4 13. Jahrgang. Mittwoch, 22 März 1933 3tr 69. Die Simmeringer Sdiutz- bttndler freigesproöien! Wie«, 21. März.(Eigenbericht.) Heute wurde in Wien die Schwurgerichtsverhandlung gegen die Schutzbündler zu Ende geführt, die wegen der Zusammenstöße beim Simmeringer Arbeiterheim am 16. Oktober des Vorjahres angeklagt waren. Damals hatte die Polizei im Avbeiterheim eine Waffensuche veranstaltet und dabei das Heim vandalisch zerstört. Als nun noch die Hakenkreuze ler die Arbeiter provozierten, kam es zu Zusammenstößen, in deren Verlauf zwei Nationalsozialisten und ein Polizist erschossen wurden. Obwohl es keinesfalls feststand, daß dies« Schüsse von Schutzbündlern abgegeben wurden, wurde eine größere Anzahl von Schutzbürwlern angeklagt,«»runter fünf wegen Mord. Gegen diese letzteren hatte heute der Staatsanwalt die Höchstftrafr, nämlich lebenslänglichen Kerker, beantragt. Die Geschworenen haben jedoch nach langer Beratung mit 8 gegen 4 Stimmen alle angeklagten Schutzbündler f r e ige s p r o ch r n. Der Staatsanwalt hat die Nichtigkeitsbeschwerde angemeldet, so daß fünf der Angeklagten vorläufig weiter in Haft behalten wurden. kinberninng des ilauptaussdinsses? Wien, 21.. März. Genosse Dr. Nenner hat heute als Obmann des Hauptausschusses des Nationalrats an die Obmänner der Parteien ein Schreiben gerichtete in dem er st- rin lad et, für DonnerttM nachmittags zu einer Sitzung des Hauptausschusses zusammenzutreten und die Wipderslottmachung des Parlaments zu beraten. Die Ingangsetzung des Parlaments ist um so notwendiger,.als sich nun zeigt,.' daß die Bemühungen' der Regierung nach Sanierung des zusammengebrochenen Bankinstituts v o l l k o m- men vergeblich waren. Die bereitgestellien Mittel haben sich als viel zu gering erwiesen, um die Finanzkatastrophe der Dank zu verhindern. In dieser Situation hält es Dr. Renner für. ein Verbrechen, nicht den Versuch zu unternehmen, einen geordneten Parlamentarischen Betrieb wiederherzustellen. Die Regierungsparteien haben zu dieser Einladung bisher noch nicht Stellung genommen.. Ungarns Außenminister in Wien. Auf der Rückreise von Italien. Wie«, 21. März.(AN.) Um dreiviersel 10 Uhr abends. ist der ungarische Außenminister K a u y a aus Italien hier eingetroffen. Er wurde am Ostbahnhof vom Bundeskanzler Dr. Dols- fuß begrüßt. Nach dem Empfange begab sich der ungarische Außenminister mit dem ungarischen Gesandten in die Stadt. nandeishodKftnlc gestossen. Wien, 21. März. Nach den gestrigen Aus- schveitungen d?r nationalsozialistischen Studentenschaft wurde heute die Hochschule für Welthandel auf unbestimmte Zeit geschlossen. Der steirische Landtag gegen die Regierung Dollfuß. Graz, 21. März. Im steirischen Landtag haben gestern die Sozialdemokraten, di« Großdeutschen und der steirische Heimatschutz, der bekanntlich in scharfem Gegensatz zu Skarhemberg steht, di« Annahme von Anträgen, die der. Regierung das Mißtrauen aussprechen und ihren Rücktritt verlangen, durchgesetzt. Di« Oppositionsanträge wurden mit 24 gegen 23 Stimmen der Christlichsozialen und des Landbundes' angenommen. Vertagung in Genf bis nach Ostern? Genf, 21. März. Entgegen, den ursprünglichen Dispositionen ist heute abends von Henderson bekaüntgegeben worden, daß der Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz zusammentreten werde, um über die Frage einer Vertagung der Konferenz bis nach Ostern Beschluß zu fassen. Man hat den Eindruck, daß diese Vertagung der Konferenz irgendwie mit den römischen Besprechungen in Verbindung steht. i sich«uf die Notverordnung zum Schutz von»st.Dir Zusammensetzung dieser Sondergerichte hitkrfreundlich zu sein, sie halten das. deutsche und das Verfahren vor ihnen wird in weiteren Regie- Berlin, 21. März. Di« Reichsregierung kündigt drei weiter« Notverordnungen an, die nur noch der Unterschrift des Reichspräsidenten bedürfen. Di« erste Verordnung betrifft eine vollständig« Amnestie für all« Straftaten, die bis ei«, schließlich heute von festen der entmenschten Hakenkreuzsoldateska und sonstiger rechtsstehender Verbände angeblich nur„aus bestem Wollen für das Wohl des Reiches" begangen worden sind. Bereits verhängte Strafen werde« erlösten, ebenso alle Nebenstrafen und gesetzliche Nebenfolgen, wie Geldbußen etc. Anhängige Verfahren toerden eingestellt, neue Verfahren nicht mehr eingeleitet. Garnison, welche an Hindenburg, der rung und den Reichstagsmitgliedern, den Generalen der alten Armee, darunter Mackensen und Seeckt, dem Kronprinzen und der Geistlichkeit vorbeidefilierte. begeht oder androht und dabei ungerechtfertigt di« Uniform oder«in Abzeichen eines der erwähnten Verbände trägt. Ist diese Tat begangen, um einen Aufruhr zu erregen oder dem Deutschen Reich« außenpolitische Schwierigkeiten zu bereiten, so tarnt aus lebenslängliches Zuchthaus, ja auf Todesstrafe erkannt werden. Gefängnis bis zn zwei Jahre« droht jedem, der vorsätzlich eine unwahre oder gröblich entstellte Behauptung aufstellt oder ver- Wir wisten nicht, was dem Herrn pro.e- stierenden Gesandten im Außenministerium geantwortet wurde, wir schätzen nur, daß es sehr zeitgemäß gewesen wäre, ihm zu bedenken zu geben, daß die Tschechoslowakei noch lange nicht eine Kolonie des Dritten Reichs ist. Iedenaflls kann man über das Maß der in Berlin ausgebrochenen Zimperlichkeit erstaunt sein. Wie?' Das sind dieselben Herren, die, wenn sie vom politischen Gegner reden, dies nicht anders tun, als im Zusammenhang mit Ausbrüchen des wildesten Hasses? Die nur vom„Zerschmettern",„Erledigen" und„Vernichten" alles dessen kvaftmeiern,>vas gegen sie und ihre Pläne anfzumucken wagt und daß sie damit nicht etwa bloß die geistige Neber- windung meinen, dafür legen di« schon bisher gelieferten Beweise ausreichend Zeugnis ab. Mehr als zehn Jahre lang hat der deutsche Fasrismus im Schuhe der Demokratie nicht nur in der gemeinsten Weise geschimpft, gehetzt, keine Nichtswürdigkeit, keine Verleumdung erschien ihm groß genug, um damit die Vertreter der Republik und der demokratischen Reichsverfassung zu besudeln, er hat auch phv- sische Gewalt geübt und viele Hunderte republikanisch, sozialdemokratisch und konmmnistisch gesinnter Menschen ivurden von den Erneue- rem Deutschlands im Laufe dieser Jahre I alles niedergetrampelt, was im Verdachte . stand, eine eigene Meinung zu haben, sie haben ! den Rundfunk beschlagnahmt und all« Tribunen vernichtet, von denen ein offenes Wort gesprochen werden könnte. Sie haben auch allen Zeitungen den Zutritt nach Deutschland ver wiesen. Auf Vorschlag Dr. Fricks wurde dann durch Zuruf der bisherige Reichstagspräsident Goe- r i n g mit Stimmenmehrheit wieder zum Reichstagspräsidenten gewählt, zum ersten Vizepräsidenten einstimmig der Abgeordnete Esser(Zentrum), zum zweiten und dritten Vizepräsidenten die Abgeordneten Graef(deutschnational) und Zörner(Nationalsozialist). Nachher hielt Goering«ine große Ansprache, m der er di« Rückkehr von Weimar nach Potsdam feierte und u. a. erklärte, daß der Geist von Potsdam nichts(?) mit Kasernhofton zu tum habe, sondern„Pflicht, Disziplin, Arbeit und Sauberkeit" bedeute. Er endete mit einer Anstrude- lung des Reichskanzlers und beraumte die nächste Sitzung auf Donnerstag an. Auf der Tagesordnung dieser Sitzung steht bereits eine Aenderung der Geschäftsordnung, die jede leiseste Regung, einer Obstruktion unmöglich machen soll, eine Erklärung der Reichsregierung und das Ermächtigungsgesetz, das in Form eines Initiativantrages eingebiracht wurde. In politischen Kreisen rechnet man damit, daß das Ermächtigungsgesetz bereits in der Donnerstagssitzung des Reichstages verabschiedet wird. Die Zentrumsfraktion wird erst heute abends und am morgigen Mittwoch vormittag ihr« Entscheidung treffen. Man zweifelt aber nicht daran, daß die Fraktion ihren Mitgliedern die Abstimmung freigeben wird und daß damit die Zweidrittelmajorität gesichert ist. SA und Stahlhelm gesetzlich geschätzt Die zweite Notverordnung stellt die militärischen Formationen der Hakenkreuzler sowie den Stahlhelm und die anderen Kampfformatio nen der Rechten unter besonderen staatlichen Schutz, und zwar ,^ur Abwehr heimtückischer Angriffe gegen die Regierung der nationalen Er hebung." Der bloß« unberechtigte Besitz einer Uniform dieser Verbände durch Richtmitglieder wird mit Gefängnis bis zu zwei Jahren he»„,......._.. straft, auf das Tragen eines die Mitgliedschaft breitet, di« geeignet ist,„das Wohl des Landes,, Doch das genügt nicht den Herven in Ber- kennzeichnenden«Zeichens steht Gefängnis da« Ansehen der Reichsregierung oder der h,n-i Deutschen Reiche haben sie nicht unt«r ein«m Monat. Zuchtha«s ter»hr stehenden Parte»«« und Äer«—. J. 5-■ J bis zn sechs Monaten droht dem, der eine bände(!) schwer zu schädigen; es kann auch auf strafbar« Handlung gegen Personen oder Sachen Zuchthaus erkannt werden. vlldnng von Sondcrgerlditen. Für jeden Oberlandesgerichtssprengel wird zieht, soweit nicht die Zuständigkeit des Reichs- ,,, «in Sondergericht gebildet, dessen Zuständigkeit geruhtes oder des Oberlandesgerichtes begründet hote«, pie ihren^ Ehrgeiz reicht darin erblicken, a' Staat und Boll und die oben«rwänntr Berard-_ nung zur Abwehr heimtückischer Angriffe b«., Paragraphen ausführlich festgelegt. Mit Gott und der SA beginnt der Reichstag das Dritte Reich. Berlin, 21. März. Die Eröffnung des Reichstages fand heute in Potsdam unter Aufbietung aller Macht des staattichen Apparats und der nationalen Verbände statt. Die Abgeordneten der Parteien, welch« sich an der Sitzung in der Potsdamer Garnisonskirche betei ligten— die Sozialdemokraten blieben ihr fern— wurde« in Sonderomnibuffen der Reichspost aus dem Reichstagsgeböude nach Potsdam gebracht, wo vor der Tagung Gottes dienste für die katholischen»nd protestantischen Abgeordneten abgehalten wurden. In der Umgebung der Garnisonskirche war ein riesiges Aufgebot der Berliner Polizei, der SA- und SS-Truppen zusaminengezogcn, welche durch Abteilungen des Stahlhelms verstärk» wurde. Die Zugänge zur Kirche wurden durch SA- und SS-Führer besetzt, welche Hinden burg und seine Begleitung erwarteten. Nach der bei den HakeUkreuzlern seit einiger Zeit üblich ge wordenen Methode wurden durch Rundfunk ständig Berichte über die Vorgänge gesendet^ um in der Bevölkerung die gewünschte Begeisterung hervorzurufen. Besonders hebt der offizielle Be richt des Wolffbüros die Anwesenheit der Hohenzollernprinzen August Wilhelm, Eitel Friedrich und Wilhelm, hervor, welche an der Spitze ihrer Ehrenkompagnien der SA mar schierten. An dem katholischen Gottesdienst nahm Hindenburg, aber weder Hitler noch Goeb bels teil, da die Erklärung der katholischen Bischöfe, daß die Nationalsozialisten Abtrünnige seien und nicht in den Genuß der Sakramente kommen dürften, bisher, wohl durch ein Ver sehen, nicht widerrufen wurden. Nach dem Gottesdienst begann die Sitzung in der Garnisonskirche, welche durch eine An sprache Hindenburgs begonnen wurde, worauf Hitler seine Rede hielt. In langatmigen Auslassung«»» versuchte Hitler, sonst ängstlich darauf bedacht, im Ausland nicht anzuftoßcn, die Schuld der Dynastie und der deutschen Regierung am Kriege abzustreiten und die Nottvendigkeit zu beweisen,, daß alle sich dem eisernen Zwang" der nationalen Regierung un terordnen. Die Rede beendete er mit einer An- strudelung des Reichspräsidenten^ welchem er noch vor kurzer Zett den baldigen Tod in Erin- »»«rung gebracht hatte. Dann drückten Hindert» bürg und Hitler einander die Hand. Nach einem Schlußchor begab sich Hinden burg in die Königsgruft, um ander» Särge»» der Hohenzollernkönige Kränze nicderzülegsn. Um 1 Uhr begann di« Parade-er Potsdamer Vic ZlmpcrHdien. Vorsicht: Porzellan! Eine der ersten Taten der neuen Herren Deutschlands war nach restloser Ausmerzung jeder unabhängigen Presse im Inlaird die Anlegung einer Proskriptionsliste für ausländische Zeitungen. Wo irgendwo in England, Frankreich, Belgien, Polen, Oesterreich, der Schtveiz und der Tschechoslowakei«in Blatt erscheint, das nicht wie etwa die„Bohemiä" in blinder Demut vor den Herven Machthabern erstirbt und das gegenüber den von den Nazigarchen im Zeichen der nationalen Erneuerung verübten Grausamkeiten die Stimme der Menschlichkeit zu erheben wagt, hat es zu erwarten, daß es früher oder später auf diese init jedem Tage länger werdende Berfemungsliste gesetzt und ihm der Weg nach dem nun mit den Segnun- 1 gen des Hakenkreuzfvscismus bealückte'" I Deutschland versperrt wird. Doch das genügt nich» den Herven in Ber- Bolk geistig, politisch und phvfisch unter ihrer schrankenlosen Gewalt, dennoch sind sie nervös über jede im Ausland verbreitete Nachricht aus Deutschland, di« nicht den parteiamtlichen Nazistempel trägt, auch wenn sie noch so wahrheitsgemäß die Vorfälle in Deutschland schildert und besonders dann. Me glauben wohl, das ganze übrige Europa wäre in die Botmäßigkeit des Dritten Reiches geraten und auch all« Zeitungen i»n Auslande hätten di« Pflicht, sie stramm und begeistert rsit Fascistengruß zu grüßen. Es kann keinen anderen Sinn und Zweck i haben, daß der deutsche Gesandte in Prag, Dr. Koch, bereits zum fünftcnmal« in I den letzten Tagen beim tschechoslowakischen | Außenministerium wegen Veröffentlichungen I über Deutschland erschien, als den, auch der I Bevölkerung der Tschechoslowakei vorzuschrei- ben, welche Art geistiger Kost ihr vorgesetzt werden darf uiti) welche nicht. Bei den ersten vier Besuchen wäre»» es„Vorstellungen", die der-Herr Dr. Koch erhob, das fünftemal brach»« er, lvie die Gesandtschaft meldet,„Protest in ernstester und driirgl ichster Form" vor und zwar ist es die Schreibweise des„Sozialdemo- -instimmi^dem'«VschäftS^rdnün^i^schuh ü'be'^ I krat" und des„Prager Montagsblatt", gegen vas sich in Rußland ereigne, und es gehe Rußland nichts an. was sich in Deutschland abspiele. Aul eine weitere Frage, warum geduldet werde, daß Trupps junger Nationalsozialisten di« Eingänge von Warenhäusern bewachen, die Juden angriffen und noch viele andere Dinge täten, die die nichtdeutsche Welt tadele und als Machtmißbrauch ver- «rteu«, antworrete Reichsin'nister Goering. daß er unter allen Umständen Gesetz und Ordnung aufrechtcrhalten werde. Er habe gerade 15 SA- Leute entlassen und sie bestraft, weil sie eigenmächtig auftreten wollten.^Gemordet wird jetzt nur noch auf Befehl! Die Red.l Er glaube nicht, daß man in Zukunft viel über Unregelmäßigkeiten in Deutschland hören werde. Man möge bedenken, daß man in den letzten Wochen eine R-vol'tt'nn erlebt habe, und mau werde dann zugeben müs- sen, daß sie mrt besonders wenig Blutvergießen(!> äbgeganqen sei. Reichsminister Goering erklärte schließlich noch, daß er in seiner Eigenschaft als Reichskommissar für die Luftfahrt Deutschlarck in der Luft so stark machen wolle, wie die Umstände eS erlauben. Anlilasclsiisdie Kurdjeüaig ia Mähr.-Sffiönhen. Zwei Versammlungen statt einer tinneiislroni der Arbeiterschaft- Die Nazi Kneifen in ytircniottiburg. Montag abend fand in der mährischen Nazihochburg Mährisch-Schönberg eine von der Sozialdemokratie einberufene Kundgebung gegen den Fascismus statt. An der Demonstration beteiligte sich auch di« kommunistisch« Arbeiterschaft und statt der geplaMrn eine», mutzten zwei Versammlungen abgehalten werden, deren eine von 806 bis 1600, während die Parallelversammlung von 400 bis 500 Menschen besucht war. In beiden Versammlungen sprach für unsere Partei Genoss« Dr. Franz«!, der nach einer Darstellung der deutsche« Verhältnisse die fasristischen Gefahren in diesem Staat« besprach und die Arbeiterschaft ausfordert«, an der Schaffung«iner geschlossenen«nd einheitlichen Kampffront zn arbeiten, solang««S Zeit ist, den Fascismus abzuwehren. Für di« Kommunisten sprach Abg. H a d i k, der zwar die Sozialdemokratie nicht angriff, aber doch versucht«, die geschichtlich« Entwicklung als«ine volle Rechtfertigung der Kommunisten hinzustellen. Daher erwiderte ihm Gen. Franz«! in der zweite« Versammlung in einem Schlusswort, in dem er die geschichtliche Schuld der Spaltung der Arbeiterklasse«nd di« Nn'issänalickkest nnd Erfolglosigkeit der bisherigen kommunistischen Taktik betonte, die keineswegs nachahmenswert sei. Aus den beiderseitigen Fehlern müssen wir lernen und die wichtigste Lehre kann doch nur das „Proletarier vereinigt Euch!" sein, das es heute ohne di« Pole«»«« über di« Vergangenheit«nd ohne breite taktische Kontroverse« zu verwirkliche» gelte. Beide Versammlungen bekannte« sich in stürmischer Begeisterung zum Kampfe für di« Einheit der Arbeiterklasse nnd gegen di« faseistisch« Katastrophenpolitik der Bourgeoisie. Di« Nazi, denen am Tag« zuvor i« Bezirk Schönberg zwei eigen« Versammlungen misslungen waren«nd die man aus zweien unserer Versammlungen hinauSaeworfen batte, wollten in Schönberg Rach« nehme«. Si« versammelte« ihr« Anhänge^ auf einem offene« Platze, wagte« dann aber nicht, in die Versammlungslokale der Arbeiter z« ziehen. So hat auch dies« Kundgebung bewiesen, d.atz die einig« Arbeiterschaft lehr Wohl in der Lag«!st, den Terrorder Nazi auch in ihren Hochburgen zu brechen und dem Vroletariat die Bewegnnasfreiheit für weitere Kämpf««nd schwere Entscheidungen sicherzustellen! »ranne Petre In Lelfmerlfz Arbeiter unter Naziterror. Am vergangenen Sonntag sankt auch in " eitmeritz eine Kundgebung der Arbeiter gen den deutschen Fascismus statt. Zu dieser Kundgebung wurde mit Plakaten einaeladen, in denen hingewiesen wurde auf den Hakenkreuz- fasciSmus, der mordend und Plündernd durch di« Arbeiterquartier« eutscher Stadt« und Dörfer rast. Diese Wahrheit konnten die Nazis nicht vertragen. So ließen sie denn in der„Leilmeritzer Zeitung" ein«„Ankraoe" an die sonst wenig geliebten tschechischen Behörden los, in der daraus hingewiesen wurde, daß auf den Plakaten die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei als Verleger zeickne. was nicht zulässia sei. Di« Leilmeritzer Bevölkerung wurd« in dieser„Anfrage" aüfgefordert. sich di« sozialdemokratische „Provokation" nicht gefall«« zu lassen. Diese Aufforderung war umrahmt von Lügen aegen die Sozialdemokratie. Die bürgerlichen Staaträte sollten dam verbalten werd««, den Markt- vlatz kür die Kundaebung nickt zu bewilligen, der Behörde liefen gewisse teutlche Deimnzianten di« Türen ein, um ein Verbot der Kundaebung zu erreichen, arün« Nazijuiwen erklärten, daß am Sonntaa Blut fließen müsse und später wurde «in Flugblatt verbreitet, in dem es u. a. hieß: „Deu!scher Arbeiter, deutscher Bauer! Zeigt diesen Marxist schen Heuchlern, daß ihr unter der Maske des Marnsmus die Fratze des Blutter- rorS und des Arb?'terverra:es und des Bauernhasses erkannt habt Kommt am Sonntag, den 18. März, um 10 Uhr vormittags nach Leitmeritz und demonstriert mit uns für Freiheit und Bro'!’ D N S. A. P." Schließlich wurden noch die sozialdemokratischen Plakate von den Wänden gerissen. Geaen einzelne Sozialdemokraten, die an den FreiheitS- pfeilrn kenntlich waren, setzt« ein G a s s enter r o r em. an dem sich auch Mittelschüler und Schulkinder beteiligten. Die Bemühungen der Nazis, ein Verbot der lozialdemokranichen Kundgebung zu. erreichen,! blieben erfolalos. Di« Behörde hatte aegen Ter- rorverkucke Gendarmerie einqesttzt. Die Kundgebung wurde unter großer Beteiligung abgebalten und war von vräcktigem Kampfgeist ae- tragen. Ein gewisser Dr. David, dessen arische Abstammung schon durch den Namen bewiesen wird, jaulte an der Spitze halbwüchsiger Jungen gegen die marschierenden Arbeiter, die schließlich doch auf dem Marktplatz ausmar'ck'ert waren. Ein Krankenkassenbeamter namenS G r' l l»ersuchte, den Tempeldiener, einen armen Teufel, der auf, der Straße gesehen wurde, nach SA- Manier„aufzunorden". Als ein sozialdemokratischer Ordner hinzukam, türmte er. Die Terror- und Einschüchterungsversuch« der Nazis hab.cn bewirkt, daß viel« Arbeiter unserer Pa-rtei beitraten. Feige auSgekniffen. In W a g st a d t sollte am Sonntag, den 19. Marz d. I. eine große antimarxistische Versammlung im Saale des bürgerlichen BräuhauseS stattfinden. Schon durch Wochen war eine rege Tätigkeit, ausgehend von der Nationalpartei und den Nationalsozialisten, bemerkbar, welche sich nicht nur auf Wagstadt, sondern auch aus die ganze Umgebung erstreckte. Sollte doch nach reichsdeutschem Muster den Marxisten vor Augen geführt werden, wie mächtig die bürgerliche Reaktion ist. Damit di« Behörde auch gnädig sei, sollte diese Versammlung unter dem Motto„Tie wirtschaftliche Not des«Volkes" stattfinden. Nm des Gelingens der Versammlung sicher zu sein, gewann man auch Sie C h r i st l i ch s o z i a l c n, di« Gewerbepartei und den Landbund. Auf großen Plakaten wurden als Redner ange- kündiqt: Abg. Jng. R. Jung, E. S ch o l l i ch, Dr. Luschka, Prause und Sekretär Kunz. Am Lande wurden die Plakate bereits Freitag, in der Stadt selbst jedoch erst Samstag aukgc- geben, denn Vorsicht ist die Mutter der Weisheit. Arbelteanleihe audi vom Senat angenommen. Prag, 21. März. Der Senat verabschiedete! heute in fast fünfstündiger Sitzung die beiden Vorlagen über die Arbeitsanleihe und di« Kuponsteuer und vertagte sich dann bis nächsten Montag, d. i. bis zum 27. März, um 16 Uhr. Aus der Tagesordnung dieser Sitzung stehen lediglich Immunitäten; man erwartet jedoch bereits di« Zuweisung der Mieterschutzvorlaqe aus dem Abgeordnetenhaus« die dann am Dienstag von den Ausschüssen und am Mittwoch vom Plenum des Senats erledigt werden soll. In der Debatte, in welcher neun Redner sprachen, erklärte sogar der kommunistisch« Sprecher, nicht grundsätzlich gegen die Anleihe zu sein; seine Partei verlange aber Zwangsmaßnahmen, damit die Reichen zur Zeichnung gezwungen werden. Genoss« Kris wies darauf hin, daß der kommunistische Vorredner nur mühiam Argument« gegen die Anleihe zuisammentragen konnte. Es stehe außer Zweifel, daß bei sorgfältiger Vorbereitung di« Anleihe ihre Sendung erfüllen und viel Elend lindern werde Der tschechisch« Agrarier Novak machte für wertere Lohnherabsetzungen Stimmung— dafür werde der Arbeiter angeblich länger arbeiten können und so mehr verdienen; di« Produktion würde dann steigen und sich verbilligen,, wir. würden im Ausland wieder konlurrenstähig werden ete. eie. Novak stellte di« weitere Lohnherabsetzung direkt als Voraussetzung für d«e Verbilligung der Produktion hin. ohne di« auch die Arbeitsam leih« nichts werde helfen können. Kostka(AWG.) stellte sich gegen di« Einführung des Sammelkontos gegenüber Deutschland, weil hiedurch di« Glas» und Textilindustrie neuerlich geschädigt würde; der Einfuhrüberschuß gegenüber Deutschland habe im Jänner d. I. nur 19 und im Feiber bloß 9 Millionen betragen, so daß kein Grund für di« Einführung des Sammelkomos bestanden habe. Stöhr(B. d. L.) steht auf dem Standpunkt, daß die Zinseulverbilligung der Landwirtschaft nichts hilft, da sie auch«inen Zinssatz von 5 Prozent nicht bezahlen könne; für di« Hypothekarkredite sollte«:» Zinsfuß von 3 Prozent sdstgelegt werden Im Schlußwort stellte ModraLek u. a. fest, daß Deutschland hinsichtlich des Widerstandes gegen das Sperrkonto nicht von wirtschaftlichen, sondern von politischen Motiv«n geführt sei; wir wollen mit unseren Nachbarn in Frieden leben, aber wir lassen«ns auch nichts befehlen! Maiirlsclischieslsclic Lniiiiesvcrtrcfting. Brünn, 21. März. Heute wurde um 10 Uhr vormittags die mährisch-schlesische Landesvertretung eröffnet. Anstelle des in den Senat einberufenen tschechischen Agrariers Mächura wurde der agrarische Fachlehrer Josef Dvorak angelobt. Bon den 20 Vorlagen, di« in der Landesvertretung zur Beratung stehen, wurde heut« die Debatte über die Landesanleihe in der Höh« von 9 Millionen Kronen zur teilweisen Deckung des InvestitionserforderniffeS für das Jahr 1933 eröffnet. Die Beratungen wurden bereits um halb 3 Uhr abgebrochen und werden morgen und wahrscheinlich auch übermorgen fortgesetzt werden. Orttnner Fascistcnprozcs». Die Oberproknratur in Brünn sandte dem Itaatsgericht di« Anklageschrift gegen 58 Fasti- sten. die im Zusammenhang m»t dem Ueberkall auf die Schimitzer Kaserne in Brünn angeklagt sind. Außer den direkt an diesem Ueberfall Beteiligten sind der ehemalige General G a j d a und der Major Josef Uvi ra unter den Angeklagten, während der ehem. Bezirksrichter Dr. BaLny nicht genannt ist. Die Anklageschrift ist 47 Seiten stark. Der Prozeß wird nun doch im Schwur- qerichtssaal des Brünner Kreisstrafgerichtes stattfinden. Nun waren die Marxisten neugierig, wie sich Herr Abg. Jung die Behebung Ser Wirtschaftsnot vorstellt und was er über die Mordbanditen seiner Partei in Deutschland z« sagen hat. Die Versammlung war um halb 10 Uhr vormittags anberaumt, aber, bereits um 8 Uhr früh war der Saal von Sozialdemokraten und Kommunisten besetzt. Nach langem Warten geschah etwas, auf das niemand gefaßt war: Es kam die Parole, daß die wenigen Bürgerlichen, welche sich im Saale befanden, in die deutsche Turnhalle zu kommen haben, wohin mit Zustimmung des Herrn Bezirkshauptmanns die Versa mmlung verlegt wurde. Zu dieser „öffentlichen" Versammlung hatten allerdings die Marxisten keinen Zutritt mehr. Es ist somit seit Sonntag ein« neue Versammlungsort von der Bezirkshauptmannschast in Wagstadt eingeführt worden. Bei den Versammlungsteilnehmern im Bräuhaussaale löst« diese Feigheit großes Gelächter aus. Nach kurzen Ansprachen durch Genossen Heller und den Sekretär Luft von der kommunistischen Partei wurde nach Absingen der International« der Saal verlassen. Diese Versammlung war, obzwar sie eigentlich gar nicht stattfand, ein Kräftemessen zwischen Bürgerblock und Arbeiterparteien; der Bürgerblock lief feig vor der Abrechnung davon... Shatzer mifefttr die,,ootif>inta“ seitens der tschechische« Gewerbepartei. Die deutsche« Oppositionspartoien und namentlich die gute Tante„B o h e m I a", die jede Meldung über Hakenkreuzgveuel in Deutschland als unzulässige Einmischung in reicksdentiche Verhältnisse mit gutgespielter moralischer Entrüstung in Grund und Boden verdammt, haben in der gestrigen Parlanientssitzung ganz unerwartet Sukkurs bekommen: Der Abgeordnete JirS- sek von der tschechi-chM Gewerbepartei— also einer Partei, die sott ihrem Austritt aus der Rogieriinq auf«Den Versammlungen und ans ielwr Seite ihrer Zeitungen eine wüst« Deutschenhehe entfaltet, vor der sich manch- mals selbst die Stribrnh-Pvefle verstecken muß— kam auf einmal den Herren Dr. Peters. Hassold, Sckolkick. Krumpe usw. mit vollen Seaeln zu Hilfe. Auch Herrn Jiräi'ek hat nänrlich die Schreibweise unsres Blattes über di« brutalen Gewalttaten und Morde der Hakenkreuzbanditen in Deutschland schon lange nicht gefalle« wollen, und seitdem gestern sogar der Prager deutsche Gesandte dagegen protestiert hat, ist Herr Jirösck ganz außer sich: In der Zeit, da Präsident Masaryk davon ge- sprocken babe, daß man sich nicht in die innere« Derbältniffe Deutschlands einmiichen solle,„h»tzt das Blatt des aktiven Ministers Dr. Czech auf solche Weise gegen die deutsch« Regierung und gegen Hitler, daß das bereits vier diplomatische Schritte Deutschlands anSgelöst hat." Das ist doch wirklick oin unerhörtes Verbrechen. und es fnent uns direkt, daß.Herr Jiräsek darin einer Meinung ist mit unserer deutschen Ovvosition und ihrer Presse! Zeiat sich doch darin wieder einmal klar und deutlick die Inter- nationalität des Hasses aller Bür- aervarteien gegen die Arbeiterklasse und ihre sozialen und kulturellen Errungenschaften!| ' Wenn bi? arbeitende Klasse eines Landes von entmenschten Landsknechten brutal unterdrückt, ibre Press« vernichtet, ihr Eiaenwm besetzt, zerstört oder«raubt, ihre Funktionäre eina-tperrt oder abaeschossen werden dann ist das für di« Patentdemokraten im Nachbarlande eine innere Anaeleaenheit" dieses anderen Staates, über die bei Gott nicht ein Wort der Kritik geäußert werden darf. Augenscheinlich rechnen die Herren Jirösek und Konsorten damit, daß bald auch bei uns der ersehnte Auaenblick gekommen sein wird, der verfaßten D-nnokratie und den Errungenschaften der Arbeiterklasse den Garaus zu machen: dann wäre eS ihnen ja auch nicht rocht, wenn sie dabei durck unangenehme MeKumgen in der Aus- landsvress« auch nur im geringsten«-hindert würden. Da muß schon rechtzeitig eine Hand die andere waschen? Wir können unseren deutschen Oppositions- parteien und namentlich der lieben alten Tante „Bohemia" zu der unerwarteten Schützenhilfe von dieser Seite nur auf das herzlichste gra-- tulieren?, v, Freiheitliche Lehrer mifoeprcht! Lehrerverhaftungen im Reich. In Dresden wurde der Junglehrer Fischer unter Bedeckung von nicht weniger als 200 bewaffneten SA- Leuten mi'ien aus dem Unterricht heraus weggeschleppt. Mehrere Kinder verfielen in Schreikrämpf«. Fast alle leitenden Funktionär« des sächsischen Lehrervereines, einer Organisatton, die dem rechtsstehenden deutschen Beamtenbund angeschlossen ist, wurden verhaftet. So unter geradezu abenteuerlichen Umständen auch der 'Schulleiter Petzold vom Stadtteil Dresden Loschwitz. Er ist, wie auch Junglehrer Fischer kein Alarxist. Sein Verbrechen besteht aber darin, daß er weltlichen Sch u lu n te r rich: erteilt hat. Nr. 69. Mittwoch, 22. März 1933. S«te 3 rannt M| 60 Jahre. Die Zeit in äer wir[eben ist furchtbar ernst. Di« Errungenschaften-er Arbeiterklasse, die sic sich in jahrzehntelangem Kampfe erobert hat, sind in Gefahr, Terror wütet gegen die pro!« arischen Organisationen in unseren Nachbarländern in-er brutalsten Weise. Jetzt haben wir alle Hände voll zu tun, abzuwehren und vorzukehren. Wir finden trotzdem Zeki, ein Weilchen«inznhalten und Rück- fchcm zu halten, als Beweis für die Liebe und Anerkennung, die wir unserer Jubilarin ent- gegenibringen. Immer mehr von der alten Garde erreichen da§ sechzigste Lebensjahr. Eine Generation«ft „dt" geworden und die vielen Namen von Genossen, deren Verdienste aus Anlaß ihres 60. Ge- bur stages in den letzten Jahren in unserer Presse gewürdigt wurden, gehören nicht zu den Letzten m der Bewegung: das war eine Generation von Idealisten, von begeisterten Kämpfern, von opferbereiten Genoffen und urrter solche: Führung ist die Partei groß geworden, hat sie Sieg auf Sieg an ihre Fahne geheftet und Niederlagen leicht überwunden. Diese„Alten" sind Beispiel für viel« Jungen. Unsere Fanni gehört zu den ältesten Mitgliedern der Partei uich gehörte schon dazu, als sie noch verhältnismäßig jung tvar. Lange Jahre war sie ein bescheidenes, in aller Stille, doch unermüdlich für di« Bewegung in ihrem Bekanirteirkreis« wirkendes Mitglied. Sie leistete neben der mündlichen Agitation von Person zu Person der Partei auch ihre Hilfe durch schriftliche Arbeiten und ihr Sehnen wär darnach gerichtet, der Partei ganz dienen können. Das «var in einer Zeit, wo es für Frauen noch nicht so einfach war, sich in der Politik Geltung zu verschaffen und für di« Genossin Blatny doppelt schwer, well sie aus dem Bürgertum kam und die Arbeit«: in solchen Fällen immer eine bestimmte Reserve zeigen. Doch ehrliches Wollen und heiße Liebe sirr die Enterbten der Gesellschaft beseitigte diese Hindernisse rasch, und anfrich igc Liebe bleibt selten unerwidert. So wurde Genossin Blatny bald eilte Vertrauensperson, deren Rat in den Organisationen Karlsbads und darüber hinaus gern« angenommen wurde. Tas heißt, damals war sie za nicht die Genossin Blatny, sondern führt« als Ledige den Namen Klein. Durch ihre Eh« mit dem Gewerkschastsbeam'cn der„Por- zelliner" Genossen Leopold Blatny wurde sie auf ein paar Jahr« der Benrcgung drS Karlsbader Gebietes cirtzogen und lebte in Wien. Dies« Jahre haben aber ihre sozialistisch-theoretische Ausbildung vertieft, denn Genossin Blatny hat die in Men so zahlreich zur Verfügung stchenden Bildungsmöglichkeiten reichlich ansaenützt. So kam sie nach dem frühen Tode ihres Mannes als eine noch viel wertvollere Kraft in die Heimat zurück und nahm ihr« Parteiarbeit, die si- mm mich noch als Vermächtnis ihres teuren Toten hochhielt, wieder auf. Eine Bereicherung geistiger Anregung erhielt sie auch durch die Freundschaft mit dem Genossin Hillebrand. Nur eine Schwäche hatte si« — die Scheu vor dem Reden in den Versammlungen— und selbst, als sie im Jahre 1920 r« das Parlament kandidiert wurde, kostete es ihr größte Usberwindung, in Versammlungen zu sprechen, vorläufig nur als zweite, neben einem Genossin Doch der Will« siegte, es wurde besser und besser, und heut« ist sie eilte der beliebtesten und begehrtesten Rednerinnen. Das flammende Temperament wird bei ihr ersetzt durch überzeugende, mütterliche.Herzlichkeit, die sich auf die Zuhörerschaft überträgt. Intern« Freunde wissin, daß di« parlamentarische Tätigkeit unsere Genossin Blatny im Anfang nicht befriedig:«. Hie sah zu wenig Erfolge bei dieser Arbeit. Doch bald kamen di« Hilfesuchenden in immer wachsenden Massen zu ihr» si« intervenierte in tausenden Fällen und hatte viel« klein« Erfolge, si« half und hilft durch dies« Arbeit vielen, vielen Menschen und darin findet ihre liebende Menschlichkeit eine Befriedigung, wenn ihr Sehnen auch nach m«Hr und größerem geht. Sie war die Inspiratoren vieler Anträge im Parlament, di« sich mit Frauenfragen befassen. Seit 1923 ist Genossin Blatny auch Reichssekretärin für die Frauen in unsirer Partei und sie führt diese Geschäfte einwandfrei uird selbstlos. Ueberall, Wo sie gerufen wird, erfüllt sie ihre Pflicht und mehr als das, überall aber wird sie auch geliebt. Bei der letzten Frauen-Reichskonferenz im Vorjahre wurde ihr das Amt der geschäftSführen- den ersten Vorsitzenden des Frauen-ReichSkomi- iees»ertragen. Heute ist sie im ganzen Reiche die bekannteste Genossin und fpielt auch in der Internationalen Frauenbewegung ein« Rolle. Ihre sichere, zielklare Einstellung, von der sie in keiner Situation abweicht, kennzeichnet ihre Befähigung zur Führerin, und si« vertritt die Jnterrsieu der Frauen smvie der gesamten Arbeiterschaft in all den Körperschaften der'Gesetzgebung und öffentlichen Verwaltung, in den Parteikörperschaften vom Parteivorstande angefangen bis hinunter zum lokalen Frauenausschuß, in die sie das Vertrauen der Parteimitglieder entsandt hat.* Ws Genossin ist sie ein lieber, stets^ hilfsbereiter Mensch, kein Hilfeiucherüier verläßt sie ungetröstet; wer aber das Glück hat, sie Freundin nennen zu können, erfährt dadurch persönliche Bereicherung. Unsere Fanni ist bei all ihren Fähigkeiten nnd Eigenschaften doch ein bescheidener, selbstloser Mensch, dem das Wohl des Nächsten und der Gesamtzeit über alles geht und Personenkult liebt sie nicht. Wir wollen ihr aber doch am heutigen Tage lagen, wie wir ihr für ihr« Treu« uv- Aufopferung dankbar zugetan sind, wie sehr wir sie lieben und verehren. Nnftr aufrichtigster Wunsch ist, sie trotz ihrer 60 Jahre noch recht lang«, in geistiger Frische tätig bei der Bewegung zu erhalten. Dke Zeit stellt uns neue, große Aufgaben, wir wollen sie gemeinsam meistern; das ist sicher im Geiste unserer Jubilarin gesprochen, denn„Schwierigkeiten sind da, überwunden zu tverden," so hör en wir sie alle schon sagen. ,Mkück auf für di« weiter« Arbeit!" Ehrung der Genossin Blatny. Im Rahmen einer schlichten Feier wurde gestern unsere Genossin Fanny Blatny geehri. Der Sach des Fischern«: Jugendheims war festlich geschmückt und neben den vielen Vertretern der Organisationen der Sozialdemokratie waren besonders viele Abgesandte der westböhmischen Frauenorganijationen, die gekommen waren, um ihrer Führepin an diesem Tage Dank zu sagen für ihre Arbeit und ihr aufrichtige Glücklvünfche zu. übermitteln. Bis aus den letzten Platz war der Saal besetzt, aber die Bielen, di« an der kleinen Feier teilnahmen, waren doch nur ein Teil der großen Familie, die Fanny Blatny in Treu« und Freundschaft zugetan ist.. Namens des Frauenreichskomitees und des Parteivorstaudes begrüßte Genossin K i r p a l die Jubilarin. Sie entschuldigte das Fernbleiben der sozialdemokratischen Abgeordneten und verlas eine Reihe von Glückwunschschreiben der sozial-1 demokratischen Arbeiterinnen- Organisa! ionen I London, 21. März. Der Pariser Mitarbeiter des„Daily Telegraph" will in der Lage fern, eine korrekt« Inhaltsangabe des Konvcntionsent- wurfts Mussolinis zu veröffentlichen. Der Entwurf bestehe aus fünf Artikeln: 1. Die Konvention wird für zehn Fahr« ab- geschlosicn und soll, falls sie nicht von einem der Teilnehmer ein Jahr vor Ablauf gekündigt wird, automatisch weitere zehn Jahre in«rast bleiben. 2. Im Geiste des Kellogg-Paktes verpflichte« sich die vier Großmächte England, Frankreich, Italien und Deutschland, in Europa für die Erhaltung des Friedens zusammenzuarbeiten. 3. Auch anderen Machten ist die Möglichkeit gegeben, an dem Vertrage teilzunehmen. 4. Die besondere« Verpflichtungen der vier Mächte find zweifacher Art: a) Sie erklären, daß eventuell die Redkfio« der FriedenSderträg« erstrebt werden müsse, wie dies in der BSlkerbundsatzung vorgesehen ist, d) Frankreich, Großbritannien nnd Italien erkläre«, daß im Dezember v. I. Deutsch, land doll« Gleichberechtigung zuerkanut worden ist uud daß di«.Zeit gekommen ist,.diese« Grundsatz in die Praxis umzufetzen. Oesterreich, Bulgarien und Ungar« werden in gleicher Weise behandelt werben. Saarbrücken, 20. März.(Eigenbericht.) Wie wir zuverlässig erfahren, ist auch an die Zentrale des Verbandes der Berg- bauiudnstriearbeiter in Bochum das unerhört« Anfinnen seitens der Hitler- Tyrannei gestellt worden, die gesamt« Arbeit der Reichszentrale der deutsche« Bergarbeiter unter der Kontrolle des Gaubetriebszellenleiters der Naziotru z« stellen. Zugleich wurde jede„staatsfeindliche Betätigung" im Dienst des Marxismus „mit Nachdruck" untersagt. Di« in den Gewerkschaftsbüros beschäftigten Angestellten sollten eine besondere Ausweiskarte erhalten, durch si« es ihnen gnädiqst gestattet würde, unter der Oberaufsicht der sozialpolitischen Analphabeten HitlerS internationale Kundgebung gegen den Fasclsuius Aus Artlaß der Tagung der Exekutive der Sozialistischen Arbeiter-Internationale hat die sozialdemokratische Partei in Zürich am 19. März eine Massenkundgebung gegen die Fascismus veranstaltet, die, obgleich nur wenige Stunden der Vorbereitung zur Verfügung standen, einen hier seit langem nicht erlebten Umfang annahm. Die Riesenzahl der Teilnehmer und die Stimmung bewiesen, wie aufrüttelnd die Empörung über die Bestialitäten des deutschen Fascismus auf die Schweizer Arbeiter wirkten. Di« Kundgebung mußte infolge des Massenzustromes aus dem geschlossenen Raum des Bolkshaufts ins Freie verlegt werden, wo mehr als 15.000 Züricher Arbeiter ihrem Abscheu gegen das Terrorsystem in Deutschland Ausdruck gaben. Als erster Redner überbrachte der Vorsitzende der Sozialistischen Arbeiter-Internationale Bandervelde die Grüße der Exekutive. Er sprach unter stürmischem Beifall den zwölf Millionen deutschen Arbeitern, die am 5. März treu zur roten Fahne standen, die wärmste Sympathie de.r internationalen Arbeiterklasse aus. L i n d st r ö m(Schweden) wies auf die Gefahren hin, die der Demokratie in den Seinen Ländern aus der Herrschaft des Fascismus in Deutschland erwachse. Compton, der Vorsitzende der englischen Arbeiterpartei, konnte mitteilen,'wie gründlich di» fascistischen Gehversuche unter der intellektuellen Jugend Englands ge- Deutschlands, Oesterreichs, Dänemarks,' Litauens und Ungarns(letzter« hatten eine künstlerisch auS- gestattete A-reffe geschickt). Für den Parteidor- stand mW-i« lvestböhmischen Kreisvertretnngen prachen Abgeorbnc er d c W i t t e, für die sozialdemokratischen Frauen Genossin Schaffer, dann namenS-er Karlsbader Besirksorganijation Genosse Hein und namens-er Karlsbader Parteiorganisation und der Städtvertveterfraftion Genosse Holik, worauf»Genosse Sacher im Auftrage-er Kinderfreund« und der Arbeiterfürsorge Glückwünsche überbrachte. Alle Redner un- Redmrinne« feierten das Wirken-er Genossin Blatny, das unter der Devise steht:„Edel sei-er Mensch, hilfreich und gut!" In warmen Worten dankt« dann Genossin Blatnh für die vielen Ehrungen.„Was ich bin,. sagte sie, ,^>anke ich der Arbeiterklasse, was uns zur Persönlichkeit macht, das ist unsere gute Sache, unsere herrliche Idee." Nunmehr schloß Genossin Kirpol den ernsten Teil-er Feier, in dem die Frauen-er Genossin Blatny auch«ine Freude bereiten wollten. Aber ihr« Bescheidenheit un- ihr« völlige Wünschtosig- keit hat-en Gedanken ausreisen lassen, ein Geschenk ju gaben, das die Jubilarin und die Frauen ehrt. Darum wurde beschlossen, vier Wanderbüchereien zu stiften, die den Namen „Fanny B!atny-Bücher«i" tragen soll. 8. Di« vier Mächte werbe« sich bemühe«, außerhalb Europas und in koloniale« Fragen gemeinsame Richtlinien z« befolgen. fraokreldi wfinsdtf Zusammenarbeit Ein mageres Kommunique« über die Pariser Besprechungen. Pari-, 21. März. Das amtliche Komuumi- quee, das abends über die heutigen Unterredungen zwischen den französischen und brittschen Staatsmännern ausgegeben wurde, besagt, daß nach einer ausführlichen Information und einem Meinungsaustausch die französischen Minister ihren britischen Kollegen für deren Berichte dankten, die ihnen eine eingehende Prüfung der Vorschläge, von denen sie in Kemttnis^gesitzt wurden, ermögliche» werden. Die Minister der beiden Staaten werden in kurzer Zeit wiederum ihre Ansichten auS- tauschen. Das Kommuniquee schließt:. Die französischen Minister haben ihren Wunsch beteuert, daß im Interesse deS europäischen Friedens im Rahmen und im Geiste des Völkerbundes eine v e r- trauensvolle Zusammenarbeit zwischen den vier europäischen Mächten, die ständige Mitglieder deS Böllerbundrates sind,' verwirklicht werde. zu arbeiten. Selbstverständlich hat der ReichS- vorstaud des BerbandeS der Bergbauiudustrie- arbeiter diese unverschämte Anmaßung zurückgewiesen und einen braunen Ueberwachungskom- missar aufs entschiedenste abgelehnt. Die Arbeit in der Reichszentrale ist infolgedessen noch nicht wieder ausgenommen worden. Herr Hitler demonstriert ihnen jedenfalls rechtzeitig nnd unmißverständlich, was er von der Freiheit der Gewerkschaften uud von ihrem KoalitionSrecht hält, nnd wie er sich da auszuwirken gesonnen ist, wo ihm di« Dummheit und das Verbrechen die brutale Macht in die Hand gespielt haben. scheitert sind, und wie sehr die englische Arbeiterklasse allen Bestrebungen des Fascismus entgegen- zuwirken entschlossen sei. Grimm(Schweiz) verwies auf die ernsten Gefahren, die der Schweizer Demokratie durch die fascistische Entzündelung im Süden und Norden erwachsen. Unter dem brausenden Beifall der Riesinversammlung beglückwünscht er die ö sie r- rerchischen Arbeiter zu ihrer«ntschloffenn Kampfbereitschaft. Er erklärte, daß in der Schweiz alle fascistischen Bestrebungen an den demokratischen Tendenzen und dem energischen Willen der Arbeiter scheitern werden. Noch niemals hat das rote Zürich eine so begeisterte Kundgebung erlebt, wie am Morgen dieses Märzsonntags. Spannung Rußland England. London, 21. März. In der am Montag abgehaltenen Sitzung des Londoner Unterhauses war— Meldungen amerikanischer Blätter zufolge — di« ernste Spannung zwischen der britischen Regierung und Sowjetrußland infolge der unbegründeten Verhaftung von britischen Ingenieuren in Moskau klar ersichtlich. Unter-Staatssekretär sür Auswärtiges Kachitän Eden, erklärte, mrnmehr bleibe nichts anderer übrig, als die Handelsver- traasverhandlungen in Moskau abzubrechen. Außer zweier britischen Ingenieure, die gegen Kaution aus freien Fuß gesetzt wurden, verblieben die übrigen verhaftet»« britischen S'aatsanaehöri- gen auch ivoiterhrn in den Gefängnissen der Tschreswitschajka. «eine Legenden, Hot Hitler! Der würdige Mann, der gegenwärtig den Stuhl Bismarcks ziert, st sehr beredt. Tag um Tag versucht er, die deutschen Bürger durch den Rundfunk und durch die Presse von der Weisheit seiner Staatssührung zu überzeugen. Der Erfolg scheint sich nicht einstcllen zu wollen; so hat man denn den besten Freund des Herrn van der Lubbc zum Rcrchsminift-r für„Volks- aufklärung" gemacht, die früher auf dem Umweg über den Reichstagsbrand und setzt auf dem über Attentate nnd Verleumdungen der SPD durch bezahlte Auslandsblätter erfolgt. Neben dieser erbanlichen, auf Gcgenivart und Zukunft gerichteten Tätigkeit Hitlers und seiner streuen gibt es auch eine ausgedehnte Legendenbildung, an der sich der an der Moral seines schriftstellerischen Hauptwerkes trefflich geschulte und in gewissen Fragen sehr vergeßliche Herr Reichskanzler eifrig beteiligt. So erzählte er der NSTAP-Fraktion des Preußischen Landtages: Wenn man an die Opfer des fluchbeladenen 9. November 1918 denkt, dann muß man anerkennen, daß unsere Anhänger in diesen Tagen der deutsche» Revolution mehr als maßvoll,gewesen find. Das ist nur der Autorität der Führung zu danken. Wenn die Parteien nm» glauben, auf diese Führung verzichten zu können, dann sollten sie sich auch überlegen, ob sie in Zukunft auch ohne diese Führung di« Bändigung der Massen übernehmen können. Ich hofft, daß sie den Weg gehen werden, den Vernunft und Selbsterhaltungstrieb ihnen ratsam erscheinen läßt. Herr Hitler darf vor seinen Getreuen ko spr^ chen, ohne Widerspruch zu finden, weil sie, wie schon Otto Strasser bewies, auf„Herr und .Hündchen" gut dressiert oder nicht unterrichtet find.»Hstler, der in den Umstnrztagen den No» vemberverbrecher» bei weitem nicht so ferne stand, wie er es heute wahrhoben möchte, wird aus den Archiven des Reiches— falls sie nicht mitverbrannt sind oder im„Volksaufklärunos"- ministerium inzwischen gefälscht' wurden—■ finden, daß es der Opfer d:S„fluchbeladenen 9. November 1918" und der ihm folgenden Tage auf der Seite der Rechten im ganzen 18 gab. Tie weitaus größte Zahl der Ovfcr ist auf der Seite der Spartakisten gefallen. Eisner, Landauer, Liebknecht, Luxemburg— sie waren Opfer der Rechten! Und was die Terrorakte anlangt: es wurden einigen Offizieren die Kokarden von den Kapven und die Achselstücke von den Uniformen gerissen. Eine Bartholomäusnacht gab es nicht, noch weniger Bartholomäusnächte. Was aber hat sich, nicht erst seit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, sondern schon in den Monaten vorher, in Deutschland ereignet? B o m den atte n täte an allen Ecken und Enden forderten Ovfer über Ovfcr. ES spielten die Mörder von Botemba ihr schauriges Drama, für dessen Gelingen sie der jetzige Kanzler des Reichs beglückwünschte. Rund ein halbes Tau sind Menschen mußten bisher chr Leben lassen, Zehntausende schmachten in den Kerkern, aber Tausende werden in den Gefängnissen gefoltert. Der Besitz der Reoftionäre blieb in den Umsturztagen— leider?— unangetastet. Jetzt werden Arbeitvrheim« enteignet, verstört und verbrannt, sozialdemokratische^t"t- kereien Vernichtet, die sozialdemokratische Presse ist Verbote», die Wohnungen sozialdemokratischer und konnnunistikcher. Arbeiter und Vertrauensleute werden zerstört. Die„Autorität" der Naziführung hat die Banditen, die dieses Verbrechen an der Kultur und Menschlichkeit begehen, erst zu Bestien gemacht. Die Hochgestellten, die die Opfer fetzt vor der Zügellosigkeit der SA-Mörder warnen, sind in Wirklichkeit für alle ihre Scheußlichkeiten verantwortlich! Es steht ihnen gut. zu droben nnd Unterwerfung verlangen. Das gehört tu ihrem teut- scbcn Wesen. Es steht ihnen aber schlecht an, ihre Niederträchtigkeiten zu rechtfertigen durch den Hinweis auf den Umsturz im Jahre 1918. der, aemessen an den ietzigen deuischen Zuständen, ein Idyll gewesen ist. Nur keine GeschickftSlegenden, f er: Hitler! Ihre Erzählungen werden erst für die Zeit stimmen. an de: die Arbeiterschaft wird Rache nehmen an Brandstiftern, Unterdrückern und GeschichtS- klitterern, die ihre Schandtaten mit der Gloriole deS Patriotismus umgeben! Die Zeit wird kommen. Vom Rtmdhmk Empfehlenswertes aus den Programmen. Donnerstag. Prag: 6.15 Gymnastik. 11.00 Schallplatte» 15.30 Bunte Stunde. IS.25 Deutsch« Sendung: Dr. Moucha: Neue Bücher 19.40 Herr Josef heiratet, 20.80 Klarinettenkonzert. 21.00 Orchesteikonzert.— Brünn: 16.10 Or^stcrkonzcrt. 1855 Deutsche Sendung: Schlesischer Komponislcnabcnd. 19.25 Slowakische Lieder nnd Tänze.— Mähr.-Ostrau: 10.00 Blasmusik. 1830 Deutsche Sendung: Wird der Rundfunk die Zeit ersetzend 2l 00 Orchesterkonzert.— Berlin: 2120 Wo Sckatwn da Licht.—- Mühlacker: 19.15 Die Welt auf dem Monde.— Laugrnberg: 20.30 Meister ihres Faches— Leipzig: 20.00 Orchosterkonzert.— Wft«: 20' Lrchcster- konzert. I« der deutschen Arbeitersenbung beim Prager Rundfunk sprich; heute um 18.30 Uhr Genosse Karl Kern über„Die Lage des Arbeiters in Deutschland". Ein Revisionsblock? Die Einzelheiten des italienischen Vorschlages. Keine Arbeit unter NazHfommlssarcnl Deutscher ncrgarbeiierverband lehnt Nazlkonlrolle ab. Seite 4 Mittwoch, 22. März iss. Nr. 89. rar eie tinncii<1er Irbeltcrhlasse! nictersdiafzprovisorium erst Donnerstag. Prag, 21. März. Di« heutige Parlamentssitzung sollte eigentlich in erster Linie der Auslegung des neuen Mieterschutzprovisoriums gewidmet sein. Der Siebcnerausschuß der Koalition, der gestern bis spät nachts tagte, konnte jedoch noch zu keiner endgültigen Einigung über die Länge des Provisoriums, bezw. über etwaige Aeuderungen kommen, und vertagte seine Beratungen auf heute abends. Die heutige Parlamentssitzung beschäftigte sich daher nur mit der laufenden Tagesordnung, wobei nur di« Erledigung zweier Jmmunitätssäüe von deutschuatio- nalen Abgeordneten größere Beteiligung wachrief. Für di« nächste Sitzung am Donnerstag ist bestimmt mit der Auflegung des Mieterschutzprovisoriums zu rechnen, da dieses noch im Laufe dieser Woche vom Parlament verabschiedet werden soll. Zu Beginn der heutigen Parlamentssitzung wurde die Debatte über di« Verlängerung des H opfe nab k o m me n s mit Deutschland weitergeführt. Der Slowake Iiwak wurde wegen derselben Rede, in der er auch di«„Korruptionswirtschaft" im Fürsorgeministerium angegriffen hatte, von dem tschechischen Nationalsozialisten Bergmann scharf zurechtgewiesen, insoweit Siwak darin auch auf di« Verhetzung der Slowaken gegen das angeblich tschechisch-deutsche Regime in diesem Staat« größtes Gewicht gelegt hatte. Bergmann sprach dabei in sehr abfälliger Weise von den„flowakischen Patrioten", di« unter dem seinerzeitigen ungarischen Regime redlich das Ihre dazu beigetragen haben, die gewaltsam« Magyarisierung der Slowaken mit allen Mitteln zu fördern. Nach den salbungsvollen Ausführungen des Herrn Iirasek, die wir an anderer Stell« besprechen, und den Versicherungen eines Kommunisten, daß seine Partei der Arbeitsanleihe nicht gerade grundsätzlich ablehnend gegenüberstehe, trat eine kürzere Paus««in, nach welcher mehrer« Immuni talsfalle in Verhandlung gezogen wurden. * Darunter befanden sich auch zwei Auslie- ferungSbegchren gegen di« deutschnationalen Abgeordneten Dr. Hass old und Schollich. Hassolds Auslieferung wird vom Krcisgericht in Neutitschein wegen einer Rede.im Novemhcr 1930 gefordert, in welcher er u. a. di« Aeußcruirg„das Wort tschechoslowakisch ist" häßlich"'getan haben soll. Der Referent Dr. Sucht; erklärte, der Jmmunitätsausschuß sei- zu der Ueberzcugung gekommen, daß kein Grund vorlieg«, di« Verfolgung wegen Vergehens nach§ 14, Abs. ö zu verhindern. Dagegen beantrag« er, die Auslieferung wegen der übrigen Aussprüche, in denen das Gericht ein Vergehen nach,§ 14, Abs. 1 bezw. ein Verbrechen nach§ 15, Abs. 3, erblickt, abzulehnen, da nicht erwiesen sei, ob-i«se Aeußerungcn tatsächlich in der Form gefallen seien, wie das Auslieferungsbegehren behauptet. Hassold behauptete in längerer Rede, daß das Auslieserungsbegehren sich auf unrichtig wiedergegebenen und verzeichneten Aussprüchen beruhe;«r habe u. a. nicht„häßlich", sondern„fälschlich" gesagt Als Sprecher aller deutschen und ungarischen Oppositionsparteien macht« sich Herr K r u m p e äußerst wichtig. Geg«N Schluß seines Protestes gab es scharfe Ausei nairdersetzungen zwischen unseren Genossen und einigen Teutschbürgcr- lichen. Gcirosse Grünzner rief Krumpe zu, sie sollten lieber gegen di« Bluttaten in Deutschland protestieren, worauf einige Deutschbürgerliche, darunter Herr Dr. Rosche, sich über die Teilnahme der Kommunisten an unseren letzten Protestversammlungen in Nordböhmen aufregten und vor allem Horpynka durch wüste Schimpfereien Zeugnis von seiner besonderen Intelligenz ablegt«. Gegen Schollich führt das Auslieferungsbegehren«ine:m März 1931 bei einer deutschnational«» Versammlung in Oppeln gehaltenen Rede an, in der der Tatbestand des Vergehens der Störung des öffentlichen Friedens erblickt wird Der Referent beantragt hier die Auslieferung wegen Vergehens. Schollich hielt eine lange Rede, in der er allerhand Beziehungen der Lausitzer Serben und der Wiener Tschechen zur Tschechoslowakei als Gegenbeispiele anführte und mit der theatralischen Feststellung schloß, daß das aus dem Blut-er Märtyrer(damit meint er aber nicht cltva die von Hakenkreuzlern in der letzten Zeit'n Deutschland hingemordcten Marxisten, sondern leine eigene werte Persönlichkeit, und Herrn Dr. Hassold!) der Samen der Freih ei t ersprießen werde! Die Auslieferung wurde— im Sinne d«S Referentenantragcs, nur wegen Vergehen-, nicht aber wegen Verbrechens, — von der Koalition genehmigt; die Landbündler waren hiebei nicht anwesend. Mit einigen weiteren Immunitäten wurde die Sitzung beendet. Nächste Sitzung Donnerstag, den 23. dS.,'um 11, Uhr vormittags. Genossinnen and Genossen! Die kommunistische Jugend wendet sich an die Untergliederungen unseres Verbandes mit der Aufforderung, die Einheitsfront mit ihr herzustellen und beicuft sich auf ein Angebot, daß die Zentrale der kommunistischen Jugend dem Sozialistischen Jugendverbandc gemacht habe. Ein solches Angebot liegt bis heute noch nicht vor. Es bedarf jedoch gar keines solchen, um unsere Bereitwilligkeit zur Herstellung einer geschlossenen Kampffront des Proletariats und seiner Jugend zu erweisen Gerade die Führung des Sozialistischen Jugend« Verbandes ist sich der tragischen Folgen vollkommen bewußt, die die Spaltung der Arbeiter, bewcgung und ihrer Jugendorganisationen m:t sich brachte. Sie begrüßt darum jeden ehrlichen Schritt, der zur Ueberwindung der Spaltung unternommen wird. Der Berbändsvorstand des Sozialistischen Jugendvcrbandes glaubt jedoch, daß Einzelaktionen in. dieser Richtung nicht zum Ziele führen. Es Müssen Nicht nur von den Berbandsleitirngen. sondern auch von den internationalen Verbindungen der proletarischen Jugend die Grundsätze der Zusammenarbeit kameradschaftlich erarbeitet werden. Die Spaltung bat internationale Ursachen und olle Länder- oder Gebietsoktio- nen, die ohne internationale Klärung unternommen werden, können nur zur augenblicklichen Verschleierung dieser Tatsache, nickst ober zu einem dauernden Zusammenwirken führen. Daran können auch notwendige spontane Aktionen lokaler Natur, die di« Parteien einleiten, nichts andern. T agesneuigkeiten Vierhundert Bergarbeiter im Hungerstreik unter der Erde. W a r s ch a u, 21. März.(PAT.s Wie bereits gestern^meldet, streiken auf den Gruben in Kli- mentow die Bergleute weiter, obwohl di« Arbeitgeber von der beabsichtigten Herabsetzung der Whue angeblich Abstand genommen haben. 405 Bergleute blieben unter der Erde, wo sie es ablehnen, Nahrung zu sich zu nehmen. Fön! Arbeiter oon einer Lawine getötet. Saint Jean de Maurienne(Savoyen),. 21. März.(Havas.) In einem Holzlager, 2000 Meter hoch im Gebirge, wurden vierzehn Arbeiter von einer Lawine verschüttet. Die Lawine riß zwei Baracken mit sich, in denen di« Arbeiter schliefen... Fünf Arbeiter fanden den Tod, neun Arbeiter wurden verletzt, davon vier schwer. Die Opfer sind teils italienischer, teils jirgosiowi-- scher Nationalität. Todesfturz eines Knaben aus dem fahrenden Ang. Brünn, 21. März. Die Staatsbahndirektion in Brünn teilt mit: Am 20. März, um 17 Uhr 30 fiel zwischen den Stationen Modriee und Räjhrad Karl K u b i ö e k, Schüler der dritten Bürger- schulklaffe aus Opatoviee, von der Plattform eines Waggons des Zuges Nr. 624. Er wurde überfahren und getötet. Furchtbarer Fabrttsbraud durch Ueberkochen einer Teerpfanne. Staßfurt, 21. März. Im Pfannenraum der Malchowschen Tachpappenfabrik brach heute früh ein Brand aus, der sich mit ungeheurer Schnelligkeit verbreitete. Die Feuerwehren aus Staßfurt, Lcopoldshall und Umgebung eilten zur Brandstätte. Während die Flanimen bekämpft wurden, stieg eine riesige Stichflamme auf. Eine furchtbare Explosion folgte. Der Branddirektor von der Lcopoldshaller Feuerwehr, drei Feuerwehrleute und zwei Arbeiter trugen schwere Brandwun d e u davon. In den Krankenhäusern liegen außerdem noch zwei Schwerverletzte und a ch t L e i ch t v c r l e tz t«. Erst in den Mittagsstunden gelang es, das Feuer soweit zu bannen, daß man an das Ablöschen des Gebäudes gehen konnte. In den Krankenhäusern spielten sich erschütternde Szenen ab, nur mit Mühe gelang es, die Angehörigen der Verletzten zu beruhigen. Der Brand ist durch das Ueber- kochcn einer Tecrpfanne entstanden. Die Löscharbeiten wurden durch Wassermangel erschwert. „.... in Ehrfurcht und Dankbarkeit, in steter Treue,.... in herzlicher Kameradschaft"— so gedachte der Präsident der Republik Deutschland in einem Aufrufe, den er aus Anlaß des Zusammentrittes des zu demokratischem Harakiri sich versammelnden Reichstages veröffentlichte, der für Deutschland Gefallenen, der Hinterbliebenen und der Kameraden aus I dem großen Kriege. Denn es trat ein Reichs- Aus diesem Grunde können die Untergliederungen des Sozialistischen Jugendocrbandes keine Einzelverhondlung führen. Der Berbändsvorstand des Sozialistischen Jugendverbandes verweist daraus, daß die Spaltung der-proletarischen Jugendbewegung nicht allein eine Angelegenheit, der Jugend, sondern «eure Folge der Spaltung der internationalen Arbeiterbewegung überhaupt ist. Diese llebcr- zcugung und der Wille, alles zu tun, was die Spaltung international— und damit auch in den einzelnen Ländern— überwinden kann, kam auch in den Beschlüssen des Prager Kongresses der Sozialistischen Jugendinternationale zum Ausdruck. Die Verhandlungsbereitschaft der Sozialistischen Jugcndinternationakc ist gegeben. Wenn die kommunistische Jugend die wiMiche Enheit und wenn sie sie ehrlich Will, so muß sie dasirr sorgen, daß die Kommunistische Jugendinternationale dieselbe Verhandlungsbereitschaft äußert. Die sozialstische Jugend ist davon überzeugt, daß der Fascismus in Europa nur durch eine einige Arbeiterklasse überwunden werden kann und daß auch der Aufbau der sozialistischen Ordnung nur das Werk einer geeintcn Arbeiterklasse sein kann. Sie will daher nickt Einzelaktionen, die der Arbeiterschaft eine Einigkeit vortäuschen, die nicht vorhanden ist, sondern die Einbeit überhaupt. Und darmn gibt sic zunächst der internationalen Verbindung dos Wort. Sic erwartet, daß die kommunistische Jugend in der gleichen Richtung auf die Kommunistische Jugendinter- nationälc einwirkt.. tag zusammen, der, wie des Reichspräsidenten Aufruf sagte, wie keiner seiner Vorgänger seit dem Ende des großen Krieges sich zum nationalen und wehrhaften Staat bekannt! Da haben sie nun ihre schlechte Sittennote, di« früheren Reichstage! Keiner hat sich ganz zum wehrhaft-nationalen Staat bekannt! Da haben sie gemeint, die Männer und Frauen, die früheren Reichstagen angehörten, es handle sich darum, den in allen Fugen krachenden, den von feindlichen Truppen besetzten, von seinen „angestammten" Gottesgnadenführern verlassenen, vom Zerfall beruhten Staat zusammenzuhalten, aufrechtzuerhalten, seine Bevölkerung vor dem Verhungern und Erfrieren ynd vor der Verzweiflung zu schützen— nnd hören es nun, daß das alles nicht wichtig war, sondern wichtig allein— der nationale und wehrhafte Staat ist! Freilich: als es um die bloße Erhaltung des Staates ging, um die Sicherung seiner Einheit, ja seiner Existenz, um den Wiederaufbau des durch das Herzenserlebnis der Generäle und Generalfeldniarschälle, durch den großen Krieg fast vernichteten Deutschland, da war Präsident der Republik bloß ein ehemaliger Sattlergeselle. Und cs ist schon so: die Arbeiter denken holt zunächst doch immer nur ans Arbeiten... Aber jetzt ist der Bestand des Staates, ist seine Einheit nicht mehr bedroht, da ist es nur recht und billig, daß der Arbeiter erntet, was der Arbeiter seit jeher geerntet hat: Verachtung und Geringschätzung seiner Arbeit! Jetzt reden wir wieder vom großen Krieg, der großen Unterhaltung der großen Generäle! „Die Opfer an Leben und Gesundheit, die dieser Krieg von Deutschland forderte, sind nicht umsonst gebracht worden." Wahrlich nicht! Denn es sind ja doch wieder die obenauf, die kein« Opfer gebracht hoben, die Initiatoren und Nutznießer der Kriege,— es sind die wieder obenauf, die zwar im lebenden, also seinen Zweck noch nicht völlig erfüllt habenden Sol- Prag, 21. März. Vor dem OGR. F o r m 4 n e k als Eingelrichter war heute der 35jährige Beamt« Georg S. wegen schwerer Körperbeschädi. g u n g angeklogt. aber weit mehr Aufmerksamkeit als-er ruhige und zurückhaltend« Angeklagte erregt« der„beschädigte" Kronzeuge,«in gewisser Emanuel Geitler, seitkes Zeichens faseistisch er Redakteur und gewesener Buchhalter. Der Herr Kronzeuge wurde übrigens aus der U n i ersuch u n g s h a f't vorgeführt, wo er sich derzeit wegen eines Verstoßes gegen das Schulgesetz befindet. Der Angeklagte ist beschuldigt, diefem Herrn einen ausgiebigen Klaps aus die Rase versetzt zü haben. Aber zu diesem Klaps, der beinah« zu einem Rasenbruch geführt hätte, kam es auf besonder« Weise. Der Airgeklagt« wurde nach seiner Darstellung zur Mittagszeit des 9. Oktober v. I. in der tonst io stillen Lor« t tag ass« auf dem Hradschin durch gellend« Hilferufe iner Fr' alarmiert. Er«ilhe herzu und sah, wie-der Kronzeuge aus Leibeskräften auf eine junge Frau losschlug. Er nahm sich ihrer ckn und sofort stürzt« sich der Mann auf ihn und begann ihn mit einem Koffer, den er in der Hand hielt, zu bearbeiten, bis der baten nicht gern, um so aufrichtiger aber in dem für sie Gefallenen einen„Kameraden" feiern. Nein, sie sind nicht umsonst gefallen! Denn dafür gingen sic in den Krieg, dafür marschierten sie an alle Fronten, dafür fielen sie in den Argonnen und vor Verdun, in Flan-\ dern und in Polen und auf dem Balkan, die „vaterlandsloscn Gesellen" von einst, deren Genossen heute„marxistische Untermenschen" sind, die sozialdemokratischen Arbeiter— dafür, daß ihr Vaterland ein Kerker werde für die Proletarier, wie es nie zuvor gewesen. Daß sic dafür fielen— ach ja, dafür gebührt ihnen schon Gedenken in Ehrfurcht! Und ihren Söhnen, die wie sie Sozialdemokraten sind,— den Söhnen treudeutschcr Faustschlag oder Dolchstich, Kolbenschlag oder Revolverschuß cfttes braunhenrdigen Erneuerers! Schulkinder errichten Masaryk ein Denkmal. .Die Schulkinder der Volks- und.Bürgerschulen in Teutschbrod haben Stursas Bronzeabguß der Büste des Präsidenten der Republik T. G. Masaryk angckauft und hol'«« die Stadt ersucht, ihnen die Bewilligung zu erteilen, d'eies Denkmal bei der Hns-Lindc zur Aufstellung zu bringen. Die Kinder haben selbst den notwendigen Bcttag untereinander gesammelt. Bei verschiedenen Veranstaltungen, die sic arrangiert hatten, brachten sie die Summe in zwei Jahren auf, ohne durch Sammlungen Einzelpersonen oder Verein« zu behelligen. Diese Aktion wurde von der Lehrerschaft im Stillen geleitet. Auch dir Prager deutsche Gesandtschaft erwartet die Hakenkreuz-Fahne. Don der deutschen Gesandtschaft in Prag wurde dem Tschcchosl. Preßbüro gestern mitgetcilt: Am Anordnung der Reichsrcgierüng wurde heute, D cnstaq, den 21. März, aus Anlaß der Eröffnung des Reichstags das Gebäude der deutschen Gesandtschaft in Prag beflaggt. Da die bestellte H a tze n- kreuz- Flagge von Berlin noch nicht «i n g e l a n g t ist, konnte die Gesandtschaft einstweilen uur die schwarz-wciß-rot« Flagge zeigen. Sturm über Rußland. Im Norden des europäischen Teiles der Sowjetunion wüte» ein Sturm, der von der Skandinavischen Halb!nick herwcht. Tic hochgeheude See Ivars 20 Boore, darunter 3 Segelboote, an den Strand. Ein Fischerkabn und zwei Segelboot« gingen unter. Fünf Fischer ertranken in den Fluten. Unbekannte Fra« erfroren. Aus Weiperl wird uns berichtet: Im Kcilbcrgivald stießen, wie bereits kurz gemeldet, Holzsammler in der Nähe des Zochengrundes bei Böhmisch- Wiesenthal ans eine schon stark in Verwesung überac- gangene weibliche Leiche, deren Identität bisher nicht scstgestellt werden konnte. Die Tote lag in zusammengekauerter Stellung, hatte den Kopf auf den rechten Arm gelegt und trug an einem Finger der rechten Hand einen Ehering. Sie war dunkelblond, leicht meliert,, etwa. 162 bis 165 Zentimeter groß, trug einen Mantel und hatb- seiden« Unterwäsche und gehörte offenbar der gutsituierten Klasse an. In einer Tasche des Mantels wurde ein 50-Markschein^gefunden, n einem Handtäschchen ein Betrag von 16 Reichsmark, ein Taschentuch mit dem Zeichen H. P. und ein Zwicker in einem Lederetni mit der Firmenbezeichnung Optiker Wagner- Meißen, Elbstraße 25. Außerdem fand sich die Verpackung von 10 Tabletten Bromural vor. Der Ehering war mit U. 12. Oktober 1898 graviert. Die Tote dürft« etwa 50 Jahre alt sein. Die Leiche wies keinerlei Verletzungen auf, und da sich bei der gerichtsärztlichen Untersuchung ergab,/ daß der Magen vollständig leer war, wird angenommen, daß die Fremde in erschöpftem Zustand« zusam- mengebrochcn und dann erfroren rst. Tiere des Waldes haben den Körper der Entseelten angenagt und das Werk der Zerstörung durch den Berwosungsprozeß soweit ergänzt, daß keine Er« kenmingsntösslichkeiten mehr gegeben erschien. Der Leichnam der Unglücklichen wurde nach Stolzenhain überführt und sodann auf deut Friedhof in Böhmisch-Wiesenkhal beigesetzt. Verbilligung der Kohle in Pole«. Ueber Anordnung des Ministeriums für.Handel und Industrie in Polen wurden die Kohlenpreise durchschnittlich um 18 Prozent herabgesetzt. Angegriffene in der Notwehr durch einen gutgezielten Hieb gege sie Rase der Sach« ein Ende machte: Dafür war er heut« angeklagt, denn der Zeuge hatte«ine ganz ander« Schilderung des Borkalles gegeben und ihn als Angreifer hingestellt: Nun stellte sich heraus, daß di« Frau die che- malige Gattin des sascistischcn Recken gewesen war und ihm an diefem Tage nach erfolgter Ehetrennung seine Wäsche in oben dem Koffer übergeben hatte, der ihm dann als Hiebwaff« dient«. Aber der ehemalige Gatte verlangte außerdem noch Geld von ihr und ihre berechtigte Weigerung, ihm Geschenke zu machen, veranlaßt« ihn. die Prügelszene zu arrangieren. Vor Gericht sagt« er ihr übrigens alles Schlechte»ach und kramt« hänKliche Schmutzwäsche aus. Man erfuhr noch, daß er später versucht hat. sie durch Beschuldigung der Bigamie nm ihren Posten als Mmistcrialbeamtin zu bringen. Tas Gericht scheicktc angesichts der• Sachlag- dem Angeklagten Glauben und sprach ihn frei, da er in Notwehr gehandelt habe. Der Herr Kronzeuge spazierte in die Untersuchungshaft zurück, rd. Der Verbandsvorstand des Sozlallsflsdien Jngendverbandes. iiiiiiunmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiniiiiiiiiiimiiiiiiniiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuininiiiiiiiniiiiimiiiniiiiiiiiiiniiiHiiiiiiiinifliniiniiiiiiHiiitiHiiHiiiiiiHiuiiiiin Wenn ein PrQgeiiascist den Kürzeren zieht. Vornehme nadie, Nr.«». Mittwoch, SS. März 1SS3. PKAGER ZEITUNG im- Don Pe. K. Berfiinlich . I Ter Jud Rosenstein kam wieder zu ihm und Heil Schmirgellechner" geschrien hätte. Und wenn| biederte sich an. Ewig hatte jener nicht mehr Prag, 21. März."Die"deutsche Studentenküche in' Prag y., Kützwoova, wär Heut«' der Schauplatz geradezu unglaublicher" Exzesse völkischer Radaustudenten. Schon des öfteren wurde in der sozialdemokratischen Presse darauf hingewiesen)-aß die systematische.Hetze, welche die Nazistlldenten seit der Aufrichtung des fascistischen Mordregimes in Deutschland auch an den südetendeutschen Hochschulen gegen die sozialistischen Hörer eingeleitet haben, sich zu einer ernsten Gefahr für das kulturelle Leben und das Ansehen der deutschen Minderheit dieses Staates entwickeln muß. Eine ganze Kette von Terrorakten, beginnend mit der Zersetzung sozialistischer Bortragsankündigungen und der oÄi- närsten Beschimpfungen und körperlichen Bedrohungen sozialistischer Studentinnen(!) durch eine Uebermacht völkischer Lausejungen bis zur offenen Gctvaltandrohung gegenüber dem Borsitzenden der sozialistischen Studentenorganisation(in einem anonymen Brief wird ganz ungeniert die„A b k i l l u n g" der sozialistischen Kollegen in Aussicht gestellt), erweist die Ber- Halenkreuzterror auf den Prager Strotzen Sozialistische Jugendliche. Studenteu und ei« Polizeibeamter von Razistudente« mitzhandett. Sinn und der Ursache ihres Leidens gequält ist, nier schon lebendig war. So wurde-er Marxismus die bewußt« Lebenslehre-es Proletariats. Diese Be-cutung des Marxismus als«ine revo lutionäre Lebenslehre wurde zweimal erschüttert: durch btn Revisionismus, der jenes Fehl urteil über das Wesen deS Klassenstaates verursachte, das zu immer größerer Loyalität ihm gegenüber un schließlich' zur Bewilligung-er Krieg^rcdite führte. Aus-em„Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" war ein„Proletarier aller Länder, schießt aufein ander!" geworden. Gespalten ging die Klasse aus dem Weltörand hervor. Und dies« Spaltung dräng!« -em eitlen Flügel-er gespaltenen Klasse«inen utopi schen Radikalismus auf und brachte für-en andern die Gefahr des Reformismus auf, dem die Erschei nung-es organisierten Kapitalismus und die Errungenschaft der politischen Demo kratie irrtümlich als neue Tatsachen erschienen, die im System des Marxismus noch keinen Platz gefunden halten. Der K-lasteilkampfdemagogie der antimarxisti schen Propaganda stellt Max Adler abschließend den wahren Sinn proletarischen Klaffenkampfer entgegen. Proletarischer Klassenkampf. ak? soziologische Erschei nung begriffen, ist nicht das sadistische Pläsier ränke süchtiger Elemente, ist vielmehr die Form, in der die Gesellschaft auf ihre Widersprüche' reagiert und ihrem Streben nach immer vollendelerrr Wi-er- spruchslosigkit Geltung verschafft. D^sem Streben verbind«t sich der mitreißend« scqial« Idealismus, der jeder aufsteigenden Klasse immer noch die Ge- folgschafl des Geistes und der Kulturgesinnung brachte. Uird wie lächerlich wird der Einwand von der Gewalttätigkeit der Revolution vor dem sadisti- 'chen Grauen der deutschen Gegenrevolution. In ihrem Dienst stehen heute noch viql«, di« ihr Pro- letarierschicksal— Proletarier ist jeder, der nur von seiner Arbeit lebt und nür arbeite» kam:, wenn das Kapital cs ihm' erlaubt— auf länger« Sicht der andern,-er revolutionären, der sozialistischen Front bestimmt hat, der Front, der die Entwicklung der Produktivkräfte die Berwirklichung des so zialen Idealismus nicht nur ermöglicht, son-I warten darf.' FrUhling kommt eine Reihe schöner, dunkler Abende. Erfreuen Sie sich ihrer in der Natur beim hellen Schein der PALABA und im Heim beim ungestörten Radioempfang mit den guten Anodenbatterien RADIO PALABA. Zu einer eindringlichen und würdigen Marx- Feier, der die fortwirkende Lebendigkeit seines Geistes und die furchtbare, Gefährdung seines Werkes in dieser Zeit das Gepräge gab, haben sich Montag die deutschen proletarischen Organisationen Prags im Heinesaal versammelt, der bis auf den letzten Platz gefüllt war. Unter den Klängen der Marseillaise marschiert« di« sozialistische Jugend mit der roten Sturmsohne zur Bühn«, vor deren rotem Grund di« Büst« Karl Marxens stand und über ihr auf roten Transparenten die Worte, die Marx im Jahre 1849 in seiner„Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie" schrieb und denen neuer-ingS die deutsche Konter- revolntion aktuellste Bedeutung gab:„Krieg den deutschen Zuständen!" Von. diesen putschen Zuständen" erfuhren auch Heines „Hymus" und Bartel- ,Mrl Marx", vom Genossen Hans L i ch t w i tz wirkungsvoll vorgetragen. eine eigenartige Aktualität, wie denn Prager deutsche Marx-Feier. Gedenkrede Mar Adlers« Vien. leidige Sympathie für Rosenstein. Sein Schutzjud! Ein Mensch in seiner Macht! Göttlich ist die Macht,, Aloysius kostete" sie genießerisch auS. Er ließ den Juden zappeln, nervös reden, ehe er ein paar besänftigende Worte sprach: Es werde nicht zum Schlimmsten kommen. Und dann sei ja auch er noch da, Aloysius Bruhn mit seinem Einfluß, auf die leitenden Stellen der Partei, natürlich, und mit seinen Besiebnügen und seiner. Persönlichkeit. In der Nacht aber drangen sie in die Wohnung deS Rosenstein ein. Auch Bruhn war dabei. Für die Frecheit. Gegen die jüdische Pest. Sie zertrümmerten das Mobilar. Nicht sehr, aber so, daß«r gerade richtig kaputt gi Rosenstein stand neben Frau und Kind an der Wand. Er weinte,, große Tränen schwammen, in seinen Augen. Die Befreier Deutschlands lachten und johlten und zerschlugen. Da plötzlich kniete Rosenstein vor Aloysius Bruhn. Bruhn schwankte zwischen Lustgefühl und einer Regung, die ihn Rosensteins schwarze Hagre’. streicheln ließ. Rosensteins Hände krampften sich um die braunen, welken Schenkel des SA-Manns Bruhn. Doch der faßte sich: DaS waren die Hönde, mit denen der Jud Geld gerafft hatte. Gerafft, gerafft. Es war im Augenblick unwichtig, daß Rosenstein nicht reich war, sich eben so durchschlug. Aloysius Bruhn riß sich los, wandte sich, dachte an Hitler Adolf und an dessen imponie-' reiche Physiognomie. Scharf schepperte seine Alt- Männerstimme:„Wo gehobelt wird, fallen Späne!"^ Aber es war ihm nicht wohl bei der ganzen Sache. Er hätte lieber zu Haus im Bett, gelegen. Das ging leider nicht: denn Deutschland war ertvachL Elias Kemp. nur ein Thema: Was soll mit uns geschehen Kann nicht heute oder morgen eine Strrrmtruppc in der Diele erscheinen und kommandieren:„Fort, mit der Jazz!" Was dann?„Einbauen" in das i Heer der Arbeitslosen, deren Schicksal sic so! lange geteilt? Der Saxophonist hat sich erst vor kurzem• sein Cohn-Saxaphon gekauft, weil er als Mupker! alten Schlages seit der Wirtschaftskrise nicht einen Pfennig verdienen konnte. Das Jazzschla^zeug i ist das Ersparnis vieler entbehrungsvoller Nächte. Bei diesen Dreien ist der Fall ausnahmsweise nicht so tragisch. Sie haben, bevor sie der Tonfilm auf die Straße warf, im Salonorchester musiziert und können zur Not wieder dir alten Instrumente spielen. Schlimmer sind die Musiker der jungen Generation daran, die von allein Anfang an sich auf das neue Genre festlegten. Ten» das Jazzverbot, im Rundfunk bereits ausgesprochen, wird in dieser oder jener Form in den nächsten Togen über alle BergnügungSstätien deS Dritten Reiches verhängt werden. Der stille Boykott hat eingesetzt. Die Inhaber der Ber- gnügungsetablissements sehen sich bereit» um Salonkapellen um und zeigen unverhohlen den engagierten Jazzkapellen, daß sie sie je. früher, desto lieber loShaben möchte«. DaS soll geschehen? Die Herren de» Dritten Reiche» brauchen auch in der Kunst ihren Hexenprozeß. Bei den großen Dirigenten und im Theater haben sie schon damit begonnen. Ein Heer von arbeitslosen Musikern wird seine teuren Banjos, Jazztrompeten und Saraphone in die Pfandhäuier tragen müssen und, statt sich in kunstvollen Breaks zu üben, di« mißtönende politische Instrumentation deS Dritten Reiches hören. Am schlimmsten trifft der Fluch gegen die Jazzkapellen vornehmlich die musikalischen Artisten, welche ihre Tänze nach der eigenen Musik vorführen. Ihre musikalischen Jazznummern find die einzig« Attraktion, mit »er fie fich ihr Geld verdienen. Sie können ihre Nummer nicht umstellen, die sich auf manate- kangeS gemeinsames kleben gründet. In Berlin arbeiten gegenwärtig ungefähr 80 solcher Truppen mit je 90 biS 30 musikalischen Girls. Di« großen Jazzkapelle«. Frack, Lackschuhe, weiße Binde, so musizieren sie seit Jahren in den vornehmen Bergnügungs- stätten und Hotels bis in den Morgen hinein. Man hält es nicht lange au» dieses Leben, dieses angestrengte Blafen und Musizieren»n den verrauchten Lokalen und Dielen. Ein Tanz jagt den anderen und unter Tags muß einige Stunden geprobt werden. Um Neues zu bieten und die Konkurrenz zu schlagen. Sie sind ihrer acht oder zehn oder vierzehn und verdienen 15 bis 20 Mark die Nacht. Die Liehe, die Begeisterung für das neue Genre hat sie dem alten Orchester vollständ'g entfremdet. Der Saxaphonist hat einmal Flöte gespielt, heute aber könnte er keinen Ton mehr apf dem alten Instrument blasen. Und so geht es allen. Sie sind Meister auf der Jazztrompete, auf dem Banio, auf dem Saravhon, und nun soll die» alles nicht mehr gelten? Morgen oder übermorgen wird sie«ine gefällige Demagogie zu musikalischen Verbrechern stempeln, die im Dritten Reich ängstlich ihre Kunst verheimlichen müssen... Di« T«ll«rjazzband. Weniger nobel sind d'e Tan'ende von Musikern gekleidet, die in den Dielen ihre Jazzmusik machen und auf die Gaben angewiesen find. w:lche die Gäste auf den Teller werfen. Alle Bedürfnisse mußten zurückgesiellt werden, um zu einem■ Jazzinstrument zu kommen, mit dem man das Notdürftigste verdienen konnte. Gewiß, fie alles glaubten an das Glück, g'aubtcn daran, eines Tage» doch der berühmte Jazztiger zn werde», der di« schönen Frauen Hotel Eden oder sonstwo in eine selige Stimmung musiziert. Run sind sie bei der bangen Frage angelangt:„Was soll geschehen?" Morgen vielleicht schon wird ein SA-Mann mit. se nen schönen Stiefeln vor sie hintreten und als R-cht:r der Kunst kommandic- re«:„Stillgestanden! Kehrt Euch' Marsch!" der» geradezu diktiert. Ähr Sieg im Klassenkampf bedeutet di« soziologische Ueberwindung-er. Klassengesellschaft und di« solidarische Gestaltung deS gesellischaftSlichen Lebens. Der Gewalt der ökonomischen Entwicklung und-es sozialen Ädcolismus der Arbeiterklasse muß zuletzt auch der Fafcismus erliegen. To gilt für sein« brutal« Kraftgest«: Ihr hemmt uns, doch ihr zwingt uns nicht! Mit begeistertem Applaus, der den Redner immer wieder unterbrochen hatte, dankte zum Schluß die Versammlung dem Genossen Mar Adler. Die Internationale, von Genossen Hans L i ch t w i tz schwungvoll gesprochen und von einem Bläserchor-es. Prager deutschen Theaters gespielt, beschloß die Feier, von der unsere Arbeit in Prag wcrwollsten Antrieb er- seus dem Zwirn der Ariadne, diesen Zusammen-1 wehr im Warenhaus hängen im s""""'*■*—a—»-s-.< Bruhn nachzusteigen. Nicht nur, daß ihm die Uniform mit der war Hillern zu Dank verpflichtet. Hose, die ihn ein wenig zwischen den Lenden, Aber die innerseelischen Motive! Die ge- kniff, ein Gefühl gesteigerter Kraft verlieh, nicht heimsten, bitte! nur, daß ein bewundernder Blick seiner längsti Bruhn war eine alberne Mur, erfolglos eingetrockn«ten Gattin an seinem Bart entlang; nach allen Seiten deS vorbergeflossenen Leben«, bis zu der metallgetriebenen Gürtelschnalle mit! Liebe, Geschäft, Familie— du guter Gott, alle» dem komischen Bögelchen und dem hohen Symbol j unter Durchschnitt. Aber hier bei Hitler nahm des herrlichen Erwachens einer Nation glitt— wan chn auf! Hier gewann seine durstige Figur ach nein, nicht nur solch immerhin äußerliche«me nie erwartete Würde, er avancierte zu lau- Gründe bewogen chn, den Gemüsebürgcr, in■ ter Titeln, die wonnevoll llangen, und die ihm strammem Schrstt, der seine Kraurpfadcrn schmerz- als nie verdiente Himmelsgrschenke in seinen haft erschütterte, durch die Straßen zu marschie- dürren Schoß fielen. Er wurde ein Kampfer, em ren— es lag tiefer, im tiefsten Kämmerlein Held, ein Mann, er opferte Leben und alles- seines Herzens begründet, daß er ein Kämpe und alle«, zum Beispiel seine Liebhaberei für Adolf Hftlers wurde.! Briefmarken— der Ehre des Volkes, er lernte In der ersten Zeit hatte es chn komisch be- sein Blut schätzen und seine germanische Schädel- rübrt, da zu stehen, die Hand beschwörend zum, bildung, an die er bis zu seinem siebenundfünf. Himmel zu recken und„.Heil Hitler" zu rufen, zigsten Lebensjahre nicht gedacht hatte. Sein Tag Ei fragte fich, ob man auch, wenn der Befreier war erfüllt, sem Herz schlug in zackigem Rhyth- zufällig, nun, als ein Baby mit Namen Schmir- ums. Er fühlte sich, als wüchse sein Brustumfang, gellechner geboren wäre, ob man dann auch, Der Jud Rosenstein kam wieder zu ihm und ,^Heil Schmirgellechner" geschrien hätte. Und wenn| biederte sich an. Ewig hatte jener nicht mehr der Autor hier antworten darf für den etwas, Spinat bei Bruhn gekauft— jetzt war et demütig verwirrten Aloysius Bruhn: Sicher. Denn Bruhn und sah ihn, den Aloysius, aus treuen Hunde-, und die Scittigen gewöhnen fich bald an Absur äugen an. Bruhn war nicht rachsüchtig, nur ein ditäten, ja, sie lieben sie und fühlen sich woyl,, bißchen schadenfroh, er spürte beinah eine mtt- rohüng her nationalen Studentenschaft und ein« ernste Gefährdung des ordentuchen^'Studienbetriebes. Wie herrlich wett es unser«" sudetendeutschen Hochschulen gebracht haben, auf deren „akademischem" Boden der Gruß„Heil Hitler!" das weniger rabiate„Grüß Gott" verdrängt hat, »eigen die Vorfälle des heutigen Tages mit erschrecklicher Deutlichkeit. Terror auf offener Ltra^» Heut« mittags verteilten sozialistisch« jugendliche Angestellte und Arbeiter, also Personen, di« den disziplinären Befugnissen der akademischen Behörden nicht unterstehen, auf dein Gehsteig und dem Fahrdamm der Lützowgasse Einladungen zu einer unpolitischen Versammlung. Obgleich die Verteiler fich in keiner Weis« provokativ benahmen, wurden sie von den Hakenkreuzlern und Couleurstudenten in der rüdesten Weise angeflegelt und tätlich angegriffen. Sozialistisch« Studenten, di« zum Mittagessen in di« Mensa gekommen waren, eilten den Änggerif» fenen zu Hilfe, wurden aber von der Uebermacht Ein« Mutter opfert fich für ihr Kind! Die "1jährige Arbeitersgattin Mari« K n e i b l wusch Freitag Vormittag m Pkemyslowitz bei^Könitz Wäsche. Als sie«in Schaff mit kochender Seifenlauge auf den Hof tragen wollte, lief ihr kleines Töchterchen in den Weg. Um das Kind nicht zu verbrühen, riß di« Mutter das Schaff an sich, so daß die kochende Lauge sich über sie ausgoß. Dem Kind geschah nichts, aber die Mutter erlitt furchtbare Brand wu» den int G e- sichl, an beiden Händen und an der B r u st. Sie wurde ins Proßnitzer Krankenhaus gcfckwfst, wo fcstgestcllt wurde, daß ihr Zustand ernst ist, jedoch Befürchtungen für ihr Leben nicht erweckt, ivcnn keine Komplikationen hinzutreten. Polnischer Protest. Der polnische Gesandte in Berlin, Wysocki, intervenierte im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten zum zweitenmal in Angelegenheit polnischer jüdischer Staatsbürger, die bei den Ereignissen der letzten Tage geschädigt, ja io. gar mißhandelt wurden. UlnoTiiMfith I wenn sie sich in ihnen wälzen. Das Absurde wird SA-MMU- Amormm s zum auszeichnend Außerordentlichen, man- das Der SA.-Mann Aloysius Bruhn hatte einen heißt die Gruppe, die Stadt, die Natton— hat gepflegten Bart und ein krisenzerrüttetes Gemüse-: den Wahnsinn allein, man fühlt sich angestaunt, gescbäft. Man muß anerkennen, daß er mit Leib' bewundert— Lächerlichkeit tötet nicht, sie ist ein und Seele SA.-Mann war; es gab vielerlei Fä- Verdienst..,,.._. den, die ihn mit der nationalen Freiheitsbewe- Verdienst rn jeder Htnstcht. Die Frauen der gung verbanden. Es mag lohnend sein, wie The-; Nachbarschaft kauften den Schweizer Käse nicht 8-•—;— m‘—1— sie hatten Angst, in dir seelischen"Labyrinths"des"Älöysiu's' Luft gesprengt oder zum wenigsten verprügelt zn s Werden— sie kauften ihn bei Bruhn: Brubn tsa.zfl iüi im Dritten Reich. 3« einer Heinen Diele in Berlin musizieren«»«IW dje^denisjen'gtnfrernrfle diese« Mi. drei Jazzmusiler zum Tanz. Ter eine spielt Kia- laumsiahre» dem Gedenken Karl Marxens in vier, der zweite sst Saxophonist und der dritte^^'ne besonder» erregende Beleuchtung rucken, schlägt auf seiner Jazztrommel den rasenden! b-w-Ilkommt nahm Gc»oi,e Prosi Mar Rhythmus uncrer Zeit. Jn den Pausen gibt es!^dler aus Men, dem dre marxsstrsch« Theor.« nur ein Tbema: Was soll mit unS geschehen?' fKlarheit und entscheidend« Ärremtngen v«r- d nkt und der vor allem der soziallstsschen Jugend ein begeisternder und erhellender Lehrer ist, das Wort, das er sogleich für. di« herrliche Persönlichkeit und das mitreißend« Werk Karl Marren» und gegen den Unverstand und die Brutalität seiner Gegnerschaft, aber auch gegen die Verbiegung und Verflachung seines Werkes durch ein« oft zweifelhafte Gefolgschaft einsetzte. In großartiger Rhetorik stellte Genosse Max Adler da» Wunder der Weltwirkung eines Gefftcr vor uns hin, dem keine Machr über die Menschen gegeben war, es sei denn die des leidenschaftlichen Gedanken». An seinem Werk, ja schon an seinem Namen bewahrhettet sich beute«rst vollendet seine Lehr« von dem Kampf der Klaffen: hier Ma rxi s- m u s, die Parole, die Wer all« Grenzen und M««« dem täglich in größere Not sinkenden Proletariat den Lieg im Kampf um«im vernünfiiger und gerechter organisiert« Welt verheißt— dort AntimarxiS- m u s, das Zauberwort neuesten Datums, das in allen Ländern und heut« vornehmlich in Deutschland die Feind« der Arbeiterklasse, di« Nutznießer d«S Unrecht» und ihren Heerbann sammelt. Im fünfzigsten Vahr nach dem Tode Marx' hat eine Krise-er kapitalistischen Wirtschaft di« Klaffenfronten endgültig und präzis formiert und damit rechts wie llnkS dem Marxismus, zu lebendigster. Wirkung verhölfeü, so,' daß noch' der letzt«' antimarxistssch« Schreihals di« marxistische Theorie bekräftigt. Zudem vollzieht sich auf einem riesenhaften Sektor der Erdoberfläche, in Rußland, unter den roten Fahnen de» Marxismus,«in Aufbau, ohnegleichen in der Weltgeschichte. Hier konstituiert sich nach seinem Bilde trotz endloser Hemmungen und Widerstände eine menschlichere Gesellschaft als je im Kapitalismus möglich gewesen wäre, hier ist der Vortrupp einer«inst sozialistischen Welt am Weik. Wodurch konnte da- Werk Karl Marr', das-och durchaus Wissenschaft ist, einen für ein« Wissenschaft so ungewöhnlichen Einfluß nicht allein aus da! Denken, sondern auch auf das leidem'chafrliche Wol-- len und das Weltbild so vieler Menschen, vor allem der Aiveiterklaffe üben? Weil es als Gesellschaftswissenschaft nicht über etwas Außer- menschlicheS, sondern über das Leben der Menschen '«lbft, über dar, was mit unS und durch uns vor sich geht, Aufschluß gibt und bloß als der Wissenschaft-' liche Ausdruck dessen erscheint, was im Gefühle der i unterdrückten Klasse, die von der Frag« nach dem. Seite 6 Mittwoch, SS. Mär; 1933. Ar. 69. der sadistischen Rowdies mißhandelt. Einem Von ihnen wurden die Kleider vom Leibe gerissen! Einem anderen versuchten sie in das Gebäude der Mensa zu zerren, um ihn dort unter dem Schutz des angeblich akademischen Bodens zu verprügeln. Polizei mit blanker Waffe! Die Mißhandlung der sozialistischen Studenten nahm schließlich solche Formen an, daß die Polizei intervenierte. Ein Rayoninsvektor eilt« herbei, um die Anführer der Krawallhelden festzustellen. Auch er wurde^von den Hakenkreuz- , lern bedroht und konnte sich nur mit gezogenem Säbel der Angreifer erwehren. Erft als ein stärkeres Wacheausgebot zur Stelle war, zogen sich die völkischen Studenten in das Gebäude der i Mensa jitrfij. Die Vorgänge auf offener Straße riefen unter den Pastanten große Erregung hervor. Die Arbeiter aus dem Proletarierbezirk Lirkow, die um die Mitiagsstttnde aus der Arbeit gingen, nahmen empört gegen die deutschen Fas- eisten Stellung. Nur mit. Mühe gelang es dem besonnenen Eingreifen unserer Studentengenos- fen, die tschechischen Arbeiter davon zurückzu- > halten, den völkischen Studenten«ine gründliche Lehre«inzubläuen. Schlatz mit de« akademische« SA-Methode«! Zwar wollen wir in diesem Einzelfall von einer Kritik der akademischen Behörden absehen; wir glauben, daß st« unmittelbar für dieses Vorkommnis nicht verantwortlich gemacht werden können; aber vielleicht wird ! ihnen an diesem Exzeß nationalstudentischer Sitten, der ihnen doch kaum angenehm sein ! kann» endlich klar, wie richtig wir schon die ,'längste Zeit die Situation an der deutschen .Universität beurteilt haben. Di« stets ableh- nende Haltung des Rektors gegen Links, und (fein stetes Wohlwollen für Rechts, die redaktio- !nell« Beteiligung Sr. Magnifizenz an dem Hoch- Ischulführer der Hakenkveuzler und der peinliche ! Boykott der sozialistischen Wahrmundfeier und viele andere nazifreundlich« Unfreundlichkeiten gegen uns haben erst die Stimmung geschaffen, in der di« Nazis ihren gewalttätigen Uebermut beweisen durften. Wenn auch jetzt das Verhalten der akademischen Behörden sich nicht ändern sollte, würde die Sozialdemokra- t i e Mittel und Wege finden, ihr« jungen Genossen an den Hochschulen gegen den brutalen Zugriff des Hakenkreuzterrors zu schützen. hatte eine Sensation. Ei« Held, der dreizehnjährige Mädchen ohrfeige« will. Di« Boulevardpreste der Nationaldemokraten und vor allem des Herrn Stbibrny bracht« ihren Lesern gestern eine ganz besondere Sensation. In der Nikolauderaast« vor der deutsche» Realschule soll ein ehemaliger Legionär, jetzt Postbeamter, von deutschen Studenten mißhandelt und blutig geschlagen worden sein und— das wird nicht einmal die gut erzogene Leserschaft geglaubt haben — die Prager Polizei soll nichts gegen diese„unerhörte Provokation der Deutschen" unternommen haben. Die Kommentare, welche sich an diese Tatarenmeldung anschloffen, sind so allgemein bekannt, daß sie nicht mehr angeführt zu werden brauchen. Derselben Ansicht scheint auch der Zensor gewesen zu sein, der die Hälft« der Meldung im„Expreß" konfiszierte. Die Wahrheit ist viel einfacher: Der Postbeamte Stanislav Vesely, welcher dem Postamt in der Ostrovni zugeteilt ist, ging Montag um 1 Uhr, also zu einer Zeit, wo die Schüler die Anstalt eben verließen, durch die Nikolandergaffe. Bor dem Schulgebäude stieb er zwei dreizehnjährige Mädchen— man stelle sich die Heldentat nur vor— aus dem Wege und versuchte auch noch, eine der beiden Schülerinnen zu schlagen. AlS ein zufällig vorübergehender Arzt ihn daran hindern wollt«, kam es zu einer Rauferei, bei welcher Vesely eine blutige Nase davontruq und, wie Augenzeugen auSsagen, auch sein künstliches Gebiß verlor. Die Polizeiwache stellte den Sach- Verhalt fest. Der Polizeibericht selbst sagt, daß es sich um keinen Zusammenstoß mit deutschen Studenten handelt. Infolge der günstigen Schnreverhältniss« fertigt di« StaatSbahndirektion Prag am 28. März l. I. für Wintersportler einen Sondermotorzug yrit Verpflegung und Führung nach Freiheit- Johannisbad ab. Kartenpreis mit Verpflegung 168 8, ohne Verpflegung 65 K pro Person. Abfahrt am 28. März von Prag-Wilsonbahnhof um 16 Uhr 28 Minuten, Rückkehr nach Prag am 26 März nach 22 Uhr. Anmeldungen mit Erlag einer Angabe in der Höhe von 20 K nimmt bis Freitag, den 21. d. M. Schalter Nr. 13 des Prager Masarhk bahichofes entgegen. Mitteilungen an» dem Publikum. Die Ziehung der Prager Mestelotteri« wird nach Schluß der FrühjahrSmeste am 4. April 1933 ftättfinden. Zur Verlosung gelangen 2541 Gewinste, darunter als Haupttreffer Kg 150.000 oder«in Luxusauwmobil„Tatra". Der Preis eines Loses beträgr K<5 5.— und Bestellung erledig! die Lotterieabteilung der PMM., Prag VH. 1876 Meh« Kraft— mehr Licht enthält die vi«r- länt'ge, salmiakfrei« Batterie Palaba 444. Sie besteht aus vierkantigen Elementen, enthält also mehr wirksam« Stofs« und leuchtet deshalb viel Hänger als«in« gewöhnlich« Batterie. 1920 Kunst und Wissen Uraufführung im Stadttheater Teplitz-Schönau: „Die v er Musketiere- Volks stück von Sigmund Graff und F. Mack. Nun kennen wir den Sigmund Graff auch von der Bühne. Seine„Bier Musketiere" schlendern auf der„Endlosen Straße" als harmlos gemütliche Nachhut der„großen", der„eisernen" Zeit.— just in dem Augenblicke, da dies« bedenklich Rost anzusetzen beginnt. Das Erlebnis des Kriege« zerbröckel» in die Erlebnisse der Menschen; die Kameradschaft der Front löst sich auf in die Einzelschicksale des Nachkrieges. Die Brutalitäten des Lebenskampfes fressen die Bruderschaften aus den Schützengräben auf; die Unterstandsromantik wird von der Daseins realistik weggeputzt. Das Stück beginnt in. der deutschen Etappe gegen Ende des Weltkrieges. Bier Musketier« aus den vier hauptmundartlichen Himmelsrichtungen Deutschlands geloben einander ewige Kameradschaft. Die Probe aufs Exempel macht Graff erst in der Gegenwart. Ach du liebe Zeit! In 14 Jahren ist mehr kaputt gegangen als die Bruderschaftsschwüre eines Schützengrobenquartetts.. Daß da Krause— obwohl er Sachse fft— in seinem Salon«inen Unterstand kopiert, um seine Kriegskameraden so recht stimmungsvoll bei sich begrüßen zu können und daß- ihm, dem klugen Erspürer der Konjunkturgeschäfte, dabei di« Wiedersehensfreude alle Nerven durcheinanderbringt das ist weit mehr ver wunderlich als die Tatsache, daß sich die vier Frontbrüder— kaum daß sie sich zum Begrüßungstrunk gruppiert haben— schon im Widerstreit der Meinungen entzweien und in alle vier Winde auSein- anderstieben. Die drei Frauen(einer fft ledig) tun kurz nachher dasselbe. Was so im zweite« Akt zerbricht, wird im dritten mit etwas Sentivrentalität geleimt. Und«s hält so lang, daß dem Autor ein recht empfii»dsamer Schluß möglich wird:«in leiser, sich der eigenen Unglaubwürdigkeit bewußter Appell an die Brüderlichkeit der Dien scheu„Ihr, di« ihr noch habt in den Tagen der Not— teilt mit denen, die«lend sind!"— Sie wevden's nicht tun; bestimmt nicht! Graff weiß es, Aber aus der Bühne gibt das«inen schönen Schluß. Man müßte zu den Worten eigentlich Harmonium spielen lasten und ein lang nachgezogener Akkord müßte das„Amen" sprechen. Das Stück gehört in die wachsende Reihe der Bildreportagen. Sie reagieren auf die Welt nicht mit dem Verstand, sondern mit dem Gefühl. Sie bekennen nicht; sie nehmen zur Kenntnis! Sie wollen das Leben nicht gestalten— sie empfangen die Gestalten vom Leben und verändern sie durch die Phantasie ihrer Wunschträume. Sie haben weder die Kraft noch den Mut der Weltanschauung. Sie wachsen wie stille Legenden aus dem unsicheren Raum zwischen dem Gestern und dem Heute. Sie haben kaum einige Atemzüg« wirklicher Dramatik. Graff hat dafür etwas anderes: er hat H u m o r! Nicht so viel, daß daraus wirklich das BolkSstück mit der ganzen Urwüchsigkeit seiner gesunden Kraft geboren werden könnte; aber dennoch genug, um drei dramatisch recht belanglose Akt« auf der Bühne erfolgreich unterhaltsam zu machen, wenn dabei«in Spielleiter wie Viktor Gschmeidler Pat« steht. Der Erfolg des Abends gehört Herrn Karl Nanninger in erster Linie. Sein Schlumberger steckt bis in den letzten Zipfel voll prächtiger Lebenskraft. Da ist Humor nicht das eitle Augenblicksgeschenk einer zufälligen Gebelaune, sondern das farbig« Lebensbild eines in der ganzen Besonderheit erfaßten Menschen. In solcher Interpretation könne» di« explosiven Naturlaute einer derben Unmittelbarkeit, die Dinge beim Namen zu nennen, niemanden verletzen; denn es fehlt ganz und gar die Absicht, di« verstimmen könnte. Auch aus der nicht salonfähigen Interjektion leuchtet noch die Sonnigkeit eines Herzens, das auf dem rechten Fleck sitzt.— Ein sehr anständiges, ob der Zurückhaltung besonders anerkennenswertes Spiel zeigt Herr Wich art als Gisevius. Sehr sorgfältig und schaüspiel«risch sehr feffelnd macht Herr Franz Andermann in seinem Stempel den Gegensatz zwischen dem lebenS- mutigen Frontkerl und dem schiffbrüchigen Skeptiker des RachkriegSdaseins wirksam. Herr Werner Hammer porträtiert Krausen mit humorvollen und lebensechten Zügen. Unter den nebenher gehenden Rollen sind HÄh A n t b u r g S Madam«, Christa C h r i st l s köstliche Barbara, Christa Bühlers liebenswürdige Frau Trnd«, Herrn W i l f e r 1 s schon empfundener Eberle und Viktor S a x l s Major anerkennend zu erwähnen. Ilse KennemannS Schwester Hildegard ist mehr lieb in ihrer Mädchenhaftigkeit als wahrscheinlich. Ein gutes Wort verdient Claire Steiner für di« brave Minna. Das Stück fand ein« ungemein freundliche Aufnahme; der Beifall steigerte sich von Akt zu Akt untief die Darsteller(der Spielleiter erkrankte vor der Aufführung) immer wieder vor den Vorhang. Ernst T h ö n e r. Hans Schwestka, der Heldenbariton des Chemnitzer Stadttheaters, hat als zweit« Partie seines Engagement-Gastspieles am Montag den Wotan in Wagners„Rheingold" gesungen. Daß er kein Boleantist ist, konnten wir schon nach seinem ersten Auftreten in Offenbachs Hoffmanns Erzählungen" fesfftellen. Aber auch als Wagner- Sättger und Mittler des dramatischen GesangsMes vermochte Herr Schwestka nicht ganz zu befriedigen. Zwar liegt ihm der deklamatorische Gesangstil bester als der gebundene und auch seine großen stimmlichen Mittel kommen bei Wagner besser zur Geltung als in der Gesangsoper, aber über die Mängel seiner stimmlichen Unausge'ichenheit und unzureichenden GesangSkültur ließ auch sein Wotan keinen Zweifel. Die Intelligenz des Sängers als Darstellers sei auch diesmal anerkennend festgestellt. Seine Verpflichtung für unser Dheater muß adgelehnt werden, denn sie würde eine Senkung des bisherigen künstlerischen Niveaus im Heldenbaritonfach bedeuten. Ueber die montägige„Rheingold"-Aufführung ist auch grundsätzlich Stellung zu nehmen. Die einzelnen Teile des Nibelungen-Dramas getrennt aufführen, heißt- daS Interest« an dem Gesämtwerk mindern. Uebrigens war die künstlerisch« Gesamtleistung vorgestern nicht eben repräsentatw; es gab Unstimmigkeiten in Menge. Das Rheintöchler-Terzett war nie so schlecht, stimmlich unausgeglichen und tonlich unrein wie diesmal. E. J. Montag: IV. Philharmonisches Konzert. Dirigent: Szell. Solistin: Maria Ävogün. Programm: Mozart, Ouvertüre„Der Schaufpieldirekwr". Mozart, Arie aus„II re Pastore". R. Strauß, Arie der Zerbinetta aus„Ariadne". Bruckner, Symphonie in E-Dur(Nr. 7). Wochenspielplau des Reuen Deuffchen Theaters. Mittwoch, K8 Uhr:„Die drei Musketiere" (AA.).— Donnerstag, J$8 Uhr:„Figaros Hochzeit", Gastspiel Maria Jvogün(AA.).— Freitag, %8 Uhr:„Auslandsreise", Gastspiel Kurt Bois,(DA.^Samstag,^8.Uhr: ,La Boheme", Gastspiel Maria Ävogun(AA,)^' Wochenspielplau der Kleine» Bühne. Mittwoch, 8 Uhr: Komödie der Irrungen".— Donnerstag, 8 Uhr:„Evasaniert das Paradies".— Freitag, 8 Uhr:„Candida"(Kultuv- vevbandsfreunde).— Samstag, 8 Uhr:„Eva saniert dar Paradies". Sport• Spiel• Körnerpnene Lassalle Kroch Witz gegen Fußballring 1919 Teplitz 2:0(0:0). In dem in Krochwitz ausgetragenen Freundschaftsspiel zeigten beide Mannschaften ein gleichwertiges und faires Spiel. Di« Teplitzer mußten mit sechs Ersatzleuten antreten, di« sich gut bewährten. ASK. Settenz schlägt Gleichheit Weiskirchlitz 2:1(1:1). Gleichheit verlor das Spiel, trotzdem sie technisch überlegen war, durch di« Stürmerreihe, die sich in ihrer derzeitigen Verfassung nicht durchzusetzen vermag. Settenz errang daher einen glück- lichen Sieg. ASK. Eich« Eichwald geo»n Hohenstein 5:1 (1:0). Das Spiel nahm«inen schönen Verlauf und ist der Sieg der Eichtvalder verdient. «FR. Sporitz gegen AFK. Meretitz 9:0(4:0). Das in Sporitz ausgetragene Freundschaftsspiel endete mit einem überlegenen und verdienten Sieg der Heimischen. Die Gäste spielten mit großer Aufopferung und hatte» im Tormann und Mittelstürmer die besten Leute. Wiener Arbeiterfußball. Liga: Gaswerk gegen Rudolfshügel 2:1(0:0), Helfort gegen Zentralverein 3:0(0:0), Nord-Wien gegen Floridsdorf 1:0(1:0), Red Star gegen Feuerwehr 3:2(2:1), Ostbahn Simmering gegen Phönix Schwechat 1:0 (1:0), Meidling gegen Amateursportklub 1:0(0:0). — Erste Klasse: Gruppe Süd: E-Werk gegen Fcworitener AC. 4:1(1:1), Ml. 33 gegen Anker« brotfabrik 1:0(1:0), Virtus gegen Union 14 2:0 (2:0), WAF. gegen Phönizia 1:1(1:0), Neutral gegen Ostbahn Favoriten 2:1(2:1), Hauptwerkstätte gegen Rekord-Kicker 5:1(1:1); Grupp« Nord: Columbia gegen Jndustrieangestellte 1:1 (1:0), Donaufeld gegen Juventus 2:1(1:0), Simmering gegen Olympia 4:3(2:3), Landstraßer Sportfreund« gegen Auto 4:3(2:2). Saisonbegin« in der Wiener Leichtathletik. Die Wiener Arbeiterathleten begannen ihr« diesjährige Tätigkeit am Sonntag mit einem Frühjahrswaldlauf im Prater. Der Waldlauf wurde in fünf Gruppen ausgetvagen. Die Strecke der Langläufer betrug 5.5, für di« Sprinter 1.5 Kilometer. Der Verlauf des Rennens zeigt«, daß noch nicht alle Läufer auf der Höhe find, trotzdem sah man ausgezeichnet« Frei« Vereinigung soz. Akademiker. Heute, Mittwoch, den 22. März, 20 Uhr, findet im großen Saale der Produktenbörse eine internationale Kundgebung der sozialistischen Stundentenorganisationen Prags statt: „Die soziale« Forderunge» der deutsche» und tschechische» Hochschüler in der C. S. R." Leistungen. Im Laufen über 5.5 Kilometer siegte bei den Senioren Oettl(Zentralrerein) in 18:01 vor Bayerlein(Avbeiterschwimmverein) in 18:11.4 Min.; bei den Neulingen Schier(Red Star) in 18:28 Min. Im Laufen über 1.5 Kilometer kamen als Erste in einem toten Rewwn Keppler(E^Werk) und Kaiser i Zentralverein) in 5:26 Min. ins Ziel. Der Wiener Arbeiterturnverein beschäftigte sich -- ebenso wie schon früher die Arbeiterfußballer— in seiner am Sonntag stattgefundenen Hauptversammlung u. a. mit der Wiederaufnahme des Sportverkehrs mit den Sportlern der Sowjetunion. Ein diesbezüglicher Antrag der Gruppe Innere Stadt, der besagt, daß der Askö bei der SAIJ. den Antrag auf Wiederaufnahme deS Sportverkehrs mit der RSJ. einbringe, wurde angenomnien. Der Antrag soll, wie einige Redner fcststellten, die Sympathien der österreichischen Arbeitersportler für die Sportler des einzigen großen Reiches der Erde, in dem die Arbeiterklaste zur Macht gelangt ist, zum Ausdruck bringen. Aus der Partei Jugendbewegung. 2.1.L Mittwoch um 8 Uhr abends m unserem Heim am Fügmrplatz Gruppenabend. Frei« Bereinigung soz. Akademiker. Arbeitsgemeinschaft„Bert Brecht". Morgen, Donnerstag, den 23. März, 22 Uhr, Lass Continental, Hintergebäude, 2. Stock, Chorprobe. Literatur „Kristin und die Erde." Roman von Mnrgaret« Hackebeil. Gipfel-Berlag, Berlin SW 48. Preis 4.80 Mk. Manche werden gewiß diesem Buche die Tendenz zugrunde legen, die durch die Rationalisierung und Wirtschaftskrise aus dem Arbeitsprozeß ausgeschiedenen Menschen aus das Land hinauszuweifen und dort’ durch«in Leben der Primitivität ihr Dasein in harter Arbeit zu einem nützlichen für sich und die Gesellschaft zu gestalten. Tatsächlich faseln manche bürgerliche Kritiker davon, es sei ein Roman, der der Jugend einen„Ausweg aus der Hoffnungslosigkeit" weis«. Wäre dies wirklich di« Tendenz des Buches, so wär« sie abzulehnen, denn der„Ausweg" käme nicht einmal für«ine klein« Anzahl aus dem heutigen ungeheueren Heer« der Arbeitslosen in Betracht, schon deshalb nicht, weil es an Boden fehlt, um ein einfaches Siedlerleben zu beginnen, wie es die Heldin des Romans tut, so wenig glaubhaft es übrigens erscheint. Abzulehnen aber auch deshalb, weil die Welt reich genug ist, nm alle Menschen auskömmlich zu ernähren und zu bekleiden, die es in einer vernünftig eingerichteten Gesellschaftsordnung wahrhaftig nicht nötig hätten, nach einem„Ausweg" zu suchen, der ihnen lebenslängliche und hoffnungslose Dürftigkeit auferlegt,' Der Roman erzählt in der Ichform den angeblichen Lebensweg der Gymnasialschülerin Kristin, eines bürgerlichen Mädchens von heute, mit jener Kaltschnäuzigkeit begabt, die diese Gattung auSzeichnet. Hinter der Schminke einer gewissen Verderbtheit lebt in ihr die Sehnsucht nach reinem hohen Menschentum, nach etwas, das ihr den Weg aus aller Leere und Verwirrung zeigt. Di« Scheidung der Ehe ihres kleinlich überkorrekten Vaters von ihrer lebenshungrigen Mutter versetzt ihr einen schweren Stoß, über den sie sich mit chrer Frech- dachsigkeit hinwegzuhelfen sucht, doch als sie auch noch den Tod ihres Jugendfreundes erlebt, der als Unbeteiligter bei einer politischen Schießerei alS Opfer auf der Streck« bleibt, sucht st« verpoeifelt den Tod. Jens Ohl, ein arbeitsloser Siedler, rettet sie, nimmt sie in seinem Häuschen auf, doch st« will ihm nicht zur Last fallen und wandert los, wird Tippelmädchen, arbeitet als Magd auf Bauernhöfen, lernt die Scholle lieben und schließlich kehrt sie zu Jens Ohl zurück, an dessen Seite sie zum Weibe wird. Das aus dem Behagen des bürgerlichen Hauses hervorgegangene Mädchen, das diesen Weg zu gehen sich entschließt, fft sicher eine Rarität. Ti« Autorin beweist jedoch ein so starkes Erzählertalent, daß die Geschichte fast glaubwürdig erscheint. Eck gibt köstliche Irenen in dem Buch«, da« oft von geradezu dichterischer Beschwingtheit ist. Margaret« Hackebeils Stil, Sprache, Darstellung und feiner Humor lassen den Schluß zu, daß sie bei engerer Berührung mit der wirklichen Welt zu Hoffnungen berechtigt.—r. dar Helm des tlafsevbewvßten■ «-Arbeiters gehört d. Aevkralorgan. I de» Deutschen soziatdemokr. Arbeiterpaeiei g? „Sozialdemokrat"—1| Öffentliche Frauenversammlung am Donnerstag, den 23. März, um 8 Uhr abenvs im„Monopol" (gegenüber Masarykbahnhof). Referentin: Genosst« Lotte Belina über „Die Frau im Dritten Reich**. Kommt alle, bringt Gäste mit! tzatizatzrig M St».—, ganzjährig U IflÜ—u— Jujerar« werden lau; Larij blüigst berechnet. Bei pfimn LuückaUungeH Hreisnachlatz. Aückstcllung von SlannjkripteH erjo.g: nn| bei Etnjendung der NetounuaUaay ftcruiatbic: Siegfried Land— Cbtfttbattear. tBilbelm Jt 11 fc■ 11.— Berankwortltcher Redatleur' Dr. E«U Stra n tz. Prag.— Druck:-Nora- L.»G. für Zeitung- and Brrchdruck. Praa.— Für den Druck»eran.morli'.ch Otto Holit, Dia LeIluaasmark eatra akatür wurde von de,«ott- n. relearaphendrrektion am Erlast Nr 1S.800/VH 1980 bewilligt- BezugsbedlUßungen: Bei Zustellung tu» Haus^oder bet Bezug durch die Zoft mouarlich Le 18.-. vlerieltahrirch Lä ••• 9° uaükH. iri»..Uku. V* laut lar.i bifliafi btrfthnei.»ei üftnei(tiai&altunacn Lreisnachlost.— Aückttclluna von Mantükripten erfolgt nur bei Ltnieubuua her fletnunnadea.