1 13. Jahrgang. Freitag, 17. März 1933 M. 65. Der Kampf in Oesterreich. Schwere Differenzen zwischen Dollfuß und Fey. Der Amstungsplan NacDonalds. Gesichtspunkten organisiert war. Die sozialdemokratische Partei hat an Stelle des Schutzbundes Ordnerwehren für Tirol geschaffen.- Diese könnten nur mi-t der Partei aufgelöst werden. Das sozialdemokratische Gewerkschaftshaus in Innsbruck ist von Militär besetzt und wird durchsucht. Die umliegenden Straßen sind abgesperrt. Ansammlungen im Zentrum der Stadt wurden durch di« Polizei zerstreut. Wien, 16. März. In der Nacht auf heute und im Laufe des Vormittags wurden Massendurchsuchungen nach Waffen in verschiedenen Orten Vorarlbergs, hauptsächlich in Bregenz, Dornbirn und Feldkirch vorgenommen. Sämtliche Arbeiterheime, Redaktionen und Sekretariat« wurden streng durchsucht und dir wenigen dort aufgefundenen Waffen beschlagnahmt. Trotz dieses verhältnismäßig negativen Ergebnisses der Durchsuchungen kupsieren Gerüchte, daß morgen in Vorarlberg der Republikanische Schutzbund behördlich aufgelöst wird. Wien, 16. März. Heute wurden die„Arbeiter-Zeitung", das„Kleine Blatt" und die „Rote Fahne" konfisziert. Iteidle sollt« Kommissär für Wie«, Starhemberg Reichsverweser werden. Durch diese Pläne fühlte sich Dollfuß an die Wand gedrückt und er wandte sich deswegen in entschiedener Weise gegen Feh. Borläufig bleibt Feh weiter in seiner Funk, tion, da«in« Lösung des Konfliktes infolge der Parlamentstrise nicht möglich ist. Die politisch« Spannung aber bleibt größer als je. Die Erregung unter der Arbeiterschaft wird von Stund« zu Stunde mächtiger. «eine Verpflichtungen gegen die Feinde der Demokratie Im„Populaire" schreibt Leon Blum, es sei die Pflicht aller republikanischen Regierungen, Hitler di« Möglichkeit zu entziehen, einen Prestige,Erfolg zu erreichen. Es sei vielmehr die Pflicht dieser Regierung, di« deutsch« Oeffentlichkeit merken zu lassen, daß die republikanischen und demokratischen Regierungen keine Verpflichtung gegenüberden jetzigen Herren Deutschlands fühlen, sondern di« Organisierung des Friedens für ihre einzige Pflicht halten. Luther demissioniert. Berlin, 16. Mär;.(WTB.) An der Generalratssitzung der Reichsbank erklärt« Reichsbankpräsident Dr. Luther seinen Rücktritt. Zu feinem Nachfolger wurde der frühere Reichsbankpräsiden« Dr. Schacht gewählt. Reichsbankpräsident Dr. Luther hat seinen Entschluß, sein Amt zur Verfügung zu stelle»«, dem Reichspräsidenten in einem Schreiben mitgeteilt, dessen hauptsächlichster Inhalt wie folgt lautet: Daß die Rcichsbankleitung stetig und von parteipolitischen Strömungen unabhängig zu sein hat, musst zum Schutze der Wahrung als tragende Grundlage deutschen Volks- und Wirtschaftslebens jetzt und auch künftig Geltung behalten. Dr. Held znrthkgetreten. München, 16. März. Ter Beauftragt« der Reichsregiernng, General von Epp, hat soeben folgende Beiordnung erlassen: Durch Schreiben vom 15. März 1933 läßt mir der bisherige Ministerpräsideitt Dr. Held mitteilen, daß' er mit dein heutigen Tage seine AmtsgesthEftc als ge- schästssü'hvender Staatsminister und Vorsitzender des Ministerrates niedergelegl hat. Die nach 8857 ff und andere»» Bestimmungen der bayrischen Berfassungsurknnde drin Gesanrtministeri»«m zustehenden Befugnisse stehen von jetzt ab ausschließlich dem kommissarischen Ministerrat zu. Der Staatskommissär für das bayrische Innenministerium Adolf Wagner hat folgende Anordnung an alle Regierungspräsidenten und Polizcidirektioneu in Bayern bekauntgegeben: Zur straffe när Durchführung der von der politischen Polizei für erforderlich gehaltenen Aktionc»» wird mit sofortiger Wirkung der, Polizeipräsident der Polizcidirektion Münch«»» j»»»»t politischen Referenten Seim LtaatSministrrmm des Innern ernannt und ihm in dieser Eigenschaft die gesamte politische Polizei' in Bayern unterstellt. * Leipzig, 16. Mär;. Tas Polizeipräsidium teilt mit: Das für heute abe»»d angcsetzte Gc- waudhauskonzcrt unter'Leitung des Dirigenten Bruno Walter darf auf Anordnung des Ministeriums des Innern nicht stattsinden. Berlin, 16. März. Der Präsident des preußischen Landtages Kerrl hat Äntveisung erteilt, daß für di« ersten Sitzungen des preußischen Landtages der Schutz durch ein Kontingent Hilfspolizei durchgeführt werde. Berlin, 16. März. Tas Conti-Büro meldet: Der Vorstand des Verbandes preußischer Potizei- beamter hat, wie er mitteilt, in seiner heutige»» Sitzung beschlossen, einen Vertrauensmann der nanonalcn Belvegüng der Berbandsleitung bci- zugeben. Die Berbandsleitstng wird fortan nur > im Einvernehmen mit dein- B«rtraue»rs»nann ' arbeiten. Bochum, 16. März., Die Gewerkschasts- gebäude sind heute von der SA unter der Bedingung.wieder fr'eigegeben worden, daß ausschließlich sozialpolitische Arbeit von den Gewerkschqfts- acgestellten für die Arbeiterschaft. geleistet wird. Für diese Arbeiten wird ein Ucbcrwachnngs- kominissar cirigesetzl. Die Gebäude ausgesprochen staatsfeindlicher Organisationen, wie das„Volks- blatt"-Gebäude, das„Heim der Naturfreunde" und das„Heim der sozialistischen Arbeiterjugend" bleiben noch beseht. Elbing(Westpreußcn), 16.. März.(Wolfs,) Einem Berichte der Polizei zufolge sind in dei» letzten Tagen in Elbing und Ningcbung in Zu- sarnmenhang mit zahlreichen Haussuchungen bei Kommunisten»nchrere Verhaftungen vorgenom- men»vorden. In Tolkemitz würden' zwei verhaftete Kommunisten bei einem Fluchtversuch erschossen. Heimwehr abgezogen. Wien, 16. März. Die Heimwehrleute aus Wien und der österreichsichen Provinz, die, wie bereits gestern mitgeteilt wurde, gestern während des ganzen Tages in dem Gebäude des., ehemaligen Ministeriums für Inneres und Ackerbau im I. Bezirk(ehemalige Böhmische Hofianzlei) konzentriert wurden, habe»» während der Nacht nach einer energischen Intervention hoher Polizeibeamten in Gruppen Wien verlassen. Tiroler Schutzbund verboten. Innsbruck, 16. März. Mit Bescheid des Landeshauptmannstellvertreters Tragseil an die Landesorganifation in Tirol des republikanischen Schutzbundes wurde dieser Verein aufgelöst. In der Begründung der Auflösung des republikanischen Schutzbundes heißt es u. a.r Die aint- lichen Erhebungen Haber» ergeben, daß der republikanische Schutzbund durch Aufstellung von Posten, Entserwnng von zum Teil bewaffneten Patrouillen durch verschiedene Ortschaften usw. sich den Charakter amtlicher Funktionen angemaßt hat. Ferner ist erwiesen, daß er entgegen der satzungsgemäßen Feststellung, eine nichtmili- tärischc Organisation zu sein, nach militärischen Fey demissioniert Wie«, 16. März.(Eigenbericht) Nachdem Dollfuß bekannt wurde, daß die eHimwehr Sonderaktionen plan«, kam es zwischen ihm und Staats« komimssär Feh zu einem Konflikt, der damit endet«, daß Fey dem Ministerpräsidenten die Demission gab. Dollfuß hat erfahren, daß die Heimlvehr für den 25. März mit 20.000 bis 25,000 Mann Heimlvehr auf Wien marschieren wollte, um mft den bereits in der Hauptstadt lagernden Fascisten die Macht an sich zu bringen. Genf, 16. März. Unter außergewöhnlich zahlreicher Beteiligung sämllichcr Nationei» und unter großem Andrang des Publikums und der Presse fand heute nachmittags die außerordentliche Ätzung des Hauptausschnffes der Abrüstungskonferenz statt, in der der englische Premierminister MacDonald sein« ange- kündigtc große Rede für die Abrüstung hielt. Präsident Henderson erteilte sofort»»ach Eröffnu»»g der Sitzung dem englischen, Pvemier- iniirister das Wort. MacDonald wurde bei seinem Erscheinen auf der Rednertribüne von stürmischem Beifall begrüßt. Er richtete einen letzten Appell an die Abrüstungskonferenz. Man stche jetzt in der letzten Phase der Abrüstung^ konstrenz. Bor allem müßten neue Konzessionen gemacht lverden, um zu einer Lösung zu gelan- gen. Jeder habe das Recht, zu wissest, was er von der Konferenz zu erhalten und was er zu ifvfern habe. Er skizzierte sodann im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen sein Mrüstungs- projekt. Dabei hob MacDonald fünf Grundsätze hervor, von deiren es geleitet sei: 1. Festsetzung einer ersten Abrüstungsetappe aus die Dauer von fünf Jahren. 2. Bekundung des Willens an die. ganze Welt, daß die Staaten zur Abrüst»»ng entschlossen sind. 3. Sicherung der Durchführung der Abrüstung durch Einsetzung eines ständigen Kontrollorgans. 4. Vorbereitung weiterer Rüstungsherab- sttzung für die zweite Etappe durch ein gleichfalls jetzt schon einzusetzendes besonderes Organ. 5. Schaffung einer Bertrauensatmosphärc, in der die politischen Schwierigkeiten der Ge->. gcnwart überwunden werden,-. um später zu weiteren Rüstungsherabsetzungen zu gelangen. MacDonald schloß seine Rede mit^folgende»» Ausführungen: Wem» meine Vorschläge zurückgewicsen lverden und keine Verständigung möglich ist, so wird dasselbe mit jedem anderen Plai» der Fall sein. Denn jeder Plan wird gewisse Risiken für alle enthalten. Die Konst renz hat die Freiheit, den Plan. zurückzuweistn, aber sie muß sich unbedingt darüber klar sein, daß sie mit dieser Ablchnm»g eine andere Wahl trifft. Abrüstung ist kein Selbstzlvcck, sonder»» ein Beitrag zum Frieden! Nur hierauf kommt es an. Eine Ablehnung bedeutet das Risiko eines Neuen.Krieges! Ein Mißerfolg würde die zerstörenden.Kräfte im Leben der Völler wieder an die Oberfläche bringe»». Um eine solche Tra-, gödic zu verhindern, sind wir hier. Es ist jetzt in unserer Macht gegeben, die Furchtwelle, di« die ganze Welt jetzt durchzieht, zu überwinden. Genf, 16. März. Der Abrüstungskonven- tionsentwurf der englischen Regierung gliedert sich in vier Teile, mit insgesamt 96 Einzelartikel«. Die beiden ersten Kapiteln Händeln von der Sicherheit und der Abrüstung. Auf dem Gebiet« der Sicherheit beschränkt sich der Entwurf auf lerne Erneuerung des Briaich-Kellogg-Paktes. Das ztveite Kapitel enthält die eigentlichen Abrüstungsmaßnahmen. Es sieht die Vereinheitlichung der kontinentalen europäischen Heeres- thpen auf der Basis des Milizsystems von einer Dienstzeit von acht Monaten vor. Eine längere Dienstzeit bis zu zwölf Monaten soll in Aus- nahmefällen gestattet kein. Eine Stairdardisie- rirng der Hocresorganisationen außerhalb Europas wird nicht vorgeschlagen. Der Entwurf enthält Ziffern über die künftige Heeresftärke der wichtigsten Länder. Für Deutschland sind 200.000 Mann vorgesehen, Nach einer, in dem Entwurf enthaltene»» Liste erhalten.Frankreich 400.000 Mann(davon 200.000 Mann Festlandstruppen), Italic»» 250^000, Polen 200.000,. Rumänien 150.000 Mann, die T s ch c ch o s l o w a k e i 100.000» Belgien 75.000, Ungarn und Bulgarien je 60.000, Rußland 500.000, Jugoslawien 100.000 Mann. Auf dem Gebiete der Landrüstungen wird vorgeschlagen,: Bei- der schlvercn beweglichen Artillerie die Fcsffctzung einer Grenze von 105 Millimeter Kallber-Stärke für die Zukunft. Tic Staaten, die über größere Kaliber verfügen, sollen diest bis zu einer Grenze von la5 Millimetern vorläufig behalten. Fascismus und Staatsgewalt. Versagt sie auch bei uns! Es ist noch kein Jahr her, daß die Polizei und die Gendarmerie ihren Feldzug gegen den Volkssport-Verband eröffneten, Hunderte junger Burschen in Hast nahmen, jeden» Hakenkreuz und jedem Braunhemd bis in das verborgenste Schrankfach nachspürten und aus dem Vorhandensein harmloser Broschüren urrd Liedertexte im Koffer eines Gymnasiasten auf verbrecherffche Anschläge gegen die Repu- blik schlossen. Es war eine Hochkonjunktur in Hochverratsoffären und die kräftigste Unter- stützung der nationalsozialistischen Bewegung, die sie sich erhoffen, konnte. Dann kam der Bolkssportprozeß urrd nach ihm die Ausliest- rurrg der Nazi-Abgeordneten. Aus der Tatsache, daß unsere Parlamentarier nicht für diese Auslieferung stimmten, in der wir wiederum nur eiire Agitatirmsguelle für den Ha- kenkreuzfascismus, keineswegs aber eine wirkungsvolle ur»d vernünftige Maßnahme gegen den Fascismus erblicken, wurde von den tschechischen Natiorralisten und Patentpatrioten zum Anlaß eiltet wüsten Hetze' gegen die deutsche Sozialdemokratie genommen. Das. wer noch vor wenigen Wochen? Inzwischen hat die deutsche Kontrerevo- lütior» auf der ganzen Linie gesiegt und das blutige Banner der Mörderdiktatur über Deutschland aufgerichtet.-Jetzt wäre.es a n der Zeit, daß der demokratische Nachbarstaat des deutschen Sultanats die deutsche Demokratie, soweit das nach dem Völkerrecht möglich ist, unterstützte) jetzt wäre es nicht minder nötig, sich gegen die- Infektion der Bevölkerung durch das Gift des Hitlerfascisnins zu wehren, jetzt hätte die demokratische Remrblik allen Grund,, die Denrokraten in ihren Grenzen zu schützen oder wenigstens bei der Abwehr des Fascismus ungeschoren. zu lassen. Seit Tagen bietet sich uns aber ein ganz anderes Schauspiel. Die Radioempfängcr aller sudctendeut- schcn Dorfwirkshäuser und Kleinstadtcafes sind seit Wochen aiff den Deutschlandsender eingestellt, damit eine andächtig lanschende Spießermenge das Phänomen Hitler, Zieles äußerste Experiment, das jemals mit der Dummheit der Menschen angestellt wurde, immer wieder vernehme. Keine Behörde ist bisher dagegen eingeschritten. In den Wirtshäusern entlang der deutschen Grenze treffen sich die braunen Herren von hüben und drüben, stoßen auf das dritte Reich an und prosten mit„Heil Hitler", ohne daß die tschechische Gendarmerie dagegen einschreiten würde. In Aussig zeigten die Nazi dieser Tage auf einer Lichtreklamfläche, die von verschiedenen Firmen benützt wird, die Bilder Hillers, des Blutgöring und der SA-Bandi- ten. Die Polizei lehnte zunächst ein Einschreiten ab, erst als sie sah, daß die Arbeiter zur Selbsthilfe gegen die freche Provokation greifen würden, befahl sie die Verdeckung der Reklamfläche. Damit nicht genug! In W e i p c r t haben sich unsere Grenzwachen an der Hatz auf die flüchtigen Kommunisten beteiligt und gemeinsam mit den Bluthunden Görings ein Kesseltreiben gegen die Opfer des Noziterrvrs veranstaltet. Im Brüxer Grenzgebiet haben Nazimörder auf tschechoslowakischem Boden einen flüchtigen Sozialisten niedergeschossen— die tschechische Gendarmerie ist nicht eingeschritten. Jeden Arbeitslosen, der ein Pfund Margarine i'iber die Grenze schmuggelt, belauert man, jeden armen Teufel von Grenzgänger schießt man zum Krüppel, wenn er beim Schmuggeln ertappt wird, aber die Braunhemden können auf unseren» Gebiet ungestört Menschenjagd treiben. In Asch hat die Gendarmerie in dem Kampf zwischen Arbeitern und Nazis diesen Sette 2 Freitag, 17. Mssr, 1988 Nr. 65 Sukkurs geleistet. In Parschnitz hat sich bei der Auflösung einer dcutschnatronalen Versammlung dit Gendarmerie rücksichtslos gegen die Arbeiter gewandt, die dies« Versammlung besucht batten, um die Freunde der Hitlerdiktamr zur Rede zu stellen. In A u s- sig verweigerte bis gestern die Staatspolizei hartnäckig die Bewilligung unserer Kundae- bung. In B r ü N n haben bei einer tsckiechisch- fasciitischen Versammlung Polizisten Ordnerdienste für die Stribrnh- und Gaidafascisten geleistet. Schon hort man von Poli-eimaß- nahmen gegen pastlose Flüchtlinge, die den deutschen Behörden überstellt, das bciku, den Mördern ans Messer geliefert werden sollen. WaS bedeutet all das? Die tschechische Bourgeoisie— deren ,.geniäßigte" Sprache gegenüber dem neuen System in Deutschland die Hakenkreurblätter täglich rühmen— hat vor Jahr und Tag geglaubt, die Hiilerbewegung sei eine groh- deutsch«, nationale Strömung mit dem Ziel, alle Deutschen in einem Staate zu vereinigen. Dagegen hat sie sich mit den schärfsten Maßnahmen gewandt. Inzwischen hat sie erkannt, daß die Hiilerbewegung nureine Garde des bankrotten Kapitalismus ist, bestimmt, di« Arbeiter nieder- ,Zuschlägen, mit Mord und Diebstahl den Marxismus auszurotten. Dafür hat die tschechische Bourgeoisie allerhand Verständnis. Sie denkt nicht daran, diesen„Aufbruch der deutschen Nation" zu behindern. Sie wünscht sogar, daß der Geist Hitlers bei uns Eingang finde, daß der tschechische und der deutsche Fascismus erstarken mögen. Sie hat just in diesen Tagen versöhnliche Gesten gegen di« Volkssportl«r für angezeigt befunden, sie läßt durchblicken, daß si« unter Umständen zu einer Versöhnung bereit wär«, wenn dre sudetendeutschen Nazi ihrer Pflicht, den Marxismus durch Terror zu brechen, auch bei uns genügen wollten.(Ob Hitler etwa in Prag eine Loyalitätserklärung abgegeben hat, bleibe dahingestellt.) Diesen Wünschen der tschechischen Bourgeoisie fügt sich der Apparat des demokratischen Staates. Den marxistisch gebildeten Arbeiter wird das nicht wundern. Er weiß, daß es«inen über den Klassen stehenden, objektiven und schlechthin„gerechten" Staat nicht gibt. Er weiß, daß man den Fascismus nicht niederwerfen kann, indem man den Staatsapparat stärkt rund die^extremen Parteien" bekämpft(so als ob Kommunisten und Fasci- sten gleichermaßen gefährliche Feinde der Demokratie wären), er wird über die Haltung der tschechischen Bourgeoisie kaum erstaunt sein. Nun ist aber ein Teil der Staatsgewalt heut« noch den sozialdemokratischen Vertretern in der Regierung anvertraut und die Gesarnt- regierung wird von uns mitverantwortet. Wir denken nicht daran, der Fascisierung des Staatsapparates ruhig zuzusehen, wir lassen uns nicht einfallen, Harakiri zu begehen. Man wird in den Kreisen unserer bürgerlichen Koalitionspartner, di« ja wahrhaftig niemals unsere Freunde waren, Farbe bekennen müssen. Entweder man ist bereit, di« Demokratie zu schützen und den Staatsapparat, wie es der Zusammensetzung des Kabinetts entspricht, im Kampfe der Arbeiter gegen den Fascismus neutral zu halten, oder aber die Arbeiterparteien werden ihre Folgerungen ziehen und wissen, wessen sie sich von Seiten der Bourgeoisie und ihrer Machtpositionen zu versehen haben. Die Verantwortung mitzutragen, an der Regierung und der Gesetzgebung mitzuwirken, hat für die"Sozialdemokratie heute nur noch Sinn, wenn dadurch der Kampf der Der zwölfte März, dieser milde blaue Vor- frühlinassonntag, lockte viel« Kleinbürger unserer sudetendeutschen Kleinstädte zum Wagnis des ersten Verdauungsspazierganges— er führte viel« tausend arbeitende Frauen zu einer sehr ernsten politischen Demonstration. Wenn die Kleinbürger hinauswanderten aus den Gaffen der Städte, dann sahen si« in Gruppen, in Scharen sogar, Arbeiterfrauen den Städten zustreben. So wenig konnten si« diesen Stadtmarsch unserer Genossinnen sich erklär««, wie sie unsere Maifeier, wie si« irgendeinen d«r Fest- und Kampftage im Zyklus unserer roten Veranstaltungen verstehen. Aber um so großer wird Jahr für Jahr die Zahl der Arbeiterfrauen, die unseren Fahnen folgen, die an den sozialdemokratischen Frauentagsversammlungen teilnehmen. Wir wollen uns nicht, wie man zu sagen pflegt,„in di««igene Tasche lügen". Wir wollen in keinem Falle di« Zahl der Versammlungsbesucher„nach oben abrunden". Denn uns nützen hinzugedichtete Demonstranten nichts. Wir müssen sehr genau abschätzen, ob der Besuch einer Versammlung der Größe d«S Ortes, der Zahl der Arbeiter, der Kraft unserer Oganisationen entspricht. Nur dann vermögen wir festzustellen, ob di« Werbearbeit zu lästig oder zu unserer Zu-, friedenheit betrieben wurde, ob die Propaganda richtig durchgeführt wurde, ob Fehler gemacht oder vermieden wurden.— ES ist so: wir haben Heuer»'allüberall besonder- gut besucht« Kundgebungen gehabt. Rückfragen, Ueberprüfungen aller Meldungen, Einholen besonderer Informationen— alles ergibt daS gleich« Gesamtbild; die Versammlungen am sozialdemokratischen Frauentag waren besonders starkbesucht. DaS ist zum Teil zu erklären auS der Gunst deS Wetter-. Frauen, deren Schuh« schon defekt sind, können bei schlechtem Wetter nicht den Weg in di« Bezirksstadt wagen. Das ist aber vor allem zurückzuführen auf die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse bei uns und auf di« Ereignisse in Deutschland. So großes, so sch i ck- salsschwereS Politisches Geschehen muß revolutionierend wirken auf tausende, die Unter anderen Verhältnissen'vielleicht unseren Versammlungen ferngeblieben wären. Ja, dies« Versammlungen am Sonntag waren so stark, so außerordentlich stark besucht, daß wirklich in vielen Fallen Frauen, sogar solch«, di« weite Weg« zurückgelegt hatten, keinen Zutritt mehr bekomm«» konnten. Ein Beispiel für die Snwickluna, für den Vormarsch unserer Frauenbewegung, das charakteristisch ist: im Jahr« 1913 gab es im Bezirke Teplitz am soziaLemokratischen Frauentag«in« einzige Versammlung; die Genoffinnen fanden ?)latz im Nebenraum eine- großen Versamm- ungssaales. Am Sonntag gab es vier große, überfüllt« B«rsammlunq«n im Bezirke Teplitz! Und so war es überall! Der sozialdemokratische Frauentag war«in stolzer Tag für unsere Genossinnen,«in stolzer Tag auch für unser« Partei— und. er war Tag der Zuversicht, der Erhebung... I Arbeiter gegen den Fascismus mindestens Inicht gehemmt wird. Dag wireine amtliche Förderung des Fascismus dulden und decken werden, darf , man von uns nicht erwarten. Das s mögen sich die Faktoren, die es angeht, schon jetzt mit aller Entschiedenheit gesagt sein | lassen! ES ist nicht möglich, ausführlich all« Ber- ! sammlungen zu schildern. So sehr die Freude und der berechtigte Stolz unserer Genoffinnen ! es verlangen—«s ist doch nicht möglich! Denn ! wichtiger als diese Berichte über unsere Ber- j sammlungen sind heute, sind in diesen Tagen ! ander« Berichte! Unser« Genoffinnen werden daS verstehen.. * Zwölf Frauentag-Versammlungen vereint« di« j Genoffinnen des westböhmischen Kreises. Ein« dieser Versammlungen, di« in Asch, wurde ganz unvermutet und ebenso unbegründet, noch vor Beginn, behördlich aufgelöst. Di« Ascher Frauen werden sich später zu einer Frauentagsfeier versammeln.— Kundgebungen fanden statt in Eger, Slbogen, Cdodan. Falkenau. Joachim-thal, Karlsbad, Neudek, Bärrio- gcn, Schönlindr, Fleitze». In diesen Versammlungen sprachen di« Genoffinnen Blatny, John (Fischern), Schaffer, Pucher, Günzl, Pilz, Richter und d!« Genossen Katz, Hein, Hopp, Wondrak und Langhammer. Di« GroSlitzer Frauentagskundgebung mutzte auf d«n 18. März verschoben werden.— Arbeitersänger, Arbeiter- Turner- und Sportler, Jugendlich«, Kinderfreund«, all« proletarischen Organisationen halfen mit, unseren FrauentagSveranstaltungen Schönheit und Wo he zu geben. So war«S allüberall, in allen Orten, in allen Organisationsgebieten. Im Kreis« Teplitz-Saaz gab«s im Bezirk« Teplitz vier Versammlungen, in GoSlike(Rednerin Anny R«ih S), Eichwald(Redner Hofbauer und Dr. Lauterbach-Wien), Tur»(Hofbauer und Dr. Lauterbach) und Jettenz(Rednerin Anny ReihS),«in« sehr stark besucht« Bersamm- lung in Dox(Maria Deutsch), prachwolle Versammlungen ferner in Bili»(Emma Weitz), Brllz (Kremser und I i r o u 8, der tschechisch sprach), OberlevtenSdorf(Else Paul), Nendorf Im Erz- gebrge(Lorenz), Kallich(Kern), Komotau (G«i tz 1e1 und— für die tschechischen Genossen— Hattan) und Görkau(Redner Seidel). In Saaz mutzt« di« Kundgebung auf den 19. März ver- tagt werden. Im Kreis« Auffig-Bodenbach-Warnsdorf gab«S viel« Frauenversammlungen, fast allgemein gut b«. sucht. Wir können sie nur einfach der Reih« nach anführen: Auff g, Bodenbach, Krochwitz, Enka», Benfe», Böhm.-Kamnitz, Freudenberg, Haida, Böhm.- L«ipa, Riem««, Warnsdorf, Rumburg, JchSnlinde, Schluck-uan, RtedrEnsirdel und Aufcha. In diesen Versammlungen sprachen B ullk ov a, Abg. Air- pal, Emil Arnberg, Else Klemmer, Genoffin Hackenderg, Karl Kober. Jika KonSinska, Franz Kögler, Genoffin Lorenz, Stark«- nova, W'lli Hock«, Genoff'n Klemen;. Aus Ostböhmen wird über«in« sehr schön« Frauenversammlung in Lands krön berichtet, in der Genost« Tinkl sprach, dann über ein« Reih« präch- tiger Kundgebungen im Trante»««» und Braunau«» Bez rk. Im Reich«nberg«r KreiSgebiet mußte der Frauentaq auf den 19. März verlegt werden. In Mies war die Frauentags-Kundgebung verbunden mit einer Marx-Feier, in-ex Genoffin «Hecht! aus Wien sprach. In Mantau sprach gleich- ! falls Genoflin H c ch t l. Auch in Ttaab sprach Gc- | nost n Hechtl- Wien.— In Kosolup sprach Gr- ; noff« Ha la.— lieber«In« sehr schöne, stimmungs- . voll« Feier wird aus Alber» berichtet. Sprecher war i Abg. Genosse Di« t l. In einer Maffenkundgebung in Brünn sprachen : deutsch Genossin Dr. S ch w e l b, tschechisch Genossin Jllova. In RikolSbnrg sprach Genoffin Kahay, in Znana gleichfalls Genossin Kahay, in Zwtttau Genoffin Beer, in Brüsan Genoffin Hückl. in Oberheinzendorf gleichfalls Genoffin H ü ck l. In Mähr^Trübau sprach Genoffin Binderberg«r. Dreiundzwanzig Versammlungen!m Kreist Sternberg! Di« Versammlungsorte: Sternberg, , Bautsch, Bärn, Langendors, Me«dl, Stadt-Lieb«, \ Olmütz-Paulowitz, MShr.-Renstabt, Mähr.-Lchön- ! berg, Hermeodors, Hannsdorf, RShr.-Altstodt, ! Wiesenberg, Deutsch-Liebao, RSglitz, Weihwasser, ! RiklaSdorf, Ober« und Riederliubrwief«, Iandhübel, Freudenthal, Römerstadt, Yergstadt und Lichtewerden. Rednerinnen und Redner: O n d k«j ka, Genoffe Zischka, Genossin Zs sch ka, Klara Schober, Koblischke, KrSneS, Maltfchi Jilg, Charlotte Schmidt, Elisabeth Ja rösch, Berta HGlbert, Rosa Langer, Vierer, Mari« WöhI, Emilie Drescher, Fischer, Genoffin Brixek.— Di« meisten Versammlungen konnten am 12. März abgehalten werden, nur di« Kundgebungen in Deütsch-Liebau und Sandhübel mutzten auf den 19. März verlegt werden. Im Kreist Troppau-Mähr.-Ostrau gleichfalls viel« Versammlungen! Tie Kundgebungen in I»- hauneSthal, Jägerndors, Ludw gsthal, gulnek und KLuewakd mutzten auf den 18. oder 19. März verlegt werden, am 11. und 12. März konnten Frauentag-Versammlungen stattfinden in Einsiedel-Würben- thal, BuchbergKthal, Engel-Wald, Rru-T'tschein, Zoffe», Lichte«, Benisch, R«st, Spachendorf Karls- thal, Troppao. Oderberg, wttkowitz, Obrau, Wag. stabt und Wigstadtl. Redner und Rednerinnen: Z a h e l Genoflin Meier, Genossin I o k l, Genosst s K u t s ch a, Genossin S i m b r» n n, Dr. C z u c z k a, j Genossin Pat« rno, Genossin Bahr, Genoffe Titz,■ Genoffin Schober, Genoffe Kowalik, Dr. Ruth Beer. N cht alle Versammlungen, di« staiisanden, wurden uns gemeldet, lieber manch« wird erst verspätet berichtet werden. Die grotzr Zahl der Versammlungen, dst gewaltig« Gesamtzahl von Besuchern zeigen gleichermaßen d!« Stärk« unserer sozialdemokratischen Frauenbewegung, wie di« Bedeutung deS sozialdemokratischen Frauentages. * In allen FrauentagSkundgebungen wurde eine Entschließung angenommen, di« nicht nur von wichtigen Frauenforderungen spricht, die vielmehr ist«in Gelöbnis der proletarischen Fr«««: Versammelt zur Fest» des International«« sozialdemokratische» Frauentage« in«ine» Zett, da weder kapitalistische» Imperialismus de« Friede« der Welt, fafcistisch« Barbarei all« politische» Recht« und all« sozialpolitischen Errungenschaften de» Arbeite» bedroht, bekunde» wir sozialdemokratischen Frauen und Rädchen feierlich unser« innig« Verbundenheit mit der sozialdemokratischen Partei und mit de« Proletarier« all«» Lönde». D««» jede Schmälerung der Freiheit de» Arbeiter ist Einengung auch der Fre.heit de, Frauen,— seid« Bedrohung der Arbeiterrechte ist Gefährdung auch de» Recht« de» Frauen. Unter d«r Führung der Sozialdemokratie habe« die Frauen ihr« politisch« Gleichstellung gewannen,— jede Riederlag« der Sozialdemokrat« brächt« ihnen de» Verlust dieser Recht«,— Erhaltung und Sicherung find nur möglich mit Hilf« der Sozialdemokratie. Mit de» Sozialdemokratie und in ihre« Reihen werde« di« arbe tenden Frauen und Rädchen gegen Der Frauentag. ,7 H■ Nachdruck verboten. IVA KL UND DAS so. JAHRHUNDERT Roman von Rudolf Brunngraber Copyriglh by Societäta-Verlag, Frankfurt am Mein 1933 Der Sonntag, wenn die Mutter daheim war, und der freie Tag des Vaters. Dieser Tag, der etwas Festliche- besaß, weil man für ihn die Schuhe anziehen mußte, hatt« anfangs die Großartigkeit von Entdeckungsreisen. Man ging neben dem Vater an Hunderten Häusern vorüber, an Hunderten Wagen und tausenden Menschen. Und man trat mit dem Bater in die Kirche ein, die das Herrlichste war, das man bisher gesehen hatte. Hier liebte man die farbigen Fenster, den Weihrauchgeruch, die Orgel und die ungeheure Höhe de- Raumes. Trat man dann wieder hinaus, hatte man nach allen Dingen der Welt zu fragen. Schließlich langte man geh- und wiffensmüd in einem großen Garten an, in dem der Vater braunes Bier trank und man selbst ein Stück Speck bekam, mit einer scharfen roten Kruste darauf, schwarzes Brot und ein Wasser, das auf der Zunge wie tausend Nadeln schmeckte. Die Heimreise durfte man in der Pferdebahn machen, ans fahrende Fenster gekniet und über alles erhaben. Trotz dieser Herrlichkeiten aber gab eS etwas, durch das sich Karl mehr zu seiner Mutter gezogen fühlte. Es tat ihm nicht nur leid, daß sie uie auf den weiten Gängen dabei war, er meint« auch die Schuld des Vaters daran zu ahnen. Damachte ihm den Bater rätselhaft und im gleichen Maße fremder al- ihm die Mutter bemitleidenswerter und süß erschien. Er richtete auch nur an sie die Frage, die ihm bejaht wurde: ob seine Beine schon gerade und seine Augen etwas weniger ungleich seien. Selbst daS Schielen hatte sich vis auf eine Kleinigkeit gegeben. Und in den WirtShausgärten prunkte der Baler damit, daß der Junge schon seinen Namen schreiben konnte. Karl aber war daS, angesichts der Größe der Welt, viel zu wenig. Da hatt« daS kleine Weib nun seine Mühe, an den Sonntagnachmittagen und den Abenden, ihren Jungen das Alphabet zu lehren, wie man es schreibt und liest. Bor allem aber wollt« er malen, die farbigen Kirchen- fenster und—«ine brennende Lampe. Weiß Gott, wie Karl ausgerechnet auf ein« brennende Lamp« verfallen war: er erinnerte stch ja selbst nicht mehr der Waschküchen, in denen er gesessen hatt«. Jedenfalls gelang di« brennende Lampe niemals und das kleine Weib hatte feine Schmerzen, denn Karl ließ nicht ab. Allein auch sie konnte keine brennende Lampe malen. Da erzählte sie, denn sie erzählt« gern von ihrem Jungen, diese Geschichte einer Dame, bei der si« die Wasche wusch, während der junge Herr, der Sohn der Dam«, dabeistand. Dem macht« di« Geschichte sozusagen einen fachmännischen Spaß. Er klärte das kleine Weib auf. daß dir Schwierigkeit bei der Lampe nur in dem weißen Papier läge. Man müsse, sagte er, schwarzes Papier nehmen, denn es stünde ja auch die Lampe in einem dunklen Zimmer. Und er gab ihr ein Paket mit. Wuche das ein Abend: DaL Leine Weib hatt« sich trotz der Erklärung die Sache nicht vorstellen können, Karl aber sah das schwarze Papier, daS sie ihm mitgebracht hatte, sah die gelben und roten Kreiden, und nach einer Weil« strahlte eine prächtige gelbe Lampe auS der dunklen Fläche. Ach, diese Lamp« strahlte noch weit toller als alle wirklichen Lampen und Karl war nun bereits auch innerlich der Anfang eines Menschen. In diesen Tagen glaubten auch di« Völker in ein« lichter« A«ra einzugehen. Der Erfolg, der sich den Friedensrufern Sherman, DeScamps und Döjeant« versagt hatte, war dem russischen Zaren zuteil geworden. Verwunderlich, da jene aufrichtig das Ideal gemeint hatten, während Nikolaus II. nur an einen Hemmschuh der österreichischen Artillerierüstungen dacht«. Immerhin versammelten sich im Haag(1899) die Vertret«! von 42 Staaten und man mußt« in aller Oefsent- lichk«it viel« Red«n halten. Di« Deutschen begingen dabei wi« gewöhnlich den Fehler. daS her- auszusagen, WaS di« anderen dachten. Das zeugt« um so mehr von Charakter, als Deutschland nach wi« vor bestrebt war, nirgends anzustoßen, schon weil daS in seinem Interest« lag. Aber stlbst der belgische Abgeordnete Beernaert nahm zur Id« deS Völkerbundes— man sagte SchiedSgerichtS- hof—.mit der Bemerkung Stellung: das ergab« ein« Küche, in der die Schwachen gekocht werden würden(ce sera uns belle cuisine pour cuire les petits etats). Jedenfalls stand England vom Verhandlungstisch auf, um seinen Krieg gegen di« Buren zu fuhren. Di« Rusten marschierten weiter nach China hinein und di« Franzosen nach Marokko. Auch rüstet« Rußland fu» den unausbleiblichen Krieg mit Japan und schloß, da man sich allgemein auf den Weltkrieg vorbereitet«, ein« Militärkonvention mit Bulgarien, die gegen das mit Oesterreich und Deutschland verbündet« Rumänien gerichtet War. Zugleich festigt« Delcosts das franko-russische Milirärabkommen. Lediglich England, durch das Wachstum der europäischen Kräft« auS seiner ,-glänzenüen Absonderung" (splendid Isolation) herausgepreßt, wußte noch nicht, auf welcher Seite es stehn würde. Und Deutschland ermaß»och nicht das heraufkommende Unheil. So nahmen di« BündniSerorterungen der beiden Staaten den entsprechenden Verlaus. England meint« sich Deutschlands, besten Werbung es(1876—79) mißachtet hatte, als seines kontinentalen Schtvertes gegen die ihm in der Kolonialpolitik hinderlichen Franzosen und Rusten be- dieiren zu sollen, Deutschland wiederum begehrt« ! für. solche Bereitschaft, mit der«S endgültig jede Brück« zu Rußlarck) abgebrochen hätte, den Beitritt Englands zum Dreibund. Herr von Holstein beharrt« auf diesem ebenso billigen wie im Augenblick brüsken Preis, weil«r einerseits Chamberlains Drohung, daß England sich andernfalls an Rußland anschließen wurde, und kost««S sein« chinesischen Ziele und den Persischen Golf, als Bluff betrachtet«, und weil«r anderseits ein gutes Ruhekiffen hatte: wir glauben, äußert« et, daß der Strom der weltgeschichtlichen Entwicklung doch aller Wahrscheinlichkeit nach Deutschland und England einstmals auf dieselbe Seit« drängen wiä. England aber hatte über diesen Dreibund, dem eS beitret«» sollt«, sein« besonder« Meinung. Lord Balfour deutete si« an, als er dem Fürsten Bülow di« Aufteilung Oesterreich-Ungarns vor- 'H'liig(1899). Und im übrigen fand England bald heraus, auf welche Seit« es durch sein« seit Wilhelm von Oranien bewährte GleichaewichtS« Politik gewiesen wurde. Es macht« sein« Drohung sofort wahr. Ein Bündnis schloß es zwar vorerst nur mit Japan, doch es lud auch Frankreich behufS Bereinigung aller Kolonialdifferenzen zu Verhandlungen ein(1902). Mittlerweile hatte di« Zeit, di« an dieser Jahrhundert mark« alles zu zedem und jedeS zu allem in Beziehung zu setzen begann, auch den Lebensfaden des kleinen Karl Lakner in das große Netz gefädelt. Im Gesichtswinkel der Point« äugelt« sich das darin, daß er im Jahr der Haager Weltfriedenskonserenz schulpflichtig geworden war. Für ihn selbst freilich bedeutete der Eintritt in di« Schule«in ungeduldig erwartetes, adelndes Ereignis. Da sein« Eltern in die Nähe der Schul« übergesiedelt waren— unter bösem Gerann«, das Karl^jedoch ebensowenig aukriff wie daS Rätsel der Speisen, di« ihm s«in« Mutter täglich h«im- brachte— sah er i«ben Morgen di« Straße sckwwrj von Kindern. Er stand mit schwimmenden Augen hinter der Scheibe und es preßt« ihm daS Herz ab, nicht mit ihnen zu sein. Bis der Tag gekommen war und sein« vorausgeeilt« und ungemein« Sernbegierde sich in ein vi«l zu schmale- Bett«leitet fand. Da wurde er ein Vielleser. Torrsetzung solgr.) • Rr. 85 Freitag, 17. März 1933 Sette s Wird Irland Treue schwören? Dublin, 16. Mär;. Reuter.) Ter Senat des irischen Freistaates hat den Gesetzentlvurf betreffend die Aushebung-es Treueides gegenüber dem König des Britischen Reiches in zweiter Lesung mit 21 gegen 16 Stimmen abgc- l« hnt. Trotzdem wird im Sinn« der Erfassung die Vorlage Anfang April d. I. Gesetz. bi« Kriegsgefahr, für bi« Völkerverständigung, für bi« Sicherung des Friedens kämpfen. Mit der Sozialdemokratie und in ihre» Reihen werden sie den Kamps für d e Erhaltung ihrer politischen und gesellschaftlichen Recht« führ««, darüber hinaus aber den Kampf für dir völlig«, für di« abso» lute Gleichberechtigung von Mann und Frau, für di« Ausweitung der politischen Freiheit zur sozalen, für di« Ergänzung der Politischen Recht« durch jen« vollen Menschenrecht«, di« allein di« Befreiung ans den Fesseln wirtschaftlicher Abhängigkeit bringen kann— der Slqialismus! Di« arbeitenden Frauen und Mädchen danken de« sozialdemokratischen Regiernngsmitgliedern für ihre unermüdliche Arbeit im Interesse der Arbeiter, sie danken besonders dem Fürforgemiuister Dr. Czech für sein« nie erlahmenden Bemühungen, di« Lebens- fristung der Krisenopfer zu sichern,— sie danken dem Justizminister Dr. Meißner für sein« Anstrengungen, ein« Reform des Paragraphen 144 zu erzielen. Di« Versammelten wollen nicht Unterlasten, feftzustellen, daß zu jenen Menschenrechten, für dir st« kämpfen, auch di« Freiheit der Mutterschaft gehört. Die arbeitenden Frauen und Mädchen wissen, daß Lieg des Faseismus Brrsklavung der Frauen bedeutet, Riederirampelung der Arbeiter, furchtbar« Steigerung der Kriegsgefahr. Di« arbeitenden Frauen und Mädchen geloben deshalb, Seite an Seite mit den proletarischen Männern gleich diesen auSzuharre« i« Kampfe, zunächst in d«r Abwehr faseistischer Angriffe, bald aber, wir sie überzeugt sind, in neuem Borstirrm, im siegreichen letzten Ringe« für Völkersrieden und Menschenrecht! Vereinheitlichung der Jugendihrsorge. Ein« Tagung im Fürsorgeministerin«. Am 28. Feber 1933 fand im Ministerium für soziale Fürsorge eine Beratung der Vertreter aller Reichs- und Landeszentralen für Jugendfürsorge über gewisse dringende Fragen der Jugendfürsorge statt. Den Vorsitz führte der Minister für soziale Fürsorge Dr. Czech. An der Beratung nahmen auch Vertreter des Justizministeriums und der Zentralsozialversichcrungs- anstalt teil. Zur Verhandlung standen folgerte Fragen: Die Vereinheitlichung der Beratungsstellen für Mütter und Kinder, gewisse aktuelle Fragen der Generalvormundschaft, die O.rgani- sc^ion der Elternräte, die Heimstätteu für arb^its-, lose Jugend, die Heilfürforqcaktion für Arbeitslose sowie die Bekleidungsaktion für die Kinder Arbeitsloser. Auf dem Gebiete der Beratungsstellen für Mütter und Kinder handelt es sich um die Zusammenfassung und Vereinheitlichung sämtlicher Organisationen, die bisher auf diesem Gebiete tätig sind. Hinsichtlich der Vereinheitlichung wurde eine grundsätzliche Einigung erzielt, die den Gegenstand weiterer Verhandlungen mit dem Ministerium für öffentliches Gesundheitswesen bilden wird. Zur Klärung der Frage der Generalvor- nmndschaft trugen die Erläuterungen des Vertreters des Justizministeriums wesentlich bei. Es wurde empfohlen, die künftige Regelung der Gene- rawormundschaft nach den in der Regierungsverordnung Nr. 40-1932, S. d. G. u. B. für die öffentlichen Vormünder in der Slowakei und Karpathorutzland niedergelegtcn Grundsätzen durchzuführen. Di« Verbände für Jugendfürsorge werden nach Durchberatung dieser Angelegenheit dem Fürsorgcministerium konkrete Anträge unterbreiten. In der Frage der Jugendfürsorgearbeit der Elternräte wurde beschlossen, zwecks Erzielung der Vereinheitlichung der gesamten Jugendfürsorge die Elternräte für die Mitarbeit im Rahmen der Bczirksjugendfürsorgen zu gewinnen. Die Beratungsteilnehnier nahmen hierauf einen Bericht über die Errichtung und Tätigkeit der.Heimstätten für die arbeitende Jugend entgegen und beteiligten sich sodann an einer Aussprache über die vom Ministerium für soziale Fürsorge organisierte Heilfürsorge für Arbeitslose, welcher Hilfsaktion ganz besonders'vom Standpunkte der Kinder der Familien Arbeitsloser eine sehr große Bedeutung zukommt. Die Notwendigkeit einer sehr regen Mitarbeit der Bczirksjugendfürsorgen wurde von sämtlichen Beratungstcilnehmern anerkannt. Schließlich wurde noch über die Art der Durchführung der Bekleidungsaktion für die Kinder Arbeitsloser beraten. Die Vertreter der einzelnen Landcszentralen brachten zum Schlüsse verschiedene wertvolle Anregungen vor, sie erörterten unter Hinweis auf die außerordentlich schwierige Lage der freiwilligen Jugendfürsorge alle Möglichkeiten, die die Jugendfürsorge auf sichere finanzielle Grundlagen zu stellen geeignet wären. Die ungewöhnlich ueichhaltige und wichtige Tagesordnung rief einen sehr lebhaften Meinungsaustausch hervor. Die Einmütigkeit ist in der abgeführten Aussprache uird in den gefaßten Beschlüffen die beste Geivahr für die iveitere erfolgreiche Entwicklung der freiwilligen Jugendfürsorgeaktionen. denen in der jetzigen' kritischen Zeit auf dem Gebiete der Jngcnofürsorge ganz besonders verantwortungsvolle Aufgaben gestellt sind. Immer fürditcrlldicrc Gewaltakte der ültlcr-verbrcdicr. Hunderte Sozialdemokraten und Kommunismen in Sachsen mißhandelt Tas angebliche Attentat, von dem die reichsdeutschen Zeitungen durch große Sonderanschlöge am Sonntag berichteten, hatte einen ungeheuren Feldzug von Schutzverhaftungen von Funktionären und Mitgliedern der. SPD und der KPD zur Folge. Das Attentat im Annaberger Gerichtsbezirke auf die öffentlichen Betriebe wurde angeblich um Mitternacht entdeckt. In den späten Abendstunden jedoch hatte die SA aus dem ganzen Gerichtsbezirke, der auch Chemnitz mit umfaßt, in fahrbereiten Lastautos Bereitschaft. Die erschütternden Einzelberichte der in Schutzhaft Genommenen zeigen die ganze entsetzliche Bestialität dieses braunen Untermenschentums auf. Von 1 Uhr nachts bis in die frühen Morgenkunden wurden die Schutzverhaftungen durchgeführt, unsere Funktionäre und di« KPD-Mit- glieder aus den Betten herausgeholt und ohne Angabe des Zieles auf die Autos geladen. Die Schutzverhaftungen, die in Bärenstein, Buchholz, Jöhstadt und in allen Orten des Gerichtsbezirkes Annaberg durchgeführt wurden, wurden durchwegs von SA-Leuten vorgenommen. Die Verhafteten wurden mittels Autos nach Annaberg ins Schützenhaus, das braune Haus der National- 'ozialisten, geschafft. Dort begann das große Gericht. Die Vernehmungen wurden in der b e r ü ch- tigten Form des zweiten Grades dar amerikanischen Polizeiverhöre durchgeführt. Di« Eingelieferten wurden angebrüllt, Dreck- und Scheißkerle genannt und aufgefordert, anzugeben, wo sie ihre Waffen verborgen hätten. Als es di« Eingelieferten verneinen mußten, Waffen zu besitzen, wurden sie der Reihe nach aufgefordcrt, auf den Gang zu treten. Dort empfingen sie SA-Le«te, die sie mit Gummiknüppeln bearbeiteten. Hercingcholt und befragt, ob sie sich besonnen hätten, die Waffenverstecke anzugcben, mußten sie die Anklage, Waffen zu besitzen, abermals verneinen. Auf Grund dieser, Aussage wurden sie in das Neben-Kabinett eingelicfert, wo SA-Leute auf einer Pritsche jeden einzelnen auf das entsetzlichste mit langen Gummiknüppeln mißhandelten. Hierauf wurden sie auf den Gang geworfen und von der SA in den Saal gestoßen, wo sie die bereitgestellte SA-Sanität in Empfang nahm und ihnen die Wunden verband. Die Sanitäter erfüllten ihren Samaritcr-ienst in der empörendsten Weise. Darauf wurden die Inhaftierten im Saale auf dem aufgeschütteten Stroh mitFuß- tritten zu Boden geschlagen. Der Saal selbst bot mit seinen weit über 200 Inhaftierten ein Bild aus den schauerlichsten Kriegstagen. Jeder lag dort mit eingemummtem, verbundenem Kopf, schwarz unterlaufene« Augen, Knochenbrüchen, hysterische» Weinkrämpfen. Ein kommunistischer Gemeinderat, der vor wahnsinnigem Schmerz aus dem Fenster sprang, wurde gezwungen, die ganze Prozedur noch einmal an sich ergehen zu Lio Kriek«us Berlin. I lassen, bevor er wieder in den Saal eingcliefcrt wurde. Nachdem das Verhör durchgeführt wor- ! den war, leisteten sich die SA-Leute den rohen Scherz, die Verprügelten und Verwundeten aufzufordern,„Hahtacht" zu stehen. Dabei mußten sie im Chor folgende Variation eines Schlagerliedes singen: „Wo hab ich denn die schönen, blauen Augen her? Bon der S. A. Sie gibt noch mehr. Und sollt' ich sie noch einmal nur verkohlen, dann wird S. A. mich noch einmal versohlen." Am nächsten Morgen konnten die Inhaftierten den berüchtigten Erfrischungsspaziergang antreten, der eine neue Marter für die Armen bedeutete. In Buchholz wurden am Sonntag und am Montag SPD-Leute in ihren Wohnungen und auf den Straßen verprügelt. Der von der NSDAP abgesplitterte deutschsoziale Abgeordnete Fischer aus Plauen, der besonders scharf gegen die Nazi eingestellt war, wurde ebenfalls auf der Straße in Dresden niedergeschlagen und schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Traurige Sensationen leisteten sich die SA-Leute durch Erpressung von Ge- ständnissen, aus der KPD oder der SPD auszutreten und sich schriftlich zu verpflichten, sich politisch nicht mehr zu betätigen. Diese erpreßten Erklärungen, die persönlich unterschrieben sein müffen, werden dann unter großem Tamtam auf den öffentlichen Anschlagstafeln zum Aushang gebracht. So schaut es in Wahrheit mit den AustrittserklärUngen der KPD- und SPD- Leute aus. Di« Ausschreitung«» der SA-Leute nehmen immer größere Formen an. Wenn Hitler seine Nazis zurückpfeift oder wenigstens im Radio so tut, so ist das nur eine berechnende Geste für das A u s l a n d. In Wirklichkeit scheren sich die Nazis den Teufel um solche Aufforderungen und verhaften und prügeln und räubern willkürlich weiter. So wurden angesehene Geschäftsleute, führende Direktoren von Fabriken in Sachsen einfach aus rein privaten Rachemotiven heraus oder wegen ihres jüdischen Aussehens in Haft genommen. So passierte dieses Schicksal dem Direktor Rosental der AEG-Niederlasiung in Sachsen. Während er mit Vertretern aus Paris und Brüflel. über Geschäftsabschlüsse verhandelte, wurde er vor den Augen dieser ausländischen> Vertreter verhaftet. Jüdische Geschäftsleute sind ein beliebtes Angrifssobjekt für wildgewordcne SA-Leute. Ein Direktor der DKW, Motorc und Kühlanlagen in Schopau-Scharpfenstein, wurde aus ähnlichen Motiven heraus in Schutzhaft genommen. Dieses Vorgehen hat bis zum heutigen Tage verursacht, daß Russenaufträge mit den DKW-Werken, bei der Werkzeugmaschinenfabrik Reiniger in Chemnitz und anderen großen Fabriken, die in die Millionen Reichsmark gingen, einfach annulliert wurden. Diese Bilder sind nur ein schwacher Abglanz der Wirklichkeit. Die Arbeiterschaft bei uns wird gut tun, aus diesem Meer von Tränen und Blut die notwendigen Konsequenzen für ihren Kampf gegen den Faseismus in unserem Gebiet zu ziehen. ElnBerllncr Arzt von Nazibanditen zertrampelt und zerstochen! Die Polizei grellt nicht ein! Ein Prager Genosse stellt folgende« Brief zur Verfügung, den er eben von einer bürgerlichen Frau aus Berlin erhielt: Lieber Freund! Was ich heute berichte, klingt wie der böse Alptraum eines Tollhäuslers, ist aber blutige Wahrheit, durch keine Zeitung zu erfahren, aus de/ Aera des neuen dritten Reiches; wie die siegestrunkenen Herren es nennen, der„nationalen Revolution". In den letzten Tagen wurde der beste Freund von Dr. G., gleich ihm Arzt und immer wieder im Laufe der Jahre in Wahlversammlungen gesehen, zu nächtlicher Stunde von einer großen Horde Braunhemden aus dem Bette geholt und fürchterlich mißhandelt. Die ganze erlesen eingerichtete Wohnung wurde demoliert, kostbare Röntgenapparate zertrümmert, das Ordinationszimmer verwüstet. Der entsetzte Portier rannte zum nächsten Schupo, der sich keinen Schritt vom Fleck rührte und ruhig erklärt«, er habe dir Leute eindringen sehen, müsse aber passiv bleiben, sonst verliere er unbarmherzig seine Dienststelle. Als es dem Portier endlich gelang, einen Rettungswagen zu alarmieren, sand man den Arzt zertrampelt und zerstochen in seinem Blute schwimmend; sollte er auch wieder zusammengeflickt werden, ist der Nervenschock ein derartiger, daß der Mann nie wieder Praxis üben kann, also ruiniert ist. Dir absolute Rechtlosigkeit der für Marxisten gehaltenen Juden geht so weit, daß ein raffiniertes U e b e r wa ch u n gs sh st e m ihr Brief- und Telephongeheimnis aufhebt; jeder Atemzug heißt Gefahr. Das äußer« Leben spielt sich gleichmäßig und voll Ordnung ab, kein Uneingeweihter würde außer d«m Gewimmel von SA-Mannschaften irgendeine Veränderung merken und die tragischen Einzelschicksale versinken im Groß st adt ström. Sie wisicn, ich habe mich niemals für Eure Partei erwärmt, aber mein Gerechtigkeitsgefühl schäumt über und wird tief verletzt angesichts dieser barbarischen, kultur- und sinnlosen Brutalitäten. Namen des Arztes und-cs Briefschreibcrs niüssen natürlich um ihrer Sicherheit willen verschwiegen werden. Ein furchtbares Schicksal: wie cs aber jctzb im Reich alltäglich ist. Man muß annehmc»-aß es Hunderten, über die inan zur Zeit nichts erfährt, ähnlich ergeht! ■„Jeder Atemzug heißt Gefahr" also wird Wohl nur selten ein Privatmensch den Mut haben, solche Dinge schriftlich ins Ausland zn berichten. Die Verbrechen-er Nationalunken stinken zum Himmel. Wie lange noch? Kaufmann Rudolf Möllner sagt: .... zu meinem guten Bohnenkaffee sollen Sie keine gewöhnlich gebrannte Gerste verwenden, sondern einen guten Malzkaffee und zwar den bekannten „Kathreiner**, den es auch nie lose zu kaufen gibt, sondern nur in fertigen Paketen I Gewöhnlich gebrannte Gerste könnte das Aroma meines Bohnenkaffees nur verderben. Nazi-Deutschland. Meldungen eines Tages. Der Reichstagspräsident hat ang«ord«et, daß sozialdemokratische Pressevertreter bis zur Aushebung des Verbotes der sozialdemokratischen Press, i« Preußen keinen Zutritt zum Reichstag haben. Einlaßkarten zum Reichstag werden an kommunistisch« Pressevertreter überhaupt nicht mehr ausgegcben. Für d«n preußischen Landtag soll ei«« ähnlich« Regelung grtrosfe« werden wie für den Reichstag * I« Berlin und in den preußischen Kommunen werden in diesen Tage« die letzte« bisher noch nicht beurlaubten sozialdemokratischen und republikanischen Beamte« h b g e s c tz t. Alle werden durch Anhänger d«r R2DAP. und der Deutschnationalen ersetzt. Das in Opposition zur Hitlerbewegung stehend« und aus früheren Nationalsozialisten bestehend« Freikorps„Franken" ist ausgelöst und verboten worden. In Sachsen ist den kommunistische« Betriebsräte« und Betriebsobmännern die Ausübung ihrer Befugnisse untersagt worden. * In Potsdam wurden mehrere von Arbeitern bewohnt« Laubenkolonien von einem großen Polizeiaufgebot umstellt Sämtlich« Wohnungen wurden durchsucht. o Der Republikanisch« Richterbund hat seine Auflösung beschlossen und durchgeführt. Berliner Polizei rückt« am Mittwoch zu einer großen Razzia aus, di« sich gegen die Siedlungsbauten d«r in Wilmersdorf gelegenen Künstlerkoloni« richtete. 300 Polizisten, 60 Kriminalbeamte und 20 nichtuniformierte SA.-Hilfspolizisten erschienen gegen 8 Uhr morgens auf Kraftwagen und riegelten das gesamte Stadtviertel ab. Hundert« von Wohnungen wurden nach Kommunisten und verbotenen Schriften durchsucht. Selbst di« Feuerwehr war herangezogen. Zentnerweise wurden Bücher, Schriften und ganz« Bibliotheken von linksgerichteten Schriftste«/«rn beschlagnahmt und abtransportiert. Zahlreiche K L n st l« r und Schriftsteller wurden verhaftet. Dir gesuchten Kommunisten waren nicht zn finden. Zehn Mitglieder der Hitler-Jugend besetzten am Mittwoch das Heim des Sozialistischen Studentenbundes an der Universität Breslau. Di« Besetzung des Heimes erfolgte, wie die Breslauer Nazizeitung mitteilt, weil dort„staatsfeindliche Pläne" vorbereitet wurden. Das Heim sei der Treffpunkt„marxistischen und kommunistische« Gesindels" gewesen. Die Hitlerjugend hat bereits einen Teil des Mobiliars und d«r Akten ans dem Heim entfernt. * Der Präsident des Oberlandesgerichts Breslau hat den bei den Breslauer Gerichten zugelaffenrn jüdischen Anwälten uahegelegt, das Gerichtsgebäude von Donnerstag ab zu meiden. Polizei werd« zwar die Eingänge' sichern, aber es sei damit zu rechnen, daß SA.-Strrifen auf der Straß« erschein«« würden. Die Rechtspflege an den Breslauer Gerichten wird immer noch nicht im vollen Umfang« wieder ausgenommen;'nur Termine vor den Einzelrichtern finden statt. * Das thüringische Staatsministerium hat ans Grund der Verordnung des Reichspräsidenten znm Schutze von Volk und Staat sämtliche Hilss- und Rebenorganisationen der Kommunistischen Partei verboten. Seite 4 Freitag, 17. Mär, 1933 Nr.«5 Militärische Ausbildung der Naziformationen. Eine Rede des Sachsenkommissars Killinger. Die Giftmischer an der Arbeit. Für die geradezu unglaublichen Verbrechen, welche in diesen Tagm in Deutschland von den nationalsozialistischen Horden an sozialdemokratischen, kommunistischen und auch bürgerlichen Politikern und dem Gut ihrer Organisationen verübt werden, sucht rnan bürgerlicherseits, auch in der Tschechoflowakei nach Gründen der Rechtfertigung. Dabei vergißt man auch nicht, den von der Wirklichkeit abseitsstehenden Bürgern das Gruseln vor den„roten Bonzen" beizubringen. Da ist vor allem der„Tag", der mit einer hemmunaSlosen Hetze gegen die Sozialdemokraten einsetzt und dabei schwindelt und lügt, daß sich die Balken biegen. Seine Mitttvochausgabe— die übrigens das gleiche Gesicht trägt, wie jede andere seiner Ausgaben— enthält von der ersten bis zur letzten Seite fast nichts als Lügenbericht« und verleumderische Behauptungen, die sich der„Tag" mit Rücksicht daraus, daß die in Frage kommenden Institutionen und Personen momentan außerstande sind, Genugtuung zu fordern, leistet. Da heißt eS z. B.:„Arbeiter, Sozialdemokraten! Eure Führer achten nur ein Deutschland in dem ein sozialdemokratischer Bürgermeister Böß von Berlin wegen Be st echung aus dem Amte geworfen werden mußte." Das wagt der„Tag" zu Areiben, trotzdem allgemein bekannt ist, daß Böß niemals Sozialdemokrat, sondern einer bürgerlichen Partei, nämlich der Staat-partes a n g e h ö r t e. In einer groß ausgemachten zweispaltigen Rubrik, die sie mit der Uetberschrift„Kranken- kassa-Äandale" versehen, führen die Nazis an: „Der Verwaltungsapparat der preußischen rote« Krankenkaffe« kostete jährlich 1.2 Milliarden K& der preußische Per-voltnugsapparat HL Wil. liarden K& die Differenz wandert« in di« Tasche« der rote« vouzeu." Was der„preußische Perwaltungsapparat" eigentlich ist, ob er mit den Krankenkassen überhaupt in irgend einem Zusammenhang steht, wird nicht verraten. Sie nehmen ganz einfach auS irgend welchen Berichten zwei Zahlen heraus, stellen diese einander gegenüber und knüpfen daran die Feststellung, die Differenz zwischen den beiden genannten Zahlen ergibt den Betrag, den die„roten Bonzen" eingesteckt haben. Der„Tag" bringt an die eben erwähnte Notiz anschließend eine Zusammenstellung einer Reihe Krankenkassenbauten und der Kosten für dieselbe« und fragt zum Schluß:„Wieviel Millionen Mark flauen da in die Taschen roter Bonden?" Mit kemeM Wott'kanN der Tag nachweisen, daß irgendwann und irgendwo das Geld für andere Zwecke als für den Bau der Kran- kenkassm verwendet wurde, aber trotzdem wird schamlos die Frage aufgeworfen; wieviel dabei gestohlen wurde! „Ueberall wurde das Geld der Steuerzahler mit vollen Händen vergeudet." Für diese freche Behauptung hat der ,Hag" nichts anzufuhren, als das Mätzchen von doppelten Rechnungen der Bauhütte in Solingen, die Lüge, daß di« vom Stadtbaurat May in Frankfurt erbauten Siedlungshäuser leer stehen und daß bei der Ein- weihung der Kölner Brücke 3426 Gäste geladen waren. Aber was ist das alles gegen den Erguß des „Tag" über di« bestialische Mißhand- lung des Genossen Sollmann, über die wir in der Sonutagaüsgabc unseres Blattes geschrieben hoben und di« jedem gesitteten Menschen die Schamröte ins Gesicht trieb:„Wenn der Genoss« Sollmann tatsächlich ein« Tracht Prügel davongetragen,! dann wird kein anständiger Mensch darüber Mitleid empfinden, wenn er weiß, wer dieser Sollmann war." Wer er war, sagt der„Tag" gleich:„Sollmann stand mit Meerfeld, Haas und Schäfer an der Spitze der Kölner Ümsturzbanditen. Zucht- häuslerund Dirnen waren die Helfer des Genossen Sollmann und seines roten U n t e r m e n- schentums gegen ein Kulturvolk. Der Führer dieser Zuchthäusler und der Hurenrevolte in Köln war Soll mann." All diesem Schleim fügt der „Tag" dann bei:„Ist S«in Wunder, daß ein« solche Type von dentschbewußten Men'chen eine Tracht Prügel bekam? Ein Galgen wäre richtiger gewesen!" Und dieses Blatt wagt eS mit uns-zu rechten! Dieser Wisch, der aufzuputschen versucht mit Methoden, die nur vollständiaer Bertierung entspringen können weil eine Antwort darauf, ob unser Genosse Nießner führende Hakenkreuzler „Rotzbuben" genannt bat? Er glaubt also trotz all seiner niedrigen Verlcumdünaen, Unterstellungen und Verteidigung scheußlicher Verbrechen, wir müßten unS mit ihm auseinandcrsetzen. Für solche Reptile gibt es kaum Worte mehr, da Hilst. nur noch rücksichtsloser, entschlossener, ein das letzte Mittel er^chövfendcr Kampf. Den werden wir führen! Polnische Arbeiter Besetzen eine Fabrik In Lodz wurden die großen polnischen Textilwerte Widz« wfla Manufaktur« von der Arbeiterschaft besetzt. Die Arbeiter erklären, daß sie die Arbeit nicht aufnehmen, aber auch di« Fabrik nicht verlassen werde». Au der Streikbewegung sind zur Zeit über 65.000 Arbeiter beteiligt. Dresden, 14. März.(Eigenbericht.) Der ReichSkommiffar für Sachsen, von Killinger, fordert in einer Ansprache an die Unterführer der sächsische« ,SA. und SS., daß„mit unerbittlicher Energie" und„ohne auf das Geschrei der Genfer Tanten zu achten", die militärisch» Ausbildung der nationalsozialistischen Formationen z« forrie-1 ren sei; wenn nunmehr di« politische KrisiS nach! Deutsch-Oesterreich hinüberzugreise« beginne,! dann könne plötzlich ,^er groß« Tag kommen, au welchem deutsches Land und deutsch« Menschen jenseits de« Erzgebirges i« Knechtschaft schmachte« müssen, im Kamps zurückgeholt werden, so wir es daS Programm der Nationalsozialisten eS fordert. Und der Eid, den der Reichskanzler Hitler auf dieses Programm geschworen habe, sei älter und wiege schwerer, als jener Formaleid auf die Reichsverfaffnng". Hierzu erfahre« wir, daß ein Kraftwagen, der in der Rächt zum 14. März von Bautzen (Sachsen) nach Prag fuhr, an der Grenze bei Rumburg mehrfach stark« SA^Abteilunge» mit Gewehren, in einem Falle mit einem Maschinengewehr beobachtet hat. Gleiche Meldungen liege« uns auS Schwarzenberg und Markneukirchen (sächsisches Erzgebirge) vor. Göring verlangte Ultimatum an 6.8. R. Wegen Auslieferung der Nazi«. Berlin, 18. März.(Eigeirbericht.) Die Frag« der kürzlich erfolgten Auslieferung der natwnal- sozialistrschen Abgeordneten in der Tschechoslowakei hat beinahe zum Rücktritt des deutschen Außenministers geführt, nachdem der Reichskom- miflar für Preußen,.Herr Goring(besten außen- politischen Husarenritte bekannt genug geworden sind),«in scharfes Ultimatum an die Prager Regierung gefordert hatte, mit dem Verlangen, di« betreffenden Abgeordneten sofort freizugeven. Ein Genast«, der Gelegenheit hatte, Sollmann im Krankenhaus zu sprechen, berichtet der saarländischen„B o l k S st i m m e" folgendes: „Sollmann wurde blutüberströmt ins Lazarett des alten Kölner GerichtSgesvngnisseS eingeliefert, nachdem ihn di« Pvlizei nach langem Tuchen endlich in ohnmächtigem Zustande im Kohlenkeller des Kölner offiziellen Braunen HauseS in der Dlozartstraße gefunden hatte. Sein ganzer Körper war voller Verletzungen. In dem Augenblick, in dem ihn unser Freund imGefäng- niS besticht«, wurde ihm gerade das Kinn genäht, wo er eine breite, klaffende Wunde erhalten hatte. Der ganze Unterkiefer war gelockert und dre Zähn« hingen heraus. Die Aerzte bemühten sich um den Schwerverletzten, der kaum imstande war, einen Bericht über die entsetzlichen Mißhandln«, gen zu geben, di« an ihm verübt wurden. Die Bestialitäten, di« diese Nazimordbande« gegen Sollmann auwandte«, übertrafen noch bei weitem all daS. was wir in unserer Freitagnummer brachten. Einer unserer Genossen, die Sollmann später im Krankenhaus sehen konnten, erzählten di« grauenerregendsten und haarsträubendsten Dinge. Wi« man Soll- man« gepeinigt hat, wie mau ihn geschunden, zerschlagen, auf welche Weise man ihn hundert- und tausendfach gequält und gemartert hat, läßt sich nicht in Worten„«-drücken. Reben anderen Grausamkeiten verfiel man anf die Idee, ihm flaschenweise Rizinus einzuschütte« und ihm die Hosen zuzubinden. Daraus schlug man ihn, zerkratzte'hm das Gesicht, so daß er im ganzen Gesicht vernäht werden mußte. Daß Sollmann überhaupt mit dem Leben davonkommen konnte, ist als ein Wunder zu bezeichnen. Denn er ist am ganzen Körper blutig ge- schlaaen, er lag wie in seinem eigenen Blute gebadet zerschunden und aufs fürchterlichste zerhauen im Kohlenkeller... Die schlimmsten Mißhandlungen mußte Sollmann im Braunen Hause der Nazis erdulden. wohin man ihn nach dem Uoberfall in seiner kurz und klein geschlagenen Wohnung geschleppt hatte. In Gegenwart des nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Schaller, eines der schlimmsten Schreier, der erst vor wenigen Jahre« von den Kommunisten zu den Nazis Lbergesiedelt war, tat man Sollmanu unbeschreibliche Greuel an. Er wurde ganz nach italienischem Muster gezwungen, Rizinusöl zu trinken. Ma« stieß ih«, schlug ihn, bearbeitet« ihn mit Fäusten und Stiefelabsätzen, so daß er hin und her taumelt und von einer Ohnmacht in die ander« sank. Tabei muß man wissen, daß Sollmann, ein Mann von annähernd 53 Jahren, schmal und ' schmächtig ist, und nur durch äußerste Willensanstrengung in der Lage ist. sein« umfangreiche rednerisch« Tätigkeit auSzuüben. Er ist Herfleide nd und lebt als strenger Abstinenzler ganz afletikch. Die Schimpfwort« und Drohungen der Nationalsoflaliswn, di« ihm während der Miß- Handlungen entgegengeschleudert wurden lasten sich kaum beschreiben. Es ist ein Wunder, daß Sollmann dem Tode entrann. Wi« wir schon Herr Göring ließ von seinem Plan erst ab, nachdem der Reichsminister von Neurath für den Fall einer weiteren außenpolitischen Betätigung des Herrn Göring seinen Rücktritt androhte. Katholischer Geistlicher in Berlin mißhandelt. Berlin, 15. März.(Eigenbericht.) Aus einer der beledtestrn Straße« Berlins wurde heut« ohne jeden äußeren Anlaß ei« katholischer Geistlicher von SA.-Leutrn überfallen and schwer verletzt; er mußt« ins Krankenhaus eingeliefrri wer- den.— Dem Geistliche« wurde Schutzhaft a«gr- droht, für den Fall, daß er über den Vorgang i nicht völliges Stillschweigen wahren sollt«; der deutschen Presse wurde untersagt, bei Androhung eines längere« Verbots, über die Angelegenheit z« berichten. BreSlau, 15. März. Auf die Dienstwohnung eines katholischen Geistlichen wurde in der Nacht zum 15. März ein Dynamitanschlag verübt; daS Haus ist schwer beschädigt, verletzt wurde niemand. Di« Täter sind„unbekannt entkommen", nachdem das durch den Geistlichen telephonisch herbe igerufcne Ueberfallkommando der Polizei erst rund zwei Stunden nach dem Attentat eintraf. Anschläge gegen Warenhäuser Setlin, 15. März. Aus verschiedenen Telle« Deutschlands treffen Meldungen ein über Anschläge gegen Warenhäuser. Die SA-Kolon- uen, di« sich bisher im wesentlichen darauf be. schränkt hatten, durch Sprechchöre vor dem Betrete« der Warenhäuser zu warnen, gehen«unmehr zu Grwaltaktionen gegen Schauseuster und AuS- lagen über. Die Polizei steht diesem Treibe» machtlos und pastiv gegenüber. Der Hiilersche Erlaß, der Ruhe und Ordnung fordert, wird von keinem Nationalsozialisten ernst genommen. kurz berichteten, sollte er am anderen Tage anläßlich einer großen Kundgebung der Nazis auf dem Neumark mit dem Prinzen Auwi als Redner an den Pranger gestellt werden. DaS„Volk" sollte dann seinen Urteilsspruch über ihn fällen. Mit dem Reichstagsabgeordneten Schaller war auch der national sozialistisckv« Stadtvertreter Ebel Zeuge der Mißhandlungen Sollmanns. Dieser Mann ist der Vertreter der Nationalsozialisten in kulturpolitischen Fragen und führt an- dauernd Phrasen von der Reinerhaltung deutscher Sitte im Mund. Es hindert ihn nicht, grinsend zuflrsehen, wie ein wehrloser Mann, der für Deutschlands Einheit zu einer Zeit das Letzt« hergab, als Ebel noch, in kurzen Höschen herumlief, unter dem Hohngelächler viehischer Burschen geprügelt wurde. Nicht weniger schlimm erging es dem Genosse« Hugo Efferoth. Er wurde in bewußtlosem Zustand«, nachdem man ih» gleichfalls aus dem Kohlenkeller des Braunen Hauses herausgeholt hatte, in das Gefängnis«ingeliefert. Schon äußerlich war fei« Zustand furchtbar. Seine schlimmst« Wunde ist jedoch«in tiefer Messerstich in den Rücken, der am Donnerstag in den Abendstunden von den Aerzte« genaht wurde. Was das Saarland sagt. Saarbrücken. Die Nachricht, daß die Zentrale des reichsdeutschen Bergarbeiterverbandes in Bochum von den SA-Leuten besetzt und! zerstört wurde und daß nmn die leitend:« Funktionäre des Bergarbeiterverbandes, darunter den Rcichstagsabgeordneten H u s« m a n n, verhaftet und verschleppt hat, löste unter den Bergarbeitern des Saargebietes gewaltige Erregung aus. Die Saar-Bergarbeiter sind in dem Berg- avbeiterverband organisiert, dein der Reichstagsabgeordnete Husemann Vorstand. Das Blatt der saarländischen Arbeiterschaft, di«„B o l k S st i m m e", schreibt zu den Vorgängen in Bochum: „ES fehlen uns die Worte, um im Namen der Saarbergarbeiterschaft jener grenzenlosen Empörung und allertiesste« Verachtung über diese verruchte Greueltat an dem Eigentum auch unserer saardeutschen Verg- arbeiterschaft und an dem ihnen kostbare« und teuren Leben ihrer Führer Ausdruck zu geben. Aber eines verspreche« wir diese« Mördern, Brandstifter», Strahenräuber« und Schwerverbrechern Hitlers: AugeumAuge, Zahnum Zahn,— auf jeden Schelm anderthalben l ES kommt der Tag und die Stunde, wo wir heimzahlen werden und a n- d e r s heimzahlen, als am 9. November 1918! Jeder Tropfen«ns kostbare« Blutes und jeder sauer verdiente Pfennig muh uns aufgewogen werden. Das soll ein Schwur sein! And im übrigen: Niemals Hitler-Terror über die Saar!" Kulturbild ans Kiel. Kiel, 14. März.(Eig. Drahtb.) Einer der Mörder des sozialdemokratischen Rechtsanwaltes Spiegel trug, wi« jetzt festgestellt ist, S A- Uniform. Die Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei wurden von der Mordtat durch maschinengeschrieben«.Handzettel in Kenntnis gefetzt. Darauf besetzt« Polizei und SA das Ge- werkschaftShaus und nahm mehrer« Führer der Eisernen Front in Schutzhaft. Die SA hißte am Gewerkschaftshaus«in« Hakeickveuzfahne. Eine Mitgliederversammlung der Sozialdemokratischen Partei ist von der Polizei verboten worden. Nach einer Mitteilung des Konsumvereins von Kiel und Umgegend sind in dessen Berkaufs- läden in den letzten Tagen 21 Schausensterläden eingeworsen worden. Wettere Verhaftungen in Moskau. Sowjetbotschafter im Londoner Außen. Ministerium. M o S k a u, 18. März.(AR.) Nach einer Mel- düng des sowjetrassischen RadiodiensteS wurden außer den in dem amtlichen Bericht d«S politische« Departements angeführten Personen acht Ange- stellte der Moskauer Filiale der Firma Metropolitan Vickers, darunter sechs Frauen, verhaftet. Auch diese Verhaftungen stehen im Zusammenhang« mit der bereit« gemeldeten S a b o- tageaffär« sowjetrussischer Elektrizitätswerke. Loudon, 16. März.(Reuter.) Das Foreign offic« teilt mit, daß derSowjetbotschaster in London heut« vormittags den britischen Unterstaatssekretär im Außenministerium D a n- sittarr zum Zwecke einer Unterredung über■ die Verhaftung der bri.ischrn Ingenieur« in Dlos- Sau aussuchte. Ter Unterstaatssekretär teilte dem Sowjetbotschafter mit, daß di« britische Regierung di« Situation, die durch dir Verhaftung, k?- britischen Staa sangehörigen in Moskau geschaffen wurde, als sehr ernst ansieht. Me Krise in Amerika. Kürzungen der Renten und Gehälter. Washington, 16. Mürz. Nach mehrkägg.n Beratungen hat der Senat gestern abends mit fr.'. gegen 13 Stimmen di« Sparvovlagon Roosevelts angenommen. Der Prä':-, deut erhält die Vollmacht, die Renten der Bete-. rauen zu kürzen und die der Nichtkriegsbeschädig- ten zu streichen sowie die Gehälter von Armee- und Marineoffizieren und die aller Zivil- beamten bis um 15.Prozent h^rabzuseyen. Im Budget wird aus diese Weis« etwa eine halbe, Milliarde Dollar Ersparnisse. erzielt werden.'£ .Haute haben einige tausend Banken:n den Bereinigten Staaten ihre Schalter geöffnet. Im Distrikte der New Aorker Födcral-Reservcbank allem haben 500 Banken ihre Tätigkeit wieder ausgenommen. Wieder zwei Bankiers verhaltet. Der Präsident der Gesellschaft„Arradia Trust Company of Newark" Peter Sl«iaht und sein Sohn Georg« wurden im Staat« New Aork verhaftet. Japanischer Vormarsch. Tokio, 16. Marz.(Reuter.) Di« Japaner besetzten di« Stadt Iujelaj, südwestlich von Sifenka«. Niemals Hitler-Terror über der Saar! Das ist ein deutlicher Ruf, hinter dem nicht nur die in den freien Gewerkschaften und der sinial- demokratischen Partei organisierte Arbeiterschaft deS Saarlandes, sondern auch di« christliche Arbeit terschaft steht. Im Jahre 1035 hat das Saarland nach dem Versailler Vertrag darüber abzustimmen, ob es zu Deutschland zurück oder in französischer Verwaltung bleiben will. Die saarländische Arbeiterschaft war bisher der Träger des Gedankens der, Wiedervereinigung mit dem Reich; sie' kämpft« mit aller Leide»schäft um die Wiederher st ellung der Oberhoheit Deutschlands im Saargebiet. Sie und di« christliche Bevölkerung an der Saar bilden fünf Sechstel der gesamten Einwohnerschaft deS SaargebieteS. Eine überwälügende Mehrheit von„Novemberverbrechern", denen das Reich die Wirkungslosigkeit der französischen Propaganda verdankt, wofür ihre Brüder dort, wo die Faseisten die Polizeigewalt haben, geschlagen, gefoltert und gemordet werden! Vor kurzem hat bic gesamte Presse des Saargebietes die Anwesenheit des Herrn von Pape» demonstrativ negiett. Ein Deutschland, dos ein einziger Kerker ist, lvird auf di« Saarbevölkerung noch ganz andere Wirkung haben. E s geh tum die Einheit des Reichs! Nur ein demokratisches Deutschland wird die Liebe der Saarbevölkerung behalten. Sie würde, wenn sie zu tvählen haken sollte zwischen dem Kerker und der Freihsit des deutschen Wortes und deutscher Kultur außerhalb des Bereichs der Hakenkreuzbanner, wissen, was sie zu tun hat. Neue Einzelheiten über Oie Mifihandlnnnen Soiimanns. Um die Einheit des Nr. 65 Werktag, 17. Mfirz 16« etut» di« di« fi« schuld unterliegen, die auf gesetzlichen Ermächtigungen ans der Zeit vor dem 1. Jänner 1938 basiert, Während nach 8 2 von der Steuer ausgenommen sind die Zinsen der nach dem Gesetz 333/1921 sowie der nach dem 31. Dezember 1932 ausgegebenen Staatskasienschcin«. Dir Kuponsteurr bezieht sich also nicht auf spätere Staatsanleihen; es.war daher auch überflüssig, noch besonders die Arbeitsanleihe davon auszunehmen. I« dieser Form wurde daUn di« Vorlage gegen 8 Uhr abends in beide« Lesungen angenommen«ad auch das letzte Expos«'- des Finanzministers genehmigt. Für die Jnvestitionsanleih« dotierte» auch die deutschen Nationalsozialisten, die zur Begründung dieser ungewöhnlichen Stellungnahme Herrn Geher in di« Debatte geschickt hatten. stitionsanleihe und di« Kuponsteurr brachte im Lauf« des brütigen Tages dreizehn Redner auf di« Parlamentstribünr. Im Lauf« des Tages kam es im SiebenerauSschutz zu neuen Verhandlungen, die in der Schlnhabftimmnng weiter« Aenderungen an der Vorlage zur Folg« hatte«. Bei der JnvestitionSanleihe wurde die Amnestie für Steuerhinterzichung(8 6) im Falle der Zeichnung von Arbeitsanleihe auch aus allfällige Devisenvergehen erstreckt und im 8 3 die Bierfünftelmehrheit, die für Jrwestitionspiojekte der Selbstverwaltungskörper im Anschluß an die Anleihe erforderlich sein sollte, auf ein« Zweidrittelmehrheit reduziert. Bei der Kuponsteurr wurden die beiden ersten Paragraphen neu gefaßt. Der Steuer sollen Wer hetzt am meisten gegen die Arbeitslosen? Genosse Kremser an die Adresse der Gnternehinervcrtreter. Benachteiligung Böhmens beim Ausbau der Bezirksstraßen. Pra«. 18. März. In der böhmischen Landes-! Vertretung berichtete heute im Namen des Landesausschusses L.-A.-B. Erha über die Schwierigkeiten, welchen die Vertreter der Landes Böhmen im Straßenbeirat begegnen. Aus den Geldern des Straßenfondes tverdcn jährlich ungefähr 19 Millionen Kronen den Ländern zum Ausbau der nichtstaatlichen Straßen nach einem vom Arbeitenministerium errechneten Schlüssel aufgeteilt. Nunmehr beschloß jedoch der Beirat, in den nächsten fünf Jahren 20 Prozent des Gesamtbetrages vortveg dem Lande Mähren-Schlesien zuzuweisen und erst den Restbetrag wie bisher aufzuteilen. Wir das Land Böhmen bedeutet dies ein« Verkürzung um jährlich 12 Millionen, in der fünfjährigen Periode also um 60 Millionen Kronen. Dem Protest, welchen di« Vertreter des böhmischen Lande sausschusies im Straßenbeirat gegen die Benachteiligung-der nichtstoatlichen Straßen in Böhmen erhoben haben, schloß sich die LandcSvertretung einstimmig ohne Debatte an. Zu dem Bericht des Landesfinanzreferenten über die Anleihewirtschaft des Landes Böhmen ergriff das Wort Genoss« Dr. Strauß. Er legte dar, daß di« Schwierigkeiten der Finanzwirtschast der Landes ihren Grund darin haben, daß infolge der Kris« d!« Einnahmen sinken, während di« Ausgaben steigen, da auch das Land Böhmen als öffentliche Körperschaft zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit alles tun müfs«, was in der Kraft des Landes stehe. Bor allem muß dafür gesorgt werden, daß di« produktiv« Arbeitslosenfürsorge 'n weitestem Maß« ausgebaut werde, denn di« Arbeiterschaft selbst verlang« lieber Arbeit als Unterstützung. Zur Durchführung größerer Investitionsarbeiten aber braucht man Geld, das nicht aus den ordentlichen Einnahmen des Lande«, sondern nur im Anleihewege beschafft werden könne. Es ist sehr zu bedauern, daß da« Finanzministerium dem Land« Böhmen nicht gestattet habe, wie es dem Willen der Landesvertretung entsprochen hat,«ine Anleihe von 109 Million««, sondern nur von SO Millionen Der Landesprfisident bestätigt die Meldung. Als der Ucberfall in Katharinabcrg in der eben tagenden böhmischen Landesvertretung bekannt würde, stellt« iin Namen der beiden sozialdemokratischen Klubs Gerrosi« H l a d k h an den Landes Präsidenten die Anfrage, ob ihm. die Ereignisse in Katharinabcrg bekannt seien und welche Vorkehrungen er treffen wolle, um di« Die Mörder irelgciasscn! Berlin, 15. März. Das Wolff-Büro meldet: Wie wir erfahren, sind die wegen Tötung eines kommunistischen Polnischen Jniurgenten am 22. August 1932 vom Sondergericht in Beutben im Potemba-Prozeß verurteilten fünf Äiational- !o'alisten am Mittwoch auf Veranlassung deSReichskanzlers Adolf Hitler frei- gelassen worden. Vom Rtmdhtnk Protest der Musiker bei« Nadiojo«r«al. Auf Grund verschiedener Zeitungsnachrichten über«inen beabsichtigt«» Antrag auf Auflösung des Orchesters bei der Prager Scndestation erklärt die Organisation der Musiker, daß sie gegen jeden derartigen Versuch mit aller Entschiedenheit Stellung nimmt, west zu solchen Maßnahmen kein Anlaß besteht. Einbrüche der Hitlerbanden auf rschechoslowa- kischeS Gebiet zu verhindern. Landesprästdent Dr. S o b o 1 k a teilte in seiner Antwort mit, daß nach den ihm vorliegenden Informationen der Urberfall mit dem Ueber tritt zweier Familien reichsdeutschcr Sozialdemokraten in die Tschechoslowakei zusammenhänge. Die Untersuchung durch die Gendarmerie sei zur Zeit(Donnerstag Vormittag) noch nicht abgeschlossen. Wen« es notwendig werden sollte, würden die Maßnahmen zur Verhinderung de» Eindringens bewaffneter Trupp« verschärft werd««. Empfehlenswertes au» ven Programme«. Samstag: Prag: 6.15: Gymnastik, 11: Schallplatten, 15.30: Jugendliteratur, 18.25: Deutsche Sendung:. Schleißner: Richard Wagner und Prag, 19.25: Alte und neue Märsche, 20.30: Bunter Aberw, 21: Heiter« Stunde.— Brün«: 12.30: Orchesterkonzert, 18.15: Deutsch« Sendung: Goethe und Haydn für di« Jgend.— Berlin: 18.30: Brahms-Lieder, 20: „Der fidele Bauer", Operette von Fall.— Mühlacker: 16.30: Zithermusik.— Leipzig: 20:„Der Bogelhändler", Operette von Zeller.— München: 20:„Böhmische Musikanten", Singspiel von Grün. — Wie«: 21: Weber: Messe G-Dur. MMMIMMMWMllMMWWWMMWMWIIMMIWW Kronen aufzunehlnen. Würde es«ine freie Finanzwirtschaft des Lande- Böhmen geben, hält« dies« Anleihe schon im vorigen Herbst ausgenommen werden können und«S hätte schon damals viel zur' Bekämpfung der Arbeitslosigkeit geschehen können. Es hat sich da wieder gezeigt, daß nur ein« wirkliche autonome Finanzwirtschast des- Landes dem Lande und der Landesvertretung di« Erfüllung ihrer großen sozialen und wirtschaftlichen Ausgaben möglich machen kann. Nach der an anderer Stelle verzeichneten Antwort des Landespräsidenten auf die Interpellation wegen deS Mordübe'rfalles in Katharinaberg wurden die restlichen Punkte-er Tagesordnung«rle-igt und die Session geschlossen. Brüx, 16. März.(Eigenbericht.) Aus Katharinaberg kommt Vie empörende Meldung, vast Vie reichSventfchen Hakenkrenzbanden ihre Tätigkeit auch in RordbShmen beginnen. Am Mittwoch, gegen 10 Uhr Abend, überschritte« vier Hakenkreuzler di« Grenze und unternahmen einen Ttreifzng nach Katharinaberg. Eie suchten dort den in die Tschechoslowakei geflüchteten Freiberger Genossen Pittig und seine Frau. Bei dem Gasthof„Adler", wo die Genosse««ohne«, stellten sich zwei Sakenkrenzler auf, um Pittig ans,«lauer«. Der vorbeigehende Genosse Albin Schmid er wurde von der Band« überfallen«^»ddurchzwei Schüsse schwer verletzt. Die Hakenkreuzler irren sich, wenn sie glauben, daß ste ihre Mordmethoden nach Nordböhmen verpflanzen können. Tie werden erkennen müssen, daft die Arbeiterschaft Gleiches mit Gleichem vergelten wird! Herr Heim besudelt die Arbeitslosen — und nimmt die nardbandtten In Sdiutz. Wie sehr heute die Arbeirerflafft überall:n die Verteidigung gedräng: ist, zeigt leider an: deutlichsten die stets roachsende Frechheit der Gegner— nicht nur der wirklich starte» Gegner, sondern auch der kleinen und kleinsten Köter, die ihre winzig« Kleinheit durch um so größeres Gekläff« und Gebelfer zu tarnen suchen. WaS sich da in der gestrigen Budgetdebatte Herr Dr. K e i b l, Vertreter der deutschnationalen Fabrikantenpartei, an Angriffen aus das angebliche „Wohlleben" der Arbeitslosen geleistet hat, übersteigt wirklich schon alle Grenzen außer jenen, die der borniertesten Dummheit oder der abgefeimtesten Perfidie gezogen sind. Aus dieser Rede nur eine Kostprobe: «... Zulang« schon hat di« Arbeitslosigkeit gedauert, als daß nicht der Arbeiter auch in seine« Arbeitswillen geschädigt worden wäre. Es ist heut« kein« LuSnahnw mehr, daß einige Leut« sozusagen schon von Berns arbeitslos sind und gar kein Interesse mehr ze'gen, in den richtigen Prozeß der Produktion, der Arbeit und der Wirtschaft eingeführt zu werden. Es gibt eine ganze Meng« von Leuten, die sich bei diese» diele» Arten von llnter» stützungen sehr wohl befinde« und nichts sehnlicher wünsche«, als baß«S in diesem Tempo so weitergeh«. Es ist das ganz ähnlich wi« i« Kriege, wo es auch«in« M«nge Menschen gab, di« nur den einen Wunsch hatten, daß der Krieg möglichst lange dauern möge..." Darauf kann man nur eines erwidern: Entweder glaubt.Herr Keibl diesen Kohl wirklich, dann ist er reif für Kosma nos, oder er hat da nur auf höheren Befehl das vorgebetet, was ihm irgendein Jndusttiellensekretär ausgeschrieben Hat, dann ist er d e r a b g e d r ü h t e st e Kapitalistenknecht auf Gottes Erdbö d e n, ein Mensch dem rein schon vor gar nicht» mehr graust! Weiß denn dieser Menschen- freund wirklich nicht, wie groß allerhöchstenS die gewerkschaftliche Unterstützung ist und' wie lang« man sic bekommt, und weiß er nicht, daß der allergrößte Teil der Arbeitslosen nur auf die ErnährungSkarten angewiesen ist, die für eine ganze Familie auf 20 Kronen di« Woche lauten? Rur eine Woche lang sollte man diesen famosen Herrn einmal von diesen„vielen Arten von Unterstützmrgen" zu leben zwingen, di« einem Arbeitslosen blühen, und er würde wahrscheinlich fein Mundwerk so bald nicht mehr auftun! Und WaS waren denn das für Leute, Herr Keibl, denen der Krieg Nicht lange gönug dauern konnte? Unseres Wissen- nach doch nur dir Fabrikanten, di« an den Lieferungen Unsummen verdienten und di« dann leicht die diversen alldeutschen und sonstigen nationalen Parteien auShalten konnten, die durch di« Propagierung maßloser KriegSziele jeden Friedcnsfchluß auf halbwegs vernünftiger Basis glücklich so lange verhinderten, bis der völlige Zusammenbruch kommen mußte! Aber Herr Keibl hat ja wohl nur di«„U n- terstützungsweiber" gemeint und damit seiner ersten gemeinen Beschimpfung der Arbeitslosen ein« nicht minder gememe Beleidigung jener Proletarierinnen hinzugefiigt, die sich unter den größten Entbehrungen durch lange KriegS- jahre buchstäblich durchhungern mußten, wenn sie nicht ein Hungerödem hinwegraffte. Daß heut« ein Parlamentarier, der auch um Arbeiter st im men für seine Fabrikantenpartei buhlt, sich eine derartige Sprach« erlauben kann, zeigt leider nur zu deutlich, wie weit Wir bereilS^kommen sind. Di« ganze deutschnationale Partei geht ja nur mehr auf Fabrikan- tenkrücken, und daß sie bei den nächsten Dahlen ganz von den Nazis aufgefressen wird, die sie einst großgezogen hat. ist za nur allzu wahrscheinlich. DaS hinderte Herrn Keibl ober nicht, namens seiner Partei auch zu protestieren „gegen di« Beschimpfungen deS deutschen Reichspräsidenten und der Reichsregierung seitens der tschechischen Presse und der marxistischen Parteien. insbesortdere aber gegen die jüngste Rede des Senators Nießner." Als» wieder einer, der den organisierten Arbeitermord, Raub und Diebstahl an Arbeiter e'grntnm, di« Suspendierung aller bürgerlichen Freiheiten für selbstverständlich ansieht, ia be- grübt und sich noch moralisch entrüstet, wenn man d'e Mordbnbe«, die für das alles verantwortlich sind, beim wahren Namen nennt! Nur so weiter! Der Tag wird bald kommen. Wo auch die letzten Reste der deutschnatianalen Bartei hier wie drüben im Reich von den Haken- kreuflern aufgefrcsien sein werden. Dieses Schicksal haben die Herren voin Schlag: Keibels ebenso ehrlich verdient, wie drüben Herr von Popen, der sich ja auch schon an den Fingern ab'Nilen kann, Won« auch er in die„Schutzhaft" der sieaektrunkenen Nori-Diktatoren wandern wird! ültlerDanditen schießen In Nordböiimcn. Südisisdic Hakenkreuzler Oberlallen In Katliarinaberg Sozialdemokraten und verletzen einen Genossen sdiwer. Bon sozialistischer Seite sprachen Genosie ReöaS, Dr. Patejdl(tsch. Nat.-Soz.), und als letzter Redner Genosie Kremser, der sich u. a. mit den Angriffen befaßte, die namentlich Abg. Keibl in der Debatte gegen die Arbeitslosen gerichtet hatte. Kremser zitierte den von uns an anderer Stelle kritisierten Ausspruch Keilcks und hielt ihm vor, daß der Vergleich mit dem Krieg aber schon sehr hinke; di« Lent«, di« an der Verlängerung d«s Krieges ein Jntereff« halt««, das sind gerade dieselben, di« am meisten über di« Arbeitslosigkeit zu schimpfe» habe» und di« die Arbeitslose» am«eiste» herabfetz«». Dem Hlircka-Mann Siwak, dessen Angriffe auf die„Korruption" im Fürsorgeministerium wir gestern schon verzeichnet haben, hielt Genosie Kremser vor, daß gerade die flowakisch« Volkspartei am wenigsten Beranlasiung hat, von der Korruption anderer zu reden. Wenn di« Tschechosiowakei! erklärte Genosie Kremser unter lauter Zustimmung, in der vergangenen Zeit lauter Minister mit solch lauterem^ärakter gehabt hätte wie Dr. C z« ch es ist, so hätten wir«nS viele Skandalaffären erspart! Bei n»srre» Gegnern ist et«ar der Haß gegen di« Arbeiterklasse und gegen di« Arbeit«» überhaupt, der fi« ununterbrochen dazu treibt, a« Fürsorgrministerinm irgendetwas a»S- zusetzen, weil fetzt ei» Mann dort fitzt, der mit wirllich ehrliche« Bestreben fei» ganzer Könne« daraus konzentriert, den Arbeitslose« z» helfe« und fi« i« ihrer Not z» unterstützen. Einen sachlichen Anlaß z» irgendeiner Kritik hab«« di« Herr- ichafir« jedoch nicht! Zu den Vorlagen ftlbst. erklärte Genosie, Kremser, daß die Ausschreibung einer JnvestitionSanleihe eine alt« Forderung unserer Partei ist. Wir sprechen di« Hoffnung aus, daß di« Investitionen auf die einzelnen Gebiet« je nach der Größe der Arbeitslosigkeit entsprechend ausgeteilt werden. Die Anleihe würde ihren Zweck verfehlen, wenn nicht dort Arbeit beschafft würde, wo die größte Arbeitslosigkeit herrscht. Der Molivenbericht kündigt in erster Linie Arbeite« an, bei denen der Lohnkoeffizi«nt hoch ist, also Straßenbauten und Erdarbeiten. Dabei müsien wir verlangen, daß auch das nordböhmische Gebiet entsprechend Berücksichtigung findet, denn dort harren eine Reihe wichtiger Straßenbauten der Durchführung! Diejenigen, die am meisten gegen di« Arbeitslosen zu Felde ziehen und an dem Unterstützungswesen und an der ErnÄhrnngsaktion di« schärfste Kritik üben, sind aber gleichzeitig auch die größten Gegner der Vorlagen, die das Fürsorgeministerium seit geraumer Zeit zur Regelung des Arbeitsmarktes und zur Herabsetzung der Arbeitszeit auf 10 Stunden durchzubringen sucht. ES ist z« fordern, daß bei de» geplanten Juvesti- tiouSarbriten»«bedingt die sOstündig« Arbeitswoche eingeführt werd«, damit rin möglichst großer KreiS von Arbeitslos«« dadurch wieder Brschäf- tigung und Verdienst findet! Wie ganz anders man dagegen von bürgerlicher Leite die Herrschaften behandelt, dir dem Staat in dieser Notzeit di« Steuern verweigern, zeigt Genosie Kremser an den Bestimmungen über Steueramnestie auf. Für die Steurrdefrandant«« und diejenigen, di« Steuer nur deshalb schuldig bleibe«, weil später mit ihrer gänzlich«« Abschreibung rechn««, wär« die ArbritSdienstpfiicht«in« wohltätig« Einrichtung! Sie müßten nur einmal selbst um den Lohn eine? Hilfsarbeiters auf der Straße ihre Steuerrückstände abarbeiten. Die Herren würden dann auch nicht mehr an dem bißchen Unterstützung, das dir Arbeitslosen bekommen, so Kritik üben. Gerade i« jenen Kreisen, di« dem Staat die Steuer» schuldig bleiben, finden fich dir größten Gegner der Arbeitslosenunterstützung. Sie sollte« aber einmal»ersuch««, selbst mit der Arbeitslosenunterstützung ein halbes Jahr auSznkmnmrnl Dabei muß man ja immer wieder betonen, daß«S gerade die tschechoslowakisch« Industrie ist, dir bis heut« nicht einen Heller zur Arbrittlosen- nnterstützung beigetragen hat«nd di« fich dagegen mit allen Mitteln wehrt. In Deutschland, Oesterreich und vielen anderen Staaten müsien die Unternehmer l ä n g st zur Ar- beitslosensürsorge beitragen. Nur das tschechosiowa- kische Unternehmertum bildet eine" Ausnahme! Dafür ist die Angriffslust dieser«Kreis« gogen di« Arbeitslosen um so größer!*^5 Zehn Kronen wöchentlich für die ErnArungskarte ist diesen Leuten bereits zu viel, und gar erst, Anleihe angenommen. Prag, 16. März. Dir Debatte über di« In»«-! demnach nur diejenigen Zinsen der inneren Staats venn der Arbeitslose für sein Kind vielleicht gar eine Milchkarte dazu erhält! Wir werden sehen, ob die Schichten, denen dir Anleihe solche Begünstigungen gewährt, wie die Steuernachläsie und dir Steueramnestie, auch die nötige Opserwilligkeit aufdringen, daß wirllich in' durchgreifender Weise Arbeit für die Arbeitslosen geschaffen werden kann!(Beifall.) Die nächste Plenarsitzung mit der heute unerledigten Tagesordnung(Hopfenvertrag und Immunitäten) wurde für Dienstag, den 21. März, 3 Uhr nachmittags, anberaumt. vle„vovemla" wird bereits von Hitler gelobt! Anerkennung Im Rundfunk. Em Freund unseres Blattes macht«ns darauf aufmerkam, daß am Dienstag, de« 14. d., in der siebente« Abendstunde ein nationalsozialistischer Redakteur im Deutschland-Sender«inen Vortrag hielt, in dem er in einem Atem mit der Nennung des„völkische« v e- obachters" und anderer nationalsozialistischer Parteiblätter auch die„B o h« m i a" nannte und zitiette, und zwar ob ihrer„gemäßigten Tendenz", di« ebr« an dies«»„gematzigt demokratischen" Blatt besonders zu loben fei. Also haben wir, als wir schon vor Wochen von„Hitlers Bohemia" sprachen, in noch weiterem Sinne das Recht« getroffen, als wir selber angenommen hatten. Nun hat's also der alte Scherben so weit gebracht, daß sei« Lob auf,den Doutschlandwellen des Fascismus gesungen rmd geblasen wird! Das ist auch kein Wunder, denn wie sollten die Hitler, Göring, Frick und Göbbels nicht über jede einzeln« Nummer der„Bohemia" entzückt sein?! Vielleicht wird tS die Herren Oberschriftleiter in der Prager Lfliengasse ein wenig verdrießen, daß sie der Nazi-Redakteur vor aller Welt, wenn auch als gemäßigte, so doch immer noch als Demokraten bezeichnete, da sie es doch sichtlich daraus angelegt haben, das volle Ver- trauen der Mordbanditen zu erringen. Aber das wird schon noch komrnen! DaS Lob in: Rundfunk wird sie vielleicht anspornen, erst recht auf dem eingoschlayenen Wege in die Höllen des Dritten Reichs fortzufahren und dabei wird sich der Rest.^gemäßigten DemokratismuS", wie ibn die Nazi-Redakteure noch vom-Hörensagen bei der „Bohemia" vermuten, unschwer abschleifen. ui Hl Seite 6 Freitag, 17. März 1938 Nr. 65 Die KroN-Spee wird für die^eiMdiagssitzungen umgedaui Die Umbauarbeiten im Theaterraum der früheren Kroll- Oper in Berlin, in dem die Plenarsitzungen des Reichstages, stattfinden werden, sind im vollen Gange. Unsere Aufnahme gibt einen Blick von der Bühne auf die im Bau befindliche Regierungsbank und die Präsidentensitze; rechts sieht mau die Mauer, die die Zugänge für die Regierungsmitglieder und die Abgeordneten trennen soll. Au die tu der Deutschen sozialdemo- lratischen Arbeiterpartei vereinigten Gewerbetreibenden und Kaufleute. Gewerbetreibend« und Kaufleute! Die gegenwärtigen Verhältnisse, die furchtbare, durch Jahre schon andauernde Wirtschaftskrise hat nun gezeigt, wie eng wir verknüpft find mit dem Schicksal der breiten Masse. Die Arbeitslosigkeit der Massen macht uns Gewerbetreibende ohne Beschäftigung, wir stehen in unseren Werkstätten ohne Arbeit und sind schutzlos den Auswirkungen der Krise ausgeliefert. Wir hatten nie vorgesorgt für schlechte Zeiten, für unvorhergesehene Falle. Wir haben keine geregelte Krankenversicherung. Wir haben keinen gesicherten Lebensabend und stehen vor der dangen Frage, was geschieht mit uns, wenn wir alt geworden. Dazu kommen noch di« Steuern, die uns Gewerbetreibende drücken. Mancher Gewerbetreibende steht vor dem Ruin. Insolvenzen und Konkurs« sind auf der Tagesordnung. Soll dies so weitergchen? Nein! Der Verband der Gewerbetreibenden und Kaufleute hat es sich zur Ausgabe gemacht, für eine Besserstellung der Gewerbetreibenden und Kaufleute einzustehen. Das kann aber nur geschehen, wenn die Gewerbetreibenden und Kaufleute mit ihrer Vergangenheit. brechen und neue Wege.gehen. Stetig wächst unser Verband, stetig schreiten wir vorwärts, aber daS genügt nicht; wir müssen planmäßig alle, die zu uns gehören, erfassen und unseren Verband z« einem Machtfaktor gestalten,«m uns fähig zu machen, mit Hilfe der breiten Mass« unser Schicksal selbst in die Hände zu nehmen. Nicht vom sogenannten„Standesbewußtsein" sollen wir uns leiten lassen, wie uns jene lehrten, denen wir Jahrzehnte Gefolgschaft geleistet hatten. Wir find nichts anderes als Arbeiter mit eigenem Werkzeuge, und unterliegen genau wie jeder andere Arbeiter den wirtschaftlichen Schwankungen. Deshalb, Gewerbetreibende und Kaufleute, schließt Euch in unserem Verbände zusammen, gliedert Euch ein als Kämpfer für befiere Berhältnifie. Gemeinsames Schaffen, gemeinsamer Kamps wird uns Erfolg bringen. Jene Gewerbetreibende und Kausieute, die Mitglieder der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei sind, ersuchen wir um Bekanntgabe ihrer Adrefle. Verband der Gewerbetreibenden und Kaufleute in der LSR., Sitz Auflig. Anmeldungen und Anfragen an den Verband der Gewerbetreibenden und Kaufleute, Sekretariat Saaz, Nikolaigasse 232.. Vorübergehende Anstellung des Aahlungsdienstes bei der Centralbank deutscher Sparkassen. Zufolge der starken Inanspruchnahme durch die Bolksgeldanstalten und zwecks technischer Vor- beveitung der Uebcrleitung in die von der Regierung vorgesehene Geldzentral« der Sparkassen hat sich die Centralbank der deutschen Sparkassen in der Tschechoslowakischen Republik veranlagt gesehen, vorübergehend ihren Zahlungsdienst einzustellen. Zu diesem Zwecke wird ihr im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen das angesuchte Moratorium bewilligt. Hiezu erfahren wir noch folgendes: Wie bekannt, ist die Bildring von«parkapital durch di« allgemeine Wivffchaftfskris« fast vollständig unterbunden, und zwar ist dies insbesondere in den Randgebieten unseres Staates der Fall, wodurch sich ein starkes Bedürfnis nach Bargeld bei den Volksgeldanstalten geltend nkachte. Die Ceutral-- bank hat infolgedessen von Beginn der rückläufigen Einlagenbewegung bei den Sparanstalten Gut-. Habungen von über 300 Millionen Kc flüssig machen müssen. Diese an und für sich gross« Belastungsprobe konnte nur durch ein einträchtiges Zusammenwirken aller maßgebenden Kreise und insbesondere der Sparkassen selbst bestanden Iver- dcn. Ueberdies ist in den letzten Tagen durch die natürlich ganz unbegründete Beunruhigung bei Verschiedenen Bolksgeldanstalten in Nordböymen ein ausserordentlicher Geldbedarf eingetreten. Die weitere Befriedigung dieser Ansprüche stieß natürlich bei der beute gegebenen schweren Liquidierbarkeit von Aktiven auf Schwierigkeiten. Einen weiteren Anlass für di« bei der Centralbank getroffene einstweilig« Verfügung bildet der in Regieruugskreisen und im Verbände dre tschechoslowakischen Sparkassen gefasste Plan der Errichtung einer Geldzentrale sämtlicher Sparkassen, die die flüssigen Mittel der Sparkassen zu verwalten hätte und auf diese Weis« der Mobilität der Sparkassen die breiteste Grundlage geben würde. Was die von der EmissionSabteilung der Centralbank ausgegebenen Kommunal-Schuld- verschreibungen und Pfandbriefe mit einem G«7 sanitumlauf von 350 Millionen anbelaugt, 1» werden diese durch die Maßnahmen in keiner Weise berührt. T agesneuigkeiten Wieder Havarie eines Milttar- flugzeuss. Prag, 16. März.(TRO.) Mittwoch um 21 Uhr 30 Minuten havarierte bas Militärflugzeug A—230—18 wt».)»rnd einer Nachtübung des 0. Fliegerregimentes in der Nähe des Zivil- Hangars des Prager Flugplatzes. Di« Mitglieder der Besatzung, Zugs sichrer Joses 8 n a j d r (Pilot) und der Zugsführer Joses TomeS sprang vor der Havarie mit dem Fallschirm, der sich öffnete, ab. Der Pilot verblieb im Flugzeug, wurde jedoch nur leicht verletzt. Di« Ursache der Havarie ist i» einem technische« Fehler zu suchen und wird von einer Militärkommission zusammen mit den Mitgliedern des Beratungskollegiums für Flugsicherheit untersucht. Koalusion an der Grenze. Starke Nachfrage«ach Reichsmark.— Lahmgelegter Grenzverkehr. Aus Weipert wird uns geschrieben: Die in den letzten Wochen sowohl von reichsdeutscher als auch tschechoslowakischer Seite verfügte verschärfte Grenzbewachung hat in den zahlreichen nebeneinander liegenden sächsisch-böhmischen Grenzorten zu Konrplikätionen verschiedenster Art geführt, die ihre Krönung in der Streichung der tschechischen Krone an der deutschen Börse gesunden haben. In den meisten Grenzstädten bildete der freie Verkehr über die Grenzlinie seit Jahren gewissermaßen ein Privileg der ortsansässigen Bevölkerung, so daß nur ein geringer Teil der Einwohner im Besitze der vorgeschriebenen Ausweise war. Mit dem Tag« nun, an welchem eine strenge Ueberwachung der Grenze Platz griff, war der bisherige rege gegenseitig« Verkehr so gut wie a b g e s ch n i t- t e n, eine Tatsache, die von den Geschäftsleuten diesseits und jenseits mit sehr gemischten Gefühlen ausgenommen wurde. Da die insgeheim gehegt« Hoffnung, die Sperre wurde in wenigen Tagen wieder aufgehoben und der Verkehr wie I sonst freigegeben tvcrdeu, sich nicht erfüllte, setzte! ein wahrer Sturm nach Grenzaus-' aus weisen«in, so daß di« Beamten mit cincmmale einer Fülle von Arbeit gegenüberstanden, die sie kaum zu bewältigen vermochten. In der Grenzstadt Weipert warder Ansturm der Bewerber uin Gr«n;ausweise in den letzten Tagen so stark, dass der beträchtliche Vorrat der vorgeschriebenen anNtichcn Legitimationsscheine sehr bald vergriffen war, weshalb die Interessenten, die vielfach in den benachbarten sächsischen Ortschaften geschäftlich zu tun haben, bis zu dem sehnlichst ertvartcten Eintreffen neuer Drucksorten keine Gelegenheit haben, die Grenze zu überschreite». Dazu kam in den letzten Tagen, dass als M- genmassnahme der Prager handelspolitischen Absichten(Errichtung eines Sammelkontos) die tschechische Krone auf der Berliner Börse gestrichen worden ist. Die Bewohner böhmischer Grenzorte, die in Sachsen in kleineren Mengen einkaufen, hoben bisher in tschechischer Währung bezahlt; der Kaufmann erhielt den Gegenwert dieser tschechischen Kronen von seiner Bank im Reiche bisher anstandslos in Mark umgcwechsolt und konnte auch sein« Lieferanten mit tschechischem Gcide befriedigen. Heute liegen die Dinge so, dass der sächsische oder bayerische Grenzkaufmann für seine Ware, die ja fast ausnahmslos reichsdeutschen Ursprungs ist, zum grosser« Teil tschechische Kro- nen cinniinmt, aber kein« Möglichkeit hat, diese Kronen gegen Reichsmark umzutauschen. Er wird also, wenn nicht zwischen Berlin und Prag in dieser Hinsicht eine Einigung herbeigeführt werden kann, entweder gezwungen sein, einen Teil seiner Waren dem Lieferanten bis auf weiteres schuldig.zu bleiben oder die Umwechslung der ihm zur Verfügung stehenden tschechischen Gelder in eine ausländische Währung, etwa in Franken oder Schillinge,, vorzunehmen und auf diesem Umweg feine Gläubiger zu befriedigen. Bergarbeiter-Leden und'Sterben. Oberhausen, 16. März. Ein Teil der Hauptstrecke auf Schacht IV—V der Zeche„Concordia" ging in der vergangenen Nacht zu Bruch. Zwei Zimmerhauer gerieten unter die hereinbrechenden Gesteinsmassen. Einer der Verschütteten wurde heute vormittags um 10 Uhr als Leich« geborgen. Der andere konnte noch nicht gefunden werden, da durch das Nachstürzen weiterer Gesteinsmassen die Rettnngsarbeften ausserordentlich erschtvert werden.' Dortmund, 16. Marz. Auf der Zeche„Sieben Planeten" wurden durch Ausbrechen des Versatzes aus einem Pfeiler fünf in der Strecke arbeitende Bergleute abgeschnitten. Die Bergleute konnten nach zwölfftundiger Rettungsarbeit unverletzt geborgen werden. 39 Todesopfer eines Tornados. Washington, 16. März. Aus Nashville im Staate Tennessee wird gemeldet, daß bereits 39 Tot« als Opfer des katastrophalen Tornado zu verzeichne«« sind, welcher über den Staaten Kentucky und Tennessee gewütet hatte. Wahrend dar Volk hungert, feiern die Rabbis grandios Hochzeit... Munkaes, 16. Marz. Die Hochzeitsfeierlich keitcn im Hofe des Munkacser Rabbiners Spiro haben gestern abends mit einer ziemlichen Ver- spätung begonnen. Sie wurden abwechselnd vo.n dem Berliner Rabbiner Dr. Weinberger, dem Bruder der Gattin Spiros, dem Rabbiner Cabrin ans Komarow in Polen- und dem Urhoroder Oberrabbiner Kohn vorgenonimen. Set» stärkte Polizeiabtcilungen und di« Feuerwehr konnten nur mit großer Mühe unter den angesammelten Mässen der Anhänger Spiros die Ordnung aufrecht erhalten. Bei den Zeremonien im Hof« waren«««gesähr 6000 Personen in Gefahr, erdrückt zu werden. Eine Reihe von Personen, besonders Frauen, mußte in bewußtlosem Zustande weggetragen werden. Einige Personen wurden verletzt. Auf der Straße und in der Umgebung des Anwesens Spiros nehmen ca. 13.0 0 0 Personen an den Zeremonien teil. Die Braut hatte ein 500 Jahr« altes, mit 500 Perlen und 10 Diamanten besetztes Stirnbänd, welches ein Familienschmuck der aus Russland stammender« Frau Spiros ist. Die Hochzeitsbelusti- a ungen dauerten bis in die Morgenstunden. 43 Journalisten sind in Munkaes. Der ermorbete Gendarmenmörder noch nicht sicher identifiziert. Brünn, 16. März. Die Gendarincric fahndet weiter nach den Umständen, unter denen der Mann getötet wurde, der gestern früh auf der Strecke bei Krumvir gefunden wurde. Sie ist bemüht. Beweise zu erbringen, die mit absoluter Sicherheit bestätigen sollen, dass es sich tatsächlich um den Mörder der Gendarmen, Ondra8, handelt. Heute früh ist in Krumvir der zweite Bruder OndraZs aus Troppau eingctroffcn; der in dem Tote««, der in der Leichenhalle liegt, seinen Bruder nicht agnoszieren konnte. Er erklärte, daß er seinen Bruder lange Jahre nicht gesehen und mit ihm toeittg verkehrt habe. Das Gesicht des Toten ist bereits verfallen und deformiert. Heute vor einem Jahr, am 17. März 1932, ist unser Freund Rudolf Rückl gestorben. Auf dem Friedhöfe in Janezg, in seiner nordwestböhmischen Heimat, ist seine Asche beigesetzt. Aber wie lebendig ist das Andenken an Rudolf Rückl! Es gibt— man darf wohl die Bezeichnung ivagen— in unserer Partei eine Rnckl-Gemeinde, eine Anzahl (Äenossen, zu Hause in den verschiedensten sudetendeutschen Gebieten, die mit Rückl eng verbunden waren durch gemeinsame Hochschätzung des Sozialismus vor allem als Kultur- bewegung, die mit ihm verbunden waren durch gemeinsame Kulturarbeit innerhalb der Arbeiterklasse, mit ihm verbunden durch gleiche Liebe zur Natur und zur Dichtung, durch gleiche Liebe zu den Büchern. Sie alle,. die Rückls, des proletarischen Philosophen, treue Freunde waren, arbeiten weiter in seinem Geiste. Aber in di« Trauer, in die noch immer an unseren Herzen zehrende Trauer um den frühen Tod eines Edlen und Hochbegabten, will wie Trost sich die Mahnung drängen: Das Schwerste, Schmerzlichste blieb zu erleben ihm erspart: der Sieg der Faust über den deut- schen Geist, des Gummiknüppels über dät Buch! Rückl war ja einer jener Deutschen, die als marxistische„Untermenschen" gelten, weil, ie weder autoritäts-, noch gewaltgläubig sind, er glaubt« um so unerschütterlicher an die Gewalt der Idee! Ja, der ehemalige Bauernknecht, der ehemalige Steinbrucharbeiter und Bergarbeiter, der sich das Wissen eines Universitätslehrers erworben hatte und schwere geistige Arbeit leisten gelernt hatte, dieser erdfeste, stämmige deutsche Prolet, der seine Klasse kannte und so vertraut war mit der Marx'schen Lehre,' die so ganz Lebenslehre- des Proletariers ist,— er war überzeugt von der befreienden Kraft der Idee, der proletari- chen Idee, und diese Ueberzeugung, dieser stärkende Glaube, eines der Vermächtnisse unseres Freundes, mag uns begleiten durch die trüben Tage dieses trüben März— hiA in die Tage des Kampfes, in dem doch die Idee siegen wird, der Geist über die Faust, das Buch über den Knüppel! Apfelrest— Gipsabdruck— Gebitznegativ-r- Perhastung. Aus Brüx wird uns geschrieben: In der Nacht aus Mittwoch wurden ach 1 W 0 h- nungseinbrüche verübt, wobei die Täter Kleider und Pretiosen entwendeten. Die Sicher-^ HÄksoWNe fcmden'in- einer der ausgerauhten Wvhnüngen ceinen kternen Apfechrcst, den-« einer der Dieibe weggcworjen hatte. Bon diesem Apfelrest wurde sofort«in Gips abdruck her,, gestellt, so dass n«an ein Gebitznegativ des Diebes erhielt. Bei der Durchsicht der Licht- bilde rsammlung der Brüxer Kriminalpolizei lenkte sich der Verdacht der Täterschaft ans den 30jährigen Einbrecher Franz Ultmann aus Turn, der aus Grund des hergestellten Gipsnega- tivs überführt werden konnte. Seine Täterschaft wurde ferner dadurch erwiesen, dass einige bc- schri ebene Zettel, die von den Tätern vor den Villen weggeworfen worden waren, die Handschrift Ullnianns trugen. Todesurteil. Das Schwurgericht in Gladbach- Reydt verurteilte den 31jährigen Josef Rütten aus Reydt wegen vorsätzlicher und überlegter Tötung des 17jährigen kaufmännischen Angestellten Fritz Gustav Jansen zum Tode. Der Verurteilte hotte sich wenige Tage vor Neujahr mit Jansen angcfrcundct, ihn in der Nacht zum 31. Dezember betrunken gemacht und dann auf einem einsamen Wege ermordet. Der.Bund der Vertreter und Reisenden Teplitz- Schönau(Fachgruppe des Allgemeinen Angestellten- Verbandes Reichenberg) macht auf di« Beschaffung von ermäßigten Eisenbahnhalbjahreskarten mit Gültigkeit ab 1. April bis 30. September l. I. für organisiert« Verirrter und Reisende aufnierksam. Die Beschaffung kann n u r durch di« Organisation erfolgen. Auskunft erteilt bereitwilligst die genannt« Fachgruppe in Teplitz Schönau, Eichwolder-Strasse 39(Telephon 158). Dir Staatsbahndirektio« in Kaschau schreibt die Lieferung von: 1. Dichtungsmaterial, Dochten, 2. Textil- und Sattlerwar«, 3. Seilerwar«, 4. 2ed^- war«, 5. Glasware für das 2. Halbjahr 1933 auS. Die detailliert« Ausschreibung und die Bedingungen werde«« im Amtsblatt veröffentlicht. Mysteriös« Kokain-Selbstmorde in einem Teschner Hotel. Aus TschechischTescher« wird gemeldet: Mittwoch beging der 25jährige. Beamte des Hotels„Polonia" in Tschcchisch-Teschen, Stanislaus Sochacz, Selbstmord, indem er eine grössere Menge von Kokain mit Rotwein zu sich nahm. Sochacz wurde ins Landeskrankeu- haus nach Poln.-Teschen gebracht, jedoch später auf'einen Wunsch nach Karwin geschafft, wo er iiachmittag an den Folgen des Giftes erlag. ES ist dies der zweite Selbstmord durch K.ckrin im Hot«/„Polonia" innerhalb von zehn Tagen. Am fünften März beging unter den gleichen Umständen der 30jährige, Hotelportier Karl Daniel Selbstmord, indein er 80 Gramm Kokain einnahm Die Ursache des ersten Selbstmordes ist genau in das gleiche Dunkel gehüllt w'e der gestrige. Damals hatte Daniel kurz vor seinem T'de angckündigt, dass ihm noch zwei Bekam::r ui der nächsten Zeit i>« den Tod nachf lgen werden. Ties« Prophezeiung ist gestern zum Teil wahr geworden. Nr. 65 Freitag, 17. Mör, 1833 Seite 7 Brandstifter van Lubbe vor dem Sondergericht. Eine Satire, die Wahrheit sein könnte. C weiser, o gerechter Richter! Das Kreis-! 8 e r ich t Eger verurteilte«inen Mann zu s i e- k. be n Tagen Gefängnis, weil er vergessen halte, beim Abmeidcn seiner Rodiokonzes-- ! sion auch seine Dachantenne herunier- zunehmen. Dieses Urteil wurde gefallt, obwohl der Bckrefftnde nachwies, daß er schon i~ seit Wochen keinen Rundfunk emp- s fange, da er seinen Apparat nicht mehr ' besitze. In der Urteilsbegründung stellte das Gericht fest, daß der Rundfunkempfang für die Beurteilung des Falles nicht ausschlaggebend sei, sondern daß es genügt, daß der Angeklagte di« Antenne, also eine EmpfangLvorrichtung, beibehalten ha t.(PR.) Nordisch-arisch« Edelmensch«». Bei den sonn- ' tägigen Wahlen für di« Provinziallandtage verzeichnet« die Kandidatenliste der Nazi für Obcrschlesien unter acht ausgestellten Kandidaten folgende fünf Namen: Adamczyk Josef. Slawi k Johannes, Gregorzek August. Fillusch Aiax, Haw«Ilek Alfred... i• Wie man sieht, lauter nordisch-arische Edelmenschen. deren Altvorderen, darüber kann keinerlei Zweifel bestehen, im Teutoburger Wald bestimmt mit dabei gewesen sind. 3VV.VVV Personen in Europa leben vom Rundfunk. In ganz Europa verdanken heute ungefähr 300.000 Menschen dem Rundfunk direkt oder indirekt ihr Brot. Mit den Familien wären diese in der Lag«, zwei Städte zu besiedeln, deren sede fast die Größe Prags hätte. Man ersieht aus di.-'en Ziffern, tvelchen ungeheuren wirtschaft- ' lichsn Wert der Rundfunk bereits erlangt bat. Berechnen wir das monatliche Einkommen eines solchen Angestellten nur mit 1000 X, so sehen wir, daß in einem Jahre bei 3 000.000.000 X nur für Löhne und Gehälter ausbczahlt werden.(PR.) Dieb« im Haus. T«r Galanteriewarenhändler B. Lesterrricher in Igle» kam nach einer anonymen Anzeig« darauf, daß in seinem Geschäft« in der letzten Zeit Waren im Wert« von 44.000 X entwendet wurden. Die Diebstähle verübten sein« Kommis, der 21fähr:g« Viktor Zimmer- mann, derzeit Soldat bei d«r Artilleri«, und der 10jährige äosei Urban, welche den im Laden kaufenden Slowaken Diebstähle ermöglichten, wofür sie Provision erhielten. Außerdem gaben sie Waren direkt in di« im Haus« aufbewahrten Körbe. Ein Slowake bezahlte an Provision«» für ein Vierteljahr 8000 X. Di« beiden Kommis wurden verhaktet. Desgleichen wurden der ; Rjährige Hausmeister Josef Fiala, der bei den Diebstählen behilflich war, ferner di« beiden Slowaken Bdlik und Bazala verhaftet. Nach weiteren sechs . Slowaken wird gefahndet. Die Kommis Zimmer- mann und Urban kauften sich nur Luxusgegenstände, wie«in Radio um 4000 K.«in Motorrad. Einer von ihnen hatte 3030 X in■ der Sparkasse. Von den gestohlenen Gegenständen'wurden noch Waren für einige tausend Kronen beschlagnahmt. Kuriose weit. Don Ernst Heinrich Lchrcnzel. Nachdruck— auch mit Quellenangabe— verboten! In der China-Abteilung der Dresdner Staatlichen Porzellansammlugn bleibt mein Blick auf einem wundervollen kleinen Gegenstand ruhen: von einer länglichen, flachen Taste heben sich zwei Kugeln aus zartem Netzwerk, deren jede auf dem Gipfel eine kleine plastische Blume als Teckelgriff trägt. Dünn und schimmernd ist das Porzellan— in seiner Transparenz wie von innen erhellt—, das Netzwerk zierlich und fein, leuchtend weiß die ungefärbte Tonerde, strahlend purpurrot die Unterglasurornamentik, von schim- meritdcnt Gold die reiche Uebergkasurzeichnung, die— von der ticferliegenden Farbe durch die Glasschicht getrennt— wie ein sonniger Hauch buchstäblich über dem Gegenstände zu schweben scheint. Das Ganze ein Zeuge erlesenen Ge- schmacks, hoher Kunstfertigkeit, alter Kultur. Wohl das Tintenfaß eines vornehmen Mannes! Nein— die Tafel im Schaukasten weiß es besser:„Grillenkäfige zur Gefangenhaltung von zu Kämpfen be- st i m m t e n Grillen,.—„Mingstil"- Malerei über und unter der Glasur— Ende des 17. Jahrhunderts." Ich lese es, und alles scheint verwandelt. Wie? So viel Wissenschaft, so viel Kunst, so viel Tradition buchstäblich„für eine Grille?". Noch dazu für eine von unzweideutiger Grausamkeit? Wir haben wohl erst viel später als die Chinesen gelernt, Porzellan zu machen, aber--- aber? Ich kann dieses Aber nicht weit ausdenken, denn noch ehe eS vor dem Lichtstrahl meiner rückschauenden Erinnerung weicht, der die römischen Gladiatoren m ihren goldenen Käfigen streift, die spanischen Stierkämpfer, die sich den Bauch anfschlitzen lassen angesichts des Pompes einer Nation, trifft mein Blick den Aufseher am Schaukasten, der interessiert auf die Balkenlcttern seiner Zeitung sieht:„Der Weltmeisterschaftskampf im Boren. 110.000 Zuschauer. Bier Millionen Dollar Einnahme. Das erste funkentclegraphisch übertragene Bild des neuen Weltmeisters."— Siebzehntes Jahrhundert: jene chinesische Schrulle. Zwanzigstes Jahrhundert: Eisenbahn, Auto, Rotationspresse, Film, Radio— der Weltäther mobilisiert für einen„trockenen Kinn- hakeit". Grillen, Grillen: Die Technik hat sich entwickelt, nicht der Mensch » Ruhr ist chinesisch, nicht Bewegung. Festhalten an erworbener Kultur, nicht Streben nach neuer. Bewahren der eigenen Art, nicht Er- Auf Grund der letzten Notverordnung— sub Nr. 3754 u vom 15. d. M.— hat sich ein Sondergericht konstituiert zur Aburteilung Lübbes und Genossin. Goering: Vorsitzender, Goebbels: öffentlicher Ankläger, und, damit di« Unparteilichkeit des Gerichts gewährleistet wird, Dr. Veilchenduft: Verteidiger. Auf dem mächti- g«n Eichentisch im großen SchwurgerichtSsaal in Moabit steht statt des üblichen Kruzifixes ein Hakenkreuz, statt der> Bibel 4 Hitlers„Mein Kampf", in SchiveinÄeder gebunden. Pan Lubbe zwischen zwei Hilfsschupos auf der Anklagebank, die vereinigten Marxisten in zwei mächtigen E i f e n k ä f i g« n, ein Geschenk Mussolinis an Hiller, anläßlich feiner Ergreifung der Macht. Goering: Angeklagter, treten Sie vor. Da das Gericht von der Annahme ausgeht, daß Sir nur der Vollstrecker der Schandtat waren, zu der Si« von den vereinigten marxistischen Mordbuben gedungen wurden, werden Si« zunächst, wie«s di« neue Verordnung vorschreibt, als Zeuge vernommen, und erst nachher als Angeklagter. Sie werden jetzt vereidigt. Heben Si« die flache Hand, und sprechen Si« mir die neue Eidesformel nach:„Ich— schwöre — bei Hitler dem Allmächtigen— und Allwissenden— die relativ st e Wahrheit zu sagen— nichts zu verschweigen, was— die marxistische Partei belasten— und nichts hinzuzufügen— was di« herrschende Partei— schädigen könnte— so wahr mir der Vorsitzende helfe — Heil!" Ban Lubbe schwört. Goering: Zeuge, erzählen Sie uns also Wahrheitsgetreu, was Sie über di«, der Brandstiftung vorausgehenden Vorgänge wissen. Ban Lubbe: Es war am Nachmittag vor dem Brande, da bin ich durch die Fasanenstraße gegangen, weil ich Hunger gehabt habe, und wußte, daß da vor dem neuen Tempel immer dir Herren Juden— Goering: Lassen Sie alle unnötigen Titulaturen bei Seite— Ban Lubbe:— Juden herumstehen, dir man anbetteln kann. Bor der Synagoge stehen richtig neun Juden. Es waren lauter alte Männer mit weißen Bärten und Triefaugen— Goebbels: Aha, di« Weisen aus Zion? Ban Lubbe: Ich wollte sie gerade anbetteln, da haben si« mich in di« Synagoge hineingezogen, und wie wir drin waren, hab ich große Angst gehabt! Ich dachte, si«-wollte» mir Blut abzapf«», weil doch bald Ostern kommt. Aber si« haben mich bloß gefragt, ob ich fünf Mark verdienen will, ich wäre doch arbeitslos, und auf einen großen gefüllten Sack voll alter Kleider in einer Ecke zeigend:„Tragen Sie den ins Reichstagsgebäude, und wenn Sie der Portier fragen sollte, was drin ist, sagen Sie:„braune Hemden: dann läßt er Si« schon hinein." Wie ich dann dort eine Treppe hoch steige, da stehen oben eine Menge Kommunist« n, mit dicken Aktentaschen unter'm Arm— Dr. Beilcheudnst: Wieso wußten Si« denn gleich, daß es Kommunisten waren? werben fremder. Ein ungeheures Symbol dieses Bewahrungswillens baute der Chinese um sein Reich: die große Mauer. Ein Symbol der Ruhe, der gehemmten, gebändigten Bewegung zwingt er seinem Körper auf: die künstlich bewirkte Verkümmerung und Verkrüppelung des Bewegungsorganes, des Fußes. So wird ein verklumptes Füßchen, das nicht mehr zum Schreiten, nur noch zum Trippeln taugt, zum Schönheitsideal eines Volkes. Tollste Tollheit der Mode. Närrischester Einfall, auS einem Defekt einen Effekt zu machen? — O nein. Denn die Eingeborenen von Celebes lieben verkrüppelte Köpfe! Durchaus ingeniös konstruierte Wiegen müssen dort ähnliche Arbeit verrichten wie die Fußwickel und-pressen der Chinesen; eine Rolle und eine kunstvolle Verschnürung fesseln das kaum geborene Kind in die„Kopfpreßwiege", jfbet Widerstand, den eS instinktiv leistet, wird urch die raffinierte Anlage der Schnurzüge zu einem Druck auf jene Form um- gewandelt, die sich über den noch weichen, bieg- samen Kindesschädel preßt, chn allmählich, aber unfehlbar nach dem gewünschten Modell bildend. Und die„Modelle" sind ebenso vielfältig wie gräßlich. Zwischen diesen Grenzfällrn der den Körper „vom Kopf bis zum Fuß" verbildeten „Schmückungen" aber liegen die unzählbaren andern, die cs unter Menschen rund um unfern Planeten gab und gibt: Bemalung der Haut als Schmuck der primitiven Naturvölker, Tatauie- rungen, Brandmale, Narbenschmuck, künstliche Zahnlücken und Zahnfeilungen der Neger, ornamentale Goldzierplomben der Inder; Ohren-, Nasen-, Lippenringe,: das Fleisch des Körpers durchschlagende Dornen, Pfähle, Platten aus Gräten, Holz, Bein, Muscheln, Metall in Ohren, Nasen,' Lippen, Zeugungsorganen— ein Gespensterzug grausamblutiger„Kosmetik". Aber ein ferner— wenigstens für den Kreis unsrer abendländischen Kultur! Wirklich so fern?— Schnürbrust? Korsett? Ohrringe unsrer Frauen und Männer? Goering: Ich bitte den Herrn Verteidiger, den Zeugen nicht durch überflüssige Unterbrechungen zu verwirren!’ Goebbels: Immer die jüdische Frechheit! Dr. Veilchendust: Ich muß bitten—, Goebbels: Kusch! Dr. Veilchendust:(verschwindet hinter dem Pult).- Ban Lubbe(fortfahrend):— einer von den Männern hatte eine rote Weste— Goering:(beugt sich zum Protokollführer herunter): Notieren Sie auf Merkzettel:„Haftbefehl gegen Roda Roda, wenn gerade. in Berlin"! Weiter! Ban Lnbb«: Der ander« hatte eine rote Nase——.••’■ Goering: Kurz— lauter Kommunist« n! Wcit«r. Ban Lubbe: Die holten also aus ihren Taschen große Feueranzünder, so wie Hundekuchen, und sagten:„Gehen Sie letzt«ine Tr«ppe höher, dort sind di« Sozialdemokraten, di« hab«n die ander« Mchojve——" Goering: Schojre? Was ist denn das nu wieder? Dan Lnbb«: Das ist hebräisch— Ware! Ban Lubbe(fortfahrend): Oben also stehen die Sozialdemokraten, geben mir jeder«in Paket Streichhölzer, zu zehn Schachteln daS Paket, und sagen:„So, jetzt zünden Si« das Haus an! Aber vergessen Sie nicht, Ihren Paß immer bei sich zu haben!" Also ich mach' schnell achtundzwanzig Brandherde, und zünde sie an— das war schon ziemlich gegen Morgen. Di« letzte Tür hat nicht brennen wollen, weil ich die alten Kleider schon all« verbraucht habe, und da hab' ich die meinen ausgezogen und angezündet— Goering: Wo haben Si« den Paß hingetan, wie Sie den Rock ausgezogen haben? Ban Lnbb«: In die Seitemaschc von meiner Weste. Goering: Und wi« Sie di« West« ausgezogen haben? Ban Lubbe: In die Hose. Goering: Also Ihre Aussagen genügen durchaus, die marxistischen Brandstifter zu überführen. Nun Gerichtsdiener(hereinstürzend): Herr Dor» sitzeirder! Das Warenhaus Wertheim brennt! Goebbels(springt freudig auf): Also endlich! (Alles stürzt zur. Ausgangstür. Als^letzter, dreht sich Goering zu Lubbe um): Lubbe, Sie werden doch hier bleiben, bis wir zurück sind? Ban Lnbb«: Herr Vorsitzender, auf mein Ehrenwort! Goering(noch zögernd): Ihr Ehrenwort? Van Lubbe: Herr Vorsitzender, mein Ehrenwort ist mir heilig—!— so heilig, wie Ihnen das Ihrige! Nachdem alle, auch Goering, zur Türe hinaus sind, zündet sich van Lubbe eine Zigarette an). Unus. (Schlußbericht folgt.) Nicht nur dies. Denn das Zeitungsblatt vor mir berichtet von einem hochstapclnden Friseurgehilfen, der sich mit dem Rasiermesser prächtige „Schmisse" ins Gesicht machte, um schneidiger und als Student zu gelten. Und so gewiß dieser kein Einzelfall ist, verlohnt sich die Annonce des amerikanischen Tatauierkünstlers, der—„nur zu kurzem Aufenthalt hier!"—„nach neuer Methode elektrisch, schmerzlos und in allen Farben" arbeitet und nicht nur von Matrosen und Soldaten überlaufen wird. Freilich: seine Technik rst anders als die des Südseeinsulaners. Und auch von der Kopfpreßwiege ist ein weiter Schritt ais zu den heutigen kosmetischen Operationen: Stearineinspritzungen in die Nase zum Zwecke einer Umformung» oder einerseits durch operative Fettentfernung erzielte„moderne Linie" oder „adelige Fessel", anderseits das Einpumpen von Luft in den Frauenbusen und das Aufsetzen von Kautschukspitzen auf denselben zum Zwecke Siner kurz befristeten Formkorrektur. Im Wesen aber wirken hier im modernen Europa wie dort in räumlich oder zeitlich weit entfernten Kulturkreisen die gleichen Kräfte, wird der unbefangene Blick keinen Unterschied finden können zwischen den mit Ocker-, Rötel- und Hennaornamenten bemalten Schenkeln der Dorfschönen, die einst das Schift des Christophorus Columbus begrüßten, und jenen Americangirls von heute, die sich den gleichen Körperteil mit dem Porträt Charly Lindbergbs haben bemaletzr kaffen, der eben als erster Mensch über den Atlantik geflogen war. * Nach dem Geschmack, der bekanntlich verschieden ist, gestaltet der Mensch nicht nur sein Dasein und seinen Körper, sondern auch seinen Himmel und seine Götter, deren Wort dann wieder rückwirkend das menschliche Tun heiligt oder verdammt. So bringen ganze Scharen von Völkern ihren Gottheiten Tieropfer, während dem Inder jede Tötung einer Kreatur verboten ist, so opfert der alte Aegypter dem zürnenden Nilgott« eine festlich geschmückte Jungfrau, schlachtet man Baal tausende Menschen, wahrend Melitta zu Ehren Liebesorgien gefeiert und die aus den Opferfesten der Lebensfreude sprießenden neuen vik Boten des Lichtes «ommon wieder: nach' trüben Tagen kommt da» Vertrauen und die Kauflust, und mit Ihnen eine neue Welle der Initiative. Für uns gab ee nie eine Krise. Wo wir sind, gibt es keine Finsternis und keine Gefahr. Wir sind die wahren Boten des Lichtes, wir sind die Batterien PALAS A. Besuchen Sie uns Ehrend der Frühjahrmesse im neuen Messepalais, Stand Nr. 11? Menschenblüten besonders gepflegt und erzogen werden. So segnet der alttestamentliche Gott die geschäftliche Tätigkeit Jakobs und die„Getreidespekulation" Josephs in Aegypten, während Christus Predigt, daß Geben seliger denn Nehmen sei, und das Himmelreich den Armen Vorbehalten. So sehen ganze■ Reihen von Völkern in ihren Gottheiten den Inbegriff der Läuterung und Reinheit, und die religiösen Zeremonien schreiben demgemäß komplizierte körperliche Reinigungen vor, die zugleich Sinnbild der seelischen sind, während beispielsweise die Kamtschadalen ihren sagenhaften Stammherrn derart zu einer überirdischen Karikatur ihres in starrenden Schmutz gebannten Lebens gemacht haben, daß sic ihn hartgefrorenen Kot als seine Braut verehren läffen, die unter seinen Liebkosungen auftaut und chn in Schmutz und Gestank liegen läßt. Denn der Mensch bevölkert den Himmel Mit Göttern„nach seinem Ebenbilde" wie die Erde mit Bräuchen nach seiner Art in dieser kuriosen Welt. ,^ r_ Aber e- gibt doch ein Vorwärts und ein Höher in der Entwicklung— trotz der Filmdiva Von heute, die zum Verlängern der Augenwimpern auf eine Mischung züruckgreift, deren Rezept ich haargenau im„Poudoir" der alten Phönizierinnen finde? Trotz der menschlichen Verwirrung in Amerika, die mit dem Jrrsinnsmaß der Wolkenkratzer in erstaunlicher Aehnlichkcit den Turmbau zu Babel wiederholt? Trotz— die Kette von Beispielen wäre endlos zu verlängern. Doch gibt es wohl trotz alledem die berühmte „Wellenlinie" der Entwicklung, die zwar, ewig Berg und Tal zeigt, aber doch insgesamt ansteigt? Die noch berühmtere„Spirale", die zioar immer wieder an den gleichen Punkt kommen muß, aber doch stets auf höherer Ebene? Vielleicht, vielleicht! Und ich möchte keinem Optimisten die Laune verderben, die ihm wohl- tut. Unter welchem Winkel aber soll die Wellenlinie emporsteigen, wie hoch eine Windung der Spirale sein, wenn sich dem Blick auf die wahre Entwicklung des Menschen(die kulturelle, nicht die zivilisatorische; die der Gesinnung nicht die der Technik) diese Bilder zeigen! Der Dajacke auf Borneo verfertigt seit fernster Zeit weittragende Blasrvhrpseilc, deren Spitzen er durch Upasgift' unbedingt tödliche Wirkung gibt. Der Beginn des Weltkrieges sah die Völker Europas vergiftete Fliegerpfeile aus Wurfrohren versenden— potenzierter Dajacken- brauch!— in jenen gemütlichen Tagen, als Fliegerbomben und Vergasung vom Flugzeug ans< noch nicht„auf der Höhe" waren. Oder: ich halte einen eigenartig geformten, flachen Steinkeil in Händen, der eine mühsam- gemeißelte Ausnehmung zeigt, die zur Aufnahme eines langen, mächtigen Schaftes dient, dessen Ende einen rechtwinklig abgebogener Handgrift trägt: ein Rippenbrecher aus der Steinzeit— eine rafsiniert brutale Waffe, dazu bestimmt, dem Feind in die Brust gestoßen und dort zwischen den Rippen durch die unheimliche Kraft des Hebelgriff umgedreht zu werden, d'e Breitseite hochstellcnd und so die Knochen zerbrechend,—' In den gleichen Händen aber hielt ich(zu schweigen von den Bajonetten aller Systeme!) im Jahre 1918 im österreichischen Kricgsministerium einen Akt:„Zuweisung besonderer Kampfmittel für die Südwestfront", der nicht nur vyn Hand-. granaten. Dolchen und Faschinenmessern sprach, sondern auch vitzt„Würgzangen", deren entsetzlicher Name allein mich tagelang verfolgte. DaS. Instrument sollte Schleichpatrouillen nachts die lautlose„Erledigung" feindlicher Posten ermöglichen. * Grillenkäfige, Gladiatorenkämpfe, Kopfpreß wiegen, Menschenopferungen, Giftpfeile, Rippenbrecher und Würgzangen durch Abertausende von Jahren und dazwischen doch die ragenden Gipfel aller Kulturen: Doos Homo! eette« Freitag, 17. März 1S88 Nr. 6'- PBABEB Ml Mer!" auf lüaoemiMem Bsdm. Skandalös« Borgänge an der Universität. Das Dritte Reich, das über Deutschland hcreingeb rochen ist, treibt die„geistig Verbündeten", die die neuen deutschen Machthaber hierzulande haben, zu Miniaturcxzesscn an der Prager deutschen Universität: Bon den AnkündigmigS tafeln der sozialistischen Studenten werden die Plakate und Bcr- anstaltungskalender gewaltsam entfernt. Görings Gespräche mit dem deutschen Volk werden von den unter dem Borwand des Studiums in Prag weilenden nationalen Randbe- wohncrn der Republik und des Geistes mündlich und tätig verbreitet.„M a r x i st e n s a u" und „T o z i b a n d i t e n" sind die Vokabeln,'zu denen sich,— freilich fast ausschließlich gegen i linksgerichtete Studentinnen— die gelehrigen Radiohörer der„Reden an die deutsche Nation" neuesten Greueldatums die akademische Freiheit nehmen. Gegen die Ernennung des Physikers Fürth zum ordentlichen Professor an der naturwissenschaftlichen Fakultät werden immer lauter, zwar keine physikalische aber rassische Einwände laut und treudeutsche Antlseminarier schicken sich zu Universitätlichkeiten an. Se. Magnifizenz der Rektor, der nach einem Gerücht sogar für den Wach- und Feuerwehrdienst im Kino„Capitol" einen Universitätskommissar ernennen wollte, weil ihm die akademische Autonomie der im gleichen Gebäude un- : tergebrachten Studentenküche durch die Nähe der Staatspolizei gefährdet schien, ist kaum mehr ! imstande, sich für die Ruhe in seinem engsten \ Wirkungskreise zu verbürgen. Und dies umso ! weniger, je mehr er zuläßt, daß ein paar unter { unsauberen Geräuschen erwachende Volksgenos- j sen akademisch bodenständig werden, einander mit dem Weckruf„Heil Hitler!" aus dem wissenschaftlichen Schlaf zu besseren Taten rütteln und, nehmt alles nur in allem, unter dem Wohlwollen des wohlbestallten akademischen Flurenhüters den akademischen Boden, mit dem man eigentlich anderes vor hatte, zum Nährboden des Hakenkreuzes und damit zum akademischen Trockenboden des Geistes veröden. Eine Reihe von akademischen Bürgern werden bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit bedroht: hat der Rektor nicht di« Macht, sie vor den Pöbeleien der Sudetenhinterwäldler zu schützen, so müßten andere Instanzen eingesetzt werden. Gerichfssaal Der FaleWche Exgeneral. Gajda Wieder vor Gericht. Prag, 16. März. Heute fand vor dem Senat des OGR. K v a p i l wieder einmal eine Strafverhandlung gegen den Fascistenhäuptling Exgeneral Rudolf G a j d a statt. Der Angeklagte hatte sich allerdings nichtetngefunden. Er sitzt bekanntlich in Untersuchungshaft wegen Teilnahme an dem Brünner fascistischen Kasernenüberfall und «in Transport zu der heutigen Prager Verhandlung war dadurch überflüssig geworden, daß Gajda sich damit einverstanden erklärt hatte, daß in seiner Abwesenheit verhandelt werde..Heute handelt es sich allerdings um geringfügiger« Delikte. Zunächst hatte Gajda in einer Wrschowitzer Versammlung im April v. I. einige fascistische Unflätigkeiten über die Demokratie loszulassen, die wir nicht Wiedergaben können. Der zweite Punkt der Anklage betrifft einen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz, begangen durch Mißbrauch der Bestimmungen über„nicht öffentliche" Versammlungen. Und drittens wird ihm zur Last gelegt, sich, allerdings ohne gewinnbringende BetrugSabjicht, den Titel einer Amtsperson angcmaßr zu haben. Dieser letzte Anklagepunkt stützt sich darauf, daß Gajda, während er in Pankratz sein« zwei Monate Kerker für den Uebersall von Sazawa absaß. ein Gesuch um Befreiung von groben Arbeiten ostentativ mit„General Gajda" unterzeichnet hatte, obwohl er schon rechtskräftig degradiert war Er verteidigt sich damit, daß er sich trotz seiner Degradierung als russischen General, bzw.„General der russischen Legionen" betracht«. Das Gericht beschloß, die angebotenen Bolveii« über di« Berechtigung dieser Titulaturen zuzulassen und vertagt« di« Verhandlung. rb. 8m Kamdf um die Vaterschaft. Eine Verführung im Eisrnbahnzug und ihre Folgen. Prag, 16. März. Di« Zljährig« Hausgehilfin Elisabeth K. war heut« vor dem Senat der OGR. ö u d o m a angeklagt, in einem Patern:- tätsprozeß einen Meineid geschworen zu haben, um dem unehelichen Kind, das sie zur Welt gebracht hatte, ein« Alimentation zu sichern. Das Mädchen lebt mit ihrem Kinde in der b i t t e r st e n Not. Sie hatte im Verlauf des VaterschaftsprozesieS vor dem Bezirksgericht'Prag-Süd unter Eid ausgesagt, am 10 Jänner 1931 auf der Fahrt in ihre südböhmische Heimat von dem Schaffner des um 8 Uhr früh von Prag abgehenden Personen- ZEITIINO. Zuges in ein Gespräch verwickelt worden zu sein. Später habe sie dann der Kondukteur in ein Abteil zweiter Klasse geführt und sie dort mit Gewalt mißbraucht. Sie sei schwanger geworden und habe nach vielen vergeblichen Nachforschungen endlich> durch Zufall den Kindesvater auf dem Wilsonbahnhof erkannt. Es kam zu einer Reihe von Zivilklagen und strafrechtlichen Erhebungen, zunächst gegen den beschuldigten Schaffner, dann gegen sic selbst wegen Verleumdung uich Meineides. Die heutige Verhandlung setzt« den Schlußpunkt unter den verwickelten Fall. Während das Mädchen mit Bestimmtheit behauptet«,-er kritisch« Tag sei ein Freitag gewesen und ihre damalige Dienstgeberin habe st« auf drei Tage;um Besuch ihrer Mutter beurlaubt, erklärt« die Dienstgeberin,«ine gewiße Frau Fleischmann, diese Aussage als unwahr, da der Freitag in jüdischen Familien der groß« Auf- räümetag sei und sie an einem solchen die Angeklagte keinesfalls beurlaubt hätte. Der beschuldigte Schaffner stellte wieder unter Betveis, Besetzung der Neueinstudierung. Den Wotan singt t Hans Schweska, Hcldenbariton des Chemnitzer Itodttheaters a. G. Preise 1 bis 25 X. Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag, 8 Uhr, Freitag, Wohltätigkeitsvorstellung des Oestcrrcichi- 'chcn Hilfsvereins, Gastspiel Hansi Nies«, halb 8 Uhr:„Katharina, di« Widerspenstige" (DI).— Samstag, neueinstudiert, 7K Uhr:„Fidelio'(AI). Splicplan der Kleinen Bühne. Freitag, 8 Uhr, Kulturvevbandsfrewnde:„Fatme".— Samstag, 8 Uhr, neueinstudiert:„Komödie der Irrungen". Vorträde unfl Veranslallnnnen Dr. Siegfried Bernfeld spricht Samstag, den >8, März, um 8 Uhr abends im großen Uraniasaal über„Liebe und Erotik in der Freud- s ch e n L e h r e". Karten bei Wetzler und Truhlak. — Samstag, den 18. März, von 5 bis 7 Uhr abends und Sonntag, den 19. März, von 10 bis 12 Uhr vormittags hält Dr. Bernfeld im Heim der sozialistischen Studenten, Prag I., Bartolomöjskä 14,«inen Kurs über„Die P r a x i s der Psychoanalyse". Karl« Marx- Feier 4 der deutschen proletarischen Organisationen in Prag Montag, den 20. März 1933 20 Uhr abends, im v Heine-Saal in Prag-Weinberge, Fochovä 25 1. Einzug der Jugendgenossen und Genossinnen unter den KläDgen der Marseillaise(Bläserchor des Neuen Deutschen Theaters) 2. Rezitation: Fritz Val k, Mitglied des Neuen Deutschen Theaters in Prag 3. Gedenkrede, gehalten von üniversitäts- Professor Dr. Max Adler(Wien) 4.„Die Internationale“. Regiebeitrag 3 Ki. Jugendliche und Studenten je 1 KL Arbeitslose freien Eintritt. Kartenvorverkauf bei Gen. Mittenhuber(Gec, Fügnerovo 4), beim Arbeiterverein, Smetky27, und bei Optiker Deutsch, Graben(Koruna) daß er an dem fraglichen Tag. in Begleitung seiner Frau und einer Freundin der letzteren gefahren sei. Nach.allem scheint aber festzustehen, daß das unerfahrene Mädel tatsächlich aus di« von ihr geschildert« Weise ins Unglück gekommen ist, aber sich einerseits im Ddtum und anderseits in der Person des Bersiihrers geirrt hat. Der Gerichtshof kam nicht zu der Ueberzeugung, daß di« Angeklagte wissentlich einen Meineid geschworen habe, sondern billigte ihr guten Klauben-zu. Demgemäß sprach er sie fr«i. rb. Sport• Spiel ♦ Köinemllüfle z« Beachtung! Infolge der Verschiebung der erweiterten Bundesvorstandssi tzun g auf den 26. März findet nun auch die Generalversammlung des Sporthauscs erst Samstag, den 28. März, 6 Uhr abends, in Aussig"— Bundeshaus statt.— Es wird aus den nahegelegenen Vereinen entsprechende Delegierung erwartet. Kunst und Wissen Brahms-Feier. Der am 7. Mai d. I. zu begehende 100. Geburtstag des großen norddeutschen Tondichters Johannes Brahms macht sich jetzt schon in den Prager Konzertsälen bemerkbar. Bor einigen Wochen hatte die Tschechisch« Philharmonie ein Brahms-Gedenkkonzcrt veranstaltet, und vorgestern gab es im großen Saale der Produktenbörse ein« intime Brahmsfeier. Sie galt mit Recht dem Liede Jichannes Brahms', das zum ivert-' vollsten und schönste» Musikgute nicht nur Brahms' selbst, sondern der gesamten Livdliteratur überhaupt gehört. Lange haben die Konzertsängerinnen und Konzertsänger gerade das Drahms'sche Lied gemieden, weil es gesangstechnisch in der weiten, an die Atemtechnik des Sängers die höchsten Anforderungen stellenden Melodieführung denkbar schwierig ist und hinsichtlich der Bortrogsgestaltung eine» Künstler von stärkster Persönlichkeit verlangt, die Brahms' herbe Gefühlslyrik eindrucksvoll zu ver- Mitteln vernrag. Auch heute noch gehören die Brahmssänger im Konzertjaale zu den großen Seltenheiten; vielleicht auch deswegen, weil das Brohms- sch« Lied so ganz püblikumsfremd, so ganz jedem äußerlichen Effekt abhold ist. Eine Brahms-Sängerin von ipealer Vollkommenheit ist Emmi Leis per, die berühmte A l t i st i n der Berliner Staatsoper, di« uns vorgestern Brahms so sang, wie er gesungen werden muß, um zu beglücken und Offenbarung zu sein: mit innerster Hingabe an das gesungene Wort, mit«rfühltestcr Inhalts- und Ausdrucksgestaltung und vorbildlichstem gosangStechnischen Bortrag. Auch in der Wahl der Lieder zeigte sich Emmi Leisner als die.groß«, geistig hochstehende Künstlerin, di« aus der Liedliteratur Brahms' das Wertvollste und Selten« ausgewählt hatte. An Professor Franz Langer von der Deutschen Musikakademi« hatte die Meistrrsängerin einen künstlerisch gleichgesinnten und immer anpassungsfähigen Begleiter am Flügel. 8. J. Montag: Opernvorstellung zu volkstümlich«« Preisen:„Rheingold". Bankbeamte 1 und 2. In der Mitteilungen aus dem Publikum. Schützen Sie Ihr Eigentum gegen Einbruch und Diebstahl durch eine Alarmanlage Signalia P a l a b a, die vom Lichtnetz vollkommen unabhängig und deshalb auch bei Netzstörungen dienstbereit ist. Der Askö im Jahre 1832. Di« österreichische Arbeitersportbewegung hat sich im Jahre 1932 trotz der ungeheuren Wirtschaftsnot behauptet. Der Arbeitersport ist tief in der Arbeiterklasse verwurzelt. Die Arbeitslosigkeit hat di« finanziell« Kraft der Arbeitersporwercine und -verbände wohl geschwächt, aber die arbeitslosen Arbeitersportler wollen weiter Sport treibe», und es wird ihnen, soweit nur irgend denkbar, ermöglicht. Für d>« Arbeitslosen ist ja der Sport oft die eiirzige Lichtquelle ihres freudlosen Daseins in dieser kapi- talifftschen Welt. Der Arbeitersport hat an allen politischen Ereignissen des Jahres.innigen Anteil genommen. Bei de» Gcmeinderatswahlen in Wien wurden auch zum erstenmal Funktionär« der Arbeitersportbewegung als Kandidaten der Sozialdemokratischen Partei ausgestellt.. Die Arbeitersportler haben für di« Partei und im letzten Jahrcsviertel auch für die Gewerkschaften werwolle Propaganda arbeit geleistet. Im abgelaufenen Jahr hat der Arbeitersport seinen v i e rzig j ä hr ige n Besta nd verkünden können..Seit,dem Jahre 1892 hat der Arbeitersport «inen großen Siegeszüg hinter sich. Der im Juni 1932 abgehaltene Bundestag des Askö legte nach Entgegennahme des Tätigkeitsberichtes seine künftig« Arbeit fest und nahm insbesondere zu den Erzie- hungSoufgaben in den Arbeitersporlbdreincn Stellung. Der Bundestag konnte auch bereits über die Ende Mai im Wiener Stadion durchgeführtcn M a i, fest spiele des Askö Berichte entgegennehmr», di« mehr als 6000 Menschen als Mitwirkende zu drei Aufführungen vereinigt hatten und die einen ungeheuren Erfolg auf dem Gebiet der Massen- fcstkultur brachten. Der Bundestag hat auch der Gründung eines Arbeiter-Samariterbundes zugestimmt und diescn in den Askö ausgenommen. An der Aktion„Jugend am Werk", die von der Gemeiiwe Wien für di« arbeitslosen Jugendlichen ins Leben gerufen wurde, haben sich auch die Arbeitersportler beteiligt und durch die Aktion in Wien verschiedene Plätze neu errichtet, respektive instand gesetzt. In allen Sportzweigen hat das Jahr 1932 bedeutsame sportlich« Erfolge gezeigt..Der Bafö hat eine große Nordlandreis« veranstaltet und die Schwerathleten kamen mit Norwegen in sportliche Konkurrenz. Die Arbeiterfußballer hatten überdies mit dem Beginn der Europameisterschaft einen großen Erfolg., Der 1. Mai und der 12. November haben in fast WWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWW^^'''') Sozialistisch« Jugend, Prag— Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker— Einheitsverband. Dienstag, den 21. März, spricht Genosse Dr. Max Adler, Wien über „Politische and soziale Demokratie" %8 Uhr abend, Dopz-Saal, Jungmannovä 29. Anmeldungen bei de» Genosse» Ullmann, Hübner, Willimek, Trud« Kohn, Ransch, Schwab. allen Orten die Arbeitersportler mir Veranstaltungen auf dem Plan gesehen. Im Herbst wurde drei neue Dktspruugschanzen, in Kapfenberg, in Hir'ch- wang und in Weidlingau-Hadersdorf, erbaut. Ten Bildungsbestrebungen in den Arbeitersportorganisationen Rechnung tragen-, hat der ASkö für Reserenten Bortragsdispositionen für Iporworträgc herausgegeben. Der Bild«-je» rent in den Arbeitevsporwereinen als„Sprecher' hat sich eingelebt und das Wochenorgan„Ter Sprecher" hat den Funktionären wertvolles politisches unsportliches Material vermittelt. Ende Oktober haben die Arbeitersportvereine auch au der K a m P f w o ch e gegen den Alkohol teilgenommen. Neben der bereits ausgebauten sportärztlichen Untersuch u n g s st e l l e in Wien haben sich Ansätze zur Errichtung von Untersuchungsstellen in Graz. L'nz, Villach und Kapfenberg gezeigt. Durch den W euer Radi ölender wurden 35 Borträge über Sport von Funktionären der Arbeitersportbewegung gelendet. Im Askö wurden auch Schulungskur le für Anatomi«, Hygiene ui«d Physiologie der Leibesübungen durchgeführt und ein Borbercitungskurs für die Sportlehrerprüfungen beim Wiener Stadtschulrat äbgehakten. Die Unterstützung, di« der Arbeitersport von den Behörden erfahren hat, ist mehr als spärlich. Ter Bund und die Länderregierungen haben für die Kulturbestrebungen der Arbeitersportler nichts oder fast nichts übrig. Wenn auch viel« schöne Erfolge im Jahr« 1932 zu verzeichnen waren, so sind di« Arbeitersportler damit nicht zufrieden. Die Klarheit in politischer Hinsicht muß bei den Sporttreibenden und innerhalb der Arbeiterklasse kbärfer werden. Keine Neutralität im Sport! Kein Arbeiter in den bürgerlichen Sportorganisationen! Aus der Partei Augenvbewegung. Freie Vereinigung soz. Akademiker. Heut« Freitag, 8 Uhr, im Heim(Odborovy dum), Genosse Dr. Emil Franzel:„Konterrevolution über Deutschland". Der Film Mamba. Einer der ältesten Jarbcntonfilme der Tifsanyproduktion(Regie Rogc.ll), kam wegen des herrschenden ProgrammaugelS doch noch zur Aufführung, nachdem er seit zwei Jahren vom Verleiher vergeblich angeboten wurde. Das Niveau dieser „Abenteurerfilms aus dem großen Krieg" ist derart jämmerlich, daß sich eine Wiedergabe des Inhalts erübrigt. Da di« kaiserlich deutsch« Kolonialarme« sozusagen di« Hauptrolle spielt, sind die Eingeborene« Deutsch-Ostafrikas natürlich Wilde, die die braven Repräsentanten des Kolonialimpcrialismu» grausam morden: infolge welchen Unglücks sich die. edlen Briten auch nach der Kriegserklärung zur Rettung der weißen Kameraden aufrafsen und dem besiegten Feind natürlich den Degen laste». Nebenbei tritt ein« edle weiße Jungfrau der Sprecstadt in den ungeliebten Ehestand(wegen dir Finanzierung ihrer Adelsfamilic durch den rohen Gatten) und nachdem iittser Mitleid für ihre Ehcqualcn genügend geweckt wurde, sind wir natürlich mit der Geldpolitik ihrer Kuppelfamilie vollkommen einverstanden: denn zur Rettung kaiserlich treuen Adels muß sich eben alles znsammenfinden. Es gibt vom Anfang bis;um hgppy end Originalfarbenbildrr,'die wegen-er doch noch mangelhaften Technik den unwidersprochenen Vorteil haben daß man nicht alle Details der Schauspieler erkennen kann. Regie, Ton und Spiel ist Unerträglich naiv W. 8. l KINO PROGRAMM| vom 17. Hirt dl» 23. MBrx 1933.£ Wran-Urania-Kino einziges deutsche imo 4>ra07 u dowy»iin (Qen. Wilhelm OpatrnOI «St PRAG II h^7>m Heran» Prag.— e de t: Siegfried Tand— Thafradaktenr: Wilhelm N t e h n e r.— BnamworMcher Redakteur: Dr. EarU Stranh. Prag.— Druck:-Rota* L.-D. für Zeitung- und Buchdruck. Prag.— Zür den Druck verantwortlich: Otto Holik, >w''"A-?- mnrde von det Poft. n. Telegraph-ndirektion mtt Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— BezugSdedmgungen: Bei Zustellung in« Hau» oder hei Bezug durch die Post monatlich Kö 16.—, vierteljährlich tU» tzAWLatzug m öd.—, ganzjahrtg Lt,— Znjerare werden laut Lauf billigst berechnet. Bei älteren Lullchaltuneeu Preisnachlaß.— Stückstellung von Kauuflripten erfolgt nur bei Eivsetchung der Sielourmurle^