«t.I Siozewreis 70 Heller. Mnschllesslich 5 Heller Porto) Mtl• Dilniolta ai Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh.- 9t»attton n. DffWalluin: Drag n.^rMianla!»♦ Xclrpft.: 96703. 311A9.9ta<6ttt0alt.(oft 31 Ugt)i 33&S6>So*|««!onit:573M 13. Jahrgang. Dienstag, 11. April 1933 Rr 86. llohcnkreuzlerAbiuhr in WestDöhmcn. schwere Zusammenstöße im ralKenauer Gebiet Karlsbad, 10. April.(Eigenbericht.) In Lanz bei Falkenau hatte unser« Lokalorganisa» tion eine öffentlich« Versammlung argen den Fasei-muS anberaumt. Di« Hakenkreuzler besetz, ien schon zwei Stunden früher unter Drohungen gegen die Wirtin das Lokal und liehen dort nur die Saalmitte frei. Als später unser« Genossen einzogen, wurden sie von den Hakenkreuzlern von links und rechts überfallen. Ein alter Ge» nasse wurde dabei schwer verletzt. Das Blatt wendete sich sedoch sofort: Unser« Leute, vor allem die Falkenauer Ordner, griffen ein und warfen di« Hakenkreuzler sämtlich aus d«m Saal. Die Gendarmerie verbot die Versammlung; über Einschreiten des Genossen Katz wurde das Verbot wieder zurück» gezogen und die Versammlung konnte programmgemäss durchgesührt werden. Diese frechen Provokationen der.Hakenkreuzler haben im ganzen Kreispebiet unter der Arbeiterschaft ungeheuere Erregung hervorgerufen. In D o t t e r w i e s bei Ehodau hatten di« Hakenkreuzler für Samstag eine Versammlung einberusen. bei der sie eine Ortspartej gründen wollten. Sozialdemokratische und kommunistisch« Arbeiter erschienen in grosser Zahl; angesichts dieses Massenbesuches löste Gendarmerie die Versammlung vorzeitig auf und räumte das Lokal. Auf der Strass« kam es dann zu schweren Zu. sammenstösse«, bei denen es mehrere Verletzte gab. Di« Hakenkreuzler, di« dabei nicht gut abschnitte«. berichtigten den Genossen Ullman«, den Bezirksführer der Roten Wehr, als den Urheber und verbreiteten Drohung««, dass sie ihn auSdemBett hole« würden, wenn er nicht verhaftet würde. Daraufhin zogen di« Arbeiter Sonntag abends in Massen auf die Strass«, um jede hakenkreuzlerische Aktion zu verhindern. Unser« Vertrauensmänner hatten zu tun, um die ungeheuere Erregung der Massen wieder zu beschwichtigen. Die ganz« Nacht hielten die Arbeiter Bereitschaft. Wie wir i'vät nachts erfahren, ist Genosse Ullmann am Montag verhaftet und ins Bezirksgericht cingelicfert worden. Wessen er beschuldig: wird, ist noch nicht bekannt. EtnralkenaHtr Hakenkreuzler verholtet. Karlsbad, 10. April.(Eigenbericht.) Wie wenig sich die Hakenkreuzler an das angeblich bereits seit längerer Zeit bestehende und gestern im „Tag" ausgcwärmte Verbot jeder Verbindung mit reichsdcntschen Partcistellen halten, geht daraus hervor, dass Samstag nachmittags der national, sozialistiscke Stadtvertreter Hofmann in Falkenau verhaftet wurde. Bon ihm ist bekannt, dass er in der letzten Zeit wiederholt in Deutschland gewesen ist. Auf Grund einer bei ihm vorge» nommenen Hausdnrchsuchung, bei der belastendes Material vorgefunden wurde, ist Hofmann in Haft genommen und dem Kreisgericht in Eger überstellt worden. Was acht ha vor? Berlin, 8. April. Das gesamte Per so. nal der deutschen Noten-Drucke» reien ist fristlos entlassen worden, von dem durch die Hitlerpartei eingesetzten kommissa- rischen Betriebsrat wird erklärt, dass für die Neu. einstellung nur solche Leute in Frage kommen, di« minde stens zwei Jahre Mitglir- der der Nationalsozialisten find und eine Vertrauens-Bürgschaft von min- bestens drei geeigneten Nationalsozialisten vorzulegen imstande sind. Greuelhcrldit on Moll. Warschau, 9. April.(PAT.) Die polnischdeutsche Bereinigung in Warschau hat an den Reichskanzler Mols Hitler ein Telegramm folgenden Inhaltes gerichtet:„Der polnischen Minderheit in Obevschlesien angchörende Studenten wurden nach Breslau in das Braune HauS verschleppt, wo sie so lange geschlagen und misshandelt wurden, bis sie das Bewusstsein verloren. An den Missharrdlungen beteiligte sich ein Polizeibeamter. Wir bitten dringend, die Angelegenheit zu untersuchen und Vorkehrungen gegen andere derartige Angriff« zu treffen. Hitlers Bestien wüten. Monarchistenputsch auf kaltem Weg; Zusammenhang« auch, dass sich jetzt auch Goe. ring in Rom befindet und dass zweifellos Tollfuss dort auch mit ihm in Verbindung treten wird. Die Sozialdemokraten werden angesichts dieser ausserordentlich besorgniserregenden Umstände dl« sofortige Einberufung des HauptauS- lchuffes de« Rationalrates fordern und dort Auf« klarung über dieses ungewöhnliche vorgehen der Regierung verlangen. Schwarzgelbe liotpolizel in Oesterreich. 5000 Monarchisten ins Bundesheer! Wien, 10. April. In Oesterreich wurde heut« bekannt, dass dir Regierung Dollfuß sich ernstlich mit dem Plan tragt, die monarchistische Heimwebr Ztarhembergs zur offiziellen Hilsopolizei zu machen. Es wird davon gesprochen, dass vorläufig 5000 Manu Heimwehrleute bewaffnet und von BundeSheerossizirren als Hilsspolhei geschult werden sollen. Tatsächlich hat gestern bereit» in Tirol die Heimwehr ganz offiziell« Manöver abgehalten. 000 Heimwehrleute marschierten feldmäßig ausgerüstet mit Karabinern und Bajonetten,, Maschinengewehrabteilungen, ja sogar mit zwei Gebirgskanonen aus das Manöverseld, wo st« unter offizieller Teilnahme von Offizieren des Bnndesheeres, die als Berater fungierten, ihre Manöver abhielt««....... Kurz vor Blattschluß wird offizirll b«kanutgegeb«n, daß vom heutig«« Ministerrat tatsächlich bereits die Schaffung von„freiwilligen A s s i st r n z k ö r p r r u" zur Gewährleistung der Ruh« und Ordnung beschlossen wurde, die den bestehenden geeigneten Selbst- schutzverbänden entnommen werden sollen. Die Einführung wurde in der Form beschlossen, daß di« Heimwehr noch und nach direkt in da» Bundesheer eingesügt, dieses also um eine ausgesprochen mouarchi» stische Trupp« vergrößert werden soll. Bemerkenswert ist, daß nicht nur di« getarnt monarchistische Heimwehr, sondern auch die offen zum Habsburger-Monarchismus sich bekennenden Sturmscharen drü Justizministers Schußmgg und auch dir österreichisch«« Frontkämpfer, die ebenfalls offen schwarzgelb find, mit«inbezogen werden sollen. Dies« Vergrößerung des BnndeSheereü um derartig« Element« wird aller Voraussicht nach gegenwärtig noch gar nicht abzusehende außenpolitische Konsequenzen nach sich ziehen. Was ein« solche Maßnahme in Oesterreich bedeutet, ist vollkommen klar: Da die öfterreichisch« Heimwehr StarhembergS unverhüllt als s ch w a r z» a«l b« Monarch k- ftische Kampstrupp« auftritt und von Horthh-Ungaru ihre Befehl« empfangt, so ist die Einführung einer solchen HilsSpolizei nichts anderes als«in monarchistischer Staatsstreich von fett«» der Regierung selbst, di« damit den Funktionär«« Horthy« die bewaffnete Macht in Oesterreich in die. Hand« spielt. Dollfuß niest plötzlich nach Rom! I« den späten Abendstunden wird plötzlich bekannt, daß Bundeskanzler Dr. Dollfuß morgen früh per Flugzeug nach Rom fliegen wiro. Dies« Reise, die bi» zum letzte« Augenblick streng geheim gehalten worden ist, ist zweifellos von allergrösster aussenpolitischer Bedeutung. Sie scheint«ine Fortsetzung jener geheimen italienischen Verbindungen zu jein, di« Dollfuß anlässlich seiner ebenfalls geheim gehaltenen Meraner Reis« vor einiger Zeit ang«- knüpf, hat. Sehr bemerkenswert Ist in diesem Die Schuljugend wird national erzogen. In Dresden-Laubegast wurde ein KOjähriger Schullehrer von SA-Horden aus seiner Wohnung geholt und musste unter ständiger Bedrohung mit dem Gummiknüppel vor denAugen seinerSchülerdieStrasse scheuern. Die Kinder mußten auf Anordnung der SA den Lehrer ansPucken und ihm zurusen: „Guck das fette Marristenschwrin an, jetzt mutzer mit scheuern." Da» geschah, ohne daß die Polizei einschritt. 'Todesopfer der Hunnen. vor einiger Zeit war im sächsischen Konzentrationslager Hohen st ein(Sächsische Schweiz) die Lichtleitung unterbrochen worden. Daraufhin mussten samlich« Interniert« im Hemd aus dem Hof des Lagers antreten und ihnen wurde bedeutet, dass sie dortselbst so lange verbleiben müßten, bis sich derjenige gemeldet habe, der an der Unterbrechung der Lichtleitung schuld sei. Daraushin trat der Lehrer Schubert aus Lohmen(Sächsische Schweiz) vor und meldete sich, obwohl er nicht der Tater war, nur um seinen Mitgefangenen die Qual zu erleichtern. Schubert wurde nach Pirna ins Gefängnis ab- transportjert und unternahm dort einen Selbstmordversuch, indem er sich mit der Eßgabel in das Herz stach. Schubert ist dann an den Folgen der Verletzungen im Pirnaer Stadtkrankenhaus gestorben. Sein« Fra«, welche mit den beiden kleinen Kinhern noch zu Hause geblieben war, verübt« daraushin ebenfalls Selbstmord und li«ß di« beiden Kl n d e r z u r ü ck. Am 27. März wurde in einem Orte in Sachse« ein Gewerkschaftsfunktionär in seiner Woh nung überfallen und von ihm die Ablirserung einkassierter Gewerkschaftsgelder verlangt. Als er sich weigerte, wurde er von uniformierte» SA-Schur» ken mit Handschellen gefesselt und abgeführt. Nach einige« Tagen erfuhr seine Fra«, daß er schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht wurde und dort seinen Verletzungen erlegen sei. Er hinterlaßt eine Witwe mit fünf unversorgten Kindern. vor seiner Beerdigung, di« am 5. d. M. stattfand, haben die Angehörigen den Toten noch einmal im Leichenhaus gesehen, der Kopf war bis zur Unkenntlichkeit verstüm- melt. ES muß verstanden werden, daß wir keinerlei näher« Angaben über den Fall machen können, um nicht me Hinterbliebenen in Gefahr zu bringen. Oie Hunnen quälen ihre Opfer. Am 3. April wurde ein Genoffe überfallen und in daS von den Hunnen besetzt« LolkShau» geschleppt. Als er auf an ihn gerichtete Fragen nicht die gewünschten Antworten gab, wurde er nackt auSgezogen und ihm di« Haar« geschoren. Sodann wurde er wieder gefragt. Als er abermals nicht die gewünschte Antwort gab, wurde er über eine Kiste gelegt und sieben SA-Angehörige schlugen mit Fabrerpeitschen aus ihn«in. Dann wurde er wieder aufgerichtet und gefragt. Als er wiederum verneint«, wurde er abermals über die Kiste gelegt und weiter mit den Fahrerpeitschen geschlagen. Rach dieser Prozedur' wurde er weiterhin gekragt und die tierisch« Roheit wiederholt« sich ein drittes Mal. Dann wurde er entlassen. Ein anderer Arbeiter wurde derart mit Gummiknüppeln geschlagen, daß ihm die Kopfhaut platzt« und er«in« vchirnerschütterung davontrug. Achtung! Der Jiingiasclsmus wird getarnt Seit er ihn eine eitle Primadonna genannt hat, ist der nationalsozialistische„T a g" nun schon recht oft von Hitler abgefallen, um nachher lvieder zu ihm zurückzu- krhren. Und nicht der„Tag" allein timkreksl den Führer nach Planetenart, ihm bald die Stirn, bald die.Kehrseite weisend. Die ganze nationalsozialistische Partei in der Tschechoslo- wakei hat ihre Taktik gegen Hitler ans den plötzlichen Wechsel zwischen heisser Verehrung und kühler Verleugnung eingestellt. Zuletzt waren sie nach der Novembernicderlagc Hitler» von ihm abgerückl. Sein Machtantritt schien in tveite Ferne gerückt. Die NSDAP war finanziell bankrott und noch war nicht zn erkennen, wer das llnternchmen aufkaufen würde. In Deutschlmch regierte Schleicher, von den: auch die Fung mrd Krebs glaubten, dass er ihren Freund und Herrgott bändigen werde. Zugleich setzte in der Tschechoslowakei eine stärkere Verfolgung der Hakenkreuzler ein. Jung bedachte sich nicht lange. Ehe der Hahn — als welcher sich das Wappentier im Schilde der Nazi mehr und mehr zu erkennen gibt— wieder gekräht hatte, war Adolf von seinen Getreuen zum ziveitenmal verraten worden. Aber so wenig ein Hellseher vorausuisehcn vermag, wann ihn die.Kugeln seiner Femefreunde niederstrecken werden, so wenig vermag ein von Wotan erleuchteter Führer der NSDAP alle Wcndnngen vorausnnehen, die sich in der deutschen Politik durch GEes. der Funker, der Sckrwerindustriellen>rnd des Bankiers Schröder Fügung vollriehen. Eher als sie es gedacht, lvar Ildolk, der zu früh geschmähte, an der Macht. Nun galt es, mit raschem Schwung deni Lauf der Ereignisse nachznkomuien, und.Herr Fung kommandierte „Kehrt Euch!" Derrn Gott helfe ihm, e r kann auch anders.. Wochen irrsinniger Hitler-Bcgeisternng lolgtcn. Nicht nur, dass Presse und Pariei ganz in den Propagandadienst des Dritten Reichs traten, hatte rrran auch alle Beterrerun- gen arrs dem Dolkssport-Proress wieder vergessen und blies irrrdentistische Droh-Farrsa- ren. An der Grenz« verbrüderte nrmr sich mit den Ml-Banditen, als ob es jene nicht mehr geb«: die Blrrtsbrüder aus dem Reiche kamen herüber, um auch hier zu morden rrnd zr« prügeln, unsere Nazi aber gingen hinüber, um an Ort und Stesse den Arbeitevmord zrr erlernen. Dem antimarristischen Bürgertum gefiel es und die Nazi hatten Zulaus arrs allen Lagern der Reaktion.?lber der Arbeiterschaft bemächtigten sich Zorn und Verachtung geaenüber dem fascistischen Pack, das mit den Mördern jenseits der Grenze sympathisierte und offen auf die Herstellung ähnlicher Verhältnisse bei uns hinarbeitete. Die Nazi r.russten erkennen, dass ihnen alle Sympathierr des Bürgertunis nicht gegen die Kraff des Proletariats halfen, das sich fascistilche Provokationen nicht länger gefallen liess. War es den Nazis in Grottarr noch gelungen, ihren Terror gegen die Arbeiter spielen zu lassen, so bewies ihnen T r a u- tenan, dass di« Arbeiter mrs den deutschen Vorgängen gelernt haben und entschlossen sind, den fascistischen Terror in seiner Sünden Maienblüte mit Stumpf und Stil anszutil- gen. Aehnlichc Erfahrungen mussten die Herren in Karlsbad, in Schluckenap und endlich in einer Reihe Orte machen, wo sie es angesichts des Massenaufmarsches der Arbeiter»richt bis zu dem ursprünglich geplanten Zusammen- stotz kommen liessen. Die stürniischcn Zwischenfälle und der spontan zum Ausbruch kommende Ablvehr- wille der Proletarier bewiesen aber auch den Behörden, dass es jetzt nicht Zeit ist, die schützende HaNd über die Parteigänger Hitlers zu halten. Unter dem Eindruck unseccr Kundge- Selle s Dir«» tag, 11. JtyrTT ,1933 Nr. 86 bungen und ter Entschlossenheit der Arbeiter, auch gegen Hitlcrfreundc in den AintSswben ihr Recht zu wahren, begannen dir amtlichen Stellen den Nazis wieder schärfer auf die Finger zu sehen, die da allerhand Konter» bande auS dem Dritten Reich in IungS Lager nianipulierten. Feige, wie sie nun einmal sind, immer geneigt, ihren ManneSstolz einer opportun!» stischen Politik zu opfern, sind die Nazi ijber die Folgen ihres Tuns nicht gelinde erschrocken. Kurz entschlossen läßt Jung auf der ganzen Front zum Rückzug blasen und bedeutet dem schönen Kind in Berlin, ihn unter den Linden nicht mehr zu grüßen. Am 9. April erscheint im„Tag" ein Aufruf, der unter Berufung auf angebliche„Falschmeldungen" deS„Sozialdemokrat" über das Zusammenspiel der Fasci- sten diesseits und ienseits der Grenre, strengst« Legalität und Abkehr von den Brüdern im Dritten Reick) fordert. Alle„Parteigenossen" werden eindringlichst vor jedem Verkehr und jedem Gespräch nut anfleblichcm oder wirklichen Reichsdeutschen gctvarnt. Fung ruft sein Verbot in Erinnerung,„alle Beziehungen zu reich sdeutschen Partei st eilen und Parteigenossen zu mei- den", Zuwiderhandelnden wird der sofortige Ausschluß aus der Partei angedroht.(Daß diese Finte vorgesehen war, haben wir aber gerade in der zitierten„Falschmeldung" bereits gemeldet!). Fung tut ein übriges. Wie er seinerrcit, als seine Mannen in Turn aus einer Versammlung hinausgeworfen wurden, die sie hatten sprenaen wollen, die Weisung ansgab,«ns in Ruhe zu lassen,»veil wir„Rowdies" seien, mit denen ci)l sanftmütiger Hunne keinen Verkehr pflegen darf, so verbietet er nach den, Excmpcl von Trautemm, woselbst sich die Züchtigung des HunnenheereS ja unter den Augen des Königs Ebel selbst abgespielt bat, ein Verbot aller öffentlichen Versammlungen und Kundgebungen der DNDAP!„Bewahret kühles Blut!" ruft er denen zu, die darauf brennen, das Blut ihrer Mitmenschen zu verfließen, und als Trost gibt er di« Parole auS, die Nazi müßten zur stärksten sudetendeutschcn Partei werd«), um die s n d e t e n d e u t s ch« A u t o n o m i e zu erkämpfen. Daß es den Nazis nicht nm die sudetendeutsche Autonomie geht,' beweisen sie zwei Seiten weiter, wo der„Tag" gegen die „Greuelmärchen" zu Felde zieht und mangels Argumenten von der Sozialdemokratie redet als von den„total verwahrlosten Strolchen ... Diebs- und Plündererbande... Diebskonsortium... Lügnergeschmeiß... marxi- siischem Nwermenschentum.. Auch sonst atmet die Nazipresse aus allen Spalten den Pesthauch des MordfasciSwnS. Man wird dämm gut daran tun, die Frontschwenkung des Herrn Fung nüchtern und vorsichtig als das zu nehmen, was sie wirklich ist:«in Täuschungsmanöver. Der Jungfascis- mus soll zunächst noch„getarnt" werden, damit die Arbeiter in Sicherheit gewiegt, über di« Rüstungen und Llbsichten auch lrnserer Nazi getäuscht werden, damit um so hcm- MungSloser sich der Nationalsadismus im Reiche austoben kann. Wir kennen di« Melodie, deren Leitmotiv die berüchtigte„Legalität"^- FasciSuntS ist.„Legal bis zur letzten Galgensprosse" hat ein deutscher Nazihäuptling einst höhnend auSgerusen. Aber damit werden sie unS nicht bluffen! Wir werden an di« Legalität, Friedensliebe und demokratische Denkart der Fung- rartei erst glauben, wenn sie unS durch Jahve hindurch den Beweis liefern wird, daß sie jede Brücke zu Hitler abgebrochen hat,»venu sie aufhörcn wird, der Propaganda des Hunnenreichs zu dienen, aufhören wird, all das zu Am Sonntag wurde in Karlsbad-Fischern die 3. pädagogisch« Woche der Reichsvereinigung deutscher sozialdemokratischer Lehrer vom Vorsitzenden der Neick'svercinianng, Gen. Josef Hu dl, eröffnet. Er begrüßte insbesondere den Vortragenden, Univ.-Prof. Dr. B. B i d S o v s k y, Chef der Nekormkommission im Schulminist«rium in Prag, und dankte allen Karlsbader Lehrer» genosien. besonders dem Leiter des Ortsausschusses, Gen. Fachlehrer Emil Rohm, für die Vorarbeiten zur vädagogischen Woche. Gen. D u d l führte auS, daß di« sozialdemokratische Lehrerschaft in den vergangenen Monaten nichts unversucht gelassen hat, um di« Gehaltskürzung für die Lebrer und StaatSang«» stellten zu verhindern. Die Lehrerschaft kann und darf der Parole„Einstellung jeder Fortbildung" nicht folgen. DaS ist keine Waffe für, sondern gegen sie, und wir können sagen, daß wir mit der Veranstaltung der pädaaogiscken Woche richtig gehandelt haben Die Lehrerschaft hat außer Geld noch«in höheres Gut zu verlieren, ihr Höch st eS Gut, die Freiheit. !Zie zu verteidigen ist unsere wichtig st e Aufgabe. Wir sehen drei große Aufgaben für di« Lehrerschaft: di« Arbeit für den Frieden, di« Arbeit für den Fortschritt, den Kamps für di« Freiheit. AlS erster Vortragender der Pädagogischen Woche sprach Univ.-Pros. Dr. Bohumil Bid- 1 o v s k y über Voraussetzungen und Ziele der tsdiediosiowaklsdien Schulreform. Er führte u. a. auS: Nach dem Weltkriege war man bemüht, di« politische Neuordnung durch Neuerung«» aus kulturellem Gebiete zu stützen.- Der Grundgedanke unserer Schulreform ist gemäß der politisch«» Verfassung dar Prinzip du Demokratie, das in konsequenter Durchführung zur Sozialisierung der Bildung führt. In der Schule sollte sich die Fortschrittlichkeit deS Volkes konzentrieren. Nur im Rahnien der Demokratie ist«ine freiheitliche Erziehung möglich. Ter refornib:dürfligste Schultypus ist die Mittelschule. Die psychologischen Tatsachen führen konsequent zur Organisierung eine- einheitlichen Unterbaue», auf dem eine mehrfach differenzierte Oberstufe ruht. Der Redner befaßt sich dann mit den 4 Mi telschultypen, die wciterbestehen bleiben. Er unterstreicht di« besonders glückliche Gestaltung des Reformreal- tnin und zu sagen, waS mm einmal ihr Le- benSelement»st. Di«^ FriodcnSschalnrcien deS Herrn Karg und die Rückzugsfanfaren deS Jung werden keinen sudetendeutschen Arbeiter in seiner Ueberzeugung tvankend machen, daß sein Todfeitkd im Lager der Nationalsozialisten steht und daß wir der Hunnenherrsachft nur entgehen können, wenn wir rechtzeitig und rücksichtslos all« Kräfte gegen den FakciS- mus vewiuen, ob er uns mit offenem Visier oder goivrnt entgegentritt! ghmnasiumt, in d«m er den IdealtypuS der Provinzmittelschule steht. Hinsichtlich didaktischer Reformen behandelt er di« ausschlaggebenden Gesichtspunkte der neuen Lehrpläne für Volks-, Bürger und Mittelschulen. Der Lehrer soll in methodischer Hinsicht frei sein, doch werden die Methoden der Arbeitsschule warm befürwortet. Uebertrirbener Historismus wird bekämpft. An der Dörerfchen Reform ist der Uebergang von d«r Bürgerschule zur Mittelschule leicht gemach!. Mr können von einem Sstufig en ein« heitlichen Unterbau für dir Obermittclschule sprechen, mit der Einschränkung hinsichtlich deS Fremdsprachen- unterricht«» in der 3. und 4. Stufe. Die Fachschulen sind In behänd ger Fühlung mit dem Praktischen Leben und schöpfen aus ihm Re- formanrcgungen. Di« kürzlich ring'führten Lehrpläne bewähren sich. Man legt großen Nachdruck auf d!« Reihenfolge: Volksschule, Bürgerschule, Fachschule. Bon noch größerer praktischer Wichtigkeit ist der Aufbau: Volksschule, Bürgerschule, Fortbildungsschule. Besondere Be« deutung unter den Problemen hat hier daS der Erziehung zum sozialen Menschen. Auch die Hochtchkulen haben ihr Reform- Probleme. DaS BercchtigungSwescn der Mittellchul- absolventen muß liberaler gestaltet werden. Auch an d'escn Schulen ist übermäßiger Historismus zu bekämpfen. Ein zentrales Problem ist daS der Lehrerbildung. ES wird allgemein rmpkunden, daß di« Lehrerbildungsanstalten den Anforderungen unserer Zeit nicht mehr genügen» entsprechen. Di« von diesen Schulen zu lösende Doppelaufgab«, zugleich allgemein« und Fachbkdung zu vermitteln, soll so getrennt werden, daß die allgemein« Bildung an «iner Mittelschule zu erwerben sei, die Fachbildung an«iner pädagogisch.'» Akademie mit Hochschul- chataktrr. Um dejenigen Volksschichten, aus denen sich die Schüler der Lehrerbildungsanstalten rekrutieren, a'cht zu schäbigen, ist auf rin« weitere Ausgestaltung des Uebergangeü von der Bürgerschule auf die Mittelschule hinzuarbeiten. Soll die Schule dauernd zu«'»er echt deino- kratischen Einrichtung werden, so muß st« sich dem L'ben nicht ruckweise, sondern fließend anpassen nnd NeuerungSgkdanken müssen weniger von den Behörden auSgehen, als aut der gemeinschaftlichen Arbeit aller fortschrittlich gesinnten Lehrer empor« wachs:».(Starker Beifall.) Die anschließende kurz« Debatte beschäftigt« sich besonder- mit der Wertung d«S Lateinunter, richte- und mit der Bedeutung und Sicherung der Bürgerschule. E. R. Die Haltung der deutschen Sozialdemokratie. „Pravo Lidu" und„8c Populaire" darüber. Im gestrigen„Pravo Lidu" beschäftigt sich Genosse Abgeordneter Leo Winter mit dem Verhältnis zwischen der Sozialistischen Arbeiter- International« und der deutschen Sozialdemokra- tk«. Er schreibt u. a.r Ueber die Politik der deutschen Sozialdemokratie wurde in den Kreisen der Sozialistischen Internationale schon oft verhandelt. Die einzelnen Mitglieder der führenden Organe der Internationale haben nicht mit der Ansicht zurückgehalten, daß diese Taktik der deutschen Genossen nicht den gewünschten Zweck haben wird; aber alle verstanden diese Politik der Partei, welche ständig mit dem Kommunismus schwer kämpfen mußte und die mit den Gewerkschaftsorganisationen zusammenarbeitete, deren Tätigkeit gelähmt war durch die lech« Mil< lionen arbeitsloser Arbeiter, von denen viele schon jahrelang nicht beschäftigt gewesen sind. DaS Verständnis für die Politik der deutschen Sozialdemokratie ist aber vollständig verschwunden, als Hindenburg Papen zur Regierung berief, der die preußische Regierung abseyte und den Ministern den Zutritt inS Amt untersagte Deutschand hat diesen Putsch ruhig ertragen. In der Sitzung der Exekutive der Internationale haben die deutschen Vertreter den Stand der Dinge erläutert. Die Gc- werkschaft-organisationen hatten sich gegen den Generalstreik ausgesprochen, der erwartet worden war. Sie haben nicht gewogt einen Kampf zu riskieren, in dem sich auf die Seite der Regierungsmacht die Hitlrrianrr gestellt hätten, welche auf den Zusammenstoß der bewaffneten Macht mit der Sozialdemokratie warteten. Die Gewerkschaftler fürchteten, daß die Arbeiterschaft in diesem Bürgerkrieg unter- liegen wird. Deswegen hat sich die Partei mit einer Beschwerde an den StaatSgerichtShos zufrieden gegeben. Die tschechische Kritik kritisiert sehr scharf, daß die deutsche Sozialdeniokratie Hitler kampflos Platz gemacht hat. Nur die Art der Kritik ist verschieden, je nachdem eS sich um eine sozialistische oder bürgerliche Kritik handelt. Eine objektive Kritik darf jedoch nie vergessen, in welcher Situation die deutsche So- zialdenrokratie gearbeitet und gelebt hat. Die deutsche Sozialdemokratie hat seil dem Umsturz aus einer verlorenen Warte gekämpft. Sie hat eine Republik geschaffen, in der eS keine Republikaner gab. Sie hot im Namen des Reiches den Friedensvertrag unterschrieben, den sie erfüllen wollte, aber gegen den Willen der ganzen Nation. Der Schwerindustrie und den Großgrundbesitzern hat eS nicht viel Arbeit gegeben, um die deutsche Bourgeoisie zu überzeugen, daß der wirtschaftliche Verfall Deutschland- durch dir Friedensverträge verschuldet wurde, sie hat auf ihre Seite die arbeitslose Fugend der ruinierten Mittelschichten gebracht, die in den Kreisen der arbeitslosen Arbeiter angelten und als Schuldigen dir Sozialdemokratie darstellten, die die Friedensverträge unterschrieben hat... Nirgendwo auf der Welt hatte auch die Sozialdemokratie mit den Angriffen der Kommunisten soviel zu tun, wie in Deutschland. Moskau sagte sein« deutsche Sektion zu unbegreiflichen Angriklen gegen dir Partei noch in der Zeit, da jeder wußte, wobin die Dinge in Deutschland treiben und wie durch di» Ereignisse vor allem die kommunistische Arbeiterschaft getroffen werden wird. * Im„Populaire", dem Organ der französischen Genossen, schreibt Leon Blum: Ich will über die gegenwärtige Haltung der deutschen Sozialdemokratie-nur mit der größten Rücksicht sprechen. Aber man kann sogen, daß der vle pädagogische wodic In Karlsbad. ErOllnung— Vortrag Vnlv. Pro!. Dr. DohumU DldZovskgs. 25 Nachdruck verboten. UND DAS 20. JAHRHUNDERT Roman von Rudolf Brunngraber Copjrrlgth bjr Sod.llt.-V.rbg, Frankfurt am Main UM Ende Oktober wuchs der Druck des Gegners. Am 31. wurde Kari als Beobachter in den Kirch- turnr von Turzepi kommandiert. Diese Kirchtürme waren oesonders dann der Beschießung aus allen Kalibern ausgesetzt, wenn sie eine Rote» Kreuz-Fahn« trugen. Hier kam noch hinzu, daß die cholcrakrankcn Dörfler unter die schirmende Flagge gekrochen waren und die Kirche und die Treppenabsätze besetzt hielten. An diesem Morgen griff Kari, ehe er mit seinen Instrumenten den Turm hinaufstieg, zum erstenmal zum Alkohol. Zur gleichen Stunde brach der Großfürst Nikolai Nikolaijewitsch mit 30 Armeekorps int Raum zwischen Warschau und Jvangorod vor, WaS die Osfrnsivarmcen neuerdings zum Rückzug auf die schlesische Grenze zwang. Es dauert« bis zum Abend, bis sich die Aufrollung der Front tnt Iaroslaucr Abschnitt auswirkte. Nun wußte Karl zwar, daß ein« Granate, selbst wenn sie den Turm durchschlug, und das gesck)ah zweimal, nicht unbedingt Folgen haben mußte: allein vom Mittag an legten cs die Russen darauf an, den Turm durch die Zerstörung der Kirche niedcrzulegen. Sie rissen auch zwei Mauern ein, unter den Cholerakranken eine gräßliche Metzelei anrichtend. Dennoch versah Karl noch seinen Dienst, als von einer Sicht keine Rede mehr war. Er erfüllte seine Pflicht sozusagen über jede Eventualität hinaus, und um so peinlicher, je mehr ihn daS dliiche Entsetzen schüttelte und je verächtlicher er sich vorkam. Abends dann, als er wieder Herabstieg, tat er eS allerdings in einer Abgespanntbeit, in der ihm selbst die Cholera gleichaültig tvar. Er trat, ohne aus das warnende Kalkkreuz neben der Tür zu achten, in«in Haus und wärmte an einem Herd, über dem eine Million Fliegen summten, eine Gulaschkonserve. Ehe er sich jedoch auf daS Stroh hinsallen lassen konnte, wurde er von einem Gefreiten auS seiner Willenlosigkeit herauSgcschrien. Diesmal wurde die Division nur bis Tarnow zurückgenommen. Karl erhielt bei einer grauhaarigen jüdischen Dam« Quartier und erlebt« ein paar farblose Tage, die um so ungewisser waren, als vom Bahnhof fortwährend Truppen abgingcn. Dann stand bei der Heeresleitung fest, daß sie auch Tarnow PreiSgab. Der Entschluß mußte ihr reichlich spät gekommen sein, denn der Division stand keine Zugsgarnitur mehr zur Verfügung. Sie mußte auf eigene Faust und in Gewaltmärschen Krakau zu erreichen suchen. Wie sehr Eile nottat, bewies eine Kosakenpatrouille, di« sie am ersten Tag Plötzlich vor sich auf der Straße hatte. Der Wettlauf mit dem her- anwälzenden feindlichen Heer über die Berge von Gdow dairerte fünf Tage. Am Abend deS fünften Tages wurde die Division in Krakau erstaunt ausgenommen, man hatte sie bereits gefangen gegeben. Wenn Karl aber gehofft hatte, sie würden nitn einige Tage verschnaufen können, dann hatte er die Rechnung ohne Rußland gemacht. Die Batterie wurde in der bereits bedrohten Festung sofort als mobile Gcschühreserve verwendet. Daheißt, sie wurde bei Ausfällen, am äußeren Gürtel und wo immer der Feind nun anronnt«, eingesetzt. Bei Michalowic« erlebte Karl eS zum ersten Male, WaS es hieß, ohne jede Deckung auf verschneitem Felde aufzufahren. Bei Wieliczka machte er als Beobachter 38 Stunden im vereisten Schützengraben Dienst und legte sich dann, weil ihm der Weg ins Quartier zu weit war, in ein Bauernhaus zu einer Schar anderer, die sich am nächsten Tag als Tote erwiesen. Und bei Prnsh, wo eine Landsturmdivision unter dem Maschineitgewehrseuer sofort wieder in den Gra ben zurückwich, hörte Karl einen General sagen: sie wollen heute nicht atcheißen. Aber daß der Krieg nichts weiter als«in gigantisch trostloses .Handwerk war, wußte Karl schon seit Grodek. Dennoch hielt er selbst hier, in Krakau, die Ide«, die er hinter diesem-Handwerk sah, aufrecht. Um di« Bevölkerung in widerstandsfähiger Stimmung Si erhalten, wurde in der Stadt der Betrieb aller ergnügungSetablisscmentS weitergeführt. Somit ergab«S sich öfters, daß die Batterie, aus einem Feuer in das andere marschierend, den Korso und und dir KonzertcaföS Passieren imißtc. Karl sagte sich, daß diese Gegensätze unvermeidlich seien. Er empfand das zwar nicht so, wie er auch nicht glaubte, daß man in Karchago gleichfalls getanzt hätte, allein er hatte eine zu hohe Achtung vor der Gesamtheit der Ding«, in denen er stano, als daß er nicht jede Tcilerscheinniig mit in Kauf geiwmmen hätte.' Die Führetldc» wieder waren aus taktischen Gründen dafür, di« Zivilbevölkerung bei guter Stimmung zu erhalten. Die Zuversicht deS Hinterlandes bedeutete eine Reserve gegenüber dem Zeitpunkt, an dem die Katastrophe ruchbar werden würde. Denn die Führenden wußten bereits, daß dieser Krieg keitie forsche.Kavalkade, sondern ein Existenzkampf war. 1988 und 1909, sagte der Generalstabschef Conrad von Hötzcnoorf. wäre eS ein Spiel mit aufgelegten.Karten gewesen. 1912 und 1913 noch eins mit Chancen, jetzt ist eS«in Vabanquespiel. Tatsächlich ließ der Umstand, daß auch nicht einer der vielen Gegner im ersten Ansturm hatte geschlagen werden können, die Lage als verztveifelt erscheinen. Die Fronten waren nach enormen Dauerschlachten-- bei Com» picgn« und bei Reim-, an der Mer und bei Ppern, in den Karpathen und an der Drina— zum Stehen gekommen. Damit waren die Mittelmächte eine belagerte Festung geworden und der Vorteil tvar auf die Gegner übergegangen Tenn in dem blockierten Mitteleuropa mußte— das hatte immer fcstgcftanden— schon im zweiten Erntejahre nicht nur Mangel an Lebensmitteln, sondern auch an Metallen, Wcbstoffcn, Gummi und Chemikalien eintreten. Zwar hatte sich am 12. November die Türkeit den Zcntralmächten angeschloffen und daS bedeutete mehr als einen Trost für daS verlorene Tsingtau, das in der gleichen Woche den Japanern hatte übergeben werden müssen, doch blieb diese Hilsc, so lange eine unmittelbare Verbindung nicht hergestellt >var, ohne besondere Wirkung. Borläusig tvurdc damit dieser Krieg, der schon im Indischen Ozean wie in den Chilenischen Gcwäffcrn, in Ostasien wie in Südafrika tobte, lediglich auch in Kaukasien, Mesopotamien und Aegypten entzündet. Die Kabinette arbeiteten fieberhaft, den Kreis der Vernichtung zu schließen: die Alliierten vornehm- lich in Rom und Bukarest, di« Verbündeten in Sofia. Und in den Bereinigten Staate», in denen die Zahl der Millionäre im ersten KricgSjahr aus 6600 gestiegen war, arbeitete jeder fünfte Arbeiter an KriegSgegenständen. Zudem becinflußten 26 große Zeitungen, die von England unterhalten wilidcn, die öffentliche Meimtng für den Eintritt Amerikas in die Ententefront. DaS war für die Mittelmächte um so besorgniserregender, als der Nirtersrekrieg, mit dem nun auch sie ihre Gegner zu blockieren suchten, der amerikanischen Kriegspartei, Banlleuten, Industriellen und Romantikern, die Vorwände dafür schaffen mußte. Vor allem aber war mit der Gegnerschaft Italiens zu rechnen. Der aus feiner Partei auSgestoßenc Sozialdemokrat Muffolini hatte schnell seinen Standpunkt der„absoluten Neutralität";»t dem der„Interventionisten" gemacht und die von ihm begründeten Fasci di azione rivoluzionaria durch dröhnten die Straßen Mailands urcd Roms mit ihrem: Abasso l'Austria e la Germania con la Trrrchia in compagnia. Und die österreichisch-ungarischen Heere, in Serbien geschlagen und von der russischen Uebcrmacht streckenweise bis an die Ungarische Tiefebene rurückgrdrängt, waren bereits im Kern getroffen. ^Fortsetzung solgt.) Nr. 80 Dienstag, 11. April 1938 Seil« 8 Gedanke, der gegenwärtig ihr Handeln zu beherrschen scheint, darin besteht, iin Ausmaß des Möglichen inmitten der faseiftischcn Tyrannei die Möglichkeit der Organisation und di« Fähigkeit zur Propaganda zu bewahren. Um dieses wahrscheinlich unlösbare Problem so gut oder so schlecht e« eben geht, zu lösen, bemüht sie sich, ihr Los von dem der Kommunisten zu trennen: das ist der Grund, warum unter allen Beschlüssen der internationalen Tagungen von Zürich und Parts der Beschluß, den Vorschlag an die Kommunistische International« aufrcchtzuerhal- ten, ihr vielleicht al« der untragbarste erschien. Sie bemüht sich zugleich und zu dem gleichen Zweck, die allgemeine Weile der Empörung, die der nationalsozialistische Terror hervorgerufen hat, zwar nicht aufzuhalten, aber doch sich von der Verantwortung dafür loszulösen und sestzustellen, daß sie diese Empörung weder veranlaßt hat, noch an ihr beteiligt ist. ES wäre Anmaßung und Härte, wollten wir einsach ein BerdammungSnr'.eil über ein« Taltil fällen, von der wir vielleicht doch einzelne Gründe oder einzelne Umstände nicht kennen und die wir nur von außen als Zuschauer, nicht als unbeteilig:«, gewiß, aber doch als unbelrossen« Zuschauer, benr- teilen können. Die Zukunst und vielleicht eine sehr nahe Zukunft wird entscheiden, ob di« deutsche Sozialdemokratie die Interessen der deutschen Arbeiter gut oder schlecht wahrgenommen hat, ob der triumphierend« Hitler-FasciSmut der deutsch«» Partei oder den Gewerkschaft«» auch nur«in Stückchen Unabhängigkeit lassen wird oder nicht, ob die Masse» der deutsche» Arbeiter die vorsichtige Erwengun- gen ihrer Führer verstehen«erden oder nicht und ob schließlich nicht eine Art moralischen Verfalls zur physischen Vernichtung hinzutreie» wird. Darüber, ich wiederhole eS, wird die geschichtliche Prüfung entscheiden. Sicher ist sedoch, daß es den übrigen sozialistischeu Parteien und der International« unmöglich, absolut unmöglich ist, sich auf denselben Standpunkt zu st elfen und solche Leitlinien des Handeln« anzunehmen. Die„Dohcmta“ in Bedrängnis! Den Faselsten zu wenig blutig, den Demokraten z« saseistischl WaS die seit Wochen vom edlen Kopf des Herrn Bacher bis zu den Füßen de« Herrn WestelSki total braunbehemdete ,^Bohemia" auf dem Boden der demokratischen Republik ausführ«, kann man schon lange nicht mehr einen Eiertanz nennen. Da« ist vielmehr der JrrsinnStanz einer„Politiker-Gruppe, die weiß, daß man nicht den Herr«« Hitler, Goering und Goebbels tn den Hintern kriechen und gleichzeitig von der freien Luft reden kann; das ist das Gewinsel, Gestöhne und Geschmuse von Geschäftemachern, die gleichzeitig dem„Tag" den Ra n g ablausen und demokratisches Publikationsorgan weiterspielen möchten; die jedes antisemitische Wort auS„Führ«r"-Munde getreulich kolportieren und doch den bürgerlichen Juden einreden möchten, daß die„Bohcmia"— was ja auch einst wengehend stimmte— ihresgleichen sei. Und so kommt cs, daß in der Sonntagsnummcr .Herr G. P.— der deutschdemokratischc Abgeordnete Dr. Peters— seinen Leitartikel mit der Verherrlichung der Zustände beginnt, die durch Deutschland geschaffen wurden, und nrit der Hoffnung schließt, daß die Demokratie in der Tschechoslowakei nur ja nicht verloren gehe. Und dann rückt, zu einem zweiten Artikel, der von uns hoch- geschätzte Herr F. B., also der Abgeordnete Dr. Bacher, aus, um Herrn Hitler den guten Rat zu geben, er solle nur ja den„neuen Wall" um Deutschland nicht allzu hoch werden lassen. Weil aber solchen Lehren die hakenkreuzlcrischen Lehrer, Beamten und Hausbesitzer, zu dcncu die ,^8o- hemia" paßt, davonlaufen wurden, weil sie den Herrn Bacher als Juden boykottieren würden, wenn er ihnen, so wie er cs tut, nur sagte, daß die R c d e n der Hitler, Goering, Goebbels und Konsorten„viel Wasser ans die Mühlen der Gegner Deutschlands" liefern, veröffentlicht die„Bo- hemia" gleich neben diesem Erguß Bachers wieder wörtlich die l c h t e R e d c, die Samstag aus dem Berliner Obcrbraun- hemd drang. Und so glaubt die„Boheniia" Politik machen und ihre Leser erhalten zu können! Für die Fasci- sten Hitler-Begeisterung, für die Demokraten demokratische Wünsche hierzulande! Für die Antisemiten Goebbels Reden, sür die Juden deutschdemokratische Resolutionen! Den tvildgewordv- ncn deutschböhmischen Spießern will sie den „Tag" ersetzen, den kopfscheu gewordenen Juden das„Prager Tagblatt". Und während sic so hin und her jongliert, kriegt sie von den Boll- fascisten jeden Tag eins über den Kopf, während die Füße auf dem demokratischen Boden ins Gleiten kommen. Wir silld nicht dazu da, u«n der„Bohemia" Ratschläge zu geben, um so weniger, als der Fall für die Demokraten zumindest bis zu den nächsten Wahlen im Lande, wo dann die„Boheniia" sich wieder an die Prager Inden wenden wird, ziemlich hoffnungslos steht. Aber wir können Voraussagen, daß solche doppelzüngige Politik auf jeden Fall letal enden muß. Da die„Bohemia" aber den Strich zwischen sich und der demokratischen Partei, die sie zu vertreten hätte, niemals wird ziehen können, bliebe ihr nur übrig, die demokratische Lehre aus den Verrenkungen ihres Eiertanzes zu ziehen, die Konkurrenz mit dem„Tag" und das Geschäft mit dem Hakenkreuz aufzugcben und sich auf einen anständige» Tod zusammen mit dem letzten Fähnlein aufrech. ter deutschbürgerlichcr Demokraten einzurichten! mit Haid Kathreiner' Rnschm,nnt rin wenig Gebe juberetten und prowfltn— da» sagt Dir mehr al» tausend Worte/ Erneuter scharfer Konflikt zwischen„Stahlhelm* und Nationalsozialisten. Berlin, 9. April. In einer Rede erklärte der ReichSarbeitüminister S e l d t c, der Führer des „Stahlhelm", daß der..Stahlhelm" sich keineswegs nur als Anhängsel der nationalen Revolution zu betrachten gelvillt sei. Wenn gewisse Ereignisse sich wiederholen sollten, dann werde es Vorkommen, daß„Gewalt mit Gewalt beantworte!" wird. Jni übrigen werde der„Stahlhelm" die Rcichsregierung u n t c r st ü h c n, aber nur so lange als er, Seldtc, dieser Regierung angehört. Zn dieser sensationellen Rede, die ein bezeichnendes Licht auf das Verhältnis der beiden RegierungSpartncr wirft, erfahren wir von unterrichteter Seite folgendes: mit den„gewissen" Ereignissen hat Herr Seldtc die bekannte«« Konflikte zwischen dein„Stahlhelm" und den Nationalsozialisten in Braunschweig, in der Pfalz, in Thüringen, in Köln ni'w. im Auge; dort sind die Beauftragten und Beamten de-„Stahlhelm" teils abgeieht, teils entwaffnet und verhaftet «vorden. Erst dem Eingreifen des Vizekanzlers von Pape», der wiederum den Reichspräsidenten voi« Hindenburg, den Ehrenvorsitzenden des „Stahlhelm" eingeschaltet hat, gelang es damals, oie Zwischenfalle bcizulcgcn. Inzwischen haben sich die Gegensätze«veiter gesteigert. Da» ergibt sich nicht zuletzt aus einer Rede, die heute vor den Berliner Betriebszellen der Hitlerpartei der Reich-Minister Goering gehalten hat, und die osfentlichtlich als A n t» Wort an die Adresse des„Stahlhelm" und der Huacnbcrgparteige. münzt ist. In dieser Rede fordert Herr Goering unter anderem, man müsse endlich aufhören, von einer„nurnationalen" Revolution zu sprechen; di« Revolution sei vielmehr ein« nationalsozialistisch« gewesen und müsse e» bleiben. Dafür werde er, Goering, zu Morgen wissen. Diese Redewendung Goering» wird in eingeweih- tei« Kreisen als eine einzige Kampfansage an Hltgenberg, v. Papen, Seldte und alle nichtnation al soziali st i- schen Mitglieder der Rcichsregierung gewertet und als Zeichen dafür, daß Hitler- Goering die Zeit für gekommen erachten, den Kampf»in die Errichtung ihrer Alleinherrschaft zu eröffnen. Welche.Haltung in dieser entscheidenden Phase des Ringens der Reichspräsident und— vor allem— die ReichÄvehr cinnchmen werden und welch« ökonomischen Kräfte etwa Herr Hugenberg gegen die Nationalsozialisten wird mobilisieren können, bleibt abzuwarten. Riistangsinternalionalc blOM! Industrie Belebung bet uns und In rranhretdi. Pilsen. I« den Pilsner Skoda- Werken sind gegenwärtig gegen 6999 Personen beschäftigt und eü verlautet, daß in der nächsten Zeit alle beurlaubten Arbeiter wieder zur Arbeit berufe« werden sollen, so daß damit gerechnet werde« kau«, daß zirka 8999 bis 9999 Arbeiter Beschäftigung erhalte«. ES kann auch sein, daß außer den beurlaubten auch bereit» entlassen« Arbeiter wieder ausgenommen werden, da größere Auftrag« einliefen. Unter anderem soll Polen ein« Bestellung um 289 Millionen Krone« gemacht haben, «in StaatSaustrag der Tschechoslowakei soll auch gegeben worde« sein und ferner solle» auch zwei andere Staaten größer« Aufträge erteilt haben. Ju der Maschinenfabrik sollen zirka 2999 Arbeiter beschäftigt werd««, wodurch im sonstigen Hüttenbrtrieb noch Weller« 1999 Mensche« Beschäftigung erhalten dürsten. In der K a n o n e u- .und Munitionsabteilung herrscht bc- frell» voller Betrieb. Pari».(Insa.) Die„Usine", daS Organ der französischen Schwerindustrie, weiß von einer Belebung der Hüttenindustrien und des Maschinenbaus zu berichten, und zwar ist dies« Bclebimg fast ausschließlich auf Kriegslieferungen zu- rückzusühren. An solchen Kriegsanfträgen wurden bestellt: bedeutende Mengen von Traktoren bei der Automobilindnstrie, anderthalb Millionen Röhren zur Verarbeitung als Rückstoßdämpfer, 259.990 Verschlüsse für Munitionskisten, Pulverbehälter für di« Artillerie. Franltreidis Memorandum flherreidil. Gegen ein Direktorium der GroOmüdite. Paris, 10. April. Im heutigen Ministerrat wurde H e r r i o t als Vertreter Frankreichs bei Washingtoner Verhandlungen bestätigt. Ter Mi- uisterrat billigte dann den endgültigen Text des französischen Memorandums;nm Biere rpakt. DaS Dokument ist den französischen Botschaftern in London und Rom sofort übermittelt worden, die es mn Nachmittag den Regierungen überreichten. Ter Text ist begleitet von einem Schreiben, das den Standpunkt der französischen Regierung ausführlicher darlegt. Die französische Regierung ist überzeugt, daß die Zusainmenarbeit der vier lvesteuropäischeu Mächte, die dem Bölkevbundsrat als ständige Mitglieder angehören und die die Signatarmächte des Locarno-Abkommons sind, sehr nützlich und fruchtbar sein könnte, sie halt es aber nicht für richtig, daß ein Direktorium der Großmächte geschaffen werden sollt«, das seinen Willen dem übrigen Europa anferlegen würde. vle Erzberäer Nftrdcr amnestiert. Karlsruhe, 10. April. Die Pressestelle beim Staatsministerimn teilt mit: Die Strafkammer des Landgerichtes Offenburg hat auf Grund der letzten Amnestieverordnung die an der„Beseiti- gung" Erzbergers Beteiligten außer Verfolgung .resetzt. Damit können sie»ach langen Jahrnr wieder unbehelligt deutschen Boden betreten. Antideutsche Kundgebungen in Polen. Warschau, 10. April. In zahlreichen Ort- schäften Palens kam es im Laufe des gestrigen Tages zu stürmischen antideutschen Kundgebungen der polnischcu Bevölkerung. In Lodz bildete sich spontan ein Straßenumzug, dessen Teil- nchmer vor das Gebäude des deutschen Konsu lates zogen, mit Steinwürfen mehrere Fensterscheiben einschlugen und die deutschen Staatsembleme vernichteten. Don der Polizei zerstreut, zogen die Demonstranten vor das Gebäude des in Lodz- erscheinenden deutschen Blattes„Freie Presse" und demolierten das Redaktionslokal und die Druckereieinrichtung des Blattes. Die Demonstranten schlugen ferner alle Fensterscheiben in dem deutschen Gymnasium in Lodz ein, wobei die Schulzimmereinrichtungen gleichfalls demoliert wurden. Starken Pouzeiabteilungen gelang es schließlich, der Lage Herr zu werden. Sicherungen der Grenzen gegen Mordbanden. Das Innenministerium der Tschechostowakei in Prag hat— wie wir hören— anläßlich der Vorgänge in Liechtenstein und Innsbruck sofort Anweisung an die Grenzbehörden gegeben, eine starke Kontrolle, besonders des Automobilver- kehrS, durchzuführen und alle Maßnahmen zu treffen, um ähnliche Vorkommnisse wie in Innsbruck und Vaduz zu verhindern. Auch die Hoteldurchsuchungen der Prager Polizei, die am letzten Montag plötzlich erfolgten, dürften eine Sicherung zum Schutz« derzenigen fein, die das Asyl in der Tschechostowakei gesucht haben. „Demokraten“— wie die ..vohemla'. Die Kostkakent« kriechen vor den Hitlerianern. Am 5. April wählte di« Reichenberger Stadtvertretung sür den zurückgetretenen Genossen Hecker einen neuen Bizcbürgermeister. Gemäß den bei der Wahl Heckers getroffenen Vereinbarungen und den gesetzlichen Bestimmungen hätte müsten die seinerzeitige Wahlgruppe auch diesmal geschlossen auftretcn. Es wäre der von den Sozialdemokraten vorgeschlagcne Kandidat zu wählen gcwesett. Trotz dem Antrag der Sozialdernokraten, de» Genossen Hille zu wählen, stimmte die Wahlgruppe der ArbeitS- und Wirtschaftsgemeinschaft geschlossen für den Deutsch nationalen Rohn, der im ersten Wahlgang durchkam. Er hielt eine Rede, in der er darauf hinwics, daß vermutlich die Ereignisse in Deutschland zur Erkenntnis geführt hätten, die Vertretung nationaler Grundsätze in der Stadt— sei wichtig. Damit hat das Reichenberger Bürgertum bewiesen, daß seine freiheitlichen und demokratischen Anschauungen ungefähr soviel tvert sind, wie jene derbohcmia". Antifaseistische Kundgebungen in Mähre«. Die gewaltige Zahl der Protestkundgebungen, in denen die sudetendcutschen Arbeiter ihrer Empörung gegen die fascistischen Schandtaten Ausdruck verliehen, hat auch dadurch eine Reihe von Ber- sammlttngen im westlichen Teile Mähren? eine Vermehrung erfahren. Am Samstag und Sonntag sanden große Kundgebungen in Ja lau uno Zlabings statt. In der Jglauer Versamm- lung, die vom Genosten Herzig geleitet wurde, und di« im„Jglauer Host' stattfand, referierte Genoste Paul auS Prag. Die Ausführungen dcS Redners, in denen er die Verbrechen deS deutschen FaseiSmuS gebührend kennzeichnete, fanden stür- mische Zustimmung. In der Debatte unternahm der Nationalsozialist Krautschneider den a'cn Versuch, die Heldentaten seiner reichs ten Brüder zu rochtfertigen. Diese Kühnheit ist ihm sehr schlecht bekommen, er wnrde von den Genossen Fleischer und Paul gehörig obqe- sührt.— Di« Versammlung in ZlavingS, die Genoste Baar leitete, wies ebenfalls einen Mastenbesuch auf. Im RathauSsaal standen dichtgedrängt mehr als 300 Arbeiter und Arbeiterinnen sowie Kleinbauern. Diele Dersammlungsbesuchcr mußten, da sie keinen Platz finden konu'cn, wicder tveggehen. Das Referat deS Gcnosten Paul wurde ost von stürmischen Kundgebungen unterbrochen und fand ungeteilten Beifall.— Dies« Versammlungen bewiesen die Entschlossenheit der Arbeiter dieser Städte, dem FaseiSmuS jenen Ab- wchrwillen entgcgeuzusetzen, der geeignet ist, die fasristisch« Gefahr von unserem Lande abzuwenden. Killinger will leugnen! Rach einer Meldung des Wolff-BüroS erklärt der RcichSkommrstar für Sachsen, Herr von Killinger, „daß die Meldungen einiger Prager Blätter, drnen zufolge er von der Bildung von Aktionstrupp- sür die Tschechoslowakei gesprochen habe, von Anfang bis zu Ende völlig unrichtig seien. Niemals sei irgendwo und irgendwann von der Bildung derartiger Aktionstrupps gesprochen Warden. Das Wolff-Büro bezeichnet derartige Behauptungen als böswillige Erfindungen." Wir haben unter Würdigung der besonderen Persönlichkeit des Herrn von Killingcr nichts anderes erwartet, als daß er feine vorzeitig enthüllten Pläne leugnet. Wieweit indestcn ein Dementi deS Herrn von Killingcr Anspruch auf Glaubhaftigkeit zu erhebet: berechtigt ist, mag aus folgenden Tatsachen— Tatsachen, Herr von Killingcr, nicht Behauptungen!— hervorgehen: Im Jahre 1928 war als Führer der Hitler- Parte» SachsenS neben Killingcr der auS dem Weltkriege bestens bekannt« Erft« Offizier des deutschen Kreuzers„Emden" und Kommandant deS Hilfskreuzers„Ayfha", Hellmuth v o»» Mücke, tätig. Zwischen diesen beiden entstanden bald ernsthaft« Differenzen, dir schließlich i»l einem durch Herrn Pitler selb st geleiteten Verfahren ihre»» Ausgleich fanden; hierbei wurde Herr von Killinger durch Hitler gezwungen, einen Revers zu unterschreiben, demzufolge Killinger, der heutige Reichskommissär, s i ch selb st der bewußten Lüge und Verleumdung bezichtigt. Dieser Revers, der durch Herrn Hitler eigenhändig beglaubigt worden ist, wurde!m Jänner 1931 in Dresden aus Anlaß eines erneuten Konfliktes zwischen Killinger und von Mücke durch den letzteren öffentlich plakatiert, ohne daß Killinger auch uur den Versuch unternommen hätte, dagegen rinzuschreiteu. Und heute wagt dieser Mann, der sich als notorischer Lügner selbst hat diffamieren müssen, Glaubwürdigkeit sür seine „Dementis" zu beanspruchen! Im übrigen haben wir sofort, als der von unS erwartete Ablcngnungsvcrsuch des Herrn von Killingcr unternommen wurde,— ein Dementi übrigens, das in einem seltsamen Gegensatz steht zu den sonstigen Usancen der braunen Herren und das jede Pointierung gcflisteirtlich zu vermeiden trachtet!—, unsere Vertrauensleute mobil gemacht. Zur Stunde liegen uns direkte Meldungen vor ans Dresden, aus Löbau, aus T r o P p a u, auS T e p k i tz und aus Aussig. Um das Ergebnis vorwegzunchmen: diese Meldungen bestätigen nicht nur übereinstimmend die Existenz der sür die Tschechoslowakei formierte« Aktions-Trupps des Herrn von Killinger; wir waren auch ir» der Lage, interessante und wertvolle Einblicke zu tun in den von reichSdeut- schen und sudetendcutschen Nationalsozialisten auf unserem Voden gemeinsam aufgezogene»» Apparat. Wir bekennen offen, daß wir überrascht sind darüber, wie weit schon die Vorbereitungen gcdiel)en sind und ins einzelne geben; und wir sind imstande, sollten die Herren es wünsche n, Name und Adresse einer ganzen Reil>e derjenigen anzugebcn, di« als ludcten- dcutsche Nationalsozialistei» in der Tscheka des Herrn von Killingcr stehen und den Nachrichtendienst versehen. Wenn wir heute insoweit unS Zurückhaltung auferlegen, dann nur deshalb, weil wir— im Gegensatz zu den Hakenkreuz l e r n!— die Politische Denunziation verwerfen. Beiin ersten Schlag aber, den di« Internationale deS FasciSmus^ versuchen sollte, hort — das verraten wir jetzt schon— diese Reserve auf. Dann soll es aufS Ganz« gehen. —- Im übrigen sind wir neugierig, ob den» Herrn von Killinger di« Lust am Dementieren nun endlich vergangen sein wird! Seite 4 Dienstag, 11. April 1988 Nr. 86 IX. Berbandstag der Bank' und Sparke flenbeamten. Die am Samstag begonnenen Beratungen des BerbandstagcS wurden Sonntag vormittags fortgesetzt. Zum Punkt 4 der Tagesordnung „Abänderungsanträge zu-en UnterstiitzungS» regulativen" referierte Sekretär Gen. Waschak, der in seinem Referat;u den Angriffen Stellung nahm, die von der Op p os i t i o n nicht nur gegen Las Genter System als solcher, sondern auch gegen die Gcwerkschaftszen- t r a l c gerichtet worden waren. Der Referent wies diese Angriffe unter Hinweis auf die im heutigen Zeitpunkt nun einmal gegebenen Tat- sachcn zurück. Auch der Verband verkennt nicht, daß die derzeitige Lösung im Sinne des Genter Systems kein Ideal darstellt, und steht dem Gedanken einer allgemeinen Arbeitslosenversicherung sympathisch gegenüber. Aber es ist mit den gegebenen Möglichkeiten zu rechnen und die Anweitdung unge- wcrkschaftlikher Methoden zu vermeiden. Zum Thema„Die Wirtschaftskrise und ihre Auswirkungen auf di« Geldinstitute"(Punkt 5 der Tagesordnung) erstattete Sekretär Genosse K o l l i n ein ausführliches Referat, Nach einer Analyse der allgemeinen Krise beschäftigte er sich speziell mit den die Finanzinstitiitc betreffenden Krisencrschcinungen, sowohl auS dem Aspekt der internationalen Wirtschaft, wie auch insbesondere ans die hiesigen Verhältnisse eingehend. Breiter Raum war den Methoden zur Sanierung des Bankwesens gewidmet. In diesem Zusammenhang würdigte der Referent die in dielen Rahmen fallenden gesetzgeberischen Arbeiten der letzten Zeit, wie B ä n k c n g e s e h, Zinsfuß- g e s e tz, die F i l i a l p a l i 1 i k der Geldinstitute u. a. m. Besonders hob er die Tatsache hervor, daß «s dem Verband unter Mitwirkung der gemeinsamen Gcwerkschaslüzentralr gelungen ist, jene Bestimmungen aus den Entwürfen auSzilmerzen, die eine Handhab« zur Der- schlrchternng der Arbeitsbedingungen bieten könnten. Zum solgende»! Punkt 6 der Tagesordnung sprach Dr. Repp über„die sozialpolitischen Aufgaben des Verbandes in der Zukunft", wobei er sich besonders mit der bevorstehenden Novellierung des P e n s i o ii S Versicherungsgesetzes befaßte. Weiters ging er auf jene Punkte des Banke ugesctzes ein, die sich mit der M i t v e r w a l t u n g der Pension-- f o n d s durch die Beamtenschaft befassen. Aus- nihrlich besprach der Referent die Probleme des BetricbSansschußgesctzcs und die seit Einführung dieses Gesetzes gewonnenen Ersah, rungen. Ucbcr die..Allgemein«« Ausgaben des Verbandes in der Zukunft" sprach Obmann-Slcllvcr- ireter Trimer lBrünn), dcr.anknüpsend an den vorgrlcgten Tätigkeitsbericht die Tatsache fcskstellte. daß cs dem Verband gelungen ist, die errungenen Positionen auch in dieser schweren Zeit zu halten, und die prinzipiellen und taktischen Grnndpro- bleme der künftigen Tätigkeit darlegtc. Die drei genannten Referate wurden nach kurzer Debatte zur K e n n t n i S g e n o m m e n. Gegen Schluß der Tagung brachte die oppositionelle Gruppe nach dem samstägigen Vorstoß nochmals die Wiederaufnahme der durch Beschluß der vorjährigen außerordentlichen Vollversammlung Ausgeschlossenen rur Sprache. Ter Antrag siel mit gewaltiger Mehrheit. Unter den angenommenen Rcsolu- i i o n e n befindet sich ein Protest gegen die von der„Anqlo-Prag" durchgcsührten und vom Fi- nanzministerium genehmigten A b b a u m a ß- »ahmen. Eine weitere Protestkundkebung wen- det sich gegen die von der Länderbank dekretierte Verweigerung eines P c n s i o n s n o r m a l c S, obwohl von der Generalversammlung dieses Institutes im Jahre 1930 dieser Beschluß der Direktion bcstätkqt worden war. aNch Erschöpfung der Tagesordnung wurde der Verbandstag mit einem eindrucksvollen Schlußwort des Vorsitzenden Genossen Meller gegen 3 Uhr nachmittags geschlossen. Er hat bewie'en, daß der Verband in einem der schlimmsten Krisenjahrc gute Arbeit geleistet und in seinem speziellen Wirkugnskreilc Probleme zu lösen hat, die über den engeren KrciS hinaus die gesamte Gewerkschaftsbewegung interessieren müssen. Er hat aber auch bewiesen, daß die erdrückende Mehrheit seiner Mitglieder mit vollem Vertrauen hinter ihren Führern steht und die freigewerkschaftlichen Grundlagen deS Verbandes eine neuerliche Festigung erfahren haben. Uetoerstandenzalil gerlndWlg. Der schleppende Verlauf der schweren Pro- duktions- und Ablatzkrise, bedingt durch die außerordentlichen Verhältnisse auf dem Welt- arbeitSmarkte, gab dem Ministerium für soziale Fürsorge neuerlich Anlaß, dazu, daß den die Uebcrzeitarbeit an gewerbliche Unternehmungen gemäß 8 3 des Gesetzes betreffend die achtstun- dige Arbeitszeit bewilligenden behördlichen Instanzen strenge Weisungen und Richtlinien yinsichtlich der Beurteilung und Erhebung der vorgelegten Ansuchen um die Bewilligung von Ucberzcitarbcit gegeben wurden. Diese Bestrebungen haben dazu geführt, daß die Zahl der bewilligten Arbeitsüberstunden. welche im Feber der Jahre 1929. 1930, 1931 und 1932 fortschreitend 773.289, 858.817, 62.412 und 47,061 betrug, im Feber 1933 ihr Minimum mit der Zahl 11.463 erreicht«, so daß die amtlich bewilligte Üeberzeitarbeil in gewerblichen Unternehmungen auf die unausweichlichen Fälle beschränkt wurde, wie dies di« gegenwärtige Situation mit Rücksicht auf di« große An- zghl Arbeitsloser kategorisch verlangt. Tagesneuigkeiten Das Messer ins Herz. Wege« schlechter Dittennote. Prag. In der Weinberger Bürgerschule auf der Smetanka tötete sich Samstag vormittags der 15jährige Schüler eines kaufmännischen Angestellten Karl M a l y in dem Augenblick, al» er sein Semesterzeugnis erhalten sollte, durch«inen Stich mit dem Taschenmesser ins Herz. Der Selbstmord des Jungen ist daraus zürückzuführen, daß Maly, der auf dem Schulgang kurz vorher gelärmt hatte, von einem Lehrer, der ihn dabei ertappt hatte, gedroht worden war, daß er einen Dreier au» Sitten erhalten würde. Der Junge hatte in die Bata. Schule in Zlin ausgenommen werden sollen, worauf er sich ungemein freute. Mit einer schlechten Sittennote war« er nicht anfgenommen worden. Sattenmord in Brünn. Brünn, 9. April. Am 6. starb in Brünn» rideniee plötzlich der 29jahrige Fleischhauer Plhak unter BergistungSerscheinungen. Durch die Obduktion der Leich« wurde festgestellt, daß er an Arsen Vergiftung gestorben war. Heute wurde seine Frau als der Tat verdächtig verhaftet. Sie gibt zwar zu, mit ihrem Manne in Zwistigkeiten gelebt zu haben, bestreitet aber, ihn vergiftet zu haben. Cs wurden noch zwei weiter« Verhaftungen vorgenommen. Lustmord an einer Hausgehilfin. Hannover. Auf der Landstraße von Barrien nach Okel wurde in der vergangenen Nacht ein scheußlicher Mord an einer Hausgehilfin verübt. Tas Mädchen, das in Okel bedienstet war, tvurde auf dein Nachhauseweg von ihren Eltern, die in Barrien wohnen, von einem jungen Mann überfallen, vergewaltigt und dann erschlagen. Der Täter, ein zwanzigiährigcr Mann namens S t ö- v e r, ist der Vetter des ermordeten Mädchens. Er wurde noch in der Nacht verhaftet und gestand die Tat ein, die er im Verlaus eines Streites begangen haben will. Die Polizei hat festgestellt, daß Stöver das Mädchen, nachdem er os überfallen hatte, in grauenhafter Weise mißhandelt und zu Tode gequält hat. Er versuchte das Mädchen mit einer dünne» Schnur zu erdrosseln, und als ihm dies nicht gelang, zertrünimorte er ihm mit einem Stein die Schädeldecke. zwei Doppelselbstmorde- aus Not. Wien, 10. April. Die 40jährige stellen- lose Privatbeamtin Grete Weiner und ihre 50 Jahre alte Schwester Helene wurden heut« in der Küche ihrer Wohnung tot aufge- funden. Die cingeleiteten Erhebungen lassen keinen Zweifel darüber aufkommvn, daß die beiden Schwestern den Doppelselbstmord gemeinsam besprochen und auch durchgcführt haben. Im Dezember war die Mutter der beiden gestorben, und dieser Umstand sowie die seit dem Jahre 1931 währende Stellenlosigkeit der jüngeren Schwester dürften die Schwestern in den Freitod getrieben haben. ES handelt sich um Selbstmord durch Einatmen von Leuchtgas. Die 68jährigo Portierswitwe Marie Ernst und ihre 40jährige Tochter FraiuziSka wurden ebenfalls in ihrer Wohnung durch Leuchtgas vergiftet tot aufgefunden. Die Tat haben sic wegen drückender Notlage verübt. RusunMe. Berlin, 9. April. Beim nationalsozialistischen Jngendfliegertreffen in Staaken ereignete sich ein schweres Unglück. Bei der fünften Programmnummer, die eine Stafette zwischen Reiter, Läufer, Motorradfahrer und Flugzeugen brachte, streifte das vom Flugzeugführer Hermann Hackbusch gesteuerte Albatros- Flugzeug die Hochspannungsleitungen, die über die ver- längcrte-Heerstraße führen und stürzte in die Zaungäste ab. Die meisten Zuschauer konnten sich durch Bciseitespringen in Sicherheit bringen. Ein Mann jedoch kam ni$t mehr rechtzeitig weg und wurde durch das niederstürzende Flugzeug getötet. Die Türkin Sabika Zeki wurde so schwer verletzt, daß sie im Krankenhaus starb. Wie durch ein Wunder blieb der Flugzeugführer unverletzt. Er zog sich nur ein« Schramm« an der Oberlippe zu uno schlug sich einige Zähn« des Oberkiefers ein. Das Flugzeug wurde vollständig zertrümmert. * Beaumont(Texas), 10. April. Zlvri hiesige Sportsleute starteten am Sonntag mit ihrem Privatflugzeuge zu einem Sportflug. Der Apparat stürzt« jedoch sofort nach dem Hochgchcn etwa dreißig Meter über dem Erdboden ab und wurde vollkommen zertrümmert. Beide Sportslcut« waren auf der Stelle tot. Die Ursache des Absturzes bildete das unrichtige Manövrieren wäh- rend des Fluges. Wieder Streik in Irland. Dublin, 10. April. In der Nacht auf Montag begann genau uni Mitternacht der neu« Ge- nevalstreik bei demi Großen Südeiseubahnnetz des Irischen Freistaates The Errat Souchern Rail- way, da die Angestellten dieser Strecke die gesamtstaatliche Lohnregelung ablehnten. Aus deni gleichen Grunde waren bereits am letzten Donnerstag die Bahnbcdiensteteu der Nordstreckcn in den Streik getreten. Bor dem Prozeß gegen die britische» Ingenieure. Moskau, 10. April. Die sechs britischen Ingenieure nahmen am Sonntag de» Wortlaut der Anklage entgegen, in ivelcher sämtliche Auschuldi- g-nugcn der Spionage und Scubotage ausführlich angeführt sind, aus dir die Todesstrafe festgesetzt ist. Fünf der Angeklagten, die gegen Kaution die Möglichkeit haben, sich frei in Moskau bewegen zu dürfen, wurden zum Obersten Gerichtshof eingeladrn, um bei der Verlesung der Anklage im Einklang mit der Sowjctprozednr in Kriminalfällen zugegen zu sein. Dem sechsten Angeklagten, dem technischen Experten, William MacDonald,! wurde, wie verlautet, zu gleicher Zeit di« An-■ klage in seiner Zelle im Gefängnis der GPU. in Ljublanka verlasen. Allen sechs Angeklagten wurde‘ offiziell bekam!tgegeben, daß der Prozeß am Mitt«\ woch seinen Anfang nehmen wird. Der britische Advokat Robert Turnen ist bereits au- London in Moskau eingelroffen. Ter dritte Sekre-! tär der britischen Botschaft in Moskau wird bei diesem Prozesse die britische Rogierung vertreten.| Amtliche Lynchjustiz. Ticatur(Staat Alabama), 10. April.(Reu- ter.l Ter Neger Patterson, einer von den sieben jungen Negern, die in den bekannten Prozeß von ScoltSboro verwickelt sind, tvurde schuldig gcspro- chcn und zum Tode verurteilt. Die sieben jungen Neger standen unter der Anklage, sich in Äotts- boro an zwei Weißen Mädchen vergangen zu haben und wurden deshalb im April 1931 zum Tode verurteilt. Im Hinblick auf di« Proteste, die in der ganzen Welt gegen diese Todesurteile laut wurden, hatte der Oberste Gerichtshof in Washington den Fall zur neuerlichen Verhandlung an den Gerichtshof in Alabama zurückvcrwiesen. Krisen„8berwindung" durch Saufen. Di« neue„Prosperity" in Amerika. New Aork, 10. April. Meldungen amerikanischer Blätter zufolge verzeichnen die Restaura- tions- und Hotclbctricbe seit dem 7. April, dem Tage der Aufhebung der Prohibition, eine außerordentlich« Zunahme auf, und zwar in manchen Städten um das Dreifache und in den großen Zentren um das Doppelte der früheren Zahl. Die -Hauptrolle spielt dabei allerdings der Bierverkauf, doch weist oie Statistik der Hotelsrcquenz auch einen den Durchschnitt übersteigenden Prozentsatz von Zimmerbestellungen und von Vormerken auf reservierte Räume aus. Die Oberkellner konstatieren, daß die Leute seit dem 7. April überhaupt auch mehr essen. Aus Milwaukee wird berichtet, daß dort ein großes Anwachsen der HandelSrciscn- den-Frequen; beobachtet wurde. In Brauhäusern sind in Milwaukee allein bereits 5400 Personen beschäftigt, gegenüber 1500 Personen im Vorjahr. Bier Leichen von der„Akrou"- Be atzung. Washington, 10. April.(Reuter.) Ein Küsten- wachtschisf fand wiederum einen Leichnam von der Besatzung des Luftschiffes„Akron", und zwar die deS Kommandanten McCords, der zur Stunde der Katastrophe das Luftschiff kommandiert hatte. In der Tasche des wasserdichten Mantels Me- Cords wurde ein Notizbuch mit Bemerkungen über den Verlauf der letzten Fahrt des Riefenluftschiffes aufgefiinden. Etwa acht Meilen von der Stelle entfernt, wo sich die Katastrophe der „Akron" ereignet«, wurde die Leiche de» Kom- mandanten der Marineflugstationen, Berry, aufgefischt. Rinbertob im Steinbruch. Valladolid(Spanien), 10. April. In einem nahen Steinbruch wurden spielende Kinder von abstürzenden Steinmaffen verschüttet. Bon den sieben Kindern konnten bloß drei lebend geborgen werden, während vier ums Leben kamen. Nehm« der ftMMbtterie 3. Ziehungstag. 10.000 K: 13.393, 19.235, 59.876, 61.779, 93.144. 5.000 K: 7.030, 10.702, 21.555, 35.500, 41.613, 44.315, 45.585, 49,469, 51.222, 53.088, 63.642, 75.086, 89.921, 91.840, 93.140, 97.651, 99.061, 102.507. 2.000 K: 270, 338, 512, 6.536, 6.625, 9.743, 10.261, 18.867, 25.114, 2».527, 30.116, 34.361, 35.047, 35.606, 37.222, 37.420, 38.024, 89.803, 40.234, 40.391, 40.804, 42.874, 46.403, 47.321, 48.014, 49.235, 54.014, 55.145, 55.384, 59.814, 61.422, 61.960, 62.722, 66.441, 66.725, 70.825, 71.240, 71.390, 77.009, 80.013, 85.579, 85.866, 85.452, 87.043, 88.059, 88.969, 90.977, 92.182, 92.315, 93.053, 93.198, 95.323. 96.364, 97.158, 99.844, 100.329, 101.594, 101.638, 101.762, 102.446, 104.395 1.200 K: 14.811, 21.827, 23.375, 25.876, 33.016, 37.793, 38.873, 45.216, 45.218, 45.791, 49.270, 54.978, 56.144, 66.129, 85.661, 88.990, 93.667, 94.891. Grausiges Familiendrama. Die Wohnung der 50 Jahre alten Eheleute Bavisch in Altona wurde heute von der Polizei gÄvalt- sam geöffnet, da man das Ehepaar schon seit einigen Tagen nicht mehr gesehen hatte. Beide Eheleute wurden t o t mifgefunden. Der Mann hatte sich erhängt, nachdem er sich vorher mit einem Rasiermesser die Pulsaderngeöffnet hatte. Die Frau lag vollständig a n g e k l e i d« t im Bett. Mit einem P l ä 1 t e i s e n war ihr der Schädel cin- geschlagen worden. In der Wohnung befanden sich außerdem drei Katzen und drei 30.000 Männer und Frauen— Burschen und Mädchen 17.000 Arbeiterkinder vereinigt im Arbelter-Turn- und Sportverband rufen Dir zu: Du gehörst zu uns!“ Reih« Dich ein, werde ein Mitstreiter nn Adu«T Papageien. Das Motiv der Tat scheint in ehelichen Zwistigkeiten zu suchen zu sein. Beim Schmuggeln erschossen. In der Nacht von Samstag auf Sonntag stieß in der Nähe oon Delila Bshan eine Finanzwachpatrouille aus Bcrohovo an der tschechoflowakisch-ungarlschon Grenze auf eine Schmugglcrbandc, die Lobensmittel aus Ungarn nach der Tschechoslowakei paschen wollte. Als die Schmuggler über Aufforde« ruug nicht stehen blieben, sondern im Gegenteil eine drohende.Haltung ei»nahmen, machte die Fiumrzwache von ihrer Waffe Gebrauch. Der 24jährige ledige Cyrill Papp wurde hiebei schwer verletzt und starb auf dem Transport ins Krankenhaus. Leicht verletzt wurden zwei andere Schmuggler, die in das Krankenhaus nach Bere- hovo gebracht wurden. Unfall auf der Schleuse. Am Samstag um 19 Uhr fuhr der vom Dampfer Böhmen" geschleppte Lastkahn 175 stromaufwärts durch die Schreckenstciner Schleuse, wobei beim Verankern der auf dem Schiffe beschäftigte Wilhelm Zunder aus Aken am Kopfe durch einen etwa vier Kilogramm schweren.Haken verletzt wurde. Seine Verletzungen sind so schwer, daß er noch nicht vernehmungsfähig ist. Zunder wurde in daS BczirkSkrankcnhaus nach Aussig übergcführt. Mit dem Motor in den Tod. In der Nähe der Stadl Zwickau fuhr ein Motorrad in einer Kurve, die der Führer der Maschine in sehr schneller Fahrt nehmen wollte, gegen einen Baum. Ter Fahrer und sein Begleiter wurden auf die Straße geschleudert und sofort getötet. Ein Selbstmordversuch. In der Nacht auf Sonntag versuchte in Brünn-Ädenicc die 38jäh- rige Fabriksarbcitcrin Augustine Janäikova Selbstmord zu verüben, indem sic einen Blechtopf niit glühender Kohle auf den Ofen stellte. Durch die entweichenden Gase wurde sic und ihre 12jährige Tochter betäubt und beide wurden im bewußtlosen Zustand in Krankenhaus geschafft. Die Frau verübte die Tat aus N o t. Gefälschte Eintrittskarten. Die Wiener Polizei beschäftigt sich niit einer neuen Eintrittskarten- sälschcr-Affare. Am Sonntag spielte die tschecho- flowakischc Auswahlmannschaft auf der Hohen Warte gegen das österreichische Team, zu welchem Matchck sich laut Zahlung der Tournequctts 60.500 Personen eingefunden hatten. Nunmehr gibt aber der Oesterreichische Fußballverband einen Bericht aus, demzufolge bloß 57.000 Karten zur Ausgabe gelangt sind. 3500 Karten waren demnach gefälscht, was einen überaus beträchtlichen Schaden für den Verband darstellt. Einbruch iuS—.Preisgericht. Sonntag nachts wurde die Kasse des Preisgerichtes in ULHorod ausgeraubt. Di« Täter brachen in daS neue Gebäude des Kreisgerichtes ein, bohrten die Kasse an und erbrachen sie nnd entwendeten 3000 irr Allen Anzeichen nach ist der Raub ein Werk geübter Verbrecher. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus ven Programmen. Mittwoch. Prag: 6.16 Gymnastik. 11.00 Schallplatten. 16.10 Orchestettmqert. 17.10 Marionettentheater. 18 35 Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Zdenko Reuwirth: Radio und Arbeiterschaft. Bericht vom Arbeitsmarkt. A1.06 Volkslieder. 20.25 Lustige Stunde.— Briiuu: 18.25 Deutsche Sendun.g: Golias: Unser Kind lügt. 19.10 Deutsche Literatur. 21.00 Musikalisch-literarischer Abend.— Berlin: 20.30 Zttherorchestcr-Konzert.— Mühlacker: 20.00 Orchosterkonzert.— Königsberg: 22.30 Orchesterkonzert.— Leipzig: 21.00 Bruckner-Zyklus.— München: 18.35„Ricnzi", Oper von Wagner. t- Wien: 19-3Ö Mahler: VIII, Sinfonie, I M DlenSkag, 11. AprK iwjjj Sette 6 uns dagegen, mH ilanenhreuzlcrn jb. anderer Mann abgctrc- daS schönste Werk ihrer in diesem Deutschland GolSworthyv Vermögen. Der englische Novellist John Gaiswonhy Hinterlien ein Ber- möqen von über 10 Millionen K6. Galsivorthy bestimmte in seinem Testament, da» ohne Ein- willignna keiner Frau und seiner- Neffen keine Biographie von ihm herausgegcben werden diirse. zurückgelegtc Strecke von wurde formal anerkannt. die britischen Flieger mit den Amerikanern Russell Polando bei ihrem Flug stellten Rekord um-1840 Die Deutsch« Ltaatosachschul« für Weber«! in Warnsdorf vermillelt«'ne umfassend« theoretische und entsprechend der modernen maschinellen Einrichtung der Werkstätten auch praktische Ausbildung in der Erzeugung einfacher und komplizierter Kleider--, Anzug-, Möbel- und Tekoralionsstoss«, Lamte. Bänder und Teppiche, Hand- und T'ichtiicher usw. auS allen Materialien wie Baumwolle, Wolle, Leinen, Kunstseide usw Tagesschule: Zwei Jahrgänge ivom 1. September bis 28. Juni). Abend'chnle: Ein-, Zwei- und Drei Jahreskurse tu sieben Monaten vom I. Oktober bis W. Apr'l. Di« Eintchr"bungen finden vom Mai an" täglich statt. Für Absolventen besteht auch«ine Stellenvermittlung. Wir Hunnen verwahren WW verglichen zu werden? mutz, um sein Brot zu erbetteln und seilt« Glieder in Scheunen ausrnhen zu lassen. Die Versuch« mit dem Sowjetflugzeug „Mai 1", das nach dein En wnrs einer Grupp« Was ist's mit den Preisen in den dveisewagea? Die Internationale Schlaiwagengesellschaft hat dieser Tage eine Nachricht durch die Presse ?ehen lassen, die man, gelinde gesagt, als Jrre» üyrung bezeichnen kaitn. Da wurde kundgetan, daß man die Preise der MittagSmenuS aus 23 bl ,herabgesetzt habe, vorsichtigerweise aber Hinzuge- -sögt, daß in einzelnen internationalen Schnellzügen der bisherige Preis von 28 K belassen worden sei. Zn Wahrheit hat sich gar nicht- geändert, da aus den meisten Jnland-linien schon bisher der Menuprei- von 23 Kronen bestand, wobei«in Gang weniger serviert wurde als beim„großen" Menu zu 28 Kronen. Mit dieser AugenauSwischerei wird mau beim reisenden Publikum kein Glück haben. Tas Maßgebende sind nämlich gar nicht die Preise der Menu-, weil die wenigsten Reisenden 23 oder 28 X für ein Mittag- oder Abendessen auSgcben können. (In Wirklichkeit kommt nämlich so ein 28 X-Menu mit den NebenauSgaben, Bier oder Mineralwasser, schwarzer Kaffee und Trinkgeld aus fast 40 K zu stehen!) Wichtig wäre vielmehr die Herabsetzung der Preise für die Speisen außer Menu und für di« Getränke, an denen heut« durchschnittlich hundert Prozent, oft aber noch mehr, verdient werden. Für ein Ei rechnet die Schlasivagengcsell- schäft zw«i Kronen, für eine klein« Portion Käse 4.50 X, für eine kleine Portion Butter 2 X, für eine Tasse Kaffee oder Tee 4 X, für«ine Flascks« Bier 3.50, für ein Mineralwasser ebenso viel mit Ausnahme einer Marke, die um 2.80 X verkauft wird, aber meistens nicht zu haben ist. DaS sind reine Wucherprcif« und cs wäre Wohl der Gesellschaft selbst, vor allem aber den Angestellten gedient, wenn man niedrigere Preis««utführen, dafür aber den Umsatz heben würde. Wir haben schon mehrfach auf den n«uen Büsettwagen hinge- wiesen, der sich ganz ausgezeichnet im Wintersportverkehr bewährt hat und wo riesenhafte Umsatz« erzielt worden sind, weil man j. B. ein« Gulaschsuppe um 2.50 X bekommt, rin Paar mährische Klobasen um 5 X,«in Paar Würsteln mit Senf und Brot um 3 X usw. Di« Leute, die heut« das Geld gleich zlvanzigkronemveis« zur Bcr- süguna haben, sind nicht mehr so häufig. Die Schlaftvagengesellschast hat nach ihrem Vertrag mit der Staatsbahn da- Recht, solche Büsettwagen zu führen, doch mischen sich hier ständig di« Bahn- hosrestaurateure«in und tatsächlich gelang es Schalet Arbeit! Ei« Mahnruf der sozialdemokratischen Techniker. Bom Verband sozialdemokraiischer Techniker(Prag L, Pcrityn, GnvcrtschasiShaii»), . der sowohl. deutsche al- auch tschechische Techniker umfaßt, haben' wir«ine längere Darstellung erhalten, der wir folgende- entnehmen: Die Techniker haben ihre Wirtschaftsfunktion stets getreu und pflichtgemäß erfüllt. Sie haben die Leistungsfähigkeit in der Warenerzeugung auf eine nie vorher gekannt« Höhe gebracht, um d«n Waren bedarf reichlich und wohlfeil zu decken und zur Verbreitung der Zivilisation und zur kulturell«« Höherentwicklung der Menschheit beizutragen. „Zn den Diensten einer gesunde», aus der wissenschaftlichen Grundlage„wirtschaften heißt versorgen" ausgebaulrn Wirtschaft, hätten wir mit unserer Arbeit der Menschheit Glück begründet. In den Diensten einer Wirtschaft aber, deren Grundlage die Umkehrung der wissenschaftlichen Erkenntnis darstellt,„wirtschaften heißt profitieren, heißt mit Bedarfsgütern spekulieren, heißt für möglichst viel Geld möglichst schlecht« Waren an d«n Mann dringen", in den Diensten solch einer Wirtschaft mußte unsere Tätigkeit für die Menschheit zum Unglück werden." ES wird dann weiter auSgcsührt, daß da- gegenwärtige unwissenschaftlich« privatkapitalistische Wirtschaftssystem seinen Zweck nicht mehr erfüllt und durch ein bcsierrS ersetzt werden muß.„Wir wollen das Gebäude d«r neuen besseren wissenschaftlichen Wirtschaft, das Gebände des Sozialismus, den leider so viele Menschen nicht verstehen, weil sie ihn nur in den Zerrbildern sehen, die seine Gegner ihnen zeichnen, nicht aufbauen aus den Trümmer» der heutigen Wirtschafi unter denen nach einem Zusammenbruch alle Kultur und Zivilisation begraben läge. Wir sehen den Sozialismus nicht als das Elend aller, sondern als den Wohlstand für alle und für seinen Aufbau wären somit blutgetränkte Ruinen die schiech, testen Fundamente." Ans dem Boden der ischechoslowatischen Republik kann die Wirischastslrise nur durch Arbeitsbeschaffung überwunden oder zumindest ganz bedeutend gemildert werden.„Arbeitsbeschaffung ist möglich durch Verkürzung der Arbeitszeit der Beschäftigten, zunächst Einführung der Vierzigstundenwoche, weil dadurch Arbeitsplätze frei werden; durch Verlängerung des Schulbesuches zunächst bis zu IN 15. Lebensjahr, womit der Zustrom der arbeitsuchenden Jugend um«in Jahr verzögert und«in höheres Kulturniveau erzielt wir«). Ferner durch vernünftige Regelung des Arbeiivmarkles und hauptsächlich durch a n S g i e b l g e Invest it i o n c n. Die Privatindustrie ist bei unS gegenwärtig nicht in der Lage, erhebliche Investitionen emzusctzen, sie Hai sich durch Fehl- Investitionen in den letzten Konjnnkturpcrioden in übermäßige Schulden gestürzt und es fehlt ihr somit an Kapital für Jnvestilions-wecl-.' Es bleiben also nnr der Staai und die TclbstverivaltungSkörPcr, welche Investitionen in großem Maßstabe cinsctzen können, uni Arbeit zu beschaffen. Zu dicsein Zwecke braucht der Staat die Mittel, die ihm die Arbeitsanleihe geben soll. So verstehen und begrüßen wir die Arbeitsanleihe, so sollte sie auch von der Scsfcntlichkeit verstanden und begrüßt werden. Zu der Verteilung der Jnveslilionen können wir hier aus Rannimangel nicht Stellung nehmen, wir sind gerne bereit, an allen diesbezüglichen Vorschlägen mit unserer Erfahrung mitzuarveiten. Eben dies« Erfahrung veranlaßt uns, diesem Aufrufe noch«ine Ergänzung anzusügen. Bei den Investitionen wird es sich in der-Hauptsache um Bauwerke und ihre Einrichtung handeln. Au- öffentlichen Mitteln sollten, wie dies z. B. in England üblich ist, nnr solche Firmen niit Arbeit bedacht werden, welche für ihre Lieferungen und Arbeiten wirkliche Garantien leisten können und. welche auch ihren Verpflichtungen-er Dcffcntlich- keit gegenüber bisher nachgekonimen sind. Steuer- hinterzieher sollien also von dielen L'esernngcn ausgeschlossen bleiben. Das billigste Anboi bedenie: jehi ojr, Ver- nachläsl'igung der Solidität und Lohndruck. Bei Vergebung von Arbeiten aus der Arbeitsanleihe, muß der Grundsatz sestgelegi werden, daß die Arbeiter menschenwürdig entlohnt werden(wo Kollekiw Verträge bestehen, nach diesen! und daß für diese Arbeiten die 40-Stundenwoche obliga- lorisch Geltung bekommt, damit die größtmögliche Zahl Arbeitsloser tkieschästigung sinvei. Zur besten Ausnützung der Mittel aus der Arbeitsanleihe ist cS dringend nölig, Satz Diktat der Kartelle, welche die Bauniaierialicn. Rohstoffe und andere Erzeugnisse verteuern, zu brechen. Außerdem ist zur Stützung deS Vertrauens in eine gerechte Vergebung der Jnvestitionsarbeiten unerläßlich, so schnell als möglich die Bergabe- ordnitng zu ändern. Wir schließen unseren Ausruf um dem aufrichtigen Wunsch«, daß der Arbeitsanleihe ein großer Erfolg bcschieden sei und daß die Werke, die anS ihr entstehen, die denkenden Meirschen in nnscreni Staate einander nälier bringen mögen." Sie sind naß. Endlich ist eü Amerika, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten gelungen: die Bürger durften sich am Broadway in Schlangenlinien um das erste Bier anstellen. Mit eineinhalb Millionen Faß wurden sogar die Erwartungen der Bierfabrikanten übertroffen, die diesem Bedarf nicht nachkommen konnten. Der erste Wagen Bier wurde Roosevelt gewidmet, di« ersten Gäste festlich empfan- gen; wenn auch nach den offiziellen Meldungen der Alkoholgehalt noch nicht ganz entspricht, so wird an der segensreichen Wirkung deS wiedererrnngenen Schnavses u. BierS nicht gezweifelt. Man darf der Meisterarbeit amerikanischer Askoholindustrien nicht die gebührende Hochachtung versagen: in ihren Verdiensten werden sie den erstrebten Lohn, die erstrebte Anerkennung finden und die ja nicht gar zu teure Presse diverser„demokratischer" Ansehung wird recht bald die dazu notwendige moralische Rechtfertigung entdecken und sie wissenschaftlich zu begründen wissen. Man mutz sich darüber klar sein, daß ja für die wohlhabenden Kreise Amerikas, wohl auch für die„besseren" Brauereien und Schnapsbrennereien das Alkoholverbot nicht so ganz ungeeignet war; denn sie konnten mit Hilfe der unglaublich gut organisierten Gangsters ihren Fusel um ein Vielfaches des normalen Wertes los tvcrden Jmnicrhin war eS aber nicht möglich, dem Volk den billigen Alkohol in öffentlichen Lokalen zu kredenzen: und daran wird am meisten verdient. Der Arbeiter, der geistig und moralisch der raffinicrien Reklame iinterlicgt und seinen Lohn zum Teil in Bier nmsetzt: ist der Grundstock zu den ungeheuren Vermögen der diversen Brauindustrien: das Gläsckien Bier, an dem mehr als daS Doppelte des Er'.eugnngSnreises verdient wird ist das Svn'bol der Klassenaus- beutnng. Tenn daS Bnrgertnm selbst weiß ganz gut Maß im(Henuß rn halten und dcni Alkohol z» widerstehen: erst dem moralisch Zerstörten und wirtschaftlich Unfreien wird er znm Verderben. Die 14 Millionen amerikanischer Arbeitsloser sollen im Alkohol ihr Glück sehen; ihre erbettelten Cents sollen sich in Bier nertvandeln. das ihre moralische und geistige Widerstandskraft brechen soll. Der Alkohol wird in Amerika wieder zum Bundesgenossen der qrobkapitalistiscken Ansbenter er- hoben. die herrschenden Kräfte haben sich die offizielle und moralisclze Erlaubnis zu ihrem ?'.aubzng aul die inneren Kräfte deS Prole- xn geholt, der heute verzweifelt Amerikas tadellos asphaltierte Straßen durchivandern ihnen bisher, die Sache zu Hintertreiben. Dir! von Professoren und Studenten de» Fiuginsti- wiederholen, daß die Reuenden nicht wegen der s tut«» in Charkow konstruiert wurde, sind beendet. Bahnhof-restaurateur« da sind und fordern daS> Da» Flugzeug ist mit einem Motor iowjet- Eisenbahnministerium dringend auf, der Schlaf-1 russischer Provenienz auSgestatiet und erziel,e wagenaekellschaft eine Herabsetzung ihrer Preise feine— anzuordnen. Gemeinheit irgeiwcineS nationalsozialistischen Parteigängers aufgcben mußte. Wie erschütternd ist eS im Grunde, zu lesen, daß in irgendeinen, Provinzstädtchen ein altcS jüdisches Ehepaar durch Einatmen von GaS sich das Leben genommen hat, daß wo anders ein junger Warenhausdirektor sich und seiner Gattin die Adern geöffnet Hai, daß ein entlassener Richter, ein verzagter Universitätslehrer und viele anderc eine zolche nicht nur ihre Existenz, sondern auch ihren Glauben an das menschliche Gcrcchtigkeits- enlpsindcn hohnstrafende Brutalität nicht zu verwinden vermochte». Um wieviel>nehr noch mußte diese- Schick- sal die fein empsindenden Künstler treffen. Ein ?)aul S i in in e l, dessen Bleistift jene köstlichessen Typen der Berliner Jungen und Mädel nut einer dcni Meister des Berliner„Milljöhs" Heinrich Zille kongenialen Kraft sestgchalten bat, hat in einem Anfall von Schwermut seinem Leven ein Ende gemacht. Ebenso ein anderer Liebling der Berliner: Paul Nikolaus. Im„Kabarett der Komiker" hielt er die Coufärcuce. Stets witzig» immer von jenem diskreten Humor, der die Leute lächeln macht, nicht um den LachapplauS zu erzielen, sondern um irgendwie die Fragwürdigkeit allen Tuns so leise ahnen zu lassen, wie eine Falte des Vorhangs gelegentlich den Blick in die Ti.'scn der Bühne erlaubt. Nikolaus mied die Gemeinplätze des Scherzes und blieb doch dem einfachsten Mann in seiner geschlissenen Wortkunst nahe. Sprach er am Radio, so horchten Tausende von Arbeitern schmunzelnd zu. Er war im besten Sinne des Wortes ein nobler Mensch, und die Heiterkeit, die er schuf, war zugleich ein Lehrmeister und ein Befreier. Sie lehrte, über den engen Bezirk des Alltags hinan sblicken, und befreite von der Kleinlichkeit seiner Sorgen. Kurz: sie war der Feind der Spießbürger, die sich an Nikolaus rächten, bis daß das Lachen auf seinen Lippen starb, und er in der Fremde still fortging so>vie einst von der Bühne, wenn der Vorhang sich hob über einer neuen Nummer, die er liebenswürdig und mit gewinnender Bescheidenheit an' gesagt hatte. Und Nikolaus hatte nichts mehr anzusagcii. Seine letzte stille Ansage war^ eine Absage:„Für mich ist kein Platz mehr!" Ebenso still ist ein tcn, dem die Berliner. Ferienfrcnde vcrdanlen: Clajns, der Schöpfer des Strandbades Wannsee. 25 Jahre hindurch hat er an den Ufern des großen blaue» Hav.l- 'ecs am Strande unter den hcrbcu schlanken Kiefern gewirkt und geschafft, damit Tausende und späier Zehntausend.- aus dein weichc-u weißen Sande Erholung von der Äroßstädtnot in bräunender Sonne und allen Jammer fortspülcnder Flut finden koüntcn. Wenn dort am Wannsce eine-Anlage entstand, wie sie in ihrer Weiträu- migk.it, Uebersichtlichkcit und Sauberkeit geradezu ein Vorbild für alle Freibadanlagen der Welt wurde, so war das'ein eigenstes Werk, sein Dank an die Berliner Arbeiterschaft- aus deren Mitte er gekommen war, und die ihm diese Wirkungsstätte erschlossen hatte. Tie jniigen Burschen, die jetzt im Rathaus regieren, haben den erarantcn Mann um ihr Mütchen an den „Marxisten" zu kühle», von feinem Lcbenswerk vertreiben wollen. Da ist er still und ohne Aufhebens den Weg gegangen, der keine Rückkehr kennt. Wieviel« werden ihn,' noch folgen in diesem Deutschland. daS Millionen nur noch eines erlaubt— zu sterben! Stundengeschwindiakeii von 201 Kilometern. Tie Konstrukteure des Charkower Institutes hoffen, daß nach einer gewissen Vervollständigung des Mechanismus die Höchstgeschwindigkeit des Flugzeuges noch wird erhöht werden können. Die Gesellschaft Ossoavia- chim beabsichtigt, m!i diesem schnellsten Verkehrsflugzeug einen großen Rundsing zn organisieren. Britischer Weltrekord im Streckenslug. Die internationale Flugfödcration Hai Großbriian- nicn den Welirekorü im Strcckcnflug zugesprochen. Ter im Feber d. I. von dem Eskadre-Äomman- danten Gaysord und dem Lemnont G. E. N i ch o l e t t s e von London nach der Walfisch- Bah in Südafrika unternommene Flug, der eine 5126 Meilen darstellt, Wie bekannt, haben diesem Flug den von Boardman und John nach Jstambul aufge- Meter geschlagen. Tragödien nebenbei. Das entsetzliche Verbrechen, das von einer Femeexpedition der Nationalsozialisten an de» politisch gewiß harmlosen Theaterdirektoreu Rotter in Liechtenstein verübt wurde, gibt Anlaß, auch der Dpscr zu gedenken, die, abseits vom politischen Kamps. Leidtragende von Nniwälzu»' gen geworden sind, die schärfer und unerbittlicher als jede andere früher« Revoluiion oder Reaktion in das Leben des cinzeliien cingegrif- fen haben. Wer heute in deutschen Wirlschastszeilungcn blättert, der findet den kurzen, scheinbar nichtssagenden Vermerk, daß Herr Meyer oder Herr Cohn auS seiner Firma anSgelchieden und irgendein Herr Christian Dietrich Schulze an feine Stelle getreten sei. Diese„Gl.ichschaltung" des Privaten Wirtschaftslebens mit der offiziellen Neuordnung, die sich als Drang zur Futterkrippe vom Ministersessel bis zum Svndikus- posten erweist, hat ihre oftmals tragischen Nachspiele. die unter den Todesanzeigen in den gleichen Blättern ebenso kühl und sachlich vermerkt werden wie die Tatsache, daß irgendein Gc- 'chciftSmann die von ihm oder leinen Vorfahren sorglich aufgcbaute Firma nicht etwa zum Nutzen der Allgemeinheit, sondern zum Wohle der Teile« Dienstag, 11. April 1988 PRAGER ZEITUNG. Nontag: 123 neue Abonnenten. D«r Zustrom neuer Abonnenten zur sozial- demokratischen Press« hält weiter an. Jeder Tag bringt un» eine ersrculiche Anzahl neuer Leser, die meist ohne besondere Aufforderung unsere Ze.tung bestellen, weil sie durch die furchtbaren Geschehnisse in Deutschland bestimmt worden sind, sich über die Vorgänge im In» und Ausland« zu ortenti«ren, um nicht auch selbst au der Einschränkung d°r persön. lichen Fre.heit, der Vernichtung der eigenen oder der Existenz anderer Menschen schuldig zu werden. Dies« Feststellung freut uns, nicht vielleicht in erster Linie, deshalb, weil der Gewinn neuer Abnehmer unserer Zeitung ein geschäftlicher Erfolg für uns ist, sondern, weil wir für unsere Politik, oder bester gesagt, für unsere Haltung zu den Exzessen der Grausamkeit, die sich gegenwärtig in Deutschland ab» spielen, eine nicht mißzuverstehcndc Zust mmuug erhalten. Mr stehen klar zu allen Ereignissen, Wir haben von der ersten Stunde, da der Nationalsozialismus mit seiner Hunnenpolitik einsetzte, eine für jeden Menschen deutliche Sprache gesvhrt und bis heute ist die Methode deS Kampfes gegen den Nationalsozialismus unverändert beibehalten ivorden. Dieweil sind die Blätter d«S deutschen Bürgertums herüber» und hinübergetaumelt. Wagten mit Rücksicht auf ihr« Abonnenten im Auslande nie zu schreiben, was sie innerlich als Wahrheit anerkannten, und riskierten hin und wieder ein« Kniebeugung vor Hitler und Goebbels. In dem gewaltigen Ringen unserer Zeit kann es aber nur ein Ja oder ein Nein geben. Wir lehnen das Mordrrgim, ab und führen den Kampf gegen den FafciSmuS. Zeitungen, die ihn nicht ablehnen, stimmen feine» Greueltaten zu. Sind für das, was in Deutschland jetzt geschieht, mitverantwortlich. Deshalb auch dir Ablehnung der deutsch- bürgrrl.chen Presse durch ehrlich freiheitlich gesinnt« Menschen, deshalb der Erfolg der sozialdemokratischen Press«. Gerichtssaal Schwere Indizien um e.nen Totschlag. Prag, 10. April. Am 10. November v. I. wurde der Klinik Jirüsek ein schwerer Fall«ingeliesert. Es war der Hausierer Anton Seemann auS Michle, der mit gcsälfrlichen Unterleib sver- letznngen sofort auf den Operationstisch gelegt wurde. Hiebei zeigte sich, daß die Eingeweide des Patienten durch Hieb« mit einem st u m p f c n schweren Gegen st and zertrennt und zerspreng: waren, ebenso an mehreren Stellen auch daS Bauchfell. Nicht weniger als 150 Zentimeter des Dünndarms muß. ten operativ entfernt werden. Trotz der Operation erlag der Verletzt« am folgenden Tag seinen schweren Verwundungen Das war daS Endresultat einer„besoffenen Hetz" in einem Gasthaus bei Jenö unweit von Kladno. Der schon ziemlich angetrunkene"Seemann begann mit neil angekomincnen Gästen«in scherzhaft sein sollen- des Wortgeplänkel, wobei er-es besonders aus den Fleischer Josef Cisakovsky abgesehen hatte, den er unablässig belästigt«. Schließlich geriet dieser derart in Wut, daß er aus der Gaststube lies und gleich mit einer A x t wiederkam. Er rief den anderen Gästen zu, die Tür zu öfsnen und trieb den Seemann hinaus, wobei er ihm auch einen Hieb mit dem Helm der Axt zwischen die Schulterblätter versetzte Was dann folgte, ist durch die Zeugen nicht z» erfahren, die in ihren Aussagen so vorsichtig find, daß gegen zwei von ihnen daS Verfahren wegen falscher Zeugenaussage cingeleilet wurde. Sicher ist, daß der Angeklagte CisakovskY den S c e m a n auf der Straße«ine Streike weit verfolgte und ihn in einer Entfernung von etwa 35 Schritten rinholte und an das Eilengeländer des Straßenrandes trieb. Die Zeugen wollen ober nichts ge» sehen haben, obwohl damals ein mondheller Abend war. Sic erklären, nur einig« dumpfe Schläge gehört zu haben und dann einen Aufschrei Seemanns:„Jesus, ich bin erschlagen!" Der Angeklagte leugnete zunächst überhaupt, die Hand gegen Seemann erhoben zu haben, später gab er zu, ihn„möglicherweise" mit der Axt i n s Bein, keinesfalls aber in den Bauch geschlagen zu haben, und zwar In Notwehr, weil dieser nach ihm trat. Schließlich erklärt« er,«r habe damals 16 Bier« getrunken und könne sich an n i ch t s m e h r erinnern. Heut« hatte sich der Täter vor dem Schwurgerichtshof des LX8R. KvaPil wegen de» Verbrechens des Totschlages zu verantworten. Unter den geschilderten Umständen ist es natürlich schwer, di« objektive Wahrheit eindeutig und klar fest- zustellcn, obwohl eine gewaltige Menge von Zeugen aufgeboten worden war. Nach Auskunft der Behörden hat Cisakovity keinen guten Rus, ist dem Alkohol ergeben und hat auch schon andere Anstände gehabt Immerhin sind di« Richter in diesem Fall auf 2 n d i z i« n angewiesen und«s ist nicht mit absoluter Sicherheit erwieien. daß die Verletzungen wirklich von dem Angeklagten hcrstammen, oder— so unwahrscheinlich dies auch sein mag— eine andere Ursache haben Di« Geschworenen verneinten die Schubd- frage«i n st i m m i g und der Angeklagte wurde jreigesprochen. ich. Kunst und Wissen Um die Subventionierung des Deutschen Theaters. Eine Borsprach« beim Schulminister. NamenS der deutschen Sozialdemokraten sprach gestern beim Unterrichtsminister Dr. D ö r e r«ine Abordnung vor, bestehend aus den Gciusten Vizepräsident Taub, Dr. Strauß(Landesverlretnng), Goldschmidt(Redaktion) und Dr. Franz«! (Bildungszentral«)» um unter anderem auch di« Lag« des Deutschen Theaters in Prag und die durch den Beschluß des LanderanSschusteS über die Subvention entstandene Situation zu besprechen. Der Minister nahm d>« verschicdentlichcn Aufklärungen unserer Genossen mit größtem Interest« zur Kenntnis und besprach mit ihnen auf Grund der geäußerten Be. denken über die Auswirkungen des LandrsauSschuß- beschlusseS weiter vinguschlagende Schritte. Krim vom Wochev'Tvde. Die SubvenlionS-Bedrängnist« fallen zeitlich mit künstlerisch etwas grauen Durchschnittswochen zu- sa mmen; nach rückwärts und vorwärts ist nicht viel los im Spielplan, auch weil» man die samstägig« Komödien^Lrstaufführung in der Kleinen Bühne als nett« Abwechslung und di« bevorstehende Operetten-Premiere als Versuch teilweiser Wieder- gutmachung der vor allen« kassamäßig schädlichen Per» drängung dieses Genres vermerkt. Und di« Oper rüstet zwar zu neucn Taten, muß aber anscheinend zu diesem Zweck dem laufenden Spielplan allen Glanz entziehen. * „Wetter für morgen veränderlich" (von Eugen Gürster) ist ein nett dramatisierter witziger Einfall, mit überreicher Gelegenheit, die Zu- 'chauer einmal hinter di« Kulisten und sowohl in Komödienspiel« der Politik als auch in politische Beziehungen der Bühne schauen zu lasten. Anläufe und Möglichkeiten zu aktueller AuSnützung der in den Siebzigerjahren Frankreichs spielenden Hand- lung sind zwar vorhanden, können aber samt den guten Witzen und einer ausgezeichneten Darstellung immer nur für Augenblicke über den Mangel wirklich tragender Rollen, interessanter Charakter« und fest gebauter Szenen hinweghclfen. Man lacht— aber leider ohne jode tiefere Bedeutung. Begrüßenswert und geglückt der Versuch, Herrn Waller Taub einmal Regie führen zu lasten; man spürt di« Intelligenz und den Humor, die von dieser Seit« — übrigens auch-durch ein« zwingend komisch«.Ichou- spielerischc Leistung Taub'S— dem„Werk" bei- gesteuert wurden. Sehr spaßig auch die Herren Dörner und P a d l e s a k, überzeugend wie immer die Meller, liebenswürdig.Herr Frey, beredt Herr Dudek, richtig lustspielmäßig charakterisierend Herr Janisch(übrgienS so wie Herr H ö l z l i n in ausgezeichneter Maske). DaS Publikum nimmt die Scherze mit heiterstem Lachen zur Kenntnis, ohne aber zu verbergen, daß die gan^ Geschichte zum Schluß doch sehr«indruckSlor blieb * Im großen Haus am Sonntag zum viertenmal die„W a l k ü r«'. Daß das zu viel ist, dürfte der Kassarapport gelehrt haben. Dagegen dürste dir Direktion, wie wir sie kennen, auch jetzt noch nicht davon überzeugt sein, daß Gastfpielverträge und Gast- 'piele allmählich die für»ns selbstverständlichen, gefährlichsten Haken zeigen.-Herr N e u b« r t auS Leipzig, der den Siegmund sang, weil der Gast aus Saison nicht tm Laiche ist, und weil der versprochen« Pölzer aus München ausbliob. bracht« an den Kasten mit Recht vermutlich kaum so viel«in, als man ihm wohl bezahlen mußt«. Ein« fast reizlos ge- worden« Stimm«, nicht ohne Müh« sich zu den 'escheidenen S'egmuNd-Höhcn eng durcharbritend, Gestalt u>ch Gestaltung recht und schlecht uich leider nicht eimnal genügende Musikalität. So weit der erste Akt, in dem auch Frau Helm nur sehr mäßigen Ansprüchen gerecht wurde, ein Urteil gestattet, war von diesen beiden Seiten weiter kaum Erbauliches an diesem Abeiü» zu erhalten. * Nachmittags unterhielt sich in einem leider auch spärlich betuchten Hause unser Arbeitervorstellung r-Publikum über daS. was der Bearbeiter an Shakespeares„Komödie der Irrungen" ganz gelosten hatt« und freute sich ausgezeichneter schauspielerischer Leistungen der Damen BehrenS, Warnholtz und Meller und der Herren Taub und Padlesak. L. 0. Spielplan des Neuern Deutschen Theaters. Dienstag,%8 Uhr(A 1):„Minna von Barnhelm".— Mittwoch,%8 Uhr(B 1):„Die Ent- führung auS dem Serail".— Donnerstag, -48Uhr:(CI):„Eine Frau, die weiß, was sie will."—Freitag' Keine Vorstellung.— Samstag, J48 Uhr:(D 2):„Die Königin von 8 a b a."— Sonntag, M3 Uhr:„Glückliche Reis«", M8 Uhr: Ensemblcgastspicl Ernst Deutsch:„D«r 13. Juni."— Montag X7 Uhr:„Die Meistersinger von Nürnberg." — Dienstag:„EI»e F r a u, d i w c i ß, w a S s i e will" Spielplan d«r Klein«» Bühn«. Dienstag, 8 Uhr: „Salon Pitzclbcrger",„Die schön« Gala Ihöe."— Mittwoch, 8 Uhr:„Vetter veränderlich."— Donnerstag, 8 Uhr:„Fatme." — Freitag: Keine Vorstellung.— Samstag, 8 Uhr: „Wetter veränderlich."— Sonntag, M8 Uhr:„B i e rm a l O f f e n b a ch".„Salon Pitzcl- berger",„Die Kleine Zaubcrflöte",„Die Verlobung bei der Laterne",„Die Insel Tulipan".— Montag, J48 Uhr: Erstaufführung.„Madame hat Ausgang."— Dienstag, 8 Uhr:„Fatme." Aus der Partei Kreiskonserenz der Kreksorganisatian rep!itz-2aaz. Sonntag fand in Tur» bei Teplitz in den Stadtsälen eine Kreiskonferenz unserer Parteikreisorganisation Teplitz-Saaz statt, die von mehr als 200 Delegierten besucht war. Nachdem die Konferenz mit einem Lied der Arbeitersänacr und mit einer Kundgebung des Genosten Kremser gegen den FasciSmuS eröffnet worden war, wurde daS Präsidium gewählt, das aus den Genossen Kremser, Lippc-rt und Wagner als Vorsitzenden und auS den Genossen Seidel, Pichl und Genostin Klier als Schriftführer bestand. Ter Vorsitzende begrüßte dann noch den Genossen Taub als Vertreter des Parteivor- standcS, den Genostcn Dr. Strauß für den„Sozialdemokrat" und Genosten I i r o u t für die tschechische Sozialdemokratie, welch letzterer in einer Ansprache auf die Zusammenarbeit zwischen der deutschen und tschechischen Sozialdemokratie verwies. Ten Tätigkeitsbericht erstattete der KrciSsekrctär, Genosse Lorenz. Er ging von der steigenden Arbeitslosigkeit im Kreise auS, die von 11.308 im Jänner 1932 auf 52.569 im Jänner 1933 gestiegen lei. Tie politischen Verhältnisse brachten eine Verschärfung der Kämpfe, aber die Partei ist aktiv, zahlreiche Versammlungen und Konsercnzen finden statt. Außerdem wurde eine Intensive Bildungsarbcit insbesondere unter den Jugendlichen veranstaltet. Tic Arbeiterschaft braucht eine festgefügte Organisation, nur so kann sich der Sozialismus in der Welt durchsetzen. Die Hauptaufgabe der Partei ist es, den FasciSmuS zu bekämpfen. Sodann erstattete Genosse P a h e l t den Bericht namcnS des UntcrsuchungS- auSschusteS, der wegen der Bcrhältnistc In der Truck- und BcrlagSanstalt eingesetzt wurde, während Genosse I l a r t für die Kontrolle und die Partcibe- tricbe berichtete. Anschließend daran hielt Genosse Taub ein groß angelegtes Referat über die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse des In- und Auslandes. In der anschließenden Debatte sprachen 16 Redner, worauf Genosse Taub daS Schlußwort hielt. In einigen angenommenen Entschließungen sprach die Kreiskonferenz ihre Zustimmung zu den Beschlüssen der ReichSkonfercnz ans, sagte dem Gc- nosscn Dr. Czech für seine Arbeit Dank, verlangte eine rege Werbetätigkeit für die Presse und regt einen neuerlichen Kongreß deutscher und tschechischer Dozialdemorkaten an. Bei den Wahlen wurde neuerdings Genosse Kremser zum-Kreisvertrauensmann gewählt. Tie Konferenz bot da« Bild deS festen Zusammenhalte« und deS besten Kampfgeistes der Delegierten. Insbesondere die Vertrauensmänner des unmittelbaren Grenzgebietes erklärten die unverbrüchliche Treue der Arbeiterschaft zur Sozialdemokratie und ihre Entschlossenheit einen festen Wall gegen das Eindringen der Hakcnkrcuzpcst zu bilden. Snorl«spiel* Köroerptlege Blrftrllchar Sport» Tschechoslowakei gegen Sesterreich 2:1(0:0) In Wien siegle am Sonntag auf der Hohen Warte vor 60,000 Zuschauern daS Team der Tschechoslowakei überraschend und unerwartet über daS österreichische Wunderteam, das in Schönheit und ohne Energie ihr« Spielzeit absolvierte. Dem Spiele gng«ine einzigartig« Demonstration gegen das derzeit in O«ster- reich herrschende reaktionäre System voraus. Als nach der beifällig aufgenom« menen tschechoslowakischen di« österreichisch« Hymne(dir Melod« des ehemaligen Kaiserliedes) intoniert wurde, veranstaltet« di« Zuschauermaste so intrnstv ein Pseifkonzert, daß nicht«in Ton d«r Melodie zu hören war. Den saseistisch«» Machthabern Dollfuß und seine recht« Hand F«y u.— Marseille: Hakoah Wien gegen Olympiqu« 8:1 10:1).— Oberhausen: Rapid Wien gegen Stadtteam 2:2.— Freiburg: FC. gegen Sportklub Wien 4:2 1:1).— Elberfeld: FSV gegen FC. Wien 3:3— Hamburg: HSV. gegen Corinthians London 2:2(Samstag). — Kiel: Corinth'ans gegen Holstein 1-' Schwimmen„Quer durch die Moldau",'lm Sonntag vormittags wurde in Prag diese alljährliche Schwimmkonkurrenz ausgetragcn. Bei den Mänitcrn siegte wiederum 6erny(Vys. sport) in 1:49.3 vor Centner(Pilsen) in 1:50.2; bei den Frauen blieb Griesmann-DobruSka(APK.) in 2:50.1 siegreich. Es starteten 20 Schwimmer, darunter vier Frauen. Beginn der Leichtathlet ksalson: Querseldetnläufe. In B r ü n u wurde die Querfeldeinlaufmeisterschaft der Tschechoslowakei über eine Strecke über 7800 Meter ausgetragen und vou Dr Drozda(Vys. sport Prag) in 24:11,5 gewonnen.— Die ungarische Meisterschaft in dieser Disziplin gewann Kclen lVasas) in 23:40.8.— Die österreichische Meisterschaft als Mannschaftslauf holte sich Hakoah Wien in 35:38. Der deutsche Mehrkämpfer Sievert erzielt« dieser Tage Im Kugelstoßen die beachtliche Weit« von 16,11 Metern und blieb damit nur knapp unter dem Weltrekord des Pragers Douda. || öns heim des llasienbewuhken 11 II«-Arbeiters gehört d- Zenkralorgmi. 11 || der Deutschen sozialdemokr.«rbeiterpartei|| II-«Sozialdemokrat-—II «raut,«der SieiUrie» lauk— itt>4 U Uli.—,— Jus,rau werden(aut Zati| dtlliull berechnet. Bei«1«» LiulchaUuu««» Sreituachlatz.— RücklteUun,»ou Kauustri»le, erfolgt rat bei VtafenbBag der Sietourmarte»,