iz. Jahrgang. Freitag, 2^ würz 1933 Nr 71. Me„nationale kevoiutlon" frißt ihre»Inder! Der ReMhshommissar itir Arhelishesoiailiing verhaltet. Berlin, 23. März. Kurz nach Beendigung der Reichstagsfitzung wurde aus Anord. «ung des Reichskommissars für das preußisch« Innenministerium Göring durch die Polizei der Arbeitskommissar Dr. G e r e k e wegen des dringenden Verdachtes der Untreue und Unterschlagung festgcnommen. Gerrke Wird uach Abschluß der polizeilichen Erhebungen dem ordentlichen Richter vorgeführt werde». Sererlitü und Lever verkalket. Sammeiiager Ihr zunnfldist 1300 Gelangene. Berlin, 23. März. Wie das Eonti-Vüro meldet, wurde der ehemalige preußisch« Minister des Innern Karl Severing heut« Rachmittag vor dem Gebäude der Krolloper, als er sich zur Reichstogssitzung begeben wollt«, festgenommen und in das preußische Ministerium des Innern gebracht. Ebenfalls feftgeuomme» worden ist der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Leber aus Lübeck, der bekanntlich schon vor einiger Zeit verhaftet war. Bon der Kriminalpolizei wurden in Augsburg in der vergangenen Nacht 22 Personen in Schutzhaft genommen. Unftr ihnen befinde» sich der, Führer" der- sozialdemokrakischin"StaVträtSfräktion, Gewerkschaftssekretär Karl W e r nt h a l e r, der Direktor des ersten Kaufhauses der Stadt Gebrüder Landauer, Gift, ferner die Rechtsanwalt« Tr. Renmark und Dr. Dreifuß sowie der Sekretär des Augsburger Stadttheaters Nora. Tie Polizei hat heute vormittags den seit länge-' rer Zeit gesuchten Emdener Kommunistenführer und Bürgervorsteher Gustav Wendt in seiner Wohnung überrascht und frstgenommen. Heute mittags werden zehn Kommnnislenführer und Funktionäre, unter ihnen die Bürgeroorsteher Jan de Vries.mch Wendt, mit einem Sammeltransport nach Berlin gebracht werden, Sie sollen iu einem Konzentrationslager Aufnahme finden. Ter Professor der Chemie an der Technischen Hochschule in Braunschweig Tr. Lüning wurde, wie die-Blätter melden, in der Nacht zum Mittwoch durch Stahlhclm-Hilfspolizei in U n't e r fü- chungshaft abgesührt. Wie verlautet, war bei Aushebung einer Gehrimdruckerei wichtiges Adressen- maierial gesunden worden, das Prof. Lüning, der Mitglied der Friedensgesellschaft ist, er- heblich belastet«. Vou zuständiger Seite wird mitgeteilt: In den letzten Tagen wurde aus dem Truppenübungsplatz Heuberg in Stuttgart rin geschlossenes Konzentrationslager für politische Schutzhäftlinge errichtet und in Benützung genommen. Das Lager vermag zunächst etwa 1500 Gefangene aufzunthmen und bietet die Möglichkeit, ans dem ganzen Land« alle Ruh« und Ordnung grfähr- denden Elemente laufend bis ans Weiteres zu«nt- serne», stcherzustellen und damit di» örtlichen Polizeibehörden zu entlasten. Die Beausfichtigung des Lagers wird durch ein starkes Aufgebot von Hilfspolizei unter Schutzpolizeileitnng durchgesührt. Dir Gefangenen sind gemeinschaftlich«ntergrbracht und dürften zu geeigueten Arbeit«« hrrangezogen werden. Immer m» Sem Stärkeren k Ole Kirche versteht sich anzupassen. Berlin, 22. März. Anläßlich der Beerdigung eines in Benthen verstorbenen SA-Mannes hatte der dortige Prälat Weisung erhalten» sich des GrabgeleiteS zu enthalten, da geschloffenen Parteiformationen kein Zutritt zur Kirche gewährt werden sollt«. Der Oberbürgermeister von Beutheu wandt« sich telegraphisch an deu Vizekanzler von Pap en nm Intervention beim Fürsterzbischof in BreSlau. Dieser sofort erfolgten Intervention de» Vizekanzlers ist es zu verdanken, daß die Beerdigung mit allen kirchlichen Ehren stattfand. fioering war sihon einmal im Irrenhaus! Der Reldislnnenminister— ein gefährlicher Morphinist. Der schwedische Korrespondenzprrffedienst des„D a i l h H e r a l d", des HouptorganS der Arbeiterpartei, meldet aus Stockholm, daß.Kapitän Goering, der berüchtigt« Razisührer und Inhaber der höchsten Gewalt in Preußen, sür einig« Zeit m einem schwedischen Irrenhaus als«in gefährlicher Morphinist eingesperrt war. Der schwedische Korrespondent Haiti« Gelegenheit, die Photographie einer Kataster! arte auS den Akten eines schive- dischen Spitals zu sehen, auS der hervorging, daß Kapitän Wilhelm Goering über Befehl der schwedischen Polizei in einem Ambulanzwagen in ei« Spital gebracht wurde, wo er in der Zeit vom 1. Septem der bis 19. November 1925 verblieb. Bevor er in das Hospital in Langbro gebracht wurde, wurde er in einem Privatspital. i« Stockholm behandelt. Dort erzählte di« Oberschwester des Spitals, daß er so gesähr- lich und schreckerrrgend war, daß man ihn nicht dort behalte« konnte und gezwungen gewesen ist, ihn in«in Irrenhaus zu bringen. Goering wurde während des Krieges Morphinist. Er kam im Jahr« 1925 nach Schweden al» Flüchtling, als er bereits aktiver Nationalsozialist war.' AuS gut informierter Quelle erfuhr der Kovrespondent des „Daily Herold", daß Goering, als er im Spital in Langbro war, ein« Eisenstange ergriff und damft einem Pfleger einen furchtbaren Hiebversetzte. Eine ariden« Feststellung, di« der Korrespondent auf ihre Richtigkeit noch nicht überprüfen konnte, besagt, daß Goering zuerst in ein privates Spital gebracht wurde, weil er nämlich in einer Stockholmer Straße aus einer Pistole zu schießen begann. Es wird auch berichtet, daß Goering Rezepte fälschte^ um in den Besitz von Morphium z« gelangen und dann in einem Stockholmer Spital im Jahr« 1927 neuerlich als Morphinist behandelt wurde. Der Korrespondent des„Daily Herold" erinnert daran, daß«in« der jüngstem Handlungen Goe- rings darin bestand, daß er an die Polizei einen Befehl heranSgad, rücksichtslos anf di« Feinde des Staates zu schieße» und daß er erklärte, daß er de» Marxismus aus- rotteu und keine sozialistischen Gewerkschaften dulde« werde. Der FOhrer der SPD, spricht im Reichstag. Diners PegierungscrHornng und die Antwort des Genossen Wels Bekenntnis zu MensdilichKeit Freiheit und Sozialismus. Berlin» 23. März.(Eigenbericht.) Der Reichstag nahm heute die Regierungserklärung Hitlers entgegen. Gaal und Tribünen der Kryll- äper waren dicht besetzt. : Göring eröffnete mit einer kurzen Ansprache, dann wurde die Aenderung der Geschäftsordnung gegen die Stimm«« der Sozialdemokraten angenommen, der Antrag auf Haftentlassung der sozialdemokratischen Parlä- mentarier a b geil e h n t. Hiller, dar in brauner Uniform erschienen war, nahm dann das Wort zur Erstattung der Degierungserlflärimg. Die Rede Hitlers. htc_ die Regierungserklärung enthielt, unterschied sich in nichts von. den giftgeschwollenen Darlegungen, die seit der Machtübernahme der Braunen tagtäglich im deutschen Rundfunk zu hören sind. Hitler kam zunächst auf di« Revolution von 1918 zu sprechen, die er beschimpfte. Die Regt«' rungSgewalt sei von den W.'imar-Po rteien rücksichtslos ausgenutzt worden, die Entwicklung Deutschlands habe unter ihnen konstant nach unten geführt. Ein« treffliche Charakterisierung der nationalsozialistischen Bewegung enthielt di« Stell« dar Regierungserklärung, in der das bolschewistische Gespenst an die Wand gemalt wird. Hitler sagte nämlich, di« Proklamre-, rung der permanenten Revolution sei nur ein Appell an die niedria sten In stinkte gewesen und habe zu einer Verbindung zwischen einer Politischen Idee und den.Hanjstungen wirklicher Verbrecher geführt. Straßenraub. Plünderung. Brmchstiftuna Eisenbahnfrevel. Attentate — das sei die Tätigkeit der Kommunisten gewesen /Da. wie der Berliner Volksmund trefflich mm Ausdruck bringt, die SA-Leute fa samt und ''anders..holländische Kommunisten" sind. D. Red.). Hitler werde, um zu beweisen, daß der Brandstifter im Reichstag Wirklich em Kommunist sei, dessen öffentliche Hinrichtung erzwingen. Di« Reichsreform habe erzwungen werden muffen. Die Gleichheit vor dem Gesetz werde nur dem zugebilligt, der der Regierung seine Unterstützung! nicht versagt. Die Entgiftung' des öffentlichen Hebens werde durch eine moralisch« Sanierung von Theater, Film. Rnndfunk und Presse durchaefübrt werden. Di« Kunst habe die Aulgabe, Ausdruck des aufkoimneiidcn Heroismus jai sein. Blut und Rache stehen jetzt beherrschend im Vordergründe. Mit der politischen und moralischen Entgiftung werde zugleich ein Bsdürf- nis des religiösen Lebens gesichert. Dre Reichsregierung werde nicht duildm, daß die Zu- aehörigkert zu einer bestimmten Konfession oder Raffe ein Freibrief für Tolerierungen darsteste. Die Rogimung werde die wirtschaftlichen Interessen'nicht über den Umweg einer staatlichem Wirtschaftsbürokratie, sondern durch die stärkste Förderung der Privatinitiative und der Anerkennung des Privat- Eigentums betvriben. Di« Regierung werde Währungserperimente vermeiden. Der deutsche Bauer müsse gerettet, di« Arbeitslosenarme« wieder in den Produktionsprozeß(ungegliedert und auch der Mittelstand gestützt werden. Dann beschäftigt sich die Regierungserklärung mit der Sozialpolitik. der Export- und Verkehrspolitik. Deutschland wolle^b b»s Deltk'üeaeir«rtt- aegeuaetreten fei. Vcn'behal^or set di, Sozial- demokrat"» auch m°t d-m Satz aus der Potsdamer Rede d-z Reichskanib»rz einverstanden, in dem er den Aberwitz>vr Tbeorie von ewi- aen Siegern und Bosiagkm entaea-ntrat. Dielar S->tz sollte aber amb auf die innere Politik onaewandt w»-^*m. Ter in d-- Nafto« nalver'ammsirnq von Weimar oeaenüber den ai'benpotiti^ch-n Feinden ae sprachen« Satz: ..Wir sind wehrlos aber nicht ehrlos!" werd-: jetN von den Sostalbemok'^s'm auch den innerpolitischrn Gegnern gegenüber wiederholt. Ei« Gemasttriev» kann auch im Innern keinen Sea»n Ein» wttA'che eemeiuichwt taffe sich ans ihn n^ch a-sinpen. Man dark besieat« Grauer n'ckit behandeln a^s seien sie voaestr»?. Tretest und L«^»n kann man uns nehmen, di« Ehre nicht. .(Lebbak'er Besiass bei den Sozialdemokraten.) Nach den V» r fo l astnge n.^die die-fe^ial» dTmokrati'che Partei.-in der-l?Mn Zeit erfahren hat, w»"d niemand von ihr b'rr>^-w-ile verlan- oen und-ntv-" len können, daß sie kür das hier ein-vch-nach-te G-rmächti-onnosaesed stimmt.- Niemals ist di« Kontrolle d»r öfi»ntlich«n An geleaenheiten durch die Volksvertreter, in eiu-m so^ch-en siva^e ausaaschaltet wie et« Fa« ich: Wir haben weder in Varis um Intervention o»b-»ten, noch Millionen nach P*aa verVohrn. noh. übertreiben''» Nachricht»» ins Ausland aeh-aif dem heurigen deutschen Juristentag ausersehen ist. Vorlduttg Keine BergarDeitcr- Entlassungcn in Ostrau. Mähr.-Ostrau, 23. März. Die Vertreter des Beraarbeiterverbandes intervenierten heute beim Vorstand des Reviorbcrgamtes in Mähr.-Ostrau, Reg.-Rat Dr. Pfeiffer mit Rücksicht auf die in eimgen Zeitungen veröffentlichten alarmierende« Meldungen, daß anfangs April Massenentlassungen von Bergarbeitern erfolgen würden. Sie forderten insbesondere die Einberufung einer gemeinsamen Beratung van Vertreter« der Grubenbesitzer und der Bergarbeiter zwecks Behandlung dieser Angelegenheit. Reg.-Rat Doktor Pfeiffer erklärte, ,chiefe Verhandlungen werden stattfinden, doch kann ihr Datum noch»icht festgesetzt werden, da man abwarton muß, wie die Frage der Herabsetzung der Kohlenpreise geregelt wird. Je nachdem, wie sich diose Angelegenheit gestalten wird, wird man beurteilen können, ob und bis zu welchem Maße die Grubenunternehmungen di« überzähligen Borgleute werden weiter beschäftigen können." Daraus fft ersichtlich, daß anfangs April Massonent- lassuugen von Bergarbeitern im Revier nicht erfolgen werden. n&hrisdi-sdileslsdie Landesvertretung. Brünn, 23. März. Eigenbericht. Heute sand die Frühjahrstagung der mährisch-schlesischen Landesvertretung mit der Debatte über di« Vorlagen betreffend den Masse rwi.rTschafts- f o n d s und di« restlichen Vorlagen, die fast ausschließlich Regulierungs- oder Gründet ück s t a u s ch angelegen heilen betreffen, ihren Abschluß. Der Großteil wurde ohne Debatte erledigt, erst bei einer Vorlage, di« ein Gutachten der Landesvertretung über di« Novellierung des Gesetzes über den Fonds für Errichtung und Unterstützung von Krankenanstalten und andere Heilinstitute, den sogenannten Sanitätsfonds, wurde die Debatte reger. Für unsere Partei nahm Genoss« Dr. Marge n st e r n das Wort, der u. a. ausführt«: ES ist gut, daß der- Fonds nur für Investitionen dienen soll, aber es sind-auch Unterstützungen der Anstalten bei Betriebsabgängen dringend notwendig. Bor längerer Zeit wurde uns«in« List« der geplanten Erweiterungsbauten versprochen, man ist aber bisher dem Versprechen nicht nachgekommen. Hier liegt die Schwierigkeit beim Finanz» m i n i st e r i u m, in dem noch jetzt derselbe Geist herrscht, wie seinerzeit bei der Vernichtung der Autonomie.' Die Ansprüche der Bezirke und Gemeinden sind nicht rechtlich verbürgt, di« Ber- pflegskosten idecken wohl die Betriebskosten, aber ncht di« Annuitäten, auch die Fnvestitionsümläge wird sic nicht decken könne». Notwendig ist daher eine Aenderung der Statuten und«in« Abbürdung des- Bauaufwandes von den Gemeinden. Es ist nicht korrekt, daß di« SanitätSumlage in den Lan» desanstalte zur teilweisen Deckung der Betriebskosten verwendet wird. Die Angaben, daß di« Unterstützungen für di« Deckung der Annuitäten verwendet werden, stimmt auch nicht. Genosse Morgenstern brauchte hierauf noch einige praktisch« Aenderungs- vorschläge zur Sprache und fordert« schließlich, daß die Resolutionen direkt vom Landesausschuß an daS Ministerium weiterzuleiten sind und nicht erst in der nächsten Tagung vorgelegt werden. ! Nach einigen Ergänzungswahlen wurde dann di« Abstimmung über di« Vorlagen und Resolutionen und Abänderungsanträge vorgenommen, wobei die Vorlagen angenommen, die Berichte des Landespräsidenten zur Kennntnis genommen und die Anträge zum Teil dem Landesausschuß, zum Teil der Landcspräsidentcn zugewiesen wurden. Um 1 Uhr mittags schloß hierauf Landcsvizeprädent Böhm di« Tagung. Das größte Heer der Welt Um die Rüstungen Deutschlands. In-en deutsch-katholischen Kreise» des Gebietes Eupen-Malmedy(Belgien) beschäftigt man sich mit den Bemühungen Deutschlands in Genf, Zugeständnisse in der Frage d«r Aufrüstung zu«rhalten, und mit der tatsächlichen Isolierung Deutschlands, di« durch alle Genfer Beschlüsse bewiesen wird.„Die Sieger des Dritten Reichs müssen ein« Niederlage nach der anderen einstecken und mit gekrümmtem Rücken davonschleichen"— so charakterisiert das Eupener katholische„Grenz-Echo" die außenpolitischen Erfolge der Naziregierung. Bevor Herr Maedonelld seinen— noch lang« nicht gelungenen— Versuch unternahm, die Abrüstungskonferenz durch Aufrüstungs-Zugeständnisse an Deutschland wieder flottzumachen, faßt« der Hauptausschuß der Genfer Abrüstungskonferenz einen Beschluß, der besagt, daß zu den Effektivstärken der Militärbestände auch die Polizeikräfte und di« m i l i tä r i s ch a u s- gebildeten Formationen zu rechnen sind.— Die Presse des Dritten Reichs bagatellisiert diese Tatsache, um den Mißerfolg in Genf nicht eingestehen zu müssen. Si« hat allen Grund dazu, denn nach den Genfer Beschlüssen verfügt — wir halten uns an di« Aufstellung des„Grenz- Echo"— Deutschland tatsächlich über das größte Heer der Welt: Reichswehrsoldaten.... 100.000 Schupos 150.000 SA.-Soldat«n...... 600.000 Stahlhelmer(knapp gerechnet) 300.000 Tas sind zusammen 1,150.000 Mann, also beträchtlich mehr als Frankreich(700.000 Mann einschließlich der Kolonialtruppen) unter Waffen hält. Seite 4 Freitag, 24. März 1933. Nr. 71. tic*eii Hintze zwölf Jahre Zuchthaus beantragt. Berlin, 23. März. Im TotschlaqSprozeß Hintze-Bindernagel beantragt« der Staatsanwalt, gegen den Bankier Wilhelm Hintze, der am 23. Oktober v. I. seine Frau, die Kammeriän- aerin Gertrud Bindernagel von der städtischen Oper, erschossen batte, 12 Jahr« Zuchthaus und 10 Jahr« Ehrverlust. 230 Nensdicn In Ostsodiscn verhaltet! Die Verfolgungen dauern an- OebcrlOllie Gefängnisse— Burg Hohenstein als Korreltflonsanstalt. Ein Kommunist„auf der flucht 0 erschossen! Aus dar Oberlausitz erhalten wir folgenden Bericht: Nachdem in der Serie der Verhaftung«« eine kurze Paus« eingelegt Word«« war,»ft an. scheinend auf Befehl der politischen Leitung der Hakenkreuzler des Bezirks Oberlanfitz in vielen Arbeiterorteu ein««en« systematisch« Razzia auf all«„marxistischen Elemente" durch, geführt worden. Mit d«n widerrechtlich anqeeig» «et«« Lieferwagen der Oberlausitzer Volkszeitung, unseres Parteiorgans in Loba«, wurden di« schwerbewafsnete« SA-Leut« nach de« Grem- orte« gebracht und dann Spanne« systematisch die Haussuchungen«nd Verhaftungen. Inner» halb dreier Tag« sind, soweit festgestellt werden konnte, i« d«n Orten, die an der Staatsstraße Zittau« Bischofswerda liegen, rnnd 150 Personen aus de« Wohnungen geholt«nd verhaftet Worten. Rach Berichten der Ortsein« wahner«nd der Volizei stnd jedoch 230 Ein« wohner, alles Angehörige der fo'ialistischen Parteien unter ihnen auch einige Frauen, weggeführt Word««. Die„Razria" erstreckt« stch ans di« Orte Ta»benbeim, Nensal'a-Svrrm. berg, Friedersdorf, Ebersbach. Eihan-Walddorf, Oberoderwitz«nd Riedervderwitz. Allein in Ebersbach find 30 Arbeiter verbautet wor« den, in Friedrrsdorf bei Ebersbach, einem Ort mit sozialistischer Mehrheit, wurde« neben Arbeitern anch di««arristisch«inaefteNten Lehrer anfgeariffen. In Eiban.Walddorf find sämtlich« Funktionäre der Arbei»rrl»ew«a«n<» verbal, «et worden. Das gleich« geschah in Eibau, wo mau zwei Lehrer mitte« ans de« Unterricht beranSgeholt und fort« führt«. Di« Kinde, der Klasse«, in denen di« Sehr« bis z« ibr«r Verhaftung unterricht«. t«n, verließ«« mit ihre« Lehrern weinend das SchnlhauS. Als fi« sich nicht von ihren Lehrer« trenne« wollte«, wurde« fi« gewaltsam vo« de« SA-Mitgliedern abardränqt. In alle» Orte« herrscht über das gcwalt. fame Borgehe«, das trotz der Versicherung««, daß Einzelaktionen der SA n'cht Nattsinden dürften, durchgesübrt wurde, größt« Beftürzuuq und Aufregung. Niemand»st davor gesichert, daß auch z« ihm di« braune« Horden aus Löbau komme««nd einfach di« Verhaftung vornehm««. Selbst eines Teils de» BüraertumS bemächtigt sich ob dieses gewaltsamen vorgehens hell« Empörung«nd Leut«, die am 5. März noch Hitler wählte«, erkläre«, daß sie mit solchen Gewalt, tätigkeiten nichts zu tu« bab«n wollen. verschiedenen Genossen ist es gelnnqe«, rechtzeitig zu entkommen. allerdings ist ihr Schicksal, da sie zumeist ohne all« Barmittel Hans irnd Wohnung verlafie« mnbte«, ganz««gewiß. Wie verlautet, beabsichtioen die Hakenkreuz» ser von Ostsachsen, di« ehemals wegen ihrer herrlichen Lao««nd ihrer vorzüalichen Organisation bekannt« 5t»-'endb'«rg Hobnst«i« in der Sächsischen Schwei«, d'e bereits vor eini- oen Tagen von den 9>«r s g geschlossen und besetzt wurde, wieder ihrem früheren Zweck der Kor- rektlonsanltalt zutnlübren»nd all« ge- 'auorneu Marxist«« dort»wanoSweis« unter,«» hinnen, da alle lSesängniss» überfüllt sind. Doch aller Terror vermaa nicht den Geist rn toten, bir die Arb^t-rlchost der setzt honn- oesuchton Orte beft-^t W,nn sich mich di« Haken- kreuzler, die unter Assiktam der Pol'»"i arbeiten, setzt unaestraft Gewalttaten über Giwolttatzm orkauben können.— womit ober auch nicht eiriim Hungernden Brat gelben wird,— so ist sich in dem einchr Willen die amze Arb^^»r. schäft einig, daß einmal der Tag der Ab- rechnuna für bW« Terrorakte kommen und daß dies« Abrechnung ganz gründlich vorgenommen werden wird. 5k« Ebersbach Wurst« veromtoene« «amswg ein kommunistische, Funk» tionä, bei keiner versta^una blutig ar» schlage«, fit« er vbnm^chsia wurd«. Der Ber« hastet« wurde später erichosl««. mit der Begründ««», daß er eine« Fluchtversuch unternehmen wollt«. Je««, di« Zeneen der Ber. baktnna waren, wissen, daß er inkolg« der bei der Berbastnna erlittenen Bersttzun-en einen Fluchtversuch gar nicht unternehmen konnte. Am M'ttwoch vormitta-» beobachteten vak- »ante« in Ebersbach di« ESkortienma zweier verhaste»««. Zwei SA.-L«nt« triebe« di« Ber- hafteten vor sich her. wobei sie fortwährend kommandierte«:..Links, rechts, links, rech»-". Einer der verhaftete« wurde, weil er nicht Schritt stielt, von den begleitende« SA-Nnmen- scheu sofort mit dem Gnmmikuüttel Sensation In OcnL Die Abrüstungskonferenz besteht aui sofortiger Debatte. Genf, 23. März. Rach Eröffnung der Sitzung des HauptausfchuffeS der Abrüstungskonferenz ging der Vorsitzende Henderson rasch zur wichtigsten Tagesfrage, nämlich, ob die_ Ab- rüstirngskonferenz vertagt werden soll, über. Unter allgemeiner Spannung regte Henderson an: 1. Di« Abrüstungskonferenz bis zum 25. April zu vertagen und 2. bis Ostern die Debatte über den«nglnchen Abrüstung-Plan fortzufetzen. Nachdem sich lange'Zeit hindurch niemand zum Worte gemeldet hatte, erbat plötzlich der rumänische Außenminister TituleScu daS Wort und erklärte, er leg« sich dar Schweigen des HauptauS- fchuffes als Geneigtheit zu einer sofortigen Diskussion auS, und beantragt« deshalb, die Abrüstungsberatungen morgen weiter fortzufetzen. Nach dieser sensationellen Intervention TitulescuS nahm der HauptauSschuß den Antrag auf Fortsetzung der Arbeiten einmutig an. Die Mehrheit der Delegationen nahm überhaupt an der Abstimmung nicht teil. Diese unerwartete Wendung in Genf wird als ein Massenprotest der kleinen Staaten gegen das diplomatische Vorgehen einiger Großmächte angesehen, ein Vorgehe«, welches die AbrüstungSberatungen nicht erleichtert, sondern sie ankhält. Bemerkenswert ist, daß der deutsche Delegierte N a d o l n y für die Fort- sehung der Abrüstungsdebatten gestimmt hat. Die nächste Sitzung des HauptauSschusseS wurde für Freitag, den 24. d. M., nachmittag anberaumt. * Havas meldet aus Genf: Außenminister TituleScu wird unverzüglich, wahrscheinlich heute abends, nach Pari- reisen, um über Betrauung seiner Kollegen, des tschechoslowakischen und de» jugoflawisch«» Außenministers, in Paris die Ansichten der K l ei n e n Entente zu dem MaeDonald-Muffolini-Plan darzulegen. Zurückhaltung und Vorbehalte des Anssenoussdinsses fltr Kammer. Paris, 23. März. Zur gestrigen Sitzung des AußenauSschusies erfährt Havas, Deputierter Bergery habe ein umfangreiche» Expos» über die Arbeiten der Abrüstungskonferenz und namentlich über den Plan MacDonald» erstattet. B e r g e r y unterzog namentlich jene Artikel de» Planes einer Kritik, die sich mit der Rüstungskontrolle befasicn, und erklärte, daß er gegenüber den Bestimmungen de» MacDonald-PlaneS einer dauernden Kontrolle den Vorzug gebe. Der Vorsitzende deS Ausschusses Herriot brachte gleichfalls Vorbehalte vor, u. zw. n>cht nur in bezug auf den Plan M a c D o. nalds, sondern auch auf den in Rom ausgear beiteten Blermächteplan. Den Informationen de» Journal" zufolge erklärte Hettiok-, Frankreich sei immer de» Ansicht gewesen, daß nur der Völkerbund der geeignete Organismus sei, der«S allen Nationen ermögliche, i« Debatten über ihre Interessen bei gleicher gegenseitiger Behandlung einzutreten. Auch der sozialistische Abg. L o n g u e t äußerte— dem„Popu- laire" zufolge— Vorbehalte. Samm’ung der tranzöslsdicn neunen. Paris, 23. März. Der national« Deputierte Franklin Bouillo« zeigt« die Gründung einer neuen politischen Gruppe, der „Uoiol paur la Natlop“ an, mit deren Hilfe er eine neue politische Partei zu gründen beabsichtig«, die di« Politik der Z u s a m m e n f a s s u n a aller patriotischen Element« Frankreich» verfolgen soll. Bon. de» übrigen politischen Führern hat sich der neuen Gruppe L o u i S M a- rin angeschlossen. üelmwehr in öle Tiroler Regierung? Ter Hauptausschutz des Nationalrat«» tritt nicht zusammen. Wien, 23. März. Wie die„Arbeiterzeitung" erfährt, erfolgte die gestrige Demission der Tiroler Landesregierung zu dem Zwecke, damit eine neue Regierung auf breiterer Basis gebildet werden kann, was nur so aufgefaßt wird, daß Vertreter der Heimwehr in die Landesregierung kommen werden. Die Christlichsoziale Nachrichtenzentrale meldet, daß di« Kluhobmänner der Regierungsparteien an den Obmann deS Hauptausschusses Dr. Renner«in Schreiben bezüglich der von Dr. Renner für morgen nachmittag beabsichtigten Einberufung deS Hauptausschusses gerichtet haben. ES wird darauf verwiesen, daß der Bundespräsident ein gedeihliches Arbeiten deS Nationalrates erst dann für möglich halte, wenn gewifle Reformen in der Bundesverfassung und in der Geschäftsordnung des Nationalrat«» gesichert seien. Aus dielen Gründen seien die Klubobmänner der Regierungsparteien nicht in der Lage, auf di» Einladung einzugehen oder, wie eS Dr. Renner angeregt hatte, einen Gegenvoranschlag zu erstatte». Mtier ftrldrt sein Ehrenwort Konl.ikt Rapen Hitler Berlin, 22. März. Wegen der— inzwischen vertagt««— Wahl dcs preußischen Ministerpräsidenten sind im RegierungSlager ernsthaft« Differenzen entstanden. Bekanntlich wird für dieses Amt seitens der Kreise um Hindenburg und Hugenbcrg der Vizekanzler vo» Papen präsentiert, wahrend Herr Hitler den Reichsminister Göring nominiert; Hindenburg«nd Hugrnberg stützen die Kandidatur vo« PaPenS vornehmlich ans ehrenwörtlich« Versicherungen, die Hitler am 30. Jänner in bezug auf di« Neuregelung der preußischen Verhältnisse abgegeben hat, und die — wie schon früher seitens amtlicher deutscher Stelle« mitgcteilt wurde— eindeutig besagen, daß„an der Zusammenfctzung der Regierung im Reich und in Preußen nichtt geändert werde« wird"; insbesondere hat Hitler damals auf a«S« drückliches Befrage« erklärt, daß er, selbst für de» Fall einer Opposition innerhalb der eigenen Partei, an Herrn von Pape« als preußischem Premierminister festhalten werde.— Bei den nunmehrigen Verhandlungen, di« zu keinem Ergebnis geführt haben, nimmt Hitler zur Ueberraschung Hindenburgs den Standpunkt ein. daß„die Verhältnisse stärker feie«, als sei« Ehrenwort". Reichstagserölinnng mit Tanks Berlin, 21. März. Bei der Eröffnung des neuen deutschen Reichstage» herrlckite in Potsdam und später in Berlin nervöseste Aufregung; außerordentliche Maßnahmen waren getroffen für die Sicherheit HiÄers und der hohenzollernsschen Ehrengäste. Reichswehr, Polizei und SA. waren in Massen ausgeboten, Panzerwagen und Polizei- autoS dominierten in den Straßen. ,— Hierbei erregte ein neuer Typ der deuticheu Panzerwagen di« besondere Aufmerk'ainkeit:«in flacher, breiter Vierachser, dessen Räder, wie unschwer zu erkennen war, durch sogenannt« Raupen ersetzt werden konnten. Diese Raupen sind unter dem Panzerwagen angebracht und können durch ein paar Handgriffe soweit gesenkt werden, daß sie die Funktion der Räder übernehmen. Es handelt sich bei diesen Panzerwagen offrnKchtlich um' eine modernisiert« und technisch vollendete Form der Kriegs-Tanks, deren Besitz für Deutschland auf Grund des FriedenSvertrages verboten ist! KonMlc in den Ausschüssen Berlin, 23. März. Im Reichstag« fand am Donnerstag die Konstituierung der drei wichtigste« ReichSragsausschiifse statt. Der Haushalt» a u S sch u tz de» Reichstages'wählte zu seinem Vorsitzenden den Nationalsozialsten Reinhardt. AIS Stellvertreter schlugen die Nationalsozialisten den Abgeortmeten Doktor Albrecht(Nationalsozialist) vor. Auf den Hinweis de» Abgeordneten H e i n i g(Sozialdemokrat), daß der erst« Stellvertreter den Sozial- demokraten zustehe, erwidert« der Vorsitzende, daß er nicht a,können sei, die bisherigen Methoden weiterzufühven. Bei Stimmenthaltung des Zentrum» und der bayrischen Volkspartei wurde dann gegen die Sozialdemokraten Abg. Albrech)t zum ersten Stellvertreter bestimmt. Zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden wurde der Abgeordnete Dr. Klöckner(Zentrum) einstimmig gewählt. Die beiden Schriftführer stellen die Deutschnationalen und die bayrische DolkSPartei. — Im Reichstagsausschuß zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung wurde der natioualsozalistische Abgeordnete Dr. Frank II zum Vorsitzenden be- stimmt. Zum Stellvertreter wurde auch hier ein Nationalsozialist gewählt, der Abgeordnete Bieder. Die Sozialdemokraten hatten de» Abgeordneten Loeb« vorgeschlagen. Den Vorsitz im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages übernahm wieder Dr. Frick. Den Stellvertreter stellt das Zentrum in dem Abgeordneten Zoos. Am Haushalts- und im Auswärtigen Ausschuß verfügen die Naionalsozialisten über die absolute Mehrheit, nämlich im HauShaltSausschuß -über 18 von 35 S'tzen, und im Auswärtigen Ausschuß über 15 von 28 Sitzen; im Uebcr- wachungSauS'chuß haben sie genau die Hälft« der Sitze, nämlich 14 von 28. SPHraMion Im Preußen* landtag unter alter ruhrnng. Berlin, 23. März. Die sozialdemokratische Fraktion des preußischen Landtages beschloß, vorläufig den vor sechs Wochen gewählten Fraktionsvorstand weiterhin mit der Führung der Fraktion zu betrauen. Danach blerbt vorläufig Führer der preußischen Sozialdemokraten der Abg. Heilmann. Mit chm gehören di« Abgeordneten Leinert und Winter dem Fraktionsvorstand an sowie Abg. Jürgensen al» Fraktionsgeschäftsführer. SA-Mannsdia t hat Ma deutsttnatiO' aa!ea Oberh&ruermelster in Pension. Ehlenburg, 23. März. SA.- und SS.-Mrnn- schäften besetzten da» Rathaus. Der Verkehr in den Büro» wurde jedoch weiter aufrechterhalten. Die Führung der Nationalsozialisten setzte sich dann mit Oberbürgermeister Dr. Belian in Verbindung. Auf Grund langwieriger Verhandlungen gelang heute«ine Verständigung dahin, daß Oberbürgermeister Dr. Belian sofort einen längeren Krankhei-t»urlaub antritt und sich am 1. Oktober pensionieren läßt. Oberbürgermeister Dr. Belian, der der deutschnatio- aalen BolkSpartei nahestand, hat sich als Präsident-es Reichsstädtebundes einen Namen gemacht. Der Rücktritt Belian» wurd« von den Nationalsozialisten damit begründet, daß Belian nicht mehr da» Vertrauen oer Einwohnerschaft der Stadt Eylenburg besitz«. Valutenk&uie in Deutsfliland. Köln, 22. Märj? I« Köln wurden am Heu-- tigm Tage zwei bekannte rheinisch« Großindustrielle unter der Beschuldigung verhaftet, auf illc- galem Wege und zu wesentlich höheren, als den amtsichen Kursen ausländische Valuten erworben i und Bedenken wegen der Sicherheit der deutschen Währung geäußert zu haben. Ueber die Muren der Betreffenden wird seitens der Behörde im Interesse der Ermittlungen Stillschweigen bewahrt, da man glaubt, einem weiteren Kreis auf der Spur zu sein. Wie s die Nazi-Banditen treiben und was die Arbeiter dazu sagen! Ein Geschäftsmann, der dann und wann über die Grenze nach Sachsen muß, hat unö einige Vorkommnisse geschildert, di« einen Vorgeschmack deS„Drftten Reiches" geben. Bei der Besetzung de» Volkshauses in D i r n a haben oie Nazihorden, wie sie dies übrigens fast überall getan haben, die Bücher und verschieden« ander« GebrauchSgegenstände auf die Straße geworfen und dort verbrannt. Unter den verbrannten Sachen befanden sich auch viele Schulreauisitcn, wie zum Beispiel Bleistifte» Federn, Zeichenbretter, Lineale und eine große Menge Schreibheft«. Bevor der Haufen angezündet wurde, hatte sich ein Pfarrer aus der Stadt in die„Amtshandlung"«ingemischt und auf das Unsinnige diese» Borgehens aufmerksam gemacht. Er redet« den Varwalen zu, sie sollten doch di« Schulsachen an arme Schulkinder verschenken, denn es gäbe genug, deren Eltern ihnen die notwendigen Schulrequisiten nicht kaufen könnten. Diese vernünftigen Worte wurden damit quittiert, inch der Pfarrer einen Schlag auf die Brust erhielt, wodurch er rücklings auf die Straße fiel. Hierauf wurde der Pfarrer in den Arrest gesetzt. In allen lleineren Gemeinden haben die SA.«Banditen dem Vorsteher, soweit er nicht abgesetzt oder davongejagt oder gar«ingesperrt wurde, di« VoliUrgewalt entzogen und einen beliebigen Bengel zum Kommandeur über di« Polizei gemacht. Diese. Polizeigewaltigen sind meist funge Leute, deren Kenntnisse in sonst nicht» bestehen, als in der Anwendung der Brutalität. DaS Furchtbarst« für die Arbeiter sind die fortwährenden Hausdurchsuchungen. Kein Genosse ist sicher, ob nicht zu einer beliebigen Stunde Nazihorden in seine Wohnung kommen, um eine„Hausdurchsuchung" durckizu-l *ühr«n. Man sucht di« Verzeichnisse über die Parteigenossen des Ortes. Gefunden hat man be-' greiflicherwcise bisher nicht daS Mindest«. Aber was sind diese Hausdurchsuchungen? DaS> oberste wird zu unterst gewühlt, kein Gegenstand wird unberührt gelassen, di« Einrichtung wird beschädigt und manches Wertvolle wird gestohlen. Ein« Beschwerde über dieses Vorgehen ist zwecklos und kann persönlich« Mißhandlungen zur Folge haben, wenn nicht Schlimmeres geschieht. Di« Leute berichten, daß sie nach einer solchen„Amtshandlung" gut zwei Tage Arbeit haben, um die Wohnung wieder instand zu setzen, wobei natürlich manches nicht mehr vorgefunden wird. Dabei gibt e» unter der Arbeiterschaft di« schönsten Beispiel« solidarischen Handeln». Ein Müller, der gleichzeitig«ine Backerei hat, verfährt mit feinem Wagen in den Dörfern seine Erzeugnisse schon viele, viele Jahre lang. Cie wurden stets gekauft. In den Umsturztagen hatte der Müller nicht» eiligeres zu tun, als auf seiner Mühle di« Hakenkreuzfahne zu hissen. Und sonderbar: er fährt zwar noch mit seinem Wagen durch die Dörfer, aber er bringt die Hälft« seiner Brote wieder nach Haus« zurück. Anscheinend schmeckt den Arbeitern das Brot aus der Haken- krcuzmühle nicht mehr. Ein zweiter Fall: Ein Milchmann, der schon durch Jahre täglich Milch in di« Wohnungen trägt und dort verkauft, hat sich recht lobend über di« neue Aera ausgesprochen und gegen die „Novemberleute" losgezogen. ES ist nun wieder eigentümlich, daß man m den Orten die Milch dieses ManneS nicht mehr genießen kann. Der Mann mußte mit feinem Milchvertrieb aufhörrn, weil er bei den Arbeitern kerne mehr zu verkauf«« vermocht«. Di« braunen Bestien können zwar die Arbeiter morden, verschleppen, einkerkern, ihr Eigentum stehlen und verwüsten, ihre G«sinnu«g rauben können sie nicht. An diesem Vorgehen unserer Genossen sollten wir unS hierzulande ein Beispi«l nehmen. Arbeiter, schaut euch di« Leute an, z« denen Ihr Errer sauer verdientes Geld hinschafft. Haltet die Fasristen im Arme! Schlagt den FasriSmus, wo Ihr ihn trefft! Nr. 71. Freitag, 21. Marz 1933. Sette 6 Es wird weiter gemordet Kinder werden verhaltet, Eranen verschleppt. Berlin, 23. März. Die Aktionen der„unverantwortlichen Elemente",„unbekannten Täter",„kommunistischen Provokateuren", das heißt also der braunen Mörder, setzen wieder mrt oller Macht ein. Es vergeht kein Tag, an dem nicht die JA Arbeiter aus den Betten holt und verschleppt. Die SA-Kasernen in der Friedrichstraße, Greifswalder Straße, Motzstraße, Hedemannstraße sind wieder voll belegt. Montag wurde« in Barlin mindestens fünfundzwanzig Sozialdemokraten entführt. DaS find nur die bekannten Füll«, dazu komme« sicher doppelt soviel unbekannte. Die Angehörigen wogen nicht mehr, di« Anzeige zu erstatte«. I« Reukölln bemächtigte« sich di« Banditen der Kinder von Sozialdemokraten, wenn fi« di« Gesucht«« selbst nicht fomde«. Bisher waren wenigstens Frau«» Verfchvnt worden, jetzt aber zerre« die SA auch F r a»«« aus dem Bett und verschleppe« fi«. Manch« werden bloß geschlagen und nach er« paar Stunden wieder sreigelafie«, andre wüsten Tage in den Kasernen verbringe«. Biele« wurde« di« Haar« geschoren, auf di« Kopfhaut wurd« ihn«« ei« Hakenkreuz gemalt. I« der Charite liegt ei« Mann, dem di« SA ein Hakenkreuz mit glühendem Eisen auf de« Schübel gebrannt hat. „Hinaus mit den Sozial* demohraten r Ein frommer Wunsch der RaziS. Das Beispiel, das Herr Göring durch den Hinauswurf aller Sozialdemokraten aus den öffentlichen Aemtern gab, läßt unsere Iung- Fascisten nicht schlafen. In der Troppauer „Neuen Zeit" vom 11. März 1933 findet sich folgend« Merke: „Hinaus mii ihnen(Soz'akdemokraten) aus allen öffentlichen Körperschaften. Und hinaus aus d eser Partei, di« durch ihr Verhalten.deutlich genug zeigt, daß fi« sich außerhalb der deutschen BoikSgcineinschaft stellt und in entscheidende« Augenblicken auf der Seite der nationalen Gegners stehl. Da kann kein ehrlicher deutscher Arbeiter mehr mittun!" Wir stehen nicht außerhalb der„BolkS- gemeinschast" im weiteren Sinne der Wortes. In dem nämlich, daß wir zur deutschen Station gehören und ihr« Sprach« sprechen. Jene Gemeinschaft i m Volke aber, di« d«n anderen Teil des Volkes mit Revolvern, Rizinusöl, Gummiknütteln und ähnlichen Dingen traktiert, hasten und verachten wir. Die NaziS mögen sich noch so viel« Mühe geben, sich selbst alt di« Volksgemeinschaft hinzustellen und ihr« Methoden al» die schlechtweg deutsch« Art zu bezeichnen: hätten sie recht, so. wär« eS wahrhaftig eine Schande, Deutscher zu sein. Aber eS gibt nicht nur Nazi-, sondern auch wirkliche Deutsch«, die etwa zu Goethe noch bessere Beziehungen unterhalt«« als di« jetzigen Herren Deutschlands zu holländischen Kommunisten. Diese Erwägungen lasten di« Frechheit, die in-er„Neuen Zeit" über die Sozialdemokraten enthalten ist, erst in rechtem Licht erscheinen. Di« Forderung der„Neuen Zeit" ist hierzulande offener Nationsverrat. Denn die Nazis sollen doch nicht glauben, daß nach den» Hinauswurf der Sozialdemokraten aus den öffentlichen Körperschaften etwa sie an die Reihe kämen. Hier wäre di« Verdrängung der Deutschen die Folg« des von den Nazis gewünschten BorgehcnS. Fascistische Methoden in der Tschechoslowakei— das bedeutete nicht ein Reich des Herrn Jung, sondern eines des Herrn Stkibrnh. Aber wir zweifeln nicht daran, daß den Jungs der Stkibrnh lieber ist als«ine Demokrati«, in der di« deutschen Arbeiter noch etwas zu sagen haben. Die Nazis klatschen ja der Versklavung Südtirols Beifall. Weshalb sollt« ihnen da nicht zuzumuten sein, daß sie sich auch der Unter- jochuna der Sudetendeutschen freuten— sofern eben die Arbeiter dabei mundtot gemacht wurden? So wlrds gemacht f Nazi, fliegen au- unseren Versammlung««, Samstag und Sonntag fanden in O S ka u, Deutschhaus«, Wiesen und G r ä tz- Markersdorf(Kreis Sternberg) gewaltig« sozialdemokratische Kundgebungen gegen den Fascismus statt. Die Nationalsozialisten hatten di« Parole auSgeoebcn, diese Versammlungen unmöglich zu machen, weshalb die Arbeiter entsprechende Vorkehrungen trafen. Als in den Versammlungen die ersten Störunc,-versuche der Nazis einsetzten, wurden di« Stänkerer nach den Grundsätzen der Nazi-Demokratie behandelt: sie wurden verdroschen und hinausge» morsen. Stracks liefen sie zur Gendarmerie, die ihr den Rat gab, sich die Hintern mit Salbe einreiben zu lasten.-■ Die Arbeiter sind auch in arideren Gebieten bereit, die Nazis auf ähnliche Weise heimzuschicken, wenn sie Lust verspüren sollten, die Methoden der Dritten Reichs bei unS einzu- HW’tfn oder auch nur den Versuch zu unternehmen. die'Schurkereien ihrer Brüder ouS dem Reiche in sozialdemokratischen Versammlungen zu rechtfertigen. Vorgestern wurde in Wilmersdorf ein Arbeiter erschossen; davon ist natürlich in keiner Zeitung etwas zu lesen. Wie viele ermordet werden, ohne daß die Nachricht über die engsten Kreis« hinausdrrngt, weiß man nicht. Grauenhafte Ermordung eines SAJ-Etthrers. In der Nacht des 10. d. überfiel eine Hord« von etwa zwanzig uniformierten Nazi eine Laubenkolonie in Spandau. Der Ueberfall galt dem vierundzwanzigjährigen Führer der sozialistischen Arbeiterjugend Erich Meyer. Die Nazi kletterten auf das Dach der Wohnlaube, in der Meyer sich verbarrikadiert halt«, breiteten Strohbündel vorauf aus und drohten die Laub« und die ganze Kolonie in Brand zu stecken, wenn Meyer nicht sofort herauSkomme. Um die Leute, denen die Laube«hörte, nicht zu gefährden, ging Meyer tatsächlich hinaus. Am nächsten Morgen wurde sein furchtbar verstümmelter Leichnam gefunden," der nicht weniger als dreizehn Schußwunde« und zahlreiche Verletzungen durch Schläge und Tritt« aufwies. Keiner der Laubenbewohner hatte gewagt, dem Unglücklichen zu Hilf« zu kommen, auch dr« Polizei ließ sich nicht blicken. was nahenkrenz gegen die Genossenschaften. I« der ,Konsumgenossenschaft"(Prag) fin- de« wir einige Einzelheiten über das Borgehen der Nationalsozialisten gsgen Konsumvereine in Deutschland. So wurden die Betrieb-anlagmr der Konsumgenossenschaft Senftenberg poli« zoilich besetzt und auf verborgen« Waffen und verbotene Flugblätter wltersucht. Der gesamt« Geschäftsbetrieb mußte erzwungmermaßen ruhen. Diese auf Grund einer Denunziation erfolgte Aktion blieb erfolglos.— In Herbed« an der Ruhr wurde ein Lagerhalter de- Konsumverein-„Wohlfahrt" in Bochum von SA.-Leu- ten frstgenommen. als er mit dem AuStvagen des -.Konsumgenossenschaftlichen Volksblattes" beschäftigt war.— Der Konsumverein Weißenfels- Naumburg liefert soinen Mitgliedern ein lokale- Mitteilungsblatt. Weil in der Nr. 8 diese- Blattes ein Aufruf an di« Mitglieder der Gcuost.'nschaft enthalte» war, nur für di« Wahl von Abgeordneten einzutreten, di« sich bereit erklären, rm Reichstag für die Verbraucherinteresten zu wirken, wurde^dieses Genosten^chastSblatt verboten. Das reaktionäre Regime des Dorkri.'gS» Deutschland ist im Vergleich« zu der heut« ge» bandhabten Intoleranz direkt als derbrauchar- freuudlich pr bezeichnen.— Der Geschäftsführer deS Konsumvereins von Elgersburg ist verhaftet Wochen.— In der Verteilung-steil« DuiSbnrg-Meidrich der Konsumgenossenschaft Este««rlchienen SA.-Leute und er- zwanaen von der Lagerhalterin ein« Schließung der DerteilungSstell«. Di« SA-Leute erklärten: „Eine Oeflnung der Derteilunasstelle kommt nicht wicher in Betracht."'— DaS Warenhaus des Konsumvereins„Eintracht" in Essen wurde nach verborgenen Waffen durchsticht. Das Haus war während der Aktion, die evgebnislos verlief, von Bewaffneten umstellt. DaS gleiche geschah auch in dem bekannten Kindererholunasheim der Hamburger„Produktion" in D a f f k r u g.— In der Zentrale der Rheinisch-Bergischen Konsumgenossenschaft„Hoffnung"(Köln) in OhligS erschienen uniformierte Nationalsozialisten und bedrohten di« anwesenden Angestellten. Schließlich zertrümmerten st« 86 Fensterscheiben. Der Konsumgenostenschaft Wu p p e r t a l- Barmen wurden in den letzten Tagen wiederholt mit großen Pflastersteinen Scheiben einaeworf.n. Dem Allgemeinen Konsumverein für Kiel und Ilmgegend wurden 13 groß« Schaufensterscheiben eingeworfen imb ein großes Firmenschild zertrümmert. Die Polizei sah zu. W^^WWWWWWWWWWWMWWWWWWAWWtz Von» Rundfunk Eine halbe Million RuabfaakhSrer la der Ci Sl. Im Monate Feber ist die Zahl der Rnnd- funkhörer um 11.075 gestiegen, so daß am 1. März d. I. di« Zahl der tschechofiowakischcn Rundfunkteilnehmer 495.786 betrug. Empfehlenswertes aus de« Programmen. Samstag. Prag: 8.15 Gymnastik. 11.00 Schallplatte». 18.25 deutsche Sendung: Watzlik liest aus eigenen Werken. 20.25„Der Zvikovcr Kobold", Oper von Novak.— Brünn: 18.30 Orchesterkonzert. 18.25 Deutsche Sendung: Grammophonrevue. 19J25 BlaSmufik. 21.20 Tanzmusik.— Mähr.-Ostrau: 10.10 Blasmusik. 18.25 Impressionismus im Lied. 2215 Bunter Abend.— Berlin: 10.00 Szenen aus Mozarts Leben.— Breslau: 10.00 Dirigenten unserer Zeit.— Mühlacker: 15.10 Altdeutsche Lieder zur Laute.— Leipzig: 10.30 Mandokinenkonzert.— Münch«»: 21.50 Kleinkunst.— Wien: 18.40 Orloff-Donkosaken. Hls master’s voice! Die alte lOOJShrlge„Bella* 1 hört die Stimme Ihres Herrn. Nazltcrror In Nlcdcrsddcslcn. Die lasclsnsdic HaKenhrcuzbestic(Beherrscht die sdilesisme Kreisstadt Waldenburg. Ein Genosse, der am 16. März auf einer Ge-' schäftSreise in Niederschlesien weilte, sendet unS üder sein« dort gewonnenen Eindrücke folgenden Bericht zu: Bor einigen Tagen hieß eS in den Blättern, daß über Auftrag Hitlers die nationalsozialistisch« Hilfspolizei zuruckgepfiffen worden sei. Diese Meldung ist nur zu einem Teile richtig. Wahr ist allerdings, daß man in den niederschlesischen! Städten die Hilfspolizei nicht mehr amtieren sah, hingegen aber beherrschen SA- und SS-Leute in doller Uniform das Straßenbild, und sorgen durch ihr« fascistischen Aufzüge für die„Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung". Die groß« niederschlesisch« Kreisstadt Waldenburg hatte am 16. März ein Erlebnis. An diesem Tage feierte die fascistische Bevölkerung dieser Stadt die Auferstehung des kaiserlichen Deutschland. Am Rathausplatze wurd« das Denkmal Kais«» Wilhelms I. und das D«nkmal Bismarcks wieder ausgestellt. Beide Denkmäler wurden im November 1918 durch die dortige Arbeiterschaft beseitigt. Die Aufstellung der Denkmäler ging unter der Assistenz der SA- und SS- Männer vor sich. Waldenburg und sein« Umgebung steht im Zeichen des fascistischen Terrors. Ununterbrochen sause« SA-«nd SS-Männer aus Motorrädern durch die Straßen Ihre Köpfe schmückt ein Sturzhelm, der dem eine» Stahlhelmes sehr ähnlich sieht. Auf dem Sturzhelm« prangt— wie könnte dies auch anders sein das Hakenkreuz! Hakenkreuz, Totenschädel und Schwarzweiß rote Wappen, das sind die Embleme, die einem in Deutschland überall begegnen. Am 3. März schafft« ein Lastauto, daL mit Landjägern vollbesetzt war, 18 verhaftete Mar- UiniiiniiiiniiiiiiiuiHnittiiiiiiiiiiiiiiiiinimiinHiHinniniimiiniuiitiiiiiuiiuuuiniiiiiHiiiuitiiitHiiti in KOrze. In seiner ,Zn Kürze" überschriebenen Rubrik veröffentlicht der„Völkische Beobachter" vom 22. d. wörtlich folgende Bekanntmachung der Gauleitung der NSDAP. Rheinpfalz: Bis zum Dienstag, abends 5 Uhr, sind sämtlich« SPD.- und KPD.-Bürgermeister und Stadträte usw., d e ihre Armier noch nicht freiwillig nicdergelegt haben, unter Angabe vo» Straße und Hausnummer gu melden. Die Niederlegung der Aemter hat in allen Fällen freiwillig zu erfolgen. Sämtliche Juden, die nach dem 1. August 1911 in die Pfalz eingewandert sind und bis M'ttwoch d« Pfalz noch nicht verkästen haben, sind unter Angabe von Straße und Hausnummer anzu- geben gez. Bürckel. Angabe von Straße und Hausnummer— man versteht: Wer nicht„freiwillig" pariert, d«m xisten in das Waldenburger Gericht. Ein Arbeiter, der auf der Straße stand, rief den'Verhaftete« den FreiheitSgruß zu. Das Lastauto hielt an, einige Landjäger sprangen herunter und schlugen aus de» Arbeiter solange«in, biS er mit schweren Verletzungen bewußtlos zusammenbrach. Di« Landjäger bestiege« daraufhin wieder daS Anto und fuhren davon. Den Schwerverletzte« überließen sie seinem Schicksal. Ein Reichsbannermann lag in der Vorwoche mit 40 Grad' Fieber krank zu Bette. Landjäger waren«s, di« in seine Wohnung eindrangen, seine Frau mißhandelten, um dann auch in ähnlicher Weise mit ihm zu verfahren. Durch di« Schläge sollte dem kranken Arbeiter der Gruß„Heil Hitler" erpreßt werden. Als auch dieser Arbeiter br- wußtloS geschlagen war, bespuckt«« ihm di« Landjäger das Gesicht und verließen die Wohnung. Beide mißhandelten Arbeiter wurden mit schweren Verletzungen dem Waldenburger Krankenhause eingeliefert. Ihr Zu st and ist äußerster» st. Weder ihre Frauen noch andere Angehörige dürfen di« Schwerverletzten besuchen. Jeder Be» >uch, der zu diesen beiden Arbeitern will, wird mit der Begründung abqewiesen, daß er nicht zu« lässig sei, weil sich die beiden Arbeiter in„Schutzhaft" befinden. Am 11. März,— also einen Tag vor der Kommunalwahl— drangen SA- Männer in da» Waldenburger RarhauS ein und schleppten den dortigen sozialdemokratischen Oberbürgermeister Schubert in das braune Haus in Waldenburg. Mit vorgehaltenem Revolver wurde Schubert gezwungen, an der Spitze deS Naziumzuges mit beje Haken- krruzsahne z u marschieren. miiiiHiHiiiiiHnmiiiiiiHniiimmumimiimiiuuiiiiiiimniiiiiiiiiffliHiuinmnHiiiiRHfflHmiinmn wird die SA. die Freiwilligkeit beibringen. Da» ist in Kürze ein deutsches Kulturdokument. Treibjagd auf nensdienwiid. Am Montag, den 20. Mär; veranstalteten die Nazi in Ebersbach eine ivahre Treibjagd aus Andersdenkende. Besonders hatte nian es auf Kommunisten abgesehen. ES wurden ganze Straßenzüg« abgeriegelt und die Reichsgrenze stark beseht, um ein Entkommen Andersdenkender zu verhindern. Es wurden auch Frauen niitge- nommen. Wohin die Verhafteten gebracht worden sind, ist biS zur Stunde nicht bekannt. Der Schlechteberg wurde ganz umstellt und unter Gewehrfener wurde der Berg durchsucht. Seil« 8 Freitag, 24. Mär; 1933. Nr. 71. 2000 Studenten geloben Treue der Arbeiterklasse, nächtige Kundgebung der deutschen und tschechischen sozialistischen Studentenschait Mittwoch abends versammelten sich im großen Saale der Produktenbörse etwa 2000 Studenten der Prager deutschen und tschechischen Hochschulen, dre dem Rufe der Freien Vereinigung so- zialistischcr Akademiker, des Sdrukeni soc. dem. studentstva, der kommunistischen Studentensrak- tion und der tschechischen nationalsozialistischen Studenten zu einer Kundgebung für die sozialen Forderungen der mittellosen Studenten und gegen das schmachvolle Wiitcn des FascismuS gefolgt waren. Nach der Eröffnung durch den Genossen Kerner(tsch. Sozialdemokrat) ergriff der erste Referent Mache!(nar. soc.) das Wort und referierte über die soziale Situation der tschecho- povxckifchen Studenten. Der Redner anerkannte ausdrücklich die Forderungender deutschen Studenten nach einer gerechten Verteilung der staatlichen Subventionen Mr die sozialpolitischen Einrichtungen der Studentenschaft. Nach ihm kam der deutsche Rechter des Abends Genosse Deutsch zu Wort. Ausgehend von der allgemeinen Notlage der Intellektuellen besprach er die besonderen sozialen Probleme der Studentenschaft. Unter großem Beifall erklärte er, daß es sinnlos wäre, wenn deutsche und tschechische Studenten, die zur Erkämpfung ihrer gemeinsamen Ziele notwendige Einheitsfront an nationalen Zwistigkeiten scheitern ließen. Wiederholt von Beifall unterbrochen, beschäftigte sich der Redner mit den zahlreichen Mängeln unserer derzeitigen Studentenfürsorge. Er geißelte den Mißbrauch, der mit den Prüftmgskursen insbesondere an der medizinischen Fakultät getrieben wird, welcher das Sttänum derart verteuert, daß der Prüfungserfolg, der wiederum als Maßstab der ,MürdiAeit" für Gewährung von Stipendien, Freitischmarken etc. Ailt, gerade bei armen Studenten äußerst gefährdet ist. Geradezu ungeheueres Aufsehen erregten di« Enthüllungen, di« der Redner über di« Zustände inder Verwaltung der Kromb- holzstlftung macht«. Bei Betonung der persönlichen Integrität ihres Kurators Prof. Grosser verwies Genosse Deutsch darauf, daß ein Betrag von 24.000 K aus Geldern, die von den Studenten von Amts wegen eingehoben werden, augenscheinlich veruntreut wurde. Ebenso empörend ist es, daß große Teile der deutschen Studentenheime, die<üs Wohnräume für arme Studenten dienen sollten, den hakerckveuz- lerischen, klerikalen und liberalen Studentengruppen als Vereins!okale zur Verfügung gestellt werden. Der Redner verlangt« die Einrichtung einer ausreichenden Wohn- und Heilfürsvrge fiir die mittellose Studentenschaft. Ihren Gipfelpunkt erreichte di« Erregung der Versammlung, als Ge- nosie Deutsch auf das Wüten des Arbeiter-mor- denden und Kultur-schändenden Hakenkreuzfascis- mus hinwies und als Beispiel für di« Ausävivkun- gen der deutschen Zustände auch b«i uns den bekannten Drohbrief an Genossen Raimund Willi- mek deutsch und in tschechischer Uebersetzung verlas. Es kam zu minutenlangen stürmischen Protestkundgebungen gegen Hitler und seinen Blutgoering. Nachdem noch die Genossin LaStovioka und Dr. Ballenberger fiir die Kommunisten und die tschechischen Sozialdemokraten gesprochen hatten, wurde die Debatte eröffnet, in der den tschechischen und deutschen Fasristen gründlich das Fell gestäubt wurde. Schließlich gelobte« di« zweitausend, immer fiir die Einheitsfront des Proletariates einzutre- ten, überall di« politischen Freiheitsrechte der Werktätigen zu verteidigen, immer gegen den Fascismus und gegen die Gefahr eines imperialistischen Krieges zu kämpfen und überall durch persönliche« Einsatz für die Brechung des faseistischen Terrors zu sorge« und in all«« Situationen, die da kommen mögen, der kämpfenden Arbeiterklasse di« Treu« zu halten. Unter donnernden Freiheit- und P r a e i Lest- Rufen wurde di« prächtige Versammlung mit der„Jnternationdle" geschlossen. Vie Antwort der deutschen Universität. Auf diese Versammlung der sozialistischen Studenten und die sachlich wohl fundierte Kritik an den sozialen Einrichtungen der Hochschule reagierte das Rektorat der deutschen Universität nicht etwa nut einer der Wichtigkeit des Gegenstandes angemessenen Untersuchung, sondern mit der Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen zwei Mitglieder der Freien Bereinigung sozialistischer Akademiker. Den Borwand hiezu bildete ein Flugblatt, in welchem die in der Versammlung besprochenen Zustände als„Schande der deutschen Universität" bezeichnet wurden und die Tatsache, daß von sozialistischen Jugendlichen, also von Personen, die der Disziplinargewalt des akademischen Senates nicht unterstehen, auf offener Straße, also nicht auf akademischem Boden, diese Flugblätter verteilt wurden. Statt die Schairdc der Universität zu beseitigen, verfolgt das Rektorat deren Kritik, statt di« hakeickreuzlerischen Raufftudenten, die in den Prager Straßen sozialistische Jugendliche überfallen, zur Rechenschaft zu ziehen, verfolgt es die sozialistischen Studenten, weil diese einem weiteren Mißbrauch der sozialen Institutionen der Studentenschaft nicht länger ruhig zusehen wollen. Bei dieser auffälligen Strenge gegen links und noch auffälligeren Milde gegen rechts ist es auch kein Wunder, wenn die Frechheit der Hakenkreuz- ler so weit gediehen ist, daß gestern abermals ein sozialisttscher Student und zwar auf akademischem.Boden(in der Vorhall« des anatomischen Institutes) beschimpft und verprügelt wurde. Dem Rektorat der deutschen Universität kann aber jetzt schon gesagt werden, daß es seinen Hakenkreuzstudentrn und sich selbst einen schlechten Dienst ertveist, falls es die Absicht haben sollte, durch ein derartiges Verhalten einen offe- T agesneuigkeiten Tatradorl in Flammen. < Drei Opfer. Sillein, 23. März. Seit gestern abends wütet ein Großfeuer in dem Tatradorf K u b a ch h bei Poprad. Bis jetzt sind zwanzig Häuser und vierzig Scheunen ein geäschert worden. Bei dem Brande kam erne Frau in den Flammen ums Leben. Eine ander Frau und ein Kind erlitten Brandwunden dritten Grades; beide ringen mit demTode. Es wurde di« Vermutung ausgesprochen, daß der Brand gelegt worden rst. An der Bekampftrny des Feuers, das durch de« i« der Slowakei herrschenden Sturmwind begünstigt wird, arbeiten all« Brandwehrkorps der ganzen Gegend. Kascha«, 23. März. In der ganzen Ost- s l o w a k e i wütete ein starker Wirbel- stu r m, der überall umfangreiche Schäden verursacht hat. In Kascha» schneite es heute den ganzen Vormittag über sehr stark. Auch der Höhenzug Dihorlat bei Michalove ist von einer starken Schneedecke bedeckt. Statt Todesurteil- drei Loge Arrest! Brüx, 23. März. Vom Brüxer Schwurgerichte wurde im Vorjahre der 25jährige Kutscher Franz G r ö m r r aus Ploscha Wege« des Verbrechens des Mordes zu« Tode durch den Strang verurteilt. Grömer hatte di« 27jährige Arbeiterin Anna Kindermann, mit der er ei« Liebesverhältnis unterhielt, dem auch ein Kiud entsprungen war, jahrelang durch Eifersucht gequält. Wege« gefährlicher Bedrohung und Mißhandlung seiner Geliebten wurde er vom Brüxer Kreisgericht« zu einer mehrmonatige« Kerkerstraf« verurteilt. Als er die Strafe abgebützt hatte, suchte er die Kindermann neuerdings auf und verlaute von ihr, daß sie zu ihm zurückkehre. Als sie sich weigerte, schlug er das Mädchen mit einer Schaufel nieder und jagte ihm eine Kugel durch den Kopf, die seinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Dann versuchte er durch Erschießen Selbstmord zu begehen. Er wurde jedoch wieder hergestellt und vom Brüxer Schwurgerichte zum Tode verurteilt. Das Oberste Gericht gab der von seinem Verteidiger eingebrachten Nichtigkeitsbeschwerde Folg« und ordnete«ine neue Verhandlung an. Auch diesmal wurde Grömer mit 12 Stimmen des Mordes schuldig gesprochen. Gleichzeitig hatten 10 Geschworen« di« Frage auf Sinnesverwirrung bejaht, so daß Grömer von der Anklage des Mordes freigesprochen werden mußte. Er wurde lediglich wegen Uebertretung des WafsenpatenteS zu 3 Tage« Arrest verurteilt. Wie der Mörder ermordet wurde. Brün«, 23. März. Bei dem neuerlichen Verhör gestand heute vormittags Franz Ger- spitzer, der vorher von dem Ober-Gendar- merie-Wachtmeister Muzikak überführt worden war, daß er selbst Ondras ermordete, und nicht sein Bruder Johann. Franz Gerspitzer schilderte auch, wi« er den Mord verübte. Er hatte die Ermordung Ondras' mit seinem Bruder Johann vorher verabredet; da sich aber Johann nicht zur Tat entschließen konnte, weil Ondras sein gut er Kamerad war, beschloß Franz Gerspitzer, Ondra« selbst zu beseitigen. Er verbarg sich an dem vereinbarten Orte bei der Kreuzung der Straße mft der Eisenbahnstrecke in dem tiefen Graben. Als OndraZ mit seinem Bruder Johann vorüberging, schoß Franz auf Ondra« und tötet« ihn. Weil er im Graben lag, ging der Schuß von unten nach oben, was mit den festgestellten Schußspuren an der Leiche Ondra» übereinstimmt. Franz Gerspitzer gab auch an, daß OndraS eine Aktentasche bei sich hatte, die er ihm abnahm. Waldarbeiter-Tod. Urhorod, 23. März. Am Dienstag nachmittag ruhte in einer Waldhüttc in der Nähe der Gemeinde Hankovice im Bezirke Svaljava eine Partie von vier slowakischen Waldarbeitern aus. Während des Sturmes, der in diesen Tagen in Karpathorußland wütete, wurde plötz- nen Konflikt mit der Sozialdemokratie zu provozieren. Was jedoch die konkreten Tatbestände der „Schande der deutschen Universität" betrifft, so wird der„Sozialdemokrat" Se. Magnifizenz schon in den nächsten Togen so viel Material zur Verfügung stellen, daß sie die Einleitung des Disziplinarverfahrens gegen unsere Genossen vielleicht noch sehr bedauern dürfte. Nazi-Ausschreitungen an den Wiener Hochschulen. Wie«, 28. März._ Am chemischen Institut der Wiener Universität ereigneten sich heute neue Ausschreitungen, bei welchen nationalsozialistische Studenten mehrere Politische Gegner Prügelten und drei von ihnen verletzten. Die übrigen Institute sowie das Hauptgebäude der Universität waern ebenso wie die Technik gesperrt. In ihrer Unrgebung schritt die Polizei sehr energisch gegen all« Ausschreitungen ein. lich eine hundertjährige Buche ent^- wurzelt, die auf die Hütte fiel. Ein Arbeiter wurde auf der Stelle unter den Trümmern der Hütte erdrückt, ein zweiter wurde' tödlich verletzt und starb kurz nach der ihm zuteil gewordenen ersten ärztlichen Behandlung; ein dritter Arbeiter wurde ebenfalls ernstlich verletzt. Der vierte Arbeiter, der gerade in der Tür der Hütte starck», rettete sich dadurch, daß er beiseite sprang. Die beiden Toten hinterlassen Witwen mft vier, bzw. zw.n unversorgten Kindern. „Jetzt ist es vollbracht!" Also begrüßt« Roosevelt den Federstrich durch daS Alkoholverbot. Washington, 23. März. Präsident Roosevelt unterzeichnete mit vier verschißenen Federn(!) die vier Listen des Gesetzes, durch daS die Erzeugung sowie auch der Verkauf von 3.2prozentigem Bier und Wein vom 7. April 1933 in den Vereinigten Stalen zugelassen wird. Als der Präsident der Vereinigten Staaten die Unterzeichnung vollzogen hatte, erklärte er im Ausstehen: ,^Jetzt ist es vrllbracht!" In vierzehn Tagen wird demnächst in 22 Staaten bereits Bier und Wein auSgefchänkt werden. Kurz vor der Unterzeichnung des gesamten Gesetzes hatte Präsident Roosevelt die Weisung erteilt, ein« ganze Reihe von Hunderten von amerikanischen Bürgern, die zur Zeit wegen Uebertretung des Prohibitionsgesetzes eingekerkert sind, aus der Haft zu entlassen. Ohne bekanntzugeben, was er diesbezüalichaus eigener Initiative zu unternehmen gevmke, forderte der Präsident der Bereinigten Staaten den Generalstaatsanwalt auf, den Gesetzentwurf für. eine allgcmeinx Amnestie auszuarbeiten; Die Regierung der Bereinigten Staaten erwartet von der Einfiihrung des neuen Gesetzes neue Staatseinnahmen in der Hohe von rund 200 Millionen Dollars bei einer Steuer von fünf Dollar pro Faß außer verschiedenen Lizenzgebühren.„Die ernzelnen Staaten der Union sowie die lokalen Regierungen werden ihre Einnahmen um weitere Millionen durch spezielle Gebühren erhöhen. Symbolische Wandlung. Burg Hohnstein im sächsischen Elbesandftemgebirge war in den letzten Jahren Wanderziel vieler junger Menschen. Anderes als Ziel Schaulustiger. War ersehntes Ziel der wandernden Jugend, denn sie hatte, wenn sie die geräumige Burg betrat, das Gefühl, heimzukommen. Burg Hohnstein, einst ein Gefängnis, war Jugendherberge geworden. Eine der vielen Jugendherbergen, die wanderfroher Jugend billiges Obdach bot. Nach der Revolution/ nach der Schaffung, der Republik, die da glaubte, mit weniger Gefängnissen auskommen zu können und jungen Menschen mehr Freude bringen zu müssen, wurde die Burg Hohnstein aus einem Gefängnis in-eine Jugendherberge umgewandelt. Die Republik ist gestürzt— und da das„erwachte Deutschland" nichts so sehr braucht, wie Gefängnisse, wird aus der Jugendherberge wieder ein Gefängnis gemacht. Eine Umwandlung, die eine für das politische Geschehen wahrhaft symbolische Rückwandlung ist! Braucht die deutsche Jugend zu wandern, so zu wandern, wie sie es tat in jener Zeit, da es noch eine deutsche Jugendbewegung gab? Neue deutsche Jugend hat nicht zu wandern, sondern zu marschieren, nicht an Waldesrauschen und Sonnenaufgängen sich zu freuen, sondern an Gelände- und Gefechtsübungen zu ergötzen! Kameradschaft zwischen Jugend aller Richtungen, wie sie als eine der schönsten Früchte der ach so rasch gealterten deutschen Jugendbewegung erblüht war, wi« sie so menschlich-schön den Ton in den'Jugendherbergen bestimmte? Neueste deutsche Jugend kennt keine Menschlichkeit, kennt keine Kameradschaft von Mensch zu Mensch, sie schlägt den Andersdenkenden nieder! Wozu Jugendherbergen, die allen Zugänglich sind? Die Hitlerjugend hat ihre Kasernen— die anderen| kommen in die Gefängnisse. Und in einer Zeit, da ganz Deuffchlond ein einziger großer Kerker wird, ist das Fortbestehen einer Anstalt als Nichtgefängnis, obwohl sic dazu benützbar ist, einfach undenkbar! Noch in anderer Beziehurig Berstcherunzsichwindel durch Brandstiftung. Pardubitz, 23. März. I« der Nacht zum 1. d. brannte in Pardubitz unter mysteriöse» Umständen ein großes Kohlenmagazin der Firma Alois Liska aus, das bei der Versicherung Phönix versichert war. Die umfangreichen Nachforschungen führten unerwartet auch zu Fahrwungen und Aufdeckungen verschiedener Straftaten in Ostböhmen. Der erste Verdacht, daß der Brand gelegt worden sei, tauchte bei der Anmeldung des Schadens auf. Es wurde festgestellt, daß das Magazin nicht 48 Waggons, wie der Besitzer angab, enthielt und weiter, daß der Schaden nicht in die Hunderttausendr gehen konnte, wie ebenfalls ai^egeben wurde. Es wurde festgeftellt, daß bei dem Entstehen des Brandes feuergefährliche Stoffe verwendet worden find. Hierauf wurden der Firmeninhaber Alois Liska und der Firmaverwakter Josef Petriöek aus Pardubitz wegen des begründeten Verdachtes des Bersicherungsschwindels und wegen Teilnahme verhaftet. Die dir Angelegenheit untersuchenden Polizisten verhörten Hundert von Zeugen, worauf ein Bürger aus Königgrätz verhaftet wurde, der mit Liska in Verbindung stand und der beschuldigt wird, das Magazin nach einer Besprechung mit dem Firmenbesitzer angezündet zu haben. Bei der Untersuchung des Vorfalles wurden zahlreiche andere Straftaten des Verhafteten festgestellt. Wegen seiner originellen Be- trugsmachinatronen stand er in der Vorwoche vor dem Kreisgericht in Königgrätz. Im Zusammenhang mit diesem Vorfälle steht auch der Name Liskäs. Das Gcndarmeriekommando prüft nun das Entstehen von zwei früheren Bränden, die bei ihm unter verdächtigen Umständen ausgebrochen Ware». Untersucht wird auch weiter der verdächtige Brand bei der Firma äernh in Slezske Pkedmästi bei Königgrätz, das der verhaftete Liska als Nebcnbetrieb eignete. ist die Umwandlung der Burg Hohnstein symbolisch: sie bezeichnet auch das Ende der deutschen Jugendbewegung! Die Bewegung der Jugend erzwang die Schaffung der Herbergen — die Jugendbewegung ist tot— es gibt nur noch militarisierte kaserniert« Jugend auf der einen— gefangene Jugend auf der anderen Seite— da bedarf man keiner Herbcraen mehr, nur noch der Kasernen und der Gefängnisse. Aber: ist auch jene allgemeine und ganz eigenartige deuffche Jugendbewegung tot, die mit dem Wandervogel begann— di« Jugend der Arbeiterklasse ist nicht tot, sie ist nur eingeberkert— und nie noch war es möglich, Jugend für immer in den Kerkern zu hakte»! Fünfter Messetag in Prag. Ter Missedonnerstag brachte in einer Reihe von Branchen sehr gutes Geschäft. Die Ansicht der Aussteller, daß nach Messemitte die anwesenden Interessenten die angeknüpften Verhandlungen zu End« führen würden, hat sich als richtig erwiesen. Sehr erfreulich ist die Anwesenheit ausländischer Einkäufer, besonders aus den Nachbarstaaten und dem Balkan, so daß man immer mehr die Uebcr- zeugung gewinnt, daß nur die Einfuhrhindernisse das Auslandgeschäft hemmen, sonst aber das Interesse für tschechoslowakische Waren aufrecht blieb, was in den ausländischen Messeanfragen und auch schon abgeschlossenen Exportgeschö'- ten seine Bestätigung findet. Ei« Unfall des Flugzeuges der Eidna-Gesellschaft, das Mittwoch.auf der Fahrt von Bukarest über Belgrad nach Paris infolge des herrschenden Sturmwindes 150 Kilometer südlich von Belgrad abgetrieben worden war und eine Notlandung hatte vornehmen müssen, hatte für die vier Passagiere des Flugzeuges ernst« Folgen. Ter Pilot und der Beobachter blieben unverletzt. Drei Reisende jedoch, unter ihnen Frau Lydia Ermos, die Gattin eines rumänischen Diplomaten erlitten schwer« Verletzungen. Frau Ermos scheint sich eine schwere Kontusion an der Wirbelsäule zugezogen zu haben. Der vierte Passagier erlitt nur leichte Verletzungen. Dir Verunglückten mußten zehn Stunden lang an der Unfallsstelle, einem Berghügel, bleiben da die Hilfsaktion infolge des herrschenden Schneesturmes auf sehr große Schwierigkeiten stieß. Selbstmord Paul Simmels. In seiner Charlottenburger Wohnung wurde gestern morgens der bekannte Karikaturist und Kunstmaler Paul Simnrel tot aufgefunden. Man vermutet, daß er in einem Zustande seelischer Depression Selbstmord begangen hat, indem er Schlafmittel in größerer Menge zu sich nahm. Fliegertod. Ein von Kapitän Russe gesteuerter Hydroavion überschlug sich beim Start in der Nähe von Rom und wurde vollkommen zerstört. Der Pilot und der an Bord befindlich« Mechaniker C e s a r e t t i fanden hiebei den Tod. Einstein meidet Deutschland. Der berühmte Gelehrte Professor Einstein hat, wie aus New- Pork berichtet wird, dort erklärt, daß er solange seinen Fuß nicht auf deutschen Boden setzen wolle, solange dort das jetzige Regime bestehen werde Einstein will sich nach Belgien cinschiffen. Dreigeteilt« Auszahlung. Die österreichische Regierung hat auf Grund des kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes eine neue Verordnung erlassen, die di« Dreiteilung der Auszahlung der Eisenbahnerbezügc bis Ende. 1933 festsetzt. Nr. 71. Freitag, 24. Mürz 1939. Teile 7 Das Hemmnis einer! Nachrichten über Deutschland wird von unter- rickteter Seite daraus ainaewieken. dakr die verant- Die deutschen Botschafter und Gesandten sind angewiesen worden, in jedem einzelnen Fall«in« Demarche zu unternehmen. Wiederholt sind auch bei Vertretungen der betreffenden Länder in Berlin, deren Zeitungen derartige Nachrichten verbreiten. Vorstellungen erhoben worden. Weiter ist man entschlossen, auch Maßnahmen gegen die beteiligten Zeitungen selbst zu ergreifen und ihnen den P o st d e b i t zu entziehen und außerdem auch gegen ihr« hiesigen Vertreter vorzugchen. Wenn im übrigen, wie■«8 wiederholt in Arußerunge» auL amerikrn.ischen Kreisen zum Ausdruck gekommen.iss, mit. einem W i r t f ch a f t S» bohkott gegen Deutschland gedroht wird, so mögen die betreffenden Kresse sich vor Augen halten, daß Deutschland gerade gegenüber Amerika eine passiv« Handelsbilanz hat, also viel mehr kauft, als verkauft und daß man sich demzufolge mit einem Wirtschaftsboykott ins eigen« Fleisch schneiden würde. Außerdem dürfte man sich dann auch ruhig die Frage vorlegen, wie eine geordnet« Regelung der privaten Schulden erfolgen solle, wenn man wirklich einen Boykott gegen Deutschland verhängen wollte. Aus all dem läßt sich nur erkennen, daß der Reichsregierung die Stimmung im AuSlande, vor allem in dem wahrhaftig nicht von Sozialdemokraten beeinflußten Amerika unangenehm zu werden beginnt. ein Q!Ock, daß Herr Koch ein Dienst-Auto besitzt. Der deutsche Gesandte Dr. Koch hat in den letzten Tagen schon eine hübsche Reihe von Interventionen absolviert, um die sozialdemokratische Presse zum Schweigen zu bringen. Auch gestern teilte die Gesandtschaft mit: Der deutsche Gesandte Dr. Koch hat heute -Diego Fuchs l„P a r l o p h o n"), Im Dezember 1931 kam ein« junge Dame zu dem hiesigen Grammophonhändler Ernst P i k«r r, der natürlich auch einen solchen Vertrag hatte unterzeichnen müssen, und verlangte drei Parlophon- p lat ton zum, wie gesagt, nicht unterbieObareu Preis von je 25 K. Dann erklärte sie aber, nur 76 L bei sich zu haben und bat den Händler, 5 K abzulassen. Dieser weigert« sich zunächst, ließ sich aber schließlich als galanter Mann zu dem Nachlaß von 5 I< herbei. Die junge Däm« dankte gerührt und verließ das Geschäft und— am nächsten Tag präsentiert« man dem überraschten Herrn P'kcrr einen Wechsel auf 1000 Kronen! Er hatte sich der Kontravention 'chuldig gemacht, indem er 5 K nachließ und die Käufer'« wat niemand anderer als di« Schwester des Herrn Generalvertreters Emil Schmelkes, Frl. Marie Schmelkes, die als agent Provokateur den ahnungslosen Händler hereingelegt hatte. Die Sache hatte ein gerichtliches Nachspiel und die 1000 K wurden zurückgezahlt Aber die ganze Bereiubarmig der schöps«rischen Unrer- nchnier mißfiel der. StaatSamvblsschaft und sie erhob gassen di« sechs verbündeten Preisdiktatoren die Anklage nach 8 1 des Terrorgesetzes. Heute wurde dieser Fall vor dem Bezirksrichter Dr. Pernt — Es erfolgte Freispruch, denn die Sache ist verjährt. Was sehr zu bedauern"st. rd. Lügen und Drohungen. Das offizielle Conti-Büro gibt nachstehende Epistel des Goering an das Ausland weiter:* Zu den immer wieder von gewissen ausländischen Kreisen verbreiteten falschen Greuel- iI»lWIWIIIIWI>»MW!IlIWMII!IMIlIIMIIIIIIIWM!IIIIIIllIIIMIlIIIlMllIIIlIMlIIlIIII>IWIWIlIlI!IWlIIIllIMIIIlWIIll>IIMlIlI>IlllIIIIWll!lIIlIW!IllIliIlIlWllMlIIlIllII Prelsdi'taNoren, die Vertragsbrüche provojieren. Kavi Mische Moral. Militärische Frauenausdildung in Japan. Wie unser Bild zeigt, werden in Japan sogar Frauen im Schießen ausgebildet. Hier üben sie sich im Flugzeugabwehrkampf. i Es ist ihnen nicht angenehm, wenn man die Wahrheit über Deutschland sagt. I im Außenministerium abermals sehr scharfe« ! Protest gegen die schwer« Verunglimpfung des Reichspräsidenten, des Reichskanzlers und der Reichsregiernng erhoben, di« di« Gesandtschaft in de» heutigen Veröffentlichungen deS Blattes der tschechoslowakischen Sozialdemokratie„P r a v o Lid«" erblickt. WO Ist Thälmann 7 Berlin, 23. März.(Wolff.) Der Leiter der preußischen politischen Polizei gibt bekannt, daß russische Sender durch deutschsprachig« Vorträge die Behauptung verbreiten lassen, der Kommunist Thälmann befinde sich in Rußland r n Freiheit und nicht in deutscher Haft. Der Kommunist Thälmann befindet sich nach wie vor in Schutzhaft, wo er sich, entgegen allen Lügenmärchen körperlich völlig unbeschädigt bester Gesundheit erfreut. Außerdem habe, worauf der Leiter der preußischen politischen Polizei noch besanders hinweist, der Reichskommissar für das preußische Ministeriums des Innern, Reicbsminrster G ö r i n g, zur Unterbindung der- insbesondere von s o z i a l d«» mokratis cher Seite von' außen her betriebe» nen Greuelpropaganda angeordnet, daß die in Betracht kommenden politischen Häftlinge demnächst den Vertretern der ausländischen Presse vorgeführt werden sollten, damit diese sich durch Augenschein von der Verlogenheit jener Greuelpropaganda überzeugen könnten. Selbstverständlich— das sagt Herr Ä o e- ring aber nicht— wird et sich„die in Betracht konnnenden Häftlinge" selbst aussuchen. Vor einem iiawoiikekpvErom? Berlin, 22. März. Die Disqualifizierung des der Hitlcrportei angehörigen Abtes Schachleiter durch den Vatikan hat in nationalsozialistischen Kreisen höchste Erregung erzeugt und wird als bewußtet Affronr des Papstes gegenüber der Regierung Hitler gewertet.— Mau befürchtet allgemein den baldigen Ausbruch von Terrormoßnah- men der Haftnkrcuzler gegen die katholische Bevölkerung; der Reichskanzler hat, wie wir hören, einem katholischen Kabinettsmitglied erklärt, er sei in diesem Falle außerstande, die katholische Kirche und den katholischen Klerus zu schütz:». Prag, 23 Mär; Die Prager Generalvertreter der großen Grammophon firmen- hatten seinrr^it eine gut kapitalistische Vereinbarung' gt- schlossen, deren.Zweck war, die Preis«' her Grammophon platten in„ent'prcch«nder" Höhe zu halten. Tergleichen„Avbciis"« oder sagen wir deurlicher Ausbeutungsgemcinschaften nennt man im Wirtschaftsleben, wenn st« in größeren Maßstäben aufteten: T r u st, Ring, Kartell ustv. Der Zweck ist stets der gleiche. Sechs solcher wirtschaftlicher Miniaturdiktatoren hatten sich also in Prag zu einem Treubund zusammengekan, und sich gegenseitig das Gelöbnis abgelegt, den-Grammop hönhändlern die Verpflichtung aufzuer- lrgen, in keinem Fall aufdie Wo re ein« n Nachlaß zu gewähren- oi>«r ein« kostenlos« Draufgabe(Nadeln u. dgl.) zu leisten. Der Händler, der gegen diese Abmachung verstoße, sollte eine Kontraventionsstrafe von iw) K bezahlen. Zur Sicherstellung mußte jeder Händler, bevor er überhaupt Ware bekam, einen aus Sicht zahlbaren Wechsel auf 1000 X unterschreiben. Den Händlern blieb angesichts der Einheitsfront der Lieferant«» nichts übrig, als gut« Miene zum böien Spiel zu macl>«n, wenn sie überhaupt Ware bekommen wollten. Di« sechs Diktatoren heißen:-John Harzkopp(Firma„Odeon"), Hugo Fuchs(„Rovitas"), Emil Schmelkes, verhandelt. („Homokord"), Georg Konrad(,His Masters Bote«"), Ä. Hermann(„Odeons und Land untcrm Hakenkreuz. Bericht aus Schlesien. „Land unterm Kreuz", so betitelte sich vor Jähren ein Propagandaftlm, in dem nur» ver suchte, Schlesiens Leiden unter den" Polenaufstän den der Nachkriegszeit dorzustellen. Der Titel wurde zum geflügelten Wort der nationalen, anti polnischen Propaganda im östlichen Preußen, in der die Gewalttaten her Insurgenten, denen in Wirklichkeit durchaus gleichartige Aktionen und mgnch düstere Fememordongelegenheiten-des deutschen Selbstschutzes gegenüberstanden, ent sprechend verwertet wurden. Wenn nun in diesen Tagen das Organ des oberschlesischen Zentrums, dessen vorsichtig-ab- wäaende Art bekannt ist, sich festzustellen ver anlaßt sah, daß niemals in jener turbulenten Zeit ein polnischer Insurgent es gewagt habe, gegen den bekannten Deutschtumsfuhrer, Prälat Ulitzka die Hand zu erheben, nun aber SA- Leute sich nicht scheuten, de« Politiker im Prie- stergewande in einer großen öffentlichen Kund gebung von rückwärts mit Stahlruten niederzu schlagen, so ist der Zustand der vielgerühmten Ruhe und Ordnung im Deutschland der Gegen wart schlaglichtartig erleuchtet. Kaum kommt man über me Grenze, so empfindet man bereits im äußeren Eindruck den unerhörten Druck des terroristischen Regimes, das über dem ganzen i Lande lastet. Selbst daS erzkatholische Ober-! schlesien wagt kaum zu atmen, niemand im Zug iiii l uniiniiiininnifflnmnniniiiiniiiiiiiiiiiintiininnminiiniituuiHiuHuimuinHiiiniiiiuuinunuiinuiiininnnnnniniinnnniiiiiiniiuii»iiininmiiiimninninniiuniiiHnnnuminuiuunnmiiiiiii> ein politisches Gespräch auch nur andeutungsweise l anznknüpfen. Ueberall sieht man die bewaffne ten Hilfspolizisten, selten dagegen Zeitungen, denn j di« verbreitetesten Blätter sind laufend reihum! verboten und die nationale Presse aber offenbar! doch noch nicht Allgemeingut der. katholischen> Oberschlesier. Stärker als in Oberschlesien, dessen s polnisches Nachbargebiet, di« Wojwodschaft- Schlesiens jetzt gleichsam ein Boden politischer Freiheit, ein rechtsstaatliches Vorbild geworden ist, macht sich daS neue Regime in Nieder schlesien, dem Land der großen ostelbischen Latifundien bemerkbar. CJB.7. zähen, wenn auch nicht scharf uMrissenen Oppo- richtete! Seite darauf gingewiesen, daß die verant- sition katholischer VolkSkreise fällt hier größten-'wörtlichen Reglerungskreise mit allem Nachdruck teils Weg. Deutschimticmale und Nazi, beide noch’ Maßnahmen gegen derartig« Lügenmeldungen er- vor Monaten erbittertste Gegner teilen sich trotz' griffen haben und auch weiterhin ergreifen werden, mancher kleinen Eifersüchtelei unter der Vorherr schaft des Hakenkreuzes in die politische Gewalt. Die große Flut des Erfolges, der erbar mungslose Terror gegen die zu wenig An- vassunasfähigen erzeugt in vielen Aemtern die historische Bereitschaft, sich auf den Boden der gegebenen Tatsachen zu stellen: selbst dort, wo, wie bei der Schutzpolizei, verhehlte Erbitterung unter der undurchsichtigen Oberstäche glimmt. Bürgermeister unpolitischen Charakters, mitunter auch solche, die«Hedem Anschluß bei der Sozial demokratie suchten, versuchen, sich loyal umzu stellen, Arbeitsamtsangeftellte wechseln sehr Plotz- sich di« Organisation, den Eisenbahnern wird anheimgestellt, um die Ruhe und Ordnung nicht zu gefährden, die schwarz-rot-goldenen Kokarden abzulegen und jüdische Abendblätter br ngen das Kunststück fertig, die Gewaltakte der Hakenkreuz- ler noch mehr zu beschönigen a!S die nationale Presse. Di« Zeit des biegsamen Rückens ist ange brochen, während die braunen Banden des Feme mörders Heines jeden mißliebigen Menschen terrorisieren, Marxisten oder jüdische Theater direktoren abgeholt und irgendwo vor der Stadt bestialisch mißhandelt und BreSlauS Theater von einigen, bis dahin verkannten nationalsozialisti schen und garantiert reinrassigen Künstlern in anfgenordete Regie genommen werden. Eine Statistik der Gewalttaten von annähernder Zu- vorlässigkoit gibt es nicht. Nur hi« und da er fährt man von Mund zu Mund schreckensvolle Dinge. Da wurde der Oekonom des Gewerk- schaftShauses,'Genosse Philipp, erschlagen, sein Sohn erschossen, ein Arbeiter von den entmensch ten Bestien verschlevpk und ohne Kleider mit Gummiknüppeln trakt'rer, dc r t auf der'Straße eine kleine Kommunistenhatz mit Revolvern ver anstaltet oder in ein Roentgenlaboratorium ein gebrochen, aus dem heraus die Assistentinnen bei dem Staatsbegräbnis angeblich provoziert batten. Natürlich wurden bu. beidrn Mädchen ebenfalls mißhandelt und das Laboratorium gründlich zer stört. Es gehört zu dem Wesen des FasciSmus, den Gegner nicht nur zu vernichten, sondern dar über hinaus möglichst in feiner Menschenwürde zu verletzen. Landgerichtspräsidenr Zin t, ein hervorragender Jurist aber Sozialdemokrat, wurde mit Waffengewalt gezwungen, der Aus- ziehuNg der Hakenkrcnzsahne beizuwohnen, der Leiter des städtischen Straßrflbabndcpots in Breslau, der sich geweigert hatte, die Fahne des FascismuS zu hissen, gar mit Gewalt gezwun gen, den Arm zum Hitlergruß zu erheben. Ein Gewerkschastssckretär, der dringend Ak ten zu einem Termin beim Arbeitsgericht be nötigte, ließ sich bei drin Kommandanten der Besatzungstruppen, dem Gruppenführer Hei- n«S, melden. Heine- mit dem unverineidlichen Monokel und dem hysterisch oerkramvften höhni schen Läkbeln inguiricrt ihn. ob er Sozialdümo- krat sei. Als die- besaht wird, ergeht die Anord nung:„LinkS und rechts in die Fresse, dann ab« führen." Natürlich wurde der Befehl von den deutschen Helden promvt auSgeftihrt. der ein armige fchwcrkrieasbeschädigte Genosse geschlagen und ihm dann gestattet, die Akten tu holen. gibt keine Scham, kcins Hemmung für diese» ent fesselte LandSknechttum, dessen höchste Befriedi gung die feige und brutale Machtenrfaltung einer bewaffneten Uebermacht ist. Die Ruhe und Ordnung ist wieder berge- stellt. Schweigen breitet sich auch über daS ganze Land, niemand stört das Jdvll in straffreier Miß- Handlung oder Erledigung Mißli«biger. »«Wer regiert die well Spaß muß sein, sagt man, und es gibt eine Menge Leute, denen Karneval und 1. April nicht genügend Spielraum bieten, sondern die auch im Verlauf des Alltagslebens ihre kleinen oder großen Spässe in Szene setzen. Da hat kürzlich ein junger Mann eine Wette abgeschlossen, daß ein bestimmtes Haus in einer stillen Großstadtstraße binnen kurzem Mittelpunkt des allgemeinen Gesprächs werden würde. Di« Wette wurde angenommen. Ter Spaßvogel schrieb über tausend Briefe, deren jeder an irgend einen Geschäftsmann gerichtet war, und gab den Auftrag, an einem festgesetzten Tag Waren nach fraglichen Haus zu schicken.- Er bestellte auch einen Geistlichen, einen Arzt, ja- sogar einen Leichenwagen. Das Haus kam wirklich in aller Munde, die Wette war gewonnen, aber man nahm dem Mann den Spaß in weiten Kreisen mit Recht sehr übel. Mit der Leichtgläubigkeit seiner Mitmenschen rechnet« ein anderer^ Spaßvogel, der wettete, daß es ihm gelingen würde, ein großes Theater bis auf den letzten Platz zu sMen, nur indem er eine vollkommen unmögliche Vorführung ankündigt. Er erließ daraufhin die Anzeige, daß in einem bestimmten Theater ein Mensch auf der Bühne in ein« Literflasche kriechen würde. Tas Theater ivar bis aus den letzten Platz beseht. Als auf der Bühne nichts vor sich ging, artete der Spaß in eine allgemein« Prügelei ans. Ein australischer Äitzbold verfaßte einen Be^ richt über die Ankunft der ersten Menschen vont Monde auf der Erde. Er ließ diesen Bericht drrlk-' ken und schickte.chn nach New Aork, wo die Zeis tungen ihn ernst nahmen. Sie gingen sogar noch weiter als der Witzbold, depn sie beschrieben auch daS tägliche Leben ailf dem Mond und die Tiere und Pflanzen des Planeten. Ueber den Begriff des Scherzes hinaus ging daS Tun eines jungen Engländers, der behauptet«,, ein neues Shakespeare-Stück entdeckt zu haben. Dieses Stück hatte er selber geschrieben und, feine Sache so«gut gemacht, daß das Werk sehr, bald in einem bedeutenden Theater herausgebrachl wurdet Di« Lieraturwissenschasller stellten dann di« Fälschung fest. In die-Reihe der AlllagSwitzbolde gehört sicherlich auch Dr.-Cook.mit seiner angeblichen Entdeckung deS-Nordpol-. Er ließ-sich feicvn und mit Ehre« mnd'Würden überhäufer^ bis dann aufgedeckt wurde, daß die ganze Entdeckung Schwindel Ivar. Einen lustigen Scherz machte der englische Dichter Swinburnc, der für eine englische Zeitung regelmäßig Beiträge lieferte. Eines Tages erzählte ihm ein anderer Mitarbeiter, daß der Redakteur SwinburneS Manuskripte niemals läse, weil seine Schrift so schlecht sei, sondern daß er sie immer gleich in die Setzerei gäbe. Darauf baut« Swinburnc seinen Scherz auf. In den nächsten Tagen erschien ein Artikel von ihm über zwei französische Dichter namens Cossu und Clouet. Niemand hatte jemals etivas von diesen Dichtern gehört, und das war auch gauz unmöglich, denn sie waren nur SwinburneS Phantasie entsprossen. Geschmacklos sind„Scherze", die sich albern« Menschen erlauben, wenn sie zum Beispiel einer Wohlfahrtseinrichtung einen Scheck über ein« große Summe übersenden. Natürlich.st di« Freude über die freigebige Hilfe" allgemein, bis sich dann zeigt, daß dieser Scheck nur ein vottkommen wertloses Stück Papier rst. Verwerflich sind auch alle jene, die etwa telephonisch von dem Unfall eines abwesenden Familieumitälieds Mitteilung machen, und das kommt bedauerlich häufig vor, obwohl man eine solche Roheit eigentlich kaum für möglich halten sollte. Um aoer die„Alltagsscherzc" nicht gar v trübe ausklingen zu lassen, soll hier, noch ein kleiner Spaß erzählt werden, den sich ein bekannter Dichter leistet«. Er wär zu einen! Internationalen Schriftstellertag in Kopenhagen einwesend und fand hier, wie alle Teilnehmer, ein Los unter seinem Teller. Die Ziehung fand am nächsten Tage statt, und während die Herren nach den» Diner gemütlich beim Mokka beisammensaßen, wurde das Ergebnis verkündet.' Die Nummer, auf die der Hauptgewinn, ein Viergespann, gefallen, wurde ausgerufen. Unser Dichter sprang elektrisiert auf.„Donnerwetter! Donnerwetter!" rief er. Sofort wurden die Umsitzenden aufmerksam.„.Hast du es gewonnen? Fst das deine Nummer?"—„Donnerwetter! Donnerwetter!" wiederholte unser Dichter nur immer— sein Glück hatte ihm die Sprache verschlagen. Natürlich gab eS allgemeine freudigste Erregung. Alles umdrängte ihn, vier begeistert« Teilnehmer hoben ihn auf die Schulter und trugen ihn im Triumph durch den Saal, Journalisten drängten sich heran, um ihn zu zeichnen. Schließlich kgm ein Herr vom Komitee und bat um Aushändigung des Lofts'. Unser Dichter gab das Los hin.„Aber daS ist ja gar nicht die richtige Nummer", sagte der Herr. „Das habe ich ja auch gar nicht gesagt", lachte der Dichter. Man kann sich den allgemeinen' Jubel leicht vorstellen. Da meldete sich einer von den Herren, die ihn getragen hatten. Es war ein französischer Journalist.„Die vier Pferde haben Sie freilich nicht gewonnen," lachte er,- ,^aber Sie haben wenigstens vier Esel gefnnden, die Sie getragen haben!" Kurt Lanaer Seite 8 Freitag, 24. Mär; 1833. Ax. 71 Literatur Aus der Partei Geriditssaal Grube Der Film von Mitteilungen mu dem PubMum. Kunst und Wissen W. L. Vereinsnadiriditen Sport■ Spiel• Körperpflene t», MAGtR ZEITUNG. eben an- —wl Versuchen Sie wenigstens einmal aus Berson- Gumm'absätzen zu gehen. Sie werden dann verstehen, warum Millionen Menschen Berson-Gummiabsähe tragen. 100 lieber die Behandlung der Sportorganisationen auf Grund der neuen politischen Lage in Deutschland entscheiden die von der Reichsregierung für die Länder eingesetzten Reichskommissare. Das Ergebnis einer Verhandlung der württembergischeu Kreisleitung des Arbei- ter-Turu» und Sportbundes mit der amtlichen würt- tembergischen Stelle ist, daß die Tätigkeit des Bundes nicht.beanstandet ist, sofern die Vereine nicht Politisch hervortrelcn. Der Sport- und Spielbetrieb kann ungehindert weitergesührt werden. Xl. Arbeitervorstellung. Sonntag, den 9. Ap um halb 3 Uhr nachmittags im Neuen Deut sä Theater:.^Komödie der Irrungen" t Shakespeare. In neuer Fassung von H. Rothe. (Oteaa. WUhelm 9x»a uer— Beramwortlicher Rwakteur' Dr UmU®_ ö u h t Q un. Hou« Ätt bei Bezug durch di«, Post moaattich Ke_)*■—, oiertetiätzrtich M, Lia«.— Di« Aeuuuaomarkrturautanir sntbt vo» bet Potz- a. re!eora»hkn»net!to« mit Urtab Jh 13.80WVII 1M0,dcu>Mtlt.^Bez^ aJivmWrt—> Ptzcklteüuag»ou Ptauustripte, rrfotgt uuz t«i Utuseub»»s der Metounuartru, 0^»zatzr>4 Kt yuHitzri, U Uß.—,— Juj-M,»tuen lau» iaitf kiUitft berechn«, vet-ttere,'—u f KINO-PROGRAMM i: vom 24. Hin bis 30. Hin 1933.<* QlMlwMi iliafl UDOVY DVM frn<■* Hvbernski* h Nr. 7.'!