UHMl I k.hii 13. Jahrgang. Sonntag, 19. März 1933 M 67. t BO di« Hakenkreuzler ihr Lager anfgeschlag««, reichsdeutsche Nazi kommen herüber und benehmen sich hier so, als ob sie im Dritten Reich« wären. Am Freitag haben sich wieder vier SA- Leute aus Sachsen auf der Suche nach Flüchtlinge« in dem einsam im Wald liegend«« Restaurant eingefunden. Sie gröhlten dort ihr« Hitler-Lieder. Plötzlich fielen auf der Straß« mehrer« Schüsse, die Bevölkerung von Stolzenhain verständigt« sofort die Gendarmerie, die jedo chdienstlich außerhalb des Ortes zu tun hatte, weshalb die tschechoslowakisch« Grenzwache von der Schießerei in Kenntnis gesetzt wurde. Nach einer Meldung des Tsch. P.-B. kam es nach Schluß dieser Versammlung noch am selben Abend und während der ganzen Nacht zu z a h l- reichen Zusammenstößen zwischen den politischen Gegnern, in deren Verlaufe m c h- rere Personen schwerere und leichtere Verletzungen davontrugcn. Ein Bau- a r b e i t c r wurde mit zwei Messer st ichcn in das Egerer Krankenhaus geschafft. • Ein zweites KaWorinoDerg. Reidisdeutsdie SA-leuie verletzen tstiiedioslowaKlsdie tirenzbeamtc. Weipert, 18. März.(Eigenbericht.) Welche Frechheit die Hitlerbandrn an den Tag legen, zeigt ein ernster Vorfall, der sich Freitag abends in Stolzenhain ereignete und ein würdiges Neberrstück zur Schießerei in Katharinabcrg bildet: Wir erhielten darüber folgende authentische Informationen: In dem an der Straße von Gottes- g a b nach Weipert unterhalb des Keilber- ges gelegenen„Waldschlößchen", da» etwa«ine Stund« von der Grenze entfernt liegt, haben Abend kehrten aber die abgedrängten Massen, verstärkt durch die Arbeiter aus den umliegenden Orten, zurück. Der Hauptplatz von Leoben ist gegenwärtig von tausenden Menschen besetzt. Zur Stunde sind alle Zugänge nach Leoben von Gendarmerie und Bundesheer ab gesperrt. Wie weit noch im Lause der Rächt sich hie- Lage verschärfen, kann, läßt- sich im Augenblick noch nicht vöräussehen. * mark abgefahren, heut« nachts gehen weiter« 17V Güterwagen ab. Iu den allernächste» Tage« sollen die Heimwehrleute an die zum Ausbruch des Putsches dienlichen Orte ge- bracht werden.. In der Anfrage heißt es Weiter: Die Beunruhigung der Bevölkerung ist um so bedenklicher, wenn man weiß, was an den Grenzen Oesterreichs vorqcht. Das ganze Gebiet an der ungarischen Grenze von Horva-Thharfalch bis Orsovar ist sowohl von irregulären Truppen der ungarischen Levent« wie von regulärem ungarischen Militär besetzt. In diesem Teil der ungarischen Grenze liegen zweitausend Mann ungarisches Militär. Stark« Gruppen liegen in de» Meierhöse» in der Umgebung. Bei Helyerhalom werfen die Ungarn bereits regelrechte Schützengräben auf. Die Unruhe der Bevölkerung wegen der offen legitimistischen Urntriebc in Ungarn und ihr Ucbergreiscn auf Oesterreich ist ungeheuer. Bedenkt man, daß die Hcimwehr offen legiti- mistisch ist und daß zwischen führenden Heimwehrkreisen und ungarischen Legitimisten enge Beziehungen bestehen, so ergibt sich, daß Oesterreich vor der Ungeheuern Gefahr eines legitimi- stischrn Heimwehrputsches steht und allerschärsste Maßnahmen notwendig sind. Sturmzeichen in ganz Oesterreich. Kampfe mit der Helmwehr.— Zusammenstöße mit der Gendarmerie. Wie«, 18 März.(Eigenbericht.) Di« Unruh« in der Bevölkerung hat heute bereits zu schweren Kämpfen mit der Heimwehr und mit der Staatsexekutiv« geführt, so in , und in anderen Orten. Im Lauf« des Abends kam es in Wien au zahlreichen Stellen zu Zusammenstöße«, bei welchen drei Nationalsozialisten durch Messerstiche und Hiebverletznngen schwerer« Verletzungen erlitte«. Außerdem wurden«och acht Nationalsozialisten und drei Sozialdemokraten leicht verletzt. 38 Personen, u. zw. 23 Sozialdemokraten und 15 Natlonalsozialisten, wurden verhaftet. In Kapfenberg war cs zu einem Zusammenstoß zwischen Schutzbündler» und Heimätschutz gekommen. Tie Gendartnerie verhaftete sieben Personen aus den Reihen des Schutzbundes. Die Schutzbündler verlangten die Freilasiung der Verhafteten und beschosicn— wie amtlich behauptet wurde— den Gendarmerieposten, der dos Feuer erwiderte. Es wurde anscheinend niemand verletzt. In H ü t t e n b e r g bei St. Beit a. d. Glan Blutiger Zusammenstoß in Eger. 200 Nazi-Ordner überfallen 30 Genossen in einer WdiHerversammlung. Die Nationalsozialisten in Eger hatten für Freitag abend in das Schütze n- haus eine Wählerversammlung mit dem Abgeordneten Jung als Redner einbe rufen. Schon vor 6 Uhr abends hatte sich eine große Anzahl sozialdemokratischer Arbeiter und Arbeiterinnen vor dem Schützenhaus eingefun den, das jedoch a bjfe,spe rxt und von national sozialistischen Ordnern besetzt war. Ta nur Hakenkreuzler durch die Gaststube und die' Küche eingelasien, der Andrang vor den Haupteingängcn aber immer größer wurde, begab sich Abgeord neter Genosse Heinrich Mülle r-Aussig in das Haus, um Einlaß zu verlangen. Er kam bis zum Bierbüfett, wo, noch ehe er ein Wort gesprochen hatte, einige Dutzend Nazikerle über ihn h e r f i e l c n. Auf den Lärm hin eilten Vertrauensleute und Jugendliche hinzu, die den Genossen Müller, der trotz der Uebermacht nicht weichen wollte, mit Gewalt herausholten. Um 7 Uhr abends waren bereits nahezu zweitausend Menschen vor dem Schützen haus angesammelt: Als um 7 Uhr geöffnet wurde, stand^eine Polizeikette beim Eingang und ließ nur langsam und einzeln Leute ein. Die nationalsozialistische» Ordner, die in einer Stärke von ungefähr 200 Mann aus dem ganze» Ge biete zusammengezogen waren, verübten nun einen hinterhältigen Ueberfall. Als etwa drei- ß i g Genossen und Genossinnen im Saal waren' und sich niederjctz:» wollten, erscholl plötzlich ei» Kommando.- Die Nazibanditen hoben Stühle in di« Höhe und schlüge» blindlings aus. die sozial- demökrälischen Vetsnmmlnttgsbesucher ein. Eine ganze RÄb Genossen und auch Ge nossinnen wurde niedergeschlagen. Die Polizei sperrte sofort den Saalemgang ab, so daß die Masse draußen von den Vorgängen im Saale keine Ahnung hatte. Erst als die blutüberström- ten Genossen ans den» Saale herausgcführt wur den, wurde der feige Ueberfall bekannt. Die Ver trauensleute hatten zu tun, um di? über den hiüterhältigeu Ueberfall erbitterte Masse nach dem Volkshaus zu dirig'eren. Die überfallenen und schon verletzten Genos sen wehrten sich so gut sie konnten. Tie Nazi haben wie die Wilhen mit T t ü h l e n. G u m m»- knüppcln, Schlagringen usw. auf die dreißig Leute cingeschlagen. Eine greise Genossin wurde mit einem Stuhl zu Boden geschlagen. Der Polizeiinspek tor Wagner, der einem au» Boden liegenden Genossen, ous den die entmenschten Banditen noch immer rinschlncen, Helsen wollt«, wurde von den Nazi ebenfalls verletzt. Im Vo l k s h a u s g a r t c n hatten sich nach den Vorfällen etwa dreitausend Men schen veriammclt, zu den-n die Genossen Abge ordneter Müller und Ttadtrat Müller sprachen. Sie appellierten an die Masse, die letzten Stun den vor der Wahl auszunützen, um den Wöhlern die Wahrheit über den„Nationalsozialismus" zu sagen.•, ji Die Hcimwehr mobilisiert. Ende März soll geputscht werden.— Sonderzfl^e mit nelmwehrcn nadi Wien ongemeldet. Wieu, 18. März.(Eigenbericht.) Di« Nachrichten über die Borbereitungen der Heim wehr zu einem Putsch gegen die Republik haben heute die Bestätigung durch eine Anfrage, welche die Sozialdemokraten im Wiener Landtag an den Landeshauptmann richteten, gefunden. In dieser Anfrage, welche mit genauen An gaben und zahlreichen Dokumente» über die Putschpläne belegt ist, heißt es: Bon Tag zu Tag verstärken sich die Anzeichen, daß die-Veimlveh- ren eilten Putsch planen. Bon allen Seitey. lorn-, men die Meldungen über Heimwehrträ« S- p orte nach Wien. Bei de« Bundesbahnen liege« bereits Pläne i für Massentransporte von 20.000. Mann vor. Für den 25. und 26. März sind: nach Wien nicht weniger als 16 Sonderzüge bestrllt. Zehn Sonderzüg« sollen 6000 Mann auf den Westbahnhof, sechs Sonderzüge fünftausend Mann auf de« Südbahnhof schaffen. Wie weit die Vorbereitungen gediehen sind, zeigt ein Dokument, welches den Titel trägt:. „Beratung Nr. 904, Gernroldiveftion,.14. III. 1983. An die Direktionen Villach und W i e n." Dieses Dokument ist eine Anweisung der Gene- valdirektion der Bundesbahnen an die Direktio nen, in der die Abfahrt und Ankunft der einzel nen Züge sowie die Anzahl der Heinrwehrleute bereits bis ins Detail festgelegt ist. Im Wiener Landtag wurde dieses Dokument im Wortlaut verlesen. Schon jetzt werden auf der Bundesbahn Maflentransporte durchgeführt. Freitag sind 50 Güterwagen mit Heimwehren aus Steier- Kapfenberg, Leoben, Korne»bürg In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde die Stadt Ka p f e n b e rg in Steiermark durch Bundesheer und Gendarmerie, di« in Lastautos dorthin gebracht wurden, zerniert, di« Arbeiterheime und Wohnungen sozial demokratischer Funktionäre wurden besetzt und durchsucht, zahlreiche sozialdemokratische Funk tionäre wurden verhaftet nnd zum Kreis gericht in Leoben gebracht. Als am Vormit tag die Gendarmerie mit den Berbafteten nach Leoben kam, ereigneten sich dort erregte Szenen. Die Erbitterung der Bevölk rnng stieg ins Ungeheuere. Tausende sammelten sich vor dem KreiSgericht« an und verlangten die Freilassung der Berhasteten. Tie Polizei ging in aufgelösten Schrvarm-, vi» v~~—— linien und mit gefälltem Bajonett stießen hcuic nacht eine Gruppe des republikani- aegcn die Menge vor und zerstreute sie. Gegen Ischen Schutzbundes und eine^Abteilung “ Heim wehr zusammen. Auf beiden Seiten gab es mehrere Leichtverletzte. Bier, sozialdemokratische Arbeiter wurden verhaftet. In Korneuburg bei Wien kam es gestern abends unweit des Bahnhofes zu einem scharfen Zusammenstoß zwischen drei gegnerischen Gruppen, nämlich Sozialdemokraten, Heimwehren und Nationalsozialisten. Dabei wurden eine Person, nnd zwar der Arbeiter Franz Huba- Lek schwer und fünf weiter« leicht verletzt. Die herbeienende Gendarmerie stellte die Ruhe wieder her. Zwei Grenzwachleut« begaben sich sofort zu dem Gasthause, um den Landsknechten die Waffen ahnnehmen. Di« SA-Leut« leisteten aber der Aufforderung nicht Folge, umringten vielmehr die Gr*nz»vachleut«, die in ihrer Bedrängnis von den Waste« keinen Gebrauch machen konnten, und unter dem Kommando „Hände hoch" derartig verprügelt wurden, daß einer der Beamten dienstunfähig wurde und sich in häusliche Pflege begeben mußte. Dann nahmen die Helden Reißaus. Di« später hinzugekommen« Gendarmerie konnte nur die Namen der Verbrecher seststel- len; sie heißen: Lohse, Neubert, Langer »nd Bruckner. Heute ist i« Stolzenhain und Böhm.- Wiesenthal ei« großes Gendarmerieanfgebot eingetrosten. „Verschwender“ Or. Czech. Die Schuldigen kreischen: „Haltet den Dieb!** Dem äußeren Anscheine nach trennen deutsch- und tschechischbürgerliche Parteien tiefe Gegensätze. In einem Punkte zeigt.sich aber eine wunderbare Uebcreinstiminung zwischen diesen scheinbaren Antipoden. Ist es etwa die Ueberzcugung, daß in dieser Zeit der furchtbaren Wirtschaftskrise den vielen oft im hiin- melfchreiendsten Elend dahinvcgetierenden Opfern dieses Zustandes nach allen zu Gebote stehenden Kräften geholfen werden muß, um sie vor der Verzweiflung zu schützen? Ist es der Gedanke, der sie eint; daß es einfachste Menschenpflicht bleiben muß, den Vielen, die unfreiwillig ihre Hände feiern lassen miissen und vergeblich an die geschlossenen Tove der Fabriken pochen, sowie ihren Frauen und Kindern die an Unterernährung dahinsiecheu, insolange als ihnen die Gesellschaft das Recht auf Arbeit schuldig bleibt, wenigstens das nackt- Leben zu ermöglichen? Wer so naiv von den bürgerlichen Parteien denken wollte, der kennt das heutige Bürgertum, dessen politische.Vertretuirg diese Parteien bilden, wahrhaftig schlecht. Daß die Staatskassen.. zur_ Sanierung verschiedener durch ihr« Lnderwirlschaft bankerott gewordenen Banken herhalten, daß Staätsgelder dazu verwendet werden,, um gewisse'„notleidende" Schichten des Besitzbürgertums zu uMerstützen und daß. aus Staatsmitteln gespeiste Fonds der Kanal sind, durch den in mißbräuchlicher nnd protektionistischer Weise Gelder in die Taschen mancher Gruppen der besitzenden Stände fließen, das halten sie für eine Selbstverständlichkeit. Nun hat die erschreckend gesteigerte Arbeitslosigkeit es einmal auch notwendig gemacht,— schon deshalb, wie jeder halbwegs Einsichtsvolle zugeben müßte, um die Ruhe im Lande zu bewähren—■ den Erwerbslosen staatliche Hilfsleistung zu gewähren. Doch da schreien sic alle, denen der Staat die melkende Kuh ist, wütend auf. Und alle, welcher nationalen Eon len r sie auch sein mögen, begegnen sich in einer geineinsamen Auffassung, die man schon eine Einheitsfront nennen könnte, in der Auffassung, welcher der verflossene deutsche Kanzler v. Papen in dein. berüchtich gewordenen Worte Ausdruck gegeben hat: der Staat ist keine Wohlfahrtsanstalt! Wenigstens nick'« für die Armen. Und so prasselt denn aus den unter den verschiedenen nationalen Fahnen einhcrmar- schierendcn Lagern des Bürgertums fest einiger Zeit wieder ein wahres Trommelfeuer gegen den Minister für soziale Fürsorge, Dr. Czech nieder,»veil er sich in seinem Amte von inenschlichcn Ertoägungcn leiten läßt und nicht don der aller Humanität baren Geistesrichtung der bürgerlichen Parteien, die bei der Rücksichtnahine auf die hinter Dnen stehenden Schichten ungemein weitherzig sein können, den bedauernswerte»: Arbeitslosen dagegen nicht das geringste soziale Verständnis ent- qegenbringen. Wie könnte es sonst sein, daß der deutschnatiönale Abgeordnete K a i b l in der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses mit einem so ausgesuchten Unverständnis für »nenschliches Elend von den Arbeitslosen sprach, daß einem jeden, der noch nicht völlig verroht ist, die Schamröte darüber ins- Gesicht steigen muß, wem» sich dieser Herr als Repräsentant des deutschen nationalen Geistes ausgibt. Ihm zufolge ergeht es den Arbeitslosen bei den„vielen Arien von Unterstützungen"— der Mann hat eine geradezu orientalische Phantasie— so wohl, daß sie nichts höheres kennen, als ihr ganzes Leben arbeitslos zu bleiben. Wie könnte es auch sein, daß aus dein andere»' nationalen Lager ähnliche Töne zu hören siu^ die man allerdings dadurch zu dämpfen such' haß man vorgibt, nur gegen„nrißbräuchlichs" Verwendung von Staatsgeldern und ihre„kon- Seit« 2 Sonntag, 19. März 1989 Nr. 87 Der wichtigst« Gegenstand der Verhandlung«» zwischen Regierung und Zentrum wird demnach das von der Regierung gewünscht, Ermächtigungsgesetz sei«, lieber Annahme oder Ablehnung dieses Gesetze« konnte inan sich natürlich bisher in Zentrumskreisen noch nicht schlüssig werden, da man beit Umfang der beabsichtigten Ermächtigung für die Reichsregierung noch nicht kennt. Di« Zen- rrumssvoktion deö Reichstages tritt am Montag nachmittags zusammen. Es gibt Verschwender der Staatsmittel und e« soll anch die Richtung gewiesen lixr» den, in der sie zu suchen sind! wird. Di« Wahlen werden in einem spätere»!"Zeitpunkt erfolgen. Gleichzeitig wird auch angeordnet, daß die GemeinderatSivahlen verschoben werden. Dies« Verschiebung der Wahlen wird amtlich damit begründet, daß die Waglausschreibung für den Landtag wegen Formfehler anfechtbar tvar. Innsbruck, 18. Mär,. sTsch. P.-B.) Der Landeslritee des rrpudtikanischen Schutzbundes in Tirol, der Lehrer Gustav K« p r i a n, ist unter dem Verdachte des Hochverrates und der Vorbereitung des Widerstandes gegen die Staatsgewalt verhaftet worden. Zentrum verhandelt mit Hitler. Wird das Zentrum für das Ermächtigungsgesetz stimmen? brotlose" Verausgabung Stellung zu nehmen. I davor hüten sich die Schreier und sabotieren Der parlamentarische Führer der tschechischen, aller, was wirklich und wahrhaft zu einer Nationaldewokrairn^ Dr. Hobaö, hat jüngst Entlastung der Staatskassa führen könnte, in einem Blatte, das sich hohnvoll„MontagS- s blatt nationaler Interessen" nennt— was auf die Auffassung des Begriffes„na tionale Interessen" schließen läßi— geradezu von einer„Verschwendungspolitik Dr. Czechs" gesprochen, die eingestellt werden müsse und er nennt offenbar„Berschwen dungspolitik", daß durch das Ansteigen der Arbeitslosigkeit ein« dementsprechende Steige rung der Inanspruchnahme der Staatsmittel erforderlich ist. Und so geht«a in lieblicher Abwechslung fort. Die tschechischen Bürgerblätter, voran die der tschechischen Koalitionsparteien, überbieten sich fast täglich in Beschuldigungen wie„Aus plünderung der Swatskassa" durch die Ar beitslosenfürsorge, behaupten dreist, es werde eine'„künstlich« Erzeugung von Arbeitslosen" betrieben und«S sei der„Mangel an Kon trolle der Staatsgelder" nicht länger mehr zu ertragen. Bei diesem anmutigen Spiel, hinter dem sich wohl auch politische Gründe verber gen, aus dem aber vor allem unverkennbar der Haß gegen die Arbeitslosen spricht, di« so vermessen sind, nicht lieber glatt vor Hunger zu sterben, als di« Hilf« des Staates in An spruch zu nehmen, wird der tschechischbürgerlichen Press« von den deutschbürgerlichen Preßerzeugnissen in der bereitwilligsten Weise sekundiert. Was mit diesem mißtönigen und nur seine Urheber charakterisierenden Geschrei in Vergessenheit zu bringen versucht wird, da- soll noch ausgiebig beleuchtet werden. Wir haben nicht di« Absicht, diesem schandbaren Treiben der kapitalistischen Klopffechter,— deren Hin termänner eigentlich dankbar sein müßten für di« übermenschliche Ausdauer und Geduld, mit der di« Krisenopfer ihr ungeheuerliches Elend ertragen— schweigend zuzusehen. Ein Trei ben, das darauf abzielt, in einer Zeit, da di« Masten der Erwerbslosen durch Not und Hunger bereits aufs äußerste zerntürbt sind, ihre mehr als dürftige Lebenslage durch eine Verschlechterung der Arbeitslosenfürsorge noch mehr herabzudrücken. Di« wahren Motive des gegen den„Verschwender Dr. Czech" gerich teten heuchlerischen Entrüstung-sturvi«- wer den noch aufyed«ckt werden. Hier nur soviel: Di« tschechisch- und deutschbürgerlichen Pharisäer, die sich da in ss rührender Uebereinsnnpnurng zusammen- gefunden haben, um gegm di« Arbeitslosen Sturm zu laufen, hatten eS in der Hand, eine Entlastung der Staatsfinanzen herbeizu führen, wenn sie jenen Weg zu gehen bereit wären, den nicht nur einmal, sondern wieder holt und unentwegt niemand anderer als d a S Fürsorgeministerium selber gewie sen hat. Den Weg der großzügigen Arbeitsbeschaffung, der SO-Stun- d e n w o ch e und der Regel ungdeS Ar- beitSmarkteS. Schließlich den Weg der Heranziehung der Unternehmer zur DeitragSleistungfür die Ar- beitslosenfürsorge, wie er in allen ander«« Ländern längst schon beschritten wor den ist. Tas Uebel an der Wurzel zu fassen, . Berlin, 18. Marz. Wie dar VDZ-Büra aus parlamentarische« Kreisen erfahrt, ist sirr Montag «ine Besprechung Adolf Hitlers mu den Füh- rern der R«ichStagsfrattlonen des Zentrums und der Bah rischen Volkspartei in Aussicht aenommen. Eine offiziell« Einladung zu dieser Zusammenkunft ist allerdings noch nicht ergangen Der Reichskanzler dürft« die Absicht Haven, dr.» Zentrum darüber zu informieren, wie sich di« Regierung den Verlaus der Reichstags- sitzungen d«nkt und welche Gegenständ« sie beraten und erledigt zu sehen wünscht. Oo auch noch andere politisch« Fragen zur Erörterung komincn, steht noch nicht fest. Tiroler Wahlen verschoben Aufstellung von Ordnerschaften verboten. Der Landesleiter des Schutzbundes verhaftet. Innsbruck, 18. Mär;.(Tsch. P.-B.) Di« Lau« desregierung erklärt, daß di« Aufstellung von Ordnerschaften an Stelle des aufgelösten repu blikanischen Schutzbundes unzulästig sei und ver hindert lverdc. Ehemalige Schutzbündler, die noch Uniform trugen, wurden Astern von der Polizei verhafet und mit Geldstrafen belegt., . Innsbruck, 18. März.(Tsch. P.-B.) Anfangs April hätten die Neuwahlen in den Tiroler Landtag und gleichzeitig auch Gemeindewahlen in Innsbruck stattfinden sollen. Ein« amtliche Mit- teilung der Landesregierung besagt NuN, daß di« WahIauSschveibung sirr den Landtag widerruft« I die SA-Banditen die Schlüssel verlangten, wurde Isofort mit einem Gummiknüppel zweimal ins Gesicht geschlagen, so daß, die Splitter seiner I Brille tief in sein Gesicht eindraugen. Hierauf wurden alle Bücher aus der Expedition zusammen mit den Büchern aus der Volksbuchhandlung auf die Straße geschleppt und unter dem Gejohle der.Menge verbrannt. Där Gesamtschaden betrügt nicht, wie wir in der ersten Meldung angaben, 820.000, sondern 650.000 K. Auch die im Volkshaus Vorgefundenen Bücher und Akten wurden verbrannt. An dem Eingang wurde die Aufschrift „S A- H a u S" angebracht. In den Fremdenzimmern wurde alles demoliert. Nachher n>up den d t« Gebäude zur Besichtigung f l«i g e g e h e n. Tie Besucher erhielten die Erlaubnis, sich„Andenken" mitzunehmen. Tas ist in ausgiebigstem Maße geschehen.— Auch das ruhiger denkende Bürgertum ist über den Vandalismus der SA-Horden auf das tieffte empört. Wer nicht üaKenKreozler ist, wird«ntlassen. Weimar, 17. März.(Eigenbericht.) Bei den Wafftnfabriken in Suhl(Thüringen) sind alle Arbeiter und Angestellten, soweit sie die Mitgliedschaft bei der Hitlerpartei nicht nachweisen konnten, fristlos«ntlassen worden. An ihrer Stelle wurde die rund doppelte Zahl von Haken- kreuzlern eingestellt. Der gesamte Betrieb wurde zu einem Unternehmen des sogenannten„Frei- willigen Arbeitsdienstes" erklärt.— In den Wafftnfabriken, die ständig durch starke Polizei- abteilüngen gesichert sind und deren Betreten strengstens kontrolliert wird, wird seit Anfang dieser Woche ununterbrochen Tag und Nacht gearbeitet. Nanonaisoziniistisdics Treiben im Saaraebtei. Pari-, 18. März.(Tsch. P.-B.)„Mattu" berichtet, daß eine bewaffnete Gruppe von Hitler- leuten gestern trotz des ausdrücklichen Verbotes der Regierungskommission im Saargebiet und trotz der Bestimmungen des Friedensvertrages i« der Stadt Saarlouis auf verschiedenen Gebäuden schwarz-weiß-rote Fahnen aufgezogen hat. Luther Botschafter? Washington, 18. März. Wie hier verlautet, ist das Agrement zu der Ernennung des bisherigen Reichsbankpräsidenten Dr. Luther zum deutschen Botschafter von der amerikanisch«« Regierung erteilt worden. Inflation in Deutschland} Schacht plant die Herausgabe von zwei Milliarden neuer Zahlungsmittel. Bulin, 17. März.(Eiarnbiricht.) Der Reichsbankpräsident Dr. Schacht Plaut di« sofortig« Herausgabe von zwei Milliarden Reichsmark neuer Zahlungsmittel, ferner— für den inländischen Zahlungsbedarf— die Verdoppelung des bisherig«« Bestände« an Sildergeld. So beginnt di« Inflation! Berlin, 18. März. Reichsbankpräsident Dok tor Schacht hielt heute abends im Rundfunk eine Ansprache, in der er erklärt«: Es ist nicht möglich, eine Notenbank zu lei te«, ohne nrtt den politisch«« Grund sätzen der Regierung in Einklang zu sein. Die Ausgaben einer nationalen Notenbankvolitik er geben sich von selbst. Wir werden jeden mög lichen Weg beschreiten mästen, um die Reichs bank wftder mit Gold und Devise«.anzu reichern. So lange dft internationale Welt fort fährt, sich unseren Waren zu versperren, werden wir eine starke eigene Initiative für die Erreichung dieses Zieles nicht entbehren können. Dabei darf das Ausland versichert sei«, daß wir unsere kommerziellen Schuldverpflich tungen m voll«« Umfange anerkenne«. Di« künftig« Währungspolitik wird ihrer Aus- gab«, di« Wertbeständigkeit der Mark zu er halte«, unverändert treu bleiben. Aber sie wird mit größtem Nachdruck darauf auS- gchen, diese Wertbeständigkeit wieder organisch in einer kraftvollen Wirtschaft zu verankern. naKctiKreuzlerlscher. Wahlschwindel. Berlin, 17. März.(Eigenbericht.) Daß bei den Wahlen in Preußen am 18. März in ein gen Wahlbezirken eine Beteiligung von über 100 Prozent zugunsten der Hitler^rtri erzielt wurde, obwohl 100 Wähler bestenfalls 100 Stimmen abgeben können, ist bekannt. Nunmehr ist seitens gewisser politischer Kreise eine, planmäßige Ueberprüfung der Wahl emgeleitet worden, nach dem an verschiedenen Stellen ungültig gemacht« Stimmzettel aufgefunden worden sind. Hierbei ergab sich schon jetzt, daß in vielen Fällen kom munistische Stimmzettel dadurch entwertet wür den sind, daß nachträglich diese Stimmzettel an einer zweiten Stelle angekreuzt wurden; es ergab sich ftrtter in einem Fall, in welcheni die Kontrolle bereits durchgeführt werden konnte, daß, trotz dem Terror nach der Wahl und trotz der mit einem Bekenntnis zur kommunistischen Partei vrrbundenen größten persönlichen Gefahren,«in« erheblich höhere Anzahl von Wählern angeben, sich für die Kommunisten entschieden zu haben, als bei den„amtlichen" Resultaten verzeichnet wurde. Den plumpsten Dahlsckwin- del aller Zeiten hat Herr Hitler auf dem Gewissen; angefangen mit dem Reichstagsbrand der Goering und Goebbels bis zur Vernichtung gegnerischer Stimmzettel und bis zum Hineinmogeln nationalsozialistischer Stimmzettel? Me Hunnen im Dresdener Volkshans. Zu dem Ueberftll aus daß Dresdener Volkshaus und auf die Volkszeitung werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Die Besetzung'der Häuser erfolgte nach vorhergehender Warnung des Personals durch die Polrzei. Das Personal konnte sich in Sicherheit bringen. Der Torwart der Druckerei, von dem s KARI NtsMruek reibotM. UND DAS 20. JAHRHUNDERT Roman von Rudolf Brunngraber Copyrigth by Sod et Ata* Verlag, Frankfurt am Milli WM Er war nicht ängstlich vor den Dingen wie das-kleine Weib, sondern er hatte sein Behagen an ihnen, wie er an allem fein Behagen hatte, weil er auch im übrigen ein Kind war. Ein Kind mit starken, schwarzen Brauen und einem blonden Bart. Mit schön«« Zähnen, mit einem verfetteten Alkoholikerherzen und 96 Kilogramm Körpergewicht. Fromm, jähzornig und gütig, eitel, freigebig, voll Phantasie und HumorKund haltlos. Gleich elementar in der Leidenschaft. in d«r Unterordnung und in der Kindlichkeit, und beneidenswert verschon, von sich selber. Dieser Mann gewann nie Distanz zu sich oder zur Welt, denn er war von allem gleich stark besessen. Er war ebenso erfüllt von den Schwüren, mit denen er sich an jedem Dienstag vom Trinken lossagt«, wie von der Unbekümmertheis mit der er sie am Mittwoch wieder brach. DoW kleine Weib liebte er über all« Matzen, allein er hätte sie erschlagen können, wenn sie sich, statt vernünftig an der Beschaffung der fehlenden Summen mitzuwirken, in Tränen ergoß und lange Standroden hielt. Nachher weinte Joies Lakner jedoch vor Reue, wie er auch, auf dem pendelnden Wagen und wahrend des Markierens der Fahrscheine, mit redlicher Inbrunst zur Mutter Gottes beten könnt«. Mit der gleichen Innigkeit atmete er zwischen den Begriffen Gott, Kai'e» Fortschritt und Ordnung und zu seinen groß»'« Augenblicken gehört« es, wenn er beispftlswe?'« bei einem Leichenbegängnis in daß Spalier ein- gereiht wurde, das n«b«n t«m Sarg mit umflar- ten Fackeln einhcrging. Er trug auch das Richt- abzeichen, das er sich bei der Artilleri« erworben hatte, auf der Schaffneruniform Wetter. Er Putzt« «8 täglich so lang«, bis es Wie ein« Keine Sonne gleißte. Dieses bescheidene Chargenemblem war wie eine symbolische Sonne im Leben Jofts. Lak- ners, denn sein Leben verlief trotz gewisttr Schwierigkeiten allerwege als Idyll. Im Augenblick war Jofts Lakner bettlägerig da er einen Unfall gehabt hatte. Er war mit'einem schweren Körper, als er von einer Weichenstell« dem Wagen nachgelauftn war, rücklings vom Trittbrett gefallen. Das hatte ihm irgendeine Verstauchung int Kreuz verursacht und«inen ichönen Urlaub geschenkt. Er lehnte also in den hohen Kisten, neben sich ein Krügel Bier und den Aschenbecher, und las di« Märchen der Brüder Grimm wieder, dft Karl, der schon über Robin» ion Crusoe, Onkel Toms Hütte und den Lederstrumpf hinaus war, hinter sich gelegt hatte. 1902—1907 Das Unentrinnbare auf dem Marsch. Der neunjährige Karl führte nun ganz sein eigenes Leben. Er hatte cherausgefunoen, daß weder der Vater noch dft Mutter multiplizieren konnte; das war wie ein« Bestätigung gewesen, daß er auf eigenen Beinen in die Welt vorstoßen mußte. Er lebte nun, so weit er nicht frisch und entschlossen auf der Schulbank saß, ganz auf der Gast«. Hier hatten sie, mit einem ausgestopften Strumpf als Utensil,«inen Fußballklub gegründet, der den aktuellen Namen Transvaal fuhrt«. Des ferneren wurde mit den heimischen Milchkannen»ach dem Wftner-Neustädter Kanal aufgebrochen wo man fingerkftine Lauben und Karauschen fing. Di« wurden daheim mit Am«iftnei«rn, die Re nicht fragen,,(jefätteit und stoben den ganzen Tag in den Gurkenaläsern auf und nieder. Da waren die Schmettersingssamm- lungen anregender. Auch Karl hatte em« Hutschachtel mit doppeltem Boden, in der auf Nadeln mit farbigen Glasknöpfen di« Nachtpfauenaugen und Admirale staken. Sein Leidweftn dabei war bloß, daß er es nft zu einem nnlädftrten Totem kopfschwarmer, dem König aller Schmetterlinge, bracht«. Dafür hatte Karl dft schönst« Markensammlung, weil er die Namen der Länder in einer«ich überwucherten, ornamental«« Schrift hmeinmalte. Welch« Schauer, ein« Mr kämpft für euch selbst. Die sozialistische Arbeiterjugend ruft euch! Tretet ein rn ihre Reihen! Nieder mit dem Faschismus! Es lebe die Freiheit I Es lebe der internationale Sozialismus! Der Verbandsvorstand des Soziaiistisdi n iugendverbendes. Wie dieDrannen Bonzen lebenl Tag für Tag schreiben die Blatter der Ha- ' kenkreuzler, schreien es die Feinde der Arbeiter- 1 klasse in die deutschen Sender, daß die„roten Bonzen" Millionen von Staats- und Arbeitergeldern in ihren Taschen verschwinden ließen, um ein üppiges Leben führen zu können. Wie niederträchtig alle diese Berlcum-unacn sind, wird gegenwärtig durch die deutschen Flüchtlinge, die sich aus dem Kreise der von den Nazis so verlästerten„Bonzen" rekrutieren, selbst bewiesen, denn meist sind sie ohne Geld und leben von einem Tag auf de« andern, in der Hauptsache aber von Unterstützungen. Hätten sie wirklich, so wie es die Presse der Hakenkreuzmörder darzustellen versucht, 14 Jahre lange nichts gemocht, als sich die Taschen mit Geld vollgestopft, es müßte ihnen jetzt wahrhaftig ein wenig besser gehn. Aber wir können den Reim, der da ununterbrochen deklamiert wird schon sehr lange, wir verstehen auch den Sinn sehr gut. Er soll di« Masse auf den Dieb lenken, der gar nicht existiert, diewcll die andern stehlen, sich bereichern und ein Prasserdasein fuhren. Ist es nicht geradezu absurd, daß die Nationalsozialisten den Arbeiterführern Luxus und Verschwendung vorwerfen, obzwar sich die ganze Führerschaft der Nazis aus Menschen zusammensetzt, die noch nie das Brot der Arbeit gegessen, sondern immer nur in wahnsinnigem Luxus geschwelgt haben, die auch heut« ein Leben führen, das mit ihrem hysterischen Geschrei über das„Bonzentum der Roten" in krassestem Widerspruch steht! Es ist noch in frischer Erinnerung, was Hitler an jedem Tag, den er in Berlin verbrachte, dem Hotel Kaiserhof bezahlte. Mehr als eine Arbeiterfamilie in Monaten zum Leben braucht! Man weiß auch wieviel die Nazigeneräle, wie die Litzmann und Epp, an Gehältern und Pensionen beziehen. Lesen wir doch wie die Fran des größten Schreiers der Nationalsozialisten in Deutschland, Goebbels, noch bevor er Minifkr wurde, gelebt hat. Bei einem Prozeß, der in der letzten Zeit vor dem Berliner Arbeitsgericht zwischen einer Villenbesitzerin und deren Hausmeister durchgeführt wurde, legte dieser zmn Beweis dafür, daß die Billa, die sich in Caputh befindet, über die Sommermonate gut vermietet gewesen sei, einen Belag vor, nach welchem Frau Goebbels an Miet« für eine Somm«rwoh- nung in jener Billa 1100 Mark bezahlt hat. Das heißt asso, daß Goebbels seine Frau drei Monate auf das Land schickt und für Miete allein pro Monat 3000 Kronen bezahlt! Was must nun dieser Mann für ein Einkommen haben, wenn er seiner Frau ein solches Leben bereiten kann! Denn wer monatlich für Miete 3000 Kronen ausgibt, braucht für Dienerschaft,, und-Haushalt,/ für Kleider und Vergnügen zweifellos eine noch weit höhere Summe. Frau Goebbels wird also im Monat nicht viel unter zehntausend Kronen für sich verbraucht haben und der Herr Goebbels in Berlin wird inzwischen auch nicht im Rinnsal geschlafen und von Kartoffeln gelebt haben. Davon aber reden sie nicht! Die andern sind die Verschwender, die Diebe am Volksgut, die Prasser und Schlemmer, sie lassen sie deshalb auch gar nicht zu Worte kommen und brüllen weiter in die deutschen Sender:„wir räumen den Schutt der roten Judenrepublck weg und bauen das neue Reich aus!" Und während sie noch schreien, bereiten ihre Lakeien die Tafeln vor, bei denen sich die braunen Bonzen, die Hocharistokratie und die Schwerindustrie über die Niederlage der Arbeiter, die Ermordung ihrer Führer und die Dummheit ihrer Helfer aus den Reihen des Proletariats erfreuen und neuen Mut für' neu« Schandtaten holen. Freitag, den 17. März, fand im Arbeiterheim in Altstadt bei Tetsch«««ine von der sozialdemokratischen Partei einberufene Wählerver- sammlung statt, die außerordentlich gut besucht war und in der Genoffin Abg. K i r p a l und Genosse K r e j e i neben einem Gemeindevertreter über die Bedeutung der Gemeindewahlen sprachen. Zu gleicher Zeit wurde di« Wählerversammlung der Nationalsozialisten abgehalteu, die jedoch weniger einen Aufmarsch der Wähler, als der Sturm-Abteilungen der Nationalsozialisten des nordböhmischen Gebietes darstellte. In einzelnen Kolonnen marschierten die uniformierten, zum Teilt auch mit Feldzelten versehen«« SA auf und richteten sich, kaum in ihrem Versammlungslokal angekommen, nicht vielleicht aus dir geistig«, wohl aber auf Auseinandersetzung mit Hilfe der Gewalt ein. Nicht nur im Versammlungslokal, sonder» auch aus der Straße, postierten die Braunhemden Leute, die mit Gummiknütteln und mit andern Waffe« versehen waren. Als bei Schluß der sozialdemokratischen Versammlung einig« der Teilnehmer di« Straße entlang gingen, wurden sie von den aus der Straße stanonierten Hakenkreuzbanditen angefallen und ohne daß sie auch nur«in Wort redeten, begannen di« Nazis mit Zaunlatten, Gummiknütteln «nd Eisenstäben aus di« Arbeiter loszuschlagen. Unsere Leute setzten sich zur Wehr, doch wurden drei von ihnen nicht unerheblich verletzt. Ein alter ruhiger Genoss« erhielt einen Messerstich in den Arm und bedeutende Verletzungen im Gesicht. Ein Pfarrer wird abgcsefzt Weitere Entlassungen von Beamten. Berlin, 18. März. Tie Reichsrundfunkgesellschaft teilt mit: Der bisherige Intendant des De u t sch l a n d se n d c r s, Pros. Ts. S ch u b o tz, ist aus seinen Wunsch bis aus weiteres beurlaubt worden. Mit der vorläufigen Leitung des Deutschlandsenders ist Goetz Otto Stofsregcn, dem zur besonderen Verwendung Eugen Adamowfki zugeteilt worden ist, beauftragt worden. Wie das Conti-Büro meldet, stehen bei einer Reihe von Gesellschaften, die dem Reich gehören oder auf die das Reich einen maßgebenden Einfluß ausübt, Personalveränderungen an leitender Stelle bevor. Dr. Kurt Stapelfeldt, der Direktor der Norddeutschen Rundsunkgcsell- s ch a s t in Hamburg hat die Rcichsrundsunk- gesellschast heute gebeten, ihn bis aus weiteres zu beurlauben. Der Bitt« ist entsprochen worden. Die braunschweigische Kirchenrrgirrung hat den Pfarrer Kek in Herrhausen bei Seesen in den Ruhestand versetzt. Rach Zeitungsberichten hat Pfarrer Kek am Sonntag in der Kirche bei der Predigt in einer Weise gegen die Reichsregiernng Stellung genommen, daß viele Kirchenbesucher darüber ungehalten waren. Pfarrer Kek war nach diesen Borkomnmiffen in Schutzhaft genommen worden. Es wurde verdaten: In einer Kabinettssitzung stimmte die thüringisch« Regierung einer im Regierungsblatt zu veröffentlichenden. allgemeinen Verfügung betreffend das Verbot der Zugehörigkeit von Beamten und Angestellten zur sozialdemokratischen Partei und ihren Hilfs- und Nebenorganisationen zu. Die im Lande Lippe bestehenden Organisationen des Reichsbanners Schwarz- rot-gold und der Eisernen Front sowie ihre Nebenorganisationen sind durch Verordnung der Landesregierung aufgelöst Worden. Das Tragen von Abzeichen jeder Art, welche die Zugehörigkeit zum Reichsbanner oder der Eisernen Front kennzeichnen und das Zeigen von Fahnen mit dem Abzeichen der Eisernen Front in der Ocfftntlichkeit ist verboten. Die Polizei'unternahm in Karlsruhe zwei größer« Aktionen gegen Mitglieder der KPD. und der SPD. Auf Grund der Freiburger Vorkommnisse wurden dann durch di« Fahndungspolizei die in Karlsruhe wohnhafte« SPD-Landtagsabgeordnete« in Haft genommen. I« Karlsruhe befinden sich etwa 100 Personen, Funktionäre der KPD nnd SPD in Schutzhast.,...--» Die Absperrung der Luft. Am Tage der Reichstagseröffnung darf in Berlin nicht geflogen werden. Berlin, 18. März.(Tsch. P.-B.) Der Reichskommissär für die Lüfte hat auf Grund der Verordnung über den Luftverkehr für den Tag der Eröffnung des Reichstages, 21. März, die Stadtgebiete von Berlin und Potsdam als Lustsperr- gcbiete erklärt, um Störungen jedweder Art bei der Feier zu vermeiden. Das Ueberfliegen der genannten Gebiete mit Luftfahrzeugen ist daher verboten. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß die Durchführung des Ueberflugverbotes mit allen Mitteln erforderlichenfalls mit Waffengewalt sichergestcllt werden wird. Für die Flugzeuge des Planmäßigen Luftverkehrs wird eine Einflugzone zum Flughafen Tempelhof offengehalten. Ein anderer wurde mit einem Schlaginstrument über di« obere Gefichtshälste geschlagen und blieb bewußtlos am Platze liegen. Er wurde von den rasch herbeigerufenen Genossen in Sicherheit gebracht«nd Verbünden. Ein dritter Genosse wurde am Kopf, jedenfalls durch einen schwere« Hieb mit einer Zaunlatte, schwer verletzt. Daraufhin versuchten Hakenkreuzler, die nunmehr Blut gerochen hatten, gegen das Arbeiterheim vorzudringen, unterließen jedoch den geplanten Angriff, als sie feststellt«», daß sich vor dem Arbeiterheim gegen hundert entschlossener Arbeiter versammelt hatten, di« bereit waren, die Banditen«nffpre- chend zu empfangen. Gegen 12 Uhr nachts traf Gendarmerie aus Tetfchen ein, die dafür sorgte, daß vor allem die Frauen, die an der sozialdemokratischen Versammlung teilgenommen hatten, ungehindert den Heimweg antreten konnten. Die SA zog nach Beendigung ihrer Ueber- sälle in Trupps wieder ab, zum Teil lagerten sie sich im Orte«in. Die Erregung ist infolge dieser Vorfälle in der Arbeiterschaft ungeheuer geworden und wenn dieser Hakenkreuzwahnsinn nicht bald ein Ende findet, wen» di« Burschen weiter Leben«nd Gesundheit unserer Arbeiter bedrohen sollten, ohne daß ihnen das Handwerk durch die zuständigen Stellen endgültig gelegt wird, nun dann wird sich die Arbeiterschaft in den Verteidigungszustand begeben, der ihr die Gewähr gibt, daß di« Gewalt des Fascismus an der tschechoslowakisch«« Grenze ein End« findet. Zwei deutsdinutionale Versammlungen. Die deutschnationale Partei hatte füt’fjfcb tag Abend öffentliche Wählerversammlungen in Drahowitz und Neudek einberufen. In der ersten Versammlung war Abgeordneter Dr. Kaibl angekündigt, derselbe, der tags vorher im Parlament die Arbeitslosen in der unerhörtesten Weise beschimpft hat. Die Arbeitslosen waren in Massen zu dieser Versammlung gekommen und der Abgeordnete Kaibl, der sich erst bequemt hatte, zu reden, als ihm persönliche Sicherheit garantiert wurde, hatte nicht den Mut, für seine Prager Rede einzu- st e h e n. Das Ableugnen bekam ihm aber sehr schlecht. Ein Proteststurm nach dem andern durchbrauste den Saal, in dem die Deutschnationalen nur eine verschwindende Minderheit bildeten. Als dann Kaibl über die nationale Revolution in Deutschland sprechen mußte, wobei er die Greueltaten beschönigte, bemächtigte sich der Versammelten eine derartige Verbitterung, daß Kaibl gezwungen wurde, abzutreten. Die Arbeiter stimmtet! das Lied der Arbeit an und unter brausenden Freiheitsrusen leerte sich der Saal. In Neudek sprach dann der deutschnationale Abgeordnete H a s s o l d vor einem überwie- gend aus Arbeitern bestehendem Auditorium. Nach ihm sprach der Sozialdemokrat Hopp und der Kommunist F c n k, worauf zwei Resolutionen cingebracht wurden, irt der einen heißt eS, daß die reichsdeutschen Arbeiter der aktiven Solidarität der sudetendeutschen Arbeiterklasse versichert werden. Die Resolution konnte zwar nicht mehr zur Abstimmung gebracht werden, weil die Versammlung aufgelöst wurde, aber der spontane Beifall, der der Verlesung gezollt wurde, zeigt, daß die Versammelten mit deren Inhalt einverstanden waren. Zu gleicher Zeit tagte in Falkenau eine von mehr als 1500 Menschen besuchte Versammlung, in der die Abgeordneten de Witte und Katz zur Situation in Deutschland Stellung nahmen. Tie Versammlung war von prächtigem Geiste getragen. Der gesperrte Zahlungs verkehr mit Deutschland. Prag, 18. März.(Tsch. P.-B.) Zu den Nachrichten des Wolss-Büros, daß die Maßnahmen der Tschechoslowakischen Nationalbank betreffend die Einführung von Sammelkonten für Zahlungen nach Deutschland ohne vorherige Fühlungnahme mit der deutschen Regierung erfolgt seien, wird von amtlichen Stellen mitgcteilt, daß früher noch, ehe es zu den angeführten Maßnahmen kam, sowohl die Rationalbank als auch die tschechoslowakische Regierung cinigemale der deutschen Regierung, reip. der Reichsbank die Dringlichkeit eines schnellen-Handelns uabelegte ivobei auf die Möglichkeit der vorbereiteten Maßnahme aufmerksam gemacht wurde. Tics geschah auch neuerdings im Laufe des Monates Feber. Novellierung des Penfionsgesetzes. Die beinr AllgAtzmep.^euiunMnUtut für di« Novcllisierung der Penstonsversicherultg errichtete M i n kst e r i a l k o m m i f f i o n hielt Samstag eine Sitzung ab, wobei dem Gesetzentwurf über den Uebertritt von Versicherten zugestimmt wurde, welcher Gesetzentwurf gegenüber dem heutigen Stan^tz der Ausfolguna von Ueber- weisungsbeträgen eine bedeutende Verbesserung der Ansprüche der Vers scherte n, bedeutet und auch administrative Erleichterungen schafft. Zugleich wurden auch einig« Bestimmungen des geltenden Pensionsgesetzes durchgenommen, die gleichzeitig mft dem Gesetzentwurf über die Ueberttitte der Versicherten novelliert iverden sollen. In allen diesen Fragen wurde ein vollkommenes Einvernehmen zwischen den Mitgliedern der Kommission erzielt, insbesondere was die Wahrung der Ansprüche der Per- sicherung betrifft. Gegenstand-er Beratungen der nächsten für die ersten April tage cinberusenen Sitzung wird die Einführung der sogenannten Sozialreirten bei ErrcichttNg des 60. Lebensjahres des Versicherten unter der Voraussetzung weiter andauernder Arbeitslosigkeit sein. Tas gesamte Elaborat der Kommission wird im Laufe des April der Regierung übergeben tver-en. Deutsche Pädagoge« für die Dörersche Reform. Der Ausschuß des Vereines deutscher pädagogischer Fachmänner in der Schulverwaltung der 6. S. R., faßte in seiner, am 13. März 1933 in Prag abgehaltencn Sitzung, in-er auch über di« Schulvcrtvaltungsreformpläne-cs Schulministers Dr. Dörer beraten wurde, folgend« einstimmige Entschließung: „Ter Verein deutscher pädagogischer Fachmänner in der Schulverwaltung der C. S. R. dankt dem Herrn Minister für Schulwesen und Bolkskultur für die Schaffung und Vorlage eines dem Geiste unserer Zeil entsprechenden Gesetzentwurfes über die Regelung der«Verwaltung des Schulwesens im Hinblick« auf seine große Bedeutung für Staat und Volk. Ter Verein begrüßt insbesondere jene Bestimmungen-cs Entwurfes, die die Errichtung selbständiger Bezirksichulräte vorsehen und den Wirkungskreis der Bczirksschulinspcktoren in diesen Behörden festsehe«. Der Verein deutscher pädagogischer Fachmänner erwartet zuversichtlich, daß im Rahmen dieses Entwurfes die von den maßgebenden Stellen seil Jahren anerkannten berechtigten Forderungen der Bczirksschulinspcktoren, besonders hinsichtlich ihrer gegenwärtigen unhaltbaren materiellen Verhältnisse, endlich erfüllt werden." Aus dem Abgeordnetenhaus. Sitzungen halben ab: Dienstag, den 21. März, die parlamentarische Erspaiungs. un- Kontroll- ko>n m i'' i on um halb 11 Uhr vormittags und das P r ä s i ö i u m der Abgoorünetenhauses um halb 15- Uhr nachmittags. Braunhemden machen Nordböhmen unsicher, feldmarschmäßiger Aufmarsch. Ueberiall der SA ani sozialdemokratische Arbeiter in Altstadt hei Tetsdien.— Drei Verletzte. Seit« 4 Sonntag, 19. März 1938 «r. 67 Enttäuschung in Ungarn. Von unserem ungar.sehen Korrespondenten. Die Eroberung der Macht durch di« Faseisten in Deutschland wurde von-en Gesinnung^ genossen in den verschiedenen Ländern mit Jubel ausgenommen. So in erster Linie in Italien und Ungarn, wo doch die Gegenrevolution den Staat beherrscht. Die Ausrichtung der„Zweiten.Heiligen Alliance" der heiligen Alliance des Fascismus, steht doch vor der Verwirklichung. Durch di« politische Zusammenarbeit Italiens, Ungarns und Deutschlands soll die neue Aeva in Europa hereinbrechen, welche die, schrankenlose Beherrschung der Völker durch den Kapitalismus sichert und der unnützen und gottlosen Auflehnung der Arbeitenden ein Ende bereitet. Die Großgrundbesitzer und Großindustriellen der genannten Lander(und sicher auch di« anderer Länder) und deren geistige Auftragnehmer freuen sich. Man sollte auch glauben, daß dies« Herr» schäften sofort eine Zusammenarbeit verwirklichen und daß, wenn di« Großgrundbesitzer von Preußen durch Papen und Hitler einen unmittelbaren Einfluß auf die deutsche Regierung erhalten haben, die- etwa auch für die ungarischen Großgrundbesitzer einen Vorteil bedeutet. Weit gefehlt! ES ist zwar wahr,-aß der Herr Gömbös oder der Herzog Eszterhäzh(ein Großgrundbesitzer mit einigen hunderttausend Joch Ackerboden) ein« Papen- oder Hitler-Regierung persönlich diel sympathischer findet, als eine Kanzlerschaft von Aküller oder Braun. Doch wirtschaftlich bringt ihnen di« Herrschaft der Junker nur Nachtei«. Die Hitlerregierung hat ebenso, wie die frühere Papenregierung, sofort neue landwirtschaftliche Einfuhrverbote und Zollerhöhungen in Kraft ge- setzt. Die ausländischen Großagrarier, in erster Reihe die heißgeliebten ungarischen Magnaten als Gesinnungsfreunde und Bundesgenossen, haben da- Nachsehen. Eine solche Ueberrafchung erleben di« ungarischen Großgrundbesitzer nicht zum ersten Mol«. Der große Freund der ungarischen Reaktion, der Duce Mussolini zum Beispiel, hielt ihnen zwar sehr feurige Reden, verspricht auch alle möglich« Unterstützung, aber von einer Steigerung der ungarischen Agrarausfuhr nach Italien will er nicht» wissen Im Gegenteil. Wahrend er sein« große Lieoe zu Ungarn stets immer wieder beteuert, und dies« mit geheimen Wafscnlieserun- oen beweist, hat der Export aus Ungarn nach Italien um 85 Prozent abgenommen. So sehen also die wirtschaftlichen Vorteile mit den sasci- stifchen Freunden au»! Und wenn man die Sache auch gründlich untersucht, kann eS gar nicht ander- sein. Di« Großgrundbesitzer sind darum überall die lautesten Wortsirhver der Reaktion, der JasciSmuS, weil st« eben durch diese Gewaltherrschaft ihren lvirtschaftlich begründeten Untergang verhindern wollen. Ihre DenkKngSart, ihre herrschaftlichen Vorrechte, ihr« Grundrente, stammen noch au» dem Mittelalter, und um dies alles und ihre Existenz zu retten, müssen sie die mittelalterlich« Ordnung wieder Herstellen. Mit hohen Zollmauern, mit Einfuhrverboten schließen sic jeden ausländischen Konkurrenten aus, verschaffen sich im Land««ine Monopol-Situation, und alleinherrschend schröpfen sie daß Volk so viel wie möglich. So handeln die italienischen Großgrund- besitzer, seitdem st«, sich unter der alleinselig- nrächenden Herrschaft daß Tu« glücklich fühlen und so tun e» jetzt die preußischen Junker, tvelche jetzt di« letzten Rest« des„Weimarer Verbrechens" aus dem unglücklichen Deutschland herausfegen. Die ungarischen Magnaten machen das längst so, doch sind sie zu ihrem Unglück auf den Export angewiesen und nun, da ihr« Freunde überall zur Herrschaft gekommen sind— weich schaurige Wendung!— werden sie von den guten Geschäften abgeschnittsn. Man sollt« demnach glauben, daß nun die uirgrrrischcn Großagrarier vernunftgemäß mit einem solchen Lande Freundschaft suchen, wo krine .Konkurrenten, kein« Großgrundbesitzer herrschen. Die reellste Außenpolitik Ungarns wär« eine Zusammenarbeit mit Oesterreich und der Tschechoslowakei. ES ist ein« wirtschaftliche Notwettdigkrit, di« Taiche des Großagrariers verlangt es, wenn mich die Seele dabei Nicht tnitspi«lt. Sie Machen es tvotzdcm nicht so. Ungarn stand in den letzten Jahren stet» im Zollkrieg mit Oesterreich und der Tschechoslowakei, den nächsten Nachbarn und Natürlichsten Wirsichaftsfreuttdett. Erst in d«n letzten ivionateu kam ein« Vereinbarung mit Oesterreich zustand«, ober mit del Tschectioslmvakri konnte ein« solche nicht erreicht werden. Dir ungarische Regierung ist nicht nur von den Großgrundbesitzern abhängig, sondern auch von der künstlich emporgezogenen Großindustrie, In einem Land«, wo keine nenneitswerttn Kohlengruben, kitt« Wasserkräfte, weder Eisenerz noch ander» Rohmaterial für die Industrie vorhanden ist, schuf man eine Großindustrie im Geschästs- intevesse d«r Banken. Bei dem jetzigen Bankrott de» gegenrevolutionären Staate- kann er fein Leben nur durch forttvährend« Vorschüsse der Banken fristen. Als Gege»ll«istung hiefür wird Ungarn auch von einer hohen Industrie-Zollmauer abgesperrt, damit di« heimliche Großindustrie kokurrenzlvs bleibt. So oft di« Großindustrie oder die Großbanken eine neu« Anleihe dem Staat verweigern, erscheinen Kommuniques über di« baldige Abschaffung der Jndustriezölle und di« Herausgabe«ine» Kartellgeletzee. Werden die Banken gefügig, so werden die Pläne fallen gelosten und di« Großindustrie mit dem Großgrundbesitz teilt die Beute. Dies« Lage ist natürlich auch vom kapitalistischen Standpunkt ungesund und unhaltbar. Di« zusommenbrechende Wirtschaft in Ungarin könnte man nur durch das Opfer einer der beiden Interessengruppen retten, denn das Land kann außer-er Bürokratie nicht noch den Großbesitz und di« Großindustrie erhalten. Die Gesundung Ungarns verlangt diesen Weg und das Interesse dcr Nachbarn, in erster Linie das wirtschaftliche Interesse der Tschechoslowakei, verlangt denselben. j. n. Mer„geiftige" Mampf der Marrs. Lm Galgen«in aufgehängtes Lenin-Bild. Parteitag der holländischen Sozialdemokratie. Der diesjährige Parteitag der holländischen Sozialdemokratie fand mit Rücksicht auf die bevorstehenden ParlamxntSwahlen schon vom 4. bis 6. Marz in Ny me g en statt. Aus dem Jahresbericht, der dem Parteitag vorgelegt wurde, acht hervor, daß trotz der Abspaltung der Unabhängigen Sozialisten die Zahl der Parteisektionen im abgeläuienen Jahr von 711 auf 738, die der Par- teimitgneder von 78.920 auf 81.914 gestiegen, ist. Der Bericht hebt ferner besonder» die hvcherfreu- liche Entwicklung der Arbeiter-RadiobundeS „V. A. R. A." hervor, der nun 139.808 Mitglieder zKhlt. DaS politische Hauptrefrrat erstattet« Al- barda, der unter anderem auSführt«: Mit einer eventuellen Regierungsbeteiligung der S, D. A. P. sicht es diesmal anders als bei früheren Wahlen. Auch jene Parteien, von d«ntn früher anzunehmen war, daß sie sich verpflichtet fühlen würden, mit unS eine Regierung auf demokratischer Basis zu gründen, sind von uns abgerückt. ES ist ausgeschlossen, daß sie sich in zwei Monate« so verändern werden, daß sie für unS als Partner in Frag« kommen. Dir Aussicht auf «in« demokratische Regierung ist, um es mild« zu sagen, außerordentlich gering. Und dennüch wär« es unvernünftig, wenn wir unser« grundsätzlich« Bereiterklärung zurückzögen. Wir wurden damit d«n Katholiken und den Freisinnig-T«moftat«n die Verantwortlichkeit von den Schultern nehmen. Sie können dann, wenn sie sich an«in«r konservativen Regierung beteiligten, sagen, wir hätten sie dazu gezwungen, durch unsere Schuld sei«in« andere Lösung unmöglich geworden. lieber di« Landwirtschaftsfragen referierten Van A< k e l und Ban der S l u y s. Im Sinne ihrer Ausführungen wurde eine eingehende Entschließung angenommen. lieber Probleme der. Sozialisierung hielt W i b a u t ein umfassendes Referat. Die von Ihm unterbreitete Entschließung wurde ohne Debatte angenommen. Ankersmit hielt sodann eine große Gedenkrede aus Anlaß dei 50. TodeStageS von Karl Marx. In den engeren Parteivorstand wurden neb«n Yen, drei besoldeten Vorstandsmitgliedern, dem Vorsitzenden Oudegeest, dem, Sekretär W o u d e n b e r g, der grauens«kretnrin R i b- bius-Peletier gewählt: B o«k m a n, M a 1 t h h s e n, W i.b a u t. In den. Parteiborstand: Aloarda, Banning, Drees, Dan Eck, Suze Groeneweg, Vliege n, Zwert- b r o e k. Anstelle Cramers wurde S t o k v i s gewählt. Frankreich und der englische Plan. Macdonald von Rom nach Paris. Paris, 18. März.(Lsch. P.-B.) Ministerpräsident Daladier und Außenminister Paul Von- rour sind heut« vor Mitternacht aus Genf nach Paris zurückgekehrt. Der Ministerpräsrdrnt erklärt« nach ,seiner Rückkehr u. a.r Es ist sicher, dütz'Mine Genfer Reife unerläßlich gewesen ist. Ich konnte meine englischen Freunde nicht ohne vorherige Aussprache mit ihnen nach Rom abreisen lassen, Bezüglich der in dem Plane des britischen Ministerpräsidenten enthaltenen Abrüstungsvorschläge scheinen sie sehr interessant zu sem, cs müssen aber in denselben einige Aenderungen vorgenommen werden, da der Plan in der gegen- wärtigcn Fassung z. B. den Zusammenschluß der deutschen Reichswehr mit der Schutzpolizei gestattet. Paul Boncour erklärte, daß sowohl Macdonald al- auch Sir John Simon neuerliche Beweise ihres guten Willen- gegeben haben. Die englischen Minister stimmen zahlreichen Anregungen des französischen Planes zu, was zu einem Vertrauen für die zukünftigen Verhandlungen berechtigt. Die englischen Minister werden sich auf ihrer Rückreise auL Rom nach London Dienstag in Paris aufhalten und ihre französischen Freunde über da- Ergebnis ihrer Unterredungen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Mussolini unterrichten. Strethunrulien In Polen. Fünf Tot«.— Mass«nv«rhastu»gen. Warschau, 17. März.(Tsch. P.-B.) Uebtr di« Streikunruhen d«r Textilarbeiter im Lodzer In- dustrierevier wurde spät nachts ein offizielles Kom» muniauee veröffentlicht, auS welchem hervorgeht, daß in Pabianice fünf Demonstranten getötet und zehn teils schwer, teils leicht verletzt wurden. Auch auf Seiten der Polizei, welche von den Demonstranten mit Steinen und Pevolver- schüssen angegriffen und sogar von Hautzdächern mit Ziegelsteinen beworfen wurde, gab«S mehrer« Verletzte. In dem amtlichen Kommunique« wird festgestellt, daß die schweren Straßenunruhen von kommunistischen Agitatoren Hervorgent- fcn wurden. Die Polizei nahm unter den Demonstranten und unter den kommunistischen Führern Massenverhaftungen vor. imusfte Vertäuung Karikatur einer Dolksvrrtretung. Loudon, 18. März.(Rcuier.) Di« Vorschläge jur Reform der indischen Verfassung wurden in einem Weißbuch veröffentlicht. In den Vorschlägen wird eine Föderation der autonomen Proviu- >«n Vritisch-Jndiens und der indischen Staaten unter der Bedingung festgelegt, daß sich wrnig» stens die Hälfte der Staaten mit Ausnahme von Birma für dies« Föderation ausspricht. Bor der Brrwiriiichung dieses Bunde» muß eine unabhängig» Resrrvebank geschaffen werden. Die Bundesgesetzgebung wird au» einer Hohen Ber'amm« lung von 960 Mitgliedern bestehen, von denen 100 durch die indischen Fürsten ernannt, 180 durch di« gesetzgebenden Körperschaften in den PrvdiN'en gewählt und 10 ernannt werden, ferner au»«inem Unterhaus« von 875 M Miedern, von dcneit 123 von den indischen Fürsten ernannt, 280 von einem Wählertollegium, da» sich au» Wei bi» drei Prozent der Bevölkerung zu. 'ammerisetzt, gewählt werden. Ten Frauen, welch« da» Wahlrecht bei drn Wahlen in d!« Föderal'»» und in die BroviMn besitzen werden, vrrrden auch ein'g- Mandate reserviert werden. Die gc» '«tzgebendsn Körperschaften in den Provinzen werden aus dem Swdkrate und der Kammer bestehen, wabei in die Provin^-^tzgebttng etwa 14 Prozent der Bevölkerung wählen werden. »le ttopldlStter des„Sozialdemokrat“ In Deutschland verboten. Ebenso wie der„Sozialdemokrat" wurde« auch alle fein« Kopfblätter in ganz DeutscPand verboten. Was von diesem Bermst zu halte« ist, haben wir bereits gestern gesagt. Tie Wahrheit wird ihren Weg auch in das Dritte Reich der Hitler und Goering finden. Die Bollzugsgewalt wird in der Hand deL Bize- königs liegen, welchem ein Ministerrat zur Seite stehen wird, der den Kammern bis auf einige Vorbehalten« Angelegenheiten, nämlich die Nationalverteidigung, die Außenpolitik und die Religionsangelegenheiten, verantwortlich sein wird. Der Bizekönig wird mit einigen erweiterten Machtbefugnissen ausqestattet und in AuSnahms- fällen berechtigt sein, Verordnungen, welche Gesetzeskraft haben, zu erfassen. Vas Deutsche Auslandsinstitut In Standard im Dienste Hitlers. Seit vielen Jahren besteht in Stuttgart ein Institut, dessen Aufgabe in der Wahrung und Pflege dcr Interessen der Ausländsdeutschen beistehen soll. Bisher hat stch dieses Institut parteipolitisch neutral Verhalten und daher keinen Anstoß zu Angriffen gegeben. In der letzten Nummer seiner Pressekorrespondenz vom 15. März aber stellt sich daS Deutsch« Auslandsinstitut ganz offen auf die Seite Hitlers und Papens und versucht unter der auslandsdeutschen Presse die Vorgänge in Deutschland, di« Unterdrückung von Millionen deutscher Arbeiter als einen Erfolg der»Deutschen Erneuerüngsbewegung" hinzustellen. Hiller und Papen werden als die Retter der deutschen Nation gepriesen, denen auch das Auslandsdeutschtum zu Dank verpflichtet sei. Unter den Ausländsdeutschen sei ein starkes Gefühl dafür vorhanden,„ba|«ine solche Wendung der deutschen Politik, daß ei» Nnknüpsen an die großen stolzen Traditionen unserer Vergangenheit notwendig war: der alten Farben Schwarz-Weiß- Rot, von denen es heißt, daß sie überall in dcr Welt geflattert haben zum Schutz und Schirm der Deutschen...* Mit dieser Kundgebung, di« auch, in der Zeitschrift„Der Ausländsdeutsche" erschienen ist, hat daS Deutsch« Auslandsinstitut in Stuttgart aufgehört, politisch neutral zu sein. Es ist heut« ein Anwalt der fascistischen Diktatur Hitlers geworden und soll unter den Ausländsdeutschen die Niederwerfung der deutschen Arbeiter, von denen Millionen im Krieg« gekämpft und geblutet hoben und denen Hitler die nationale Gesinnung abspricht, bemänteln. Die sudetendeutschen Arbeiter wenden sich Nut Abscheu von einer Einrichtung ab, die sich anmaßt, den Sieg Hitlers und den blutigen Hitlerterror über Millionen deutscher Arbeiter als«inen Beweis der nationalen Erneuerung Deutschlands und al» einen Erfolg auch der Ausländsdeutschen zu feiern. Mit«inem solchen Institut will die sudrtendeutsche Arbeiterbewegung nichts mehr geinein haben. Dcstlallsche Folierungen. Am 9. März holt« dir Schupo hundertfünfzig Mcnschrn aus dcr SA-Kaserne in der unteren Friedrichstraße. Biel« mußten sofort in» Krankenhaus gebracht werden, andere konnten sich nach Hause schleppen, besser gesagt: nicht noch Hause, denn von dort wären sie gleich wieder noch einmal geholt worden. In der SA-Kaserne in der Hedeinannstraße,«in paar Minuten weiter, werden die Gefangenen noch festgehakten. Einer, den die Bestien in einem Anfall von Uebrrmut entließen— Uebermut, nicht Großmut: sie wollten zeigen, daß sie nicht» zu fürchten haben, mo««r was immer erzählen—, brrichtrt von seinem Schicksal. Er wurde in der Nacht vom 3. zum 6. d. Mts. au» dem Bette geholt. Ma» bracht« ihn zurrst in rin« SA-Knripc. Dort wurde«r zunächst einmal von jedem SA- Mann qrohrfeigt, dann mußte er vird«rknirn und stch wieder von j«d«m SA-Mann anspuck«» lassen. Mit fünf anderen Opfern auf ein Lastauto verladen, wurde er in di« Hedemannstraß« gebracht. Durch«inen lang«» Korridor mußte« die Gefangenen Spießruten laufen, ein Spalier von SA-Leuten schlug ans ft« mit Gummiknüppeln, drahtumslochtenen Schläuchen nnd Stuhlbeinen los. Di« Blutüberströmt«» stieß man in«in große» l««r«S Zimmer. Rach«iaer halben Stunde kamen noch etwa zehn Gefangen«. Run befahl man ihnen, stch an di« Wand zu stelle« nnd die Hände hochzuheben. Und dann ging ein Schlagen Io». Sackte eincr zu- summen, rissen ihn di« SA-Mörder an de« Haaren wieder hoch. War die eine SA-Schicht mfibt, kam di« andre dran. Nachdem sich di« Bestien auSaetobt hatten, begann der zweite Teil,„die Erziehung des Ar bcfters zur Nation". Di« Ohnmächtige« wurden hinauögeschleppt, di« noch bei Bewußtsein waren, mußten singen. Dreimal das Deutschlandlied. Der Anführer b«sahl das Holst-Wessel-Lied. Wer«S nicht könnt«, und die wenigsten konnten e», wurde wieder geprügelt. Dann kam der Befehlt»Zum Gebet! Wir werden euch die Gottlüsenbtwegnng schon außtreibcn!" Zum Schluß noch einmal Prügel. Genau so ging«s in der Friedrichstraße zu. Genau so geht cs jeden Tag in jeder deutschen Stadt zu. Dir Namen der Onfrr seiht« im Ausland zu nenncn, ist unmöglich. Es wär««i« Tvdebnrreil. Nr. 87 Sonnfoft, 19. März 1935 Seit« 5 Die.Feinen" Pg. Neben den bekannten Radaurednern, den „tonangebenden" Führern der sudetendeutschrn Hakenkreuzler, gibt es in der hierländischen Ver» tretung deutscher Schmach auch ein paar„feine", salonfähig«, mit einem dicken Kulturfirniß überpinselte Herren, deren Aufgabe es zu sein scheint, durch Vermeiden jener unvergleichlichen Roheit, durch die sich die Hakenkreuzlerei von jeder anderen Art der Barbarei unterscheidet, den Nationalsozialismus dort, wo man zwar Fanghunde des Kapitalismus schätzt, sie aber doch nicht gern im Zimmer haben will, gesellschaftsfähig zu erhalten. Wer brächte diese„feinen", gebildeten, glatten, mitunter sogar in die Toga des Wissenschafters gehüllten Herren so leicht in Verbindung mit den Greueln, die sich heute der entsetzten Kulturmenschheit als Wesen des Nationalsozialismus offenbaren! Was hat der Ehrendoktor der Prager deutschen Universität, von dem man nachsichtig zu sagen pflegt, eigentlich sei er kein Nationalsozialist und habe das ScnatSmandat der Partei der Kameraden der Mörder von Potenrpa nur übernommen, um ein« Tribüne zu herben, von der aus er gelegentlich über kulturpolitisch« Fragen sprechen könne,— — was hat er zu tun mit hakenkreuzlerischen Schreckenstaten? Und was jener Heimatbildner, der für altes deutsches„Brauchtum" schwärmt und sich begeistert an alten Bauerntruhen? Was jener sanft«, mild« Hans, von dessen Biederkeit, Freundlichkeit und Höflichkeit alle Kleinbürger seines Wohnortes entzückt sind und der ja wirklich so treuherzig sich gebärden und so zart sich benehmen kann, daß man ihn am liebsten fragen möchte: Willst du nicht das Lämmlein hüten? Was haben sie alle zu tun mit dem blutigen und schmutzigen Geschehen jenseits der Grenze? Was sie damit zu tun haben? Sie sind Mitglieder und sind Funktionäre der Partei, di« sich„ideell" und programmatisch mit der nationalsozialistischen Partei Deutschlands verbunden fühlt,— Mitglieder und Funktionäre und Mandatare der Partei, deren Zeitungen ftoh- lockend di«„Niederwerfung" des MarriSmuS melden und— nicht aus Gründen der Scham, die einem Hakenkreuzler fremd sind, sondern auS solchen der Taktik— die täglichen Verbrechen der Parteigenoffen des Reichskanzlers verschweigen. Und sie, diese„feinen" Pg., st« wissen von diesen Greueln— und schweigen! Und wer schweigt, ist mitschuldig. In Breslau, in Dresden, in Leipzig, in vielen anderen Städten werden die Buchhandlungen und die Bibliotheken der Arbeiter zerstört und verbrannt— wie gefällt das dem Herrn Ehrendoktor der Prager deutsche» Universität? Daß seine Parteigenossen di« wissenschaftliche Bibliothek eines sozialdemokratischen Bauern in Seligstadt in Sachsen verbrannten, darunter eine wertvolle alte Bibel, wie gefällt das dem Freund der alten deutschen Truhen? Na, wenn wir Hakenkreuzler richtig beurteilen, und dazu dürste unser« Erfahrung uns wähl befähigen, sagt er sich: War ja nur ein Sozi! Und der Gedanke, daß die wütende Feindschaft seiner Pg. gegen die Bücher doch zutiefst begründet sein muß im Wesen des Nationalsozialismus, wird gar nicht in ihm aussteigen. Er hat ja sein olles deutsches Brauchtum! Und was, so mag er danken, was ist schon das Leben eines marxistischen Arbeiters gegen eine Egerländer Bauerntruhe? Arbeitereigentum ist gestohlen worden, müh- sau: erspartes, von niedreren proletarischen Generationen erarbeitetes und ersparte» Gemein- schaftseigentum. ist gestohlen worden oder vernichtet. Ist gestohlen worden oder vernichtet im Namen des„ettvachenden" Deutschland. Mitschuldige sind all«, die dazu schweigen! Mitschuldig, die da schweigen zu den Blutorgien! Ach, der sanft«, zarte,^ehaugige Herr K n i r s ch—* er har wahrscheinlich doch auch tre« Wen, was der„Sozialdemokrat" über dir viehische Mißhandlung Sollwanns berichtete! Was er be- richteie über die Ermordung Landgraf», über die Ermordung Döcheis. Was berichtet tvurb- über viele andere Bluttaten, Was das Watt des Herrn Knirsch, der„Tag", verschweigt. Trete» dem Herr» Knirsch etwa Tränen der Rührung in di« Auge», wenn er von so viel Tapferkeit seiner„Pg." liest? Oder— hat er so etwas wie«in Gewissen, das sich regt, das ihm, wenn er morgens vot dem Spiegel'«'ne Kra» vatte bindet, sägt: so allo steht ein Pg.. der Held von Potempa aus, w ein Parteigenosse derer, die einem Mann« der unermüdlich Kulturarbeit im Proletariat geleistet, ihren Unrat in den Mund zwangen— so ein Pg. der Tapferen, di« Böchel von rückwärts Nirder'chlugen? Spuckt er dann iem Spiegelbild an— oder gibt es so etwas wie ein Gewissen dort n'ckO nrehr. wo da» Hakenkreuz hina.-komu'«»? Wabrfcheinl'ch nicht. E« wäre ober ein Wunder, wenn e» and'kS wäre. Wenn es unter den Hakei'treuzführern noch einen,«inen»i«tilgen gab«, der menschlich küblt. nwnkchllch denkt— wenn etwa bi« äußerlich so„feinen" Pg. es auch ich Fnnern wären! Und würdig dieser„feinen" Pg. ist dst bürgerliche Geftkftlloft, in der sie die GestlftHastS- sLhigkeil de» Hakenkreuzes dartun. Fm sudetrn- dcutschen Bürgertum jedenfalls gibt es niemand, der anklagend, zürnend, richtend leine Stimme erhebt, weil er„nicht schweigen kann". »raun, der„SdieiOkcrl“. „Ter Tag" macht sich in seiner Freitagans- gabe über den Genossen Braun lustig. Auf eine Art, die der ganzen Niedrigkeit der Gesinnung nationalsozialistischer Redakteure entspricht. Man weiß, daß Braun ein kranker Mann ist und man mutz, mag man zu seiner Haltung in den letzten Monaten stehen wie immer, sagen, daß er ein persönlich unantastbarer Mensch ist, der dem Staat seine ganze Arbeitskraft und seine Gesundheit opferte. Ritterliche Gegner pflegen den gestürzten Feind mit Achtung zu behandeln; Vie Nationalsozialisten erheben keinen Anspruch darauf, ritterliche Gegner genannt zu werden. Das Blatt der sudetendeutschen Nationalsozialisten, dem die viehische Mißhandlung Sollmanns noch zu wenig ist, spricht von Braun also: Ade, Herr Braun! Leb wohl, Genosse Ehrendoktor und Exministerpräsident! Du starbst so elend, wie du gelebt hast, und deshalb werden dich die Götter nicht lieben! Wenn wir noch eine Bitte an dich haben, so ist es die: Lasse in der Schweiz deinen Namen ändern, wie du ja auch deinen Beruf wirst ändern müssen! Braun ist die Farbe Hitlers, deshalb ist Braun kein Name für dich, du Schweizer Hirte deiner aus Preußen mitver- jchobenen Kapitalien! Es wäre uns lieber, du würdest deine Pension(wie lange noch?) unter dem Namen Sch... kerl verzehren, denn du hast, Genosse Braun, ein ganzes Leben lang deinen Beruf verfehlt: Du warst schon immer Pensionist und lebtest in dem Irrtum, ein Revolutionär und Staatsmann zu sein. Und so' ein Irrtum kann durch Jahrzehnte hindurch nur in der Sozialdemokratie vorkommen... Die Redasteure des„Tag" und das verworfene Pack, das sich zu den nationalsozialistischen Prefleerzeugnissen bekennt, werden, daS erstären wir mit aller Deutlichkeit, lediglich von den tsche- chosiowakischen Gesetzen davor geschützt, von den Der Ansicht, di« Herr MUDr. Herbert Wosyka in einer Beilage der„Deutschen Press«" vertrttt: di« natürlich« Geburtenregelung sei„eine der wichtig- sie» Fragen der jetzigen revolutionären Zeit", können wir schon darum nicht betpstichten, weil diese unsere Zeit die reaktionärste seit Generationen ist und eben daher Probleme aufrollt, di« uns im Augenblicke wichtiger sind. Immerhin ist c» uns stillen und aufmerksamen Liebhabern der„Deutschen Presse" nicht entgangen, daß eS in ihrem Schoße zu revolutionieren beginnt; die PubenatSerscheinungen, die sich im Snteressc für iexuelle Fragen zeigen, heben sich wohl- tuend von dem völligen Infantilismus Noch des Vorjahres ab, da ihr Leitartikler Sptttawr mit rotem Kops« vom Brünner Sepuologenkvngreß zu rückkehrte, offenbar unwissend, wie ihn Papa Spec« tator und Mama Spetiatrix gemacht haben, und Zeter und Mvrdio schrie über die ketzerische soziale Hygiene. Run ist, wie es scheint, di« Geburtenregelung vom Anathema zum Thema avanciert und der Papst, ja sogar. Prof. Hilgrnreiner hat sich zu ihr geäußert. Gegen sie geäußert, selbstverständlich, auch der Arzt Dr. Wosyka(dem es in der Hauptsache aus die Ankündigung einer Buches von 2. E. Georg oNzukoinmen scheint). Daß di« indessen erfolgt« sexuell« Aufklärung unserer Ehristlichloziastn ohne Einfluß auf ihre Einstellung zur Schwan^erschast»- unterbrechuim^ geblieben ist, hat ihr Geschrei anläßlich der Meitznersschen Vorlage bekundet. Gegen di« Anwendung präkonzeptioneue: Mittel, Schutzmittel, sind ff« ebenfalls nach wie vor.(in der Theorie). Lediglich die Schwangerschaftsverhütung nach der Methode Ogiüo-KnktuS-Smulders erscheint ihnen vereinbar mit dem Begriffe der morvlkheo logisch vollkommene» Ehe. Diel« Theorie, aus der Leh« von den„sterilen Zeiten" anfgebaul, erklärt de» Geschlechtsakt leibst bei Einirefsen aller sonst notwendigen Erfordernisse dann für ungeeignet zur Zeugung, wenn die Frau an einigen wenigen, durch de» MisstruationSzyklu« bestimmt«» Tagen zur Konzeption fakultativ unfähig sei(«!ne bereits Mehrer« Oahrzchnl« alte Theorie deren Rtchtlgkeit bis Heu« noch nicht erwiesen, hingegen heftig be stritten ist). Arbeitern die Antwort zu bekommen, die sie ver- s dienen. OdenmddifldkeH der Karlsbader Dczirksbchördc. Auf einer Amtstagung der Gemeindevorsteher des-Karlsbader Bezirkes wurde den Bürgermeistern der Erlaß des Fürsorgeministeriums bekanntgegeben, nach dem die staatliche Verpfle- gungsastion auf weitere drei Wochen verlängert wird. Es wurde gleichzeitig mitgeteilt, daß die Gemeinde aufgesordert wird, zur Durchführung von Jnvestitionsarbeiten zu schreiten und als Arbeitskräfte Beteiligte der Ernährungsaktion auf di« Weise heranzuziehen, daß der Empfänger einer wöchentlichen Lebensmittelanweisung auf 10 X einen halben Tag arbeiten würde, der Empfänger einer 20-X-Anweisung einen Tag. Tie Gemeindeämter werden /rufgefordert, einen Bericht zu erstatten, in dem u. a. zu melden ist, welche der Arbeitslosen sich zu arbeiten weigern und aus welchem Grunde. Dem Verlangen einiger Gemeindevorsteher, ihnen Einsicht in den Öriginalerlaß zu gewähren, wurde nicht stattgegeben. Die Gemeindevorsteher wollten nicht glauben, daß ein derartiger Erlaß vom Fürsorgeministerium herausgegeben wurde, der nichts anderes bedeutet, als die Einführung des ArbeitszwangeS für Arbeitslose. Run haben wir festgestellt, daß hier eine Eigenmächtigkeit der Karlsbader Bezirksbehörde vorliegt. Im Erlaß des Fürsorgeministeriums ist von einem Zwange nicht die Rede. Es muß eigenartig anmuten, daß eine Behörde selbst Anlaß bietet, die Erregung unter den hungernden Arbeitslosen zu steigern und Deusschnatianalen und Kommunisten die Gelegenheit verschafft, dem sozialdemokratischen Fürsörgeminister eine Absicht zu unterschieben, für die di« Karlsbader Bezirksbehörde allein die Verantwortung tragt. Nun ist zwar bekanntlich der Papst unfehlbar; deshalb ist es aber noch lange iricht die Methode, die er empfiehlt. Wichtiger al» die Sorge, wie man sich mit Hilfe eines kanonischen Dreh» über di« Bckenken hinwegsetzt, di« in„jedem Gebrauch der Ehe, der durch die Willkür der Menschen seiner natürlichen Kraft zur Weckung de» neue» Lebens beraubt wird", einen Verstoß gegen di« Gesetze Gottes erblicken, wie man die Enthaltsamkeit an bestimmten Tagen für etwas Negativ«?, Passives, durchaus für keine willkürliche.Handlung und daher für gottgefällig erklärt, weit wichtiger als solche unfruchtbar« Erwägungen ist UN» di« Frag«, ob die Methode Ogino» Gewähr dafür bi«!«!, daß es wirklich zu teiner Befruchtung kvimnen kann. Das wird aber bestritten, wie erwähnt. Deshalb bringen wir nicht de» Mut der„Deutschen Presse' aus, gerade di« Merhod« Ogino-Knaus zu empfehlen, Uns ist es gleichgültig, mit welchen Mittel» vermieden wird, daß Proletarierkinder geboren werde», um Hungers zu sterben, sofern diese Mittel erschwinglich, nicht gesundheitsschädlich und vor allem verläßlich sind. Nur Lent«, die gottgefälligen Sophismen den Vorrang vor der Sorge um da» Wohl der Vienschen «inräumeii. an denen ihre Theorien zur Praxis werden sollen, nur die Christen. deren Beziehungslosigkeit zu sozialen Rücksichten ihrer Parleibezeich- irung Hohn spricht, nur solch«, deren Interesse für die, geschweige den» an der Geburtenregelung kein echte» ist. können bei Ablehnung aller sonstigen Mittel bedenkenlos für die Methode Ogino-Knaus» SmukdtrS Propaganda oiachen. Wir warnen davor, sich aus sie zu verlasse», so lange ihre Richtigkeit nicht erwiesen ist sdado» ganz abgesehen, daß di« Rationierung des Geschlechtsverkehrs seine Einteilung nach einem vorher sestgelegten Plan nicht jedermanns Sache ist).— Ein« Polemik mit Herrn Dr. Wosyka in der Sach« selbst müssen wir uns versagen Nur daraus sei noch hingtwresen, daß die angeblich„sterilen Tage", deren Kenntnis Herr Dr. Wosyka verschweigt und offenbar den Lesern des von ihm enryfohsenen Buche» von I. E. Georg voadehakien will, der 1 bis il. und der 20 21, ufw. diS«mt letzten Tage rückgerechnet vom Tage de» Einsetzen» der nächsten Menstruation, sei» solle». Qoldrdddloß In die amerikanischen Banken. New Hork, 18. März.(Renter.) Bon hellte ab werden all« Personen, welche theusarieren (Bargeld Hamstern), als Schädlinge des Staates erklärt. Offenbar unter dem Druck« der vorher angekündtgten Drohung wurde von den behobenen Einlagen den Banken bisher Gold in der Höhe von 350 bis 400 Millionen znrückgestestt. Zur Befruchtung könne somit lediglich ein Beischlaf zwischen dem 12. und 19. Tag« vor Beginn des nächsten Menstruationszyklus führen. Di« Berechnung ist recht kompliziert und deshalb unsicher, weil di« Perioden selbst bei gesunden Frauen manchmal Schwankungen aufweisen, die all die mühseligen Berechnungen über den Haufen werfen können. Nun zdrück zur„Deutschen Presse". Auch- sie Ian»„mancherlei Gesahrenmoment«" nicht übersehen. Lchwaukend zwischen Malthu» und Knaus, gewahrt sie allerdings— ein« in den Pubertötssahren häufig zu beobachtende Bewußtseinstrübung die einzige Gefahr einer»och nicht erprobten Methode der Geburtenregelung im— GeburtenauSfall, darin also, wa» durch eben dies« Methode bezweckt wird. Doch fügt sie hinzu, si« glaube nicht, daß dieser Geburtenausfall allzu hoch zu schätzen wär«,„denn werden di« Kinder nicht nach Ogino-KnauS, so werden sie eben anders verhütet". DaS walle Gott. Dr. H. Vom Rundfunk Neuerung im Nunbruutewpsang. Eine komplette Philips-Anlage für Schulfunk, Kultur»«nd Bildungszwecke. Der Ztveck dieser Einrichtung besteht darin, durch einen einzigen Empfänger in allen Klassen sowie Hallen und Unterrichtsräumen eines Schulgebäudes das Abhören des Schulfunks zu ermöglichen. Zu diesem Ztveck« findet in der Direktionskanzlei der Philips-Rundfunkempfän- ger 720, zusammen mit einem 50-Watt-Philips- Berstärker und Mikrophon, Ausstellung. Durch einen einzigen Hebel schaltet man den Empfänger in allen Klassen ein, so daß das ganze Schulgebäude aus einmal di« Schulrundsnnksendungen hören kann. Ebenso kann man aber in allen Klassen di« Wiedergabe von Grammophonplatten zu Gehör bringen und auf diese Art und Weise nicht nm die Musik/, sondern auch. Sprachunterricht, Opernarien in.garantiert geuauer Vorführung den Lernenden zugänglich machen. Des weiteren kann man die in einzelnen Klassen angebrachten Lautsprecher auf das Mikrophon um- ichalten, dann kann di« in d«r Direkiionskanzlei sprechende Person entweder in allen Klaffen oder nur dort, wo eS erwünscht ist, gut gehört werden. Selbstverständlich kann Nla» diese Eventualitäten auch wechseln, z. B. di« Schallplatte»Wiedergabe mit den mündlich vor dem Mikrophon vorgetragenen Erläuterungen- ergänzen. Wie Schallplattenwiedergabe kann ohne Unterbrechung durchge- führt werden, z. B. die ganze Oper fortlaufend. Jäx Klasse kann Pi« Rundfunkeinrichtnng nach Belieben«in- oder ausfchalten oder die Lautstark« regeln. Dadurch kann»ran di« Wiedergabe vorzüglich der Hörerzahl sowie auch der Raum- okustik anpassen Di« ganze Verstärkercinrichtung wird ausschließlich aus dem Netz gespeist und verbraucht zirka 150 Watt. Di« Philips-Nundfunk- einrickunug hat sich in verschiedenen Schulen bewährt, besonder» bei Sprachenkursen. Studien von Musik sowie Gesang, anläßlich von Feiern. Festen usw. Di« Vertreter der Aemter sowie Presseberichterstatter haben bereits Gelegenheit gehabt, dies« erst«.musterhaft« Schnlruudf»nieinrichtung in der Tschechoslowakei in dem Schulgebäude Prag TT. Ücaergasse, und in deutschen Kna- ben-DoltS- und Bürgerschule, Prag 7., Mas»» Nr. 1000, auzuhören. VmpkestkcndwerteS aus bett Programmen. Montag. Prag: 6.15: Gvmnastik. 11: Schallplatte», 18.18: Marionettenkuusl 18.25: Deutsche Sendung: Demi: Vogelschutz 1980:„De» Malers List". Oper von Zich.— Brünn: 17.10; Frauenfunk 18.25: Dentschtz Sendung: Französisch für Anfänger. — Miihr.»Ostraur 10.10: Blasmusik. 12.30: Orchester- konzeti. 1880: Deutsche S«ndun gi Anna Goldstein lieft uh» eigenen Dichtungen.- Breslau: 21: Kammermusik-*■ Hamburg: 19:„Loheugrin", Oper von Wagner— Königsberg:»'1: Berliner Streichquartett-- Langenberg; 21: Schubert.— Leipzig: 18.30: Klavierkonzert— Wien; 19.20: Johann Straub Dienstag. Prag: 0.15: Gymnastik. 11: Schallplatten. 15.80: Tramplieder, 18.25: Deutsche Sendu ng: Hcrgck: Praktiscl-e Äugeudhils« in den Heimstätten. 20.10 Klavierkonzert. 21.L5: Kammermusik.•»- Brün«: 12.30: Orchcsterkovzeri 18.25: Deutsche Sendung: Prof. Epstein: Au» der Pädagogik der Neuzeit. 1910: Lauter Lieb«. Breslau: 20: Bunter Abend*- Mühlacker; 2u: Au» dem Lcizaf- fen»rr Lebendem Hamburg; Li: Oprru Renaissaiwcn-- Kömgobergt 18: Blaskouzerk»- Lnugeubrrg: 20 80: Mozart.— München; 21.25: Brahms.— Wien: 19.40; Volksmusik. Nazi Parole: Brot und Freiheit! 5**1 i Zur Gevurlenregelurrg. Seite 6 Sonntag, 19. März 1933 Ät.«7 Tagesneuigkeiten Ärn Äeteyen der^ufrßfiung. 9meritanif<|e0 Karnpfflusreug mit^naft&inengefoeOrtnrtn. Links: der Glasturm mit der Schießscharte; rechts: ein Maschinengewehrschütze des Kampfflugzeuges bei der Bedienung seiner Waffe.— Die neuesten Bomben- und Kampfflugzeuge der amerikanischen Luftflotte haben vor dem Führersitz einen Maschinengewehrturm, der aus kugelsicherem Glas hergestellt ist, das dem M.-G.-Schützen größtmöglichen Schutz gewährt. liinuniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinifiiiiiiiiuiiiiiiuiHHiiiiHiiiHiiiiiHiifliiniiiiuiiiiiininHiiiiiiiiiiiiinniHiiniitiiiHHiiiiiiiiiiiHiiiiniiiiiiiiintHiiiiiiiiiHHiiiiiiHiiiiHiiuHiininiiiiHiiiiiiiiuiiiHiiHiniiiiHHHiiiiiiiiiiii An DeuMlond! Deutschland, mein Deutschland, du sollst nicht nntergehen, Deutschland, mein Deutschland, wann wirst du aufersteheu? Deine Frauen weinen, ihre Fackel bricht, wird die Rot sie einen oder löscht das Licht? Deutschland, mein'Deutschland, du sollst nicht nntergehen, Deutschland, mein Deutschland» wann wirst du aufersteheu? Deine Arbeitsleute trage« Fesseln mit, düster ist»hr Heute, schleppend ist ihr Schritt. Deutschland, mein Deutschland, du sollst nicht nntergehen, Deutschland, mein Deutschland, wann wirst du ansersteheu? Deine Menschenrechte zog man in den Staub» Minner wurden Knechte, ans der Arbeit— Raub! Deutschland, mein Deutschland, du sollst nicht untergehen, Deutschland, mein Deutschland, wann wirst du aufersteheu? Kunst hat keine Stätte, Recht hat keinen Thron, Gcwisien hat kein Bette nnd Wahrheit keinen Lohn. Dentschland, mein Dentschland, du sollst nicht untergehen, Deutschland, mein Deutschland, wann wirst du auferstehen? Dann, wenn die Frauen singen, wenn rot da- Banner schwingt, dann, wenn die Ketten liegen‘ und der Marsch der MMonen klingt. Deutschland, mein Dentschland, du sollst nicht nntergehen, Deutschland, mein Deutschland, dann wirst du aufersteheu? Staat, du, der Arbeiterhände Staat, du, der Bauer« Faust, Staat ohne Klassen und Wände Staat, du, von Märzföhu durchbraust. Deutschland, mein Dentschland, du sollst nicht nntergehen, Dentschland, mein Dentschland, so wirst du aufersteheu. Alle werden dich lieben, denn die Heimat, die teure, bist du! Ob e i n Jahr verrinnt oder sieben Laßt uns kämpfen! Im Sieg erst ist Ruh! Ein Deutscher. Her Mörder Sudrarr gesteht. Ein unbeabsichtigter Schutz? Brünn, 18. März. Nach zweitägigem Verhör gestand Johann Gerspitzer, Ondras erschossen zu haben. In seinem Geständnis erklärte er, Ondras sei am Dienstag zu ihm gekommen und hab« ihn überredet, daß beide nach Oesterreich flüchten sollen. Sie haben sich deswegen auf den Weg gemacht, wobei sie längs des Eisenbahndammes gegen die südmährische Grenze hin marschierten. Ondras hatte ein Jagdgewehr bei sich. Als sie an die Stelle gelangten, wo später O n d r a»s Leiche gefunden worden war, soll Ondras, der- eine Notdurft verrichten wollte, Gerspitzer ersucht haben, ihm auf einen Augenblick das Gewehr zu halten. Dieser habe diesem Wunsche entsprochen und als Ondras zurückkehrte, wollte ihm Gerspitzer das Gewehr zurückgeben. Dabei sei er jedoch g e st o l p e r t, es sei ein Schuß los- gegangcn, der Ondras erreichte. Gerspitzer soll erschrocken und geflohen sein, wobei er das Gewehr im Hause fernes Bruders versteckte. Die Gendarmerie untersucht nun die Richtigkeit der Aussage Gerspitzers. Verschiedene Umstände sprechen dafür, daß die Aussagen Gerspitzers wahrscheinlich den Tatsachen nicht entsprechen. Gerspitzer wurde nachmittag in Begleitung der Untersuchungsorgane an den Tatort geführt. Unglückliche Liebe. Podersam, 18. Mär;. Heute gegen 13 Uhr ließ sich der 24jährige Fleischergehilfe Anton Schwack aus Rudig vom Personenzug Nr. 305, der von Pilsen nach Saaz fuhr, vor der Einfahrt in die Station Rudig überfahren. Er legte seinen Kopf kurz vor dem Herankommcn des Zuges auf die Schienen. Der Selbstmörder war auf der Stelle tot, da ihm der Kopf vom Rumpf getrennt wurde. In seiner Tasche wurde ein Brief vorgefunden, in welchem er mitteilt, daß er die Tat aus unglücklicher Liebe begangen habe. Es solle niemand nach ihm trauern, er gehe selbst aus dem Wege und sterb« gerne. Auswanderer lehren aus Rußland zurück Ueber die Grenzstation Oderberg und Petersdorf kehrte dieser Tage eine Gruppe von 80 Auswanderern aus R u ß l a n d zurück, di« seinerzeit mit ihren Ersparnissen und Barmitteln nach Sowjetrußland ausgewandert waren. An der Grenze wurden sie in der Ouarantänestation gesäubert, ärztlich behandelt und sie erhielten auch zu essen. Hiebei erzählten sie von traurigen Erlebnissen in Rußland. 8ln Nachtwandler? Ein geheimnisvoller vnglückssall in Prag. Vorgestern nachts fand der Verwalter eines Hauses in ALkow den Bewohner einer Wohnung im ersten Stockwerk, Dr. Wenzel Rovük, bewußtlos im Hofe liegen. Zweifellos war er aus dem geöffneten Fenster gestürzt. Selbstmord oder Mordversuch erscheinen vollkommen ausgeschlossen. Dr. Noväk kann aber nur angeben, daß er sich abends schlafen gelegt habe urü> sich von diesem Augenblicke an an nichts mehr erinnern könne. Die Polizei zieht daher die Möglichkeit in Betracht, daß Dr. Noviik in einem Dämmerzustand verunglückte. 300 Waggons Braunkohle verbrannt. Stolberg(Rheinprovinz), 18. März. In Münsterbusch geriet gestern abends die große B rau n ko hle n ha l de der Zinkwerke Hein« richshütte der Stolberger Zink A.-G. in Brand. Die Holde-bildete in kurzer Zeit ein einzige s Flammenm e,e.r. Da‘ die Fabrikswehr nicht ausreichte, wurde-die Kreisfeuerwehr alarmiert, der es im Laufe der Nacht gelang, den Brand zu dämpfen. Ungefähr 300 Waggons Braunkohle, di« für den Betrieb der Generatoren benötigt werden, sind vernichtet worden. Man vermutet, daß der Brand durch Funkenflug hervorgerufen worden ist. Der Nacken der Arbeiter und der Fuß des Herrn Göring. In seiner Rede vor den Pom- merschen Landbündlern hat— nach der „Frankfurter Zeitung"— der ordinäre Reichsminister Göring sich auch folgenden Ausspruch geleistet: „Wenn der Vorredner gesagt hat, der Marxismus darf nicht mehr zurückkommen, so will ich Ihnen sagen: Nicht nur nicht zurück- kommen soll er, a u s r o t t e n wollen wir ihn aus Deutschland!(Stürmischer Beifall.) Ich werde diesen Kreaturen so lange den Fuß auf den Nacken sehen, bis sie erledigt sind." (Beifall.) Wie lange Herr Göring den Fuß auf den Nacken der sozialistischen Arbeiterschaft wird sehen können, das hängt nicht von ihm, sondern von i h r ab. Daß der Taa kommen wird, da die„Kreaturen" an den Görings furchtbare Rache nehmen werde», ist unzweifelhaft; auch kür Herrn Göring. Und eben deswegen findet er ja derzeit kein Wort und keine Tat scharf genug. Aber man muß sich ihn nur vorstellen, diesen Reichsminister, der eine Sprache führt, wie sie seit Jahrhunderten kein Tyrann sprach; man muß sich ihn vorstellen, diesen arößenwahnsinniqen Göring, der als ein neuer Älero in die Weltoeschichte eingehen möchte, muß sich ihn vorstellen, wie ihn der stürmische Beifall der Pommerichen Großbauern zum Entwurf eines frechen Bildes hinreißt, in dem er sich auf den Nacken der sozialistischen Arbeiter stehen sieht! Dieser Göring, der immer nur zu mißhandelnde Körper sieht und dabei selbst zu vergessen sucht, daß es mehr als auf die Nacken auf die Köpfe ankommt! Und wenn er tausende Nacken beugt und sich auch noch an Köpfen vergehen sollte: die Millionen Köpfe, die Millionen Herzen bleiben. denen kein Thrannenfnß den(^danken und den Glauben rauben kann! Während er sich in der Pose des berauschten Siegers zeigt, erheben sich in den Gehirnen der Arbeiter die Gedanken um so mächtiger, erglühen unsere Herzen in aller Welt um so leidenschaftliche):. Jedes brntale Wort des Göring, jede Schmach, verübt unter dem Regime Hitlers, nähren den Brand, die Begeisterung, den untilgbaren Widerstandswillen, die Kraft zur Revolution in der klaffenbewußten Arbeiterschaft. Während der Göring mit seinen Füßen droht und während ihm der Geifer aus dem Munde läuft bei der Vorstellung von den unzähligen gebeugten und getretenen Nacken, recken sich die Leiber, steifen sich die Nacken, rühren sich die Herzen, lodern die Hirne!„Erledigen" will er den Sozialismus? Zermalmen will er die „Kreaturen"? Er glaubt es selber nicht, daß ihm das jä gelingen könne! Und darum überschlägt er sich in Drohungen, in wilden Bildern, in einer Betrunkenen-Sprache, der das Lallen der Ernüchterung folgen wird. Und das letzte Wort werden die sprechen, die nicht von Macht und Geltungstrieb, vom Sieg der Fäuste und der Füße besoffen sind, sondern die trunken sind von der hinreißenden Idee einer freien, glücklichen Gesellschaft. Minister für soziale Fürsorge Dr. Czech empfängt am 21. März keine Besuche. Bpm Zuge geköpft. Aus Weipert wird uns urschtet: Ein fragliches Ende, hat' in' der Nacht auf Freitag der erst 26 Jähre alte Werkmeister Anton Schmidl aus Weipert-Neugeschrei gefunden. Der Lokomotivführer des nach 11 Uhr nachts von Weipert gegen Komotau fahrenden Personenzuges bemerkte unweit der Haltestelle Neugeschrei auf dem Bahnkörper eine reglose Gestalt liegen. Es stellte sich heraus, daß der Kopf vom Rumpfe abgetrennt war. Die sogleich an die Stelle des Unglücks berufenen polizeilichen Crhebungsorganc stellten fest, daß der Tote mit dem Werkmeister Anton Schmidl der Firma Kanneberger in Weipert personengleich ist. Schmidl war am Vormittag noch beim Arzt gewesen und hatte über starke Kopfschmerzen, Ohrensausen und allgemeines körperliches Unbehagen geklagt; am Abend wartete er nach dem Nachtmahl in der Wohnung so lange, bis seine Eltern sich zur Ruhe begeben hatten und entfernte sich dann aus dem Haus, um sich wenige Augenblicke später unter die Räder des gegen Krima fahrenden gemischten Zuges zu legen. Der Unglückliche hatte ein Nervenleiden, durch das er in der letzten Zeit schwermütig geworden war. Unbekannte weibliche Leiche gefunden. Aus B ö h M.-W ies« n t ha l wird uns berichtet: Auf dem Wege zwischen Gottesgab und Böhm.-' Wiesenthal wurde beim sogenannten„Kalten Winter" von Passanten der Leichnam einer jungen Frau aufgefunden. Der Körper war bereits in Verwesung übergegangen, jo daß anzunehmen ist, daß die Leiche lange Zeit hindurch unter Schnee begraben lag. An einem Finger trug di« Fremde einen Ehering, ein Bein war von Tieren angenagt. Die Nachforschungen nach der Qtentität der Toten wurden cingeleitet. Schadenfeuer im Erzgebirge. Im Graslitzer Bezirke waren in den letzten Tagen, wie uns berichtet wird, mehrere Brände zu verzeichnen, wobei die angestellten Erhebungen den Verdacht der Brandlegung weitestgehend bestärkten. In Kirchberg geriet das Haus des Landwirtes Karl Schaller in Brand und wurde eingeäschert, in Stein brannte das Anwesen des Häuslers Andreas Lorenz ab und in Silberbach-Grund wurde der Besitz des Josef Steinmüller ein Raub der Flammen. Die Nachforschungen führten zur Verhaftung des Landwirtes Karl Schaller, dessen Eigentum hoch versichert war. Piihoda-Konzert in Innsbruck verhindert. Der Geigenkünstler Ba5a Prihoda wollte in Innsbruck ein Konzert veranstalten. Die Nationalsozialisten stellten sich dagegen mit der Begründung, daß, solange österreichische Künstler beschäftigungslos feien, ausländische»nicht auftreten dürfen. Die Nationalsozialisten kündigten eine Störung des Konzertes an, worauf sich die Konzertagentur zur Absage der Veranstaltung veranlaßt sah. Zum Vorfall am Wmterstadioa wird uns berichtet, daß es sich-nicht um einen folgenschweren Sturz des beliebten Torwartes der heimischen Mannschaft handelte, sondern um einen krampfhaften Hustenanfall einer Dame aus dem Publikum, die, obwohl wiederholt gewarnt, gewagt hatte, ohne Lakerol-Tabletten zum Match zu kommen. Glücklicherweise erkannte einer der Umstehenden rechtzeitig die Situation und so konnte die Dame, nachdem sie den Anfall mit Hilfe einiger Lakerol-Tabletten überwunden hatte, das spannende Match bis zum iLnde ohne weitere krampfhafte Hustenanfälle besichtigen. Lakerol-Tabletten wirken rasch, sind wohlschmeckend, desinfizieren Mund und Hals und sind der zuverlässigste Schutz gegen Husten, Heiserkeit und Halsinfektionen. Machen Sic einmal einen Versuch und Sie werden dauernd lakerolen. In allen Apotheken und Drogerien stets vorrätig. Generaldepot Brauner'S Apotheke„Zum weißen Löwen", Prag ll., Prikopy 12. 1903 Dementi. Zu dem von Trotzki verbreiteten Gerücht, daß der ehemalige Botschafter in Paris und London, Rakowski, ermordet worden sei, wird in Moskau offiziell erklärt, daß es sich um die Verbreitung einer Meldung handelt, welche jeder Grundlage entbehrt. Eine Bank kann ihre Schalter wieder öffnen, weil der Präsident tot ist. Der Präsident der First National Bank of Howell Getty in New Wilmington wurde mit einem Schuß aus einem Revolver tot aufgefunden. Nach einer bei dem Toten gefundenen Aufzeichnung wurde dem Umstande Aufmerksamkeit gewidmet, daß der Präsident eine Lebensversicherung auf 50.000 Dollar hatte. Dieser Betrag würde es nach einer Erklärung von Sachverständigen ermöglichen, daß die Bank ihre Schalter wieder ö f f n c t. wird untersucht, ckb sein Tod mit dieser Tatsache im Zusammenhang steht. Vorsicht beim Photographieren im Dritten Reich. Am Samstag, den 11. März, photographierte ein junger Mann das Gebäude der „Dresdner Volkszeitung", wovor- drei besetzte Wagen der Sicherheitspolizei standen. Drei SA- Leute sprangen auf ihn ztt, packten ihn und zerrten ihn in den Keller. Dort erhielt er mit einem Gummiknüppel zwei Schläge über den Hinterkopf und einen ins Gesicht, wovon er über dem linken Auge eine Geschwulst mit offener Wunde davon trug. Man versuchte von ihm Angaben über die Zugehörigkeit zu einer sozialdemokratischen Organisation' zu erpreffen, was er aber verneinte. Hierauf erhielt er weitere Schläge auf verschiedene Körperteil«. Dann wurde er aufs Pflaster geworfen. Dies geschah zn Gegenwart und vor den Augen der Sicherheitspolizei. Der Postauweisuugsverkehr mit den Bereinigte» Staaten von Amerika wieder ausgenommen. Di« amerikanische Postvevwaliung Hai am 16. März den Postanweisungsverkehr mit der Tschechoslowakei wieder ausgenommen. Der Herzog der Abruzzen ist in M o g a d i s ch n (Italienisch-Somali-Lantz) gestorben. Luigi Amadea Herzog der Abruzzen wurde im Jänner 1873 in Madrid als Sohn von Amadeo, Herzog von Aosta, einem Bruder des Königs Humbert und zeitweiligen früheren König von Spanien, geboren. Er trat in die Marin« ein, doch ist sein Name hauptsächlich durch die Erfolge bekannt geworden, die er als Bergsteiger und Entdecker errang. Im Jahre 1897 bestieg er als erster den Mount St. Elias in Alaska. Zwei Jahre später beteiligte er sich an einer Expedition zur Entdeckung des Nordpols, mußte aber auf dem Schisse„Stella Mare" zurückbleiben, als Kapitän Cagni mit einigen Begleitern bis zum 86. Grad n. Br., dem nördlichsten Punkte, den bis dahin eine Expedition erreicht hatte, vorgedrungen war. Im Jahr 1906 wandte er sich der Erforschung der Gebirge Ostafrikas zu, bestieg hiebei die Gipfel des Ruwenzori, denen er die Namen Margerita und Alexandra gab, erforschte das ganze dortige Gebirgsmassiv. 1909 war das Karakorum-Gebirge das Feld seiner Forschungstätigleit. Bei Besteigung des unter dem Namen„bl 2" bekannten Gipfels stellte er mit flinen Begleitern einen Höhenrekord auf. Während des Krieges in Lybien war der Herzog Befehlshaber der Seestreitkräste in der Adria und in mehreren Gefechten mit den Türken siegreich. Im Weltkriege wurde er zum Oberbefehlshaber der italienisch en Flotte ernannt und hatte als solcher auch englische und fran- zösische Kriegsschiffe unter sich. 1917 legte er das Kommando wegen Differenzen mit dem Admiral Thaon di Revel nieder und quittierte den Dienst. Später beteiligte er sich an der Ausarbeitung eines wichtigen Entwurfes zur Kolonisierung von Jtalienisch-Somaliland. Die bekanntesten seiner Bücher sind„Die Besteigung des Mount St. Elias" und„Ruwenzori". M»fikera«ekdote» Nachruhm. Bäla Haas, die böse Zunge Wiens in den Achtzigerjahren, ging einmal mit Brahms Arm in Arm durch den Stadtpark. In jedem Winkel ein Denkmal. Dor einem freien Platz bleibt Haas stehen nrfb sagt:„Sehen Sie, lieber Freund, hier wird sich in hundert Jahren auch Ihr Denkmal erheben; und Tausende werden da stehen wie wir und*..*(der Meister wehrt geschmeichelt ab) „... und werden fragen: Wer war denn das?!" Reger in Sachsen..Das Max-Reger-Fest 1924 in Dresden ist ausverkauft. Eine alt« Dame sieht enttäujcht vor der Kasse des Opernhauses, in dem die Konzert« stattfinden. Da naht sich ein höflicher junger Mann:„Ich gennte Jhiren noch'u Schdäblaz anbieden."„Och nee, danke, Räächer und ooch noch schdähn?" fragt di« alt« Dame verächtlich. Die Hakenkreuz-Vandalen. Am 9. Mörz drangen.’O bewaffnete iuU) uniformierte ÄS- &nt! e 7N die Wohnung de- SozialdemokDaien Tr. Klotz. der durch da» auf ibn verübt« A t ten* tat im Reichstag im Mai W besannt ist, in Berli n-Temvekhof ein, nachdem der ganze Häuserbsock durch weitere 100 Mann um- stellt morden war. Mit voryehaltenern Revolver wurde von der anwesenden Sekretärin Auskunft verlangt über den Anfeiu dalt des Dr. Klotz; als die Sekretärin dies« Auskunft^verweigert«, wurde ihr mit Gewalt ein Betäubungsmittel«rnaegeben, um sie im Dämmerzustände zur Auslage zu bewegen. Nachdem auch diele Methode versagt hatte, zerstörten di« SS-Deut« di« gan^e Wobnunaseinriä)» t u n g, u. a. auch dl« wertvolle Bibliothek; all« Wertgegenstand«. Tevpich«, Klei- dunasstülk«— auch von der Frau Klotz— wurden in drei Kraftwagen abtransportiert. Die Sekretärin wurde gefesselt in der Wohnung zurückoelassen und, nachdem di« Telephon« und di« Lichtanlage zerstört worden war, «»geschlossen; sie wurde etwa eine Stunde svät«r befreit.— Di« Wohnung^bot ein trostloses Bild; nicht nur daß das letzte Stück zertrümmert worden ist. d?«.„Kameraden" Hitlers nahm«« sich auch noch Zeit, in der Wohnung ihr« Notdurft zu »errichten und damit Wand« und Böden syst«- motrsch w beschmieren.— Als das angerufen« Uebersallskominando der Polizei erschien und als um Schu h der Wohnung und ihrer Jnkassen für die Nacht ersucht wurde, wurde dies abgelehnt; der leitende Polizeibeamte erklärt«,„er habe Frau und Kind zu Laus« und jede Ma ß- nahm« gegen di« Hakenkrnizler würde ihm Stellung und Brot kosten". Warenhäuser in Worms geschloffen. Die Wormser Polizei hat gestern«ngeordnet. daß die Warenhäuser aus Gründen der öffentlichen Sicherheit geschlossen zu halten find.. Radfahrer-Tod. Freitag abends fuhr der 48jähviHe Lehrer Karl Ra 8 ik aus Ksnov(im Tcschener Gebiet) aus einem Rade. Als er einem ihm entgegenfahrend«» Auto aus- weichrn wollte, kam von der entgegengesetzten Seite ein anderes Personenauto, das ihn zu Boden stieß, wobei er schwere Kopfverletzungen erlitt. Der Perletzte wurde in das Krankenhaus mich Mähr.-Ostrau gebracht, wo er gestern früh verschied. Der Verstorben« hinterläßt eine Frau und bi« unversorgtes Kind. Selbstmord einer Hausgehilfin. Donnerstag abends durchschnitt sich di« 22jährige Hausgehilfin Mari« Peyrovä in Piksen.in der Wohnung ihrer Eltern di« Pulsadern. Der heibeigerusene Arzt könnt« nurmehr den eingetretenen Tod'«st» stellen. Di« Ursache der Derzweiflungßtat bildet wahrscheinlich ein« unheilbar« Krankheit. Die UnzuMedene § n« Vervallin|i Prag II., Nekaiaflka 16. Da• Wochenblatt der Frau hottet mir M Helle* I k i 1 Sie geheimnirovlle Weinlchente bei Aim. Bon Max R. Funke. Archer de» Weg», Salvatore?" rief der Wirt dem Eintretenden entgegen. „Bon der Stadt, habe dort endlich meine drei Ochsen losgeschlagen." „El, ei, da gratuliere ich! Darf ich wissen wie Höch?". „Sechs Tausendlirestheine." „Sechstausend Lire? Da mußt du dir einen recht gut Schluck genehmigen." „Du siehst doch, daß ich deshalb gekommen bin! Was will der Gast vom Wirt eigentlich, als einen guten Tropfen von dem Seltenen?" Bald saßen Bast und Wirt im stillen Privatgemach in traulichem Gespräch be'sammen. Beide wrachen dem goldgelben Fraßrati beherzt zu. Salvatore ist«in junger, rüstiger Campagnuolo, und aus seinen dunklen, feurigen Augen sprüht «ine treuherzige Seele. Das so ungemein gute Geschäft und der feurige Wein haben den Sohn der römischen Kaurpagne sehr gesprächig gemacht. DaS verdiente Geld will er zum Ausbau seines Gutes verwenden und spricht sich mit dem Wirt über sein« verschiedenen Pläne auS. Er und der lustige Wirt sind intime Freunde, und zwischen solchen gibt es kein Hehl. - Gern wollt« Salvatore noch länger hier verweilen, allein, das Ave Hai schon au geklungen, und bald wird sich der Abend auf die Kampagne senken und bi» zu seinem.Heimatorte hat der junge Bauer noch zehn Kilometer durch ödes Brachland zurückzuteaen. „Dann auf Wiedersehen, Vater Ceco!" „Ach was, schon willst du gehen? Noch«in Gläschen vom Allerbesten, das wird dich schnell auf in« Deine heben." „Schön, aber nur noch ein einziges Gläschen, denn ich habe nicht viel Zeit mehr zu verlieren. Daheim warten ein Weib und meine Kinder." Der Wirt ging hinaus,«inen ander«,, Krise uns Ties« Frage drängt sich heute immer stärker in den Vordrzrund des allgemeinen Wirtschaftslebens, und wird n cht nur der Einzeln«, sondern in höchstem Maßstab« auch die Allg«ui«inheil von derselben berührt. Gerade die gegenwärtige Wirtschaftskrise stellt höchste Anforderungen an jeden Arbeitenden, sie verlangt, daß die LeistungSfähgkeit und danüt im Zusammenhang die Erwerbsmöglichkelt bis zur äußersten Grenze gesteigert iverden. Rheumatismus, Gicht, Grippe, Nerven, und Kopfschmerzen sind cs in erster Reih«, di« der arbeitenden Menschheil eben jetzt bei Eintritt kalten Wetters stark zuzetzen und soll sich daher jeder, der sich gesund und leistungsfähig erhalten will, gegen dies« Uebel zu schützen trachten. Aus unserem Leserkreis« erhalten wir zu dieser hochaktuellen Frag« folgend« Zuschrift: Im vorigen Fahre erkrankte ich an einer GelrnkSent- zünbung so heftig, daß ich bettlägerig wurde. Nach vielerlei Mitteln, die ich ohne Erfolg verwendete, ließ ich mir durch mein« Frau aus der nächsten Kranktzett. Apo heke«ine Schachtel Togallabletten kaufe« und hatte bereiis nach dein Gebrauch des Juhair«» dreier, Schachteln di« Möglchkeit wieb.rgotvonncn, aufzustehen. Ich war aber daniit nicht zufrieden,»ahm iveiier Togal und bin jetzt vollkommen wiederhergestellt, so daß ich meinen. Beruf ohne jede Störung aulüben kann. Älbin S., Zenlraldirekror, Brünn- Seidolvitz, Skiegergass«. Togal geht direkt z«r Wurzel des Uebels, es löst di«.Harnsäure und scheidet dieses Gift auS dem Körper, ist aber dabei vollkommen frei von Nebenwirkungen. lieber 6000 Aerzt« haben die gute Wirkung des Togal mit notariell beglaubigi«n Gutachten bestätigt. Machen auch Sie einen Versuch und kaufen Sie sich in der nächsten Apotheke ein« Schacht«!„Togal" in Or ginal-Packung und weisen 2i« Nachahmungen, di« wertlos sind, zurück. Wo nicht erhältlich, wollen Bestellungen an daß Generaldepot: Brauner'» Apotheke„Zum weißen Löwen", Prag H., Pkikoph Nr. 13, gerichtet werden. 1003 flimiiiii!iiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiitiiitiiitiiiiiiiuiiiiiiiiii{iiuinifliinii)iiiiiiii!iiiii»iniiit!iiniininiiinimnitiiiiiihmiiiiiiihiiiiiiitniiiiiiniiiirtiiiiniflinniimiiffli]Hfifltiimiit(iintiitinn Bankrott im Paradies. Ola Landschaft, in der Hollywood liest.— Der höchste, tiefste, heißeste und kiltesto Punkt Amerikas benachbart» Bon H. Fraenkel. Daß man Südkalifornien als das wiedergefundene Paradies bezeichnen kann, dies« Behauptung läßt sich, sozusagen mathematisch exakt, beweisen. Dazu bedarf es freilich eines Keinen kulturhistorischen Ansatzes. Also, bitte, Geduld: Daß, seit Menschengedenten, alle Städte westwärts wachsen, ist«ine kulturhistorisch^ be- glaitzbigte Tatsache, ebenso wie auch alle Völker» Wanderungen westwärts zogen, von den Langobarden und Ostgotrn bis zu den Auswanderern, die den Sprung über» große Wasser wagten nach dem westlichen„Land der unbegrenzten Möglichkeiten", ja bis zur amerikanischen VAkerwandc- nmg selbst, die, Mitte des vorigen Jahrhunderts, die„große Karawane" westwärts trieb, Neuland zu entdecken in jenem Wunderland Kaliforniens von dessen paradiesischer Fruchtbarkeit die Wun« derniär bis in den unwirtlichen übervölkert««: Ersten gedrungen Ivar. ES führt also, kulturhistorisch gesehen, eine gerade Linie von jenen Hunnen und Ostgoten, di« von elementarem GntwickKungSdrvng westwärts getrieben tvurden, bis zu den amerikanischen Pionier««, die, vor noch nicht hzmdert Jahren,' weder di« Einöde der Wüste noch die vergifteten Indianerpfeile fürchteten und, mit unendlicher Mühsal, drei schwer« Gebirgsketten überwanden, in der unbezwingbaren Sehnsucht nach jenem fernen gelobten Land des Westens. Erst seit wenigen Jahrzehnten ist bi« Erschließung des amerikanischen Westens, vollendet, Spricht man heute in Kalifornien von New f)ork oder Bosten, so sagt man„Dhe East", spricht man dort von Kalifornien, so sagt man„Tbe West", spricht man aber dort von Japan, so sagt man'nicht„The West", sondern„The Orient". Nach der strengen Logik der Landkarte ein grober Schnitzer.— Und doch hat der unbeirrbar« Sprachgeist recht, ja er ist hier sogar Dolmetsch eine» kühnen und großen Gedankens, nämlich nichts geringeren als daß dort, in Kalifornien, gewissermaßen das„Ende der Welt" sei, daß dort die seit Jahrtausenden westwärts drängenden Völkerwanderungen dai Ziel menschlicher Sehnsucht gefunden, daß dort also das gelobte Land" sei, das wiedergesimdene Paradi«». * Gibt es wirklich kein Fleckchen Erde, das von der Natur verschwenderischer bedacht, das noch „paradiesischer" tväre?— Gewiß, es gibt in den Subtropen, noch mehr in den Tropen, Landstriche, über denen der Himmel ebenso wolkenlos blaut, in denen die Vegetation noch üppiger wuchert. Aber eß gibt wohl nirgends ein Land, in dem di« Natur fv vielseitig wie in Kalifvvnien verschwendet, in dem, in dem Kimatisch, landschaftlich, vegetativ und soziologisch so viele Gegensätze auf so Keinem Gebiet und in solchem Ausmaß vereint sind. Es gibt da, zweihundertfimszig Meilen von Los Angele», einen Ausflugsort namens Lang Pinc(sämtliche Wild-West-Mm« werden dort gedreht), der liegt am Fuß de» höchsten Borges von Amerika, den Mount Whitney, der seine mächtige Glekscherkuppe, in ewigem Schnee und Eis, über Mont Blanc-Höhe reckt. Eine halbe Autostunde anderer Richtung von eben jenem Long Pine kommt man ins„TodeStal". den (etwas unter dem Meeresspiegel gelegenen) tief« sten Punkt Amerika», und auch die heißeste Gegend der Erde: Im Sommer dorthin zu fahren, wäre sicherer Selbstmord. Im Winter muß man, küVÄweise Wasser mitschleppen, um alle halbe Stund« im kochenden Wagen da» Kühlwasser zu erneuern. Steckt man zur-Mittagsstunde«in-Ei in den Sand, so ist es in wenige« Minuten gekocht. Eine Autostunde zurück und man erfrischt sich wieder am Anblick der schn-eebededeckten Mount Whitney-Kuppe.— Der höchste und der liessie, der heißeste und der kälteste Punkt Amerika» unmittelbar benachbart, das ist typisch für Kalifornien.— In Santa Monika, dem schönen Badevorort von LoS Angeles, kann man, an einem schönen Januar tag, ohne besonder» abgehärtet zu sein, ein Seebäd nehmen; dann steigt man in den Wagen, fährt auf herrlicher Autostraße, in anderthalb Stunden die hundert KKonreter b!» San Dernadino, und von dort Fiasco zu holen. Ein leiser Pfiff holte seine beiden Söhne herbei, denen der Alte zuraunt«: „Salvator« ist da,«r ist aus Rom mit sechs Tau- senbcrn zurück und geht ball» heim. Sein führt durch di«' Maechia, mehr brauche ich euch nicht zu sogen..." Vergnügt trat der schlau« Fuch» wieder in seinen Bau ein, und bald war auch di« zweit« Flasche geleert. Nun war Salvatore nicht länger mehr zu halten. Hurtig griff er nach seinem langen Stecken und schritt schnell der Maechia zu, die«r eine Stund« nach dem Ave betrat. Er war nicht betrunken, denn«in Italiener betrinkt sich ni«. Er sann über seine Pläne nach, deshalb achter« er nicht auf den Weg, wozu auch, da er ihn oft gegangen war. Plötzlich fühlte er sich von hinten angegriffen, und ehe er sich umsehen konnte, hatten ihn zwei handfeste, vermummte Kerle zu Boden, geworfen. Der ein« Räuber schnürt« ihm mit eiserner Hand die Kehle zu, der ander« durchsucht« mit seinen habgierigen Fingern die Kleider. Aber umsonst. Geld war bei diesem Bauern nicht zu finden. In ihrer Erwartung getäuscht, verprügelten sie ihn dermaßen, daß«r ohnmächtig auf dem einsamen Weg« liegen blieb. Di« beiden Wegelagerer schlugen sich unverrichteter Sache seitlvärtS in di« Büsch«. Ein« Stunde mochte wohl verstrichen fein, als Salvatore aus seiner Ohnmacht wieder er- ivachte, und da er so viel Schmerzen verspürte und er auch nicht die genügend« Kraft besaß, den langen Weg nach Haus« zurückzulegen, sah«r sich nach einem nahen Zufluchtsort« um. So schwankte Salvatore wieder der Weinschenke zu. Vater Eero war nicht wenig erstaunt, als er Salvatore wieder«intreten iah: „Nanu, Salvatore, hast du«nvaS hier vergessen? Madonna mia, wie siehst du nur auS!" rief ihm der scheinheilige Wirt zu. „In der Maechia haben mich Räuber überfallen. Leucht« mir ins Bett, ich muß mich erst diese Nacht von all dem Schreck erholen." „Poverello, Ich hätte dich gar nicht weglos- sen sollen... Accidentil.,. Dank« der guten Madonna, daß du noch mit dem Leben davong«- kommen bist!..."> „Gelobt sei Madonna dafür, auch für nwin« SechStausender. die ich noch bei mir hab«. Denn die Halunken tvaren Anfänger, weil sie an meinen Hut nicht gedacht haben." „Um so besser für dich! Hast du keinen dieser Kerle erkannt?" „Sie hatten ihr Gesicht vermummt, auch wechselten sie kein einziges Wort." Nun lag Salvatore zu Bett, aber er konnte doch nicht einschlasen. Seine Wunden brannten und schmerzten ihm nur noch mehr. Aber gegen Mitternacht konnte er«S nicht mehr auShalien, deshalb stand er auf, um in der Gaststube etwas Oel zur. Linderung seiner Schmerzen zu holen. Vater Ceco und seine beiden Söhn« mußten bereits schlafen, und er selbst wußte ja in der Gaststube Bescheid. Leis« schlich er die Stiege hinab. Doch er erstaunte, als er aus der angelehnten Gaststubentur Lichtschimmer fallen sah und ein seltsames, man könnte sagen geheimnisvolles Geflüster vernahm. Ceco redete mit seinen beiden Söhnen. „Wenn man sich auf euch verläßt, ist man ganz verlassen. Ihr habt in eurer Dummheit vergessen, das Hutfutter zu untersuchen. Dort hat dieser Kerl seine Tauftrtdlirescheine versteckt gehabt..." „Wir haben doch geglaubt, du haft ihm auf irgendwelche Weise das Geld abgeschwatzt, weil du uns gar keine Anleitung gegeben hast. Was können wir dafür, wenn die Sache schief gegangen ist?" „Es ist nur gut, daß er euch nicht erkairit hat." „Er ist zurückgekehrt, dann haben wir doch leichte» Spiel..." ,Hä, damit ihr mir dies Spiel wieder verderben könnt... Geht hinter daü Hau» und grabt im Garten eine Grube. In einer Stunde werde ich den Burschen schon kalt gemacht haben. Dann werfe ich ihn zum Fenster hinan», und ihr wißt, wa» ihr dann zu tun habt." Salvator«, der jede» Won begierig aufnahm saun über sein« trostlose Lage nach dann schlich er mit einem Fluch die Stiege zu seinem Schlaf- Gin neuer Beruf. Privat« Licherheiisinstitut« stellen in Einige» Städten Deutschland- Beamt« zur Verfügung, di« jedermann„im Abonnement" nach Haus« bringen. eine weitere Stunde in di« Berge, hinauf. Dann wird Man schon Schneeketten montieren' müssen und nach einer weiteren halben Stunde, in Lake Arrowhead, drei Stunden nach dem Seebad kann nwn rodeln und Ski fahren. Ich bin einmal, im NovemDcr.-mittags, durch die Mosawe-Wüste gefahren. Da war r» so heiß, haß uns das Kuhstvasser kocht». Noch im Laufsturm eineß 106-KIloNieter-Tempos war die Hitze kaum erträglich. Bier Stunden später, jenseits der kalifornischen Grenze, auf d»r Höh« der Sierra Nevada, kamen wir durch einen solchen Schneesturm, daß uns der Scheibenwischer an der Windschutzscheibe festfror. Seebad und Wintersport- an iineni Tag, romantische Fehschluchten und idyllische Meeresstimmungen, einsam« Düfte, herrliche. Palmen- und Zypressenhaine und die schönsten Hoch- gebirgsmvtive, pittoreske Mexikaner-- Neger» und Chinesenviertel und prunkvolle Billeiistkdte, Wildwest und modernste Großindustrie, Ueber- fluß an Frucht und Blumen, aber auch Oel, Gold »nd Silber aus derselben unevschöpflicken Erde, und zu alledem noch der Film, ein« ganze Stadt, die nur Kulisse ist für eine Ttaumwrst— und all da» in. einem ejnzigeft' LaM.^tzoS-gar nicht sehr groß. MrchMrtt, voM Heu hfrrliMten Autostraßen,, auf denen auch d^r Aerwste sein eigenes Vehikel fährt— ist diese» Land Kalifornien vielleicht doch da» wiedergefundene Paradies?— Nun, ich kenne Menschen, die auch dort nicht überaus glücklich sind. Vielleicht hat unsere verehrte Ur°Mama Eda doch Recht gehabt, als sie von jenen« verbotenen Apfel naschte und durch ihr« Neugierde ungeahnt« Perspektiven eröffnete. Vielleicht ist jene Neugierde(niächtigster aller Menschrntrieb«) wichtiger, vielleicht ist jene Vertreibung aus dem Paradies und die stete S«h>r- sukt danach besser al« jedwede paradiesisch« Erfüllung. zimmer hinauf und bereitete sich zum Kampfe vor. Nach.LandeSsitt« hafte er ein langes Mester in seinem leoernen Stiefelschaft, da- Li« MorLbuben ihm nicht abgenommen haben. Er nahm«S in die Hand, stellte sich hinter Sie Tür und wartet«, biS der alte Ceco erschien. Endlich nach langeni Warten vernahm er gllf der Stieg« ein leise», vorsichtige» Schleichen, dann ging or« Tür auf. Grauschwarz Äautr di« Nächt' zu dem kleinen Ferrster hinein. Ceco trat mit«inem Mordzeug in der Hand ein, Ta-t war ein furchtbarer Anblick! Zwei Mordaedanken durchkreuzten sich! Ceco schleicht vorgebcugt, die Hand zum Stoß erhoben, gegen das Bett vor.... da, ein g«wastig«r Seitensprung, zum Todesstoß..-. das rächende Mef^r hatte gesprochen. Der-Mordgeselle lag entseelt zu Boden. Von dieser seiner Tat überwältigt, brach Salvator« zusammen. Erft der kalte Schiveiß brachu- ihn wieder zur Besinnung. Da zog Salvatore deni Toten die Kleider aus, und legte ihm die Seidigen an. Nach getaner Arbeit öffnet« er da» Fenster und schob durch dies«» denr Grabe seine Beule zu. So Ivar für Salvatore der Weg frei.■.. Schon am frühen Morgen, als noch dl« Buben in ihrem tiefen Schlaf. lagen, begehrte rin Trupp Earabinieri Eingang in di« Osteria. ,,Wo ist euer Vater?" fragt« der Sergeant den ältesten der Brüder. „Was wissen wir? Gestern abend wurde ein Freund von ihm in der Macchia überfallen, der sich dann hierher schlappt«, und nun hat unser Vater ihn nach Hause begleitet.".... „So, so, wir werden schon euren Vater im Garten sicherlich treffen!" Di« Carabinieri fanden bei der Durchstöbe- rung des Gartens das frischgeichaufelte Grab, da« die Söhn« zähneklappernd unter der Aufsicht der Soldaten auDraben mußten. Bald erkannten di« Söhn« mit Schaudern das entstellte Gesicht ihre» Vaters... und der totgeglaubte Salvatore, als Opfer ihrer Anschläge, stand im gleichen Augenblick wie«in Rachegeist au» dem Jenseits vor ihren Augen. reit« 8 Sonntag, 19. März 1933 Nr. 67 Verfangen Sie In Jeder Verkaufsstelle de» Konsumvereines SELCHWAREN der Hm» HEGNED& Cie.. PILSEN Selchwaren der Pa. HEGNER• de, PILSEN SIND DIE ALLERBESTEN I PRAGER tEITIIMG. Mi-Feme nn der-eMfchea UmoeriiM? bin Drohbrief au den Vorsitzenden der Bereinigung der soziaUftischen Studenten. Genosse Raimund Willimek, der Vorsitzende der Freien Bereinigung sozialistischer Akademiker in Prag, erhielt gestern folgenden anonymen Brief: „Bei dem unerhörten Benehmen, das die m a r x i ft i sch e Schweinebande, bei denen Sie Oberbonze und Schweinehirt sind, an den Tag legt, können wir nicht länger znschaue«. Wir haben kein« Lust uns mit euch Verbrechern» die wir genau so wie euere Plattenbrüder in Deutschland abkillen werden, noch weiter herzuftellen. Auch bei uns wird der Tag kommen, wo das Volk erwacht und euch Verbrecher kalt machen wird. Da ihr jiidischmarxistische Gauner das völkische Bewußtsein von allen völkischen Studenten durch das Verteilen von hundsgemeinen Flugzetteln gegen unseren(!) Führer Adolf Hitler und durch das Beschmiere« der deutschen Universität mit eueren Gaunerzinken, der Mistgabel der»Mechern«« Front" und der Reichsbananen empört habt, werden wir Euch nicht länger schone«. Die Abrechnung wird bald erfolge«, darauf könnt ihr euch verlassen und dann werden Sie der erste sein. Merken Sie sich das und sagen Sie das auch den übrigen Schweinen, die euerer Gaunervereinigung angehören. Tod den Sozi-Bolksverrätern! Es lebe das erwachende Deutschland!!!" Ohne natürlich auf diesen einzigartigen Hcr- zenscrguß eines entfesselten Sude:entrottcls meri- torisch-einzugehen, begnügen wir uns, ihn der Ocffentlichkeit als charakteristisches Merkmal jener Gesinnung preiszugeben, die unter wohlwollender Duldung der akadeiyischen Behörden an unse«n Hochschulen eine Atmosphäre hervor- zubringen bestrebt ist, die jedem Kri/turmenschen oinfach unerträglich ist. Wenn di« Nazistudenten, die außer Görings Reden an die deutsche Nazion nichts gelernt haben, ihr« studierenden Kollege» an der Arbeit veHindern und die sozialistischen Studenten einschüchtern wallen, di« im leidenschaftlichen Abwehrkampf für,di« Erhaltung der Lehr- und Lern- fveiheit stehen, kann dem dre Arbeiterschaft nicht gleichgültig gegenüberstehen. Sie muh fich gegen jeden Versuch der llebertragung reichsdeutscher Hunnenmethoden kräftig zur Wehr setzen. Sozialistische Jugend, Prag— Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker— Einheitsverband. Dienstag, den 21. März, spricht Genosse Dr. Max Adler, Wie» über „Politische«ad soziale Demokratie" Uhr abend, Dopz-Saal, Jungmaunov» 29. Anmeldungen bei den Genossen Ullmann, Hübner, Willimrk, Trude Kohn, Rausch, Schwab. Vorträge and Veranstaltungen Der Vortrag Dr. Siegfried Bernfelds, der gestern abends hätte stattfinden sollen, mußte wegen Erkrankung des Vortragenden abgesagt und verschoben weiden. Entröe wird rückerstattet. Vereinsnachrichten Bezirksverein Arbeiterfürsorge Prag. Die diesjährige Generalversammlung findet am Freitag, den 31. März, um 8 Uhr abends im Kleinen Saal« des Gewerkschaftshauses am Bergstein statt. Heute in Prag Messebeginn. Heute wird m Prag die 26. Prager Frühjahrsmesse eröffnet und dem freien Messeverkehr übergeben werden. An ihr werden 1927 Aussteller teilnehmen, welche für ihre Erzeugnisse im In- und Ausland neuen Absatz suchen. Obzwar es angesichts der Hemm- uiss« im zwischenstaatlichen Verkehre schwer ist, in großem Umfang« Exportgeschäfte abzuschließen, so wird doch die Meffc gerade heute, wo jeder i Auftrag, willkommen ist, für das Auslandsgeschäft von Bedeutung sein, insbesondere, als nach Meldungen der Meffeleitung bereits ausländische Einkäufer eingetroffen sind. Im Gegensatz zu früheren Messen, bei welchen erst Samstag mit den Jn- stalationsarbeiten begonnen wurde, waren diesmal die Aussteller schon die ganze Vorwoche damit beschäftigt, ihren Ständen eine der heutigen Kaufkraft entsprechende größere Anziehungskraft zu verleihen. Manche Sondergruppen sind so gut besetzt, daß dem Flächenbedarfe nicht mehr ent- sprmhen werden konnte. Im allgemeinen wird man auf der diesjährigen Prager Frühjahrsmesse die Beobachtung machen können, daß Industrie, Gewerbe und Handel alle Anstrengungen machen, ins Geschäft zu kommen. Jahresversammlung der Deutschen Studeutrn- fürsorge. In der abgehaltenen' Jahresversammlung des Vereins„Deutsche Studentenfürsorge" gab der Obmann Prof. Tschermak-Seysenegg ein Bild von der vielseitigen Hilfstätigkeit, durch welche die Studentenfürsorge im vergangenen Jahr« mit Erfolg die ärgsten Auswirkungen der wachsenden Wirtschaftskrise von den Studenten fernzuhalten vermochte. Die wesentlich verschärfte Notlage in den letzten Monaten veranlaßte bereits die Studentenfürsorg« zu auhrrordrntlichen Hilfsmaßnahmen, deren ständig« und wahrscheinlich erhöhte Ausgestaltung unerläßlich erscheint. Freitischaktion für deutsch« Hochschüler. Die stei- tzendr Wirtschaftsnot hat die Bcrpflegsfürsorge um jdie deutschen Hochschüler in den Vordergrund der Hilfsarbeiten gestellt und die Deutsche Studentenfür- sorge veranlaßt, an Stelle der bisherigen einmaligen ! Beteiligungen, die wöchentliche Ausgabe von Frei- ! tischanweisungen einzuführen. Im Rahmen der nunmehrigen Freitischaktion wurden 506 deutsche Hoch- | schiller mit je 6, 4 oder 2 freien Mittagesten wöchentlich für die Dauer des Sommersemesters beteilt. Rechnet man zu dem erforderlichen Aufwande von shlö 80.052.— die Ausgaben für dir Freitischaktion im Wintersemester in der Höhe von Kö 63.801.—-, di« Tschermak-Seysenegg-Stistung mit rund 16.000 Kronen, die Freitischaktion für die Pkibramer deutschen Hochschüler mit Xe 3500.— und die Berücksichtigung der Mitarbeiter, sowie der akuten Notfälle, ssö hat die Deutsche Studentenfürsorge im Schuljahre 1932/33 einen Gesamtaufwand für Freitische in der Höhe von rund K5 185.000.— zu verzeichnen. Kunst und Wissen y. Hansi Nies« ist immer freudiger und dankbarer ! Aufnahme sicher, auch wenn sie mit einem so schwalchen Lustspiel, wie Eugen Hollys„Katharina, ,dit Widerspenstige" und mit einem mäßigen lEnsembl« kommt;.daß sie kein volles Haus hatte, ist gewiß nicht auf eine etwa nachlassend« Anziehungskraft dieser größten Komikerin der Deutschen Bühn«, sondern auf di« UeberfüNerung des Prager deutschen Theaterpublikums mit Gastipielen zurück- zuführen. Im übrigen: so albern auch di« Geschichte von der bankrotten Fischhändlerin sein mag, der urplötzlich ein millionenschwerer Cousin aus dem Wasser ihrer Karpfenbehält«r hilft und so sehr auch 'dieses Lustspiel Beweis dafür ist. daß dir dümmsten Frlmsujets immer- mehr auch die Theater geistig unsicher machen— die Nies«-ist,- was st« immer zu sprechen und zu mimen hat, herzbezwingend mit ihrem drastischen, derben und doch so gefühlsbetonten Humor, mit ihrem merkwürdigen Itimminstrument, das Fagott zu sprechen und dann wieder Piccoloflöte zu pfeifen scheint; und immer wieder bewundert man, wie die Niese dem anheimelnden wie dem saftigen Wienerisch Dialekt- und Tonfall-Geheimniste entreißt und gewissermaßen instinktiv uird genial zugleich die inner« Gesetzlichkeit, den Empfindungs- gehalt und die Denkweise derer von der schönen blauen Donau durch das Idiom anschaulich mach'. — Die groß« Künstlerin erntet« viel herzlichen Beifall für einen lustigen Abend. I. g. „Auslandsreise" mit Curt Bois(D 2) Freitag, Erstaufführung. Preis« nicht erhöht(4—52 K(. Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Heule, 11 Uhr: Kammermusik; Uhr nachm.: Arbeitervorstellung:„Hoffmanns Erzählungen"(in den vier Baritonpartien Hans Schweska als Gast);%8 Uhr:„Glückliche Reise"(B2). — Montag, Uhr:„Das Rh«ingold"(Bank- bcamt«n I und II, AA.).— Dienstag,%8 Uhr: „Glückliche Reise"(A 2).— Mittwoch, halb 8 Uhr:„Die drei Musketiere"(AA.).— Donnerstag,%8 Uhr:„Figaros Hochzeit", Gastspiel Maria Jvogün(AA.).— Freitag, halb 8 Uhr:„Auslandsreise", Gastspiel Kurt Bois (D 2).— Samstag, Uhr:„La Boheme", Gastspiel Maria Ävogün(AA.). Wochenspielplau der Kleinen Bühn«. Sonntag, 3Uhr:„Eva saniert das Paradies"; 8Uhr: „Bor Sonnenuntergang".— Montag. 8Uhr: „Komödie der Irrungen".— Dienstag, 8 Uhr:„Jchhabeeinen Engelgeheiratet" (anläßlich der Prager Mustermesse zu volkstümlichen Preisen).— Mittwoch, 8 Uhr„Komödie der Irrungen'.— Donnerstag, 8 Uhr:„Eva saniert das Paradies".—Freitag, 8 Uhr: „Candida"(Kulturverbandsfreunde).— Samstag, 8 Uhr:„Eva sani«rt das Paradies". Ann- Spiel ♦ Körnemtleoe Wie ist der Schiedsrichter? Er ist wir«in Detektiv— denn er sieht alles. Er ist wi««in Weiser— denn er ist überlegen und leidenschaftslos. Er ist wie ein Richter— denn er kennt dir Pa- ragraphen. Er ist wie ein Vater— denn er ermahnt unt verwarnt. Er ist wie«in Statistiker— denn er zählt die Tore. Er ist wie eine wohlerzogene Tochter— denn er spricht wenig. Er ist wi« ein Lotteriedirektor— denn er nimmt dir Verlosung vor. Er ist wi« ein Mensch— denn er irrt sich. Der Film Der Paradiesvogel. Es war nicht ganz leicht, ein Talent, wie Dolores del Rio(ihre Leistung im Stmmnfilm„Auferstehung" bleibt unvergessen) unmöglich zu machen; mit einiger Anstrengung unsichtlichem Geldaufwand ist der Versuch dem Regisseur King B i d o r, einem der begabtesten Filmmenschen, im Auftrag der Ucberkitschproduktion PDC. geglückt. Nach bewährtem Muster wurde wieder einmal ein Südseefilm ohne Südsee fabriziert: dazu nimmt man mit Erfolg aus den„Weißen Schatten"(der Kastenerfolg dieses Films von S. von Dyke ist jedem Filmmacher ein Stern von Bethlehem) das Motiv'der Liebe eines weißen Mannes zur Eingeborenen; aus Murnaus unsterblichem Werk „Tabu" das sorglose Südseemilieu so«twa um Bali herum; ein« dekadent« Frau mit sorgfältigst manü- lirrten PariS-Modellnägeln als Iyp des unberühr- ten Südserjnngfrau; dazu einen feschen Lulatsch amerikanischer Ausmachung mit elegantem Haarschopf und möglichst tadellosen Szenen zum Lachen und Liebezeigen; beide verwickelt man in di« Lieb« auf den ersten Blick.; die verboten ist, w«il auf der Süds« und dcn drinliegenden Änseln zwar kein Verbot des Filmens seitens beachtlicher Hollywooder, dafür aber der Liebe zu den unsterblichen Schönen des Landes bestehl: dies« find heilig, tabu, und wer daran nicht glaubt und di« entsprechenden Keusch- heilSkonsequenzcn nicht daraus zieht, der wird am offenen Feuer geröstet und vorher gepeitscht, in rechter Vorausahnung der neuesten Errungenschaften dcS Tritten Reiches. Wenn dann di« kulturausbauenden Instinkte der fascisierten Bürgerbande genug befriedigt und angenehm angereizt erscheinen, kommen die bewaffneten Edelhüter des Kolonialimperialismus und füsilieren aus Aulturgründen die waffenlosen Eingeborenen; dann geht man recht befriedigt heim, besonders wenn sich sogar der Ahnvater-Vulkan der gegenständlichen Insel ins Zeug legt und di« Tragik durch«in Erdbeben, verbunden mit einem Erdriß recht deutlich unterstützt: so entsteht und wird ein Großfilm. Das ganze wurde stellenweise genial von King Bidor fotographiert;«s gibt lange Pastagen, bei denen man di« vollkommene Absenz der Kultur, des Verstandes vergißt. Unterwasserbilder, bratende Sonne am Meer, Kanoes in Unzahl, ein« Jagd aus den Hai sind einzigartig. Dann bricht alles ab, man baut Interieurs mit Vulkanen und rasender Lava; überläßt die Dolores del Rio und Joel Mc. Craen ihrem traurigen Geschick... XV. L- Verbreitet die Arbeitervrelle. der deutschen proletarischen Organisationen in Prag Montag, den 20. März 1933, 20 Uhr abends, im Heine-Saal in Prag-Weinberge, Fochovä 25 1. Einzug der Jugendgenossen und-Genossinnen unter den Klängen der Marseillaise(Bläserchor des Neuen Deutschen Theaters) 2. Rezitation: Fritz Valk, Mitglied des Neuen Deutschen Theaters in Prag 3. Gedenkrede, gehalten von Universitäts- Professor Dr. Max Adler(Wien) 4.„Die Internationale*. ßegiebeltras 3 Kt. Jugendliche und Studenten Je 1 Kc. Arbeitslose freien- Eintritt. Kartenvorverkauf bei Gen. Mittenhuber(Gec, Fügnerovo 4), beim Arbeiterverein, Smetky27, und bei Optiker Deutsch, Graben(Koruna) Hfflcilungen der„Urania" Wochenprogramm: Heute, JO Uhr: Handelskurs. Fr. Schenk. Heut«,%11 Uhr:„Chikago, Weltstadt in Flegeljahren." Ein spannender Reportage- Film aus der zweitgrößten Stadt der USA. Heute, Mil Uhr: Rhetorik. K. Salzer. Heute, 5 Uhr:„18. Jahrhundert in Frankreich." Kunstgeschichtlicher Zichtbildervor trag. Dr. Messer. Montag, 8 Uhr:„Ueber di« gegenwärtig« Anschauung Vom Aufbau des Kosmos." Mit Lichtbildern. Dr. E. Finlay Freundlich, Einstein-Institut, Potsdam. Montag, K9 Uhr:„Chikago, Weltstadt in Flegel fahr« n." Di« Stadt, in der di« Weltausstellung stattfindet. Dienstag, 3 Uhr: Führungindi eRadio- me ss«. Treffpunkt: Eingang zur Radiomesse. Gäste willkommen. Dienstag, 8 Uhr:„Endlinge und Sonderling« aus der höheren Tierwelt." Mit Lichtbildern. Geheimrat Prof. Dr. H e ck. Direktor des Berliner Zoologischen Gartens. Mittwoch, 3 Uhr:„Grock, der König des Lachens." Dazu:„Die Nibelung«»sage", erzählt mit Lichtbildern. G. D ob rau er. Jugendveranstaltung. Donnerstag, 8 Uhr:„Das Geheimnis des Macocha-Abgrundes auf dem Land- und Wasserwege gelöst.' Mit Lichtbildern. Univ.-Prof. Dr. Karl Absolon. Freitag, 8 Uhr:„W«lterkenntnis und Selbsterkenntnis." Mit Diskussion. Univ.- Prof. Dr. Johannes B e rw e y« n, Bonn. Freitag, 8 Uhr:„Die Frau im Konflikt des Alltags." Olga Sachsel-Lichtensteün. IH. Vortrag im Frauen-Zyklus Samstag, 3 Uhr: Eibestran- ins Wikingcrland." Kulturfilm. Erstausführung. Samstag, 8 Uhr:„Aus eigenen Dich tu n- g c n." Hans W a tz l i k. Neuern. Vorankündigung:„Technisch« Lei st ungen der Blüte." Mit Lichtbildern. Univ.-Prof. Doktor Fritz Knoll.(Abschicdsvortrag vor Antritt der Lehrtätigkeit an der Wiener Universität.) Montag, 27. ds. Dazu alle praktischen und Sprachkurs« der Urania-Volkshochschule. Karten zu allen Veranstaltungen, Mitgliederanmeldungen: Urania-Kassa, Smetschkagasse 22, halb 10 bis halb 1 und 3 bis 7 Uhr. Fernsprecher: 26321. * Wran-Nrania-Kino. „Gitta entdeckt ihr Herz" mit dem Künstler- Ehepaar Gitta A l p a r— Gustav Fröhlich. 2, 1, 6, Xtz Uhr. Literatur „Wehe den Besiegten!" Den meistrn Gewerkschaftlern ist Woytinsty als bedeutender Statistiker und Mitarbeiter des ADGB bekannt, als ein Mensch, der ganz in feinen wissenschaftlichen Arbei- len aufgeht. Als nun Woytinsky in seinem bei der Büchergilde Gutenberg, Berlin,«rschie- nrnen Buch„T«r erst« Sturm" von den in fein« Zugenderinnernngen fallenden Ereignissen der rustt- ichen Revolution von 1905 zu erzählen anfing, horchten viele auf. Hier sprach ein Mensch, der die Vorgeschichte der großen russischen Revolution aus eigener Anschauung kennt, der mitten iu der Bewegung und im Kampf stand. Woytinsky jetzt jetzt Zeinen Bericht fort:„Weh« hen Besiegten!.. Büchergildc Gutenberg, vorzüglich ansgest»rr^t und tn Leinen gebunden, Preis 25 K. In'einem Buch erleben wir den Zusammenbruch aller revolutionären Hoffnungen nach 1905, das Wüten der siegreiche» Reaktionäre, di« Verhaftung und Gcfängniszeit Woytinskys bis zur Verschickung nach Sibirien. Woytinsty weiß, daß er als Sozialist nicht ein Einzelschicksal in den Vordergrund stellen kann, und so wird sein Buch denn zu einer großen erschütternden Tragödie des ganzen russischen Volkes. In den Kapiteln, in denen er von seinen Gefängniserlebnissen spricht, äußert sich der ganze Heroismus einer Klasse, die für ihr« Ide« unerhörte Opfer zu bringen imstande ist, und di« trotz Galgen und Deportation den Glauben an die Zukunft nicht verliert. Das ist das Groß« und Aufrüttelnde an diesem Buch und macht es gerade für unser« Zeit wertvoll und bedeutsam. Darüber hinaus läßt es erkennen, daß die russische Revolution, die so oft geschmäht und verkannt wird, das Resultat einer Periode ist, di« in der Geschichte der Menschheit nur von den Greueln der spanischen Inquisition übertroffen werden kann Die vielen Tausende, di« in den Jahrzehnt«» vor der Revolution in den Zuchthäusern Rußlands zu Tode gemartert wurden, erheben ans dem Buche Woytinskys ihre anklagend« Stimme. Gerade durch di« Einfachheit seiner Erzählung und durch di« peinliche Sachlichkeit übt Woytinsty rin« Wirkung auf den Leser aus, der sich keiner entziehen kann. Di« Neuerscheinung der Büchergilde Gutenberg verdient einen Platz in der Bibliothek jedes Arbeiters.- ■■——'■«II'—■■■ I II -«r« U« aed« r eiejftreS lack— Itkefttbatieat: ffiitbeln Äiefcnet.— Lerantworilicher Redakteur: Dr. Emll Straus. Prag.— Druck:„Rata- U.-S. für Zrttuua» and Buchdruck, Prag.— Für den Druck derautwartlich: Ott«»obt. Prag.— DK Z«nung»»arleniranckatni wurd««au art Säst.». retrarauhrudnetii»»»II Erlab Rr. VtMOIVXirlSBO bemtttiot.— 8e|ng«bei>ingungen- Set Zustellung in» Hau« oder bet Brgug durch di« Poft urauatlich Kä 16.—,»ierteljädöich Ü«d—’ stat»i«tzrig K« 96.—, ganz,adlig K* WS,—,— Inserat, werden laut Tarts dilltgtz berechnet. Bet attaraa Utulchaltu»««» Prettuachlatz— Rückstellung°IU> Lauuslripieu erfolgt nur bei Einsendung der 9tamtnM*tak’