Unsere Antwort an die Kommunisten. Für die wirkliche Einheit— gegen Parteimanöver! Der Parteivorstand der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei beschloß in seiner Sitzung vom 29. März 1933, die Aeußerung der KPC zu dem Angebot der Sozialistischen Arbeiterinternationale wie folgt zu beantworten: In jedem Augenblick ihres Kampfes hat die deutsche Sozialdemokratie zum Ausdruck gebracht, daß ein Sieg der Arbeiterklasse unseres Landes nur durch Zusammenfassung aller proletarischen Kräfte möglich ist. Es genügt, auf den Auftakt zu verweisen, den der erste Karlsbader Parteitag durch seinen Beschluß auf Schaffung des Proletarierkongresses gegeben hat, der von der sudetendeutschen sozialdemokratischen Arbeiterschaft begeistert aufgenommen wurde. Es war die große Schuld der Kommunistischen Partei, daß sie aus rein parteistrategischen Gründen die Verwirklichung dieses Gedankens, für den alle anderen sozialistischen Parteien bereits gewonnen waren, vereitelt und so die einzig mögliche Grundlage für den Zusammenschluß des Proletariats aller Nationen und Parteirichtungen vernichtet hat Was dann in weiterer Folge gerade in der eben gedachten Richtung auf kommunistischer Seite geschehen ist und wie seither jeder Zweig der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung unterwühlt wurde, und wie schließlich der Kampf der Kommunistischen Partei— inlogischer Konsequenz ihrer Einstellung— in einen Vernichtungskampf gegen die Sozialdemokratie mündete, das ist viel zu bekannt, als daß es hier im einzelnen angeführt werden müßte. Darum muß die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei die Antwort der Kommunistischen Partei auf das Angebot der Sozialistischen Arbeiterinternationale mit dem größten Mißtrauen aufnehmen, das durch das Verhalten und die Kampfmethoden, die sich diese Partei gerade in letzter Zeit zu eigen gemacht hat, nur noch verstärkt wird. Es genügt, hier auf die Tatsache zu verweisen, daß der Kampf, den die Kommunistische Partei gerade in den letzten Tagen führt darauf hinausläuft, den Vernichtungskampf gegen die Sozialdemokratie— unter bewußter Schonung der kapitalistischen Parteien— noch zu verschärfen und" die durch die Gefährdung der Demokratie und den augenblicklichen Aufstieg des.Fasclsmus geschaffene Atmosphäre für ihre parteipolitischen Zwecke nutzbar zu' machen. Anders ist, was sich gerade in den letzten Tagen vor unseren Augen abspielt, nicht zu begreifen, wenn man sieht, daß all dies in einem Augenblick geschieht, in dem die Kommunisten den Versuch machen, sich durch ihre Einheitsfrontmanöver in die Reihen der sozialdemokratischen Arbeiter einzuschleichen. Diese Feststellungen genügen, um aufzuzeigen, worum es der Kommunistischen Partei in Wirklichkeit zu tun ist, und daß, solange sie an diesen Kampf- methoden festhält, jedes Zusammengehen in Frage gestellt ist. Nichtsdestoweniger ist die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei bereit, dem Schreiben der Kommunistischen Partei gegenüber die gleiche Stellung zu beziehen, wie sämtliche anderen der Sozialistischen Arbeiterinternationale angeschlossenen Parteien. Darum stehen wir auf dem Boden des Beschlusses der Sozialistischen Arbeiterinternationale und dies nicht nur aus selbstverständlicher internationaler Disziplin, sondern auch, weil wir seine Richtigkeit anerkannten, vorausgesetzt, daß die Kommunistische Partei ihre Kampfmethoden jenen Möglichkeiten anpaßt, die die einzige Voraussetzung für die Zusammenfassung aller proletarischen Kräfte gegen den Fascismus bilden. Lehnt die kommunistische Partei die internationalen Verhandlungen, die von diesem Geiste geführt sein müssen, ab. so müssen wir aus der Tatsache, aber auch aus jedem Versuche, unter dem Vorwande von Einheitsaktionen den Kampf gegen die Sozialdemokratie fortzusetzen, darauf schließen, daß auf ihrer Seite der Wille zur Einheit nicht besteht. Wir zeichnen: Du Parfeivorstand der deutsdieo sozialdemokrafisdten Arbeiterpartei. Die franzOsisthen Sozialisten über ten Tenor io Deutschland. Der Pariser„P o Pula i re" beschäftigt sich in einem scharfen Artikel mit dem Terror in Deutschland, für den nicht unverantwortliche Elemente, sondern di« Nazi-Chefs und die Regierung Deutschlands di« volle Verantwortung zu tragen hat, die sie ja jeden Tag das Deutsche Volk" gegen den„Marxismus" und gegen das Judentum" aufhetzen. Das alles sei im Ausland begannt und deswegen— so heißt es weiter wörtlich im„Populaire", „beginnt die Regierung Hitler unruhig; u werden, denn sie fürchtet stark, daß ihre allgemeine Verwerfung durch die Weltmeinung. die moralische und di plo Malis che I s o li e ru n g D eu t s ch la nd s prr Folge haben könnt«. Daher schickt sich die Regierung Hitler auch zu einem neuen Manöver an. Die Ministerreden, die amtlichen Verlautbarun-] gen, die Kommuniquees der Botschafter— alles strebt nach der Beruhigung der Meinung jenseits der deutschen Grenzen. Man meldet, daß die Reichsregierung energische Maßnahmen gegen die „Undisziplinierten" ergreife, di« zu Pogroms und Gewaltakten neigen. Man erklärt, daß die im Ausland veröffentlichten Meldungen falsch seien oder doch zumindest übertrieben. Man versucht, den Terror, der in Deutschland wütet, als kleine Zwischenfälle ohne Bedeutung hinzustellen. Man will sie mit der„unvermeidlichen Unordnung" erklären, der ersten Tage der„nationalen Erhebung" erklären. D ie s« s M a n o v e r wird keinen Erfolg h a b e n.' Ein Regime,, das aufgebaut ist auf der Gewalt, auf der Mißachtung der elementarsten Freiheiten, aus der Unterdrückung der Arbeiter, ist«in Regime von Schmutz und Blut, das mit allen Kräften zu bekämpfen wir nicht nachlasien werden. Und wir werden altes tun, um z« versuchen, gegen dieses Regime di« öffentliche Meinung aller Länder zu mobilisieren und rings um den deutschen Rassismus eine Art moralischen Block zu schassen." Russlsdier Protest. Moskau, 29. März.(Taß.) Tie„Iswestiia" schreiben anläßlich des Ueberfalles auf die Hamburger Zweigstelle der Handels- v e rt r e t u n g der S e w j e t u n i o n in Deutschland; die Erklärung des Führers der heutigen deutschen Politik müsse auch mit Taten belegt sein, wobei das Blatt-Zweifel vor allem über die Behauptung hegt, daß die Hitlerregierung imstande ist, unter allen Umständen die normal« Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen zu garantieren. Der Hamburger Vorfall ist die Bestätigung für di« Richtigkeit der Zweifel. Die Leiter der deutschen Politik müssen verstehen, daß sämtliche ausgesprochenen Wünsche nach freundschaftlichen Beziehungen zur Sowjetunion und die Wort« über„die positive Politik gegenüber den Sowjets" zergehen wie Rauch angesichts einer derartigen Tatsache, wie es der Ueoerfäll auf die Sowjetwirtschaftsorganisationen ist. Der Ueberfall in Hamburg ist die praktische Deutung der Erklärung Hitlers über„posi- t i v e P o l t t i k". Unter solchen Umständen kann man den Worten und Deklarationen nicht glauben, und es sei notwendig, die deutsche Politik ausschließlich den Taten nach zu bewerten.„Wir sind überzeugt", schließt das Blatt,„daß unsere Oefstntlichkeit aus dieser Tatsache die entsprechenden Schlüsse zieht. Wir sind auch überzeugt, daß unsere Regierung diese Tatsache nicht ohne einen energ!;chen Protest lassen wird. Vor Spanten kriefit’s Hitler mit der Anfist? Madrid, 29. März. Di« deutsch« Kriegsflotte wollt« in der nächsten Zeit den spanischen Häfen«inen Besuch anstatt««. Nunmehr wurde aber davon abgesehen, und zwar, wie verlautet, aus Vorsicht, um eventuellen Ausschreitungen seitens der spanischen Matrosen zuvorzukommen. Die spanischen Sozialisten und andere politische Lager ver» anstalteten in der letzten Zeit zahlreiche Demonstrationen gegen Hitler. * Der Beschluß der Sozialistischen Arbeiterinternationale. Am 18. und 19. Feber 1933 tagte in Zürich das Büro der Sttzmlistischen Arbeiterinternational«, das in einem Aufruf an di« Arbeiterklasse aller Länder zür Frage der Einheit der Arbeiterklasse Stellung nahm. Der betreffend« Teil des Aufrufs, der eine Anfrage an die Kommunistisch« Internationale über die Möglichkeit gemeinsamer Verhandlungen enthält, wurde von der Moskauer International« bisher nicht beanttvortel. Darauf bezieht sich auch der Beschluß unseres Parteworstand««. Wir drucken den erwähnten Abschnitt aus dem Ausruf der Sozialistischen Arbeiter-International« im Nachstehenden ab: * „Die Sozialistiche Arbeiter- Internationale hat stets erkannt, daß der Bruderkrieg des Proletariat- di« tiefste Ursache seiner Schwächung und damit der stärkste Bundesgenosse des FaseiS- mus ist. Di« Sozialistische Arbeiter»Internationale hat daher stets die Ueberwindung der Spaltung, die Einigung des Proletariats als die entscheidende Boraussetzung der vollen Entfaltung proletarischer Kraft angesehen. • Angesichts der furchtbaren Bedrohung der Arbeiterklasse Deutschlands und damit der ganzen Welt, werden die tropischen Folge« der Spaltung sichtbarer als jemals früher. Me Verheerungen, die die Spaltung durch eineinhalb Jahrzehnte erzeugt hat, können leider nicht plötzlich aus der Welt geschafft werden. Aber die geschichtliche Erfahrung des gegenwärtigen Moments mutz nicht nur in der Zukunft wirksam pwrden in dem Willen zum Neuaufbau einer einheitlichen geschlossenen Kampforgamiation der Arbeiterklasse, sonder« sie mutz schon in der Gegenwart zum Versuch führen, die Kampffähigkeit d«s Proletariats soweit zu steigern als nur irgend möglich. Die Gefahren sind zu grotz, als datz der einmütige Wunsch der Arbeiter nach dem einheitlichen Kampfe des ganzen Proletariats zu parteipolitischen Manöver» benützt werden dürfte. Die Sozialistische Arbeiter-Internationale erstrebt die einheitliche Aktion der gesamten Arbeiterklasse auf Grund offener und ehrlicher Verständigung. Wir rufen di« deutschen Arbeiter, die Arbeiter aller Länder auf, angesichts der tragischen Gefahren, vor denen sie stehen, die gegenseitigen Angriffe einzustellen und zusammen gegen den Fascismus zu kämpfen. Di« Sozialistische Arbeiter- Internationale war immer bereit, über solche Kampfgemeinschaft mit der kommunistischen Internationale zu verhandeln, sobald diese sich dazu bereit erklärt". «eine Zwangsarbeit! Seit Monaten führen die bürgerlichen Parteien und ihre Vertreter in der Regierung einen scharfen Kampf gegen alle Maßnahmen der Arbeitslosenfüvsorge. Unter dem Vorwand, der Staat vertrage nicht die finanzielle Belastung, wie sie sich aus der Fürsorge für die Arbeitslosen ergibt, werden gegen die Arbeits- losenunterstützung überhaupt und gegen die Ernährungsaktion im besonderen die schärfsten Angriffe gerichtet, die kein anderes Ziel haben, als einen Abbau der Arbeitslosenunterstützung herbeizufühven. Da keine Aussicht besteht, daß die Forderung nach direkter Herabsetzung der Arbeitslosenunterstützung erfüllt werden könnte, suchen die bürgerlichen Parieren chr Ziel der Herabsetzung der Ausgaben sirr die Arbeitslosenunterstützung auf den verschiedensten Wegen zu erreichen. Vor allem wird immer wieder darauf hingewiesen, daß an Stelle jeglicher Arbeitslosenunterstützung die produktive Arbeitslosenfürsorge zu treten hätte, das heißt, daß öffentliche Arbeiten unternommen werden und die Arbeitslosen dabei beschäftigt werden sollen. Die Sozialdemokratie ist stets dafür eingetreten, und ihre Hauptsorge wird auch in Zukunft daraus gerichtet sein, daß die Arbeiter vor allein Arbeit bekommen, die jedem Arbeitslosen lieber ist als die Unterstützung. Die vor wenigen Tagen von den Parlamenten befchlossene Anleihe der Arbeit, die von der Sozia Demokratie angeregt wurde,, dient diesem Zwecke. Es ist aber klar, daß nicht alle Arbeitslosen bei öffentlichen Arbeiten Beschäftigung finden können, selbst wenn die Anleihe einen alle Erwavun- gen übertveffenden Erfolg, den wir wünschen, erzielen würde. Es muß auch für die- jenigengesorgtwerden, für welche Arbeit nicht vorhanden ist, und das muß teils durch die Arbeitslosenunterstützung nach dem Genter Shstem, teils durch die Ernährungskarten geschehen. Daß diese Karten nur wirklich Bedürftige bekommen sollen, ist selbstverständlich und das Ministerium für soziale Fürsorge ftimmt einer Kontrolle der Ernährungsaktion nicht nur zu, sondern der Minister für soziale Fürsorge hat sie bei mehreren seiner Reden schon direkt'-erlangt. Vor einigen Tagen hat nun die Regierung einen Erlaß heransgegeben, wonach den Gemeinden die Möglichkeit gegeben werden soll, die Ernährungskarten als einen Bestandteil des Lohnes zu benützen, wenn sie Arbeiten durchführen. Es soll also ein Teil des Lohnes in Geld, ein anderer Teil in Form der Ernährungskarten ausgezahlt werden. Das. Verhältnis zwischen Gemeinde und Arbeiter bleibt hiebei naturgemäß ein freies Arbeitsverhältnis, wobei normale Arbeiten ,u dem üblichen Lohn verrichtet werden. Nun traben aber die Landesbehörden, welche dem Ministerium des Innern unterstehen, einen weiteren Erlaß— uni) ztvar, wie wir erfahren staben, hinter dem Riicken des betreffenden Ressortmini steriu ms, nämlich des Ministeriums für soziale Fürsorge— an die Bezirkshauptleu-'e hinansgegeben, welcher die Bezirksbehörden zu einem Vorgehen veranlaßt hat, dem auf das Schärfste ent- gegengctveten werden muß. Die Bezirksbe-- horden haben nämlich den Gemeinden aufgetragen, Arbeiten durchzuführen, wozu die Arbeitslosen zwangsweise zu Verhalten sind. Dieser Zwang besteht darin, daß demjenigen, der diese Arbeit nicht.verrichten will, mit dem Entzug der Ernährungskarten gedroht wird. Als Entlohnung bekommt nun der Arbeits-- lose für 4 Stunden Arbeit eine Ernährungskarte im Werte von 10 Ke, für 8 St"n>«n eine solche von 20 Kc. Auf diese Weist' wird eine Art Z w a n g s a r b e i t s d i c n st- Pflicht eingeführt. Die Sozialdemokrat'.' kann sich ein solches Vorgehen nicht gefallen lassen und wird alle Hebel in Bewegung setzen, um eine solche Arbeitsdienstpflicht aus Seite 2 Donnerstag, 30. MLq 1033. Nr. 78 der Welt zu schaffen. Die größte Gefahr, die aus einer solchen Dienstpflicht entsteht, ist die des Lohndruckes, der Herabsetzung dcS Lebensniveaus der Arbeiterschaft auf ein unerhört tiefes Maß. Abgesehen davon sind viele Arbeiter, die bisher kein anderes Einkommen gehabt haben als wöchentlich eine Ernährungskarte von 10 Kß, körperlich nicht imstande, schwere Arbeiten durchmführen, insbesondere dann, wenn sie auf Grund ihrer bisherigen Beschäftiaung die Eignung zu derartigen Arbeiten nicht besitzen. Aber es entsteht noch eine andere Gefahr: Die zu diesen Arbeiten kommandierten Arbeiter sind nicht kranken- und unfallversichert und man will also auf dies« Weise die Arbeiter auch noch um die Errungenschaften der Sonalversicheruna bringen! In Westböhmen hat sich schon ein Fall ereignet, daß ein zu derartigen Arbeiten verwendeter Arbeiter einen Unfall erlitten hat, es ist möglich, daß der Mann um ein Auge kommt, ohne daß er auch nur einen Kreuzer an Unsollrente erhält! Das sind unhaltbare Verhältnisse, welche sich die Arbeiter nicht gefallen lassen können, weil sie auf diese Weise um alles gebracht würden, was sie sich in sahrrehnte- langen Kämpfen errungen haben. Die Sozialdemokratie als die Vertreterin der Interessen der Arbeiter wird in der nächsten Zeit alles veranlassen, um diesen chaotischen und für die Arbeiter unerträglichen Verhältnissen, wie sie durch die Anordnungen der Bezirkshonvtleute, denen das Ministerium für soziale Fürsorge vollkommen fern steht, geschaffen wurden, zu beseitigen. Sie wird jedem Versuch der Einführung der Zwangsarbeitsdienstvflicht, die mit einer Herabsetzung der Lebenshaltung der Arbeiter und der Gefährdung aller sozialen Errungenschaften verbunden ist, und wie sie durch die Maßnahmen der Bezirkshauptleute eingeschmuggelt werden soll, mit aller Entschiedenheit entgegentreten. Sie wird es nicht dulden, daß die Arbeiter unter eine Art Aus- ncchmsrecht gestellt werden. Wenn jeder das, was er vom Staate bekommt, abarbeiten soll, dann darf das nicht nur für die Arbeiter allein gelten, sondern auch für die anderen Klaffen der Bevölkerung. Di« Herren Agrarier wollen weiter ihre Subventionen bekommen, daß aber einer der agrarischen Abgeordneten verlangt hätte, die Subventionen an agrarische Genoffenschaften, an die Landeskulturrät«, die Ausgaben für die Saatguivktion oder etwa die Unterstützung bei Elementarkatastrophen sollten abgearbeftet werden, davon hat man noch nichts gehört. Oder werden etwa die Gewerbetreibenden alles das in der Form der Zwangsarbeitspflicht abarbeiten, was die Gewerbeförderungsämter vom Staate bekommen? Es ist das die alte Herrenmoral, di« da zmn Ausdruck kommt: Die besitzenden Klaffen sollen alles bekommen, ohne daß sie die Hand rühren, dig Arbeiter aber sollen Zwangsarbeft leisten. Diese Ethik stolzer Bauern und rücksichtsloser Unternehmer empfindet es als unmoralisch, wenn jemand eine Arbeitslosenunterstützung erhält, aber als moralisch, wenn einer zugrunde geht, obzwar er dafür nichts kann, wenn er keine Arbeft findet in einer Gesellschaftsordnung, in der die Bourgeoisie herrscht, in der durch ihr« Senat. Gebührennovelle angenommen. Prag, 29. März. DaS neue Wohnungsprovisorium wurde heute im Senat vorgelegt und den Ausschüssen zugewiesen; morgen mittags 12 Uhr beginnt die Plenardebatte, die vorauSsichtlick im Laufe de» Nachmittag» beendet werden wird, so daß also der neue Meterschutz noch knapp am letzten Tag vor Ablauf de» alten Gesetzes in Wirksamkeit rieten wird. Di« heutige Plenarsitzung war mit der Beratung der neuen Gebührennovelle ausgefüllt, die von einem Subkomite« in einigen Punkten abgeändert worden ist. Die Borlage schreibt die Verwendung Von Stempelmarke» bis zur Höhe von 300 K im E nzelfall vor und führt di« vorläufige Vorschreibung gew ffer Gebühren ei», um zu verhindern, daß sich die Bezahlung dieser Gebühren infolge fehlender Borschrei- bung jahrelang hinauSzieht und der Staa. dann vielfach. überhaupt um sie kommt. Im Paragraph 3 hatte di« Regierung d e Bollmochr verlangt durch Verordnung sestsetzen zu können, daß gewiss« Gebühren ohne amtliche Borschreibung zahlbar sind. Aus Wunsch des SubkomiteeS hat di« Regierung nunmehr ausdrücklich alle jene Fäll« namentlich angeführt, in denen der Gebührenpfl'chtige ohne Aufforderung selbst die Gebühr zu«ntr chten hat. Weiter wird festgesetzt, daß nicht rechtzeitig bezahlte Gebühren bis zur Höhe der doppelte» Verzugszinsen erhöht werd«« können. Di« Ausschüsse haben sechs Resolution«« bean- w o ch e verhindern, Prozewi Präsident Koerner gestorben. Mittwoch vor 6 Uhr ftüh starb im Podoler Sanatorium nach länoerer Krankheit Dr. Eduard Koerner, der Präsident des Obersten Rechnungskontrollamtes, an Herzschwäche. Dr. Koerner war Derteidiaer in zahlreichen großen politischen Prozessen, insbesondere im Jahr« 1916 im Kramak-Prozeß..' Im Jahr« 1907 wurde er Abgeordneter zum böhmischen Landtag für die nationalfreisinnige Partei, für welche er auch im Jahr« 1911 zum Reichsratsabgeordneten gewählt wurde. Rack dem Umsturz wurde er von der tschechoslowakischen Regierung al» außerordentlicher diplomatischer Bevollmächtigter für die Elbeschiffahrt entsendet und war auch Erster Gesandter der Tschechoslowakei in Berlin. Im Herbst 1920 erfolgte seine Ernennung zum. Präsidenten des Obersten RcchnungS- Kontrolkhofes. tragt, in denen vor allem eine gründliche Reform des 80 Jahr« alten Gebührengesetze» gefordert wird. In der Debatte sprach«in slowakischer Bolks- parteuer, dann wurde, die Borlage mit den vom Ausschuß beantragten A«nderungen in erster-Lesung angenommen. Weiter- wuch« noch«ine»-er vielen Auslieferungsbegehren gegen den Senator Lokota in dem Sinne erledigt, daß der Auslieferung nur teilweise stattgegeben wurde. und in der die Herrschenden die Arbeiter am! reden, liebsten verrecken lassen würden. Dieselben Parteien, die heute darüber klagen, daß die Ausgaben für die Arbeitslosen zu groß sind und die Arbeitslosen am liebsten verhungern ließen, sind es, tvelche durch ihre Handels-und Wirtschofts- Politik unsere Ausfuhr erschlagen hoben, die also mitschuldig daran sind, daß die Zahl der Arbeitslosen so groß ist. Sie sind es, welche sich einer vernünftigen A r b e i t s- Marktregelung widersetzen, die allein eine genau« Feststellung der Arbeftslosen durch Anmeldepflicht ermöglichen würde. Die bürgerlichen Parteien sind es, die zwei Jahr« lang di« diesbezügliche Vorlage des Ministeriums für soziale Fürsorge sabotieren, obzwar sie weiter unentwegt von der„Fabrikation" von Unter diesen Umständen gibt es nur zwei Mittel, um das Heer der Arbeitslosen einm- schränken, Verkürzung der Arbeitszeit und ö ffentlicheAr beiten. Die Verkürzung der Arbeitszeit, wodurch die vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten auf mehr Menschen aufgeteilt, werden könnten, scheitert vorläufig an dem starrsinnigen Widerstand und an dem engstirnigen Egoismus der besitzenden Klasse. So bleibt also nur der ander« Weg übrig, nämlich die Inangriffnahme größer«! öffentlichen Arbeiten. Dazu bedarf es größerer finanzieller Mittel und diese sollen eben durch die Anleihe aufgebracht werden. Wie groß die Zahl derjenigen Menschen sein wird, die auf diese W«is« werden Arbeit finden können, hängt davon ab, inwieweit jene, die in der Lage sind, dem Staat Kapitalien zur Verfügung zu stellen) dies auch tun werden. Der Gedanke einer großen inneren Anleihe wurde zuerst von Sozialisten zur Diskussion gestellt und die Durchsetzung dieser Forderung ist ein Verdienst, der in der Regierung befindlichen sozialistischen Parteien, die auf diese Art zeigen, wie sie positiv an der Verminderung des Heeres der Arbeitslosen arbeiten. ES ist wieder einmal erwiesen worden, daß die sozialistischen Parteien noch immer in der Lag« sind, ihren bürgerlichen Partnern in der Koalition etwas abzuringen. Don einhundert Staatsangehörigen waren 77.83 Prozent tschechoslowakischer Nationalität und 20.28 Prozent deutscher Nationalität. Brünn bleibt demnach zweisprachig, im Sinne des Sprachengesetzes. Im Gerichtsbezirke von Mährisch- Ost rau verlieren die Deutschen ihre qualifizierte Minderheit, da die Zahl der.S aats- bürger deutscher Nationalität von 20.24 auf 17.Ü8 Prozent gesunken ist. Auch im Gerichtsbezirk von O l m ü tz sank di« deutsche Minderheit von 21.53 Prozent auf 18.88 Prozent. Ein Wen... USA beschäftigt 250.000 Arbeitslose bei Aufforstungsarbeiten. Washington, 29. März. Der Senat hat einen Gesetzentwurf anaenommen, der die Regierung ermächtigt, 250.000 Arbeitslose bi« den Auffor- stungsa'rbeiten zu be'chäsigen. Dieser Entwurf war sehr rcffch erledigt. Die Aus'prach« dauerte nicht länger a's drei Stunden. Die Vorlage geht min an das Revräsentantenhaus das sie in demselben rastbsn Tempo erledigen soll. Die be- ftefsende Ermächtigung, die einen der drei Punkte des Programms zur Linderung der Arbeitslosigkeit bildet, wird in zwei oder drei Tagen auf dem Tffch des Präsiden en lieaen. Rach der ohne wesentliche Aenderunaen erfolgten Erledigung der Dorlage über die Aufforstnngsarbeiten tritt der Senat in die Beratung des Gesetzentwurfes Waaner-Lafollette-Costiganova ein,' in dem borg«'Magen wird, dem Fonds der Korporation zur finanziellen Gesundung 500 Millionen Dollar zugunsten des Staates als Beirag zu den Maßnahmen gegendieArbeits- l o s i g k e i t zu entnehmen. Der Bank- und der Wäbrunasaus'chuß sprachen sich am Dienstag iaünstiq über den Entwurf aus. Ter Führer der V« nm mx»> Amen. 4. Wilhelm von Doorn und seine Sprößlingc beten: Adolf Hitler, der«r nicht ist von Gotte- i Gnaden, wann denkt er, mich nach Berlin zu j berufen, damit mein Wille gescheh« in Preußen wie in den Ländern, meine täglichen Paraden möchte ich haben auch heute noch, g b er mir wieder meine Apanage wie er«S versprochen hat, denn es ist di« Zeit, daß Gottes Gnadentum wieder«inkehrt ins Reich, jetzt und für alle Ewigkeit. Amen. Di« Kampffront Schwar;-Weiß-Rot: Adolf Hitler, der du jetzt sitzest im Sattel, wir fragen dich in Hugenbergs und Papens Namen, wann kommen wir dran, wo bleibt unser Recht in Preußen und in den Ländern, wir machten täglich di« Fackelzüg« mit, aber wo sind unsere Pöstchen wie du es versprochen hast, denn dein ist jetzt das Reich, und wenn du nicht Wort hälft, zerstören wir die Harzburger Front, jetzt und für alle Ewigkeit. Amen. Die Rundfunkhörer: Adolf Hitler, der du redest über alle deutschen Sender, zu uns kommt deine Welle, aber wir schalten sie ab in Preußen wie in d«n Ländern, unser täglich Brot kannst du uns damit nicht geben und deine Lügen glauben wir doch nicht und auch dein Reich wird einst vergehen und Fried« wird wieder einziehen im Aether bald und für all« Ewigkeit. Amen. 7, Di« geknebelte Presse und ihr Vaterunser: Adolf Hitler, d«r du zensieren läßt die Presse und verbietest sie in deinem Namen, arme Press« im Reich, deinen Quatsch muß sie drucken in Preußen wie in den Ländern, dein« täglichen Lügen erscheinen auch heut«, verschon« uns von dem Völkischen Beobachter, dem Angriff und dem Stahlhelm, Henn lügen tun sie alle, jetzt und schon seit aller Swigkeitt Amen. K. L. 8. ^mniniiunnnntiiiNiiniiniiiiiiniiimiiiiiiiiifiiininiiiiimiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiintiHmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii)iiiiiiiiiniiiniiiiiuiniiiniiinninniiiiniiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiinRii!iHiiiiiiiiiitiiiiiini Manhattan geht in Konkurs. Kurzbericht aus der amerikanischen Krise. (Von unserem Korrespondenten.) New Jork, im März 1933. Wie ein Erdbeben hat die Krise der letzten Wochen New Aork durchgerüttelt. Die„Banker" und„Broker" an der Börse haben gespürt, daß man nicht unentwegt ins Blaue hineinlebcn darf und haben daher erst einmal zahllos« Angestellte auf die Straße gesetzt. Das geht drüben, wo es keinerlei Gesetzesschutz gibt, von Herste auf nrorgeu. Eine praktische Sache, bei der"man"schnell viel Geld einspart.. Inzwischen hält man sich offenkundig dem gewohnten Luxusleben etwas fern. Tie feudalen Landklubs und die Golfplätze sind vereinsamt. Bc, scheidenheit nach außen ist der letzte Modenschrei der Millionäre. Sie alle tun so, als ob sie die Dollars für die Miete ihrer Paläste in der Park- Avenue mühsam zuiammenkratzen müßten. Uebri- gens sind di? Häuser der Äonld und Vanderbild geschlossen. Die Herrschaften sind im Süden oder in Pans. In der Waalstreet beschwert man sich, daß der Aktienumsatz so stark gesunken ist. Tie Makler sind unzufrieden. Das Straßcnbild jenseits der Mtllionärs- viertel am Hudson hat sich infolge der Bankenkrise allerdings sehr deutlich verändert. Die Wolkenkratzer stehen so gut wie leer. Man nennt sie jetzt etwas hämisch ,^Hallen der Geister". Am Broadway sieht man fast Haus bei Haus in den Läden Zwangsversteigerungen. Ueberall hängen die Schilder: Zu vermieten. Rockefellers neuerbaute DergnügungSzenirale Radio-City ist schon letzt pleite. Das riesige Roxy-Kino geschlossen. Längs des Broadway stehen auf beiden Straßenseiten in dichter Mauer arbeitslose Angestellte, die auf Gelegenheitsgeschäfte warten, die es nicht gibt. Ein alter blinder Chines«, der zu betteln wagt, wird von den Konstablern fortgejagt. Ein arbeitsloses Ziegfield-Girl, das bedeutend erfreulicher ausschaut, als ein alter blinder Chinese, darf unbehelligt auf einem vergoldeten Saxophon den Schlager aus dem letzten Chevalier-Film spielen. Sie verdient mehr, als der Blinde. An der Batterha, Hafenplatz, liegen trotz der Kälte auf allen Bänken obdachlose Proleten. Genau so sieht es im Angesicht der Millionärshäuser im Central-Park aus, genau so in den Untergrundbahnen, auf dem weiten Union-Square. Dort allerdings wird debattiert, von morgens bis abends. Die Buden des„Milch-Fonds" sind ge- schlossen. Die Heilsarmee bat mitgeteilt, daß sie die Armenspeisüngen mangels Mittel einschränken müsse. Hin und wieder verteilt sie Aepfel an die Hungernden. Schöne rote" Californier, die von den Qbstexporteuren nicht abgesctzt werden konnten. Von einem Apfel kann man aber nicht lange leben. Der Führer der New Harker Arbeitslosen'st ein früherer Metallarbeiter namens Benjamin. Er weiß auch nicht, was werden soll. Qb nun entwich der Staat für die verhungernden Arbeitslosen etwas tun wird. Hoover batte erklärt, dieses Problem ginge den Staat nichts an, das sei ein Feld für die private Initiative. Hoover interessierten die arbeitslosen Proleten nicht. Im Gegenteil! Rund um New Port haben sich die Arbeitslosen. die man drüben genau so exmittiert, wie im alten Europa, Notdörfer gebaut. Aus alten Kisten und leeren Oelkanistern. Man nennt sie ,Hoovers Städte". Dort draußen herrscht das unverhüllteste Elend, dort darf es herrschen, weil es ja dort niemand sieht. Ein paar Notdörfer, die nahe den Piers lagen, wurden eines Tages durch Polizei geräumt und angezündet. Die ankommenden Europäer brauchten diese Elendsquartiere nicht zu sehen. Das macht einen schlechten Eindruck und stört das überwältigend« Bild, das hie Wolkenkratzerstadt von der Seeseite her macht. Es gibt natürlich auch Wohltätigkeit„im Großen". Die Kommunen versuchten eine Art Arbeitslosenunterstützung zu organisieren. Etwas Geld gab die Stadtverwaltung und etwas Geld wurde durch Sammlungen bei den großen Geschäftsleuten aufgebracht. Aber New Jork hat eine Million Arbeitslose. Im Staat 9lew Hark, mit Brooklin und Jersey sind es an zwei Millionen. Unterstützung bekamen nur rund 100.000 Familien. Wochenweise, hier und da einmal, und dann ein paar Dollar nur. Auch das ist jetzt vorbei, denn die Geschäftsleute geben nichts mehr, sie sagen, sie wüßten selber nicht mehr, wovon sie leben sollten. Auf dem flach«» Land draußen lieht es beinahe noch schlimmer aus, als in New Uork. Die Farmergebiete sind unbestritten Elends- | gebiete. An eine Hilfe denkt kein Mensch. Streiks werden rücksichtslos niedergeschlagen. Mit Einsatz aller staatlichen Brutalität. Streikgebiete, besonders in den Bergbaubezirken, werden völlig isoliert durch Militär und Polizei. Solidaritätsaktionen der Arbeiterschaft abgewürgt, indem die eintreffenden Lebensmittel beschlagnahmt und die Hilssküchen geschlossen werden. Die Demokratie geht mit Tränengas der Arbeiterbewegung zu Leibe. Die Gefängnisse in diesen Streikgebieten sind überfüllt. Aber die„MinerS" kämpfen weiter. Inzwischen läuft auf dem New Parker Broadway die Zicgfeld-Show-boad unentwegt seit drei Jahren Abend für Abend.„Sie müssen China-Town sehen!" brüllen die Fremdenführer. Auf den Dachgärten der Luxushotels spielen Whiteman und feine Konkurrenten. Ein Abendbrot ist unter 10 Dollar nicht zu haben. Man hört, daß Börsengeschäfte mit England gut seien, wenn man sie schnell abwickle.. Und, daß man im April an die Riviera fahren wolle., Von Deutschland spricht man nicht viel. Deutschland ist weit und Geschäfte kann man auch mit anderen Ländern machen. Am Union-Square legen sich zur gleichen Zeit ein paar tausend Obdachlose in Haustoren schlafen. Zugedeckt sind sie mit dem Börsenteil der New Jork Evening Post. Am Hafen liegt die„Hawaien Moon", die allabendlich Mondscheinfahrten in See macht. Die Papiergirlanden zittern im eisigen Wind. Von ferne leuchtet die Fackel der Freiheitsstatue. Sie dreht der Träneninsel Ellis Island, wo Hunderte Ausgewiesener auf den Abschub warte», den Rücken zu. P. P. Franke. verlanget überall 1 F el)«nkt ist! Bt LcjfCI* sind Freunde find ««Hbiitn Verlanget überall Backen Sie ein gute* Osterbrot mit Sano nach diesem Rezept- '/, kg Mehl, 10 tikg Zuk- ker,■ 10 dkg Sana, 3 Dotter, Zitronenschale, Salz, 3 dkg Hefe,*/»• Milch, pie in der Milch aufgelöste Hefe vermengt man mit den übrigen Zutaten, macht einen glatten Teig und formt einen Laib, der nach dem Aufgehen goldgelb gebacken wird. PKAOER ItniH». Geriditssaal Mnodirektoreu unter Aullage der Gedühreuhinterziehuug. Die rätselhaft« PerforieruugSmaschine. Prag, 29. März. Drei Kinodirektoren .vschienen heut« vor dem Senat des OGR. 8vam- bera, und zwar-Josef Jelinek,-Besitzer des „Helio s" und Mitinhaber der Kinos„A lm a", „Roxy",„Belvedere" und„Kotva", ferner Franz Kd lack, Direktor des Kinds.^Ackmn", und Ulrich KriStof, Direktor des Bios„Skaut". Ti« Anklage legt ihnen zur Last, im Verlauf des Jahres 1928 auf einer eigenen Perforie- rungSmaschine auf den Eintrittskarten di« vom Magistrat zu erteilend« Persorie- rungsmarke der Lustbarkeitsabgabe nachgemacht zu haben, so daß auf dies« Weife nach Schätzung der Anklage der Magistrat um 495.909 K Abgabe geschädigt worden sei. Ta aber die ordnungsgemäß perforierten Kupons gleichzeitig di« Grunds lag« zur Verrechnung mit den am Gewinn beteiligten Berlethfirmen dienen, seien nach den Ausführungen der Anklage auch eine Reihe dieser Firmen um t«iltv«ise sehr beträchtliche Beträge gebracht worden. Tatsächlich wurde im Jahre 1927«in« Perforierungsmafchin« durch Direktor Kolak auf Ersuchen Jelineks von dem Mechaniker Karl Abraham bestellt und später noch durch ein« besser« und teuerere ersetzt, weshalb Abraham wegen Teilnahme mitangeklagt wurde. Nun ist allerdings der Besitz einer solchen Maichine, di« ja auch anderen Zwecken dienert kann, noch k«in Beweis dafür, daß auf ihr das Zeichen des Magistrates nach geahmt wurde, woraus es hier ja ankommt. Kompliziert wird die Sache noch durch die geübt« Abstempelungspraxis, nach welcher die nicht ckbgesetzten, aber vom Magistrat schon abgestempelten Karten binnen sieben Tagen vorgelegt werden können und bei der Abrechnung nicht weiter in Frage kommen. So ergeben sich natürlich Rückstände und Unklarheiten, di« es' sehr schwierig machen, ein deutliches Bild des fraglichen Sachverhaltes zu schaffen. Demgemäß dauert« di« Verhandlung auch den ganzen Vormittag. Die vorgeladenen Zeugen 'agten durchwegs entlastend oder doch unbe- immt aus, die Sachverständigen erklärten,^ ein« betrügerisch« Absicht nicht feststellen zu können, di«.Vertreter der angeblich geschädigten Ber- leiherfirmen erklärten einmütig, sich nicht benachteiligt zu fühlen und keinerlei Ansprüche zu erheben und auch der M a g i st r a t hat sich mit Bezahlung eines Beogleichsbetrages von 109.000 K zufriedengegeben. Offenbar gab es also gewiss« Unklarheiten, di« nun zur allgemeinen Zufriedenheit aus der Welt geschafft sind und über deren nähere Beschaffenheit wir nichts zu sagen vermögen. Jeden-, falls wurde«in Schuldbekenntnis nicht erbracht und das Gericht sprach alle Angeklagten frei. rb. Die zweite Schwurgerichtsperiode beginnt morgen mit«iner Anklage wegen Brand st iftung gegen den 30jährigen Franz P i ch a. Es handelt sich um den Racheakt eines ab« gewiesenen Liebhabers. Di« Schwurgerichtssession, vermutlich di« letzte im alten Ger ich tsge- b ä u d« am Karlsplatz, umfaßt vorläufig elf Fäll« und soll bis zum 11. April dauern, doch ist nicht ausgeschlossen, daß noch ein oder zwei Fälle angehängt werden. rb. Kunst und Wissen Kollellivvertrag der Schau v eler d«r deutschen Theater in der Tschechoslowakei abgeschlossen.--- Der Kollektivvertrag, der.Schauspieles.der deutschen Theater in der Tschechoslowakei für die Spielzeit 1933/34 wurde auf Grund der Verhandlungen vom 10. März, di« unter dem Vorsitz der Direktoren Dr. Paul Eger und Felix Knüpfer zwischen dem Verband deutscher Bühnenleiter in der Tschecho- flowakei und dem Bühnenbund in der Tschechoslowakischen Republik in Brünn statigcfuitden haben, mit Unwesentlicb«n Aenderungen gegenüber dem in Geltung stehenden Kollektivvertrag rechtsgültig ab- geschlofl«n. IX. Arbeitervorstellttng. Sonntag, den 9. April, um halb 3 Uhr nachmittags im Neuen Deutschen Theaters„Die Komödie der Irrungen" von Shakespeare. In neuer Fassung von H. Roth«. Wocheuspielplan des Neuen Deutschen Theater«. Donnerstag, 548 Uhr:„F t d« l t o"(C11-- Freitag, Uhr:„Glück im Haus', Gastspiel Theater in der Josefstadt(AA.).— Samstag, halb 8 Uhr:„Glückliche Reise"(DI). Wochenspielplan der Kleinen Bühn«. Donnerstag, 8 Uhr:„Komödie der Irrung««".— Freitag, 8 Uhr:„Eva saniert das Paradies"(Kulturverbandsfreunde)."—. Samstag, Mi9. Uhr: ,^Komödie der Irru n.ge n'. Aus der Partei Jngenvbkwegnng. 2. I. III. Heute Gruppenabend in der Liga. Genosse Prof. Hartwig: Religion und Marxismus. Kommt pünktlich um 8 Uhr. Bezirlsverein„Arbeilerfürlorge^ Prag. Generalversammlung am Freitag, den 31. März, um 8 Uhr abends im Gewerkschaftshaus am Bergstein(Souterrain, Studentrnzimmer). Tagesordnung; 1. Verlesung des Protokolls. S. Berichte. 3. Wahlen. 4. Freie Anträge. Um vollzähliges Erscheinen ersucht Die Bereinsleltung. Vorher Ausschußsttzung um 7 Uhr. tSravev^Nüveyen für all« häusliche» Arbeit«« gefugt. Vorzustellen vormittags bei A. Strauß, Prag VII., Janovskgho 1351.‘ 100 »....(.(bu: Sieotne» Iso»-t£»e)«e»atfe«e:«ilhel»« t e* n e t-«eraurwortiicher ftetatttur tn ttmtl Str a atz. Pro«- Druck: JloM* B-®. f»t ZeNuny. und Buchdruck.«rag-(für»en Druck»etant»otut