Kvzelpreis 70 Heller. ^Einschließlich 6 Heller Porto) Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich fnih. « damvn u. Btrtoolhing; Brog II, Otrtüjanla 184 Xrle®#.: 36793, 31469,«ocdNrda«.(ab31 U,r): 33538 ♦ BoR|®etfaml:37344 13. Jahrgang. Dienstag, 2S März 1933 M 74. KIun erst reckt die Wahrheit! Antwort des„Peuple" auf Goerings Versuch der Presse- knebelung auch im Ausland. Der„Peuple", das Hauptorgan der bei- gischen Sozialdemokratie, knüpft an die jüngste, Drohrede Goerings gegen di« sozialdemokratische»Luslandspresse folgende Bemerkungen: Hitler und Goering begnügen sich also nicht damit, die Pressefreiheit in ihrem eigenen Lande zu unterdrücken, das einer Bande von Kriminellen zum Raube wurde! Sie möchten auch der sozialistischen Presse im Ausland einen Maulkorb umhängen! Und da die Mörder mit dem Hakenkreuz und der kaiserlichen Trikolor« Wilhelm H. in Belgien und in Frankreich, in Oe st erreich und in der Tschechoslowakei noch nicht kommandieren können, betrachte« Hitler und Goering di« Sozialdemokraten als Geiseln, di« für di« gut« Führung der Sozialisten in den anderen Länder» bürg«« sollen! Kann man die Barbarei weiter treiben? Aber welche Dummheit, zu glauben, daß dieser Erpreffungsvcrsuch gelingen könnt«! Tie Wahrheit über Deutschland? Die braucht die Welt gar nicht erst durch die deutschen Sozial- Prag, 27. März. Heute nachmittag wurde im Parlament die Mietrrschn- Vorlage aufgelegt, über die erst in de« ersten Rachmittagsstunden in der Regierung eine Einigung erzielt worden war. Gegenüber der Fassung, wie st« die Preffe bereits in der Borwoche gemeldet hat, wurden einig« Aenderungen vorqcnommen, von denen die hervorstechendste die Weglassung jedweder Erweiterung der Kündigungsgründ« für de« Hausherren, ter sich oder seine Kinder in sein Haus übersiedeln will, ist. Durch di« Aufhebung des Mieterschutzes ab 1. Jänner 1934(mit Kündigungsmöglichkeit zum 1. Oktober d. I.) für Bierzimmerwoh. n u n g eu werden lediglich gut situiert« Schichten betrafst«; für Berufstätig«, die wenigstens eine» Teil der Wohnung zur Ausübung ihres Berufes benötigen, bleiben auch Bierzimmerwohnung«, weiter unter Schutz und nur die Wohnungen mit mindestens fünf Zimmern werde« freigegeben. Frühestens ab 1. Jänner 1934 werden ferner auch Mieter mit einem steuerpsiichtigen Jahreseinkommen von mindestens 50.000 Kc vom Mieterschutz ausgeschlossen. Für Mieter, die diese Grenze nicht erreichen, also nicht nur für alle proletarischen Schichten, sondern noch weit darüber hinaus für all« Ingehörigen des gut situierten Mittelstandes bleibt der heutige Mieterschutz unverändert bis End« dieses Jahres bestehen. Di« einzig« Gefahr, die den sozial schwachen Schichten drohte, die Kündigung aus dem Titel des Eigenbedarfes des Hausherr«, ist— wie bereits erwähnt— gänzlich eliminiert worden. Dagegen werden sowohl die„lex Meißner" über den Schutz gegen exekutiv« Räumung von Wohnungen wie di« einschlägigen Bestimmungen der B a u f ö r d e r u n g gleichfalls bis Jahresende verlängert. Am Abend gab es im Siebenerausschuß der Koalition noch einmal einen wütenden Ansturm der Mieterschutzfemde, die sich aber schließlich«•’* der Vorverlegung des erste» zulässigen Kündi- gungstermines um«in Vierteljahr, d. i. bis 1. Oktober 1933 begnügten. Tie neue Vorlage, doren Wortlaut infolge der fortwährenden Zitierungen-.der.-früheren' Mieterschutzgosetze fast völlig-unübersichtlich und für den Laien unverständlich ist, trifft folgende Bestimnnrngcn:.. Artikel I. § 1 fotzt fest, daß der bisherige Mieterschutz, d. i. das Gesetz 44/1928, in der Fassung der seither erfolgten Verlängerungen(durch die Gesetze 30/1930, 166/1930, 210/1931 und 164/1932) b i s demokraten erfahren, denen man einen Maulkorb umhängte und die dem Terror der Braunhemden unterworfen sind! Diese Wahrheit vervestet die ganze Welt mit dem Gestank, den jede der Reden Hitlers oder Goerings verbreitet, jeder der lügnerischen, freiheitsmordenden Erlässe, di« dies« angebliche Regierung der„nationalen Erhebung" Stück um Stück bekanntgibt. Diese Wahrheit kann man nicht nur in der sozialistischen Presse der ganzen Welt lesen, sondern auch in der gesamten freien, direkt unter- richteten Presse und besonders in den Meldungen und Artikeln großer konservativer Zeitungen wi« der„Times" und d«s„Daily Telegraph" in London. Aber di« Chefs der Mörderbanden, die Hitlers und Goerings, sind allzu erbärmlich und allzu feige, um di« großen englischen Blätter und ihre Vertreter anzugehen. Stellen wir aus all dem fest, daß die Wahrheit selb st diesen Herren weh tut! Mögen sie sich dagegen sträuben, wie sie wollen! Unterdrückt, vergewaltigt, in den Kot geschleppt in Deutschland, wird die Wahrheit, sie von draußen tapfer angreifen und verfolgen, jeden Tag, mit der ganzen Abscheulichkeit ihrer eigenen Handlungen! zum 31. Dezember 1933 verlängert wird. § 2. Mit Beginn des Jahres 1934 fallicn aus dem Mieterschutz aus: 1, All« Wohnung«« mit fünf oder mehr Wohnräumen(außer Küchen und Dienstbotenzimmern), di« bi- 31. Dezember 1932 ganz oder zum Teil zur Ausübung eines Berufes benützt wurde«. 2. Alle sonstigen Vierzimmerwohnungen. Ferner werden all« Wohnungen(ohne Rücksicht auf di« Zahl der Zimmer), keinesfalls aber ander« Räumlichkeiten, au- dem Mieter, schütz ausgeschieden, wenn dem Mieter für das lchte Jahr rechtskräftig die Einkommensteuer für ein Jahreseinkommen von wenigstens 50.000 KL vorgefchriebe« wurde. Um diese Bestimmungen entspann sich nach der Haussitzung, während der sozialpolitische Ausschuß sMndenlang vergebens wartet«, im Siebenerausschuß der Koalition, in den auch di« Minister Dr. Czech, Bechhne und Sektionschef Blasak Vom Finanz. Ministerium berufen wurden, eine lang« Debatte, di« erst gegen 9 Uhr abends zu einer Einigung in der Richtung führte, daß Kündigungen der Bier-, bezw. Fünfzimmerwohnnngen bereits a m 1. D k t o- h e r d. I. zum 1. Jänner 1934 erfolgen dürfen und daß für di« 50.000-Kronengrenze nicht erst die St«u«rvorschreibung für 1983 maßgebend sein soll, wie es die Regierungsvorlage beantragte, sondern bereits di« Dorschrcibung für 1932, allerdings mit der Einschränkung, daß der Mieterschutz bestehen bleibt, wenn der Mieter durch Tatsachen glaubwürdig nachweisen kann, daß sein Einkommen seither unter di« 50.000-Krpnen-Grenze gesunken ist. Artikel II. Die Gültigkeit des Gesetzes 45/1928 über den Aufschub der exekutiven Räumung von Wohnungen, also der sogenannten„lex Meißner", Wird bis 31. Dezember 1933 unverändert verlängert, ebenso. nach Artikel IN die§§ 1 bis 16 des Gesetzes 118/1928 über die außervrdeutlnhen Maßnahmen der Wohnungsfürsorge, d. h. die Bauförderung: die seither, durch das Gesetz 164/1932 vnlängert worden war.■'>r Hier wird-nur iin§■ 7 die ursprünglich bis 31.-Dezember 1980 terminiert« Bestimmung,-daß 'in! Gemeinden mit über 10.009 Einwohnern' die Vermietung von Wohnungen an Ortsfremde, die nicht in der Gemeind« ihrem. Beruf oder, sonstigen Erwerb nachgehen, an die Bewilligung der Gemeinde gebunden ist, falls«s di« Gemeinde vertretung beschließt und das Landesamt diesen Beschluß genehmig:, ausdrücklich verlängert. Artikel IV setzt nn§ 1 fest, daß die Ermächtigung zur Enteignung von Grundstücken für Bauzwecke nach dem Gesetz 45/1930 alcichsallS bis 31. Dezember 1933 verlängert wird. § 2 bestimmt, daß der Staatsbeitrag nach § 47 deS Gesetzes 45/1930 zur Förderung des Baues von Miethäusern mit Kleinstwohnungen (bis zu 40 Quadratmetern Bodenfläche) für Unbemittelte um weitere 10 Millionen Ke erhöht wird, wenn Gemeinden, Bezirk«, Amber oder andere öffentlich-rechtliche Korporationen oder Anstalten dies« Miethäuser bauen. Mit der Durchführung der Vorlage werden die Minister für soziale Fürsorge, Justiz, Finanzen, Inneres und öffentliche Arbeiten betraut. Der Motivenbericht ist ganz kurz gehalten. Di« Regierung l«g« den Antrag auf Verlängerung deS WohnungSgesetzes bis Ende 1983 vor, damit angesichts der Fortdauer der Wirtschaftskrise nicht die Kontinuität der Rechtsordnung in so schwerwiegenden Angelegenheiten, wie es insbesondere der Mieterschutz, die lex Meißner und die Bauförderung darstellt, unterbrochen werde. Bezüglich der 10 Millionen als StaatSsubven- tjon für Gemeinden, die Kleinstwohnungen errichten, bemerkt der Motivenbericht, daß dieser Staatsbeitrag erst nach Vollendung und Abrechnung dieser Bauten aüsbezahlt werden wird, daher für das laufende Jahr noch kein« Vorkehrungen hinsichtlich der Bedeckung dieser Summe getroffen zu werden braüchM. Die WohnungSvörlag«, über Sie noch bis nachmittag in de-r Regierung verhandelt wurde, konnte äuS technischen Gründen erst' uln-5 Nhr nachmittags im Druck verteilt werden. Jyr Plenum des.Hauses wurde ab 4 Uhr ein unbedeutendes Zusatzprotokoll. zum. Handelsvertrag mit Oesterreich verhandelt, das lediglich eine Herabsetzung unseres Zolls für Beleuchtungskörper von 1400 auf 850 K pro 100 Kilo vorsieht; dagegen hat Oesterreich die zollfreie Einfuhr von 20 Waggons Röhren aus der Tschechosiowakei bewilligt. Nach den Referaten wurde bis znr Verteilung der Mieterschutzvorlage abgebrochen. Dann wurde noch eine Zuweisungssitzung abgehalten; die Ausschüsse erhielten Frist bis morgen 12 Uhr mittags. Im Plenum wird die Mieterschutzdebatte morgen nachmittags um 3 Uhr beginnen. »er Senat hatte in der Vorwoche feine nächste Sitzung auf diesen Montag anberaumt, weil man damals noch bestimmt mit der Zuweisung deS Mieterschutzes rechnete. Auf der Tagesordnung standen lediglich zwei Immunitäten des Senators Lokota. In einem Fall wurde er ausgeliefert, in dem anderen Falle nicht. Das war in fünfzehn Minuten erledigt. Die nächste Sitzung wurde auf Mittwoch, den 29. d., um 16 Uhr anberaumt. Die Tagesordnung bildet die Gebührennovelle, die von einem Subkomitee in einigen Punkten abgeändert worden ist, und eine wettere Immunität Lokotas. In der heutigen Sitzung wurden zwei Regierungsvorlagen aufgelegt, durch die die Errichtung von Fach-Gewerbegenossenschaften, beziehungsweise von GewerbegenosstnschaftÄrerbänden in der Slowakei und Karpachorußland bewilligt wird. Eine dritte Regierungsvorlage regelt in den genannten beiden Ländern die Sperrstunde für Geschäfte. Lebensmittelgeschäfte öffnen um 6 Uhr früh und sperren um 8 Uhr abends(Zuckerbäcker usw. um 9 Uhr abends). Alle- anderen Geschäfte öffnen um 8 Uhr früh und sperren um 7 Uhr abends. Für alle Geschäfte wird eine obligatorische zweistündige Sperre in den Mittagsstunden festgesetzt.. Sozialpolitik Im Dritten Reich. Berlin, 27. März. Die neu« Stadtverwaltung von Groß-Berlin entschloß sich für die Schließungaller Kind« r-E rhylüugs- heime außerhalb Berlin». Es handelt sich nm insgesamt neun Anstalten. Die geschloffene« Heim« sollen andere» Zwecke« zugeführt werden. Der Beschluß wird damit begründet, daß die Erholungsheim« nicht in den Ausgabenkreis der Stadtverwaltung gehören, sondern Gegenstand der „steiwilligen" Wohlfahrtspflege sei« sollte». Revision der Verträge? Was hat iuropa von der rassistischen Revision zu erwarten Y Unendliches Unglück wäre dem deutschen Volk und, mit ihm ganz Europa, erspart geblieben, wenn die Siegerstaaten rechtzeitig die Verträge von Paris revidiert hätten. Hillers Sieg und die Wiederkehr der alten Gewalten in Deutschland sind unvorstellbar ohirc die Verständnislosigkeit vor allem der fvanzösischen Politik, die der deutschen Demokratie auch nicht die kleinste Chance gönnte, die jede Konzession um Jahre zu spät und nur halb machte und durch nichts zu belehre», durch nichts zu überzeugen war, daß die Fortsetzung der Politik von 1919 den Rum Errropas und das Ende des europäischen Friedens bringen müsse. Der Wortbruch der Sieger, vor allem der persönliche Wortbruch Wilsons ist der seelische Ausgangspunkt des Nationalsozialismus geworden. Indem man alles, was Recht und Moral in der Politik hieß, mit Füßen trat, Hot man Recht und Moral in Mißkredit gebracht, hat man einer Nation, die 1918 in ihrer überwiegenden Masse bereit war, unter ihre Vergangenheit einen Strich zu setzen und ihr staatliches Leben nach neuen Idealen M fornien, den Glauben an eben diese Ideale genommen. So hat man sie zu skrupellosen Anbetern der.Gewalt, der Lügender Gemeinheit erzogen/die ihresi Stolz darein'setzen, den perfiden Gegner"an Perfidie z u übertreffen. Kein Schritt, der dem Zusammenschluß Deutschlands mit Oesterreich zu dienen schien, kaum eine Geste in dieser Richtung wurden geduldet. Jede Erwähnung der unhaltbaren Zustände im Osten wurde als Sakrileg geahndet. Das wirklich abgerüstete Deutschland hat man durch Kommissionen überprüfen kaffen, um mit den kindischesten Argumenten geheime denlsche Rüstungen nachweisen zu können. Noch den Plan einer deutsch-österreichischen Zollunion hat man mit lauten Kriegsdrohungen beantwortet. Ans den nachgelassenen Papieren Stresemanns hat man beweisen wollen, daß die deutsche Demokratie militant und revanchelüstern gewesen sei. Auch ein Europäer unter den französischen Politikern wie Bria nd hatte in allen deutschen Fragen Scheuklappen. Daß die deutsche Demokratie nur leben könne, wenn man in Paris, Genf und London aufhörte, den deutschen Fascismus zu nähren, das haben sie alle nicht begriffen. Nun, da die Katastrophe über die deutsche Republik hereingebrochen ist, wollen sie hintennach vorbeugende Maßnahmen anwenden. Man hatte es zehn Jahre lang in der Hand, die tödliche Krankheit durch eine prophylaktische Behandlung abzuwehven; man hat sich dagegen mit allen Kräften gesträubt. An der Leiche werden jetzt die Experimente angestellt, die man der lebendigen Demokratie vorenthalten hat. Der Patient ist verhungert— will man den Toten zum Leben erwecken, indem man ihm reiche ! Nahrung in den Sarg legt?! Auf einmal gehen sie mit Feuereifer an die Revision der Verträge. Macdonald "und Mussolini sollen einen Plan ausgeheckt haben, in dem weder die Rückgabe des Korridors, noch die Aufrüstung Deutschlands fehlen. Frankreich fft zwar noch spröde, aber bei weitem bescheidener und versöhnlicher als jenrals zur Zeit der deutschen' Republik. Bemerkenswert ist,»daß in der Rede des Präsidenten Lebrun nur von den Grenzen Frankreichs selbst die Rede ist, nicht mehr von der Heiligkeit der deuffchen Ostgrenzen. Difranzösische Pveffe applaudier; zwar der revisionsfeindlichen Kleinen Entente, aber die französische Diplomatie scheint bereit zu jein, die Kleine Entente und Polen preiszugeben. Auf jeden Fall begegnet Hitler toc-it freundlicheren Mienen als alle seine Vorgänger und NlctasdratzproYlsorhiiii elngcbradit Vlerzlmmerwohnnngeii ab 1934 ohne Sdintz, ebenso Mieter mit 50.000 kc Jahreseinkommen.— Keine Erweiterung der Kflndlgnn$sgrttnde bei Eigenbedarf des Hausherren. Sette 2 Dienstag, 28. März 1988 At. 74 I tausend Polen zu opfern, nicht aber die derrt- imrA und zu ferner innerPoliÄschen Sicherung I derartig knebelt, brauchen also keinen Spncknavf schon Süd.iroler freizugeben.>,-.in Deutschland, Italien und Ungarn durch- mehr! Di« fascisnschen Revisionsmächie würden geführte Revision der Perträge wird Europa' Einer von den wenigen Aufrechten, die nich. ■»•*»*'•«••-• t und kiniaen ländern jihren Rücken vor dem neuen Regime krümmen, ist der berühmte Physiker E i n st«i n, der fo'- genden Aufruf erlassen hat: Die eiserne Stirn der Nörderdiefs. Deutschland, Italien und Ungarn durch» j mehr'^ einander bald gegenseitig in di« Haare fahren.' nicht beruhigen und einigen, sondern die, Ungarn wird daS Burgenland verlangen urrd Kriegsgefahren verschärfen uw) Europa völlig! die österreichischen Nazi werden es nicht her- in Allianzen zerreißen, die einander aufs\ geben wollen, Hitler wird den Anschluß for- heftigste befehden werden. Die Revision,' dein und Mussolini wird, wie schon einmal,* die Deutschland vor dem Fascismus und bannt für diesen Fall mit Krieg drohen. Eine von i Europa vor dem Kriege hätte reiten können, fascistischen Mächten, zugunsten des Fascis-1 wird jetzt zur Gefahrfurden Frieden. es könnte ihm un*ct Umständen gelingen, deutsche Revisionsfordernngen durchzusetzen. Leider wird, man h? u t e o b e r mit dem größten Entgegenkommen, mit der weite'"gehenden Nevisirn den europäischen Frieden und die Zusammenarbeit der Mtionen nicht mehr sichern können. Mas heu e auf bHcin Gebiete ae- schieht, ist zu spät— oder zu früh. Denn kein« Revision wird den deutschen Appetit befriedigen können. Tagtäglich verkünden die jetzigen Herrscher Deutschlands im Rundfunk und in der Presse, daß sie weder auf den Korridor, noch auf Danzig, noch auf Polnisch- Oberschlesien verzichten. Es ist aber mehr als fraglich, oh Polen, selbst wenn es von den Großmächten verlassen wird, sich auf derartige Gebietsabtretungen einläßt. Bei dem heutigen Rüstunasstand kann Polen auch für sich allein den Krieg mit Deutschland wagen. Wer zweifelt daran, daß Pilsudski lieber seine Bombengeschwader loSlassen, als ein« so umfangreiche Revision dulden wird! Und wenn Hitler die revidierte O st grenz« haben wird, dann wird er Kolonien, dann wird er den Anschluß, dann wird er eines Tages mich das Elsaß verlangen. Die deutsche Demokratie hätte sich mit einer gerechten Revision zusrredengegeben. Der deutsche FasciSmuS wird, getrieben von feiner inneren Dynamik, von der Revision zu imperialistischer Eroberungspolitik übergehen. Für Ungarn fordert Mussolini angeblich Gvenzberichtigungeu. Wird in einem fascistischen Europa sich das Ungarn der Grafen urü) Offiziere, mit Grenzberichtigungen zufviedengeben? Wird dann nicht erst rech' das ,,N&n asm soha" erklingen, der leidenschaftliche Protest gegen die Zerreißung des histo- rischen Ungarn? Gerade in Mitteleuropa zeigt sich die Unsinnigkeit fascistischer Revisionspolitik. Das Mitteleuropa einzig zur Ruhe bringen könnte, wäre die Wiederherstellung des altosterveichischen Wirtschaftsgebietes auf der Basis demokratischer Verständigung. Gegenseitiger Minderheitenschutz, freiwillig vereinbarte gegenseitige Abrüstung und Gvenzgarantie, Zoll- und WirtschastSbündnis — das wäre das für Mitteleuropa mögliche Revisionsprogramm. Es ist nur auf dem Boden der Demokratie, zwischen demokratischen oder sozialistischen Revubliken möglich, nicht zwischen fascistischen Staaten, die fremdes Land und Boll erobern wollen. Der italienische FaseiSmuS, dem der Sieg des deutschen auS innen- und außenpolitischen Schwierigkeiten Helsen soll, verbindet mit der Revisionskorderung sein« eigenen ganz imperialistischen Wünsch«. Mussolini will auf dem Wege der„Revision" Dalmatien erhalten und eine dauernd« Sicherung gegen den Anschluß Oe st erreich- an Deutschland. Stößt er mit jener Forderung auf den berechtigten Widerstand der Slawen, so stört er mit dieser di« Kreise seines Freundes Hi>^«r. Selbswer- ständlich denkt er nicht daran, Hitler zuliebe auf Südtirol zu verzichten, hier, wo eine Revision dringend nottäte, für sie«in Opfer zu bringen. Er ist bereit, ein paar hundert- Tie deutschen Kerker sind angefüllt mit politischen Gefangenen. Eine ganze ReichstagSsraktion hat man in Konzentrationslagern untergebracht. Die Blätter der Arbeiter sind verboten. Zahlreiche Arbeiterführer wurden getötet. Gewerkschafts- und Parteihäuser find besetzt. Mit Son- oergerichten beseitigt man Mißliebige. Mordgesellen werden aus dem Gefängnis entlaffen, wenn sie Nazis sind, Arbeiter sperrt man ein, wenn sie ein Wort der Kritik wagen. Diese Tatsache« lassen sich durch keine Gesandtenbesuche und keine Reichstagserklärungen erpresserischer Morphinisten auS der Welt schaffen. Daß man ihre Mitteilung verhindern will, indem man die Arbeiterpresse Deutschlands als Geisel benutzt, kennzeichnet nur die moralischen Qualitäten der jetzige» Machthaber. An der„Greuelpropaganda" haben wir uns, daS erklären wir nochmals, nie beteiligt. Und was wir berichteten, ist nicht„landesverräterische Hetze der ehemals in Deutschland beheimateten Juden", sondern sachlichster Tatsachenbericht. Nun hat die„Abwehr der Greuelpropa- ganda" begonnen. Diese Abwehr wird so aufgezogen, daß die SA neue Arbeit bekommt. Hitler und Goebbels haben über den „Abwehrplan" schon berat««, di« Nationalsozialistische Parteikorrespondenz hat schon die Schäftung einer gewaltigen Volksbewegung zur Abwehr angekündigt. DaS Ziel ist, die Jude« aus alle» wichtigen Berufen hinauszudrängen. Selbstverständlich wird sich di« Abwehrbewegung in„streng gesetzlichem Rahmen" bewegen; den kennt man aus der Betätigung der SA und auS den dieser entsprechenden Ministerreden deS Herr« Goering. Auch der Herr R e u r a t h hat sich bei dem Vertreter eines amerikanischen Nachrichtenbüros bemüht, um ei» Verschweigen der in Deutschland herrschenden Zustände zu«rreichen. Herr Goebbels hat a« das Ausland appelliert: er sprach dabei die freche Lüge auS, in Deutschland könne jeder tun und lasten, war er wolle, solange er sich' innerhalb der Grenzen des Gesetzes halte. Daß dieses Gesetz den braunen Mordbestien schrankenlose Freiheit für ihr« Schandtaten gibt, verschweigt der feine Mann. Proteste „Sunday Times" gibt i« einem Leitartikel der festen Hoffnung Ausdruck, daß di« deutsch« Regierung weiter Schritte unternehmen werde, ihre extremistischen Elemente zu zügeln. Sämtlich« jüdischen Geschäfte in Tunis blieben heute den ganzen Montag über zum Zeichen des Protestes gegen di« Berfolgunaen der Juden in Deutschland geschlossen. Die Juden organisieren Straßenmanifestationen. Eine Versammlung von 1500 iüdische» I Aerzten und Pharmazeuten in Philadelphia nahm ein« Resolution an, in der der Boykott Deutschlands seitens der amerikanischen Touristen verlangt wird. In diesen Tagen erheben dir Rabbiner in den ganzen Bereinigten Staaten Protest gegen die Judenverfolgungen in Deutschland. Tausende von Kommunisten demonstrierten vor dem Gebäude des deutschen Generalkonsuls in New Dork. Die Demonstranten entsandten zu dem Konsul eine Delegation, die ihm eine Resolution überreichte, in der gegen den HitleriSmur protestiert wird. Spefthelledier. Der Verband ausländischer Prestevertreter in Berlin hat dem Pressechef der ReichSreaierung eine Erklärung übermittelt, in der er sich bereit erklärt, den„in einem Teile der ausländischen Presse zutage getretenen Exzessen" entgegenzuarbeiten, gegen„diffamierende Greuelnachrichten" auszutreten und zu bestätigen, daß der nationale Umschwung„im allgemeinen diszipliniert" vor sich gegangen sei und die deutsche Bevölkerung einen„ruhigen und friedlichen" Eindruck»lache. Dazu paßt wie di« Faust ausS Aua««in« offizielle Meldung aus Darmstadt über eine Besprechung der Verleger und Redakteure der hessischen Presse beim neue« Staatspräsidenten Dr. Werner. Bei diesem Rapport wurden zehn Richtlinien für die Presse ausgestellt, in denen eS heißt: Grundlage für Form und Inhalt aller Zeitungen ist die geschichtliche Tatsache der völkischen Revolution und der Sieg der nationalsozialistischen Idee- DaS Bekämpfe» dies« Id« wird alS Volksverrat angesehen werden. Pressefreiheit heißt: Freiheit aller guten, aufbauenden, aber rücksichtslose Vernichtung aller im völkischen Sin» zerstörende» Kräfte. Ehrensache ist eS, im Nachrichten-, Unterhaltungs- und Anzeigenteil fremdrassige, internationale, jüdische Einflüsse auSzuschaltrn. Den gestellten Aufgaben kann die Presse in Voll«» Maß« nur dann gerecht werden, wenn all« chre Vertreter sich angelegentlich mit der nationalsozialistischen Weltanschauung beschäftigen. Ein Schriftsteller z. V-, auf dessen Schreibtisch heut« noch nicht Hitlers„Mein Kampf' steht, ha« eine Ehrenpflicht(!) feinem Berus und seinem Volk gegenüber versäumt. Hoffentlich hat der Verband ausländischer Prestevertreter allen seinen Mitgliedern schon Hitlers Memoiren und die sonstige Nazi-Literatur zu Großhandelspreisen verschafft. Nm die Gelder dafür aufzubringen, können die Herren ja alle Spucknäpfe au- ihren Büros auf dem Tandel- markt verkaufen. Sie spucken sich ja ständig selber ins Gesicht mit ihren LoyalitätSerklärungen gegenüber einem Regime, das neben allen anderen bürgerlichen Frechette» namentlich die Prestefreiheit Di« Taten grober Gewalttätigkeit und Un:c> drückung gegen all« Menschen freien Geistes u-'.d gegen di« Juden, diese Taten, di« sich in Deutschland ereignet haben und noch ereignen dürften, riefrn zum Glück daS Bewußtsein jener Staaten wach, welch« den HmnanitiSmuS und d«n politischen Freiheiten treu blieben. Ar international« Liga gegen den Antisemitismus hat sich groß« Verdienst« dadurch erworben, daß sie di« Freiheit durch Verwirklichung des Zusammen- schlusses des von dies«« Gifte nicht betroffenen Volkes verteidigt. Ich hoffe, daß diese Reaktion genügen wird, um Europa vor dem B e r s i n k e u in di« Barbarei zu bewahren Die Erklärung schließt mit einem Aufruf alle Freunde der heirtiqen so stark bedrohten Zivi- liftttion, all« ihre Anstrengungen auf Verhütung der geistigen Krankheit zu konzentrieren. wächv die heutige Zivilisation vergiften würde. ArbclfsdlcnstpIlKht In Deutschland. Berlin, 27. März. ReichSkommissär für de« Arbeitsdienst Mahnken machte nach einer Meldung des„Angriff am Montag" bemerkenswerte Ausführungen über den Arbeitsdienst. Darnach würde schon i« de« nächsten Tage» di« Arbeitsdienstpflicht alS Bestandteil einer Generalplanes zur Behebung der wirtschaftliche» und soziale« Nöte beschlossen werd««. I« den verschiede»«« Bezirke« müßte« dann sofort die vorhandene» Führerstämme eingeteilt werde». Echo« im Sommer hoffe ma», organisatorisch so weit z» sei«, nm bereits ganz« Jahrgänge zu der Ar- beitsdienstpflicht rinzuberufcn. Reverse unter Drohungen. Aus Mitteldeutschland(der Name der Stadt ist uns bekannt) wird gemeldet: Ein Trupp Nazis drangen in das Haus ein urid zwar in Zivil- klerdung. Mit dem Rus: Hier Kriminalpolizei, verlangten ste die Oeffnung der Wohnungsiüren. Durch di« Drohung, sofort zu schießen, wurde geöffnet, worauf die Nazis in die Wohnung eindrangen und alles durchwühlten. Die Wohnung wurde in einem vollständig tvüsten Zustande zu- rücka: lassen und der Wohnunasinhaber mittels Kraftwagens nach der SA.-Kaserne gebracht. Trotz der Zusage von einem Tag Haft wurde der Mann neben anderen Leidensgefährten weiter in der SA.-Kaserne behalten, wo sie Reinigungs- arbeiten verrichten mußte. Dabei wurden sie ständig geprügelt: Bei der Entlassung mußten sie einen Revers unterschreiben, daß sie anständig verpflegt und behandelt worden seien. Dabei wurde rhne» gedroht, daß sie wieder geholt würden, wenn sie anders berichteten. nn schreckliches„verbrechen. Schmuggel sozialdemokratischer Zeitungen. Bodenbach, 25. März. In Schmilka bei HerrnSkvotschen wurde der Junglehrer Hammer verhaftet, angeblich wogen„Spionagcver- dachb-s". Der Verhaftete, ein guter Genosse, hatte sich deutsche sozialdemokratische Zeitungen aus der Tschachostowakoi verschafft und war dabei boweten worden, als er sie über di« Grenze bringen wollte. Das ist im Dritten Reich ein. Verbrechen, das gerichtlich verfaßt wird! Nachdruck vaitoten. UND DAS 20. JAHRHUNDERT Roman von Rudolf Brunngraber Copyrigth by SocietlU-Verlag, Frankfurt am Main UtS 15 Karl trat verwundert über seines Vaters normales Wesen in da- Gebäude des Lehrerseminars. Das kleine Weib begleitete ihn und wartete jeweils vor den Türen der Klass«», in denen die Prüfungen stattfanden. Sie fühlte sich nicht wohl dabei, weil gleich ihr viel« Frauen warteten, von denen die meisten aufgedonnert angezogen waren und einen aufdringlichen Geruch von Vornehmheit in den kahlen Gängen verbreiteten. Als sie bei der Gesang-Prüfung Karl- Stimm« hörte — er sang da- Kaiserlied— mußte sie weinen. Denn sie wußte keinen anderen Austveg al» den Wunsch, daß er durchfallen möge. Im Raum -rinnen aber sagt'-er examinierende Professor, als Karl mit-cm„Gott erhalt«, an eine bestimmte Stelle gelangt war: Schluß. Immer -er gleiche Fehler, das ganze Volk singt seine Hymne falsch; cs heißt Nicht: Ewig bleibt mit Habsburg Thron« Oesterreichs Ge'chick vereint sondern ve—eveint. Da ist ein Vorschlag von Haydn geschrieben worden. Karl stand das Herz still. Bei-er schriftlichen Deutschprüfung ichöpst« er jedoch wieder Hoffnung. Man stellt« ihm als Thema da- Zitat: Es bildet«in Talent sich in her Stille, sich«in Charakter in dem Sturm Lei Welt. Pcinluh dabei war bloß, daß Karl von Torquato Tasto nicht- wußte. Aber er konnte mit der Lebensbeschreibung de- Charles Dickens auf- warten, die ihm für be'de Teil« der Auslage hin- zureichen schien. Und da ihm das Gesicht des alten Herrn w'eder vorichwebte, faßte er«ein Glaubensbekenntnis der letzten Monate in dem Schlußsatz zusammen: Mag daS Leben auch hart herzig sei« und mag den Gewalten der Welt auch Böses innewohnen, das schließlich Obsiegende bleibt immer ei« reineS Herz, ei» frommer Wille, ein« hohe Ide«. Zur Stund«, da Karl diesen Satz schrieb, unterlagen di« Vereinigten Staaten von Amerika einer Wirtschaft-Panik, einer der Periodischen Krise» des kapitalistischen Systems. Auf di« Expansion der neunziger Jahre war di« Kontraktion gefolgt. Durch diesen Zustand, und di« Enthüllungen des Abgeordneten La Follette war ein neuerlicher Sturm wider di« Trusts entfacht worden. Und ein Gericht hatte sich bemüßigt gesehen, Rockeseller wegen Schädigung der Allgemeinheit ein« Straf« von 27 Millionen Dollar aufzuerlegen. Als Karl unter sein« Prüfungsarbeit den Schlußstrich setzt«, quittierte Rockeseller das Urteil mit der Bemerkung, es werde lange dauern, bis man diese? Urteil vollstrecken wurde. Sein Bewußtsein, dem Unentrinnbaren zu dienen, hatte durch-en Zwischenfall keine Trübung erfahren. Besonders da er eben im Begriff stand, sein« Interessen mit denen von Baku— zusammenzulegen. Karl aber, der sich durch jenen Schlußsatz di« Aufnahme in das Institut gesichert hatte, verschaffte sieh zu dem Verdienst auS der Blumen- Handlung noch einen SonntagSjob. Als in der Gastwirtschaft des Houses in dem er wohnt«, der Fußballklub„Sturm 1907" gegründet wurde und Herr Petrinak zu keinem Zeugwart bestellt wurde, machte er sich sofort erbötig, bei dem Transport der Dresses. Schienbeinschützer und anderen Uten- sil'en nach den jeweiligen Spielplätzen zu helfen. Noch wichtiger war, daß ihm der Centreforward der Mannschaft, der in einer Pfandleihanstalt beschäftigt war. versprach, ihn dort über den Sommer als Hilfskraft unterzubringsn. Tatsächlich trat Karl nachdem er ein Offert in Rundschrift ungcreicht und der Centreforward für>hn gesprochen hatte— denn e» handelte sich um einen Ber- '.rauenSposten—, am 6. Juli, dem ersten Ferial- lag, dort«in. Am gleichen Tag erfuhr sei» Latex, der aus der Trinkerheilanstalt entlassen worden war, daß er zum Weicherrsteller degradiert fei. Der Mann konnte vor Scham eine Woche das Gesicht nicht heben. Denn nun fuhren sein« früheren Kollege», deren Zügen er den Wechsel stellen mußt«, von morgen- bis abends an rhm vor- über und das macht« auS die'em Posten eine Art Pranger. Auch das klein« Weib ging mit«nt- üindeten Augen herum. Karl aber hatte kein Verständnis für die angeblich« Schande de< Weichenstellens. Für ihn war einzig von Belang, daß man seinem Later die große Ledertasche mit dem Fahrkartengcld abgenommen hatte. Selbstredend war seinem Vater auch der Lohn gekürzt worden. Doch alterierte das Karl weniger, weil er nun ftlbst neu-'»n der Woche verdiente. Dafür mußt« er von sieben Uhr früh bi- sechs Uhr abends mit den Pfandscheinen in der Hand im Lift in die Magazir« hinauffahxen und di« zur Auslösung gelangenden Wäschepiniel, Herrenanzüge. Fahrräder, Wandspiegel, Pendeluhren, Ziehharmoniken, Bücher und was da sonst noch war, in den Ausfolgeraum hinunterschaffen. Das war unleugbar ein« Plage, ein atemloies Hetzen und Schleppen, aber diese Psandleihanstalt hatte auch ihre Vorteile. So konnte Karl bei einer Versteigerung eine Geige erstehen, indem man mit dem Kaufpreis sein Lohnkonto belastete. Für eine Einbuße von nur zwei Kronen sechs Wochen lang nannte er nun eine herrliche, bernsteinfarbige Geige sein eigen, deren Wirbelkopf überdies nicht eine Schnecke, sondern«in geschnitzter Löwenhaupt war. An diesem Abend hätte sich Karl seiner Mutter vor Gluck weinend an den Hals geworfen wäre nicht sein Vater berauscht und ohne Geld nach Hause gekommen. E» hatte auch ftinen ersten kLc'chenstellerlohn vertrunken. Die Wirt« batten ihm tue Woche übe* auf Kreid« ausgeschenkt und der SamStaaruu'ch batte das Maß vollgemacht. DaS war«m fatales Signal. Denn bestand nun auch der Trost, daß ma» die Summe am Dienstag nicht mehr würde borgen müssen, so lag doch auf der Hand, daß die'er Mann zeitlebens zu erhalten mar DaS klein« Weib, dasselbe klein« Weib mit dem rauhen blonden Haar, da» vor vierzehn Jahren mit ihrem Kind au« dem Hcrnalser FindelbauS lächelnd in di« Sonne oinauSgegangen war, lief nun zu den Gastwirten und b«schwor sie, ihrem Mann nicht- mehr aus Kredit zu geben. Die Wirt« fteilich dachten, auch der Weichensteller Lakner sei ihnen sicher, da sie schlechtestenfallS seinen Lohn psänden lassen könnten und ansonsten sahen sie auf ihr Geschäft, Das kleine Weib mußte Wetter in den Waschküchen stehen, da dir Welt Zumindest nicht unmittelbar durch einen frommen Willen zu beeinflussen ist. Die Welt ist etwas Milliardenfältige» von Gesetzen, di« auch in nebensächlichen Partien durch einen ängstlichen Herzschlag nicht aufzuhalten sind. Und schon auS e'niger Entkernung erscheinen die vielen kleinen Runen am Bau der Welt, in denen es unablässig von Tränen rinnt, nur mehr wie Nuancierungen wie heroische Verzierungen. So verstehen cs wenigstens die ästhetischen Beschauer. Und die Sonne gibt den Aeftheten recht. Di« Sonn« schien in diesem Sommer 1907 unverwandt auf die Welt und di« Welt. erfand sich den Betonguß, damit ihre Riesenstädte noch rassiger wuchsen, den Staubsauger, damit in den funkelnden Zimmern nicht nnr der Komfort, sondern auch di« Wartung ein« zeitgemäße sei. und sie ging zur Chemo- therapie über, weil daS ihrer gesteigerten Subtilität entsprach. Im Haag fanden sich diesmal 44 Staaten zur Bestiedung der Zivilisation zusammen. Sie taten es allerdings unter Iswolskis Parole: Wir werden dem britischen Antrag ein Begräbnis erster Klasse bereiten. Welcher Einstellung zu sekundieren diesmal sogar Deutschland keines besonderen Aufwande- an Tumbhcit bedurfte. (Fortsetzung folgt) «r 74 Dienstag, 28. März 1833 Leite 3 Eine erfolgreiche Gemeindewohl im Ausslger Bezirke. In der Gemeinde Großtfchochau fanden am vergangenen Sonntag Neuwahl«« in die Gemeindevertretung statt, die mit einem schönen Erfolg für unsere Partei endeten. Die deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei erhielt 139 Stimme» und 8 Mandate, gegenüber 90 Stimmen und 4 Mandate« im Jahre 1929. Die deutsch« Wahlgemrinschast erhielt 195 Stimme» und 7 Mandate gegen 199 Stimmen und 8 Mandate und dir tschechische Wahlgruppe 98 Stimmen und 3 Mandate gegenüber 93 Stimme» und 3 Mandaten bei der letzten Wahl. Der Stimmenzuwachs ist also nahezu zur Käuze unserer Partei zugcsallen und damit auch das fünfte Mandat. DtetsdHHhisdie Sozialdemokratie ober die sozialhtisdie Zusammenarbeit. Sin Schreiben der tschechischen Sozialdemokratie au di« Kommunisten. Die Exekutive der tschechischen Sozialdemokratie hat an die Exekutiv« der kommunistischen Partei in der Tschechoslowakei e^nen Brief gerichtet, dessen wesentlicher Anhalt der folgende ist: Es wir- zunächst daraus hingewiesen,-aß Vie Sozialistische Arbeiter-Internationale schon vor längerer Zeit-ie Kommunistische Internationale zu gemeinsamem Borgehen aufgefordert hat, wob« für di« Dauer der Verhandlungen alle gegenseitigen Angriff« eingestellt werden sollen. Auf dies« Aufforderung hat-ie Kommunistisch« Internationale bisher noch nicht geantwortet, sondern hat ihren nationalen Sektionen aufgetragen, sich an-i« sozialistischen Parteien-er einzelnen Länder zu wenden. Das geschah auch seitens der kommunistischen Parte« der Tschechoslowakei in einem Brief vom 14. März.„Wenn wir auch nicht darauf Rücksicht nehmen", so• heißt es in dem Schreiben wörtlich,„daß wir solidarisch mit dem Beschluß der Exekutive der Sozialistischen International«, wonach die Verhandlungen zwischen beiden Internationalen geführt werden sollen, bemerken wir für unser« Verhält., ijft noch dieses: in der Tschechoslowakischen Republik ist schon durch Jahre hindurch eine gemeinsam« Front der sozialistischen Parteien im Kampfe gegen.Fascis- mus und Kapitalismus aufgerichtet, welche sich in einer musterhaften und einträchtigen Zusammenarbeit bewährt und-ie bisher die politisch« Demokratie und alle Errungenschaften der Arbeiterklasse trotz aller Schwierigkeiten der Zeit fest erhalten konnte, trotzdem di« kommunistische Partei sich immer wieder bemüht, den Einfluß-er sozialistischen Front zu schwächen.—* Es ist dies di« Arbeitsgemeinschaft der tschechoflowakischen undeutschen Sozialdemokratie und der tschechoflowakischen nationalistischen Partei. Diese drei Parteien erhielten bei-en letzten Wahlen-reimal so viel Stimmen wie die kommunistisch« Partei; ihre organisatorische Stärke ist in allen Zkdei^en-er Arbeiterbewegung diel bedeutsamer als die Stärke Eurer Partei. Diel« Gemeinschaft könnet Ihr stärken, wenn l)br Euch auf den Boden der demokratischen Politik stellt, aus dem diele drei Parteien flehen, insbesondere heute, da es fedem Arbeiter klar ist. daß eirnia di« Demokratie -er Boden ist, auf dem man einen ersoloreichen Kamdf ae-wn den^sscismus führen kann." Der Parteivorstand der deutVen soi?afl>emn- kratischm Arbeitervartei in der Ttcheck>nfl-o-»,ki- schen R-dublik höfl am den W gdärz, eine Si<»ung ob, die flch mit dem Brief der kommunistischen Partei beschäftigen wird. Was daS„Rude Prüvo" verschweigt. Das „Rudä Prävo", das Zentralorgan der kommunistischen Partei der Tschechoslowakei, veröffentlicht die Rede Hitlers, die er im Reichstag gehalten hat, wobei es aber wohlweislich jenen PassuS der Rede ausläßt, in welchem Hitler seine Bereitwilligkeit betont, mit Sowjetrußland in bestem Einvernehmen zu leben und daß das Verhältnis Deutschlands zu Rußland nichts zu tun, hat mit-er Behandlung, die die Regierung Hitler den Kommunisten in Deutschland zutefl werden läßt. Tas Rudä Pravo" hat üch jedenfalls geschämt, diese Stelle in der Rede Hitlers seinen Lesern mitzutrilen. Spontane Kundgebung in Asch. Aus A s ch wird uns geschrieben: Nachdem die Aicher Bezirksbehörde in den ktzten vierzehn Tagen nicht weniger als zwölf öffentliche Beriammlungen und zwei Demonstrationen verboten hat e, bemächtigte sich der Arbeiter des Ascher Bezirkes der Wille, sich die Straße wieder zu erobern. Trotz wieder- hvlter Vorsprachen von feiten der Funktionäre ließ sich die Bejirksbehörde von ihrem Stand» punkt nicht abbringen. Am Sonntag, als weit über tausend Arbeiter das Gebäude der Bezirksbehörde umlagerten, sprachen noch einmal Genosse Lorenz und pvei Kommunisten vor. Als die Deputation unverrichteter Dinge zurückkam, formierte sich spontan ein riesiger Demonstrationszug, der sich unter dem Absingen sozialistischer Kampflieder durch die Hauptstrckßen bewegte«nd immer mächtiger und stärker wurde. An die 2009 Menschen zogen gegen das Boikshäus. Bor der veriamnielten Menge sprachen Genosse Lorenz und ein Kommunist. Nach Absingen der„Jn^r- nationale" löste sich die spontane Kundgebung in Ruhe, und Ordnung auf. Weder Gendarmerie »och Polizei hatten Gelegenheit oder Ursache e-n- yrgreisen. „Kreatoren, wie Deines..sagte Hitler und machte ihn zum Polizeipräsidenten von Breslau! Vom Fememörder zum Polizeichef! Berlin, 25. März. Einer der seltsamsten Würdenträger des„Dritten Reiches" ist der nunmehr zum Polizeipräsidenten von Breslau avancierte Abgeordnete Heines.— Heines gehört der Hitlerpartei seit chrer Gründung an; am Hitlerputsch vom November 1923 war er führend beteiligt und erhielt seinerzeit dafür vier Jahre Kerker. Wegen des bekannten Feme-Mor- des von Stettin wurde er als der Haupttäter zunächst zum Tode, in der zweiten Instanz zu fünf Jahren Juchthaus verurteilt, nach Abbüßung einer Terlstrafe jedoch begnadigt. In der Gerichtsverhandlung des Stettiner Schwurgerichts ergab sich, daß Heines einen völlig Un- ichuldigen(der ein Waffenlager an die staatliche Polizei„verraten" haben sollte!) auf Grund einer einfachen Denunziation verurteilt und daß er das Urteil höchsteigenmächtig vollstreckt hatte; „nach begangenem Kamerad«n»Mord begab sich Heines in die Kneipe an den Kartentisch zurück", so sagt die Begründung des Urteils.— In der Hitlerpartei selbst gehört Heines zu den umstrittenen Gestalten;.. er war früher mit der Richte des Münchener Oberbürgermeisters verlobt; di« Verlobung wurde jedoch gelöst, da Heines sich in den Kreisen der ihm damals anvertrauten und unterstellten Hitler- Jugend homosexuell betätigt hat. Er wurde sogar für einige Zeit auf Verlangen des bayrische» Landtagsabgeordnetcn Holzwarth— der mit der Veröffentlichung der Homosexual- Affären deS Heines drMe!— aus der Hitlerpartei entfernt, tauchte jedoch nach ein Paar Monaten im fernen Breslau wieder auf und reüssierte, peil er zu Vieles wußte" und daher nicht ohne Gefahr auf di« Dauer kalt gestellt werden konnte; seil damals legte er sich oen Ehrentitel„Fememordes bei. Unter dieser Bezeichnung trat er in Versammlungen und Kundgebungen auf; es ist symptomatisch für weit« Kreise des deutschen Bürgertums, daß diese Tatsache genügte, um die Versammlungen des„Fememörders" Heines bis auf den letzten Platz zu erfüllen.— An dem Attentat, das am 12. Mai vorigen Jahres im deutschen Reichstag auf den Sozialdemokraten und Berliner Reichsbannerführers Dr. Helmut Klotz verübt worden ist, war Heines führend beteiligt; ebenso stammen von seiner Hand die zahlreichen Bombenanschläge und Terror-Aktionen(Potem Pa!),' die nach dem Juli vorigen Jahres in Schlesien und den östlichen Grenzlanden Deutschlands verübt worden sind.— Es liegt uns ein Brief des derzeitigen Reichskanzlers Hitler an die frühere Braut des Heines vor, di« sich rm Jahre 1927 hilfesuchend an.H'tler gewandt hatte, hier schreibt Hitler: „Sie möge« davon überzeugt sein, daß Kreaturen, wie Heines, die ich auf das Tiefste veracht«, i« einem nationalsozialistischen Deutschland ausgeschaltet sei« werden!" Und derselbe Heines ist heute Breslauer Polizeipräsident von Hitlers Gnaden.— Ein anderer Polizei präsident des Dritten Deichs dem„jeder Maßstab für Recht«nd Unrecht fehlt". Berlin, 25. März. Ueber den zum Polizeipräsidenten von Gladbach-Rheydt ernannten preußischen Landtagsabgeordneten H i n k l« r erfahren wir von zuständiger Seite folgendes: Hinkler war früher Volksschullehrer in Freyberg(Provinz Sachsen); im Jahre 1926 mußte er auf Grund eines amtsärztlichen Verfahrens aus dem Schuldienst entlassen werden, weil „sein labiler Rervenzuftand den Anforderungen d«S Schuldienstes nicht mehr genügt." Kurze Zeit darauf stand Hinkler, der sich inzwischen der Hitlerpartei angeschlossen hatte, vor dem Gericht unter der Auflage eines Verbrechens gegen das Gesetz zum Schutze der Republik; auf Antrag des Staatsanwalts wurde er freigesprochen, weis „Hinkler außerstand« ist, di« Wirkung seiner Täte« auch nur abzuschätzen" und„weil ihm, wie di« vorliegenden ärztlichen Gutachten übereinstimmend besagen, jeder Maßstab für Recht und Unrecht fehlt". Schließlich:„Der Freispruch erfolgt auf Grund des 8 51 des Strafges.-tzbuchcs." Und so etwas wird Polizeipräsident im „Tritten Reich"! Oderpräsldent Kobe:„Juden und Nationalsozialisten Zutritt verweigert“! Berlin, 25. März. Der neue Berliner Oberpräsident K u b e gehört der Hiilerparrei erst seit einigen Jahren an. Früher war»r Sekretär der inzwischen vergangenen„Deut'chvölkischen Frei- hertspartei", einer deutschnaflonalen Splittergruppe. Kube wurde dadurch bekannt, daß er m seinen Versammlungen den ud>. n und Rat i« nalsözialiste n" den Zutritt grundsätzlich v e r w«i gerte und daß er mehrfach den früheren„marxistischen" Polizeipräsidenten von Berlin um Schutz gegen den Terror der Hitlerleute ersucht hat! WMjeMdawl Ein Piß in der„nationalen Front. Stahlhelm in Braunschweig aufgelöst. Braunschweig, 27. März. Wie amtlich ans dem braunschweigischen Staatsministerium mitgetcilt wird, ist auf Auweifnng des braunschweigische» Innenministers KlaggrS angeordnet worden im gesamten Land Braunschweig di« Stahlhelm-HilfSpoli- zei zu entwaffnen. Was Herr Klagges erzählt: Der braunschweigische Innenminister teilt amtlich mit: Der Stahlhelm, Ortsgruppe Braunschweig, nahm seit einigen Tagen ganze Scharen neue»Mitglieder aus den aufgelösten und niedergeschlagenen marxistischen Organisationen auf. Heule nahm diese Eintrittsbewegung Massencharakter an. Hunderte ehemalige Reichsbanner-Mitglieder, Sozialdemokraten und Kommunisten, zogen zum Teil in geschloffenen Abteilungen und unter Bedeckung der Stahlhelm- Hilfspolizei zum Wachtlokal des Stahlhelms in dem Gebäude der Ortskrankenkasse. Fortgesetzt wurde„Frei Heil!, Frontheil! und Rotfront!" gerufen. Vor dem Hause und in den anliegenden Straßen sammelten sich erregte Mengen von Kommuflisten und Sozialdemokraten, aus deren Mitt« drohende Rufe gegen AdolfHitl er und gegen die NSDAP, laut wurden. Unter Duldung deS Stahlhelms nahm der rote Mob, der sich seit Wochen nicht mehr aus fernen Schlupfwinkeln herausge- wagt hatte, eine drohende Haltung gegen Natio- nalsozialisten un- Hitler-Jungen«in. ES kam>o- gar zu Mißhandlungen von Hitler- Jungen durch Stahlhelmer. Infolge dieser unerhörten.Haltung des Stahlhelms, durch die der Erfolg der nationalen Erhebung in Braunschweig auf das schärfste ge- fährdet wurde, bemächtigte sich der nationalen Bevölkerung der Stadt unbeschreibliche Erregung. Minister Klagges sah sich jetzt gezwungen einzugreifen. Schutzpolizei wurde unter Führung des Kommandeurs zur Ueber- holungcher Krankenkasse eingesetzt, während SA und SS Plätze und Straßen in der Umgebung absperrten und säuberten. Die Stahlhel in- Hitfspolizei wurde entwaffnet,. Hunderte von Zivilisten, die sich in z dem Gebäude aufhielten, namentlich festgestellt und ganze Pakete von ausgefüllten Anmeldungen beschlagnahmt. "Unter den sichergestellten Papieren befinden sich Mitgliederbucher geschlossener Schupo-For- mationen und SPD-Ortsgruppen, Reichsbanner-Mitgliederbücher und weiteres belastendes Material aus dein hervorgeht, daß die Stahlhelm-Führer bewußt die Marxisten in ihrer Organisation sammelten. Es ist ferner festgestellt,-aß di« Schufo- Abteilungen auf Befehl und Verabredung an den Stahlhelm herangetreten sind, um auf diese Weise den Kampf gegen die NSDAP und die nationale Erhebung führen zu können. Mehrere im Hau'« befindliche Stahlhelm-Führer und sämtliche dort festgestellten Zivillisten wurden wegen des Verdachts, eine gegenrevolutionäre Unternehmung vorbereitet zu haben, in Haft genommen. bc-beliclngcnMssz- raffee,tztme gebrannte Gerste—es muß Kathreiner sein/ kein anderer „Mahkaffce" hatnämlich das feine klathreiner-Aroma. Meuterei der SA In Ludwigshafen. Ludwigshafen.(Eig. Bericht.) Wie jetzt bekannt wird, haben sich die Gerüchte, die schon seit einer Woche in Ludwigshafen über eine Meuterei der SA.-L««te umgehen, nunmehr vollinhaltlich bestätigt. Ende voriger Woche haben die SA.- Leute ihr« Führer Dr. Wittwer und Cle- m e n tz in das Gebäude der sozialdemokratischen pfälzischen Post", die von SA. besetzt ist, rlüge sperrt. Kurz darauf entwickelte sich«ine große Schießerei, in deren Verlauf die Schupo mit mehreren Panzerautos eintraf, das Geläude absperrte«nd mit dem Ruf«„Hände hoch!" in die pfälzische Post" eindrang. Di« meuternden SA.- Männer wurden auf Autos geladen und abtransportiert. Ihre Haupträdelssiihrer waren die SA.- Leute Eicke(der Bruder jenes Bombrnattentäters von Pirmasens, der inzwischen nach Bozen unter di« Obhut Mussolinis geflohen ist!), Berni und Schmidt. Sie wurden in besonder« Hast genommen. Di« Meuterei hatte-verschiedene Ursachen. Zunächst einmal waren die SA.-Leute, sehr unzufrieden mit den bisherigen Täten ihres„Führers" Adolf Hiller, von dessen sie dicht satt werden. Ein anderer TeÜ unter ihnen war sehr unzufrieden mit der Haltung der Ludwigshafener Polizei, die ihnen nicht den Spielraum zum Rauben, Morden und Brennen ließ, wie beispielsweise in Köln und anderen Städten usw. Um dies« Meuterei zu vertuschen, mußte die bürgerliche Press« eine Meldung bringen, nach der die Polizei„irrtümlicherweise" in die„Pfälzische Post", eingedrungcu sei und daß deshalb 7 Beamt« entlassen worden sind. Diese Auslagenachricht ändert allerdings nichts an der Tatsache, daß solch« Meutereien nicht nur in Ludwigshafen erfolgt sind. Di«„Kameraden" des Herrn Hitler und der Mörder von Potrmpa haben eben vom Dritten Reich« etwas anderes erwartet, als ihnen bisher geboten wurde— nämlich vor allem ein angenehmes Dasein ohne Arbeit! Vertagung In Senf. Diskussion des englischen Planes erst nach Ostern. Genf, 27. März. Der.Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz nahm heut« abends nach einer langen Debatte über den englischen Vorschlag betreffend ein Abrüstungsabkommen den Antrag deS Gcneralbcrichterstatters Ministers Dr. B e- n e Z an, wornach die politischen Debatten und die Detailprüfung des errglischen Planes bis zuni 25. April verschoben werden. Der Haup-ausschutz beschloß: 1. den englischen Vorschlag als Basis für eine spätere eingehende Diskussion mit dem Vorbehalt zu nehmen,-aß die Delegationen ihre Ergänzungen beifügen; 2. in der nächsten Sitzung nach Ostern jedes Kapitel und jeden Artikel des englischen Vorschlages zu prüfen. Die Pause in der Genfer Aussprache wird die Möglichkeit bieten, die allgemein« politische Lage in Europa zu prüfen. Man nimmt an, daß in der nächsten Woche diplomatische Verhandlungen zwischen Paris, Rom, London und Berlin auf Grund des Planes Mussolini-Macdonald beginnen werden. Ein halhdemeutlerter Nlnlsterhesuch Prag, 27. März. Amtlich wirb mitgeteilt: Di« Nachricht der„Rärodui Listy" von Sonntag über«ine geplant« Reis« des polnischen Außenministers Dr. Beck End« dieser Woche nach Prag wird nicht bestätigt, * Paris, 27. März. Di« Parsser Blätter ver- | zeichnen aus Prag die Nachricht von einem beab sichtigten Besuch des polnischen Außenministers Beck in Prag und Belgrad. Die Blätter bringen die Meldung von dem Besuche mit ausfallender Uoberschrift und werten ihn als ein« neuerliche Engergestaltuug der Freundschaft der Kleinen En ent« mit Polen. Das„Journal" widmet dieser bevorstehenden Ress« einen Leitartikel, in dem sie der Freude über dies« Annäherung Ausdruck verleiht. Das Blatt ist der Ansicht, daß di« Reise durch den römischen Plan Mussolinis und Macdonalds und besonders durch die Gefahr des Revisionismus beschleunigt wurde. Auflösung des RepnhlHfanlscher Schutzhundes von den„Unwiderstehlichen" gefordert. Wien, 27. Dlärz. Wie die„Sonn- und Montagszeituug" erfährt, lverden di« Heimwehrminister noch in dieser Woche erklären, daß ihr verbleiben in der Regierung von der Bewilligung zur Auflösung des Republikanischen Schutzbundes «gängig sei. Seite 4 Dienstag, 28. MLrz 1988 Rr. 74 Tagesneuigkeiten ©alland(Californieu), 26. März. Beiitveil wir an ihnen selbst intevessicrt sind auch der Flugzeugführer. den Die Weliattraktio« in Munkarz. Fünfzig ausländische Journalisten bemühen sich im Schweiße ihrer neugierigen Gesichter seit zwei be- der ist, Rom-Khicago über Grönland. In den letzte» Tagen ist eine Gruppe 14 Todesopfer eines Flugzeugunglücks Streik der Londoner Ford-Arbeiter. London, 27. März. Ein Teil der Arbeiter der englische« Ford-Automobile in Dagenham ist wegen Lohnabbaues in den Ausstand getreten. Die Streikbewegung droht allgemein zu. werden. Die Polizei konnte sich nur mit größter Mühe einen Weg durch die Arbeitermenge bahnen, die sich vor den Fabrikstoren ansammelte, um Ar- beitswilkigen den Eintritt üttmöglrch zü Wachen. Lediglich dem Bureaupersonal wurde deF Eintritt gewährt. Dle Arbeiter' protestieren gegen den Lohnabbau, der drei bis 17 Penc pro Stunde beträgt.— Schließlich haben sich die Arbeiter zur Aufnahme der AÄeit entschlossen, da ihnen von der Direktion di« unverzügliche Durchberatung der Lohnfrage in Aussicht gestellt wurde. Km unerklärlicher Uebersall. Pardubitz, 26. März. Heute vormittags überfielen bisher unbekannte Radfahrer auf der Straße Pardubitz—Sezemice den vom Spaziergang heimkehrenden Franz Hendrych aus Pardubitz, bedrohten defsen Gattin und mißhandelten sie, wobei sie eine Rückgratverletzung erlitt. Hierauf ergriffen die Täter di« Flucht, doch hat die Gendarmerie ihr« Spur ausgenommen. Die Ursache ihres Borgehens ist vollkommen unklar. Autounglück aufderPrag'Duxer Strecke. Kladno, 27. März. Sonntag, um 22$4 Uhr ereignet« sich auf der geschützten Ueberfahrt der Prag-Duxer Bahn zwischen Hostiviee und Jeneö«in Unglück. Um dies« Zeit passierte ein Zug di« Uebevsahrtstelle, doch waren die Schran- ken nicht herabgelassen. Der Zug fuhr in voller Fahrt auf ein Personenauto, das von dem Chauffeur Dvokak aus KroLehlav gesteuert wurde. Außer dem Chauffeur saßen in dem Auto Johann Beran aus Kladno und Stttbrska aus Kro- Sehlav. D v o k a k wurde getötet. Beran und die SÄbrska erlitten schwere Verletzungen. Die Verletzten stehen im Beziickskrankenhaus in Kladno in Behandlung. Das Auto wurde durch Zusammenstoß vollständig zertrümmert. In den letzten Tagen ist eine Gruppe von elf italienischen Fliegeroffizieren nach Grönland abgereist, um hier dl« Basis für einen direkten Flug Rom—Chicago über Grönland vorzuberei- ten. An diesem Fluge sollen 22 Flugzeuge teilnehmen. Der von Kapitän Draghelli geführten Gruppe italienischer Offiziere gehört auch der deutsch« Meteorolog Baumann an, kur während des Fluges mit dem Wetterdienst betraut werden wird. Hin Prager unterschlügt lu Berlin wertvolle Gemälde. Berlin, 27. März. Rach Unterschlagung von werwollen Oelgemälden ist der 35jährige Kaufmann Vena Penkala aus Prag, der einen Berliner Bilderhändlcr um Bilder betrogen hat, aus Berlin geflüchtet. Penkala war, wie der Berliner„Montagmarges berichtet, mit einem Bilderhändler in Verbindung getreten und gab vor, daß er große Beziehungen habe, so daß er eine große Anzahl wertvoller Oelgemälde verkaufen könne. Nach und nach gab chm der Händler Gemälde alter Meister, deren Wert auf rund 15.000 Reichsmark geschätzt wird. Als der Händler auf Zahlung drängte, verschwand Penkala. Nachforschungen ergaben, daß dse Angaben, die er über seine einzelnen Bekannten gemacht hatte, zwar stimmten, daß die Leute aber niemals von ihm Bilder gekauft haben. Der Schwindler ist mit den Gemälden flüchtig. Es wird vermutet, daß er sich nach Paris oder Prag gewendet hat, nachdem er in Berlin zweifellos diverse Stücke abgesetzt haben dürste. hatten, und in Holland, wo ihre Zahl 1919, Wochen, jedes Detail der Rabbinerhochzeit in 24, 1932 26 betrug. Den^Rekord brachte diesMunkacz festzuhalten; der Wunderrabbi spanische Revolution. Zn Linien hatten die Spira und seine Tochter, die eben geheiratet Soz,allsten 1919 nur b beute 124 Mandate. E.n M der-m neuer Mann aus Galizien und die Abstieg ist in Finnland festzustellen, wo die Zahl I atv.« der sozialistischen Mandate von 82 im Fahre i suns^h'rtauzend Hochgertsgaste find eme West- 1919 auf 66 zurückging. Zn der Tschechoslowakei! attraktion, die mehr zu bieten hat als unsere ist ihre Zahl verhältnismäßig stabil. Sie betrug! 9 an;e Auslandspropaganda. Nach Munkacz 1919 140 Mandate, aing 1925 am 122 mrück pilgert die Weltmernung, die ja jetzt wahrlich und erholte sich 1929 auf 131, wieder fast die wenig zu berichten hat: Hitler scheint bald als Hälft« aller Mandate.«Geschäftspartner in Betracht zu kommen, Zweifacher Todesurteil. Arnsberg(Westfalen), 27. März. Der Eleve Stitz lund der Glasergehilfe Klea- mann aus Siegen wurden wegen gemeinschaftlichen, vorsätzlichen Mordes an der Ehefrau Schüler zum Tode verurtelit. Weg mit den„Kulturträgern" der „internationalen" Epoche! Frau Ministerialrat Dr. Gertrud Bäumer, eine Frau von internationalem Rufe, wurde ihres Amtes enthoben; sie war nicht die Frau des ,/uwachenden Deutschland"; darum mußte sie gehen. Em Sturm der Entrüstung erhob sich im den Kveisem derer, die sie zu schätzen wußten. Die„Korrespondenz-Frauenp re sfe" Berlin(1933, Nr. 23) berichtet: An den Reichsinnen- mrmster Dr. Frick ging folgendes Telegramm: „Die Beurlaubung vom... Dr. G. Bäumer erregt tiefes Erschrecken und Befremden im Allgemeinen Deutschen Lehrerinnen Verein, der Organisation vom 40.000 Lehrerinnen aller deutschen Länder... Wir fordern dringend Zurückberufung ins Amt."— An den Reichspräsidenten, den Reichskanzler und den Vizekanzler ist telegraphiert worden:„Die führend« Frau Deutsch- lands... ist beurlaubt worden Die Ausschaltung dieser Frau aus Verantwortlicher amtlicher Tätigkeit muß als Herausforderung der deutschen Frauen empfunden werden."— Der Reichsverband Deutscher MitteHchullehrerinnen - an den Minister das Innern:„Mit Befremden und Bedauern haben wir... die Zwangspem- sionierung von... Dr. G. Bäumer erfahren. Mit Befremden, well Frau Dr. Bäumer im besten nationalen und sozialen Sinne feit Jahren tätig ist für den Aufbau eines in seinen Grundsätzen einheitlichen deutschen Schulwesens, wie für dessen sozialen Ausbau durch schärfsten Kampf gegen die unsozialen Auswüchse des Be- rechtigungswesems, die gerade der begabten Jugend der aufstrebenden Schichten unseres Volkes Eingliederung und Ausstieg im Berufs- und Wirtschaftsleben ost so schwer, wenn nicht unmöglich machten..."— Das mag es wohl gewesen sein: die einheitliche deutsche Schule, der sozial« Ausbau, das Eintreten für den Ausstieg der aufstrebenden Schichten des Volkes— alles Ideale der Marxisten— was diese Frau besonders verdächtig machte! Und solche Menschen braucht man für den Neubau der.Kultur des erwachenden Deutschland nicht, auch wenn sie keine Marxisten sind. Die sozialistischen Stellungen Unter diesem Titel schreibt die„Prager Presse": Wenn man die Entwicklung der nichtsozialistischen und sozialistischen Parteien in den parlamentarischen Demokratien Nachkriegseuropas betrachtet, muß man feststellen, daß die sozialistischen Parteien bisher noch immer, und zwar in den meisten Staaten Europas, die aufsteigende Tendenz behaupten, di« nach Kriegsschluß eingesetzt hat. Abgesehen von Deutschland, wo sich übrigens diese Tatsache bis zu den letzten Wahlen darin erwiesen hat, daß di« sozialistischen Parteien von 187 Mandaten im Jahre 1919 auf 221 Mandate gewachsen sind, ergibt sich folgendes Bild: In Frankreich ist die Zahl der sozialistischen Mandate seit 1919 von 70 auf 153 im Jahre 1932 gestiegen, in Schweden von 62 auf 112, in England trotz der Wahlniederlage im Jahre 1929 von 57 nach Kriegsschluß auf 65, in Dänemark von 48 auf 62, in Norivegen von 37 auf 47, in der Schweiz von 41 auf 52, in Belgien von 70 auf 76. Stabilität weisen die sozialistischen Mandate auf in Oesterreich, wo die Sozialisten 1919 73, 1932 72 Mandate I darum schweigt man drplomalsisch, das Erd- ' beben in Kalifornien ist erschöpft, die paar Tausende chinesischer„Rebellen" interessieren das vornehme Publikum nicht mehr recht, die paar zwanzigtausend amerikanischer verkrachter Banken können doch uns nicht interessieren, „®r. kzech verordnet Arbeits dieuftpflllyr." Unter diesem großaufgemochten Titel spricht der hatenkrcuzlerische„Tag", der mit Wahrheit längst übers.Hakenkreuz gekommen einen Erlaß der Bezirksbehörden, worin de» Arbeitslosen zugemutet wird, für die kärglichen 10 und 20 Kronen Unterstützung aus der Ernährungsaktion auch noch Arbeit für die Gemeinden zu lessten. Der fragliche Erlaß ist so stilisiert, daß viele Gemeindevorsteher nun tatsächlich zur Auf- fasfung gelangt sind, als handle es sich hier um ein« Weisung des Fürsorgeministeriums, welcher der Gedanke der Einführung der Arbeitsdienst- Pflicht zugrunde lag. In Wirklichkeit— und das weiß auch der„Tag"— ist davon gar keine Rede. Das Fürsorgeministerium hat lediglich kundgemacht, daß jene Gemeinden, die Nosstandsarbeiten durchführen, das Recht hoben, einen Teil des tariflich festgesetzten Lohne? in Lebensmittelkarten zu bezahlen. Wenn beispielsweise ein Arbeitsloser bei Not-! ftanldsarbeiten beschäftigt wird und, sagen wir, 120 Kronen an Lohn dafür zu fordern hat, so kann die Auszahlung in der Weise erfolgen, daß der Betreffende 100 K in bar und 20 Kronen in Lebensmittelkarten ausgezahlr bekommt. Bon einem Zwang, daß jeder Czechkartenenrpfänger zur Arbeit verpflichtet werden kann, ist in den Weisungen des Fürsorgeministeriums überhaupt nichts gesagt. Die Idee der Arbeitsdienslpsiicht scheint den Bezirksbehörden von einer anderen Stelle suggeriert worden zu sein, die seit Jahr und Tag schon bemüht ist, die Arbeit des Fürsorgeministeriums zu behindern, und die Bemühungen des Dr. Czech, den Arbeitslosen ihre Lage erleichtern zu helfen, ins Gegenteil zu verkehren. oent Absturz eines Flugzeuges kamen 14 Per- j Zeppelinfahrten sind nicht gemeldet und die stch i Genfer Konferenzen entbehren der„Sensa- tron", also mußte es geschehen, daß der Wundervabbi das Rennen gewonnen hat. Man pilgert in sein Haus, die Tonkameras sind aufgesahven, die Wochenschauen der ganzen Welt weiden unser Karpathorußland und seinen jüdsschen Herrscher zeigen, er wird ins Mikrophon sprechen, ganz wie vor zwei Wochen Roosevelt, man wird ihn und seine Lieben von unten, oben, nebenbei und überhaupt samt den Hochzeitsgeschenken erblicken und Wenns ganz gut geht, wird auch der Steuerexekutor abgebildet werden, der nur fünftausend Kronen vorfand in einem Haus, wo fünftausend sieben Tage lang essende Gäste angemeldet waren. Ja, so eine rituelle Hochzert ist eben ein Ereignis; man wird unfern Staat wieder einmal auf der ganzen Welt bewundern, und während sich die Kinos des verbrüderten Frankreichs geweigert haben, unseren„Heiligen Wenzel" zu spielen, reißen sie sich um dell Wundervabbi und seinen Film, der nichts kostet sondern noch tragt. Ob diese Wunder- rabbi-Attrakssmr mrt unsrer Fremdenverkehrswerbung etwas zu tun hat, weiß niemand; wenn dem so wäre, dann müßten die Aemter imponieren. Man sollte jedes Jahr eine Sensation arrangieren: Frau Hanikas zweite Höchst vor dem Ende, öffentliche Produktion der Menschenfresser-Zigeuner, ein Keiner Kasernensturm, das wären so Zugstücke; denn daß der Wundervabbi jedes Jahr eine Tochter zum Verheiraten haben könnte, ist auch bei rhm unmöglich. Wenn es aber schon um die Pro- paMüda unsres Ostens geht, dann wäre eine Schaustellung agrarischer Herrschermethoden am. interessantesten: dann würde nämlich der Wunderrabbi mit seinen beamteten Freunden in ganz neuem Licht erscheinen und die Herren Reporter hätten nette Sachen zu berichten... Rätselhafter Tod eines Offiziers. Das Lan- dcsmilitarkommando in Prag verlautbart: Samstag vormittags ist in seiner Wohnung in Zizloto der Major des Wirtschaftsdienstes Anton New e- öeral plötzlich gestorben. Einige Anzeichen deuten darauf hin, daß es sich um eine Leuchtgasvergiftung handelt. Di« näheren Umstände werden von einer Untersuchungskommission und durch die Obduktion der Leiche festgestem. „Malygin" wieder flott. Aus Moskau wird gemeldet: Unter außergewöhnlich ungünstigen arktischen Verhältnissen und nach langwierigen Bemühungen gelang es der Rettungsexpedition, den Eisbrecher„Malygin", der vor etwa zwei Monaten an einem gefährlichen Fels fest- gefahren war, wieder flott zu machen. Der Eisbrecher wurde nach dem Hafen Barensburg a b g e s ch l e p p t. Panik bei einem Kirchenbrand. In Montreal ist die berühmte katholische Kirche St. Jakob von einer Feuersbrunst z e r st ö r t worden. Der Schaden wird auf fast eine halbe Million Dollar geschätzt. Ein Ehepaar wurde unter dem Verdacht der Brand st if- t u n g verhaftet. Bei Ausbruch des Feuers wollte» di« in der Kirche anwesenden zweihundert Personen panikartig die Kirche verlassen. Dabei wurden vier Frauen und sechs Feuerwehrleute verletzt. Die Anwälte des Dritten Reichs. Aus Berlin wird berichtet: Der Vorstand des deutschen An waltsve r« ine s hat einstimmig be- schloffen, sein Amt zur Verfügung zu stellen, um eine Neuwahl zu ermöglichen. Es soll sofort die Auflösung des Wahlkörpers, der Abgeordnetenversammlung des Vereines, herbeigeführt werden. Nach der Auflösung wird unverzüglich die Wahl durchgeführt werden, so daß die dann „dem gegenwärtigen Willen der Anwaltschaft entsprechende Vertretung" in der Lage ist, den Vorstand neu zu bilden. Keine Schuldigen in Neunkirchen. Di« Staatsanwalsschaft Saarbrücken hat das Ermittlungsverfahren, das sie anläßlich des Neunkirchener Explosionsunglücks eingeleitet hatte, eingestellt, da eine strafrechtlich greifbare Verantwortung einer bestimmten Person oder bestimmter Personen nicht festzustellen war. Sommerzeit. Wie wir bereits gemeldet haben, wurde am 26. März in Frankreich und Belgien die Sommerzeit eingeführt. Am 9. April wird auch in Großbritannien und am 30. April in den Vereinigten Staaten, am 15. Mai in den Niederlanden die Sommerzeit eingeführt. Dagegen endet die Sommerzeitrechnung mit dem 31. März in Brasilien. Ein Postpaket explodiert. Auf einem Post- amt in Posen explodierte Montag früh ein Postpaket. Zwei Postbeamte wurden schwer verletzt. An wen das Paket mit dem Explosivstoff gerichtet war, ist noch nicht ermittelt. Der Anschluß ans Dritte Reich. Zum Eintritt des ehemaligen Polizeipräsidenten Doktor Brandl in die nationalsozialistische Partei tellen die Blätter mit, daß Brand sich gestern vormittags offiziell voni Personal des Polizeipräsidiums verabschiedete und nachmittags bereits der Partei beitrat. V«« Rundhmk Empfehlenswertes ans ve» Programme«. Mittwoch. Prag: 6.15: Gymnastik. 11: Schallplatte«. 18.25: DeutscheSendung: Arbeitersunk: Erich Heller: Die Kulturbedeutung des Sozialismus. Bericht vom Arbeitsmarkt. 21,40: Klavierkonzert.— Brünn: 18.25: Dentsche Sendung: Stiaßny: Joziaks Wohnrecht.— Berlin: 20: Orchesterkonzert.— Breslau: 19.30: Bauernmusik.— Mühlacker: 21.30: Johannes Brahms. 22.20: Nachtmusik.— Hamburg: 19.30: Lieder zur Gitarre.— Königsberg: 22.30: Hugo-Wolf-Gedächntms.— Leipzig: 20: Orchesterkonzert.— München: 19.25: Volksmusik.— Wien: 21.45: Volkstümliches Konzert. Stand der Ruudfuukhörer zum 28. März 1933. Im Monate Feber hat die Zahl der Rund- fuickhörer eine Zunahme von 11.075 erfahren, so daß die Gesamtzahl der Hörer Ende Feber 495.786 erreichte. Bei den einzelne» Postdirektionen ergab sich folgender Zuwachs: Prag 6470, Pardubitz 1607, Brünn 1656, Troppau 580. Bratislava 510, Kaschau und Karpathorußland 252. Um die englischen Ingenieure. Di« Sowjetpresseagentur meldet: Die ,^fwestija" und die „Prawoa" ergehen sich wegen der englischen Forderung betreffs der verhafteten englischen Ingenieure in einer überaus scharfen Kritik gegen die englische Presse. Die beiden Blätter erklären, daß die Drohungen mit dem Abbruch der Handelsbeziehungen oder gar der diplomassschen Beziehungen nicht ernst zu nehmen seien, da dies nur England schädigen könnte. Wenn die Gerichtsbehörden die Schuld für unerwiesen halten werden, werden die Angeklagten freigelassen, andernfalls gemäß den Gesetzen der Sowjetrepublik verurteilt,„wie sehr auch die englische imperialissssche Presse toben möge." Großfeuer in Wilua. Die Schokoladenfabrik „Fortuna" in Wilna ist durch einen Brand vernichtet worden. Der Schaden wird ans 100.000 Zloty geschätzt. Ein Sturm von außerordentlicher Heftigkeit, der auf dem Jonischen Meere wütete, hatte di« Ueberschwemmung einer Anzahl von Ortschaften in der Unigebung von Messina zur Folge. Die Wassernüssen verursachten Evdstürze zwsschcn den Effenbahnstationen Santa Lessio und Galati. Das Geelise zwischen Messina und Catania ivurdc auf einer Sirecke von zehn Kilometern unterspiilt, so daß Verkehrsstörungen entstanden. Zahlreiche Familien flüchteten aus den betroffenen Gebieten. Unglücksnachrichten. Das Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, der 49jährige Kaufmann K o l ch aus Haltern, ist am Sonntag Nachmittag seinen schweren Verletzungen als v i e r- t e s Opfer im KrankenhailS.erlegen, die er bei dem schweren Explosionsüuglück am 22. März erhalten hatte. An diesem Tage waren zwei Kraftwagen zusammengefahren, wobei der Tank deS einen mu 160 Liter Benzin explodierte.— Bei dem^öundesrennen der Amateur-Straßenfahrer Berlins verunglückte der frühere Ju- gendfahrer H ö f e r l tödlich.— In H a im o v e r kam der Berliner BMW-Fahrer Fritz Weber beim Eilenriegc-Rcnntzn durch Sturz ums Leben. —Auf der Rodelbahn bei der Zackclfallbaude (Riesengebirge) raste gestern ein Rodelschlitten gegen einen Baum, wobei ein« Berlinerin getötet und zwei Berliner schlver verletzt wurden. Gasexplosion. B«i den mit den Aushebungsarbeiten für einen neuen Straßenbau in der Umgebung von London verbundenen Erdarbeiten kam es zu einer Gasexplosion, wobei fünf Personen getötet und 15 schwer verletzt wurden. Todesopfer des Sportwahnsinns. Das Eilen-. rieoe-Rennen in Hannover hat noch ein zweites Todesopfer gefordert. Der Hannoversche Fahrer Herbert Haupt war am Samstag nachmittag beim Training auf der Rennstrecke gestürzt und hatte einen doppelten Schädelbruch erlitten, Er wurde besinnungslos ins Krankenhaus gebracht, wo er iinwischcn gestorben ist. Noch ein dritter Fahrer ist auf der Rennstrecke schwer gestützt. Er liegt mit lebensgefährlichen Verletzungen darnieder. Auswanderung im Feber 1933.'jiad) vorläufigen Vormerkungen des Statistischen Staatsamtes, M deren Vollständigkeit noch Berichte aus 13 Bezirken fehlen, wurden im Feber (in Klammern: Jänner) 1933 Auswandererpäfle ausgestellt: in Böhmen für 187(109) Personen, in Mähren-Schlesien für 29(37). in der Slowakei für 123(132), in Karpathorußland für 9(21h in der ganzen Republik für 348(2291 Pe'rlone".. Bon ihnen gaben 247(201) Personen als Reiseziel europäische Staaten an, und zwar: Frankreich 103(83), Deutschland 43(19), Oesterreich 6(30), die Union der Soz. Sowjet-Republiken 19(22), Belgien 20(16), Jugoslawien 9(11), Rumänien 18(8), Ungarn—(1), sonstige europäische Staaten 29(11) Personen. Ueberseestaa- ten gaben als Reiseziel im ganzen 101(98) Personen an, und zwar Kanada 44(36), die Bereinigten Staaten von Amerika 19(29), Argentinien 23(15), Uruguay—(2), Brasilien 3(41 und sonstige Uäberseestaaten 12(12) Personen. Diese Statsstik der nach Ueberseestaaten ausgestellten Auswandererpässe wird durch die Statistik der zum Ueherseetransport übernommenen Auswanderer ergänzt, deren es im Feder 1983 im ganzen 97(im Jänner 1933 114) gab und die nach folgenden Staaten ausgewandert sind: Kanada 31(29), nach den Bereinigten Staaten vpn Amerika 39(46), Argentinien 12(27), Uruguay—(—), Brasilien 7(3) und«qch sonstigen Ueberscestaaten 8(9) Personen. Nr. 74 Lien,tag. 28. MSr, IS» /eite 5 Verhaftungen auf Wunsch der SA. Der gc- schäftsführeudc Direktor der Landivirtschastskam- mer für die Provinz Sachzen. Dr. A S m i s, ist von der Polizei heute in Schuhhaft genommen worden. Die Maßnahme steht im Zusammenhang mit den in letzter Zeit von nationalsozialistischer Seite'erhobenen Vorwürfen gegen die Kammerleitung, nicht die Interessen der provinzialsächsischen Landwirtschaft, sondern die eigenen persönlichen verfolgt zu haben. Der Konflikt hatte am Samstag bereits zur Amtsniederlegung der Vorstandsmitglieder von Wilmowski und Rein- hart geführt. Das Ministerium des 1. Avril. Berlin, 37. Mär;. Als Ersatz für ander« versprochene, aber nicht gebrachte Leistungen bringt di« Hitlerregierung dem Volk da- Reichsminisie- rium für„Bolksaufklärung", ein« gute Pfründe für Herrn Goebbels, dem anscheinend sein« eigenen Leute nichts anderes zutrauen als Agitation und Demagogie. Am Sonntag hatte Hitler mit Goebbels in Berchtesgaden ein« mehrstündige Besprechung, welche der Organisation de- Mini- fteriuins gewidmet war. Man beschloß, wie das offiziös« Conti-Büro meldet, erst einmal die Abteilungsleiter für Propaganda, Rundfunk, Press«, Kino und Theater einzusetzen. Alles andere wurde für später aufgehoben. Der neue Geist dringt also siegreich vor. Da» alte„System" ist beseitigt, die nationalsozialistischen Parleibuchbeamten sind am Ruder. Wie sie verwalten, ze'gt ihre erst« Schöpfung: Erst kommt der Minister, Für diesen Minister wird ein Ministerium geschaffen. Damit die erst« Nachfrage gedeckt werde, setzt man di« Abteilungsleiter ein. Wa« dies« zu tun haben werden, weiß man vorläufig noch nicht: das ist ja schließlich auch nicht das Wichtigste. Roch den Abteilungsleiter« werden die kleineren Stellen für kleinere Hakenkreuzler«schaffen werden. Und bis dann da» ganze Ministerium dastehen wird mit Beamten, Titeln und Gehältern, wird man für da» Werk als Abschluß auch etwa» finden, wa» man al» Arbeit wird ausgeben können. Der wird dann«och behaupten, daß den Erneuerern Deutschland» vor allem ihre Versorgung am Herzen liegt? Damit auch für Humor gesorgt sei, meldet da» Conti-Büro abschließend, da» Ministerium für Bolksaufklärung werde"seine Tätigkeit am I. April beginnen. Ein besseres Datum hätte Herr Goebbels auch nicht finden können. Tenn hat die Hitlerei nicht wirklich das deutsche Volk in de» April geschickt? Lar Fräu'eln, dar keim Stufe» steige» traute. lieber ei« heitere» Grenzerlebnis wird un» au» Weipert geschrieben: Kürzlich näherte sich dom sächsischen Barenstein her«in etwas angejahrte» Mädchen her der tschechoslowakischen Grenzlinie, überschritt, nein: übertrippelte sie zuversichtlich und guter Dinge und strebte gen Weipert... nicht links sehend und nicht rechts, sondern züchtig die Augen zu Boden gesenkt und unschuldsvoll oaS Angesicht. Der Grenzbeamte, det gerade Dienst versah, war über die kleinen! Schritte deS Fräuleins ein wenig erstaunt, denn i er kannte die Dame und hatte sie schon oftmals die Grenze weniger trippelnd überschreiten feben; dieserweaen fand er sich veranlaßt, sich der Dahintrippelnden zu nähern und sie zu fragen, ob sie Verzollbares bei sich trüge. Das Fraulein auL Aas der eutea, alten Zett. Bon A«nn« Strutz. & di« gute alte Zeit! Wie ost erklingt nicht ied— wenigst eich die Sehnsucht nach ihr nach den Erfahrungen einer,„freiherrlichen Zeit" herabgemindert ist. Aber wi« sah dir gute, cute Zeit trnrklich aus? Ich war 1910 Verkäuferin in einem gutgehenden Delikateßwarengeschäft. Der Chef und leine Angehörigen behandelten uns Angestellte anständig, das Esten war gut und auch die Be- zählüna nicht sehr schlecht. Ich erhielt 25 Mark bei freier Station. Das Geschäft war von Morgens 7 bis Abend» 8 Uhr durchgehend geöffnet, wi« das vor dem Kriege überall üblich war. Mittagspause gab es nicht: man aß eben schnell und ging dann wieder in den Laden. Di« Zeit»rach dem Abendessen um acht Uhr stand zu^ unsrer Anfügung. Das heißt: nur für die Berkäuserin- rren und Angestellten. Für die Lehrlinge gab e» noch keinen Feierabend. Die saßen noch im Kontor und machten Schularbeiten oder registrierten, kopierten und machten Geschäftsbücher fertig. Das galt auch für die Sonntage während der Kirchzeit von 9.80 bis 11.80 Uhr. Abwechselnd gingen die Lehrlinge zur Kirche— w-he aber, wenn sie währerch dieser Zeit auf der Straße an» getroffen wurden! Dann wer's mit, dem Kirchgang für Wochen vorbei. Um zwei Uhr Mit« tags toar jedoch Ladenschluß. Dann durfte jeder ausgeben. Durch Vermittlung meines Onkels kam ich «iS dieser guten Stellung in ein« größere Stadt des Ruhrgebiets. Ich konnte dort spater'mehr Geld verdienen— und das rvar auSkchlaggebend. Ei« schöner, großer Laden sollt« mich emvfangen ....! Den ersten gelinden Schrecken bkam ich bei der Ankunft als ich das Ende des Ladens nicht übersehen konnte. Ich wurde zwei freundlich empfangen aber io gant anders als ich es gewohnt rvar. Weil alle Mädchen gleichmäßig gekleidet waren, mußte ich mir auf eurer Art Unglaubliche BettaulskmMe. (Huer, her die Ware verschenkt unö dadurch verdient. Prag, 88. März. DaS skrupellos« Verdienerprinzip, auf das sich di« kapitalistisch« Ordnung gründet,'treibt in dieser Uebergangszeit die unglaublichsten Blüten. In dies« Kategorie gehört auch der Fall des Wiener Vertreters Richard Oreust ein, der bisher die Tschechoslowakei beglückt«. Als Vertret«: der Firma Schweb reiste er mit Musterkoffern seiner Bettwäsche uncher und da er, wie er heut« vor Gericht erklärte,„aus eine schöner« Art als durch bloß« Hausiere r e i" seine War« loswerden wollt«, hatte er sich Methoden zuwchtgeiegt, die ihn heut« wegen des mehrfachen Verbrechens des Betruges vor den Senat des OGR. Trost brachten. In drei Fällen arbeitet««r nach demselben Kniff. Er erschien nacheinander bei drei Personen verschiedenen Berufes: dem Großselcher Josef Je- täbek, dem Herausgeber einer Hotelierzeitung Brenek und dem österreichischen Geneal- konsul, Kommerzialrat und Bersiche- rungSdirektor Fritz Groß uick entbot nicht etwa War« zum Verkauf an, sondern richtete herz» lichst« Grüß« auswärtiger Freund« aus. Den Selcher grüßte er von dem Präsidenten der Pariser Selcher Jourain«, den General- konsul von dem Pensionatsdirektor Jabraine in Neuchütel, wo sich di« Töchter des Herrn Groß befinden, und den Herausgeber von Baseler Freunden. I» letzterem Fall»vor seine Beredsamkeit so„betäubend", wie dieser Zeuge wörtlich sagte, daß es dem Heimgesuchten ganz entging, daß einer dieser Freunde gar nicht existiert«, sondern der„Freund Dolder" nicht» ist, al» di« Firma eines Hotel», dessen Plakat der schlaue Verkäufer an der Wand d«s Büro» erblickt«. Nach angeregtem Gespräch, das feiten» des Herrn Orenstein, der übrigens als„Fabrikant Ziegler" auftrat, in Original Schweizer Dialekt geführt wurde, folgt« stets«in überraschender Abschluß. Mit großer Gest« schenkte der verm«intliche Fabrikant und lleber- bringer der FreundeSgrüße den Besuchten zwei Koffer feiner Wäsch«„«cht Schweizer Stickereien", bitt« schön,„damit Sie sehen, was wir Schweizer für Kavalier« sind"". Natürlich wollten bi« Neberraschten nicht annehmen. Aber Or«»rstein, alias„Fabrikant Ziegler", lächelt« nur:„Ich hab« e» satt, das Zeug herumzuschleppen und an j«der Grenz« Zoll zu zahlen." Und als di« Beschenkten sich immer noch sträubten, meinte der feine Psychologe schließlich so obenhin, wenn«8 ihnen peinlich sei, ein Geschenk anzunehmen, so könnten sie ja dem Schweizer„Roten Kreuz" e-ine Spende machen. Er fei bereit, die Spende zu übernehmen und ihrem Zwecke zuzuführen. Er erhielt, unter geschickter Nachhilfe, in jedem der drei Fäll« 2600 K, was dem Verkaufspreis der War«— übrigens nicht Schweizer, sondern Jnlandssabrikat— entspricht. Ter Effekt des„Geschenkes"»var also, daß«r sein« War« abgesetzt und di« Beschenkten für überflüssig« War«, die sie sonst nicht gekauft hätten, den richtigen Kaufpreis entrichtet hatten — allerdings nicht als Kaufpreis, sondern als „Spende fürs Rot« Kreuz". Das als» ist die„schönere Art" Geschäft« zu»nachen. Orenstein hält das für«inen erlaubten Berkaufstrick un- beruft sich darauf, daß ja alles in Ordrmng sei Hier di« War«, dort der Gegenwert— niemand s«i geschädigt. In einem vierte» Fall macht« er es ander». Er überbracht« dem Kaufmann Josef C h m e l Grüß« von seinem Studlenkollegrn und besten F«und Rudolf Färber in Zürich. Dann ,/schenkte" er dem aufrichtig Erfreuten in üblicher Weise zwei Koffer Wäsch«, aber zur Abwechslung forderte«r kein« „Spende", sofern„borgt«" sich nur„bis nachmittag»" 2000 K aut, weil er angeblich direkt von der Londoner Messe komm« und nur«ngli» sches Geld bei sich habe. Allerdings kam«r nicht wieder. Durch Zufall auf der Straß« erkannt, wurde er verhaftet. Der Gerichtshof erkannte nach längerer Beratung den Angeklagten schuldig, Di«„Beschenkten" seien in Irrtum geführt und auch insofern geschädigt worden, als sie die Ware, di, sie ja nicht brauchten und auch nie gekauft hätten, nicht zu einem Preis wcitergeben könnten, der der bezahlten Summ« entspreche. Der Angeklagte habe sich also auf listig« Weise zu ihrem Nachteil«inen finanziellen Borteil verschafft und damit sei der Tatbestand des B«. trugzparagraphen gegeben. Orenstein wurde zu drei Monaten Ker- k« r und zur Wiedergutmachung det Schadens der- urteilt und außerdem wurde seine Ausweisung aus dem Staatsgebiet ausgesprochen. Die Straf« ist unbedingt. rb. iiiniimmiiiniiuiiiiiiiiiiiinnininiiiiiniiitiiiHiiniHininniiniiiiiiiiinnnitiiitinminiiinnnifltininniniinnninniiiiiniiiiiiiiifflniinuiiniuniinnuiunuiiiniBni Weipert verneinte, aber zugleich stieg eine so verdächtige Röte in ihr Gesicht, daß der Beamte mißtrauisch wurde und die Dame aufforderte, mit ihm in die Amtsstube zu kommen. Einen Augenblick zögert« da» Fräulein, dann folgte r» dem Mann ns der Uniform... in kleinen, winzigen Schritten.. in Schritten, die an dir Zeit det seligen Humpelrockes gemahnten, von so besonderer Art waren sie. Als die beiden, da» Fräulein und der Beamte, dann vor dem Zollhaus standen, zu dessen Eingang ein paar Stufen hinaufführen, erklärte die Ungehaltene, nickt i» der Lage zu sein, die Stuken'zu steigen. Eine Erklärung, blieb sie schuldig. Der Beamte verlor die Geduld und befahl oem Fräulein in ziemlich barschem Tone, ihm in die Amtsstube zu folgen. Da geschah Sonderbare»: das Mädchen tat einen Seufzer, und dann schien eS, als würde seine Gestalt ein wenig kleiner, gewissermaßen zusam- mrnsinken, und dann... ja, dann tat dar Fräulein aus Weipert einen merkwürdigen Sprung von der Straßensoble auf den ersten Stufenabsatz, stand ein' wenig schwankend, atmet« heftig und sprang dann wieder. Immer mit zwei Füßen auf einmal. Und dann sprang da» Fraulein noch einmal. Rein, cs sprang nicht, eS hüpfte! Einmal, zweimal, dreimal, viermal, bis es erschöpft auf dem Treppenabsatz stand und von dort, ins Amt»« zimmer-,trippelt«-.., mit den gleichen winzigen Schritten aus der Humpelrockzett. Es stellte stch heraus, daß das Fraulein in Annaberg eine Rolle Linoleum erstanden, sich das steife Zeug in einem Hause in Bärenstein um den Leib gewickelt, darüber die Kleider gezogen hatte und dann in der Röhre, die fast auf ihre Knöchel reichte, über die Grenze gewandelt war. So eng und so lang war die Röhre, daß die Dame nicht nur beim AuSschreiten mächtig behindert war; er war ihr zuschlechterletzt nicht möglich, die Treppe zum Zollhaus anders als hüpfend zu erklimmen. Als die Linoleumdame nach einiger Zeit die Amtsstube verlassen durfte, tat sie riesige Schritte gen Weipert... so, als wollte sie ausprobieren, ob sie dazu noch in der Lage fei. Sie war es, wie die au» dem Fenster schauenden Zollbeamten schmunzelnd feststellten! Genossen!«»-gefetzt f 0 r sie Verbreitung unserer Leitung agitieren- Setzt euch überall für««fere Parteipresse ei«. I» vas Heim des Arbeiter» geftör»»»« Arbeiterpresse. Darum, ««nassen«.Genossinnen UHIII»»“ Volkswirtschaft und Sozialpolitik Zentralbank und Genossensch alten. Eine Feststellung der^Konsumgenossenschaft". Die„Konsumgenossenschaft" schreibt: Die Zahlungseinstellungen' einiger Geldinstitut« haben die diesbezüglichen Besorgnisse der spartätigen Bevölkerung noch vergrößert. Am ghlbarsten wurden die Besorgnisse In den letzten ochen, als, die Zentralbank deutscher Sparkassen, gedrängt durch eine Immobilisierung ihrer Werte, um die Bewilligung eines Zahlungsaufschubes, um ein sogenanntes Moratorium ansuchen mußte. Durch das Eingreifen der Regierung wird eine Lösung zngestrebt, die die Einlagen der kleinen Sparer sicherstellt. In der Bevölkerung griff jedoch ein« gewisse Nervosität, eine wachsende Besorgnis Platz; sie fürchtete, daß diese Vorkommnisse auch auf di« übrigen Geldinstitut« übergreifen würden. Auch in Kreisen unserer aenossenschafttichen Marrin- leger wurden Gerüchte wach, daß unser Gec- Verband und mit diesem auch unsere Konsum- M und Spargenossenschaften dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Wir erklären, daß unsere Konsumgenojsen- schaftsbcwcaung durch di« Zahlungseinstellung der Zentralbank deutscher Sparkassen in keiner Weif« in Mitleidenschaft gezogen werden kann, und daß gegenteilige Gerüchte jeder Grundlage entbehren. Die drei Aukgabengebiete der Gewerk» schalte' In einem Artikel bes Textilarbeiter" :o«rden di« gegenwärtigen Ausgaben der Gewerkschaften besprochen. Der Verfasser des Artikel» gelangt zu folgenden Schlüssen: Die Tätigkeit der freien Gewerkschaften ist heute verzweigter und umfassender, aber auch schwieriger als noch vor einigen Jahren. Per» tewigung. und Verbesserung der erworbenen Errungenschaften, Beitesingung der Löhne und der Kampf um ihrs Erhöhung, Gestaltung und Wirtschaft im Smne ihrer Umwandlung' in eine planwirtschaftlich« Ordnung, da» sind di« drei großen Aufgabengebiet«, die heut« von einander nicht mehr zu trennen sind und von deren Notwendigkeit sede» einzelne Mitglied der freien Gewerkschaften durchdrungen sein muß. Halten wir uns dabei aber immer vor Augen, daß alle», wa» di« Arbeiter heute an sozialen Reckten besitzen, nur durch die Stärke der freien Gewerkschaften erzielt wurden und daß wir daher, unser höchstes Ziel, die Schaffung einer sozialistischen Planwirtschaft, nur erreichen werden, wenn wir unsere freien Gewerkschaften stärken und wenn jedes ihrer Mitglieder an der gewerkschaftlichen Arbeit nicht nur geistig, sondern oum praktisch teilnimmt. nach unser» Schlafsälen, die über den dortigen Läden lagen. Zu zwölf Personen schliefen wir in einem Zimmer. Die Fenster hatten keinerlei Gardienen und die Wände nicht den geringste« Schmuck. Dafür hatte man nach fünszchn- bis siebzehnstündmer Arbeitszeit ja auch kein'Ang« mehr! Bor Müdigkeit sank man in ein schlechtes Bett. In der ersten Zeit weinte ich mich jeden Tag in Schlaf. Am andern Morgen weate uns um sechs Uhr dar schrill« Ton einer Glocke. Ob- wohl das Geschäft erst um acht Uhr geöffnet Winde, mußten wir so früh aufstehen, um den großen Laden vorher noch zu säubern. Kurz vor acht Uhr gab'» Kaffee. Sonntags war da» Geschäft von 11 bis 2 Uhr geöffnet. Als ich mich am ersten Sonntag kurz nach acht Uhr in der Küche zum Kasfee- trinkm einfand, lachte man mich aus. Sonntags gäbe es keinen Kaff«— da schliefen die Mädchen bis 10 Uhr. Um 10.30 Uhr gab eS dann Mittagessen. Für den Rest des Tages war dir Küche für die Angestellten geschloffen: es gab nichts mehr zu essen. Die jungen Mädchen tvaven fast alle aus der Stadt oder aus der Umgegend. Ich dagegen war völlig fremd. Mit meinen 15 Mark MonatS- lohn hätte ich hungern müssen, denn davon mußte ich nicht nur meine Wäsche halten, sondern wollte untox allen Umständen auch für meine Miltter, di« Witwe war, etwas erübrigen. So war ich auf die Gnade des Onkels angewiesen, der mich in diesen Musterbetrieb gebracht hatte. Sonntags Abends mußte alles um 10 Uhr wieder im Schlafsaal sein. Niemand durfte länger wegbleiben, wollte er nicht für die ganze Nacht ausgeschlossen sein. Mit meinem Onkel wollte ich einmal ins Theater und versuchte deshalb, Urlaub zu bekommen— vergeblich. Ein« Ausnahme könne man nicht machen. So ging das Doch« um Woche. Jeden Tag wurde bis 12 Uhr und darüber hinaus gearbeitet. Don den jungen Lehrmädchen bekamen einige des öfteren abends Krampfe. Aber niemand sagte etwas; niemand beklagte sich— aus Angst, die Stellung zu verlieren. Organisiert war damals noch niemand. Nach nenn Wochen hatte ich zehn Pfund abgenommen. Das WeinhachtSfest rückte näher. Immer schlimmer wurde der Betrieb im Laden, immer länger der Arbeitstag. Einmal war«S zwei Uhr nachts, als wir ins Bett kam.'n. Ich konnte die» Lebe« nickt länger ertragen und wollt« Schluß machen. Aber wie? Bevor ich nicht eins neue Stell« hatte, wollte ich nickt kündigen. Nach Haus fahren und meiner Mutter zur Last fallen konnte ich nicht. Arbeitslosenunterstützung gab es damals natürlich noch nicht! So beschloß nh, krank zu werden..Heute weiß ich; daß ich frevelhafte» Spiel mit meiner Gesundheit trieb; damals aber war mir alles egal. Nur richtig ausruhen und schlafen wollte ich eiumal! Ich wusch mir also den Kopf mit kaltem Wasser und hielt ihn m allem Ueberfluß eine ganze Weil« aus dttn Fenster. Und das im Drzeinb:r! Ick war am andern Morgen noch nicht krank, wie-ch gehofft hatte. Auch am zweiten Tag« noch nickt. Am dritten Tage ging es mir'aber nickt gut. Ich fühlte mich schon Morgens nicht mehr wohl, schleppte mich abci doch bis zum Abend hm bis ich dann hinter dem Ladentisch ohnmächtig wurde. AIS ich erwachte, lag ich mit einem starken Schüttelfrost im Bett. Am andern Tag kam ich mit einem Lungenkartarrh ins Krankenhaus. Dort feierte ich in Fiebeirphantasien Weihnachten. Ich gesundete wieder. Mein Chef holt« mich wieder. Sicher sind auch heute noch manche Wünsche offen— aber: ist heut« nicht der Sieben-Uhr- Ladenschluß'? Haben wir nicht«ine durchgehende Mittagszeit? Wer muß heute noch beim Chef wohnen? Di« Jugend tummelt sich heute''u den Sport- und Jugendvereinen. Der Sonntäo...steht voll zur Verfügung für Wanderunoen. Man fühlt sich als freier Mensch! Wer denken kann, wird niemals diese gute, alt« t,, berbewürzschen, sondern kick einreiheu in unsre stolzen■ Organisationen, die weiter für ein« schöner« Zukunft der j Menschheit kämpfen!., Rumpelkammer passende Kleider auisuchen. Kurz darauf war Mittagszeit für einen Teil der Mädchen, die im Laden entbehrt werdon konnten. Sie stürmten nach der Küche, wo auf einer Anrichte ganze Stöße von Tellern standen. Jeder nahm sich einen und ging damit zum Herd, wo eine brummige Köchin aus einem unendlich großen Topfescvem Mädchen etwas auf den Teller füllte. Mir war dieser kasermmmätzrge Betrieb etwas Schrecklicher. Beim Mittagessen erfuhr ich, daß 45 Verkäuferinnen und 15 Lehrmädchen im Geschäft angestellt waren. Dennoch handelte eS sich-nicht um ein Warenhaus, sondern um ein großes Kolonialwarengeschaft, das von all«« Straßen besondere Zugänge hatte. Bald ging der Betrieb im Laden loS. Man lah nichts weiter vor sich als eine Kette von Menschen, di« nicht abreißen wollte. Wir liefen und rannten, um alles zusammenzuholen, was di« Kundschaft verlangt«. Dabei war alle» schon fertig abgewogen. Zum Frühstück und zur Kaf- feezert mußt« man sich abmelden. Die Kassiererin schrieb den Namen auf einen Block. Die Pausen dursten nicht länger als fünf Minuten dauern. Auch zum AuStreten mußte sich jeder abmelden: jede Nummer wurde ausgeschrieben, so daß immer eine Kontrolle da war. Abend» vor neun Uhr war dann endlich dar letzte Kunde aus dem Laden herauSgelassen. Todmüde ging eS in den Eßsaal. Ich merkte gar nicht einnial mehr, wie wenig appetitlich eS hier aussah. Der Hunger ließ keine Zett zu Betrachtungen. Meine Freude auf ein Bett wurde grausam enttäuscht. Denn nun ging die Arbeit erst richtig los. Abwiegen, abwiegen! Am Tage hatte man ja keine Zeit dazu. Und so wogen wir Zuk- k> r und Reis, Salz und Mehl und was eS der Dinge mehr gab. Es wurde 12 Uhr— zuweilen aber noch viel sväter. Da alle Fenster und Türen mit eisernen Rolläden versehen waren, drang kein Lichtstrahl nach draußen. Ungehindert konnte der Chef arbeiten lassen. Eicklich, nachdem sich der Chef vergewissert, daß niemand den Dorfgang beobachtete, ließ er un« über di« Straße Seit« 6 „Sozialdemokrat" Grösse 27-34 KcT9< 15.- Feste Dullbox- Halbschuhe, mit dauerhafter Gummisohle. Grösse 35-38 früher Kc 25- ietzt Kä 19.- xr^s Für Mädchen: geschmackvoll I a verzierte lack-Spangenhalb- schuhe. Aus feinem, braunem Box zum gleichen Preise. BENUTZEN SIE UNSERE PREISERMÄSSIGUNG zum Ankäufe von Frühjahrsschuhen! WIR BIETEN IHNEN FDR WENIGER GELD, MEHR SCHUHEI Aus schwarzem oder braunem Samt, mit braunem oder schwarzem Lack kombiniert. Zum dunklen Anzuge: Halbschuhe aus schwarzem Mattbox, mit Lack-Kombination. Dienstag, 28. Mär, 1833. Nr. 74 Besichtigen Sie unsere Schaufenster. Elegante Schnürschuhe aus festem Box. Halbspitze Facon, starke Ledersohle. B-33 PRAGER ZEITEN». Kunst und Wissen Wochenspielpion des Reuen Deutschen Theaters. Dienstag,%8 Uhr:„Carmen"(AI).— Mittwoch,%8. Uhr:„A u s l a n d s r e i s e"(B1).— Donnerstag,&8 Uhr:„F rde l i o"®1).— Freitag,%8 Uhr:„Glück im Haus', Gastspiel Theater in der Josefstadt(AA.).— Samstag, halb 8 Uhr:„Glückliche Reise"(Li). Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Dienstag, 8 Uhr: Komödie der Srrungrn". — Mittwoch, 8 Uhr:„Geliebte Stimme", „Oedipu s".(Bankbeamten II).— Donnerstag, 8 Uhr:'„Komödie der Irrungen".— Frei, tag, 8 Uhr:„Eva saniert das Paradies' (Kulturoerdandssreunde).— Samstag, X9 Uhr: „Komödie der Irrungen". Sport• Spiel• MmllM ■ärgerlicher Sport ReisterschastSspiel« des DFL. Prag. Am Samstag schlug der DFL. sicher, aber in einem wenig anregenden Spiele di« Lportbrüder mit 5:0 (1:0). Di« DFL-Stürmer boten tvohl gut« Feldarbeit, zögerten aber vor dem Tor« mit dem Schuß, so daß di« energische Verteidigung der Sportbrüder manche sicher« Erfolg« verhindern konnte.— Sonntag siegte der DFL. in Budweis über seinem Namensvetter mit 4:1(2:0) verdient. Die Budweiser besitzen-derzeit nicht xMQtJbte Stärke von sinst und waren den Pragern, d«„übrigens auch lei» so großartiges Spiel lieferten, kein Gegner. Im Punktekamps der Profi-Liga gab es am Sonntag einige Uoberraschmigen, deren größte wohl ist, daß die Prager Slavia in Pilsen vom Tabellenletzten S K. P l z e n mit 1:2(0:1) geschlagen wurde.— In P r a g wurden die B o h« m i a n s vom S K. K l a d n o mit 1:4(0:2) abgehängt und' Sparta hatte große Mühe, um gegen S K. L i- b c n mit 3:2(2:1) siegreich zu bleiben. Am Samstag wurde di« Prag r Viktoria von ihrer Pilsener Ramensvetterin mit 1:3(0:2) verdient geschlagen. Frücht« bürgerlich«« Erziehung: Raufereien und Schiedsrichterverprügelungen. Am Sonntag kam es in dem vom Volksmund anscheinend mit Recht benannten Wild-Westgau des DFB. zu einer großen Anzahl von Exzessen bei Meisterschaftsspielen. In GrüAitz kam es im Zuschauerraum zu Krawallen, di« am Spielfeld insofern«inen Widerhall fanden, daß der Mittelläufer vom Karlsbader FK. kurz vor Schluß ohne Grund zujammbngetreten wurde. In NeudÄ und Joachimstol wurden die Schiedsrichter verprngelt und in Drahowitz wurde«in Spiel deshalb abgebrochen, weil man statt Fußball zu spielen sich mit Ohrfeigen bedacht«. Das ist nur ein« kleine Auslese Meifelhafter Ereignisse' einer Sonntags aus einem Gau. Der Verband kennt di« Verhältnisse zur Genüge,«s ist ja nicht das erstemal; er findet aber bloß Worte, statt Taten zu zeigen. Soustige Fußballergcbnisse vom Sonntag. Pilsen: Viktoria LiL'ov gegen Viktoria 6:1(5:1). Freundschaftsspiel.— Saaz: DSV. gegen Meteor VIII Prag 5:0(2:0).— T«plitz: TFK. Profi gegen Guts Muts Dresden 3:3(1:1).— G ra s- litz: Karlsbader FK. gegen TFC. 3:0(1:0).— Soborte n: TFK Komotau gegen DK. 4:1 (1:0).— Aussig: DFK. gegen Nuselsky SK 5:3 (3:2)..— Bodenbach: SpBg. gegen Spordbrüder Schreckeirstein 8:1(5:1).— B.- Leipa: DDL gegen Reicheivberger SK. 5:2(3:0).— G a b- lonz: B2K. gegen DTK 3:1(1:0).— Reichenberg: DFK. gegen DSV. Traulenau 7:1 (4:0).— Warnsdorf: WFK. gegen TSK. Grot- taü 9:1(5:1).— Brün n: DSV. gegen öechie Segengottes 4:2(3:1).— Zlin: SK. Baka geg. 6AFC. Prag 4:1(2:1).— Proßnitz: SK. gegen Kispest Budapest 3:3(2:2).— Preßburg: 6SK gegen AC. Nitra 2:1(1:0).— Budap«st: Ujpest gegen Hungaria 4:3(8:2).— Wien: Ad- mira gegen Sportklub 2:2(2:1), Austria gegen Wacker 3:2(1:0, Vienna gegen BAL. 3:0(3:0), WAL. gegen Hakoah 4:0(1:0), Rapid gegen FC. Wien 2:1(1: 1).— Deutschland: 1. FC. Nürnberg gegen Bayern München 0:2, FC. Pirmasens gegen SpVg- Fürth 1:1, Hertha Berlin gegen Viktoria Berlin 8:5.— Pa ri s: Frankreich gegen Belgien 3:0(1:0).— B rüffel: Paris gegen Brüflel 3:6. Aus der Partei Jugendbewegung. Frei« Vereinigung foz. Akademiker— Arbeitsgemeinschaft„Bert Brecht". Heut« Dienstag, den 28. März, 22 Uhr. Cass Continental, Hintergebäude, 2. Stock. Allgemeine Besprechung. Sozialistische Jugend,.Kreis Prag. Heut« abends wichtige Kreisleitung-Sitzung: Verein deutscher Arbeit««, 7 Uhr; pünktlich sein, da wir um 8 Uhr schließen müssen! Frei« Vere nigung soz. Akademiker. Heute 20 Uhr: Juristenfachschaft. Dr. Fritz Brügel spricht über di« Laienbeteiligung inder Rechtssprechung. Vereinsnadiiridden „AtuS" Prag. Mittwoch, 29. März, 7 Uhr abends, Restaurant„U Kupcu", Stöpanska, technische Sitzung mit wichtiger Tagesordnung. Es ist Pflicht aller technischen Funktionär«, pünktlich zu erscheinen. Der Film „Mord in der Jnstlgasse." Wenn man einen repräsentativen Großkriminalftlm erzeugt, dann empfiehlt es sich nicht, di« ältesten Gebräuche dieses Jlckustriezweiges zu übernehmen; seit Wallace ist es weltbekannt, daß nur derjenige Mörder sein kann, der am wenigsten verdächtig ist. Also hat auch her Detektiv Klubiöko in diesem neuesten Tschechenfilm ein leichtes Spiel; er hält sich nicht an di« Polizeibericht« und findet prompt den Richtigen, der mordet, um mit einem Pupperl(das ganz danach aussieht) nach Paris zu fahren. Da er sonst reich sein soll, gewinnt die ganze Geschichte nur an Wahrscheinlichkeit. Man geht nicht fehl mit der Behauptung, daß sich di« heimische Produktion durch solche Sujets kaum retten wird; besonders wird damit nicht bewiesen, warum es nötig war, im kleinsten Produktionsstaa't di« allergrößten Ateliers mit Staatshilfe zu bauen. Wenn man die Barran- dow-Ateliers nach diesem ersten Film beurteilt, so ist folgendes zu sagen: die Bauten find geglückt, die Beleuchtung fast so gut wie in der alten Bretterbude in den Weinbergen und der Ton dank der neuen Mischmaschine schlechter als bei den erste» Filmen. Wieder zeigt Regisseur Jnnemann ganz gutes Handwerk, ohne Einfälle und Logik des Schnitts. Pon Schauspielern gefällt.P la cht a als ruhtzer Detektiv, Trojan als idiotischer Reporter und Frau Lhotovu, heute wohl hie einzige-tschechisch« Filmschauspielerin von erträglichem Niveau; man beschäftigt sie darum auch nicht. In der zweiten Hälfte wird der Film etwas reicher an Spannung; elend ist di« Musik. W. 8. Kleine Fraittn-RundMu. Kindersklaven in Inner-China. Die chinesische Regierung hat in mehreren Distrikten des Landes ausgesprochen« Sklavenmärkte ausgehoben. Mit Duldung, zum Teil sogar mit Unterstützung einzelner Beamter wurden hier in aller Form ganze Familien verkauft. Bor allem aber würden Kinder gehandelt, di«, für billiges Geld erworben, von skrupellosen Unternehmern 16 Stunden lang und mehr pro Tag in ihren Betrieben benutzt werden, lieber 80 Prozent dieser Sklavenkinder sind«ach höchstens drei Jahren an den Folgen der unmenschlichen Behandlung, Ausnutzung und schlechten Ernährung gesundheitlich ruiniert. Haupt- Ktnderfreunde J3rao. Mittwoch nachmittags um halb 4 Uhr Zusammentreffeu bei der Holeschowitzer Schule. Bei schönem Wetter gehen wir in den Baumgarten. Gäste willkommen! Funktionäre Achtung! Mittwoch abends um halb 7 Uhr im Sozialdemokrat wichtig« Ausschutzfitzung. li«serant«n der Sklavenmärkte sind di« Bauern der durch Bürgerkrieg, Krankheit und Mißernten völlig verarmten Gegenden. Hier verkaufen zahlreiche Bauern ihr Anwesen für ein Spottgeld und gehen auf Wanderschaft. Da ihnen hierbei ihr«.Famil'e lästig ist, entledigen sie sich ihrer durch Verkauf. Dies« Vorgänge, di« von den verschiedensten Seiten bestätigt werden und mit der.steigenden Not des chinesischen Volkes sich gerade in der letzten Zeit häufen, sind bezeichnend dafür, daß das Reich der Mitte von der Zivilisiernng noch weit entfernt ist. Natürllch gibt es solche Sklavenmärkt« nur im Innern des Riesenlandes, während in den dem Weltverkehr zugänglichen Distrikten, vor allem den großen Städten in den Küstengebieten, wohl auch Rot herrscht, aber solche Rückfälle in das finsterste Alter- tnm und Mittelalter doch nicht mehr vorkommen Wieder Witwenverbrrnnnngen in Indien. Di« Witwenverbrennungen nehmen in den letzten Monaten in Indien wieder überhand, nachdem es den anglo-indischen Behörden endlich gelungen War, diesem für europäisch« Begriffe undenkbaren Zustand der Verbrennung von Menschen bei lebendigem Leibe«in Ende zu machen. Wiederholt mußten in letzter Zeit größere Truppenkontingente eingesetzt werden, wenn die fanatische Trauergemeinde di« Witwe eines Verstorbenen mit Gewalt auf den Scheiterhaufen schleppen oder aber wenn di« Witwe durchaus für ihren verstorbenen Mann den Feuertod erleiden wollte. In mehreren Fällen kam eS zu schweren Zusammenstößen zwischen den Truppen und den Eingeborenen, wobei zahlreiche Todesopfer zu beklagen waren. Man gibt regierungsseitig zu, daß trotz allem in den abgelegenen Orten di« Witwenverbrennung wieder an der Tagesordnung sei, natürlich sind zuverlässig« statistisch« Angaben über di« Zahl der Opfer dieses scheußlichen Brauchs nicht möglich..— Nach den neuesten Mitteilungen will di« Regierung selbst vor den drakonischsten Maßnahmen nicht zurückschrecken, wenn nicht endlich Schluß gemacht wird mit der Anwendung eines Brauchs, der im Augenblick weniger aus religiösem Fanatismus als gus Revoltestimmung gegenüber den verhaßten Europäern zu erklären ist. Abgebauter ZanberlüWer. ■■ Bon HanS Reimann. Eduard war Zauberkünstler gewesen, und was feine Gattin ist, di« hatte ihm dabei assistiert, weil sie da laut Tarifvertrag„freie Reise" hatte, aber sie sah damals ganz schmuck ans und konnte auch ein bischen Zaubern helfen— tja, und nun sind sie beide alt und mürbe geworden und freuen sich, mal zehn Märker pro Tag zu verdienen, das bekommen sie nämlrch vom Film geboten für Mitwirkung an der Kultur, und das rst gut genug bezahlt, denn sie können alle zwei nicht viel, im Gegenteil, chr« Fähigkeiten sind recht bescheiden üm> nur selten zu verwenden. Was kann Eduard? Ach, um die Wahrheit zu sagen: Eduard kann weiter nichts als bellen, Bitte? Jawohl: bellen. Wie ein Hund. Wie verschieden« Hunde. Er hat sich darin geübt und bringt sowohl den wütenden Bernhardiner als auch den schelmischen Dackel naturgetreu zu- stande. Und sein« Gattm Pauline? Run, Paulin« kann leider, kann leider, leider nur Küken. Küken sind ihre Spezialität. Sie hat sich dermaßen hineingelebt in die Küken, daß alte, erwachsene Klucken von chr getäuscht werden. Also Eduard kann Hundegebell, und Paulin« kann Kükengezwitscher. Und jetzt sind sie em- trätig draußen im Kulturatelier und warten, bis sie an der Reihe sind. Früh um acht waren sie pünktlich zur Stelle. Er mit seinem Hunde- aebell und Baulin« mit ihrem Kükengezwrtscher. Und dann haben sie sich still in einen Winkel verkrochen und haben gewartet. Sie warten noch. Sie sind das gewohnt. Bis Mittag haben sie ab und zu ein bißchen geprobte Er hat geknurrt und gewinselt und wauwau gemacht, und Paulin« hak mit feiner, dünner Stimme immerfort gepiepst. Utw nun harren sie ihres Austritts- Das Warten ist gar nicht so langweilig. Immerfort gibt es was zu sehen und zu hören. Man dreht einen Kulturfilm. Kurz, lehrreich und überaus kultiviert, beziehungsweise kulturell. Kultur darf nicht viel kosten und darf nicht lang sein. Nebenan im Atelier wird auf jegliche Art von Kultur strengstens verzichtet. Nebenan wird ein Drama. in den Cordilleren gedreht. Hunde müssen Schurken aufstöbern. Es-sind auch Bären leihweise zur Stelle. Seit Vormittag neun Uhr wurden ausschließlich die Bären gefilmt. Einer ist dabei totgeschossen worden. Das ist so in den Cordilleren. Das muß so sein. In den Cordilleren gibtS keine Kultur. Pauline piepst für sich hin, um zu sehen, ob sie die Küken noch kann. Sie kann sie noch. Wmard haßt den Regisieur von nebenan. Der Mann hat chn noch nie engagiert. Der Mann legt kein Gewicht auf Natürlichkeit. Der Mann läßt alles künstlich Herstellen. Mit Instrumenten und so fortschrittlichen Dingern. Wenn bet ihm ein Bogel pfeifen muß, dann wird das mit der Pfeife nachsynchronisierl. Höchst verächtlich. Utw jetzt sind die Bären dran. Immer noch. Ein wilder Kerl mit der Nilpferdpeitsche wütet (unter den Bären. Die Bären geben ihr Bestes her. DaS Gebrüll wird dann später nachgeliefert. Höchst verächtlich. Aber der Regisieur, obwohl er doch brüllen könnte, weils stumm gedreht wird, der Regisieur ist sanft und leise. Unangenehmer Mensch. Und jetzt kommen die Hunde an die Reche. Herrliche Tiere. Sie sollen bellen. Aber sie bellen nicht. Kaum haben sie die Bären erblickt, da ziehen sie die Schwänze ein und sagen nicht einmal Piep. Der Regisseur ist verzweifelt. Stunden vergehen. Eduard muß grimmig lachen. Die Hunde bleiben ohne Ton. Und die Szene mit den Hunden sollte natürlich der Einfachheit halber mit Ton ausgenommen werden. Eduard hockt in einem Winkel und platzt vor Schadenfreude. Er hat einen hohen Stehkragen um und einen abgeschabten Culgway und eine grasgrün« Weste. Ich schätze ihn auf Ende Sechzig. Gibts denn da keinen Ausweg? Der Regisseur^ der sanfte und geduldige-Herr, berät sich mit seinem Stabe. Schließlich erinnert sich einer, daß nebenan Kulturfilm stattfindet, und daß daselbst Hundegebell in kleineren Mengen abgegeben wird. Afto erscheint ein Parlamentär und leitet Verhandlungen mit dem Regisieur des Kulturfilms ein— von wegen leih weiser lleber- lasiung des Hundegebellerzeugers. Eduard wird gerufen. Eduard härt sich den Fall an. Die Leute in den Cordilleren sind geschmissen, wenn Eduard ihnen nicht aus der Patsche hilft. Aber Eduard umgürtet sich mit Stolz. Eduard weigert sich entschieden.„Ree", sagt er bedächtig,„der nimmt unsereins nie. Lassen Sie den Mann mit der Maschine bellen". Das sagt Eduard, und Pauline pflichtet ihm selbstbewußt bei. Ihr Gatte kann wauwau machen wie ein richtiger Köter/ aber für die Sache mit den Cordilleren ist er zu schade. Er solls man ruhig mit die Maschine machen... Und endlich kommen die beiden dran. Eduard bellt wie ein Alter. Er bellt, daß die Wände wackeln. Der Kulturfilm ist klein, aber außerordentlich oho. Originalaufnahmen auS dem Reiche unserer mit Recht so beliebten Haustiere Auch ein Katze wiickt mit, die kann einfach alle- und bekommt pro Aufnahmetag achtzig Mark, seit sie zuletzt einen so durchschlagenden Erfolg erzielte. Eduard kann oie Katze nicht leiden. Sie ist echt. Er mag das Echte nicht und mag die Maschine nicht. Mensch ist genau dazwischen. Eduard ist Mensch. Auch Pauline. Paulin« hat in ihrem Winkel gezwitschert, was das Zeug hält. Als das Zeug nicht mehr hielt, wurde,ste vom Kulturfilmregisseur gerufen. Die Uhr zeigte sechs Minuten nach sieben. Das Atelier wimmelte von Küken. Von den Küken war ein einziges als prominent befunden worden, uird Pauline hatte ihm ihre Stimme zu leihen. Pauline hielt sich nicht zurück. Pauline piepste und zwitscherte ans Leibeskräften.„Halt!" oonnerte der Regisseur, piepsen Sie lerser!" Und,Pauline piepste mit Sordine, von ihrem düse Darbietung voll und ganz würdigenden Galten errötend beobachtet. Um) dennoch hagelte es Anschnauzer. Pauline piepste wie irrsinnig. Pauline fühlte die Ohren der Welt auf sich ge- richtek und starb vor Ehrgeiz. In Schweiß gebadet vollendete sie chre Küken- Szene, die später herausgeschnitten wurde. Einerlei— Eduard und Gattin haben an der Kultur tonfilmisch mitgewirkt, und das kann ihnen keiner entreißen. e r a«» g e d e r. Siegfried Taub.— Chefredakteur: Wilhelm N i e tz a e r.— Verantwortlicher Redakteur- Dr. Emü Sira u tz, Prag.— Druck:«Rota- A.-G. für Zeitung- und Buchdruck. Prag.— Für de» Druck veraütwortlich: Otto Holik. trag.— Die Aeiiungsiaarlenfrankarur wurde von der Poft-». Telegraph« ndkrektior» mit Erlaß Nr 13.800/vn 1930 bewilligt.— BezugLbevrngungen: Lei Zustellung tat Haus oder bet Bezug durch die Post monatlich Kt 16.—. vierteljährlich U 48,—, tzeädiätzrig lU 96.—. Ganzjährig LL 192.—.— Jusevau werde» laut Larif billigst berechnet, Bei öiwre» Liultdaltuaaen PreiLnachlatz.— Rückstellung vov Manuskripte» erfolgt nur bst Si»se«dun, der RerourmarLe».