Skvzelprelr 70 Heller. ^Einschließlich 6 Heller Porto) ■— Erscheint mit Ausnahme ves' Montag täglich früh. ar SoMoo u. Dnwottuiig: vko»il,I!kt<>,onta i»»Tei»»d.!»oioo. r»eo». Mochirwim. la» I S2»»a chvoßi-«aami:»r»»i 13. Jahrgang. Sonntag, 2. April 1933 Nr 79. Herr Gesandter Dr. M! In Warnsdorf(ihrs„oreuei- Propaganda“ zu entlarven! In Hainewalde, einen zwei Stunden von der Grenze entfernten sächsischen Dörfchen ist feit Montag in dem der Gemeinde Großschönau gehörige» Schlosse ein Jiitcrnirrtenloger ringe- richtet, in dem selbstredend SA-Mannschast das Regiment führt. Unter den zahlreichen Internierten befanden sich auch vier Juden. Diese vier, die— wie andere Opfer dcs.Hitlcr-Regim'cS— wiederholt mit Gummiknüppeln geschlagen worden sind, Pakte man, Wohl zur Feier des begin- nendi.r. Judcnboykotts, nach 12 Uhr nachts in ein Lastauto, auf dessen Scitcnwändcn 25 SA- Leute Platz nahmen, während die vier Juden, den SA-Stieseln gerade erreichbar am Fußboden lagen. Dicf^ Aut''uhr rmn bis knapp ay die tscyechosiowas^' Gicnze, dort wurden die Juden „abgcläden" Prügeln mit den Gummi knüppeln gegen die Grenze gctrirblN. Bei dieser Jagd sind auch sechs Schüsse gefallen. Drei von den blutig Geprügelten gelangten über die Grenze und brachen bei einem Hause erschöpft zusammen, der vierte aber wurde vcrniißt. Ihn zu suchen, konnten sick die Bewohner jenes Hauses im Hinblick auf oic bestialischen„Erneuerer" Deutschlands nicht erlauben. Bon den Bewohnern jenes Hauses wurde die Polizei verständigt und ein Auto besorgt, welches die blut überströmten Opfer der SA ins Spital transportierte. Der vierte Mann stellte sich am Morgen selbst ein und wurde, seines Zustandes wegen, ebenfalls dem.Krankenhaus übergeben. Dies in knappen Sätzen der Sachverhalt, der ein« treffende Illustration ist zu der schon so ost gelesenen Versicherung, daß drüben Niemandem ein Haar gekrümmt werde. Drum nochmals, Herr Gesandter Dr. Koch, reisen Sie ungesäumt nach Warnsdorf, gehen Sie dort ins Spital, dort gibt es„Greurl-Propa- ganda" zu entlarven! Setzen Den Mn kmclsmns Eine machtvolle Kundgebung in Komota«. Freche Provokationen der Nazis. Komotau, 1. April.(Eigenbericht.) Heute um 4 Uhr nachmittag demonstrierten viele Tausende Arbeiter auf dem Komotauer Marktplatz gegen den Mordfascismus. Tic Nazis, die sich seit dem 5. März hier ini Grenzgebiete unerhörte Herausforderungen erlauben, wollten ursprünglich zur selben Zeit eine Trutzkundgebung veranstalten, die jedoch von der Bezirksbchörde verboten worden war. Trotzdem forderten die Hakenkreuzler ihre Anhänger auf, den Marktplatz zu besetzen, damit unsere Versammlung nicht stattfindcn könne. Gendarmerie und Polizei hielt aber den Platz frei. Tic Hakenkreuzler, zirka 400 Mann stark, versuchten daraushin unseren Aufmarsch zu stören, was unsere Genossen mit»»»geheurer Erbitterung erfüllte. Nur dem Eingreifen unserer Ordner war eS zu danken, wenn Zusammenstöße vermieden würden. Im DemonstrationsSzuge, der über viertausend Teilnehmer zählte, wurden zahlreiche Fahnen und Standarten mitgeführt. Auf dem Marktplatz, der nach erfolgtem Aufmarsch polizeilich abgcspcrrt wurde, so daß viele Hunderte Arbeiter, die sich etwas verspätet hatten, nicht mehr auf den Platz gelangen konnten, sprachen die Genossen Abg. Kaufmann und L a d i g (deutsch), Genosse I i r u 8(tschechisch) und der kommunistische KreiSsekretär Appell. All« Redner, die den blutigen Terror des FascismuS geiselten und sich mit aller Entschiedenheit auch gegen die sozial« Reaktion in der Tschechoslowakei wandten, sanden stürmischen Beifall. Einer Resolution, in der an die klasscnbcwußte Arbeiterschaft appelliert wird, mit der größten Entschlossenheit den Kampf, für Freiheit und Brot und für den Sozialismus bis zum siegreichen Ende zu führen, wurde einhellig zugestimmt. Die Kundgebung, die ohne werteren Zwischenfall verlief, hat gezeigt,' daß die Arbeiterschaft des Komotauer Bezirkes nicht gesvillt ist, die Einführung sascistischer Methoden auch f»t der Tschechoslowakei zu dulden. luihcr Do schauer In; Washington Berlin, 1. April.(Wolff.) Der ReichHnäsi» dent hat den Präsidenten des Reichsbanwirek- toriums a. D. Dr. L u i h e r zum Botschafter in Washington ernannt. Ein Tag Boykott. Ein Riesenapparat in Tätigkeit. Berlin, 1. April. Di« amtlich«« Nachrichtenagentur«« bericht«« mit Stolz, daß der Boykott jüdischer Geschäfte„als Abwehrmaßnahme gegen die jüdisch« Lügenhede und Greurlpropagarwa im Ausland" überall im Reich Punkt 10 Uhr vormittags eingesetzt habe. Bor allen jüdischen Geschäften und- vor den Häusern, in denen indische RechtsaMvälle>t>id Aerzte Wohnen, hatten— nach einem Bericht des Contl-BüroS— SA- und SS-Leute mit Plakaten Aufstellung genommen, di« das Publikum vor üeni Besuch dieser Geschäft« w a r n t c n. Brr- schiedentlich wurden Käufer photographiert. Bon d«n größten boykottiert«» Warenhäusern hatte in Berlin nur eines geöffnet, vor d«m sich aber bald«in« riesige Menschenmenge ansammelte und di« wenigen Kauf« mit P f u i r u s«n überschüttet«, so daß die Mehrzahl dieser Käufer Abstand nahm, das Geschäft zu betreten. lieber, haupt soll nach dem Conti-Buro di« Mitwirkung der Bevölkerung in der ReichShauptftadt am Boykott außerordentlich groß gewesen sein. Während es in den offiziellen Kundgebungen hieß, daß eventuelle Käufer nur„aufmerksam gemacht" werden sollen, aber niemandem auch yur ein Haar gekrümmt werden dürfe, waren hejrte in den AuSllme» der boykottierten Geschäfte Plakat« angeklebt, di« ausdrücklich das Betret«» der Geschäft« verboten. Da daraufhin ui«, mand einzukauf«« wagt«, wurden die Geschäfte nach und nach von den Inhabern selbst geschlossen. Einig« Inhaber jüdischer Geschäfte protestier« ten gegen den Boykott durch Aushängen ihrer Ausweise über die Leistung des Militär» d i e n st r s während des Weltkrieges. Der Boykott gegen die jüdischen RechtSan- U'ältc und jüdischen Aerzte Ist überall restlos und ohne Widerstand durchgeführt worden. Für den Boykott waren in Berlin rund 60 bis 70.000 Personen organisiert. Die Forderungen der nationalsozialistischen Betriebszellenorganifation Im Zusammenhang mit dem Boykott sind überall restlos«füllt worden. Die mustergültige Disziplin wurde aber nicht nur in Kiel durchbrochen, worüber wir an anderer Stelle berichten, sondern auch in anderen Städten ließ sie viel z« wünschen übrig. So scheint in Hannover noch ein GetverkschastS- Haus existiert zu haben, das noch nicht zur dauernden SA-Kaserne degradiert worden War. Dieses offensichtlich« versehen wurde nun heute gutgemacht. Dort zogen früh zwei Hilfspolizisten auf, die einfach„auv dem Gebäude her- a n S" beschossen wurden. Selbftradend wurde da» Hau» sofort besetzt und„nach Waffen" durchsucht, und dann ,,unt« dem Jub«l der Bevölkerung" aus dem Gebäude die Hakenkreuzfahne gehißt. Jedenfalls wird sich jetzt di« SA dort häuslich einrichtcn, was Wohl der Zweck d« ganzen Uebung war! Streicher rechnet nicht mit Wiederaufnahme! München, 1. April.(Wolfs.) Gegenüber einem Vertreter der Nationalsozialistischen Nar- teikorrespondenz erklärte der Leiter des Zentral- komiteös zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze, Julius Streicher, als das«» frenlichste Kennzeichen der Aktion könne festge« stellt werden, daß sie vom ganzen Volk getragen war. Auf die Frage, ob er glaub«, daß«ine Wiederaufnahme der Aktion am nächsten Mittwoch notwendig sein werd«, erklärte Julius Streicher, nach den Meldungen, die aus dem Ausland bisher eingegangen feien, fei zu erwarten, daß«ine Wiederaufnahme vermieden werd«« könne. Sollte aber das inter« nationale Judentum den Kampf fortgeführt haben wollen, so fei di« NSDAP zu diesem Kampf gerüstet. Aber auch wenn dies« Abwehrbewegung heute ihren Abschluß findet, so lverde doch ein bedeutsames Ergebnis sestzustellen sein: 1. Das internationale Judentum seh«, daß das neue Deutschland nicht mit sich Schindluder treiben last«. 2. Daß nicht nur das deutsche Volk, sondern die ganz« Welt durch den von uns von den Juden selbst aufgezwungenrn Abwehrkampf auf die Judrnsrage gewiesen worden sei, die nicht nnr «ine Frag« des deutschen Volkes, sondern«ine Frage der Menschheit sei. Sonderrecht für Juden. „Der Jude zahlt, der Arier nicht*. Berlin, 31. Dkarz. Der kommiffarische preußische Justizminister K«rrl hat an di« preußischen Gerichtsbehörden di« Anweisung ergehen lasse», daß für die Tauer des Juden« Boykott» sämtlich« Zivilprozesse, die" von Juden anhängig gemacht Word«« sind, zu ruhen haben. Verhandlungstermine werde« nicht angefetzt, neue Klagen nicht rntgegcngenommen. Di« Vollstreckung bereits ergangener und rechtskräftiger Urteile wird auf unbestimmte Zeit suspendiert. Der Minister erklärt ferner, daß von dieser Regelung jene Prozess«, in denen«in Jude beklagt worden ist, nicht berührt werde«; diese Verfahren gehen somit ungehindert weiter. In einer zweiten Verordnung bestimmt der preußische Justizminister, daß di« am 1. April fälligen Mwtezahlungen für Wohnungen, Ge. schästsräume und Grundstück« nicht entrichtet werden dürfen, sofern der Vermieter«in Jude oder«ine Gesellschaft ist, an der«in Jude beteiligt ist. Für diese Fäll« würden vielmehr sofort bei den öffentlichen Sparkasse«„Sonderkonten" USA-Regierung holt intormatloncn ein. Washington, 1. April.(Reuter.) SS verlautet, daß das Staatsdepartement gestern«in« länger« telephonisch« Unterredung mit dem Botschafter der vereinigten Staaten in Berlin betreffend die antijüdisch« Kampagne hatte. In amtlichen Kreisen verlautet, daß sich' die Regierung für die Situation in dieser Frag« in allen, ihren Einzelheiten interessier«. Auch von privaten Kreisen wird- die antijüdisch« Boykottbewegung mit außerordentlichem Interesse verfolgt und in der Presse aussührlich erörtert.„New Uork Times" erklären, die letzt« Erklärung des Ptopagandachefs Dr. GoettelS sei der r g st e W a h n s i u n". errichtet, auf welche die MietSbeträge einbezahlt werd««; dich« Sonderkonten stehen zur Verfügung der Regierung. Der Minister führt weiter au», daß Zahlungen» di« trotz dieser Anordnung unmittelbar an jüdische Vermieter entrichtet würden, als nicht erfolgt zu betrachten und rücksichtslos beizutreiben sind. -» B« r l i n, 81. März. Der Leiter des Aktions- Komitees gegen die deutschen Juden, Abgeordneter Streicher, erklärte vor Pressevertretern, daß der Zahlungsverkehr zwischen Juden und Sticht, jnden grundsätzlich neu geregelt würde. Bis zum Erlaß der entsprechenden Verordnungen sei niemand verpflichtet, irgendtvelche Zahlungen an einen Juden zu leisten; er, Streicher, empfehle dringrndst, solch« Zahlungen überhaupt zu unterlassen,«S sei wahrscheinlich, daß i» einem nahen Zeitpunkt«ine Zahlung, di« unmittelbar an einen Juden geleistet wurde, als rechtlich nicht erfolgt gewertet und von Staats wegen zum zweiten Mal« beigetrieben wird. Fremdcnverlfehrspropaganda 1m Dritten Reich. Wien, 1. April. Der von Passau koi»inende heutig« Berliner Frühschnellzug hatte volle zwei Stunden Berspätung und war fast leer. Die Ursache bildete eine plötzliche Durchsuchung des ganzen Zuges in Passau, in deren Verlauf die meisten Passagiere ohne Rücksicht darailf, ob sie ihre Pässe und Visa in Ordnung hatten, jum polizeilichen Verhör w egge führt wurden. Die Passauer Polizei machte dabei keinen Unterschied zwischen Reichsdeutschen und Oesterreichern und hielt auch einige Angehörige anderer Staaten an, die sie erst nach mehrstüirdigem Per- hör wieder entließ. Der gelbe Fleck. Krieg und.Krise haben die deutsche Wirtschaft un» Jahrzehnte znrückgeworfen. Es Hai den Anschein, als ob Millionen Menschen in Deutschland gewillt seien, auch die deutsche .Kultur uni Jahrhunderte znrückzuschvauben. Man muß schon bis in die Zeit des Mittelalters znrückgchen, bis in jene grausamen und vertvorrcnen Epochen, in denen das Wort galt:„Tut nichts, der Jude wird verbrannt!", mit Parallelen zi» dein zn finde»», was sich jetzt nn Reiche abgespielt hat«ird»»och serrwr abspielen soll. Mt den» ihnen eigene»» Uebermaß an Phantasie habe»» Herr Goering und der deutsche Oberlautsprecher, Herr Goebbels, erklärt, deutsche jüdische Intellektuelle seien die Berstiffer der„Gvenelgeschichten", die über die deutschen Z»»stände in» Auslande verbreitet seien. Demgegenüber muß festgehaltei» werden, daß unter de»» zahlreichen jüdische»» Intellekt tuellen, die wirklich nicht ans freien Stücken nnd aus Reiselust ihre Hai-mat verlassen haben, »inserer ziemlich gc»»auen Kenntnis der Dinge nach, sich zum nlindeste»» in Prag, nicht em einziger bcfii»det, der falsche Greuelineldungen an die Presse oder in die sonstige Ocffentlich- keit weit-rgcleitet hätte. Wein» die mtf einmal so zart besaiteten Genrüter derselben regierenden Herrei», die einst in Italien, Hollarck» u»rd Skandinavien ihren A»»rtÄ)orgä»»gern wirklich keim Schineicheleicn gesagt haben, glauben, solche Behauptungen erheben zu könmn, so sind sie z»»ni mindesten,»venu sic sich nicht den» Borwtirf der Verleumdung a»»ssehen wollen, verpflichtet, unter Nennu»»g der Naimn und Fälle den Betveis solcher Behauptungen anzutreten, die offenkundig den fadenscheinigen Bortvand für eine'längst geplante Aktio»» abgcbcn sollten. Der aus seiner Vergangenheit dci» deutschen Gerichten sattsan» bekannte Herr Streicher hat ja in» übrigen keine Mörder- gr»»be a»»s seinen» Herzen gen»acht und erklärt: „Ob die Greuelpropagar»da airfhörc oder nicht, das sei gleichgültig. Sie habe den will- kommiencn Anlaß gegebe»», die Aktion würde durchgefühvt, und er sei mit der Entwicklung durchaus zufrieden, man»nöge ihn» vertrauen, daß er ganze Arbeit den Jude»» aeocnüber leiste»» werde." Die braune»» Ehreiunänner sprechen stets von falschen Greuelineldungen nrrd vergesse»» darüber ganz, daß es gilt, die wahren Gveuelmeldungen durch Tatsachcnbeweise eindeutiger Art zu entkräften. Man braucht über die Schandtaten im Dritten Reiche nichts zu erfinden, den»» die nationalsadistische Wirklichkeit ist blutiger und feuriger als jede Vorstellung der Phantasie. Was für den Deutschen in» Auslande, der sich ein echtes Mitempfinden für das dnrch den Rausch der Sieger ge- dciinütigte Volk bewahrt hat, besonders schmerz- lich ist, ist die Tatsache, daß n»an gerade von solchen Männern, dir im Kriege stets Dentsch- land gegen die belgische Greuelpropaganda ii» Schutz genommen haben, heute die nachdenkliche Frag« hören kann:„Sollten dieselben Menschen) die so in ihrem eigenen Lande ivüten, nicht auch anderer Täte»» fähig ge- wese»» sein?" Wenn man sich auch noch so sehr bemüht, derartige Einwendungen zurückzuweisen, wenn man ferner bestrebt ist, jede auS Deutschland kon»l»»e»idc Nachricht auf ihren Wahrheitsgehalt z»i überprüfen, so bleiben leider doch so viel dokumentarisch belegbare Tatsachen ichrig, daß koi»» Ziveifel darüber bestehe»» kann, wie weitgehend ei»» Massenwahn, ä h»»l i ch wie in den f i n st e r e n T a g e»» des Mittelalters, alle menschliche»» Hein- m u n g e n v c r r» i ch t e t und alle Kultur wie dünnen Firnis a b g e k r a h t h a t. Es zeigt sich bei dieser Gelegenheit erschreckend deutlich, wie falsch das deutsche Bildungsideal»var, das das Wissen, den „Lehrstoff", und»richt den Menschen in den Mittelpunkt gestellt hat, wie das z. B. die englische Erziehung seit alters getan hat. Seite L Sonntag, 9. April itzftz» At. 79 Vor allem aber zeigt sich ein geradezu erschreckender Mangel an jener H u m a n i t ii t, die genau wie iin Kriege als „HnmanitätSdnselei" zynisch und brutal verspanet wird, bis eines Tage» dieselben Herr« scha steil um„Humanität" genau so winseln Werden, wie sie sie heute mißachten. Wollte man betveiien, daß die Meldungen über Arbeiternwrde, Hauszerstörungen,« Ber- schlrppnngen und antisemitisch« Ausschreitungen der Wirklichkeit entsprachen, so hat e man nicht anders handeln können, als man es jetzt getan hat. Tie Verfolgung der deutschen Juden zeigt wenigstens der übrigen Welt an olfen- kundigen Tragödien, was sich in ähnlicher Weise, vielleicht lautloser, aber dalür nm so intensiver in den still leidenden Schichten de» Proletariats abspielt. Tas Schicksal der Inden ist nur deshalb so eindrucksvoll, weil cs Jahrhunderte alte Vergleiche zuläßt, weil die Behandlung der Juden stets ein Gradmesser der geistigen Selbstsicherheit eines Volkes gewesen ist. Ahasver soll jetzi wieder zum Wanderstab greifen. Jahrtausende ist er mühselig in Europa herumgewandcrt. Länger als ein Jahrtausend Hai er al>er für seine Kinder auch in Deutschland ein«-Heimstätte gefunden. Und was haben sie diesem Lande, mit dem sie seit Jahrhuiüxttcn in Sprache, Denken und fühlen verwachsen sind, an geistigen Werten gegeben! Mendelssohns Lieder, Heines Gedichte, LieberniannS Bilder, Zweigs, Wassermanns, GundolfS lüerarische Werke, die Regiekunst eines Reinhardt und Brahm, das niedi- zimfche Wissen eines Ehrlich, eines Wassermann, eines Israel und vieler anderer, die Genialität eines Einstein, di« schöpferische Wirtschaftsführung eines Ballin und eines Rathenau, ohne die weder die Hamburg- Amerika Linie, noch die AEG. denkbar wäre, sollen auf einmal weggelöscht sein aus der Geschichte, als ob nicht gerade sie dazu beigetragen hätten, dem deutschen Namen in der Welt Klang und Farbe zu verleihen. Gewiß ist nicht jeder jüdische Staatsbürger in Deutschland«in Muster der körperlichen und seelischen Vollkommenheit. Aber ein klein wenig Wissen um wirkliche Rassenkunde nitb Biologie würde genügen, uni klarzuinachen, daß di« Eiche auf freiem Felde stolz und knorrig in»Freihert cmporwächst, daß sie aber im Dickicht des Buschwerks, der Wind und Sonn« wehrt, nicht zu wachsen vermag. Nicht irgendeine mystische Rasseeigenschast der Juden trägt an Fehlern, wenn sie sich zeigen, die Schuld, sondern vor allem die Art, wie man sie Jahrhunderte hindurch als Fremde und HeilandSmorder behandelt und lediglich aus daS Geschäftemachen verwiesen hat. An seinen Mängeln ist nicht der Jude schuld, sondern d a s G h e t k o! Jetzt aber wollen Angehörig« derselben Nation, die Millionen BolkSange- höriger außerhalb ihrer Grenzen weiß und stets an daS Minderheitenrecht appelliert hat, im eigenen Lande eine entrechtet« und geknechtete Minderheit gleicher Sprache und Kultur schaffen imi eines Blutsmythos willen, vor dem sich selbst ein.Herr Goebbels scheuen müßte, wenn er einmal in den Spiegel schaut. Fleck«in schwirr Fleck ans dem Ehrenschild! des deutschen Ansehens bleibcn tvird für Jahr! und Tag 1 X. I Nicht allein nm der Juden willen, sondern gerade u in Deutschlands willen muß eS heute gesagt, werden, daß der gelb« iKaHMBMaanMOMMM Vorstänilßkonlerenz Oer gemeinsamen Lan.eszentrale der irelen OcwerkschaHcn. Freitag, den 31. März, sand im Gewerk- schaftshause in Prag eine Vorständekonferenz der gemeinsamen Landeszentrale statt, an welcher 15 deutsche Verbände mit 28 Delegierten und 39 tschechoslowakische Zentralverbände mit 1s2 Delegierten vertreten waren. Außerdem»ahmen an der Tagung 27 Kreisgcwcrkschajtssekretäre und die Mitglieder des ZentralgewerkschaltSrateS teil. Genosie Nkm« ö« k eröffnet« sie Sitzung und verwies auf di« hauptsächlichsten Punkt«, mit denen wir uns zu beschäftigen haben. Cs sind das in erster Lime die Arbeitslosigkeit und die ArbeitSanleihe, sodann die Frag« der.Herabsetzung der Preis« der Lebensmittel und der sonnigen Bedarfsartikel, die Verkürzung der Arbeitszeit, dir Probleme deS Genter System- und d«r Arbeitslosenunterstützungen überhaupt und schließlich die Frag« des gemeinsamen Vorgehens nut den.Kommunisten. Für den Deutschen Gewerk« schaftsbund in Reichenberg wurden die Genossen Grünzner und Kaufmann in da- Präsidium berufen. Die Referat« wurden von den Genossen TayetIe und Maeoun erstattet, woran sich eine lebhafte Debatte knüpfte, und Genosse T a y e r l e hielt da- Schlußwort, woraus da- Ergebnis der Beratungen einstimmig in folgenden Entschließungen niedergelegt wurde: Für die StSrknrrs der Kaufkraft und für die Arbettsbefchrffung. DI« Vorstäntekonferenz hat über die Fragen der ArbeitSlosigkeii beraten und erneuert die Forderungen der gem«insam«n Landeszentral«, mit deren Erfüllung ter Arbeitslosigkeit vorgebeugt und dies« gemildert werden soll. Die Erfahrungen, welch« mit den Maßnahmen gegen ti« Arbeitslosigkeit bisher gemacht wurden, bestätigen aus- neu«, daß e- notwendig ist, der Arbeitslosigkeit vor allem vo r» zubeugen. Besonder- notwendig ist«S, all« Bemühungen zu fördern, die zu einer Erhöhung der Konsumkraft der breiten Massen führen. Mr betrachten deshalb alt besonter- tringend solch« Maßnahmen, welche«ine Kontrolle der Preisbil» dungSsakwren sichern, damit unberechtigt hohen Preisen aller BedarfSattikel besonder- durch spekulative Verteuerungen vorgebeugt wird. Wenn die Wirtschaftskrise«in« Senkung der Löhn« und Gehälter herbeigeführt hat, so muß damit ein Abbau ter Preis«, besonder- auch der in» dusttiellen Rohstoffe und Halbfabrikat« Hand in Hand gehen. Insbesondere muß di« unberechtigt« Spann« zwischen dem Einkauf-- und Verkaufspreis ter landwirtschaftlichen Produkte beseitigt werden, Di« Vorstäntekonferenz fordert daher«in« beschleunigt« Behandlung de- GesetzentwurseS über di« Kartell« und di« staatlich« Aufsicht über di« Preise Di« Borständekonserenz begrüßt den Beschluß der vorbereitenden imernaiionalen Arbeit-konserenz in Genf, welch« grundsätzlich anerkannt hat, daß ti« Forderung der sy-Stundenwoch« der ordentli- chen internationalen Arbeit-konserenz im Juni d. I. vorgelegt werden soll. Indem ti« Vorstöndekonferrnz ties« Forderung besonder- betont erklärt sie, daß sie in einer weiteren Verkürzung der Arbeitszeit nicht nur«in Mittel zur Erlangung«ine- gerechten Anteile- an den Ergebnissen de- technischen Fortschrittes erblickt, sondern auch«in« unausweichlich« Folge seiner schädlichen Wirkungen aus di« wirtschaftlich« Lage und den. Gesundheitszustand her arbeitenden Schichten. Sie fordert insbesondere, daß in kontinuierlichen Betrieben da- Bierschichtensystem«inge- führt wird, weil nur damit di« Zahl der beschäftigten Kräfte erheblich gesteigert werden kann. Di« Dor- ständekonserenz fordert di« angeschlossenen Verbände auf, bei den Verhandlungen übet ihr« Äollrktivver- träg« die Forderung nach Verkürzung der Arbeitszeit im Sinn« der Anträge der Zentral« zu erheben und damit auch ihr« gesetzliche Regelung zu beschleunigen. Di« ständigen Uebettretnngen des bisherigen Gesetzes über dir Arbeitszeit zwingen zu einer systematischen Kontrolle der Ueberzeitarbeil. Wir lehnen jedwede amtliche Bewilligung von Ueberstunden ab und rufen nach den strengsten Diaßnahmen, damit di«»»bewillig:« Ueberzeitarbeit verhindert wird. Ueber den Zweck der ArbeitSanleihe berstend, fordern wir, daß ihr Erträgnis besonder- für produktiv« Arbeiten verwendet wird, mit welchen soviel wie möglich menschlich« ArbeitSkräst« so lange wie möglich beschäftigt werden können. Al- besonder- notwendig betrachten wir et, daß bei Arbeiten, di« aus der ArbeitSanleihe durchgcfiihrt werden, jene Maschinen, welch« di« menschliche Arbeit ost nur out Gründen des privaten Profites ersehen, au-geschaltet oder auf«in Mindeslniaß beschränkt werden. Di« einseitigen Wirkungen der Rationalisierung und der maschinellen Arbeit verfolgend, fordern wir«in« Kontrolle und«in« höher« Besteuerung jener Betriebe, welch« di« menschlich« Arbeit durch Maschinen ersetzen. SoUdarttSt mit der reichsdeutschen Arbeiterschaft. Di« vorsiänbekoufereuz der iu der gemeinsamen Lande-zentrale»Odborovs fdrutrni reskoflovenskS" Vertretenen GewerkfchostSverbänd« spricht im Ramen ihrer 611.000 Mitglieder den Gewerkschaften Deutschland», die unter dem faselsttschen Terror leiden, ihre wärmsten Sympathien an». Di« Borständekonserenz verurteilt einmütig jeden Terrae und jede Gewalt, mittel» deren jede frei« Ueberzengung verhindert, sowie dl« Ergebnisse der demokratischen Staatsordnung und die Freiheit der Ueberzengung unterdrückt werden sollen. Im Interest« der einheitlichen Gewerk« schaftübewegnng, im Interest« de» sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt» sind wir nn» besten bewußt, daß wir di« demokratische Lersastung nicht nur zur Geltung bringen, sondern auch verteidigen müssen. Di« Demokratie auferlrgt nicht nur Recht«, sondern auch Pflichten und Verantwortlichkeit. Gegen di« Gewalt werden wir di« Macht der selbstbewnßten Arbeiterklasse, besonder« der starken, einheitlichen GewerklchaftSorganisatloaen stelle». Wir lehnen ganz entschieden alle Methoden ab, welche dl« Macht und de« Willen der Demokratie brech«« und di« Diktatur, den Terror und die Gewalt eiulsiten sollen. Rur in der politischen Demokratie, deren Ausgestaltung di« Aufgabe der Arbriterklaste ist, liegt auch in der Tschechoslowakischen Republik dl« Gewähr der Mitarbeit aller Rationen im eigenen Lande. In ihr sehen wir ferner da» zweckentsprechendste Mittel, am zur wirt« fchaftlichen Demokratie zu gelangen und den Sozialismus zu verwlrflichen. In dieser Erkenntnis verteidigen die freien Gewerkschaften di« Demokratie. 1» Kiehdratk verboten. >; UND DAS 20. JAHRHUNDERT I Roman von Rudolf Brunn grabe r Copyrigth bjr Sodellif»Verlag' Frankfurt am Main 1883 Da» war cs: mit der Läuterung war der ! Glaube in Karl groß geworden, daß allem in i der Welt und somit auch seine» eigenen Nöten ! und Sehnsüchten«in tiefer Sinn uttd«in« nn- 1 anfechtbar« Gerechtigkeit zugrundelägen. Mit dieser lieber',cugung Ivar es nun gut durch die Stra. ■ ßeu gehen und«s war etwas Namenloses, dem I kleinen Weib übers Haar zit streichen und jtt scher en, daß man nun bald zu driti— hier dachte I Karl an ein« jung« Blonde—, oder zu viert 1— ! h,«r dachte er an ein Kind— in ein Dörfchen draußen einziehen würde, wo Kinder zu unter- ' richten lvären. Es gab also doch eine Macht, die da» klein« Weib noch einmal unter den großen , Himmel hinausführen sollt«, und wahrhaftig ,■ Karl Lakner. der sich durch di«.Haltung, mit der '■[. er seinen Drang'alen widerstattd, eine nicht all- s tägliche Frische bewahrt hatte, ging in dieiem '! Frühling 1812 wie ein Novize deS Glücks durch ! di<'Straßen. In Berlin scheiterte um dies« Zeit i: der letzte Verstälidigungsversuch mit London, ; Nußlatch schickte den Revolutionär Stalin, den k Plüichercr von Eiiettbahnzügen und Banken, zum I t' fünften Male nach Sibirien, das Hobart College I s in Geneva'm Staat« New?>ork ernannt«^Frederick W. Taylor zum Ehrendoktor und di« White i Star-Linie kommandierte, die Titanie gegen di« , Eisberge. Karl aber wurde von der Rauchfahne i einer Lokomotive mit der Lieblichkeit berührt, die ■ i sie i» Kinderbüchern hak. Sein Vertrauen in di« f sonnig« Sicherheit der Welt war io groß, daß er a t ihren droheichen Stimmen gegenüber eine rgen weil« Unalänbigkeit bewahrt«. Als einig« | I Zeitungen, die offenbar nicht auf der Höhe der ; fr Zeit standen, den Untergang der Titanic«in Strafgericht Gottes nannten, dachte er weder, daß da» nicht die richtige Art sei, seiner Zeit in« Ge- tvisten zu roden, noch daß chr überhaupt in» Gewissen zu reden Iväre, sondern«r betrachtet« da» Ereignis als einen Unglücksfall, an dem selbst die keine Schuld trügen, die den Rekord gewollt batten. Denn, meint« er zu verstehen, Rekord« oder, gerechter ausgedrückt, große Geschwindigkeiten ge- hörten so sehr zu dieser Welt, daß man sie nicht abschaffen konnte, ohne diese Welt in ihrem Wesen zu treffen, da» zweifellos imposant Ivar. Auf diese Weis« war Karl Lakner«in sehr williges Mitglied dieser Welt. In den USA., wo auf Grund einer tayloriftischen Untersuchung gegen di« Eisenbahnen die Anklage erhoben worden war, sie verschwendeten täglich«in« Million Dollar, — was zur Folge gehabt hatte, daß der Taylori». >nuS zum nationalen Schlagwort, zu einer Kon- iunkturangelegenheit geworden war, di« zu nützen sich nur in feder Straße„Reorganisattonsinge- «teure" etablierten,— in den USA. veröffentlichten der Konteradmiral John R. EdtvardS und andere originell denkende Manner Bücher gegen die Wisseirchaftlich« BetriebSsührung. Sie sprachen von ihr al» einem Fetischismus, in ihren Schriften standen Sätze wie: Die Rationalifie- rung. dies« Hypertrophie des Strebens nach der Höchstleistung, ist bloß eine greisenhafte Ent- artttng der IitdustriekorperS; oder: Die Rationalisierung ist der müde Ausklang einer Technik, die sich der Erschöpfung ihrer Problematik nähert. Bon diesen Ansichten, die man al- Nachgeburten der überwundenen Fin dc sibele-Stimmung hin- stellt«, wurd« Karl io wenig erreicht wie von der Sache gegen die st« gerichtet waren. Aber er hätte sie al- ungerecht empfunden. Seine Liebe zu allem Existierenden war schrankenlos uttd einfältig un- bis zum End« von gutem Willen beseelt. Im übrigen fügt« er sich wie alle kleinen Leute gern in die Ueberzeugung, da- große Getriebe würde durch di« dazu Berufenen schon ge ordnet werden. In dieser Weise hatte sich Karl mit den Nachrichten au-einandergesetzt, di« im Jänner über das Scheitern der Verständigungsverhandlungen mit Sir Ernest Ca^el au» Berlin gekommen waren, uttd so dacht««r jetzt über den Abbruch der Besprechungen mit dem englischen Kriegsminister. Dem Lord Haldan« aber schoß für eine Sekunde ein tragisches Pathos in den Blick, als «r von Berlin schied. Er hatte di« unbedingt« Neutralität nicht zuznstchern vermocht, auf der Deutschland bestand, fall-«S sich mit der englischen Seeübcrlegenheit absinden sollte, aber er hatte ganz Angola geboten, da- Kaufrecht über den belgischen Kongo und. für«In« britisch« Beteiligung an-er Bagdadbahn, Sansibar und Pemba. Di« Kräfte machten di« letzten Anstren- gmigen, den Abarund unter sich zu überbrücken. Allein: hatte sieh jemals eine wachsende Macht mit der Ueberlegenheit einer anderen abgefunden? Wär« da-, wie man die Dinge zu verstehen gewohnt war, nicht Widernatur gewesen, und hatten sich jetnal-, di« zuerst am Platz waren, nicht gegen jette gekehrt, oi« nach ihnen heraufdrängten? In diesen! Sinn waren die Bülow und Bethmanv-Hollweg. di« Delcastü und Poincarö, die Aebrenthal und Berchtold, di« Iswolski und Nikolaiiewftsch, die Lor- Grey und Lloyd George, di« PastL, Talaat, Ever Pascha und Sonuino alle nur Handlanger de» Unvermeidlichen. Wie«S DiSraeli, Bismarck und Gortschakoff zu ihrer Zeit nicht ander» gewesen Ntaren. Augenscheinlich aber erfaßt di« Menschen, wetm sie sich dem Unentrinnbaren nähern, ein rauschvoller Eifer. Schon Hegel hat sie die Geschäftsträger d«S Schicksals genannt und in jenen Tagen waren st« nicht mehr .Handlanger, sondern fanatisiert« Akteure. Als .Karl mit Auszeichnung die Maturitätsprüfung ablegte, fertigten Frankreich und Rußland ihre Marinekonvention. verpflichtet« sich England, die französische Westküste zu schützen, und trug Poln» carö den Wunsch seine» Generalstabs nach Peter»- Gegen kommunistische Manöver. Al» Ergebnis der gleichzeitigen Beratungen IU>«r den Antrag der roten Gewerkschaften, di« zür Einheitsfront gegen die Verschlechterung der Arbeit», losenunterstützungen und gegen die Angriff« des gaseiSmu» ausrufen, erklären wir: Die im^Oborov» sdrulent kefloflovensks" vertretenen GewerkschaftSverbände verteidigten von allem Anfang an die gesetzlichen Maßnahmen auf dem Gebiete der Arbeitslosenunterstützungen. Ebenso haben sie gegenüber dem FaselSmuS stets einen ablehnenden Standpunkt eingenommen. Leider waren e« gerade die Tendenzen, welche die kommunistische Partei und dl« rot«n Gewerkschaften verfolgten, die nicht nur die Macht der Gewerkschaftsbewegung in diesen Kämpfen systematisch lähmten, sondern oft auch bewirkten, daß manche Kreise der Arbeiterschaft jene Maßnahme» auf dem Gebiet« der ArbeitSlofenfllrforge, welche unter dem Drucke der Gewerkschaften erfolgten, miß- verstanden haben. Die Angriffe, die gegen die Einheit der GewerkschastSorganisationen unternommen wurden, besonders die Verleumdungen, Verdächtigungen und Befchimpfungen, von lvelchen die Agitation der roten Gewerkschaften begleitet war, lasten kein Vertrauen in den ehrlichen Willen zu einer Vereinbarung aufkommen. Im Gegenteil. Alle Begleiterscheinungen beweisen, daß eS sich dabei wieder um ein AgltatiouSmanS- vrr handelt, daS nur der weiteren Zersplitterung dienen und neues Mißtrauen in die Arbeiterbewegung hineintragen fall. Die Ergebniste dieser ZersetznngSarbeit, die wir heute im benachbarten Deutschland beobachten können, fordern zur Vorsicht aus und deswegen miisten wir erllären: Wir waren immer bemüht, das einheitliche vorgehen der Arbeiterschaft iu einheitlichen Aewerk- schaftSorganifatwnen zu sichern. Wir haben deshalb alles abgelehnt, va» die Arbeiterschaft trennt und waren bestrebt, im gewerkschaftlichen Kampse die politischen, nationalen und religiösen Unterschiede zu überbrücken. Die roten Gewerkschaften, welche stet» unter dem Diktat der kommunistischen Partei stehen, haben jedoch im Gegenteil immer die Unterschiede in der politischen Gesinnung hervorgehoben und haben di« Mitglieder zur Unverträglichkeit und Voreingenommenheit gegen die freien Gewerkschaften erzogen, womit sie zur wetteren Spaltung der GewerlschaftS- bewegnng beigetragen haben, ebenso zum Jndisferen- tiSmuS, au» dem der gaseiSmu» feine Kräfte schöpft. I« Widerspruch zudem Gedanken.der einheitlichen Gewerlschastvorganisation steht insbesondere da» Verhalten der Kommunisten zu den Unorganisierten, die wiederholt dazu herangezogen wurden, di« Aktionen der srelgewerkschastlich organisierten Arbeiter zu stören und zu bekämpfen. Wir haben stet» auf den Zusammenschluß aller Arbeiter in starken Gewerkschaften hingewirkt und ein gemeinsames Handeln der gesamten Arbeiterflaste auf dem Gebiete der Gewerkschaftsbewegung angebahnt. DaS werden wir in der festen Ueberzengung, daß nur im gemeinsamen sozialen und wirtschaftlichen Kamps aller Arbeitnehmer Erfolge zu erzielen sind, auch weiterhin tun. Im gemeinsamen Vorgehen und in der einheitlichen Tal» ti» und Zielsetzung liegt die Gewähr gewerkschaftlicher und wlrlschaftlicher Erfolge. In dem derzeitigen Angebot der roten Gewerkschaften» da» doller Hintergedanken ist, erblicken wir keinen Vorschlag, der die Arbeiterllaste gewerkschaftlich zu jener Einheit zusam- menführen könnte, die wir brauchen. Bevor nicht die roten Gewerkschaften ihre zersetzende Tätigkeit und ihr« unbegründeten Aiigriss« gegen die einheitliche Gewerkschaftsbewegung Anstelle», kann ernstlich über die Schaffung einer Einheitsfront mit den k,mmu- nistischen Gewerkschaften nicht gesprochen werd-u. Wir fordern daher die vlewerlschaslSverbllnde, AewerkschaftSkommistionen und Ortsgruppen auf, im hurg, man möge sofort au den Bau eines zweiten GeleiseS aller Bahnen schreiten, die nach Deutschland führten. Bei dieser Gelegenheit einigte man sich auch über die Kriegsziele, unter den Konstantinopel und die Meerengen die russische Gegenforderung für Elsaß-Lothringen bildeten. Wie lehr man sich über ferne Absichten im klaren war, zeigt« auch, der Trinkspruch des Großfürsten Nikolai Nikolaijewitsch aus dem Bankett, das die französischen Herbstmanöver abschloß. Aus Wieder» sehen, nunn« Herren, in Berlin, jagt« er. Als Karl am 30. September endgültig wußte, daß er in diesem Jahr lvegen Uebcrfüi- lung des Berufes{eilte Anstellung mehr erhalten würde, waren all« Mächte'^invar ganz davon beansprucht, den drohenden Balkankrieg abzuwenden. Am gleiche» Tag erhielt das Sechste russisch« Armeekorps in Warschau die Weisung, daß«in telegraphischer Befehl zur Anordnnim der Mobilmachung in den europäischen Mllitär- öezirken gleichzeitig als Befehl zur Eröffnung dir Feindseligkeiten gegen Oesterrcich-Ungorn und Deutschland aufzufassen sei. Hinter dieser Order stand die Erklärung PoincaröS, daß Rußland auf einen Angriff Serbiens durch Oesterreich mir der Kriegserklärung antworten müsse und daß Frankreich ihn» beispringen würde, sobald ritt militärisches Eingreifen Deutschlands erkennbar wäre. Aber es kam nicht so weit, obgleich Serbien, Montenegro, Bulgarien und Griechenland die Türkei in Mrei Monaten geschlagen hatten nnd das nicht>mr eine Niederlage der Preußischen Militärs bedeutete, die die türkische Armee seit zwanzig Jahren geschult hatten, sondern der ganzen Orientpolitik, die dahinter stand. Es kam trotz den lebhaften Ikkklainationen in den Entente- ländern nicht zur Entfesselung des Chaos, we,l Deutschland, da» seit zivanzig Jahren zwischen Besorgnis und Ueberhebung schwankte noch einmal mehr zur Besorgnis neigte. Um so e-'sr-g-c lrieb man im Verborgenen die Minen vor. (Fortsetzung folgt.) Nr. 79 Sonntag, S. April 1038 Jtile 8 Sinne dieser Grundsätze vorzugehen und die zersetzende Agitation der roten Gewerkschaften zurückzuweise». Lehnt überall ihr Vorgehen ab, durch welches die Kraft der Gewerkschaftsbewegung noch weiter geschwächt, der FoselSmu» gestärkt und der Weg für die Feind« der Demokratie geebnet würde. Die Resolution über Oie Arbeltslo'enflksoege bringen wir infolge Raummangel erst Dienstag. „Nacht ist Recht“. Unter dem Titel„Sudetendeutsches Erbrachen" schreibt in der schwarzen„Ballspost" Josef Zak zur nationalistischen Besoffenheit der Hakeickr«uzler und Deutschnationalcn u. a. folgendes: „In Deutschland erwacht ein« geschlossene Nation, die ihr Schicksal allein b e st i m in c n kann. Wir Sudc.endeulschen tragen da» Schicksal eines Minderheitenvolkes und haben den Satz an uns erfahren, den leider auch der heutige Reichskanzler Deutschlands verficht: „M acht i st Recht." Adolf Hitler, der den Marxismus und den L beralismus als seine ge- haßtesten Gegner bekämpft, Hai sich am Gipfel seines Ausstieges zur Machttheoric des librralen StaatSabfolutiSinuS bekannt. Di« These: „Macht ist Recht" ist der größte Feind der deutschen Minderheiten, ist jenes brutale Gavaltprinzip, doS jede« Minderheitenvolk auf das schärfste bekämpfen muß. Wir Sudelendcutschen können diesen Grundsatz weder billigen noch anwenden. Bei uns best-h! d« Gefahr, daß dieser Grundsatz in uni noch in verschärftem Maße angewendet werden könnte. Daher ist der Weg, den wir gehen müssen, doch «in anderer al« jener, den daS deutsche Volk selber geht." Diese Betrachtung ist durchaus realpolitisch. CS ist ein Wahnsinn, zu glauben, daß hierzu- lande unser«.Hakenkreuzler jemals das Heft in die Hände bekommen. Das könnte schlimmstenfalls nur bei den tschechischen Fascisten der Fall sein. Daß dies nicht im Interesse dcS Deutschtums gelegen wäre, braucht wohl nicht erst betont zu werden. Wir können alS deutsche Minderheit mit der tschechischen Mehrheit wohl eine kluge und ruhige Berständigungs- Politik treiben, niemals aber tölpelhaft mit der Macht drohen, weil eben diele auf der anderen Seit« vorhanden ist.— UebrigenS muß auch Hitler im Umgana mst dem Ausland sehr höflich und— vorsichtig sein, kann er nickst mit der Faust dreinfahren, denn in diesem Falle wäre er selbst in der— Minderheit. „Tor nnseremVoiüe verooMMT Mit dieser Phrase schloß eine vom Abg. flrumpe abgegebene Erklärung der oppositionellen deutschen Parteien, die sich gegen die Auslieferung der Abg. H a s s o l d und Schal- lich richtete und die deutschen Sozialdemokraten und Landbündler für diese„Untat" verantwortlich machte. Die Herrschaften nrachen eS sich sehr bequem: sie wollen rücksichtslos kritisieren, aber dafür selbst keine strafrechtlichen Folgnr über- nehmcn. Am liebsten hätten sie volle Schimpffreiheit, so wie es die Nazis seht in Deutschland haben, während deren Gegner buchstäblich mundtot gemacht sind. Di« tschechischen Parteien liefern Tschechen und Slowaken auS(Gajda, Stribrny, Tuka etc.), nur die Hakenkreuzler und Deutschnationalen sollet: nicht vor Gericht gestellt werden?! Und tveil das natürlich nicht zu erreichet: ist. wenn auch alle deutschen Parteien dagegen stimmen würden, Werder: die deutschen R.gicrungsparteien beschuldigt, am„Sudeten- dcutschtunr"„He>:kerSdienste" zu verrichten! MS ob wir dazu da wären, für die Dummheiten >:ud Verstiegenheiten der deutschen National- sozialistcn die Mauer zu machen! Eines m>:ß aber angesichts der Hetze gegen uns festgestcllt werden. Wenn Abg. Dr. Hassold nicht wegen eines Verbrechens, sondern nur tvcgen eines Vergehens angcklagt wird, so hat er das den vielgeschmähtcn deutschen Sozialdemokraten zu verdanken, deren Hilfe Dr. Hassold in dieser Richtung nicht vergeblich erfleht hatte. «»Snherte Mnrllckungstermine für Rekruten. Der Ministerrat hat in seiner letzten Sitzung di« Aenderung der Antrittsteriniirc für den Präsenzdienst der Rekruten zur Kenntnis genommen. Der Antrittstermin für Rekruten wird generell auf der: 1. November verlegt. Der Antrittstermin am 1. Oktober wird nnr für Angehörige der Genietruppen in Kraft bleiben. Für Rekruten, welche Frequentanten der Re- ferveoffiziersschulen werden können, wird der Antrittstermin grundsätzlich in der Julimitte liegen. Heuer werden diese Rekruten am 17. Juli einrücken. Infolgedessen ist es notwendig, daß Strchcntcn, welchen der Äufschltb des Präsenzdienstes bis zum 1. Oktober des hourigen Jahres bewilligt wurde, bis zum 1b. Mai d. I. ein Gesuch um Verlängerung dieses Aufschubes einreichen. Die bisherige Begünstigung von zwei Einrückuugsterminen für Aorzte und Apotheker bleibt mit entsprechender Aenderung der Termine (Mitte Juli und Mitte Jänner) erhalten. Bei der Ersatzreserve gilt der bisherige Apriltermin. Lunctyusnz im Dritten Deich. Jüdischer Rechtsanwalt schießt au. ßayhohposten und wird uaitir im Gefängnis ermordet. Prag, 1. April. Bei der Durchführung des anbefohlenen antijüdischen Boykotts ist es, wie Berliner halbamtlich« und amtliche Meldungen besagen, in Kiel zu einer Bluttat gekommen. Ter Sohn eines boykottierte» jüdischen Möbel» Händlers hat dort aus einen Bohkottposteu geschossen und ibn nach der ersten Meldung de» offiziellen Conti-Büros leicht verletzt. Der Tater wurde verhaftet, aber nachträglich im Poli- zeigefangnis(!) von eingedrungenen Hakenkreuz« lern kurzerhand erschösse«. Zur Illustration, wir der amtlich« deutsch« Presseapparat arbeitet, um derartig« Vorfälle zu oeschäuigen, führen wir die durch das hiesig« tschechoslowakische Preßbüro auS reichSdeutscher Quell« darüber ausgegebenen Meldungen der Reihenfolge des Einlaufens nach an: 1. In einer Meldung des offiziellen Conti- Büros heißt cs nach einem Bericht, in Sem dir ,,mustergültigcRuheundDtfziPl:n" bei der Durchführung des Bohko ts geruliim wird, zum Schluß: Nur in Kiel ist es zu einem ernsten Zwischenfall gekomnien. Aus dem Möbellager->in»r jüdischen Finna in der KehdcSstraße wurde auf den nationalsozialistischen Boykottposlen geschossen Ein SA-Mann wurde leicht verletzt. Ein« sosor« alarmierte SA-Abteilung gab daraushm auf daS GeschäftSlokal mehrere Schüsse ab wovurch einige Schaufensterscheiben zertrümmert wurden, und drang in da- Gebäude ein. Bei der Durchsuchung wurde der Täter entdeckt und verhaftet. E- handelt sichumdenSohn desjüdischen Möbelhändlers Schümm. Die Pistole, au- der Schümm die Schüsse abgegeben hatte, konnte flchergestellt werden. Die Erregung über daS Attentat ist sehr groß. Die Ruh« wird oon SA-Wachen anfrechterhalten. 2. Kurz daraus meldet das amltich« Wolff- Büro: Der Sohn des MöbelhändlerS Schümm, der, wie gemeldet, am heutigen Vormittag vor dem Geschäftshaus seines Vater- aus einen SA-Mann einige Schüsse abgegeben hatte, durch die dieser einen schweren Bauchschuß davontrug, ist heute nachmittags im Polizeigefängnis, wohin er gebracht worden war, erschossen worden. Die verlautet, verlangten einige Personen lm Polizeipräsidium. daß ihnen dir Tür zur Zell« de« Schümm geöfsnrt werd«. Ala diesem verlangen stattgrgebrn wurde, sielen mehrerr Schüsse, sie Schümm auf der Stelle tötete«. Die Leiche wurde dem gerichtsmedizinischen Institut zugcführt. Hier wir- also kein Geheimnis daraus gemacht, daß ein paar Nazis— andere Staatsbürger können-och sicher nicht so ohne weiteres in ein Polizeigefängnis eindringen— sich die Tür zu-er Zelle des Verhafteten aufsperren ließen und ihn dort in aller Gemütsruhe zu- fammenknallten. Damit dieser aufgelegte Fall von Lynchjustiz e'tvas gemildert erscheint, dichtet man dem verwundeten SA-Mann plötzlich emen schweren Bauchschuß an! Inzwischen stiegen den amtlichen Stellen anscheinend doch Bedenken auf, angesichts der wachsenden Erregung im Ausland das Riederknallen eines wehrlosen Gefangenen so rultig zuzugeben, ui:d eS wurde daher 3. die Dementiersprihe in Bewegung gesetzt. DaS tschechossowakssche Prcßbüro bracht« also folgend«„Notiz" für die Redaktionen: „DaS Wolsssch: Büro ersucht, di« Mtlduug au» Kirk über dl« Erschießung de» Sohne» de» Möbklhändlrr» Schümm in der gell« dr» Polizti- gesängnissr» zurückzuzirhrn." Inzwischen wurde eine neue amtliche Meldung zu'ammengebraut, in der man den angeschossenen SA-Mann st e r b e n und den UebcrM auf daS Gcangn-s durch eine erregte Volksmenge verüben läßt und zar' andeutet, daß die Polizei gegen die Riederknallung ihre» Gefangenen vielleicht sogar w etwa» wie Widerstand geseistet hätte, wenn die Sache nicht gar so schnell gegangen wäre. ES heißt also in der Meldung Nr. 4: Kiel, 1. April. tWolff.) lieber die blutigen Vorfälle am heutigen Sam-Iag wird amtlich mitgeteilt: Der jüdisch.- Rechtsanwalt und Notar Schümm lchoß heute vormittag gegen 11.30 Uhr den SS-Mann namen» Walter Asthalter in der Kchdenstraße durch Bauchschuß nieder, und zwar nach den bisherigen Meldungen ohne triftigen Grund. Der SS-Mann ist in der Klinik gestorben. Eine erregte Menschenmenge sammelte sich vor dem PollzeigefängnlS an, bevor der vom Obcrvrästdenten angeordnete Abtransport des Rechtsanwalts Schümm ermöglicht werden konnte. Dir erregt« Volksmenge drang in da» Polssri- grsängni»«in. wo Schümm durch Rrvolverkchüsse getötet wurde. DaS Ganze entwickelte sich so schnell, daß polizeilich der Vorgang nicht verhindert werden konnte. Die Menge drang auch in da» Geschäft de» Vater- de- Rechtsanwalt- Schümm in der Kehdenstraße ein und zerstörte da- Jiwentar. Nachträglich wird in Meldung Nr. 8 der erschossen« SA-Mann wieder in einen lebens- gekährlich Verwundeten zurückvcrwandeli und das „Versehen" un ergeordneten Stellen zugeschoben: Kiel, 1. April. kWolsf.) Bon der Pressestelle der Regierung in Schleswig wird mitgeteilt: Jn- solg« einer irrtümlichen Meldung Nachgeordneter Stelle wird die Pressenotiz betreffend Rccht-anwalt Schümm dahin berichtigt, daß»er SS-Mann Asthalter nicht gestorben ist, sondern in sehr ernstem Zustande In der Klinik darniederliegt. SSO Millionen Mart zur Defizitdeckung bewilligt. Berlin, 1. April.'Die Regierung hat ein Gesetz beschlossen» durch da» der Nnchöminister der Finanzen ermächtigt wird, zur Finanzierung deü voraussichtlichen Fehlbeträge» dcö Rechnungsjahre» 1932 bi» zu 850 Millionen Mark im Wege de» Kredite» zu beschaffen. Die dem Reichsminister der Finanzen bereit» im Mai 1932 erteilte Ermächtigung, zur Aufrechterhaltung de» Betriebe» der Reichühauptkasse bi» zu 600 Millionen Reichsmark im Wege de» Kredite» stüssig zu machen, gilt weiter. Ausreise aus Deutschland erschwert. Sichtverm«rk für Reichsangehörige. Berlin, 1. April. Der RcichSminister des Innern wird heute eine Bekanntmachung erlassen, wonach Reichsangehörige zum Grenzübertritt bei der Ausreise auS dem Reichsgebiet eines Sichtvermerke» bedürfen. Di« Sichtvermerke werden, wie alle Sichtvermerk«, von den Sichtvermerkbehörden erteilt. Einsteins Besitz beschlagnahmt Berlin. 1. April. Hcu'e ist durch die Politische- Polizei bei einer Hiesigen Bank das Bankkonto des Professors Einstein gesperrt worden, und zwar im Zusammenhang mit seiner.Deutschfeindlichen-Hetze".. Gleichzeitig wurden 25.000 Mark in Effekten und 5000 Mark in bar beschlagnahmt, DaS Geld sollte, wie daS Conti-Büro hört, zweifellos zur„Vorbereitung für Hoch- und Landesverrat" dienem Attentat gelälllg? Hamburg, 1. April. Heute früh wurden an der Umfassungsmauer des BismarckdenkinalS am .Hamburger Hafen zwei eltva faustgroße Bomben gefunden, die mit Zündschnüren verbunden waren. Eine Zündichnur war in Brand gestecki. Die polizeilichen Ermittlungen rurch den Tätern wurden sofort ansgenominen. nelmwchr contra Nazis. Innsbruck, 1. April. In Imst in Tirol ist c»gestern zu schweren Zusammenstößen zwischenHcimwchrleuten, die in einem Lastauto von Innsbruck angelahren kamen, und Nationalsozialisten, die daS Auto angeblich beschossen. Es entwickelt« sich ein Kampf- dem mehrerr Bcrwun- dete zum Opfer fielen. Schließlich räumte Gendarmerie die Straßen. Als heiite früh dir Hcirnwchrleute aus Imst na chJnn-bruck zurückkrhrsrn, kam rs in Innsbruck wiederholt zu blutigen AnSeinandersehun- gen mit den Nationalsozialisten. Di« beiden fasci- stischen Gruppen gingen mit Spaten, Gewehren und Gewehrkolben aufeinander los: schließlich wurde auch aus Revolvern geschossen. ES blieben wieder zahlreiche Verwundet« auf dem Platz. DoHluO arbeitet prompt? Wien, 1. April. sAN.) Das Bundeskanzleramt entsprach dem Rekurs des Wiener Heimat- ichutzcS gegen den Erlaß des Wiener Bürgermeisters Seitz über die Auflösung des Heimatschuhes. Das Bundeskanzleramt hat den Erlaß im vollen Umfange mit der entsprechenden Be- grüudung aufgehoben. Staatsstreich In Uruduay. Der Expräsident von der Polizei ermordet? Buenos Aires, 1. April.(HavaS^ Die letzten auS Montevideo cingelangten Nachrichten besagen, daß der ehemalige Präsident Brun der Republik Uruguay in einem Anfall von Nerven- k r i,s e Selbstmord verübte: Dir Gerücht« über einen Selbstmord seiner Frau tverden dementiert. Der gegenwärtig« Präsident Terra hat außerordentliche Vollmachten übernonimcu, die Universität geschlossen und zwei M i n i st e r sowie den Führer der sozialistischen Parte« verhaften lassen. Die argentinischen Blätter beurteilen dieses Borgehen der Regierung von Uuruguah als Bekenntnis, daß der ehemalige Präsident Brun nicht Selbstmord verübt hat. sondern vonderPoli- zei getötet wnrd«. In der„Colonie Espa- nola" in Uruguay entstand eine ungeheure Erregung. Es bestehen Befürchtungen, daß unter dem Volke ernste Unruhen entstehen werden. Prüfer nadi Deutschland An den„Sozialdemokrat" richtet sich eine AuffordcrutH der deutschnationalcn„Görlitzer Nachrichten", drei oder vier deutsche Sozialdenw» kraten nach Görlitz zu schicken, damit sie sich über« zeuge:: können, daß dort Ruhe und Ordnung herrsche. Die Aufforderung ist seltsamer Weise im —„Tag" abgcdruckt und als Vermittler der Inspektionsreise bietet sich— eberrfallS int„Tag" das Rc:chenbcrger Sekretariat der Deutschen Nationalpartei an. Wir wollen die holde Zweiheit„Tag"-Na- tionalpartei nicht ohne Antwort lassen und verkünden also: 1. Eine Reis« zur Prüfung der deutschen Verhältnisse sind wir zu unternehmen bereit. 2. Diese Reis« muß zu freigewählteu Zielen erfolgen könne», darf sich also keineswegs auf Görlitz beschränke». 3.„Ruhe und Ordnung" in de» Straßen werden weniger zu sehen begehrt al» gefolterte Arbeiter und Funktionär« und zerstörte Arbci- terheime; es müßte den Prüfern also auch freistehen, unbeaufsichtigt mit einzelnen Mensche» zu rede», Arbeiterheime und Arbeiterzeitungen zu besichtigen, kurz, völlig unbeeinflußt zu beobachten. 4. Dl« Reisevermittluna hat nicht durch di« un» völlig gleichgültige Kanzlei der Deutschen Nationalpartei oder die„Görlitzer Nach, richten" zu«rsolgen, sondern, unter den von un» verlangten Garantien, durch di« Reichsregierung. 5. Die Reisekosten bezahlen wir selbst. Die Ansrager haben also ein« positive Antwort. Da sie sich zu Sprechern der von uns angegriffenen Reichsregierung aufwarfen, werden sie ja wohl auch die Antwort der Reichsregierung erfahren können. Goebbels ohrfeigt die „vobemla Er verhöhnt di« liberal« Bresse, die den Nazis „nach den Auge« und nach dem Munde schreibt"! Die„Bohcmia" bring: als einziges Prager Blatt«inen zweisvaltenlangcn Auszug aus der Rede, die Goebbels Freitag abends in Berlin über di« politische Lage" hielt. Diese„Bohcmia" ist jetzt schon so auf den FasciSmus gekommen, daß sic kommentarlos unb sichtlich erfreut und zustimmciw selbst di« hanebüchensten Entgleisungen»nd Blödheiten der Naziführer als politische Offenbarungen hinstcllt, ohne darauf zu achten, daß sie, die„Bohemia", damit ihre eigene Vergangenheit und all« Traditionen«incs einstmals demokratischen Bürgertums in den Kot zerrt. Daß Herr Goebbels ,ch i« Weltanschauung des Liberalismus" beseitigen will, bringt die„Bohcmia", das liberale Organ, in Sperrdruck, uni) gar in fetten Letter» seht di«„Bohemia" den idiotischen Ausspruch hin, daß durch dl« Nazis ,^> a s Jahr 1798 aus der Geschichte gestrichen" wird! Di« „Bohemia" ist also quietschvergnügt darüber, daß die Hunnen sich einbilden, sic könnten das welthistorische Geschehen der Großen Revolution aus der Weltgeschichte streichen und den Lesern der „Bohcmia" dreht sich nicht einmal der Mage» um, wenn also ihre, di« bürgerliche Revolution, von den größenwahnsinnigen Herren deü Deutschland von heute beschimpft wird' Doch das ist noch nicht das Tollste Das besteht vielmehr darin, daß die„Bohemia" auch folgenden Passus aus der Rede Goebbels, durch Unterstreichungen und Fettdruck zustimmend, ihren Lesern mitteilt: „Und nun konzentrieren sie sich all« auf die letz'« Macht, die. weil sie in der ganzen Welt verzweigt ist. eine Gefahr darstcllen kann, aus die Macht des internationalen Judentums. Wir hatten nicht die Absicht, die Sache sofort aufzurollen, wir hatten Dringlichere- zu tun Allerdings, die jüdische Presse in Berlin hat ja umgelernt.(Große.Heiterkeit.) Di« Redakteure vom „Angriff" umsseu vor Neid erblassen, wenn sie di« nationalsozialistischen Reportagen in der Ullstein- und Mosse-Prrsse lesen; sie sollen nicht glanben, daß uns das»nildc stimmt Wir fühlen uns sehr wohl dabei, wenn sie gegen uns schreiben, sie solle»: n'cht glanben. daß sie auf Frieden rechnen dürfen. Wenn diese Herren glauben, sic könnten sich auf «ine in:crnationale Weltmacht berufen, und erhielten i»n Lande selbst ein moralisches Alibi, indem sie uns nach de»» Augen und nach dem Munde schreiben, dann irren sie sich!" Wohl geht«s Herrn Goebbels mit diesen Aeußerungen vor all«»:>:»» Berlin; aber er trifft damit doch auch nicht minder die ,,j ü d i sch« Presse" in Prag! Die„Bohcmia" spottet ihrer selbst und weiß nicht wie, wen» sie di« „große.Heiterkeit" bei der Stelle verzeichnet, in der Goebbels von:„Uinlernen" der jüdssclym Presse spricht; auch über die Servilität der „B v h c m i a" gegen de»: Fascisnms müssen die „Angriff"-Rcdakteure vor Neid erblassen. Prächtig aber knallt die Ohrfeige qcqest die„Bobenna", wo Goebbels sie erkennen läßt, daß ihre Redakteure sich di« Finger wund schreiben können mit netten Artikeln und noch gefälligeren Unterschriften für Hitler, ohne als hundertprozentige Nazis anerkannt zu werden. Die„Bohemia" wird natürlist dennoch fortfahren, den'Hitlcrs und Goerings nach Mund und Augen zu schreiben; sie ist unenrpsindlich gegen die eigene Erniedrigung und hirnlos gegenüber der Tatsache, daß sic danut nicht einmal eine»: nationalsozlalistischen Hund Hintern: Ofen hervorlockt. Seite 4 Sonntag, 2. April 1033 Nr. 79 Höylenvewoyner in der GrotzstaLi. klendbilder aus der Sandgrube in Prag-KoSlk.* Was unser Photograph erzählt. Ich will nur schildern, wie cs war, bei die« sein Besuch in der Steiuzeil. Ohne Reflexionen, ohne Bemerkungen... Ein trüber Wintertag. Nebel. Die Kamera hat Mühe, alle Einzelheiten zu en> chlcicrn, die an der hundert Meter vor uns aufragenden Felswand zu erkennen sind. Deutlich ist nur ein breiter, nach oben gekrümmter R a u ch f l e d in -er Mitte der Wand. Er weist auf ein regelmäßig nntcrhallencS Feuer, also aus die Anwesenheit von Menschen, von menschlichen Siedlungen hin. Jehl steigt auch ein dünner, bläulicher Rauchfaden vor-em schwarzen Grund kräuselnd in die kalte Rcbcllust empor. Ein Hund schlägt an. Wir sind„gemeldet". Durch tiefen Schnee über dem darunter- liegeiiden Geröll steigen wir bis zu der Schutt- Terrasse, die die drei„Wohnungen", die drei Höhlen im Sandstein, untereinander verbindet- Die erst«, größte der Wohnhöhleii ist gerade leer. Ihre Beivohner sind„ausgcgangeii". Betteln vielleicht. Ldcr vcrsuckien zum aberhun- dcrtstcn Male den vergeblichen Gang nach Arbeit. Zurückgeblieben ist als Wächter nur ein kleiner, weißer Hund. Er und die geschickt ausgestellten, aus alten Teerfässern und anderen Absätzen zu- rechtgebogcnen Blechplanen vor dem Eingang der tieferlicgcnden Höhle, die bei der leisesten Berührung rasselnd durchcinandersallen, sollen etwaige Eindringlinge melden. Was aber könnte hier ichon gestohlen werden'? Tie„E i n r i ch 1 u n g" ist rasch überblick»«Bild 1). Tas Kinderbett im Vordergrund gehört einem E h e p a a r. Außerdem hauicn noch vier oder fünf Leute in diesem Raum. Ter kleine eiserne Ofen hat keinen Abzug. Sein Rauch entweich» in die Höhle, wie an den geschwärzten Decken und Wänden zu erkennen ist. und incht sich durch die Oefsnung. di« Türe und Fenster zugleich ist, e nen AnStvcq. Diese Oefsnung! Sic ist zwar groß *) Sandgrube(Pislovna), ftoäir. in den Felsen ol>crhalb der Endstation der IKer-Linie der Prager Straßenbahn. Tod durch einen Löwen- bei der Rettung eines Freundes. London, 1 April.(AR.» Die britische Regie- runa erteilte postthum dem Magistratsbeamten in Ngamlland in Betschuana, Reginald M o n- t agile, die Zivilmcdaille des Ordens des britischen Reiches. Montagne war seinem Freund, genug, um aufrecht einlreten zu können. Aber dann macht der Gang einen Winkel, nnd was an Licht in die Höhle fallt, ist fast nur noch Reflex von den Gangwäude». Die Bclichtungszeit ist auch danach! Jetzt, Zu Mittag, muß ich trotz offener Blende und höchsteinpfiridlicher Platte | über zwei Minuten(nicht Sekunden!) belichten! Ich bau« mir, in Ermangelung eines Stativs, eine kleine Plattform aus ein paar Fcloblvckcn. Die Kameraden sind inzwischen zur n ä ch- st c n Höhle gegangen. Sic ist klein, fast ein Loch. Dafür ist sic auch nicht so kalt. Ein Ehepaar nnd ein cincinhalbjährigcs Kind wohnen darin. Eine schöne Wolfshündin, wütend geworden wegen des ungewohnten Besuches, wir- von dem Mann, einem gelernten Maschinenschlosser, mit Mühe beruhigt. Dann treten wir durch die winzige, i n d« n F e l s e n g c k l c b t c T ü r e kauernd ein(Bild 2). Eine Aiomentaufnahme von Frau und Kind scheiterte fast an der unzulänglichen Beleuchtung. In der dritten Höhle wohnen zwei Leute. Mann und Frau. Sie ist in den drei Jahren des -Hausens im Felsen offenbar verrückt gewor den. Ihre Antworten sind wirr und unzusammenhängend. Der Aknin ist seit über einem Jahr krank und liegt auf dem Stroh. Aber olle haben hier den ordnungsgemäßen Poti z e i m c l Ä e s ch e i n. Die Rubrik„Wohnhaft" ist ausgesüllt: ,^Jn der Sandhöhle"(v pis- kovnö).... * Wir gehen wieder in die Stadt zunick. Zwei, hundert Meter unterhalb der Höhlensicdlung beginnt eine B i l l c n v o r st a d t. Fast kein Haus hier ist ohne den Vermerk:„W o h n n n g(byt) zu vermieten."(Bild 3.) Oben aber Hausen Menschen in Höhlen, wie zur Stein,zeit. Da stimmt-och irgendetwas nicht in unserer Zivilisation, nicht ivahr'?... Und das war nur ein winziger Sektor aus denn Elend um Prag. Und auch Prag ist nur ein winziger Sektor des Staates, deö Kontinents, der Welt... der von einem Löwen angcfalten worden war, zu H.1 s c geeilt und hatte, als er auf dem Schädel des Löwen sein leergeschossenes Gewehr zerschmetterte, sich mit leeren Händen aus den Löwen g e st ü r zt, um seinen Freund vor dem Tode zu retten. Montague wurde hiebei von dem Löwe» so arg zugerichtet, daß er einige Tage darauf starb. T c gesneuigkevten Horel-Slnstnrz fordert zwei Todesopfer. Kafchau, 1. Avril. Gestern um 17.30 Uhr stürzte die Hälfte des Hotels Slavia" auf dem Ringplatz in Seöovce ein, das dem 08 Jahre allen Josef Spiro gehört. An den Ort der Katastrophe wurden Vie Ortsseucrivchren sowie die Brandwehren aus der Gemeinde Kocha- novce, Weiler eine Militärabteilung und Gcn- darincn berufen, die aus den Trümmern des Hotels den Leichnam deS Schiviegcrsohns Josef Spiros, Adalbert Braun sowie die seines kleinen!i% Jahre alten Söhnchens, Im» rich, hcrvorzogcn. Das Hotel stürzte nach der linken Seite zusammen, wobei die Hoteldurchfahrt mitgcrisscn wurde, während der Eingang in die Hotelrcstauration unversehrt blieb. Die Katastrophe ereignete sich in dem Augenblick, als die Familie des Hoteliers Spiro in den Wohnräumlichkeiten oberhalb der Hoteldurchsahrt ihr Abendessen cinnahni. Die Gattin des Hoteliers, weiter die G a t t i n Adalbert B r a n n s, die Erzieherin und ein eineinhalb Jahre altes Söhnchen Brauns wurden verwundet. Auch der Dicner F e r e n a i k erlitt Verletzungen und mußte in Kaschauer StaatSkrankcn- haiis gebracht werden. Zur Zeit der Katastrophe befanden sich im Hotel selbst keine G ä st e. Gegen Mitternacht wurden die Rcttnngsarbeiten beendet. Die Ursache deS Einsturzes bildet der Umstand, daß sich das Hotclgebänoe bereits in einem schlechten Zustande befand. Prozeß um den Erzbischof. Am Sonmag hat der Prager Erzbischof in seinem Leibblatt das staatliche Diapositivinstitut und-das Masarhkinstitut für Bolkscrzichung sehr scharf angegriffen, weil sic„unsittliche" und anti- katholische Bilder und Filme verbreiten nnd die Moral der Jugend dadurch vergiften. Da der Herr Erzbischof die Filme nicht genannt hat, muß angenommen werden, daß er sie auch nicht gesehen hat: es geht um jene Afrikafilme und-Vorträge, wo gezeigt wird, daß Menschen bei vierzig oder mehr Grad Hitze im Schatten nackt herum laufen und sich den Teufel um die Bekleid»ngsgeschmäckcr züchtiger Herren kümmern. Das ist natürlich recht traurig und für Menschen, die sich ans uns nicht zugänglichen Gründen ihres.Körpers schämen, unannehmbar: was allerdings der sittenstrenge-Herr Erzbischof tut, tveni» er seinen Heiligen Pater im Vatikan besucht und die Meisterwerke eines Michelangelo und Raffael bewuirdert, wo die antiken Menschen mit Vorliebe der Feigenblattinode huldigen, ist hierzulande nicht bekannt. Den-Herrn Erzbischof hat es abgestoßen, daß die Frauen in Afrika nackt gehen nnd das„sittliche" Pnbli» kum sei davon abgestoßen; dagegen muß im Rainen jener Menschen protestiert werden, die sich nicht für unsittlich halten, wann sie den afrikanischen Menschen in ihre von der Natur diktierte Nacktheit nichts hereinreden; schließlich hat der Mensch ja die Kleidung als Schutz vor-Kälte und Unbill der Witterung erfunden und weniger als äußerliches Doku- meni dessen, daß er sich seiner eigenen Mtur schämt. Mit Recht haben die wahrlich zu Unrecht angegriffenen I n st i t u t e erklärt, daß sie den Erzbischof wegen seines Artikels ans Ehrcnbeleidigung klagen werden. Der gestrenge Sittenrichter wird also Gelegenheit haben, klarzulezp:n, warum etwa ein Film wie„Afrika spricht" oder„Rango" der Jugend vorenthalteu werden muß. Es ist mehr als wahrscheinlich, daß er die Lacher nicht auf seiner Seite haben wird. Ausbreitung der Arbeitslosigkeit im Brau» nauer Bezirke."Samstag, den 1. April, wurden, I wie das„Trautenauer Echo" nicldct, aus den beiden Betrieben der Firma B. Schroll'S Sohn in Braunau-Öelberg und-Halbstadt 1400 Arbeiter entlassen, da der größte Teil der Werke stillgelegt wird. Die Firma beschäftigte bisher rund 1700 Arbeiter, von denen nur ein ganz kleiner Teil in der Arbeit verbleiben wird nnd das nicht ständig, weil nebenbei noch ausgesetzt werden soll. Durch diese Stillegung wird das-Heer der Arbeitslosen im Bezirk« Braunau, das ohnehin nicht klein ist. katastrophal gesteigert. Piraten-Jagd. Aus Nütschau wird gemeldet: Alle Bemühungen, die Entführer der vier britischen Offiziere auszusorschen, sind gescheitert. Die Ortsbchördcn sind der Ansicht, daß die Banditen selbst von sich wissen lassen werden, bis sic ein Lösegcld verlangen wollen. Ein japanischer Torbetvbootzerstörer eilte ans Pbrt Arthur herbei, um zusammen mit dem britischen Kanonenboot„Cornflolvcr" nach den Piraten zu fahnden. Tunnel-Einsturz. Im Tunnel zwisckM P i r- m a s c n s und Biebernnihle, wo derzeit schadhafte Gelvölbcstrecken umgebaut werden, stürzte eine drei Meter lange Umbauzone ein. Ein von Pirmasens kommender G ü t e r z u g fuhr auf den Schuhkegcl ans. Zwei Packwagen wurden in- einandergeschobcn. Der Zugssührer und ein Schaffner wurden leicht verletz». Zwei im Tunnel arbeitende Banarbc'tcr sind bei dem E i n st u r z verunglückte und konnten noch nicht geborgt n. werden. Die Ursache des Einsturzes ist noch ungeklärt. Genosse F. K. Stark ein Sechziger. Kurze Hebt mrr kann in den» gegenwärtigen gewalttgen Abwchrbantpf der Arbeiterklasse gegen Krisennot und fascistischc Bedrohung eine ruhige Stellring bezogen werden, um den Jubilarcn unserer Beweglrpg Glückwunsch und eine schlichte Würdigung darzubringen. Diesmal ist es Senator Genosse Stark, zr» dessen sechzigsten Geburtstag am 3. Llprrl wir diese Zeilen schreiben. Wir wis- sen uns einig mit dem Genossen Stark, wenn wir zu seinem Sechziger die großen Zeitauf» gabcrr des Proletariats in den Vordergrund stellen, beim seiirer persönlichen Anlage nach fühlt er sich Wohler im Bereiche seiner Arbeit dem» bei Festlichkeiten. Genosse Stark wnrdc am 3. April 1873 in Elbogen geboren und erlernte nach Absolvierung der Volksschule die Porzellandreherei. Er kam frühzeitig in die Arbeiterbewegung und sein Wirken in Gewerkschaft und Partei zog ihm bald den Haß der Scharfmacher in der Porzellan-Branche zu. Er kam auf di« schwarze Liste i»nd mehrere Maßregelungen führten endlich so weit, daß er in sämtlichen Porzellcmsabriken Böhmens, Bayerns und Sachsens kein« Arbeit finden konnte. Da griff die Organisation helfend ein und Genosse Stark wurde im Jahr« 1896 in der Bezirkskrankenkasse in Elbogen angestellt. Rach einigen Jahren suchte er Beschäftigung iin Bergbau, doch stand auch hier am Ende wieder die Rlaßregclung wegen seiner politisäzen Tätig- kcft. Rach einer llebergangsbeschäftigung beim» „Bolkswille" in Karlsbad kam Genosse Stark im Jahre 1912 als Parteisekretär nach MieS, wohin er mich nach seiner Abwesenheit während des Weltkrieges wieder zurückkehrte. Seit 1920 vertritt Genosse Stark den Wahlkreis Pilsen-Budweis im Senat. Der sozialdemokratischen Krcisorganisation Pilsen-Budweis steht er n»»n schon mehrere Jahre hindurch als KreiSvertrauensnrann vor. Infolge seiirer politischen Betätigung mußte Genosse Stark in der Monarchie mich mehrere Hochverrats- und Majcstätsbeleidigungsprozesse über sich ergehen lasien. Wir freuen uns ganz besonders, daß Genosse Stark seinen sechzigsten Geburtstag in voller Rüstigkeit begehen kann und wünschen und hoffe»», daß er der Arbeiterklasse noch lauge»verwalk Dienste zu leiste»« imstande sein möge. Minister für Sozialfürsorge Gcliosie Doktor Ezech empfängt Dienstag, den 4. April,»ich» di« üblichen Besuche. Der Sturm über Mississippi. Mindestens sechzig Personen sind durch de»» Wirbelsturm, der über dem Süden der Bereinigten Staaten dahinbraustc, ums Leben gekommen. Die \ meisten Todesfälle werden im Staate Mississippi beklagt. Den langsam aus den betroffenen Gebieten durchsickernden Meldungen zufolgc geht die Zahl der in den zerstörten Dörfern Bcrivun- d e t c n in die Hunderte. 778 Millionen für Bezirksinvestitioueu. Nach dem Vorbild der Staatsverwaltung und der Länder wurden— wie die„Prager Presse" meldet— auch die notwendigen Plane für di« JnvestitionSarbeitcn der Bezirke auSgcarbeitc», welche teilweise mit der zu erwartenden Unterstützung aus der Arbeitsanleihe tut Lause des heurigen und nächsten Jahres durchgcsührt wer- den sollen. Insgesamt sind für alle Bezirke Böhmens 778 Millionen Ü errechnet worocn, welche die Gesamtdurchsührung aller Investitionen ermöglichen»vürdcn. In erster Linie komine»» Straßenbauten in Betracht(sowohl Neu- baute»» als auch Rekonstruktionen), welche all«!»» eine Summe von 527.7 Million«»» Ü beanspruchen. An zweiter Stelle kommen humanitäre Einrichtungen, für tvelche ein Betrag von 137.4 Million«»» K vorgesehen ist. Der-Hauptanteil dieser Summe entfällt auf dei» Ausbau-er Bczirkskrankenhäuser, welche n»it einen» Kostenaufwande von 124 Minimum aus eine moderne Höh« gebracht werden sollen. Für örtlich« Fluß- rcgulierungen und Melioration«»» sind 64.5 Million«»» K vorgesehen, für die»veitcrc Elektrifizierung des flachen Landes 36 Millionen, für Schulbauten 7 Millionen, für airderc Jnvcsti- »ione»» 5.5 Millionen. Nr. 78 Sonntag, 2. April 1938 Lene V HN Versammlung sämtlicher Prager Pädagogischen! nik des Uhrenantriebs zu beherrschen gelernt Akademien begrüßten als Vorsitzenoer der Vcr- hatte. Ter FederivcrkSantricb und die Entw'.ck- und den sozialen Stand- heule solche Kräfte schon vom Standpunkte dieses Wo dies das notwendige Mr MtMtt ter SMteMM Entlastung kleiner Wo rnungen von der Mletzlnsavgftf'e. Frage: Ist es zulässig, progressive Gemeindcabgaben einzusühren, von denen sozial Schwache befreit sind? Antwort: Die MIetzinSabgabe, aus welche sich diese Frage bezieht, kann im Rahmen der Muster- vorschristen nach dem Beschluß der Gemeindevertretung progressiv nach den wirtschaftlichen Verhältnissen der Einwohner sestgelegt werden und man kann auch sogenannte Wohnküchen oder Wohnungen, die nnr aus einem Zimmer mit Küche bestehen, von der MIetzinSabgabe gänzlich befreien. Die Mustervorschriften setzen lediglich die Höchstgrenze fest, über die hinaus man nicht kann. Bis zu dieser Grenze kann man die Mietzinsabgabe nach den sozialen Grundsätzen ermäßigen oder erhöhen. Der Erlaß deS Finanzministeriums, betressend dir Beschäftigung der Pensionisten in der Staats» und öffentlichen Verwaltung hat folgenden Wortlaut: Die Regierung der Tschechoslowakischen Republik hat in der am 8. Juli 1982 stattgefundenen Sitzung folgendes beschloßen: In der Staatsverwaltung, staatlichen Unternehmungen, Anstalten, und vom Staate verwalteten Fonds dürfen keine Bezieher staatlicher Ruhe- oder VersorgungSgebälter, als auch Rentner nach den SozialversicheruiigSgcsctzen beschäftigt werden. Eine Ausnahme von diesem Beschluß kann in ganz ausnahmsweise» und vereinzelten Fällen aus besonderen wichtigen Dienstgründen die Regierung nach vorheriger Anhörung deS Finanzministeriums bewilligen, wenn dies nicht den Standpunkten der unvermeidlichen Ersparung punkten widerspricht. Tie Fälle, in denen beschäftigt werden, sind BeschluteS zu überprüfen. Interesse am Dienst oder der ErsparnngSvorgang unvermeidlich erfordert, ist nach dem Einvernehmen mit dem Finanzministerium ein begründeter Antrag an die Negierung auf Belassung deS Pensionisten im Dienste einzubringcn. Dieser Beschluß bezieht sich nicht auf Militär- gagisten deS Gesundheitsdienstes, die im militärischen Gesundheitsdienst verwendet werden. Auf Grund der Vollmacht, die ihm gleichzeitig von der Regierung erteilt wurde, macht das Finanzministerium aufmerksam, daß sich der erwähnte Rc- gierungSbeschluß nnr auf die Beschäftigung der Bezieher von staatlichen Ruhe- oder Versorgungsgehältern bezieht, als auch auf die Rentner nach den Sozialversicherungsgesetzcn in der Staatsverwaltung, staatlichen Unternehmungen, Anstalten und vom Staate verwalteten Fonds gegen welchen Gehalt der Entschädigung immer. Ferner bemerkt daS Finanzministerium, daß die Auflösung der derzeit dauernden Dicnst(ArbeitS)- verhältnisse, die nicht in Uebereinstimmung mit dem oben erwähnten RegierungSbcschluß stehen, nur auf gesetzliche Weise geschehen kann, in welcher Hinsicht, sofern cs sich um Gemeinde- lstädtischc) und DistrikiS- ärzte handelt,, aus die Bestimmungen deS 8 19, Absatz 9, der Regierungsverordnung Nr. 23/1927 S. B. G., über die Regcsung der Gchaltsverhältnissc der staatlichen, Gemeinde- tslädtischcul und Distriktsärzte f nusmcrksam gemocht werden muß. Kundgebnngsversammlung de. Pädagogische» Akademien, In der am 31. März verailstaltettn Sv und ähnlich lautende Zeiiungsmeldungen sind heutzutage alltäglich zu lese«; mehr oder minder schwere Verletzungen, auch Todesfälle werden gemeldet und unübersehbar sind d c Folgen, die ein solcher Unglüassall mit sich bringen lanii. Verschieden sind die Ursachen— Unvorsichtigkeit, übereilte» Tempo, Malerialdesekle und, vielleicht nicht zuletzt, das Rauchen. Der Lenker soll nicht rauchen, seine Aufmerksamkeit soll aus Wagech'tlnd Fahrbahn eingestellt sein, aber wie ost:iü er es trotzdem. Und nützen Vorwürfe und gut« Ratschläge nach geschehenem Unglück? Wir nennen Ihnen deshalb ein einfaches, billiges Mittel, das unschädlich, le chl zu nehmen und wohlschmeckend ist und Ihnen das Rauche» während der Fahrt entbehrlich macht. Tic weltbekannte üakerol-Tablctte an« Brauner'« Apotheke„Zum weißen Löwen", Prag II., Prikopy 12. Sie ist angenehm int Geschmack, wirkt des nsizicrend, schützt gegen Husten und Heiserkeit, beugt Halsinsektione» vor und behindert Sie in keiner Weise. Sie können heule noch einen Versuch machen, denn Lakerol bekommen S« in allen Apotheken und Drogerien und Sie werden über die Qualität dieser Tablette erstaunt sein. 1928 der für Privatangeftelltenfragen ein, an der für den Der- waltungSral des Jnlernat'onalen Arbeitsamtes der Vertreter der deutschen Regierung Dr. Feil und der Belgier Mertens, weiter di« Vertreter Englands, Belgiens, der Tschechoslowakei, Frankreichs, ter Niederlande, Italiens, Japans, Deutschlands, Polens, SchtvcdenS und der Schweiz tellnahuien Die Tschechoslowakei war durch Abgeordneten Klein vertreten. Die Kommission ersucht« den Var- waltungSrat des Jnieruationalen Arbeitsamtes, die Einführung einer Ruhetages in der Woche, der in der Regel auf den Sonntag fallen sollte, international zur Geltung zu br»gen. wobei i» den einzelnen Ländern ans die notwendig erscheinenden Abwcichun- gen, besonders in religiöser Hinsicht, Bedacht zu nehnien wäre. Di« Kommission nahm den Grundsatz des bezahlten Urlaubs an, und zwar mit der kürzesten »er Robot— ein Spielzeug der Große Kttnstildie Nensdien früher und heute— vom Uhrwerk zum HQsaiinenmensdicn.- Er spricht, sieht und Handelt, Vom Rundfunk s vmpfcftlcnstvcrtco aus vcn Programmen. Montag. Prag: 6.15 Gymnastik. 11.00 Schallplatte». 18.40 Schallplatte« 18.25 T« utsche Sendung: Pros. Stein: Di« Wirlschaslskriien in der römischen Kai- scrzcit.— Brünn: 17.10 Jugendstunde. 1825 Deut- sch« Sendung: Französisch für Anfänge:'. 19.25 Kabarett. L9.lv Das Schicksal der Leonore,— Preß« bürg: 18.lv Orchesterkonzert. 2V.IV Flötenkou<;ert.— Berlin: 19.5V Schumann: Klavierkonzert.— Breslau: 20.30 Mandol nen« und Gitarrenkonzerr. 21.09 Deutsche Barockmcister.— Hamburg: 10.30 Brahms- Abend.— Königsberg: 29.10 Bunter Abend.— Leipzig: 20.00 Linsoniekonzcrt.— Wien: 19.45 Le. russerlebmsfe. Die letzte englische FunlanSstcllung besaß ein« besondere Sehenswürdigkeit in Gestalt eines neuen, vervollkommneten, sehenden, sprechenden und hörenden Maschinen-Menschen. Was wunder. daß sich Tausende um dieses Meisterstück der Technik drängten, in dem sie di« Personifizierung des technischen Zeitgeistes, den menschgewordenen Gedanken der Mechanisi«r»lng und Automatisierung, ein grandioses und zugleich schrcckencrrcgen- des Bild der Zeit verkörpert sehen. Und als dieser Robot gar seinen Erfinder niederschlug— an seinem ArmmechanismnS war ein Schraub» chen locker geworden—, kannte das Interesse keine Grenzen mehr. Wir können das Streben des Menschen, seinem Bild in Holz, Metall oder Stein den Odem des Lebens einzuyauchen, bis in frühe Jahrhunderte verfolgen. Schon um das Jahr 1420 wird der Raketenantrieb zur Belebung eines Menschenbildes verwendet und di« Idee des mechani- sicrlen Menschenbildes reicht gar bis in das graue 'Altertum zurück io etwa, wenn Homer in keiner Odyssee bei der Schilderung des GastmahlS deS HephastuS von künstlichen Menschen spricht, die die Gäste bedienen. Die eigentliche VeburtS- stund« des Maschincnmenschen liegt jedoch viel später; sie fällt in jene Zeit, als man die Mccha- Volkswirtschaft und Sozialpolitik Privatangestelltenberntunge« in Genf. DaS International« Arbeitsamt'berief in Dovtvoche eine Konferenz seiner Kommission Dienstag. Prag: 6.15 Gymuastik. 11.00 Schallplatte». 18.25 Deutsch« Sendung: Zeitgenössische Komponisten. 18.60 Tannhäuser, Oper von Wagner.— Brünn: 12.3V Orcheslerkonzert. 18.25 Deutsche Sendung: Dr. Wokurek: Der Krankheiisbegr is im Licht« moderner Forschung— Berlin: 20.00 Orchesterkonzerl.— Breslau: 16.10 Brahms-Dueti«. 20.00 Balladen aus.aller Welt.— Mühlacker: 22.20 Neu« Kammermusik.— Leipzig: 19.00 Schrammelmusik.— München: 21.20 Orchesterkonzert.— Wien: 16.20 Italienische Lieder, 22.10 Konzert. KammenMter hungern- Elend im Harz.— Der Ezport Ist ringeschlaseu. Hochkonfunktur in der Inflation. Tie Heimat der Harzer Edelroller ist von den Unbillcn der Zeil nicht verschont geblieben. Auch St. AndreaSberg, di« Stadt der Kanarienzüchter, leidet uuter der allgemeine» Absatzkrise. Es ist auf« sollend st U geworden in dieser ehemals bedeutendsten Bcrgsladl des Oberharzes. Die meiste» Vogelbauer stehen leer. Ans den Fenstern schallt nur noch spärlich das Geschmetter der gelben Sänger. DaS Zuchtgeschäft liegt beträchtlich danieder. Tenn man setzt nicht blindlings Äanarienroller in die Well. Auch in d'eser Branche richtet sich die Herstellung nach den nalionalökouomifcheu Grundsätzen von'Angebot und Nachfrage. Di« Absatzstockung der gefiederten Säuger ist eine natürliche Folge der wirtschaftlichen Stagnation. Sie war zu erwarten in einer Zeit, da den meisten Menschen die Mittel fehlen, Gegenstände des täglichen Bedarfs zu kaufen. Kanarienvögel erfüllen sportlich« Zweck«. Sie gehören nicht zum Lebensunterhalt, Sie tragen nur einem Luxusbedürfnls Rechnung Das ist auch drr Grund, weshalb di« Züchter von der Krise besonders schnxr betroffen werden. St« leben, soier» sie noch dazu Imstande sind, von der Substanz. Sie zehren vom Kapital. Und wo die Ersparnisse bereits restlos dahingegangen sind w'rd buchstäblich gehungert. Di« meisten Züchter leben in kümmerlichen Verhältnissen. Als die Kris« sich noch ausschließlich innerhalb der deutschen Grenzen abspielt«, wurde AndreaSberg kaum von ihr berührt. Tenn die Kanarienvögel bildeten ein lleberjeegcschäft. Sie stellten einen bedeutenden Exportartikel dar. Man niochir sie in Kanada ebenso gern wie in Riederländisch-Jndien. Ohr Gesang drang aus den Häusern argentinischer Farmer wie von den Ballonen der neapolitanischen E'nwohner. Wo immer man in der Welt aus einen rollenden Kanarienhahn stieß, entstanimte er der berühmten Schul« des Harzes. Durch unermüdliche Arbeit und jahrzehntelange Erfahrung gelang er vcn AndreaSbcrger Züchtern. Oualitäishähn« in die Welt zu setzen, die nirgend! ihresgleichen fanden. Zahlreiche Diplome und eine Füll« fremdsprachlich« Anerkennungen legen Zeugnis ab von dem Ruhm der Harzer Edelroller Jin edlen Wettstreit ücgten regelmäßig die Harzer Sänger. Während der Inflation blüht« das Versandgeschäft besonders üppig. Damals herrschte in AndreaSberg Hochlonsnnltur. Zu Hunderte» wanderten die fachgemäß trainierten Roller nach Halberstadt, dem Umschlaghafen für di« Kanaricnzncht. Ihre nächste Etappe war Hamburg. Dort wurden sie eingeschifft. Und obwohl sie wochenlang« Reisen zu überstehe» halten, obwohl sie häufig mehrfachem Klimawechsel ausgesetzt waren, kamen sie gut an. Tank einer erstklassigen Verpackung und dank den beigegcbenen Anordnungen über Beköstigung und Ausenthalt während des Transports überstanden sie sotvohl die schwersten See- als auch Eiseiebahnfahr- ken durch tropische Gegenden. Tic-Harzer Kanarienzüchter verfügen über eine vorzügliche VersandpraxiS. sie können davon nur nicht mehr den erforderlichen Gebrauch machen. Tenn der Export von Harzer Rollern ist so gut wie eingcschlafcu. Da von der Krise allmählich alle Länder der Erde erfaßt wurden, ist der Kreis derer, die sich aut Deutschland einen Kanarienvogel kommen lasten, sehr gering. Und je kleiner er wird, deslo teurer stellen sich die Vögel.- Tenn die Frachtsätze erreichen nur bei Mastentransporten ei» erschwingliches Maß. ES gibt zivar auch im Inland einen Markt für Kanarienvögel. Doch der ist den Harzer Züchtern abhanden gekommen, weil sic sich zu keiner fabrikmäßigen Herstellung cuischließcn konnten. Tie halten ihre Tradition aufrecht und züchten nach individueller Methode. Was man von ihnen fordert«, waren Masscnproduktc. die am laufenden Band hergestellt werden nnd ungleich billiger find. Aber auch ungleich geringer Sie bringen eS nicht zu den bewährten Tonrcnleistungcn Sir haben weder jene wunderbaren Uel>«rgättgc noch jene tiefe Lachhohl» roll«, die den Harzer Edelroller berühmt gemacht haben Für den göttlichen Gelang dieser Elitesänger ist, wie für vele crstklafsigr Tinge, momentan kein Geschäft. Sie sitzen, zu einer winzigen Schar zusammengeschrumpft, in den Gehäusen und'uchcn mit Gesang den Trübsinn Ihrer Züchter zu verringern. Trotz beneidenswerter Ausdauer gelingt eS bueu al>ei nich: di« düster« Welt in rosigem Licht erscheinen zu lasse». A M. Besohle zum Bei- 1 durch Lichtsignal«< Tonhöhe, jedem I\ ,, r..... bestimmter Effekt' eine em für allemal sestgelegt« BefchlS-AuSsüh- I rung. Ein Ton: Robot erhebt sich,«in zweiter, anderer Ton: Robot beginnt zu sprechen, ein dritter, wieder anderer Ton: Robot beginnt zu gehen, ein Lichtsignal: Robot bleibt stehen»sw. Natur-| lich kann der Maschinenmensch auch allerlei nützliche Dinge anSsühreu: er vermag beispielsweise als treuer, stets aufmerksamer Mächler die Kontrolle über gewiste BetriebSvorgänge anSzuüben und regelmäßig Meldungen zu inachen oder auch bei Storungen plötzlich Alarmmeldungcn durchzugeben. Ja, er telephoniert sogar, hebt den Hörer ab, verlangt Amt nnd Nummer und gibt dann seine Meldung solange durch, bis er ein bestimmtes Lantsignal erhält, daS die für die Be- endiguna des Gesprächs und für die Rückkehr in BereitschaftSstelliing erforderlichen Schalt-- nnd Bewegungsvorgänge auSlöst. Und damit ist keineswegs die Grenze seiner Leistungen erreicht: Robot wird mit Hilfe seines elektrischen AugcS besser nnd mehr sehen können alS der Mensch, er wird Farbennuancen winzigster Unterschiede mit einer Sicherheit anSein- anderhalten können, die dem Menschen ewig ver- Ipcrrt sein wird, er wird Personen zählen, int Dunkeln sehen, Einbrecher und Diebe ermitteln und viele andere Dinge tun können, die für den Menschen außerhalb des Bereichs seiner Fähigkeiten liegen. Und doch bleibt der Robot nichts anderes als «in simples technisches Spielzeug. Analysieren wir fein Inneres, so finden wir mechanische, elektrisch«, optisch« und akustisch« Vorrichtungen und Geräte, di« wir ans anderen Gebieten der Technik seit Jahren erfolgreich verwenden, in eine Ritterrüstung, in das äußere Bild des Menschen hineingepackk. Die lichtclektrische Zell«, den Linienwähler, die photographische Fixierung der Sprache auf einem Filmstreifen, die Alarmvor- richkungen und Mittel zur Betricbskontrolle, kurz alles, was das Wesen des Maschinenmenschen ausmacht, finden wir an zahlreichen Stellen der Technik seit kürzerer oder längerer Zeit erfolgreich verwendet: nnr hat man nie daran gedacht, ihnen die äußere Gestalt deS Menschenbildes zu geben. So bleibt im Grund« der Robot eine Spielerei, ein Spielzeug der Großen, und wir lullten ihn als das nehnien, was er ist. U. Severin. Privaten Pädagogischen Aka- „ wurde. Alle oentschen Politischen Parteien unterstützen dieses Unternehmen. Nach den Reden der Studcntenvertreter wurden die Ergebnisse der Beratungen in nachstehender Entschließung zusammengrfaßt, die ein« Abordnung aller Prager Pädagogischen Akademien dem Minister für Schulwesen und Bolls- kultur vorlegeit wird. 1. Die Neuregelung der Lehrerbildung muß unter allen Unlständen noch in diesem Schuljahre nach den folgenden Grnnd- sätzen erfolgen. 2..Die Lehrerschaft erhält ihre Allgemeinbildung an den Mittelschulen, ihre Fachbildung an zweijährigen Pädagogischen Aka-! demien. 3. Diese Akademlen sind nur am Sitz: von Hochschulen zu errichten. 4. Tic Hörer der privaten Pädagogischen Akademien legen ihre Prüfungen vor einer eigenen Prüfungskoni- Mission(bestehend ans den Dozenten der Päda- gogi'chcn Akademie! ab. Die LehrbefähignngS- prüfungcn sind ehestens in diesem Sinne zu reformieren. 5. Das Verbot der Ncifevrüfungcu 1 der Externisten best.ht nicht für die Hörer der! privaten Pädagogischen Akademie. 6. Für di«! privaten Akademien verlangen wir eine gr-' nügendc Subvention, damit das Kollegiengeld! herabgesetzt werden kann. 7. Für unbemittelte j Hörer aller Akademien verlangen wir auS«' reichende Studiennnterstützungen. Ein Weimarer. Der Geheim« Rat Prosestor Gerhardt A n s ch ü h. der bekannt« StaatSrechts- lehrcr an der Universität Heidelberg, hat bei dem badischen StaatSministerium um seine Enthebung vom Amt und Bersehung in den Ruhestand nachgcsucht. Geheimrat Anschütz, der jetzt 68 Jahre alt ist, und stit 1916 in Hei- delberg lehrt, ist der bekannte Kommentator der preußischen Verfassung und Weimarer Reichsverfassung. Im Naphtha-Distrikt von Boryslav(Galizien) sind Bohrmaschinen in einer Tiefe von nind 1500 Meter auf ein neue» Navhtha-Luger gestoßen, daS mit nnaewöhnlicher Kraft täglich 20.000 Kilogramm dlaptha auf die Erdoberfläche schleudert. Frist von 14 Tagen jährlich, welche sich m't der Dienst.zeii verlängert. Dabei wär« bei der Bemessung d.'s Urlaubs möglichst auch auf die bei einem anderen Arbeitgeber verbracht« Dienstzeit Rücksicht zu nehmen. Der Schutz von Angestellten, die zugleich Erfinder sind, bilde!« schon den Gegenstand früherer Kom- missionösitzungen und in Genf wurden bloß die alten Beschlüsse bestätigt, die den gesetzlichen Schutz dieser Kategorie von Anzeslellten in verschiedensten Formen verlangt«». Auch der frühere Beschluß hinsichtlich der Koukurreuzklausel, wodurch das Prinzip des Verbotes«iner ähnlichen Klaiesel bestätigt wird, wurde erneuert. Soweit cs nicht möglich ist, ein« solche internatiouale Regelung zu erlangen, werden Schutzmaßnahmen gefordert. Ein ganzer Verhau-dlungStag wurde der Frage der A r b e I! S z«I t k ü r z u n g gewidmet, wobei die besouderen Merkmal« der Arbeitslosigkeit bei Prirat- angestclltcn in entsprechender Maike hervorgehoben wurden. Tie Kommission sprach sich für eine einheitlich« Konvention über die 4 0st ü ndige Arbeitswoche sowohl für d'e Arbeiter als auch für die Privatangcst-'ll!cn. und zwar unter Berücksichtigung drr speziellen Bcdürsniff« der Privatangcsiell- ten. aus. fammluna der Präsident des Kuratoriums der Tsch.chischen Hochschllke für pädagogische Studien L. K o u b e k und Sekretär Jaros die erste g« m einsame Arbeit tschechischer^ n n d deutscher Akademien. Doz. Dr. G.! Klima begründete die Notwendiakut einer hochschulmäßigen Ausbildung der Lehrerschaft. Der Divektor der tschechischen DersuchSschule in Prag-Michle Dr. N y k 1 sprach über die Bedeutung der Zusammenarbeit in allen jenen kulturellen Fragen, die Tschechen und Deutsche gemeinsam berühren. Doz. Dr. W. Weigel berichtete über die bisherige Entwicklung der neuen Lehrerbildung im Auslande(vor allen» im Deutschen Reiche) uild über die im Inland« auf deutscher Seite geleistete Arbeit, die mit der[ Errichtung einer‘“• dcmic abgeschlossen scher» Telephonic aus der ungeheuren■ Zahl der Leitungen mit Hilfe dc§„Wählers" jene Linie herauSgreisen, die zu unserem Gesprächspartner führt. In ähnlich«« Weis« wählen wir durch unseren Befehl in der Apparatur des Robots jene Linie, di« den gewünschten Effekt herbciführt, bei- .spielSweisc den Stailbsauger cinschaltct oder die Heizsonne betätigt oder einen Wassercimer empor, hebt oder sonstige. Handreichungen und Vorrichtungen auSlöst, die ein allezeit dicnstberciler mechanischer Gehilfe anSführeii muß. Der kleine, aber für die„Illusion" entscheidend« Unterschied bei diesem„Linieiüvählcr" besteht darin, daß wir nicht unseren Finger in eine Drehscheibe zu stecken und diese zu betätigen brau- chen, sondern dem Robot unsere spiel durch Pfeifsignale oder übermitteln können. Jeder Lichtsignal entspricht dann ein lüng sinnreicher Getriebe, d. h. Vorrichtungen, die eine Bewegung i»«ine andere umwand ein, bilden die Grundlage der ersten beweglichen Figtlren. Um 1700 schuf der Abt Schmid aus Helmstadt einen automatischen Tabakraucher, auS dein Jahre 11769 stckmnn ein automatischer Schachspieler, Einen Höhepunkt in jener Jugendzeit deS Robot bilden zwei Automalensiguren, die etwa um die gleiche Zeit in Frankreich entstanden und die auch heut« noch als wahre Meisterwerke technisch-mechanischer Geschicklichkeit gelten dürfen: i die beiden Androiden der Brüder Droz, von denen I die eine Figur zeichnen nnd die andere schreiben konnte. Diese beiden Figuren waren eS, die die romantisch« Phantasie eines E. T. A. Hofsmann nnd seiner Zeitgenossen ungeheuer bewegte. Um j 1808 erbaute Johann Gottlieb„Kaufmann mit j seinem Sohn Friedrich einen prächtig gekleidete»» Trompeter der ein lustiger Lirdlcii» auf seiner Trompete blasen konnte. Eine neue Aera bricht für den Automateu- mcuschcn mit dem Zeitalter der Elektrizität an. Der elektrische Antrieb seiner beweglichen Glieder verleiht ihm erhöht« Boiveglichleil und neue Kräfte. Tic modernen Errungenschaften her elektrischen Nachrichtentechnik unö der Elektroakustik verleihen, ihm Gehör und Sprache, die lichtcleltrische Zelle gibt ihm die Fähigkeit zu sehen und der Linienwähler, wie wir ihn von der Telbstauschliiß-Telephonie her kennen, bildet sein 8!ehör. Der nioderne Robot besitzt in der Tai ein gewisses Maß von Verstand, er vermag Befehle, die wir ihm geben, zu verliehen, d.' h. voneinander zu unterscheiden, und daS Gewünschte auszuführen. DaS alles ist nicht weiter verwunderlich, denn wir bedienen uns der technisch«»» Hilfsmittel, die das ermöglichen, fast täglich, indem wir beispielStveil« bei der antomati- Seite 8 Sonntag, 2. April TOM At. TO PRAQOt lEITOlift Schmge uMel.s ökkorge. Genosse Dr. G r u s ch k a-Aussig sprach am Donnerstag über dieses Thema Im Vortragssaal Les Ministeriums sür soziale Fürsorge: Die SchulgesundheitSfürsorgc ist ausgcbaul aus der grundlegenden Erkennt» S, daß di« Zorge um di« Gesundheit nichi dem einzelnen überlassen bleiben kann. Für bestimmte Lebensalter, für bestimmte krankheit-bedrohte Gruppen sind organisierte Maßnahmen der Gesellschaft notwendig. Die Methoden dieser Maßnahmen sind: Aerztliche Ueber- wachung zum Zweck« der Feststellung unbekannter, in Entstehung begriffener oder drohender Leiden, Aufklärung und Belehrung über die Natur dieser Leiden und über die Art der Abwehr, zielende Hilfsmaßnahmen zur Abwendung der aus Mangel und Not entstehender Gesundheitsschäden und dauernde Ankämpfung gegen Glenhgült'gkcit und Vcr. ständnislojigkeit niit Hilfe aller Methoden psychischer Einwirkung. Die Arbeit der Schulgcsundheiisfür- sorge ist hauptsächlich vom Schularzt und der schul» schwcstcr zu leisten. Die Schulärzte sind bei uns fast ausschließlich nebenamtlich tätige praktische Aerzte, in den Landgemeinden hauptsächlich di« staatlichen Distriktsärzte. Es sollen die eifrigen Bemühungen der Aerzte in dieser Tätigkeit nicht herabgesetzt oder geleugnet werden, aber cs muß doch ausgesprochen werden, daß jolvohl der nebenamtliche Charakter der Dienstleistung, wie auch die unvollkommene Ausbildung vorläufig als Mangel in unserem schulärztlichen Dienst angesehen werden muß. Bei der Verteilung unserer Bevölkerung hauptsächlich auf Kleinstädte und Landgemeinden wäre der schulärztlchc Dienst vorwiegend bezirksweise zu organisieren. Ein hanptamtlicher Schularzt könnte mit einem Auto auch die Dorfschulen besuchen und es könnt« auf dies« Weise ein einheitlicher und hochqualifizierter Dienst in den Bezirken geschaffen werden. Die zweckmäßigste Ausbildung des Schularztes wäre eine besondere Ausbildung im Fach« der.Kinderheilkunde und in der sozialen Hygiene. Anzustreben sind sozialhygienische Akademien für alle in der Gesundheitsfürsorge tätigen Aerzte. Für die Schulschwestern bestehen derzeit auch keine Vorschriften über die Ausbildung. Sehr warm muß deshalb der Plan der Errichtung der Rockfiller-Schule bei der StaatS-Gesundheit-. anstatt begrüßt werden, die hoffentlich mit ihrer Tätigkeit bald beginnen kann. Bis dahin können die Absolventinnen der staatlichen.Krankenpslcgerin- nenschulen für den schulärztlichen Dienst als Schulschwestern empfohlen werden. Ti« Behänd- lung der kranken Schulkinder ist nicht Sache des Schularztes, wohl aber Aufklärung, Belehrung der Eltern und Ueberwcisung zu einem Arzte. Tie Behandlung kranker Kinder ist heute sür jeden Unbemittelten möglich gemacht. Die große Bedeutung der Familienversicherung in unserem Sozial« versicherungS-Gesetz kann für di« Gesundheit der Kinder und di« gedeihlich« Entwicklung der Heranwachsenden Generation nicht hoch genug eingeschätzt werden. Dir Ueberwachung der Schulkinder ist aber nicht vollständig, tvenn nicht bestimmt« HilsSmaß- nahmen geschaffen werden, die zur Abhilfe von Mängeln dienen, denen gegenüber der einzelne macht, lot ist. Im Vordergrund stehen heute AuSspcisungS- aktionen, da heut« der Hunger die ärgste Gesund- hritSbedrohung weiter Volksschichten ist. Die 2up- penauSspcisungen in den Schulen können n'chi als zulängliche Maßnahmen betrachtet werden. Es werden deshalb Frühstücksaktionen(Kakao und Butterbrot) wärmstens empfohlen. Weitere Hilfscinrich. tungen der Gesundheitsfürsorge ist das Sonderturnen für Kinder mit schwacher Rückenmuskulatur und di« Erholungssürsorge. Bei der Erholungsfürsorge ist die Auswahl der Kinder nach ärz:lichen Gesichtspunkten durchzuführen und ebenso ist die Einteilung der Kinder in verschiedene Formen der ErholungS- fürsorge(Kolonien, Wanderungen und örtliche Erholungsfürsorge) vom'Arzte zu treffen. Der Vortragende empfiehlt besonder- warm die„örtliche Gesundheitsfürsorge", di« durch ihre Billigkeit«ine viel umfangreichere Anwendung ermöglicht. Die örtliche Erholungsfürsorge bestehl im Spiel der Kinder an einem Badeplatz oder im Luftbad unter Aufsicht von Lehrern und in der Darbietung einer zureichenden Kost. Al- die wichtigste HilsScinrich- tung der SchulgcsundheitSsürsorgc wird die Schulzahnbehandlung eingehend gewürdigt, welche heute wohl allgemein nach dem Prinzip der systemaüsckien Ueberwachung. und Sanierung der Gebisse der Schulkinder erfolgt(Bonner System nach Pros. Tr. Kantorowicz). Mit diesem System können unter städtischen Verhältnissen die Gebisse von 90 Prozent der Schuljugend saniert werden, bei einem Aufwand von etwa K II b's 12 je überwachte- Schulkind. Der Vortragende gib: eingehende Schilderungen der Tätigkeit der Schulzahnkliniken in Aussig und in Zlin und erläutert eingehend d e Sanierung einegrößeren Bezirke- mittel- einer sahrbaren Schulzahnklinik am Beispiel de« Bezirkes Tctschen. Ter Vortragende belegt seine grundsätzlichen Auasührnn- gen durch eine detaillierte Darstellung der Schul- gesundhei sfürsorge der Stadt Aussig. Zum Schluß werden die wichtigsten Forderungen sür die Zukunft genannt: Die wichtigste Aufgabe muß cS Heu!« sein, das Bestehend« zu erhalten, dann muß dafür gesorgt werden, daß die Fürsorgearbeit durch gesetzl che und verpflichtende Vorschriften ans ein« sichere Grundlage gestellt wird Schließlich muß erkannt werden, daß di« Schulgelundheitssürsorge ausgedehnt werden muß aus alle Schulen, und vor allem sortcntwickclt werden muß durch einen planwäß gen Ausbau der gesundheitlichen Ueberwachung und der Gesundheitsfürsorge sür Jugendliche. Kunst und Wissen Prüfungsstelleu für Anwärter im Lhealerberuf.. Der ungehemmte Zulauf nichtgeeignetc» K»äst« zum Theaterberusc hat bei der ohnedies beslehendon Ucbersülluug des Arbeit-Markte- beim Theater den Verband deutscher Bühnenleiter In der Tschechoslowakei und den Bühnen du»d in der Tschechoslowakischen Republik, der die Interessen der Bühnenangcslellten der deutschen Theater in der Tschechoslowake: nahruimmt, cinvcrrkehmlich veranlaßt, paritätische Prüfungsstelleu für de» Bereich der deutschen Theater"in der Tschechoslowakischen Republik, ähnlich wie sie seit Jahren bereits in Deutschland bestehen,«inzurichten. Den gegenseitigen Vereinbarungen zufolge können nur jene Bühnenanwärter«in Engagement an einem deutschen Theater in der Tschechosiowakei erhalten, die sich mit dem Abgangszeugnis eines öffentlichen Konservatoriums, einer öffent- lichen dramatischen Schul« oder mit einem P r ü. iungszeugnis einer PrüfungSstell« ihres Heimatlandes au-weisen können. Dios« Vereinbarung gilt sowohl für tschechoslowakische wie auch für ausländische Staatsbürger. Di« Prüfungen finden in Prag und Brünn statt. Die erste Prfung erfolgt M i t t« M a t b I. Der genaue Termin wird den Interessenten rechtzeitig bekanntgcgeben werden. Die Meldungen zur Prüfung sind schriftlich beim Bühncnbund in der Tschechoslowakischen Republik, Brünn, JaunLekplatz 2a/lV, spätestens bis End« April 1933 einzureichen. Später einlangendc Meldungen werocu nicht mehr berücksichtigt. Der Bühnenbuird wird im Einvernehmen mit dem Bühnenleitorrerband den sich Meldenden die notwend'gen Unterlagen und Richt. lini«n rechtzeitig Lbermitt«ln. Da- Gastspiel des Josrfstädtrr Theater» mit Hermann T h i m i g(Freitag im Neuen Deutschen Theater) bereitete einem sehr spärlich besuchten und also auch die kastenmäßig« Problematik der Uebergastiercrei aufzeigenden Haus einen köstlichen Abend heiterster und dabei anständigster Freude. Das Lustspiel„Glück im Ha us" von Jean de Lötraz(mlt witzigen Gcsangstexlen von Hant Adler und einer anspruchslos netten Klaviermusik von Steinbrecher) amüsiert durch das freundliche Pariser Bohdme-Milieu, durch di« Natürlichkeit der Figuren, durch die leise Jron'sierung einer vom schlechten Kinogcschmack hergeleiteten, aber durchaus vermenschlichten Handlung und durch eine im guten Sinn operettenhaft« Entwirklichung, di« cs«inen aus- nahmsweise nicht einmal verdrießen läßt, daß hier einem armen Teufel nicht nur durch die Liebe, sondern auch durch die Wundcrgestatt eine- auftauche» den Millionärs geholfen wird— wobei die Pariser sicherlich über den Herrn Loty äks vorsichtige Karikatur des Parsumfabrikanten und Politikers Coly sich noch tveit bester unterhalten dürften als östlichere Meridian«. Man hat schon ganz recht, wenn man sich in diesem kleinen Lustspiel an den charmanten Stil Renä Claire- erinnert fühlt und den Autoren einen lehr geschickten und gefällige» Versuch der „Clairisierung" der Sprech bühn« nachrühmt. Der Erfolg des Abends wird aber mindestens ebenso stark von Hermann Thimig entschieden, der wieder einen seiner überwältigend erfreulichen, naturburschenhaft witzigen uild shmpathischen jungen Kerls auf die Bühne stellt und gerade nach Kurt Bois den herzerquickenden Bctveis erbringt, daß Humor, der auf jedes Rülpsen verzichtet, weit bezwingender ist In Friedl Czepa hat Thimig übrigens eine ungemein liebenswürdige Partnerin, deren süßem Stimmer! und vornehm-freiem Spiel man sich gern noch lange weiter hingcgebe» hätte. Aber auch olle übrigen Künstler vom Josefstädter Theater überzeugten durchaus von dem Fortbestand erlesener Wiener Theaterkultur L. Ci. IX. Arbeitervorstellung. Sonntag, den 9, April, uni halb 3 Uhr nachmittag'- im Neuen Deutschen Theater:„Die Komödie der Irrungen' von Shakespeare. In neuer Fastung von H. Roth«. Wochenspielplau des Reuen Deutschen Theater». Sonntag,-43 Uhr:„Auslandsreise." Gastspiel Curt Boi-, M8 Uhr: Königin von Saba.' (A 2.)— Montag, 8 Uhr: MännergesangvereinS- Konzcrt.(AA.)— Dienstag, 148 Uhr:„Auslandsreise." Gastspiel Curt Bois.(A 2.)— Mittwoch. M3 Uhr:„Minna von Barnhelm." M8 Uhr:„Königin von Saba."(B 2.)— Donnerstag, M8 Uhr:„Glückliche Reis«." iE 2.)— Freitag, 148 Uhr:„Mädchenjahr« einer Königin."(D 1.)— Samstag,. 8 Uhr: .Orpheus.'(AA.) Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Sonntag. Mil Uhr: Schauturnen. 3 Uhr:„Salo n P i tze lbe rge r",„Die schöne Ga la thüc." s Uhr:„Leinen aus Irland."— Montag, 5 Uhr:„Ter Mustergatte."(Bankbeamte l.) —> Dienstag, 8 Uhr:„Fatm c.'— Mittwoch, 8 Uhr:„Eva saniert das Paradies." "Bankbeamten II.)— Donnerstag, 8 Uhr:„Aui- ! o n d ä r c i s e." Gastspiel Curi Bois.— Freitag, 8 Uhr:„MusIk um Susi."(Kulturverbands- freunde.)— SamStag, M8 Uhr:„Wetter ver- ä n d« r l i ch." Erstausführung. Aas der Partei Pezirksorgauifation Prag. Donnerstag, den April, um 8 Uhr abends im Odborovy dum, Tiudenienhcnn, Sitzung der Bezirk»ver- I r e t u n g. Jugenvbewegnng. S. I. III. Nationalökonomie-Gemeinschaft Montag, 8 Uhr, im Heim der S. I. II. nittelHmgen der„Urania“. Wochcnprogramm: Letzte Veranstaltungen im alten Urania-Saal. Sonntag, 10 Uhr: HandclSkurS. Fr. Schenk. Sonntag, Mil Uhr;„Lachendes Leben" und „Planvolle Körpererziehung". Wieder ein neues ausgezeichnetes Kultnrfilmprogramm. Montag, M9 Uhr:„Lachendes L-ben" und „Planvolle Körpererziehung". Preis« von 2—6 K bet den Kulturfilmvorführungen. Dienstag, 8 Uhr:„Der sogenannte„Okkultismus", Methodik und Theorie". Gehetnrral Univ.- Prof. Dr. Hans Driesch, Leipzig. Mittwoch, M3 Uhr:„Minna von Barnhrlm". Urania-Klassikervorstellung im Neuen-Deutsche» Theater. Mittwoch, 8 Uhr:„Chirurgische- Eingriffe am Leben-nervensystem und ihre Resultate“. Mit Lichtbildern. Dr. Karl Doppler, Wien. Donnerstag, 8 Uhr:„Die Kaiserpfalz Eger". Doz. Schürer. Interessant« Einblick«, wie die kunskwiff. Forschung aus letzten Resten eines Bauwerke« das ganze rekonstruiert. Samstag, 3 Uhr:„Radium, das'Wunderelement". Heimischer Kulturfilm. Erstaufführung. SamStag, 8 Uhr:„Die Hand, rin Spiegel der Seele". Julius Spier, Berlin, Dazu all« Sprachkurse der Ilrouia-Volkshoch- fchul». Karten zu allen Veranstaltungen, Mitglieder, anmrldungtn: Urania-Kaste, Smetschkagasse 22, halb 10 bis halb 1 und 3 bi- 7 Uhr. Fernsprecher: 26321. » Wran-Uranio-K'no.„F. P. 1 antwort«'t nicht". Wettersolg. Ein sehenswerter Film aller- ersten Range-, Hans Albers— Paul Hartmann..Heut« 2, 4, 6, M9 Uhr. Unser filatt der„Sozialdemokrat“ ist in folgenden Versmielßslellen zu Haben. Bahnhofsbnchhandlungr. Wilnonbahnhof, Masaryk- babnbof. Donlsbahnhof. Hartnk, Trafik, Prag II., T.vünov 2. 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