Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh.■ st.&afflonu. Verwaltung: Drag n.atrUsanta ia* Xtirpp.: 20797. aiMg,otawtreoan.tat31 Ugr)> S5&50chpoRf<8rtfamt:57544 Kozelpreis 70 Heller, arichchließlich 6 Heller Port, p r a h a u• Hybernska 13. Jahrgang. 3tr Sy. Freitag, 14 April 1933 Sie sollen die Antwort haben! Ein dreistes Manöver des„Tag“. Wir haben vor einigen Tagen berichtet, daß ein enges Zusammenarbeiten der reichSdcutschrn mit den sudelendeutschen Nazis organisiert ist und verwiesen bei dieser Gelegenheit ans Beratungen, die in Sachsen unter der Teilnahme deö jetzigen ReichskommnärS für Sachsen, Killin- ae r, und eines Verbindungsmannes der sudetcn- deutschcn NajiS statt fand. Ter„Tag" hat die Frechste i t, uns Denunziation vorzuwerfen. sich ans den Mörderhäuptling Killinger berufend, der jede Zusainmcn- arbeit der reichKdeutschen SA mit den sudetendeutschen Nationalsozialisten leugnet.. Seine bisherigen Frechheiten' krönend, verlangt„Der Tag" Beweise für dieses Zusammenwirken, verlangt er Namen und Adressen derer, die in der Tscheka des.Herrn von Killinger stehen. Die Redaktion des„Tag" hätte es natürlich nicht nötig, sich wegen der Namen und Adressen m u n s zu wenden. Die verschiedenen OrtSvarteien der Nazis könnten ihm genaue Auskunft darüber geben, welche ihrer Mitglieder regelmäßig über die Grenze gehen und in der SA Dienst tun. Aber auch ohne die Nennung dieser Einzelnen, die noch besorgt tverdcn wird, wenn w i r sie für notwendig halten werden, gewinnt man ein Bild über das Ausmaß der nationalsozialistischen Tätigkeit innerhalb der Landesgrenzen— einer Tätigkeit, die auf der Gesinnung der SA-Hunnen beruht'imd-vom„Dag"- durch wie- letzten Wochen hindurch in aller Oefsentlichkeit planmäßig gefor- dert wurde. Es. fanden quf tschechoslowakischem Boden bereits U e b e r f ä l l e statt, die eine Zusammen- arbeit der reichsdeulschen und sudetcnoeutschcn Nazis beweisen. Und nicht nur diese Ucberfälle, sondern auch die Denunziationen, die durch Nazis erfolgten und erfolgen und die Schreibweise der Naziblätter beweisen, daß der Wille besteht, die demokratischen, marxistischen und jüdischen„Seuchenherde" in Böhmen gründlich anszubrenncn. And eben dieser Wille wurde in den gemeinsamen Beratungen unserer Nazis mit den reichsdeutschen des Banditenhauptlings Killinger lebendig. Da ist zunächst der Uebersall von SA-Leuten aus Katharinaberg zu nennen, bei welchem der Jugendgenosse Schmieder angeschossen und schwer verletzt wurde. Reichsdeutsche Nazis waren unter der Führung sudetendeutscher über die Grenze gekommen, um einen geflüchteten sozialdemokratischen Funktionär zu sichern und zu entführen. Der Nationalsozialist Richter jun. in Krei- bih hat bei der E n t f ü h r u n g d c s Kom- m u n i st e n Martin, der sich in Rnmburg ausgehalten hatte, mitgewirkt. Er hat sich als Führer und Verräter betätigt. Am 30. März ging der Schmiedeberger Bür« germeister, ein Nationalsozialist, an der Spitze eines Nazihaufens, in dem sich auch Reichsdeutsche befanden, gegen Arbeiter vor, am 1. April wurde eine Sprengung der von den Sozialdemokraten einberusenen antifaseistischen Kundgebung in Komotau versucht und kurze Zeit darauf wurden kommunistisch« und sozialdemokratisch« Arbeiter in Grottau von den Nazis blutig geprii. gell. Organisierte Kolonnen aus Reichenberg und Umgebung waren aufgcboten worden. Diesen Kolonnen gehörten auch Reichenbergrr StaatSge- werbeschüller an. die der Direktion der Staatsgelverbeschnlc bekannt sind. Hier ist auch der feige Angriff der Nazis aus sozialdemokratische und kommunistische Arbeiter in Eger zu nennen, der am.17. März erfolgte und mit der Nieder- schlagung einiger Arbeiter endete. Und am 22. März hat-Herr Dr. David in Leitmerih in der Presse und durch Plakate zur Sprengung der sozialdemokratischen Kundgebung ausgefordert und sich in einer Weis- benommen, daß Herr von Killinger an ihm sc'ne helle Freude haben dürfte. Getreu der auSgegebenen Parole, im Kampfe gegen die Sozialdemokratie jedes, auch das gemeinste, Mittel zu verwenden, haben die Nazis auch Denunziationen bei den tschechoslowakischen Behörden nicht gescheut: hie Angeberei gegen unsere zwei Trautenauer Lehrergenossen wird man nicht vergessen; sie liegt in der Richtung des„Ausbrennens" der Marxist», schen Seuchenherde und ebenso auch die Aufforderung der Troppauer„Reuen Zeit", di« Sozial demokraten aus allen öffentlichen Aemtern zu' entfernen. Hiehcr gehört auch die dunkle Drohung des„Tag"" an die sozialdemokratischen Redakteure, sich„d e r e i n st" für die Schreibweise der sozialdemokratischen Blätter zu rächen; wir haben, als die Drohung gefallen war, sofort festgestellt, daß sie n u r d e n Sinn haben kann, die sudetendcu'schen Gebiete dem Dritten Reich a n z n g l i e d c r n, die Hnnnenherrschast also auch hier auszurichten. Und„Der Tag"" wußte gegen diese klare Feststellung nicht«in Wort einzuwenden. Es kann der Schriftlritung des„Tag" nicht unbekannt sein, daß sich, noch bevor sie an uns die Aufforderung richtete, Planten zu nennen, unsere Behörden mit einigen Nationalsozialisten sehr liebevoll beschäftigten: In Kreibitz und Johannesberg fanden Hausdurchsuchungen und Verhaftungen statt. Man wird de« jungen Leuten zwar nicht sehr dienen, wenn man sie öffentlich nennt, aber dem Manne in der Redaktion des „Tag"", der di« Aufforderung an uns richtete, kann geholfen werden. Es gibt auch noch Sachsenganger und Spitzel, die der Aufmerksamkeit unserer Behörden bisher entgingen. All das, waS sich in den letzten Wochen in den sudetendeutschen Gebieten ereignete, ist auf di« unerhört« Hetze zurvckzusühren, die der„Tag"' im Zusammenhang mit den deutschen Ereignisse« betrieb. Er hat sich offen ans die Srtt« der Hunnen gestellt, hat jeden Mord, jede Bestialität verteidigt und zu noch größeren Gemeinheiten ausgerufen. Als die Nachricht über dir Mißhandlung S o l l m a n n s bekannt wnrde, schrieb er, Sollmann sei no6) zu glimpflich b e h a n d clt worden. Was wunder, wenn sich die jungen sndcten- deutschen Nationalsozialisten, verlockt durch die Schilderungen des„Tag", angefeuert durch das Lob des Mordens und der Mörder, so betätigen, wie cs ihrer Sehnsucht und der Gesinnung der „Tag"-Redaktcure entspricht? Sie, die die Jugend verhetzten, sind allein schuld an deren Verhalten! Sie mögen nicht die Frechheit nnd Vie Niederträchtigkeit ans die Spitze treiben! ES könnte sonst sein, vast wir die ^»rütkhaltnng, die wir anch heute noch üben, vollkommen ansgeben. Für alle Folgen sind dann die Herren verantwortlich, die den„Tag" schreiben. Nazi-Agent in Prag. Der„Schriftsteller" Nikolaus S1* e h m, einer der berüchtigsten unterirdischen Agenten der Berliner Hitler- Partei, hält sich zur Zeit in Prag auf. ES ist anzunehmen, dass Herr Strehm seinen Berliner Gepflogenheiten auch in Prag Ire« bleiben und Anschluß an politische LinkSkreise suchen wird; wie weit er mit den Killinger, Jung und Genossen in Zusammenhang steht, wird die Polizei sestzustellen haben. Ein tschechoslowakischer Arbeiter von SA viehisch mißhandelt. Material für den„Tag". In das Krankenhaus in H r o n o w wurde in bewußtlosem Zustande ein Mann gebracht, welchen Lanoarbeiter auf einem Felde bei der Gemeinde B i ö n o v gefunden hatten. Als er zu sich kam, wurde sestgestellt, daß eS sich um den Drechsler Josef P e l c l auS Groß- Stieb- n i tz im Adlergebirge handelt. Pelel, der Vater von vier Kiltdcrn ist, arbeitete langer als zwanzig Jahre in Schmiedeberg. Als die Hakenkreuz- ler in Deutschland zur Macht kamen, kam er auf die Liste der den Nazis unbequemen Ausländer. Bor einigen Tagen wurde er in seiner Wohnung von fünf SA-Banditen überfallen, vor den Augen seiner Familie aus dem Hause geschleppt und mit Totschlägern solange mißhandelt, bis er das Bewußtsein verlor. Die Schädeldecke wurde ihm an ainigen Stellen gespalten, die Zähne wurden ihm ausgeschlagen und ein Ange so schtver verletzt, daß eS wahrscheinlich nicht mehr zu retten sein wird. Nach dieser bestialischen Behandlung wurde der halbwte Mann auf»in Auto geladen nnd übe» die Grenze airf-ckfch'echv^lo- wakischeS Gebiet gebracht. Unweit der Gemeinde warfen die SA-Leute den Bewußtlosen ans ein Feld und flüchteten über die Grenze zurück. Hätten-die Arbeiter Pelel nicht zufällig gefunden, wäre er verblutet Nazifeine in Prag? Dem„Tag" zum Nachdruck empfohlen! Tschechische Blätter melden: In den letzten Tagen suchen die Prager Sicherheitsbehörden unbekannte^erfonen, welche Prager Deutsche mit Drohbriefen, telephonischen Anrufen nnd Drohungen belästigen. Sie behaupten, daß in Prag ein geheimes Gericht der-Haken- kreuzler existiere, welches die Adressaten zum letzten Male auffordere, die öffentliche Tätigkeit aufzugeben, weil man sie sonst abfangen würde. Dem Chefredakteur einer größeren deutschen Zeitschrift in Prag drohten die unbekannten Schreiber sogar, sie würden aus ihn warten, bis er mit seinem Auto aus seiner Wohnung ans der Peripherie der Stadt käme und würden ihn a b s ch i e ß c n. Aehnliche Schreiben erhielten auch ein bekannter Advokat und einige Personen aus Jndustriellenkreisen. Die Nachrichten klingen unwahrscheinlich, beruhen aber vollkommen auf Wahrheit und erfordern eine sofortige strenge Untersuchung, wer sich hinter diesen Drohungen verbirgt, ob tschechoslowakische Staatsangehörige oder Ausländer. WIN Wirk MMMMUMW. Herabsetzung der linterstttlzundsdaner um zehn Wochen. Wien, 13. April. lisch. P--B.l Nach einer reuen Notverordnung, die am heutigen Tage publiziert wird, wird die Höchstdauer der ordentlichen Arbeitslosenunterstützung von 30 aus 20 Wochen herabgesetzt. Die Verordnung tritt b«. reitS am 1. Mai l. I. in Kraft, gleichzeitg mit den neuen Richtlinien des Bundesministers für sozial« Verwaltung über die Gewährung von Notstandsaushilfen, die eine weitere Verkürzung erfahren. In Fachkreisen rechnet man damit, daß durch diese neue Reform ein Ersparnis von etwa 38 Millionen Schilling erzielt werden könnte. Weitere Notverordnungen betreffen n. a. die B n n d e s b a h n b u d g e t s a n i e r n ng, die Ein. Hebung eines Preiszuschlages zu den ermäßigten Freifahrtausweisen, die Verordnung über die Regelung der Bezüge und Ruhegenüsse der Bediensteten öffentlich-rechtlicher Körperschaften und Fonds, die Verordnung" über Maßnahmen zur Senkung des Aufwandes an Personal- Verwaltungskosten der Träger der Sozialversiche rung und ihrer Verbände sowie eine Verordnung über die Abänderung des Bundesgesetzes über den freiwilligen Arbeitsoienst. Anrnlnng des Verfassungsgerichts. Wien, 13. April. Die Wiener Landesregierung hat gestern beschlossen, die auf Grund des kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes erlassenen Verordnungen betreffend die Regelung des Brennstoffvexbranches, über die Sanierungsmaßnahmen für die Stickereiindnstric nsw. beim Verfassungsgericht-Hof anzufechten. Insgesamt werden nenn Verordnungen angefochten werden. Allgemeines Uniformverbot? ' Unter den neuen Notverordnungen, welche die Regierung vorbereitet, befindet sich auch, em llniformverbot für ganz Oesterreich. DaS Verbot wird sich auch auf die Uniformen der Kolporteur« erstrecken. Ocstcrrcidilschc HfllSpOllZCl. Wenige Tage, nachdem die österreichische Regicning den Republikanischen Schutzbund aufgelöst hat, wurde in einer Notverordnung verkündet, daß 5000 Hilfspolizisten in Dienst genommen werden sollen,„um die Sicherheit des Staates und der Bevölkerung unter allen Umständen zu gewährleisten. Diese werden den zur Verfügung stehenden, geeigneten Selbstschutz-Verbänden entnommen." Jedermann weiß, welclw Verbände dazu ausersehen sind, der Politik der österreichischen Regierung die Bahn freizuhalten. Es kommt fast ausschließlich die He im wehr in Betracht, soweit sie noch unter der Führung Swrhembergs steht. Von wesentlich geringerer Bedeutung tverdeu die„Ostmärkischen Sturnischaren" sein, die von dem christlichsozialen Justiznlinsster Schuschnigg kommairdiert werden. Aehnsich wird es mit den landbündlerischen Baueniwehren und den Frontkämpfern stehen. Mit der Anfstellmtg der Hilfspvlizei ist einer der brennendsten Wünsche der Hein'Zvehr und des reaktionären Flügels der Bürgerlichen in Erfüllung gegangen. Manckie wissen sich vor Triumph nicht zu fassen, sie können es gar nicht mehr erwarten, auf dem Wege znni offenen Bürgerkrieg weitergefiihvi zu werden nnd recht bald Zeuge einer entscheidenden Niederlage des Proletariats zu. werdet». Die Regierung selbst jedoch scheint viel tveniger Vertrauen in die eigene.Kraft zu besitzen. Wenn sie auch täglich mit neuen gefährlichen Angrifjen gegen die arbeitenden Massen vorstößt, tvenn sie anch fieberhaft daran arbeitet, Punkt für Punkt des Programms der österreichischen Reaktion zu verwirklichen und auf diese Weise den Nationalsozialisten den Wind aus den Segeln zu nehmen,— die Regierung Dollfuß scheint doch zu spüren, daß sie trotz ihren Siegen nicht siegreich bleiben tverde, sofern ihr»richt bald Hilfe kommt. lind nach Hilfe hält Dollfllß schon seit längerer Zeit Ausblick. Es kann kaum einen» Zweifel unterliegen, daß zwischen den Regierungsparteien und dem Nationalsozialismus Annäherungsversuche bereits unternommne wurden. Die Sehnsucht»»ach der Hilfe dürste es auch sein, die den österreichischen Bundeskanzler Dienstag nach Rom fliegen ließ, just zu einer Zeit, in der sich auch Pape»» und Goering, die Vertreter der deutschen Regierung, in der italienischen Hauptstadt befinden. Man tvird vielleicht nicht fehlgehen, wenn man vermutet, daß Dollfuß in Rom günstigere Bedingungen beim Nationalsozialismus zu erzielen hofft. Er»nag der Ansicht sein, air der Seite Mussolinis, des ProtekiorS der österreichischen HeinUvehr, mehr Rücksicht seitens des Faseismus Hitlersck)er Observanz zu finden, als ihm bisher geglückt war. Wie den» immer aber auch sei— die Re- gierung muß wissen, daß sie auch durch ihre polizeilichen Rüstungen nicht stärker wird. Denn was bedeuten 5000 Mann Regierungsheimwehr, die wegen ihrer Disziplinlosigkit »tnd mangelhafte»» Ausbildung in den weitesten Kreisen als wertlose Soldateska verschrien sind, tvenn sich die Regierung in politisch entscheidenden Momenten nicht mehr aus die Bundespolizei verlassen kann, da sie namentlich in ihren jüngeren Mannschaften nationalsozialistisch zersetzt ist? Ist doch erst vor kurzem selbst der Polizeipräsident Brandl, als er wegen mangelnder politischer Zuverlässigkeit pensioniert worden war, schnurstracks zum Gauführer der Nazi gegaitgen, um leinen Beitritt zur Partei z»i erklären. Und ihn» folgt«»» mehrere höhere, aktive* Polizeioffizier«! Was bedeuten 5000 Hahnenschwänzler, wenn auch innerhalb des Bundesheeres der Nationalsozialismus so kräftig wuchert, daß seine Anhänger innerhalb der Soldatenschaft die zahlenmäßig stärkste Gruppe bilden, die Christ- lichsoziolen hingegen an letzter Stelle stehen und sogar schwächer sind als die Sozialden»o- Seite r streikst, 14. Aprik 193» Nr. 8V traten, die man seit Jahren hinonSzndrängen bemüht war? Jedoch nicht bloß die Fragen der Brachialgewalt müssen der Regierung Sorgen bereiten. Biel größer und schier unüberwindlich sind die Schtvierigleiten, die ihr von der Seite 'bet Wirtschaft her bereitet werden. Immer !gefahrdrohender erheben sich vor aller Augen die ökonomischen Probleme des schtvachen, gelbrechlichen Staates. Di« Einnahmen gehen zu- rnck, ohne daß es der Regierung gelungen wäre, die Ausgaben in demselben Verhältnis einzudämmen. Di« Folge davon ist, daß di« Bundesbahnen die Löhne und Gehäker nur nicht in Raten bezahlen können. In womöglich noch schlechterer Lage besticken sich ihren Beamten gegenüber di« Länder Nrederöster- reich und Salzburg. Die Arbeitslosenversiche- rung zeigt ein bedeutendes Defizit. Die österreichischen Banken taumeln von Krise zu Krise. Hundertvierzig Millionen Schilling waren eS, die ihnen der Staat vor kurzem zur Verfügung stellen mußt«, um verheerende Zusammenbrüche zu verhindern. Nur mühsam wird daS Gebilde der österreichischen Wirtschaft aufrecht erhalten. Um sie vor dem voN- konnncncn Einsturz zu bewahren, leert die Regierung den arbeitenden Massen rücksichtslos die Taschen. Durch eine Senkung der Bezüge der Eisenbahner sollen jährlich 26 Millionen Schilling„erspart" werden. Durch eine Aenderung in den Bestimmungen der Arbeits- losenversichening wird Tausenden uird Tausenden Erwerbsloser die karge Unterstützung noch weiter gekürzt oder gar vollständig entzogen. Den Sozialvcrsicherungsangestellten, die kaum besser bezahlt sind als di« Bundesbcpmten, werden die Gehälter unr 20 bis 25 Prozem gekürzt. Und das Ergebnis all dieser Brntalitä- tat? Das Bürgertum ist trotz allen» größtenteils nicht zufriedengestellt, seine Lage wird rricht um ein Haar besser. DaS Echo, auf daS die Regierung gehofft hat, ist auSgeblieben. Ihre Politik hat keine Werbekraft. Nicht a»S- geblieben jedoch ist die Erbitterung in den Massen. Wie sehr auch daS Proletariat von der Regicrrrng drangsaliert wird, wie sehr eS auch mit ZcitungskonfiSkationen, Verboten von Versammlungen und Demonstrationen verfolgt wird, wie sehr nran ihm den Knebel in den Mund zu stecken sucht,— der Zorn uird die Empörung wissen sich dennoch Lust zu machen. Bald da, bald dort tan- chen plötzlich mehrere hurwert Mann starke Gruppen von Arbeitslosen auf, die stürmisch gegen die Entrechtung protestieren. An Sonntagen, die vom Wetter begünstigt sirrd, kann nran sich wundern, wie manche der großen Gärten Wiens aufiallend stärker besucht sind als sonst. Da«rscheirren auch schon einige jurige Burschen, di« Flngzettel verteilen, in denen die Arbeiterschaft zum AuSharren aufgefordert wird. Und wenn die Polizei nach den Verteilern greift, da entschwinden sie nreistens spur- loS in der Masi«, di« sie willig arrfnimmt. Solche Zettel tarrchen auch nicht selten auf den Märkten auf, wo sie bei den einkaufenden Frauen viel Sympathie finden. Die Arbeiterschaft hat nichr kapituliert. Sie verzichtet nicht auf den Widerstand. Sie ist stark genug, tun ihn, wenn es nötig ist, noch kräftiger zu steigern. Mit diesem Widerstand wird die Regieruttg Doll fuß noch lange rechnen müssen und auch die 6000 Mann ihrer neuen Soldateska werden ihn nicht brechen. S. K. inniniiiiiiiiimninniuiiinn>iniiiiiiniimnniininnininuimnniiiiimnimiinininiiiiiniiniinininniiiniiniiiHiiiiiiniiiiniiiinnniiiiinHiiiiinniiniiiminiiiiiiii(iiniiniminnnmiinniiiiinnnnnnnnin Wirtschaft. Wirtschaft, Herr Hitler l Deulldier Export MMal verldiloditert. Rückgang auch der Produktion. Berlin, 12. April. Seit dem Regierungsantritt Hitlers hat sich di« Lag« der deutsch«» Wirtschaft, vor allem aber di« Lage des deutschen Exports, katastrophal verschlechtert. CS ist, nicht nur oie saisonmäßiae Belebung im Monat Mörz völlig anSgeolr«b«n, sondern es liegen sogar die Mörz-Ergebnisse noch erheblich unter denen des Feber» und beide zusammen weil unter denen des Jänner, de» letzten Monat» der Regierung von Schleicher. Da« Vertrauen der internationalen Wirtschaft zu der politischen Stabilität Deutsch, land» und zu der Vertragstreue der neuen Herren ist zerstört; hinzu kommt, daß auch im innerdeutschen Wirtschaftsverkehr stärkst« Zurückhaltung herrscht. Rach den Schatzungen de» ReichSverbande» der Deutschen Industrie, der Spitzrnorgamsatlon der gesamten deutschen Wirtschaft, beträgt der Rückgang der Produktion Im März 1988 wertmäßig 18 Prozent gegen Feber 1988 und 27 Prozent gegen Jänner 1983; und der Rückgang de» deutschen Export» im Marz 1983(wertmäßig) sogar 8öProzentg«genFeb«r 1988 und 63 Prozent gegen Jänner 1938. Di« Laa««nd die ZukunstSauöstchten sind für Deutschland durch den im Auslande fast allgemein geübte« Boykott deutscher Waren. noch außerordentlich verschlechtert worden: man rechnet heute schon mit Sicherheit damit, daß die April-Ergebnisse, insbesondere hinsichtlich de» deutschen Export», noch weit unter denen de» Monat» März 1988 liegen werden. Der Leiter der britischen Organisation für den Boykott deutscher Waren, Kapitän Webber, erklärt, daß nach übereinstimmenden Berichten der Boykott sich in einer s ü r Deutschland verhängSniSvollen Weise bemerkbar mach«. Er, Webber, werd« im Einvernehmen mit leinen Freunden dafür Sorg« tragen, daß der Boykott verschärft und mindestens o lange dnrchgesührt werde, bis der Unterschied wischen Juden und Richtsuden aushöre; im Ibrigen standen die Plane seiner Organisation ür die Durchführung de» Boykott» im internationalen Maßstab« von ihrer Verwirklichung Wei'ere Betasiung der deulsihen Finanzen dnrdi die Regierung Hitler. Wir erfahren, daß die Regierung weiter« 380 Millionen Reichsmark in den Verkehr gegeben hat. Damit erhöht sich die zusätzliche Schuld der neuen Regierung nunmehr aus 1.83 Milliarden Reichsmark(14,64 Mil. liarden KC). „Lui der Fludir ersdrossen Drei Kommunisten lot, einer saurer verletz!. München, 13. April.(Tschsl. P.-B.) vier im Konzentrationslager Dachau mriergebracht« Kommunisten unternahmen gestern einen Fluchtversuch. Ta st« aus die Halteruf« der Posten nicht hörten, gab di« Polizei Schliff« ab, wobei drei Kommunisten getötet und einer schwer verletzt wurde. Mr Simon üher die deutsche Schmach. London, 13. April. In der Heutigen Kam- merdebatte erklärte Außenminister Simon», a., daß die Debatte dem tiefen Gefühl Ausdruck verliehen habe, da» allgemein in England hinsichtlich der Behandlung oer Juden u»ck der übrigen Minderheiten in Deutschland während der letzten Tage herrscht. Es'wär« ein großer F e h le r, sich vorzuftellen, daß sich dieses Mitgefühl auf die Angehörigen der liisischen Reli- gionsgemeilcke beschränke-, oder daß cs von ihtren «»»gestachelt wurde. Diese Gefühl« sind vielmehr ein spontaner Ausdruck der Empfin- dungen, die jeder Engländer gegenüber dem Grundsatz der Bölkerver- trägl ich leit hegt. Revlslonsdehatte im Unterhaus. London, 13. April. Im englischen Unterbau» gab e» heute eine große außenpolitische Debatte, in der Macdonald über seine Washingtoner Reise sprach. Zum Biermächtepakt, den der Sprecher der Arbeiterpartei ablchnte, erklärte er lediglich, daß die Idee der Revision keineswegs im Widerspruch mit den Böl- .kcrbiindsatzungen stehe und im Völkerbund die kleinen Staaten ihre Ansichten genau so Vorbringen werden können wie die großen, wenn die Zeit reif sein werde. Austen Chamberlain erklärte, das Wort Revision sei ein gefährliche» Wort und sollte niemals au» dem A künde eine» Staatsmannes gehört wercdn, noch sich im politischen Programm irgend einer Regierung befinden, solange nicht genau und bi» ins ejnzelne festgesetzt ist, innerhalb welcher Grenzen die Revisiion durchgesührt werden könne. Bevor die Weltmöchte di« übrige» Staate» zur Abrüstung auftordern, sei«» notwen dig, daß Deutschland zum Geist« de» Frieden» zurückkehr« und zum Grundsatz„leben und leben lasten" sowohl aus eigen«« Gebiete al» auch für di« Nachbar«. Außenminister Sir Simon kündigte die baldige Vorlegung von Dokumenten über den Diermächtepakt an. Ein Opler Cler Haffenhreuzpest begraben. Gestern nachmittag» um 4 Uhr wurde>n aller Stille auf dem jüdischen Friedhöfe in Teplitz- Schönau der von den Nazi in Deutschland schwer mißhandelte Salomon Kopf beerdigt. Salomon Kopf gehörte zu den drei Juden, die von reichsdeutschen SA-Lcuten kürzlich nach schtversten Mißhandlungen bei Warnsdorf über die Grenze gejagt und blutüberströmt mit schweren Verletzungen in» WarnSdorfcr Spital cingcliefert wurden. Nun ist der junge Mensch den erhaltenen Perlchiingen erlegen. An seiner Bahre staitden die schivergeprüften Eltern und weinten laut um den verlorenen Sohn. Der Rabbiner Tr. Weiß hielt einen er- schüttelnden Nachruf. An diesem Grabe wurde die Schande dieses Antisemitismus, der das Antlitz der Menschheit schändet, unauslöschlich offenbar. Der Nationalsozialismus wird auf ewige Zeiten mit dem Fluche der gequälten und mißhandelten Menschen belastet sein! Die Regierung mesie dieser Zusammenarbeit die Bedeutiing bei, daß durch die Beratungen, die Zusammenarbeit uno die gemeinsamen. Beziehungen da» Bestreben entestcn würde, die Bildung zweier feindlicher Block» zu verhindern, in denen eine der vier Großmächte sich einer zweiten Großmacht gegenllbersöhe. Es wäre jedoch nicht in Ordnung, eine Zusammenarbeit zu schaffen, bei der sich die Großmächte verbinden und durch ihre bereinigte Macht versuchen würden, den anderen Staaten ihren Willen aufzuzwingen. Hinsichtlich der RcvisionSfrage erklärte der Minister: Ri« wurde Über irgendein« Grenz« verhandelt, Über die eine Entscheidung getroffen worden wäre. 8» handelt sich durchweg» nm di« Frag« de» Mechanismus. »er Moskauer Schädlings prozeß. Wa» dir Anklage behauptet. Moskau, 13. April.(Taß.) Die Anklageschrift in Sachen der 18 Ingenieure und Techniker verschiedener Kraftwerke oer Sowjetunion, bzw. der englischen Staatsbürger, die Angestellte der Metropolitan Bieker» waren besagt n. a.: Eine von der staatlichen politischen Verwaltung angestellte Untersuchung über die sich unerwartet wiederholenden Betriebsschäden in verschiedenen Kraftwerken ergab, daß die BetriebLschädcn durch die SchädlingStätigkeit einer Gruppe verbrecherischer Elemente unter den Staat»- angestellten hervorgerufrn wurden, die sich die Zerstörung der Kraftwerke und die Außerbetriebsetzung der von diesen Kraftwerken bedienten staatlichen Betriebe zum Ziele setzte. Die Untersuchung ergab, daß die se st gestellte konterrevolutionäre Tätigkeit dieser Schädlingtgruppe auch in der Einholung und Ausnutzung von geheimen Informationen von militärischer und staatlicher Bedeutung znm Schaden des Staates bestand. Beim heutige» Berhör der Angeklagten stellte Maeoonald in Abrede,, daß er sich schuldig bekannt habe; er sei tatsächlich vollkommen unschuldig. Da» Geständnis vor dem Untersuchungsrichter habe er nur unter den obwaltenden Umständen für„zweckmäßig" gehalten. Bei einer zweiten Einvernahme gab Maeoonald jedoch wieder fast all« gegen ihn erhobenen Anklagen zu. 2» MM- MM Nachdruck verboten. KARL UND DAS 20. JAHRHUNDERT S Roman von Rudolf Brunngraber Copjrtglh by Sodetlte-Vertag, Frankfurt am Malo IBM Und daß sie nur durch ihre kränkelnden Füße, derenttvegen sie l>att« ausi'ctzen müsten, augenblicklich zu-Hause war. Karl ging beruhigten Gewisten» wieder an die Front. Und der Krieg dauerte fort, das ganze Bewußtsein der Menschheit schon erfüllend. Man dacht« nicht mehr an ein End«, denn das Ende tvar nicht absehbar. In» Juli halten die Verbündeten Rozan und Iwangorod genommen, im August Warschau, Nowogeorgiewsk, Osowiec und Brest-Litowlk, im September Ärodno. Die italienisch« Kriegserklärung vom 23. Mai aber liatte die Stoßkraft gebrochen. Dabei war cs noch«in Glück gewesen, daß Cadorna in einer geradezu komischen Scheu seine Arm««n an der österreichischen Grenze hatte haltmacken laste»». Er hatte sie in d«n ersten Tagen über oie paar vorhandenen <8endarmen hinweg ruhig bis Laibach schicke»» können. Der Druck am Jsonzo und In Südtirol sollte jedoch bald spürbar werden>»»»d die russischen Heere vor der^leruichtuug bctvahr«»». Der Vormarsch an d:r Ostfront kam zum Stillstand Auf der phantastisch langen Linie Riga—Dünaburg—Pinsk—Dubuo und Czernowitz, die nun hauptsächlich vo»» deutsch«» Kräften gehalten werden mußte. D»mit blieb die Front im W-'sten weiterhin geschtvächt. Hier waren die Alliierten mit 32 ,»«»»«« englischen Divisionen, mit Truppenersatz aus Kanada>»ud Australien und acht Völkerschaft«»» indischer und afrikanilcher Herkunft i ununterbrochen gegen di« deutschen Linien angerannt. Im Feber in der Chamvagne. im März bei Neuve Chapelle, durch den Mai, den Juni de»» Juli unaufhörlich mit zwölf Korps allein gegen di« Lorettohöhe, daneben auch in den Vogesen und Araonnen, in Lothringen und in Flandern. Vom 25. September bis zum 3. Oktober hatte eine Dauerschlacht bei La Bassse gewütet und vom 23. September bis zum 3. November ein« in der Champagne. In die!«n Herbstschlachten waren an einem Tag bis zu vier Millionei» Granaten auf die deutschen Gräben getrommelt worden, trotzdem hatten sie standgehaltrn. Nn>» drohten j«d«h die Türken an den Dardanellen zusammenznbrechen.- Ta» mußte verhindert werden, damit di« Verbindung zwischen Rußland und den Weltmächten nicht wieder hcrgestcllt Werden konnte. Der Eintritt Bulgariens in den Krieg(5. Oktober 1915), mit ansehnlichen Geldern au den Zaren Ferdinand und der Abtretung eine» Streifens türkischen Landes crkaust, er- lrichterte den EmlastungSfcldzug. In der neunten Woche des konzentrischen Angriff» wurden die Reste der serbischen Armee über die albanische und griechische Grenze gejagt. Die aussichtsreichste Waffe diese» Jahres aber, der Unterscekrieg. war durch eilten neuen, nrcnngleich noch nicht erklärt«»» Gegner lahmgrlegt worden. Durch die USA., die nun bereits 10.900 Millionäre zählten. Die Staate»» schickten nicht nur Schiffsladung uru Schiffsladung Kriegsmaterial an die Entente, sie schickte»» anch ihre Schlachteubitnnnlcr in di« Sperrzonen. Und sielen diel« Leute ihrem erorbi- tanten Sport zum Opfer, wie im Fall deS Riesen- da»»lps«rS Lusttania(7. Mai), der 4200 Kiste»» Metallpatronen führt«, da»»n schickte die Union ihr« Niederbo»;nngSnot«n wie sie diese Drohbrief 'elbst nannte. Sie hatten zur Folg«, daß Deutschland den Il-Bootkri«g nur nach Prilenordnnng weitersührte wa» seiner Entstellung fast gleichkam. Als der verbissenste Eiferer gegen dies« Maßnahme, der Staatssekretär Tirpih, endgültig kaltgcstellt wurde, ging di« Loickoncr Getreidebörse mit d«>» Preilen herunter. Jedenfalls luchte»» 1916 sowohl Deutschland wie die Alliierten die Entscheidung an der West front. England führt« im Jänner die allgemein« Wehrpflicht«in und di« deutschen Heere eröffne- tcn am 21. Feber mit dem Angriff auf Verdun di« klassisch« Hölle des Kriege-. Am 25. schon siel Fort Douäumont, dessen Preis auf deutscher Seite 80.000 Tot« waren. Allein di« Opfer um Fort Baux zählten bereits nach Hunderttausenden. Trotzdem wurde der Angriff immer wieder auf diese uncinnehinbare Stellung aller Fronten konzentriert. Sollte die Festung a»»ch nicht genommen werden, lo wollte»nan doch Frankreich sich daran verbluten lassen. Da durchbrachen am 4. Juni— drei Tage nach der Seeschlacht am Skagerrak. i»r der die deutsche Mariile ein Groß- kampfschiff,«inen Panzerkreuzer und 2551 Mann verlor, die britische drei Großkampfschiffe, drei Panzerkreuzer und 6094 Mann—, da durch-' brachen an» 4. Juni bei Luck die russische»» Brussilow-Armeen auf einer Breite von 80 Kilo- meter di« Ostfront, wobei 200.000 Ocsterreicher gefangen genomnien wurden. Das erzwang nicht nur die Einstellung der österreichische» Offensive gegen Italien bei Asiago und Arsicro, so»»dern machte auch die>v«iter«n Großkämpse um Verdun unmöglich. Aber erst jetzt führte der Gegner im Weste,» seine»» großen Schlag. Er setzte an der Somme auf einem Abschnitt von 40 Kilometer 5000 Geschütze«in und 37 Divisionen.denen beim ersten Anprall nur acht deutsche gegenübcrstanden. Diele Schlacht, für die seit Jahresbeginn Material gehäuft worden tyar>»nd die durch ein siebentägiges Trommelfeuer eingeleitet wurde, dauerte vom 24. Juni bis zu»»» 18. November. Sie war »ugleich das Fanal für den lHeneralangriff al» allen Fronte», an» Jwnzo und in Wolhynien, in Galizien und vor Verdun. In dieser Stunde (27. August 1916) erklärte auch noch Rumäniei» an die Mittelmächte den Krieg und marschierte »in 500.000 Mann in Siebenbürgen ein. Diese Bernichtungshah machte der Leutnant Karl Lakner nicht mehr mit. Er war unter den Zweihunderttausend, die nun in das Land hin- ' eingeschafft wurden, das so weit wie ein. Meer ist. Die Route war unistänüllch, wie augeitscheiu- lich alles hier. Sie führte über Petersburg und Moskau nach Samara,>vo Karl vor dein Geburtshaus Lenins stand, von da nach Taschkent und schließlich nach Samarkand. Eine irrsinnige Hitze herrschte hier, aber der Ort mit sei- ncn Pappelalleen und dem vielen Grün um die ebenerdigen.Häuschen. Ruinen und Moscheen war eine angenehme Neberraschung. Allerdings lag das Barackenlager außerhalb, aber Karl als Offizier hatte ziemliche Bewegungsfreiheit. Er lernte überhaupt hier erst seinen Ra»»g schätzen. Sie erhielten zu viert ei»»eu Raum und einen Diener zugeteilt, bekanie»» mit einem kleinen Abzug ihre Gage weiterbezahlt und wurde»» honett behandelt. Das alles verhinderte nicht, daß Karl sich zermalmt fühlte. Er erhielt keine Post mehr von seiner Mutter, und was ste über den Stand des Krieges erfuhren,»var niederschmetternd. Erst einige Türken, die von Erzerüm kamen, korrigierten die Tataretmachrichten. Wohl stand die kaukasische Armee nicht allzufest, aber die mesopotamische hatte Kut-el-Amara genommen. Bagdad wurde also gleich Jerusalem und den Dardanellen noch gehalten. Und am Jsonzo war lediglich der Äörzer. Brückenkopf verlöre»» gegangen, tvie bei Berduu kaum»»»ehr als das Fort Douauinont. Selbst der Durchbruck an der Somme tvar nicht gelungen. England hatte hier in viereinhalb Monaten 4 i 0.000 Männer verloren. Frankreich 341.000 und Deutschland 800.000. Insgesamt wäret» auf englisch-französischer Seite 105 Divlflonen aus- aeboten worden, auf der deutsche»» 70. Aber die Front hatte. ebe»»so wie in Rußland nur unwesentliche Verlegungen erfahren. Karl wurde durch diele Nachrichte»» wiedr aufgerichtct, näher als das' eigene Schicksal ging ihn» das große allgemeine. (Fortsetzung folgt.). 51t. 8» Freitag, 14. April ISS» Arnelfsanleine schäm Arbeit! «rbeitöanleihe schafft Brot für Arbeitslose! Sozialdemokratische VertraurnSmänner! Tretet in allen Körperschaften dasllr ein, daß ArbeitSonleihc gezeichnet wird! Die Privatwirtschaft hat versagt, nur die öffentlich« Wirtschaft kann helfen, da» Heer der Arbeitslosen einigermaßen abznbauen! Ne MWWeii Mmkklilige. Antwort an vte„. eut,che Presse" Die„Deutsche Presse" frag, gestern scheinbar sehr aufgeregt,„iv a s s> ch g c g e n di e Na t i o. n a l s o z ia l i st e n v o r b c r e i t c", zitiert da» Ängstgeyeul des ,Dag" und etliche tschechische Pressestiminen, deren„Feuerlein die deutsck-eu Sozialdeiuokraten schüren". Tie Schwarzeu breite» ihre Fittiche über die Braunen aus— ganz so wie in Deutschland, wo sic dafür auch schon mit Haut und Haar von den Fascisten verspeist werden. Air haben wiederholt geschrieben, daß es uns ziemlich tvurscht ist, auf welche Weise die Klerikalen sich vor den Ablegern der Hitler und Goering entmannen. Aber ihre Niedertracht und Feigheit werden wir ihnen doch nicht Nachsehen! WaS quatschen denn diese Dunkelmänner da von«„deutschen Lage r"? Was tu» sie denn so, alü ob da» S u d c t c n d e u t s ch. tum gefährdet wäre, wenn die deutschen Nationalsozialisten hierzulande plötzlich Anlatz finden, rasant in di« Hosen zu machen? Ein« Duldung der Fortentwicklung de» sudc- tendeutschen FasciSmus mit all den dazugehörigen Nnmenschlichkeiten, dir da» reich-deutsche Beispiel zeigt, da» wäre und da» ist die Gesahr für da» Deutschtum, bei uns so wie im Reich und wie in Oesterreich! Wenn die Christlichsozialen das nicht kapieren oder nicht kapieren wollen(weil eben in der lapi- ioliistischen Gewandung schwarz oder braun Jacke wie Hose ist), fo wird sie der fascistischc Teufel rechtzeitig mitanffresfen. Ten Arbeitern aber geht das Kotzen an vor dieser christlcchsozialen Scheinheiligkeit, di« so mütterlich besorgt ist um die Nationalsoz'alisten und die sich sittlich entrüstet, weil die Nationalsozialisten sich„denunziert" fühlen! Was haben denn die Christlich- joralen dazu gesagt, al» vor ein paar Tagen der „Tag" die ganze„S o,zia lde m okra t i c der Bestochenheit durch das Rüstungskapital zieh? Was hat denn die„Deutsche Presse" geschrieben, als daS infame Fascistenblatt die Behauptung aussl-lltc, die österreichischen Genossen hätten eine Million vom serbischen König bekommen? Geschwiegen hat die„Deutsche Presse"— denn Sozialdemokraten dürfen verleumdet und be- schimpft, dürfen aber, wie in Deutschland, auch zu Tausenden mitzhandelt, ihrer Freiheit beraubt werden! Das Patzt der.^Deutschen Presse"— da fragt sie nicht nach d: i Vorgänge» im eut sche n Lage r"! m„„ „E» brenn t", ruft die„Deutsche Presse" au». Kann sein! Angezündet haben die Nazi»: und die Christlichsozialen sind vergnügt dabei gestanden, weil diesmal ihre Blitzdummheit größer war als ihre jesuitische Schlauheit, well st« glaubten, di« Hitlerbäume würden in di« Tschechoslowakei wachsen und di« Pfaffen könnten darunter samo» gedeihen. IS' nicht! Lassen sich die Arbeiter in der Tschccho- flowakei nicht gefallen! Gehen mit allen tauglichen Mitteln gegen die Bagage vor! Weitz jetzt die„Deutsche Preise", was im deutschen Lager vorgeht? Wir wollen'» hoffen! Ein oDlehtlvcs Urteil über di« Arbeitslosenunterstützungen. Den unberechtigten Beschwerden über das System der Arbeitslosenunterstützungen und den tendenziösen Berichten bürgerlicher Blätter tritt im Leitartikel da»„Närodni Osvobozenl" entgegen: Zn die sachliche Diskusiion über die Vervollständigung der Kontrolle der Arbeitslosenunterstützungen greisen Elemente ein, welchen es nicht so sehr um die Kontrolle al« darum geht, diese soziale Fürsorge des Staates rücksichtslos zu beschneiden und den Arbeitslosen ihr freudloses Schicksal so viel wie möglich zu verbittern. Viele tendenziöse Kritiker de» heutigen Systems der Gewährung von Arbcitslosennnter stützungen sind bemüht, der Oefsentlichkeit die Sache so zu schildern, als ob cs überhaupt keine Aussicht und Kontrolle über die Auszahlung der Arbeitslosenunterstützungen und die Durchführung der sozialen Fürsorge gäbe und als ob der Miß- brauch öffentlicher Gelder auf diesem Gebiete eine allgemeine Erscheinung wäre. Dolche Behauptungen sind allerdings vollkommen unbegründet und so weit sie bis zur verblendeten Hetze gegen die Unterstützungen und die Arbeitslosen gehen, sollte gegen sie genau so eingeschritten werden, wie gegen unlautere und ausrei- zende Nachrichten. In Wirklichkeit haben die bisherigen Gesetze und Durchführungsverordnungen zur Arbeitslosenunterstützung und zur übrigen sozialen Fürsorge für die Arbeitslosen an di« Kontrolle gedacht und verfolgen den Mißbrauch. Es geht eigentlich nur darum, wie diese Vorschriften dort, wo sich zeigte, daß sie umgangen werden können, vervollständigt werden und wie die Aufsicht der Behörden intensiver gestaltet werden könnte. Im einzelnen beschäftigt sich der Leitartikel sodann mit bürgerlichen Reformvorschlägen und weist den Ruf nach Einführung eines Bedürf- tigkeitSnach weises und nach dem Ar- beitSzwang zurück. Herr Gesandter, lesen Sie Nazi-Zeitungen? Hunnen waten in Deutschland! ifaKenhreuzlcr skalpieren Verhaftete! Die„Arbeiterzeitung" erhielt aus Deutschland eine grauenhafte Sendung: ein Büschel Haare samt einem Stück Kopfhaut mit folgendem ärztlichen! Parerc: L., 30. 3. 33. Herr(folgt Name und Adreffe) trat am 26. 3. in meine Behandlung. Auf d«r Mitte des Hinterkopfe» zirka fünf Zentimeter lang«, zweieinhalb Zentimeter breite Schnittwunde, die stark blutet«. Verbände, Naht, Heilungstendenz gut. (Unterschrift und Stanipiglic desArztes.) * Als Kommentar hat der Absender ein Blatt der nationalsozialistischen„Leipziger TaaeSzci- tiiug" vom 5. SS. beigelegt, in deni er folgende Stelle bezeichnet hat: Und nnn zuletzt noch etwas Ober den modernen Haorsdintn, worüber sich„Klein-Moskau"(so nennen die Nazi einen von Komniunistcn bewohnten Häuscrkom- Hltlers Kameraden an der Arbeit. In der Nacht zum DienStag wurde der jüdische RechtSanwalt Dr. Weiner in Chem- n i tz von niehreren Männern, die SA-Binden und braune Mützen trugen, in seiner Wohnung ausgesucht und gewaltsam in einem Kraftwagen fortgeführt. Am Morgen fand man bei Mittweida die Leiche deS Dr. Weinet mit«inen» Kopfschutz auf. Raubmord kann nicht vorlicgen, da Dr. Weiner seine sämtlichen Wertsachen sowie 400 Mark in bar noch bei sich trug. DaS Polizeipräsidium erklärt u. a., e» bestehe kein Zweifel daran, daß Weiner einem Verbrechen gemeiner Art zum Ovser gefallen sei, daS offensichtlich von„Feinden der natioiialen Bewegung" verübt wurde. Für die Ergreifung der Täter ist ein« hohe Belohnung ausgesetzt worden. Nit dem Kopfe nach unten.. Name, Ort— für den„Tag"! Daß solche Fälle nicht vereinzelt dastehen, beweist ein zweiter Bericht, welcher un» einge, plcx bei Leipzig. Red.) am meisten aufgeregt hat. All«(bei einer Razzia der SA. Red.) Abgeführten waren natürlich fluchtvcrdächtig und muhten demzufolge im Interesse öffentlicher Sicherheit irgendwie gekennzeichnet werden... Die SA. hat den Fluchtverdächtigcn mit einer Haarschneidemaschine auf dem Lockcnhaupt ein völlig schmerzloses Erkennungszeichen hinterlassen; genau so wie in Rußland alle Verbrecher zu dem gleichen Zwecke durch bestimmte Haarschnitte gekennzeichnet werden. Rußland ist ja sonst das Paradies für„Klein-MoSkau" gewesen, ivarum schilt man da jetzt die SA., wenn sic den Anhängern der Internationale ebenfalls einen modernen Haarschnitt geben? * Kann man sich einen überzeugenderen Beiveis der Vertiertheit vorstellen als diese- freche Geständnis der braunen Skalpjäger? Wird der deutsche Gesandte in Prag wieder Beschwerde über„Greuelnachrichtcn" führen? Wir werden in einer der nächsteii Nummern eine Abbildung dieses Dokumente» der braunen Bestialität veröffentlichen. schickt wurde. Der Schreiber der seinen Namen und Adrcsie angibt, wurde während des Fackel- zugeS, den die Nazis zur Feier deS Ermächtigungsgesetzes veranstalteten, mit Stahlruten bewußtlos geschlagen, so daß er feine Mitteilungen erst jetzt«inschicken konnte. Der Gcincinderat Jäger in Neucndors(Kreis Reiße) in Sachse»— ein Demokrat— wurde von SA in den nahe» Wald geschleppt. Dort wurde er au Hönde« und Füße« gebunden und m i t dem Kopse nach ab wart» an«inen Ast gehängt. Unter ihm zündet« dir Bande«in Feuer an. Man riß ihm fast alle Kleider vom Leib«, hielt ihm brennend« Holzscheite vor die Auge», bespie ibn und zwang ihn schließlich in den Rus«lnzustimmen:„Rot Front verrecke, rS leb, die NSDAP!" Di« SA-Banditen zerfchnit- len dann den Strick, so daß der Mißhandelte beim Herabstürzen fast da» Genick gebrochen hatte und knapp«eben da» Feuer siel. Lang« Zeit noch traktiert« man den von Schmerzen fast Wahnsinnigen mit Fußtritten, bi» er wie tot liegen blieb. Den grauenhaft zugerichteten Mann ließ di« Horde bann liege». Erst einige Zeit spater konnte er ins Krankenhaus in Münstcrberg gebracht werden. Lehrfreiheit im Dritten Reich. 16 Hochschullehrer entlassen. Berkin, 18. April.(Tsch. P>B.) Nachdem durch da» Gesetz„zur Wiederherstellung de» v«. rusvbcamtentumS" di« gesetzllch« Handhabe zur Beseitigung der Beamtenschaft auch au di« Hoch, schule» gegeben worden sind, sind durch den ReichSkommissar für da» preußisch« Kultusministerium Rust zunächst solgend« Hochschullehrer mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden: Professor von», Handelshochschule, Berlin; Professor Loh», Breslau; Professor Dehn, Halle; Professor Feller, Handelshochschule, Kö. nigSberg in Preußen; Professor Haller, Frankfurt a. Al.; Professor Horkheimer, Frankfurt a. R.; Professor Kantorowicz, Bonn; — Weitere werden folgen. Pro Pro Pro Pro Pro or or or or or Sinzheim«r, Frankfurt t or Tillich, Frankfurt a. M. Professor “ es e « Hrofe )« Prof« Kantoro Witz, Kiel; Kelsen, Köln; Lederer, Berlin; Löw«, Frankfurt a. R.; Löwenstein, Bonn; Mannheim, Frankfurt a. M.; sor Marck, Breslau; sor S i n z h e i m e r, Frankfurt a. M.; Pros« ES ist selbstverständlich(!), daß«S sich hierbei lediglich um»ine erste vorläufige Maßnahme handelt und ein« ganz« Reihe weiterer Beurlaubungen»sw. bevorstebt, sobald da» Gesetz gemäß den AuSsüh« runpSbestimmungen in alle» Einzelheiten bei den Hochschulen ang«wrnd«t werde« kann. franhrcidi bietet Einstein Asyl. Kammer beschließt itlr Ihn eigene Professur. Pari», 13. DwU- Auf Vorschlag de» Unter. richtSminilterS d« Mouzi« stimmte di« Französische Kammer in ihrer heutigen Nachtsitzung einmütig ohne Debatte der Errichtung eine» besondere« Lehrstuhle» am College de Franc« in Pari» für den deutschen Gelehrten Albert E i n st e i n zu. Der Motivenbericht besagt u. a.: „Am 15. Juni 1810 wurde durch Regierungsdekret am College de France«in Lehrstuhl für Sprachen und Literatur der Slaven errichtet, damit Frankreich den berühmten Dichter Adam Mickie- wicz bei sich aufnehmen könne, den sein Patriot!»- mus und sein Lebensschicksal»ach Frankreich geführt halten. Die dritte Französische Republik wird sich sicherlich nicht weniger liberal zeigen, als«s die Juli- Monarchie gewesen war, und aus diesem Grunde Klar Dr. Gerelte vorgeworfen wird. Berlin, 13. April. Die Staatsanwaltschaft hat die Anklage gegen ten früheren ReichSkom. missar Dr. Gunther G e r e k e und den Ber- bandsvertreter Arthur Freigang erhoben. Dr. Gcrcke soll dem Vorstand de« Verbandes der preußischen Landgemeinden, dessen Geschäftsführer er seit dem 1. Juli 1822 war, durch falsche Vorspiegelungen veranlaßt haben, ihn im Fahre 1028 eine Aufwandsentschädigung in Höhe von etwa 78.000 Mark auSzu- zahlen. Er soll ferner durch fortgesetzte unwahre Angaben über die geringe Ertragsfähigkeit der Berbandszcitschrift„Die Landgemeinde" den Der- band zur Uebertragung der Zeitschrift auf ihn persönlich verartlaßt und dadurch seit dem Jahre 1828 jährliche Einkünfte von etwa 100.000 Mk. erzielt haben. Schließlich wird ihm Vovaeworfen, er habe als Bevollmächtigter des anläßlich der Reichsvräsidentenwahl 1832 gebildeten Hinden- burg-Äomitees durch Sammlungen aufgebrachte gestattet sich de Regierung, mit Zustimmung des ProfessorenkollrgiumS di« Errichtung eines physikal- mathematischen Lehrstuhles für den ausländischen Gelehrten Albert Einstein vorzuschlagen, der in diesem bcrühnuen Institut«, daS von Franz l begründet worden ist, jene unbedingt notwend'ge Ruh« für sc!»« Arbeiten und gleichzeitig eine Aufnahme finden wird, durch dr« wir seinem Genius verpflichtet sind." Professor Einstein, bei dem vorerst di« französischen wisienschaftlichen Kreise Erkundigungen «inzogcn, erklärte, daß er mit Freude leine Ernennung an daS College de France annchme. Der Initiator de» Gedankens der Berufung Albert Einsteins nach Paris ist sein wisienschaftlicher Kolleac P a i n l e v'ö, der sich auch am meisten um die Perfektionierung bemühte. Wahlgelder von mehreren hunderttausend Mark durch Vorweisung falscher Quittungen in seine DerfugungSmacht gebracht. Und der Oslblilcskondfll? Auch sonst ist daS Korruptionsreferat eifrig tätig, in öffentlichen Berbänden etc. sogenannte Korruptionsfälle zu ernn'ttelfl. Augenfällig ist nur, daß das Korruptionsreferat sich nicht an den Ost Hilfe fkandal Herantrant. Hier Wurden doch offensichtlich Milliarden aus öffentlichen Geldern zur Snbventionicrung von zwei- oder dreitausend preußischen Funkern verschleudert. Hier begnügt sich das sonst so forsche„Kor- ruvt!onS"-referat anscheinend mit der kürzlichen Erklärung des Rnmvsausschusses zur Untersuchung der Oschilfe, daß m 23 Fällen nichts Belastendes nachgcwiesen worden sei. Allerdings war Vorsitzender diese» Ausschusses der Herr Reichsminister Hugenberg, der die ganze Osthilfe ja inszeniert hat. Für derartig« uzm Himmel stinkende Fälle hat da«„Korrup- tions"«referat merkwürdigerweise keine Nase! m giben Sie ihm lieber aetrmckcn WWW M Seite 3 30 Tsthcdiosiowahen In Deutschland verhaltet Tas„Prager Tagblatt" hat int Prager A u ß e n m i n i st c r i u in folgendes in Erfahrung gebracht: „In letzter Zeit sind dem Außenministerium mehr als achtzig Verhaftungen von Tschechoslowaken in Deutschland bekannt geworden. ES handelte sich um Gegner der nationalsozialistischen Bewegung. Die Hälfte waren K o m m u» i st e n, den Rest stellten Juden und Sozialdemo» k r a t e n. Vielfach wurde» tschechoslowakische Staatsbürger in Hast genommen, die von der Ausweisung betroffen waren. In allen diesen Fällen sind die tschechoslowakischen VertretungS- ämtrr bei den reich-deutschen Stellen vorstellig geworden. Zum Teil wurde den tschechoslowaki- scheu Konsulaten milgeteilt, welche strafbare« Tatbestände vorliegen. Meist hieß es in den Antworten der reichvdeutschen Aemter, daß die „Untersuchung noch nicht abgeschlossen" sei. ES gibt freilich auch Fälle, in denen die intervenierende« Konsulate keine Auskunft erhalten konnten. Im ganzen konnten bisher zwölf Freilassungen erwirkt werden." Nazllttgen Aber Marxistenterror. „Der Tag", dessen Redakteure alle Hände voll zu tun haben, die Unschuld und Engelsreinheit der heimischen Hunnen zu erweisen, führt, weil ihm daS die beste Parade dünkt, „Hiebe" gegen uns. Er berichtet in derselben Nummer, in der er nach den Namen der SA- Spitzel fragt, unter einem vierspalligen Titel über„marxistischen Blutterror". Er weiß nichts anderes mitzuteilen, als daß nationalsozialistische Versammlungen wegen Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung verboten wurden, lügt, daß die Komotouer Versammlung von Sozialdemokraten gesprengt wurde und kennzeichnet den Wert seiner Propaganda durch diesen in seiner Ausstellung enthaltenen Bericht:,- Groß-Holletitz. Am 30. März wurde unsere össentliche Versammlung in Groß-Holletitz vom anwesenden Regierung-Vertreter wegen Erreichung - der Sperrstunde aufgelöst. lieber diese Untat der Marristcn ist, wie wir hören, die ganze sndctendcutsche Oesfentlichkeil auf daS höchste empört. »er Außenhandel im Mürz Das Statistische SlaatSamt veröffentlicht soeben Ziffern über den Außenhandel im März, Danach betrug die Einfuhr 45»,524.000 Kr(im März 1832 597,475.000 Ar), die Ausfuhr 475 Millionen 131.000 Ke(674.624.000 Ke). In der Periode Jänner-März 1933 betrug die Einfuhr 1.206.403.000 Kc(1.914,609.000 K<<), die Ausfuhr 1.303,609.000 Kä(1.818,068.000 Ks). Der Gesamtumsatz deS Außenhandels ist also heuer neuerlich zurückgegangen. Die Gesamthandcls- bilanz war im März 1933 mit deni Betrage von 18,417.000 Ke aktiv,(Mörz 1932 76,973.000 Kö aktiv), in der Periode Jänner-März 1833 mit dem Betrag von 90,998.000 Kr aktiv(96,615.000 Kronen passiv). vle Lehrer tur die Parteipresse. Die Vollversammlung der BczirkSgruPPe Aussig der NcichSvereiniguna deutscher sozialdemokratischer Lehrer beschloß, der Parteivresse für ihre niannhafte und unerschrockene Haltung im Kampfe gegen den Hakenkreuzfascismus voll st c Anerkennung u>rd den herzlichsten Dank zum Ausdruck zu bringen. In der Wechselrede wurde darauf hingewiescn, daß die Presic der Sozialdemokratie zum Exempel geworden ist, wie eine wirklich demukratikchc Presse unter allen Umständen Künderin der Wahrheit ist und bleibt. Stile 4 Freitag, 14. April 1SSS Nr. 89 Während Millionen hungern- wird Milch in die Bäche gesoffen. Im Staate New Aork sind kürzlich die Farmer wieder in einen mehrtägigen Lieferstreik getreten, um bessere Preise für ihre Erzeugnisse zu erziele». Wie man sieht, wurden täglich mehrere tausend Liter Milch in die Bäche oder aus die Straßen gegossen. nf oib Jarolim Ein Wort des Gedenkens. Dreizehn Jahre habe ich mit ihm sci.c an ite in engster Gemeinschaft gearbeitet. Vom sten Tage an vertrat er den Klub in den beiden, r die Arbeiterschaft wichtigsten Ausschüssen, dem zialpolitischen und dem volkswirtschaftlichen, lnd wie vertrat er uns! Jede, auch die anschei- lend geringfügigste Vorlage prüfte er auf das genaueste und er prüfte sie immer wieder in der Richtung, ob sie keine Nachteile für die Arbeiterschaft enthält, und wie sie im Jnicrcsse der Arbeiter zu verbessern wäre. Tabei kam ihm sein immenses Wissen sowohl auf dem Gebiete der sozialpolitischen Gesetzgebung als auf dein Gebiete der Volkswirtschaft zu Hilfe. Immer und immer wieder bestaunten und bewunderten wir den Mann, der sich ohne Mittel- oder Hochschulbildung ein stets Präsentes Wissen angeeignet liatte, um doS ihn mancher BolkSwirtschaftSlehrer an irgend einer Hochschule beneiden konnte. Aber nicht nur darin war er eine Verkörperung der im Volke schlummernden Kräfte, deren freie Entfaltung allein die Gewähr für die Verwirklichung des Sozialismus bietet. Unser Jaro- l a r s e n siele« das Filmlager sch ließ» lich an und vernichtete« die Filmdekorationen. Der leitende ProduktiouS. direktor entsandte gegen die Ruhestörer vorerst eine berittene Komparsenabteilung und rief sodann auch Gendarmeriekräste aus Cannes und Nizza zu Hilfe. Mehrere Demonstranten wurden' verletzt und zahlreiche andere in Haft genommen. Mord und Selbstmord bel Verarm. Im Wald unweit von Srbfko bei Berauu and man, wie die Prager„Abendzeitung" meldet, Dienstag nachmittag die Leiche eines jungen Mädchens, die drei Schußwunden in der Brust und im Kopf austvies. Neben der Leiche lagen Mantel und Hut eines Mannes owie der sechsschüssigc Trommelrevolvcr, mit >em das Mädchen getötet wovdcn war. ES stellte ich heraus, daß die Ermordete mit der 19jährigen Studentin Henrike Rhdl aus Zahrüoka bei Lede« identisch sit. Als die Gendarmen am Tatort die Spuren des Mörders unter- uchtcn, fanden sic etwa vierhundert Schritte von dem Ort entfernt, an dem die Leiche der Studentin gefunden worden war, einen Erhängten. Es handelt sich zweifellos um den Mörder des Mädchens, in dessen Notizbuch eine Eintragung gefunden wurde, nach Weimer sie mit ihrem Geliebten. der Georg B a r h l u k genannt wird, gemeinsam aus dem Leben gehen wolle. Die untersuchenden Beamten sind jedoch der Ansicht, daß der Mörder diese Zeilen dem Mädchen diktiert habe, da aus ihrer Lage hcrvorgcht, daß sie gewaltsam zu Boden geworfen worden war. Die Untersuchung geht weiter. Ziehung der K^ffenlotterir 10.000 K: 45.532, 68.892. 5.000 K: 9.872, 22.448, 27.433, 32.261, 37.860, 88.548, 49.104, 62.956, 67.633, 85.195. 2.000 K: 3.962, 5.695, 9.714, 12.783, 14.170, 15.393, 15.417, 18.136, 19.715, 20.669, 21.714, 24.174, 25.101, 27.614, 28.035, 28.607, 28.779, 29.285, 29.808, 31.823, 32.809, 33.120, 34.500, 34.705, 39.071, 39.984, 40.805, 40.899, 45.701, 47.499, 49.392, 50.892, 54.326, 57.123, 57.873, 58.043, 60.919, 61.145, 61.919, 62.169, 62.948, 64.182, 69.025, 73.054, 78.524, 74.186, 74.722, 74.852, 76.485, 78.998, 79.120, 80.072, 80.890, 81.146, 87.892, 88.605, 89.943, 90.544, 92.022, 93.101, 93.102, 93.5*48, 94.056, 94.150, 100.803, 101.705, 103.184. 1.200 K: 4.835, 8.841, 9.833, 12.005, 15.266, 47.031, 47.801, 54.952, 58.669, 71.484, 78.457, 81.565, 81.911, 85.518, 01.167. Alle Ehodauer Verhafteten sreigelasie»! Mittwoch nachmittags wurden die im Zusammenhang mit den Zusammenstößen in Dotter- w i c s in den letzten Tagen verhafteten Ehodauer Sozialdemokraten und Kommunisten aus der Haft entlassen. Die gerichtlich« Untersuchung hatte keinerlei belastendes Ergebnis und der verletzte Professor.Haßmann konnte unter den Verhafteten keinen feststcllen, der ihn geschlagen hatte. Weitere Festnahmen sollen nicht mehr beabsichtigt sein. Genosse Ullmann und die sieben anderen Betroffenen wurden natürlich in Chodau von ihren Angehörigen und der Arbeiterschaft mit Begeisterung empfangen. Die Pils«« Spionageafsäre. Die Polizei- divektion in Pilsen erstattete bei der Staatsanwaltschaft gegen den 22jährigen Sekretär der Jugendorganisation der kommunistischen Partei In Pilsen-Kkvrüany, Karl Stell, die Strafanzeige wegen begründeten Verdachtes der Teil nahme an Spionagetätigkeit in den iSkodawerken im Sinne de» 8 6 des Gesetzes zum Schutze der Republik und der Aufforderung von Soldaten zur Nichterfüllung der gesetzlichen Pflicht im Sinne des 8 15 des zitierten Gesetzes. Nach einer Hausdurchsuchung wurde stell am 12. April in die.Haft des Krei^erichtcs cingeliefert. Formaler Fehler in einem AuSliefenmgS- begebren. Vor einem Senate des Kreisgerichtes ,n Pilsen hatte sich Donnerstag der 41jährige kommunistische Abgeordnete Josef Dv o rak aus Pilsen zu verantworten, den die Anklage des Der- brechens der öffentlichen Gewalttätigkeit beschuldigtes Am 11. Juli 1930 fand vor den Skoda- Werken in Pilsen eine von der Polizei verbotene kommunistische Protestversammlung statt, in welcher Abg. Dvorak sprach. Die Polizei forderte die Menge auf, sich zu zerstreuen, und adressierte diese Aufforderung ausdrücklich auch an Dvokak. Da dieser jedoch nicht Folge leistete, wurde er auf die Polizeidirektion vorgeführt, wobei er sich angeblich so wehrte, daß er gekesselt werden mußte. Sowohl in der Voruntersuchung als auch in der heutigen Verhandlung stellte Dvorak jede Schuld in Abrede. Da in der Voruntersuchung— auch bei dem Verfahren über di« Auslieferung im Parlanrente— ein formaler Fehler auftauchte, gab der Senat dem Antrag« des Verteidigers statt und vertagte die Verhandlung zwecks Ergänzung auf unbestimmte Zeit. Vorschubleistung zur Desertion. Da« Kreis- gericht in Ungarisch-Hradisch verurteilt« Ladislav Kolaöek und Menzel Kulhanek zu je drei Monaten schweren.Kerkers unbedingt, weil sie dem Soldaten Josef 6ernohlavck, der vom Infanterie- Regiment Nr. 36 in Ungvor desertiert« u>iü mit ihnen 14 Tage in den Waldern bei Brünn herum- zog, Zivilklewer verschafft haben. Ei« Radfahrer tödlich verunglückt. Donnerstag mittags führ der 30jährige Arbeitslose Rudolf Gerhardt aus EderSgrün mit seinem Rad in Karlsbad die abschüssige Straße imweit des bekannten Cafss„Orlov" hinab und stieß in ein Milchouto. Gerhardt erlitt überaus schwere Berte Hungen und wurde bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Er starb auf dem Wege ins Krankenhaus. Selbstmord eines Mü«che«erS in Karlsbad. Donnerstag vormittags fanden Spaziergänger im Walde in der Nähe des Hotels Jägerhaus" bei Karlsbad die Leiche eines Selbstmörder-, der den Tod durch Erhängen gesucht hatte. In dem Toten wurde Direktor Emil Otto aus München ermittelt, der sich in Karlsbad aufhielt und Mittwoch abends in einem Restaurant geweilt hatte, daS er in ziemlich angeheitertem Zustande verließ. Tragischer Tod eines Schmuggler». Um Mitternacht auf Donnerstag traf eine zweigliedrige Finanzwachpatrouille an der Grenze bei Oderberg zwischen Annaberg und dem Hofe Paseka«ine Bande von elf Schmugglern, welche sic verfolgten. Als die Schmuggler auf die-Haltruf« nicht stehen blieben, gab ein Fmanzwach- niann einen Alarmschuß ab. Der zweite Finanzwachmann stolperte bei der Verfolgung, Wobei auS seinem Gewehr plötzlich ein Schuß fo&> ging, der einen der Schmuggler in beide Bein« unterhalb der.Knie tras. Er starb bei der Ueberführung ins Krankenhaus. Es handelt sich um den 24jährigen Ludwig Novak auS Hruöov an der Oder. Auch di«„Grasliher Volkszeitung" in Deutschland verboten. Deutschlands Erneuerung hätte- sehr arg beeinträchtigt werden können, Wenn aus dem Wege über oaS sozialdemokratische Wochenblatt Westböhmens, die^Volkszeitung", die Wahrheit über die Hunnentaten in der deutschen-Bevölkerung bckanntgeworden wäre. Darum wurde auch die„Grasliher Volkszeitung" von der Postbefördernna in Deutschland ausgeschlossen. Dazu bemerkt oer„Volkswille": Wenn die Post die Zeitung nicht mehr auStragen darf, werden's eben- andere besorgen, aber die„Volkszeitung" wird nach Deutschland kommen, darauf können die Nazi Gift nehmen! Der^Gefangene von Tower", Leutnant Se.a f o r. t h Baillic-Stcwart, der wegen Hochverrates angeklagt war, wurde aus der englischen Armee ausgeschlossen und zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Deutschland. Einst stand ich in schönen Tagen Auf dem.höchsten Berg am Rhein; Deutschlands Gaue vor mir logen, Blühend hell im Sonnenschein. Unten murmelten die Wogen Milde Zaubermelodein; Süße Ahnungsschauer zogen Schmeichelnd in mein Herz hinein. Lausch' ich jetzt beim Sang der Wogen, Klingt viel andre Melodei; Schoner Traum ist längst verflogen, Schöner Wahn brach langst entzwei. Schau' ich jetzt von meinem Berge In das deutsche Land hinab, Seh' ich nur ein Bölklein Zwerge Kriechend auf der Riesen Grab. Muttersöhnchen gehn in Seide, Nennen sich des Volkes Kttn, Schurken tragen Ehrgeschmeide, Soldner brüsten sich als.Herrn. Nur ein Spottbild auf die Ahnen Ist das Volk im deutschen Kleid; Denn die alten Röcke mahnen Schmerzlich an di« alt« Zeit. Wo die Sitte und die Tugend Prunklos gingen Hand in Hand, Wo mit Ehrfurchtscheun die Jugentz Bor dem Greisenalter stand; Wo ein Handschlag mehr als Eide Und Notarienakt« war, Wo ein Mann nn Eisenkleide, Und ein Herz im Mann« war.— Aberglauben, Trug und Lüge .Herrschen— Leben ohne Reiz; Und di« schöne Jordansperle .Hat verfälscht des Römers Geiz.— Fort, ihr Bilder schönrer Tage, Weicht zurück in eure Nacht! Weckt nicht mehr die eitle Klage Und die Zeit, die uns versagt! Heinrich Hein«(Deutschland von 1816). Selbst««!- eines Verbrechers. Mittwoch erfuhr die Gendarmerie in H u m e n n i, daß im Walde unweit der. Gemeinde Zavadky sich ein gefährlicher Verbrecher namens Josef Skokan aus Bzenec in Mähren verstecke. Zwei Gendarmerie-Wachtmeister begaben sich auS diesem Grunde sogleich in den Wald und erblickt«»'tatsächlich alsbald Skokan, mit einem Bauern im Gespräch. Der Verbrecher erblickte die beiden Gendarmen und flüchtet«. Die Beamten verfolgten Skokan, der auf der Flucht gegen seine Verfolger mehre r e R c v o l ve r s ch ü s sc abgab; glücklicherweise wurde jÄioch niemand verwundet. Als Skokan unweit des Flusses Labore« sah, daß er seinen Verfolgern nicht entkommen könne, richtete er di« Waffe gegen sein« eigene Schläfe und erschoß sich. Skokan war «in gefährlicher Verbrecher, den viele Gendar- meriestatlonen wegen seiner kühnen Einbrüche und Diebstähle suchten. Revolverschüfle gegen de« gegnerischen Anwalt. Im Bezirksgericht« Wien-Floridsdorf verübte am Donnerstag der 75jährige, aus Bulgarien stammende Gartner Michael S a v a k o w auf den Rechtsanwalt Dr. Adolf Bergler ein Attentat. Er feuerte mehrere Schüsse auf-^en Rechtsanwall ah, die jedoch fehlgingen...Erst nach einem förmlichen Ringkamps konnte der Mann überwältigt werden. Er gestand, daß er Bergler ermorden wollte, weil dieser«ne« Kreditprozeß gegen ihn gewonnen hatte. Massenvergiftung durch schlechte» Brot. Im Lager Bismarckhöhe des Freiwilligen Arbeitsdienstes bei Bingen erkrankte die gesamte Belegschaft von 500 Mann unter Vergiftungserscheinungen. Nach Aussage von Sachverständigen sind die Erkrankungen auf den Genuß von Brot, das aus stichigem Mehl hergcstcllt war, zurückzuführen. Da» Brot wird augenblicklich vom Nah- rungsmitteluntersuchungSamt in Mainz untersucht. Am nächsten Morgen waren all« von den PergiftungSerscheinungen betroffenen Personen Wisocr gesund. Vom Rundfunk Empfehlenswertes a«S ve« Programme«. Samstag. Prag-. 6.15 Gymnastik. 11.00 Schallplatten. 15.30 Jugendliteratur 1825 Deutsch« Sendung: Das Meisterstngevsplel. 19.25 Di« Dichter der Früh- lings.— Brüuu: 12.30 Orchesterkonzert. 1835 Deutsche Sendung. 19.10 Der Frühling.— Preßburg: 16.10 Orchesterkonzert. 22.15 Bunter Abend.— Berlin: 28.40 Osterspaziergang(Faust). — Breslau: 22.30.Heroische Musik.— Mühlacker: 14.45 Kammermusik für Bläser.—. Hamburg: 20.00 Orchasterkonzert.— Königsberg: 16.00 Orchesterkon- z«rt.— Laugeuberg: 21.15 Di« Heimkchr, Legende. — München: 20.00 Orchesterkonzert.— Alle«: 20.00 „Die Gondoliere", Operette von Grvbert. 22.20 Konzert. Achtung, Radio Hörer! Der Arbeitersender Hilversum(Holland) wird am K a r sa ms- t o g, den 15, April, nach deutscher Zeit von 18.40 bis 19.40 Uhr, eine JDAS-Stunde senden. Das Programm wird Arbeiterlieder enthaltey, die zum Teil von Schallplatte» übertragen, zum Teil von einem holländischen Chor gesungen werden. Außerdem ist eine Rezitation und ein Vortrag über die internationale Arbeiter- Sängerbewegung vorgesehen. Uebcrtrc- gung auf Welle 296 Hilversum. Rr. 89 Krettag. 14.«Prll 19« eit«« Zähne können Sie kaufen ♦ KAj-OPOfr r gegen Zahnstein Sie wie der Engländer Volkswirtschaft und Sozialpolitik Als Vertragspartner auf feiten der Arbei- wlrd, '/.den und von von der Bölkerichlacht!!): bitteren Schmerz empfun- an bat deutfch« Volk, ba& i— man ist eben zuGäuS! Gewiß. da» alle- wußten wir schon lange verdorben, ihre e g.'»e als die®e* Ausführungen vom politische Testament Diesen heutigen Beitrag * Mit diesem Prozeß schließt die zweit« Sckeonr '.erichtSperiode de» Jahr« 1938. D'eseS Urteil beschließt aber auch bi« Tätigkeit de« Prager Kreisgerichte» im alten lluftizpala» am KarlSplaß. Aach eivwSchiger Paul« wird diese» Gericht sein, Tätigkeit im nrnen Gebäude in Pankra .itifnehnien, rd. -oder niehl Ihrs eigenen! Zahnstein- der Mörder Ihrer Zähne I Vom Lockerwerden der Zähne durch Zahnstein bis zum Zahnausfall ist oft nur ein Schritt I Aber so gefährlich der Zahnstein auch Ist— so leicht läßt er sich för immer entfernens einfach mit Kalodont, In diesem land enthält nur Kalodont das Wissenschaftlich anerkannte Sulforizin-Oleat nach Dr. Bräunlich. Es beseitigt den Zahnstein allmählich und sicher! Richtige Zahnpflege heißt, 2 x Im Jahr zur Kontrolle zum Zahnarzt— 2 x täglich Kalodont I ifxtt gleicher guter iyesinnuua. man Kraft, Anregung und durfte sich als Mensch bervegen, ohne beit Zwang der <.•_ Ctüjji.t-...«... m.r.,. e jj| Prag. 15. April. Der heutig« Vormittag war mit der Einvernahme zahlreicher Zeugen auSgesiillt, die über Einzelheiten autsagten und im ganzen da» von der Anklage entworfene Bild de» Sachverhalte» bestätigten. Ans diese Aussagen näher«inzugrhen, ist daher überflüssig. Weit interessanter als allr». was da zur Sprache gebracht wurde, ist da» Milieu, in dem diese schmutzige Geschichte spielt, der mit keinem Wort erwähnte Hintergrund der ganzen Affäre, die Wüt der Ainanzpiraten und Parasiten der lapitaiistischen Welt, dl« nicht aus der AnNag«- bank sitzen. aber deren schmutzig« Hände man in nicht greifbarer Art am Werk« sicht. Einige Zeugen, die man ungemein gern gesehen und gehört hätte, batten e» vorgezogen, nicht zu erscheinen und e» wurden bloß die von dem Untersuchungsrichter abgefatzten Protokoll« verlesen. Aeußerlich bedarf der Sachverhalt gewiß keiner Aufklärung mehr, di« formelle Schuld der Angeklagten steht außer Zweifel. Aber di« Drahtzieher. di« eigentlichen Inspiratoren, di« geistigen Urheber und Repräsentanten eine» durch und durch verfaulten und korrupten Wirtschaft»- I y st e m S— die bleiben im Dunkel. Aber auch schr konkret« Unbegreiflichkeiten gerichlt- kanzletlicher Amtierung wurden nicht g«. klärt. Aber diel« Ding« fallen nicht in d«n Rahmen diese» Berichte». Lediglich di« Zeugenaussage de» Direktor» Hofes R o v ä k vom„Ä i x> n o u st a v' sei hier kurz erwähnt. Dieser Fachmann hat bei Vermittlung der meisten Geschäfte mitgewirkt. Sein« Autsagen waren höchst vorsichtig. Er wohnt im selben Hause wie I di« SkSla und hat kein« Ahnung davon gehabt, daß ti sich um kriminell« Machinationen I bandle. Ter Herr Direktor, der selbst in Unter. I suchung war, mußt« unangenehme Frag«» über I sich ergehen lassen. W'e«» sich z. V. mit seinem I„g u t«n Glauben* vertrage, daß die durch die I Seidl markiert« Frau Loväk im Augenblick der I Erwerbung de» Hause»(im Hahr« Mch hätte«rst Izehn Jahre alt s«l» müssen, also minder- II ä h r i g und gar nicht fähig, einen Kauf ohne Vor- I mund abzuschliaßen, während doch im Grundbuch von einem solchen keine Red« ist. Der Gatteder Angeklagten Tkäla er» ! flätt«, daß alle Machinationen hinter seinrm Rücken I geschehen seien. Erst spät kam er dahinter, daß I'e'ne Fra» sich acNWiHdi betätige und er. bät!« freien Menschen gemacht, di«, den eSanheht, unter den Schlägen der mißhandelten splitternden Stein« zusammenzmki, al» wäre es er selbst, dem man diese Wunden zufügt? Die Stein« bluten nicht, da» ist Poesi», Aber die Wind«, die leblosen Wände, die zählen Schlag um Schlag....! Da» fremde Auto rollt in di« Dunkrlhüt. Ein milder Regen umfängt da» kleine Hau» wie eine gute Mutter, die ihrem verwundeten Kind die Stirn« kühlt. Hann» Leo R e i ch, Zn Sekretär Riemer 1806: Der Frribciirstnn und di« Vaterlandsliebe, di« man au» den-Allen zu schöpfen meint, wird in den meisten Leu:«n zur Fratze. WaS dort au» dem ganzen Zustande der Nation, Ihrer Jugend, ihrer Lage zu anderen, Ihrer Kuliur hcrvorging, wird bei uns eine ungeschickte Nachahmung Unser Leben führt un» nicht zur Adionde- rung und Trennung von anderen Völkern, vielmehr zu dem arößten Verkehr. Zum selben 1817: T«r Patriotismus verdirbt di« Geschichte. Juden, Griechen und Römer haben ihre und di« Geschichte der anderen Böller verdorben. Die Deutschen tun e» auch, so schicht« der Ausländer. Ich habe in meinen letztenmal das herrliche Goelhet angeführt:‘ mögen die ebenso wundervollen und mutigen Wort« Friedrich von Schillere beschließen, die den wirklichen und wahren Weift Wei- mars beinhalten und nnanslölchlich in nn» verankert werden müssen: „Da» vaterländische Interesse ist überhaupt nur für unreife Rationen wichtig. SS ist ei« armseliges, Nrinlicheo Ideal, für«in« Ration tu schreiben: einem philosophischen Grifte ist dies, Grenze durchaus unerträglich. Dieser kann bei einer so wandelbaren, zufällig«« und will- kürlichen Form der Menschheit, bei einem Fragment«(und wa» ist selbst di« wichtigste Ration anderes?) nicht stille stehn," Walter Willherm. oben einem Jahrhundert ganz tnltwlrr.; können noch«in paar Jahrbunderl« ehr bei unseren Laudsieuien io viel Geist und höhere Kultur eindringe und allgemein weroe....'daß man von ihnen wird sagen können, e» sei lange her, daß sie Barbaren gewe'cn. An Schill«, 1795: Deutschland kann sich nch: entlausen wenn et nach Rom liefe(!!), überall wird ti der Platitüde begleitet, seinem Teekessel. An Lude« 1818(Jahr Ich habe oft«inen den bei dem Gedanken so ach:bar im einzelnen und so miserabel im ganzen ist. Eine Vergleichung de» deutschen Volkes mit anderen Völkern erregt un» peinliche Gefühle, über welche ich auf jegliche Weise Hinwegzukommen suche; und in der Wissenschaft und in der Kunst habe ich di« Schwingen gefunden, durch ivelch« man sich darüber hnwcgzuheben vermag: denn Wissenschaf: und Kunst gehören der Welt an und vor ihnen verschwind«» die Schranken der Nationalität.. ihr zugeredet, von diesen Dingen abzulassen, sei aber unzugänglich gewesen. Sonst,sei sie al? Frau und Mutter brav und gewissenhaft gewesen. Die Ehe ist in Scheidung. Di« Angeklagte brach be: Anblick ihre» Gatten in Tränen au». Nach Schluß de» VeiveiSverfahrenS zog sich der Gericht-Hos zur Beratung über die Schuldsragen zurück. Den Gcscknvorene» wurden zwölf Hauptfragen mit i« drei Ztssatzfraaen vorgelegt. Die 37. Zufatzfragc lautet dahin, ob die Gelcktvorenen solch« Umstände al» gegeben erachten, welche eine Erniedrigung der Straf« unter v.rt g«l«tzliche Ausmaß(d. h. fünf bi? zehn(tahre.— A. d. R.) rechtfertigen. Da»:«mixramenwolle Plädoyer de» Staat». I anwalte» Tr. Neureii«r begann mit dem Sprichwort, daß cne frech« S tirn mehr wert sei al» ein Rittergut und endet« mit der Forderung nach einstimmiger Verurteilung der durchtriebenen Betrügerinnen, Hin gleichen Sinn« 'machen di« Vertreter der Kelchädigten. Der V«r- lei-diger der 2 I ä I a. Dr. Kosteika, erklärt« dir Tat al» P.odukt dr» Milieu», al» Werk der diversen Provision-geier und Geschäfte- wacher, deren Marionetten und Werkzeuge hi, Angeklagten gewesen seien. Nach nahezu dreistündiger Beratung ke-hrten di« Geschworenen zur Verkündigung de» Wahrspruches zurück. Da» Verdikt lautete in der Mehrzahl der Fäll« verurteilend. Aber auch d'« 37. Zusaytragc wurde bejaht. Unter gespanntem Schweigen de» überfüllten Zuhörerraume» vrrkündete nach der Beratung d«» Gerichtshöfe» LGR. ftvombera da» Urteil, durch welch« Franziska Skäka zu vier Jahren schwere» Kerker», Verena Seidl zu zwei Fahren schwer«« Kerker» verurteilt wurde. Die Skala wird außerdem di« ihr im Oktober v. I. wegen Versicherungsbetrug«- diktierte Straf« von sieben Monaten schweren Kerker» abbüßen müssen. KapltalWcher Sumpf Der Prozeß Släla- Seidl. Goethe kennt DetisdM n. Im ersten Teil« dieser Publikation, welch« v«r„Sozialdemokrat" in seiner Rümmer vom 23. März d. I. brachte, hab« ich den Versuch unternommen, die Steilung Goethe» zum deutschen Volke zu charakterisieren und insbesondere daraus hingewiesen, daß seine Aussprüche den Wer: höchster Aktualität besitzen und un» durch ihre Ungezwungenheit und unmittelbare lebendige Frische wunderbar berühren. Wir fühlen in ihnen geradezu den prophetischen Weitblick des Weilen von Weimar, d«r un» Nachgeborene überrasch! und... bestürzt. Goethe» erkennender Blick ha: ihn zu Ausführungen über Deutschland veranlaßt, di« zwar strenge Kritik an diesem Land: üben— höchst unliebsame und unverhiillte Worte — di« aber zur Verständigung mit den Nachbarn, ■um inneren und äußeren Frieden mahnen unk über die engen Grenzen«inet kleinlicken Cban« viniSmuS hinaus auf einen europäischen Ge. meinschaftSstaat hinzieten, ähnlich wie er in Wilhelm Meisters Wanderjahre» als großzügig angelegte soziale Studie gedacht ist. Keine Zeitung oder Broschüre dürst« heule im Deutschen Re'ch diese Worte Goethe» abdrucken, ohne sofort be- schlagnahntt und auf unbestimmte Zeit verboten zu werden und hier«rst kann man ermessen, wie ein Volk unter schlechter Führung d c Weisung seine» größten Meister- und Lehrer» verwirft und sich von dem vorgezeichneten Knltnrwrg freiwillig entfernt. Ter jederzeit willkommen: und gern angcwend.'ie Einwurf, Kritik am Volke sielte nur Rasscnanaehörigen zu, wird hier leider auch nicht im Erfolg angewendct werden können, denn der Frankfurter Burgerlohn keilet ja leibst seine Abstammung von Hullen und den deniühen Reformatoren her, also von edelstem deutschen Blut«. Goethe hat Moimar zur Weltmetropole aller friedlichen und freien Menschen gemacht, di«, wenn sie heute auch von den Wogen de» krankhaft erstarkten Nationalismus überllnter doch siet» leuchtendes Stnnbol für alle M guten Willen» und freien Geist«'» bleiben wird. Schon zu Lebzeiten Goethe» war er— wie ich im ersten Teil« dieser Publikation zeigte— Zielpunkt qehässigrr Angriff« ob seiner politischen Anschauungen und beute wäre eS kaum anders. Tas alte Wort„Tempora mutantur" besteht nicht mehr zurecht— Tempora non mntantur! Zn lkckrrman« 1887: W'r Deutschen sind von gestern. zwar seit allein e» hingrhen, Geilt und werbe.... Der erste Tarifvertrag im Dritten Reich! Di« Anlrrnthmer sudel«. „■.....•.,...< nu-'i i-,”i Für da» Baugewerbe in Stadt und Land ci! Koburg ist Ende März 1V3S ein neuer Tarif- Masch,nengewchrc und die Macht der Tank» n° Nr. 88 Sport ♦ Spiel' MmllM 1 tuS„Pandora".! .Wilhelm Teil'.» Aus der Partei Herr Fritz Batt. Beethoven: HI. Leonore-Ouvertür«. Preise der Platze beim Barverkauf Körung schon ab Dienstag, PRAGER ZEITUNG Kunst und Wissen Der Film Karl di« Fortschrittes und der Kultur iafi. der am im Parterrelogen.... I. Ranglogen.... II. Ranglogen.... III. Ranglogen... Terelesitze 1. Reifte. Vorverkauf bei heit Krciskonf«r«nz Optiker Genossen Deutsch, Graben, Palais den 18. April. des Fascismus in Deuts Es ist die» ein feftkiches sumpyonifrihes Konzert mit StesUaMoneu und Gesang. Leitung: Opernches Pros. Georg Szöll. Mitwirkung: Zwei erst« Künstler des EnsenrbleS: Frau Lydia.Kindermann(Altistin), Herr Fritz valk(Sprecher). Da» Orchester de» Deutschen Theater». Programm: W. A. Mozart: Ouvertüre zu„Figaros Hochzeit". I. W. Goethe: Ehor der Schmiede aus„Paudora"* Fr. Schiller: Stauffacher-Rede aus„' H. Heine: Di« Weber. Fr. Schubert: Unvollendete Symphonie. I. W. Goethe: PromecheuS(Schubert).) I. W. Goethe: Greife» der Menschheit(Schubert)./ '—-- genossen, Genossinnen, sidiert Euch reditieltlg Platze! Der Sängergau„Foerster" im Verbände tschechischen Arbeiter^Nesangverein« veranstaltet Samstag, den 22. April, um 8 Uhr abend- Smetanasaal des RepräsentationShauseS sein zweite- Aaukonzert. Mitwirkendc: Gefangvereinigung der Metallarbeiter, Gesangverein„RozkvSt", Gesangverein„Foerster", Gesangvereinigung deS EinheitSver- bandes der Privatangestellten und Sängerchor „Typografia". Gauchorleiter Prof. Gottlieb S p i d r a. Am Programm sind Chöre von Dolinsky, Foerster, Pierre Dcgeyier, Kasik, Kuiir, Leichner, PolaSek, Toller, Baiiak, Vogler. Preise der Plätze: Logensitz 10 X, Partervesitz l. 7 K, Parterrcsitz ll. ö K, Balkonsitz 5 K, Stehplatz 2 K. Eintrittskarten sind zu haben im Einheilsverband der Pr'vatangestellten, Prag ll., Sungmannova 2!), und in der Vereins« kanzle! der Typograficka btseda, Prag ll., V° Sme«- kach 27, beim Genosten Bendel. Spielplan de» Reuen Deutschen Theater». Freitag: Keine Vorstellung.— Samstag%8 Uhr(D 2): »Di« Königin von Saba".— Sonntag K3 W:„Glückliche Reise", J48 Uhr: Ensemblcgast- spiel Ernst Deutsch;„Der Ist. Iun i."— Man- tag Wl Uhr:„Die Meistersinger von Nürnberg."- DienStag:„Eine Frau, diweiß, was sie will." In einer öfiendlldien Kundgebung welche Dienstag, den 18. April 1933, 8 Ohr abends, Im Granen Urania-Saal, Prag ll., Smeiku, stattllndet u. In der Gen. Dr. Emil Franzel Uber den fasdsuins als feind des ar. anbei» Mteknet.—«eruMwdeUtcher RedskNu,: Dr. E«u Btra» z,»rag.— Druck: JRoto* B.-t». für Bettung, und Buchdruck.«rag.— gllr de» Druck»erannoonlich ort» tddlir, w vw W