms Blaue sah, dächte sie manchmal an die Größe der Welt. Sonst oachte sie nie daran, denn die Welt war zu groß für sie. Sonst wußte das klein« Weib nur, daß sie in der Oesterreichisch-ungarischen Monarchie lebte, in der Haupt- und Residenzstadt! Wien,«n 5. Bezirk Margareten. Und das kleine Weib wäre nicht wenig verwundert gewesen, hätte sie die Diplomaten von diesem Staat als von einer ,Leiche" reden hören,„deren Berwesungsgestank schon auf beiden Erdhälften zu spüren sei". Bon der Politik wußte das kleine Weib lediglich, daß cs im Parlament mit den Tschechen ost Scherereien geben sollt«. Ihr blieb auch fern, daß ein Professor Wellner in der Stadt lebte, der eine Maschine, mit der man stiegen konnte, gebaut hatte. Gar nichts wußte das klein« Weib vom 6. Weltfriedenskongreß, der im Augenblick in Antwerpen tagte und diese Flugmaschin« als einen weiteren Schritt, Kriege zu vermeiden, begrüßte. Dys kleine Weib wußte auch nichts von den drohenden Gewalten, di« di« Erde immer enger umgürteten: vom Großindnstvialismus, vom Weltkommerzialismns. von der Kolonialexpansion, von Englands Seeherrschast und Glcichgewichtspolittk auf dem Kontinent, vom Nationalismus, vom Panslawismus. Sie tvußte nichts vom Frankfurter Frieden, seit dem Fraick- reich nach Revanche verlangte, nichts vom Berliner Kongreß, auf dem Deutschland sich Rußland zu entfremden begonnen hatte(1878), nichts von der Aufhebung des Rückversicherungsver- trages der beiden Staaten(1890), nichts vom Anschluß Rußlands an Frankreich(1891—93), nichts von den künstlichen Diamanten und Tefla- strömen dieses Jahre« und kaum etwas von Amerika, Bom Petroleum wußte das kleine Weib nur, daß es jetzt, der halbe Liter für sechs Kreuzer, ruhig in der Larupe brannte, während es daheim fei der Mutter noch»uunhmol explodiert war. Aber das kleine Weib wußte nichts vom Benzingehalt und der Destillation des Oels, wie sie schließlich auch von Frederick W. Taylor, der zur Zeit fei Cramp& Sons, Ship and Engine Building Co.(Philadelphia) sein« Metall- schneideversuche fortführte, bis an ihr Lebensende nichts erfahren sollte. Die.HaPag gab, den Briten ins Gesicht hinein ihre Parole bekannt: Mein Feld ist die Welt! Dem hätte das kleine Weib nie folgen können. Weit» sie, die rcnchen blonden Haare in der Stirn, ins Blau« sah, war das wie Musik, wie das Sausen in einer Muschel oder in den Telegraphenstange», oder es rvar wie Schläfrigwerden. Als der kleine Kerl ein Jahr alt war, zeigte sich di« Rachitis. Das kleine Weib versuchte es mit Schleimsuppe aus Kalbsknochen, dann schrieb jedoch die Großmutter, sie solle mit dem Kind aufs Land hrnauskommen. Es würde schon gehen. Und cs ging. Der Schinied. bei dem die Großmutter eine Stube hatte, warf den Zuwachs nicht hinaus. Das kleine Weib nahm wieder eine.Haue und ging in die schrägen Weinberge mit und der kleine Kerl rutschte im Hof zwischen den Hühnern umher. Japan führte gegen China seinen ersten imperialistischen Krieg, in Amerika begann man elektrisch zu pflügen, elektrisch zu rechnen und elektrisch zu heizen. Auf dem Hof um den kleinen Kerl aber roch es nach Sommer und Honig. Ueber die Zeit dann kam auch einmal ein Soldat das Dorf herunter. In der braunen Artillerieuniform, mit Schnüren von der Achsel zur Hüfte, mit fünf baumelnden roten Puffen vor der Brust, mit einem Pferdchaarbusch am Tschako und mit dem gewaltigen Faschinenmesser an der Seite. Und der Soldat stemmte den kleinen Kerl, der ungeheuerliche 0-Beinc hatte, triu-mphierend in die Luft. Dieser Soldat wußte auch einiges von der Welt. In der Tat knisterte es in der Welt, di« so sonntäglich aussah, fortwähreiid wie in einer überladenen Atmosphäre. Einmal hieß der absonderliche Anlaß Hüll, einmal Venezuela, einmal Casablanca. Die Spanier unternahmen eine Expedition nach Kuba, die Amerikaner ein«»ach den Philippinen, die Italiener schlugen sich mit dem Afrikaner Menelik herum und der englische General James niarschierte gegen die Buvrn. Die Franzosen jedoch schossen vor Antananarivo auf di« unbot- mäßigon Howas zum erstenmal mit der neuen Schnellfeucrkanone, mit dem Rtaschinengewehr (1895). Die Welt war aber auch voll Besinnung. Der erste Film flimmerte über die Leintvand und es waren Strahlen entdeckt worden, mit denen man das Inner« des lebenden Menschen photographieren konnte. Und in Amerika hatte der Abgeordnete Sherman im Senat eine Vorlage eingebracht, die von der Regierung Schritte zur Errichtung eines internottonal«« Schiedsgerichtes verlangte. Damit es auf Erden nie mehr zu Kriegen käme. Das gleich« fordert« der Begier Descamps, während der französffche Sozialist Dsjeant« die Kammer zwecks Anregung einer Abrüstungskonferenz interpellierte. Damit waren allerdings nur drei schöne Gebärden gegen Gebirge dagegenstehender Tatsachen getan. Tenn abgesehen davon, daß die Franzosen an ihren Straßburg-Denkmälern nur mit geschlossener Faust vorübergingen, wollten in China die Engländer und Russen nicht im guten voneinander Weichen, in Westafrika die Engländer und Franzosen nicht, auf dem Balkan di« Russen, die Oesterrcichcr und die Türken nicht und vor der Läuseinsel Kreta weder die Griechen und Türßen noch alle gepanzert demonstrierenden Großmächte Europas. Lediglich die Deutschen lavierten vorsichtig zwischen den Vulkanen, weil sie ihrer beiden offenen Grenzen wogen schwer bekümnnrt waren. (Fortsetzung folgt.) Se»tk K Tienfföfl. 14. März 1933 Nr. 32 Dollfuß erlaßt zwölf Notverordnungen ich gab trat cr ich allerdings erst später herausfand, als ich Marxsche„Kapital^ besser begriffen hatte. Seitdem ich aus eigener Erfahrung weiß, man leichter dazu kommt, Niarx zu kritisie- als ihn zu verstehn, hat mir kein Marx- bci näherem des Mannes Marx, und diesem nicht Vertreter Dr. Stroffner für Mittwoch cinberufene Sitzung des Nationalrates nicht stattfinden darf. Tie Regierung erwartet, daß die Einberufung rückgängig gewacht werde« wird. Demgegenüber stehen di« Äozialdemokratcn und die Großdeutschen auf dem Standpunkte, daß die Mittwoch- sitzung regulär einberufen worden ist. Beide Parteien bestehen darauf, daß die Sitzung abgchalten und daß ein neues Nationalratspräsidium gewählt wird. Eine Einigung zwischen der Regierung und der Opposition ist bisher nicht erfolgt. Es ist noch völlig unklar, was geschieht oder was geschehen soll. : Deutschland. Er übte harte Kritik an man- jhrer Führer, Ivar dagegen voll des Lobes die Haltung der deutschen Arbeiter. Und minder hoch PrieS er August Bebel. Aber Neue Notverordnungen. Wien, 13. Mär;. Ti« Regierung beabsichtigt, lveitere Notverordnungen zu erlassen, und zwar eine Novelle der Ausgleichs- und Exekutionsordnung, eine Novell« zum Gesetze über die Haftung der Banken, ein neues Wuchergesetz, eine Novelle zum Preßgcsctz und eine Verordnung über die Regelung der Gehälter in Goldschillin- gcn. Tie größte Bedeutung wird hier der Pressc- novelle beigemessen. Tiefe Novelle wird die Bestimmung enthalten, daß di« Redaktionen nicht verpflichtet sein werden, eingesandte Berichtigungen zum Abdruck zu bringen, wenn sic imstande sind, den Wahrheitsbeweis anzutreten. Der Novelle zufolge müssen Plakat« politischen Inhaltes geradeso zur Zensur vorgelegt werde«, wie Zeitschriften. Auch die Bestimmungen über die 'scitungskolportage werden neu geregelt und die zur Kolportage berechtigte Zahl von Personen > Wenige Monat« vor mir hatte Hyndman Marx' Bekanntschaft gemacht. Er schreibt von ihm in seinen Erinnerungen(The record of an adventurous life,. 1011, S. 269): ■„Mein erster Eindruck von Marx war der eines kraftvollen, bärtigen, unbändigen tnntmned) alten Mannes, der stets bereit, nm nicht zu sagen, begierig ist,«inen Kampf aufzunehinen und stets auf einen Angriff gefaßt." Wenn Hynoman so kriegerisch« Empfindun- ungeklärt. Die Rcgi«rung"st«ht weiterhin auf dem ^en bei Marx wachrief, so wirkte mein« Schüch-, Standpunkt, daß di« vom zweiten Prasidcnwlkftrll ihn nie werden, wenn«r"mit Feigheit, Falschheit oder anmaßender Unwissenheit zu tun bekam. So versicherten mich sein« Freunde. Doch kgnntc er wieder über menschliche Schwächen, wenn harmlos, und über komische Zwischenfall« so herzlich und unermüdlich lachen wie kein anderer. Auch das konnte ich leider nicht selbst an ihm beobachten, das verhindert« fein und namentlich seiner Frau körperlicher Zustand. Aber seine Töchter würden nicht müde, von seiner Lachlust zu erzählen sowie von stiner unendlich«!! Güte, nicht bloß gegenüber Familienmitgliedern, sondern gegenüber allen Hilflosen, schutzbedürftigen, kleinen Kindern. Proletariern, bedrängten Genossen. .../' Di^st Gül« war der Urgrund seines.Wesens, war die tiefste Ursache des Ungetüins.mü Sem' er sich in deii Klassenkampf des Proletariats stürzte, in dessen Dienst er den gailzsn ungeheuren Reichtum seines Wissens stellte, in dessen Dienst er sich aufrieb, so daß er uns vorzeitig entrissen wurde. Er war«ine Kraftnatur, nicht nur moralisch, sondern auch physisch. Aber selbst seine ehern« Natur erlag den Wirkungen der langen Emigrationszeit nach dem Zusammenbruch der Revolution von 1848, als nicht nur Hunger und Wühnungselend seine Gesundheit untergruben, sondern gleichzeitick auch ständige Uebcrlastung, namentlich mit Nachtarbeit, in gleichem Sinne wirktest. So brannte die Kerze an beide» Enden und kam zu vorzeitigem Erlöschen. Marx ist nicht auf den Barrikaden gefallen/ aber doch für das Proletariat gestorben. Das haben freilich viele Tausende neben ihm auch getan. Aber keiner tvar in der Lage, in der Zeit seines Lebens dem Proletariat so viel zu geben/ desien Kräfte so zu vermehren, dessen Kamps zu einem so siegreichen zu gestalten wie Karl Marx. um 9 Uhr abends zu kontinen. Die Tage gehörten seiner Arbeit, da wollte er nicht gestört sein. Nur Engels>var ihm zu jeder Tageszeit willkommen. Um 6 Uhr abends gab es das Mittag- esseii. dann legte sich Marr in seinem Arbeitszimmer auf das dort befindliche Sofa und ruht« etwa zwei Stunden.., Bon 9 Uhr an empfing er dann sein« Freunde oder sonstige Besuche. In früherer Zeit hatte Marr noch bis tief in die Nacht hinein gearbeitet. Die gleiche Stundeneinteilung hatte Engels. Bei meinem ersten Besuch batte Marx das politische Gebiet vermieden, beim uächsteninal sprach er vornehmlich über die Politik der Partei in chen' über .....* auch üb«r Bernstein äußerte er sich sehr befriedigt, den cr früher wegen seiner Verbindung mit Höchberg mit großem Mißtrauen betrachtet hatte. Seit Jänner 1881 r«digicrtc Bernstein den Züricher„Sozialdemokrat", und die wenigen Wochen feiner Redaktion hatten genügt, Marx zur Ueberzcugung zu bringen, er fei der richtige Mann für den Posten, ein furchtloser Kämpfer, aber stets seiner Verantwortung bewußt, so daß er. jede unnütze Provokation vermied. Er ließ stets die Tatsachen sprechen und vcrnried jede Phrase. Das lobte Marx an ihm. Noch öfter besuchte ich Marx. Auch feine Frau lernte ich kennen, sie empfing mich auf das licbenswürdigstc mit heiterer Miene, die ihre schwere Krankheit Lügen zu strafen schien. Entweder wußte sie nichts von ihrer gefährlichen Lage oder sie war standhaft genug, sich nichts inerken zu lgsscn., Bei meinen späteren Besuchen verhielt sich Marx nicht immer so friedfertig wie bei d«m ersten. Ich lernte auch Proben seiner ätzenden Kritik sowie Anwandlungen leidenschaftlicher Entrüstung kennen. Sie galten nicht nur, ihm keinen Anlaß dazu. Mir gegenüber nur als Lehrer auf. Als eigentlichen Donnergott habe ich kennen gelernt. Er konnte furchtbar . Gewiß, auch mir fiel sofort die Mwaltigc Kraft und Hoheit des ManneS auf. Keine ander« Persönlichkeit hat j« schon bcini ersten Anblick einen so tiefen Eindruck aus mich gemacht wie Karl Marx. Wenn man zuerst einer berühmten Persönlichkeit ansichtig wird, ist man gewöhnlich enttäuscht. Erst Verkehr merkt man die Bedeutung oder der Frau. Ganz anders bei ähnlich auch bei Engels. Doch bei in so hohem Grade. Die hohe Stirn die forschenden Augen lvaren «hrfuchtgcbietend, aber durchaus nicht cinschüch- ternd. Weder finster noch steif empfing mich Marx, sondern mit einem freundlichen Lächeln, das mich fast väterlich anmutet«. Di« Beklommenheit, die ich gefühlt, schwand sofort. Ich hatte gefürchtet,«s werde mir geh«« wie den: jungen-Hein« bei seiner Zusammeirknnft mit einem andern sFlympier, mit Goethe. Dieser scheint ihn so unnahbar begrüßt zu haben, daß Hein«/ wi« cr selbst berichtete, nichts Besseres einfiel, als die süßen Pflaumen zu loben, die auf dem Wege von Jena«nach Weimar zu finden seien. Da ging cs mir besser. Wir fanden gleich ein Gesprächsthema— meine Mutter. Sie hatte in den letzten Zähren vor dem Sozialistengesetz für das Unterhaltungsblatt unserer Partei di« ersten lesbaren sozialistischen Romane geschrieben, die dort erschienen, und war dadurch sehr populär geworden. Auch in der Familie Marx hatte si« dadurch großes Ansehen gewonnen, weit mehr als ich. So wundert« cs mich nicht, daß Marx gleich von meiner Mutter sprach. Ein weiteres Gesprächsthema ergab sich, als Marx mich fragte, aus welchen Gebieten ich jetzt tätig fei. Ter Zufall wollte«s. daß Höchberg mein Interesse im Jahr vorher auf Urgeschichte gelenkt halte, Sie fesselte mich ungemein, mit Feuereifer ivarf ich mich auf dieses Gebiet. Und nun stellt« sich's heraus, daß gleichzeifig auch Marx sich urgeschichtlichen Problemen zugcwen- det hätte, ihm folgend auch Engels. Erst nach langen Auseinandersetzungen kennen wir auch auf das Gebiet der kapitalistischen Oeko- nomie. Ta sagte ich Marx, daß wir Jüngeren nichts heißer ersehnten als di« baldige Vollendung des zweiten Bandes des„Kapital", „Ich auch", bemerkte Marx kurz'und wie mir schien, nicht ohne Bitterkeit. Als ich dann später fragte, ob nicht di« Zeit gekommen sei, an eine Ausgabe von Marx' sämtlichen Werken zu gehen, meinte er, sie müßten erst alle geschrieben sein. Weder er noch ich ayn- stn>,jbaß sie tolsächtnl, perefts geWrjrbeü* seien, oaß.^ tHni sticht vcrgonnt.'stt, fein'„Kapital" zu' vollenden. Rasch war mehr als«in« Stund« in angeregter Unterhaltung vergangen. Als sch mich empfahl, lud mich Marx ein, bald wiederzukommen. Di« kommunistische Presse hat ein Bruchstück eines Brieses veröffentlichte in dem Marx seiner ältesteir Tochter über meinen Besuch bei ihm berichtet. Danach hätt« Marx mich übelwollend empfangen. Ich kenn« weder den Urtext nock) den Gesamtinhalt des Briefes, weiß daher nicht, ob die veröffentlicht«. Stells ein richtiges Bild dc§ Marxschcn Verhaltens mir gegenüber gibt. Aber wie Marx auch über mich damals gedacht haben mag, auf jeden Fall ließ«r nicht das mindest« Uebelwollen merken. Ich verließ Marx sehr befriedigt. Und dies Gefühl verstärkte sich noch bei den nächsten Besuchen. Das erstemal hatte ich das Marr sch«-Haus um 4 Uhr nachmittags betreten. Er hatte mich aufgefordert, das nächstemal erst Eindrücke von Karl Marx wiederzugeben. kann man sehr, wohl verlangen, bin ich doch unter lebenden Sozialisten der einzige, der als Erwachsener— nicht als Kind, wie Jean Longuet — Marx gesehen hat. Doch habe ich cs bisher stets abgelehnt, über ineine Erinnerungen an Marx zu schreiben, lveil meine Bekanmschaft mit ihm nur flüchtig war, ich wenig über seine Persönlichkeit zu sagen habe. Um in das Wesen eines Menschen cinzudrin- gc>l, muß man ihn bei der Arbeit beobachten— am besten mit ihm Zusammenarbeiten— und beim Ausruhn von der Arbeit, im Kreise seiner Familie, seiner Freunde. Und zlvar nicht gelegentlich, sondern Jahre hindurch in den verschiedensten Situationen. Derartiges war Wilhelm Liebknecht und Paul Lafargue Marx gegenüber vergönnt. Wer Marx' Persönlichkeit kcnuen lernen will, dem rate ich, Liebknechts Ährift über „Karl Rlarx" und Lafargues Artikel über Marx in der.„Neuen Zeit"(IX, 1, S. 10 ff., S. 37 ff.) zu leien. Meine Begegnung mit Marx vollzog sich unter sehr ungünstigen Uniständen. Als ich 1881 nach London kam, ivar Marx' Frau schon seit mehr als einem Jahre schwer erkrankt, an einem Leiden(Krebs), das als unheilbar erkannt war. Sie erlag. ihm am 2. Dezember 1881. In den Monaten, die ich in*Londo» damals zubrachte— Ende März bis End« Juni—, war aber auch Marx selbst ertrankt. Am 30. Juni schrieb er an feinen Freund Sorge, daß„ein länger als sechs Monat« fortdauernder Husten, Verkältung, Halsleiden und Rheumatismus mir das Ausgehen nur selten erlauben und mich von Gesellschaft fernhalten". Tas ergab kein« heitere Stimmung im Hause Marx. Aufder andern Seite aber hatte ich selbst kurze Zeit vorher bei Marx und Engels manchen Anstoß erregt. Als meinen Führer zum Sozia- lismus hatte ich mir in Oesterreich Andreas Scheu ersehen, der allerdings seit 1874 in England lebte, mit dem ich aber eine rege Korrespondenz unterhielt. Von Oesterreich aus hatte man ihn bei Marx des Bakunismus verdächtigt, was sicher falsch war. Aber ein« antiautoritäre" Ader hatte er und er sah nicht gern die hohe autoritative Stellung, die Marx schon damals einnahm. Scheu ermunterte mich, der ich noch ein Suchender und Tastender war, als ich vermeint«, Albert Lang« und Schäffl« stünden ebenso hoch wie Marx. Namentlich Schäffl« stellte ich sehr hoch, in«reinem,, Erstlingswerk über den „Einfiu^'dev Äottsvsrruehrmrg auf' do««FortschritL der Gesellschaft^ ssertWcstcllt Frühjahr 1878? wegen des Sozialisteng«i«tzcs erst End« 1879 in Wien gedruckt). Es sanden sich dort kritische Bemerkungen gegen Marx, die natürlich kein Verbrechen waren, aber«in Fehler, weil unbegründet wie das Wien, 13. März. Nach mehrstündigen Beratungen mit den Mehrheitsparteien trat gestern abends ein Ministerrat zusammen, der zwölf neue Notverordnungen auf Grund des Kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes beschlosien hat, und zwar:. 1. Eine Gewerbenovelle. Durch diese Novelle werden di« Erwerbs- und wirtschaftlichen Genossenschaften der Gewerbeordnung unterstellt, ausgenommen die Kredit- und landwirtschaftlichen Genossenschaften. Es werden durch diese Novell« auch di« Bestimmungen über Bekämpfung des Pfuscherweseus, über das Agententvesen usw. verschärft. 2. Tie Sperrverordnung, durch die bei Gewerbezweigen, di« unter besonderer Ueberfüllung leiden. Ncugründungen verhindert I»erden können. 3. B e rb o t de r Einheitspreisgeschäfte. 4. Straßenfonds- verordnung. 5. Verlängerung des Jnvesti- tionsbegünstigungsgcsttzcs. 6. Verlängerung des Fusionsbegüustigungsgesebes. 7. Verlängerung des Dbligatiousbegünstigungsgcsttzes. 8. Verlängerung der Abgabenbegünstigungen des GeldinstitutionS- zcntralgcsttzcs. 9. Verlängerung der Gebührenbegünstigungen für Auslandseinlagen. 10. Per- sonalstcuernovcllc 1933. 11. Herabsetzung des Mindcststeucrfußcs bei der allgemeinen Ertverb- steucr. 12. Gcbührenerleichterungskonveutioneu. ! Nocli keine Entscheidung. Wien, 13. Mär.;. Trotz der Bermittlung»- ■ akiiou dcS Londbuildcs ist die allgemeine politische I und parlamentarische Lage nach wie vor völlig Einige Stunden bei Karl Marx Von Karl Kautsky. Ich werd« aufgeiordert, mein« persönlichen I t«rrch«it ganz anders, rücke von Karl Marx wiederzugeben. Das fort die gewaltige Kr< Provisorisches Abrüstungs- ahkommen. Gens, 13. März. Aus den politischen Privatgesprächen der Staatsmänner in Genf geht hervor, daß die Situation in Europa für sehr ernst gehalten wird. Deshalb wird nicht nur über Ab- rüstullgsfraaeu verlrandelt, sondern es tverden auch di« w i ch t i g st e n politischen Probleme in Erwägung gezogen. Der englische Premierminister Maedo- nald lud heut« wiederum Außenminister Dr. Bencö zu sich, der hierauf mit dem Vorsitzenden der Abrüstungskonferenz Henderson und dem französischen Delegierten Massigli konferierte. Ter französische Außenminister Paul-Boncour empfing den ungarischen Außenminister Kanya und den italienischen Delegierten Aloisi. Schließlich hatte Maedonald eine lang« Unterredung mit dem Botschafter der Vereinigten Staaten Gibson und mit Wilson. Den Hauptgcgcnstand dieser Konversationen bildet freilich das Schicksal der Abrüstungskonferenz. Der italienische Vorschlag, die Konferenz um sechs Wochen zu verschieben, während lvclcher Zeit ein Versuch um Lösung der politischen Hauptprobleme unternommen lvürde, wird als wenig versprechender taktischer Zug abgelehnt. Die Mehrzahl der Delegationen gedenkt die Beratungen bis»zu einem schließlichen Ergebnis fortzusetzen, das sich viele heute als ein provisorisches Uebercinkommen über das AbrüstungSabkommen vorstellen. Es scheint, daß Maedonald ebenfalls darauf abziclt, daß«in provisorisches Abrüstungsäbkommcn;u- standekomme, trotzdem es notwendig, wäre, ungeheuer« Schwierigkeiten zu überwindeni Ties« Hindernisst tverden heute allgemein in den deutschen Ereigirissen sowie in dem italienischen Zusammengehen mit den Deutschen erblickt. Italien und Denlsdhtand weisen die Aßrusian«shonierenz verlassen? Paris, 13. März. Ter Genfer Korrespondent des„P e t i t P a r i s i e n" berichtet, daß der italienische Telcgierte B deutschen Geistes, der deutschen... Seite 8 Dienstag, 14. März 1938 Nr. 62 bedeutet für die tschechische Arbeiterschaft auch im I ta-riotS der Tschechoslowakei und seiner Besvemug Verhältnis zu Marx eine Wendung. Die Bev-1 gegeben. Marx und das tschechische Proletariat. Don I. Stolz. - eia Trümmerhaufen haben die Hakenkreuz!«» alles gestohlen, was nicht niet« und nagelfest war. Im Vorhause des besetz« t«n Parteigebäudes wurde ein großes Hakenkreuz angebracht. Di« SA-Leut« erzählen, daß das sozialdemokratisch« Parteihaus als die Zentrale der Nürnberger Hakenkreuzler ausersehen ist. Für die Bevölkerung geradezu unerträglich ist di« Wichtigtuerei, mit der die SA vor dem Hans« di« Vorübergehenden nach Waffen unter- sncht. Jeder, der vorbeigeht, muß damit rechn««, daß er von den braunen Landsknecht«« ohne viel Umstand« durchsucht wird. Durch die vesetznng de» Parteihauses wur, de» gegen 300 Arbeiter und Angestellte, di« in der Druckerei und in den sonstigen Kanzleien beschäftigt waren, arbeitslos. Ueber di« Zukunft des Parteihauses, der Druckerei und der Zeitung ist bis jetzt noch nicht entschieden. Auch das„V o l k s b l a t t für Erlangen" .*'‘'"‘7_'„ 7 J und die dazu gehörigen Büro- von den Haken- kreuzlern demoliert. Auch hier haben die Hakenkreuzler wie di« Wilde« gehaust. Auch di« Volksbuchhandlung in Erlangen wurde ein Opfer des Dritte« Reiches: groß« Bücherbestände wur, de« aus di« Straße geworfen und zum Teil verbrannt, zum andern Teil gestohlen. Der sozialdemokratisch« Redakteur P ö s ch k e wurde verhaftet und schwer mißhandelt. Anchrrltk regen das Treiben der SA. Berlin, 13. März. Der Reichsminister des Innern Dr. Frick hat an die Innenministerien der Länder und die Rcichskommissäre in München, Stuttgart, Dresden, Karlsruhe, Darmstadt, Bremen, Lübeck und Schaumburg-Lippe folgenden Runderlaß gerichtet: „In zahlreichen Städten des Reiches finden immer wieder Schließungen und Bedrohungen von Einzelhandelsgeschäften statt. Davon werden nicht nur die Inhaber der Geschäfte, sondern auch die Arbeiter und Angestellten der Geschäfte sowie das kaufende Publikum und der allgemeine Wirtschaftsverkehr schwer betroffen. Auf die Staatsautorität und die für den Wiederaufstieg Deutschlands unerttbehrliche Vertrauensbelebung bleiben solche willkürliche Handlungen nicht ohne Schaden. Im Interesse der öffentlichen Sicherheit und Ordnung bitte ich, diesen Uebcrgriffen nachdrücklich entgcgenzutreten und die dazu erforderlichen Anordnungen zu treffen." «er Verfasser der Doxheimer Dokumente— Staatskommissar für das Polizeiwesen. Darmstadt» 13. März. Auf Grund einer B.rordnung des hessischen Gesamtministcriums vom heutigen Tage ist Regierungsrat Dr. Werner Best, bisher Sonderkommissar für Polizeiwesen zum Staatskommissar für das Polizeiwesen in Hessen eingesetzt worden, dem die einheitliche Bearbeitung einer das Polizeitvesen sowie aller den Bolksschutz. die Iugcndcrtüchti- gung und die Sicherheit des Landes betreffenden Angelegenheiten übertragen worden ist. Der Staatskommissar ist unmittelbar dem Jnncn- mi nister unterstellt. An den: Verhältnis zu Marx kann der Stand i des theoretischen Verständnisses der Arbeiter-< bkwegung des jeweiligen Laiches'beurteilt, ja es kann sogar danach auf die Arbeiterbewegung sechst geschlossen werden. Dieses Verhältnis gestaltet sich nicht auto-' matisch wie ja der Kapitalismus unter bestimm-; ten Verhältnissen(z. B. lange Ast bestehende Möglichkeit des LandeÄverkes, des Einzvlauf- stieges usw. wie in Ainerikai, ein Proletariat, schafft, dem jedoch noch die Fähigkeit sich als .Klasse zu konstituieren abgeht. Vormarxistisch« Traditionen können(z. B. in Frankreich mit viel Kleingetverbc) noch so stark nachwirken, daß erst, langsam die Bahn zu Marx frei wird. Es scheint, auch gesetzrsmäßrg, daß das Verhältnis zu Marx ungeklärt bleibt bei dem Proletariat eines Volkes, dessen gesellschaftliche Entwicklung noch nicht bis Mr völligen Entfaltung gediehen ist, d. h. dessen Bour^vorsi« noch nicht zur Diacht gelangt, also wo die Klassetigegrnsätze noch nicht ausgeprägt sind, da die Bourgeoisie in manchen Stücken mit dem Proletariat gemeinsame Sache macht. llne»rtwickelle gesellschaftliche Verhältnisse, die langwährende Absperrung von Westeuropa, schwere Persekutionrn haben die Entstehung von i Voraussetzungen, unter welchen Marx auf das tschechische Proletariat hätte wirken können, auf länge hinaus verhindert. Dreimal mußt« die tschechische Arbeiterbewegung von Grund ans neu ausgebaut werden. Ihre Anfänge in den vierziger und des achtundvierziger Jahres wurden in der Reaktionszeit mit Stumpf und Stiel vernichtet. Männer, die zur Verbreitung des sozialistischen Gedanken? hätten boitragen können, büßten wie Sabina im Gefängnis ober mußten wie Kläcel ins Ausland flüchten. Revolutionärer oder fosialistischer Literatur ist Oesterreich verjchlossen. Und als revolutionär gilt noch 1848 und später an der Prager Universität Hegels Philosophie. Wie hätte da Verständnis aufkommrn können für die an ihr von Marx geübtes Kritik, trenn Preußens Stoatsphilosvph verpönt und verfolgt war? Die Achtundvierziger, die in der deutschen oder französischrn Belvcgung der späteren Jahre eine so große Rolle spielen, kommen da nicht zur Geltung, bis auf Sabina, den Freund Bakunins, der sich der neu aufkommenden Bewegung der sechziger und siebziger Jahre nützlich zu erweisen sucht. Tas tschechische Volk war auch vorerst allzu- schr eine Nation von Bauern und Kleinbürgern, als daß sich ein: sozialistische Intelligenz hätte biHen können. die in dieser Frühzeit Verstältdnis für den wisseirchaftlichcu Sozialismus aufgebracht hätte. Bemerkenswert ist überhaupt, daß der tschechische Sozialismus in den Anfängen fast ausschließlich von Arbeitern getragen wird. Die Er- sMnnng eines' Dr. Ehleboräd des tschechischen Schulze-Delitzsch ist vereinzelt und ohne nachhaltig: Wirkung. Gehetzt« Proletarier" wie Pecka vermitteln ans den bescheidenen Quellen, die ihne« ziiaänrlich sind, ihren Avbeitsgcnossrn, denen sie erst Elemcntorkrnntnisie beibringen müflen,/die Lehre des Sozialismus. Jahrzehnte lang ist das sozialistische Lied die Hmiptquelle der Erkenntnis, der Aufmunterung und das wichtigste Propaganda mittel, es ist kein Zufall, daß es unter den t'chcchischen Arbeiterführern von- Peeka, Krapka bis auk Stivin-Foltzfn so viele Liedersänger gibt. TaS Klasftnbewrißtsein unklar, oft getrübt, gehemmt durch die nationale Unterdrückung, drängt' beim tschechischen Arbeiter zwar hervor, erhält jedoch nicht jene Förderung, die dem deutschen Arbeiter sott Weitling natürlich ist. Karrm hat sich unsere Betvegung in den siebziger Jähren zu regen begonnen, so sucht sie Es Marx' Gedan- keuarbeit Nutzen zu ziehen. Die erste Broschüre über das Geiverkschaftswesen in tschechischer Sprache(1876) besteht ans Kapiteln des Marx- schen„Elei»d der Philosophie", aber sie verfällt sofort der Beschlagnahme und gelangt nie in die .Hande des tschechischen Arbeiters. Sozialistische Schriften grundsätzlicher Art bleiben im Manuskript und so bat nur ein enger Kreis Einblick in sie. Mittelbar über,Lassalles Einfluß und unmittelbar über die Eisenacher Sozialdemokratie erfährt die tschechisch« Bewegung Förderung durch Marx, nameittlich in den praktischen Prinzipien wie Klasienkampf. Kampf um di« politische Macht, das Verhältnis zur Kommune. Di« heftige Per- sekusion treibt auch die tfcheck-ische Arbeilerschaft, besonders im industriellen Nordböhmen, wie ja den Großteil der österreichischen Arbeiter, dem Anarchismus zu. Most beherrscht lange das Gemüt, den Geist und die Organnation des tfthe- chischrn Arbeiters. F. ModrüLek z. B. unterlag noch in seinen Anfängen diesem Einfluß. Und abermals, von neuem, zum drittenmal, wird die tschechische Arbeiterbewegung in den neunziger Jahren begründet. Ausgebaut auf den von Marr gewonnenen und in der Praxis der Sozialdemokratie bewährten Grundsätzen nimm' sie eine ungestüme Entwicklung. Tie tschechische Nation vollendet überhaupt ihre ganze Entwicklung von der Neuerweckung der Sprache an bis zum Aufstieg des Proletariats innerhalb eines Jahrhunderts. Ti eie junge Arbeiterbewegung, deren führende Kräfte von der organisatorischen und politischen Arbeit darauf in Anspruch genommen werden, daß weder Zeit noch Möglichkeit zur theoretischen Arbeit bleibt, beginnt sich in einem Zeitpunkt zu entwickeln, als in der deu-tschen Sozialdemokratie der Kamps um den Revisionismus entbrennt, der auf ihre Ideeirgestvltung nicht ohne Einfluß bleiben kann. Da gilt das Wort Otto Bauers, daß die tschechische Arbeiterbewegung ohne Uedergaug: vom Naturvecht zum Revisionismus gelangt ist. Bei allem dürfen die in der„Muttersprache" des Marxismus lesenden hältuisse werden eindeutiger und damit nimmt das Verständnis für seine Auffassung zu. Die originelle Arbeit Skalüks, auf die zur Zeit ihres Erscheinens Emil Strauß aufmerksam gemacht hat, ist bezeichnend. Auch strömt« der tschechischen Sozialdeinokrati« die studierende Jugend zu. di« die Voraussetzung zur theoretischen Arbeit mit sich bringt. Aber schon beginnt der„Marxismus" ein politischer Schlager der Linken zu werden, di« sich maoistisch nennt. Ueberstürzende Geschehnisse, di« Teilnahme an den Dertvaltungsgefchäf- trn. sei es in Staat, Gemeinde oder ciqeusn Untcr- nehnmngen, lasten ein« tiefe theoretische Untersuchung nicht zu. Mit der Spaltung wird dies« Entwieklnngsveche beschlossen. Alles was sich marxistisch lvähnte, ging mit den Linken. Mit dem Wiedereintritt von Modrüöeks Gruppe in die sozialdemokratische Partei kommt«ine Anzahl ausgesprochen antimarxistisch gesinnter und dabei theoretisch interessierter Genossen zurück. In dem zur kommunistischen Partei gewordenen Teil der tschechischen Arbeiterbewegung wird der Marxismus zu dem was er in den übrigen kommunistischen Parteien ist: zur Phrase. Innerhalb unserer Partei ninunt die Ent- wicklung zunl wissenschaftlichen Sozialismus dank der von den um die wissenschaftliche Zeitschrift „VSlnIokä osvöta" gruppierten Mitarbeiter geleisteten theoretischen Arbeit ihren Lauf, di« parteimäßig bei der Diskussion und bei der Schlußredaktion des neuen ParteiProgrammes, das in den HauPtlimien als marxistisch anzusehen ist, im Jahr« 1930 zu Tage tritt. Ein« neue Geno- ration ist herangewachsen, die ungehindert von den Peripetien der verstossenen Entwicklung an die Dinge herantritt und ihre theoretische Erkenntnis mit der gewonnenen politischen Erfahrung zu verschmelzen bemüht ist. Die tschechische Arbeiterschaft hat in ihrer Partei— der Soziol-- demokratiie— das positive Verhältnis zu Marx wiedrrgewonnen und damit die Bedingungen ge- schasfen zu dar ideologischen Annäherung und der praktischen Zusammenarbeit mit dem deutschen Proletariat dieses Landes. Damit ist im Zeichen des Namens von Karl Marx dir Boraussetznng des siegreichen Vordringens des geeinten Prole- Ganoffen nicht«ine Schlvierigkeit verkennen. Zu dieser Zeit besteht lount«in« originell« tschechische sozialistlsche Literatur, selbst Uebersetzungen silld überaus mühselig sowohl zu besorgen, als auch zu lesen. A. Römer steht z. B. bei der Ueber- setzuug von Kautskhs Oekonomische Lehren vor der Aiisgobe, die von Marx geschaffene Terminologie überhaupt erst im Tschechischen zu schaffen. Daß es ihm nicht gelingt, ist»richt zu verwundern, es bedurfte dazu noch einer jahrzehntelangen Arbeit. Und in diesen Entwicklungsgang wirfi der arbeiterfreundlich« und für ihre Organisationen wirkende Professor Masaryk seine Schrift über die soziologischen und philosophischen Grundlagen des Marxismus.«Die Ebene, auf der sich der kurze Kampf zwischen ihm und seinen tschechischen sozialistischen Kritikern abspielt, entzieht sich der Kenntnis der tschechischen Arbeiter, denn die ganze literarische Grundlage existiert nur in einer fremden ihm wenig oder gar nicht verständlichen Sprache. Die stürmische praktische Tätigkeit in Partei, Gewerkschaft, Genossenschaft läßt ihn diese Episode bald vergesten. Aber für die tsche- chsiche ost halbsozialistische Intelligenz wird dieses Buch bestimmend, sie muß auch«ine rasende Entwicklung durchmachten, sie nimmt von der Widerlegung bereits Kenntnis bevor sic von der Lehre selbst erfahren hat. Der Versuch Viktor Steins, Burians u. den Marxismus anzuwenden, kann nicht den erwünschten Erfolg haben, da eine GeneralanSoinandersetzung mit der bürgerlichen Geistesmast« nicht erfolgt, auch trennen sich diese Männer vom Hauptteil der tschechischen Bewe- gung. Es tritt ein Prozeß in Erscheinung, der sich noch später wiederholen sollt«. Die sich international dünkenden Genossen schlagen sich zu den Zentrwlisten und machen damit den Weg frei für die anscheinend widersprechend« Wendung durch welche die tschechische Sozialdemokratie während des Krieges in den sich marxistisch wähnenden Teil dem Einfluß des Rennerschen Opportunismus ausgesetzt wird. Der Kampf gegen Krieg und für Sekbstörchigkoit erfolgt unter anderen als marxistischen Vorzeichen. Der 28. Oktober 1918 ßlllniderLer Partclhaus Nürnberg, 13. März.(Eigenbericht.) Die Verfolgung der sozialdemokratischen Partei«nd der Reichsbannersührer wird in einem unerhör ten Tempo fortgesetzt. Täglich kommt«S zu neuen Verhaftungen. Di« kommunistischen Führer find, soweit sie auch nicht in Haft genommen wurden, flüchtig. Di« Besetzung des sozialdemokratischen Parteihauses, in dem auch die„Fränkisch« Tagespost" untcrgebracht ist, dauert an. Im Hause sind gegenwärtig 430 SS- und SA-Leut« kaserniert, die Polizei ist nur in geringer Zahl vertreten; sie ist angesichts der braune« lieber macht völlig ausgeschaltet«nd versieht nur einen gewiffen Kontrolldienst. In der Umgebung des besetzten Parteihauses, auf dem die Hakenkreuzfahn« gehißt ist, drängen sich di« Mensch«« zu Hunderte«. Die„Fränkische Tagespost" hat in ihrer letzten Donnerstagnum mer in einem Aufruf den Arbeiter« für di«,>..» unendliche Treue gedankt, die st« der Partei be- wurde verboten, di« Geschäftsstelle der Zeitung wiesen haben. Seither konnte das Blatt nicht mÄhr"" 3*'“' c scheinen. Auch wenn das HauS freigegeben würde, könnte auf Wochen hinaus von einer geregelten Arbeit nicht die Red« sei«, denn di« vielen Kanz leiräume des Hauses und di« Druckerei gleichen einem Trümmerhaufen. I« den Raumen haben die Hakenkreuzler wie di« Vandale« ge haust. Abgesehen davon, daß der größte Teil der Einrichtungsgegenstände zertrümmert wurde, ,-Hamburger Edio“ besetzt. Hamburg, 13. März. Polizei besetzte heute mittags die Gebäude des sozialdemokratischen „Hamburger Echo" und des Büros des Landes verbandes der SPD. Es wurden umfangreiche Absperrungen und Durchsuchungen vorgenom men. Diplomatische Intervention Warfchan, 12. März. Die Polnische Trlegra- phenaaentur meldet aus Berlin: Der polnische Gesandte in Berlin intervenierte im Reichsiugcn- ministerium zugunsten der polnischen Staatsange hörigen jüdischer Religion, welche in den letzten Tagen in verschiedenen Städten Deutschlands, mißhandelt wurden. Hitler bläst ab. Am vergangenen Sonntag sagte Hitler im Radio Bon nun ab wird der Kampf der Säube rung und Jnordnungbringung des Reiches ein planmäßiger und von oben geleiteter sein. Ich befehle euch daher, von jetzt ab st r e n g st« und blinde st« Disziplin. Alle Einzelaktionen haben von jetzt ab zu unterbleiben. Nur dort, wo di« Feinde der nationalen Erhebung sich unseren gesetzlichen Anordnungen mit Gewalt widerset zen oder wo sie einzelne unserer Männer oder marschierende Kolonnen überfallen, ist der Wi derstand dieser Elemente sofort und gründlichst zu brechen." Im übrigen aber ist es nun unser« Aufgabe, dem ganzen deutschen Volk und vor allem auch unserer Wirtschaft das Gefühl der unbedingten Sicherheit zu geben. Wer es von jetzt ab versucht, durch Einzelaktionen Störungen unseres Berwaltungs- oder des geschäftlichen Le bens herbeizuführen, handelt bewußt gegen die »rationale Regierung. KC in Berlin gestrichen. Berlin, 13. März. An der heutigen Berliner Börse wurde di« Notierung der tschechosiotvaki- schen Kron« gestrichen. Dieser Beschluß wird in zuständigen Berliner Kreisen damit begründet, daß di« kürzlich erfolgt« Maßnahme der tschechoslowakischen Nationalbank betreffend di« Rege- lung der deutschen Ausfuhr nach der Tschechoslowakei und der tschechoslowakischen Ausfuhr nach Deutschland Anlaß zu einigen Unklarheiten über den bevorstehenden Zahlungsmodus zwischen der Tschechosiowakei und Deutschland gab. Goebbels Minister rar „Volksanilitärung“. Berlin, 13. Mär;. Der Reichspräsident hat den Abgeordneten Dr. Goebbels zum ReichS- mmister für Vollsaufklävung und Propaganda und den bisherigen Minstteviakdirektor Walter Funk zum Staatssekretär dieses Ministerium- i ernannt. Wo ist Kaiser Otto? Wien, 18. März. Das„Ncuigkeitstveltblatt- teilt mit, daß sich Otto Habsburg nirnmehr neuerdings auf eine neu« Studienreise nach Süd- dentschland begeben habe, um dort in den Bibliotheken zu studieren, di« ihm während feines Berliner Aufenthaltes anempfohlen worden toaren. Die Reise Otto Habsbrrrgs soll— nach Ansicht des Blattes— keinen politischen Charakter tragen. Cln sozialdemokratischer Arbeiter ermordet. In Oesterreich. Wien, 13. März. Dor einigen Tagen wurde initgeteilt, daß in der Gemeinde M a t t i n g- Hofen in Oberösterreich nach einer Schlägerei zwischen Sozialdemokraten und Nationalsozialisten unweit des Ortes des Zusammenstoßes die Leiche des sozialdemokratischen Arbeiters Robert ^immerbauer aufgefunden wurde. Durch die Untersuchung wurde festgestellt, daß Zimmerbauer an den Folgen einiger Stichwunden den Tod gesunden hatte. Nunmehr wurden die Täter' ausfindig gemacht. Es handelt sich um fünf Nationalsozialiflen, von denen die allergrößte Schuld an dem Tod ZimnrerbauerS den 29jähri-, gen Wenkthaler trifft. All« fünf Personen wurden verhaftet und eingekerkert. Gcmeindewahlen tm isdiediisdien Gebiet Königinhof a. E Bei den am Sonittag stattgefundenen Gcmeindewahlen erhielten(in Klammer die Ergeb- niffe im Jahve 1929): Nationaldemokraten 1607 Stimmen, 6 Mandat«'(1556, 6), Nattonalsozia- listen 2613 Stimmen, 9 Mandate(3096, 12^ Gewerbeparteiler 1188 Stimmen, 4 Mandate (804, 3), Tozickldemokraten 898 Stimmen, 8 Mandat«(644, 2), Volkspartei 850 Stimmen, 3 Mandat«(798, 3)z Bereinigte deutsche Parteien 785 Stimmen, 3 Mandate(709, 3), Kommunisten 1870 Stimmen, 7 Maicdate(1429, 6), Republikaner 180 Stimmen, kein Mandat(189, 1), Nat. Faseistengemeinde 333 Stimmen, 1 Mandat(—). Josesstadt. Es erhielten(in Klammer Gemeindeivahlen 1928): Nattonaldemokraten 505 Stimmen, 9 Mandate(296, 5), Nationalsozialisten 435 Stimmen, 7 Mandate(461, 8), Sozialdemokraten 391 Stimmen, 7 Mandate(352, 6), unpolitische Wirtschaftspartei 24 Stimmen, kein Mandat(68, 1), Volkspartei 263 Stimmen, 4 Mandate(321, 6), Kommunisten 185-Stimmen, 3 Mandat«(173, 3), Gewerbepartei 260 Stimmen, 4 Mandat«(269,5), Republikai»«r 61 Stimmen, 1 Mandat(110, 2). ChotSbok. Es erhielten(in Klammer die Gemeinde- wahlen im Jahre 1928): Nationaldemokraten 505 Stimmen, 6 Mandate(556, 7), Gewerbepartei 381 Stimmen, 4 Mandate(318, 4), Republikaner 174 Stimmen, 2 Mandat«(141, 2), Bolksparteilcr 390 Stimmen, 5 Mandate(327, 4), Sozialdemokraten 309 Stimmen, 3 Mandate(485, 6), Nationalsozialisten 564 Stimmen, 7 Mandate(292, 4), Kommunisten 314 Stimmen, 3 Mandate(287, 3). Neuhäusel. * Ti« vereinigten ungarischen Oppositionsparteien erhielten 4326 Stimmen und 16 Mandate, die ungarische christlichsoziale Partei 1116 Stinrmen und 4 Mandat«, zusamnren erhielt also der ungarische Block 20 Mandate(gegenüber den letzten Gemeindewahlen um 2 Mandat«»vemger). Weiter erhielten: Nationalsozialisten 1212 Stimmen und 4-Mandat«, Tschechostowakische Sozialdemokraten 463 Stimmen un d 2 Mandate, Ungarisch« Sozialdemokraten 190 Stimm««, kein Mandat, Partei der Tobakregie- Arbciter 283 Stimmen, 1 Mandat, Hlinkas BolkS- partei 742 Stimmen, 3 Mandate, Republikaner 127 Stimmen, kein Mandat, Tjchechoslowakische Volkspartei(Miöura-Gruppe) 99 Stimmen, kein Mandat, Tschechostowakische Nationaldemokraten 116 Stimmen, kein Mandat, Ungarische Aktivisten 336 Stimmen, 2 Mandate, Zigeuner 66 Stnnmen, kein Mandat, Kriegsinvalide 73 Stimmen, kein Mandat, Oppositionelle Bolkspartei(Hlinka) 114 Stimnieu, kein Mandat. Ungarische uupolitischc Ge>»crbepar'ei 248 Stimmen, 1 Maitdat, Unpolitische Wirtschastspartei 168 Stimmen, kein Mandat. Jude»» 846 Stimmen, 1 Mandate, Marktfieranten 81 Sümiuen. kein Maitdat, Kommunisten 1146 Sti»nmen, 4 Mandate T^e nngarischen Oppositionsparteien, welche bisher die Stadtverwaltung beherrschten, sind mit den heutigen Wahlen in di« Minderheit geraten. Jtz.« Statlteg, 14. 1938 Leite 9 Am Grabe von Karl Marx zum 14. März 1933. Am Norden London? liegt-Highgate. Em friedlicher Vorort mit tnt niedrigen, nicht unfreundlichen Arbei°terhäuschen. die für die meisten Vororte Londons typisch sind. Die Straßen steigen leicht an und da, wo sie auf einem Hügel münden, liegt, zum Teil durch die Bäume eines Parkes verdeckt,.eine Kirche. Hinter diesem Park, dessen wundervoll« Ruhe mir durch den Lärm spielender Kinder unterbrochen wird, li«qr Highgcn« Cementry. Der Friedhof, ans dem Karl Marr begraben liegt. Kommt man von unten her aus diesen Friedhof, so kommt mau langsam zwischen den Gväber- reihen höchst«igend, an dem kuriosen Grabstein eines Klavierfabrikanten vorbei, dem man einen Flügel auf das Grob gesetzt hat; später, fast schon an jfn oberen Grenze des Totenackers, kommt man dann an di« Reihe, in der Karl Marit mit seiner Frau begraben liegt. Ein unauffälliges Reihengrab. Durch einen flachen Weißen Stein gekennzeichnet als das Grab eines einfachen Mannes, auf dem in kantigen Buchstaben folgende Worte stehen: Jenny von Westphalen, t.lie beloved Wife of Karl Marx, born 12. 2. 1814 died 2. 12. 1881 • and Karl Marx born 5. 5.1818 died 14. 3. 1883. Man muß aber nicht lesen können, um zu wissen, daß hier di« Reste dessen, der unvergessen ist. liegen, denn cs ist das einzige Grab in dresem Teil des Friedhofes, das immer durch frische Blumen geschmilckt ist. Gesinnumgsfveunde des großen Denkers besuchen säst täglich diese- Grab und schmücken es mit frischen Blumen. Manchmal hängt ein Zettel an diesen Blumen, der uns Ausschluß gibt über die-Heimat dessen, der hierher gepilgert ist wie zu einem Wallfahrtsort. Denn daS ist das Eigeittümliche dieses Grabes, der hier liegt, hat allem, was die ihm feindliche Welt heute an Bösem. kennt, fernen Namen gegeben, aber er hat auch allem, was die übrige Welt an Gutem kennt, seinen'Namen gegeben. An das sie glauben, trotz allen-Hasse-, mit dem heute alle-, wa« sich zü dreiem Namen bekennt, verfolgt wird. Warum wird dieser Nam« heut«, nachdem der Mann, der ihn trug, fünfzig Jahre wt ist, noch immer so gehaßt? Was hat er getan? Hat er der Welt eine neue Idee gegeben, di« ihr unbequem ist? Aber gegen unbequeme Ideen wußte man sich immer noch zu helfen, indem man bequeme gegen sie setzte. >. Was Karl Marx der Wett gab, war mchr als ein« unbeqrrrnl« Idee, di« auÄ«al, abev-nicht ändert. Karl Morr hat den Menschen eine Erkenntnis gegeben, di« nie wieder auS ihrem Be wußtsein auszurotten sein wird. Er hat sie gelehrt, daß hinter jeder Idee materielle Kräfte stehen und daß man dies« materiellen Kräfte erkennen muß, wenn man di« Ideen ändern will. Die Ideen ändern heißt aber, die Welt verändern. Weil aber di«, die den Vorteil davon haben, daß die Welt so ist wie sie ist, nicht wollen, daß di« Welt geändert wird, darum verfolgen sie mit ihrem Haß alles was ihnen unbequem ist und nennen es Marxismus. Marxismus nennen sie es, wenn ein Volk, das lieber den Frieden hat als den Krieg, sich für den Frieden entscheidet. Marxismus nennen sie eS, wenn das Ausland nicht mrr kaufen, sondern auch verkaufen will, Marxismus nennen sie vor allem, wenn daS Volk nicht mehr daran glaubt, daß es durch Reden satt wird. Alles ist für sie Marxismus und wenn ihr eigenes System zusammenbrecht, nennen sie daS auch Marxismus. Aber gerade in diesem unerschütterlichen Glauben unserer Gegner, die all ihre Mißerfolge Marxismus nennen,* liegt ihre Schwäche. Weil dieser blind« Glaube sie hindert, den wirklichen Ursachen ihres Abstieges nachzugehen, den sie, wenn sie ihn erkeimten, zwar nicht hindern, ober doch mildern könnten; denn auch das hat Marx vorausgesehen, daß die Welt Heimat werden kann für alle, wenn die Menschen die Sprache der Dinge verstehen leimen. 'Aber di«, die heut« den Namen dieses Mannes lästern, wollen die Sprache der Dinge nicht verstehen, weil ihnen die Worte derer, di« ihnen erzählen, daß man nur den Namen dieses Mannes ausvotten muß, um sein« Erkenntnisse unwirksam zu machen, süßer in den Ohren klinge«. Desto unangenehmer wird das Erwachen sein, wemr sie eines Tages erkennen, daß di« Dinge ihre Sprache Weiteisprechen, daß Marxismus mehr ist als ein Schlagwort, daß es di« Erkenntnis dessen ist, daß eine neue Welt im Werden ist, di« man wohl im Werden hemnren, aber nicht verhindern kann. Fünfzig Jahre sind es, fett daS Grab in Highgate sich über Karl Marx schloß. Fünfzig Jcchre, in denen di« Ide« diese- Manne- ihre Kraft zu erweisen hatte. Sie hat sich als lebendig erwiesen, weil sie mehr war als nur Idee, weil sie die Erkenntnis war, daß man wohl den Mund der Menschen verschließen, nicht aber di« Dinge daran hindern kann, ihre Sprache zu sprechen. Ni« haben sie so deutlich gesprochen wie in diesen Tagen. Wer ihre Sprache versteht, wird nie so hoffnung-freudig gewesen fein wie heute. Tenn trotz allem, was auch um-uus geichiehte Karl- Marr ist tot, aber der Marxismus lebt. Erich Grisar. der alten Gesellschaft, dem Königtum und dem Adel gegenüber vertrat. Sie war z« einer Art von Stand herabqrsunken, ebenso ausgeprägt gegen die Krone als gegen das Volk» oppositionslustig gegen beide, unentschlosien gegen jede« ihrer Gegner einzeln genommen, weil sie immer beide vor oder hinter sich sah; von vornherein zum Verrat gegen das Volk und znm Kompromiß mit dem gekrönten Vertreter der alten Gesellschaft geneigt, weil sie selbst schon zur alten Gesellschaft gehörtt." „Tie französische Bourgeoisie von 1788 ließ ihr« Bundesgenossen, die Bauern, keinen Augenblick im Stich. Sie wußte, die Grundlage ihrer Herrschaft war Zertrümmerung des Feudalismus auf dem Land«, Herstellung der freien, grundbesitzenden Bauernklassc. Di« deutsche Bourgeoisie von 1848 verrät ohne allen Anstand dies« Bauern, die ihre natürlichsten Bundesgenoffen, di« Fleisch von ihrem Reisch sind, und ohne di, st« machtlos ist gegenüber dem Adel." Wahrlich, in Deutschland kann keine Art der Knechtschaft gebrochen werden, ahne jede Art der Knechtschaft zu brechen. Es wurde kein« Art der Knechtschaft gebrochen. Die Bourgeoisie hatte als revolutionäre Klaffe abgedankt; sie hat nie di« uneingeschränkte Herrschaft erlangt. Sie sichert« ihren Profit durch ihre Unterwerfung unter das Diktat der preußischen Aunker. Sie verriet durch diese kontrerevolutionare Haltung auch ihre nationale Idee. Sie gab die Idee Großdeutschlands auf, verriet di« österreichrschen Deutschen, bewirkte dadurch di« Erhaltung der kleinen Nationen, die von der überlegenen Kultur eines revolutionären Deutschland aufgesaugt worden wären. Die historische Verantwortung für die mitteleuropäische Kleinstaaterei trägt di« deutsche Bourgeoisie. Schied aber die deutsche Bourgeoisie aus seder revolutionären Kombination auS, konnte auch die demÄratisch« Revolution in Deutschland nur noch daS Werk der Arbeiterklafl« sein, dann war die Revolution überhaupt in weite Fern« gerückt; denn sie allein durchzuführen, war das Proletariat noch viel zü unentwickelt. Der Mangel jedweder revolutionärer Haltung des Bürgertums, der Mangel einer aktuell-revolutionären Zielsetzung der Arbeiterklasse verhinderten auch«in« revolutionäre Auswertung des Zusammenbruches der preußisch- deutschen Monarchie im Jahr« 1918. Wieder trat an Stell« radikaler Lösungen ein Kompromiß. Erst als die wirtschaftliche Entwicklung den weiteren Bestand deS Kompromisse- unmöglich machte, trat an Stelle des Kompromisses der Kampf,.in dem die Bourgeoisie ihre Profit« rettet durch ihre Unterwerfung unter die brutale Herr- ichaft der Lümpenbourgeoisie und des Lumpenproletariats. Damit hat sich die Bourgeoisi« auf den revolutionären Boden gestellt, ,^>enn auch der kontrelevolutkonäre Boden ist revolutionär". Schauerlich aktuell klingen die Worte, die Karl Marx im März 1843 an Rüge schrieb: Lehrer Josef Rankt erzählt: .., seit meine Buben und Mädeln zt* Hause ihren„KltlireinCt** kriegen, sind sie nicht mehr so müde, sondern passen auf in der Schule. Aber echter„Kathreiner** muß es sein! Seine Packung trägt das Kneippbild; er gelangt nie lose in den Handel. „Scham ist ein« Art Zorn, der in sich gekehrte. Und wenn eine ganze Nation sich wirklich schämte, so wäre sie der Löwe» der sich znm Sprunge in sich znrückzieht. Ich geb« zu, sogar di« Scham ist i» Deutschland«och nicht vorhanden; im Gegenteil, diese Elende« sind noch Patrioten. Welches System sollte ihnen aber de« Patriotismus austrreben, wen« nicht dieses lächerliche des neuen Ritters? Di« Komödie des Despotismus, die mit uns ausgesührt wird, ist für ihn ebenso gefährlich, als es einst de» Stuarts und Bourbonen di« Tragödie war. Und selbst, wenn man die Komödie lange Zeit nicht für das halten sollte, was st« ist, so Ware sie doch schon«ine Revolution. Der Staat ist ei« zu ernstes Ding, um zn einer Harlrkinadr gemacht z« werde«. Ma« könnte vielleicht«in Schiff voll Narren«ine gut« Weile vor dem Winde treib«« kaffen; aber seinem Schicksal trieb'«S entgegen, eben dar««, w«N die Narren die» nicht glaubte«. Dies« Schicksal ist di« Revolution, di« uns bevorsteht." Wieder ertönt der Ruf: ,^kri«g den deutschen Zuständen!" Di« erste Aufgabe aber ist, wie Marx erkannt hat, Klarheit schaffen. „ES handelt sich dar««, den Deutschen keinen Augenblick der Selbsttäuschung und Resignation zu gönn««.. Ma« muß de« wirklichen Druck noch drückender machen, indem man ihm da- Bewußtsein des Druck» hinzusügt, di« Schmach noch schmachvoller, indem man sie publiziert." H. H. „Krieg den deutschen Zuständen.“ Karl Marx über Deutschland. Blutige Versammlung In Asch des Kreisstrafgerichtes in Brünn eingeliefert. Diese vermittelten nach Angabe Kobstneks diesem di« Verbindung mit Gajda und überbrachten die Befehl« zu der vorbereiteten fascistischen Aktion. Die Untersuchung gegen die beiden Hauptführer des fascistischen Ueberfalles als auch gegen die anderen Angeklagten geht dem End« entgegen; die Anklage wird in Bälde«»-gearbeitet werden. Auf Deutschland setzt« der junge Marx seine Hoffnungen. Bon Deutschland nahm er an, daß hier am ehesten die sozialistisch« Revolution siegen werde. Worauf war dies« Hoffnung begründet? Das Deutschland deS 19. Jahrhunderts stand in seiner wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung weit hinter England und Frankreich zurück.'Seme Industrie war noch nicht ausgebildet, das Bürgertum noch nicht zur Macht gelangt. Kannte di« englische und französische Geschichte wirklich« große Freiheitskämpf« der Bourgeoisie, so kannte di« deutsch« Geschichte nur die„Freiheitskriege" für den monarchischen Despotismus gegen di« französische Revolution. Tie Geschichte keines anderen Volkes war so arm an wirklichem' Heroismus wie die des deuvchen Volkes. „Ja, di« deutsche Geschichte schmeichelt sich einer Bewegung, welch« ihr kein Volk am historischen Himmel weder vorgemacht hat, noch nachmachen wird. Wir haben nämlich di« Restaurationen der modernen Völker geteilt, ohne ihre Revolutionen zu teilen. Wir wurden restauriert, erstens, weil ander« Völker eine Revolution wagten, und zweitens, weil a-.der, Völker eine Kontrerevolution litten, daS eine Mal, weil nnsere Herren Furcht hatten und das ander« Mal, weil unsere Herren kein« Furcht hatten. Wir, unsere Hirten an der Spitze, befanden«ns immer nur einmal in der Gesellschaft der Freiheit, am Tag ihrer Beerdigung." „Äriog den deutschen,Zuständen!" rief der jung« Marx. Wen« aber die deutschen Zustand« io tief unter dem Niveau der übrigen Völker waren, wie sollt« dann Deutschland das ialto mortale voni Absolutismus zum Sozialismus vollführen? Marxens Hoffnung gründet« sich auf die Erkenntnis, daß in Deutschland ein« teilweise, eine nur politische Revolution unmöglich ist. Was ist«in« teilweise Revolution? Die Eroberung der Herrschaft durch eine Klaffe, die ini Augenblick der Erhebung al» Repräsentantin der gan^n Gelell- schaft betrachtet wird, di« den Widerstand der ganzen Gesellschaft aegen di« bisher herrschend« Klaffe verkörpert. Erst nach ihrem Si«g offenbart sich, daß di« Identifizierung dieser Klasse mit der Gesellschaft ein« Fiktion' war. Eine solch« Klaffe war 1789 die französisch« Bourgeoisie. In Frankreich konnte es daher erst zu einer sozialistischen Revolution'ommen, wenn die Bourgeoisie nicht n> 7 aufgehört hatte, Repräsentantin d«S gesellschaftlichen Fortschritts zu sein sie mußt«.zur Repräsentantin aller Mängel der Gesellschaft werden. Die deutsche Bourgeoisi« hatte nie jenes revolutionäre Pathos, sie vertrat ni« die ganze Gesellschaft, sie vertrat immer nur sich.>«lbst. Sie ist charakterisiert durch„jenen bescheidenen Egoismus, welcher seine Beschränktheit geltend macht und gegen sich geltend machen laßt". Darum kann es in Deutschland kein« r«in bürgerliche Revolution geben. Aufgabe deS Proletariats ist es nach Marx, di« bürgerliche Auflehnung gUen den Feudalismus entschieden zu fördern, die deutsche Bourgeoisi« zu einer radikal-demokratischen Revolution, zur sozialen Vernichtung aller vorbürgerlichen Gesellschaftskräft« zu zwingen, um dann sofort den Kampf gegen die Bourgeoisie selbst aufzunehmen. So muffe ein« gelungen« bürgerliche Revolution in Deutschland zum Prolog der sozialistischen Revolution werden. sticht die radikal« Revolution ist ein utopischer Traum für Deutschland, nicht di« allgemein menschlich« Emanzipation, sondern vielmehr di« teilweise, die nur politisch« Revolution, di« Revolution, welch« die Pfeiler des Hauses stehen läßt... In Deutschland kann keine Art der Knechtschaft gebrochen werden, ohne jede Art der Knechtschaft zu brechen. Das gründliche Deutschland kann nicht revolutionieren, ohne von Grund aus zu revolutionieren." Aber Marx gab sich bald keiner Täuschung darüber hin, daß eine solche Revolution nur durchgeführt werden kann im Zuge eines großen revolutionären Krieges, der die Bourgeoisie daran hindert, ihre eigen« Revolution zu verraten. Denn daß di« Bourgeoisie bereit sein wird, ihren Prinzipien zu entsagen, darüber konnte kein Zweifel bestehen. So setzte Marx i«in« Hoffnung auf den revolutionären Krieg gegen das zaristische Rußland. Der Krieg würde di« Volksbewaffnung vollenden, rücksichtslos« Eingriff« in daS Privateigentum erforderlich machen und dadurch die Revolution jo weit vorwärts treiben, daß jed« Rückkehr unmöglich wär«. Aber di« polnisch« Erhebung, auf die Marx hoffte, blieb aus, der Zar wahrte fern« Neutralität und die deutsche Revolution scheiterte an dem Gegensatz zwilchen Bourgeoisie und Proletariat. Die Bourgeoisie verriet ihre eigene Erhebung, verriet di« Bauern und kehrte die gegen König und Adel bestimmten Waffen aegen das^-''^->r!at. Sie verhindert^ dadurch ihre eigen« Befreiung. ,^Di« preußisch« Bourgeoisi« war nicht di« französisch« von 1788 di« Klaffe, welche di« ganz« modern« Gesellschaft der Repräsentanten Handgemenge zwischen Kommunisten und Hakenkreuzlern. Eger, 12. März. In Asch kam es heute vor- mittags zwischen Kommunisten und deutschen Nationalsozialisten zu gewalttätigen Auseinander- setzungen. Di« Nationalsozialisten hatten eine Versammlung in die Turnhalle einberufen, die die Kommunisten dadurch verhinderten, daß sie schon lange vor BersammlungSbeginn auf der Straße vor der Turnhalle Aufstellung nahmen und den Zugang in di« Turnhalle blockierten. Zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten kam eS schließlich zu einem wüsten Handgemenge, in dessen Verlaus mehrer« Personen Verletzungen erlitten. Gendarmerie mußte aufgeboten werden, um den Platz vor der Turnhalle zu säubern. Widerstand wurde dem Vorgehen der Gendarmerie nicht entgegengesetzt, so daß die Ruhe noch im Lauf« deS Nachmittags wiederhergestellt werden konnte. Di« geplante nationalsozialistische Bevsamin- lung in der Turnhalle wurde ebenso wie all« weiteren in der nächsten Zeit beabsichtigten Versammlungen der Nationalsozialisten im Ascher Gebiet behördlich verboten. Kommunisten In einer DrOnner Str ibrnü-Versammlung. Brünn, 12. März. Heute vormittags veranstaltet« di« Nationale Liga im Saale des Sokolstadions in Brünn ein« öffentliche Versammlung, in welcher Abgeordneter Stkibrnh und Senator Trnobranskh sprachen. Dir Versammlung s«Ibst nahm einen ruhigen Verlaus. Bor dem Stadion traf aber eine Gruppe von Kommunisten ein, welche in den Saal einzudringen versuchte und die Versammlung zerschlagen wollte. Die Polizei hinderte sie jedoch an dieser Absicht und zerstreute die Gruppe. In der Drehburger Straße rotteten sich die Kommunisten neuerdings zusammen und mußten von der Polizei zerstreut werden. Hiebei wurden etwa zehn Exzedenten ungehalten. Bei der Zerstreimng der Demonstranten wurde von einem Exzedenten ein Wachmann angegriffen und am Kopf verletzt. Der Wachmann wurde ins Landeskrankenhaus überführt, der Täter wurde verhaftet. Vier Kuriere Goldas in Kail Brünn, 13. März. Sonntag vormittags wurden in Brünn vier Kuriere, und zwar zwei aus Prag, einer aus Wild«nschw«rt und einer aus Vysok« nad Jizerou verhaftet und in die Haft nie faschistischen Kuriere. Brünn, 13. März. Wie bereits mitgetellr, wurden am Sonntag vier saseistische Kuriere in Brünn verhaftet und in Gerichtshast eingelieiert. ES sind dies: aus Prag der Redakteur der„RiS- skä SträL" R e ß l und der Mal«r Zabloudil, aus Usti nad Orlici der Beamt« M a r s a n k o und aus Vysokä n. I. Diftriktsarzt Dr. L h o t a. üaltenhrenziiagge und Schwarz-weift-rot an Stelle der verfaflungsmätzigen Reichsfarben! Berkin, 18. März. Reichspräsident v. Hardenburg erließ gestern folgende, offensichtlich der ReichSverfaffung widersprechende, Kundgebung:.. Am heutigen Tage, an dem in ganz Deutschland die alten schwarz-weiß-rvten Fahnen zu Ehren unserer Gefallenen auf Halbmast wehen, bestimme ich, daß vom heutigen Tage ab b i S z u r endgültigen Regelung der Reichsfarben die schwarz-weiß-rote Fahne und die Hakenkreuzflagge gemeinsam zu hiffen sind. Diese Flaggen verbinden die ruhmreiche Vergangenheit des Deuffchen Reiches und die kraftvolle Wiedergeburt der deutschen Ration. Vereint sollen sie die Macht des Staates und die innere Verbundenheit aller nationalen Kreise des deutschen Volkes verkörpern. Die militärischen Gebäude und Schisse hissen nur die ReichskriegSflagge. »ie Komödie mit dem Brandstifter wird weitergeführt. Berlin, 12. März. Der Untersuchunasrrchte, des Reichsgerichtes hat^entsprechend dem Anträge des OberreichSanwalteS die Voruntersuchung gegen van der Lubbe wegen eines vollendenm Unternehmens des Hochverrates in Tatemhcu mit vollendeter und versuchter schwerer Brand stiftung eröffnet. Seite 10 Stenltag, 14. Mik, 1988 Nr. 62 T agesneuigkeiten Schwar-Werb-Rot. Hitler verordnet:„Da die Soldaten der alten Armee unter-er schwarz-weiß-roten Fahne,, der allen deutschen Reichsfahne, gefallen sind, wollen wir, um sie zu ehren, an diesem Tage, von den ; öffentlichen Gebäuden des Reiches auch nur diese, ihre ehemalige Fahne wehen lassen. Sie ist die Fahne der asten Armee und die Fahne des Weltkriegs." Um dem schwachen Gedächtnis derjenigen nachzuhelfen, die heut« in Deutschland Geschichte machen und fälschen, sei festgestellt, daß diese Fahne aber auch von Deutschlands Junkern und Großkapitalisten kündet, die alles andere eher als Deutschlands Ehre im Schild« führten. Noch unter dem Wehen dieser Flagge schrieb am 18. November 1918 die deutschnationale„Post" über den Heerführer der alten Armee, Herrn von Ludendorff, die höchst unrühmlichen Zeilen, aus Anlaß der Tatsache, daß dieser am 1. Oktober 1918 in kopfloser Verzweiflung alles verloren gegeben hat und eine Neubildung des damaligen Reichskabinetts verlangte: „Danach hat General Ludendorff'am 1. Oktober d. I. unsere militärisch« Lage für verzweifelt gehalten und sofortiges Waffenstillstandsangebot gefordert, Acht Tage darauf gestand er ein, sich in der Bewertung der Kriegslage geirrt zu haben. Einen solgenschwereren Irrtum hat es nie gegeben. Er hat«in ganzes Volk dem Unglück und der Schande überliefert." Und heut«? Sind di« gleichen Kräfte dabei, ein Gleiches zu tun. B«im Wehen der Flagge „Schwarz-weiß-rot" hat der ritterliche Welt- kommis Wilhelm II. in Bremerhaven am s37. Juli 1900 an die zur Bekämpfung des chinesischen Boxeraufstandes abgehenden Truppen .unter anderem gesagt: „Ihr wißt«s wohl, ihr sollt fechten- gegen «inen verschlagenen, tapferen, gut bewaffneten, grausamen Feind. Kommt ihr an ihn, so wißt: Pardon wird nicht gegeben. Gefan- gen« werden nicht gemacht. Führt eure Waffen so, daß auf tausend Jahr« hinaus« kein Chinese mehr es wagt, einen Deutschen sch«! anzusehen." Vierzehn Jahre später erscholl das Echo auf dies« R«de in der Welt. Es klang wie„Boches"— „Hunne n". Und unter den alten Fahnen, den Fahnen des Weltkrieges, auf die„Er" sein« Soldaten vereidigt hatte und dessen Sohn in der nationalsozialistischen Partei ein« hervorragende Rolle spielt, desertier te der O b e r st« Kriegsherr nach Holland. Es ist ein eigenartiger Glanz, der um die asten Fahnen spielt, welchen dos national wiedergeborene Deutschland huldigt. Zur Zeit, da sie über Deutschlands Kriegsnot wehten, ging auf Umwegen deutscher Stahl in di« RustungSfabriken der Entente, sabotiert« d«r deutsche Großgrundbesitz die staatliche Getreidebewirtschaftung und nutzte so die Hungerblockade d«r Entent« aus, seine Taschen zu füllen. Da diese Fahnen wehten, sagt« der Berliner Bolkswitz von denjenigen, deren Symbol diese Flaggen waren: „Großartig: Maul, Monokel— bis zur Stirn, Nur fehlen ein Paar Kilogramm Gehirn." Si« fehlen heute Millionen. Diejenigen aber, welch«» die Denkfähigkeit noch geblieben ist, werden unter ärgstem Terror und grausanisten .Mißhandlungen zum Schweigen gebracht und ein !87jahriger Generalfcldmarschall begeht einen Eidbruch an der Verfassung zugunsten der asten Fahnen. Nein, diese nationale Wiedergeburt der deutschen Nation bcdeutet für di« ganze gesittete Menschheit keinen Aufstieg; sie kann in ihr nichts anderes sehen, als den gleichen Kulturzusammen- bruch, den der„greise Dulder von Doorn" seinerzeit mit den Worten einleitet«:„Ich will .Euch herrlichen Zeiten entgegenführ«n!" Der Igel. Wdertod durch Welttriegs- srauate. Paris, 13. Mär;. Aus Lens wird gemeldet, daß Kinder polnischer Nationalität, deren Eltern in Frankreich beschäftigt sind, auf dem ehemaligen Kriegsgelände eine Granate fanden und mit ihr spielten. Plötzlich explodierte di« Granate beim Ausfallen. Zwei Kinder wurden auf der Stelle getötet, zwei in hoffnungslosem Zustand ins Krankenhaus geschafft. Der Gendamenm'örder und di« Stimme im Rundfunk. Mähr.»Ostrau, 12. März. Ta Samstag abends hier verschiedentlich Gerüchte kursierten, daß der Gendarmen-Mörder aus Belehrad, Olt« drü 8, in Marianske Hory gesichtet worden sei, alarmierte die hiesige Polizeidirektion sofort die Sicherheitsorgane. Tie angestellten Nachforschungen ergaben, daß Samstag um 19 Uhr sich in einem Schuhgeschäft in Marianske Hory ein etwa 25jährigcr Mann einfand, dessen Personenbeschreibung auf den gesuchten Gendarmen- Mörder Ondrää paßt. Ter Unbekannte, der verlangte, daß ihm seine Schuhe geputzt werden, bielt ständig seine rechte Hand in der Rocktasche. Er sah sehr erschöpft aus und batte infolge langen Nichtschlafens gerötete Augen. In dem Augenblick, als er seinen Fuß ans- eine Bank stellen sollte, verkündete in einem Rundfunkapparat der Ansager des Radiojournals gerade N intemotionalt NWettlM Der MMml. Deutschland siegt vor Schweiz, D. T. 8. und Atus.— Ausgezeichneter Sport. Prag, 12. März.. Heute vormittags fand im Weinberger Radio-Saale der erste Bierver- ! öaudswettkampf im Geräteturnen der Arbeitermrner Deutschlands, der Schweiz und der beiden Verbände in der Tschechoslowakei— Atus und DTI.— statt. Nm Gegensatz zu den gebotenen sehr guten Leistungen stand der gerade für Prag nicht glänzend zu bezeichnende Besuch. Aber auch die Aufmachung ließ zu wünschen übrig, man hatte keineswegs beim Eintritt in den Saal den Eindruck, daß es sich um di« Veranstaltung von Arbeitersportlern handelt. Keine Fahnen, kein Ton von den Arbeitern ins>,erz gewachsenen Freiheitsliedern und nur die Ansprachen ließen erkennen, worum es hier ging. Gewiß, jede derartige Veranstaltung ist zum ersten Male von Mängeln behaftet, sie werden wohl beim nächsten Male behoben sein und«ine ausgiebige Propaganda werden dann jenen Besuch bringen, der solche« Veranstaltungen gebührt, wie er schon in jenen Ländern vorhanden ist, die derartig« Wettkämpfe schon lange durchführen. Nach diesen kurzen prinzipiellen Vorbedingungen einer jeden sozialistischen Veranstaltung können wir uns an den zum überwiegenden Teil gezeigten ausgezeichneten Leistungen schadlos halten. Was z. B. die Genossen aus der Schweiz und Deutschland vorführten, das waren wirklich Gipfelleistungen turnerischen Könnens und körperlicher Gewandtheit. Jeder einzelne' Genosse aus diesen beiden Verbandsmannschaften beherrschte seine Uebungen, sei es nun am Barre», Pferd oder Reck, bis ins letzte Detail; cs schien ein harmonisches Jn«inanderfli«ßen und ein inniges Verwachsensein mit dem Geräte zu sein. Was sie zeigten, befriedigte di« Zuschauer bis zum Aeutzer- sten und di« Beifallsstürme waren der ehrliche, anerkennende Ausdruck dafür. Die deutsche wie di« Schweizer Mannschaft zeigten«in ziemlich ausgegli- cheneS Können; aus ehren Reihen seien aber trotzäm Schort.(Schweiz) und Rödel(Deutschland) hervorgehoben, di« akrobatisch anmutende Uebungen vorführten(insbesondere auf dem Pferd und Reck). An Besprechung der beiden Verbandsmannschaf- ten der Tschechoslowakei wollen wir nicht überaus kritssch sein— war es doch die erst« Oef- fentlichkeitsprobe wnd die jahrelange Routine kam zum Fehlen. Doch soll nicht verhehlt werden, daß sie doch in gewisser Beziehung mitunter stark enttäuscht haben. Vornehmlich unsere Atus-Mannschaft! Sie macht« den Eindruck, daß sie unvorbereitet und nicht glücklich ausgewahlt in den Kampf ging. Jeder von die Meldung, daß nach dem Mörder Ondrä« gefahndet werde. Sobald der Unbekannt« das hörte, zuckte er zusammen unb verließ augenblicklich das Geschäft. Sodann wurde er bei einem ändern Schuhmacher gesehen, wo er sich die Schuhe putzen ließ und in deutscher Sprache fragte, wo der Weg zur Stadt führe, worauf er das Geschäft verließ. Wi« festgestellt wurde, wurde der Mann noch in einem anderen Schuhmachergeschäft und in einer Trafik gesehen. Die Polizei fahndet heute den ganzen Tag nach Ondrnö. Bäckermeister Blaubart. Budapest, 11. März. Bor zwei Wochen wurde der Bäckermeister Szikora in Gyöngyös wegen Ermordung seiner zweiten Frau verhaftet. Während der polizeilichen Erhebungen sind schwere Verdachtsmomente aufgetaucht, daß Sikora der Täter auch anderer, vor Jahren begangener Morde sei. Bevor er nach Gyöngyös übersiedelte, war Szikora mehrere Jahre bei den städtischen Wasserwerken in Stuhlweißenburg als Maschinist tätig. Im Jahre 1930 wurde sein Kollege Orban erschossen aufgefunden. Damals konnte der Täter nicht ermittelt iverden. Hal Szikora nach anfänglichem harten Leugnen die Tat schließlich eingestanden. Er hatte, wie er angibt, ein Liebesverhältnis mit der Gattin des Ermordeten unterhalten, war deswegen von Orban zur Rede gestellt worden und habe Orban aus Notwehr erschossen. Morgen wird die Leiche der ersten Frau Szikoras exhumiert, da schwere Verdachtsmomente vorliegen, daß Szikora auch seine erste Frau ermordet hat. Der Tod der Spernsangerm Bindernage! Berlin, 13. März. Vor dem Schwurgericht begann heute der Prozeß gegen den Bankier Hintze, der im Oktober des Vorjahres seine Frau, die bekannte Opernsängerin Gertrud Bindernagel durch mehrere Revolverschüsse getötet hat. Die Anklage lautet auf vorsätzliche Tötung. Hintze erklärt, nichts zu wissen, wie es zu dem Schuß gekommen sei. Er habe im Jahre 1925 die Bindernagel geheiratet und ihr Kind adoptiert. Es sei eine reine Liebesheirat gewesen. Tas Eheglück sei, wie er unter Tränen sagte, mehr als harmonisch gewesen, bis die Schwiegermutter ins Haus kam. Dann wurden di« Abschiedsbriefe Hintzes, die er an seinen Schwager, an seinen Stammtisch und an seine Schwägerin Alice und Therese geschickt hatte, besprochen. Dabei erklärte Hintze, seine Frau soll auf dem Sterbebett erklärt haben, wenn sie gesund würde, kehre sie zu ihrem Mann zurück. Bei der Verlesung dieser Briefe brach der Angeklagte neuerdings tveinend zusammen. Nach der Mittagspause wandte sich die Vernehmung des Angeklagten der Schilderung des Tages der Tat, des 23. Oktober vorigen Jahres, zu. An diesem Tage, führte Hintze aus, habe er j ihnen versucht« wohl sein Beste» zu geben, doch allein der Will« ist hier nicht immer der entscheidende Faktor, auch das Beherrschen der Hebung am jeweiligen Gerät ist ausschlaggebend. Unser schwächster Vertreter war wohl Alber; er besitzt gute Anlagen, doch geht er noch viel zu steif ans Werk, was sich am Pferd und besonders am Reck(das«r punktelos absolvierte) sehr auswirkte. Schmotz und Baum sin- gute Durchschnittsturner, Verbleibt noch G a m p e, der für den verhinderten Schneewieß einsprang und trotz seines- Alters(kein Borwurf, bitte) noch der Lichtblick unserer Atus-Mannschaft war. Unser B«r- band wirb wohl aus dem Ergebnis dieses Wettstreites die notwendig« Lehr« ziehen und sich für folgend« Kämpf« besser vorbereiten, damit dieser erste Schönheitsfehler sich nicht wiederholt. Die Vertreter des DTJ.-B«rband«s(der auch der Veranstalter war), schnitten wohl besser ab, doch hatten sie etwas mehr Glück, denn die erzielte Punktezahl der einzelnen Turner entsprachen jeweils nicht dem Gezeigten. Ihr Bester, 2 a k, erreicht« des öfteren in der Wertung eine so gute Beutteilung, di« selbst bei Fachleuten Staucken erweckt«. Im großen und ganzen bewiesen aber auch sie, daß dieser Wettkampf ebenfalls nur Lehrzwecken dient«. Zum Schlüsse dankt« Genoss« Bühren(Leipzig) im Namen der Turner für die schön« Aufnahme, wünscht«, daß das Gezeigte gute Werbeerfolg« habe und betonte, daß wohl jeder Wettkampf einen Sieger habe, doch dieses Moment im Arbeitersport nicht das Entscheidende sei, sondern das Bekenntnis zum Sozialismus über allem steht. Das Ergebnis: In der G e s a m t w e r t u n g siegt« Deutschland mit 226.50 Punkten vor Schweiz mit 220.75, DTJ. mit 191.75 und Atus mit 173.75 Punkten. In den einzelnen Bewerben erzielten Punkt«: Barren Deutschland.,.. 74.— Schweiz..... 74.75 DT«.'.. 63.75 AtuS...... 62.25 * Im Rahmenprogramm, das von der Prager DTJ. bestvrtten wurde, führten Mädchen gefällige rhythmisch« Uebungen, die aber noch einen Schuß an Flüssigkeit vertragen hätten, vor, ferner zeigte«ine Akrobatengrupp« ihr« Künste und Frauen beschlossen di« Veranstaltung mit einem exakten K« u l e«turnen.—en— noch einen Aussöhnungsversuch mit seiner Frau unternommen, der aber scheiterte. Am dbachmittag sei er mit seinen Heiden Freundinnen nach Schildhoru gefahren. In verschiedenen Lokalen konsumierte er dann insgesamt 18 Glas Bier und sechs Schnäpse. Schließlich sei er zur städtischen Oper gegangen, um eine Aussprache mit seiner Frau herberzu fuhren. Einzelheiten der Tat seien ihm erst von den Kriminalbeamten erzählt worden. Er habe sich vergeblich überlegt, wi« er dazu gekommen sei, zu schießen. Vielleicht habe es sich um einen vorübergehenden Anfall einer geistigen Störung gehandelt, die er schon früher gehabt habe, als er seine eigene Frau nicht ettannt habe. Der Angeklagte schilderte, daß er unten an der Treppe des Bühnenoufganges gewartet hab«, um seine Frau nach dem Aufenthalt des Kindes zu fragen. Als seine Frau herunter kam, habe si« gerufen: Da ist er. Er habe gerufen: Wo ist mein Kind? Er sei dann hinter sie getreten und dabei sei 8dr Schuß losgegangen. Er wisse nur noch, daß^tzr die Masse ganz niedrig gehalten habe. Ass auf dem Gerichtstisch der Pelzmantel der Getöteten ausgebreitet wird, um die Einschußstellc fest- zustellcn, brach der Angeklagte weinend zusammen. Unter ständigem Schluchzen berichtete er dann weiter: Nach dem Schuß habe er die Waffe an feine Schläfe angesetzt, diese aber habe versagt. Die Patronenhülse habe sich nicht entfernen lassen. Die Obduktion der Leiche führte mit aller Bestimnttheit zu dem Ergebnis, daß die Embolie nicht auf ein früheres Leiden, sondern auf ein Blutgerinsel, das ein Rest des großen Blut- gcrinsels in der Bauchhöhle gewesen sei. zurück- ruführen sei. Dr. Kremer erklärte, Hintze sei im Zustand bewußten Denkvermögens gewesen. 9lenen Kriege« entgegen In einer Prager Tageszeitung finden wir das folgende Inserat: Sichern Sie sich vor Luftgasangriffen durch Erbauung eines Familienhauses mit unterirdischem Gang'. Der Baugrund befindet sich weder direkt an der Bahn noch am Fluß, sondern in einer schönen, waldreichen Gegend, vom Norden geschützten Tal, 35 Kilometer von Prag, Autobus- j Verbindung. Ideales Weekend. Ideales Weekend mit Gasschutz— ja, wir ! gehen herrlichen Zeiten entgegen! Großes Erdbeben?— ein« Kleinigkeit! Ein schreckliches Erdbeben hat hundertfünfzig Menschen in Kalifornien das Leben gekostet: ein Ereignis, wie es selbst in unserer namenlos verrohten Zeit das Mitgefühl aller rings um die„zivilisierte" Erde wachzurufen pflegt. Aber was ist in diesen Tagen ein Erdbeben? Was ist den europäischen Zeitgenossen ein inneres Beben der Erde drüben in Amerika, wenn größere Beden von Menschenhand unsere alte Erde erzittern machen? Man liest die Berichte von der elementaren Katastrophe, sagt„entsetzlich! und Vom Rundfunk Empfehlenswertes a«S Den Programmen. Mittwoch. Prag: 6.15: Gymnastik. 11: Schallplatte«. 17: Marionettentheater. 18.25: Deutsche Sendung. Arbeiterfunk: Dr. I. B. Brügel: Heilfürforge für Arbeitslose, Bericht vom Arbeitsmarkt. 20.05: Konzert.— Brünn: 18.25: Deutsche Sendung: Gertschitz: Der Garten im März.— Berlin: 20.45: Beethoven IX. Sinfonie.— Mühlacker: 19.30: Mandolinenkonzert.— Hamburg: 19.30: Klavierkonzert. — Königsberg: 19.30: Hans Sachs.— Langenberg: 21: Die Entdeckung der blauen Grotte.— Wien: 19.35: Johannes Brahms. 22.35: Tanzmusik. wendet sich wieder den näheren, gewaltigeren, folgenschweren Erschütterungen zch die das Antlitz der Welt mehr zu entstellen drohen als j««in Naturereignis seit Menschengedenken. Zu andere» Zeiten hätten die Meldungen über die kalifornische Katastrophe ein paar.Tage hindurch das Bild aller Zeitungen entscheidend mitgeprägt— jetzt liefen die hundertfünfzig toten Kalifornier noch eine letzte„Gefahr", nämlich die, vielleicht in der ,Meinen Chronik" deutscher Journale unterzugehen, weil die von Wichtigerem mit Beschlag belegt sind. Aber auch diese Tatsache ist nicht frei von Groteskem: da gibt's in Deutschland ein paar große bürgerliche Journale—„Frankfurter" „Berliner Tageblatt" etcetera— deren Redaktionen förmlich„froh" getvesen zu sein schienen, daß sich in Kalifornien ein großes Unglück ereignete: diese Blätter ziehen es jetzt nämlich vor, über Deutschland so wenig wie möglich zü berichten und vor allem den Blick der Leser von dort abzuziehen; und da starben ihnen die hun- dettfünfzig Menschen in Kalifornien gerade recht: das gab nämlich einen groß ,/rufzumachenden" Anlaß, nicht laut davon zu reden, daß zur gleichen Zeit in Deutschland täglich Menschen von Menschenhand hingemordet werden! Feigheit und Sympathie mit den Henkern des„Marxismus" hindert diese Presse, der täglichen Mordchronik ein eigenes Urteil beizusetzen, aber letzte Scham macht es ihnen etwas schwer, die Dinge einfach zu registrieren, als ob etwa die sadistisch« Mißhandlung Sollmanns oder das Nieoerknallen Georg Landgrafs oder der Todesfchlag gegen Karl B ö sch e l selbstverständliche Dinge wären. Und so handeln sie nach dem bewährten Grundsatz: Reden wir von etwas anderem— beispielsweise von Kalifornien. Der Frühling naht... Unter dem Einfluß des Druckhochs, dessen Zentrum nördlich von den Karpathen liegt, ist nunmehr auch in der Süd- flowakei Ausheit«rung eingetveten, so daß gestern früh im ganzen Staatsgebiete der Himmel nahezu wolkenlos war. Bei reichlichem Sonnenschein waren di« Sonntagnachmittags-Temperaturen in Böhmen bis auf plus 10 Grad angestiegen. Im Osten und im Nordosten des Stäates wurden rund nur 5 Grad Celsius gemessen. Gestern halten die tieferen Lagen wieder überall Nachtfröste. Troppau meldet minus 8, Rimavska Sohoia minus 9 Grad. Demgegenüber ist cs aus den böhmischen Randgebirgen relativ warm. Wahrscheinliches Wetter heut«: Fortdauer des schönen Wetters, namentlich untettags wär« mer, schwacher Wind.— In Frankreich ist ein richtiges Frühjahrswetter zu verzeichnen., In Paris herrschte Sonntag die gleiche Temperatur wie in Nizza und auf Korsika. Es wurden bei ganztägigem Sonnenschein rund 20GradCel« s i u s gemessen. Die Minimaltentveratur am Morgen betrug 12 bis 13 Grad Celsius. Das Karl-Marx-Vild auf der ersten Seite, ein Holzschnitt, kann in vornehmer Ausführung— etwas mehr als Zeitunghqrößc— zum Preise von nur K« 30.— entweder direkt vom Künstler, Georg Trapp. Eichwald bei Tcplitz-Schönau, oder durch die Zentralstelle für das Bildungswesen bezogen werden. Hitlerismus im Schriftsteller-Schutzvrrband. In den Büroräumen des Schutzverbandes deutscher Schriftsteller in B c r l i n der größten Bereinigung deutscher Schriftsteller, erschienen Freitag abend unter Führung von Hans Heinz Ewers und im Einvernehmen mit dem Reichspropagandalciter, Dr. Göbbels. Vertreter dcr Arbeitsgemeinschaft„nationaler" Schriftsteller. Sie forderten Umstellung dos Hauptvorstandes im Sinn« der„nationalen Freiheitsbewegung". Acht Mitglieder des Hauptvorst.andes, der gerade zur Sitzung versammelt war, traten zurück. Ti« verblei, benden Mitglieder ergänzten hierauf den Hauvt- vorstand mit 6 Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft nationaler Schriftsteller. Es wurde dann beschlossen. Kommuni st en aus dem Schutzverband deutscher Schriftsteller auszuschlie- ßen. Eine Trafikantin überfallen. Zwei unbekannte junge Leut« überfielen Sonntag abends in Unvar die Trafikantin Sophie Hainz im Flur ihres Wohnhauses und entrissen ihr ein Damerttäschchen mit der Tageslosung von 2000 Kronen. Um ihren Ueberfäll sicher durchführen zu können, hatten sie vorher in dem.Hausflur die elektrische Leitung durchschnitten und einen zweiten Ausgang aus dem Hause mit einem Nachschlüssel geöffnet, durch den sie dann die Flucht ergriffen. Die Trafikantin ist nicht imstande, eine Beschreibung der Täter zu geben. Hinrichtung. I« Weimar wurde Montag früh der Schlosser Waller Schwab aus Bergern lLand- kreis Weimar) hingerichtet. Er hatte am 5. Juli 1932 am Ettertsberg bei Weimar sein« Geliebte Grete Arnold erdrosselt Bei einer Explosion in einem vorstädtischen El«, trizitätswerk in Lyon kamen drei Personen um- Leben, 12 Personen wurden verletzt. Seite 11 Nr. 82 Dienstag, 14. März 1SSS ff !! atetcywoyt em unerourncycs, em großes unaus- haltsameS Sterben. Wo heute noch die„Laguna Viva", die lebendige Lagune ihre salzig frischen Meerwasser unter leuchtendem, grün schimmern ist. Man drückt die Finger darauf und macht dann den Abdruck auf weißem Kartonpapier. Wenn Fingerabdrücke vor Gericht vorgeführt werden, wird meist eine vierfache Vergrößerung, von ihnen gemacht, damit alle Einzelheiten genau zu erkennen sind. Es ist ganz interessant, die Fingerabdrücke der einzelnen Familienmitglieder miteinander zu vergleichen. Man braucht zu diesem Zweck nur einen gewöhnlichen Teller über einer Kerze, an- ruschwarzen. Dann drückt inan hie Finger aus orosen geschwärzten Deller und darauf ein Stück weißes Kartonpapier, das man am besten vorher- mrgefeuchtet hat. Diese Vergleiche der^Fingerabdrucke geben allerlei interessante Aufschlüsse. H. Hausse.: *■* Eine alle Lagunenstadt: Lhioggia, in der Näh« Venedig», ist ans Pfähle« erbaut. Ist die beliebte Zahnpaste von höchster Qualität Die vielen Millionen Menschen« die sie täglich benutzen« erfreuen sich gesunder und weißer Zähne. Hüten Sie Sick vor Nachahmungen und vielversprechenden Ange« boten, verlangen Sie ausdrücklich nur Chlorodont. Lagunen-Fisdicr. Etsch, Brenta und Po, gleich den zahlreichen kleinen Flüssen, die von den Hochgebirgsketten der Alpen und Appeninen zum Meere herabstürzen, bringen durch Jahrtausende Geröll- und nt r Z^hn:pasti« Corcioglu zum Proletarier wurde. Als Corcioglu im Jahre 1917 bei Ausbruch der Revolution aus Tiflis flüchten mußte, überließ er dem damaligen Sekretär des Obergerichtes von Tiflis Alexander Plawski sein gesamtes Vermögen, darunter ein geheimes Schließfach mit Gegenstästden im Wert« von vielen Millionen. Da er nicht nach Tiflis zurückkehren konnte, schlug er seinen vorläufigen Wohnsitz in Konstantinopel, dem Zufluchtsort« so vieler russischer Emigranten auf. Bon seinem Vermögen 7WTflWIMMMHIIWFiTBrTTi tiiiuUUiijIiM— den. Schließlich schenkte er dem Freunde ein seines Fteundes von plündernden Revolutio- Auto. Corcioglu fuhr darin nach dem nahen nären ausgeraubt worden sei. Im Verlauf des Czernowitz und mietete sich dort eine Wohnung, langjährigen Prozesses konnte schließlich das Gc Den Wagen vermietet« er an Passagier» und’"'''" u‘’ schlug sich recht und schlecht durchs Leben. Zu nächst wohnt« er im Hotel, bald aber mußte er selbst sein Auw chauffieren, da seine Einnahmen immer kleiner wurden. Als eines Tages der Wagen bei einem Unfall in Trümmer ging und Corcioglu hilflos dastand, begab er sich wieder zu dem schweigenden Freunde. Doch der versagte ihm jetzt jede Hilfe und wollte von dem ihm anvertrauten Vermögen überhaupt nichts mehr wissen... Unverrichteter Dinge kehrte der Betrogene nach Czernowitz zurück. Am nächsten Tage wurde er in seinem bescheidenen Zimmerchen bewußtlos auWkfunden. Er hatte in feiner Ver zweiflung Gift genommen. Monatelang lag er schwerkrank in einem Spital, bis er wieder seine Gesundheit erlangte. Und dann begann sein Leidensweg von neuem. Um sein Leben zu fristen, wurde er Straßenhändler. Nach längeren vergeblichen Versuchen, etwas von Plawski her auszuholen, strengte er schließlich einen Prozeß gegen diesen an. Unzählige Verhandlungen fan den statt. Zeugen aus aller Welt, darunter der persische Konsul aus Konstantinopel, erschienen vor dem Tribunal und bekundeten, daß Cor cioglu tatsächlich der reichste Mann von TifliS gewesen sei. Plawski und sein« Frau indessen Geschworen, daß auch daS geheime Schließfach Meiner kleinen Tochter habe ich gesagt: Tas schöne Kinderheim in Sten; in Sachsen, in dem du im vorigen Sommer mit vielen anderen deutschböhmischen Arbeiterkindern warst, dieses schöne Heim, in dem Arbeiterkinder und jugendliche Arbeiter Erholung und Kräftigung suchten und fanden, ist gestohlen worpen. Du hast mir erzählt, daß euch, wenn ihr Spaziergänge mach- t-t. Hakenkreuzbuben nach'chimvftcn und daß sie euch drohten. Denn ihr seid Arbeiterkinder,. ihr seid die Kinder sozialb.nnokratischer Arbeiter, und dartun Haffen euch die Nazi. Wenn ihr fanget, versuchten sic euch niederzubrüllen. Wen« ihr einander fröhlich zuriefet:„Freundschaft!", haben sie gewiehert. Aber ihr habt trotz gelegentlicher Störungen durch die Wilden doch vier schöne Wochen bei Freunden verlebt. Andere Kinder werden nicht mehr so glücklich sei«. Die Nazi haben das sozialistische Kinderheim in Sten; gestohlen und„machten eS für die Hitlerjugend frei". Es ist„freigemacht" worden für die Buben, die euch schon im vorigen Sommer bedroht und beschimpft haben. Di« Hcckenkreuz- ler haben deutschen Arbeiterkindern ein Ferien- beini gestohlen. Merk es dir! Vergiß es nie! Du darfst es nicht vergessen, daß. es Nazi waren, die den Arbeitern und ihren Kindern ein Erholungsheim, in dem Tu dich so froh und so gesund gefühlt hast, wie nie vorher, gestohlen haben'. Vergiß es nicht— und wenn du groß bist, meine- Tochter, dann mußt du mithelfen, zurück- zuerobern, was di« Hakenkreuzler den Arbeitern gestohlen haben!—fb— Was Reifenden in Deutschland passiert. Em Freund unseres Blattes, der dieser Tage aus Deutschland zurückgekommen ist, teilte uns folgend««, für di« heut« in Deutschland herrschenden Verhältnisse ungemein bezeichnenden Vorfall mit:„Iw fuhr mit der Bahn von Berlin nach Dresden, Im Zuge gingen zwei uniformiert« und bewaffnete SA.-Leuie von Coupö zu Coupä und sammelten für irgendeinen HitlerfondS. Sie öffneten auch di« Tür zu unserem Abteil und der eine von ihnen hielt dem nächst der Tür fitzenden Herrn di« Sammeibüchs« vor di« Nase. Dieser schüttelt« den Kops; er hatte seine Fahrkarte bekohlt und war wohl der Meinung, daß er zu weiteren Abgaben nicht verpflichtet sei. Aber er sollte sehr schnell eines Besseren belehrt werden; der zweite SA.-Mann schwang seinen Gummiknüttel hoch und ließ ihn mit aller Gewalt auf den Kopf des so wenig opferfreudigen Reisenden nicdersausen. Der fiel lautlos in Ohnmacht. Daß die Opferfreudiqkoit der übrioen Passagier« durch! diesen kleinen Zwischenfall sehr erfolgreich angespornt wurde, muß nicht erst betont werden..." Seltsame Rettung vor Wölfen. Ein Flugzeug hat auf dem Wege von Moskau nach Charkow ein seliscunes Abenteuer erlebt. Als eS ein unübersehbares Held übtzrflvg, gewahrten die Flieger plötzlich«inen Baueruschlsttev, tzesstzst In« fasse mit aller Kraft auf sein Pferd«lnschmg. Dsn Schlitten verfolgten sieben Wolf«. Immer geringer wurde der Abstand zwischen dem Schlitten und dem Wolfsrudel rind der Bauer schien dem Tode rettungslos preisgegeben. Um den Bauern zu retten, verringerten dir Flieger d'e Flughöhe und flogen geradeswegs auf das Wolfsrudel zu. DaS Dröhnen des Motors und der Schatchn deS Flugzeuges erschreckt« die Wölfe, so daß sie schleunigst auSeinandcrstokxn. Hierauf gaben die Flieger dem Bauern noch bis zum näck'kn Torfe das Geleit.- Gott gegen Regen versichert. Ein anglika- nischcr Geistlicher in Australien hat mit großem Schmerz bemerkt, daß der Besuch seiner Kirch« an regnerischen Tagen sehr zu wünschen übrig läßt. Das ist nicht nnr für das Seelenheil von Bedeutung, sondern auch für di« Kirchensammlung, weil natürlich an solchen Tagen die Geldspenden sehr dürftig fließen. Was konnte man dagegen tun? Der schlaue Geistlich« wußte sich bald Rat: er ging«ine seltsam« Regenversicherung ein. Regnet es am Sonntag zwischen 8 Uhr morgens und 12 Uhr mittags, so bekommt der Geistliche hundertfünfzig Schilling von der Versicherungsgesellschaft ansgezahlt. Dafür muß er freilich eine Vrämie von wöchentlich zwölf Schilling befahlen. Der Gottesdienst beginnt um 11 Uhr. Hält sich das Wetter bis elf und beginnt es erst dann pr| rührten Gegenstand zu säubern. Ein Einbrecher, regnen, so kassiert der Geistliche doppelt; einmal der sehr vorsichtig arbeitet«, machte doch jchließ- bei der Versicherungsgesellschaft und ein ziveites- sich einei^ Fehler. Er kletterte durch das Fettster mal bei seiner Gemeinde. Es ist nicht bekannt,' ob die Versicherungsgesellschaft in einer Berirags- kiau'fel verboten hat, um Regen pt beten. Gz ist aber bemerkenswert, daß der Geistliche, der es eigentlich wissen muß. der Versicherungsgesell schaft mehr vertraut als Gott.' Haus-Einsturz. In der tun j fischen Ge- ineind: Märeth stürzt« infolge, des anhaltenden Regens ein Wohnhaus ein. Fünf E.in'ivoHi ner fanden in den Trümmern den T o d. Baudenbrand auf der Königshöhe. Wie au» Reichenderg gemeldet, wird, ist in der Nacht auf Samstag dl« in Touristenkreisen allgemein bekannt« Baud« auf der Königshöhe in Johannesberg voll ständig niedergebrannt. Der etwa 50 Schritt«, davon entfernt stehende hohe steinerne Turm,, ein.Wahr, Zeichen des Jsergebirgcs im Norden der.. Stadt Gablonz, hat unter dem Brande der Baud« in. keiner Weise gelitten. Di« Ursache des Brandes bedarf noch der Sicherstellung. Di« zum größten Teil aus Holz errichtet« Baud« war. Eigentum des Johannesberger Gcbirgsvereins und wurde im Jahre 1880. errichtet. Polarexpedition in großer Gefahr. Larlens Antarktis-Expedition hat, wie ein bei einem Ver wandten eines der Expeditionsteilnehmer in Oslo eingegangenes Telegramm besagt, während eines Sturmes chre ganze Ausrüstung verloren sowie ihr« 60 Hunde«ingebüßt. Di« Mitglieder der Expedition wurden von dem norwegischen Walfischfänger„D 5" gereitet. und von Plgwfli hört« er während eines ganzen Jahres nicht das mindeste. Eines Tages erfuhr er durch«inen außerordentlichen Zufall, daß sich Plawski und sein« Frau auf einem französischen Dampfer im Hafen von Konstantinopel befanden. Kaum eine Stunde später war xr auf dem Schiffe, um seinen Freund zu begrüßen und sich nach dem Schicksal seines zUrückgelaflenen Vermögens zu erkundigen. Plawski war von dem unerwarteten Besuch jedoch wenig angenehm berührt und erklärte, von den ihm anvortrauten Vermögensstücken nichts mehr zu wissen. Als ihm aber Corcioglu mit einer Revision seines Gepäcks durch die Hasenpolizei droht« und an der.Hand seiner Frau zwei ihm gehörende kostbare Ringe entdeckte, flehte ihn Plawski an, ihm keine Schwierigkeiten zu machen. Er reise jetzt nach dem Gute seines Schwiegervaters in dem beflarabischen Orte Horogrant, wo ihn Corcioglu nach einigen Wochen zur Regelung der Bermögensfrage aufsuchen möge. Nach langem Drängen willigte Corcioglu ein. Weitere Monat« verstrichen, bis Corcioglu in Plawskis Villa in Bessarabien erschien und di« Rückerstattung seiner Wertstücke verlangte. Plawski nahm seinen ehemaligen Freund sehr liebenswürdig auf, behielt ihn einige Wochen bei sich und vermochte ihn zu bewegen, die endgültige. Besprechung der Angelegenheit auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Das ganze unbewegliche Vermögen Eorcioglus, so erklärte er, sei von den Revolutionären verwüstet wor- fingerabdruAe sprechen. Wenn drei sich gleichen...— Der Lichtschalter bringt«s an den Tag— Fingerabdruck als GeseNschaftSspiel. Tausende von Fingerabdrücken sind gemacht und ausbewahrt worden, seit man sich dieser Methode in der Kriminalistik bedient. Wie gut sich dieses Verfahren bewährt, beweist ein Fall, der in Scotland Dard in London studiert tMche und wirklich sehr interessant ist. Man hat Hier die Photographien von drei Männern, di« nicht Verbrecher sind, di« sich aber in allen Einzelheiten so sehr ähneln, daß es dem Betrachter un- möglich ist, den einen von den: andern zu unterscheiden. Sie haben die gleiche Gröhe, dasselbe Gewicht, denselben Körperbau, auch Haar-, Bart» ! und Äugenfarbo sind vollkommen übereinstim- stimmend. Man hat bisher nur Doppelgänger gekannt, daß aber drei Menschen sich so vollkommen ähneln, scheint einzigdastehend zu fein. Es gibt eigentlich nur eine Art; diese drei Männer von einander zu unterscheiden, und zwar, dinch ihre Fingerabdrucke. Gerade in diesein ist«s auffallend^ wie hier auf den ersten.Blick di«' Verschiedenheit ins Ange springt; -DaS Muster der Fingerspitzen bildet sich schon vor der Geburt; also schon der Säugling wird mit dem gleichen Muster geboren, das später der erwachsen« Mensch hat, nur daß bei diesem die Linien gröber werden. Auch noch dem Tode bleibt das Muster erhalten, bis der Zerfall eintritt. Man hat Geräte gefunden, die vor Tausenden von Jahren benutzt wurden und hat auf einigen Vock ihnen Fingerabdrücke der Menschen entdeckt, die mit ihnen gearbeitet haben. Natürlich versuchen Verbrecher, die Fingerabdrücke zu vermeiden oder unkenntlich zu machen. Mele haben versucht, mit starken Säuren die Haut der Fingerspitzen weMibr-nn«n; aber das war vergebliche Müh«, denn sobald sich die neu« Haut bildet«, trug sie genau die gleiche Musterung wie die frühere Haut. Gummibandschuhe werden häufig benutzt, damit keine Spur auf den berührten Gegenständen zurückbleibt, aber obwohl sie sich oft als praktisch erwiesen haben, sind sie keineswegs beliebt, denn natürlich läßt sich mit Handschuhen nicht so sicher arbeiten wie ohne sie. Vielfach nehmen die Verbrecher auch eine I Flasche Spiritus mit, um die Spuren von den Gegenständen abzureiben. Aber die- Verfahren | ist wenig zuverlässig, da«S natürlich in der Auf- i regung oft übersehen wird, Wirklich jeden be- Dandmassen mit, die sich an den Einflüssen in die Adria ablagern. WaS gestern noch Küste war — heute ist es Binnenland mit kilometerweiten Landstrecken vor sich. Ader daS-„Gestern" bedeutet in der Arbeit der Naturkräfte Jahrhunderte und Jahrtausende, die auS der römischen Hafenstadt Aquileja ebenso wie aus Ravenna Binnenstädte gemacht haben. Auch Venedig hat, vielleicht erst in einem Jahrtausend, diese- gleiche Schicksal zu gewärtigen. Bis zu dem schmalen langen Band der vorgelagerten Nehrung, auf dem auch der Lido des Badeortes Venedig liegt, ist die ganze Lagune vom Naturschicksal zur An- ftrandung und Versandung vorausbestimmt. Die Lagune, was nichts andere- bedeutet als See, Binnensee, ist zum Tod« verurteilt. Die Lagune von Venedig,«in Mecreshaff wir die Haff« der deutschen Ostseeküsten und ihrer größeren Fluß- einmündüngen auch, ist zum Tode verurteilt. Di« Lagune stirbt. Es ist ein sehr langsames Sterben, aber gleichwohl ein unerbittliches, eist großes unaufhaltsames Sterben. Wo heute noch die„Lagm viva", die lebendige Lagune ihre salzig frische richt feststellen, daß Plawski in einer Czernowitzer Bank Schmuckstücke hinterlegt habe. Da Corcioglu di« einzelnen Gegenstände genau beschreiben konnte, so mußte sich der Gerichtshof von der Wahrheit seiner Angaben überzeugen lassen. Es erfolgte die Beschlagnahme des gesamten Vermögens Plawskis, der sich in Bessarabien ein großes Rittergut im Werte von fast 40 Millionen Lei gekauft hatte. Plawski wurde zur Zahlung von drei Millionen Lei an Corcioglu verurteilt. Corcioglu hat Berufung gegen das Urteil eingelegt, da ihm die zugesprochene Entschädigung zu niedrig erscheint. Aber auch Plawski hat den Berufungsweg beschritten, nnd somit hat dieser Sensationsprozeß seinen endgültigen Abschluß noch nicht gefunden. Vorläufig bleibt also der ehemalige Krösus von Tiflis das, was er seit einer Reihe von Jahren ist, nämlich Straßenhändler und Proletarier. Dre gesamt« öffent- liche Meinnng Rumäniens und auch die Arbeiterpresse hat Partei für ihn ergriffen und verlangt, daß die Berufung-Verhandlung schnellstens angesetzt wird. Doch das nicht allein: Di« Straßenhändler von Czernowitz haben sich zusammengetan und Geld für ihren»Berufskollegen" aufgebracht, damit di«s«r seinen Prozeß weiterführen kann... ist das Zimmer, drehte das elektrische Licht an und rieb nun zunächst sorgfältig mit Spiritus sowohl das Fensterbrett als auch den Lichtschal ter ab: Dann öffnete er den Gqfdschrank und raubte ihn aus, worauf er auch hier alle Spuren mit Spiritus entfernte. Dann drehte er das Licht wieder aus und sprang durch das offen« Fenster hinaus, wobei er sich in acht nahm, um das Fensterbrett nicht rstit den Händen zu berühren. Er hatte nur vergessen, daß er den Lichtschalter ein zweikesmal berührt hatte, und hier fand sich wirklich sein Fingerabdruck, eine Vergeßlichkeit, die ihn drei Jahr« Zuchthaus kostete. Eine merkwürdig« Erscheinung ist, daß die Fingerspitzen der Kinder fast immer mehr Aehn- lichkeit mit der Mutter aufweisen als mit dem Vater. Um den Fingerabdruck eines Verbrechers zu erlangen, bedient die Polizei sich meist eines schmalen Stückchens polierten Kupfers, das mit einer dünnen Schicht Druckerschwärze bestrichen QnuHtniniiiiininnii!nniftniiiiiHiininuufliinnMtiiHiiffniuiiniiiHnniHiiinuntiiiininnniiinn» bet Ctsfen&ang»er Nrünänort»^-'' Die Tierfreunde tun ganz gut daran, sonst iunverwendbare Reste hier einer vernünftigen Verwendung zuzuführen. Es gibt aber auch solche, die noch weiter gehen und bei den benachbarten Selchern Ueberbleibsel und billige (Wurst kaufen und verfüttern. Diese Ueber- Ibleibsel,„S t ü ck ch e n" genannt, sind ein wichtiges Nahrungsmittel für die arme Bevölkerung, ^von der Wurst gar nicht zu reden. Aber die Hand, die sich freigebig den Möwen öffnet, bleibt »ft geschlossen, wo es um menschlichen Hun- ger geht.-., So verfütterte dieser Tage ein solcher Wohl- ,täter ein Päckchen„Reklamewurst", so ungefähr zehn Deka. Das Füttern machte ihm Spaß und er holte eine neue Auflage. Mit der Zeit wurde es ihm langweilig; er knäulte das Papier mit einigen Wurstscheiben darin achtlos zusammen und— warf es in weitem Bogen ins Wasser. Neben mir stand ein junger Mensch, abgezehrt und verwahrlost. Er verfolgte die Fütterung mit gierigem Interesse. Seine Kaumuskeln arbeiteten beim Anblick des Wurst- ffleisches, von dem er die Augen nicht losreitzen Sonnte. Der verkörperte Hunger! Und als nun !der Rest der schönep Wurst ins Wasser flog, da entfuhr ihm ein unwillkürliches schmerzliches ^Ach...!" Als ich chn ansah, wurde er blutrot 'und verschwand. Was aber hätte jener Tierfreund wohl getan, wenn ihn der Hungernde gebeten hätte, ihm leinen Teil der billigen Wurst, die er ja doch nur als Tierfutter schätzt, abzulassen? Nach der Physiognomie zu schließen, hätte er mit der Polizei gedroht. Wie gut sind doch die Möwen daran! Bg. Mutige Rettungstat. Sonntag gegen 6 Uhr - abends neigte sich auf dem Rasinka i bei der Eisenbahnbrücke die achtjährige Schülerin Marie B ü ch a l so unvorsichfig über das Geländer, daß sie das Gleichgewicht verlor, in die Moldau fiel und s o- ifort zu sinken begann. Der vorübergehende Korporalaspirant Dr. Arnold Hessel sprang in seiner Uniform dem Kinde sofort nach und es ; gelang ihm, es in bewußtlosem Zustande ans dem Wasser zu ziehen. Filme in Prager Uthtspiemaoberi bis einschließlich Donnerstag, den 16. März: Wran-Urania:„Melodie der Lieb»" Adria: „Fräulein Ao Ao." Alfa:„Der Paradiesvogel." Beräuek:„Bring sie lebend hei m." Fv«ix: „Fräulein Ao Do." Flora:„Gehetzte Men- schen." Gaumont:„Liebesguartett.". Hollywood: „Mamba." Hvezda:„Das Schiss ohne Hafen.: Julis: ,Der Onkel aus Amerika." Kinema, B-Th.: I o u„ na le, Report., Groteske. Ab 12.30 bis 7.30. Koruna:„Tas Schiff ohne Hafen." Kotva:„Tas Fensterchev" Lueerna:„Tas Fensterchen" Metro: „Das Fensterchen." Olympier„Mamba" Passage: „Abenteuer im Engadin." Praha:„Liebe — ein Naturgesetz." Radio:„Bring sic lebend heim." Skaut:„Jngag!.: Svctozor:„Abenteuer im Engadin." Alma:„Ein Mädel mit Temperament." Avio«:„Der Onkel aus Amerika." Bajkal:„Bring sie lebend heim." Favorit:„Wie werde ich re'ch und glücklich?" Kapitol:„Opernredoute." Konvikt: „Gehetzte Menschen." Lido:„Schwester Angelika." Louvre:„Bring sie lebend heim." Maceska: „Ein Mädel mit. Temperament." Perityn:„Bomben über Shanghai.: Roxy:„Ein Mädel mit Temperament." Baldek:„Gehetzte Menschen." Aca« demia:„Die Gräfin von Monte Ehr'sto." Belvedere:„Anton Spelec— der Scharfschütze." Carlton:„Gehetzte Menschen." Domovina:„Sehnsucht 202." JNnflon:„Gehetzte Menschen." Sport-Smichov:„Joh. Strauß, k. k. Hofballmusik- direktor." v Bojvovu:„Sehnsucht 202." Zvo«:„Die Herrin von Atlantis." PRAfiERZEimfi Möwen und Menschen. Am Moldaukai, unweit der Altstädter Müh len, sieht man jetzt zu jeder Tageszeit Mengen von Zuschauern, die sich an den Flugkünsten der dortigen Möwen ergötzen. Das Publikum füttert isie reichlich. Drei Brezelverkäufer machen gute !Geschäfte. Mancher Tierfreund bringt auch aller» !hand Speisereste von daheim mit, Brot- und iKäserinden, Wursthäute, Fleischabfälle u. dgl. Die Vögel schießen vorbei und schnappen die zu geworfenen Bissen'in der Luft aus. Besonders auf Fleisch sind sie erpicht und produzieren die erstäunlichsto Luftakrobatik, um einander die Bissen wegzunehmen. Tas sehen die Menschen besonders gerne. So zahm sind übrigens die Tiere geworden, daß sie einen hingehaltenen Brocken geschickt im Vorbeifliegen a u 8 der Hand nehmen.