Erscheint mit Ausnahme ves Montag täglich früh.’ 5t OalUM B. Stftralluag: Xkofl n,?trhhanla iS ♦ 10793. 31409. OtatMntatl.(ab 31 UOc) i 33050 ♦ DolWdaml; 3754« Swzelhreks 70 Heller. stRnschließsich 5 Heller Porto) 13. Jahrgang. Gamstag, S. April 1SL3 Nr 84t. den Gästen schwere den Nationalsozialisten , sich sklavisch an das ans Rom dielten nnd sicheruugsanstalten auszuschciden. Jüdische Aerzte werden nicht mehr oder nur in Ausnahmefällen zur kassenärztlichen Tätigkeit zugelassen werden. Bon den gleichen Maßnahmen würden auch marxistische und deutsche Aerzte betroffen, die sich innerlich auf die Gleichschaltung und die Erfordernisse der heutigen Zeit nicht umstellen können oder wollen. Die Krankenkassen und ihr« Verbände wür- den in gleicher Weis, gereinigt. Di« vielfach „unrentablen^ Eigenbetriebe der Krankenkassen und ihr« Vereinigungen, insbesondere di« Be- handlungsanstalten der Ortskrankenkassen, Ambulatorien und ander«„unrentable" Institut« würden aufgelöst, die marxistische» und sremdgeistigen Aerzte in der Sozialversicherung restlos ans- gestanzt werden. Die Neuinskriptionen für das Studium der Medizin an der Universität München wurden auf 343 Studenten, an der Universität Würzburg auf 180 Studenten und an der Universität Erlangen auf 98 Studenten beschränkt. i Angehörige der jüdischen Rass« sind über- Die Ju«cniMft' gelrt wclfer Nach den Rechtsanwälten die Aerzt« und Krankenkassen. Berlin, 7. April. Der Kommissar für den Vorstand der Berliner Änwaltekammer erklärte, daß in Hinkunft auf Grund des Bevölkerungsschlüssels nur 35 jüdische Anwälte in Berlin zugelassen werden tollen. Bisher waren in Berlin etwa 3400 Anwälte tätig, von denen etwa 2500(?) Juden gewesen sein sollen. Als Bedingung für die Auswahl der 35 jupilassenden jüdischen Rechts- anwöl e soll besondere Bewährung im Feld als Frontkämpfer verlangt werden. Der Kommissar für die ärztlichen Schutzver- Lände teilte mi«. daß in den einzelnen Länder» bereits eine große Zahl von j ü d i>' ck e» A e r z- t e n aus Universitäten. Institute». Kliniken und aus dem kommunalen Gesundheitsdienst entlassen worden leien. Auf Veranlassung dcS Kommissars bereite das ReichSarbeitenministerinm Maßnah. nien vor, um die jüdischen Vertrauensärzte und Gutachter bei den Versicherungsträgern und Brr- Oskar von Hindenburg und der traurige Held• Hinter den Kulissen der deutschen Konterrevolution, Kein offener Hieb in offener Schlacht, I Mich fällen die Rücken und Tücken; Mich fällte die schleichende Niedertracht, Der schmutzigen West-Kalmücken! Frciligrath. Größter Schmerz neben dem Anblick, die herrliche deutsche Arbeiterbewegung wehrlos Irrenhäuslern und Verbrechern auSgeliefert zu sehen, ist für alle Sozialisten, Republikaner und Friedensfreunde der Welt di« Tatsackfe, daß di« Weimarer Republik sozusagen ohne Schwertstreich gefallen ist. Wohl hat die deutsche Arbeiterklasse auf politischem Felde dem Vormarsch der Kon-tervevolution durch zweieinhalb Jahre heroischen Widerstand gelei' stet. MS die Reaktion jedoch zum entfche.iden- den Sturm anseht«, fand sie teils verlassene, teils unbewehrte Positionen vor, ein« der Ur sachen ihres hnronischrn Frcndengeheuls. Eingeweihten bleibe es überlassen, den vorläufigen Sieg Potsdams über Weimar geschichtskri-tifch darzustellen. Auch liegt uns nichts ferner, als die Diskussion über die Taktik der deutschen Arbeiterbewegung in die sen Schicksalskämpfcn eröffnen zu wollen, so lange den Männern, die Gewichtige» auSzu- sagen wüßten, der Mund durch Todesnot ver- schlossen ist. Doch nur äuf Grund teilweiser Kenntnis der entscheidenden Vorgänge ist heute schon möglich und höchst nolwendig, die Hel- denlegenden der triumphieren den Reaktion im Keime zu zertre ten, und festzunageln, mit welch nichtswür digen Praktiken sie ihren Sieg erfochten hat. Nach der Novemberlvahl 1932 stand die sozialdemokratische Taktik des Auseinander- manövcrierens einer vereint übernmch'iaen ,Konterrevolution knapp vor dem Siege. Die Nazis zum erstemnale aeschlagen und mit dem deutichnationalen Stahlhelm auf Mord und Totschlaa verfeindet. Papen politisch abgenützt, lein Anknrbelnnasvrogramm pleite, von seinen Ministern im S'ich aelafsen. In dieser Er- schöpfunasvaus« der Rechten erschien Schlei cher als Kanzler im Vordergrund, wollte den Derfalsungsk-'mvf obblasen, Arbeit schaffen, mit den Gewerkschaften-usammenwirken; kurzum, er wollt« das deutsche Volk ans der Bürgerkriegsspvchose und Selbstzerfleischung berausführen. In dieser Stunde, als die Theorie von einer weite über den Klassen- kämpfen waltenden Präsidialgewalt anaewandt wur^e. ist sie auch schon zerbrochen. Schleichers Roichstührunq nahm ein unverhofft rasches Ende. Das Trio Papen-Hi^er-Hnaenberg ent- stiea den Giftschwaden der Herenküche, genannt Reichspolitik und ließ auch sofort alle Hollen- aeistvr wieder aus das fiebernde Volk los. Woher dieser Umschwuna? Wer hat im Zwie licht verstohlen in die Speichen des Steuer rades geariffen und dem deutschen Schicksal solch»'«rhängnisvolle Wendung gegeben? Folgen)vir eimnal der Darstellung eines braunen Presse- Osafs. der in guter Weinstimmnng eineni als Gesinnungsfreund verkannten Auslandsjournalisten folgen des Histörchen anve^ftante. Es war in den Tagen der großen Flaute der nationalen Revolution, unter von Schleichers Kan-ler- schaft. Da kam von Mussolini eine Ein ladung, je ein Vertreter der Nazis und des Stahlhelms sollten ihn gemeinsam besuchen. Daraufhin flogen denn Seldte nnd Gö ring anfangs Immer\ I. nach R o^m. Mussolini machte Vorwürfe, Besonders »abm er Übel, daß sie Beispiel d«s Marsches dadurch ihre Aussichten je länger, desto mehr verpaßten. In einem so komplizierten Lande Hip D-"> des Reichspräsidenten war. General von S ch l e i ch e r i st über Oskar von H i n- ! denbnrg gestürzt worden; die nied- ' lichen Einzelheiten, die sich dabei abspielten, > wird man auch nicht auf die Däner verheim- ! lichen können. Hindenburgs Sohn kann und i wird wohl nicht zu leugnen wagen, daß er > neben Papen der entscheidende Steigbüqesbal- , ter des H i t l e r- H u g e n b c r g- R e- t g i m e s war. In einem halbwegs anständig regierten Lande Nnirde inan ihn jetzt zwingen, aus dem Zwielicht der Kulisse hervorzutreten und sich im hellen Rampenlicht dem Volke als einer seiner heimlichen Bealücker vorzustellen. Da es hier nicht nm persönliche Dinge geht, sondern um Ehre und Ansehen der deutschen Nation vor der gesamten Kulturwelt, wollen wir vorläufig die Aufgabe über-, nehmen, den Schleier, der über die Berliner Schranzenwirtschaft gezogen ist, ein wenig zu lüften. Oskar von Hindenburg, Äug' und Obr und zugleich Leibtvachc de» alternden Reichspräsidenten, hat zwischen zwei Varian- t e n seiner Beurteilung zu wählen. Nachdeni er die Mission übernommen hat, republikanische Führer vmn Reichsoberhanvt fernzuhalten, hält« er auch die Ausgabe, sich doch selbst im Lande ein wenig umzuschen. Ist es vorstellbar, daß ihm die vielen Merkwürdigkeiten anläßlich des ReichStaaVbranbes entgangen sind? Von der Verhaftung ves Branddirektors angefangen, über das Ber- schwnrden des Portiers, der SA-Leute nut Benzinkannen einschleichen sah, bis zu den Radiomeldnngen über trie natiottaTfosia" listifch« Parteizugehörigkeit van der Lübbes? Wenn also Herr Oskar keine Äuslandsblätter liest, kein Radio hört(außer Hitlerreden),— interessierte er sich nickst einmal fiir das Organ des vornehmen Her- re n k l u b§, das ganz hanebüchene Andeutungen über die„feinen" Hintcrniänner der Brandstifterei machte? Ist dem Oskar auch die seltsame Füaung nicht anfgesallen, die drei der aktivsten Reichsminifter knapp vm der Wahl gemütlich in Berlin verineilen und dann„wie einen Mann" zur Bmndstä^ eilen ließ? Dann— wir wählen eine b'ft- liche Umschreibung— bestätigte sich wi^er eimnal das Wort des großen schwedischen SiwÄuslrie A Reldismark für sdiwaA. Deutsche Allgemeine Zeitung spricht von„Illusion des Status der Rclchshank“. Berlin, 7. April.(Eig. Ber.) Die Deutsch« Reichsbank legt nunmehr zu ihrer heutigen Gc- ncralversommluna den Geschäftsbericht für das Jahr 1932 vor. In der das Ausland besonders iisteressierenden Frage der Währung» st abi- 1 i t ä t ist.der Geschäftsbericht gezwungen, folgende statistische Angaben der Oeffentlichkeit zu unterbreiten(die Zahlen bedeuten Millionen Reichsmark): 4. Auf Dorschlag der Landesregierung die Ernennung und Entlassung der unmittelbaren Staatsbeamten und Richter. 5. Tas Begnadigungsrecht. Der Reichsstatthalter wird auf die Dauer einer LandtagSperiodc ernannt. Er kann auf Bovschlag dcS Reichskanzlers vom Reichspräsidenten jederzeit abberusen werden. Mißtrauensbeschlüsse des Landtages gegen den Vorsitzenden und di« Mitglieder der Landesregierung sind unzulässig. I« Preußen not der Reichskanzler di« Recht« d«S Statthalters auS. Mitglieder der Reichsregierung können gleichzeitig Mitglieder der preußischen Landesregierung fei«. Wo di« LandeSvrrfastungen daS Amt eines Staatspräsidenten vorseh««, treten diese Bestimmungen der LandeSversallungen außer «rast. Der Zuchthausstaat vollendet „Statthalter“ von Hitlers Gnaden In allen deutschen Ländern Berlin, 7. April. DaS Reichskabinett hat heute ein Gesetz„zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich" beschlossen, wonach in den deut schen Ländern, mit Ausnahme von Preußen, der Reichspräsident aus Vorschlag deS Reichskanzlers Reichs st atthalter ernennt, di« für di« Be obachtung der vom Reichskanzler ausgestellten Richtlinien der Politik zu sorgen haben. Der Reichsstatthalter hat folgende fünf Be- fugnisse der Landesgewalt: 1. Ernennung und Entlassung des Vor sitzenden, und auf dessen Borschlag der übrigen Mitglieder der Landesregierung; 2. Auflösung des Lanviages und Anord nung der Neuwahl: 3. Ausfertigung und Verkündung der Landesgesetze. Die Entwicklung der deutschen Reichsmark wird selbst in führenden Kreisen der deutschen Wirtschaft in höchstem Maße fleptisch beurteilt und auS dieser schlechten Meinung macht man durchaus kein Geheimnis; so schreibt etwa die „Deutsche Allgemein« Zeitung", d a S Blatt der deutschen Schwerindustrie, in ihrer Ausgabe vom 6. d. M. von der „Tie künftig« Entwicklung wird die Bank vor schwere Probleme stellen, wenn eS nicht gelingen sollte, de« gerade in den beiden ersten Monaten des lausenden Jahres katastrophal gesunkenen Außenhandelsüberschuß beträchtlich zu heben." „Illusion d«S Status der Reichsbank, der geeignet sei, den Anschein einer höheren Deckung d«S Notenumlauf« anzuzeigen, al» sie in MrNichkrit vorhanden ist", und schließt ihre Betrachtungen mit dem Eingeständnis: „Freilich muß dabei in Kauf genommen wer den, daß auch im Inland« bestimmte Illusionen über die wirkliche Situation der Reichsbank beseitigt werdeu." Die Lage und— vor allem— di« Entwicklungstendenzen der Reichsmark zwingen somit gebieterisch zu höchster Vorsicht; der Weg der Inflation ist beschritten. Die gegenwärtigen Formen mögen vielleicht andere sein, al» in den Jahren 1920 bis 1923— di« Kon- sequenzeinerZerrüttungdesinter- nationalen Zahlungsverkehrs aber bleibt die gleiche. ** K »le Mark auf 7,92. Prag, 7. April. Di« Reichsmark ging heut« dessen Problematik blitzartig beleuchtet wird durch I an der hiesigen Bors« um 7.50 Ak pro 100 Mark — 1 auKBif; der Mittelkurs ist mit 792.50 AL pro 100 Mark bereit» stark unter der Goldparität. Diese theoretische Notendeckung vom 31. Dezember 1982 in Höhe von 20.7 Prozent hat sich seit dem Regierungsantritt Hitlers außerordentlich verschlechtert; cs ist bekannt(und wird durch die Regierungs- presic zugegeben), daß die neue Regierung in den neun Wochen ihres Bestehens insgesamt bereits weitere 14o0 Millionen Reichsmark in den Verkehr zu geben gezwungen war zur Finanzierung vor allem ihrer politischen Maßnahmen. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache, das heißt für den effektiven Notenumlauf von rund 4.8 Milliarden Reichsmark, beträgt also die Notendeckung heute bestenfalls 14.4 Prozent. Hierbei ist der unwahrscheinliche Fall vorausgesetzt, daß die Bestände der Reichsbank an Gold und Devisen sich gegenüber dem Stand vom 31. Dezember nicht verringert haben— ein Fall, folgendes Eingeständnis des Geschäftsbericht» der Reichsbank: 31.12. IE 31.12.1931 Goldbestand.... 808,2 984,0 Devisen . 252,8 808,0 1059,0 1292,0 Rcdiskontkredii.. 361,2 420,0 Effektiv-Deckiing.. . 697,8 872,0 Ausgcgebcne Noten. . 9856,5 9001,6 Kaffenbestand... . 5988,7 4313,6 Umlaufende Noten. . 3367,8 4688,0 Notendeckung... . 20.7% 18.6% S«ttr 2 Samstag, 8. April IVSS Nr. 81 Kanzlers, Oxenstirna, daß die Welt mit wenig Verstand regiert wird. Die zweite Variante, auch dies« sei theoretisch ouSgesponnen, ist diese: Oskar von Hindenburg hab« um die Geheim» nisse d«S NeickstagsbrandeS gewußt nnd sie seinem Vater verschwiegen. Dazu wäre zu sagen: der protestantische Herrgott muß ein gutmütiger Mann sein, wenn er dann dem Gepränge in der Potsdamer Garnisonskirche zusah, ohne Pech und Schwefel regnen zu lassen. Alls dieser Annahme heraus erschiene auch die Rührszene zwischen Hitler nnd dem alten Hindenburg in nener Beleuchtung. Van der Lubbe täte gur, sich im Interesse der „nationalen Revolution" recht»eitia'an- Reue aufzuhängen, oder sich„auf der Flucht" erschießen zu lassen, ehe ihm der Prozeß gemacht' wird— vorausgesetzt, daß c s noch Richter in Deutschland gibt. Eine wahrheitsgemäße Klarstellung der Zündele! »m Reichstag, an die wir unter dem gegenwärtigen Regime nicht glauben, würde nicht nur kriminell Vernrteiltc, sondern auch andere Leidtragende zurücklassen, die den Rest ihres Lebens als moralisch« Leichen herumgehen müßten. Auch wenn man den Reichstag bis auf die Gruildsteine zerstörte und das Untersuchungsgefängnis mit dem Hol« källder in Flammen aufgehen ließ«— di« Wahrheit kommt an den Tag und da? deutsche Volk wird in nicht allzirferner Zeit erfahren, ob Oskar von Hindenburg die eine oder die andere Roll« gespielt hat! Lassen wir di« Frage zunächst offen nnd sehen wir den Fall, daß«S den von Oskar favorisierten Hitlerianern doch gelänge, den alten Hindellburg von seinem Platze wegzuekeln. Dann konnte man ein historisches Wortspiel mit neuer Sinngebung variieren: Vater, siehe deinen Sohn! Sohn, siehe deinen Vater... Auch die Gestalt des letzten bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held verdient es nicht, in den Mantel der Barmherzigkeit gehüllt zu werden. Nach seilten forschen Reden glaub:« man, er sei neben den Sozialisten Hitlers grimmigster Widerpart. Ein großer Teil des Bayernvolkes nahm sie ernst, di«„Bayernwacht" und hunderttmlseltde sozialistischer Republikaner waren bereit, daS Land als eine Insel deutscher Freiheit zu verteidigen. Waffen standen auS der Zeit der Heiinatwehrcn reichlich zur Verfügung. Rach dem Reichstagsbrand hoffte fÄler»-der Held zuvor, ernst genommen, er werde zum. Münchener Dulder gehen und das Kind beim richtigen Namen nennen. Er hätte nur zu erllären brauchen, solange diese mysteriöse Geschichte nicht unter Beiziehung von Ländervertretern geklärt sei, wird in Bayern nicht gewählt. Als aber Herr Göring auf der antibolschewistischen Saite zu klingen begann, fing Dr. Held zur allgemeinen Ueberraschung nach der Berliner Musi! zu tanzen an. Die bayerische BolkSpartei hatte ihre Leute derart zur KottrS- und Dolkchcwi- kenfurcht erzogen, daß sie unter solchen Umständen kein« Kraftprobe wagte. Dr. Held fuhr auf Besuch zu Hitler, machte dann auch in Bayern di« Komödie mit der Kommunistenhatz mit, um dadurch für seine Partei einen „milden Feuertod" zu erkaufen. Der Erfolg I ist bekannt. Dr. Held wird in die deutsche Ge- schichte nicht nach seinem Namen cingereiht werden... DaS sind nur einige Maschen auS dem teuflisch gesponnenen Fangneh, das hinterrücks über den Riesenleib der deutschen Arbeiterklasse geworfen wurde. Wer ihre heroische Auflehnung erwartete, vergißt, daß sie nicht Der„Tag", dessen Ausgabe rS.isl, Nacht in den Köpfen zu verbreiten, und von dem man ja chon allerlei gewohnt ist, veröffentlichte DienStaa einen Artikel, der wohl das Widerwärtigst« und Frivolste darstellt, das man in unseren Gegenden in dieser Zeit des deutschen Untergänge- zu Gesicht bekam. ES handelt sich um eine ungeschickt nnd plump znsammenhcschwindclt«„Reportage" aus einem der zahlreichen Konzentrationslager des Dritten Reiche», um den unglaublichen Dcr- iuch, dies« Massenfolterkammer» des, braunen FafciSmus zu veritabeln Erholungsheimen für die glücklichen Insassen umzulügen. Bei Sport und S p i e l, S k a t und Schach, prächtiger Verpflegung und nettem Logi» verbrächten, jo erzählt der ,^Tag" di« gefangenen Sozialdemokraten und Kommunisten hier ihr« Haft» sorglos in den Tag hineinlcbend, quietschvergnügt und von heißer Dankbarkeit für da» freundliche Entgegenkommen seitens der SA. erfüllt. Jede- Wort zur Abwehr dieser zynischen Gemeinheiten ist angesichts«in«r Kulturwelt, di« über Deutschland von heute ihr Urteil schon gefällt hat überflüssig. Wa» aber dem Nazi-Blatt nicht ungesühnt durchgehen soll, ist jener Gipfelpunkt des erwähnten Artikels, der sich nicht bloß damit begnügt, di« Untaten der eigenen Bagage zu vertusch«»», son- d«rn sogar bestreb^ ist. di« unglücklichen Opfer dcü Blutr«gimeS persönlich herabz,»setzen. DaS geschieht so: „Eine SA.-V«r«itschoft... belr'tt den Hof. In ihrer Mitt« befindet sich«in junger Bengel. Er steht fr«ch und verstört aus. Man Hal bei ihm Schlagring«, einen Gummiknüppel und einige Totschläger gefunden. Er wird nun sofort vom Wachhabenden vernommen... Er gibt patzig« Antworten, jcdoch genügt«In freundlicher, aber bestimmter Verweis. Im nächst«« Augenblick Ist «r sozusagen di« Höflichkeit selbst. Er bestreitet, der Eigentümer der bet ihm gefundenen Massen zu sein und schiebt seinem Vater, der jedenfalls dem Reichsbanner angehört, di« Schuld in die Schuh«. Mau sieht«S den SA.-Männern, die d«m verhör beiwohnen, au,, bah st« sich vor dem Kerl«kelu, btt sich nicht fchtut, s«lu«n eigenen Vater zu verrate«. Aus Grund d'vser Aussage wird der Senior verhaftet. Bel der Vernehmung beschuldigt der Alt« wiederum seinen Lohn. Em aNgenieinen gewinnt man den Eindruck, daß«in Marxist mit Freuden den anderen belastet, wenn er selbst frei kommt.— Erbärmlich« Charaktere!" Selbstverständlich wird kein Name genannt, selbstverständlich wird kein einziger Anhaltspunkt geboten, der die Ueberprü- fung dieser Schilderung ohne unmittelbare Lebensgefahr ermöglichen könnt«, trlbstverständ- lich ist da» ganze Zeug vom Anfang bis zum Eitde erlogen. Damit. man aber seh«, wer diele Kerle eigentlich sind, die jetzt die deutsch« Arbeiterklasse nur gegen die ralliiertcn Mächte der Konterrevolution, sondern and» gegen ihre abtrünnigen Bundesgenosse»» hätte kämpfen müssen. Al-er auch ai» denen, die mit List und Verrat die deutsche Republik zu Fall gebracht und ihre aufrich.igen Bekenner in die Bande deS Unrechts nnd der Geivalt geschlagen haben, wird sich das unerbittliche Wort erfüllen: Tie Weltgeschichte ist daS Weltgericht! der Feigheit zeihen, wollen wir uttS einiger Szenen eriuucru. die lich anläßlich der Verfolgung der hiesigen Nationalsozialisten hierzulande abjpiel- ten. Wir»vollen dabei N a m« n und Daten iisinlcu die jedermann air Hand nationalsozialistischer Publikationen überprüfen, kann, und wir erklären unS bereit, jederzeit für die in der Folge geschilderten konkreten Fakten vor Gericht den Wahrheitsbeweis zu erbringen. Wir meinen dabei den Brünner VolkS- sPort-Prozeß, der— man sei über ihn welcher Meinung immer— die Angeklagten doch jedenfalls mit wesentlich geringerer persönlicher Unbill bedroht«, als der deutsche FaseiSmuS seine Opfer: t. Am ersten Perhandlungstag, den 8. August 1932,«rw derte der Angeklagte Dr. P e t e r m i ch e l aus«ine Frag« des Vorsitzenden, ob er etwa- darüber w il« daß di« Führung des VS. mit rcichS- dculsch«» Gruppen in Fühlu»»g geut'en sei:„Diese Frage müsten Li« au dea Abg. Krebs rechte», das w:iß ich nicht!" Petermichel machte also einen nichtangeklag:«»„Volksgenossen" verantwortlich, um selbst frei zu kommen. 2. Am d. August erklärt« der Angeklagte Peter Donnhäujer bei seiner Einvernahme:„Wenn das Programm der Partei«m Angriff gegen d!« Republik ist. bau» bitte ich, di« Anktage zu verlängern und«t»ra 70.000 Ludet«ndeutschr darauszusehen, die ebrnso Mitglieder waren wie ich." We man sieht, Hal also das„Führerprinzip" auch seine Gren. zen,»venu man es vor einem tschechischen Gericht mit der Angst bekommt. 3. Am 17. August meinte derselbe Tonn Häuser, dem osscnbar d« Heldentaten des Petermichel Sen Schlaf geraubt hatten:„liebet das Programm 'am» Abg. Krebs Auskunft geben, nicht aber Dann- Häuser, der nur Mitglied der Partei Ist." Wieder muß der Krebs herhalten. 1. Am 24. August rief der Hauptverteidiger Tr De ui b i tz! t auf einen Einwurf des LtaatSanwaltS, daß man das Vorgehen des Ab-'. Juni doch nicht nii allzu größer Jugend entschuld'gen könne,. auS:„WaS geht da» uns an, stillen sie ihn Herl" Dem Wunsch« der DolkSsxorl-Verteidigüng wird bekanNkkich Rechnung getragen werden, doch das; Herr Jung darüber-, 'ehr entzückt ist, kann beziveiselr werden. 5. Am 29. August erklärte der wacker« Dann- Häuser zur Abwechslung:„Venn etwa» ge'ctz- widrigeS geschehen sei, daun hätte man zuerst den VerbandSleiter W'-ese I« Troppau verhaften sollen." Also«'ne ossenkund'ge Belastung eines Nichtange- klagien zur eigenen Entlastung. 6. DaSsciibe wiederholte sich am 31. Anglist, als Tonn Häuser, der böhmisch« Laudes'ührer des Ä2.-J-ug«ndverbandcS, meint«,«S müsse der behördlich ar-g meldete Leiter deS Iugrndverbandes Weese, .der richt einmal eiuvcruontmen worden sei, ange- llagt werbe»». 7. Am selben Tag noch' über ein stark belastendes Rundjchreiben der Partei befragt, erklärt« abermals Tonnhäuser— w e man sieht,«Ine Nummer für sich— ganz ungeniert:„Dieses Rundschreiben war vom Abg. Jung unterschrieben»;» ist daher an den Abg. Jung die Frag« zu r.chi, was er damit sagen wollte." 8. Am 13. September sprang hingegen für Tannhäuser der Verteidiger Dr. Haller in er Brosche und sprach In seinem Plädoyer für den geklagten Illing dar große Wort:„Um»vi« viel yr- ährlicher müßte aber der Abg, Schubert sein, der richt im Jugendverband war und trotzdem dann o ort oberster VS.-General geworden sei?" Die, Staatsanwaltschaft hat bekanntlich aus der Ar» gumentation des Dr. Haller die Konsequenzen g.- zogen und nun auch Herrn Schubert angeklagt g. Nach Dr. Haller aber kam der unvermeidlche Donnhäuser wieder zu Wort. CS war seine Schlußrcde und da durst««S natürlich nicht ohne Betriebsunfälle abgehen. Laut donnert« er dnrcl; den Gerichtssaal:„Wenn der Staatsanwalt behaup. tet, er als Landesführer»misse sich der Ungesetzlichkeiten dessen, was er tat, bewußt gelvesen sein, so müßten die Tausend« von Mitglieder» de« Jugend- verbände«, d« nicht- andere» getan gehoben, auch auf die Autlagebank." Und»veiler:„Hier gehören die Abgeordnetenführer der Partei her, di« für da« Programm ver- antwortlich sind!" Peter Donnhäuser hat also,»n» selbst frei zu»verden, nicht- anderes verlangt, als i»'aS einige Monat« später von der StaatSanwali- chaft unter dem hysterischen Geschrei der ganzen Naz'-Partei und ängstlichem Geschlotter der„Abgc- ordnelensührer" tatsächlich vorgenommen wurde! Nun aber sei«» den Lesern de»„Tag" über» lassen, für ihr« Parteigenossen vor dem Brünner Gericht selbst di« entsprechend« Bezeichnung zu finde»». Di« deutsch« Arbeiterklasse hat Ihr Blatt al»„erbärmliche Charaktere" be'chnnpfl. ohne allerdings den erhobenen Borwurf der felgen Angeberei auch nur mit einem plaubsviirdigen Fall belegen zu könne»». Wir enthalten uns einer weiteren Kritik der-Herren Donnhäuser. Peter- »nichel und Konsorten, denn die Sprache Ware dazu zu schwach, wenn die zahllosen heldenmütigen Märtyrer in den Kerkern deS deutschen FaseiSmuS wirklich di«„erbärmlichen Charaktere" wären, zu der sie di« leibhaftige Bestialität und schäbigste Feigheit umlügen mochte, die sich bei Nationalsozfalsslen nicht bloß„im allgcmei- nen", sondern auch im speziellen jederzeit nachweisen läßt. „Aufklärung“ vermittelt der judenliberal- hakenkreuzlcrische „Teplitz-Schönauer Anzeiger" scincn Lesern. Die „Aufklärung" besteht darin, daß er voi» den Schilderungen Ego»» Erwin Kischs abrückt, di« er in einem Anfall von anständiger Gesinnung gebracht hatte. Diesen Widerruf begründet er mit der Meldung über die Prager^Falschmeldungszentrale"— die mit den Schiloerungcn Kischs übrigen» nichts zu tun hat— deren angebliches Bestehen jetzt jedem Halunken, der sich vor der Wahrheit fürchtet,'zur Rechtfertigung dient. . Bemerkenswert-ist, daß unter der„Aufklä- rung" des Anzeiger eine Erklärung der Nationalsozialisten und Deutschnationalen abgedruckt ist, in der mitgeteilt wird, daß all« geplanten Maßnahrircn gegen den „Teplih-Schönancr Anzeiger" zurückgenommc» werden. Der„Anzeiger" erschein» also unter der Zensur der Harzburger Front. Fn der vorigen Woche hatten ihm die Teplitzcr Juden die Fnic- rate entzogen; daraufhin wandte er sich gegen Hitler; nun drohen ihn» Hitlers Freunde, also verrät er die Wahrheit und entschuldigt sich bei den Freunden der SA-Mörder. WaS wird geschehen, wenn ihm die jüdischen Geschäftsleute, von denen er lebt wiederum die Friserate entziehen? Sie sind hoffentlich charaktervoller als die Redaktion des Anzeiger, die Hexr« Hiller so ergeben bedient. „Erbärmliche Charaktere!“ Sie werfen uns„Feigheit" vor! 28 IME ja MM» Naobdruek vubotas. 'KARL UND DAS 20. JAHRHUNDERT M Roman von Rudolf Brunngraber Copyrigth by Societllta*Verlag, Frankfurt am Mala 10B3 ' Schließlich wurde der Tran-Port, vor Mor- gengraueu noch, außerhalb des Bahnhofs von Grodek abgesetz». Die Nachtluft schlug ih»i«n unwirtlich entgegen, obgleich es erst Anfang Sep- teinber.war, und der Ton der Kanonen stand lauter über ihnen. Während sie auf das Ein Ireffeu der Geschütze warteten, stocherten wc immer einige.in der Umgebung lnrum. Auch Karl ping In der Dunkelheit nach vorn. Da war der Baynhof von Grodek bi» in den letzten Winkel mit einer etwa vierzig Zentimeter hohen Schicht Holzwolle bedeckt und darauf lagen, Körper'an Körper, jammernd« Verwundet«. Zm Anblick dieser Ansammlung leidender Leiber fühlte sich Karl für eine Sekunde ganz gewichtlos werden. Er sah über den erbqrmungSwürdig«»» Trubel hin nnd empfand da? Gerade der Pseiler dazwi- fchen nnd das Regelmäßige des elektrischen Lichts als eine aufrelzeich« Armseligkeit. Schon.dj«'e Handvoll Krieg sprengt« jeden Rahmen der Welt. Sie gingen verändert zurlick. Mit der Erfahrung, daß ihre Phantasie vom Krieg, wie jede Phantasie, nicht einmal einen Berührungspunkt mit der Wirklichkeit gehabt hatte. Hier wurde in einer ungeheuren Einfachheit, aber in Massen und furchtbar zugrundegegangen. Hatten sic das nicht In Rechnung gestellt? Unversehens nahm das Frontgefühl, das Gefühl de» AuSg«setztleinS von ihnen Besitz. Der einzige Halt in dieser bsanen Früh«, die die befremdlichste war, di« sie je erlebt hatten,— der einzige Halt war nun plötzlich, daß es hier von ihresgleichen wimnielte. Aber wie der rumorend« Himmel»Iber allen hing,»var da», gls sei man an den Ra»»d eines saugenden Stru del» gestellt, in dem jede Zuflucht aufhören würde. Karl konnte«S nicht verhindern, sich unvermittelt al» barfüß'>g«n Jungen zu sehen. Neben einer anheimelnd verwitterten Friedhofsmauer, hinter der steinern« Engel im GraS und in der Sonne knieten. Wurden sie so klein, daß sie mit ihren Vorstellungen in die Kindheit flüchteten, daß sie sich bedauerten? Di« Geschütze waren ein- aeiroffen und man hatte wieder als Soldat zu funktionieren. Die 4000 Kilogramm'chweren Dinger, di« in Krakau mit Kranen in den Zug gehoben worden waren,»n»»ßten nun durch die' Mannschaften über die Loriwände nnd aus die Straße hinauSgeschasft»verden. Karl wurde zwi- 'ä'en all der Plackerei das inwendige Zitter»» nicht mehr loS. Wo war die Kampfbegier, mit der er vor 48 Stunden das Zwischenwerk Ka- wiory verlassen halt«? Er wankt« in dein ver- nichtenden Bewußtsein umher, ein Versager, ein von seiner eigenen Natur Betrogener, e»»re Schande der Arm«'« zu sein/ Wo nur war das Bestimmende, da» ihm wieder den inneren Hält gebe», konnte? DaS Kommando war an die Dinge übergcgangen und sie brauten ohne Aus' en halt an r«m Verderben weiter. Am Morgen stand die Batterie, formiert und auf ihre Pferde»vartend. in ein«m ncrvenau'rci- benden Rummel auf der Straße. lieber ihr frei» sten Flugzeuge, di« an d«n Pfauenaugen als russisch« erkannt und lebhaft beschossen v»»rden. Neben ihr gingen mit Gehetz Munitionskolonnen vor. Auf einem Pionierparkplatz in der Nähe, der an den auSgeladenen Pontons zu e«'kennen war, explodiert«, an einem der noch brennenden Lagerfeuer, ein« Kiste Gcwchrpatronen, was den gräßlichen Wirrwarr noch steigerte. Und von dem überhöhten Grodek flutete»» unaufhörlich Verwundet« zurück. Dort oben allo verlief die Linie, an der die Welt aufgeriss«»» war. Karl'ah auf die verschreckten Gesichter seiner Kameraden und empfand sie in ihrer Bläss« als Spiegelbild sei nes eigenen. Wie aber könnt« er hoffen, daß irgend etwa» den Ablauf der Dinge unterbrechen wiirde? Inzwischen wuchs daS Gewimmel vor den Reken-Kreuz-Zelten a»»f den nahen Wiesen und über Grodek platzten die erste»» Schrapnell«. Die Schlacht trat in den Gesichtskreis, die Schlacht rückt««inen» auf den Leib.' Karl stand fassungslos neben seinem Pferd. Sein Kopf»var»vic von einem Filin von Erinnerungsbilder»» durchregnet. Er fah feine Mutter, die Sonne über den Bänken des Lehrerseminars, seinez» Beter wie er aus dem Wag«»» der O-Linie sprang, das Gitter und di« Bäume des Maria-Josepha-Parks. Und er dacht«, daß die» nun alles voi»««nein nanienlvsen Glanz übergossen, daß es aber für ein Leben zu wenig sei. Er wurde ganz dumpf dabei vor Scham, ober das Herz klopfte ihm bis in den Hals. ES»var einfach nicht ander», als daß«r sich wie«in wehriose» Tier vorkam, das zur Schlachtbank gezerrt wurde. Gegen Mittag kam der Befehl, die Batterie auf der ansteigenden Straße in den Schrapnellregen hineinzuführen. Zwei Minuten später sielen di« ersten Leute von den Sattelpferdcn. Da übergab der Bespannung-- bauptinani». der bisl)er au der Tete geritten»vor, Karl, al» dem feuerleitende»» Offizier, daS Kommando. Der Mann hatte keine Lust, sich für«in; Verantwortung zu exponieren, die ihn im Augenblick nichts anging. Er ritt weg, für die Pferde Quartier zu machen. Karl aber befahl er, die Batterie wieder«in Stück zurückzunehmen. Da» bedeutete ein zweimaliges Umkehren mit sech-fpannigen Fuhrtverken auf einer Straße, di« nicht all;»» breit»var und auf der es in immer kürzeren Zwischenräumen wie von Hagelschauern in die splitterudeu Obstbäume hieb. Beim Train entstand«in« Panik, die di« Straße unentwirrbar verstopfte. Karl erblaßte bis mS Zahnfleisch. Neber di« Felder links und rechts knallten leicht« Feldhaubitzenbattcrien vor. die er nun wie nichts i»r seinem Leben beneidete. Und um da» Maß vollzumachen, pflanzt« sich«in Generalstab-Hauptmann mit angeschlagener Pistol« vor ihm aus, der ihn der Flucht verdächtigte. Auf dieser Höhe bei WirrsalS schlug Karls Erregung in ein« fatalistische Ruhe um. Er sah ein« Sekunde schwermütig über alles hinweg nach dem Wald, der drüben lichterloh brannte. Die Erkenntnis 'einer Ohnmacht gegenüber den Dinge»» verschafft« ihm plötzlich Distanz zu ihnen. Wir sind, -achte er, rapid alternd, alle»vahnsinnig vor Angst. Damit aber»var Karl auch der Moral wieder aufgeschlossen, die ihn durch sein ganzes Leben geleitet hatte. Und jene, dachte«r indem sein-Hers«inen heißen Sprung tat, werden die wahren GrneralstabSossizwre sein, di« die große Not, in die wir all« geraten sind, mannhafter tragen, beispielgebend für die anderen. Und dies« wahren.Generalstabsoffiziere, erweitert« er seinen Gedanken zur Idee, blldeten den Inbegriff der Nation.- auf ihren Schultern ruhte oie Geschichte d«S Vaterlandes und das Geschick der Heimat. Als gegen zwei Uhr ein veriv»»nd«ter Korporal die Straß« herabkam, der di« Geschützstassel in die Stellung Ivie», ritt Karl unbeirrbar»vi« ein Kreuzritter voran. Oder genauer gesagt mit jenen Musterschiilergefühlen, die immer die vvr- ncbmste Energiequelle der Menschheit gelvesen sind, wenn sie>n besondere Schrecken hineintobtc. Di« Batterie Passierte den Hauptplah von Grodek. der ar» Pier Erhängten zu«skennen»var, und bezog ihr« Stellung. Die Geschützständ«»oaren In eurem Krautacker eingerichtet, der jenseits der Höhe hinter einem Bauernhaus lag. An die z»veihu»rdert Meter vor ihn«»» standen Haubitzru, noch»velter. vorn Feldkanonen und fern unten waren an den Hellen Strichen des ausgehobencn Lehms partientvels« Schützengräbeir zu erkennen. (Fortsetzung folgte Nr. 84 Samstag, 8. April 1SSS Lett,« Herschauen, Herr Gesandter! Hier sind Greueiberichtel Nadi der Behandlung durch SA. So geht es bürgerlichen Redakteuren sich mit einer gewissen Brrlifung nnierzichi, könnte unter Vein Kommando der LA-Buben höchstens noch Molorrädrr pupen. Tas Bild wird in den Straßen ZittanS mit den entsprechenden Erklärungen von den 2A«Lentrn vertonst. Tas Verbrechen de» Herrn Lorbl ist, Redakteur an einem Demo» Iratrnblatt gewesen, das des Herrn Roch- mann. Jude zu sein. A'br Herren„demokratischen" Journalisten: liier ist also ein„Grcnelbericht". der.euch unmittelbar angeht! ,,Do« Ist unser Kollerte* Am-Schluß des wissenschastlichen Vortrages, der ans der regelmäßigen Zusammenkunft Ser Medizinischen Gefellscknift in B e r l i n gehalten wird, bat der Leiter des Abends Professor Goldscheidcr lTirektor der llniverntätS- klinik) die Kollegen, noch einen Augenblick m warten. Daraus wurde aus einer Bahre ein vollkommen mit Verbänden bedeckter Mensch herein- g.fähren, und Dr. Goldscheider erklärte: „Meine Herren, dieser slirchlerlich rugerich- tete Mensch ist unser Kollege Dr. Luft. Er wurde telephonisch zu einem Patienten nach Lichterfelde gerufen. Am Bestimmungsort wurde«r von Nazis in Empfang genommen und so zugericht«t." Daraufhin erklärte sich der als deutichnaiional b kannte Professor Sauerbruch bereit, den Mißhandelten in seiner Klinik gesund zn pflegen. Diesen Anblick bietet der Körper e n»» jungen Arbeiters, der in einer SA.-Kasrrnr von den Hunnen verprügelt wurde. Es handelt sich sozusagen um«inen „leichten" Fall: ihm ist unter den Hieben„nur" das Sitzfleisch aufgesprungen. Anderen Behandelten wurden an Kops und Hüsten de Knochen bloßgelegt, dir Zähne und dir Augen auogeschlagrn. Der Die Hunnen verbrennen Bücher im Werte von 400.000 Kc.— Deutschland wird„erneuert“ durch Errichtung von Scheiterhaufen für Schätze der Kultur und des Wissens. Hier der erste bildliche Beweis.— Die Polizei macht den braunen Vandalen die Mauer. Eino gr.ßangelcgre, von unserer dcntschdemokratischeu und christlichsozialen Presse geförderte und durch den Judenboykott unterstützte Lügenpropaganda w'li glauben machen, vaß alle Greuelnachrichten ans Deutschland Märchen sind, ans politischen und deutschfeindlichen Motiven en:- Iprnngen. Vorstehend das erste bildliche Muster der Methoden des„neuen Deutschland", an dem„die Welt genesen" soll: braune Horten„säubern" das Gebäude der„Dresdner Volkszeitung", in dem auch die sozialdemokratische P a r l e i bu ch ha n dlu ng unter, gebracht ist! Sie habet», wie das B'ld zeigt, Bücher, Bilder, Film« etc. aus der Straße zu einem Scheiterhaufen zusammengetragen und nach dem Muster des Reichslagsgebäudes angezüntet! Was allein in dieser eine n Buchhandlung den braune»» Brandlegcrn zum Opfer fiel, repräsentiert einen Wert von 400.000 K! Nicht nur sozialist.sche Literainr, auch die Werk« Goethes, Schillers und anderer Klassiker der deutsche» Literatur wurden verbrannt! B ü ch c r? Denke n? Alles überflüssig»m Dritten Reich! Das„Denken" besorgen die Hitler, Goering, Goebbels und wie die Blüten des hakenkreuzlerischen BolkStumS alle heißen! Kultur? Wissen? Nur hohle Köpfe mit der Hand an der Hosennaht find im Dritten Reich erwünscht! Die geistigen Waffen der derltschen Hunnen sind Messer, Dolch, R c volver, Kn üppe l, St a h lr u tc, R i zi n u sö l und Brandfackel! Nicht geilug an der Bernichtuua deutscher Wisse»»sschätze, haben die Braunhentden auch in das Hein» eines Angestellten der„Dresdner Volkszeitung" nationalsozialistische Kultur getragen. Sie haben darin gehaust wie di« Scharen Dschingis Khans und lwben die Wohnung vollständig ausgeplündert. Was nicht niet- und nagelfest war, wurde fortgeschlepPt. Sogar das Wirtschaftsgeld der Frau und die Hcim.fParka sse der Kinder wurden gestohlen! Das ist das System, dein unsere Hakenkreuzler zujubeln und unsere deutschen Bürgerparleien, die hier im Inland für Demolratic, Freiheit und Gerechtigkeit einzutrelen vorgeben, mit ihren unverhohlenen Sympathien begrüßen! Nam« des Arbeiters und fein Wohn, ort sind d«n Behörden und uns deka nnt. So sieht ein Sieg der herrllchen SA. aus! Zwanzig und mehr vertierte Subjekt« schlagen mit Bummiknüppeln aus«inen Wehrlosen rin, bi» er ohnmächtig zusammenbricht. Und dann werden den Schustrn von«in«m Reichskanzler und von Reichsmiuistern Lobreden gehalten-nd da» Bürgertum bekam«»»darob heilig« Schaue.. Sein« Blätter ab«r schreibe« von Greuel-„Märchen"! Nicht nur der Herr Gesandte Dr. K o ch bemüht sich, sich selbst und die Oeffentllchkeit glattben zu machen, in Deutfchlaird herrsche Ruhe und Ordnung: auch unsere Nazipresse und die mit ihr verbündeten Bürgerblätier sind in der gleichen Richtung tätig. Mit wenig Erfolg! Denn die Wahrheit bricht sich immer mehr Bahn. DaS merkcn die Verbündeten der Hitlerbanditen an den» Schwinden des Fnsc- ratengeschäfts und des Abonnentcnstandcs, daS merken die Hitler und Goering selbst an der Sprackze, die die freiheitliche Auslandspresse, vor allem in F r a>» k r e i ch und England, führt. Ein Teil der heute von uns veröffentlichten Greuelberichte entstammt bürgerlichen Blättern des Auslands, die alle miteinander angesichts der grauenvollen deutschen Zustände erkennen, daß der HitlcriS» mus auch wirtschaftlich ein Weg in beit Abgrund ist. Ihre„Mannhaftigkeit" entspringt ihrer kapitalistischen Gesinnung. Unsere Bürgerblätter, die diese Gesinnung auch haben, sind ganz einfach zu dumm, die Gefahrzu erkennen, in die sie durch die Unterstützung der Nazihctze sich selbst, ihre Geschäfte und die Volksgen»einschafi bringen, für die zu kämpfen sie vorgeben. Sie sind Kapitalisten, aber sie liegen vor jedem Mächtigen auf dem Bauch, der die Phrasen, di« sie nur flüstern, zu douncrn versteht; sie sind Kapitalisten und sind engstirnig und erbärmlich genug, ihre eigene Rettung und die Rettung dessen, tvaS sie ihre Kultur nennen, von der Niedcrkniip- pelnng der Arbeiterbewegung zu erwarten. Es gibt auch menschliche Kapitalisten; unsere„i e u t s ch e n" sind nur unmenschlich und du m m! Ihr« Geistigkeit wird verkörpert dnrch den Provinzschmock von der„Reichenberger Zeitung" über den „Teplitz-Lchönaner Anzeiger" bis zum„Gras litzer BolkSblatt". Z»l Herrn Koch, zu den Redakteuren der Bnrgcrprcsse einschließlich dercr der„Bohcmia" wollen wir deshalb über Deutschland nicht nur mit Leitern, sondern anch mit Bildern sprechen Wir»vollen sehen ob iie den Mut haben, auch dieses zum allergröß ei'?eil aus n a t i o n a l s o z i a l i st i i ch e u Quellen st a m m ende Bildmaterial als„gewissenlose Grenelpropaganda" alö die„Wiedergabe von Lügen und Erfindungen" abzutnn Uns dünki, sie werden schtveigen— so unanständig schweigen, wie sie bisher geschrieben haben. Für die Arbeiter jedoch, auch für die jenseits der Grenzen, sind diese Berichte B c> >v e i S st ü ckc s ü r k o m m e n d c Tag e. Ta wird Gericht gehalten werden über dir Hunnen und ihre Beschützer! Und die Erbärm lichcn, die heute den Man.el nach dem stinkenden Winde hängen, der den großen Mäulern von Banditenchefs entströmt, wird dam» auch ein neuerlici)ci Gesinnungswechsel nicht schützen. Hier sind Akten— die Opfer, von denen sie künden werden»norgcn urteilen über die, die sich ihres Leidens und Duldens freuten, v e rurteilcn die, die jedes Verbrechen beschönigen, wenn es an Arbeitern und Juden verübt wiid! Das Bild zeigt den Redakteur L o c b l von der Zittauer Morgenzeitung" und den Inhaber des Warenlnmscs Fließ m Zittau, Herrn Nachmann, bei„volkswirtschaftlich nützlicher > Arbeit": sic putzen, übrigens mit den» Tuch l o z i a l d c in o k r a i i>' ch e r Fahnen, unter der Bewachung von SA-Laussnngen ein den Arbeitern gestohlenes Motorrad. Was nützt cs Herrn Loebl, daß er Redakteur an einem„Demokraicnblatt" vom Schlage der Prager„Bohemia" war? Sein Schicksal zeigt was etwa dem Herrn Dr. B a ch e r in dem von ihm so gcliebien und mii niännlim- m Mut gegen den„Sozialdemokrat" verteidigten Dritten Reich blühte: er, der in de» Demokratie noch Klinken Putzen darf, welcher Tätigkeit er Träger der Kultur des Dritten Seiches. Belege über Hunnentaten Ceitc 4 SamStag, 8. April 1988 Jt. 84 Das DU«, das l Zwecke" bestimmt. Der Sohn eines der führenden 27.000 Einwohnern leben. Unser Gewährsmann- Juden wurde im.Haus« eines HakenkreuzlerS so ist ein führender Katholik, den mit den Juden 1 grausam zugerichtet, daß derBaterinseiner nur menschliche Sympathie verbindet; er berichtet'' un er anderem, daß der Rabbiner verhaftet, grausammißha-ndell und verschleppt Vas Porträt des Herrn von Kittinger. Herr von Killinger, der heut« etwa 46 Jahre alt ist, war früher aktiver Offizier der deutschen Kriegsmarine. Nack 1918 wechselte er ins Lager der Rechtsradikalen und schloß sich zunächst der berüchtigten„E h r h a r d t,B r i. gade"— auch.^Organisation Consul" genannt— an. Er war führend beteilig« am Kapp-Putsch und an der Ermordung der deutsch«» ReichSminister Erzberger und Dr. R a t h e n a u. Seit 1028 gehört Killinger der Hitle r-P arte» an, ist seit 1927 Mitglied des sächsischen Landtag«, seit 1980 außerdem Mitglied des deutschen Reichstage». Herr von Killinger hatte di« Sonderausgabe, in Sachse»^ später in ganz Mitteldeutschland die SA und SS zu organisieren und zu leiten: im Zusammenhang mit dem von Nationalsozialisten im Dezenrber vorigen Jahves verübten Kaineradenmord an dem SA-Mann Hentsch(Dresden), besten Leich« nach vielen Wochen erst nnter dem EiS der Elbe gefunden wurde, wurde der Name des Herrn von Killinger als ein«» der Urheber der Greueltat weitesten Kreisen bekannt. Im März 1933 wurde er nach dem durch Gewalt erzwungen«» Rücktritt der sächsischen Landesregierung Schicck zum Reichskommissär für S-ach- s e n ernannt; unter seiner Regierung wurden tue Verwüstungen der Zeitungsreoaktionen und der Dolkshänser in Sachsen durchgeführt. Killinger «var der erste» der— wie wir früber bereit» gc. müdes Haven— eine motorisierte „Grenzpolizei" eingerichtet Hat. auf deren Konto hie zahlreichen Zwischenfälle zu buchen sind.— Vor einigen Jahren hat Killinger unter dem Titel„Ernste» und Heitere» au» dem Putschleben" einen Teil seiner Memoiren veröffentlicht; hierbei schildert er in einer selbst- gefälligen und an SadiSmu» nicht zu übertreffen- den Art di« dnrdi ihn vertagte Aaspeltediung eines langen littaatens. da» im Jahre 1919 in München in die Hände der Brigade Ehrhardt gefall;« war. Killinger sagt:„Ein Wink von mir und die Brigadiers legen die Ziege über eine Wagendeichsel und nun Schlag aus Schlag mit den Pferde« v e i t s ch c n. bis auf der Rückseite kein tvcißcr Fleck mehr ist. Dir schaut keinen Brigad-r niehr ani' Ein englischer„Greucl“- Dcrichl Belegte.Meldungen. „Daily Herold" meldet In einer Versammlung in London gab Lord MarIey einen Bericht über die brutalen Greueltaten der Hitlerleute gegen die deutschen Iriden. Unter an- oerem berichtet« er von einem Juden, der von Nationalsozialisten in einen Keller verschleppt und dort viehisch mißhandelt wurde: als der Unglücklich« ohnmächtig zusammenbrach, hielt nran »hm brennende Fackeln unter die nackten Füße und übergoß ihn mit eiskaltem Wasser. Da er trotzdem nicht zur Besinnung kam,- wurde die Mißhandlung unterbrochen,, cd och nach seinem Envachcn wieder erneuert. Ein Herr Jacob Saunders von der Friedensbewegung, der soeben von D:utichland gekommen war. gab bei dieser Versammlung Einzelheiten über die Schandtaten der Hitler- lewe bekannt:«r legt« zum Beweis der Wahrheit schriftlich« Dokument« vor. In einem Fall hatten die Hitlerleute die Wohnung eines Juden gewaltsam erbrochen, fanden dort aber nur ein kleines Kind vor. Die Eindringlinge verlangten von dem Kind, daß cs an seine Eltern einen Brief schreibe des Inhalts, daß es, das Kind, crschostm ivürdc. Alsdann stellten die Hitlerleute das verängstigte Kind an die Wand und begannen ein lustiges Distolenscu-'r. wobei die Schüsse unmittelbar oberhalb des Kopfes in die Wand gefervert wurden. Das Kind brach schließlich ohnnrächtig und im Zustand völligen Wahnsinnes zusammen. Die ko»nmenv« Geschichte wirv wahrscheinlich einmal in ver Agonie ve» braunen Terrors vie wahre Wiege ver wahren veutsche»» Revolution erblicken, einer solchen Revolution, Vast der Ausstand VeS JahreS 1918 als frtevliebenve Reform erscheine»» wirv." Es geht ihnen„gut“. Die Lagerordnung in Hohnstein. Die Nazi- und Bürgcrblättcr überbieten ein- auder in den Versicherungen, daß eS den politischen Häftlingen in Deutschland außerordentlich g u t gehe und daß sie die unglaublichsten Freiheiten haben. Größere Freiheiten als etwa die politischen UntersuchungSyästlinge in der Tsche- chostowakei. Hier sind die Lagervorschriften, die der Leiter deS Gefangenenlagers auf der Burg Hohnstein an di« Angehörigen oer Eingekerkerten schickt«: „Der Schreiber diese» Briese» darf all« zehn Tage einen Brief absendrn. Der Empfang von Briefen ist nicht be» schränkt. SS dürfen hergeschickt werden: Bargeld zum Erkauf von Zusahnahrung und Tabak, Freimarken, Zahn- und Haarbürsten, Seife, Zahnputzmlttel, Nein« Spiegel, Leibwäsche, Schuhwerk. Richt zugelassen werden: Lebensmittel, Rauchwaren, Bücher, Zeitungen, Rasierzeug. Di« Gefangenen werden hier ausreichend beköstigt. Für Bartpflege wird gesorgt. Den Angehörigen wird all« drei Woche« an den Wochentagen von 2 bi» 4 Uhr nachmittag eia Besuch von fünfzehn Minuten Dauer gestattet. Mehr al» drei Brrsonen dürfen nicht gleichzeitig kommen. Personalausweis« sind vorzuzeigeu. Jeder Besuch must vorher schriftlich unter Beifügung von Rückporto nachgesucht werden; er kann erst abgestattet werden, nachdem di« Erlaubnis«in- gegangen ist. Schutzhastlager Hohnstein, Sachs. Schweiz: Der Leiter." Damit sind di« frechen Lügen über die idyllischen Zustände in den Lagern widerlegt. wieder drohte man, nran werde mit den lästigen Ausländern aufränmen(auf der Gaste singt di« SA.:„Deutschland erwach«, J»»da verreck«, heraus mit den Böhmen!" Di« Geschäfte der Ausländer sind gekennzeichnet.) Brauner, der wie di« ühriaen unglücklichen Gefangenen auf Stroh schlafen mußte und äußerst miserabel verpflegt wurde, wurden Pro Nackt 1.60 Mark verrechnet und außerden» muht« er für Kost nachträglich noch 11.76 Mark bezahl«». Ohne dem Esten, das sein« Schwester .ihm hrachte, wäre er verhungert. Am 1. April ließ man ihn endlich frei und Sri« ihn zu seiner Schwester, rvelch« wiederbplt ' Besuch von SA.-Leuten hatte, welch« Geld erpreßten und Betten usw. fortschleppten. Brauner ging zum Arzt und zum tschochollowaki» schen Konsulat, wo mit ihm em Protokoll ausgenommen wurde und er«inen Er'atzpaß erhielt. Wie Brauner versichert, waren hundert« Leut« heim tschechoslowakischen Konsulat, viel« von ihnen gleichfalls mißhandelt, di« Berlin verlassen wollen. Brauner war Zeug«, wie am SamStag, den 1. April, anläßlich de» Boykotts jüdischer Geschäfte die in der Grenadicrstra^ gelegene Synagoge„heimgesucht" wurde und Tempelgerät« auf der Straße z« r st ö r t wurden. Ein« 70jährige Frau, die in einem jüdischen Gc- meindehause die Ausgabe alter Kleider über hatte, wurde so geschlagen, daß sie sofort in» Krankenhau» gebracht werden mußt«: die Kleider, wurden gestohlen. Es herrschen mit einem Wort« unbeschreibliche Zustaicke. Die jüdisch« Gemeind« hat alle Härwe voll zu tun, um soweit als möglich, Hilfe zu bringen.. W!« lange noch soll die Nazibarbarei gegen jedermann Noch andauern? Barbarische Mißhandlung tschechoslowakischer Staatsborger im Lande der Dannen. ES besteht kein Zweifel mehr darüber, daß der abgrundtiefe, vor nichts zurückschrrckende Hatz der Nazi» auch vor tschechoslowakischen Staats bürgern nicht Halt macht, besonders wenn sie das Unglück haben, der jüdischen Raste anzugehören. Da» hat der zuletzt in Prag I., Dlouhy 73, wohnend« jüdisch« Kaufmann Ernst(Lrnoöt) Brauner zu s«in«m Leidwesen am eigenen Leibe erfahren. Sein« Schwester ist in Berlin mit ein«m tschechoslowakischen Staatsbürger, «inem Maschinisten namens Frantiiiek T.... verheiratet. Auf Bitte der Schwester fuhr er Mitte Mär; nach Berlin, wo er sich am 16. März bei der Polizei ordnungsgemäß meldete. Brau ner wohnt« bei seiner Schwester in der Grenadier- strahe, di« gleich der nahen Dragonerstraße viele jüdische Familien beherbergt. An einem Abend wurde zuerst sein Schwager, dann er von SA.-Leuten au» der Wohnung yerauSgeholt. ge schlagen, in ein Auto gebracht und in«ine SA.- Aneip« verschleppt. Da» Geld(zirka 80 Mark) und der Paß wurden Brauner weggenommen, Die Legitimation, daß er der tschechisch-sozial- demokratischen Partei angehört, Höhnisch zerrissen. Vierzehn Tage lang wurde Brau ner in Gesellschaft von zirka 60 anderen„Häftlingen" in einem Zim mer der Kneip« vollständig wider- rechtlich und grundlos gefangen gehalten und täglich mißhandelt. Die Gefangenen mußten durch«in Spalier von SA.-Leuten durch und wurden dab«I erbarmungs los geschlagen. Auf eine Bemerkung Brauners hieß«S:„Wir müssen euch vernichten" und als er auf seine Familie verwies, antwortete man brutal:„Auch oi« müssen verecken." Als er sich beim Führer der SA. beschwert«, schln- ihn dieser mit dem Gummiknüppel drei Zähne es». Immer laMraz-Poorom in einer kleinen deutsdienSfa t! „Daily Herald"- London meldet(4. was fnet, und bedrohen jeden Menschen, der sich April): s nicht zu ihnen bekennt. Seit vielen Tagen sind Einzelheiten neuer und authentischer Greuel-!.HunoepeitschenauSverkaufr;rn einem „ks warne srl 1 „Sie Firma Gutschow, Berlin, deren Inhaber ein SA.-Mann ist. stellte der Hilfspolizei an der Friedrichstraße 284 einen Pferdestall al» Unterkunft zur Verfügung. Eine Woche lang hauste dort oie DA., b!» diese DA.-Kaserne unter dem Druck der umliegende» Einwohner, die das Stöhnen und Schreien der dort Eingelieferte»: nicht mehr ertrage»: konnten, von der.Kriminalpolizei geschlossen wurde. Dutzende wurden il: diese Räume gebracht, gezwungen, nur mit der Hose bekleidet, die ganze Nacht bis zum Unterleib im Wasser zu stehen. Wer dies nicht mehr ertragen konnte, wuche mit Gummiknüppeln und Peitschen lo geprügelt, daß weit herum da» Schreien der Verletzten zu hören war. Wen« di« SA. wußte, daß sie«inen Funktionär der Arbeiterschaft vor sich hatte, wurde er io lang« geprügelt, bi« er besinnungslos liegen blieb. In den Nachtstunden erschien«in Auto,«» ertönt« da» Kommando „Fertigmachen", und im Keller, au» dem da» Schreien gekommen war, wurde«» still, nachdem wir Schüst« gehört hatten. Die Schwerverletzten und, wie wir annehmen müssen, auch Toten wurden weggeschafft. Frühmorgen» mußten all« aus dem Hos auf Knie« unp Ellbogen rutschend da» Vaterunser bete« und Lieder sing«« wie„Heil dir im SiegeSkranz" und„Deutschland, Deutschland über all«»". SA.-Leuten, die sich gegen diese Grausanrkeiten auflehnten, wurde beoeutet, mitzutun oder dagleiche zu erleiden. Bevor diese SA.-Koserne aufgelöst wurde, hat die HilfSpolizri noch 40 Leute, von denen jede Spur fehlt, weggeschafft. *** BOQkofl auch gegen Konsumvereine. Dresden, 2. April.(Eigenbericht.)' Offiziell sollte der Boykott nicht gegen Konsumverein«, sondern nur gegen jüdische Geschäft« durck^eführt werden. Doch lungerten auch vor den Konsumvereinsfilialen bewaffnete SA-Leut« herum, di« alle Einkaufendcn beschimpften. Als sich dies der FUialleitcr der Fttrschwarenabtei- lung am Dürerplatz verbat, wurde er verlacht und al» er werterbin auf di« eigentlichen Boykottvorschriften verwies, wurde er auf einen Lastkraftwagen geschleppt und fortaeschafft. Bi» jetzt war keme Nachricht von ihm zu erhalten. Die Bevöllerung ist vollkommen eingeschüchtert. DK bürgerliche Presse berichtet Die angesehen« englische liberal« Zeitung„Manchester Guardian" veröffentlicht Berichte ihre» Korrespondenten aus Deutschland, die alle» bestätigen, ivas in der letzten Zeit in unseren Blättern berichtet wurde. Charakteristisch für den Terror, der»n Deutschland herrscht, ist di« Tatsache, daß der„Manchester Guardian" zum ersten Mal« in seiner Geschichte den Namen seine» Korrespondenten nicht anzuführen wagt, und auch nicht angibt, au» welchen Orten dieser berichtet. Da» Blatte stellt nur fest, daß sei« Berichterstatter«ur mit allergrößter Vorsicht und unter ständiger Lebensgefahr seine Briese a« die holländisch« Grenze schaffen konnte. Di« Opposition in Deutschland stellt der „Manchester Guardian" fest, soll mit allen Mitteln gebrochen, demoralisiert und eingeschüchtert werden. Davon werden auch di« Katholiken nicht ausgenommen. Die Methode, welche grundsätzlich befolgt wird, ist die der Mißhandlung aller Widersacher de» Regime». Di« Mißhandlung«« sind so fürchterlich, ' daß st« sehr ost mit d«m Tode de» Mißhandel, len enden. Di« Geheimnisse d«r Braunen Häuser und Kerker sind grauenhaft. In vielen Fällen werden Oppositionelle durch besonder» auSgewählt« Trupp» festgenommen,«ingeker- kert«nd bi» zn 86 Stunde« ohne Nahrung gelassen. Immer wieder werden di« Verhaftete« geschlagen. Heut« steht Deutschland an der Grenz« vom illegalen zum legalen Terror. Der bisherig« illegal« Terror ist nur eine Vorstufe, welche der Welt weniger barbarisch erscheinen soll, al» die legale Persekution. Der ganze Umfang de» Terror», schreibt der Korrespondent de» liberalen Blatte», laßt sich heute nicht im entferntesten übersehen. Nur vereinzelt« Fälle sickern durch. Nicht einmal in Berlin kann man mehr al« einen Teil der Greuel ausklären, welch« di« Braunhemden begangen haben. Aber auch diese» Wenige, welche» der Berichterstatter unter größter Gefahr vollkommen ein- wandfrei feststellen konnte, läßt keinen Zweifel daran, daß der braun« Terror nicht nur, was die Zahl der Opfer, sondern auch, wa» di« Grausamkeit der terroristischen Methoden anbelangt, auch di« schrecklichsten und grausamsten Methoden aller herrschenden Gewalten der modernen Zeit übertrifft. Weder mit dem roten Terror de» revolutionären Rußland noch mit dem Kampfe gegen di« Eommunard» in Frankreich können si« verglichen werden. Tine lange Reihe einzelner Fäll«, in tvel- chen Menschen gequält und mißhandelt wurden, werden im„Manchester Guardian" mit genauen Angaben angeführt. Die Zeitung stellt fest— und wir erinnern an diese Stell« nochmal» Nr. 84 S«n«tag, 8. Aprst 1V88 sei» k» Lrdener, avisepavik Der Tau hetzt weitert „Der Tag" setzt die Lügenberichtc über die Finanzierum, der sozialdemokratischen Parteien durch oie Rüstnngsinvtistrie fort. Er schreibt: „LS ist bekannt, daß tu der bekannten Hirtenberger Affäre, die von den Sozialdemokraten vom Zaun« gebrochen wurde, von österreichischen amtlichen Kreisen den Sozialdemokraten ein Schweigegeld von einer halben Million angeboten wurde, das st« allerdings oblehntcnl Dl» Tatsache, daß«an den Austromarrlsten für eine politische„Gefälligkeit" Veld anzubieten wagt«, beweist, daß diese Partei käuflich ist, beweist aber auch, wie korrupt di« einst so stolze Partei geworden ist. Im übrigen erfolgt« dir Ab- und Zurückweisung des Schweigegeldes der österreichischen Stelle durchaus nicht aus„prinzipiellen Gründen", oder um di« klebige« ginger nicht noch weiter zu beschmutzen, denn man hat tn der-leichen Angelegenheit«inen Milllon«nbrtrag vom— serbisch«« König genommen!! Man steht, dir Beziehungen der Sozlaldemolrateu reichen nicht nur zur Nüstnngöindustrlr, sondern auch zum serbischen Diktator— und wieder in RllstungSfragen." Ohne den Schatten eines Beweises wird diese in der Redaktion dcS„Tag" fabrizierte Meldung wiedergegeben, dir an moralischer Verworfenheit dem Verbrechen an dem Reichstag gleicht. Wir sprachen gestern von dem Rechte der Notwehr gegenüber Meldungen dieser Art. Die Herren, die den„Tag" zufammenlügcn, wollen diese Warnung nicht versieben. Wohlan, diese Rot>vehr tvird geübt werden! Di« sudetendcnlschen Arbeiter lassen nicht ihre eigene und die Ehre ihrer Brüder ungestraft besudeln und werden von den Herren in der „Tag"-Rcdaktlon auf eine Weise Bclegmaterial fordern, die kein Kneifen mehr znlnssen wird. Investitionen 10r 260 Millionen vom’ Mlnlstcrrot genehmigt Prag, 7. April. Im heutigen Ministerrat wurde das Jnvestttionsprogramm angenommen, das vom Kollegium der Wirt- fchaftsminister im Bereich der staatlichen Unternehmen, der Eisenbahnen und staatlichen Wälder und Guter, ferner im Bereiche des staatlichen RcaulierungS- und MeUorationüsondS und schließlich auf dem Gebiete der Straßen«, Land« und Bruckenbauten sowohl seitens der Staatsverwaltung als auch seitens der autonomen verbände, und zwar im Gesamtbetrag« von 260 Millionen Kronen vorgelegt worden war. Die Leitgrundsätze bei der Ausstellung dieses ersten Teiles des Programms der Jnvcstitionö- arbellen waren die Auswahl von Projekten, bei denen daSOffertverfahrenschondurch- geführt wurde, so daß die Vergebung der Arbeiten in der kürzesten Zeit verwirklicht werden kann, und ferner die Verteilung dieser Arten von Arbeiten möglichst gleichmäßig auf alle Teile der Republik mit besonderer Berücksichtigung der von außerordentlicher Ar« beitSlostgkeit betroffenen Gebiete. Weiters wurden im Ministerrat die Richtlinien für die staatlichen AnweisungSbohörden! zur Durchführung der Bcstmnmngen des Finanz- j gcsetzes für das Jahr 1933 über die periodische Evidenz und Kontrolle aller zu erwartende» staatlichen Aus- s gaben n n d E i n n a h m e n zwecks Regelung> dieser Ausgaben und Einnahmen in den einzelnen kommenden Monaden nach dem Stande der Staatskasse gebilligt. Ferner wurden die Vorschläge betreffend das Arbeitsprogramm der Kommission für die Oelononiisierung der öffentlichen Berwal- mng angenommen, die Geschäftsordnung gebilligt sowie die Ernennung der beamteten und nichtbeamteten Mitglieder der erwähnten Koni- mission vollzogen. Erstattet wurde ein Bericht der Komitee» der politischen und der WirtschastSminister über die behandelten dringenden Angelegenheiten finanzieller und wirtschaftlicher Natur. Audi die anderen Großmächte einge'aden. Zu getrennten Besprechungen hn Weihen Baus Washington,?. April. Das amerikanlschr Staatsdepartement hat auch der d«u t s ch e n, der französischen und der italienischen Negierung durch die Washingtoner Botschafter die Einladung übermittelt, in Washington Vorbesprechungen über die WeltwirtschastSkonserenz zu pflegen. Di« Einladung richtet sich an die Regierungschef», der amerikauischenRegie- rung ist e» ebenso recht, wenn andere Negierungs mitglieder kommen oder di« Washingtoner Botschafter mit den Verhandlungen betraut werd««, I DaS Staatsdepartement will mit dem ver-1 trete» jeder der einladenden Macht« gesondert! verbandeln; geminsame Besprechungen sind nicht geplant, auch nicht über di« Schuloensrag«. ES soll lediglich«in Meinungsaustausch über den I Abbau der internationalen Handelsschranken statt-! I finden, damit ein glatter Verlauf der Londoner i I Weltwirtschaftskonferenz gewährleistet ist. i« HlOglüdttc Ableugntingsvcrsnelic. Die Vaduzer Attentäter sind Nationalsozialisten. Berlin, 7. April. Ta» offiziöse Eonti. Büro läßt sich auS Liechtenstein melden, der dor tig« Regierungschef Dr. Hopp hab« mitgeteil«, daß bei der versuchten Entführung der Brüder Rotter keineswegs«in nationalsozialistisches Komplott vorlirg«; die Untersuchung hab« dirS „einwandfrei" ergeben. Woher der Herr Regierungschef von Liechten stein diese Weisheit hat, wurde nicht näher er läutert. Immerhin muß es sofort ausfallen, wieso der Herr Dr. Hopv überhaupt so schnell zu dieser di« Münchener Morderzentrale entlastenden Fest stellung kommen konnte, da doch die verhafteten Attentäter gar i'" Für Senkung der Kohlenpreise. Der Preis auSschuß des Kohlenrates hielt gestern eine Sitzung ob, an der sämtliche Mitglieder teilnahmcn. Dem PreiSausschuß wurde n. a. die eingefor- dcrte Aeußerung der Bcrgbau-Revicrräte und Grubenbesitzer in der Frage der beabsichtigten Regelung der Koblcnprcise mitgeteilt. Tic Der trcter aller Fnteressrntrngruppen gaben ihre Erklärungen ab, worauf einstimmig folgendes beschlossen wurde: Der Kohlenrat erkennt an, daß, wenn das Wirtschaftsleben eine Gesundung erfahren soll, niedrigere Wirtschaftsziffern erreicht werden müsicn und infolgedessen eine Herabsetzung der Kohlen- Verkaufspreise bei den Konsumeu tcn erfolgen nruß. Der Kohlenrat wird die wich- tigsten Komponenten der Kohlenvcrkaufsprrise am VcrbrauchSorte überprüfen und durcharbeiten und wird auf Grund der Ergebiiisie dieser Unirrsuchunh sein Gutachten über die Regelung dieser Frage abgeben. Bor allem werden die Preise der HanSbrandkohle in der Hauptstadt Prag einer Revision unterzogen. Bon dem Ergebnis d'eser Revision werden sämtliche Mitglieder dcS PreiSauSschusirS nnverzügsich verständigt werden. geführt. Doch selbst die konservative" Presse Englands rückt nach wie vor von den I Fascislen Greneln weit ab und in Frankreich! reproduzier« selbst ein so rechts stehendes Bsatt wie der„M a t i n" dieser Tage auf der ersten Seite das Bild einer Londoner P r o t e st v e r s a m m l u n g, in der ein« r i e s i g c H i t s« r- Puppe, die einen g e- henkten Juden in der Hand hält, zugleich Shuibol der Hakcnkreuzbarbaren und der Empörung über sie darstellse. Zur Zeit geht namentlich in Frankreich der Kampf gegen den Geist der mittel- alterst ch en Judenverfolgungen in Deutschland mit aller Schärse weiter. Spiclzcil als unterbrochen erklärt wird und bis auf weiteres sämtliche Vorstellungen abgesagt sind. Hn Protest Herriots und seiner Partei gegen den deutsdien Antisemitismus. Donnerstag abends trat unter dem Vorsitz HcrriotS das Exekutivkomitee der radikalsozialisti- scheu Partei in Pari- zu einer Sitzung zusammen, m der über Antrag Herriots folgende TageSvrd> nung einstimmig angenommen wurde: „Die radikale und radikol-sojlallstische Partei, getreu einer wesentlichen Lehre Frankreich» und der Republik, erinnert daran, daß die R e v o, l u t i o o durch Dekret der Konstituante vom 27. September 17Vl»alle AuSnahmSgesetzr. die die Juden betrasrn, endgültig abgrschafft hat. Sie protestiert energisch gegen die durch nichts zu rechtfertigenden Maßnahmen, deren Gegenstand die deutschen Juden sind, versichert sie ihrer Sympathie und fordert, in Uebereinstimmung mit allen Kräften, di« dem sreihcttllchen Geist« treu geblieben sind, daß die notwendigen Maßnahmen zum materiellen, g e i st i g e n und moralischen Schutze der deutscheu Inden ergriffen werden." In Frankreich, ganz so wie in England, steht mn AuSnahnie einer Minderheit toller Ehauvimsten, denen Hitler-Dentschland zur Auspulverüng nationalistischer Leidenschaften im eigenen Lande willkommen ist, die gesamte Öeffentlichkcit dem deutschen„RassiS- inirS" nlit ehrlichem Abscheu gegenüber, der sich um so mehr gegen die Nazibanditcn ent- lädi, je stärker daS Bewußtsein ist, daß gerade der Respekt vor der deutschen Nation Haß, Derachtilng und Kampf gegen die«gierenden Hunnen gebieten. In Frankreich ebenso >vic in England wird dieser Kampf nicht nur von den S o z i a l i st e n, sondern auch von a Die Sdiande der..SohemU dringt Dis Ins SaargeDleft Unter dem Titel^Hitler in Sudeten, deutschland" veröffentlicht die„Volks- st i m m c" in Saarbrücken zur Gänze unseren dienstägigen Leitartikel„Getrübte Freundschaft", der sich mit der sndetrn- deutschcn Bürgerprcsie und vor allem mit der „Bohemia" als ihrem charakterlosesten Sproß beschäftigt. Man darf annrhmcn, daß die Leser der Saarbrückener„Bolksstimme" bisher die „Bohemia" kaum dem Namen nach gekannt haben. Nun haben siesic kennen gelernt. Ja, ein guter Ruf dringt weit» aber ein schlechter nach weiter! DcvlsenaMommen vor dem AOSdllllO Prag, 6. April.(Amtlich.) In den ischecho- slowaUsch-dentl'ckten Beratungen über den Zah- lungsvcrlebr ist heute eine grundsätzliche Annäherung der beiden Standpunkte erfolgt. Es wird an dem Tcn eines Abkouunens gearbeitet. Diese Arbeiten dürsten morgen nach- mittaaS beendet werden. Dadurch werden noch vor Ostern die Hindern sie für den Zahlungü- verle.hr zwischen den beiden Slaa-.'n beseitigt werden. oe^CTreHU setion zum Dritte^ Deich? Rn-bknukappell Hitlers an die österreichische SA! Berlin, 7. April Der Deutschlandsender ver breitet zur Uebertrogung des morgigen Hitler- appells folgende Nachricht: Weit über eine halbe Million SA- und SS-Männer treten morgen abends in Deutschland und Oester« reich an. Der Oberste Führer Adolf Hitler wird Punkt 7 Ubr im Berliner Sportpalast die Berliner SA und SS und durch das Mikrophon die.in aqen deutschen und österreichischen Ge-„ zielen a»getretenen SA-Formattonen begrüßen., Theaterpublikum herauSgegeben, durch die die llcn freiheitlichen Elementen „Verhredier. die das Vaterland Karl Marx' und Einsteins sdidnden“. In Straßburg fand Donnerstag abends eine massenhaft vcsuchte Protcstvcrfammluug statt, in der unter anderen» der Sozialistenführer Jean Lonqucl die ncucn Gewaltakte der Hitlcr- rcgierung geißelte. Die Rede Longucts, die durch Radio verbreitet wurde,.gipfelte irr dem Satze: „ES ist nicht daS deutsche Volk, gegen da» wir uns wenden, sondern die Verbrecher, di« das Vaterland von Karl Marx und Einstein schänden." Ter„Populaire" meldet, daß unter anderem folgende Taablätter in Deutschland verboten wurden:„I'Üumanitü",„I.vo Dornioras Xou- vaiian". die„Freie Preise",„Die Nene Welt" (sämtliche in Straßburg), ebenso daS„Metzer Freie Journal". Infolge der blutigen Ercigniffe, die sich(wie wir meldeten) am Dienstag gelegentlich einer! Vorstellung bei Freiburger Schauspieler im Stadttbeater in Straßburg abgespielt haben, Hal der B ü r g e r ui c i st e r von Straßburg eine Verlautbarung an die Bevölkerung und an das stclluug kommen konnte, da doch die verha Attentäter gar nicht von liechtensteinischen Orga nen elnvernomm«» werden konnten, da sie ja in Vorarlberg, also auf österreichischem Boden, in Haft sitzen. 'Dir Freud« ob dieses Entlastungszeugen war aber nicht von langer Tauer. Nach einer Mel« düng auü Wien erhielt nämlich di«„W i« n e r Allgemeine Zeitung", das amtlich« Organ der Dollfußregieruug» das doch sicher über jeden Verdacht erhaben ist, etwa„Grruelinärchen" fabrizieren zu wollen, von der Landesregie rung iu Vorarlberg, also von einer amt« Frankreich und liiticr-Dcutschland Die Vnsterblldiheit des Geistes der Großen Devolution. ! lichen österreichischen Stelle, di« bestimmt auch i nicht eine„Greuelpropaganda" mllmachen würde, 'eine Information, derzusolge di« Teilnehmer an , dem Ncbersall ans die Brüder Rotter, die sich zur ■ Zeit in Untersuchungshaft in Feldkirch befinden, die Beteiligung an der natio- inalsoziali st Ischen Bewegung ringe« st a n d e n haben. Sie hätten auch ringestanoen, 'Bef«hl erhalten zu haben, di« Brüder > Rotter nach Deutschland zu entführen. Sie gingen hiebei nach einem im voraus anügearbeiteten P'.an vor und verbanden sich zum Zwecke seiner Durchführung mit einigen Liechtensteiner Bür« gern. DaS Motiv ihrer Tat war, wir die ver- hafteten behaupten,«in rein vaterkän-l dischiS. Im Zusammenhang mit d«m Uebcrsall der Brüder Rotter wurden in Oesterreich und in Liechlenstein im ganzen nenn Personen verhaftet. Wi« das zitierte Blatt hinzufügt, wird die öfter« | reichliche Regierung nicht nur im Fall« der Er« i mordung deS Journalisten Bell, sondern auch I in Sacken der Brüder Rotter einschreiten, und I zwar bis sie die notwendigen Schriftstück« in Hän« den haben wird. GUTEN APPETIT zum OSTERSCHMAUS I Wenn die Hausfrau Vilella als Zutat verwendet, mua es Ja schmecken. Das Datum auf JedemWQrfel ermöglicht Ihnen die Kontrolle, ob Sie frische Ware erhalten. VITKLLO DELIKATE SS* MARGARINE An die„Sudetendeutsdie Tageszeitung! Die„Sudetendeutsche Tageszeitung" benutzt einen Irrtum des Genossen Fritz Adler, um gegen eine angeblich in Prag bestehende und mit dem „Sozialdemokrat" znsammenarbeitcnde Falsch» me i d e z e n t r a I e zu Felde zu ziehen. Mit der Meldung über diese„Falschmelvezentralc" werden wir uns an anderer Stelle auSeinandersctzcn. Wir wollen den Herren Redakteuren nur grnauere Auskunft geben über unsere Beilage „H u n n c n über Deutschland". Sie bezweifeln nämlich, daß sich die angegebenen Fälle wirklich ereignet haben nnd schließen das daran», daß Name und Wohnort nicht genannt sind. Sie machen sich sogar lnstig darüber, daß wir diese Namen wegen der möglichen neuerlichen Gefährdung ihrer Träger wrglicßen. ES ist zwar zwecklos, sich mit Leuten zu unterhalten, denen alle an armen dentschen Volksgenossen begangenen Greuel nur Stoff zu schlechten Scherzen sind, aber wir wollen ihnen doch sagen, daß Name und Wohnort der Opfer zwar nicht den Mörderstürmen deS Herrn Hitler, wohl aber folgenden Herren bekanntgegeben wurden: Reichspräsident von Hindenburg, Reichskanzler Hitler, Innenminister Frick, Reichsminister A o«r i a g, Wehrmintster von Blomberg, RegierungSrat Dr. Diehl». Die„Sudctendeutsche Tageszeitung", die gute Beziehungen zur Rcichsregiernna hat, erkundige sich bei diesen Herren über die Richtigkeit dieser Mitteilung und bringe dann den Anstand auf, da» Ergebnis ihrer Erkundigung mitzuteilen. Di« dechissrierte Skoda- Korrespondenz«in» wandsrei. Tie Meldungen über die Ankunft zweier Funktionäre der rumänischen Militärprokurator in Prag in Angelegenheit der Untersuchung gegen den Vertreter der Skodowerke iu Rumänien S e l e h k i Werden aus informierten Kreisen dahin ergänzt, daß die rumänischen Funktionäre um die Dechiffrierung einer ganzen Reihe von Briefen ersucht haben. Tic Skvdawrrke haben die bezeichneten Schriftstücke von einer aus zwei höheren samten des tschechoslowakischen ! Außenministeriums bestehenden neutralen Kom- ! Mission vollständig dechiffiercn lassen, lieber die Dechiffrierung wurde rin Protokoll ausgenommen, daS eine genaue Paraphrasierung der dechiffrierten Stellen enthält. Ter Wortlaut wurde nicht nicdcrgcschrirbcn, damit der Codeschlüssel nicht verraten werde. Die Briefe erwiesen sich als eine Korrespondenz rein geschäftlichen nnd technischen Charakters. Ein tschechischer Unternehmer kür dir Bier- 'zigstundenwoche. Wie das„Prüvo Lidu" meldet, bat in der Generalversammlung der westböhmi- schcn Gruppe des Verbandes tschechoslowakischer Industrieller der Unternehmer Weißberger eine Rede gehalten, die„auch unsere Beachtung verdient. Er führte nämlich aus daß im Hinblick aus die jetzige außerordentlich große Arbeitslosigkeit, die durch die Entwicklung der kroduk- tionStcchnik hervorgerufen ist, nicht.) anderes übrig bleibe, als die wöchentliche Arbeuszeit 'wenigstens auf 40 Stunden heräbzuscven. Es sei unmöglich, ko erklärte Herr Weistberger. daß auch zur Zeit der Konjunktur bei der'.'tzigen Arbeitszeit alle Arbeiter werden Beschäftigung finden. Ohne Verkürzung der Arbeitszeit ist eine Ikeberwinduna der Arbeitslvsiakeit unmöglich.— Es ist lehr w.-achtrnSweri. daß einmal auch ein Unternehmer die Notwendigkeit der Verkürzung der Arbeitszeit einsieht. Allerdings ist Herr Weißberger unter seinen Kollegen ein weiß r Nab« Dr. Dell Eudlünder London, C. April. Ter„Tailv Hergld" meidet. daß der von Natioualsozialiste» in Tirol ermordete Ingenieur Tr. Bell britischer Staatsangehöriger ist und in früheren -Jahren vor seinem Anschluß au d" Hitlerpartei, im britischen G e h e i in d i c n st im Au S- lande tätig war, Sette 6 Samstag, 8. April 1V88 Nr. 81 Kitters voUttfeyeS ÄueytysttS. Roch ein Konzentrationslager für politische Gegangene. Im Fakkerrberger Moor an der Niedereide sollen diese Gebäude durch Erweiterungsbauten zu einem Konzentrationslager für Politische Gefangene umgestaltet werden. Im Kriege diente dieses Lager der Unterbringung einer großen Anzahl Kriegsgefangener, die zu Meliorationsarbeiten im Moor hcrangezogen wurden— eine Tätigkeit, die auch die zukünftigen Insassen oufnehmen sollen. nminiiiiitiniiiiniiiniiitiinnuitiiiiiiniiiiinniiiiiiiniiiiuiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiii]iiiiiifiitiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiituiiiniiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii niflertana. jldiHintfi Erpresser! Mit der Hoffnung auf Beule und Lust haben "sich die Janitschoren Pascha Hitlers aus Dentsch- land gestürzt und es aus dir Knie gezwungen; der größte Teil der Besiegten ist genötigt worden, sich selbst zu entmannen: zuerst dos Zentrum: die Presse, soweit sie nicht von den Siegern selbst verstümmelt wurde; dir verschiedenen jüdischen Verbände, unter diesen der der„jüdischen Frontsoldaten"; sie olle wurden unter dem Druck des Terror- gezwungen, einen Revers zu unterschreiben und an die latho- leschr und jüdische Presse des Auslands zu versenden, des Inhalts:„Greurlnachrichtrn über Entmannungen übertrieben! Nur schmerzlose Sterilisierung. Zeugungskraft hat nicht gelitten!" Tat Verlangen, diese Reverse nach Unterfertigung damit zu besiegeln, den Speichel Hitlers aufzulrckrn, war nur noch eine Formalität, der sich katholische wir jüdische„Hinge- fallene" mit Vergnügen unterzogen! Durch den Hinautwurs von tausenden Besiegten und Ausfüllung der entstandenen Lücken im Beamten-, Lehr- und Wirtschaftskörper durch die Jani- tscharen, ist ein Teil der Stellenhungrigen befriedigt, der Rest vertröstet worden. Tas Versprechen auf Belustigung, auf die Hatz:„Tie Nacht der langen Messer" hat Hitler, der vielen ausländischen Zuschauer wegen, bis jetzt nicht gewagt, einzulösen. Aber es geht auch anders! Ist» keine Tragödie, so erfüllt eine Komödie denselben Zweck. Tie verübten Greuel, im Ausland schnell ruchbar geworden(die wenigen, aus begreiflicher Angstpsychose etwas übertriebenen, stehen zahlenmäßig in keinem Verhältnis zu den zahlreichen Scheußlichkeiten, di« durch dir dicken Mauern der SS.- und SA.-Kasrrnrn durchsickrrten oder auch nicht durchsickrrn konnten!), wurden durch dir eigene und ebenso schnell durch die R e n r- gatenprrsse als„Greuelnachrichten" diffamiert; die AuslandSmeinung, durch die Nazi-Drohungen uneingeschüchtert, läßt sich nicht beirren und nun haben di« Hunnen ihren„Langmesser-Ersatz" gefunden! Die„Ä b s ch l a ch t u n g" der deutschen Juden läßt sich auch auf kaltem Wege erfüllen! Durch Erpressung! Vorbilder sind di« chinesischen Räuber: So wie sie die Geisel in der Hand haben, bekommen dir Angehörigen ein Schreiben:„Schickt 100.000 Pfund Sterling! Sonst wird der Geisel die Nase abgeschnitten oder die Ohren oder die rechte Hand— also beeilt euch!" Die Hunnen haben ihre Geisel, den deutschen Juden:„Entweder ihr stellt eure Berichte ein, oder ich halte meinen Geisel, den Juden, solange mit steifem Arm aus dem Fenster hinaus, bi» er in der Lust verhungert, ganz unblutig natürlich!" Und diese Erpressung nennt Hitler und sein Erlaß über den Boykott: Notwehr! Di« Warnung:„Wer sich mit Dreck abgibt, besudelt sich" befolgend, habe ich es bis jetzt vermieden, den„T a g" zu lesen. Aber gestern sah ich ihn neben seiner Freundin, der„Sudetendeutschen Tageszeitung", in Saaz im Schaufenster am Ring in der Buchhandlung hängen, gerade über Mommsen'S „Römischer Geschichte"! Oben die Hundehütte, auS der der bissige Köter tagtäglich oll« Nichtnazis ankläfft, unten der monumentale Palast der Geschichte, in dem der große Wissenschaftler den Griffel führt! Hier strahlende Wahrheit, dort rin stinkendes T a l g l i ch t! Hier der Wegweiser, der Klio den Weg zur Wahrheit weist, dort der Wcgweifer, der daS arme Deutschland in den Sumpf der Barbarei führt! Wie würde der große Wisser erstaunt sein über die Blasphemie, mit der der„T a g" mit seiner Balkenüberschrift:„TaS Volk steht auf, der Sturm bricht loS!" die„Erhebung" des„Hitler-Deutschlands" mit der Erhebung Deutschlands auS dem Joch der korsischen Fremdherrschaft unter einen Balken zwängen will! Wie würde dieser fringeschnittene, schmale Mund über die Persiflage lächeln, die Führer der gewaltigen Erhebung anno 1800, die Arndt, Stein, Port, Gneisenau, Scharnhorst, sicher Männer von höchstem sittlichen Ernst, in einem Atemzuge zu nennen mit den verantwortungslosen Führern der Erniedrigung Deutschlands; aller Sittlichkeit baren Abenteurern, Freibeutern, Sadisten und Morphinisten, Mördern, Homosexuellen, Zuchthäuslern und— wie sich Hitler offen bekannte: Kameraden von Zuchthäuslern! Damals das stolze Panier mit den Worten des Freiheitsdichters Arndt: „Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte!", heut ein schmutziger Hakenkrruzlappen mit den dreckigen Worten:„Juda, verrecke!" Damals ehrlicher Kampf, heute gemeine Erpressung! UnuS. ZwaDgsonlclhe inDenfstff an:? Der„Populaire" veröffentlicht eine Hayas» Meldung aus Berlin, nach der die ReichS- regierung daran denkt, eine innere Anleihe her- anSzugrben, bei der cs sich, wenn man einem sich immer mehr ausbreitenden Gerücht glauben könne, um eine Zwangsanleihe handeln soll. Diese wiederum würde im Zusammenhang stehen mit der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch die Arbeitsdienstpflicht und die Arbeitsbeschaffung. Wahrscheinlich mache sich dergestalt auch bereits der wirtschaft! iche Rückschlag auf gewisse Maßnahmen der Reichsregierung in den lebten Wochen fühlbar. Unter welchen Formen diese Zwangsanleihe verwirklicht werden falle, stünde noch nicht fest. »ne Verpllldifung lür die GewerKsdiancn! Die Arbeiter auch im Dritte Reich für sie. In der reichsdeutschen Textilindustrie lagen bis Ende März folgende Ergebnisse der Bctricos- rätetvohlen vor: In 549 Betrieben sind bis zum 30. März 8397 Betriebsräte gewählt worden. Davon entfallen 27V1 auf die freien Gewerkschaften, 198 auf di« christlichen Gctverschaften, vier auf die Hirsch-Tunckcrschen, 212 aui die RGO. zwei auf die Syndikalisten, 260 auf die Nationalsojialisten T agesneuigheiten Ein Landstreicher— dreifacher Rau Mörder. im Hause seiner Gastfreunde. S i l l e i», 7. April. I« der Ortschaft Ra» dostka bei Star« Bystrica erschlug ein Land- treicher, dem im Hause Stefan TabaLekS ein Nachtlager gewahrt worden war, gestern rüh mit einer Hacke den zehnjährigen Sohn Ada« und verlebte die Ehefrau Sofie Tabaöek sowie ihre 17jährige Tochter Franziska tödlich, worauf erdieWohnung ausraubte und fluchtete. Die Gendarmerie leitete so» ort die Fahndung nach dem Verbrecher ein und konnte ibn bereits gestern nachmittag in öadca verhaften. Er wurde als der 39jährige ge» wesene Beamte Wenzel Exner aus Lhota Zäberkü bei Hohenmauth identifiziert. Er ae» st a« d die Tat ei« und wurde dem Gericht übergeben. Die beiden verletzten wurden ins Krankenhaus in Turö Sv. Martin geschafft, wo sie mit dem Tode ringen. Efferluchtsmord bei Karlsbad. Donnerstag mittag wurde im Walde oberhalb der Gemeiude Schueidemühl eine Fraueuleiche ausgefunden. Die Frau war ermordet worden. Im Lause der ersten Rach- miltagsstuudeu gelang es der Gendarmerie bereit» in der Ermordeten die ledige HäuSlerStochter TberefiaHoyeraus Teichhauleu sicher» zustelleu, welche am Donnerstag zeitlich in der Früh«st Eier« und Butter«ach Karlsbad unterwegs war und auf de« Waldwege zwischen den Gemeinde« Teichhausen und Schueidemühl überfallen und ermordet wurde. Als Mörder wurde von der Geudarmerie der Tagarbei- ter Konrad Hübsch auSgeforscht, welcher geflüchtet ist und von der Gendarmerie verfolgt wird. DaS Motiv der Tat scheint Eifersucht zu sein. Die am Tatort erschienene Gerichtskom- mission stellte fest, daß der Tod durch einen Messerstich in den HalS verursacht wurde. Die zerstreuten Waren, Eier und Butter, sowie der Korb, wurde» in der Nähe des Tatortes aufgefunden. Die Leiche wurde in die Totenkammer nach Donawitz gebracht, wo sie gerichtlich obbu» ziert wird. Tod dreier Menschen durch eine Welttriegh-Granate. Paris, 7. April. Wie aus Boulogne-sur-Mer berichtet wird, sind drei junge Leute, die bei AuchY-leS-Mines eine Granate aus der KriegS- zeit gefunden hatten und sie entladen wollten, durch die Explosion dieses Sprengkörpers ums Leben gekommen. Neunzehn Fischer vermißt. Aberdeen tWashington), 7. April.(Reuter.) Dreizehn Fischerboote wurden beim Lachsfang von einem hef:igen Sturme überrascht, der sie zum kentern brachte. Neunzehn Fischer werden vermißt. Panik bei einem Kino-Brand. Paris, 7. April. Bei einer Kinovorführung in einem Saal des Rathauses von C,a o o u r s brach in der Kabine des Filmapparates ein Brand aus. Unter den Zuschauern entstand eine Panik. Bei dem Drängen nach dem Ausgang wurden etwa 50 Personen verletzt. Amerikanischer Bierrummel. New Aork, 7. April. Für den heutigen Tag hatten sämtliche Städte in jenen Staaten, welche nach Mitternacht den Bierausschank frcigaben, umfassende Sicherheit sm a h n a h m e n getroffen. Auch der Föderalgcsundhcitsrat widmete dem heutigen Tage erhöhte Aufmerksamkeit durch einen umfangreichen Dienst, um jenen Hilfe zu leisten, denen der unmäßige Genuß des 3.2prozentigen Bieres nicht wohlbekommen sollt«. In New Kork zog eine Minute nach Mitternacht auf der Broadway ein Begräbniszug aus, in welchem ein Korb Flaschen mit cin- shalbprozenttgein Bier mitgefichrt wurde, das bisher allein gestattet war und die Amerikaner mit„Fastbier" bezeichneten. Im Zuge schritten sechs Angestellte einer Lcichen- besiat ungsanstalt, die Traucrliedcr sangen. An den Straßenecken wurden massenweise Flaschen mit dem alten Bier entleert. In den Nachtklubs und Hotels wurden besondere Feiern anläßlich ,Her Rückkehr des BiercS" veranstaltet. Aehnlichc Veranstaltungen sanden auch in Saint Louis, Chicago und anderen Städten statt. giehung der Kiaffeulotterie '.»0.000 K: 50.99V. 50.000 K: 78.425. 20.000 K: 25.809, 84.218. 10.000 K: 51.559, 92.538. 5.000 K: 16.676, 20.562, 39.602, 40.157, 44.923, 45.471, 46.460, 46.558, 58.821, 64.875, 68.682, 74.659, 78.909, 85.562, 90.284. 2.000 K: 4.704, 7.832, 9.894, 10.173, 11.585, 15.866, 15.894, 17.123, 17.652, 20.857, 21.966, 80.014, 30.466, 30.882, 34.328, 36.263, 86.551, 88.147, 39.845, 53.026, 43.141, 46.433, 50.440, 50.811, 51.724, 52.028, 53.872, 59.274, 61.856, 62.878, 65.986, 66.561, 67.659, 73.243, 74.265, 77.364, 78.069, 79.021, 81.245, 86.858, 87.476, 87.622, 95.595. 97.903, 98.851, 102.101, 103.699, 103.789, 103.990, 104.146. 1.200 K: 203, 4.098, 12.959, 19.347, 24.895, 30.120, 31.969, 48.614, 47.066, 60550, 60.990, 77.241, 80.225, 94.927.• Geschenke im Zeitgeist. Der Pariser Sozialistenführer L e v i l l a i n hat nach Blät- termeldungen in der letzten Zeit den Präfekten der französischen Hauptstadt auf das Treiben der Rüstungsinsevate verwiesen. Wer die Inseratenteile der Blatter verfolgt, weiß, mit welch seltenem Eifer die Waffenfreude propagiert, zum Ankauf von erstklassigen Gasmasken angeeifert wird. In Frankreich ist die Nervosität stark gestiegen, eine kriegerische Auseinandersetzung hält man für unausweichlich. Man forürt allenthalben zum Kauf erstklassiger Gasmasken auf: von einhundert Franken an ist dieses Gerät der modernen Kultnr zu haben. Gasmasken sind der zeitgemäße Artikel geworden: sie werden stets verbessert, in ter Form eleganter und die Zeit ist nich! fern, da die Modeschöpfer auf sie als Bekleidungsstück der eleganten Frau werden Rücksicht nehmen müssen. Man wird sic verschönern, den Filter vielleicht nach rückwärts versetzen, in vernickelter oder gar Silberaus- st'ihrung vorführen und wenn nicht alles täuscht, dürfte es gar in Gasmaskenschönhcits- bewerben kommen. Das, was die Reklamen natürlich verschweigen und auch den Rüstungsfabrikanten samt sonstigen Wehrfreudigen unwillkommen ist, muß die Wahrheit sein, daß die Gasmaske gegen die heutigen„Errungenschaften" der chemischen Industrie absolut wirkungslos ist, weil die Gast(etwa das Phosgen) auf den gesamten Körper wirken urtb sich durch eine simple Gasmaske nicht unschädlich machen lassen. Der Krieg, wie er dem Stand der heutigen Technik entspricht, wird kaum einen Unterschied zwischen Front und Hinterland kennen: seit es möglich ist, mit einem Flugzeug genug Gasbomben zu befördern, um> Zebntausende wehrlos zu machen, seit die Flieger tausende von Kilometern Aktionsradius haben, weiß die Welt, daß die Kriegführung sich nicht mehr auf die Erfahrungen aus dem Weltkrieg berufen wird können. Wenn die Reklamen Gasmasken als wirksames Mittel gegen Gasangriffe darstellen, so ist das eine bewußte Täuschung, die wohl darauf zurückgeführt iverden kann, daß die Herrn von der internationalen Rüstungsindustrie nach dein Ausbruch des Friedens ihre Vorräte behalten haben und sie jetzt möglichst schnell an den Kunden bringen wollen. Darum lesen wir in den Zeitungen: kauft Gasmasken, das nwdernste Geschenk unserer Kultuvepoche... Kommende Geschlechter werden die Inserate über diese Geburtstagsgeschenke lachen: für uns muß ihre Ankündigung Mahnung sein zu ernster Abwehr... Kleiner Rückgang der Arbeitslosigkeit. Wir haben bereits vor einigen Tagen berichtet, daß die Armee der Arbeitslosen Ende Feber den höchsten Stand erreicht hat. Damals wurden 920.182 Arbeitslose gezählt. Am 31. März sank nun die Zahl der Arbeitslosen auf 878.285, das ist um 41.987. Wir haben bereits dargelegt, daß dieser Rückgang vor allem saisonntäßigen Charakter hat und daß von einer Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse noch nicht gesprochen werden kann. Attentat aus einen Arzt. In der Ordination des 66jährigen Arztes Medizinalrates Dr. Fran; Pieschlinger in Wien erschien Donnerstag nachmittags die 50jährigc Milchgeschäftsinhaberin Antonie H o s ch e, die dem Arzte Vorwürfe machte, da er ihre 16jährige Tochter Ernestine behandelt hatte, die zu Weihnachten vorigen Jahres den Folgen einer Lungenentzündung erlegen war. Plötzlich zog sie einen Revolver und feuerst von rückwärts gegen den Arzt einen Schuß ab, der diesen in der Halsgegend verletzte. Zur Katastrophe de-„Aeron". Der einzig« die Katastrophe des Lenkluftschiffes„Acron" überlebende Offizier, der Stellvertreter des Kommandanten W i l c y, sandte an den Marineminisstr Swanson einen fünf Seiten umfassenden Bericht, der die Eindrücke und Ansichten des Offiziers über dir Katastrophe des Luftschiffes enthält, die ohnehin nur auf Grund der durch die Vermutungen und Eindrücke der drei Urber- lrbcnden der aus 76 Mann bestandenen Besatzung wird aedcntet werden können. Mörderischer Fluchtversuch. Ans dem Gefängnis in Pozarevac(Jugoslawien) ist der Sträling S ch i r m a n entsprungen, der einen Wächter lötete und einen anderen Sträfling schwer verletzte. Schirman wurde von Gendarmen verfolgt und umzingelt. Er wehrte sich verzweifelt gegen seine Wiederverhaftung, mußte sich aber, als er seine ganze Munition verschossen hatte, schließlich ergeben. Ein Deserteur erschossen. Tic j u g o s l a w i- s ch c Grenzwache erschoß eit der jugoslawischbulgarischen Grenze einen unbekannten Ma^tn, der geheim dir Grenze überschreiten wollte. Es wurde scstgestelli, daß es sich um einen jugoslawischen Deserteur handelt, der vor einigen Tagen nach Bulgarien flüchtest und jetzt nach Jugoslawien zurückkehren wollte. Fliegerin überfällig. In Rangoon befürchtet man, daß der französischen Fliegerin Marys Hilf;, die einen Flug Pari s— Tokio versuchte, ein Unfall zugcstoßen ist. Der Sozialistisch« Jugendverband sür die deutschen Gebiete der Tschechoslowakei teilt mit, daß sich die Kanzleien seines Verbandes ab 1. April 1933 nicht mehr in der Seilerftraße t befinden, sondern in der Uherrstraße 7. Alle Zuschriften sind nun ab 1. April 1933 an die Adresse zu richten: Sozialistischer Jugendverband, Teplitz-Srhvnau. Uherr- lt r a tz c 7. Um einen Hund.* Zwischen dem in Miltscho-. wes bei Saaz wohnhaften Kolonisten Janakek und seinem Nachbarn Franz Uher kam es zu einer argen Schlägerei, in die auch die beiden Söhne des Uher und der bei Janakek beschäftigte Kutscher Kohlbeck«ingrissen. Die beiden feindlichen Parteien gingen vorerst mit Stöcken und Prügeln auf-, e'nander los, bis Janakek schließlich zu einem Revolver griff und mehrmals auf seine Widerlicher schoß. Franz Uher erlitt einen Oberschenkelschuß, sein Sohn Anton gleichfalls einen Schenke l s ch u ß und der zweite Sohn Karl Kopfverletzungen. Janakek und sein Kur'eher trugen erhebliche Kopfverletzungen davon. Die drei durch Schüsse Verletzten mußten Ins Krankenhaus überführt werden. Ter Streit war deswegen au-gebrochen, weil Janakek den dem Uher gehörigen Hund beim Wildern erschossen hatte. Eine Ausstellung von Arbeiten noch lebender Steinschönauer GloSgraveure veranstaltet der Mu- seumsverein Steinschönau von Ostersainstag, den 15. April, bis cin'chleßlich Sonntag, den 23. April, in der Staatssachschule zu Steinschönau. Tic Ausstellung wird von säst ollen Meistern der Glas- gravurkuirst beschickt und umfaßt Arbeiten aus der Zeit von 1900 bis jetzt, so daß den Besuchern die Entwicklung dieser Beredlungstcchnik in den letzten 30 Jahren vor Augen geführt wird Die AufbewahrungSgebllhren für Pakete bei der Poft. Die Postvcnvalliing hat im Postdienst die Paketzcit, während der Pakete unentgeltlich bei der Post liegen dürsen. neu geregelt. Nach dieser Regelung beträgt, die Zahl der gebührenfreien Tage im Postbczirk, in welchem di« Zustellung durch die Post eingerichtet ist, fünf Tage(bisher zwei), in Bezirken, in welchen die Post ke.ne Zustellung vornimmt, zehn Tage(bisher sieben). Sonn-, Feierund Gedenktage werde» jedoch eingerechnet und es entfällt somit das bislang manchmal uneinheitliche Borgehen der Postbehörden bei der Tagzählung. Gleichzeitig wird für inländische Pakete die Auf< bewahrungsgebühr in der Form eingeschränkt, daß ein Maximalbetrag von 20 K festgesetzt wirb. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus veu Programmen. Sonntag. Prag: 6.45 Gymnastik. 10.30 Tschechische Lyrik. 18.00 Deutsche Sendung: Traute Rohne: Gc sang. 20.00 Operette aus Prcßburg. 22.35 Bunte Tanzstunde.— Brünn: 11.00 Konzert. 17.80 Tors- blasmusik. 18.00 Deutsche Sendung: Prof. Frotzler spielt.— Mähr.-Ostrau: 12.05 MIlitärkon zert. 16.00 Orchesterkonzert.— Berlin: 18,30 Beethoven: Quartett A-Dur. 21.00 Schubert.— Breslau: 18.15 LönS-Lieder.— Mühlacker: 20.30 Reichs- sendung,— Hamburg: 20.00 Volkstümliches Konzen. — Königsberg: 18.30 Zither-Duette— München: 18.35 MatthäuS-Passton von Bach.— Wien: 9.40 Aus Oper und Operette. 11.85 Sinfoutekonzcrt. 18.15 Gitarre-Kammermusik. 92t. 84 KMHes*«es Ser Sonne! Nun sind si. wieder da und füllen dic helle Luft mit Lachen und Geschrei. Nun spielen sie wieder auf den grossen Plätzen des Parkes, werfen die Bälle, lausen m» den Reisen nin die Wette. Die Wang» glüheii, ihre Augen glänzen und der herbe Frühlingswind zaust ihnen das Haar. Sic leben. Auf den Bänken sitzen die Grasten, die Erwachsenen, die Eltern, Brüder und Lehrer und schauen ihnen zu. Auch aus ihren Gesichtern liegt die Sonne, die wärmt, die Sonne, die froh macht. Aber der Glanz dieser Augen ist anders. Er scheint Mehr; Abglanz von dem Leuchten der spielenden Kinder zu sein. In ihm schimmert das Wissen vom Leben. Diese- Wissen gibt all-.m eine Traurigkeit, durch die dic Sonnenstrahlen nicht leicht hin- durchzudringen vermögen, Mensclzen sitzen in der Sonne und sie scheinen weise, hilflos und ergeben. Wer die W.iS- hcit dcr kleinen Tinge um sich herum erkennt, die Schönheit der Unscheinbarkeit— dessen erste Jugend ist vorüb.r. Sic fühlcn cS, wenn sic dic zarten, hauchgrünen Knospen der Sträucher betrachten. Sie ahnen cS. wenn sie den Kopf nach dem Singen einer Amsel wenden und sie wissen cs, wenn sic etliche Male nach den Kindern nrfcn müssen, die vertieft sind in das Abenteuer des Spielens, das für sie noch da« geheimnisvolle Wunder: Leben, ist... Kann man Neid empfinden über das Glück der Kinder? Kaum. Es gibt wohl keinen unter den Ertvachsenen. der cS ihnen nicht aus voller Seele gönnte. Aber eS kommt vor. dass die Gedanken dcr Gross.» und Erwachsenen abirren, in Zeiten, die lange vergangen sind, die aber als „Jugend" vor ihrem Innern stehen als wäre eS erst gestern gewesen. Als wäre cS erst gestern gewe/cn. dast sic selbst über die Dege diese- schönen Parkes gelaufen sind, dast sie sich im Gras gerauft haben und erhitzt, zerkratzt und auster Atem nach Hause aüommen sind, viele später, al- sie es eigentlich durste». Die Mutter war schon sehr besorgt und e- gab Schelte und einen au-giebigcn Verweis. Was ist die Zeit? Ein Erinnern, ein kleiner v.dankcnzug. ein Vergessen, ein ganzes Leben, ein Vorbei.' Wie lange ist eS her, dast ich hier Burgen baute und sie mit den Figuren meiner Märchenbücher bevölkerte? Dast ich m-ch zum ersten Mal von der-Hand meiner Mutter verlor und bitterlich weinte, biS mich ein gütiger Wachmann (doch!) wieder zu ihr brachte?!... Er war nickt gestern und eS war nicht vor einigen Tagen und auch nicht vor einem Jahr. Es sind viele Jahre, zu viele... Wo sind die Spielgefährten anS dieser Zeit? erinnere mich an nussbraune« Mädchen in einem wcisten Kleid»nd mit einer seidenen Schleife im Haar, die täglich eine andere Farbe hatte. Es war für mich daS schönste Mädchen. Ich habe ihm ni.ine liebsten Spielsachen geliehen und ich habe ihm mein kostbarstes Gut, eine graste Kugel an- rubinrotem Glase, geschenkt. Wir fasten auf den weistlackierten Stühlen der Meierei und tranken sauere Milch. D.r Efeu rankte sich wie heute nm den Turm und ich hoffte unentwegt. den schwarzen Ritter zu sehen, dcr vor langen Zeiten darin gewohnt haben soll.... Der Absthictz von meiner kleinen Friindin jeden Abend war schwer und traurig und dcr Weg schien kein Ende nehmen zu wollen. Nachts träumte ich von roten Glaskugeln, vom Park und dem nnstbrannen Mädchen. Der Sand war meine Li'blingsivelt und der Ball schwang sich oft hoch über die Baumlvihen und konnte viel weiter sehe», als wir Kinder. Cs gesicl mir auch, still zu stehen und den Kovf nach rück, wärt- zu lehnen und in den weissgrauen Himmel zu febnl, bis es mich schwindelte. Dann zankte die Mutter»nd drohte. cS dem Vater zu saa-n, wenn ich diese Dummheiten nicht sei» lasse... Oh. das alle- fällt mir ein und noch viel mehr setzt da ich in der gnt.'n Irühling-konnc im Park sitze und meinem und den anderen Kindern beim Spiel zusebe. In waS für eine Zeit wachsen sie hinein? WaS können wir dazu tun, damit es eine glücklichere/ als die unsere werde?!.,. Daran denken sie wohl alle, die Grossen, die Erwachsenen. die Brüder und Cchtoestern nm mich herum, die mitten am Tage Zeit haben, in der Sonne zu sitzen und dankbar ru sein für das bißchen Wärm.' und für daS Glück der Kinder. Ich weist cs, sie denken: Mögen nnscrr Kinder diese Zeit nur mehr vom Hörensagen kennen! Möge diese Zeit für sie ein trauriges Märchen sein, das man unartigen Kindern erzählt und da« etwa beginnt: Vor vielen Jahren, lisbe Kinder, da hungerten die Menschen da froren sie und litte» unsagbare Not. Ihre Kinder batten kein Brot, weil der Wcizen verbrannt wurde nnd am Morgen gab es nur eine dünne Wassersnvpe, weil einige böse Menschen,.die damals über die gut.» herrschten, den Kaffee ins Meer schütteten. Na, stellt euch daS mal vor. wie sich die dummen frische gewundert haben und was sic alles getagt hätten, wen» sie nicht stumm wären!(Allo schnell trink deinen Kaffe«. Peter!!) Und da- Ftzrchiharste— die Eltern hatten kein« Arbeit! .... Das könnt ihr Euch nun gär nicht denke», wo es für euch immer soviel zu tun gibt urch ihr mein» vielleicht, da- sei sogar ganz hübsch gewesen.„NichtS-arbeitcn-müssen"! Oh nein, das war schlimmer, als Hunger nnd Ele»id, denn wovon soll man denn leben, wenn man keine Arbeit bat? Seht. u>ld so mussten die armen Eltern, dir kcbr. sehr tranria waren, im Pgrk sitzen und den Kindern beim Sviclcn zusehen. Deshalb machte ihnen auch die Sonne keine rechte Freude.?lber eines Tages- Harms Leo Reich. Seit« 7 Samstag, 8. April 1988 i Die Gerichfssaal sich rb. Aas der Partei de« Ulld über Alle den.,,,..... s a m m l u n g. Referent Genosse Äeihler, Teplitz. Lokal: kleiner Urania-Saal, Prag II., Smeökv. Beginn: 8 Uhr. Die Vorfälle bei der Krombholz»Stiftung. Wir haben in unserem seinerzeitigen Bericht über die Versammlung der sozialistischen Studenten berichtet, Genosse K. Deutsch habe dort von „Veruntreuungen" in der Krombholz- Stiftung dcr deutschen Universität(Heiliürsorae für arme Studenten) gesprochen. Genosse Deutsch teilt uns mit, dast er das Wort„Veruntreuung" nicht gebraucht habe. Außerdem haben wir eine glaubwürdige Tarstcllung deS Falles erhalten, aus dcr hcrvorgcht, dass ein ausländischer Staatsangehöriger Papiere nnd Stampiglien der Stiftung g e- stöhlen und mit Hilfe dieser Requisiten die Stiftung um einen grösseren Betrag geprellt hat. Es handelt sich also nicht um Veruntreuungen in der Stiftung, sondern um einen Diebstahl an ihrem Eigentum. Dcr Verüber diescS Betruges ist in Haft. Wir stellen lvyalertvcise gern fest, dass keinerlei Veruntreuung durch einen Angestellten der Universität stattgcfunden hak. Wir behalten uns selbstverständlich vor, gegebenenfalls die Frage zu untersuchen, wie eS denn möglich war, dast ein Student den Diebstahl auiführen konnte und dast er erst nach beträchtlicher Schädigung der Stiftung entdeckt wurde. Daß der Vorstand der Stiftung, Herr Professor Grosser in keiner Weise für daS Unglück verantwortlich ist, haben wir-schon seinerzeit festgestellt und wollen wir gern wiederholen. Sportschnellzng ins Riesengebirge. An» 8. nnd am 14. April wird ein Schnellzug zum Preise von 49 K für die Hin- und Rückfahrt abgefertigt werden. Die Fahrkarten für diese Zuge gelten für Rückfahrten bis zum 18. April, und zwar am 17. April nur für den Sportschnellzua, an den übrigen Tagen entweder für die regelmäßigen Personcnzüge über Chlumcc oder lut’ nau oder für di« Schnellzüge auf diesen Strecken, | gelöst ES wird noch mitgeteilt werden, ob am Sportschnellzng ins Riesengebirge Zor der Uebersteviung des Kreis- geeichtes nach Pankraz. Verwirklichung eine« unglücklichen ProsekteS. Die Verkehrt»» se«. Das Straffrei-gericht am Karl-Platz steht vor Uebersiodlung. Am 18. b, M. finden di« letzten Lcrhandlungen im alte» Justizpalast statt. Nach einwöchiger Pause wird am 20. April die Taugtest im neuen Gebäude in P a n k r a z ausgenommen werden. Prag ist um ein Kuriosum reicher. Während nahezu alle europäischen Hauptstädte die Justizzentralen in zentraler Lage halten, w.rrd bas grösste Strafgericht der Republik an die äusserste Peripherie dcr Hauptstadt verschoben, auf da« Pankrazer Plateau, dessen Ko m m u n i k a t i o n L- Verhältnisse di« denkbar schlechte st«n sind.(Eine Straßenbähnfahrt vom Zentrum der Stadt dauert nahezu drei Viertelstunden.) Die Bewohner der nördlichen und östlichen Bezirke und Vorort«, wir Li eben, Hollcschowitz. Kobi- li-, Hloubötin und andere Arbeiterviertel werden nicht erbau« sein. Aber heule schon denken etliche hundert Personen mit nicht« weniger al« dankbar«« Gefühlen an den Urheber diese« Projekte«, den gewesenen Sektionschef Dr. Polak, der«rotz einmütigem Widerstand aller bete'ligten Kreise da- Projekt durchgesetzt Hai. Es ist«in wenig erfreuliches Andenken an di« Aera Mayr-Harting, unter welcher der Plan verwirklicht wurde, an welchem, wie seinerzeit in der Presse öffentlich betont wurde, n r- mand Freude haben kann al« dic K o m m c r z i a l- bank, di« ihren Pankrazer Grundbesitz zu günstigen Bedingungen los wurde. Nach feiner Pensionierung ist Herr Sektionschef Polak bekanntkch in den Brr- waltungSrat dieser Bank«ingegangcn. Es wird sich zeigen, wie sich die Verlegung de« Kreisgericht«s auswirken wird. Zunächst in einer Verteuerung der Zengengebsihren infolge der bedeutend erhöhten Zeitvcvsäumni« und des damit verbundenen Lerdienstcnlgange« der Zeugen. Da« gehr da« I u st i z ä r a r an. Ferner in einer sehr wesentlichen Verteuerung der Advokat e n k o st e n. Da« betrifft di« Taschen d«r Kien- len. Reben diesen direkten Auswirkungen gibt e« noch eine Reihe anderer, weniger augenfälliger, aber sicher nicht unwichtiger, die sich kaum zugunsten M Dienste« fühlbar machen werden. Ob z. B. die überlasteten Richter und Staatsanwälte, die birhcr den Nachmittag in ihren Kanzleien zu arbeiten pflegten, -instand« sein werden, dies« freiwillige Neberstunden- arbeir auch in Pankraz zu leisten, ist mehr ali- zweifelhaft. Denn selbst bei einfacher Frequenz werden die meisten von ihnen eineinhall bi« zwei Stunden ihre- Arbeitstage« aas der Slrassenbahn versitz«» müssen. Da« gleiche gilt in erhöhtem Ausmass« vom Kanzleipersonal und den sonstig«» Angestellten. E« ist«ine dringliche Aufgabe der kompetenten Stellen, inSbesonder« auch d«S städtischen Verkehrsamtes, für«ine schnell« und billig« Verbindung mit dem neuen Kretz- g e r i ch t zu sorgen. ES ist die Frage, ob die Straßenbahn diesem Zw«ck gewachsen sein wird Außerdem machen sämtliche Straßenbahnlinien einen ungeheuren Umweg durch da« Nüster Tal und über den Ort Nüsse. Da nur dic größten Optimisten da. mit rechnen, die Vollendung der vielbesprochenen Brücke über daS Nusl«r Tal zu erleben, womit da« Problem allerdings gelöst wär«, wird dic Einführung von Autobuslinien über Wyichehrad oder di« neue Serpentinen, st r a ss c im Nusler Tal unbedingt notwendig lein, nnd zwar zu Preisen, die nicht höher sind, als d:e der Straßenbahn, E nführung von U m st e i g k a r» t e n von der Straßenbahn auf den Autobus und natürlich unter Gewährung der üblichen Begünsti- gnngen für die sozial schwachen Angestellten, ßg. wenn ein normaler Schnellzngszuschlag Wird.— 15. April ein S. abgrscrtigt worden wird. Der Prager Konsumverein„B-rla" ist, wie berichte« wird, ans der tschechischen Grossein» laiifsgesell'chaft ausgeschlossen worden. Der Verein hat eine iommun slischc Mehrheit und hat sich im Kampfe gegen die tschechisch« GrosscinkanfS- gcscll'chait»ngenessenschaftlicher Methoden bedient. Es.st auch bereits vor einiger Zeit schon ein anderer Kon'univcrein in Prag gegründet ivordcn, der den Namen„Novnost" führt. Eine Festschrift der P« n s i o n S a n si a l t Neuen Deutschen Theater- mit vielen Beiträgen Bildern ist eben«rsch-enen. Seut che soziawemolrlttrsche Frauen« organisat-on Prag. Montag, den IS. d. M., am 8 Uhr ab««ds im«Monopol' Frauen» uub Müchenabend. Vortrag d«r Genossin Jette Müller „Körperkultur der Frau".— bestimmt und pünktlich kouimen. DaS Frournkomit««, Ittgenvbewegung. Sozialistisch« Jugend, Grupp« I. Dienstag, 11. April, öffentlich« I u g e n d- V e r< Am Rau ch. (Schwurgericht.) Prag, 7. April. Ta« Geschworenengericht befasste heute mit einer Anklage wegen Notzucht !r Fall ist eigenartig. Cm junger Mann von 2g Jahren— bisher vollkommen wohlverhaiten und besten Leumundes— hab« eines Spätabends im Jänner auf einem Bahnhof bei P r i b r a m«ine bedeutend ältere Frau kennen gelernt,«ine 45jährige, seit neun Jahren gescheocn« Frau. Sie machten sich gemeinsam aus den Heimweg. Ter junge Mairn war stark angetrunken und das wurde ihm verhängnisvoll. Zwar Hatto, nach seiner Behauptung, die Fron gegen sein« Annäherungsversuche nicht- ernzuwenden, sondern l u d ihn sogar in ihr« Wohnung«In, wo« allerdings von ihr bestritten wird. Er in seiner Betrunkenheit wurde noch während de- Heimwege« ragressiv und gebrauch!« die Zengin angeblich trotz hre» heftigen Widerstande« mit Gewalt. Die Geschworenen erkannten ihn mit elf Slim- inen der verbrechen« d«r Not zu ch t schuldig nnd verneinten di« Eventualfrage, d'e auf lieber» irerung der Trunkenheit lautet«, da sie ein« Bolltrunkenhrit im Augenblick der Tat nicht als erwiesen annahmen. Der Gerichtshof de« OGR. M r ä z c k nahm Rücksicht aus den«twa- sonderbaren Sachverhalt und alle mildernden Umstände und verurteilte den Angeklagten zu einem Jahr schweren Kerker«— aber unter Zu- b llignng einer dreijährigen Bewährung 4- srist. Audienz am FrledW. Die Leichtgläubigen werden nicht alle. Prag, 7. April. Dor dem Bezirk-gerichl wurde heute«in« Berhandlmrg wegen Uebertretung des Betrüge« zu End« geführt, die sich um ein« höchst sonderbar« betrügerische Vorspiegelung drehte. E ne gewisse Anna Lobet au« einem Dorf bei K o 5 i 1 hat einer leichtgläubigen Nachbarfamili« einen Betrag von 1000 K hrrau-gelockr, wobei sie folgendermaßen vorging. Die erwähnten Nachbarsleute wollten ihren Sohn in einer Staatsstellung unterbringen. Bobek riet ihnen, sich in dieser Sackt« direkt den Präsidenten zu wenden. Auf die gläubigen Einwände der iolcherarr Beratenen klärte die Bobek resolut.«- sei Ihr eine Kleinigkeit, chnen eine Begegnung mit dem Präsiden- : c n zu verschaffen, dem sie dann ihr Anliegen persönlich Vorträgen könnkrn. Sie kenne den Totengräber de« Friedhofes in Lana, wo sich bekanntlich da- Schloss de« Staatsoberhauptes.besoldet. Dieser Totengräber werde sich bereit finden lassen, di« Bittsteller in die Tot«nkämme r« I n z u sch I i c ße n. Wenn dann der Präfl- dcnt da- Grab seiner aus diesem Friedhof bestatteten Gattin besnchen werde, könnten sie ihm ihre Bitt« vortragen. Die Leichtgläubigen, in deren Gehirn offenbar dic Fibelge'chichien von rührsamcn Bittschriften und dergleichen noch höchst lebendig sind, nahmen keinen Anstoss an den phantastische» Verheissungen der Bobek. S:e fanden e« auch ganz bcgreistlch, daß d'e Sach: 1000 K kosten sollte und zahlten diesen Betrag anS Von dieser Zeit an ließ sich dic Bobek nicht mehr sehen. Schließlich gingen den Geprellicn die Augen auf und sie erstatteten dic Anzeige. Ta der Schaden grösstenteils wieder gutgemacht wurde, kam die Angeklagte glimpflich davon. Sie erhielt 18 Stunden Arre st. ...° Mtfggfefik uv» WFLES- Frritag' 162 neue Leser iür unsere Presse gewonnen Di.„.wattigen Ereignisse dieser Zeit bestimmen sie meist»ich, über den Sinn und di-^ Wirkung der Kettung nach. Run aber, da dir Politik«M«NM und da« Leben von hunderttausenden bis jetzt fried- lich lebenden Bürgern bedroht, versucht man au« Gründen der Selbsterhaltung«nd verteidigung, all« gut scheinenden Mittel zur Abwehr i-gl'ch« Gefahr in Anwendung zu bringen. Eines dieser Mittel nnd nicht das letzt«- ist dir Press«. Sie bestimmt die öffentliche Meinung, sammelt dir Gleichgesinnte« und kann, je nachdem, die Menschen in da« größt« Unglück, lann sie aber auch zu freier Entfaltung und damit zu wirtschaftlichem Ausbau führen. In Deutschland hat dir halenkreuzlrrische und nationale Presse zu ungeheurem Eiend und zu Massenverderben geführt, Hai sie mehr Anteil an dem Unglück, das Uber die Menschen hcrringebrochen ist, als viele, ohne zn untersuchen, onnehmrn. In«nscrm Land« Hai sich di« brutale Gewalt, der Terror, dcr Vernichtung«» seldzug gegen weite Kreise der körperlich und geistig schaffenden Menschen noch nicht durchzusctzen vermöge». So ist noch Zeit zur Abwehr de« modernen Brigantentum«, der Unterdrückung deS Rechtes. Diese Abwehr wird vor allem durch di« sozialdemokratisch« Zeitung propagiert und gesührt. Wir freuen udn begrüßen e«, wenn wir die täglich zunehmende Zahl unser« Zeitung-leser feftstellen und schliessen au« dem Wachsen unserer Leserschaft dir Bttsiärknng der Front, dir den Kamps gegen den VlUtfaseiSmu« übernommen und auch sieareich be- «ndlg«« wird. Wir dürfen deshalb auch nicht müde werden, der sozialdemokratischen Presse K‘riüb t'rhV" tl SaI‘ i8m" 4 ntue ®ie ventschbürgerlicheu Turner bekennen Farbe! gen der bürgerttchrn^rurner^i'"""**» Zeitun- dass Die deutsche Turnbeweauno^" lesen, vosil'Snd'g neutral und^„eISh'- olilif* !?'°n sei. 5(i 8.8 gelegrütttch Staatsbehörden gab, wq? Erklärungen zur Hand Jn-mi^,°",'"" Loyalität«- g-anderi. Eine Welle dcr^ nt W manches CutoDn Im Deutschen ilbcr ..Deutschland erwache!« aer»k.». man solange und politisch.» Mnynen wL. 618 aDc^wenster wurden und in voll" ftÄ, JU? n«rt«n erweck: Seite 8 „Sozialdemokrat" Samstag, 8. April 1088 Nr. 84 Nur die besten Den Kleinstem SchnOrschOh eben aui feinem Leder. Gr. 21-26. Leinenschuhe mit Gummisohle. Gr. 27-34 KJ 7- Damen KJ 9.-, Herren 12.- KinderstrOmpfe: BaumwollitrOmpfe KJ 2.-r 3.-, 4. Florstr. ab KJ 4.» DamenstrOmpfe Baumw. ab KJ 2.- Seldenstr. ab KJ 7- Macco-Str. KJ 9.- Herrensocken t Baumw. ab KJ 130 Gamiocken KJ 4.- Florsocken KJ 6.- SockenhSIter KJ 5.- Gr. 27-34. FOr Mädchens Lack Spangenhalbschuhe. In braur Box zum gleichen Prelle. Strümpfe und Socken ab KL 2— FOr den kleinen Wildfang> fest« Halbschuhe, mit Gummisohle. FOr Mädchens moderne geschmackvoll verzierte Lack-Halbschuhe. B-40. Gr. 27-34. Sport-Halbschuhe, mit fester Ledersohle. Grüsse 35-38 KJ 39.- Gr. 27-34. 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Dadurch kann man allerdings heute nicht mehr viel Spannungseffekte erzielen, denn jeder deutsche Kriminalreißer ist nach dieser Schablone gedreht. Die erste Hälfte dieses heute schon drei Jahre alten Films ist sehr langweilig, Albers wird sogar in Eheszenchen gezeigt, aber an seiner Kraft wagt ja heute kein echtes Zuschauerherz mehr zu zweifeln. Plan gibt dann einige tonlich schlechte Verwicklungen, die kleine Frau geht auch in das verruchte Lokal und Albers beginnt dann mit der Jagd, die uns in Spannung hält. Endlich, endlich wird einer erschossen, vorher einer ertränkt und niemand kennt sich aus: da erscheint Albers und siegt, wie es ihm zukommt. Charlotte Susa, die Spionin und Hochstaplerin des teutschen Films, spielt auch hier ihre Pflichtrolle mit der ihr eigenen Unbeweglichkeit, Harry Hardt, Diehl, Blaß und die Walter halten sich brav. Der Film war zwei Jahre verboten (warum, weiß wohl auch kein Zensor), man hat einige Szenen geschnitten und die Unverständlichkeit dadurch sozusagen verewigt. W. L. I schmackvoll zu zeichnen versteht. Gülstorf zeigt als Kommissar, daß er einer der großen Episodisten des Films ist und die Dammann gefällt besonders als alte Argentinierin mit Zigarre. Dialoge und Lieder sind so banal, wie es dem Produzentengeschmack entspricht und damit das werte Publikum etwas auf seine Kosten kommt, gibt es Bilder aus Nizza, die noch älter als der Film sind und hineingeschnitten wurden: man kauft heute schon Außenaufnahmen en gros, um die Produktion zu verbilligen. Der Spargeist spricht auch aus den Bauten, die T r a d n e t e u r", sranzü- und Unterhaltungsblatt, die denkbar besten HilsS- „Die verdächtigen Führer und Amtswalter der j roten Parteien wurden festgesetzt, die marxistischen Hetzblätter verboten... Kampflos sank der rote Meutererlappen, der die Gaunerzinken oder die Zeichen des Bolschewismus trug ... Die begonnene Reinigungsarbeit muß weitergeführt, alle zersetzenden, natlonalvolklichen Bestrebungen abholden Kräfte müssen entfernt werden." Das ist wohl eine deutliche Sprache. Das sind aber auch so schwere Beleidigungen, die einmal ihre entsprecherwe Beantwortung finden müssen. Was wir schon seit Jahren wußten und auch gelegentlich aufzeigten, daß die Deutsche Turnerschafl auch bei unS nichts andere- ist als eine reaktionäre Organisation, die jederzeit bereit ist, sich in den Dienst der Feinde der Arbeiterschaft zu stellen, wurde bisher von diesen Herren verleugnet. Mit völkischen und nationalen Phrasen bemäntelten sie ihre tvahre Gesinnung. Nun sind auch diese Mäntel gefallen. Offen bekennen sie sich zum FaseiSmus in Deutschland, dem Hausknechte der deutschen Reaktion, der dat Boll rechtlos macht. Die Stellung der Arbeiter- schäft zur deutschen Turnbewegung ist damit nun vollständig geklärt worden. Nun finden auch die-Herren der deutschbürger. lichen Turnerschafl ihre Sprache wieder. Sie brauchen nun mit ihrer wahren Gesinnung nicht mehr Versteck spielen. Sie bekennen sich wieder offen als eine Schutztruppe des Bürgertums. Der Sieg der Reaktion in Deutschland hat sie nun gar noch auS dem Häuschen gebracht. Ohne jedwede Hemmung lüsten sie ihre Maske und bekennen Farbe. Die offizieIe DerbandSzeitung des„Deutschen TurnverbandeS" in der Tschechoslowakei hat sich in der Folge 8, Jahrgang 14, vom 18. Lenzmond(März) 1933 offen hinter den FaseiSmus gestellt. Wir wollen sie selbst zu Worte kommen lasten. In dem Leitartikel mit der bezeichnenden Ueberschrift:„Deutschland ist erwacht!" sind folgende Stellen enthalten: „Frühling ist es geworden, Frühling im großen Garten Deutschland. Der Lenz hat die Geister wachgerufen und die Blüten deutschen Löbenneu sprießen lasten... Das marxistisch-jüdische Bonzentum von gestern wagte keinen Widerstand der mit diesem Tage beginnenden nationalen Revolution entgegenzusetzen: es zog sich in die private Schönheit seines Lebens zurück... Den Parieibuchbeamten mit ihren recht zweifelhaften Fachkenntnisten, aber um so gründlicherem Profit- wissen, die da in den Krankenkassen, GawerkschaftS- zentralen. Konsumvereinen uss. zum Schaden der Gesamtheit uns zum Nutzen marxistischer Gedankengänge ihr Unwesen trieben, wurde das Handwerk gelegt... Für uns völkische Turner, die wir seit Jahrzehnten im Kampfe für die völlische Erneuerung uitseres BolkStumeS stehen, ist dieser Sieg des völlischen Gedankens im Reiche ein doppelter und dreifacher Anlaß zur Freude und des Stolzes. Unsere Fahnen pes völlischen Gedankens, di« wir al» erste in den Kampf gegen Liberalismus und Judentum getragen haben, sind nun draußen in ganz Deutschland entrollt und wehen sieghaft im Winde... Der Sieg des völkischen lyedankens in Deutschland ist darum auch unser Sieg..." Das sind nur einige Blüten ans dem von Unwahrheiten, Gehässigke'ten und Liebedienerei gegenüber dem FaseiSmuS strotzenden Artikel, der nicht unterschrieben ist und somit b>- offizielle Meinung der Leitung darstellt. Noch kräftiger wird die Sprache in dem Artikel: „Schwarz. Weiß-Rot.' Auch diese lieber- schrisl ist sehr bezeichnend. Man ist ohne weiteres bereit, die bisher als heilige deutsche Fahne, als „heiligen Dreisarb" des deutschen Volkes bezeichnete Fahne Schwarz-Rot-Gold zu verraten und an deren Stelle die Farben der deutschen Monarchisten, der Reaktionäre und Krautjunker zu hissen. Wir lesen in diesem Artikel: vom 8. d. M. wurde des derzeitigen n chi erinnert und gleich, in den letzten z«yn wurde hervorgehoben, kmgeienvel. Mährische Landes-LebenS-Vrrstcheruug. Zn der Sitzung des BerwallungSraleS an das zehnjährige Zubiläum veränderten VerwaltungsrateS zeitig der E,vfolge der Anstalt Jahren gedacht. Mit Tank daß der Stand der Versicherten, die Einnahmen>m Versicherungsprämien und der Fonds sich in dieser Zeit verdoppelten. Zn dieser Sitzung wurde gleichzeitig der Rechnungsabschluß für das Jahr 1932 genehmigt, aus welchem nachfolgende wichtige Zahlen hervorgehen: Stand des BerstcherungSkapitalS rund 740 Millionen Ke. Prömienres rven nach Abzug der Anteile der Versicherten mit den übrigen Fanden rund 800 Millionen Ke. Einnahmen an Versicherungsprämien für das Jahr 1032:m.2 Millionen KJ, von denen aus eigenes Konto 20.3 Milionen entfallen. Einnahmen an Zinsen 10.6 Millionen KL Neberschutz für das Jahr 1032 1,123.213 Kd. An Kapitalsrückzahlungen und Renten wurden für das Jahr 1032 Ks 0.7 Millionen ausbezahlt. Ter Verkauf der BerfichernngSpolizzen betrug 4.8 Mil- lionen KL— In den Erholung-, und GenesungS- hc men waren im abgelaufenen Jahre 16.77 Besucher durch 32.888 Tage untergebracht Ter Neubau des MasarhkpavillottS in Tatra-Lomniee sieht seiner Vollendung entgegen. Für die Arbeitsanleihe wurde 1 Million KS gezeichnet. Ten UnierstützungS- ronden der Angestellten wurden 60.000 Kß gewid- ist. Für die Arbeitslosenfürsorge wnrden 20.000 KS für daS Jahr 1033 gespendet. 1041 In Trauersütten finden Sie, Gnädigste, sämtliche Trauerkleidung(Kleider, Mäntel, Kostüme, Blusen, Schöße) in der separaten Trauerabteilung der Firma Busch, Damen- und Kinder-Kleidung en gros& en detail, Prag, Pkikopy 27(Mitte des Grabens), Eingang im Hause, nur 1. Stock. Einzigartige Auswahl! Auch mittags geöffnet. 1939 Hotel-Pension Javer“ l Unser Blatt der„Sozialdemokrat“ ist in Prag in folgenden »erfchleitzstellen zn hoben: Bahnhofsbuchhandlung, Wilsonbahnhof, Masaryk- bahnhot, Denlsbahnhof. BartAk, Trafik, Präs II, Tyinov 3. Burok Hnro, Trafik. Prag I. Btaromestaki n4- mkntt 32. Hodrova, Trafik, Smtohov, nibt. logli 13. Jelinkova, Trafik. Nasis II.. Mostsi domy„Re- formy“. Kotyza Jan, Trafik, Smichov, ZborovskA tf. 11 Krausova A>, Trafik, Karlin, KrAlovskA 14. 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Büchergilde Gutenberg hat einen guten Griff getan. Auch die Ausstattung— Professor Karl Rössing Illustrierte das Werk— nennen. Sprachenpslcge.„L e sischcheuischeS Sprachlehr- daS dem Sprachbeflissenen dienste zu leisten vermag und bei seiner Vielseitig, keil auch recht unterhalisam ist, sei hier angelrgcni- Itchst empfohlen. Probeheft kostenlos durch den Verlag des Traductenr in La Ehanx«de-Fonds(Schweiz). ist wieder vorbildlich zn AnBlo-Elemenlar Versicherungs- Aktiengesellschaft in Wien Direktion für die& S. R. in Prag. General-Agentschaft Reichen bei g empfiehlt sich zum Abseblufi von Feuer-. Unfall-, Haftpflicht-, Einbruch-, Auto-, Trans port-, Pferde- und Viehversicherungen zn kulanten Preisen. er« Bargarantiemlttel in der ö. S. R. 66 Millionen Büros: Prag, Narodnf tf. 17. Reichen berg, Schützen g. Nr. 21 Brünn, Theatergasse Nr. 6, Die richtige Brille Optiker Deutsch Prag 11., Prlkopy, Palais Koruna Wenn die Liebe Mode macht. Nach Egers Theaterstück Asfenpelz wurde von Wenzler ein Tonfilm der UFA hcrgezaubert, mit dem die Herrn des Dritten Reiches recht zufrieden ein können. Das Theaterstück verlacht die Mode- diktatoren, die kurze Röcke verlangen, wenn sie an der Seidenstrumpffabrikation materiell interessiert ind und Assenpelze forcieren, weil eine gewisse Dame rhrem Liebsten daurch den Konkurs ersparen kann. In vielen Details wird ein zarter Anlauf zu gesunder Satire und richtigem Humor geboten, im ganzen verliert sich aber der Film in die gewohnte Linie, an deren Anfang das arme Mädchen und an deren Ende der Herr Ches steht, den zu gewinnen und sexuell zu erfreuen der offizielle Himmel des Proletariergeschicks in filmischer Darstellung ist. Alexander spielt und humort mit der unwiderstehlichen Renate Müller(der ersten und typischsten Privatsekretärin) um die liebe Wette. ES meckert noch Wallburg und rumort noch die Werbezirk(übrigens schlecht photographiert und tonlich unmöglich ausgenommen) Hilde Hilde- brand versucht einiges Lächeln und zwei Stunden Langeweile sind wieder einmal mit etwas Kostenaufwand erreicht. Vorher läuft— um dem Kanonenfabrikanten Hugenberg das Aroma seines UFA-Stan- dardS nicht zu zerstören— ein Film von den Ma- »övern der amerikanischen Pazifikflotte, der zeigt, wie aufrichtig die Abrüstnngsbestrebnngcn aufzufassen sind. Am nachfolgenden Film kann dann erkannt werden, wie heilig zu durch die Waffen zu schützenden Güter sind. Macht nach Nlua. ES gibt einen Roman, wie Lehmann, der Bar- hier, zum Detektiv wird. Im Film möchte Regisseur James Bauer recht gerne etwas modernen Figaro, geift in die Geschichte von den gestohlenen und nicht gestohlene» 1000 Mark bringen; das geht nun gar nicht mit einem Darsteller wie Fritz Fischer, der nur lieb auSsehen kann: hier wäre ein Thimig am Platze gewesen. Dagegen überrascht Georg Alex- i ander in der Rolle eines Filmtrottels, den er ge- uSacbet etttftu» Iaub-Itkaftibslliut: ffitlbelm Httkin- BrranmarUlchrr yteDalttuv®t. Emil et tank. Stag- Druck:.Sota- B.-8. tür Bettung. unt>«uchdtuck,«tag.— gür den Druck veranlwarNud. Cito oollt, — Du Boi'uugomatlrnitantatut wurde non»er Soll- 0. Icltgtapljrnatielilra aut tftlak Sie 18.tMMjvn.1980 dewm.gi.- Bezugsbedingungen: Bet Zustellung tnS Haus oder bei Bezug durch die Bost monatlich Ne 18.—. btertellädrltch NS 18—. IM 14,—, ganzittzrt, U WS.—»- 3M‘tau mass tast tai| SiSük dttlchnu. ost shma UaiMiadMi»«tsnachlag.- Hstülun, Ma H4»(lslMa erfolgt sus bst«Aeichung de,«ezouimartsa, statt die rauhen Proletarier des Meeres zu frommen Gläubigen zu machen, wird er unter Alkohol gesetzt und„geschanghait". Wie er wieder zu sich kommt, befindet er sich in einer engen und finsteren Schiffs- koj«, und der Eimer, auf dem er als Kohlentrimmer ongeheuert wurde, ohne e» zu wissen, schwimmt bereits auf hoher See. Um das Maß der Schrecken vollzumachen, ist das Schiss auch noch mit Kriegskonterband« unterwegs, unter neutraler Flagge, mit Kriegsmaterial für Frankreich. Der deulsche Spio- nagedienst ha! bereils von dieser Ladung Kenntnis, und nun darf das Schiff vier Fünftel seiner Reise friedlich und unbesorgt zurücklegen, um dann doch vor einem jäh austauchenden Periskop wie vom Donner gerührt stehenzubleiben. Unser katholischer Priester, jetzt in die graue Schale eines Schiffsarbeiters gesteckt, braucht eine ganze W«'!e, bis er begreift, daß die Welt der Tatsachen verteufelt anders aussieht als di« harmonisch« und von e'nem guten Gott betreute Welt des Glaubens und der religiösen Uebungen. Das Schiff wird torpediert, die Mannschaft muß in di« Rettungsboot«, und nun geht«S nm das nackte Leben. Unter höllisd-en Strapazen, dir ihr« Opfer fordern, hallen sich die Schiffbrüchigen, bis sie von einem holländischen Tamp'er aufgefischi werden. In einer holländischen Hafenstadt an Land gesetzt, bekommt Lutatin! di« letzte We'he: nach dem Besuch einiger Kneipen lande! er in einem Matroienbordell und wird nun über die gryl es NIverzieoseer|ammtu»„ etter Aewerk-chaitsversammiun^ C&er GenostenkchaftSversommiuna etter Wählerverfammlung CBC* Srauenversammlung. etter_ etter Versammlung oder Titzuna einet vraietariftben Oraaniiailon fallt jfir für die WMMMk ttNi mrenllvüe Werbearbeit eilt.