ßivzelpreis 70 Heller. ^Einschließlich 6 Hell« Porto Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. 9t öaftlon a. Srrtoaltung: Brog n, Oteiütanla 18 ♦ Tklevd.: 26795. 31469.7ta<#tre6aK lad 31 ll»r)- 33838* Boftt-deSami: 575M 13. Jahrgang. Sonntag, 26 März 1933 Nr. 73. M« WM IM HtM Und gegen jeden Revisionismus! frotzlet üDer nitler-Denfsdiland. „Gegen Sowjctrußland gerichtet". Der Pariser„Populaire" zitiert aus dem „M suchest er Guardian" einen A ctikel Leo Trotzkis, der dort unter anderem schreibt: „Die Handels- und Jndustriekrise ist daran, das Verhältnis der Kräfte zu ändern, und zwar nicht zugunsten Hitlers, sondern zugunsten des Proletariats. Nach dem außerordentlichen Tiefstand der Existenzmittel der Arbeiter während der Krisenjahre wird nun ohne Zweifel eine Periode heftiger wirtschaftlicher Kämpfe kommen. Im internationalen Rahmen darf man nicht auf neue Erklärungen und neue Taten Hitlers in der::n". ittelbaren Zukunft warten. Er wird im Innern seines Landes einen allzu langen und allzu blutigen Kampf zu führen haben, als daß er ernstlich an«inen Krieg gegen Frankreich denken könnte. Anderseits wird er sich bemühen, Frankreich und die übrigen kapitalistischen Nationen von der. Notwendigkeit zu überzeugen, daß man ihm in seiner Mission gegen den Bolschewismus zur. Hilfe kommen muffe. Die auswärtige Politik des fascistischen Deutschland wird also im wesentlichen gegen die Sowjetunion gerichtet sein." Thaimann abgesagt. Berlin, 28. März. Nach einer Blätter, Meldung aus Moskau ist Thälmann durch Verordnung der Komintern wegen„unrichtigen Verhaltens" seines Amtes als Führer der kommunistischen Partei in Deutschland enthoben worden. Kranhenkassenvcrbandc unter Aufsicht. dEn, 25. März. Der Reichsarbtitsminister hat die fünf Spitzenverbänd'c der Krankenkassen ohne Unterschied seiner Aufsicht unterstellt. Diese Aufsicht ist auf alle Unterneh- mungen und Eigenbetriebe der Bereinigungen erstreckt worden. Ferner wurden den Aufsichtsbehörden Anweisungen zur Durchführung der, erweiterten Aufsicht erteilt, um die„Entpolitisierung der Krankenkassen und die„Wirtschaftlichkeit der Verwaltung" endlich(!) sicherzustollen. Walter Hammer interniert. Der Leiter des bekannten„Fackelreiter-Verlags", der sich mutig in den Dienst des Kampfes gegen den Krieg gestellt hatte, Walter H a m m- r, wurde von den SÄ.-Banditen verhaftet und interniert. Walter Hammer war einer der Führer der Freideutschen Jugendbewegung gewesen und seiperzeit Herausgeber der berühmten Zeitschrift„Junge Monzchen". Das Werk Otto Leh- mann-Rußbüldts:„Die blutige Internationale der Rüstungsindustrie", das im Fackelreitcr-Ber, lag erschienen war. wurde„zum Schutze von Volk und Staa." beschlagnahmt. All« im Verlag vorgefundenen Exemplare wurden vernichtet. Devisenverhandlungcn mit Deutschland. Prag, 25. März.(Tsch. P.-B.) Di« tschecho» slowakisch-deutsche« Verhandlungen über di« Rege» lung des ZahlüngsverkehreS zwischen beid«n Landern werden in Prag am Donnerstag, den 30. März eröffnet werden. Die deutsche Delegation wird am Donnnstag mittag in Prag eintreffe«. Ole Bukarester Skoda-Aliare. Bukarest, 25. März.(OR.) Di« von den Militärbehörden erfolgt« Verhaftung des Vertreters der Skoda-Werke in Bukarest Sesctzki erfolgte wegen unberechtigten Besitzes von militä-. rischen Dokumenten und Verletzung amtlicher Siegel. Selctzki ist im Gefängnis des Kriegsrates interniert. In der Nachtsitzung des Abgeordnetenhauses versicherte Innenminister Mironescu in der Debatte üb?r die Interpellation betreffend den Vertreter der Skodäwerke in Bukarest, daß die militärischen Justizbehörden in der Lage waren, gleich sämtliches notwendiges Material zu beschlagnahmen, und daß die chiffrierten Dokumente, di« man auffand, leicht dechiffriert werden würden. Zum Schluß der Debatte gab Minister Mirmrescu das Beriprechen, daß nichts verabsäumt werden würde, um die^unkorrekten Elemente", denen es gelingen würde, sich in das öffentliche Leben hineinzudrängrn^ auszurotten. Genf, 25. März. Der ständige Rat der drei Staaten der Kleinen Entente trat heut« Nachmittag im Hotel„Beau Rivag«" beim Minister Dr. Be«e8 zusammen. An den Beratungen »ahm außer Dr. Bene» der jugoflawische Delegierte Fotie und der rumänische Minister des Aeußeru Titnleseu teil. Rach der Beratung wurde folgendes Kommuniqvee veröffentlicht: Der Ständige Rat der Kleinen Entente, der die Ereigniffe der letzten Tage eingehend geprüft hat, kam zu dem Schluß, daß jede Zusammenarbeit der Staaten, die die Verwirklichung wechselseitiger freundschaftlicher Beziehungen und di« Lösung der sie direkt betreffende» Probleme zum Ziele hat, wünschenswert«nd von Borten ist. Nichtsdestoweniger können die Staaten der Kleinen Entente nicht anerkenne», daß der Sache der guten Beziehungen zwischen den verschiedenen Staaten durch Abkomme« gedient ist, die zum Zwecke hätte«, mit den Rechten anderer Rationen zu disponiere» so, daß diese Abkomme« dir Signatare zwingen würde«, konkret« Entscheidungen zu treffen oder daß die Signatar« eine» Druck aus die Staaten, di« diesen Abkommen nicht beitreten würde«, ansiibten. Da mit dem Besitz des Nächsten weder direkt noch indirett disponiert werden kann, machen bereits vom Berlin, 25. März. Das Reichskabinett beschäftigt sich in den letzten Tage» mit Matzmch- men, um für lang« Zeit hinaus eventuell fällig« Wahlen in di« Landtage, Kreis- und Gemeindevertretungen ausfallen z« lassen und dafür diese Bertretungskörper automatisch nach den Ergebnissen der Reichstagswahl vom 5. März neu znfammenzusetzen. Die Reichsregierung rechnet also schon selbst damit, daß sie über di« am 5. März erreichte Stimmenzahl nirgends mehr hinauskomme« kann, sondern viel eher R u ck s ch l Lae zu befürchten hat, wenn dir aufgeputschten Wähler langsam zur Einsicht kam- men, daß es mit dem Aufbruch der dentsche« Nation nicht weit her ist. Zu diesem Zweck soll ein Gesetz über die „Gleichs chaltnng von Reich und Ländern" erlassen werden, wonach die Regierungen sowie die politischen und parlamentarische» Vertretungen der Länder, die am 5. März nicht gewählt haben, ohne jede Neuwahl auf Grund der Rcichstagswahlergebnisse vom 5. März neu gebildet werden solle«. Berlin, 25. März. Daß die Meldungen der sozialdemokratischen Auslandspresse über die Exzess« der SA-Formationen, die Mißhandlungen politischer Gegner, die Besetzung und Zerstörung von Gewerkschaftshäuser« etc. di« Reichsregierung nicht so kalt laffe«, wie Herr G o e- r i»g bisher immer behaupte hat, geht daraus hervor, daß Goering heut« die Vertreter der AuSlandSpreff« empfangen hat, um diese« angeblichen„Greuelnachrichteu" entgegenzutreten. Er betonte dabei, daß die jetzige nationale Revolution im Gegensatz zu der„Revolte" von 1918 ein« Revolution dtt Disziplin sei, gleich darauf gab er jedoch z«, daß„gewiß einige bedauerliche Zwischenfälle vorgekommen" seien. Ganz ableugnen kann die auch von uns angeprangerten„Heldentaten" seiner SA also selbst Herr Goering nicht mehr! Im ganzen sei aber nichts mehr geschehe«, als daß„einige Leute aus ihren Pfründen abgesetzt"— das heißt alle nicht auf der äußersten Rechten stehenden Beamten hinausgeworfen und durch wafchechte nationalsozialistische„Parteibuchbeamte" ersetzt— wurden und daß„einige Tausend Kommunisten"(und wie viel Sozialdemokraten?) von der Palizei verhaftet worden seien. Die Verhafteten würden genau so behandelt wie ander« Gesängen«. Wie die in den 2 A.-K«fernen widerrechtlich eingesperrten Menschen behandelt wurden, darüber schweigt sich Herr. Goering gleichfalls aus! Angesichts der wachsenden Protestbewegung in Amerika gegen die Verfolgung der deutschen gegenwärtigen Augenblick an die Staate« der Kleinen Entente die entschiede« st en Vorbehalte gegen den allfälligen Abschluß solcher A b k o m m e«, so weit sie deren Rechte und deren Politik betreffen würden. -Abkommen solcher Art gehören der Vergangenheit au und in jedem Fall einer Zeit, wo es keinen Völkerbund gab. Die drei Staate» der Kleinen Entente bedauern, daß bei den Verhandlungen dieser Tage die revisionistisch« Ide« hervorgehoben wurde. Die Staaten der Kleinen Entente erachten es vom Standpuntt der allgemeinen Friedensintereffen und im Hinblick auf di« einheitlichen und tiefen Gefühle ihrer Länder als ihr« Pflicht, ans die Tatsache aufmerksam zu machen, daß di« revisionistisch« Politik, di« notwendigerweise ein« energische Reaktion bewirft, nicht imstande ist, zu einer Beruhigung der Nationen zu wirken und die Gefühle des Vertrauens zu stärken, di« einzig eine wechselseitige Zusammenarbett gestatten. Die Staaten der Kleinen Entente erachte» eS daher als das Allerwichtigst«, ihre gemeinsamen Bemühungen zu friedlicher Arbeit zu» sammenzufassen, die einzig den Weltfrieden und die Weltsicherheit verbürgen kann. Europa, Achtung! In Oesterreich werden vielleicht Kirchen brennen. Amerika ist nicht mehr das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Keiner seiner verwegensten Bersicherungckbetrüger. hat je-ein so gutes- Geschäft gemacht, wie die Urheber des Reichstagsbrandes.. Kein amerikanischer Präsident hat es bisher verstanden, die. politischen Attentate nach feinen politischen Bedürfnissen zu regulieren. Keinem amerikanischen Polizeiminister haben sich die Kommunisten und Anarchisten aller Länder so bereittvil- lig zur Verfügung gestellt, wie dem Herrn Goering, haben sich je nach Bedarf verhaften lassen oder sind unerkannt entkommen, wie es den regierenden Herren im Lande am besten gefiel. Während diese Betrachtung zu Papier gebracht wird, ist vielleicht der chinesische Kommunist schon auf dem Wege, der mit seinen kühnen Taten die etwas laxe österreichische Reaktion ju preußischer Schneid ergrimmen soll. In seinem Mitgliedsbuch fehlt keine einzige Beitragsmarke, er hat es in den letzten Aufruf der Sozialistischen Arbeiter-Jmernatio- nale eingewickelt und das ganze in einer feuersicheren Kapsel um den Hals gebunden. Auch wenn er sein letztes Hemd, ja sogar Unterhose und Socken für die Sache der Wcltrevolution opfern müßte, wird sodann niemand^streiten können, daß er direkt von Stalin geschickt wurde und von Friedrich Adler auf der Durchreise durch die Schweiz noch«in« Schachtel Zündhölzer und den budhistischen Segen bekommen hat. Auf dem kürzesten Weg über Sörnewitz und die bayrischen SA-Heime wird besagter Chinese nachdenken, wie er den österreichischen Komnmnisten am besten auf die Beine helfen und auch dem sozialdemokratischen Partcivor- stand ein bißchen unter die Arme greifen könnte. Das Parlament anzuzündcn ist in Oesterreich schon einmal versucht worden und ist nach dem genialen Einfall van der Lübbes nicht nrehr originell genug. Aus seiner in Hongkong erworbenen Kenntnis der österreichischen Psyche wird der Mann schon wissen, daß in der Donauvepublik Kirchen und Klöster dem Volke sehr teuer, aber so zahlreich vorhanden sind, daß der Verlust des einen oder anderen Objektes keine Katastrophe für das Land bedeutet, ebenso wie sich Hitler- deutschland mit der Gebrauchsunfähigkeit des Reichstages in bewunderungswürdiger Fassung abgefunden hat. Der Vertreter der gelben Gefahr wird sich zweifellos darüber Rechenschaft ablegen, daß ein Angriff auf ein kirchliches Objeft die Alpenbauern samt Gesinde, die momentan friMich mit Wasser kehren, Mist breiten und sonstiger Vorbereitung der Frühjahrsaussaat beschäftigt sind, am ehesten für di« Politik entflammen und, für den Kommunismus begeistern. Bei der definitiven Auswahl des Tatorts wird er gut tun, sich mit dem Heimwehrminister für öffentliche Sicherheit zu beraten und für den einvernehmlich festgesetzten Tag die Herren StarheMberg und Pfriemer geziemend einzuladen, damit sie rechtzeitig zur Stelle sind... Heute klingts wie eine Fabel. Margen kann es Wirklichkeit sein. Haben nicht die österreichischen Heimwchren bei ihrenr ersten Putsch ihre Leute mit der Lüge alarmiert, es gelte einen„roten Umsturz" abzuwehrcn? Sind doch alle militärischen Lügenbeutel in den fascistischen Stäben wieder versammelt, die während des Weltkrieges die Völker vier Jahre belogen und begaünert haben. Wer glaub', daß die Söldnertruppen des krepierenden Kapitalismus darauf erpicht sind, die Republikaner in affinem Kampfe niederznwcrfin, der irrt. Dazu sind sie viel zu feig.- Keine Liier ist ihnen zu dreckig, kein Betrug zu erbärmlich, wenn sie auszfihen, die Nation sittlich-n erneuern. I Die österreichischen Heimwchrfascistcn I knüpfen an, an die schwarzgelbe Tradition. Zn Nachwahlen röcht erwünscht! Landtage etc. sollen nach dem Ergebnis des 5. März ohne Wahl neugebildet werden! Goerino sdiwört jeden Antisemitismus ab! Die bisherigen Landtage der süddeutsche» Länder und Sachsens sollen a u f g e l ä st und dann ohne Wahl neu gebildet werden. Die Mandat« werde» auf Grund der Wahlergebnisse vom 5. März auf di« einzelnen Parteien aufgeteilt werden, denen«s dann überlassen bleibe« soll» tvelchc Persönlichkeiten sie mit den neuen Ländermandaten betraue» wollen. Daraus geht Kar hervor, daß di« Nazi bereits deutlich spuren, daß kommende Wahlen nur zu ihren Ungunst«« ansfallen würden und daun die durch allerhand Wahlkunststückchen hervorgezauberte Fiktion von der absoluten Mehrheit der beiden Regierungsparteien nicht mehr lang« Bestand haben könnte. Daß di« bisherigen Maßnahmen der Regierung und namentlich der SA.»Formationen di« Begeisterung für den Nationalismus so well treiben könnte, daß sie bei künftigen Wahlen vielleicht gar allein die 51 Prozent erreichen, scheinen die Herren schon gar nicht mehr in den Bereich auch nur der entferntesten Möglichkeiten zu ziehen! Juden bcvilte sich Herr Goering werter zu versichern, „die Regierung würde es niemals dulde», daß «i» Mensch nur deshalb irgend tvelchen Verfolgungen ausgesetzt werden sollte, weil er Jude sei. D«r jüdisch« Geschäftsmann könne r» Ruh« seinen Geschäften nachgehen; jüdisch« Beamt« sei«« nur abgebaut worden, weil sie Sozialdemokraten waren. Heute sei «och eine ganze Reih« von Juden in Staats- stellungen." Goering wiederholte dann seine Aeußeru ng, daß in Deutschland kein Wort von der sozialdemokratischen Presse gedruckt werden dürfe, solange die sozialdemokratische Presse in Skandinavien und im übrigen Ausland Deutschland „verleumden". Zum Schluß erhielte« einig« der ausländischen Journalisten besondere Ausweise, um die Gefängnisse zu besichtigen und sich durch eigenen Augenschein zu überzeugen, wie„verlogen" di«„Greuelnachrichten" über die politischen Gefangene« seien. Daß die reguläre Polizei, bezw. das regulär« Gefängnispersonal selbst Mißhandlungen politischer Gefangener ete. durchgeführt hat, ist ja ni« behauptet worden. Aber werden dies« Journalisten auch mit den in den SA.-Kasrrnen brutal mißhandelten Gefangenen offen sprechen und etwa den Genossen S o l l m a n n ungehindert über sein« Erfahrungen mit der„disziplinierten Revolution" befrag«« dürfen? Seite 1 Comttag, M. März 1938 9tt. 73 dieser Tradition gehört auch die amtliche Der- lo^enhevt. Mer erinnert sich nicht an den unglücklichen k. k. Konsul Prochaska in Priz- rend? Als der Ballhausplatz während der Balkankriege das Bedürfnis habe, Kriegsstim- muna gegen Serbien ju erzeugen, log es in die Welt hinaus, Prochaska sei von den Serben mißhandelt und schrecklich verstümmelt wo-rden. Als die Schauermär nicht verfing, tauchte Prochaska nach einigen Tagen pum- perlgesund wieder auf. Nach dem Fortschritt der moralischen Derlumpung der herrschenden Klaffen sind ihr Betrügereien giganischesten Ausmass zum- trauen. Auch gegen diese Methoden muß sich die Demokratie rechtzeitig wappnen, muß die Fememörder der Freiheit entlarven, ehe sie das Volk mit Schauergeschichten betäubt und ihm dann den Sack über den Kopf gezogen haben. Sollen sich die österreichischen Heimweh- ren entschließen, loSzuschlagen, um dem Hakenkreuz zuvor zu kommen und das wehrlos« Land Mussolini und Horthy als Aufmarschgelände darzubieten, dann wundere sich niemand über die Nachricht, die Mariazeller Kirche stehe in Flannnen, di« Klosterneuburger Chorherrn würden gepfählt, Bischöfe als Geiseln mißhandelt und Nonnen geschändet. Starhembevg braucht eine möglich große Empörung der internafionalen Spießertvelt, um Mussolini zur„Abwehr des Bolschewismus" ins Land rufen zu können und ihm das Draulvl zum Durchmarsch zu öffnen, damit Italien der jugoslawischen Adriafront in den Rücken fallen kann. Europa, sei auf der Hut! Brandstifter in Lackschuhen gehen um! »er verrat der Sowjets. Im„Pravo Lidu" hatte Genüsse Stivin vor einigen Tagen darauf hingewiesen, daß sich Sowjetruftland vollkommen still verhält, trotz allen Verfolgungen, denen die Kommuwsten in Deutschstmd ausgesetzt sind und daß Rußland nicht den geringsten Versuch macht, die deutschen Kommunisten iroendwie zu schützen. Dieses Verhalten Rußlands hat nun in einer Polemik gegen Stivin Karl Kreibich gerechtfertigt, woraus ihm Gen. Stivin im„Prado Lidu" antwortet. Stiv'» weist vor allem darauf hin, daß die kommunistische Presse Rußlands auffallend zurückhaltend über die Ereignisse in Dentscktland schreibt, und daß man nichts davon gebärt hat. daß etwa der deutsche Gesandt« in Moskau geaen die Schreibweise der russischen Matter«'«geschritten ist. während der Prager Gesandte Dr. Koch sich nicht weniger als sechsmal beim tscheckollvwofischen Min'sterium deS Auswärtigen über die sozialdemokratischen Blätter in der T^chechost^wa- lei beschwert hat. Wählend man in Amerika gegen die Vorgänge in Deutschland demonstriert, ist in Rußland alle- ruhig. Nachdem K"ler ReichSkancher««worden war. hat sich£>ert Litwinow, der russisch« M'N'ster d-s Auswärtigen. in Berl'n bewerten lasten,^röhrend unter den Fenstern de« Sve'VoalS in dem er faß. Kommunisten von Hakenkr-uckern aemor^-t wurden. So bisst das gr"te und mächtige Rußlarrd jenen, di« sich zu ihm bekennen. und ihre Besitzer»ich: wisien, woher sie di« für die seinerzeit aufgenommeneu Bau-arlchen entsagenden Zinsen nehmen sollen. Der Schmuggel, der, wie in jedem anderen Grenzort, für Hunderte Arbeitslos« ein« vorübergehend« kleine Einnahm Squelle gebildet hat, ist durch die scharf« Ueberwachung der Greife unmöglich geworden. Die Heimintnestri« — Klöppelei und Posamcnterie— liegt völlig darnieder. So lebt der Großteil der Bewohnerschaft dieses freundlich zwischen rauschendem Bergwald liegenden Ortes von der staatlichen Unter- st ü tz u n g, mit der den bedauernswerten Kindern dies« Leute nicht genug Brot gekauft werden kann... Unlängst machte eine Meldung aus Christof- Hammer di« Runde durch die Zeitungen: mehrere Leut« sollten wegen HolzdiebstrhlS in den Waldungen von der Gendarmerie verhaftet werden. Als die Beamten im Orte erschienen und di« Beschuldigten scstnehmen wollten, da versammelten sich die Männer des Dorfes und verjagten, in ihrem Elend verbittert und zu allem entschlossen, die Gendarmen, die freilich am nächsten Tag mit Verstärkung anrückten und die Verhaftungen durchfnhrten. Dieser Schritt der Verzweiflung kennzeichnet deutlich die Stimmung der Bewohner des Ortes; und wer diese Leute kennt, di« in ihrem Wesen bescheiden und gutmütig sind, der begreift und versteht diese explosiv Ausdruck suchend« Qual, die ihre Ursache in dem zermürbenden Bewußtsein hat, daß kein« Rettung aus dieser entsetzlichen Notlage wirckt! früher würde, daß sie wieder jeden Morgen über di« Grenze hinüber nach Sachsen wandern und am Samstag chren Lohn in deutscher Währung heiotbringen könnten.... Die Entwicklung seit dem vergangen«n Jahr« hat dies« schüchternen Hoffnungen grausam genug zunichte gemacht: nicht nur, daß die Zahl der Arbeitslosen im Ort« beträchtlich angostiegen ist— die Grenze wurde hermetischer noch abgoichlosten, so daß auch der früher immerhin beachtlich« Fremdenverkehr so gut wie vollständig aufgehört hat. Die sächsischen Touristen verzichten auf di« Ueberschreitung der Grenze deswegen, weil sie für jeden Tagesausweis em« Mark entrechten sollen(Jahres-Grenzausweif« werden in dem Ehristoihammer benachtbarten sächsischen Orte Schmalzgrube nicht ausgestellt); di« Frequenz de? Ortes als Sommerfrische ist in katastrophaler Weise zurückgcgangen. AIS vor Jahren Christofhammer zu einem beliebten Aufenthaltsort für Großstadtmüde geworden war, setz!« ein« rege Bautätigkeit im Ort«in, weil man sich auf die Behcrbung von Sommergästen umzustellen gedachte. Aber schon im vergangenen Jahr« blieben die Gäste ouS, so daß d:« n«aen Häuser stark überschuldet sind Wiener Sctzcrstrclk erfolgreich beendet. Vorzensur aal eine Formalität reduziert. Chrishtanier, eine sterbende Erzgebirgsgefflelnde. Gesperrte Grenze, angeschnittene VerdlenstmögildiKeltcn. lahm gelegte Heimindustrie, aDgedrosseKer Fremdenverkehr Wien, 26. März.(Eigenbericht.) Die Protestaktion der Wiener Zeitungsarbeiter hat zu eiuem vollen Erfolg geführt. I« Wien ist heute früh kein« einzige der große« Zeitungen erschienen. Auch das RegierungSorgan, die christlichsoziale„N e i ch s p o st", konnte nicht erscheinen. Bloß«in Heimwehrblatt, das in einer Privatdruckerei mit Familienbetrieb hergestellt wird, konnte ei« kleines Extrab lat tchen herausbringen und wurde auf den Straße« kolportiert; di« Bevölkerung schenkte ihm jedoch kern« Beachtung. Im Lauf« d«S Tages sanden Verhandlungen zwischen der Regierung und den Zei- tungSarbeitergewerkschaftca statt. Di« Regierung verlangte ursprünglich sofortige» und bedingungslosen Abbruch deS Streiks. Die- wurde von de« Gewerkschaften mit aller Entschiedenheit abgelehnt. Schließlich gab di« Regierung nach und schrankt« di« gegen di«„Arbeiter-Zeitung" und —3„Kleine Blatt" erlassene Verordnung auf ein« bloße Formalität ein. Durch«ine Notverordnung der Regierung sind di« beiden Blätter bekanntlich dazu verhalte« worden, zwei Stunden vor Erscheinen der Staatsanwalt«in Pflichtexemplar zur Vorzensur vorzulcgen. Nun hat di« Regierung im Sans« der Verhandlungen dies« Verfügung falle n g e l a s s e n. Di« beiden Blätter müffe» ihre Exemplare dem- Staatsanwalt erst wenig« Minuten vor dem Erscheinen vorlegen, so daß gegenüber den bisherige« Gepflogenheiten kaum«in wesentlicher Unterschied besteht. Auf dieser Zugeständnis der Regierung hin haben di« Betriebsräte den ZeituugSarbeiter« empfohlen, di« Arbeit in den Betrieben wieder aufzunehmen. ES werden daher morgen in Wie« wieder di« Zeitungen erscheinen. Im Lauf« des Tages ist in Wien überdies eine Nachricht aufgeflogen, di« von größter inner- politischer Bedeutung ist und die in der Regierung helle Bestürzung hervorgerufen hat. ES wurde bekannt, daß der vor wenmen Tagen unter sehr mysteriösen Umständen«gesetzte Wiener Polizeipräsident Brandl seit längerer Zeit bereits aktives Mitglied der Nationalsozialist ischen Partei war! Er soll seither mit der Parteileitung gewiffe Differenz«« gehabt haben, di« jedoch in den letzten Tage« bereinigt worden sind, so daß Brandl nunmehr neuerdings offiziell seinen Wiedereintritt in die«ationaffozialistische Partei angemeldet hat. ES hat sich ferner heransgestellt, daß auch ein« ganze Reih« von sehr maßqebenden Polizei, funktionären bereit» in der nationalsozialistischen Partei steht. Di« Regierung ist über dies« erst jetzt bekannt gewordene Tatsache außerordentlich bestürzt, namentlich deshalb, weil sie in der fetzige« gespannt«« Zeit«in sehr bedenkliches Zeichen dafür ist, laß di« Polizei bei eventuellen Zusammenstöße« keineswegs so verläßlich sein dürft«» wi« di« Regierung iS wünscht und zu glaub«« vorgibt. * Heim wehr darl unbestraft schießen Wien, 25. März. Die soziald«mokratischr Jugend veranstaltet« gestern nachmittags und abends in Eggenberg bei Graz«ine Demonstration, während welcher ein Heimwehrman« aus dem Fenster seiner Wohnung mehrer« Schüsse in die Luft abgab. Die Demonstranten verlangten von der Gendarmerie die Verhaftung de» Heimwehrmanneü. Dieses Begehre« ward« jedoch abgelehnt. Di« Gendarmerie ging zweimal mst gefälltem Bajonett gegen die Meng« vor nnd konnte sie schließlich zerstreue«. AuS Ehristofhamm.er im Obererzgebirg« wird uns geschrieben: Auffallend scharf« Formen hat die Wirtschaftskrise in jenen Gebieten Böhmens angenommen, die besondere Bechältnisf« insofern auftveffen, als sich dort bisher di« Grenze zwischen In- und Ausland verwischt hat, also dort, wo seit Generationen die Bewohner einzelner deutschböhmischer G enzorte zu einem nicht unbeträchtlichen Teil chren Erwerb im nahen Deutschland gefunden hat. D!«S trifft insbesondere aus einen beträchtlichen Teil des deutschböhmischen Obcrerzgebirges zu. Dieses Gebiet vermag drr gesamt« bodenständig« Bewohnerschaft nicht ausreichend zu ernähren; seit vielen Jahrzehnten ist daher der sog«nante„Grenzläufer" eine gewohnte Erscheinung, ja, ein Begriff geworden, mit welch:m eine bestimmte Gattung des arbeitenden Menschen aus dem Grenzgebiet« Böhmens bezeichnet wurde. Mit ihm war zugleich eine lobend« Brücke aus den von Deutschen bewohnten Gegenden Böhmens zu den reichsdeutschen Nachbarn geschlagen, und es ist gewiß, daß di« kulturell« Verbundenheit der beiden Grenzvölker durch die Verschmelzung wirt- 'chaftlicher Jntereffen stark unterstrichen wurde. Heute liegen nun di« Dinge so, daß di« schwere Wirtschaftsnot im Reich« d'e„Grenzläufer' aus Böhmen ihren Arbeitsplatz im Reiche völlig verloren haben. Damit ist einem beträchtlichen Teil des deutschböhmischen Erzgebirges eine Notlage entstanden, di« schärfere Formen als anderswo in Böhmen sonst an- genommen hat. Zu den im Grenzgebiete von der Krise besonders hart betroffenen Erzgebirgsgemeinden gehört die Ortschaft Christofhammer im Bezirk« Preßnitz, eine in herrlichste Waldland'chaft eingebettet« Siedlung mit rund 800 Einwohnern, ein« Wegviertel- stund: von der sächsischen Gemeind« Schmalzgrübe entfernt. Mehr als dir Hälft« der Bewohner ist feit zwei Jahre» ohne Arbeit n»d Einkommen, bemüht sich vergeblich um die Erlangung irgendeiner Berdienstmögkichkeit und gerät, da alle W:ge zu einem ordentlichen Erwerb verschüttet erscheinen, immer tiefer in di« Trostlosigkeit eine» Elends, von dem sich der Außenstehende nur schwer«in BAd machen kann. Wi« durch di« Stillegung der einst blühende« Eisenwerksindustri« in einem anderen Teil des dsutschböhmischen Erzgebirges, in Rothau,«in« Stadt mit fast 1000 Einwohnern zum Abst«vb«n verurteilt worden ist, so wurde dem Grenzort Christof-«Hr Hammer das Sterbelager bereitet in dem Augenblick, da di« Krise im nahen Sachsen so katastrophal« Aus-' maße annahm, daß di« d««tschböhmischen Grenzbewohner gekündigt und ent. lassen wurden; feit Generationen haben die Einwohner von Christofhammer Erwerb und Verdienst jenseits der Grenze, in Sachsen, gefunden, als Weber. Stricker, Schnitzer, Tischler, Schlosser und Maschinenbauer, denn der Berdienstmöglichkeiten jm .chöhmischen" Erzgebirge gab es und gibt es nur wenige, und der Begriff„Grenze" hat sich im Lauf« vieler Jahrzehnte diesen Leuten so völlig verwischt, daß st« angesichts des großen deutschen WirtlchaftS- raumes Befürchtungen um ihr« Zukunft nicht hegten: sie gehörten g«visirrma^en in das gewaltig Räder- werk dieser deutschen wirtschaftlich!» Maschinerie, und so lange dieses lief, würden sie, di«„Grenzläufer", Arbeit und Brot haben und keine Not leiden... Es ist begreiflich, wenn dies« Erzgebirgler, diese fleißigen und anspruchslosen Arbeiter biS vor kurzem noch imt« eint leise Hoffnung in sich nährte«, daß eines Tages doch wieder alles wie milie Lakner die Skandalpartei im HauS. ESi kam auch vor, daß der Mann bei Nachbarsleuten| «lndrang und schwer« Drohungen ausstieß, wenn sie ihm di« zwanzig Kronen nicht borgten, die ihm jeden DienStag zur Verlosung der Fahrkarten fehlten. Und schließlich stand er nachtS manchmal auf. um sich in der Unterwäsche auf dem Abort draußen zu erhängen. In solchen Augenblicken starrt« daS kleine Weib mit versteinertem Gesicht in die Lampe und sagte: es ist kein Schaden um ihn. Karl aber war eS, als wäre er bei diesen Aufregungen nur zufällig anwe'end. Augenscheinlich hatte sein junges Herz di« Fähiß- feit, auf dem Scheitel der Not in Abgeklärtheit umzuschlagen. Er spürt« dann plötzlich die Große der Welt, als stünde er im Nachtwind draußen, und in diesen Sekunden tröstete ihn di« Größe der Welt. Der Welt, di« sich soeben(1906) di« Höhensonne und di« Fernphotogravhie erfand. Und in der Rußlaich, nach seiner Revolution. 45.000 Menschen nach Sibirien verschickt«. Nur wenn sein Vater d°e Säuferwahnsinnsanfälle bekam, di« sich im Winter auf 1907 ein- stellten stand Karl wie ai.gewurzelt an der Wand. All das aber nährte seine^"'ast iW dir Dina« einer«''en zu können. All«'« aerade damit geriet er erst in die verziveifeltste Bedrängnis. Fünf Jahre Lehramtsstudium waren wohl kaum di« kürzeste Brücke zu diesem Ziel. Und seine Mutter hatte, als er ihr einmal davon sprach, ein Gesicht von solcher Hoffnungslosigkeit gemacht, daß es ihm nicht mehr von der Seele wich. Ach, daS Leben hatte sich zu einer seltsamen Folterkammer verengt oder, wi« Karl rS in seinem Tastebuch ausdrückt«: aus allen Dingen war der Krieg gegen ihn aufgestanden. Es war, als ob die häusliche Wirrn's sich über alles fortpflanzte. Die Dinge schienen ihm nicht mehr gütig zu lein. Je tiefer er in di« Welt eindrang, um so mehr entzog sie sich ihm. um so drohender sah er sich von der Unzahl der Häuler und Straßen nnd Menschenschwärme umdonnert, überwältigt und — abgelehnt. Und eines Tages als«r vor einer Tür lange warten mußte, weinte Karl in einen Korb großer Rcmontantrosen hinein. Der alte Herr, der ihm endlich öffnete, zog ihn in eist langes Gespräch und schenkt« ihm, ehe er ihn wieder entließ, ein Buch. Es war der Oliver Twist von Charles D:ckenS, dem auch ein« Lebensbeschreibung des Dichters beigefügt war. Karl las das Buch während der Schulpausen, während des Mittagessens, das er sich in der Regel selbst aufwärmte, auf den Wegen sobald eS ihm nicht hineinschneit«, und in seinen Wartezeiten auf den Bahnhöfen. Immer schwebte ihm dabei das stille, weißbärtige Gesicht des alten -Herrn vor und ein neuer glimmender Faden spann sich aus'einem Herzen in die Welt. Er lernt« an dem Buch eine neu« Frömmigkeit, ein neues Weltvertrauen. Und am 28. Feber(1907), -em letzten Tag vor Fristablauf, reicht« er heimlich sein Gesuch ein: um di« Zulaffung zur Aufnahmeprüfung am Landeslehrerseminar in Wien. Am gleichen Tag konnte fern Vater den Fahrkartenerlös tatsächlich nicht mehr abrechnen. Er erlitt«inen Jähzornsanfall, in dem er das klein« Weib, das sich bei einer bekannten Familie versteckt hatte, schwer mißhandelte, und wurde auf ein« Beobachtungsstation abgeführt. Karl begriff in der Nacht nicht, warum seine Mutter weint«. Er empfand di« Luft im Zimmer selflam gereinigt und war überzeugt, daß nun alles bester werden würde. DaS gab ihm auch den Mut, sich am nächsten Tage von der Heimlichkeit des Gesuches zu entlasten. Aber er schwor seiner Mutter. daß er nur so lange daran würde festhalten wollen, als«s ihm gelänge, neben dem Studium so viel an Berd enft sicherzustellen, daß der Ausfall nicht spürbar sein würde. Das klein« Weib strich ihrem Junaen, der bereits größer war als sie abweferrd übers Haar. In der gleichen M nute verließ Eduard der Siebente enttäuscht W'lhelmShöhe, weil er mit seiner Ansicht, die britische Flott« müßte unter allen Umständen um 14 XioMrock vubotM. UND DAS 20. JAHRHUNDERT Roman von Rudolf Brunngraber Copyriglh by SoclellU-VerUg, huktul am Main UU Als ihm eine Sängerin, der er Chrysanthemen bracht«, durch ihre Zofe«ine Tort« schenken ließ(von-er nur ein« einzige Schnitte fehlte), War ihm dos peinlich. Obgleich er sofort an leine Mutter dacht«, die so etwas, wie er zu Wiste« glaubt«, nie gegessen hatte. Auch di« Unbefan» gercheit gegenüber dem Geld stand Karl nicht mehr ju. Mit den zwei Kronen, di« er wöchentlich von der Blumenbandlung erhielt, hatte es Wohl feine Ordnung; di« Trinkgelder jedoch waren ihm, w sehr er sie begrüßten mußt«, jedesmal eine neue Verlegenheit. Ohne sein Zutun war ein deutlich ausgeprägtes Gefühl für Würde in ihm entstanden. DaS befähigt« ihn zwar zu einer besonderen Haltung in allen Strapazen— so wurde er, wider alle Müdigkeit, abends bei der Petrollampe auch feinen Schulaufgaben noch gerecht—, aber es machte ihn auch zu einem feinfühligen Instrument. Als dieses wurde er nun von emer wahren Drangsal überfallen. Es zeigt« sich nämlich ball), daß sein Vater mit seinem Verdienst rechnete, daß er nun um di« paar Kronen mehr vertrank und daß er sich sogar darauf berief. Und als sich Karl eineL Abends zu schreienden Anklagen hinreißen lieh warf ihn lein Vater, den das Gewissen aufs äußerste peinigte» mit einem Tritt vom Stuhl, indem er zugleich das Esten, daS man ihm vorhielt, mit einer einzigen Armbewegung über ihn hinhieb. Während einer solchen Szene holte das kleine Weib einmal einen Schutzmann in-!e Wohnung. Der Polizist klopst« dem Schaffner, den er vom Dienst auf der Straß« her kannte, auf die Schulter und sagte: machen Sie kein« Dummheiten. Jedenfalls war die Fa< zehn Prozent größer fein als di« zweier anderer Staaten zusammen, nicht durchdrungen war. Die englische Journalistik stellte Betrachtungen darüber an, tor'*-“ Folgen eS hätte, wenn di« Deutschen di« Bank von England in Beschlag nähmen und die afrikanischen Golddi strikt- eroberten; der Alldeutsche Verband und der Deutsch« Nottenverein bewiesen Tag um Tag, daß für das kommende deutsch« Weltreich, von-er Waterkant biS Bagdad, eine der britischen ebenbürtig« Flotte unerläßlich sei. Jedenfalls bante England seine ersten Dreadnoughts und auch Tirpitz beantragte für di« Jahre 1908—1911 je drei Dreadnougths und zwei klein« Kreuzer. England aber tat noch ein übriges. Es betrieb die Einberufung der zweiten Haager Abrüstungs- inw Weltfriedenskonserenz, um dem Ausbau der deutschen Seemacht auch moralisch« Hindernisie in den Weg zu legen. Rußland berief Jswolffi zum Außenminister, der der konsequenteste Feind der Oefterveichisch-ungarischen Monarchie war. und Conrad von Hötzendorf, der österreichische Gene- ralstabschef, fordert« in einer Denkschrift an seinen Kaiser einen Präventivkrieg gegen Italien. Die deutschen Waffenwerke in Karlsruhe ließen durch eine französi'chr Wafsenfdbrik in den Matin. den Figaro und das Echo de Paris Aufsätze über di« Güte und die große Zahl an Maschinengewehren, über di« das französisch« Heer verfügte, lancieren, mit welchen Zeitungsartikeln in der Hand dann ein deutscher Abgeordneter, der .von der Rüstungsindustrie bestellt war, vom Reichstag eine Verbesserung auch der deul'chen tzeeresbewaffnung verlangte und einstimmig zugesprochen erhielt. In dielen Tagen legte der vierzehnjährige Karl Lakner i«'ne Aufnahm«prü- sung am Lehrerseminar ab. Vorher besuchte er leinen Vater in der Trinkerheilanstalt. Mach m r keine Schaichc'agie sein Vater gerührt, dann winkt« er noch lauge vom Gitter. (Forr^tznug folgt.) Nr. 73 Sonntag, 26. Mar; 1933 seue 3 Der Wels“ und die „Nat'hnaie Lrüic&iuig". Daß für jerre Kreise,-:e glaubeir, Geschichte werde mit Fackelzü^en Fiaggenerlässen und allenfalls noch mit Zollerhöhungen gemacht, alles, was sich feit drin 31. Jänner in Deutschland abgespielt hat, Wonne und Waschblau ist, wundert uns keineswegs; und was jene in ihrer Presse und im Rundfunk an FrcudeiVleheul und Schimpforgien auf-ihre wehrlosen Mitmenschen loSlassen. vergleichbar höchstens mit dem Rausch in den Anqust- tagen des Jahres 1914, kann uns, wenn überhaupt, nur als pathologisches Problem interessieren. Für unS ist interessant, was d i« Leute der nationalen Front sagen, die imstande sind, zu' denken; und die gibt cs zweifellos auch in jenem Lager. Die gefährlichsten Kritiker, nämlich die Leute um Otto Strasser und Hauptmann Stennes, die zu lange und zu tief hinter die Kulissen geschaut haben, hat Adolphus Rex rasch zum Scheveigen gebracht. Durch ein Versehen ist das Märzheft-er„Tat" noch nicht verboten war» den; und was feiere jungen National soziali- sie n sagen, ist für die Regierung nicht gerade schmeichelhaft. Dies« Leute sehen di« Idee, für die st« jahrelang gekämpft haben, den nationalen Sozialismus, verraten an eine Clique. Nun hebt sich der Nebel, den der Hakenkreuzfaseismus Äs Oppositionspartei um sich verbreiten konnte, und entsetzt sehen sie da« Gegenteil ihres Ideales: Kapitalismus von klarster Prä- S«NL-' Wir können uns hier nicht in einer Spalte mit der von Marxisten klar abzulehnenden, weil utopistischen Idee des.Deutschen, autoritären Sozialismus" auseinandersetzen. Es genüge die Feststellung, daß sie ihn ernst und ehrlich wollen. Der Führer des Kreises, Ferdinand Fried, widmet der neuen Regierung einen 20 Seiten langen Leitartikel, hinter dessen Titel„Nationaler Sozialismus" er ein großes Fragezeichen setzt. Zuerst werden Hugenberg und sein Anhang, die beiden Staatssekretär« Bang und von Rohr-Demmin hergenommen.„Die Massen blicken vertrauensvoll zu ihrem Führer auf, hinter dessen Gestalt sich aber drohend der Schatten Hugenbergs erhebt." Wird der Generaldirektor von Krupp a. D., der Herr über 200 Millionen Mark, den»/deutschen Sozialismus" einführen? Da lachen die Hühner! Man sucht di« ;Meiße Salbe des Kapitalismus in der Werksgemeinschaft. im Kampfe gegen Gewerkschaften und Tariflöhne". Was will der Arbeiter, Wader Bauer? Jener Arbeit und einen auskömmlichen Lohn, dieser Schutz vor seinen Gläubigern, den Banken, und einen aufnabmSfähigen Absätz- markt. Es leuchtet«in, daß Inefe Probleme nur gemeinsam und nicht etwa durch Schutzzölle gelöst, werden können. Dies sei aber nur, im^deptr' schen Sozialismus" möglich. Solange man aber, wie Hugenberg und sein Kreis, an«ine Wiederherstellung des Kapitalismus denkt... besteht wenig Aussicht auf eine Krisenwende, sondern lediglich die Wahrscheinlichkeit, daß die Ding« langsam so weiterschleppen wie bisher." In dem Kapitel„Sieg des Finanzkapitals?" zitiert Fried entsetzt eine Lobeshymne des großkapitalistischen, Demokratischen"„Berliner Tageblattes" auf den Staatssekretär Bang(„Wir begrüßen es mit Genugtuung... einflußreicher und überzeugter Bundesgenosse... Wir stellen mit Befriedigung fest.. „Um diese Einstellung, um nicht zu sagen, diesen Sieg des Finanzkapitals zu krönen..." und so weiter. Es dämmert? DaS Kapital, das Fried mit wunderbarer Offenheit i« Herrschaft der Wirt- schaftselique" überschreibt, beschäftigt sich mit der Oligarchie des Reichtums und kommt zu dem Schluß, daß di«„WirtschaftSnobilität", jene hauchdünne Schicht, di« einzig und allein ein Interesse an der Erhaltung«S Ausbeutungssystems habe,„bett sonst gar nicht mehr vorhandenen Kapitalismus an dieser Stelle(von den Besitzverhältnissen aus) am zähesten verteidigt". Das wichtigste Bekenntnis ist zweifellos der Satz:„Wie weit wir uns von der Errichtung des deutschen Sozialismus entfernt haben, das wird das Volk hoffentlich nicht zu spät merken." H. W. K. Handels Attischer Streit mit Frankreich. Frankreichs handelspolitisches System in der letzten Zeit bestand darin, daß es den einzelnen Staaten bestimmte Einfuhrkontingente gewährte. Dieses System will aber Frankreich nunmehr durch«in einfaches Zollsystem allerdings mit ziemlich erhöhten Zöllen ersetzen, zu welchem Zwecke die Handelsverträge mtf_ den einzelnen Staaten, in welchen die Zölle für längere Zeit gebunden sind, gekündigt werden. Dieses Vorgehen nennt man Dekonsolidierung der Zölle und auch gegenüber der Tschechoflowakei soll dieses System angewandt werden. Frankreich verlangt nun von der Tschechosiowakei die-Dekonsolidierung der Zölle, d. h. die Aufhebung der Bindungen der Zölle und erst bis dies geschehen ist, will Frankreich über eventuell« Gegenbegun- stigungen, die es der Tschechosiowakei gewähren wrll, verhandeln. Gleichzeitig verlangt Frankreich die Anerkennung seines Vorzugszollvertrages mit Oesterreich, d. h. die Tschechoslowakei soll darauf verzichten, daß ihr Frankreich dieselben Begünstigungen gewähre, wie es si« Oesterreich gewährt hat. Dieses Vorgehen,Frankreichs findet selbst in der franzoscnfrmudlichsten tschechischen Presse scharfe Kritik. Es wird den Franzosen vorgewor- fcn, daß sie von uns die Aufhebung des Vertrages verlangen uiü> erst nachdem das die Tschechoslowakei getan haben wird, Frankreich erst verhandeln will. Dabei soll Frankreich zu erkennen gegeben haben, daß es uns nicht di« Zölle ermäßigen will, sondern, daß es nur die Umsatzsteuer von 6 Prozent, welche von der Einfuhr unserer Waren in Frankreich erhoben wird, herabsetzen will. Bor allem aber finden es di« tschechischen Blätter bedenklich, daß Frankreich vom Meistbegünstigungsprinzip abgeht, was die Gefahr beinhaltet, daß auch Deutschland und Ita lien die Meistbegünstigung aufgegeben und Pra- ferenzverträge mit den mitteleuropäischen Staaten schließen könnten. * Italien will alle ungünstigen Handelsverträge bündigen. Rom, 25. März. In der Debatte über den Voranschlag des Landwirtschaftsministeriums im Senate wurde gestern mitgeteilt, daß die italienische Regierung im Frühjahr alle für Italien ungünstigen Handelsverträge kündigen werde. „tircuclinardicir M Herrn Goering Damit.Herr Goering nicht sagen kann, im Auslände würden Greuelmärchen verbreitet, wollen wir ihm Gelegenheit geben, unser« Meldung zu prüfen, indem wir Ort und Beteiligte angeben. Saarbrücken,.24. März.(Eigenbericht.) Seitdem die von der Reichsregierung in den deutschen Ländern eingesetzten Kommissare di« Polizeiutacht ergriffen haben, herrscht in den meiften Teilen Deutschlands«in nahezu hemmungsloser Terror. In Hessen hat der frühere Assessor Best, der wegen der blutrünstigen Boxheimer Dokument« in ein Hochverratsperfahren verwickelt war, die Polizeigewalt übernommen und Befehle gegeben, daß die Polizei die nationalsozialistischen Schutzstaffeln und Sturmabteilungen unter keinen Umständen behindern dürfe. Was sich unter den Augen der regulären Polizei vollzieht, spottet jeder Beschreibung. Di« nationalsozialistischen Mikitärabteilungen nehmen ohne Rücksicht daraus, ob sie zur Hilfspolizei gehören oder nicht, in ganz Hessen bei allen Personen, di« als Republikaner bekannt sind, Haussuchungen vor, die meistens mit gefährlichen Körperverletzungen und grausamen Mißhandlungen verbunden sind. I« ganz Oberhessen, insbesondere in L i ch und Gedern, wurden die männlichen jüdischen Einwohner auf die Straße gejagt und dort von den Nationalsozialisten mit Gummiknüppeln und Stahlrute« blutig geschlagen. An anderen Orte« mußten Väter und Söhn« sich gegenseitig blutig schlage«. Es herrscht brutalste Willkür. Das Eigentum ist praktisch aufgehoben. In Neu-Isenburg haben die National- sozialtsten ohne Billigung der Polizei, di« aber auch nichts verhindern kann, den Kraftwagen eines jüdischen Kaufmannes„beschlagnahmt", oer nun schon feit Wochen für die Zwecke der Nationalsozialisten benutzt wird. Der Eigentümer ist froh, daß er wenigstens persönlich unbehelligt bleibt und aus der Schutzhaft wieder entlassen worden ist. In Worms wurde der Reichsbannerführer Frank, der schon vor zwei Jahre» aus Dolgesheim entfliehen mußte, von Nationalsozialisten aus dem Bett geholt«nd mit Stahlruten und Gummiknüppel» blutig geschlagen. Dann wurden ihm Hakenkreuz« auf den Handrücken eingeschnitten. Schlietzlick> wurde er totgeschlagen und in einem Stall anfgehängt. Der Kreisarzt stellt ein Zeugnis auf„Selbstmord" aus, und nur dem Dazwischentreten eines Stahlhelmarztes soll es zu verdanke« sein, daß die Wahrheit schließlich bekannt wurde. In Langen wurden zwei Brüder Simon nachts aus dem Bett geholt und derart mit Stahlruten geschlagen, daß dem einen die blanken Rippen bloßgel^t wurden. Er liegt im Krankenhaus. In Neu-Isenburg wurde ein Arbeiter namerrs Döring auf di« Polizeiwache gebrecht und dort von den Nationalsozialisten all- stündlich regelmäßig mit Gummiknüppeln und Stahlruten auf den Rücken geschlagen, so daß beide Lungenflügel gelockert wurden. Der Mann speit seit Tagen Blut aus. verschleppte Betriebsräte. Die Berliner Elektrizitätswerke-AG. sind ein öffentliches Unternehmen. In dem Betriebe gibt cs zwölf Betriebsräte. Diese wurden vor einigen Togen von der SA. verhaftet und entführt. Ihr Aufenthaltsort ist trotz den polizeilichen Nachforschungen unbekannt. Nähere Auskünfte kann Herr Goering von der Berliner Polizei erhalten. Welüflhrt mit Verbrechern In Friedrichshäg«n bei Berlin wurden einige Mitglieder der SPD. und KPD. aus den Wohnungen heraus verhaftet, verprügelt uttd dann in ein Auto geschleppt. Das Ueberfallkom- mando. daS inpvischen von den Angehörigen alarmiert worden war, begab sich in einem Auto nach Friedrichshagen und es setzt« eine Wettfahrt zwischen dem SA- und dem Ueber- fallauto ein. Die Polizei entriß di« Gefangenen mit'Gewalt der SA. Gesinnung wird erpreßt. In Magdeburg war in einem Hotel mehrere Jahre hindurch ein Koch tschechoslowakischer Staatsbürgerschaft beschäftigt. Einig« Tage nach der Etablierung des Fascismus kam sein Hausherr zu ihm und richtete an ihm di« Frage, ob er nicht der Nazipartei beitreten wollt«. Als überzeugter Sozialdemokrat wies er diese Zumutung zurück. Als Antwort erhielt er prompt folgendes amtlichesSchrift stück: Der Regierungspräsident I. 5. St. Dr. 333 M Magdeburg, den 6. März 4933. Domplatz 3. Auf Grund d«S 8 40, Ms. 2, der LuSländer- polizeiverordunng vom 27. April 1232(G. S. S. 179) weise ich Sie gemäß 8 2 der Paßstrafverordnung vom 6. April 1923 aus dem deutschen Reichsgebiet auS und ordne Ihre Abschiebung mittels SammeliranSportS nach der Dschechosiovakei an. Sollte« Sie ohne Erlaubnis in das deutsch« Reichsgebiet zurückkehren, haben Si« auf Grund des§ 361, Zifs. 2, des Reichsstrafgesetzbuchs Haftstrafe bis zu 6 Wochen zu gewärtigen. Gegen d'ese Verfügung steht Ihnen bnnen 2 Wochen nach Zustellung gemäß§§ 41 und 42 der AuSländerpolizeiverordnung das Recht der Beschwerde bei dem Herrn Oberpräsidenten in Magdeburg zu. Im Auftrage: gez. Dr. Stier. Beglaubigt: Hoppe, Kanzkelangestellte. Es handelt sich dabei um einen Mann deutscher Nationalität und da in dem amtlichen Ilkas von.Sammeltransporten" di« Rede ist, um Ausweisungen größeren Umfanges. Hingegen aber 'ollen in den SA.-Formationen eine ganze Anzahl junger Nazis aus der Tschechoslowakei eingeteilt sein. Der Blutstrom in Deutschland. was Augenzeugen berichten. Saarbrücken, 24. März(Eigenbericht): Der Vorsitzende des Betriebsrates einer der größten Betriebe Berlins wurde an einem Vormittag gegen 5.30 Uhr von SA. und SS. aus seinem Bette herausgeholt und»»nächst in eine Nazikneipe geschafft. Dort wurde er verhört und nach eine, unbarmherzigen Verprügelung in «ine der berüchtigten Nazikasernen in der Friedrichstraße Nr. 234 gebracht. Dort wurde er gezwungen, eine Flasche Rhizinusöl zu trinke». Dan« wurde ihm verwehrt, die Toilette aufzusuchen. Auf fein« heftigen Proteste wurde er später entlassen. AIS sich di« Gewerkschaften mit diesem Fall befaßten, und beim Polizeipräsidium energischen Protest einlegten, wurde«in« Abtellung Schupo in die Friedrichsstraße 234 beordert und konnte dort 150 von den Nazis verhaftete SPD.- und KPD.-Funktionäre befreien bezw. in Schutzhaft überführen. Ein Student, der einer marxistischen Studentenorganisation angehört hatte, wurde ebenfalls in aller Frühe aus seiner Wohnung gezerrt und in der Hedemannstraße Nr. 5, dort wo der deutsche Minister für Provaganda, Herr.Dr. Goebbels, noch damals sein Quartier hatte, von den Banditen derart zerschlagen, daß er sich nach feiner Entlassung nur kriechend zum nä ssten Arzt fvoller div Bildnisse MS Stabsfuhrers v. Arnim und des Gruppenführers Graf Hell^rf. Im Ävigen ist die Zeitung(die in einer Auflage von■ 100.000 Exem- fotocen erscheint!) gefüllt mll historisch-astrologi- schen Studien, so über Kurfürst August d.n zStarkvn und hie Frauen" und über die Münchener Räterepublik(„Bolschewismus ohne Maske") ,und ähnlichen.geistreichen" Dingen. Das ganze Machwerk dient unverhüllt der Hitlerbclvegung. Lick» wer sst Hanussen? Niemand an- dever chs jener tschechische Jude Ian Dtei«schneider Es Proßnitz in Mäh- f Tc n, der durch seinen Hokuspokus seinerzeit auch H» der Tschechoslowakei unliebsames Äufsehen erregte und desseu Prozeß in Lertmevitz noch in Erinnerung ist. So hat also der Oberhäuptling der nordisch- gemnanischen Edelrasse einen tschechischen Juden ch seinem Astrologen! Das heißt man ein Geschäft! Sv wi» weiland Graf Waldstein (WoLenstem) seinen Astrologen Sem hatte, der ihm allerdings zum Schluß em ungünstiges Horoskop stellte, hat mm Hitler dex Große lei- nxn Spezialostrolr^en, eben den tschechischen Juden Harmsien-Stcinschn^ider. Der(lerne Unterschied ist nur der,. daß Hanussen wahrscheinlich nur indirekt, aus eigene Faust, aus Gcschäfts- intcresse.Hitler dient und ihm alles Gute verkündet, während.Semi direkt im Dienste seines Herrn und Gebieters stand. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden: der tschechische Jude Steinschw.'ider- Hanussen als Hofastrolog Hitlers Und seiner Führer. Am Ende kriegt. er gar noch sine Professur oder ähnliche her- Vorvaaöndc öffentliche Stellung im„Dritten Reich"?! Verdient hätte er sich das unzweifelhaft fcfjMt jetzt... Räuber in Uniform. Bon führenden nationalsozialistischen Kreist» wird jetzt der Versuch gemocht, di« geschehenen Terrorakte abzustreiten und die SA- und SS- Formationen als unfchuldsvolle Engelgruppen rrinzuwascheir. Demgegenüber mögen einige Tatsachen zum Beweis für die Behauptung dienen, daß sich in den„Röhmer"garden Landsknechte der dreijährigen Krise rusam mengefunden haben, für deren Methoden allenfalls bei den Landsknechten des Dreißigjährigen Krieges Vorbilder in der deutschen Geschichte gefunden Werden können. • Bei dem Ueberfall beispielsweise, der auf das „Vorwärts"-Gebäude stitens der sogenannten „Hllfspylizei" veranstaltet wurde, ist nicht nur, wie bereits bekannt, der binzutretende Abgeordnete Paul Hertz, obwohl er sich mit seinem Abgeordnetenausweis legitimierte, in der brutalsten Weise geschüttelt, gestoßen und gewürgt worden, sondern man ist auch nicht einmal davor zu- rülkgefchreckt, den Hausschuh des Reichsbanners unter groben Bedrohungen zu zwingen, sich seiner Jacken zu entledigen, um dann vom Feuerzeug angefanchn bis zu den 300 Mark Unterstützung, die diesen Arbeitslosen insgesamt gewährt worden sind, alles zu st e b l e n. Ein anderes Beispiel: Am Montag nach dem .Wahltage erschienen bei verschiede»«» Konfektionsfirmen am Hausvogteiplatz die„aufbauwilligen" Kräfte, um von den verängstigten Ge- fchäftsnchabern durch Drohungen Betrage von 20 bis 50 Mark zu erpressen.. Erst als sie auf «inen beherzten Mann stieße»», der einem von ihnen den in Gestalt eines Revolvers gezückte»» Sammcklausweis entwand und das Uebersalls- kommando alarmierte, konnte cs gelingen, di« Helden des dritten Reiches von ihrer Beutearbeit abzubringen. ME könnte in dem gleichen Zusammenhang auf die Füll« nächtlicher Ueberfäll«, Wohnungszerstörungen. Auspeitschungen, Verschleppungen und Morde Hinweisen, darauf auch, wi« in der Kastrne in der Friesenstraße die Gesänge»»«» im Morast mit aufgeschnürten Stiefeln unter Peit- fcherchieben Laufschritt üben, das Vaterunser beten und ähnliche„Erziehungsmaßnahmen" seitens der SA erdulde»» mußten. Menschen auf der Straße wurden zu Boden geschleudert. Ein Pferd wurde durch den Luftdruck auf der Straße getötet. Die Straße bietet einen trostlosen Anblick, da überall Trümmer umherliegen. Rettungsmannschafteil der Feuerwehr und der Sanitätskolonne sind dabei, die Trümmer abzuräumen und nach Verletzten oder Opfern der ExPlosionÄatastrophe zu suchen. Es wird angenommen, daß die Explosion durch Gas entstanden ist, das im Laufe der Nacht ausströmtc und heute früh zur Explosion gelEgte. Ei« rauchender Trümmerhaufen. Neber die Explosion berichtet ein Augenzeuge: Gegen 7 Uhr 50 Minuten befand ich Tagesneuigkeiten Ein Prager Rechtsanwalt «ege« Beamtenbestechnnq verhaftet. Wi« das Abendblatt der„R. L." meldet, wurde Freitag der Prager Advokat Dr. E. Hermann nach einem sechsstüntngen Verhör wegen des Verdachtes verhaftet, Beamt« durch Bestechungen zum Mißbrauch der Amtsgewalt verleitet zu haben. Di« R«visionsabtoilumg das Finanzministeriums soll fest einiger Zeit beobachtet haben, daß der Inhalt wichtiger Akten, welche Strafverfahren in Steuerangelegenheiten betrafen, dem Interessenten betraten wurden. Durch die omgeleitete Untersuchung wurde festgestellt, daß es in der Regel Klienten Dr. Hermanns waren. Die Prager Polizei verhaftete nuirmehr zwei Beamte der Registratur, welche gestanden, die Akten dem Rechtsanwalt zur Einsicht übergeben und nachher stets wieder auf ihren Platz zu rückgeb mcht zu haben. Für diese Dienste hatte»» sie in den eingÄnen Fällen 100 bis 300 Kronen erhalten. Was geht in Triebsch vor? Eine agrarische Mustergemeinde. Triebsch ist eine ziemlich große Landgemeinde im Bezirke Leitmeritz, die von den Land- büudlern beherrscht wird. Der langjährige Gemeindevorsteher ist der in der näheren Oeffeill- lichkeit wohlbekannte Herr Joses K l i n g o h r, ein wütender Hasser der Roter». Unsere.Genossen Kleinlandwirte führen mit ihm und seinen Parteifreunden«inen schweren Kampf. Nun scheint es, als ob für Herrn Kling- ohr unangenehme Tage angebrochen wären. Am 21. März mittags erschien nämlich Herr Oberrat Svoboda von der Politischen Bezirksverwal- tung in Leitmeritz mit dem Rechnungsadjunkten H a s e l b a u e r unter Gendarrneriebedeckung in Triebsch am Gemeindeamt. Es wurden die Ge- meinderät« herangeholt und mit ihnen Protokolle ausgenommen; der Herr Vorsteher wurde scharf verhört und seine Aussagen gleichfalls protokolliert. Nach Verfassung der Protokolle wurden die Genwinderäte heimgcschickt, die Amtshandlungen dauerten jedoch im Beisein des Gemeinderechnungsführers bis 7 Uhr abends. Sodann wurden die vorhandenen Rechmrngsbücher verpackt und nach Leitmeritz mitgenommen, wo sie, soweit als möglich überprüft werden. Die Vorgeschichte dieses Aufsehen erregenden Aktes ist folgende. In einer im Jänner d. I. stattgefundenen Gemeindevertretersitzung wurde ststens unserer Fraktion u. a. die Wahl eines Gerne i'nderechnungsführers und aus bestimmten Gründen die Durchstihrung einer b e- hordlichen Ueberprüfung der Gemeinderechnung beantragt. Trotz Einwendungen der Mehrheit wurde die Wahl eines Rechnungsführers durchacsetzt.(Bisher besorgte Vorsteher Klingohr selbst alle Rechnungsarbeiten.) Was die behördliche Kontrolle anbelangt, er- llärte der Herr Vorsteher, daß er eben von der Bezirksbchörde komme, wo die Gemeindcrechnung bereits geprüft worden sei. Deshalb wurde der betreffende Antrag zurückgezogen. Nachher stellte sich bei einer Rückfrage bei der Bezirksbehörde heraus, daß der Herr Vorsteher die— Unwahrheit gesprochen hatte. Unsere Genossen forderten'hierauf schriftlich die Uebergabe der Rechnungsakten an den neuen Rechnungsführer bis zum 14. Feber 1933. Am 12. Feber abends fand der Feuerwehrball statt, zu dem Herr Klingohr erst um 10 Uhr abends erschien. Kurze Zeit später brachte sein Sohn die verblüffende Nachricht, daß im Hause Klingohrs, wo sich die Genwindekanzlei befindet, eingebrochen wurde. Außer 36 X wurde auch— ausgerechnet— das Gerne indcrech- nungsbuch mitgenommen. Kleider und andere Wertsachen blieben völlig unberührt. Nach der«inen Version sollte das erwähnte Rechnungsbuch offen auf dem Tische gelegen sein, nach einer Ederen war es in der gestohlenen Kassette. Am 19. Feber wollten unsere Genossen in die Ge- meindegebarung bis 1925 Einsicht nehmen, wobei chnen Herr Vorsteher Klingohr erklärte, daß mich in der Kampstraßc, als ich Plötzlich einen lauten Knall hörte und im gleichen Augenblick durch den Luftdruck gegen eine Wand gedrückt wurde. Im selben Aitpunkt sah ich auch schon, wie das Haus des Photographen Lorenz in sich zusamwenstürztc und nur noch ein großer rauchender Trümmerhaufen übrigblieb. Wenige Minuten später kamen Polizei, Feuerwehr und Tanitätskolonnen herbei und begannen mit der Durchsuchung der Trümmer. Man fand die im Obergeschoß wohnende Frau Meinert mit ihrer Schwester schwerverletzt unter den Trümmern und brachte sie und einen etwa dreißigjährigen Mann ins Krankenhaus. Wenig später fand man zwei Leichen, vermutlich die Frau Lorenz und den Photographen Loreriz. von dem eigenartigen Diebe auch sämtliche Belege gestohlen worden seien. Das und noch manch anderes zwang unsere Genossen, bei der Bczirksbehörde in Leitnteritz die behördliche Revision durchzusctzcn. Diese ist am 21. d. M. erfolgt. Gegen Klingohr wurde die Strafanzeige erstattet. Auf den Ausgang der interessanten Affäre ist man im ganzen Bezirk natürlicherweise sehr gespaimt. Raubmord um 60 Krone» Vor den Augen ter Frau erdrosselt! Mähr.-OftrE, 25. März. Am Samstag um 1 Uhr nachts wurde in Peterswald im Hult- schiner Gebiet ein verwegener Raubüberfall durchgeführt. Bier unbekannte Männer drangen in die Wohnung des 64jährigen Landwirtes Jakob Rozehnal ein, wo sic Geld vermuteten, Sie überwäligten Rozehnal, ter sich aus einen ter Einbrecher gestürzt hatte, banden ihn mit Stricken, schnürten ihn mit einem Riemen den Hals zu und warfen ihn auf das Bett. Darm durchsuchten sie die ganze Wohnung, fanden jedoch nur 60 K. Die Gattin mußte wehrlos dem Treiben der Männer zusehen. Als die Unholde den gefesselten Rozehnal nicht mehr atmen hörten, begossen sie ihn mit Wässer, nm ihn in» Läen zurückzurufen, doch war Rozehnal bereits tot. Darauf ergriffen die Märmer die Flucht. FrE Rozehnal alarmierte dann die Gerwarmerie und einen Arzt, der bei ihrem Gatten den bereits eingetretenen Tod durch Erwürgen feststellte. Die Polizeidirektion in Mahr.-Ostrau hat sofort die Nachsorschungei» nach den Tatern a»rfgenomm«n. lleber 32.006 neue Stadtwohnungeu im Vorjahre. Die vorläufigen Ergebnisse der Erhebung, die dos Statistische Staatsamt in Men größeren StädtM über die Bautätigkeit durchführt, bestätigen die gehegt« Erwartung, daß die Bautätig- telt im Jahre 1932 den Urnsang der Bautätigkeit im Jahve 1931 und 1930— und hinsichtlich. der Wohnungszmrahme sogar das Jahr 1929, in dem der Rückgang der Bautätigkeit begonnen ha«,— übersteigt. In den 71 größeren Städten, aus denen bisher Meldungen eingegEgen sind, tourten im Vorjahre 6970 Neubauten kollauidiert, d. i. fast ein Drittel mehr als im Jahr« 1931 (5491) und etwas tomiger(—8 Prozent) als im Jahre 1929. Auch Umbauten wmten mehr duvchgeführt, näntlich 2928(i. I. 1931: 2661), doch rst die Zurrahme nicht bedeutend; dagegen zeugt die um die HÄfte gestiegene Zahl(326) ter Bewilligungen zum Abtragen alter Bauten in ter nmeren Stadt(i. I. 1931: 205) von einer Belebung der. Bautätigkeit. Im Sinne des Gesetzes iiiter die Bautätrgkeit wird die Baufläche besftr ausgenützt, indem ein« möglichst große Zahl von Klein st Wohnungen erbaut wird, so daß trotz der Kernet®» Zahl der Neubauten die Zahl der neue»» Wohnungen(32.117) höher ist Äs in jedem der drei vothergogE- getten Jahre und sich ter bisherigen Höchstzahl von 36.459 i. I. 1928 nähert. Da durch Abtragungen und Zubauten sich die Zahl ter Woh- rmugen um 1359 Vevvrngert hat, beträgt dr« reine Wohnungszunahme für das Jahr 1932 in den genannten Städten 30.758, gegenüber 28.147 i. I. 1931, 22.117 i. I. 1930, 25.934 i. I. 1929 und 34.318 i. I. 1928. Gastod eiaer Familie. Mannheim, 25. März. Der 64 Jahre alte Maschinist Berngard Finke, seine Ehefrau und seine dreizehn Jahre alte Tochter tourten in ihrer Wohnung durch Gas vergift,et tot aus- gefunden. Ein« zehnjährige Tochter gab noch Lebenszeichen von sich; sie wurde ins Krankenhaus gebracht. Aus hinterlassenen Briefen geht hervor, daß die Familie aus wirtschaftlichen und gesutlichetlichen Gründen Selbstmord verübt hat. Zwei Flugzeuge zusammeugestotzeu Madrid, 25. März. In ter Provinz Ponte- vedra stießen gestern zwei Wasserflugzeuge der britischen Flugzeugkadrille während des Fluges zusammen. Zwei britische Offiziere fanden den Tod. „GrStzere Spende" für die SA. Bor einigen Tagen kam ein Trupp SA- Kerle in eine Konsumvereinsfiliale in einem Borort Dresdens und verlangte von dem Lagerhalter eine„größere Spende" für die SA. Natürlich weigert« sich der Lagerhalter diesem Erpressungsvcrsuch nachzukommen. Frech drangen die Bursche»» in den Laden ein und riefen telephonisch ihren„Staltdartenführer" an. Als sich der Lagerhalter auch weiterhin weigerte, ihnen Geld zu geben, wollten sie ihn mit- nehmen. Mittlerweile war ater die regulär« Polizei alarmiert worden, die sich den Erpressern ent- gegenstellte. Nach Aufnahme eines Protokolls wurde ter Lagerhalter freigelassen. Natürlich haben die braunen Räuber keine Strafe zu fürchten. Minister für sozial« Fürsorge Dr. Czech cnrp- sängt am Dienstag, den 28. ds., keine Besuch«. Günstiger Abschluß ter Prager Frühjahrsmesse. Obzwar eine MeflebilEz aufzustellen, zur Zeit noch nicht nwglich ist, fo kann doch über den MessaierlEf auf Grund der Sektionsberichte, der Mitteilungen ter Aussteller, des Gesamteindruckes mid tes Auslandsbesuches in Umrissen ein grundsätzliches Urteil gefällt werden: Der Verlauf der Messe war sehr zufriedenstellend und die Mehrzahl der Aussteller sahen ihr« Erwartungen übertroffen. Natuvgeinäß melden sich auch toeniger zufriedene Teilnehmer, doch herrschte in ter Mehrzahl der Stände optimistische Beurteilung vor und nta gab auch offen zu, daß eine Nichtbeteiligung an der Messe nicht nur einen fühlbaren Abgang ,an Aufträgen zur Folge gehabt hatte, sondern vor allem auch es ohne Messe schwerer gewesen wäre, am Markte zu bleiben. Auf der Messe waren gegen 500.000 Besucher Ewosend. Soldatenselbstmord. Airs Homenna wird berichtet: Robert W a n z Y c s e k, Soldat tes Jnf.- Rgts. Nr. 20,«in Schlesier, von Beruf Beizg- mann, hat sich in ter Nacht auf Freltag erschossen. Er hat den Lauf tes Dienstgewehres in den Mund gesteckt und abgedrückt. Der Kopf toar bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Die Ursache des Selbstmordes sst unbekannt.. Zugsunfall bei KaschE. Samstag früh um 4 Uhr 55 stieß aus der tÄnsahrtswöiche Nr. 1 in KostÄknch bei Kaschau ter einfahrsnte Perscmen- zug Nr. 615 mit einem Teil teS Verschiebenten Lastzuges Nr. 690 zusaimmsn. Die Lokomotive und ein Wogen des Perscmenzuges sowie zwei Waggon des verfchicdenten Teiles entgleisten. Ein Reisender und ein Eiserlbahnangestellter wurden leicht vorletzt. Die Strecke sst verlegt. Der Personenverkehr wird durch Umsteigon auf- rcchtevhalten. Sonntags-Rückfahrkarten während der Öfter« seiertage. Für die heurigen Osterfeiertage werden von den Staats bahnen die Frssten für tee Sonntags- und Feterta^Rückfahrkarten zu ermäßigtem Preise in der Wesse verlängert, daß die Fahrkarten für die Hinfahrt, die am 8. oder 9. April gekauft wurden, bis Dienstag, den 18. April gelten; in der Osterwoche salbst weiden die Rückfahrkarten bereits ab Donnerstag, den 13. April bis Montag, den 17. April, ausgeye- ben. Die Rückfahrt muß in beiden Fällen spätestens am Dienstag, den 18. April, nm 12 Uhr vornrittags angetreten werden. Vom Rundfunk Empfehlenswertes ans Den Programmen. Montag. Prag: 6.16: Gymnastik. 11: Schakliplatten. 17: Kinderstnnde. 18.26: Deutsche Sendung: Braun: Di« Kunst des Porträts. 30.40: Biolon cello-Konzeit. 21.08: Wasmusik.— Brüim: 18.25: Deutsche Sendung:' Französisch. 19.25: Kabarett. 20.40: Blasmusik. 21.15: Konzert.— Mähr- Ostrau: 12 30: Orchesterkonzert. 18.30: Deutsche Sendung: Rezitationen aus Grillparzers„Li- busa".— Königsberg: 19; Deutsche Barocklieder.— Leidig: 19: Unterhaltungskonzert.— München: 19: Blasmusik. 20.20: Neunte Symphonie von Beethoven.— Wien: 20: Volkstümliches Konzert. 21: Deutsche Meister. Dienstag. Prag: 8.15: Gymnastik. 11: Schallplatten. 18.25: Deutsche Sendung: Der Frühling im Lied. 19.10: Konzert, A: Lautenquartett. 22.15: Zcitgenös seiche Musik.— Brünn: 12.30: Orchastertonzert 18.35: Deutsch« Sendung Blumen im Heim. 19.30: Konzert.— Berlin: 19.35: Orchesterkonzert.!— Breslau: 18.35: Deutsche Musik.— Mühlacker: 20: Dichter, die wir kennen sollen— Hamburg: 22.30: Berliner Streichquartett.— Königsberg: 20.10: Operetten-Querschnitt.— Leipzig: 19.10: Künsüer- fahrten in die Welt.— München: 21.10: Lauten- musik um 1600.— Wien: 20: Di« Brüder Strauß. Ar. 73 Sonntag, 26. Mkrz 1838 Seite 5 Selbstmord eine- Wiener Großindustriellen. Am Freilag hat der bekannte Wiener Großindustrielle Josef Karl Pflanzer Selbstmord verübt. Pflanzer, der Inhaber der größten österreichischen Fußboden-, Fenster- und Türenfabrik, wurde in seinem Privatburcau mit einem Schuß in die Schläfe tot anfgefunden. Er bat den Selbstmord wegen Geschäfts- und Geidschwierigkciten verübt. Rjassanow gestorben. Wie der„Populair" berichtet, ist in Saratow D. B. Rjassanow, der bedeutende russische marxisti'che Theoretiker, gestorben. Rjassanow war 1860 geboren worden und schon seit 1877 in der revolutionären Bewegung tätig. Bereits vor dem Welstr ege war er einer der besten Kenner der marxistischen Literatur und der Geschichte des wissenschaftlichen Sozialismus. Er hat 1919 das Archiv der kommunistischen Partei Rußlands gegründet und 1920 das große Marx-Engels-Jnstitut in Moskau organisiert. 1931 fiel e. in Ungnade und"wurde aus der kommunistischen Partei ausgeschlossen. Er lebte seither in der Verbannung. Sein Tod bedeutet für den wissenschaftlichen Marxismus einen schweren Verlust. Tod in den Flammen. In einer der städtischen Notwohnungen bei Frankfurt am Main, die vorwiegend aus Holz gebaut sind, brach heute vormittags Feuer aus. Der Brand breitete sich mit großer Schnelligkeit über die ganze Baracke aus, so daß bereits beim Eintreten der Feuerwehr bobe Feueraarben aus dem Dache schassen. Ein 17jäbriges Mädchen, das in der Wohnung schlief, ist in den Flammen u m gekommen. Sie probieren's im Kleinen. Wie uns aus W e i p e r t gemeldet wird, wurde bei dem am Gebäude der Arbcitsvermittlungsstelle befindlichen Aushongkasten der sozialdemokratischen Lokalorganisation, in welchem die Parteipresse angeschlagen wird, das Einfassungsglas während oer Nacht zertrümmert und di« ausgehängten Zeitungen abgerissen. Die Tater sind unbekannt. 19 Verletzte bei einem Eisenbahnunfall. Sittern im Pendelverkehr zwischen Lüttich und BervierS dienenden Personenzug fuhr auf dem Bahnhof Berviers-Mitt ll eine Rangierlokomotive in die Flanke. 19 Reisende sind mehr oder weniger schwer verletzt worden. Der Materialschaden ist bedeutend. Die Einheitsfront in der Schweiz Dre kommunistischen Zeitungen rn der Tschechoslowakei schreiben, daß die joztaldemokra- tische Partei der Schweiz den Aufruf der Kommunistischen Partei der Schweiz abgelehnt habe, so daß die Meinung aufkommen muß, daß die Sozialdemokraten der Schweiz die Herstellung einer einheitlichen"KäMPfftont überhaupt nicht wollen. In Wirklichkeit verhall sich die Sache dpch ein wenig ander-: Die Kommunisten der Schweiz haben, sowie chre Parteigenoffen in anderen Slaarsn, nicht vielleicht zuerst den Versuch unternommen, sich mit den Sozialdemokraten zusammenzusetzen, um die Grundlagen für eine gemeinsame Kampffront zu erarbeiten, sondern hier ganz einfach an die schweizerische Partei die Anfrage gestellt, oh man damit einverstanden sei, daß Kommunisten und Sozialdemokraten in den Betrieben. und Werkstätten, auf den Bau- und Stempelstellen, wie auch in den Getverkschafren sofort die Organisierung und Durchführung dr Abwehr gegen die Angriffe der Reaktion in die Wege leiten. Diese Methode, die Einheitsfront herzustellen, mußte von den Sozialdemokraten abgelehnt werden,»veil die Kommunisten der Schweiz so unbedeutend sind, daß ihnen von Haus aus jede Berechtigung fehlt, di« Bedingungen für die Einheitsfront festzulegen. Die Kommunistische Partei der Schweiz hatte im Jahre 1922 13.441 Wähler hinter sich, die Sozialdemokratie 167.000, im Jahre 1931 zählten die Kommunisten 12.778 Wähler, di« Sozialdemokraten 248.000. Diese Entwicklung allein zeigt, wie unbedeutend di« Kommunisten in der Schweiz sind und sieht man erst die zahlenmäßige Ueberlegenheit der Sozialdemokratie, oann findet man die Haltung der Sozialdemokratie verständlich. Der Vorstand der sozialdemokratischen Partei der Schweiz hak deshalb und in Anbetracht der bisherigen Kamp» fesweise des K. P. S., die sie meist mehr an Seite der Reaktion, denn in die Nähe der Soztaldemo- kraten führte, den Komnmnisten das moralische Recht, Bedingungen zu stellen, abgesprochen und als Massenpartei der kommunistischen Partei folgende Frage vorgelegt: „Denn rhr die Einheitsfront ivollr, seid chr bereit, sofort einen Waffenstillstand oder einen Nichtangriffspakt zu schließen, so wie->hn das kommunistische Rußland selbst mit den kapitalistischen Staaten abgeschlossen har? Und icid Ihr ehrlich bereit, diesen Pakt zu halten? Wenn unter dieser Bormsseyung eine Kampf-" gemeinschaft zustandekommi. seid ihr bereit, euch gemäß den Grundsätze»' der orolerariichen Demokratie dem Mehrheitswillen der an dreier Kampf." gemein^chakr beteiligten Arbeiter und ihrer Orga nisatron zu unterziehen und eure Svnderdestrebun- geu dem Gebot der vrolet'rischen Solidarität nn- terzuorduen?" und iagr weiter-..Werden diese beiden Fragen ehrlich Mit einem Ja deanlwortet, dann ist Ser Ze uv unkt gekommen, da man ernst- Hai! Miieinander über Forderungen und Kampf» Mittel', reden kann, Solange diese beiden Fragen nichi vorbrhalrslos beaniworret ssnd. solange die Kommunistische Partei' der Schweiz ihre aktive Spaltungspolitik in der Arbeiterbewegung und chre aktive Unterstützung der bürgerlichen Reaktion durch den Kampf gegen die sozialdemokratischen Arbeitermasjen und Gewerkschaften nicht auf- Seen, die sich selber heizen Wunder do* modernen TedinlK.- Nachtstrom erwärmt Schwimmbassins.- Beheizte Sporlpiatz-Tribünen. Von Theo Siegel. Es ist ein wichtiges Ziel der modernen Gesundheitspflege, der heutigen Menschheit eine möglichst ausgedehnte Gelegenheit zum Freilustsport zu geben. In der Erstrebung dieses Ziels bieten die klimatischen Gegebenheiten vielfach ernste Hemmnisse. Die Natur willfahrt den Wünschen des Menschen nur in begrenztem Maß: sie bietet die Kälte zum Freiluft-Eislaufen, sie gewährt die Wärme zum Freiluft-Schwimmbad nur an wenigen Wochen im Jahr. Wo sie versagt, beginnt die Technik mehr und mehr nachzuhelfen, sie schafft Freiluft-Kunsteisbahnen, die von den Launen des Wetters ziemlich unabhängig sind, sie wärmt Schwimmbassins künstlich an, um der wafferfreudrgen Menschheit auch an kühlen Tagen die Ausübung des Schwimmsports zu ermöglichen. Derkrtige künstlich beheizte Freiluftschwimmbäder verdienen auch rein technisch lebhafte Beachtung, weil sie zum großen Teil mit der modernsten Beheizungsart, die wir kennen, mit der Beheizung durch elektrischen Strom ausgestattet sind. Die Elektrowärme bringt einen gerade für diese Zwecke entscheidenden Vorteil mit sich: sie ist völlig unbelastet von allen unhyaienischen Nebenwirkungen, mit denen andere Beheizungsarten behaftet sind, sie ist frei von Rauch, Flugstaub, Aschebildung und Abgasen und daher für den Freiluftsport ganz besonders geeignet. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht liegen die Dinge günstig; man kann meistens Nachtstrom benutzen, den die Werke insbesondere im Sommer, wenn der Stromabsatz an sich geringer ist und die Wasserkraftwerke einen Äasserüberschu^ zur Verfügung haben, billig abgeben. Damit tragt das elektrisch beheizte Schwimmbad, zugleich zur Verbesserung der Gesamtwirtschaftlichkeil der Krafterzeugung bei. Oesterreich verfügt über zwei elektrisch beheizte Freilust-Schwimmbäder, beide in Wien, von denen eines sogar 3300 Kubikmeter Schwimmbassin-Inhalt aufweist. In beiden Anlagen wird das Wasser ständig filtriert und entkeimt; während der Ngchtstunden leitet man es durch elektrische Durchlauferhitzer, in denen es so weit auf- gchelzt wird, daß das Schwimmbaffin auch an kühlen Tagen 20 bis 22 Grad warm ist. Die Schweiz verfügt über mehrere Anlagen dieser Art. Bei Boschiavo(Graubünden) befindet sich im Stausee deS Kraftwerkes Brusio in 1000 Meter Höhe S. M. ein Schwimmbad, deffen Waffer elektrisch beheizt wird. Man pumpt dazu während der Nacht einen gewissen Teil des Was- fers durch elektrische Durchlauferhitzer und speichert ihn dann mit 95 Grad in einem Warm- wasserspeicher; am Morgen, vor Badbeginn, läßt man das heiße Waffer in das Schwimmbecken einfließen, dessen Wafferinhalt es auf 20 bis 22 Grad erwärmt. In ähnlicher Weise arbeitet ein Schwimmbad in Klosters im Prättigau (Graubunden). Hier ist ein 2000 Kubikmeter fassender Teil von dem fast 100.000 Kubikmeter fassenden Stausee des Kraftwerkes Küblis durch eine dicht unter der Wasserfläche endende Mauer abgetrennt. Aus diesem Schwimmbecken wird während der Nacht Wasser abgepumpt und durch elektrisch beheizte Durchlauferhitzer geleitet. Dadurch kann man die Waffertemperatur des in 1200 Meter ü. M. gelegenen BadeS im Sommer ständig auf 22 bis 23 Grad halten. Da hier eine Verbindung dcS Schwimmbeckens mit dem See besteht, erwärmt sich die Oberfläche des ganzen Sees um nahezu 2 Grad. In den beiden genannten Fällen ist es das Stauwaffer der Kraftwerke(bzw. ein Teil davon), das durch den Strom, der m diesen Kraftwerken erzeugt wird, geheizt wird. Man kann also mit Recht davon sprechen, daß diese Seen sich selber Heizen. Bis zu beträchtlichen Höhenlagen finden wir derartige elektrische beheizte Schwimmbäder. DaS Kurhaus Castell in Zuoz verfügt über ein 500 Kubikmeter fassendes Schwimmbassin, welches das vom Piz Kesch herunterkommende kalte Wasser aufnimmt. Durch elektrische Durchlauferhitzer wird dieses Wasser während der Nacht angewärmt, so daß es möglich ist, auch dieses in 1800 Meter Höhe ü. M. gelegene Bad ständig auf 19 bis 20 Grad zu halten. Aber nicht nur dem ausübenden Sportler kommt die Elektrowärme zugute, auch dem Zuschauer winterlicher Sportveranstaltungen laßt man sie zuteil werden. Ein hübsches Beispiel dafür ist die Freilust-Kunsteisbahn am Dolder in Zürich. Hier zeigt die Elektrizität ihre ganze Vielseitigkeit; sie dient nicht nur zur künstlichen Erzeugung der Eislauffläche, sondern auch zur Beheizung der für etwa 700 bis 800 Personen eingerichteten Tribüne. Man bat hier Heizkabel, wie sie von der elektrischen Bodenheizung(Treib- Hausheizung) her bekannt sind, vor den Sitzreihen verlegt und sie durch Platten abgebeckt. Drele „Heizstreifen" vor jeder Sitzreihe werden 25 bis 30 Grad warm, sie ermöglichen also den Tribünenbesuchern selbst bei niedrigen Außentemperaturen einen angenehmen Aufenthalt. gibt, fehlt die grundlegende Voraussetzung für eine Kampfgemeinschaft. mit der Konnmznistifchen Partei der Schweiz." Von einer Ablehnung deS Einheitsfrontanbotes durch die Sozialdemokratie der Schweiz ist also keine Rebe, sondern im Gegenteil, diese ist bemüht, alle Sicherungen für eine dem Abwehr- mW Angriffskampfe dienende Front der Arbeiterschaft herzustellen und es liegt nun bei den Kommunisten, burch Bejahung der ihnen von den Sozialdemokraten vorgelegten Fragen die Einheitsfront zu verwirklichen. M MMt Der SÜMMtm. Steuerbefreiunfl. Frage: Für welche Zeit und für welche Objekte gelten die Steuererleichterungen? Antwort: Nach 8 184 des Steuergesetzes Nr. 76/1927 wird für Bauten, welche nach dem 31. Dezember 1926 begonnen worden sind, die zeitweise Befreiung von der HauszinSsteuer und den Zuschlägen bewilligt, und zwar: a) Für Neubauten, b) für Zubauten, c) Aufbauten, d) vollkommene Umbauten, e) teilweise Umbauten. Nach 8 135 des SteuergesetzeS bezieht sich die > teilweise Steuerbefreiung für die Zeit von der Vollendung des Banes zum nachfolgenden Kalenderviertellahre und von da an auf sechs Jahre. Nach§ 186 des Steuergesetzes gebührt Häusern mit Kleinwohnungen und kleinen Betriebsstätten, welche purch Neubau oder vollkommenen Umbau errichtet worden sind, die Besremng von der Hauszinssteuer und allen Zuschlägen vom Zeitpunkte der Beendung des Baues bis zum künftigen Kalenderüier- teljahre und von da ab auf 12 Jahre. Als Häuser mit Kleinwohnungen und kleinen Betriebsstätten sind solche Bauten anzusehen, in venen von der Gesamtsumme der bewohnbaren Fuß- bodcnfläche und der Fußbodenfläche, welche Handelsund Gewerbe- oder anderen Zwecken gewidmet ist, mindestens zwei Drittel auf Kleinwohnungen und kleine Betriebsstätten entfallen Als Kleinwohnungen sind baulich in sich abgeschlossene Wohnungen anzu sehen, deren bewohnbar« Fußbodenfläche im' ganzen 80 Quadratmeter nicht übersteigt Als kleine Be< triebSstätlen sind baulich in sich abgeichlossene Werkstätten kleiner Gewerbetreibender anzusehen, welche eine Kleinwohnung im gleichen Hause bewohnen, oder, sofern sie nicht im Hause wohnen, Werkstätten von einer Fußbodenfläche bis zu 86 Quadratmeter. Als Häuser mit Kleinwohnungen und kleinen Betriebsstätten sind nicht anzusehen: Luxuseigentum «Billen und ähnliches), Hotels, Gaschöfe— Sanatorien, Pensionat«, Internate und ähnliches. Die einzelnen Bauförderungsgefetze haben nur zeitlich beschränkte, über die Begünstigungen des LteuergesetzeS hinauSgehende Steuer- und Gebührenbegünstigungen vorgesehen. DaS derzeit geltende j Bausörderungsgesetz vom 10. April 1930, Slg. 45, enthält im fechsten Hauptstück.(tz.52 ff.) diese Er- leichterungen... Die Erleichterungen bestehen, wqS die. HauS- zinssteuer anlangt, darin, daß die sechsjährige Steuerbefreiung nach ß 135 dcS Steuergesetzes aus 15 Jahre erhöht wird. Die Ichährige Steuerbestei« ung für Häuser mit Kleinwohnungen und kleinen Betriebsstätten beträgt nach dem Bauförderungsgesetze 25 Jahre, ist also um 18 Jahre verlängert. Voraussetzung hiefür ist nach 8 52 des Bauförderungsgesetzes Nr. 45/1930, daß die Bauten bis zum Ende des Jahres 1932 fertiggestellt werden. Das Bauförderungsgesetz enthält u. a. auch eine Bestimmung über' die Befreiung von der MietzinSabgabe für 10 Jahre bei gewöhnlichen Bauten uich für 20 Jahre bei Bauten mit Kleinwohnungen und kleinen Betriebsstätten, Häuser mit Kleinwohnungen und kleinen Betriebsstätten, die bis Ende 1932 fertiggestellt werden, sind auch von der Wertzuwachsabgabe befreit. Die Beantwortung der Frage, ob Aussicht besteht, daß die Frist für die Steuerbefreiung verlängert wird, hängt von der Einschätzung der politischen Situation ab, insbesondere davon, was auf dem Gebiete der Gesetzgebung beschlossen wird. Eine Garantie dafür, daß die Frist verlängert wird, kann keineswegs gegeben werden. Es ist zweifellos möglich, daß auf dem Gebiete der Steuerbegünstigungen ein Vacuum eintritt. Sollte das BauförderungS- gesetz nicht prolongiert werden, so werden dann nur die Steuerbegünstigungen des Steuergesetzes(Steuerbefreiung für 6, rcsp. 12 Jahre) gelten. Jedenfalls wäre es am besten, das Haus heuer noch fertigzustellen. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Enquete der Geschäftsreisenden im Eisenbastuministerium. Nach der vorjährigen administrativen Zusammenlegung der Staatsbahndirektion Prag-Nord und Prag-Süd wollte das Eisenbahnministerium die bisherigen vier böhmischen Staatsbahndirektions bereiche in drei Zusammenlegen. Die Beratung über die Neuaufteilung der Eisenbahndirektion war Gegenstand der für den 23. d. M. zusammenberufenen Enquete Die Vertreter der Berufsreisendenorganisationen sprachen sich jedoch ganz entschieden für die Beibehaltung der bisherigen mer Bereiche Prag-A— Prag-B, Königgrätz und Pilsen aus und wird das Eisenbahnministerium diesem Wunsch auch Rechnung tragen. Es werden nur die Strecken Pardubitz- Deutsch-Brod, Pkedlouk—Väpeny-Podol und die Lokolstrecke SkuteL—Zwittau von der Direktion Königgrätz der Direktion Prag-B zugekeilr werden. Es wurden eine Reihe neuer Zuschlagstrecken vorgeschlagen und verlangte vor allem der Vertreter der "Union der Geschäftsreisenden eine Herabsetzung des Preises der Halbjahreskarten. sowie- verschiedene Reiseerleichterungen für die BecufSreisenden. Diese Anregungen werden vom Eisenbahnministerinm geprüft und im Einvernehmen mi» der Organisation der Beiussreisenden gelöst werden. MS BESTE MITTEL 'fääaMÄjUU litt Die Pflanzen wachsen. Die Keinitcmpcratnrcn.— Schwitzende Birken. Tempo deS Wachstums. Das Keimen, Schwellen und Blühen vor Ostern, das Grünen und Wachsen ringsum, erregt auch jedes Mal die Aufmerksamkeit aller Menschen, die sich noch einen Sinn für das Leben in der Natur bewahrt haben. Alles das, was draußen von neuem sprießt und grünt, knospet und blüht, wächst und gedeiht, wird immer wieder wie ein großes Geheimnis bewundert, und doch ist alles nur ein gesetzmäßiger Vorgang. Zum Wachsen sind vor allem zwei Fastoren notwendig: Wärme und Waffer. Da- Licht hat beim Wachstum eine viel geringere Bedeutung, als manchmal angenommen wird. Das läßt sich auch schon daraus erkennen, daß das Keimen unter der Erde vor sich geht. Direstes Licht kann sogar das Wachstum beeinträchtigen. Fast alle Pflanzen, ganz besonders die in den Tropen, wachsen in der Nacht viel rascher als am Tage. Als Regel läßt sich aufstellen, baß die Planzen zum Blühen eine höhere Temperatur brauchen als zum Keimen, jum Reifen wiederum eine höhere als zum Blühen. Jede Pflanzenart hat einen Temperatur- 8rad, bei dem das Wachsen am stärksten ist und ohe sowie niedere Temperaturgrade, unter denen oder über denen das Wachstum aufhört. Sowohl die Keimtemperaturen wie die Temperaturen des stärksten Wachstums, des Wachstumsstillstands und der Reife, ssnd bei den verschiedenen Planzenarten sehr ungleichmäßig. Dabei find auch Feuchtigkeitsgrade und die Bodenverhältnisse von Einfluß. Bei den tropischen Gewächsen liegen die Kenntemperaturen— die Wärmegrade, bei denen das Keimen einsetzt— allgemein über 10 Grad Eclfius, dagegen keimen die Sporen mancher Alaen schon bei Temperaturen, die noch unter Null liegen. Unsere Alpenpflanzen, die sich auf niedrige Wärmegrade eingerichtet haben, treiben bereits Keime bei ungefähr 2 Grad Warme, bei Gurken und Melonen liegt die Keimtempcratur stoischen 14und 16 Grad, Tomaten, Kürbisse und Tabak erfordern zuM Keimen eine Temperatur von 11-M6 Grad, Mai», Sonnenblumen hüben eine Keimtemperatur bi- zu 11 Grad. Bei Weizen beginnt das Wachstum, wenn die Temperatur 5 Grad Wärme erreicht hat, das schnellste Wachstum tritt bei Weizen um 29 Grad Wärme ein, dagegen hört dieses bei 42 Grad auf. Bei den Temperaturen Mitteleuropas reicht wohl die Wärme noch aus, um bei Pflanzen aus warmen Gegenden Blüten hervorzubringen, dagegen ist die Wärme nicht mehr groß genug, um aus der Blüte Früchte ausreifen zu lassen. Umgekehrt kommen auch Pflanzen aus kälteren Gegenden in warmen Bezirken nicht mehr zum Ausreisen, weil die Wärme daS Maximum überschreitet, das die Pflanze vertragen kann. Weil Wärme wit zu den Hauptursachen des WachkumS gehört, geht dieses in den Tropen gewöhnlich auch viel rascher vor sich als in kälteren Gegenden. Wie ohne Wärme kann auch ohne Wasser nichts keimen, wachsen, blühen und reifen.. Das Wasser erst löst dir nährenden Bestandteile im Boden auf, führt sie den Wurzeln und damit auch der ganzen Pflanze zu. Der Wasserbedarf der Pflanzen ist sogar meistens erstaunlich groß. Im allgemeinen find 200 bis 400 Gramm Wasser notwendig, um bei den Pflanzen ein Gramm Trockensubstanz entstehen zu lassen. Ein Hektar Buchenwald braucht im Durchschnitt täglich 30.000 Liter Wasser. Bei einer einzigen Sonnen- blume muß der tägliche Wasserbedarf aus. einen Liter geschätzt werden, eine einzige Pflanze der Puffbohne braucht vom Keimen bis zum Reifen insgesamt 35—55 Liter Wasser, eine Birke verdunstet an einem heißen Tag 400—500 Liter Waffer. Das Wachstum der Pflanze» ist sehr verschieden. Im Durchschnitt wachsen unsere ein- heimischen Pflanzen in der Stunde nur um 0.3 Millimeter und sogar um noch weniger. Dagegen gibt eS auch Pflanzen, die bedeutend schneller wachsen. So kann das Wachstum eines Kürbisstengels in der Stunde aus sechs Millimeter eingeschähl werden, und es gibt Pilze wie Bambusarten, die noch rascher wachsen. Sehr stark ist das Wachstum bei de» Staubfäden man- cher Gräserarren. Sie wachsen in der Minute um 1.8 Millimeter, schießen also förmlich hervor, doch hält dieses Wachstum ntrr ein paar Minuten an. Bei nicht zu stark von einander abweichendeu Temperaturen lvächst der Roggenhalm um die Mitternachtsstunde am stärksten, nach Sonnenaufgang nimmt das Wachsen ab und zwischen 3 und o Uhr am Nachmittag Hal es so gut wie aufgehört, nm gegen 11 Uhr abends von neuem cinzusetzen. Auch die Bäume wachsen in den Nachtstunde» am stärksten. Rund 90 Prozent des Wachsens geht bei den Bäumen zwischen Somie» rufgang und Tonuenuntergang vor sich. Walter Schwager. Seit« 6 Sonntag, 29. Msirz 1989 Rt. 73 PMGtR lEITIMB. Elternabend Prag VII. Montag, 27. März, 80 Uhr, MeffepalaiS(Franz. Restaurant).-Dir. Eisner: Kind und Theater. Oberlehrer Scholz: Di« Dr. Dererschen Schulgesetzentwür^. Gäste willkommen! Geriditssaal Falsches Gew cht. Prag, 25. März. Am 29. Oktober b. I veranstalteten Organe des Wucheramtes der Prager Polize Direktion auf dem Gemüse, und Obstmarkt am Weinberger Kajetan Tylplatz eine Ueberprüfung der Waagen und Gewicht« der, Gemüsehändler. Hiebei wurde die Waage der Eheleute Anton und Marie Hronik beanständet. Es wurde nämlich festgestellt, daß an dem Waagebalken, der di« für die Waare bestimmte Schale trägt, mit Bindfaden ein 2L Dekagramm schwerer Metallhaken befestigt war, so daß die Käufer geschädigt wurden. Die Waage stand seit 1931 in Gebrauch und wurde meist zum Abwiegen von Spinat verwendet. Im Laus« der Untersuchung behaupteten die Angeklagte», sie hätten bemerkt, daß de Waage schlecht anzeig«, und zwar um ein Deka zu ihren Ungunsten, deshalb habe di« Frau, um diese» Nachteil zu beseitigen, als Gegengewicht den Metallhaken angebracht. Dieser wiegt allerdings um das anderthalbfache mehr als der ursprüngliche Fehler ausmachte und im Laufe von zwei Jahren kommt auf dies« Art«in ganz hübscher Quantum Ware zusammen, um daS die Käufer gebracht wurden. Di« Staatsanwaltschaft erhob demnach die Anklage wegen des Verbrechens des Betruges und di« Sache wurde heute vor dem Einzelrichter OGR. 8 u d o m a verhandelt. Da di« Angeklagten ihren guten Glauben beteuerten und Zeugen anboten, mußt« di« Verhandlung vertagt werden. rb. Streit um den„Rayon". Ei« Nachtbild vom Riegerpark. Prag, 25. März. Das Geschäft mit der„Liebt" — wir denken hier nicht an die von dieser moralischen Gesellschaft gebilligten Geldheiraten, sondern an di« von ihr heuchlerisch verachtete Prostitution— ist. wie jedes andere Geschäft,«in unerbittlicher Konkurrenzkampf, ja«In viel schärferer und erbarmungsloserer oft— ein Kamps um ein«r- bärmlichs Nestchen Existenz. Denn ein solches armes Geschöpf, das. für ihre Ware, den Körper, keinen Abnehmer findet und der Konkurrenz unterliegt, sieht sich dem Nichts gegenüber. Ob sie morgen esse», oh, sie morgen, ein Dach über dem Kopf haben wird, hängt davon ab, ob es ihr gelingt, sich in dem großen Angebot der Konkurrentinnen zu behaupten. Daher der erbittert« Kampf um di« Behauptung ihres„Rayons", den sich die Strichmädeln einem stillschweigenden lieber inkom- men nach mit Zähigkeit erkämpfen müssen, b:t aber dann auch meist streng respektiert wird. Der Riegerpark und die anliegenden stillen Straßen sind bekanntlich ein Zufluchtsort der Prostitution niederen und niedersten Grades. In dieser Sphäre geht es hart auf hart. So geschah «s auch an einem kalten Winterabend, wo zwei Kolleginnen beim Riegerdenkmal scharf anein- ander gerieten.- Es war ausgemacht, daß de eine — sie nennt sich Elvira— d«n Raum rechts des Denkmals innehaben soll, di« andere, Bettina genannt, suchte ihren Erwerb links davon. Sie respektierten sonst stets die Grenz«. Aber an dem genannten kalten Abend ließ sich Elvira durch «in« Gelegenheit hinreißen, und schnappte der! Bettina«in„Geschäft" vor der Nase weg. Es kam zu einem furchtbaren Krawall, Beschimpfungen und Ohrfeigen. Auf di« drastisch«» Einzelheiten wollen wir nicht eingehen. Der Streit wurde bis zur äußersten Konsequenz ausgerragen: die beiden armen Geschöpfe klagten einander gegenseitig auf Ehrenbeleidigung. BR. Dr. G«dnoror«c, in dessen örtliche Kompetenz der Schauplatz des Auftrittes fällt, kennt sein« Klientinnen aus dem Riegerpark und behandelt solche Fäll«— sie sind wahrhaftig nicht komisch— mit soz'alem Verständnis und menschlicher Güte. Aber hier st«ß er auf hart« Köpf«. Die Inhaberin des verletzten Rayons war unversöhnlich. Schließlich verurteilt««r di« Angreiferin zu der Minimalstras« von 59 K— bedingt. Di« Gegnerinnen maßen sich mit bösen Klicken, als sic den Saal verließen. Es geht um den Bissen Brot! rb. Arbeiterabstineutenbuno Ortsgruppe Groß'Prag. Einladung zur Generalversammlunq am Mittwoch, d«n 29. März 1933, um 8 Uhr abends im kleinen Saal des Gewerkschaftshauses am Bergstein. Um vollzähliges Erscheinen der Mitglieder wird gebet«». Di« Vereinsleitung. Kunst und Wissen „Auslandsreise", ein Schwank von Bernauer und Oesterreicher, lebt teils von uralten und geradezu schon anrüchigen Lustspielmotiven, teils von dem„neuen" Einfall, die Devise»sperr« als komisches Material zu benützen. Der deus ex machina und der bewegende Geist der kindischen Handlung ist ein Privatdetektiv von sonderbarem Gehaben. Die Rolle scheint für Curt Bois geschrieben zu sein, denn sie deckt sich zwar mit dem Typus des SchlieferlS, den dieser Darsteller einzig zu formen versteht, nicht aber mit dem Begriffsiichalt, der ihr gemäß wäre. Einen Privatdetektiv mit dieser Techmk und diesen Manieren glaubt man auch dem tollsten Lustspiel nicht. Der von Bois interpretierte Herr Bären» schmidt erscheint immer nur als.^ärenschmidt, Socken und Sockenhalter, Berlin", als der er sich vorstellt.— Daß ein Schauspieler, der über Mundwerk und Witz genug verfügt, um das Publikum zwei Stunden zu unterhalten, sein« Effekt« in Rülpsen, im Hosenausziehen und in ähnlichen Clownerien sucht, ist so bedauerlich wie das Repertoire, in dem Stücke wie dieses noch als große Nummern figurieren. Sobald Bois von der Bühn« verschwindet und sentimentaler Dialog gemacht wird, ist die Situation unerträglich. Auch die gröbsten Witze des Exoentrik-Komikers sind in der Oede des Schwank? noch Erholung.— Götz, Rösner und Frey, di« Damen An berg ast und Meißner sowie noch einige Mitglieder des heimischen Ensembles waren verurteilt, den Soloszcnen Bois' sprechend« Kulissen abzugeben. So schlecht, daß sie diese Konkurrenz nicht schlügen, werden selbst die Tonfilme. aus Hugenberg-GöbbÄs-Deutschland nicht sein! E. F. Giacomo Puecinis Oper„Bohdme" gab gestern im Deutschen Theater Maria Jvogün Gelegenheit, auch ihr« besondere Eignung für das jugendlich-sentimentale Gesangsfach zu erweisen. Nur eine Künstlerin von der umfassenden und vielseitigen künsüerischen Begabung und persönlichkeitsstarken Art wie die Jvogün darf es wagen, ein« ihrem Stimmcharakter nicht ganz angepaßte Parti« wie di« der lyrisch»s«nt!u:entalen Mimi in„Bohdmc" zu singen. Denn die Schwierigkeiten, di« sie als Mimi zu überwinden hat, sind nicht nur gesangstechnischer Natur, sondern auch grundsätzlicher stilistischer Art. Gesangstechnisch fällt bei Puecini vor allem der größere stimmliche Austvand ins Gewicht, stilistisch di« durchaus gefühlsmäßige Einstellung seiner Ochermnusik. Maria Jvogün hat uns als Mimi vor allem gezeigt/ daß die moderne italienische Oper auch ohne übertriebenen Stimmaufwand wirkungsvoll sein kann. Daß Schönsingen wichtiger ist als dramatischer Stimmaufwand, um den.Hörer zu überzeugen und— zu beglücken. Dabei stellt« Frau Jvogün ein« Mimi auf die Szene, die uns in ihren kurzen Lcbensschiaialen ergreifend nahe ging. Di« Einheit ihrer wundervoll abgetönten gesanglichen und ausdrucksstarken schauspielerischen Leistung war ein unvergeßliches künstlerisches Erlebnis. Schade nur, daß Kapellmeister Max Rudolf als musikall« cher Leiter des Abends nicht ailch di« orchestrale Begleitung der poesievollen gesanglichen Leistung Maria JvogünS anzuipassen verstand; denn seine dynamischen Uebertreibungcn deckten mir allzu oft die feinen Absichten der Künstlerin. Das Theater war wieder schlecht besucht: ein Beweis der Unhalt- barteit des übertriebenen Gastspielsystems. E..7. IX. Arbeitervorstellung. Sonntag, den 9. April, um halb 3 Uhr nachmittags im Neuen Deutschen Theater:„Die Komödie der Irrungen" von Shakespeare. In Neuer Fassung von H. Rothe. Hans Watzlik liest heut« in der„Urania" „Aus eigenen neu«st« n Dichtungen." Maria Müller— Zemlinsky— Tschechisch« Philharmonie brachten Freitag, trotz vorgerückter Saison, einen vollen Lucerna Saal. zustande. Das erste und vielleicht schöirst« Geschenk dieses Abends war- Mozarts D-Dur-Symphoni«, von Zemlinsky, dem idealsten Mozart-Dirigenten'nciben Bruno Walter, elegant aus dem Handgelenk dirigiert und bis in die kleinste und feinst« Einzelheit wirksam durch die Hingebung, mit der Stabführer und daS brillant musizierende Orchester sich in di« tiefen Einpfindun- gen wie in das Spielerische dieser Musik versenkten Selbstverständlich war Zemlinsky auch beispielhafter Orchesterführer in der Begleitung der- Lieder und Arien, di« Frau Müller etwas kunterbunt(Mahler, Dvokak, Händel, Weber, Wagner) unter großem Beifall vortrug. Bewundernswert die Reinheit dieser Stimme, di« Süß« der Kantilen«, die Kraft in der Höhe, die Kunst der Bindung, die Atemtechnik; dennoch fehlt die Wirkung ganz großer Gesangskunst; Mittel- und Tiefenlage sind unergiebig und tragen nicht und trotz des Reichtums der Stimm« zur Schattierung und Nuancierung im Lyrischen fehlt ihr hi« richtige dramatisch« Physiognomie, der mehr als das allerdings sehr umschmeichelte Ohr fesselnde Ausdruck. I. g. Einmaliges Ensemblegastspiel des Wiener Thea, ters i» der Josesstadt- mit Hermann Thimig: „A l ü ck i in H a u s", musikalisches Lustspiel von J«an de Letraz. Abonnement aufgehoben. Gutschein« ungültig. Abend zeitgenössischer Musik der Deutschen Musikakademie. Am Programm Werke von Bartok, Hinde- mith, Jirak, Kkenek, Martin» und Strawinsky. Dienstag, 28. d, 8 Uhr, Lyzeumsaal, Eharvatova 5. Rcgiebeitrag 5 X. Wochenspielplau de» Neuen Deutsche» Theater». Sonntag, 548 Uhr:„Mädchenjahre einer Königin"(AA.); 548 Uhr:„Auslandsreise" (C 2).— Montag, 8 Uhr: IV. Philharmonisches Konzert(AA).— Dienstag, 548 Uhr: „Carmen"(A 1).— Mittwoch, 548 Uhr:„Ausland s r e i s e"(B 1).— Donnerstag, 548 Uhr: „Fidelio"(C 1).— Freitag, 548 Uhr:„Glück im Haus", Gastspiel Theater in der Josesstadt (AA.).— Samstag, 548 Uhr:„Glückliche Reise"(D 1). Wochenspielplau der Kleine« Bühn«. Sonntag, 3 Uhr:„Der Mustergatte"; 8 Uhr:„Drei, mal Offenbach".— Montag, 8 Uhr:„Komödie der Irrungen"(Barckbeamten I).— Dienstag, 8 Uhr: Komödie der Irrungen". — Mittwoch, 8 Uhr:„Geliebte Stimme", „O e d i p u s"(Bankbeamten II).— Donnerstag, 8 Uhr: ,^komödt« der Irrungen".-— Frei tag, 8 Uhr:„Eva saniert das Paradies" (Kultuooerbandsfreunde).— Samstag, 549 Uhr: „K omödi« der Irrungen". Vorträge nnfl Veranslaltmaeii Genosse MUDr. Gruschka spricht Donnerstag, den 30. März um. 754 Uhr abend im Bor- tragssaal des Ministerium für soziale Fürsorge über„Schulhygiene". Nlttcilungcn der„Urania" Wochenprogramm: Heute, 10 Uhr: Handelskurs. Fr. Schenk. Heute, 5411 Uhr:„Vom Elbestrand ins Wking«r- land." Im Dampfer von Hamburg über Island nach Norwegen. Heute, 5411 Uhr: Rhetorik. K. Salzer. Heut«, 5 Uhr:„DaS 19. Jahrhundert— Impressionismus." Kunstgeschichtlicher Lichtbildervortrag. Dr. Messer. Montag, 8 Uhr:„Technisch« Leistungen der Blüte." Mit Lichtbildern. Univ.-Prof. Dr. Fritz Knoll(Abschiedsvortrag vor Antritt der Lehrtätigkeit an der Wiener Universität). Montag, 549 Uhr:„Vom Elbestrand ins Wi- kingerland." Kulturfilm. Erstaufführung. Dienstag, 8 Uhr:„Die Geburt d«s Schönen." Univ.-Prof. Dr. Emil Utitz, Hall«. Kantgesellschaft. Dienstag, 8 Uhr: Urania-Radiobuud. Mittwoch, 3 Uhr:„Schneewittchen und die siebe« Zwerge." Filmmärchen. Dazu:„Allerlei Lustiges und Unterhaltendes" und„Geschichten" von der Märchentante erzählt mit. Lichtbildern. Kindernachmittag. Mittwoch, 8 Uhr:„Das russische Schulwesen am Ende der Fünfjahrplanes." Dr. Sergej Hessen. Donnerstag, 8 Uhr:„Ueber Ursachen von Kreis« laufstöruugen und deren Bekämpfung." Dr. Arnold B r a n d e i s. Freitag, 8 Uhr:„Kann man Kinder ohne Gewalt erziehe»?" Dr. Lothar Spielmann, Brünn. SamStag, 3 Uhr:„Lachendes Leben" und„Planvoll« Körpererziehung". Kulturfilm. Dazu alle praktischen und Sprachkurse der Ura nia-Votkrhochschule. Karten zu allen Beranstaltung««, Mitgliederanmeldungen: Urania-Kasse, Smetichkagass« 22. halb 10 bis halb 1 und 3 bis 7 Uhr. Fernsprecher 26321. Jugendstrandkolonie Grado im Film. Das Wran-Urania-Kino zeigt im Programm einen schönen Amateurfilm von der Jugend-Strandkolonie Grado. Ausschnitte vom Leben unserer erholungsbedürftigen Kinder in gesunder und reizender Landschaft ziehen an dem Auge des Betrachters in. bunter Reihe vorüber. Da gibt es ein fröhliches Planschen und Spielen, dann ruhen sie wieder im Sand unter den Strahlen der südlichen Sonne. Straffe Turnübungen und lockere Gymnastik wechsln ab. Hierauf geht«S zur reichen Jaus« und zum vollen Mittags- oder Abendtisch. Einmal fahren die Kinder auch auf das weite Meer, sei es nach Triest, sei es nach dem schönen Venedig. Der Film wird im besonderen den Prager Eltern gefallen, welche ihr« Kinder gern zur Erholung an die Adria schicken. Er wird neuen An- reiz bieten für all« Eltern, die ihre Kinder gesund und kräftig sehen wollen, die Segnungen dieser Jugendstrandkoloni« in Anspruch zu nehmen, indem sie schon jetzt di« Anmeldungen für die Teilnahme an der heurigen Saison im Deutschen Haus, Zimmer 16(Deutsche Jugend-Sirandkoloni«) abgeben. Wran-Urania-Kino. „Der Prinz von Arkadien." Willy Forst, Liane Haid Der Film »Die Dreigrofchenoper." Es hat lange gebraucht, bis wir nach dem Bühnenstück von Brecht und Weill nun auch den Film zu sehen bekamen, den der bedeutendste und mutigste deutsche Regisseur, P a b st, nach jenem gedreht hat. Ter Film ist, geincssen an allem, was seit Jahren aus Deutschland kommt, ein Meisterwerk, aber er bleibt hintev'der Operette an Wirkung zurück. Das liegt wohl daran, daß die Dreigroschenoper so lebendiges, so ausgezeichnetes Theater im besten Sinne gewesen ist, daß hier der Film die Koickurrenz, die ihm sonst leicht fällt, nur schwer aufnehmen kann. Durch stärkere musikalische Unterstreichung der Bilder, durch kühneres Spiel, wo daS Jedes Wochenheft 48 Seiten k Immer interessant Immer aktuell Arbeiterfunk Die große, neuausgestattete des schaffenden. Volkes; Erscheint pünktlich jeden Freitag mit großem Europaprogramm Bezugspreis vierteljährl. KE 18.80 Zu bestellen beim Postamt Funkhörer erhalten eine Probenummer kostenlos Volksf unk-Verlag G. m. b. H. Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Bild zur einfachen Begleitung der- Songs wird, wär« manche Wirkung zu erreichen gewesen, dte dem Film fehlt. Es ist nicht einzusehen, warum beim Vortrag der Songs die singenden Gestalten in Groß- und Nahaufnahme gezeigt werden, statt daß der Inhalt der Songs bildmäßig—- gleichsam visionär— vorüberzieht. Das könnte beim Lied der Jenny, beim Kanonensong, auch bei der Moritat prächtige Wirkungen ergeben. Statt dessen werden photographierte Theaterszenen geboten. Diese- kritischen Bemerkungen sollen keilte Ablehnung des Films bedeuten. Wir wollen und dürfen sein« grasten Qualitäten nicht verkennen. Di« Darsteller sind durchwegs ausgezeichnet und glücklich gewählt. F o r st« r bringt für di« Kombination aus Don Juan uud Gentleman-Räuber Haltung, Figur und Stimme mit, Lotte Le»ja — die Polly der Berliner Aufführungen der Drei- groschenopcr— als Jenny, Carola Neher alS Polly, R a s p als Peachum sind realistisch« Gestalten, ohne daß sie dabei die Operettenstimmung stören würden. Wunderbar ist das Szenario; die Ver- vrechcrviertel, die tiefen und unheimlichen Speicher, in denen Mackie Messer haust, die Bilder vom Hafen und das.Bordell im Stil von 1900 sind di« denkbar wirkungsvollsten Kulissen der märchenhaft symbolischen Räubcrgeschichte. Ein besonders glücklicher Einfall war es, das Kostüm der BorkriegS- zcit zu wählen. Dabei entstehen Bilder von grotesk überwältigender Komik wie die. Quadrille t'i d'r Verbrecherkneipe. Grundanständig ist die Tendenz, zu billigen auch di« Aenderung des Schlusses, der aus einer Opernparodie, wie sie auf dem Theater das Gegebene war, in«ine F i l m p a r o d i e verwandel! wird. Di« römäntischen Räuber werden wirklich« Räuber-Bankiers uud zum Happy End ertönt der curklaginde Chor zu Weills volkstümlich einschmeichelnder, dabei«in wenig melancholischer Musik: „Denn di« einen sind im Dunkel, und die andern sind im Licht; und man sieht nur di« im Lichte, die im Dunkel sieht man nicht!" Ein Film, dem wir weiteste Verbreitung und «in starkes Proletarisches Publikum wünschen. Fr. Filme in Prager LidilspielhäD^n. bis einschließlich Donnerstag, den 30. März. Wron-Urania:„Der Prinz von Arkadien."— Adria:„Rom-Expreß."— Alfa:„T i« Drei- Groschen-Oper."— Beränek:„Aus Woldwildnissen."— Fömx:„Tas Zauberreich der Berg«."— Flora:„Susanna im Bade."— Gan- inont:„Ein Mädel wie Du."— Hollywood:„Ein Mädel wie Du."— Hvezda:„Lumpen-Kavaliere." — Juli«:„Dr«i Musketiere."— Kinema, B.-TH.: Journal«. Reportage, Groteske. Ab 541—548. —■ Koruna:„Lumpen-Kavaliere."-j- Motta:„Der Mord in der Ostrovni ul."— Lnrrrna:„Der Mord in der Ostrovni ul."— Metro:„Was Frauen träumen."— Olympi«:„Lumpen-Kavaliere."— Passage:„D r«i Musketiere."— Praha: „Zwei Menschen."— Radio:„Ans Woldwildnissen." —■ Skant:„Aus Waldwildnissen."— Svötozor: „Was Frauen träumen."— Alma:„1000 für eine Nacht."— Avion:„Was Frauen träumen."— Bajkol:„Fräulein Ao-Ao."— Favorit:„Meine Kinder— mein Glück."— Kapitol:„Frau Lehmanns Töchter."— Konvikt:„Aus Waldwildnissen." — Lido:„Das Schiff der Selbstmörder."— Louvre: „Das verloren« Geschwader."— MaceKka:„Der Hexer."— Perstyu;„Susanne im Bade."— Rory: „Aus Waldwildnissen."— Bälde!:„Susanns im Bade."— Arademia:„Die Kusin« aus Warschau." — Belvedere:„Fräulein Ao-Ao."— Beseda:„Ein blonder Traum."— Carlton:„Liebe— ein Natur- gesetz."— Illusion:„8 Mädel im Boot.— Sport» Smichov:„Geld oder Leben."— Svornoft:„8 Mädel im Boot."— U Bejvodu:„Di« Fledermaus."— Zvon:„Das Geheimnis des blauen Zimmers." Verlangen Sa In Mder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der nrm« HEG N Eß* Cie.. PILSEN Selchwaren der Pa. HEQNER a ae.. PILSEN SIND DIE ALLERBESTEN I tz«,»-»g-der giegttteb taub.—(ibeftebalteat: ffiilbeln Jtid n et.— Veruutworilicher Redakteur: Dr. EmU straub, Prag.— Druck:.Rota' A.-e. für Zeitung, uud euchdruck, Prag.— güt dr» Druck uarautwarUlid Qti»»olit Prag.— Die Ze>„ugsmarkeatraatatui wurde von bei P-Ü» u. letegrapbeadirentou mit Erlab Rr 1S.800/VII 19S0 bewilligt.— Bezugsbedingungen: Bet Zustellung ins Haus oder bei Besuck durch die Baß mouallich Kl 18 vierteltibrUch U je.—' »utbzatzri« IU-6.-, gauzi-chit, K4 US,—,— Jnierute werde» laut Lauf billigst berechn«. Bet ötmss OiaUbaÜuees Brrissachlatz.— StüdfteUuna»o» ßßauustrlPtee erfüllt Wer bet Etsjendu», der Betourtuarien,■