13. Jahrgang Donnerstag, 27 April 1933 Genosse de Witte in der Außendebatte: des Sozialismus! da» Ihr Slvzelhrels 70 Heller. ^Einschließlich 8 Hiller?n'' vilegien de» Besitzes und der Bildung bisher zu den festesten sozialen Schichten des Kapitals gehört hatte», sind durch die Krise ihrer Existenzsicherheit beraubt, deklassiert, in» Elend gostoßen worden. Der nachwachscnden Generation aber hat die Krise den Weg in die Produktionsstätten versperrt. Millionen Menschen wurdcn ökonomisch und seelisch entwurzelt, aus ihrer Bahn geworfen, aufs tiefste aufgewühlt und zur Empörung gegen die bestehenden Verhältnisse getrieben. Aber diese Massen, die nicht wie das organisierte Proletariat, eine lange und harte politische Schulung durchgemacht haben, sanden nicht den Weg zur sozialistischen Erkenntnis. Sie sahen ihren Feind nicht im Kapitalismus, der«gerade in seinem Niedergang die Ausbeutung verschorft und immer breitere Massen ins Elend stürzt, sie sahen ihren Feind im Sozialismus, die Ursache ihres Elends im Aufstieg des klassenbewussten Proletariates. To konnte der Antimarxismus seine giftige Saat auSstrrurn, so konnte der Kapitalismus den Zorn und die Empörung der deklassierten Massen von sich«blinken und gegen die Arbeiterklasse kehren, so konnte der FasciSmuS auf dem Rücken dieser Mittelschichten seine« Ausstieg vollziehen und die Macht ergreifen, freilich nicht, nm di« von ihm verführten und betörten Massen zu befreien, sondern um. sie, ata letztes Machtaufgrbot des Kapitalismus, zugleich mit der Arbeiterklasse der Knechtschast zu unterwerfen! Alle diejenigen, die im deutschen Nationalsozialismus eine Freiheitsbewegung gesehen haben, mögen nicht vergessen, dass er nicht im Kampfe gegen den Kapitalismus zur Macht gekommen, sondern von Junkern und Schwer!»du« stricllcn in den Sattel gehoben wurde. Die Bourgeoisie hat, indem sie sich dem Fas- eismuo in die Arme warf, alles verleugnet, wa» ihre historische Tradition und ihre geschichtliche Leistung gewesen ist: die Demokratie, in deren Namen sie den Feudalismus überwunden, dir politische Freiheit, in deren Namen sie den Absolutismus niedergeworsen hat, aber auch die geistige Freiheit, die Kultur und dir Humanität. Aber wenn der FasciSmur innenpolitisch Unterdrückung und Knechtung bedeutet, so bedeutet er außenpolitisch eine verhängnisvoll st e Verschärfung Aegcns ätze. in dem Jahrzehnt seines Bestandes durch seine ständigen Beunruhigungen, durch seine Waffenschievun gen, durch seine Versuche zur Schassung eines agres- siven sascistischen Blocks immer wieder bewiesen, da» beweist in den kurzen Wochen seiner Bestandes der deutsche FascismuS iu nicht minderem Maße. Er ha» freilich in dieser kurzen Zeit auch schon zu beweisen vermocht, daß seine Außenpolitik nicht nur eine Gefährdung des internationalen Friedens bedeutet, sondern auch ein Unglück für das eigene Volk. Tas kaiserliche Deutschland hat ein blühendes Reich in den schrecklichsten Krieg und in di« furchtbarste Niederlage gestürzt. Militärisch besiegt, wirtschaftlich ausS tiefste zerstört, politisch verfemt ist Deutschland aus dem Krieg hervorgegangen. Was hat die deutsche Demokratie geleistet? In vierzehn Jahren übermenschlicher Arbeit, di« freilich bes den europäischen Mächten nicht das nötig« Brrständni» und Entgegenkommen fand, hat die heute so geschmähte republikanische Demokratie Deutschland auS der Verfemung und Isolierung herauSgeführt, als gleichberechtigtes Mitglied in di« Staatengefell» schäft wiederum eingerriht. ES war gerade die Sozialdemokrat t i e, die heute in Deutschland verfolgt und unterdrückt ist, die Deutschland zu Ansehen und Geltung in der Welt wiederum emporgesührt hat; es war der Demokrat Rathenau, dessen Mörder heute in Deutschland gefeiert werden, der Deutschland, da» ein bloßes Objekt der Außenpolitik war. die außenpolitische Aktivität wieder erobert Hai, es-war der sozialdemokratische Lrkcheinl mtl Ausnahme de» Montag lüg,ich früh 1» aantoa 0. verwouua» vn>o a.>a» reieod.- aaros.„sag. Maqueedan.-a» 31 um:>mm ♦ votuweao»> 3?5*1 Audi Oesterreidi soll„gleldi- gesdialtet“ werden. Eine deutliche Drohung. Innsbruck, 26. April. De« Lan- deSregierung wurde nunmehr bekannt, vast ver bayrische llnterrichtsminisler Schlemm in feiner Rebe, Vie er am SamStag abenvS in Innsbruck hielt, be- leivigenve. Ausvriicke über Vie gesamte Sfterreichische Regierung sowie über ven österreichischen Regierungschef gebraucht hatte. Ferne« soll der bayrische Minister Schlemm mit vor(»insehnng eines reichsdeutschen Statthalters für ganz Oesterreich gedroht haben. Die Tiroler Landesregierung wird den Tatbestand erheben und der Bundesregierung dann hierüber ihren präzisen Bericht erstatten. * Salzburg, 25. April. In Salzburg und Passau werden seit ztvei Tagen starke Trans- .Porte reichsdenlscher Ml-Leute m Zivil in Richtung aus Wien beobachtet. Wie aus ausgesangencu Gesprächen hervorgcht. planen die H i t l e r l r u t e am 1. Mai in Wien große Gegendemonstrationen, um unter diesem Druck eine Umbildung der deutsch- österreichischen Regierung i in Berlin e r Sinne zu erzwingen. Nach den Wahl« «rgebnssen von Innsbruck vom vergangenen Sonntag glaubt man nicht, daß die Regierung Dnllstiß dieser„Gleichschaltung" allzu großen Widerstand entgegensehen wird. Deutsche SdiMande. Gelehrte werden verjagt, Studierende gesiebt. Brrlin, 26. April.(Conti.) In der heutigen Sitzung des RcichskabinettS wurde das Gesetz ztgcn die Ueberfremdung deutscher Schulen und Hochschulen verabschiedet. Dieses Gesetz sieht vor, daß bei allen Schulen und Hochschulen die Zahl der Schüler und Studenten soweit zu beschränkt» ist, daß die gründliche Ausbildung gesickert und den: Bedarf der Berufe genügt ist. Bei Neuaufnahmen ist darauf zu achten, daß die Zahl d«r Reichsdeutschen, die im Sinne dcS Gesetzes zur Wiederherstellung deS BernfSbeamtentumS vom 7. April n i ch t a r i s ch e r Abstammung sind, unter der Gesamtheit der Besucher jeder Schule und jeder Fakultät den Anteil der Nichtarier an der reichsdeutschen Bevölkernna übersteigt. Die Anteilzahl wird einheitlich für ganP Reichsgebiet festgesetzt(l.5 Prozent!. „Selbstmord“ Torglers wird genlanti Berlin, 26.«pr». lE'g. B-r.s Wie Korrespondent aus hakenkrcuzlerischcn Kreisen erfährt, wird von der SA. geplant, den Führer der kommunistischen ReichStagSsraktion aus der Welt zu schaffen— allerdings soll«in Selbstmord Torglers vorgetäuscht werden. ES muß also aufmerksam gemacht werden, daß falls die Nachricht dieses Selbstmordes verbreitet werde« sollt«, «S sich nicht um«inen freiwilligen Tod Torglers handelt, sonder« um einen an dem Kommuni, stensührer begangenen brutalen Mord. Der Herrgott kriegt ein hraunes tlemdi Berlin, 26. April.(Conti.) Mil Rücksicht auf die Vorgänge in Mecklenburg und die bekannten Bestrebungen zur Schaffung einer allgemeine» Evangelischen deutschen Kirche Hal der Reichskanzler den Wehrkreispfarrer Müller als seinen Vertrauensmann bevollmächtigt. WehrkreiSPsar- rer Müller erläßt einen Aufruf, in dem eS heißt: Die„deutschen Christen" wollen eine evangelische deut che Reichskirche. Die Kirchenregierungen wollen ebenfalls eine große„evangelische Kirche deutscher Nation". Diese Kirche muß'jetzt gebaut werden. ES ist der Wunsch und der Wille des Reichskanzlers, daß die evangelische Christenheit daS große Werk mit vollem Goifvertrauen beginne und in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit dem Reich vollende. Im Rainen des Reichskanzlers forder-'ch alle Bc- telligten zu ehrlicher Mitarbeit auf. Kampfbereit zum Schutz der Demokratie! Unerschütterliche Zuversicht in die Zukunft Kanzler Her in a n n Müller, der da« Rheinland von fremder Besetzung befreit hat. Es war gerade die von internationaler Gesinnung erfüllte Arbeiterklasse, die heute in Deutschland mißhandelt und geknechtet wird, es waren die führenden Geister der Kunst und Wissenschaft, die heute von den Stätten ihre« Wirkens vertrieben werden, die für Deutschland Verständnis, Achtung, Anerkennung in der ganzen Welt geworben und erworben haben. Ihnen wird das wirklich erwachte Deutschland einmal den Dank zollen, den die Gegenwart Ihnen schuldig bleibt! Unsere Herzen und die Herzen des gesamten internationalen Proletariates, aller freiheitlich denkenden Menschen in der ganzen Welt sind bei ihnen! Heute freilich ist da« Werk ihrer Arbeit zerstört, in wenigen Wochen hat der Faseismns Deutschland in eine Isolierung hineingeführt, die schlimmer ist, als es je die Isolierung de« Hohen- zollern-Dentschland war. niner-Deutschland isoliert Die einmütige Kundgebung de» englischen Unterhauses, die Worte d«S französischen Ministerpräsiden ten, di« eindeutige Ablehnung de« deutschen FascismuS just durch die Völker der unverfälschten nordischen Rasse beweisen daS beuiklch und klar. Aber auch aus Italien sind die deuischen Staatsmänner unbefriedigt zurückgekehrt. So geistig verwandt der italienische und der deutsche FasciSmus auch sind in der Ausrottung der politischen Freiheit, in der Unterdrückung der Arbeiterklasse, so wenig vermochten sie sich, trotz immer wieder betonter Freundschaft, über ihre außenpolitischen Ziele zu einigen. O e st c r r e i ch liegt als. Zankapfel zwischen ihnen und ei wird zu den wichtigsten Ausgaben einer wahren Friedenspolitik gehören, zu verhindern, daß Oesterreich zum Spielball rivalisierender lascistifchcr Gewalten wird. Wir haben auf die Gefahren, die aus der Politik Italiens gegenüber Oesterreich hcrvorgehcn, schon wiederholt hingcwicscn. Auch heute bilden die Bemühungen Italiens, Oesterreich in seine Jnter- esiensphäre lnncinznzichcn, Oesterreich zum Exponenten dcS italienischen FasciSmuS zn machen, indem r» die mit italienischem Gelbe bezahlten, mir italienischen Waffen auSgerüstcle Hcimwchrbewe- gung patronisiert, eine der r r n st e st e n Ge- aller in ter Nation al entfahren für den europäischen Frieden. Tat hat der italienische FasciSmus j Darum haben die Nachrichten, daß die Hirtcnberger ’ WaffentranSportc noch immer nicht zur Gänze zu- rückgclcitct wurdcn, eine ernste Bedeutung. W i r begrüßen daher die Erklärung des Herrn Außenministers, daß die Tschechoslowakei unter absoluter Respektierung der österreichischen Neutralität die freundschaftlichen Beziehungen mit Wien zu vertiefen wünscht, und seine Feststellung, daß es bei gutem Willen und einer normalen Entwicklung in beiden Staaten kein« Strcitsraae zwischen den beiderseitigen Regierung gibt. Zu den wichtigsten Voraussetzungen für dir normale Entwicklung gehört zweisrlkoS die Aufrechterhaltung der Demokratie. Darum verteidigen dir österreichischen Arbeiter in ihre« Abwehrkamps gegen die Ausrichtung deS FasciSmus in Oesterreich, in dem wir mit allen unseren Sympathien und unserer ganzen Solidarität auf ihrer Seite stehen, nicht nur die eigene Freiheit, sie dienen auch dem Frieden Europas. Gegen viermachtepahl. Aber freilich, wenn Deutschland und Italien «S nichl vermochten, sich über die Abgreiijpnig ihrer Interessensphären zu verständigen, so sind sic dennoch durchaus einig in dem Willen, die gesamte internationale Politik unter saseislische Führung zu bringen. Diesem Bestreben ist der Vorschlag Mussolinis auf Schaffung eines Vicrmächtepaktcs entsprungen, der über Europa ein Direktorium der Großmächte ausrichien sollte. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß Italien und Deutschland dabei damit««ihnen, dieses Direktorium zu beherrschen und damit daS Prag, 26. April. Heute wurde in beide« Häusern der Nationalversammlung die Debatte über das Exposee des Außenministers eröffnet. Während sich im Abgeordnetenhaus sofort gegen 26 Redner zu Wort meldet««, so daß die Sitzung heute bis spät abends ausgedehnt wurde und di« Debatte morgen fortgesetzt und voraussichtlich erst Freitag beendet werden wird, war daS Interesse im Senat merklich geringer. Hier wurde dir Debatte schon am Nachmittag abgebrochen; die restlichen gemeldeten Redner sind für morgen vorgemerkt. Wahrscheinlich wird auch die Abstimmung hier bereits morgen er- solgcn können. Für unsere Fraktion sprach im Parlament Genosse de Witte. Seine markante, von unerschütterlichem Vertrauen in die Zukunst des internationalen Sozialismus getragene Red« wurde wiederholt von lebhaftem Beifall unterbrochen, dem sich die tschechische» Genosse» und selbst einige tschechisch« Nationalsozialisten anschlossen. Gcnossc de Wüt« analysiert« in treffender Weise die Ursachen, die zu dem Ausstieg des Hitlersafeismu» in Deutschland geführt haben, zeigt« di« völlige Isolierung Deutschlands' aus, die das Werk weniger Wochen der Hitlerherrschaft ist, und stellte sich in der Ablehnung eines GroßmächtedirektoriumS, in dem Italien und Deutschland tonangebend wären, voll aus di« Seit« unseres Außenministers, dessen aufrichtiges Bekenntnis zur Demokratie in der Innen- wie Außenpolitik er rückhaltlos würdigt«. In geradezu fanatisch leidenschaftlicher Red« begründete Genosse d« Witte abschließend unsere unerschütterliche Ueberzeugung, daß der Aufstieg der Arbeiterklasse auch durch den brutalsten Terror, wie«r sich jetzt in Deutschland auStobt, aus die Dauer nicht auszuhalten i st, und zog für unser« innerpolitisch« Haltung auS all den sich überstürzenden Ereignissen der letzten Wochen di« Konsequenz, daß die von unserer Partei vertretene Politik der Ber- st a n d i q u n g für die deutsche Minderheit in diesem Staate wie für die Arbeiterklasse überhaupt di« einzig möglich« ist! Genosse d« Witte führte aus: In der internationalen Lage hat sich in den letzten Wochen ein gewaltiger Umschwung vollzogen, der unS zur Nachprüfung der Situation und zur Stellungnahme zwingt. Tie Umwälzung in der internationalen Politik ist hervorgeriijcn durch den Sieg dos FasciSmus in Deutlch- land und durch daS Ringen nm die Demokratie in Oesterreich Dor Fascisnnis, der bisher nur in Ländern mit rückständiger wirtschaftlicher Entwicklung die Macht zu ergreife» und zu behaupten vermochte, hat sich in dem Herzen Enropas eingenistet. Er hat das industriell am weitesten ent- ' wickelte Land dcS europäischen Kontinents in . Gewalt gezwungen und dieses Ereignis wirst I Schatten über die ganze Welt. Das Massenelend bedingt Hitlers Aulstleg. Diese Entwicklung ist die unausweichliche Folge der schweren Krise gewesen, die nun schon seit mehr als drei Jahren das Gefüge der kapitalistischen Wirtschaft in ihren Grundfesten erschüttert. Die Krise hat durch ihren gewaltigen Umfang, durch ihre lange Tauer, durch daS kaiasiro phalc Ausmaß der ProduktionSeinschränkung nichl nur ein Millionenhcer von Arbeitslosen und damit ein Massenelend der arbeitenden Schichten von nie erhörtem Ausmaß verursacht, sic hat nicht nur durch die Unterbindung deS Apparates und die Zerrüttung der Währungen die Weltwirtschaft in Partikel zerschlagen und damit den wirtschaftlichen, aber auch den politischen Nationalismus ungeheuer gestärkt, sondern sie hat die größten sozialen Erschütterungen dadurch hervorgerufen, daß sie di« Mittelschichten ökonomisch zerrieb. Die großen Masten des Kleinbürgertums, die ^Bauernschaft, die-Intellektuellen, die dank der Pri- WGM Seit» 2 Donnerstag, 27. Aprfl 1888 Nr. 8« Aul zur Abwehr des Fasclsmus! Daraus ergibt sich aber auch zwingend die Notwendigkeit einer selbständigen Politik der kleinen Staaten und wir finden durch di« fängst« Entwicklung all da», Wal wir vor wenigen Wochen im außenpolitischen Ausschuh in diesem Punkt« gesagt haben, nur bekräftigt. fahrnngen der letzten Zeit endlich verstehen lernen, daß ihr Kamps gegen die Demokratie nicht zur Ersetzung der Demokratie durch die Herrschast der Arbeiterklasse, sondern zur Niederwerfung der Arbeiterklasse dient. Darum ist di« Weigerung der Kommunisten, sich klar nnd ohne Vorbehalt zur Verteidigung der bedrohten Demokratie zu bekennen, rin« unverzeihliche Verslindigung an den Lebensinteresten der ArbeiterNaste! Di« Taktik der Kommunisten, das muh in aller Offenheit ausgesprochen werden, vermag absolut nicht die Politik der Arbeiterklasse in rin« schlagkräftig« Offensiv« zu verwandeln, wohl aber vermag sie dir proletarische Desenstve, die Abwehrkraft der Arbeiter gegen die politische Reaktion zu lähmen und dadurch dem FaseiSmu» geradezu in dir Hände zu spieleul Vie mit dem rasclsmns kokettieren... Schier noch unbegreiflicher als diese Stellungnahme der Kommuni st en zum Problem der VcrsföndigungspolinK Darum ist gerade unsere Politik, F-aseismu» der Perstiindiguug, an vor Mir konsequent festhalten, der einzig« Weg, den Vie deutsche Bevölkerung dieses Staates gehen kann, wenn sie ihre Interessen richtig der» Schicksal der internationalen Politik«ntsch«ide»d bestimm«» zu können! Mit vollem Rechte hat der Herr Anhenministrr dies« Konzeption entschieden abgrlrhnt und wir erklären»ns mit der vollkommenen Ablehnung des VlermSchtepaktes zur Gänze einverstanden. Mehr als jemals ist«S notwendig, zur Abwehr des FafetSmus all» Kräfte zusommenzufas- sen, einer Verwicklung in gefährlich« Konflikte ent- gegrnzuwirken. Wir dürfen dabei auch nicht verkennen, dah der FaseiSmuS die Entwicklung des Völker buntes zu einem wirksamen Jnstrnmen! internationaler Zu- sannnenarbeil und wahrer J-riedenspolllik aufschwerst« hemmt und gefährdet. Tie heutige Machtlosigkeit deS Völkerbünde«, sein ofsenstchtlichc«"Versagen aul allen Gebieten der internationalen V-.'liiik und Wirtschaft ist gar nichr-i.rüderes als der Ausdruck dieser Tatsache. Wir finden darin unsere wiederholt ausgesprochene Auffassung wiederum bei'.äiiqt, dah nur vom Zusammenwirken der Demokratie»» die Förderung de» Friedens erwartet tverde»! kann. Darum sehen wir heut« durch den Siec des Fascismus di« ohnehin geringen Hoffnungen aus rin positives Ergebnis der A b r n st u n g s k» n- f«r«nz völlig in Frage gestellt. Darum sehen wir, daß die internalio.rol« D:r'.lchasi-konserrnz sogar tu ihrem Zustandekommen gefährd«: ist. Welch«in Hohn aus den Namen des Sozialismus, den sich der drnrsche Faicismus zur Tarnung seiner dunklen Zweck« ang«ign«i Hot! Aber auch eine Mahnung an dir Arbriter der ganzen Welt, sich um so festes unter den Fahnen de» demokratischen Sozialismus zujamnwnzuschliehrn! AU d:«s« Erscheinungen im Bereich der Völkerbundpolnik legen allen verantworlungSbmnihten Faktoren wie- der mit aller Eindringlichkeit di« Verpflichtung aus, alle Kraft für dir Demokratie einzusrtzen, um dir internationalen V«ztehnngen in Politik nnd Wirtschaft nicht völlig vom Fasri»««» beherrschen zu lasten, um riner künstigen gefamteuropäisch«n Zusammenarbeit, die»ach wie vor unser Ziel bleibt, wenigstens vorzuarbeiten. Bon diesem GrstchiSvunkw aus dürfen wir mit Genugtuung unwrstrrichen, daß der Herr Außenminister mit solcher T, di« politische Freiheit der Ar- beiierllast« als Dass« für di« Kamps« der Zukunft, al» Instrument ihre» Aufstieges zu behaupten. Den« so trüb der vliek in die von ver Wirtschaftskrise zerstörte, vom?»aseiS- mns Politisch verwüstete Welt der(Segen» wart ist, so fest unv unerschütterlich ist unser vertrauen in Vie .Ernst der Arbeiterklasse, unser Bewußtsein, bah Vie ökonomische(Entwicklung sich nicht aufhalten löfzt, nnd darum der geschichtlich notwendige Ausstieg der Arbeiternasse auch durch die Methoden brutalster Gewalt nur v o r» übergehend gehemmt werden kann. Denn der FaseiSmu- mag dir Parteien der Arbeiter unterdrück«», ihre Pr«ste verbieten, ihr« Führer mißhandeln und in» Gefängnis setz«», er vermag mit alledem dir Widersprsiibe der kapitall- stischen Wirtschaft nicht aus der W«l« zu schaffe», di« Kris« deS Kapitalismus nicht zu überwinden, das Elend, da» er über di« Welt gebracht hat. nicht zu beseitigen. Er mag den betörten Masten in Fackel- züg«n,«n Rundsunkveranstoltungen. in Judenboykotten, in politischen Tendenzprozesten noch soviel« Fechterspiel« bieten: Brot vermag er ihnen nicht zu geben. Uud darum muß er scheitern! Darum muß auch seine Macht zerbrechen, weil gerade die Herrschaft VeS Demokratie ist die Haltung jener deutschen Parteien in diesem Staat«, die mehr oder weniger offenemit dem FaseiSmuS kokettieren, ohye auch nur einen Augenblick zur Besinnung zu kowknen und darüber nachzudenkeu, was der Fa- sciHius für di« nationalen Minder- helt«n bedeuten würde! ' Mit vollem Recht hat der Hrrr Außen- Minister in seinem Erposü gesagt, daß sich di« Freiheit der Minderheiten und da» Recht auf ihr freie» politisches Leben nur in einem demokratischen Regime wahren läht. Wir haben unv zu dieser Ausfastung immer bekannt, wir haben jederzeit, unbekümmert um den Borwurf des nationalen DerraieS, der uns entgegengeschleudert wurde, für das friedliche Zusammenleben der Völker dieses Staate» ans dem Boden dieser Demokratie gewirkt und gekämpft. Wir stehen zu dieser Ausfastung auch heut« und heute r r st recht! Für eine Politik freilich, die der Vernichtung der Demokratie in Deutschland Beifall klatscht, hier aber all« demokratischen Rechte' für sich in Anspruch ninimt, dir der Verfolgung und Unterdrückung rastischrr und weltanschariltcher Minder- Hellen im Deutschen Reich begeistert zustimmt, hier aber die Freiheit der nationalen Entwicklung für die Minderheiten in Ausbruch nimmt, für«ine solche Politik der Unaufrichtigkeit und Doppelzügigkeit haben wir kein Verständnis! Ein« solche Politik dient am allerwenigsten den Jnleresten t«r Deutschen in diesem Staate! der einzige Weg! weite und immer wettere , Masten darüber belehren wird, daß nur I der proletarische Sozialismus Krise nnd Not, Krieg und Kriegsgefahr zu über- ivtnden vermag! Darum läßt sich das Proletariat, das allen Rückschlägen zu trotzen und ste immer wieder zu überwinden vermag, auch l durch die Entwicklung ver lehten Monate 'nicht beugen und nicht beirren: Der lag der proleiarlsdien Sozialismus wird Kommen! * Auch der tschechische Grnoffr Dr. Winter deckle den Außenminister vollständig hinsichtlich der Ablehnung de» Großmächte-DirektoriumS und betonte in diesem Zusammenhang dir Gefährlichkeit des FaseiSmuS für den europäischen Frieden. FaseiSmuS und Revisionismus stellen in der Außenpolitik rin und denselben Gedanken vor: ste versprechen nach der Revision der Verträge eine Besterung der wirtschaftlichen und politischen Berhältniste im Inland. Die jetzige Krise ist aber nicht verursacht durch die politische Neuregelung Europas, sondern ste ist begründet in der fehlerhafte» Struktur der Produktionsverhältnisse unter dem kapitalistischen System. Genoste Dr. Winter macht neuerdings aus di« schweren Gefahre» aufmerksam, die aus den unga rischen Rüstungen drohen, nnd konstatier« auch, daß die Hirtenberger Waffen keineswegs noch zurückgesendet wurden. Er geht dann auf die deutschen Rüstungen rin, auf die Bewaffnung der SA als Hilsspollzei und erklärt, daß dies« Ele ment« dem Frieden weit gefährlicher siird al» ständiges Militär. Später ruft Genoste Winter der Bourgeoisie I nachdrücklich in Erinnerung, daß der Sozialismus trotz der Niederlage der deutschen Sozialdemokratie immer noch in Europa ein maßgebender Faktor ist, ver Handelskrieg England Rußland hat begonnen. London, 26. April. Der Handels, krieg zwilchen der Sowjetunion und Großbritannien ist am Dienstag ausgeb rochen. Da» Einfuhrverbot für russisch« Waren tritt jedoch offiziell erst am Mittwoch in Wirksamkeit, Trotzdem wurden gestern Dienstag di« Zollämter in üblicher Weise um 17 Uhr geschlossen und damit trat da» Einfuhrverbot d« farto in Gültigkeit. Sämtlich« russischen Waren, die nach dieser Stunde in den englischen Häsen einsangen, unterliegen bereit» dem Embargo. und bespricht eingehend die Ursachen, die die deutsche Sozialdemokratie fast zwangläufig in die heutig« Situation führte. Sie verdiene den Borwurf der Feigheit keinesfalls, denn ste habe nur den einen Fehler gemacht, daß sie den Friedensgedanken propagierte, den Gegnern aber die Ma- schinrngewehrc überließ! » Auch di« übrigen Sprecher der Koalition stellten sich einmütig in der Ablehnung des Mussolini-Planes und jede» Revisionismus hinter den Außenminister, so vor allem der Spr«- cher der DolkSpartei S V ö t l i k und auch der Agrarier Ing. 2 f I f a, der namens seiner Partei ein unbedingte» Dekenntni» zur Demokratie ablegt« und dezidiert erklärt«, für sie gebe es nur einen Weg, den Weg der Demokratie, und in dieser Ucberzeugnng könne sic nicht» irre machen! Bon der dentschcn Opposition sprach heute nur Kallina(dtschnat.), der in dem Viermächtepakt die einzige mögliche Grundlage sür eine Befriedung Europa» erblickt und proph«. zeit, daß der Ausbau der Kleinen Entente zu einem wirtschaftlichen Zusammenbruch führ«« müßte. Der Sprecher der ungarischen Christlich, sozialen erging sich zu Beginn der Debatte in Witzeleien über die„Großmannssucht" der Kleinen Entente und Dr. Deneäs; seine Klubkollegen ergingen sich später des öfteren in verletzenden Zwischenrufen, was auf tschechischer Seite einigemal» entschiedene Gegenwehr hervorrief. *• Am Senat erklärte sich der Sprecher der Slowaken Buday entschieden für die Bencä- Politik in der Revisionsfrage. Hohe» Lob zollt« dem Außenminister der Agrarier S t o d o l a, der für die Innenpolitik den Leitsatz aufstellte, daß man die loyalen Minderheiten nach der kulturellen und wirtschaftlichen Seite znfriedenstel- len müsse. Der tschechisch« Genosse Ing. Winter fordert entschieden« Maßnahmen gegen da» Treiben der Ältlerbanden im Grenzgebiet und verlangt vom Außenminister die Einleitung der erford.rliche Schritte, damit der Völkerbund die Verletzung der§8 160 und 162 des Versailler Vertrages durch'Deutschland auSsprechc. Von deutscher Seite befaßte sich S t ö h r (BdL.) mit der wirtschaftlichen Seite der Kleinen Entente und gab gewißen Befürchtungen für die Landwirtschaft Ausdruck. Er ist für einen großen autarken Wirtschaftsraum in Mitteleuropa mit Deutschland und Italien. Stolberg(d. Christlichsoz.) führt den wirtschaftlichen Verfall auf eine Fehlkonstruktion dr» heutigen Europa zurück; Mussolinis Viermächtepakt stehe nicht mehr:m Widerspruch mit den Völkerbundtendenzen als die Konstruktion der Kleinen Entente; Tie Außenpolitik des Minister» Dr. Benes lehne seine Partei ab. »(oMraek rartoUa. UND DAS 20. JAHRHUNDERT Roman von Rudolf Brunngraber Copyrigih by Sod.UUa*V.rta( l Frankfurt am Main UM Selbst di« tvährend des Krieges eingestellten Frauen könnten, bei diesen Zeilen, nicht kurzerhand aus di« Straße geworfen tverden. Gewiß: einer Eingabe an die Behörde«ines anderen Bundeslandes stünde nichts entgegen, doch dürfte sie wenig Aussicht haben. Karl trat wieder in di« Sonne der Ringstraße hinaus, betäubt, als hätte man ihn mit Sandiächn geschlagen. Dessenungeachtet schrieb er noch am gleichen Tag an einundzwanzig Bezirksschulräte der Provinz. Er schrieb mit Eifer bii in die Rächt hinein, weil ihn die Wohnung nun doch bedrückte. Di« folgenden Tage ging er viel in den Straßen umher. Mit Wißbegier laS er di« Zeitungen, was er ui« getan hatte. Trotzdenr kam er der neuen Welt nicht näher. Ihre Errungen- '«hasten, Achtstundentag, bezahlter Urlaub. Arbeitslosenversicherung. BelriebS'.äteqcsetz. Frauenwahlrecht, Abschaffung der TodeSstraf«, betrafen ihn nicht unmittelbar, und hinsichtlich der neuen StaatSforin mußt« sich Karl emgestclten. daß er kein Gefühl für ihr« Realität gewann Er war mit der Einfachheit der kleinen Leute bereit, der Republik, da sich die Zeiten- offenbar geändert hatten, di« gleiche Rechtlchaff«nhc>r zuzugestchrn, wie der Monarchie, aber darum waren-:« Ansichten, di« in einem Atem mit ihr vertreten wurden, für ihn nicht weniger erbitternd. Begriff Karl schon nicht, warnm nun alles, was grp-:r'.! der Hort der Ration geweien war. der Kaiser, die Führung nn Feld der ganze streitbare Staat, als schurkisch oder, idiotisch verurteilt wurde, ko kränkt« cS ihn verlönlich, daß nun jeder Soldat an dem alten Sys'en« mitschuldig sein sollte oder 36 einfach als sein Trottel«richien. Warum, fragte sich Karl, hat im Juli ISIS niemand so deutlieh geredet? Diel« Frage beschäftigt« ihn um so quälender, als er nicht in der Loge war, die politisch« AlltagStakllk voll dem Dienst, den die Politik der Zukunft erwirS. zu trennen. Di« Opfer, die er und Millionen gebracht hatten, ^schienen sinnlos. Diese Einsicht fügte zu dem .laßeren EliaoS da» innere. Ukrainer und Polen kämpften um Lemberg. Wozu, fragte sich Karl mit einem irren Kopf- 'chüllcln, haben wir hinter Grodek im Feuer gestanden? Diese Polen, deren Selbständigkeit durch d:e Deutschen proklamiert worden war, hielten Westpreußen und Posen besetzt und vergossen'n Kattowitz und Bcuthen deutsches Blut. Zn Riga und Mitau kämpften deutsche Freikorps mit den Letten gegen di« Rotgardisten, in Finnland mit der Reaktion gegen die Revolutionär«, und in Wiesbaden riesen ste unter der Patronanz deS General» Mangin, der sie bei SoifsonS hin- aemäht hatte, eine Rheinische Republik aus. Die Ungarn käntpften gegen di« Rumänen, Tschechen und Oesterreicher, die Italiener gegen die Sud- stowen, die Griechen, auf englisch« Rechnung, gegen di« Türken, und die Engländer und Amerikaner landet«« ein Expeditionskorps an der Murmanküst«. Die Franzos«», gleichfalls im Geist dcS Versailler Vertrages für da» Selbstbestim- mungSrecht der Völker streitend, landeten ein zweites in Odessa und die Japaner hielten Wladiwostok besetzt. Die Alliierten besoldeten gegen Rußland überdies di« weißen General«. Jude- Nitsch kämpft« vor Petersburg, Wrang«! in der Krim und Koltchak in Sibirien. Dreißig wilde Kriege toben nock) in der Weit, sagt« Lloyd Georgr. Aber zttwnzig davon wurden zwischen den BuudeSgenosien von gestern geführt und in Ländern, in denen nock) immer Hnnderttanscnde verhungerte««. ES steh« fest, sagte Herbert Hoover zu einem Interviewer deS Motin, daß Europa, daß die Welt sich der schwersten Gefahr gegen- über befindet, di« jemals die Menschheit bedroht hat. Er dachte dabei vor allem an den W«lt- bolschewiSmuS. Dennoch legte er seinen Lands- lcuteit, deren Waren in den-Häfen verfaulten, vergeben- nahe, Europa di« vier Milliarden' Kredit zu gewähren, di« eS nach seiner Schätzung zur Gesundung braucht«. Wie aber- fragte sich Karl, konnten Ideen, di« mit Millionen Toten ausgewogen wurden, so abwandelbar sein? Karl fragt« sich weniger, alS daß er sich dumpf im Blut an dieier Welt irrewerd«» fühlte. Durch den Hingang seiner Mutter war ihm die Ueberzeugung von der Gerechtigkeit der Dinge genommen worden, nun verlor er auch den Glauben an ihren Sinn. Willkür und Wahnsinn schienen die Menschheit durcheinanderzuwerfen wie di« Ruten jenes Perserkönigs den Hellespont. Achtzig ProMt der Schulkinder waren rachitisch, di« Erwachsenen, denen die Lebensmitt«! noch immer rationiert wurden, bezogen 1200 Kalorien statt 2400 im Tag. und diese bestenfalls aus amerikanischem Gefrierfleisch, dennoch tackte und johlt««S in allen Lokalen, wie wenn Karneval>vär«. Di« neu« Musik(deren Medium auf ihrem Weg aus den kubanischen Kaschemmen in die abendländischen Großstädte der Chikagoer Reger JaSbo(Jazz) Brown gewesen war und die mit den amerikanischen Regimentern nach Europa gekommen war), diese Musik schien einzigartig für den Cancan zu Pasten, den man zur Apokalypse tanzt. Und auS jedem Film und Plakat glüht«» Ruditäten, di« Prostitution paradierte mit Zwölfjährigen, indes ver Raulch- gifthandel, wie di« Zeitnngen anSmalten, bereits in all« Schichten der Bevölkerung eingedrungen war. Da»„Stahlbad", glossierte ein Feuilletonist dies« Erscheinungen, hatte den weltstädtischen Menschen aus allen veraltet«« Hemmungen her- auSgeschabu erst fetzt würden sich das zwanzigste IahxhiiNdert und die Zivilisation ihrer selbst bewußt,.stark, der einmal den Franz von Astisi verehrt hatte, sand, daß er einem überholten Menschenschlag««gehörte. Er hott« di« Soldatenrobustheit längst verloren und dachte an nicht! als ein« Zuflucht. In Irgendein Torf sich»:r- krieche» können und(... c» blieb Karl auch nicht »erborgen, daß jede zweite Frau schivanger ging) an einem anderen Menschen gut mache». waS an dem kleinen Weib versäumt worden war. BiS in diese Berängstigthcit hatte sich sein Lebcnstronm nun zurückgezogen. Allein er sollte der Zuflucht nicht teilhaftig tvcrd«n. Ende September erhielt er di« letzten Absagen von den Bezirksschulräten. Di« Provinz, die über eigene Seminar« verfügt«, ging auch bezüglich der Person des LehramtSkandidaicn Karl Lakncr von ihrem PartikularismuS nicht ab. Karl aber mußte diesen Schlag in einen« Augenblick hinnehmen, da er sein« Ersparnisse auS der Gag«, die ihm von de>« Italienern ausbezahlt worden«var, aus einen verzweifelte«« Rest zuiaiu- mengeschmolzen sah. Er hatte zu spät den Wert der Valuta erkannt. Allerdings wurde ihn auch die Lira nicht mehr lange gehalten haben. An diesem Tag setzte sich Karl Ii« die Ecke dcS alte» Tiwans, wie ein Junge mit angezogenen Knien und di« Hände im Racken verschränkt; stundenlang blieb er ohne Regung so sitzen. Sein Baier, dachte er, war sich auch darin treu geblieben, daß er sich die Rückkehr in dieses Leben erspart hatte. Schließlich kramt« Karl sein« Auszeichnungen aus dem spärlichen Gepäck, das seit seiner Ankunft unbeachtet liegen geblieben Ivar. Er legte die Medaillen vor sich hin, die Große Silberne, da» Signum laudis, da» Militärverdienstkreuz uud den Kronenorden. Sie kamen ihm heut« wie«.in unbegreifliches Männerspielzeug vor. Run holte Karl, den schwarzen Brand, der ihn aushöhltc. schürend, auch seine Geig« vom Kasten, di« bernsteingelb« Geige, deren Kopf nicht eine Schnecke, sondern ein geschnitztes Löwenhaupt war. Er rechnete nach, daß er das Instrument»eit sieben Jahren nicht mehr in der Hand gehalten ha'.ic. (Fortsetzung folgt.) Nr. 99 Donnerstag, 27. April 1998 «eue s Ericheinungjweise zum 1. Mal Unsere Matnummer erschein! am SONNTAG, den 30. APRIL in verstärktem Umlang. Da nadt dem Tarilvertrag der Buch, drudttr am 1. Mai nicht geat bettel werden darl • erscheint die nächste Folge unseres Blalfcs erst wieder am • Mittwoch, den 3. Mel 1333. Ole Verwaltung. Nonnnunlstcn-mitc für inner! Ein sonst nicht unbegabter kommunistischer Schriftsteller, der sich Karl F r a n z nennt und der uns(unter anderem Rainen) aus früherer Tätigkeit in Deutschland hinreichend bekannt ist, bemüh! sich zur Zeit in den Straßen Prags, eine kleine Schrift:„Hitler über Deutschland und w i e e s k a m" an den Mann zu bringen. Herr Franz will, wie er behauptet, den Ursachen des deutschen Fascismus nachspüren; er kommt dabei zu dem für ihn serbstverständlichen Ergebnis, daß— wie könnte es auch anders sein?— die böse Sozialdcinokrattie di« Alleinschuld an Hitlcr-Dc>ltschland trägt. Die„14 Jahre sozialdemokratischer Irreführung, sozialdemokratischen Lug und Trugs" haben es so weit gebracht, und:„14 Jahre Demokratie, das sind 14 Jayre der Vorbereitung zum FasciSmuS!" Das ist die geistige Linie des Pamphlets!— Offen gesagt: wir beneiden Herrn Franz nicht nm den Mut, wir beneiden ihn nicht um seine proletarische„Selbstverleugnung", gerade in der Gegenwart eine Hetzpolitik übelster Art zu betreiben, wirksam getarnt durch de« Schein des Historischen und»ntermanert durch bewußte Lüge, bewußte Demagogie. Herr Goebbels muß vor Reid erblassen, sollte er jemals das Sudelschriftchen in die Finger bekommen! Wir machen kein Hehl daraus, daß w.r manchen taktischen Schachzügen der SPD. kritisch gcgcnüberstchen; aber, so fragen wir, w i e har sich de n n d i c KPD. bc n o m m e n u n d ge- schlagen in den Kämpfen der vergangenen 14 Jahre? Sind die Tage de- Preußen- Volksentscheides, in denen die.KPD. zusammen mit den Haken- kreuzlcrn aufmarschierte, schon vergesien? Weiß man nichts mehr davon, daß die KPD. seit jeher den Sturz SevcringS betrieben und schließlich gemeinsam mit Hitler und Hugenberg vollzogen hat? Desselben Severings, für den man ein paar Tage später, am 20. Juli vorigen Jahres, nun Generalstreik aufwrderte, als— den Wünschen der KPD. gemäß!— die Amtsenthebung tatsäch- hch erwkgt war? Wenn von Schuld d'c Rede sein kann— und dies ist der Fall!!!— Dann, Herr Franz, plopfen Sie an die eigene Brust: mea culpa, mca culpa! Meine Schuld, meine h ö ch st e Schuld!—— Der deutsche Fascismus ist zu einenr großen Teil die Frucht der unglückseligen Brndcrkämpfe im deutsckzen und im internationalen Proletariat. Diese Bnidcrkämpfe planmäßig organ'siert(sogar in der Gewerkschaftsbewegung— RGO!— n den Kulturverbänden, bei den Sportlern, bei den Freidenkern, den Konsumgenossenschaften— Halle!!!) und überspitzt zu haben, das ist das Verdien st Ihrer Genossen, Herr Franz! Doch darüber berichten Sic natürlich nichts! Danim: wir lehnen den Schwindel ab! Nnd wir lehnen auch ab eine„Einheitsfront", bei der der eine Partner den anderen mit Lüge und Hetze zu überschütten trocknet— cme„Einheitsfront", zu der Sie, Herr Franz, aufzurufen wagen! Versuch* das zu bestreiten* Tadiaucr Nazi In der SA. Aus Tachau sind in Hitlers Mordbanden ringe reiht: Wilhelm F r ö t s ch l. Nr. 1181, Johann Gartner, Nr. 1131, nnd Joses Todt, Nr. 592. Der Agitator N u d e k, einer der vielen entwurzelten Hakenkreuzanhängcr, hat einen gewissen Franz Reiter zum Eintritt in die SA zu verleite» versucht. Welches Interesse haben also die hiesigen Hakenkreuzler für die SA des Banditcnchefü Hiller, wenn sie keine Beziehungen zu Deutschland unterhalten? Klage beim Vcrwamingsferidit Wien, 26. April. Die Wierner Landesregierung hat gestern beschlossen, alle aus Gnmd des kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes in der lebten Zeit neu erlassenen Verordnungen gemäß Artikel 18g des BundeS- verfassungsgrsctzcs beim Berwaltungsgerichtshof anzufechten, u. a. die Bundesbahnsanic- rungsvcrordming. die Verordnung über die Regelung der Bezüge und Pensionen der Bediensitten öffentlich-rechtlicher Körperschaften, die vtreikvcrordnung ufw. lichcn Parteien erhalte», ihr so oft angckündigter „Einbruch in die marxistische Front" in Südmähren ist also zu Essig geworden. Aussige» Gewerbebank. Wir brachten in unserer Folge vom 21. April die Nachricht, daß in einer am 19. Avril stattgefundenen Versammlung der Einleger der Deutschen Gewerbcbauk in Aussig cinstintmig der Bc- schluß eines Moratoriums der Bank bis zum 1. Jänner gefaßt wurde und daß das Moratorium sich nicht auf die nach dem 27. März getätigten Einlagen beziehe. Wir erhalten nun von der genannten Bank eine Berichtigung auf Grund des Paragraph 19 des Preßgcsetzcs, die diesem Gesetz nicht entspricht und die wir daher nickt veröffentlichen müßten. Loyalerweise wollen wir dem Inhalt der gesandten Zuschrift entnehmen, daß bei der am 19. April stattaefundcnen Versammlung der Einlegerschaft der Beschluß gefaßt wurde, der Deutschen Äewcrbebank im Interesse der ungestörten Erhaltung und Weiterentwicklung dieses Institutes eine weitere S t i l l e h a l- t u n a der Einlagen bis zur nächsten.Hauptversammlung zu gewähren, wobei hcrvörgehoben wurde, daß die nach dem 27. März gemachten Einlagen der Stillehaltung nicht unterliegen. Während ein Moratorium nur vom Finanzmlni- ster und unter Bestellung eines staatlichen Kommissärs angeordnet ivcrden kann, handelt cS sich hier um eine von den Einlegern der Deutschen Äewcrbebank gewährte freiwillige befristetc S t i l l e h a l t u n g, d. h. um einen freiwillig befristeten Verzicht der Einleger auf Behebung ihrer Einlagen für eine festgeleate Frist, und zwar bis zur nächsten ordentlichen Hauptversammlung, daö ist bis zum Jänner 1934. Weltwirtschaflskonserenz am 12. 3uni Beratungen hätten, ohne allerdings zu einem endgültigen Ergebnis zu kommen Fortschritte gemacht, und man hab« die Absicht, die Verhandlungen in Washington und spater auch in London fortzusehen, haben ihre Zustimmung zur E i n b e- Washington, 2«. April. MaeDonalv verabschiedete sich herzlich von Roosevelt tm ArbeitSrauut des amerikanischen Präsidenten. Aufchlic- szend wurde eine gemeinsame amtliche Erklärung über die harmonische Zusammenarbeit verlesen. Amerika«uv England würden auch ohne Bindung irgend welch er Art deut gemeinsanten Ziel der Bekiimp- sung der Weltwirtschaftskrise Hand in Hand zu marschieren. Roosevelt und MacDonald teilten in der amtlichen Erklärung mit, daß sie in der letzten Nacht die Grundlage für ein näheres ge genseitiges Verständnis in der Kriegsschulden frage gelegt hatten. Die Roosevelt, MacDonald und Herriot_. HU rnsung der Weltwirtschaftskonferenz auf den 12""Juni nach London gegeben. niinniiiuiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiitiiiiiiniiiiiinniininniiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiminiiiiiniiiiiiiiiniiiiiiiinniminmnininiiiinnnnininiinnnnnninniiniiniiniiniiiiuiimiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiniiim Düsterberg abgesetzt. Seldte übernimmt allein das Kommando» Berlin, 26. April.(Eonti.) Wie daS Eontibüro vom Bundesamt des Stahlhelm erfährt, hat der Erste Bundesführer, Reichsmini» ster Franz Seldte, den Zweiten BundeSsührer Oberstleutnant Dllsterberg von seinen Aemtern entbunden. Daö Schreiben hat folgenden Wortlaut: „Ich entbinde den zwellen BundeSsührer Oberstleutnant Düsterberg von seinen Amts» Pflichten und ordn« an, daß er sich jeder Tätigkeit im Stahlhelm zu enthalten habe. Mit der Urbermittlung und Durchführung dieses Befehls beauftrage ich persönlich den LandeSsührer von Großberlin, den Kameraden von Stephani. Front Heil!" Gezeichnet Franz Seldte. Diese Maßnahme sei erfolgt, um di« einheitlich« Führung und den geschlossenen Einsatz des Stahlhelms zu sichern. Der erste BundeSsührer Franz Seldte hat die alleinige Führung übernommen. Düsterberg nahm von dieser Mitteilung Kenntnis. Düsterberg war bekanntlich Gegner der völligen Unterwerfung des Stahlhelms unter das Nazi-Regime. Auch seine jüdisch« Abstammung zog ihm zahlreiche Angrifse zu. Auch Hindenburgs kürzliche VertrauenSkund- gcbung hat ihn nicht vor dem Schicksal der Ab- sägung bewahren können. nniiiiiiiiiiiniiiiiiiiiniiiiiitiiiiiniiiniiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiniiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniinniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiniinimraiiiniiiiiiinniiiuiiniiitiiniiiiiiiiinimu Der geheimnisvolle Kurier eruiert? Brünn, 26. April. Die heutige Verhandlung leitete der Vorsitzende mit einem ergänzenden Verhör des Angeklagten Kobs i n e k ein. Es handelte sich neuerdings um den rätselhaften K u r i e r, welcher den K o b s i n c k di« Aufträge überbracht«. Ter Verteidiger U v i r a s, Peöek, fragte Kobsinek:„Würden Sie den unbekannten Kurier erkennen, wenn ich ihn hierher brächte?"— Kobsinek:„Wenn ich in der Lag« sein würde, mit 100 Prozent zu erklären, daß dies tatsächlich der Mann ist, werde ich eS sagen." Tr. P«5ek schlagt daun unter allgemeiner Erregung tm Sitzungssaal« vor,«S möge sofort in den AerichtSsaal Jaroslav Soukup, wohnhaft in Brünn, Pekakska 42, gebracht werden, der mit Kobsinek zum Aweck« der Feststellung konfrontiert werden möge, ob eS sich um den unbekannten Kurier handelt, der Kobsinek stets Befehle überbracht hat. WeiterS fragt Dr. Perek unter andauernder Spannung Kobsinek: „Waren Sie am 14. Jänner vor dem Putsch beim ehemaligen Ministerpräsidenten Udrial? Ja oder nein!" Kobsinek: Rein!" Dr. P e 8 e k:„Waren Sie am Freitag, den 20. Jänner, persönlich in HruNpany? Ja oder Nein!" Kobsinek: Nein!" Dr. Peilek:„Waren Sie am SamStag, den 21. Jänner, persönlich in Budoviee? Ja oder Nein?!" Kobsinek:„Rein!" Hierauf erklärt Dr. Petek, Kobsinek sei am 14. Jänner vor dem Putsch beim ehemaligen Ministerpräsidenten Udrkal gewesen, daß er persönlich Freitag, den 20. Jänner in H r u 8 o v a n h, und am SamStag, den 21. Jänner in Bntschowitz gewesen war. TaS Verhör Kobsinek« wurde nach kurzen Fragen deS S.aatSanwaltes Dr. Funtiöek über den Inhal! der Unterredung mit G a j d a in der Wohnung T r s a k i und über Pejbl beend et. Hierauf begann daS Verhör mit dem zweiten HauptaugeNaglen, Major i. P. Nvira. U v: r a fühlt sich absolut unschuldig. Vorbereitungen zu einer gewal.samrn Acnderung der Verfassung der Republik oder zur Einführung der Diktatur wurde n i e getroffen. Gajda wollte alle nationalen Faktoren zu einer mächtigen nationalen Partei zusammenschließen, d e dann darüber zu entscheiden hätte, was von dem fascistischen Programm zu übernehmen und was zu verwerfen ist. Bon Kurieren wisse er nichts und erkläre, daß bei ihm niemals ein Kur er war. Als Kobsinek am kritischen Tage zu ihm kam und ihm unter vier Angen sagic, daß er etwas zu unternehmen habe und daß die ganst? Oesfenl- lichkeit nur auf Taten warte, sagte er'hm: Mach darüber in der Zentral« Erwähnung. Ich dach!« mir lUvira): Prag wird dies verbieten nnd Ich werbe Ruhe haben. Ich habe Kobsinek niemals ernst genommen. Hierauf wurde Ulrich R u 8 i 8 k a verhört, der über seine B-kanntlchast mit Kobsinek lvr'cht. Er habe bald erkannt, daß Kobsinek der Organisation Ünannehml chkeiten bereite und überhaupt nicht ernst genommen werden könne. Deshalb habe er im Jahre 1931 die einzelnen Ortsgruppen vor Kobsinek gewarnt. Auch der Angeklagte Robert B a r it k. Sekretär der Fascislen in Brünn, bestreitet in Uebereinstim- munq mit RuNöka. Schuld und Beteiligung an 'rgend welcher gewaltsamen Aktion. Auch er sei überzeug' g'wesen, daß Kobsinek uich' ernst zu nehmen und ein agent Provokateur sei Kobsinek sei alla-me'n..3ch''ßbeut«l" kt r o s a n) genannt worden. Die süvmSsitischen Landgemeinden stehen Iren zur Sozialdemokratie- In den südmährischen Gemeinden P r a h- l i tz und P a u s r a m tvurden am Sonntag Ge- memdewahlen durchgeführt. In beiden Orten haben alle bürgerlichen Parteien, besonders aber die Nazi seit Wochen in der niederträchtigsten Art und Weise die Sozialdemokraten bekämpft. Tas Ergebnis dieser Gcmcindewahlen, auf Vas unsere Genossen in beiden Gemeinden stolz sein dürfen, hat gezeigt, daß die Bevölkerung treu und unrrscküttert zur Sozialdemokratie steht. In Prahlih erhielten die Deutschen Sozialdemokraten 126 S t i m m e n u n d 5 M a n- d a t e(früher 5 Mandate), Bund der Landwirte 51 Stimmen und 2 Mandate(früher 10), Nationalsozialisten 72'Stimmen und 3 Mandat«, Unparteiische 49 Stimmen und 2 Mandate (srilhcr nicht kandidiert), Unabhängige Wahlge- meinschaft 67 Stimmen und 3 Mandate(früher nicht kandidiert). Der Bund der Landwirte, der seit Jahren die Führung in der Gemeinde hatte, mußte diese an unsere Partei, die als stärkste aus dem Wahlkampf hervorging,. abtreten. In Pansram haben unsere Genossen und die Kleinbauern gleichfalls ihre Stimmenzahl und die Mandatszahl wiedererobert. Es erhielten: Unsere Partei 54 Stimmen und 1 M a n d a t, die Kleinbauern 55 S t i m m e n und 1 Mandat, Christlichsoziale 176 Stimmen und süns Mandate, Sudetendeutscher Bauernbund 69 Stimmen und 2 Mandate, Nationalsozialisten 92 Stimmen und 3 Mandate, Deutsche Bauernpartei 158 Stimmen und 4 Mandate, Tschechen 68 Stimmen und 2 Mandate. Die Nazi haben ihre Stimmen auf Kosten der anderen bürger- Wo steht der feind? Wehrt euch gegen dir bürgerliche Presse! Tas Echo, das die deutschen Ereignisse in der sudetendeutschen bürgerlichen Presse finden, ist für die Proletarier sehr aufschlußreich. Bor allem für jene, die bisher glaubten, cs mit ihren» Arbeilerschicksal vereinbaren zu können, sich di: bürgerliche Presse zu halten. Das Ungeheuerliche, das sich in Deutschland begibt, ist nicht nur unseren Nazis Grund zunr Jubeln, sondern jeder einzelnen bürgerlichen Provinzzeitung. Wen» irgendwo ein Arbeiterheim gesperrt oder von den Nazibauditen in Besitz genommen wird, wenn man Arbeiterführer und einfache Mitglieder der Arbeiterparteien um ihrer Gesinnung willen zu Krüppeln schlägt und andere in Konzentrationslager bringt, wenn man die Arbeiterpresse verbietet und jede freie Meinungs- äußerung unterdrückt, so überfchlagen sich nnfcre Burgerblätter vor Freude. Geht es doch gegen den„Marxismus", geht es doch gegen die Unzufriedenen, die sich und den Ihren ein besseres Leben zimmern. die die Welt des Hungers und des Leids durch eine bessere, gerechtere ersetzen wollen. Die Möglichkeit, sich den eigene» Geldsack, sich seine Vormachtstellung durch bewaffnete Banden schütze» zu lassen, reißt unsere Bürgerpresse dazu hin, ihre wahre Gesinnung zu äußern, die sie bisher nur versteckt zur Schau trug. Für uns aber, die wir erkannt haben, ivelch wertvolle Waffe di« sozialdemokratische Presse im Kanrpfe gegen die bürgerlichen Lügen ist, ist jetzt die Zeit gekommen, einen Borswß gegen die ungeistige Front unserer Gegner zu unternehmen, die von der bürgerlichen Journaille gebildet wird. Die Blätter, die der Spießer so gern beim Früh, stückskaffee liest, die der gedankenlose Arbeiter für wertvoll hält, weil sic Klatsch und Untcrlzaltung, also Trost und Mlcnkung fiir Dumme, bringen — sie machen alle dem Fascisnms die Mauer, sie sind alle Sck)ützer des Arbeitcrmordcs, Verteidiger der niederträchtigsten Bestialitäten. Unser Kampf gegen den Fascisnins muß ,gewiß vor allem mit den Mitteln geführt werden, mit denen er uns untcrlricgcn möchte: mit der F a u st. Und unsere Prolctc» bcivciscu täglich, wie wenig das Gewäsch der fascistischen Prcffetanten über den„verreckenden' Marxismus Geltung hat. Wir haben zugcpackt— so tüchtig, so energisch, daß die ganze Meute erschreckt zusammengcfahren ist und nun über „Terror" klagt— ganz einfach deshalb, weil wir zu unserer Selbstbehauptung die Mittel anwenden, die, in millionenfacher Vervielfältigung durch die SA angewcndet, den Beifall der keifenden Bürgerpresse finden. Unser Kampf darf' sich nicht auf die Physische Abwehr beschränken. Wir haben auch die Möglichkeit zum Angriff. Vor allem in der Sphäre der Meinungsbildung. Jetzt ist die Zeit gekoin-' men, da wir erfolgreich an das S«lbstbewußtsein und an das Ehrgefühl aller jener Proletarier appellieren müssen, sich nicht selbst zu schänden und zu beschimpfen durch das Aboimicrcn der bürgerlichen Zeitungen. Die P r e s s c w c r b u n g, die am 1. Mai beginnt, ist ein gewaltiger Angriff gegen die sozusagen„geistigen" Bastionen des Fascismus. Bei diesen» Angriff kann man nicht radikal genug sein. Alle Genossen nnd Genossinnen a>r die Front! Kein NiditangrlllspaKt zwischen Moskau und Nonkind. Moskau, 26. April. Di« Telegraphen. Agentur der Sowjetunion ist ermächtigt, di« Meldung japanischer Blätter, daß zwischen der Sowjetunion und der Nanking-Regierung Verhandlungen Uber den Abschluß eines Nichtangriffspaktes stattfinden, als der Wahrheit nicht entsprechend zu dementieren. England sagt: Kampf mit allen Mitteln London, 24. April. In einer Riesenkundge- bnng in Londvn gegen den deutschen Fascismus sprach gestern unter anderen auch der frühere Minister Herbert Morrison. Er forderte, daß „die demokratischen Institutionen mit aller Schärfe verteidigt werden", es müsse ferner„die Demokratie alle Macht rücksichtslos gegen den Fascismus, der außerhalb der Gesetze st ehe, einsetzen". Morrison erklärte, cs sei möglich, daß der Fascismus sich vorübergehend in solchen Ländern festsetzc. deren „Bevölkerung in hohem Maße politisch ungebildet" sei; aber glücklicherweise seien diel«„Vor- aussctzungeu siir den Fascismus" in Skandinavien, in Holland, in Frankreich und in der ganzen englischsprechenden Welt nicht erfüllt. Teutsdie Treue. Berlin, 26. April. Aus einer Erklärung der Dentschnationalcn Pressestelle geht hervor, daß bei der d«utschitational«u Führung und den 8lb- gcordneten in wachsender Zahl Beschweret»! eingehen, die sich mit U e b e r g r i f f c n uich u n- kameradschaftlichen Handlungen nationalsozialistischer Stellen gegen deutschnationale Beamte, Lehrer. Jugendverbändc, Zellenorganisationen beschäftigen. Seit« 4 Donnerstag. 27. April 1983 Nr. 99 NamsndiHnu bei Popen. Wann wird kiugcnberig verhaltet? . Eine Meldung, die dieser Tage aus Bcrl'N gekommen>st, und an deren Richtigkeit wir keinen Grund haben, zu zweifeln, ist geeignet, über den baldigen Abbruch der Beziehungen zwischen den augenblicklichen Rcgicrungspartncrn Schlüssige« reS auüzusagcn. als säinilichc Freundschaftsbeteuerungen Hugenbcrgs und sämtliche Be» ruhigungsbetcuerungen Hitlers. Daß im.Hause der heutigen deutschen Regierung ein Partner nicht vor dem andern sicher ist. tvissen die Beteiligten seit langem, weih die inner- und außcrdeutschc Ocffentlichkcit seit der Verhaftung des ehemaligen Landrats Gerckc. Kein Mensch .zweifelt an der Unschuld Gerekcs, aber er muß im Gefängnis sitzen, cs muß ihm eine Reichstags- brandschuld nachgcwiesen werden, weil der Terror« wabnnnn der Nationalsozialisten sich mit der Verfolgung der Marxisten und senden nicht begnügen kann, bis weit ins eigene Lager hinein treibt sic ihr Haß: zur Zeit vernichten sie ihre freunde von gestern. Diese Aufgabe, sich mit dem andersgearteten, anders denkenden, anderen politischen Zielen nachstrebenden Regierung-Partner auSeinanderzu- setzen, mußte der Nationalsozialismus, eines Tages lösen, er hat nun die probalste bereits bewährte Methode wieder entdeckt. Es genügt nicht mehr ein einziger Reichstagsbrand, um Zchntauscndc einzusperren, Tausende umznbringen, Unzählige zu mißhandeln und zu verstümmeln, es mußte ein ganzes System von Reichstagsbränden erfunden werden. Deutschnationalc, politische Freunde von gestern, sperrt man nicht ein, ohne irgendeine Begründung abzugeben, oder indem man für sie alle insgesamt nur eine Pauschalbegründung hat — nein, Deutschnationalen und ZentrumSlcutcn, die unbequem geworden sind, hängt man Stras- verfahren an, erdichtete Vergehen: sic kommen sozusagen auf legale Weise ins Zuchthaus. Herr Esser hat veruntreut,-Herr von.st ü bei« Döberitz, ein maßgeblicher Agrorpolitiker soll einmal in grauer Vorzeit widerrechtlich Kredite ausgenommen haben, der nationale Bürgermeister von Emden,-Herr-H a r d i n g, wird wegen deS Verdachtes schwerer Untreue aus heiterem Himmel heraus verhaftet, bei Obcrlohrcn ist Haussuchung und-Hngcnberg verwahrt sich permanent. Die Zeit ist nicht allzu fern, in der jedem irgend prominenten, nur nationalen und nicht auch notionalsozialistsschcn Führer eine Unterschlagung oder mindestens ein Dcvisenvcrgclien nachgewic- sen sein wird: die Partei des zur Ze t noch unvcr- dächtiglen Herrn Hngenberg wird die Partei der nationalen SklarekS sein. Die Zeit ist sogar sehr nab. Denn die'" Berliner Meldung, die aus zuverlässiger Duelle stammt, be ^neist eS: der Vizekanzler ist nicht mehr vor dem .stonzler sicher: vor 14 Tagen bereits war aus Befehl Hitlers HauSsuchuno bei Papen. Der Anlaß dazu war kein Devisenvergetzen ke'ne Unterschlagung, kein derart ordinäres landläufiges Vergehen, sondern die nicht uninteressante Vc- schiildigung: Herr von Papen sammle authentisches Grruelmaterial. Ob diese Beschuldigung eben so aus der Lust gegriffen ist, wie alle übrigen, mit denen Tag fiir Tag Hunderte von Exisleiszcn in Deutschland vernichtet Werden? möge dahingestellt bleiben. Jedenfalls scheinen die braunen Polizisten nichts gefunden zu haben, sic sind niwerrichtetcr Dinge wieder abgezogen. DaS heißt aber noch nicht: Herr von Papen nnd seine politischen Freunde sind gerettet, im Gegenteil: ihre Tage sind gc- .zählt.„Wann wird Neurath verhaftet?" fragt man sich in Berlin.„Drei Tage nach Hngenberg!" heißt die Antwort. Me MsiMdien Sdiarfmadier irlumMren. Das vernichtete Gewerkschaltsrecht Zn Deutschland waren dir freien, die christlichnationalen und Hirsch.Tnnckcrschen Gewerkschaften die anerkannten Vertreter der Arbeiterschaft bei LohnvcrlragSvcrhandlungcn usw. Seit vielen Zähren forderten die scharfmacherischen Unlcrnehmcrvcrbände, daß auch bic_ von ihnen direkt ailSgchaltcnen„vaterländischen" Arbeitervereine, Werkvereinc, Arbeitnch- mergrnppen des Stahlhelms und deS Landbundes ebenfalls als— Gewerkschaften anerkannt werden.. Was weder Brüning, Papen oder Schleicher machte, hat nun die Regierung Hitler getan, indem sic restlos die Wünsche der Scharfmacher erfüllte. Man schaltet nun bei Tarifvcrhandlunaen die Gewerkschaften aus und zieht ausschließlich die Repräsentanten des Stahlhelms und der'Nazi heran. Die dabei erzielten Verträge sind für die Unternehmer weil günstiger und erhallen durch staatliche„V c r b i n d l i ch k e i t s e r k l ä r u n g" für alle Bcrnssangehörigc Gültigkeit zu deren Schaden. Nach einer halbamtlichen Ankündigung der ReichSrcgicrung soll das Gewerkschaftsrecht noch weiter verfälscht werden. Die von den Unternehmern abhängigen Wcrksvcreine werden wegen V.erkü.rzuna von Lohn, Gehalt etc.„verhandeln" und für sämtliche Belegschaftsmitglieder bindende Vereinbarungen treffen. Unter der Herrschaft der nationalsozialistischen„Arbeiterpartei" feiern die arbeiterfeindlichen Scharfmacher die größten Triumphe! T a gesneuigkeiten Sude des Suchauer Streiks. Sechs Verhaftungen. Mähr.-Ostrau, 26. April.-Heute vormittags intervenierte auf der Grube„Sukü" in Suchau der Vertreter des Revierbergamte-, woraus nach langen Verhandlungen der H u n g e r st r e i k beendet wurde. Die Vertreter der Streikenden cr- üchten das Revierbcrgamt, es möge sich bei der Grubcuverwaltung dafür einsctzen, daß keine Massenentlassungen vorgcnommen und daß ins- besondcrS nicht alle streikenden Arbeiter entlassen werden. Darauf begannen die 130 Streikenden auSzufahrcn. Sechs Funktionäre des Betriebsrates wurden verhaftet. Bor der Grube hatten sich etwa 600 Personen, größtenteils Frauen und Kinder der Streikenden, angcsammclt. bin furchtbares FamMeudrama. Kascha», 26. April. Eine eigenartige Familientragödie spielte sich am SamStag in Metz» zrv ab. An diesem Tage feierte dort der 24 Jahre alte Arbeiter Stephan Macorlik Hochzeit. Er hatte ein Mädchen geheiratet, nrit dem er sieben Jahre eine Bekanntschaft unterhalten hatte. Am nächsten Tage wurde dem Hochzeitspaar ein Kind geboren. Ihre Ehe fand jedoch am dritten Tage nach der Hochzeit ihren tragischen Abschluß. Macorlik geriet mit seinem Vater in einen Streit, der ihm immer wieder vorwarf, daß er geheiratet habe und ihn ständig aus dem Hause jagte. Den jungen Ehemann regten diese väterlichen Vor- würft derart auf, daß er sich zu einer furchtbaren Tat entschloß. Als er zu mittags nach.Hause kam, zog er, ohne ein Wort zu reden, einen Revolver und erschoß durch zwei Revolverschüsse die junge Frau. Er selbst begab sich zum nahen Teich, wo er sich ertränkte. zwei Granaten exvlodieren. Spielend« Kinder die Opfer. Bonn, 26. April. In einem Walde bei Rösberg zündeten am Dienstag nachmittags spielende Kinder ein Feuer an. Plötzlich erfolgte eine Explosion, die furchtbare Folgen hatte. Ein fünfjähriger Junge war sofort tot, zwei Kinder wurden so schtver verletzt, daß man an ihrem Aufkommen zweifelt; mehrere Kinder kamen mit weniger schweren Verletzungen davon. Aus vorgefundenen Splittern ergab sich, daß durch das Feuer eine Granate, die nicht bemerkt worden war, zur Entzündung gekommen war. In der Nähe der Unglücksstellc wurden weitere zwei Granaten entdeckt. ES wird angenommen, daß der gefährliche Fund von dem Rückzug der deut- schen Truppen im Jahre 1918 hcrrührt. Explosiv« eines Trockenofens. Trier, 25. April. In der Gießerei der Trierer Maschinenfabrik m Zoven explodierte am Dienstag nachmittags ein Trockenofen. Das Dach deS Gebäudes flog in die Luft, Türen und Fenster wurden herausgcrissen. Die Trümmer fielen unter lautem Getöse in der Umgebung nieder. Menschenleben sind glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen, da die Belegschaft die Fabrik wenige Minuten vorher verlassen halt«. Wahrscheinlich haben sich in dem Raum infolge unvollständiger Verbrennung in dem Koksofen Kohlcnoxydgase entwickelt. Der Betrieb erleidet keine Einschränkung. Großfeuer au der russischen Grenze. 54 Wohnhäuser vernichtet. Wilna, 26. April.(PAT.) Auf neutralem Gebiet entlaß der polnisch-sowjetrussischen Grenze ist gestern nachts' im Dorf« Derniczowo ein Braud auSgcbrochen, der 54 Wohngebäude vernichtete. An den Rettungsarbeiten beteiligten sich die Grenzlvachsoldaten Polens und Sowjetruß- landS. Drei polnische Soldaten wurden durch Brandwunden schwer verletzt. Ein sowjctrussischcr Soldat erlitt so schwere Brandwunden an den Augen, daß er das Augenlicht verlor. Die zahl der Srdbebeuopfer steigt. Kos(Dodekanes), 26. April. Die furchtbare Erdbebenkatastrophe auf KoS hat noch mehr Opfer gefordert, als bisher gemeldet worden sind. Nach den letzten Berichten konnten bisher 119 Tote ans den Trümmern geborgen werden. Die Zahl der Verletzten hat inzwischen 600 überschritten.> Das letzt« Rezept. Der Sohn des großen Erfinders Edison, Charles Edison, hat sämtliche Erfindungen seines Vaters übertrumpft: er hat das Mittel gegen die Krise erfunden. In seiner Fabrik prangt ein Aufruf Charlies an die Arbeiterschaft; kurz tind schlicht heißt es da: „.Kaufe irgend etwas! Ein Auto, ein Haus oder sonst etwas! Sing ein Lied! Laß dir die.Haare schneiden! Heirat«! Gehe ins Kino! Unternimm etwas! Rühre dich, damit imsere Welt sich auch wieder zu bewegen anfängt!" Jetzt wissen also di« Arbeiter, was sie zu tun hckbcn: sie sollen Autos und Häuser kaufen, oder, da sie dazu kein Geld haben, Lieder singen und sich die Haare schneiden lassen. Kaust irgend etwas, singt und geht ins Kino, damit der verkrachte Kapitalismus, beschämt durch solche proletarische Munterkeit, sich wieder zu regen beginnt. Kaust irgend etwas— und wenn es nur der Strick ist, an dein ihr euch aushängt(singend, bitte, inrd mit geschnittenen Haaren!). Das ist das letzte Rezept der Profitmacher. Wie aber wäre es, tvenn die Arbeiter» da sie sich schon einmal rühren und bewegen sollen, dem Kapitalismus einen letzten kräftigen Fußtritt versetzten?„Unternehmt etwas!" Statt gegen den Fasciömus, gegen di« Sozialdemokratie! So halten cs die Koinmunisten nach wie vor, in allen ihren Publikationen, in Zeitungen, Zeitschriften und Broschüren. Zur Zeit überschwemmen sic in der Tschechoslowakei mit vielseitigen Druckschriften aller Art, die im Titel vom.stampf gegen den Fascismus sprechen (wir beschäftigen uns an anderer Stelle mit emer dieser Broschüren), die aber im Wesentlichen wieder nur der Hetze gegen die Sozialdemokratie dienen und so eine klare Illustration des Einheitsfront-Gedankens darstellen, wie die kommunistischen Führer und Schreiber ihn betreiben. Die Kommunistische Partei sucht auf solchem Wege das gesteigerte Interesse, das jetzt für die politischen Vorgänge insbesondere in Deutschland vorhanden ist, also nicht etwa gegen den HitleriSmus, gegen die Reaktion und für die Idee der Einheit des Proletariats, sondern zur weiteren Zerklüftung und Schwächung der Arbeiterklasse auszunützen. Hunderte Arbeiter mögen sich vielleicht jetzt dazu verleiten lassen, diese Broschüren, mit denen sie die Straßen förmlich überschwemmt sehen, zu kaufen, zumal die kommunistische Führerschaft diese Publikationen im allgemeinen zu wohlfeilen Preisen herausgibt. Wir warnen die Arbeiter, sich durch die Ucberschriften verführen zu lasten! Sic mögen sich vielmehr jedesmal erst an verläßlicher Stelle über Art und Herkunft der zum Kauf angebotenen Druckschriften unterrichten lasten, damit sie nicht gegen ihren Willen und in der Meinung, Aufklärungen über den.stampf gcgcn den Fasciömus zu erhalten, plötzlich und zu spät entdecken müstcn. daß cs sich um nichts anderes als um Hetzschriften gegen die Sozialdemokratie handelt. Unter seinem Haus« begraben. InKaveöany (Slowakei) baute der 33 Jahre alte Stephan 8tofta sein altes Haus um. Beim Niederreißen stürzte ein Teil des.Hauses ein und Stoff« kam in den Trümmern ums Leben. Erst nach Hinwegräumung der Trümmer wurde von Leuten, die 8tofta beim.Hausumbau geholfen hatten, dessen Leiche aufgefunden. Der Jud' ist auch daran schuld! Vom Zentralausschuß für„Durchführung der nationalen Revolution, der an der Universität Halle gebildet worden ist, wird eine Erklärung ausge- gcbcn, durch die der früher in Hall« tätig gewesene jüdische'Professor Hertz der Mitwisserschaft der Reichstagsbrand st is- t u n g beschuldigt wird. Carnera zu Wasser, zu Lande und in der Lust. Der bekannte italienische Schwergewichtsboxer, der Riese Primo Carnera, der sich am Dienstag hätte nach Now Dort einschiffen sollen, ist in Genua zu spät eingctroffen. Carnera hatte aber bereits nach Genua telephoniert, man möge ihm ein Wasserflugzeug bereitstellen. Gleich nach seiner Ankunft in Genua bestieg Carnera das Wasserflugzeug und holte nach etwa cinstündigcm Fluge den Dampfer auf offener See ein, an deren Bord er nun die Ueberfahrt absolviert. Der Wettkampf Carncras mit Sharkey um den Weltmeistertitel ist für den 29. Juni in New Jork bestimmt worden. Ein«„Gold-Ente". Das Außenministerium teilt mit: Tas Generalkonsulat der Tschechoslo- wokei in Sydney meldet, daß seit Mitte 1932 ihm tändig zahlreiche Anfragen aus der Tschecho- lowcuci mit der Bitte um Informationen über eine angebliche Millioncnerbschaft zügelten, die «in gewisser Johann Bohumil Schön hinterlassen habe, der angeblich als Goldfeldcrbesitzcr in Australien im Jahr« 1899 gestorben ist. Er oll aus Dresden stammen und Verwandte in der Tschechoslowakei besitzen. Durch Anfrage bei den zuständigen australischen Behörden stellte das Generalkonsulat fest, daß dort über die angebliche Schön-Erbschaft nichts bekannt ist. üllle Meldungen über diese Erbschaft sind erfunden. Wieder ein Todesopfer der Hitlerei. Der Generalrepräsentant der Deutsch-russischen Petroleumgesellschaft, der gestern fcstgenommen werden öllt«, begab sich beim Erscheinen der Beamten in ein Nebenzimmer, angeblich, um seinen Paß zu holen. In diesem Zimmer hat er sich dann mit einer Schußtvaffc lebensgefährlich verletzt. Singe, wem Gesang gegeben! Der Wiener Deutsche Männer-Gesangvcrem hat dem Reichskanzler Adolf Hitler zu seinem Geburtstag die Ehrcnmitgliedschaft verliehen. Zur Beachtung. In der Broschüre„Die .Sticuerrefovm", hcrvusgcgoben im Verlag der Deutisihen soziakdnnokranschen Arbeiterpartei, befindet sich auf Seite 27 im letzten Ällbischnitt, 11. Zeile von unten, ein Druckfehler. Es heißt dort 20 Prozent statt richtig 2 Prozent. Neuler Schnelligksltsrekord. DaS getvosenc Mitglied des italienischen Teams für den Schneiderpokas Oberst Mario Bernnsooni, Kam- Mandant der Fliegerschule für sehr rasche Maschinen, erklärt«, daß er einen neuen inoffiziellen Sck)nclligk«itsrckord für Wasscrflugzeilge mit 434 Meilen in der Stund« erzielt habe. Der offizielle Rekord beträgt 406.755 Äundenmcilcn, der von dein englischen Offizier Stainsvrth aufgestellt wurde. Vom Rundhtnk Empfehlenswertes aus den Programmen. Freitag: Prag: 6.16 Gymnastik. 11.00 SchaUx'atien 1340 Schallplatten. 17.00 Französische Musik. 18.25 Deutsche Sendung: Pros. De.Hermine: Bor- kesung aus G. Leutels Werken— Brünn: 16.10 Orchesterkonzeri.— München: 2140 Sinfoniekonzeri. — Berlin: 20.00„Das Hostonzcrr". heiter« Oper.— Hamburg: 22.-15 Franz Schubert.— Königsberg: 18.25 Eine FrÜhlnig-suhct in Liedern— Brcdlau: 21.00„Das Käthchea van.Heilbronn."— Langenberg: 21.35 Kammermusik.— Wien: 19.55 Pvlt-- kümliches Konzert. 21.00 O'cd-sierken>e>' Urlaubsbestimmungeu für Privatangestellt« und Lehrling«. Der Allgemein« Angestellten-Bcrband, Ätz Reichenberg, ersucht uns aufgrund zahlreicher an ihn gelangender Anfragen um Veröffentlichung nachstehender Mitteilungen: Der Urlaub der Angestellten ist durch das Handlungsgehilsengcsetz (H.-G.-G.-Gesetz über den Dienstvertrag der Handlungsgehilfen und anderer Dienstnehmer in ahn- licher Stellung, R.-G-Bl. Nr. 20 vom 16. Jänner 1910) geregelt(8 17). Wenn das Dienstverhältnis ununterbrochen bereits sechs Monate gedauert hat, ist dem Dienstnehmer in jedem Jahre ein ununterbrochener Urlaub in der Dauer von mindestens 10 Togen zu gewähren. Hat das Dienstverhältnis ununterbrochen bereit- fünf Jahre oder fünfzehn Jahre gedauert, so beträgt der jährliche Urlaub mindesten- zwei, im letzteren Falle mindestens drei Wochen. Während de- Urlaube- behält der Dienstnehmer den Anspruch auf seine Geldbezüg«. Die Zeit, während deren der Dienswehmer durch Krankheit oder durch einen Unglück-fall a» der Leistung seiner Dienst« verhindert ist, darf in diesen Urlaub nicht eingerechnet werden. In die sechs- monatige Karenzfrist ist auch die probe» oder aushilfsweise Dienstzeit, fall- keine Unterbrechung eingetreten war, mit einznrcchnen. DaS Dienstjahr mutz nicht mit dem Kalenderjahr zusammenfallen. Ter Urlaub kann im Sinne deS 8 4 de- Gesetze» vom 31. März 1925 wegen Einrückeu zur militärischen Wafsenübung nicht geschmälert werden.— Lehrlinge und Lehrmädchen haben nach 8 4 d«S Urlaubsgcsetzc» vom 3. April 1925 nach halbjähriger ununterbrochener Verwendung in demselben Unternehmen oder bei demselben Arbeitgeber Anspruch auf einen Erholungsurlaub von mindesten- 8 Tagen im Jahre, ohne daß ihre Bezüge geschmälert werden dürsen. Ten zum Besuche der Fortbildungsschule verpflichteten Lehrlingen ist der Urlaub in der Regel in der Zeit zu erteilen, in der an diesen Schulen nicht unterrichtet wird.— Praktikanten in Kanzleien fabrik-mäßig betriebener Unternehmungen, für deren Dienstverhältnis bekanntlich da» .HandlungSgchilscngesetz maßgebend ist, haben nach halbjähriger Beschäftigung in demselben Unternehmen einen gesetzlichen Anspruch auf mindesten- 10 Urlaubstage im Jahre. Zu weiteren Auskünften ist der Allgemeine Angcstellten-Berband, Rcichenberg, Turnrrsiraße 27, gerne bereit, ebenso seine Geschäftsstellen in Karlsbad, HauS„Stadl Berlin"; Teplih-Schönau, Eichwaldcr Straße 39; Bodenbach, DreSdnersttaß« 886; Reichenberg, Schloßgassc 1; Trautenau. Eck Neumarkt; Mähr.-Schönbcrg, Weiß- martergassc 311; Mähr.-Ostrau, Straße d«S 28. Oktober 54; Brünn, Spinnergasse 11. Ein Millionär prämiiert das Kinderkriegen. "Der kanadische Millionär Miller aus Toronto, der im Jahre 1926 gestorben ist, hat ein Legat von 100.000 Pfund als Prämie für jene Mutter im Staate Ontario zurückgelasscn, die in den zehn Jahren nach seinem Tod, also bis zum Jahre 1936, die meisten Kinder zur Welt bringt. Die Italienerin Gracia Bagnotti hat nun um die Zuerkennung des ersten Teiles des Legats, der nach dem Testament jetzt frei wird,«»gesucht. Sie ist Mutter von c i n- undzwanzig lebenden Kindern, sechs davon sind nach dem Jahre 1926 geboren worden. Außerdem befindet sie sich bereits wieder guter Hoffnung. Ihre Rivalin ist die Amerikanerin Brocon, die scchSundzwanzig Kindern das Leben schenkte, von denen sechs nach dem Jahre 1926 geboren wurden. Da sie aber im Gegensatz zu der Italienerin, nicht schwanger ist, hofft die Italienerin, das Legat zu erhalten. Was nachher aus den Kindern werden soll, darum hat sich der spleenige Millionär allerdings nicht gesorgt! Zlehnng der ftfaflentottorU vom 26. April. 80.000 K: 9715. 70.000 K: 47.081. 60.000 K: 20.470. 10.000 K: 3894, 7117, 7866, 8098, 49 563, 86.068. 5000 K: 4309, 8005, 15.003, 26.422, 30.259, 30.911, 63.674, 65.174, 72.760, 72.809, 78.392, 83.986, 84.934, 87.144, 87.497, 94.071, 94.936, 96 390. 2000 K: 427, 1640, 2889, 5281, 8153, 8681, 6568, 9509, 7764, 15.789, 16.785, 17.031, 17.977, 22.382, 24.581, 25.350, 26.404, 26.735, 28.942, 30.537, 32.917, 34.432, 34.583, 35.537, 35.787, 37.315, 37.978, 38.531, 40.985, 45.106, 47.893, 52.758, 52.987, 54.588, 55.243, 65.488, 67.186, 67.549, 68.521, 71.183, 73.628, 75.672, 76.140, 76 505, 78.618, 84.034, 85.857, 85.689, 86.705, 87.559, 89.180, 89.878, 89.445, 90.698, 94.489, 95.127, 102.138, 102.898, 103.091.. 1200 K: 8706, 6983, 9510, 11.927, 15.806, 19.127, 25.212, 30.154, 30.207, 31.526, 32.879, 34.908, 38.201, 41.764, 48.542, 48.708, 51.294, 52.649, 57.893, 62.691, 62.998, 64.591, 68.780, 69.070, 72.094, 75.964, 76.268, 81.260, 85 120, 86.297, 86.614, 87.924, 89.154, 89.485, 92.418, 93.067, 95.052, 98.899, 100.682, 101.207, 102.315. flx. 99 LomurLtag. 27. AprV 1S8S jtitt S Cf)O!)iin aerbaltet Bon A. Lohberg. Dies« etwa- uterkwürdlg« Geschichte spiel« wenige Stunden vor dem Beginn der Uraufführung ix- Chaplin Junis„City- lights" in Marble-House in San Franzisko. ES ivar gegen sechs Uhr nachmittags, als ein gutgckleidcter Herr vom Lincoln-Way in den Golden Gate Park oo«r Sau Franzisko erndog, dort spaziere«« ging, dabei den Kopf anSzuruhen suchte und nicht i«n mindestens aus daS achtete, waS um ihn her vor sich ging. Es dunkelte bc- rcilS über den kahlen Büschen und dem zaghaft hervorsprießenden GraS des ParkS, und alS ein Polizeiocamrrr den Mann plötzlich bei den Schullern packt« und barsch auffordcrle, milzukommcn, weil er entgegen dein Verbot des Siadtober- haupteS auf dem Rasen spazieren gegangen st», fuhr der Frenide erstaun« aus seinem Sinnen auf. ES ging alle- sehr rasch vonstakicn, und um halb sieben stand er bereit» vor dem Schnellrichter. Bor ihm wurden noch vier ander« Männer abgeurieilt, und Charlie Chaplin blieb daS Herz fast stehen vor Schreck, als er vernahm, wi« der Richter e«nem jeden einzelnen der Sünder, die nicht mehr al»«inen Kragenknopf gestohlen oder«ine DerkehrSvorfchrif« unbeachtet gelassen halten, nicht«uner zehn Tagen Hast zudiktierie. Ihm, Chaplin, mußte daS Gleiche blühen. ES graute ihm. In anderthalb Stunden harre er im Marble-House zu erscheinen. Er mußr« zur Stelle sein ander» war cs nicht denkbar. Wenn er nicht erschien, so konnte e» Tausende an Verlust bedeuten, wenn nicht alle», nein, c» war gar nicht autzudenken. Endlich kam er an die Reihe. Auk dem Rasen spazieren gegangen?" sagt« der Richter mürrisch,„zehn Tage Haft". ^Halr!" rief Chaplin, und da».Herz krampfte sich rhm zusammen,„wissen Sie, wer ich bin? Wissen Sie» rva» Sie da tun? Ich bin..." „Ah," sagte Richter Alburgh ironisch,„Sie sind nicht zufrieden mir dem Urteil? Ich will Ihnen iva» sagen, selbst wenn Sie ein europäischer König wäre««, so dürften Sie«rohdem nicht ungestraft auf unserem Rasen wandeln. Und wenn Sie irgendein hohes Tier sind, so hätte«« Sie erst rech« wissen müssen, daß... i«a... also, zwanzig Tage Hast, so. Ab!" Chaplin hielt sich mir Müh« aufrecht. Er begann einzuseben, daß e» vergebens sein«vürde, wenn er der« Richter anflchrc... Tann fiel chm etwas ein. waS er frülxr einmal irgendwo gelesen halte. „Ha!" sagte er emphatisch und warf die Arme iir die Lust,„ick fragte Sie. ob Sie wüßten, wer ich sei. Nun, ich bin Auliu» Cäsar, cs brenn«, gebr mir seinen Anteil! habe Euch verraten! Sie mögen hinauSgehen. ES lebe das Meer!" Der Richter runzelte die Stirn,„Ta» scheint mir«in Verrückter zu sein," sagt« er zu den Beisitzern. Tann befahl er. den Mann statt in» Ge- sangni» in die Anstalt zu bringen. Um sieben ftaiw Chaplin vor dem AnstalrSdirektor. „Hören Sie," sagte er zu dem Mann mit dem weißen, ehrwürdigen Kops dessen Gesicht voll Milde leuchtete,„wir wollen hier keine Lichen machen, ich bin Charlie Chaplin, ich muß uni acht im Theater kein, lassen Sie mich bitte gehen." De» Direktor» Augen glänzten voll Verständnis.„Aber selbstverständlich," sagte er sanft, ,^inen Augenblick,.Herr Chaplin, ich werde sofort alle» veranlassen." Tann ging er, schloß rasch die Tür von außen ab und raste zu den Wärtern. „Da»«st ein ganz böser Fall," erklärte er ihnen hastig, er bilde« sich ein, Charlie Chaplin zu sein. Schasst ihn hinauf zu den andern." Al» man Chaplin in den erste»« Stock brachte, wo Ludwig XIV., ColumbuS und Coolidge nebst zwei Damen hausten, die sich alle beide sur Kleo- Pana. die Königin vom Nil, hielien, sank er beinahe um: in dem Zimmer, in das man ihn mit Gewalt hinemschob, saßen bereit» zwei Chaplin», mit Hütchen, Schnurrbärichen Stöckchen. Sic. sprangen den Wärter an, schimpften mörderisch und verworren, bespieen die Wände und standen Kopf. Chaplin kam um vor Angst. Al» der Wärter verschwunden war, wurden die beiden sehr ruhig. Sie beirachlelen sich den neuen Gefangenen von allen Seilen. Endlich schienen sie sich ein Urteil gebildet zu haben. „Höre zu," sagte der eine zu Chaplin,„wir wollen hier nicht langer mcck-meck machen, du mußt un» helfen, mein Lieber. Wir sind nich verrückt. Zch bin Andrew Dermits, und dies hier ist mein Bruder Fack. Wir haben un» heute morgen vor dem Rechter wie zwei Verrückte ge- bardcl, die sich einbildcn, der berühmte Chaplin zu sein, da.mit wir n'ckt in» Kittchen kämen Verstehst du uns? Fa? Alko Paß aus, man kann hier hinunierspringen, wenn man sich zu drit» oneinanderhängt. Es ist tatsächlich ein Gluck, bo? du hereingekommen bist.' Ich hoffe, du machst mit?" Chaplin atmete aus.„Ausgezeichnet," lachte er,„ganz wunderbar. Zch näml'ch,'ch bin auch nicht verrück», ich bin Charlie Chaplin selber und... „Verdammt," flüstert« der andere keinem Bruder zu und runzel»« die Stiru,„ein wirklicher Berrückler. Wir wollen e» jetzt noch lassen, er könnte zu schreien anfangen, und dann ist alle» verraten." Chaplin rvollt« die Verztveiflnng packen „Hört zu, ktzungcnS," sagte er endlich,„ick traute Euch vorhin nicht, deshalb stellt« ich mich Zähne können Sie kaufen «aber nicht Ihre eigenenI Zahnstein zerstört Ihre Zähne I Ml« dem lockern beginnt er.,. mit dem Ausfall der Zdhne vollendet der Zahnstein sein Zerstörung«* werk— wenn er nicht rechtzeitig bekämpft wird I Dazu gehört nichts weiter als eine feste BOrste und— Kalodontl Kalodont Ist die einzige Zahncreme in diesem Land mit dem wissenschaftlich anerkannten Sulforizln-Oleot nach Dr. Bräunlich, das den gefährlichen Zahnstein allmählich und sicher entfernt. Richtige Zahnpflege heißt t 2 x im Jahr zur Kontrolle zum Zahnarzt— 2x täglich Kalodont 1 Euch gegenüber verrückt. Wie könnt Ihr nur glauben, ich sei Chaplin, ha, ha! Mein Name ist Frank Hidgin». Kommt!" Cs war jetzt einviertel vor acht. Die drei ließen sich, einer am anderen enilanggleitend. zum Fenster hinunter und kamen wohlbehalten unten an. Chaplin rast« mit der Schnellbahn zum „Wer«ine Reise tut. u>«tß wa« zu erzählen!" Was nutzt es mich, in einem so erfolgre'chen Spektakelstück, wie rs das„Erwachte Deutschland" ist, und das sich schon monatelang auf dem Repertoire erhält, mit zweiten Kräften oder gar Statisten über den Erfolg und seiner Ursachen zu Plaudern? Ten Star selbst möchl« ich gern« interviewen' Ueberraschender Wesse ist er mir gelungen, ihn in keiner„Garderobe" in L-bersalzberg zu stellen! Es gelang ohne besonder« Schwierigkeiten; zunächst eine klein« Leibesvisitation auf Schießprügel. Bomböchen, Chlvrosormpistolen; Erklärung einiger den visitierenden SS.-Männern Unverstand lrchcr grüner Papier« mit unheimlich fetten Ziffern („Statt! zastavni a pujiovni ukod v Praz« l 507.003, kabak K5 6, und St. jaft. M D'nobrody. 783.500, llkibrni hodiny K8 20), Durchsicht meines Passes, und ick dürfte daS Dorzimmer de» Hauses betreten. Ein Lakai in Braunhemd(war es Prinz Auwi oder Adalbert?) nahm mir me'ne Kart« ab: auf der«inen Seit« bloß mein Name, Unu», auf der Rückseite, die schon vorher geschriebenen Worte:„er- bittet kein politisches Jnterv'ew nur«inen kleinen Plansch!" Ich hielt ein« Umschau in dem einfach möblierten Raum: an den weifen Wänden einige Porträts berühmter Männer, Napoleon und Mussol m. Torquemada und Marquis dr Sade, Haar, mann u>ck Denke: auf dem kleinen Milteltifch, In einfachem Stehrahmen«in« Photographie Stalin», quer darüber mit großen, etwa» unbeholfenen Schriftzügen:„Dem gelehrigen Schüler, voller Stolz, Stalin!" Der Lakai(jetzt leh ich'», e» war doch Prinz Auwi!) erscheint, läßt di« Tür zum Hitlerzimmer offen, und heiß« mich stumm mit römischem Gruß, »»Shertreten. Hitler, mit den« licbenswürd'gen Lächeln, von kaufenden Bildern her bekannt, kommt mir mit beiden ausqesireckien Händen entgegen:„Ueberrascht und höckist ersreut, lieber Unu». Sie bei mir zn t«hen! Also kein Jntervew? bloß«in kleiner Plansch? Mir um so lieber! Sie glauben gar nicht' — wir lassen un» an dem Rauchtisch nieder, zünden uns jeder eine der im Kistchen liegenden R'alen- zigarren an; Forma» Gummiknüppel, Bauchbinde mit Hindenburgkopf„Sie glauben gar nicht, wie m'r die Politik zum Halse Hera»»wächst! Wie ich mich freu«, mal mit einem wirklich„Unpolitischen" vlaudern zu können! Wenn man den ganzen Tag über nur Lakeien(dabei zwinkert er nach der Tür!) und Huindeieelen nm sich Hal tut'» ordentlich«vohl, elwa» andere» zu hören! So paar Tag« an» der Saupolii'k- Sie verzeihen mir, al» halben Bayern, wenn ich mich volkstümlich äußer«— heran»;», 'omnien" Ach:„Ich dachte. Ezcellcii; Politik wäre Ihr :igentlirh«s Element, a>rs dem Sie keinen Moment herauSiauchen möchten——" Er:„Ja das denken Sie, und die anderen auch' Nein, lieber Unu» ich bin. wenigsten» die paar Olterrage hier ein einsachcr Geschäftsmann, na, wol> en wir sagen unter allen den G's ch a f k c l h u be r o der einzige Geschäftsmann: ich bin hier möa üchst nah an der Grenze" Ich„Warum an der Grenze Krcellcnz?" Er'„Man kann n> e wissen! Ich halt'» nur Schiller:„Ter kluge Mann baui vor!' Kau» ,, möglich lein, mich mal bei Freund Musselin! zu Aast« bitten zu müssen!" Ich:„Exzellenz befürchten doch nicht etwa■" Er:„Furcht? Kenn ich nicht. Nur Frechheit und Vorsicht: di« sind das Alpha und Omega d«S Erfolgs! So Hai'» Freund Hanulscn auch ge macht; der hak dl« Leute im kleinen blöd gemachi und ich im großen* Ich„Aber sein Ende Ezcellenz?!" E^„Sie meinen das war politisch? Richt Bohire! Ein« einfache Eifersuchtstragödie, wie sie Marble-Hous«, aus dessen Bühne er um Punkt acht, sich verneigend, vor einer Menge stand, di« vor Bcaeisterung schrie. Richter Alburgh und AnstaltSdirektor Wheeler dagegen soll c» nicht ganz wohl zumute gewesen sein, als sie von ihren Logen au» aus der Bühne den Mann sahen, mit dem sie noch vor einer Stunde beruflich zu tun gehabt halten. in jeder Gerichtsrubrik täglich zu lesen ist! Röhn« war in Hanusscn hosfnungSlo» verliebt, und wütend auf di« vielen Weiber um ihn herum! Tas wa» sein Fehler; er Hai sich Feinde gemacht, und da» hab ich immer vermieden! Warum, denken 3'«. hab ich bi» hem nicht geheiratet? Weil dir Weiber alle gegen mich gestimmt hätten! Glauben s'e, di« Welt wäre mit der Garbo lo närri'ch. wenn sie ver heirat«!! wär«? Sv auch mit mir: Jede»«»Ische Jungfrau denkt, ich heirate mal bloß sie; sie stimm» für mich,»nd jeder Mann In der Familie muß auch für mich stimmen!" Ich:„Ja, nun wird mir Ihr Riesenerfolg schon etwas verständlicher, Ezcellenz!" Er:„GeschäftSgeheimnir, lieber Unu»! Ich hab« nur Freunde! Ob Dummkopf, ob Päderast, ob Sadist——..und unter den Juden gerade«nein« besten: der Rabbiner Dr. Ziegler in Karlsbad, L i p p o w i tz vom„N. Wiener Journal", die arbeiten besser für mich, al» mein eigener„Völk- 'cher Beobachter!" Ich:„Und glauben Exzellenz, alle Ihre Versprechungen«inhalten zu können?" Er(lochend):„Glauben Sie. ich batte mir vier Jahre 3choirzeit ausbedungen, wenn ich selber dran glauben n'indc? Aber vorläufig lebe ich vom lautenden Defizit;«in Loch mit dem anderen zustop'en, da» ist die Kunst!„Ihr habt ke'n« Arbeit?" Tausend Marxisten rau», tausend Nazis rin!„Ihr habt kein« Klienten?" Tausend lüdische Anwäll« rau» tausend arische rin! So mach ich» mit den Arrzten, Beamten—" Ich:„Verzeihen Exzellenz, di« Zahl der No:- leidenden ble-bt dann doch immer dielelb«?" Er:„Di« steigt, lieber Unnr!! Heute sind» sieben und morgen zehn Millionen! Ist da» Defizit nicht mehr zu verichle'ern, wird Pleite gemacht!! Jedenfalls bin Ich der reelle GeschäftS- maun geblieben: mein« Derlprechunyrn habe ich eingelöst: denen, denen ich Stell«» versprochen habe, habe ich sie gegeben, und denen, denen ich ver- sprachen hab«, sie kapur zu machen habe ich mein Versprechen auch gehalten!" Ich:„Aber schließt ch muß«» doch einen allgemeinen Wirbel geben, Exzellenz——?" Er:„Ja. den gibt» bei jeder Pleite! Aber da s..der» vorgesorgt! Di« zehn Millionri' werden ein tack abgeschoben* Ich: Um Gotleswillen! Wohn Ex>ellenz?" Er(neigt sich, Pfiffig lächelnd, zu mir):.An —— Ick seh« ihn fragend, an. Er:„Und dann haben sie Arbeit: und Aoed bei» erst!! Die Millio.. Proklamat'onen sind 'e'etzt sie brauchen blök In d'e Malchin« zu kommen: „Für Gott. Hitler und Baterland!"—„.Hakenkreuzzug dem Erbfeind!"—„Noch ist de> tkorridor nich! verloren!"—„Hie Sudetendeutschc allewege."- „SchleSiv g-Holstein, hakenkreuzumschlultg««'"■ vnn— dann— haben die zehn Millionen Arbci''" Ich(ordentlich entsetzt):„Arbeit?- Tas ist sirieg?" Er(nick: schtyunzelnd):„Das haben alle meine Vorgänger so gcniacht! Da» I st die Rettung »ür» Bolt! Generäl« haben zu tun Oss'ziere. MunitionSarbeiteriNnen all« haben st« dann was zu beißen" Ich:„Und die zehn Millionen?' Er(ruhig!:„Tie beißen inj Gra»i" Ich(sehr erregt):„Aber da» g'bt ja«Inen .weilen Weltkrieg? Und Sie selbst. Erzei ’.'»'? Wa» werden Sic tim?" Er:„Ich? Ich»olae dann dem erhabenen Beispiel meine» ehemaligen gnädigr-, Herrm: Er mit wm Au!« nach Holland, Ich mil'in Fokker- nach— Bucnos Aires!" Maifestschrift 1933 Da die Gesamtauflage unserer Mai» (Marx)J e st s ch r i f t bi» auf wenig« hundert Exemplar« vergriffen ist, er« suchen wir alle Organisationen, die noch Bedarf an Festschriften haben und blsekdestelluneren aufgebrn wollen, dies umgehend zu tun, da sie nur dann noch auf eine Belieferung rechnen können." 28. April 1983. Zentralstelle für da» Btldungöwese«. Knnwm Relscbcridil aus Deutschland. Wir erhielten folgende» Schreiben: .„18. April 1988. An die Schriftleitung des„Sozialdemokrat" in Prag. Ihren Berichten bin ich sehr skeptisch gegenübergestanden, da ich durch viele Jahre Deutschland gut kenne, Verwandte und gut« Bekannt« aller Konfessionen dort habe. Ostern war ich wiederum in Deutschland und haoe mich von- der Richtigkeit Ihrer Berichte überzeugt. Leider muß ich Ihnen anonym schreiben, erstens mit Rücksicht aus meine Verwandten und Bekannten zweitens, weil ich geschäftlich mit den deutschen Behörden ost zu tun hab« und in weiterem Umkreis gut bekannt bin. Als Beweis für die Wahrhaftigkeit meiner Angaben dürste Ihnen wohl genügen, daß ich tschechoslowakischer Reserveoffizier bin. Es ist Tatsache, daß der-Händler H. in B.(Jude) über Anstiftung seines Konkurrenten K- noch vor dem Judenovhkoti von seinem Wagen herabgeholi und durch TÄ-Leure mißhandelt, bezw. ihm der halbe Barl auSaerisscn wurde. Auch die Mördervon Potcmba sollen schon wieder wegen eines weiteren Mordes im Gefängnis sein, obwohl sie seinerzeit von der DA im Triunlphzuge abgcholt wurde». Ucber diese Angabe müßten Sie sich aber noch vorerst-r- kundiaen. lieber meine Reise will ich Ihnen nun berichten: Ich verließ die Tschechoslowakei mit sehr gemilchten Gefühlen. Schon in der ersten deutschen Station stand ein SA-Mann, der mich, da ich dort T-Zuaszuschlägc kaust«, gleichzeitig mit dem Bahnpoltzisten grüßie. Ick war etwas erstaunt, bemerkte aber, daß ich den Mann schon länger kannte»nd einmal in Deutschland beschäftigt statt«. Ter Dahnpolizist war mir persönlich bekannt. Der Mann fuhr daun im Zuge mir. war gegen mich äußerst höflich und half mir sogar den Mantel anzichcn. Bei der Umsteigcstalion sah ich drei Mann, die schon besser ausgerüstet waren. UnlenvegS sah ich eine ganze ,-Zugcndgruppe mit'Führern. Für die Fugend schciitt d:c Be- tätigunsi ja recht erfreulich»u sein, obwohl sie wohl die Schulkamcradschafl beeinträchtigen muß. An allen Gruppen siel mir aus, daß die Leute meist nur da» Hemd haben und eigentlich unten sehr warm angezogen sein müssen oder frieren. Mäntel sicht man verhältnismäßig sehr selten. Tic Folgen des Boykotts sind für dir Kaufmannschaft gleich null, E. H. P. und ander« jüdische Geschäft« waren Sonnabend voll mit Käufern. Richtig sind auch die Meldungen nationalsozialistischer Zeitungen, daß Juden durch Geldopfcr sich vom Boykott befreien wollten. Katastrophal wirkt sich die Sache jedoch bei Akademikern aus. Richter mil Eisernem Kreuz l. Klass« und langvcrdient« Acrzte werden gekündigt oder bcurlaubi, verlieren Krankenkassen- und öffentliche Posten. Privaipraris bei Arrzten ist heute in Teutschland fast nicht mehr vorhanden. Anwälte sitzen müßig infolge Nichtzulassung. Die Folge davon ist, daß alle vom Boykott betroffenen Akademiker ihre Wohnungen kündigen und daß dadurch dir Herren Wirte, welche meist der SA angeboren, noch viel schlimmer daran sind, weil Großwohnungcn in Teulsckland in Uebcrfluß in besten Lagen vorhanden sind. Der Boykott selbst kostete die nichtjüdischcn Kreis« viel Geld. Tenn das Plakai(Rein deutscher Betrieb usw.) kostet 50 Pf.. c8 müssen mindesten! zwei abgenommen werden, dazu kommt 1 Mark Einschreibcgcbühr zur Partei und 1 Mark Ein- schreibegebühr sür o:e Innung, so daß der kleinste Kaufmann 8 Mark ovfcrn muß, um rein deuisch zu kein. Hilfspolipn per SA habe ich nicht mehr geschen, während vor dem Boykott daran Ueber- sluß war. T c r a l l g e m e i n e Eindruck ist der, daß man sich hctite sehr dessen s ch a ni t, waS m a n getan hat, und nicht iv« i ß, wir ni a n e S w i e d e r g it t nt a ch e n soll. Es herrscht überall übergroß» Höflichkeit und man lrachiei, daS Geschehene vergessen zu machen. Der Boykott selbst ist in dem Ort, den ich bcsnchie, sehr ruhig verlaufen, und hatte mein Verwandler an diesem Tage drei arische Kunden. sich bitte Sic ialls Sie meinen Bericht veröffenilichen, auch den letzten Teil zu ver- öffemlichen; denn wir wollen nichi unversöhnlich sein, ivenn der Gegner leine Fehler nurmachen will. Zum Schluß knapp vo» nieiner Abreise erfühl ch, daß ein jüdischer Privaldozenl in Würzburg wieder angestcllt wurde." Besuch bei Hitler in Obcrsalzberg. Von Unus. Seift 6 Donnerstag, 27. April 1988 -tk. 99 PBAfttn leiiimift Die vrrsicherungSangestellten im Kampfe. Der Verband der lschcchoslowatischen Bersichc- rungSanstalten hat vor kurzem den Kollektivvertrag mit den Angestellten gekündigt. Außerdem hat er einen Druck auf die Grschästsleitung der ausländischen Versicherungsanstalten auSgeübt, ne mögen gleichfalls die Verträge kündigen. Die Absicht der Versicherungsanstalten geht dal;in, die Arbeitszeit zn verlängern, die Gehälter herabzusetzen und die Fami- lienzu lagen zu st reichen. Diese Bestrebungen haben naturgemäß eine große Erregung unter den Angestellten der Versicherungsanstalten hervorgerufen, um so mehr, als die Versicherungsanstalten trotz der Krise noch immer hohe Dividenden auszahlen und die Gehälter ihrer leitenden Funktionäre nicht herabgesetzt Haven. Die'Versicherungsangestellten Prags hielten daher am Montag den 24. April, eine Versammlung ab, in der die Genossen Köksal und Abgeordneter Klein referierten und in der eilte Entschließung angenommen wurde, die das Vorgehen der Versicherungsanstalten als ungerecht und unrichtig brandmarkt. SondrrauSflugSzüge. Nach HerrnSkretschen am 6. und 7. Mai zum Preise von 98 K, reran- staltet von der StaatÄbahndiraktion Prag. Ab Prag- Masarykbahnhos 6. Mai, 15 Uhr, Rückkehr 7. Ma-, ungefähr 23 Uhr. Anmeldungen unter Angabe von 20 K Kassa 13 Dta^arykbahnhof.— Nach Hin b ok» zum Preise von 78 K am 1. Mai. Anmeldungen Kassa 13 Ntasarykbahnhof.— Nach P r e ß b n r g und P i 8 t v a n. Abfahrt 29. April, 28 Uhr Masarhk- bahlchof, Rückkehr 2. Mai, 7 Uhr früh. Preis 178 K Fahrkartenausgabe SamStag von 9—18 Uhr beim AuSflngSreferat Makarykbahnhof.— Bäderzug Nach Ilia« und Stubn. Tepliee ab Prag Samstag, den 29. April, 20 Uhr 56 Min. W lson- bähichof, Rückkehr 15. Mai. 6 Uhr 49 Min. früh Restliche Karten Kasia 13 Masarykbahnhos. »<»><«►►»<> Kliitnfteunte Prag. Freitag, den 28. April, 6 Uhr abends im Sozialdemokrat wichtige Aus« schutzsitzung. » o o» w ea Kunst und Wissen Brrdi-ZykluS 11. Dem„Othello", der vorletzten Oper Giuseppe BerdiS, die den Verdi«Zyklus des Prager Deutschen Theaters vorige Woche eröffnete, ist vorgestern als zweiter Abend der„R i- g o l e t t o", eine der ersten Opern des großen italienischen Meisters, gefolgt. Aus dieser Reihenfolge der Werke ergibt sich, daß man diesen Verdi- Zyklus nieder nach einetn werkchronolog'icken noch nach einem stilistischen System veranstaltet hat, sondern wahrscheinlich nur deswegen, um unseren italienischen Stagione-Kapellmeister A»! o n i n o D o t t o nach einem bestimmten System zu beschäftigen. Die Ansicht, daß ein LpernzyklnS auch immer mehr oder weniger ein Fvstizyklus sein muß, hat sich bisher bei diesem Verdi-Zyklus auch nicht bestätigt. Der vorgestrige„R i g o l e 11 o" war nicht immer festmähig im musikalischen Sinn und offenbarte eher einen Mangel an sorgfältigen Proben. Ein so böser Schrniß, wie der im Ball-Ensemble des ersten Aktes erlebte, hätte einem V o t t o nicht passieren dürfen. Bon dieser peinlichen Entgleisung abgesehen, geriet ihm die Oper sehr gut; wirkungsvoll im dynamischen, zündend im rhythmischen Aufbau. Auch das Terzett der Hauptsolisten bewährte sich ausgezeichnet: Hagen als ausdrucksstarker und trotz merklicher Indisposition stimmlich eindrucksvoller Rigoletto, R i a v e c als gesanglich blendender Herzog und Käthe Walter als schauspielerisch packende und diesmal auch in den Koloraturen überraschend fest« und tonsicher« Gilda. Und noch eine merkwürdige Tatsache ist zu berichten: der ausgezeichnete Besuch gerade des„Rigoletto", während letzthin der„Othello" nur geringes Interesse beim Publikum fand. 8..1. Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theater». Donnerstag, VA Uhr:„M ädchenjahre einer Königin"(C IV— Freitag,~A Uhr:„Fal- stafs(D 2).— SamStag, VA Uhr:„E i»e Frau die weiß, was sie will"(A. A.). Wochenspielplan der Kleinen Bühne, Donnerstag, 8 Uhr:„Salon Pitzelberger":„Die schöne Galathse".— Freitag, 8 Uhr: ,„Ko mödie der Irrungen".— SamStag, 1A Uhr: „I n jeder Ehe". Erstaufsührung. MN- M> Kürneriineae Tschechoslowakische Hakenkreuzler denunzieren Arbeitersportvereine. Der früher so rege Grenyspiel- betrieb mit den reichsdeutscheu Brudervereinen ist unterbunden. Zu Oster» wollten Leipziger und Nürnberger Arbeitersußballer in der Tschechoslowake' Spiele austragen, die aber insolge von Denunziationen von hiesigen Nazis durch die reichsdeutschen Nazi-Behörden untersagt wurden. Die bürgerlichen Fußballer aus Deutschland können unbehindert ihre Spiele im Grenzgebiet durchführen, trotzdem sie in nicht mißzuvecstehender Weise für die Nazis Propaganda machen. Belgien schlägt die Schwe z 4:1. Die schwei- -erische ArbeiterfußballauStvahlmanuschaft, die zu Ostern in Brüssel gegen die belgische BevbandS- mannschafr spielte, verlor nach einem ziemlich ausgeglichenen Sp'ele mit 4:1. Än Lüt1ich unterlag am zweiten Tag die Schweiz gegen eine Kreis- mannschaft mit 4:5. Demnächst wird die Schwel; ihr Europa-FutzballmeisterschaftSspiel gegen Frankreich austragen, das in Paris stattfindet. Das Eröffnungsrenuen der Wiener Arbeter» Radfahrer ging am Sonntag auf der Schwechater Ruudstrecke unter Teilnahme von mehr als 100 Fahrern vor sich. Bei den Hauptfahrern siegte Hüfner (Freiheit) mit elf Minuten Vorsprung und bei den Junioren erzielte Mälzer(Straßenbahn) über 25 Kilometer eine neue internationale Höchstleistung. — Die Ergebnisse: Hauptfahrer, 58 Kilometer: 1. Hüfner(Freiheit) l:27:44; 2. Hlebowicky(Kari Marx) 1:38:05 Junioren, 25 Kilometer: 1. Mälzer(Straßenbahn) 41 Min.(internationale Höchst- lcstung. alte seit 1926: 43:41). Neulinge, 10 Kilometer: I. Rohrwasser(RudolsSheim) 17: 18.2(disqualifiziert). Senioren: 1. Schwarz(Hietzing) 18:21. Zwei neue internationale Höchstleistungen im Stemmen. Die Wiener Arbeiterstemmer trugen am SamStag und Sonntag die Wettkämpfe um den Höllriegel-Wanderpreis aus, an dem sich 64 Mannschaften beteiligten. Im Rahmen dieser Veranstaltung stellten Kramer(Straßenbahner RudolsSheim) mit 92.50 Kg. im l'uks Stoßen und im Fliegengewich! Sirotek(Fuch'enseld) mit 97 50 Kg. im beidarmig frei Stoßen neue internationale Höchstleistungen auf. Eine österre'chische Bestleistung erzielte im Fliegengewicht KaSmader(Hermann) mit 67.40 Kg. im beidarmig Drücken. In der Konkurrenz siegle Gaswerk Jo'efstadl mit 1149.50 Kg. Relativleistung vor AK Kafka 1131.10 und AK. Me'dling 1127 Kg. ■DrgarllclMr Sport. Die deutsche Waldlausme sterschast über zehn Kilometer gewann ein gewisser Kohn vom Berliner Polizei'porlverein(Zvit: 33:15.1).— Der Mann wird jedenfalls noch seinen Namen„gleichschalten" müssen, wenn er nicht In den„Verdacht" unreiner Abstammung kommen will. Aus der Partei Note Falken- Prag. Helsergemeinschaft: Samstag, 7 Uhr, Liga-Heim Matteott kameradschast: Freitag, 4 Uhr, Verein deutscher Arbeiter. Samstag beteiligen wir uns au der Maifeierstunde der Leveller. Levellerkameradschaft:. SamStag Pflichtheim, Verein deutscher Arbeiter, halb 4. Uhr. Sonntag Pslichtwanderung. Zusammenkunft 9 Uhr Endstation der 21er-Elektrischen in Hodkovikky. Pflicht aller Kameradschaften: Am 1. Mai Zu- sammenkiuist um 10 Uhr beim Eingang des Od- boroy dum. Tagesproviant mitnehmen, da wir Nachmittag auf Fahrt gehen. S. I. 111. und alle Mittelschüler, Donnerstag, 8 Uhr: Maiseier im Heim der S. N. III., Prag II., Petrskö’iä'ßr., Skautsky domov. Achtung! ArbeitSgcme nschaft„Bert Brecht". Heute 23 Uhr A r ra ng je r p r ob e im ÖfoobojeiuS divadlo(VodiSkova), Treffpunkt vor dem-Hauptportal! Alle Beteiligten, Solisten und Chor, haben zu erscheinen! Freie Bereinigung sozlMWer Akademiker ö. 3. Prag I«. Genosstnnen und Genossen! Wir denionstrieven am 1. Mai mit der sozialdemokratischen Arbeiterschaft Prags! Mehr noch als in.früheren Jahren ist heuer der 1. Mai ein Kampftag, ein Kampftag gegen den internationalen Faseismus und Kapitalismus, für Sozialismus und Demokratie. Es gilt zu zeigen, daß es auch bei uns eine große Anzahl so^iallsti- scher Studenten und Jugendlicher gibt, die entschlossen sind, der revolutionären Arbeiterschaft unter allen Umständen die Treue zu halten. Alle müssen kommen, keiner darf fehlen! Wir haben am 1. Mai die Pflicht, auf den Straßen Prags für unsere Ueberzeu- g u n g zu marschieren. Wir fordern deshalb alle Genossinnen und Genossen auf, wenn irgend möglich, bereits am 29. oder 30. April noch Prag zu kommen, um sich geschlossen am Aufmarsch zu beteiligen. Sollte das irgend einem Genossen vielleicht unmöglich sein, dann demonstriert er im Zug der Arbeiterschaft seines.HeimatSorteS. Es ist aber jeder, der am 1. Mai nicht mit unS demonstriert, verpflichtet, unS schriftlich(f>er Postkarte) und unverzüglich den Grund seiner Abwesenheit mitzuteilen. Der 1. Mai ist für unsere Bereinigung nicht nur ein Tag des Kampfes, sondern auch ein Tag der Reinigung. Wer an diesem Tage nicht mit demonstriert, der scheidet auS unseren Reihen. Wir treffen uns am 1. Mai— womöglich im blauen Hemd— auf dem Fügnerplatz(Füg- nerovo nam.) vor der GEC um halb 9 Uhr. Alle Genossen, die sich schon am 30. April in Prag befinden, nehmen am KreiStreffen der Prager sozialistischen Jugend teil. Abmarsch der S. 1.11 am Sonntag, Endstation der 14-Straßen- bahn in Kaöerov. Agitiert unter Eueren Kollegen und Freunden für Beteiligung an der Demonstration. Am 1. Mai demonstrieren alle Schaffenden gegen Ännger und Hakenkreuz für die sozialistisch« Revolution! Freiheit! Raimund Willimek m. p. Obmann. Der Film Die Sphinx spricht. "Den Amerikanern genügt ein Star nicht: das ist abgebraucht und darum nimmt man deren mehrere. Lily Damita, Adolphe Menjou, Olivier'und Erich v. Stroheim sind jeder für sich recht gut; in einer Katastrophe ngescllschaft aber können sie nicht entsprechen. ES spielt jeder für sich hübsch brav um den Erfolg, von einem Ensemble kann nicht gesprochen werden. Man geht in Gesellschaftsfilmen vor allem im Smoking umher: daneben kann nur die schmucke Uniform und der Schlafrock bestehen. Man wälzt in dieser Welt nur Probleme: und da die Liebe allein nicht mehr ganz gut im KurS Ist, kommt dazu noch der Konflikt wegen der Kameradschaft. Ein Weib ist in Amerika, wenn schön, auch verführend, sie evscheiick dazu bestimmt, daß Männer zu ihren Füßen um verschiedenes bitten und in diesem Wettstreit siegt natürlich M e n- j o u; der junge Olivier hat zwar unsre Sym- pathien, nicht aber die kommeryielle Höhe seines Partners, darum muß er die Liebe über Bord seines An unsere Poslbezlcher! Der heutigen Nummer liegt ein Erlagscheiu zur Bezahlung der Bezugsgebühr bei. Wir mache» besonders daraus aufmerksam, daß die Einzahlung unter demselben Namen geleistet Verden muß, unter welchem der Versand der Zeitungen erfolgt. Die BezugSgeb ithr ist am Kops des Blattes erfichtllch und ist stets im vorhinein zu entrichten. Der Monnementbeitrag muß spätesten» bi« zum 15. eine« jeden Monate« in unsere« Besitze sein. Wir ersuchen Sie, die« zu berücksichtigen, damit keine Unterbrechung in der Zu- Uellung de« Blatte« eintritt. Die Verwaltung. Lebenssch!sfchen« werfen und sich für Kameradschast entscheiden(was eigentlich mehr seinem abgelebten Gegenspieler zukommen würde). Der dritte im Dreibund liebt nicht, sondern verkauft(als routinierter Porzellansammler) sein Weib an den Höchstbietenden: und das ist mit fünftausend Pfunden Menjou. Er und Oliver sind außerdem Helden der englischen Kolonialarmee und retten einander, was man daraus entnehmen soll, daß sie beide verbunden weiterspielen. Alles wird hier gesprochen, mit ruh'gen Gesten und in herrlichen Ännenräumen, deren Pracht blenden soll. Der Gatte Stroheim ist der einzige, der sich nicht da beherrschen muß, wo dem Publikum die Geduld auszugehen im Begriffe ist: er ist böse, sogar ein Wicht und als solcher rollt er mit Augen und Stimme, bis ihm die Stirnaber anschwillt. Das sind so ziemlich die Höhepunkte des Films, der damit ausgeht, daß Olivier auf Menjou schießt, dabei ein Reitevbild vernichtet und also aufgeklärt beschließt es tne'lei weniger mit der Frau als mit der Liebe zum Freund zu versuchen: so können wir die beiden iw Auto davonfahren sehen, nachdem vorher der Kammerdiener seinen Hsrrn niedergeschossen hay als er die wundervolle Frau gerade zu prügeln unternahm. Regisseur Schertzinger arbeitet nur mit Dialogen und Ausstattung: das ist uns zu wenig, um so mehr, als vielen die Sprachblüten infolge barmherzig armer Uebersetzuug unbekannt bleiben dürften. Menjou kann gefallen, Olivier ist erfrischend naiv und Stroheim ein Bösewicht unsrer Provinzbühnen: mehr zeigt der Großfilm nicht. D. L. Literatur Ludwig Huna:„Borgia-Roman-Trilogie."(Die Stiere von Rom.— Der Stern des Orsini.— Da» Mädchen von Nettuno.) 705 Seiten, In Halbleder gebunden RM. 5.90. BolkSverband der Bücher- reunde, Wegweiser-Verlag G. m. b. H., Berlin- Eharlottenburg 2. Ludwig Hunas große Borgia- Trilogie, ein machwolles Bauwerk aus drei erschütternden Romanen gefügt, bietet zum erstenmal ein vollendetes Gesamtbild des Schicksals der Familie Borgia. Ter Dichter hat die Persöickichkeiten mit kongenialem Verständnis erfaßt und in ein glanzvolles Kulturbild eingeordnet. So ist ein« historische Romanfolge entstanden, die ebenso buntfarbig wie imponieren- geschlossen erscheint. Besonders wohl- tuend wird der Leser empfinden, daß der Dichter ihn auf Höhepunkten der Handlung, aus glanzvollen und entarteten Kulturzuständen in die fre'e Natur führt und daS einmalige Ereignis in den Zusammenhang des Ewigen, dauernd Gültigen einovdnet. Wir empfehlen diese B. d. B.-Neuerscheinung nicht nur ihres vorbildlich literarischen ÄnhalteS wegen, sondern weil an sich die Bücher dieses ältesten deutschen Buch- Verbandes auch hinsichtlich ihrer ind viduelleu künstlerischen Ausstattung und ihrer Preistvürdigkeit auf dem deutschen Buchmarkte eine bevorzugte Sonderstellung einnehmen. Soz. Jugend- Prag- Truppe l. Wichtig! Pflichtoeraustaltuugeu! Sonntag, den 30. April: KreiStreffen in Zbrasiav. Staffelabmarsch 7 Uhr und der übrigen Mitglieder um 9 Uhr Endstation der 21er in Podol. — Abends beteiligen wir unS korporativ an der Mai-Festvorstellung im Deutschen Theater. Montag, den 1. Mai: Demonstration. Treffpunkt: 9 Uhr Fügnerplatz. Wir fordern von jodem pflichtbewußten S. I- Miiglied, sich an diesem Tag offen zur Arbeiterklasse zu bekennen. Verhinderte Mitglieder haben dies den S. J.-Funttionären vorher zu melden, Unentschuldigte müssen die Konsequenzen trogen. — Nachmittags beteiligen wir un- an der Fahrt nach Kroöchlav. Achtung t Für all diese veranstaUnngen ist str>>. Disziplin und Pünktlichkeit erforderlich! Die vruppenleitnng. Allo Veranstaltungen werden in der Parteipress: bekanntgegeben. Slbonnenten und Loler benack richten alle Geno'sinnen»nd Genossen. Nur noch drei Tage! Mailestabend der Bezirksorganisation Prag. Sonntag- den 8U April 1988 r»m 8 Uhr abends im Neuen Deutsche« Theater. Seftnegeo snnepgontfePes Konzert mit 9teai(ationen unde 13—20. Reihe KE 18.- Galeriesthe 2.-6. Reihe. KE 12— III Ranglogen.... . KE 46— Balkonlltie I Reihe.. KE 10— (Saleriesthe 7.—10 Reil>e KE 10— llerelesitze> Reihe. . KE 21— Valkonlihe 2—1 Reihe KB 18— Dalerleleitenütze KE 9— tt««»gebet: Siegiried la ob— C d« 1 r- d a r t e a r: Qilhelm'Jl t e h n e t- verantwortlicher Nrdukteur Dr«mtl Straub, Prag.- Druck:.Rota* L.-S. Mr Leitung, und Buchdruck, Vraa- Für den Druck verantwortlich: Otto volit, »raß.— Die Lettutw»markenlrankatur wurde von der Post- u. relegrapdenütrekttou aut tfrfaft Nr I3.wwvn.i03o bewilligt.- Oezuglbedtnaungeu: Set Zustellung in» Hau» oder bet Zezug durch die Post monatlich tU IS—, vierteljährlich Ki M,(amiä«iia M UN.-»- 3n|«MW MW* laut Inif dillial, btttcharl.«ti Mtnu OMMUMH«ulina^Iai,- RäSIIillu«, WB«anufUi»«! mir Hl«mjertung Hk Wewuiuiaitafc