13. Jahrgang. Samstag, 18. März 1933 Nr 66. Der„Sozialdemokrat“ in Dealsdiland verholen. Die Redaktion erhielt die Verständigung, daß der„Sozialdemokrat" auf Verordnung des Reichspräsidenten in Deutschland bis zum K. September, das heißt also sür die Dauer von sechs Monaten, verboten ward«. DaS Verbot ist für unser Blatt ein« Ehre. Sin« Ucberraschung bedeutet es nicht, den« nach der Unterdrückung der reichsdeutsch«» sozialdemokratischen Presse war es zu erwarten, daß di« Regierung der Hakenkreuzmörder versuchen wird, auch uns daran z« hindern, die Wahrheit über Deutschland zu verbreite«. Das Verbot wird ohne Wirkung bleibe». Der„Sozialdemokrat" wird nach Deutschland komme««nd er wird in Deutschland gelesen werde«! Demarche in Berlin wegen den Einbruches von Hakenkreuzlern anf tschechoslowakisches Gebiet. Prag, 17. MSq. Wie wir erfahren, hat di« Tschechoslowakei de« gestrige« Grenzzwischenfall bei Katharinaberg, wo bewaffnete H«ckenkr«uzler aus tschechoslowakisches Gebiet vordrangen nnd unsere« Genossen Albin S ch m i d e r durch zwei Revolverschüss« lebensgefährlich verletzten, zum Gegenstand eines diplomatischen Einschreitens bei der deutschen Regierung gemacht.. Der Geschäftsträger unserer Gesandtschaft in Berlin hat heut« bereits Schritt« im Außenministerium in der Wilhelmstraße unternommen. Der tschechoftowakische Gesandt« in Berlin Dr. Mastny, der dieser Tag« in Prag weilt«, hat heute die Rückreise nach Berlin angetrete« und bereit» für morgen beim deutschen Außenminister von Nenrath um eine Unterredung angesucht, in der er osfizieN«inen Protest der tschechoflowakischen Regierung wegen dieses Zwischenfalls überreiche« wird. Auf Einschreiten der sozialdemokratischen Parteien erschien heute I n n e n m i«i ft e r Serny in einer Sitzung von Vertretern der koalierte« Senatsparteien und erstattete dort eine« Bericht über di« letzten GrenzzwisHensälle sowie über di« Maßnahme«, di« getroffen wurde«,«m derartige« Zwischenfällen künftig Vorzubeuge«. Interpellation unserer Senatsfraktion. Versprechen war leicht— Handeln ist schwerer. Auch Hitler wird den Bauern nicht helfen. Auf der Tagung des Pommerschen Land- idundes hielt Goering eine Rede, welche er mit den üblichen Schimpforgien auf die Sozialdemokraten begann. Als er aber zu sagen, hatte, was die Bauern in Wirklichkeit von der Hitler- regierung zu erwarten haben, wurde er kleinlaut. Alles, was er da zu sagen wußte, war folgendes: Ich weiß, wie sehr immer darüber geklagt worden ist, man müßte Kontingente haben, das Ausland dürfe nicht dieses oder jenes einführcn. Man müßte di« einheimische Produktion schützen und Lhn- lichc Forderungen mehr. Gewiß, Volksgenossen, ein« verantwortungsbewußte Regierung wird unter allen Umständen durch gesetzliche Maßnahmen auf diesem Gebiete tun, was fie tu« kann. Aber das, waL eine Regierung tut, das, was ein Staat tut, durch sozial« Verordnungen, wird immer, und sei es die beste Regierung, nur ein ganz geringer T e i l s e i n können von dem, was not tut. Die gewaltige Rettungsaktion mutz aus dem Volke selber kommen, aus dem Volke geboren werden. Gut deutsch heißt das: Jetzt habt ihr uns die Macht gegeben, jetzt seht zu, wie ihr euch selbst helfen könnt! So haben sich die Bauern das ^Dritte Reich gewiß nicht vorgestellt! 18.000 schwerbewaffnete SA in franken! Nürnberg, 17. März. Di« planmäßig« Bewaffnung der fränkischen SA mit Gewehren und Maschinengewehren«Bestände, die zum Teil aus den Zeiten der sogenannten„Einwohnerwehr" stamme«, zum Teil neueren«nd neuesten Dalums find) ist nunmehr durchgeführt; insgesamt find bisher rund 18.008 Mann ausgerüstet worden. Die militärisch« Ausbildung dieser Leut« im Schießdirnst und Geländedienst ist in vollem Gange; in Bayreuth und Koburg ist je ein Ausbildungslagrr errichtet worden. Als Instrukteure dienen in der Hauptsache frühere Offiziere der wilhelminischen Arme«. Die Art dieser Ausbildung läßt erkennen, daß die Hitler- lcnte nicht nur zum Kampf gegen den „inneren" Feind bewaffnet wurden«nd gedrillt werden. Aus dem Flugplatz Fürth sbei Nürnberg) werden aus Veranlassung des Reichskommissars für Bayern, General von Epp, eine Anzahl SA-Leute im F l u g d i e n st ausgebildet; diese Ausbildung dient, wie behauptet wird, den Zwecken der Polizei(?). Ein zweites Attentat au? den Pfarrer Ulitzka. Breslau. 17. März. Auf den katholischen Pfarrer Ulitzka(früheren Reichstagsabgeordneten) wurde ein zweites Attentat versucht; Ulitzka blieb wie durch ein Wunder unverletzt. Bei Androhung sofortiger Schutzhaft wurde ihm Verbote«, irgend etwas über den Borfall in die Oeffentlichkeit zu bringen. Oie Tochter Kurt Eisners verschleppt. Berlin, 17. März. Di« Tochter des im Feber 1919 von dem Grafen Arro ermordeten bayrischen Ministerpräsidenten Eisner, Ruth Eigner, wurde, wie erst jetzt bekannt wird, am 8. März von bewaffneten SA-Leuten au» ihrer Wohnung in Berlin-Moabit verschleppt. Ueber ihr Schicksal fehlt jeder Anhalt. Ruth Eisner, die sich politisch niemals betätigt hat und di« znr Zeit der Miuisterprästdentschast ihres Vater» noch er« Kind war» ist Studentin der Medizi u an der Berliner Universität. General Schönaich verhaltet. Generalmajor a. D. Freiherr Paul von Schönaich, der durch seine pazifistische Tätigkeit bekannt geworden ist, ist laut einer Meldung der„Franks. Ztg.", in der Nacht aus seinem Besitztum in Rheinfeld bei Bad Oldesloe durch«in größeres Ausgebot preußischer Polizei in Schutzhast genommen worden. In der Wohnung des Festgeuommenen wurden größere Brief- und Aktenbeständc beschlagnahmt. Di« Genossen Dr. H e l l« r, P a l m e und Nießner haben heute im Senat eine auch von den tschechischen Genossen unterfertigte Interpellation an di« Regierung „betreffend de» Einfall bewaffneter Haken, kreuzlerbanden aus Sachsen in Nordböhmen und den Mordversuch an Arbeitern" gerichtet, in der zunächst der Tatbestand folgend geschillert wird: Mittwoch, den 16. März 1933, abends, überschritt«ine Bande reichsdeutscher SA-Leute bei Katharinaberg' die Grenze und unternahm einen Streifzug anf tschechoslowakisches Gebiet. Sechs bewaffnete Männer kamen zu dem Gasthof Adler in Katharinaberg mit der Absicht, die dort untergebrachten politischen Flüchtlinge aus Sachsen zu überfallen und über die Grenze zu schaffen. Als nach 10 Uhr abends zwei Arbeiter aus Katharinaberg, der 22jährige Albin S ch m i d e r und der 19jährige F. Vogel am Gasthaus Adler vorüberkamen, wurden sie von den SA-Leuten angehalten und mit vorgehaltenen Revolvern aufgefordert, die Hände zu heben. Als Schmider sich durch die Drohung nicht abschrecken ließ, wurde er durch zwei Schüsse,,von welchem einer die Lunge traf, schwer /verletzt. Nach der Tat flüchteten die Banditen. Die Jnterpellartten stellen weiter fest: Der Mordversuch war planmäßig vorbereitet, denn die bewaffnete Truppe wurde bis zur Grenz« anf Lastautos der SA gebracht und an der Grenze von einem größere« SA-Auf» gebot erwartet. All« Umstände deute« darauf hin, daß derartig« organiflert« Mordüberfälle auf tschechoslowakischem Gebiet von re»chs- deutschen Hakenkreuzlern auch in Zukunft unternommen werde« könnte«, wen« nicht sofort schärffte Gegenmaßnahmen getroffen Iverdeu sollten. Di« Unterzeichneten fragen daher di« Regierung: 1. Sind der Regierung di« Vorfälle, welche fich am 18. März in Katharinaberg abgespielt habe«, bekannt? 2. Welch« Maßnahme« habe« die zuständigen Behörden getroffen, damit. Ueberfölle reichsdeutscher Hakenkreuzbanden auf tschecho- slowakischem Gebiet in Zukunft unmöglich gemacht werden? Die Terror-Aktionen gehen verschärft weiter! Sieben Tote aus einer Berliner Nazi-Kaserne abtransportiert. Zerstörung eines katholischen Jugendheims. Berlin, 17. März. Di« Terror-Aktionen gegen die Gegner der Hitlerleute gehen planmäßig und unter de« Augen der Polizei des Herrn Goering weiter. Die verschiedeue» Ausrufe Hitlers und Fricks zur Legalität werd«« allgemein lediglich als Geste an die Adresse des Auslandes gewertet.— In der Rächt zum 16. März wurden aus einer SA-Kaserne in der Friedrichstraße 243 zu Berlin fieben Tot« abtransportiert; über die Persönlichkeiten der Ermordeten wird seitens der Polizei jede AuSkuust verweigert. Im übrigen werden von den Gewalttaten der Hakenkreuzler nicht nur linksgerichtete Personen betroffen; in säst dem gleichen Umsange geht man nunmehr auch gegen A n g t» hörige desBürgertumS und— vor allem— der katholische« Bewegung vor. So wurde in den Abendstunden des 15. März rin katholisches Jugendheim i« der Wil- hclmstraße zu Berlin von bewaffneten SA-Leuten überfallen und völlig zerstört; ihre besonder« Wut ließen di« Hakenkreuzler an Madonnenbildern, Kruzifixen und sonstigen Gegenständen des katholischen Kults aus. Während dieser Aktion war das Gebäude in weitem Umkreis durch Hilfspolizei abgeriegelt. Dem Verwalter des Jugendheims wurde untersagt, die Presse zu informiere«; da er ablehnte, sich zum Stillschweigen zu verpflichten, wurde«r von den SA-Leuten für verhaftet erklärt und verschleppt. Sem Schicksal ist unbestimmt; auch die Polizei gibt an, von nichts zu wissen. in Leinzlff* Drei Tote. Leute eine systematische Jagd nach politischen P,* Wegnern veranstaltet. Hierbei wurden rund 50 Personen verschleppt und drei Personen erschossen. Bei einem der Toten handelt es sich um eine» Ausländer, dessen Name und Nationalität von der Polizei verheimlicht wird. 80 Verschleppte! Leipzig, 17. März. I« der Nacht zum 16. März wurde in Leipzig-Gohlis durch SA- Die„verbotene VersammiuRg“ eines Parlaments. Das österreichische Abgeordneteichaus war von seinem Präsidenten, dem Großdeutschen Dr. Straffner, für den 15. März, 3 Uhr nachmittags, zu einer Sitzung einberufen worden. Jedoch schon um halb zwei Uhr zogen«iwa 200 Kriminalbeamte ins Parlamentsgebäude ein, um im Auftrage der Regierung Dollfuß die Tagung durch Besetzung des Berhand- lungssaales zu verhindern. Kaum war dies bekannt geworden, strömten schon die opposi- tto-nellen?lbgeordneten, Sozialdemokraten und Großdeutsche, aus ihren Klubräumen in den Berhandlungssaal und als die Kriminalbeamten an der Türe erschienen, um den Eintritt unmöglich zu machen, da blieb ihnen kaum mehr etwas zu tun übrig. Nur mehr sechs Abgeordnete fehlten. Sie konnten Allerdings den Saal nicht mehr betreten. Aber die Sitzung war dennoch beschlußfähig. Sie wurde vom Präsidenten nach einer kurzen Rede wieder geschlossen. Der Zweck der Tagung war erreicht, denn der Präsident hatte damit vor aller Oeffentlichkeit demonstriert, daß das Parlament organisatorisch nicht lahmgelegt sei, sondern auch jetzt noch einen Präsidenten an der Spitze habe. Durch die Tagung war aber überdies zum Ausdruck gebracht worden, daß die Handlungen der Regierung nackten Berfassungsbruch bedeuteten», soweit sie die Auffassung zur Voraussetzung haben,, das Parlament sei durch die Präsidentenkrise rechtlich handlungsunfähig geworden. Jedoch der Regierung des Chriftlichsözia- len Dollfuß kommen auch weiterhin keine juridischen Bedenken. Für sie gilt die Auffassung nicht, hinter der heut« zwei Drittel der österreichischen Bevölkerung stehen. Für sie ist die Tagung vom 15. März keine gesetzmäßige Funktion des Parlaments, sondern, wie sie amtlich verächtlich zu erklären wagt, nichts weiter als eine„verbotene Versammlung". Aber es ist ein Verbot, vor dem die verbietende Regierung mehr Angst zu haben scheint als die„Verbotenen". Denn, um sich vor»n- angcuehmen Folgen, die das Verbot nach sich ziehen könnte, zu schützen, zog die Regierung beträchtliche Truppenkörper aus der Provinz nach Wien, lieber die Ringstraße rasten am 15. März Autos, beladen mit feldmäßig ausgerüsteten Soldaten. Große Massen berittener Polizei waren in der Nähe des Parlaments in Bereitschaft. Ja, selbst die Heimwehr hott« etwa 2000 Bewaffnete zusammengetrommelt, di« sich im ehemaligen Gebäude des Ministeriums des Innern einqüarti erteil. Am 15. März hat Dollfuß bewiesen, daß er an die Gewalt der Waffen appellieren will, wenn das Parlament nicht gesonnbn ist, auf wesentliche seiner Rechte zu verzichten und den Weg zu gehen, der sehr leicht in ein Schattendasein der Demokratie führen kann. Der 15. Marz hat bewiesen, daß die Regierung gerne bei dem diktatorischen Kurs, den sie seit dem Umschwung in Deuffchland eingeschlagen hat, beharren will. Tiefeinschneidende Verfassungsänderungen, insbesondere eine umfangreiche Erweiterung der Befugnisse des Bundespräsidenten und die Umwandlung der bisher ziemlich einflußlosen ersten Kämmer deS.Bundesrates in eine Ständevertretung, sollen rpäch- tige Breschen in das Gefüge der österreichischen Demokratie legen. Die Sozialdemokratie, der kräftigste und gefährlichste Gegner der Regierung, gibt sich keiner Täuschung über die Gefahren hin. Ihr ganzer Organisationsapparat ist in Funktion gesetzt, um die Massen auf schwere Kämpfe vorzubereiten. Sie scheut nicht vor der Konfiskation ihrer Zeftungen zurück, die jetzt beinahe täglich erfolgt. Wenn die Abhaltung von zu großen Volksversammlungen verboten wird, dann wird der Strom der Mass« in vierhundert Scktionsversammlungen gelenkt; Die Funktionäre der meisten Gewerkschaften sind Seite 2 TamStc-g, IS. MSr, 1SSS Nationalrats zurückzulehren. Schon haben Verhandlungen zwischen den Regierungsparteien und der Opposition eingesetzt, wodurch der parlamentarische Betrieb in Gang gebracht werden soll. Aber wie immer auch die Verhandlungen ausgehen mögen— der schwere Konflikt, in dessen Verlauf die Tagung des Parlaments zu einer„verbotenen Bersamm- lugn" werden konnte, hat die großen Gefahren aufgezeigt, die der österreichischen Demokratie drohen. Die österreichische Arbeiterklasse wird aus der Bereitschaft, in der sie heute steht, nicht sobald entlassen werden können. S. K. mnriditung— I ihnen eine solche Stärkung des National- öffentNchrs Schauspiel in Kultur-Dentschland. sozialismus erhoffen, daß sich ihm die Tove ._. zur Regierungagewalt von selbst öffnen. Und Berlin, 17 März. Ter„Völkische Beobachter" j dann wollen die Braunen wüten wie ihre berichtet aus Karlsruhe: Reichskommissär Wag- Couleurbrüder im Reiche, n e r sprach gestern bei einer Kundgebung auf dem Schloßplah. Er führt« aus: Die neue Regierung ist beispiellosen Dingen auf die Spur gekommen. Man hät.»la n d c Sv e rrä ter i sch c Pläne gefunden, nach denen die 2 o z i a l d e m o k r aten mit Unterstützung französischer' Kräfte gegen die,neue Regierung arbeiten wol len. Die national« Regierung habe bereits zwei Landesverräter ausfindig gemacht, die an diesen Plänen beteiligt waren und deren öffentlich« Hinrichtung auf dem Schlqtz- platz in Karlsruhe vorgenommen w«rden soll, sobald, das Verfahren gegen sie abgeschloffen sei. Berlin, 17 März. Ter„Völkische Beobachter", dann wollen die Braunen wüten wie ihre Ai» n..n c-. land freut, der freut sich ob deS Untergangs, ob der Bernichtung deutscher Kulturgüter und-Werte durch Mörder» und Brandstifterhände, an deuen man sich auch dann de- schmutzt, wen« sie, fei« und«pflegt, golden« Mimstergrisfel führe«. Wer sich an Herrn Goebbels anhün- delt mag zwar fähig sein, Leitartikler bei der „Bohemia" zu werden, aber er ist doch e i n B e r- räter an der deutschen Kultur! NaoMradi verboten. UND DAS 20. JAHRHUNDERT Roman von Rudolf Brunngraber Copyrigth by Sodetlt**Verlag, Frankfurt am Main IMS 8 DaS klein« Weib sah damit gern den Malrummel abflau««, denn si« hatte sich schon di« Sorge gemacht, ihr Jung« konnte zu«inem Künstler Heranwachsen, zu einem Menschen also, der sein« Eltern nicht ehrt und dermaleinst standesgemäß verhungern muß. Das kleine Weib machte sich viel« Sorgen, weil es viele halt«. Der Mann war zwar zur elektrischen Straßenbahn übernommen worden, doch hatt« das für die Familie nur ein« Steigc- rung des Elends zur Folge gehabt. 1900, im Jahr des höchsten Reallohns aller Zeiten. Denn nun war es bei der Straßenbahn so eingerichtet, daß die Schaffner erst alle acht Tage, jeden Dienstag, di« Fahrkarten abrechnen mußten. Das gab Gelegenheit zu eigenmächtigen Entlehnungen vom Erlös, di« bei Josef Lakner di« durchschnittlich« Höhe von zehn Gulden— oder der anderthalbfachen- Wochenlöhnung— erreichten, welch« Summ« der Monn nun wöchentlich vertrank. Was das klein« Weib mit dem Wäschewaschen verdient«, reichte nicht einmal für den Lebensunterhalt. DaS einzige Gute dabei war, daß sie di« Kost, di««inen Teil ihres Lohnes auSmacht«. ihrem Jungen Heimbringen konnte. Di« zehn Gülden i«doch, die dein Mann an jedem Dienstag in der großen Ledertasche fehlten, mußten auSge- borgt werden. DaS führte nicht nur dazu, daß man immer den Schulden nachhinkt« und in schlechten Rus kam, sonder« daS Leben war auch von einer entsetzlichen Ausweglosigkeit. DaS kleine Weib war bestrebt, in der Primitivität wahrhaft edler Namren, di« Ding« unbedingt auf gerade zu bringen. Ei« hungerte noch über daS hinaus, was sie für den Jungen abfvart«. Sie stand jeden Tag in einer anderen Waschküche, gegen Abend mit vor Plage zitternden Gliedern, und hungerte sich in jede Nacht hinein. Natürlich magerte si« dabei ab und ihr Gesicht unter dem rauhen blonden Haar wurde herb wie daS einer Fünfzigjährigen. DaS kleine Weib war dabei nicht traurig, weil si« sich eines eigenen Gefühlslebens geschämt hätte. Nur manchmal— wenn, ihr di« Sonne, einen blitzenden Keil über den Trog hereinschob, daß der Dampf in Hellen Ballen drin zittert«—» dacht« das kleine Weib an die weihen Landstraßen draußen auf dem Land. Doch dauert« daS nur «ine kurze, scheue Sekunde; und welch« Macht der Welt hätte daS klein« Weib wieder hinauSsühren sollen unter den großen Himmel? Der prosperierende Erdball nahm das klein« Weib mit in seine ferneren Schicksale. Im Augenblick(1902) hielt der Gang des Unentrinnbaren dort daßdie Kohlenförderung Deutschlands von den 30 Millionen Tonnen vor dreißig Jahren auf 120 Millionen gestiegen war und daß sich der Wert seiner Maschinenausfuhr von 50 Millionen Mark vor. fünfzehn Jahren auf 220 Millionen vergrößert hatte. Der Wert der MaschinenauS- fuhr Englands war in der gleichen Zeit von 212 nur auf 370 Million«« angewachsen, während Amerika die Spann« von 30 auf 260 Millionen durchlaufen hatte. Doch war die- hier mehr als irgendwo sonst nur«in Anfangswegstück. Soeben schlofft« Rockefeller und Morgan ihr« Aktion ab, di« Carnegie für 1775 Millionen Dollar die Stahlwerke entwand, damit sft mit zehn anderen Großunternehmen zur United States Steel Corporation zusammenqeschloffen würden. Zum Bil- lionentrust, dessen Präsident Charles M. Schivab — vor zehn Jahren noch Verkäufer in einer Eiftnhandluna— den Satz nun aussprach, der in allen Ländern nachgesprochen wurde: Dieses Land kann nicht stillstehn. Im Staat« Mich'gan sah daS so auS, daß Henry Ford seine Erspar nisse mit denen zweier Mechaniker und eineS Buchhalters zusammenlegt«, waS 28.000 Dollar ergab, und di« ffisrd Motor Co. gründete. Im Staat« Ohio, in Applecreek, verließ abermals ein Kommis«inen BerkaufSladen. Diesmal war«S ein« Drogerie, der Mann hört« auf den Namen Harvey S. Fireston« und sein Ziel hieß Gummi. Obgleich di« Staaten kaum über das erste Tausend ihrer Jahreserzeugung an Autos(1894: 3 Stück) hinausgekommen waren, sah dieser Mann di« .Dinge reif, zur Herstellung von Pneumatiks überzugehen und die amerikanische Kautschukindustri« zu starten. Der Anlauf zum ersten Welttrust aber war die Gründung der United Harvey Steel Co., die di« Interessen aller führenden Panzerplatten- und Kanonensabrikanten der Erde vereinigt«, sowohl di« der Bethlehem Steel Co. in den USA. und der Vickers Ltd. und Armstrong Ltd. in England, als auch die von Schneider-Creuzot in Frankreich, Krupp in Deutschland, Skoda in Oesterreich, an welche sich im mittelbaren Zusammenhang auch die Putilow- Werke Rußlands, di« Terni-Werk« Italiens und i selbst di« Panzerplattenfabrik von Mutoran in Japan reihten. In Queensland wurde jui gleichen Zeit di« erst« Arbe'terregierung der Welt ge- wählt und Wladimir Jljitsch Lenin spaltete auf der Londoner Konferenz(Sommer 1903) von der russischen Sozialdemokrati« eine radikale Mehr- heit ab, di« di« Ansicht vertrat, di« Revolution in Rußland sei auch ohne di« Voraussetzung einer kapitalistisch industriellen Epoche möglich. Ter Mann, der zweieinhalb Jahrzehnt« spater als der Beherrscher eines Sechstels der Erd« dieses maß- loft Programm zu verwirklichen haben sollte, der SchusterSsohn Soso Dschugaschwili aus Gori, der Messerheld und Priesterseminarist aus Tiflis, der setzt vierundzwanzigjährig« proftssionelle Revolu- ttouär Stalin, wandert« soeben aus dem Gefängnis von Batum nach Nowasa-Uda in sein« erst« sibirische Verbannung.' Di« Tabor Manufacturing Co. aber(USA.), die Link Belt Co. und andere Unternehmen sprachen sich bereits als hundertprozentige Taylorbetrieb« an und Mr. Taylor selbst, d«r eben bei der Bethlehem Steel Co. sein« tveltberüchtigten Schaufel- und Erzladeversuche durchgeführt und, nach 40.000 Experimenten, den Schn«lldr«hstahl erfunden hatte, Mr. Taylor selbst trat, mit hundert Patenten in der Tasche, i«S Privatleben über. DaS will sagen, er widmete sich mit den Worten: Ich kann«S mir nicht mehr leisten, für Geld zu arbeiten, von jetzt ab ausschließlich der theoretischen Förderung seines Systems. CollinS führt« Guglielmo MarcouiS drahtlose Telephon»« weiter, dl« beiden Männer Berson und Suring erhoben sich in einem Ballon bis in den 10.800. Meter über den Erich öden und ein Brasilianer umflog im lenkbaren Luftschiff den Eiffelturm, während Graf Zeppelin bereits die Konstruktion in Händen hielt, der di« Zukunft gehörte. Di« Kunde von den letzten Ereignissen drang sogar biS zu Josef Lakner, dem Straßenbahnschaffner Nr. 1345. Er fand sie in der Zeitung, di« auch di« Verlängerung^ des DreibundvertrageS zwischen Deutschland, Oest«rreich-Ungarn und Italien mitkeilte. Da di« Presse aber nicht in der Lage war, über den bedeutsamsten Umstand bei dieftr BertragSverlängexung zu berichten, nämlich über den, daß das von Paris schikaniert« Italien, wenn auch vergebens, die Aufnahme einer Klaus«! verlangt hatte: es übernähme keine Verpflichtung, di««S in Gegensatz zu Frankreich bringen könnte(1902), erlitt di« Begeisterung Josef Lakners kein« Einbuße. Somit war wieder einmal offenbar, daß di« Welt sich mit»jedem Tag erstaunlicher vervollkommnet«, aber es stand auch abermals fest, daß das eigene Vaterland, daß man ftlbst die Vormacht in dieser Welt innehatte. I» der Tat, Josef Lakner empfand die Erfindung wi« einen persönlichen Wertzuwachs, den Rekord wie«in« persönliche Leistung di« Koalition wie ein« persönliche Versicherung. (Fortsetzung folgt.) Samstag, IS. Mürz ISN Seite S Unter der KncdilsthaN von Hunnen! Ein schwacher Abwehrversuch des„Tag". Die Rede, die Genoffe Nießner im Senat über die Zustände in Deutschland gehalten hat, versetzte den„Tag" in Raserei. Er bezeichnet diese Rede als einen„unerhörten Exzeß" und versucht, die von Nießner mitgeteilten Tatsachen dadurch lächerlich zu machen, daß er sie als„Märchensammlung" bezeichnet. Mittlerweile werden aus Deutschland Dinge bekannt, die alles, was vom Genossen Nießner ; mitgeteilt wurde, weit übertrifft. Soweit sind die Hunnen, die heute di« Knute über dem deutschen Bolle schwingen, bestialisiert, daß sie Tag um Tag neue, ausgesuchte Grausamkeiten verüben, daß sie ! ununterbrochen bemüht sind, sich selbst j« über- i treffen. Es steht dem„Tag" viel besser an, den Greueln Beifall zu klatschen und etwa zu sagen, dem Genossen Sollmann sei noch viel zu wenig geschehen. Wenn er es unternimmt, abzuleugnen, !was sich nicht ableugnen läßt, wird seine ganze Unzulänglichkeit offenbar. Die einzige der Wahrheit entsprechende Stelle in der Erwiderung des„Tag" auf die Nießnerrede ist das Zitat, das er gns der Rede bringt. Daß Deutschland unter die Herrschaft von Hunnen geraten ist, kann man auf diese Weise endlich auch in dem Blatte lesen, das bisher alle Morde, alle Bestialitäten und jeden Raub beschönigt und entschuldigt hat. Und wenn„Der Tag" meint, wir würden erschrecken vor der Drohung, daß man uns das Wort von den Hunnen nie vergessen werde, so sagen wir ihm, daß er es schon deshalb nicht vergessen kann, weil wir es ihm, solange Deutschland Bestien vom Schlage eines Göring und seiner Untergebenen ausgeliefert ist, tagtäglich in die Ohren schreien werden. Dem„Tag", der die Lüge wiederholt, Genosse Nießner habe in Znaim von den ausgelieferten Naziabgeordneien als von„Rohbuben" gesprochen, sei gesagt, daß uns auch lügenhafte Berichte über die Vorsprachen des deutschen Gesandten im Prager Außenministerium nicht hindern werden, die grausige Wahrheit über Deutschland zu sagen. Wenn unser« Darlegungen den Erfolg haben, daß sich der Herr Gesandte ihretwegen bemüht, so ist das schon etwas, obzwar er natürlich nichts erreichen wird. Wesentlicher ist, daß die deutschen Arbeiter durch uns von den wahren Zuständen in Deutschland unterrichtet werden. Senat Landbündler gefährden ein deutsches Mandat in der Sparkommission. Prag, 17. März. Im Senat wurden heute die beiden Vorlagen über die Jnvestitionsanleihe und die Kuponsteuer aufgelegt und mit dreitägiger Frist dem Budgetausschuß zugewiesen. Der Ausschuß trat sofort nach d«r Plenarsitzung zusammen. Dort«rstattet« der Finanzminister Dr. T r a p l ein kurzes Exposee, in bem er darauf hinwies, daß die Tschechoslowakei durch di« allgemeine Weltkrise um einen großen Teil ihrer Absatzmärkte gekommen sei. Die Schwierigkeiten mit Deutschland auf währungspolitischem Gebiet sind wegen der Zölle und der Kontingentierung entstanden. Die Tschechoslowakei'mußte, so beklagenswert dies auch sei,. zu gewissen Maßnahmen greifen, um zu verhindern, daß das Passivum unserer Handelsbilanz mir Deutschland einen zu starken Devisenabfluß zur Folge habe. Der Ausschuß nahm schließlich beide Vorlagen unverändert an. Im Plenum des Senats kommen die Gesetzentwürfe in der nächsten Sitzung am Dienstag, den 21. März, um 11 Uhr zur Verhandlung. Heute wurde im Senatsplenum lediglich eine Jmmunitätsangelegenheit behandelt und dann die Wahl von acht Mitgliedern und ebensoviel Ersatzmännern der parlamentarischen I Pa r- und Kontrollkommission vorgenommcn. Dabei leisteten sich die deutschen Landbündler ein Heldenstück, das mit vollem Recht angeprangert zu werden verdient. B'sher hatten di« beiden deutschen Regierungsparteien in ähnlicher» Fällen miteinander g«- kpppelt; so erhielten die beiden Fraktionen z. B. bei der ganz analogen Wahl des Ständigen Ausschusses, in den der Senat ebenfalls acht Mitglieder und acht Ersatzmänner entsendet, f« ein Mitglied und«in«n Ersatzmann, di« einander abwechselten, so daß sowohl Landbündler wie Sozialdemokraten in einem jährlichen Turnus immer entweder das Mitglied oder den Ersatzmann stellten. Diesmal aber ließen sich die Landbündler durch di« Zusicherung eines st ä n d i g e n Mandates dazu ködern, durch Koppelung mit den tschechischen Agrariern und den Nationaldemokraten den letzteren ein Eksatz- Mandat zu verschaffen, während unsere Fraktion, di« zahlenmäßig viel stärker als die nationaldemokratische sst, dadurch keinen Partner zum Koppeln mehr hat und. somit ohrie Vertretung in dieser so wichtigen Kommission geblieben wäre. Zu diesem Schocher, der ei» deutsches Ersatzmandat den Rationaldemokraten ausliefern sollte, hat überdies auch die so deutschbewußte Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft ihre Stimme zur Verfügung gestellt. Zu dieser „völkischen Tat" gratulieren wir beiden Fraktionen miss innigste! In dieser Situation stellten die tschechischen Genossen in anerkennenswerter Weis« durch eine Koppelung mit uns ihr Ersatzmandat, das ihnen auch ohne die Koppelung zugesallen wär<^ unserer Fraktion zur Verfügung, di« daraufhin den Genossen R e y z l als Ersatzmann in die Sparkommission entsendet«. Di« Kommifsionsmandate wurden folgend verteilt: tsch. Agr. 1(Ersatzmann: 1), B. d. L. 1, Nat.-Dem.(1), tsch. Soz.-Dem. 1, d. Soz.» Dem.(1), Slow. 1, tsch. Gew.-Part.(1)> d. Christi. 1, Ungarn(1), ferner Kommunisten, tschechische Nationalsozialisten und tschechische Volkspartei je ein Mitglied und einen Ersatzmann. Lcitmerilzer naKenkreuzhOrgcr versuchen eine antifascistische Kundgebung zu verhindern. Die sozialdemokratischen Parteien in Leit- meritz veranstalten Sonntag, den 19. März, eine große Abwehrkundgebung gegen den fasci stischen Terror. Der Text der Plakate wurde von der politischen Behörde genehmigt, aber die dentsch« bürgerlich« Mehrheit des Stadtrates und der Stadtvertretung lehnt« es ab, den Ringplatz, der bisher für jede politische Versammlung zur Verfügung gestellt wurde, für di« Kundgebung zur Verfügung zu stellen, mit der Begründung, daß das, was in Deutschland borget, sie nichts angehe und es ja nicht so schlimm sei, wie es hier dargestellt wird. Die Sympathien unserer Bürgerlichen für die Mörder deutscher Arbeiter konnte nicht frecher zur Schau getragen werden. Die Arbeiterschaft wird ihnen zu antworten wissen. Die Kundgebung wird am Sonntag trotzdem stattfinden. wollinO ganz im Sdilcpptan der neimwehr Wiener Polizeipräsident wegen des Vorgehens gegen die neimwehr znm Rücktritt gezwungen. Wien, 17. März.(Eigenbericht.) Die gestrigen Meldungen von Zwistigkeiten innerhalb der Regierung haben neue Nahrung dadurch gefunden, daß im Laufe der Nacht aus heute der Wiener Polizeipräsident Brandl zurückgetrete« ist. Ueber die Beweggründe der Demission erfährt man, daß Brandl hauptsächlich aus dem Grunde in Ungnade fiel, weil rv di« polizeilichen Maßnahmen nn Parlamente am 15. d. M. nicht derart durchführte, daß die Rationalratfitzung überhaupt unmöglich wurde. Ms zweiter Hauptgrund werden von de« Blättern Differenzen mit dem Staatssekretär Fey angegeben. Bekanntlich waren am Mittwoch im Palais der ehemaligen Böhmischen Hofkanzlei von Fey eigenmächtig starke Heimwehrkräfte konzentriert worden, di« den Sicherheitsdienst in der Form durchführe« wollten, wie dies am gleichen Tag« die Tiroler Heimwehren in Innsbruck getan haben. Polizeipräsi- dent Brandl stellt« sich gegen diese« Plan und erzwang di« Räumung des Palais vom den Heimweh reu, kam dadurch ober in Konflikt mit Staatssekretär Fey. Wegen der eßzenmächtigen Heimwehraktion kam es zu sehr erregten Austritte« zwischen dem Heimwehrminister und dem Bundeskanzler, in welchem Feh mit der Zurückziehung der beide« Heimwehrvertreter aus der Regierung drohte. Unter diesem Druck hat sich Dollfuß schließlich dazu verstanden, den Polizeipräsidenten, der dir Putschisten ausgehoben hatte, falle« zu lassen. Sin uener Polizeipräsident ist bis zur Stund, noch nicht ernannt. Bundesrat gegen Dollfuß-Regierung. Im Bundesrat, der sich heute mit den Maßnahmen der Regierung gegen die Eisenbahner befassen sollte, stellten die Sozialdemokraten eine dringliche Anfrage bezüglich der Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Zustände. Im Lauf« der Debatte stellten die Sozialdemokraten auch«men Antrag, wonach dem Vorsitzenden ausgewogen wurde, dem Bundespräsidenten zur Kenntnis zu briirgen, daß der Bundesrat sowie ein« Reche von Landtagen der Regierung kein Vertrauen mehr entqegendringen, und vom Bundespräsidenten die Enthebung der Regierung zu verlangen. antvag sowie«in Protestantrag gegen die Ber- sammlungsverbote und die Pveffeknebelung. Es kam bei der Abstimmung zu stürmischen Szenen, als die Christlichsojstalen vergeblich die Haltung der Regierung Dollfuß zu verteidigen suchten. Man wird abwarten müssen, wie der Bundespräsident auf dies« Forderung der Bundesrates nach Abberufung der Regierung Dollfuß reagieren wird. Anitüllnng Oes Bundesheeres! Wien, 17. März. Amtlich wird gemeldet: Da di« verwendbaren Stände des Bundesheeres bis Mr Einrückung und Ausbildung der Jungmänner einer Auffüllung bedürfe«, hat der Bundespräsident auf Antrag der Bundesregierung gemäß 8 20 des Wehrgesetzes die Einbmnfung eines Teiles des beurlaubte« Standes verfügt. Der Antrag wurde gegen dl« Stimmen des Landbundes und der Chr i stlichsvzialen angenommen, ebenso ein sozialdemokratischer.Mißtrauens-' ttiitiiiiiiininiiijiiiiiinniiininiiniin[iniiniiiiiiniiii{fniiniiiiifiiiiiiiiriiiiiiiiiinniiii{iiii(iiininnniiiiiiiiiiiiinniiiiiiiiin]nniiiifiiiiiiniiiniifiiiiiiininiiiiiniinniiin)iiiifiiniiniininiiinniininiiiiiniiniiii Prämie von 3000Mark M die EnffOhrung eines Saarbrndtener Sozialdemokraten. Paris, 17. März.„Matin" meldet aus Saarbrücken, daß Hitlerleute dortselbst gestern Plakat« angeheftet haben, welche besagen, daß jene Person, welch« den- sozialdemokratischen Journalisten Max Braun, den Chefredakteur der„Saarbrückener volksstimme" fest nimmt und ihn an der deutschen Grenz« in die Hände von Hitlerleute« bringt, ein« Belohnung. von 3000 Mark erhalt. Di«„Volksstimme" wurde vor kurzem wegen der schürfen Kampagne, welch« das Blatt gegen di« gegenwärtige reichsdeutsche Regierung führt, in Deutschland verboten. Der„Matin" sagt, dieser Fall sei s e h r e r u st, da im Saardsstrikte bereits viel« Fälle von Entführungen von Personen und ihre Verschleppung nach Deutschland unternommen wurden. Di« Regierungskommiffion im Saargebiet« hat vor einigen Tagen den Bölkerbundrat auf die Agitation der Hitler-Leute im Saargebiet auf merksam gemacht und gestern für einen Monat die Ausgabe des Hitler-Blattes in Saarbrücken untersagt. " Sozialdemokratischer Abgeordneter wehrt sich mit dem Revolver. Freiburg i. Br., 17. März. Bei dem sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Nußbaum sollte heute früh fünf Uhr ein« Durchsuchung durch Polizei stattfinden. Nußbaum ging gegen die Beamten tätlich vor, zog seine Pistole, erschoß den' Hauptwachmeffter SchelS- horn und verletzte'den Kriminalsekrctär Weber durch einen Bauchschuß schwer. Der Tater wurde verhaftet. Weber wurde sofort in di« chirurgisch« Klinik gebracht, wo eine Operation vorgcnom- mdn würde. Hitlermethoden in Südmähren Ein Genosse in Saitz von Hakenkreuzlern durch einen Steinwurf schwer verletzt! Wir haben vor einigen Wochen von einer bestialischen Bluttat der Hakenkreuzler in Saitz in Südmähren berichtet, deren Opfer, Genosse Birnbaum, durch einige Wochen in Brünn im Spital liegen mußte und noch jetzt an den Folgen seiner Verletzung durch die Nazibanditen zu leiden hat. Noch hat nicht das Gericht das letzte Wort in dieser Angelegenheit gesprochen und schon wieder wird uns ein weiteres Verbrechen aus demselben Orte mitgeteilt, dem ebenfalls ein Parteimitglied zum Opfer fiel. Am 3. ds. hatten die Hakenkreuzler in Saitz in einem Gasthaus«inen Radioapparat ausgestellt, um die Ergebnisse der Wahlen in Deutschland ab* zuwarien. Gegen 11 Uhr abends kam in das Gasthaus Genosse Alois Wikidal, der aber sofort, als ihn einige Hakenkreuzler anzustänkern begannen, das Lokal verließ. Zwei Hakenkreuzler, und zwar Robert Myslik, der auch an der Verletzung des Genossen Birnbaum die Hauptschuld trägt, und Rudolf G r ö ß l verfolgten Genossen Wikidal und begannen vor dem Gasthaus mit Steinen auf ihn einzuschlagen. Durch einen solchen zwei bis drei Kilo schweren Stein wurde Genossen Wikidal das Schienbein vollkommen zertrümmert. Die Nazihelden versuchten nach dieser Untat, den Verletzten in eine Scheune zu zerren, um ihn wahrscheinlich weiter zu malträtieren, doch als sich Genosse Wikidal aus aller Kraft' tvehrte, ließen sie ihn liegen und zogen sich, befriedigt von ihrer Heldentat, wieder ins Gasthaus zurück. Genosse Wikidal blieb mit seinen schweren Verletzungen bis fast 5 Uhr früh auf der Straß« liegen und schleppt« sich dann zum nächsten Haus. Am nächsten Tage mußte er in das Krankenhaus nach Brünn überführt werden. Ganz merkwürdig ist in diesem Falle das verhalten des Gendarmeriepostrns in Prittloch, der sofort nach Bekanntwerdcn des Vorfall- verständigt wurde, aber erst am Nachmittag mit den Erhebungen begann. In Saitz und in den anderen Orten Südmährens herrscht über diese bestialische Untat der Nationalsozialisten größte Empörung, aber auch die feste Absicht, gegen diesen Terror der Hakenkreuzler zur Selbsthilfe zü greifen, wenn die Gendarmerie auch weiterhin, wie jetzt in Saitz, versagen sollte. ••• Das Wichtigste zur Erhaltung der Gesundheit ist Reinlichkeit. Deshalb sorgt die Mutter dafür, daß ihre Kinder recht oft frische Wäsche anziehen. Natürlich muß sie dann auch häufig waschen— aber mit der reinen, guten Hirschseife ist das wirklich ein Vergnügen I Die Wäsche strahlt vor Sauberkeit— und die Kinder bleiben gesund und froh. SAUBERE.GESUNDE KINDER. DER MÜTTER STOLZ/ SCHICHT SEIFE MARKE^)mnSCH HST 2.»'—' Repressalien Deulsdiiands wegen des tsdiedioslowaldsdien Sammelkonios. Berlin, 17. März. Wie das Wölfische Büro meldet, hat die deutsche Regierung zu wirtschaftlichen Repressalien gegen die Tschechoflo- tvakei wegen der kürzlichen Errichtung eines gesperrten Sammelkontos für Zahlungen nach Deutschland ergriffen. Der ReichswirtschaftSmiuister hat mit sosortiger Wirkung angeordnet, daß Zahl««- grn für Warenlieferungen tschechoslowakischen Ursprungs oder tschechoflowarffcher Herkunft bis aus weiteres nicht mehr geleistet werde« dürfe«. Ein gleiches Verbot ist ferner für di« Einlösung von Schecks und Wechseln zugunsten von in der Tschechoslowakei ansässigen Personen und für Zahlungen aller andere« Art, wie Zinsen, Dividenden, Kapitalrückzahlungeu, Reisekosten etc. getroffen wordeu. Ferner wird durch eine besondere Durchführungsverordnung di« im Zahlungsverkehr mit de« übrigen Ausland auch weiterhin-in Kraft bleibend« Freigrenze von 200 Reichsmark gegenüber der Tsche- choslowakei bis auf weiteres auf 80 Reichsmark herabgesetzt. Diese Bestimmung findet auch auf den Reiseverkehr Anwendung. Zur Kontrolle über di« Einhaltung der Zah- lungsbeschränkungen find besondere Anordnungen ergangen. Es wird in diesem Zusammenhang auch daranf hingewiesen, daß anf Grund der Verordnung des Reichspräfidente« zum Schutze von Volk und Staat sogar das Postgeheimnis eingeschränkt worden ist. Wie wir bereits seinerzeit berichtet haben, war sich die tschechoslowakisch: Regierung bereits, bei Durchführung der Sperr« des freien Zahlungsverkehrs mit Deutschland dessen bewußt, daß mit Gegenmaßnahmen Deutschlands gerechnet werden muß, daß aber schließlich die Grundlage für eine Abmachung über die Regelung des Zay- lunasverkehrs gefunden werden wird. Die offizielle deutsche Feststellung, daß Deutschland seine Zahlungsverpflichtungen gegenüber der Tschechoslowake: erfüllt habe, wird von hiesiger Seite bestritten; es sei im Gegenteil nicht zu erreichen gelvcsen, daß Deutschland die volle Bezahlung der tschechoslowakischen Ausfuhr nach Deutschland garantiere. Ferner wird in Prager zuständigen Kreisen betont, daß die Praxis bei der Einfuhr von Waren aus Deutschland bis auf weiteres unverändert bleiben werde; die Errichtung des Sammelkontos bei der Nationalbank verfolge absolut nicht den Zweck, den Warenimport aus Deutschland cinzuschränken. Wie Kundgebungen gegen die Auslieferung von hakenkreuzlerischen Abgeordneten erzeugt werden. Unter diesem Titel schreibt das„Ro- rodni Osvobozeni" über eine„Kundgebung", die nach der„Bvhemia" in Landskrou stattgesunden hat, in der die deutschen Oppositionsparteien gegen die Auslieferung der hakenkreuzlerischen Altgeordneten protestiert haben. Nach den Informationen des„Narodni Osvobozeni", die d'elcs Blatt aus Landskron erhalten hat, hat in Lands- kron niemand von dieser Kundgebung gewußt. Es waren weder Plakate ausgehängt noch Ein- ladrmgen ausgeschickt worden. In einem Gasthaus saß unter Vorsitz des Fachlehrers Schmidt eine Tischgesellschaft beisammen, die den von der„Bohemia" zitierten Beschluß iahte. To schaut die Volksbewegung gegen die Ausliefo- rnug im deutschen Gebiete aus. Audi OewerkschoitshWtter werden in Deutschland verboten. Die Berbandszeitschrift der Eisenbahner Deutschlands,„Der deutsche Eisenbahner", sst mit sofortiger Wirkung bis znm 4. April 1933 in Deutschland verboten worden. Seit« 4 SamStag. 18. MLrz 1888 Rr. 68 Ihr bsstsr Schutz I r agesneuigkeiten • UUI-|»vlU|»WW vlUUV l>U|VllVbll Cl)HrcL Ov’UJü-DlfliC. U | Mordens und Würgens ist. Wer nach Deutsch« I zweit« leicht verletzt. Spitzelarbeit, ja selbst schamlosen Betbrechern ist Plicht eine? jeden Fahrt an di« Front. Fünfzehn Jahre nach dem Waffenstillstand, fünfzehn Jahre nach dem Morden für Kaiser und Reul) gibt es wieder eine Front; allerdings ein«, die sich nicht mit bunten Fahnen von satten Spießern an großen Wandkarten abstechen läßt; es ist ein« Flächenfront, ein großes Ämd im Herzen Europas, bisher als Kulturstaat bekannt, das eine einzige blutend« Wunde der Menschlichkeit darstellt,«ine einzige Stätte rasenden Rakowski ermordet? Istanbul, 17. März.(Reuter.) Nach den Informationen des Reuter-Korrespondenten hat Trotzki aus vertrauenswürdiger Quelle di« Nachricht erhalten, daß der ehemalige S'owjetbotschafter in Paris und London Rakowski ermordet wurde. rttnt Tote bei Streikunruhen in Polen. Warschau, 17. März. Bei den Streikunruhen der Textilarbeiter im Lodzer Industriegebiet wurden auch in Pabjaniee fünf Demonstranten getötet und zehn teils schwer, teils leicht verletzt.' Statt Schutzbund: Ordncrsdiuftcn. Wien, 17. März. Dir Sozialdemokratische Korrespondenz meldet: Angesichts drr Auslösung des Republikanischen Schutzbundes in Tirol sind folgende Beschlüsse gesoßt und durchgefuhrt worden: Die Partei stellt sofort Ordnerschaf- trn auf. All« Parteimitglieder, die de« Republikanischen Schutzbund angehörten, bilden die Ordnerschaften der Partei. Die Ordnerschaften mache» den Dienst in Zivil mit rote» Armbinden. Urei ganze Gewehre als Ergebnis einer Haupt- und Staatsaktion. Wie auS Bregenz gemeldet wird, hat eine Abteilung des österreichischen Bundesheeres zusammen mit der Gendarmerie das Bregenzer sozialdemokratische Parteiheim besetzt und eme eingehende Durchsuchung der Räume vorgenommen. Es wurden drei Gewehr« gefunden. Die Zufahrtsstraßen waren während der Aktion ab- gerregelt. Die Garnison von Bregenz ist in Alarmzustand versetzt worden. Aehnliche Aktionen wurden in den Vorarlberger Orten Dornbirn, Feldkirch und Bludenz durchgeführt. Drei Tote bei einer militärischen Hebung. Lublin. 17. März.(PAT.) In der Gemeinde Biala Podlaska explooierte bei militärischen Hebungen unerwartet«in Geschoß, wobei ein Leutnant und drei Soldaten getötet wurden. Vi«r weitere Soldaten erlitten Verletzungen. alter Zeit. 19.46: Lchallplatlen. 20: 22.20: Tsch«ch. Jazzmusik.— Brünn: 17.30' Klavierkonzert. 18: Sonatenstunbe. 20.20: 50 Menschen bei einem Zugs- znsammen^ob netStet Mulde«, 17. März.(Reuter.) Zwischen Tschentschijatun und Supinkaj fuhr«in Lastzug auf einen Personenzug ans. 50 Personen wurden getötet und mehr als 70 verletzt. Für Astermieter besonixr« Rundfunk-Kon. zessionslisten! Das Postministerium macht aufmerksam, daß«ine Radiokonzession nur für Mitglieder einer Familie gilt, ohne Rücksicht daraus, ob sie einen oder mehrere Räume,«inen oder mehrere Stockwerke bewohnen. Ties bedeutet, daß eine Familie einen Empfänger in ihrer Parterrewohnung und die Lautsprecher im Garten, im 1. öder 2. Stock unterbringen kann. Hat die Familie jedoch, ein Zimmer vermietet, in welchem ebenfalls ein zur Zentralstation gehörender Lautsprecher ist, dann muß der Aftermieter eine Konzessionsgebühr entrichten. Für Familienhäuser, in denen zwei engverwandte Familien wohnen, genügt eine Konzefsiouslistr. An netter Sümmchen! Rrw Aork, 17. März.(Reut«r.) Der Ber- »oaltungsrat des Institutes der Harriman National Company hat die Genehmigung erteilt, daß der Präsident dieser Bank abgesetzt werd«. Der Betrag, den Harriman durch betrügerische Manipulationen in den Bankbüchern veruntreut hat, wird auf 1,661.000 Dollar geschätzt. geraten! Ter Polizei- .Meinigkeiten" aus dem Dritten Reich. Zwei reichsdeutsche Genossen, die auS Heidenau bei Dresden noch Teplitz-Schönau kamen, erzählten: Die in der SA-Kaserne Inhaftierten werden sehr schlecht behandelt. Di« Nazi lassen sich von ihren Gefangenen die Schuh« putzen. Der Schulze von Königstein mußte Stube wasch«» und Fen st er putzen und wenn er es der SA nicht schön genug machte, mußt« er diese Arbeiten wiederholen. Einen Lehrer in Heidenau, der trank ist, hat man in der Nach t um 3 Uhr aus dem Bette geholt und fortgeführt. Als di« Wohnung nicht gleich geöffnet wurde, wurde die Türfüllung eingeschlagen. Das Sporthe im in He ide na u ist gestürmt. Wie es innen aussieht. kmrn man nicht sagen, weil es von den Nazi besetzt ist. Tie Bevölkerung ist über diese Vorgänge sehr erregt, doch verhält sie sich ruhig. In großen Masten stehen die Leute auf den Straßen und besprechen dies« Dinge. Im Sportheim in Pannewitz wurde alles zerschlagen. Man hat sogar die Dielen herausgehackt. In Pirna hat man vorige Woche einen P a st o r verhaftet, weil er sich über die Zerstörun-» von Büchern und Schreibmaschinen entrüstet« und das Vorgehen der SA als eine..Kultur- kch a n d e" bezeichnete. Gewaltakte und Bübereien an der Grenze. Kaum der Schule- entwachsene Buben im braunen Hitlerhemd und dem unvermeidlichen Gummiknüppel sind die Käinpfer des Tritten Reiches. Eigenmächtig werden Haussuchungen durchgeführt, wobei man trotz dem Einspruch der Polizei ftsth um 4 Uhr klein« Kinder aus den Betten reißt. Konsumautos werden enteignet und den HiÄerhorden zur Verfügung gestellt. In dem angrenzenden. Sebnitz wurde einem Gewerkschaftsfunktionär das Motorrad aus dem verschlossenen Schupfen geraubt, niit welchem man nun Spazierfahrten unternimmt. Eine Verdächtigung der Buben genügt, unbeliebt« Personen zu verhaften. Dabei wird auf Ausländer keine Rücksicht genommen. So wurde in. Sebnitz der schon vor dem Kriege in Sebnitz««'ästige Schneidermeister Erben verhaftet und kurze Zeit darauf auch seine Frau. An der Grenze müssen sich anständige unbescholtene Menschen von den Braunhemden, unter denen auch viele vorbestrafte Schwindler(wogen Unterschlagung usw.) zu sehest sind, durchsuchen lassen wie Verbrecher. In den Grenzorten wohnende tschechoslrwaki'che Nazis leisten in Sebnitz~‘ Ordnungsdienst. Diesen auf die Finger zu sehen, anständigen AvbeiterS. A« die falsch« Adresse Wachmann A. BokLäek in Pardubitz fand schon seit längerer Zeit un.ter dem Kasten im Gang seiner Wohnung leere Geldbörsen und Damentaschen, die dort eine unbekannte Person zu verstecken pflegte und di« ostenbar von Diebstählen herrührten. Er lauerte den Täter auf und Freitag gelang es ihm, ihn zu ertappen. Es stt dies die bekannte 10jährige Taschendiebin Anna Formänkovti ans Olmütz. Sie soll bereits achtmal vorbestraft sein. Sie gab die Diebstähle zu, war aber höchst erstaunt, als sic erfuhr, daß sie sich zur Beiseiteschaffung gestohlener Sachen gerade die Wohnung des Wachmannes ausgesucht hat. Explosion otf einem norwegischen Damyser. Colombo, 17. März. An Bord des norwegischen Dampfers„Hinnoy" ereignet« sich 300 Menen von Colombo entfernt«in« Explosion, der 15 Personen zum Opfer gefallen fein sollen. Die 13 Ueberlebenoen, von denen fünf schwer verletzt sind, retteten sich mft einem Boot, da- von einem japanischen Dampfer gefunden wurde. Aus Freiwaldau wird uns geschrieben: Unsere Partei veranstaltet jetzt im Wahlkreis Sternberg in allen größeren Orten etwa vierzig öffentliche Versammlungen mit der einheitlichen Tagesordnung: „Deutschland unter der Fuchtel des FaseiSmus." Auch in Fremvaldau findet ein« solche Versammlung am 18. März statt. Wir Übergaben die Versammlungsplakate der städtischen, Plakatierungsanstalt, die an den Krnobesitzer Brosiq verpachtet ist. Einen Tag später sandte Herr, Brosig die Plakate mit der- Bemerkung zurück, er könne sie nicht plakatteren, der Bürgermeister habe die Plakatierung untersagt, weil di« Plakate geeignet seien, aufreizend zu wirken. Er,(Brosig) sei Angestellter(!) und der Bürgermeister sein Boroesetzter(!), er müsse also den Weisungen des Bürgermeisters nachkommen. Die Plakattafeln könnten besudelt werden, da sie auch anderwärts wegen dieser Plakate m i t Jauch« übergoss«» worden seien. Wir wendeten uns nun telephonisch an den deutschnationalen Bürgermeister Dr. Bulla. Dieser bestätigt« die Angaben BrosigS, erklärte überdies, «S feien bereits einig« Heroen bei ihm vorstellig geworden, die Plakatierung nicht zu bewilligen. Trotzdem di« Versammlung und di« Plakate von der Behörde bewilligt worden waren, maßt sich allo Dr. Bulla ein Recht an, ein« Art Zensuvbehörde zu spielen und darüber zu ent- s..':■■■ Mit dieser Praxis würden wir so weit kommen,! daß schließlich nur mehr die Plakate einer,Par-' tei, nämlich der Nazi, plakatiert werden dürfen.. Bewundernswert ist auch di« scharfe Logik des| übrigens ebenfalls die Plakatierung mit einer fadenscheinigen Ausrede verweigerte. Bei Bla- Sek plakatiert, hätten also di« Plakate wicht aufreizend gewirkt, nach Metnung des Herrn Bulla. — Bulla ließ unter den Stadträten eine schriftliche Abstimmung vornehmen, ob sie mit der Plakatterung einverstanden seien. Außer den beiden Vertretern unserer Partei und dem Kom- munstten stimmten alle, einschließlich der beiden Christlichsozialen, mit Nein. Diese beiden christlichsozialen Stadtratsmit- glieder von Freiwaldau, darunter der Religionsprofessor Dr. Ehrlich, haben zugestimmt, daß im Interesse der Nazi unsere Plakate,./Deutschland unter der Fuchtel des Fascismus", nicht plakattert werden dürfen. Christlichsoziale Stadträte wollen also, wenn es nach ihnen ginge, Verbindern. daß di« Bevölkerung die Wahrheit über Deutschland erfährt, sie wollen verhindern, daß sic erfährt, daß auch das Zentrum verfolgt, Versammlungen desselben gesprengt, hohe Funktionäre der Partei eingesperrt, Prälaten niedergeschlagen werden. Statt selbst überall in unserem Lande die Stimme des Protestes zu erheben und so Beweise der Solidarität mit den verfolgten Gesinnungsfreunden im Reiche zu liefern, wollen sie auch noch andere au der Ausübung dieser selbstverständlichen Pflicht hindern. Statt überall die Stimm« gegen dieses System d«r Schande zu erheben, da? jetzt in Deutschland hu»! herrscht, veranstalten sie mit den Nazi hierzu- mit den GrsinmmaSgcnossen der Hitler Gormg, Protestkundgebungen :gegen uns. „ t...,„ I Christliche Arbeiter, was sagt ihr dazu? Juristen Bulla. Er gab^unS den„woblaemein-, Werdet ihr n'cht bald erkennen, daß euer Platz tot" Rat, di« Plakate bei der privaten Plakat:«-, nicht in den Reihen einer solchen Partei sein rungsanstalt BlaLek plakatt«ren zu lassen, diel kann? der Datumstempel Das Datum auf jedem Vitello- Würfel zeigt an, bis wann Vitello zu verbrauchen ist. Achten Sie deshalb stets auf den Datumstempel— das untrügliche Zeichen fflr guten Einkauf. VITELLO DE LI KATE SS-MARGARINE ungünstige Aufnahme des Nacdonald-Plans. Senf,.17. März.„Journal des NationS" schreibt über den Konventionsplan Macdonalds betrefefnd Rüsttmgsherabsetzung: Der Plan berührt in keiner Weise'die Rüstungen Großbritannien-, er gestattet Deutschland neue Rüstungen, verursacht jedoch Frankreich eine große Herabsetzung seiner Rüstungen. Hinsichtlich der Sicherheit sagt der Plan Macdonalds nichts über eine gegenseitige Hilft, noch auch über«ine internationale Polizei. Di« von der heutigen deutschen Regierung aufrechterhalten« Spannung, die auf einen völligen Umsturz im politischen Status quo abzielt, ftchrt eher zu einer Erhöhung der Wachsamkeit sämtlicher Friedensfreunde und fördert keineswegs den Glauben an daS Gerechtigkeitsgefühl, von dem der englische Premierminister gesprochen hatte. Viele Delegationen geben heute ihren bisherigen zurückhaltende« Standpunkt auf und be- urtenen den Plan Macdonalds recht ungünstig. iS« äußern die Befürchtung, daß der Vorschlag in seiner heutigen Form unannehmbar ist. nacdonald unterwegs nach Rom. London, 17. März.(AR.) Ministerpräsident Macdonald und Englands Außenminister Sir John Simon verlassen heute nächt- Genf, um am Wochenende Beratungen mft dem italie* nischen Ministerpräsidenten Mussolini in Rom abzuhalten. In der italienischen Hauptstadt verbleiben die britischen Staatsmänner bis Montag. Bei ihrer Rückreift halten sie sich dann«inen Tag in Pari- auf, wo sie mit Frankreichs Minister- präsidenien Dolodier Zusammentreffen. land mit den Fernzügen fährt, ist sich heute der eminenten Gefahr bewußt, die beginnt, wenn die Grenzpfähle passiert sind. Die Reisenden sind nervös, verängstigt, man bespricht die Chaneen„durch" zu kommen, die Revision zu überwinden; man revidiert vorher sein eigene- Gepäck: was an Liberalismus gemahnen könnte, wird vernichtet. Zu beiden Seiten der Bahnstrecke nach Bodenbach gibts Sammlungen freiheitlicher Zeitungen; sogar di« alt« gute Tante„Neue Frei« Presse" scheint wegen deS Wortes„Freie" sehr gefährlich. Ein Witzboll) soll sich auch der„Bohemia" entledigt haben. Bücher werden nicht mehr mitgenommen, weil niemand ahnen kann, was dem revidierenden SA-Mann* gerade ein Dom im teutschen Dolchauge sein kann. Briefe nimmt man am besten überhaupt nicht mit, weil man sonst Gefahr läuft, zwecks„Kontrolle" der Korrespondenz einen oder einige Züge im- Grenzbahnhof überschlafen zu können. Großes Gebäck ist nach Aussaaen von Fachleuten sehr aefährlich, weil verdächtig. Di« Beamten-es Grenzschutzes haben Listen, um„Verdächtige" gleich an der Grenze rurückzuweisen. So neben» sächliche Errungenschaften der Revision, wft etwa die Amtshandlung im Zug, wird aufgegeben; man kommt wieder dazu, das Abteil zu verlassen und sich-Wecks Leibesvisitation anzustellen. Dabei geschieht es immer wieder, daß einige der Herm HilfSvolizisten mit den berühmten Binden in Aktion treten und schnurstracks vor den Augen andrer Europäer, die noch etwas von der dort unmodernen Kultur halten,„Schutzhaft" verhänaen; Menschen mit dem höchsten Glück auf Neuteutsch- lands Erden, dem ordnungsgemäßen Paß, werden zurückgehalten und zwecks„Behandlung"(lies Abschlachtung) abgeführt. Reisende erzählen einander gemütsvolle Geschichten von dem, was so einem Bekannten geschehen ist. Hinter den teütschen Grenzpfählen verstummen aber die Gespräche auffallend: wegen der schon mitreisenden„Geheimen", die sich auf der unterhaltenden Menschenjagd nach„Mißliebigen" befinden. Ja, wer heute in erwachende Reiche, aufblühende Nationen und deren friedliche Länder reist, weiß was zu erzählen... Der Jungflieger Karl Schwabe ist jetzt in Khartum eingetrofftn. Er flog von Kairo ohne Zwischenlandung das Nrltal entlang nach Wadi-Halfa. Dort setzt« er zum Flug über die nubische Wüst« au und erreichte in einem Tagesflug Khartum im englisch-ägyptischen Sudan. Mit diesen beiden Etappen legte er«in« Strecke von zirka 1500 Kilometern zurück. Di« Ergebnisse der Viehzählung. Das Statistische Staatsamt teilt dr« vorläufigen Ergebnisse über die Zählung der landwirtschaftlichen Nutzster« nach dem Stande vom 1. Jänner 1933 mit, die jährlich wiederholt werden soll. Darnach bettug im ganzen Staat« der Bestand an Pftrden 709.832, Rindvieh 4 342.406(hievon Kühe 2,474.5401, Schweine 2,621.676 hievon Zuchtsäue 440.680), Schafe 465.278 und Ziegen 885.843 Stück. Bombe gegen Autobus. In Dundalk(England) wurde auf einen von Dublin kommenden Autobn? eine Bombe geworfen, deren Explosion das Fahrzeug schwer beschädigte. Eine Person wurde schwer, eine Vom Rundfunk Empfehlenswerte- aus den Programmen. Sonntag. Prag: 6.45: Gymnastik. 12: Blasmusik 15.30: Volkslieder. 18: Deutsche Sendung: Deutsche Lieder aus Chorkonzert. 11.30: Orchesterkonzert. Deutsche Sendung: Balalacka-Kon^rt.— Berlin: 2020: BlaSorchester- konzert.— Breslau: 21.30: Rilke-Kreis von Karl Marx.— Hamburg: 1830: Der ü»bekannte junge Reger.— Königsberg: 15.20: Mandolinenkonzert.— Leipzig: 15.30: BrahniS.— München: 19.55: Orchesterkonzert.— Wien: 11.30: Sinfoniekonzert 47.25: Kammermusik. 20.30: Wien bleibt Wien. Gertrud Mndeenaqel vorbedacht ermordet? Berlin, 17. März. Am vierten DerhandlungS- tage de- Totschlag-Prozesses Hintze macht« der Vorsitzende davon Mitteilung, daß dem Gericht em« Füll« von Brieftn^»gegangen sei. U. a. Hache die Vormünderin deS Töchterchen- Erika Bindernagel dem Gericht von einem geheimnisvoll«« Telephonanruf Kenntnis gegeben, aus dem zu entnehmen sei. daß «S sich nm einen vorbedachten Mord an Fra« Bindernogel gehandelt habe. Die Anruferin habe erklärt, st« wisse, daß Fräulein Weiland, di« Sekretärin Hintzes, schon am Tage vor der Tat durch Hintze davon unterrichtet gewesen sei, daß er sein« Frau töten werde. Am Vormittag des Tattages habe Hintze bereits das Bild seiner Frau auf den Tisch gestellt und mit einem Trauerflor umhängt und den Revolver davor gelegt. Fräulein Weiland, sagt« sie weiter, fei in der Nähe des Tatortes geweftn und habe auch die Waffe an sich genommen und später fortgeworfen. Hintze habe mir Fräulein Weiland vor der Tat verabredet, daß beide am Montag, also an dem der Tat folgenden Tage, nach Eisenach flüchten wollten. Zu dieftr MitteKung erklärt Hintze, daß all« Angaben der geheimnisvollen Anruferin völlig erlogen se»n. Wieder Bier und Wein in USA. Washington, 17. März.(Reuters Der Sena: hat mit 43 gegen 30 Sstmmen-en Gesetzen Wurf betreffend die Zulassung von Bier und Wein angenommen. Der Gesetzentwurf geht nunmehr an da- Repräsentantenhaus zurück, welches sich über die Abänderungsanträge des Senate- zu äußern haben wird. Nr. 88 Samstag, 18. März 1883 Geilt S Volkswirtschaft und Sozialpolitik Der Zusammenbruch unserer Porzellanindustrie. Am 17. März 1838 fand im Handelsministerium eine Enquete über die Porzellanindu- st r i« statt, zu welcher di« Vertreter der Porzellan» industriellen und der Porzellanarbeiter» schäft geladen waren. Im Jahre 1320 befanden sich 66 Porzellanfabriken mit ei item Glattbrenu- raum von ca. 18.300 Kubikmeter im Betrieb, heute arbeiten nur noch 39 Fabriken mit einem Glattbrennraum von ca. 14.500 Kubikmeter. Im Jahre 1829 beschäftigt« di« Porzellanindustrie noch zirka ■ 19.000 Personen. Im Feber 1933 sank die Zahl der Bollarbeiter auf 8900 und di« der Kurzarbeit«: auf 4300 Personen. Der Exportumsatz, der im Jahre 192k - 318,988.016 X betrug, ist im Jahr« 1932 auf j 109,305.807 K zurückgegangen. Der Jnlandum- s s a tz des Jahres 1929 von 71.5 Millionen 1? fiel ' im Lahr« 1932 auf ca. 34 Millionen K. Im Jänner 1933 betrug die Ausfuhr 5,455.355 X, gegen Jänner >1932 mit 7,056.424 14, Jänirer 1931 mit 10,112.731 Kronen und Jänner 1930 mit 19,400.409 X, also ein iZusammenbruch der ganzen Export, beziehungen. Di« Erschwernisse des Exportes der Porzellanindustri« liegen in den Folgeerscheinungen der Wäh rungsschwankungen in den verschiedenen Staaten, den Zollerhöhungen, den Devisenbestimmungen, den Einfuhrbeschränkungen im Osten und Südosten Europas. Polen drosselt die Einfuhr von Porzellanwarcn durch gering« Kontingente und bereiter Zollerhöhungen vor, denen zufolge di« bisherigen Zölle eine Steigerung zwischen 100 bis 700 Prozent erfahren sollen. Ungarn,«inst ein sehr"wichtiges Absatzgebiet der Porzellanindustrie, ist durch den Zollkrieg mit Ungarn verloren gegangen, der Export dahin ist fast Null. Das Clearing mit Jugoslawien funktioniert Mangelhaft und trägt zur Förderung des Exportes nach diesem Staat« fast nichts bei. Die Türkei hat die Einfuhr von Porzellanwaren so niedrig kontingentiert, daß ein Export dahin nicht möglich ist. Di« Devisenbestimmungen in Lettland, Estland, Litauen, Finnland schalten den Export nach diesen Staaten aus. Dänemark macht die erdenklichsten Schwierigkeiten. Die Porzellanindustrie hat auch sehr viel unter der ausländischen Konkurrenz, so vor allem durch di« deutsche, japanische, polnisch«, finnisch«, englische und in der letzten Zeit durch die irussisch« Porzellanindustrie zu leiden. Der Rückgang des Exportes nach einigen Staaten ist erschreckend. , Derselbe beträgt: nach Ungarn gegenüber 1929 97 Prozent, nach England gegenüber 1925 86.4 Prozent» nach USA. gegenüber 1928 80 Prozent, nach Polen gegenüber 1829 77.4 Prozent, nach der Tü"kei gegenüber 1828 65.1 Prozent ufw. Die Porzellanindustrie glaubt nicht an «in« namhaft« Besserung ihrer Absatz, und Produktionenverhältnisse in der nässten Zeit. Di« Problem«, dir den Aufstieg verhindern, stnd'o gewaltig, daß sie im Zeitraum von Monaten wohl kaum gelöst werden können. Weiter« drohende Stillegungen können nur dann verhindert werden, wenn di« Porzellanindustrie bei den Kompensationen besonders berücksichtigt wirb. Denn 95 Prozent des Warenpreises bestehen aus Löhnen und Gehältern(ca. 55 Prozent), Koh!« und anderen Rohmaterialien. Sdinclder Orllk. Eine Anekdote von Hans Reimann. - Elf Jahre ist es her, da hatte ich meinen irrsten Vortragsabend in der Urania in Prag. Während der Pause kam ein Mann mit Spitzbart, faßte mich am Jackett und sagte, indem «r's zurückschlug:„Anständige Arbeit. Bom jJureit?" Es war ein Jackett vom Jureit in j Frankfurt.„Aber kein Stoff für Sie, Herr Reimann. Seien Sie morgen elf Uhr bei mir. Am Wenzelsplatz.".-r-„Morgen kann ich nicht. Ich ! muß nach Brünn."„Wenn Ihnen das wichtiger ist? Nehmen Sie einen Zug später." Er ^ging. Ich ftagte:„Wed war das?"— Das war !OrM. Am nächsten Vormittag war ich bei ihm. iKein Guten Tag, kein nichts. Er faßt mich dorthin, wo ich kitzlig bin, und sagt:„Sie sind ein iSchenkelreibcr. Sie brauchen einen eisernen Anzug."—„Bitte nicht!" wehrte ich ab.— Er: i„Haben Sie keine Angst. Mit eisernem Boden. I Nehmen Sie den hier. Das ist ein Stoff für Sie." !Der Stoff, langweilig grau, gefiel mir ganz und gar nicht. Ich zögerte. Er:„Seien Sie nicht hals, starrig. Ten haben Sie fürs Leben."— Ich: „Ich habe schon einen ähnlichen fürs Leben. Auch so grau." Orlik lächelt« verächtlich und rief etwas Tschechisches. Man brachte Dutzende von Stoffballen. Ich wählt« etwas Dunkelgrünes. Und er ließ mir Maß nehmen. Bon Orlik persönlich. Und fragte dann nach dem Terniin der Anprobe.„Morgen um dieselbe Zeit." Ich war pünktlich zur Stelle. Ein Schneider bracht« den Rock. Natürlich den grauen. Orl k hatte über meinen eigensinnigen Kopf hinweg den grauen Stoff gewählt. Murrend schlüpfte ich hinein. Orlik:„Ich-laß'» Ihnen für d-e Hälfte. Zahlen Sie, wenn Sie bei Kaffe sind." Rief wieder etwas Tschechisches, und man brachte denselben Rock in Dunkelgrün.„Für alle Fälle," sagte Orlik.„Und die Holen?" erlaubte ich mir zu fragen. Orlik zuckte die Achseln. Napoleon kann nicht besser gezuckt haben. Als ob das nötig seit Aber«r ließ den Hosenschneider anschwirren und Kalifornien— erschüttertes Paradies 1 die die ihr Geld verlieren. Ma« gräbt wieder Gold. Dafür hat man di« älteste Beschäftigung Ansässigen von Kalifornien wieder aufge- ölschichten ausgeschöpft hat, um in di« Tiefes zu dringen. Manchmal geht man bis zu 3000 Metern in die Erde hinein. Wenn auch dies« Tiefen ausgeschöpft sind, können die Bohrtürme verschwinden. Aber wer will Voraussagen, was dann an ihrer Stelle stehen wird?. Erdöl, das zu Benzin und Schmieröl um- qearbeitet wird, um die Motoren der Welt zu füttern, bringt täglich Schwierigkeiten, za Unglücksfälle und Tote mit sich. Immer wieder gibt es Gasausbrüche und Brände. Jetzt aber sind, infolge des Erdbebens, die riesigen Benzintanks rund um Los Angeles eingestürzt, das Benzin lief di« Straßen! entlang. Wenn die Feuersbrünste, die an anderen Stellen ausgebrochen sind, das Benzin erreichen, werden die Katastrophen so bald nicht abbrechen. In dem Badeort San Pedro sollen Oeltanks bereits in Flammen stehen. Do« Wolkenkratzer zum Weekendhaus. Bon Vorteil ist bei dem Unglück jedenfalls in Los Angeles und Umgegend übliche Bauweise gewesen. Die Hälfte aller Wohnungen von Los Angeles, von denen es im Ganzen rund eine halbe Million gibt— bei einer Einwohnerzahl von ein und einer Diertelmillion— sind nämlich EinzelwohnunLen. Das heißt einzelne, meist einstöckige Hauser für eine Familie. Weitere zehn Prozent sind Doppelhäuser. Diese Wohnungen entstanden, weil Kalifornien ja hauptsächlich ein Landstrich zur Erholung ist. Die Hänschen, die man von Bau- und Finanzqesellschgften auf Abzahlung bekommen kann, sind aufs modernst«. eingerichtet und in ganz Amerika berühmt. Sie haben eingebaute Schränke, Kühlanlagen, feinste Badezimmer und jede- seine Garage. Sie sind— im Verhältnis — ungefähr so teuer wie unsere modernen Land- und Wochenendhäuser, die man auf den Ausstellungen„Luft, Licht und Sonne" bewundern kann. Dazu hat in Amerika bei Beginn der Krise «ine allgemeine Flucht aufs Land begonnen, di« diese Bauweise gefördert hat. Man hat schon immer Bungalows und Gartenhäuser fix und fertig aus dem Katalog bestellen können. Jetzt bestellt man sich auch Häuser bis zu sechs Zimmern im Ganzen, aus Walzstahl mit Beleuchtung, Badeanlage usw., bei einer Firma. Niemand schätzt mehr Wolkenkratzer. Die Spekulanten, di« eben noch welche gebaut haben, werden der nommen: man gräbt wieder nach Gold. Richt, daß nun etwa plötzlich wieder Gold aufgetaucht wäre! Aber da sind so viele arbeitslos, so ganz ohne Geld und Aussicht auf Beschäftigung: sie gehen, da sie sowieso nichts zu tun\ haben, mit Schüssel und Sieb an die Flußläufe und si'chen. Das ist in vielen Staaten so. in .Kalifornien allein sollen ungefähr 10.000 Menschen wieder auf di« Goldsuche gegangen sein. Vielleicht sind diese Unglücklichen die einzigen, deneü das Erdbeben, wenn di« Erde sich beruhigt haben wird, etwas Gutes gebracht hat; einen Hoffnungsschimmer, daß die erschütterte Erde ein Körnchen Gold nach oben brachte.... Heinz Iunkermann. 2« der Erdbebenkatastrophe bei Los Angeles. Kleine Erdbeben ist man hier gewöhnt. Aber! tisch in der südlichen Sonne als di« gelben Beben, die Schaden anrichten oder gar Menschen! Früchte. Doch Bohrtürme sind nichts Bwiben- töten, sind außerordentlich selten. Die große Ides. Man baut sie, wenn man die oberen Erd- Katastrophe von San Francisco, das im Norden des jetzigen Unglücksortes liegt, kam vollständig unerwartei und überraschend. Am Vorabend fand ein Gala-Abend in der Oper mit Caruso statt, an dem sämtliche Millionärsfamilien teil nahmen. Am Morgen des 18. April 1906 um 5 Uhr erfolgte dann der erste Erdstoß. Eine fol gende Feuersbrunst zerstörte einen ganzen Stadt teil, man zählte über 6000 Tote und Verletzte. Weiter« große Katastrophen suchten Amerika am 20. September 1926, wo in Miami'über 2000 Tote zu beklagen waren, und am 10. No vember des vergangenen Jahres heim, wo Kuba heimgesucht wurde und Santa Cruz del Sur voll- - ständig zerstört wurde. Gold, Gold! Der Süden von Kalifornien ist berühmt in Amerika, und sein Ruf hat sich über die ganze Welt verbreitet. Dabei ist das Land ursprünglich Wüste gewesen! In der Mitte des' vorigen Jahrhunderts erst zogen Menschen in Kaliformen ein. Man hatte Gold gefunden in den öden Gebieten der Küstengebirge. Aus der ganze« Welt eilten die Goldgräber zusammen. Die Ausbeute war dann nicht sehr stark. Aber da die Goldgräber einmal hier waren, und viele von ihnen waren heimatlos und wußten nicht, wohin sonst gehen, sahen sie sich etwas gründlicher um. Und sie stellten fest, daß dem Land nur eines fehlt«, um ein Paradies zu sein: das Waffer. Ein Orangengarte«. Heute ist, durch künstliche Bewässerung, Kali fornien, besonders rings um Los Angeles, ein einziger Garten. Die Hauptstadt Los Angeles, 25 Kilometer vom Stillen Ozean entfernt, baut sich terrassenförmig inmitten von Palmen und EukalyptusHainen auf. Es hat die best-» gepflasterten Straßen und die schönstem Gärten und Parkanlagen, hinter denen die Häuser— in großer Anzahl„Wintersive" reicher Amerikaner — fast verschwinden. DaS Klima ist mild und gesund, man mißt im Jänner eine Durchschnittstemperatur von über 11 Grad Celsius. In der Nähe liegt die Filmstadt Holly wood. Hier wurden, des ewige» blauen Him mels wegen, bald rund 80 Prozent aller Filme der Vereinigten Staaten hergestellt. In der Nähe, di« Küste entlang, die ein einziger Badestrand ist, liegen die schönsten Bade ort« mit riesigen'Hotels und herrlicher tropischer und subtropischer Begatio». Das Land selbst ist zu einem O b st h a i n geworden. Man erntet Zitronen, Apfelsinen, Oliven. Hundert Kilometer lang ziehen sich oft die Orangenanlagen. Man hat ungefähr 18 Mil lionen Bäume gezählt zuletzt. Und diese riesige Ansage ist kaum fünfzig Jahre alt! Hinter einem Gitter zeigt man noch den Ursvrnng des Reich tums, den ersten und ältesten Orangenbaum. Bohrtürme glitzer«. Aber noch einen zweiten Reichtum hat das Land, der weniger bekannt ist und dem Land- schaftsbild weniger dient: Petroleum. Man hat rund 1100 Quellen gezählt. • Petroleum bringt Bohrtürme«eit sich. Sie bilden an manchen Stellen Wälder wie die Orangenbäume, aber sie glitzern weniger roman- mir die Hosen zeigen— wie man im seinen Lokal die Schleie präsentiert bekommt, ehe sie zubereitet werden. Ich warf einen Blick auf die Hosen— zumal auf di« grau« mit dem eisernen Boden. Orlik beobachtete mich. Dann steckte er mir heimlich etwas in die Hand. Einen Hundertmarkschein.„Geben Sie'S ihm," flüstert« er,„der Mann freut sich." Ich schenkte dem Hosenschneider die geschenkten hundert Krönen. Dann war ich entlassen. Die beiden Anzüge sind zu Staub zerfallen, aber der graue Hosenboden existiert noch In der Küche. Ms Kochuntersatz. Er hält besser akS mancher Afbestteller. PraMlsdie Moire Nr die Hausfrau. Klein« Küchengesetzt. Nichl nur die unerfahrene Hausfrau macht in der Küche Fehler, sondern auch di« erfahren«, und zwar diese aus Gedankenlosigkeit. Man sollte niemals Salzhering mit dem gleichen Messer schneiden, mit dem man auch andere Nahrungsmittel berührt. Der anhaftende Geruch verliert sich nur sehr langsam. Das gleich« gilt von Zwiebeln. Man sollt« deshalb airch zum Zn-bereiten der Heringe stets ein besonderes Brettchen verwenden— Eine Flasche, in der man Benzin gehabt hat, läßr sich nicht ausspülen und reinigen, um sie für andere Zwecke. zu verwenden Der Geruch bleibt darin. Hal man einen Topf zum Kochen von Fischen verwendet, so muß man ihn sehr sorgfältig reinigen. Selbst der Topfdeckel ist sorgfältig abzuwaschen. Wenn man Eier auffchlägt.-oll man sie nie unmittelbar in das Geiäß schlagen, in dem sich der Teig oder das Gericht befindet, dem sie beigemlschi werden(ollen, sondern immer muß man jedes Ei für sich auf ein Schälchen schlagen, da man sich durch ein einziges schlechtes E! sonst ein ganzes Gericht verderben kann.— Beim Kochen soll man immer seinen Geruchsinn zu Hilfe nehmen. denn etwa verdorben« Speisen sehen oft noch ganz gut aus, während man aber durch den Geruch feststellen kann, daß sie zur menschlichen Nahrung nicht mehr geeignet sind. Terpentin gegen Flecken. Das Terpentin ist eine vorzügliche Hilfe, wenn es gilt, unangenehme Flecke zu entfernen, und zwar fft«s bei der Entfernung von Teerflecken sehr gut zu verwenden. Man feuchtet Teerflecken in Wollstoffen zuerst mit Wasser an und betupft sie dann mit etwas warmem Olivenöl Nach einer kleinen Wekl-e werden die Flecke mit einer Seifenlösung üurgobürstet. Den Schaum läßt mau. noch ein« Biertelstunde nachwirken. Darauf wäscht man den Fleck abwechselnd in warmem Wasser und reinem Terpentin, ÄS er ganz verschwunden ist.— Auch ;um Abreiben von Wachstuch ist Terpemin vorzüglich; man braucht das Wachstuch nur mit einem in Terpentin getauchten Lappen abzureiben, um ihm seinen Glanz zurückzugeben. Auch zum Reinigen von emaillierten Gefäßen ist«in in Terpentin getauchter Lappen sehr praktisch. Somit bk Betten! Sonnentage, wie sie jetzt wiederum kommen, sollte. keine Hausfrau vorübergehen, lassen, um ihr« Federbetten und Kiffen einer gründlichen Besonnung auszus-etzen Besonders wenn die Wohnung etwas feucht ist. ballen sich di« Federn zusammen und bedürfen dieser Sonnenkur. um zu alter Lockerheit und Weichheit zu gelangen. In Frankreich besonders kann man die Beobachtung machen, daß es ganz vortreffliche Betten dort gibt, da di« französisch« Frau auf di« Pflege chrer Federbetten großen Wirr legt Man muß zuerst di« eine Seit« der Belten besonnen lassen und sic nach einigen Stunden umdrehen, damit auch die andere Seit« bestrahlt wird. Hinterher soll man sie dann kräftig durchklopren. Wenn man dies Verfahren mehrmals wiederholt, ist«S sehr günstig. Man erhält sich dadurch die Betten viel länger. In memoriam Max Reger. Bor nunmehr 60 Jahren, am 19. März 1873, wurde der berühmt« deutsche Komponist Max Reger zu Brand in Bayern geboren. Reger schuf Orchester- und Kannnermusikwerke und viel« sehr bekannt gewordene Lieder. Er starb bereits mit 43 Jahren als Universitäts-Musikdirektor und Lehrer am Konservatorium in Leipzig. iiiifiiiNiiiniiiiiiHinniiniuliiinifiiiiiiiiniiiiiliiniHiiiiiiuiiiiiittiiiHiiiiiiniiMiiiiiiiiniiiiiinuüiiiiib Mel soll ein Dien sein! Von Mar im. Ms der Landsturmmann Nickst aus den» Felde zurückgelehrt war, wurde er Stratzenhänd- ler, weil seine Anstellung als Lagerverwalter gestrichen worden war. Zehn, zwölf Jahre konnte er sich und feine Frau über Wasser halten Dann ging es abwärts. Seine Frau stavb plötzlich, und als er allein w»-:, ging es ihm noch schlechter. Jüten Sonntagvormitlag besuchte er den Grabhügel seiner Frau; hier fand er Trost und träumte von den Zeiten, als sie beide noch glücklich und zufrieden durchs Lüben gegangen waren. Der Geburtstag seiner Frau war stets ein besonders feierlicher Tag; dann arbeitete Nickel nicht, sondern ging auf den Friedhof. Diesmal nagte ein Vorwurf in ihm: er hatte seiner Frau keine Blumen mitgebracht. Er hatte kein Geld, üm Blumen zu kaufen, nicht einmal einen Groschenstrauß. Es tröstete ihn. daß sie vielleicht die Blumen abgelehnt hätte; sie verabscheute unnütze Geldausgaben. Hätte er gestern den Sechser, den er für zwei Schrippen ausgcgegeben hatte, für Blumen gespart, die Frau hatte es. bm übel genommen, bestimmt. Scheu und verstimmt ging Nicket durch die Gräberreihen. Da lagen viele schöne Kränze mit großen Blumenspenden. Ganz in der Nähe des Grabes seiner Fran befand sich ein ziemlich frisches Grab, das einen Berg von kostbaren, üppigen Blüten trug. Nickel wußte, wem diese reichhaltige Trauer galt. Hier log Fra» Schlächtermeister Singe; er hatte sie gekannt-, eine d:cke, hochmütige Person, die«in paar Häuser weiter gewohnt hatte. Am Grabe seiner Frau machte er sich wieder zum Borwurf, nicht mit Blumen gekommen zu • t; ihr Grab sah vernachlässigt und trostlos leer aus. Während er dies feststellte, irrte jein Blick immer wieder zur Seite und blieb auf dem Grabe der Schlächtersfrau hängen. Der duftende, protzige Berg von Blumen machte ihn wild, denn er meinte, diese dicke Frau verdiente den Schmuck nicht; sie hatte sich gegen alle Notleidenden stets hochfahrend benommen. Wer nahm ihr etwas, überlegte Nickel, wenn man ihr einen von den zwanzig Kränzen wegnahm? Wer konnte den Nehmer deswegen anKagen? Bei einer solchen Fülle würden nicht einmal die Angehörigen merken, daß ein Kranz fehlte. Bei diesem Gedanken angekommen, entschloß sich Nickel bereits zur Tat. Er umkreiste den blumettbeladenen Grabhügel, um einen Augenblick zu erwffchen, wo er unbeobachtet einen Krq-nz wegnehmen könnte— es gelang sogleich; einer der schönsten Kränze, wundervoll duftend, siel ihm in die Hände, und er legte ihn rasch auf das Grab seiner Frau., Ns Nickel auf das Tor zu schritt, trat ihm der Friedhofsgärtner entgegen. Ihm folgt« ein Schutzmann. Nickel wußte gleich, was die Glocke geschlagen hatte. Er mußte inft den beiden nach dem Grabe zurück. Das war ein Dornenweg, denn Nickel spürte, daß man seinen Akt der Pietät feindselig beurteilen würde. ES ließ sich nicht leugnen, daß der Kranz vom Grabe der Fran Schlächtermeister stammte; der Schutzmann fand di« weqgeworfene, zerknüllte Schleife. Infolgedessen kam Nickel auk die Wache und wurde in Haft genommen. Bor dem Schöffengerichte stand ein paar Wochen der Straßenhändler Nickel und hatte sich wegen Blumendiebstahls zu verantworten. Eigentlich, sagte die Anklage, hätte man ihn auch wegen Grabschändung belangen müssen,-doch man hatte davon abgesehen, denn Nickel war nicht vorbestraft. Sein Verteidiger war ein ungeschickter junger Mensch, der den Kern der Sache mcht darzustellen verstand Und Nickel konnte immer wieder nur erklären, er habe das Grab sejner Frau ein wenig schmücken wollen. Nickel wurde zu einer Woche Gefängnis ver urteilt. Als das Urteil gesprochen wurde, wußte Nickel nicht weiter. Er verstand das nicht. Er ftagte'einen Verteidiger, doch der entgegnete, die Strafe sei dir mildeste, die überhaupt in Betrach: gekommen sei. Auch ias konnte Nickel nicht verstehen. Ns er nach einer Woche wieder frei war, ging er gleich auf den Friedhof, bat seine Frau um Verzeihung und stürzte si chdann von einer Brücke vor einen eiwfahrenden Eifenbahnzug. etift 6 Samgtdg, IS. Mürz 1683 Nr. 66 Sport' Spiel' Knrpernnene KJ Kunst und Wissen nn> Der Film Karl* Marx* Feier Literatur Vorlräpe nnfl Veranstaltungen Ber- l >as v nach den Bernfeid aber ging es nicht darum, di« um ein Buch zu vermehren, sondern«inen zu geben für«in« neu« Entwicklung. E« Optimismus der Jugend, der glaubte, eS bessere Wege so lange di« In Eduard Dr. Siegfried Bernfeld spricht heut«, den 18. März, um 8 Uhr abends im großen Uraniasaal über ,Li«be und Erotik in der Freud, scheu Lehre". Karten bei Wetzler und Truhlak. — Heut«, den 18. März, von 5 bis 7 Uhr abends und Sonntag, den 19. März, von 10 bis 12 Uhr vormittags hält Dr. Bernfeld im Heim der soziali- stischen Studenten, Prag I., Bartolomöjskti 14,«inen Kurs über»Di« Praxis der Psychoanalyse'. tanz- und E. J. Theaters. Fidelio" Teilnehmer groß« Anforderungen stellen. Am ersten Tag werden 127 Kilometer, am zweiten 278 am dritten Tag 180 Kilometer zu fahren sein. Aus der Partei sucht« Haus nahm di« neu« Operette beifallsfreudig auf und ergötzte sich vor allem an den revuemäßigen Nummer«. PRAGER ZEITVWO. W oche d i« und di« Lie»Säuberung" Der Theater im Reich. Aus Karlsruhe wird uns gemeldet: Ter kommissarische Kultusminister hat di« soso:lige Beurlaubung des Intendanten der Landestheaters in Karlsruhe, Dr. Hans Waag, ongeprdnet;«in« Reihe von Künstlern wird entlassen, bei anderen wird,-vorläufig von Vertragsabschlüssen Abstand genommen"; unter den ganz oder halb Betroffenen befinden sich(von den in Prag bekannten Sängern dieses Theaters) als„vorläufig" gefährdet di« Kammersänger St r a ck und S ch ö p i l i n. T«s weiteren wurde«ine Ein st ellungs sperre und die Nachprüfung der' Personalakten sämtlicher Mitglieder bis in die ersten NachkrtegS- sjahre. zurück verfügt. sind. Aehnlich ist es auch bei den Eislaufgrößen, die stets einige Monate im Jahr auf Reisen sind und dabei selbstverständlich keinen Groschen ver- dienen. Bor kurzem äußerte man die Befürchtung, daß- Wiener Eisläuser, die für verschieden« Firmen Reklame gemacht hatten, dadurch in den Verdacht des geheimen /Professionalismus kämen. Man hat aber nichts gehört, daß der bürgerliche Eislaufverband zur restlosen. Klärung in diesen Reklameangelegenheiten etwas unternommen hätte. Mit dem AmateuriSmus der Verbände selbst steht«s je- doch«hxn auch nicht bester. Di« österreichischen bürgerlichen Harckballer veranstalteten ein Halten Handballturnier, bei dem in erster Linie für— ein« Schühpapa Reklame gemacht wurde. Da« Kurioseste aus dem Amateursportlager in Oesterreich aber ist, daß sich eine Gummifabrik«inen ganzen Radsportverbanä> sozusagen gemietet hat, der für si««in Reklameradrennen durchzuführen hat. Liebe, ei« Naturgesetz. Als in Deutschland dem Zusammenbruch die FÄmzensur gegen Ueberquell von Sexualfilmen eingeführt wurde, da gab es mehrere- solcher„Werke"; dumm und geschmacklos bis ins letzt« Detail, appelliert dieser kindisch zusarmneugestoppelt« Film an die naivsten Instinkt«, wobei der Industrie natürlich sogar der Mut zur offenen Pornographie fehlt. Bon Lehrfilm ist kein« Spur zu sehen, Mensch und Tier werden innerhalb der Zensurgrenzen so obszön als möglich gezeigt. Das ist natürlich kein« Aufgabe des Kinos. W. L. utopischer Programme unmöglich sei, wurde er zum Berfechter und Lehrer der psychologischen Lehren Freuds, di« ihn in den Stand setzten, selbst zu beginnen, was im Kulturbesitz der Menschen bisher fehlte: die pädagogische Wissenschaft. Ste fehlt« bisher und wurde doch nicht vermißt. Für Wissenschaft der Pädagogik hielt man«in System willkürlicher Zielsetzungen und Dogmen,«inen Tummelplatz aller Parteien und Ideen. Er setzt sic in die Lag«, zu erkennen, was vorhairdeu ist und! warum es vorhanden ist und zeigt inwiefern Idol ist,, was für wirkliches Zi«l ausgegeben wird. Ter über di«, realen Möglichkeiten hinouSschießeudc jung« Bernfeld ui«d der reife Mann, der di« Macht der Realität erkennend sich mit ihrer geistigen Analyse begnügt, beide fordern di« Abwehr des Bürgers heraus, der um die Erhaltung seiner papierenen Götzen besorgt ist. Bernfeld hat all« di« enttäuscht, die geglaubt hatten, daß«r nach dem Scheitern feines Versuches, so wie viele ander« Idealisten vor ihm, sich der Macht der Realität beugen werd«. Di« Möglichkeit, durch Konzession an die Gesellschaft auf dem Kom- promißwege Teilziole zu verwirklichen, war ihm gegeben. Er schlug sie aus. Er zog sich in jenen Bereich zurück, in dem Wahrheit und Unbedingtheit noch oberstes Gesetz fein sollte, in den Bereich der Wissenschaft. Jede wissenschaftliche Analyse räumt mit alten und falschen Vorstellungen auf. Der Versuch, Illusionen zu beseitigen, erscheint dem Gläu bigen als destruktiv« Tat, während er in Wirklichkeit di« Bausteine schafft, di« einem Neubau dienen 1 könnten. Jugendbewegung. 8. I. HI und S. I. 1. Wandertreffpunkt Sonn. 8 Uhr Endstation d«r 5er in Hluboöepy. länger zu geben haben an Summe und gesangskünstlerischer Tüchtigkeit. Frl. Käthe Walter, die man n«u«stens für di« Operette vcnvendet, macht durch lebendiges Spiel und blendende Erscheinung di« Mängel ihrer in der Höhe begrenzten Stimme ebenso wertig vergessen wi« das allerliebst tanzend« Frl. Fee von R e i ch l i n ihr gesangliches Unvermögen. Auch Jaro L i b a l, dessen deutsche Prosa außerdem unerträglich hart ist, ist kein blendender Operettentenor. Und Erich Dörner sowie Herr Dudek sind zwar ausgezeichpete und spielfreudige Komiker, aber verkümmert« Sänger. Als künstlerische Mithelfer an der neuen Operette betätigten sich in kleineren Aufgaben noch die Damen Sommer, Lhotzky, Motz und Lorenz sowie die Herren Padlisak, Jantsch, Stadler, Richling, Hattemer, Hotter und Hey. Das gut be- 1. Einzug der Jugendgenossen und Genossinnen unter den Klängen der Marseillaise(Bläserchor des Neuen Deutschen Theaters) 2. Rezitation: Fritz Valk, Mitglied des Neuen Deutschen Theaters in Prag 3 Gedenkrede, gehalten von(Jniversitäts- Professor Dr. Max Adler(Wien) 4„Die Internationale*. Regiebeitrag 3 Kl. Jugendliche und Studenten je 1 KC. Arbeitslose freien Eintritt. Kartenvorverkauf bei Gen. Mlttenhubsr(Gec, Fügnerovo 4), beim Arbeiterverein,'Smeiky 27, und bei Optiker Deutsch, Graben(Koruna) Merkwürdiger Amaleurismus! Seltsamkeiten aut de« österreichisch«« bürgerlichen Amateursportlager. Wie di« Bürgerlichen heut« den AmateuriSmus auffasten, kann durch«inig« Beispiel« gezeigt Norden. Ueoer di« seltsame Lehrsahrt der österreichischen Amateurvadballspieler nach Italien wurde bereits vor einiger Zeit berichtet. Wir wollen heute diesem Bericht mir noch hinzusügen, daß di« Spieler, nachdem sie zuerst gut bezahlt worden waren, sich für di« Heimfahrt das Reisegeld ausleihen mußten, da di« Veranstalter ihrer Tournee«i n gesperrt worden waren. Ein richtiger Amateur ist auch der österreichische bürgerlich« Radrennfahrer T u s i k a, der sich seit dem Herbst im Ausland aufhält und von den„Spesen" lebt, di« ja bekanntlich bei allen bürgerlichen Sportgrößen sehr beträchtlich der deutschen proletarischen Organisationen in Prag Montag, den 20. März 1933, 20 Uhr abends, im Heine-Saal in Prag-Weinberge, Fochovä 25 PROGRAMM; Sozialistische Jugend, Prag— Freie eimgung sozialistischer Akademiker— Einheitsverband. Dienstag, den 21. März, spricht Oenoffe Dr. Max Adler, Wie« über »Politische und soziale Demokratie" %8 Uhr abend, Dopz-Saal, Jungmannov» 29. Anmeldungen bei den Genossen Ullmann, Hübner, Willimek, Trud« Kohn, Rausch, Schwab. Eins seltene Offenheit konnte man in dem letzten„Reichenbevger Sportblatt" wahrnehmen, wo es in einem Spielbericht u. a. schrieb:„Schließlich und endlich suchen gerade unsere großen Vereine gute Arbeitrrsportter, um ihr« Mannschaften aufzufrischen."— Ja, ja, wenn der so viel gepriesen« Eigene Nachwuchs" fehlt, dann sucht man nicht di« Arbeitersportler, sondern man„kauft" si« mit—* Versprechungen auf Posten und Geld! Und tut sich etwas Gutes, in dem man dann von der„Hebuirg des Nsveaus und der Spielstarke' saselt! Ein« Zweieinhabtagefahrt für Radrennfahrer und es«, Zuverläffigkeitssahrt für Motorradfahrer veranstaltet zu Pfingsten der österreichische Arbeiter Radsahrerverband lArbös. Di« Strecke des Weitkampfes beträgt 865 Kilometer und wird an die Arüeiterabstinenteobunv Lrtsgruvpe Groß'Prag. Einladung zur Denerakveesammiortg am Mittwoch, den 29. März 1933» um 8 Uhr abends im kleine» Sgol des Gewerkschaftshauses am Bergstein. Tagesordnung: 1. Verlesung des Protokoll«-. 2. Bericht«. 3. Wahle». 4. Freie Anträge. Um vollzähliges Erscheinen der Mitglieder wird gebeten. Die VereinSleitnng. Jack London:„An der weißen Grenze". Roma». Band 33 der Gesamtausgabe. Universitas-Verlag, Berlin IV 50. Brosch. Mk. 2.70, in Leinen Mk. 4.25. Schiff um Schiff, mit Menschen beladen, die wir Oelsardineu aufeinander gedrängt sind, landet in der Alaskabucht und wirft seine Fracht wie eine I leicht verderbliche Ware eiligst an den Strand. Ls ! sind Goldhungrigc aus aller Welt, sie haben zusam- ! inengerafft, was si« nur aufbringen konnten, um di« i phantastisch hohe Steife, die teure Ausrüstung zu : bezahlen; jetzt besitzen sie nichts mehr als ihre wagemutigen Herzen und die schwere Traglast aus ihren gewaltigen Schultern. So irrten sie in endlosem Zug den Marsch ins Goldland an, in den klirrenden Frost hinein, Mühsalen ohne Ende ent-, gegen.— Jack London malt diese Welt und das Leben der Goldsucher mit der ungeheuren Eindringlichkeit des' Schauens, die ihm zum stärksten Schil- derer unserer Epoche gemacht hat. Sein Roman hat viele heldische Männergestalten und eine wirklich« Heldin, Frona, die Tochter des„Eldorado-Königs", eines der Besten im Lande, in dem Frona geboren wurde, und in dem sie nun die großen Abenteuer ihres Herzens erlebt. Sellen ist Jack London eine Frau herrlicher geraten als diese Frona! Zwischen ächzendxn und tobenden Mänyepn, Wolfsmenschen, die unter ihrer Hand zahm werden/ schreitet sie ihren Weg, der sie her schaurig-ernsten, grimmigen Alaskawelt immer inniger vermählt. Einer der besten Romane Jack Londons! „Die verborgene Hand." Von Earoll John Daly. Verlag Ernst Oldenburg, Leipzig. Preis 3 Mk. Die ungeheure Flut der Kriminalroman« läßt es erstaunlich erscheinen, daß sich immer noch Autoren finden, deren Phantasie groß genug ist, aus diesem Gebiete neue Variationen zu ersinnen. Allerdings hat das Thema B«rbr«chertum und Menschenjagd feit d«r Erstehung des amerikanischen Bootlegger-Wffens eine große Bereicherung erfahren. Carroll John Daly erzählt von einem Privatdetektiv, der nach dem Haupt« einer Verbrecherbande sagt. ' Wie er dies bewerkstelligt und wie des Rätsels Lösung gefunden wird, das wird mit einer Lebendigkeit und Spannung berichtet, di« geeignet ist, den L«scr über ein paar müßige Stunden anregend hin- ’ zuwegtäuschen.—j--■ Maria Jvogiin singt in der nächsten .Figaros Hochzeit" Glückliche Reise- Es wird nicht gelingen, neue und .für die moderire Operette zu finden, ^Herrschaft des Jazz nicht gebrochen ist. Künneck« hat man einen Pfadfinder der moder nen Operette gefunden zu haben vermeint; di« Operetten-Singspiel«„TerVetter aus Dingsda" und„Der Tenor der Herzogin" waren vielverheißend. Aber sein« n«uest« Operette „Glückliche Reise", di« vorgestern im Prager Deutschen Theater ihre Erstauffüh- jru ng«riebt«,'bewies, daß auch Meister Künneck« i in seinem operettenmusikalischen Schaffen ganz der I Betzjazzung verfiel und vom vornehmen Singspiel jaus die aufgedonnert«' Revueoperette gekommen ist. i Hört man manche köstliche Ensembtenunrmer der neuesten Künnecke-Operette, zählt man die vielen originellen melodischen Einfäll«, unter denen schön« Bokksltedanklänge sind, und stellt man das tüchtige Köncken in satztechnischer und instrumentatorischer Hinsicht fest, dann bedauert man di« Wandlung des Komponisten ins Revue-Jazzmäßige. Denn dies« Wandlung bedingte«in« Vergröberung der musikalischen Werte und hat den Komponisten auch rhyth- misch benachteiligt, da er aus der geraden Taktart des modernen Tanzes nicht mehr herausfindet. Buch und Lieder texte der neuen Operette haben sKünnecke die hondwerkssesten Librettisten Max Bertuch und Kurt Schwabach geliefert; ein« harmlose Zeitungsinseratgeschichte, nach der zwei deutsche Auswanderer und brasilianische Farmer ihr« Korrespondenz-Ideale in di« Urwaldeinfamkeit holen. Um die„glücklich« Reise' nach d«r deutschen Heimat und in di« Urwaldeinsamkeit zurück dreht sich das mit geschickten Verwechslungen amüsant gemachte Primitiv« Geschehen der Operette. Bruno Har- p r« ch t hatte si« geschmackvoll inszeniert und durch originelle Regieeinfalle wirksam aufgeputzt, wobei ihn Ballettmeister Peter Schorf mrd fern« feschen Tanzgirls in pastioni«rt«ster Weise unterstützten. Paul K o m l o s als musikalischer Leiter des Ope- vettenabends erwies sich rhythmisch weit tüchtiger denn als Dynamiker, dem das Fort« und Fortistimo mehr Freude macht als das Piano und di« diskrete Zurückhaltung den. Sängern gegenüber. Von diesen verlangt Künneck« mehr, als moderne Operetten- Susanne in Mimi in„Boheme". Spielplan des Reuen Samstag, >A 1). Spielplan der Kleinen Bühne. Samstag, 8 Uhr, irrueinstudiert:-Komödie der Jrrungen". Die richtige Brille Optiker Deutsch Prag H., Prfkopy, Palais Koruna Centr aibank dir deutschen Sparkassen in der Moslevaklsclien Republik. Haftanstalt: Prag H. Sredauargasse 14. Zwaigniedarlaisaagen.- Aoa&ig, Briten, Eger. Jlgeradorf. Reichenbarg, Q Taschen. Trautenau. Troppau. Ma Baak dar deutschen Sparanstalten und utf Gemeinden. \ Sittilitkti: ategfriek Zaib.—ch: Otto pol'l, 1 Bim.®ie SettungAmatleitwntatut wurde sott»er Poft- s. Telrorapdendtrutio» Btt Erlaß Nr. 13.8Ö0/VII 1980 bewilligt. 4- Btzogibeb ingungen i Bet Aufteilung tnS oder bet Bezug durch Öte Post monatlich Ke 18.—,»lerteljihrUch Ke ick—, \ r ftrltjistz'-l U 96.—, ganzjährig U US.—,— Inserate werde» laut lauf billigst berechnet. Bet ilmu OuüdBltunaeu gretsuachlatz.— Rückstellung kau'JRanufttipten erfolgt nut bei Stufenbung der Neiourmorie» Deutschen X6 Uhr, neueinstudiert: nommen an 300 verwaisten und verwahrlosten Km- der», scheitert« nicht an den objektiven Mängeln der Lehrer, nicht an dem Widerstande der Kinder, sondern, wie eigentlich vorauszusehen war, an der Ein- sichtslvsigteit des Kuratoriums. Dieses Kuratorium hat durch Unverständnis und Unfähigkeit ein« traurige Berühmtheit erlangt, aber auch«in auderes Kuratorium, das verständiger und fähiger d«m neuartigen Versuch gegenüber gestanden wäre, der hier unternommen wurde, hätte Bernfeld ein gebieteri- sches Halt zurnfen müsten in dem Augenblick, wo diese Arbeit sich in gar zu großen Gegensatz stellte zu der öffentlichen Meinung, deren Vertreter jo das Kuratorium war. Bentfelds Versuch scheiterte in dem Augenblicke, da vielversprechende Ansätze inen Steg seiner Ideen zu verbürgen schienen. Damals fand er noch grimmige Worte gegen di« Men, pichen, die ihm-in den Arm gefallen waren. Daß hier ein« Gesetzmäßigkeit walte und daß feder scheitern müst«, der es versuche, rin« Ev siehungsinsel in der bürgerlichen Gesellschaft zu errichten. das erkannte er erst später und sprach es in seinem bedeutendsten Buche„S i s Y p h o s oder di« Grenzen der Erziehung" aus. Die Unbedingtheit/ mit der er seine Forderungen als junger Mensch vertrat und di« Nüchternheit und di« scharfe Analyse, mit der er die sogenannten Erziehung-ideale als nicht ernst gemeinte und richt ernst zu nehmende Masken entlarvte, haben ihn als„destruktiven" Regierer erscheinen lassen. Bern- fekd fand in der Psychoanalyse das Mittel, dir sonst unverständlichen Tatsachen pädagogischer. Reaktionen Namen„Kinderheim Baumgarten", unter-z zu verstehen, und da er sah, daß di« Verwirklichung Grenzen der Erz'rehung. Zu dem heute stottsindenden Vortrag deS Genossen Dr. Bernfeld. ' Aus seinem Erleben in der bürgerlichen Jugendbewegung verfaßte Dr. Siegfried Bernfeld«in« Schrift, die ein Programm für dir Jugendbewegung , hätte werden können Er entwarf«ine Utopie der Erziehung, die stch notwendigerweise in ein« Utopie ! des Gemeinwesens verwandelte. Ein« Utopie ist kein verwirklichbares Programm So beliebt Ideale > und Idealismus bei denen sind, di« sich davon«inen ! Schutz des Bestehenden gegenüber dem immer wieder- ! kehrenden Ansturm der Unzufriedenen versprechen, so werden doch diejenigen belächelt, die glaube», daß diese Utopien zu mehr. dienen könnten als zur Lektüre, daß sie Grundlage sein könnten für reales ! Handeln. Literatur , Ansporn swar, der,, genüge. Gedanken auszusprechen und es gelänge da- mit, Wirklichkeiten zu veränderu. Er ging noch Zweiter.-Er versuchte selbst in Wirklichkeit umzusetzen waS er twrher durchdacht und in-seinem Buch, s niedergelegt hatte. Die Zeit nach dem Weltkriege schien neuen Ideen zugänglich zu sein. Sie schien«S nur. In Wirklichkeit aber war sie es nur in mäßigem Grade. Dies zeigte sich bald auch am Fall« Bernfeld. Der Versuch einer neuen Erziehung, bekannt unter dem