tzivzelvreis 70 Heller. «Einschließlich 5 Heller Porto) 13. Jahrgang. Freitag, 2S April 1033 Nr 100. g»Xnr-rinrrnLWiii I Genosse Dr. Heller zum BeneS-Exposee: Jetzt heißt es Farbe bekennen! .Wer.nicht für die Demokratie ist, ist gegen sie— und mufi auch die Folgen tragen! können nut int gegenseitigen Einvernehmen und nur unter voller Beachtung der dielbezüglichen Bestimmungen de- VölkerbundpaktcS erfolgen. Eine' moralische Legitimation gerade Italien- zur Aufrollung de< Revision-Problem» können wir insolange nicht anerkennen, alt'eö selbst da- deutsche Südtirol und da- slowenische Istrien nicht nur besetzt'hält, sondern dort. alle- aus unerhörte Weise unterdrückt.(Z u st i m m n n g.) Wir können aber auch nicht begreifcn, wie deutsche Parteien dem Biermächte-Plan Mussolini-■ freundlich gegenüberstehen können, solang« diese» Italien seine nationalen Minderheiten in demselben Maß« unterdrückt wie da- neue Deutschland auch noch seine konfessionellen.**,•’* Kompromißlos auch gegen den deutschen Fascismusl neldishonlerenz der SPD, Berlin, 27. April. Die sozialdemokratische Partei hat in Berlin eine Reichst onserenz veranstaltet, aus der der Parteivorsitzende Wels über die politische Lage referierte. Die Konferenz nahm einstimmig eine Entschliessung an, die sich erneut zum internationalen Kamps gegen den Kapitalismus bekennt und das Fe st haltender Partei an ihren Grundsätzen sowie die Weiterarbeit im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten auSspricht. Der Parteivorstand stellte der ReichSkonserenz seine Aemter zur Verfügung. AlS Parteivorfltzenden wurden gewählt die ReichStagSobgeordneten Otto Wels und.Sans Vogel. Am übrige« gehören dem Parteivorstand mehrer« prominente bisherige Vorstandsmitglieder nicht mehr an, darunter S l l f e r v i n g. Breitscheid, Ditimann und Cri» spien.. An den Parieivorstand wurden neu gewählt: Löbe, Paul Hertz, der junge BolkSwirtschastler Dr. R i n n e r und der Augendsühre» Grich O l-len- Hauer. Pollflsdie Gefangene werden wie demelne Verbrecher behandelt werden. Berlin, 27. April. Am Einverständnis mit dem Reichsminister'der Aüstiz haben bi« Landesregierungen«in« Bereinbarung getroffen, daß einer bevorzugte« Behandlung sogenannttk„A« betz« ugungatSter" im Strafvollzug ein End«gemacht wird. Wettere lilnanswllrle beim Stahlhelm! Berlin, 27. April. Wie das Conti- Büro vom Bundesamt des Stahlhelms erfährt, sind im Anschluß an die Amtsenthebung Düsterberg» der Major a. D. Wagner, der hcssiche Oberstleutnant a. D. von Olberg, ferner von Egon- Krieger und noch drei andere.Herren vorläufig beurlaubt worden. Oer Vize-Diktator. Berlin, 27. April. Der„Völkische Beobachter" veröffentlicht folgende Verfügung de- Führers Adolf.Eitler: Den Leiter der politischen Zentralkommission Rudolf Heß ernenne ich zu meinem Stellvertreter und erteile ihm Vollmacht, in allen Fragen der Parteileituttg in meinem Namen zu entscheiden. Nam hatten! Und st« kuschen auch brav! Berlin- 27. April.(Contis Die Erklärung de- ReichsarbeitSministers und Ersten Bundesführers des Stahlhelms ist die letzte öffentliche Stellungnahme zu der Angelegenheit Düsterberg- Stahlhelm. Die deutsche Presse wird„ersucht", keine weiteren Meldungen darüber zu veröffentlichen und sich einer weiteren Stellungnahme zu enthalten. Ferner wird die Presse„ersucht, über die Angelegenheit D e r o p nicht» mehr zu veröffentlichen. „Siham und Trauer“ Ein mutiger Protest soziald«mokratisch«r Journalist««. Münch««, 25. April. Während sich der „Gleichschaltunasprozeß" der deutschen Preßver- cinigungcn bisher lautlos vollzogen hat, kam es in München bei der außerordentlichen Generalversammlung deS Landesverbandes der badrischen Presse zu Kundgebungen gegen die Kne- belnng der freien Meinung in Deutschland. Als der Landesverband für aufgelöst erklärt wurde, und die Vorstände neu zusammengesetzt werden sollten, gaben die sozjaldemokratischen Journalisten eine Erklärung ab,, dass die Be- Müsse nicht als organisatorische Dkaßnahme, sondern als ZwangsMaßnahmen anzusehcn sind. Durch ein Machtgebot werde der LandeS- verband zur Preisgabe seiner Grundsätze gezwungen, vor allem des vornehmsten: der Preß- sreiheit. Die sozialdemokratischen Journalisten sehen davon ab, einen Protest einzulegen,- aber wit Scham und Trauer stellen sie die Zurücksetzung der sozialdemokratischen Kollegen fest. Nach Abgabe dieser Erklärung verließen sie- die - Sitzung. Prag, 27. April. Im Senat, der heute die Außendebatte zum Abschluß bracht« und back Expose« de» Außenminister» in ruhiger Abstimmung zur Kenntnis nahm, befaßt« sich heut« Genosse Dr. Heller mit den Folgerungen, die wir au» den deutsch«« Ereignissen ziehen müssen, um d«r Arbeiterschaft wie d«n-nationalen Minderheiten in unserem Staate die unumgänglich notwendig« demokratisch« Bass» zu erhalt««. Die Demokratie muß sich selbst schützen gegen all« ihre Feind«, u«ld muß sie zwingen, offen Farbe zu bekennen. Wer sich al» Feind der Demokratie- entlarvt, der hat von ihr auch kein« Schonung zu erwarte«! - Ja dieser Richtung bewegt« sich die Aar gegliedert«, überzeugend« Rede unser«« Frak. tionssiihrerS im Senat, und der stark« Beifall, den sie fand, wird sicher nicht zuletzt auch dran» -en in den Reihe» unserer Arbeiter, die fest ent. schlosse» sind, dem Fasciümu» bei un» nicht nur den Weg zur Macht zu versperre«, sondern ihn, wenn es gilt, niederzuringen in zähem Kampf« Mann gegen Mann,«st» vieltausendsach verstärktes Echo nach sich ziehen! * Genosse Dr. Heller unterstrich einleitend di« These de» Außenminister- über die Doktrin de- Faf- «i-mus; au» der Synthese de- Anti-Demokrati-mu» und de» Nationali-mu- leitet der Minister ganz folgerichtig di« Doktrin von der Ungleichheit der Na«, tiöne'n und von der Berufung der großen Nationen, über die kleineren zu herrschen, ab. Die Folge dieser fascistischen Lehre. ist konsequentcrweise der B i e r- machte-Plan, dieser will in Europa eine Herrschaft von vier Staaten aufrichten, deren Diktat sich olle übrigen Staaten einfach zu beugen hätten. Dabei wäre von vornherein in dieser Gruppierung ein f a s c i st i s ch e» Uebergewicht gegeben. Wir nehmen die Grundlagen, die der Minister seinem Exposee unterlegt hat, zur Kenntnl« und glauben, ihnen im großen und ganze» zustimmen zu können. Revision- nur einvernehmlich Besonder» schwierig und weittragend ist sicher die Frage der Revision der Frieden-ver- t r ä g e, die, wie der Herr Minister richtig zugegeben hat, in wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht durch die weitere Entwicklung seit ihrem Abschluß, durch den Tower- und Ioungplan, durch Locarno und schließlich durch Lausanne ja bereit- überholl sind. Hinsichtlich der wirtschaftlichen und fiuanziel- leu Bestimmungen hat also eine Revision der Friedcnoverträge bereit- längst stattgesun- d e n. Wir müssen hervorhebeu, daß da» ein Verdienst der demokratischen Regierungen Deutschlandwar. Da» Zögern der Siegerstaaten, in eine Revision hinsichtlich der Reparationen einzuwilligen, hat einen erheblichen Teil der Schuld daran, daß e- heut« in Deutschland so weit gekommen ist. Wir akzeptieren vollkommen den Standpunkt de» Herr« Minister», daß die Revision der grie- densderträge nur im gegenseitigen Einvernehmen aller daran beteiligten Staaten und aus der Grundlage der Bestimmungen der FriedenSver- träge und des Bölkerbundpakteü erfolgen kann. Die» war der Standpunkt unserer Partei schon vom ersten Tag« an. Wir haben immer den Standpunkt vertreten, daß die Friedeitöverträg« revisionsbedürftig sind, daß aber eine Revision nur im Wege von friedlichen Vereinbarungen erfolgen kann, weil jeder anderweitige Revisionsversuch unvermeidlich zu Kriegen führen müßte. Viel schwieriger ist natürlich di« Frag« der Revision hinsichtlich der Staatsgrenzen. Auch hier muß jede» Diktat, jede Gewaltanwendung ausgeschlossen sein. Wir vergessen dabei keinen Augcirblick, daß hiebei ein friedliches Nebereinkommen noch viel sch w i e- tilger zu erreichen sein wird. Es muß aber für alle Revisionen der FriedcnSverträge, ob sie sich nun auf unser Land und Ungarn beziehen, auf den polnischen Korridor oder aus eine Äcnderung in den Balkanländern, da» gleiche gelten: Alle diese Fragen ' Redner versteht e-, wenn der Außenminister über unser Brrhältni» zu Deutschland und über die Auswirkungen der neuen Zustände in Deutschland. auf un» nicht viel gesagt und sich auf die Er- llärung beschränkt hat, daß unser.Brrhältni» zu Deutschland nach wie vor korrekt sei und wir keinen Anlaß hätten, hier Befürchtungen zu hegen. Aber au» der Darstellung de» Minister» über die saseiftische Doktrin in bezug auf Italien ist ja seine Stellungnahme gegenüber Deutschland klar ersichtlich. Deutschland betreibt heute sein« Außen» wir Innenpolitik ans derselbe« Grundlage wir - Italien; r» muß sich bi« Ablehnung der saseifti- schen Doktrin durch deu Außenminister also auch ans Deutschland beziehe«. Auch der deutsche FasciSmuS beruht ja aus den zwei Elementen dr» Anti-TemokratiSmu»: und de» übertriebenen Nationali-mu»; hiezu tritt nur noch die Verleugnung aller. Humanität hinzu. Wir müssen also auch dem deutsche« Fas- eiSmuo gegenüber dieselben Konsequenzen ziehen, wir gegenüber dem italienischen, nämlich vollständige, restlose Ablehnung! Für un« gelten nicht dir Rücksichten, die sich der Außenminister auserlegen muß. ES wär««in ungeheuerer Fehler, wenn nicht- dir demokratische« Parteien der Nationalversammlung die Gelegenheit benützten zu einem flammende« Protest gegen di« Verhältnisse in Deutschland! Hlch brauche ja nicht zu wiederholen, wat«in Sieg de- FasciSmuS in der Tschechoslowakei bedeuten würde. Das wäre die Beraubung der Freiheit aller ohne Unterschied, das wär« insbesondere die Knechtung und Unterdrückung der nationalen Minderheiten, aber auch der proletarischen und freiheitlichen Element« aller Nationen dieses Staates. ES sollten sich di« Deutschbürgerlichen sehr gut überlegen, ob sie nicht durch ihr« Zustimmung zu den Vorgängen in Deutschland dem Vertreter der bürgerlichen Parteien haben von dieser Stell« aus es für notwendig befunden, wieder aus die alten nationalen Beschwerden hin- zuweisen, die wir Deirkichen in vielem Staate vorzubringen haben. Es hieß« hier Vrrsteckenspielen, wen« ich. nicht sagte, daß auch wir auf dem StandpnM stehe«, daß die nationale Frag« auch in unserem Staat« »och nicht gelöst ist. Aber, gerade die Ereignisse-seinerzeit In Malten und heute in Deutschland geben dem Herrn Minister recht in seiner Forderung nach Ausdehnung des Minderheiten schütze» aus alle' Staaten. Ri« hätte sich Deutschland«r- Wenn eS etwa deu deutschen Herren-genehm sein sollte, dagegen zu protestieren, so bitte ich de» Herrn Minister, ihnen die gleiche Antwort zu erteilen wie England!(Zustimmung.) »er„irische Wind“ des Herrn Kostka. Wa» in Deutschland geschieht, muß naturgemäß auch bei un» zu einer Stärkung der fascifti- schen Bestrebungen im deutschen wie im tschechische» Lager führen. Wenn selbst Herr Dr. Kostka, dessen Partei di« Demokratie in ihrem Programm stehe» hat, zu den Ereigntsfen in Deutschland erklärt«, daß nur»ein frischer Wind* von Deutschland her- überwche(Pfui-Rufe), so möchte ich mir doch die Gegenfrage erlauben,, ob dieser Wind' nicht etwa» Blütgeruch an sich hat, ob die--nicht ein modriger Wind,, ein Wind der Reaktion und Gegenrevolution ist,-und ob einem demoboa- tischen Politiker eine derartig« Aeußerung ansteht! Oder wenn-Herr I r s s e r erklärt, er könne von der„nationalen Erhebung" nicht allem zustimmeu, sich aber au» UtilitätSgründcn als Beispiel hiefür nur gerade das Verbot oder di« Selbstauslösung de» Lausitzer Sokol heraussucht, so macht eS seiner politischen Moral wenig Ehre, wenn er zugleich alle- übrige, waS sonst in Deutschland geschieht, vollständig über sieht. Man sieb» daran- nur, daß beide genannten Politiker im gn ,iii und ganzen mit den Ereignissen- in Deutschland einverstanden sind. Entweder— oder! Die Ereignisse in Deutschland wirke« aus die politische« Parteien bei u«S, und namentlich auf dir deutschen, wie Scheidewasser; sie geben Gelegenheit genau zu erkenne«, welch« von den politischen Parteien die Demokratie nicht nur im Munde fuhren, sondern auch wirk, liche Demokraten sind. Heut« nützt kein bloße» Lippenspitzen, heut« muß man pfeifen! Wenn di« Herren sich als ehrlich« Vertreter der Demokratie bei uns in der Tschechoslowakei bekennen, so müssen sie darau» auch die Konsequenzen Deutschland gegenüber ziehe«; dann darf ihr« Press« nicht di« Unterdrückung der Demokratie in Deutschland mn dem Mantel der christlichen Nächstenliebe bedecken, denn sonst glauben wir ihn«« ihr«„Demokratie" nicht mehr! Sie alle leiste« der Sach« de» deutschen Volke» in diesem Staate«ine« sehr schlechten Dienst, wenn Sie und ihr« Press« nicht mit aller Entschiedenheit und RückstchtSlossg. keit von denjenigen abrücken, di« heut« in Deutschland da» Hest in der Hand habe«. Faseismu» bei uns Vorschub leiste» und ob e» Lösung der nationalen Frage — ein Innenpolitisches Problem I ihnen noch weiter möglich ist, mit de» Vertreter« faseiftischer deutscher Parteien tu der Tschechoslowakei in gemeinsame«„VolkSräten" und„Orts- räten", in gemeinsame«„Arbeitsämtern" und ähnliche» Organisationen beisammenzusitzen. Auch di« Herr«« vo» gewisse« tschechische» Parteien sollte« es sich sehr gut überlege«, ob ihr Lavieren zwischen FasciSmuS und Demokratie sich nicht letzte» Ende» gegen die Interesse«, ja gegen die Existenz ihre» Staat« selbst kehrt! landen können, waS«8 in der letzten Zeit getan hat, wenn die Bestimmungen über den Schutz der nationalen und religiösen Minderheiten auch für Deutschland Geltung hätten. Wir betrachten seit allem Anfang in Ansehung um'erer ziffernmäßigen Stärke, unserer kulturellen Höh« und in Anbetracht des Umstande-, daß wir selbst genügend Kraft haben, un- unserer Haut zu wehren, di« Ausgestaltung des nationalen Friedens in diesem Lande als eine inner« Angelegenheit der Tschechoslowakei. Mr haben deshalb die;ahilosen deutschbürgcrlichen Beschwerden beim Völkerbund niemals mit uirtevschrioben, well wir seit allem Anfang Immer aus de« Standpunkt stechen, daß dt, Regelung der nationale» Lett« 2 Freitag, 28. April 1W8. Nr. 100 Frag« dvrch tut« selbst hl« ta diesem Land« ep folgen muß und— wie wlr mit Vcstinrmlhet erwart««— auch erfolge» wird! Denn etwa» auS den Ereignissen in Deutsch» land mit unerbittlicher Logik hervorgeht, so das eine, daß nur di« Demokratie di« Grundlage unserer Tätigkeit in diese« Staat« sei» kau«! Beseitigung der Demokrati« bedeutet auch gleich» Das kommunistische Sündenregister. 91« Genoss« Dr Heller dann aus tue Konimu- nisten zu sprechen kommt und«in kommunistischer Senator ihm den Zwischenruf macht, ob wir denn überhaupt«in« Demokrati« in d«r Tschechoslowakei haben, entgegn« Ihm Dr. Heller: Schon daß Sie hier sitzen und dies«» Zwischenruf machen können, ist«in Beweis für di« Demokrati« dieses Landes! Er erinnert wiiter daran, daß di« Kommunisten zwar gegen den FasciSmuS toben und wettern, aber wenn auf Grund legaler Bestimmungen der sascisti- sch«»Tag" verboten wird, dann schreibt die kommunistische Presse Brandartikel gegen dieses Der- bot. So werden die Kommunisten den FaiciSmuS auch bei uns nicht aufhalten! Sie schreiben täglich dagegen, daß dem Fase Sinus in der Schul« und durch dat Radio Vorschub geleistet wird,«wer wenn «ine Verordnung der Schulministcrs diesem Unfug «in End« machen will, so toben die Kommunist:» gegen diese Verordnung! Mei«« Herren Kommunist«», das, was Ti« machen, ist schon nicht mehr Politik, das ist die Hysteri« alter, in ihrem Geschlechtsleben unbefriedigter Weiber! Wenn irgend semals, dann müßten Sie heut, mit dieser dummen Politik, mit dem ewigen Geschimpfe gegen di« Demokratie nud gegen di« Sozialdemokraten ans» hören und de» Weg suche«, um ans dem Bode» diese« Demokrati«, möge sie auch»och so unvoll, ständig sei», di« Recht« der Arbeiterschaft zu vertret««!(Lärm und Zwischenruf« bei den Kommuni sten.) Sdiadi den feinden der Demokrane! And den Ereignissen In Deutschland haben wir weiter» zu folgern: Demo» kratie, aber eine starke Demokratie, di« ihre« Gegner« die Waffe« au» der Hand schlägt! Di« Gegner der Demokratie haben ja kein«echt, stch auf diese Demokratie zu berufen!(Lehr richtig!) Dar geht nicht, daß die Hakenkreuz!« heute sagen: Wir sind hier Demokraten und wollen nichts als die nationale Autonomie! Ich hab« h er das Programm der DNTAP., verfaßt vom Herrn Gottlieb Feder, das„all« deutschen Stämme", ob sie heute unter fremder— auch tschechoslowakischer— Hoheit leben, für das Deutsche Reich reklamiert. Der Jubel, mit denen unser« National» sozialisten den S«g ihrer Bruderpartei im Reich« begrüßt haben, di« innigen Verbindung«» zwilchen diesen beiden Partei«« nehm«» ihnen das Recht, sich hier als Patriot«« aufzusp elen, di«„nur die Selbstverwaltung" wollen. Sie dürseu stch daun nicht über Verfolgung beklage» und sicht auf di« Demokratie berufe», sonder» müsse» di« Konsequenzen schon aus sich »ehm«»! Mode wen von der Arbdls- losenunterstoizung r In Besprechung der dringenden Wirtschaf'», problem« gibt Dr. Hetller dann der Erwartung Ausdruck, daß di« Arbeitsanleh«, zu der«» Gelingen wir alles nur Erdenkliche beitragen wol len, wenigstens einem Teil« der Arbeitslosen Arbeit geben wird. Der Staat muß stch nach wie vor der schuldlose» Opfer der Krise an nehme». Wir wüste» di« bürgerliche« Parteien davor war»««, durch ein« Kürzung der Arbeitslosenunterstllßuag Arbeit für dl« Kommunist«» und Faseisten zu leiste»! Oer Staat und wir. Redner saßt abschl eßend nochmals die wichtigster« Punkt« unserer S«llungnahme zu dem Expose« des Außenministers zusammen. Seitdem der Friedensvertrag von St. Germain über unsere staatliche Zugehörigkeit entschieden hat, haben wir ohne Vorbehalt frei erklärt, daß wir auf dem Boden dieses Staates stehen. Die Entwicklung hat uns recht gegeben. Dl« demokratischen Grundlagen diese» Staates find»»erschüttert. Wir wünsche», daß dies« mit »Ur» Mittel« erhalten werd«», und wir wrrden dazu das Unsrig« beitrag«»! Ueber alles andere geht uns di« Möglichkeit, im demokratischen Staate die Rechte und Interessen der Arbeiterschaft zu vertreten und so die Vorbedingungen für eine bessere Zukunft zu schaffen Diese Möglichkeit bietet uns die demokratisch, republikanische Grundlage unseres Staates. Seine Erhaltung, seine allmähliche Ausgestaltung zu einem Bunde freier unb vollständig gleichberechtigter Völker betrachten wir als unsere eigene Angelegenheit! Damit ist unser« Stellung zu dem Exposee det Herrn Außenminister- gegeben. Mr stimmen ihm nicht deshalb zu. weil wir der Mehrheit angehören, sondern deshalb, weil wir von ihrer Richtigkeit und Zweckmäßigkeit überzeug» sind!(Lebhafter Beifall.) * Die nächste Senat-! hung findet M-itwock» den 8. Mai. um 15 Uhr statt. TagcSrrdnung: Novelle zur llotvak'lchen Gewerbeordnung(über Kte Errichtuna von Gewerbegenossenschaften), hie Vorlage über den Versichern nasvertraq und wieder eine Immunität de» Senators Lokota. Proleten, hört! Maifeier unter den Hunnen Die Arbeiter werden in die tascistisdien Kundgebungen mit der Hungerpeitsdte getrieben. Der Propaaandaleiter der Nazi», der für sein« verbrecherische Tätigkeit— Reichstagsbrand u. ä.!— nunmehr ein Ministerium eingerichtet bekam, hat die nationalsozialistischen Maifeiern in der großzügigsten Weise vorbcrcikcl. In Berlin soll eine Kundgebung stattfindcn, wie sie diese Stadt noch nicht sah. Blumen. Girlanden, Fahnen! Eitel Jubel und Singen soll durch Deutschland tönen und dem Ausland wird er- zählt, daß diese»„F.st der deutschen Arbeit" von der ungeheuersten Begeisterung getragen sein wird. Wie, fragt man stch, ist da» möglich? Erst vor kurzem haben die Faseisten noch ein Verbot der Maifeier erwogen und di« Streichung de» 1. Mai aus der Liste der Feiertage erstrebt— und nun wird er zum größten„Festtag" des Lande» unter den Hunnen? Woher wird denn die Menschenmasse kommen, di« zum Zwecke des Mißbrauch» der Maifeier zur Nazipropaganda den Berliner Lustgarten unch die großen Plätze der deutschen Städte füllen wird? Au» den Betrieben? Ja, au» den Betrieben! So ist denn der sozialistische Maigedanke tot und die Arbeiter, die nach im Borfahre zu Hunderttausenden hinter den roten Fahnen durch ihren Maitag marschierten, werden Heueri in ubcrquellender Begeisterung hinter dem blutigen Schandfetzen mit oem Hakenkreuz einherschreiten? Ueberquellende Begeisterung? Bolksfreud«? S o sieht sie aus, s o wird sie verfertigt: Mit der Hungerpeitsch« werden die Proleten von ihren Sklavenhaltern in die„Feier der deutschen Arbeit" getrieben. Dies« Anordnung stammt aus einem Orte des Grenzgebietes, dessen Namen wir im Jntcresie der dort Be- schaftigtcn nicht nennen wollen. Und gleiche Anordnung wurden auch in den anderen deutschen Betrieben auSgegebcn. Wer»tcht allergehorsamst für di« faseistisch« Schändung de» 1. Mal begeistert ist, wird entlasse»! Und so»»erden denn am 1. Mai tatsächlich hunderttausend« Arbeiter bei den fascistische» Kundgebungen fein und die Fascistenpress« wich jubeln. Aber dies« Hunderttausend«, di« da zusam- mengcirieb.'n werden, werden ihren Mai. den Mai der Freiheit, feiern! Und e» kann wohl sein, daß die Maikundgebungen, bei denen sich nach dem Machtantritt des FasciSmuS da» Proletariat zum ersten Male in Massen findet, den Lluchunden GoeringS keine veine Freude bereiten werde«. Gebt, Proleten, di, faseistisch« Schändung des 1. Mai alle« Arbeitern bekannt! Das Schanddokument, das den wahre« Charakter der faseistisch«« Maikundgebung«« erweist, wird ü, de« Herze« aller Proleten««««« Haß und neu« Empörung gegen di« faset, sttsche« Sklavenhalter wecken! Erscheinungsweise zum H. Mal Unsere Mainammer erschein! am SONNTAG, ck-n 3». APRIL in verstärktem Umlang. Hq nach dem Tarifvertrag dar Buchdrucker am t. Mai nidti gear bel et werden dar! •«nch«M dl«»Schal« Palfl» unseres Blattes ent wieder am • Mittwoch, da» S. Mal IMS. Dia Verwaltung. An das Gesamtpersonal der Firma Dle Nationalsozialistische Betriebs,ellen-vrganisation, Ortsgruppe ordnet für Vie Feier deS i. Mai folgenveS an: Alle organisierten uuv unorganisierten Arbeiter habe« an de« in für Viesen Tag vorgesehenen Festlichkeiten ohne Ausnahme teilzunehmeu. Die BetriebSratSvorstttenve« haben alle Nichtteilnehmer namentlich zu melven. Wer nicht erscheint, bekennt sich zur Juternationale uuv ist ein Feinv ver vcntschcn Arbeit und deS Wiederaufstieges unserer Ratio«.(Um Falschmeldungen zu vermeiden, wollen die Kollege«, die stch bei Vereine« an der Feier beteiligen, dies dem Unterzeichneten melden.) Jeder hat das von der RSBV. ausgegebene Fe st Zeichen zu kaufe». Für unfern Betrieb gilt folgendes Programm: Punkt«ist Uhr Abmarsch vom Marktplatz nach dem von hier marschieren wir mit den anderen Betrieben, Vereinen usw. zum Feld- gotteSdieust aus den Platz von Punkt 1 Uhr Abmarsch vom Marktplatz nach dem Platze bei Daselbst Teilnahme an der Weihe deS Banners im Kampfe für Arbeit nn» Brot der Nationalsozialistischen BetriebSzellen-Organtsation Ortsgruppe.... Anschließend marschieren die Betriebe geschlosteu nach der wo um K8 Uhr der große Festzug beginnt. Anzug beliebig. Rach dem Feftzug Tresse« im DaS übrig« Programm über die zu diesem Tage getrofsene« Veranstaltungen ist in ver Sounabeud-Nummer der„Ob.rlausiher Tageszeitung" enthalten. Der BetriebSratSvorsitzende. (Folgt Name.) Es riecht nach Petroleum! Die Vorfälle In der Derop.— Der Generalrevräsentant der Derop(Deut- schc BcrlriebSgeselllchaft kür russische Oelprodukte) hat, als er am Mittwoch von der Polizei festgenommen werden sollte, einen Selbstmordversuch unternommen, dessen Folgen er am Donnerstag erlegen ist. Die amtliche Telegraphenunion verbreitet in Deutschland und im Ausland die Nachricht, die Derop sei eine Kommuni strnzentrale gewesen und ein politischer Gefahrenherd erster Ordnung. DaS weitverbreitete Tankstellennetz der Derop sei dazu benutzt worden, flüchtige kommunistische Funktionäre zu verbergen. Die Derop habe auch Mörder in» Ausland geschafft— demnach stand sie wohl in Verbindung mit der SA? Die Red.— und Grcuelnachrichicn verbreitet. Der Kampf der deutschen Reichsregierung gegen die Derop hat sedoch andere Hintergründe. Dir Derop ist der Widerpart der Petroleum-Gesellschaft, in der der Petroleumkönig D e t e r d i n g den Ton angibt. Deterding spielt schon seit langem mit der Hitlerpartei zusammen und hat sie auch finanziert. Di« Grg«nl«istung sollte darin bestehen, di« Derop aus deutschem Bode» unschädlich zu machen und sie also al- lästigen Konkurrenten auSzuschallen. Der Zusammenhang zwischen den Nazi» und dem Petrolrumkönig Deterding wurde schon bei der Ermordung Dr. BcllS offenbar. Wir berichteten seinerzeit darüber: „Im Dienst« BellS stand in Berlin ein« ganz« Reihe verdächtiger russischer Emigranten, di« sich in dem bekannten Tscherwonzenfälschrrprozeß als Polizeispitzel entlarvten: zu ihn«» gehörte einer der Führer der ukrainischen konterrevolutlo- nSitn Emigranten Poltavez-Ostraniza, der von den Nazi» als künftiger Hetman der zu „besreieudru" Ukraine auSerwählt ist. Im Dienst« dieser dunklen Gesellschaft stand auch der Reichs- tagSbrandstister iiubb«. Die Zusammenhänge ergeben stch sofort, wenn um» sich i» Erinnerung ruft, daß am Tag«och Reichstagsbrand und Deterding. dem Reichstagsbrand die politische Polizei l» di« Berliner Geschäftsräume der Derop, der russische» Petroleumverkaussgesellschaft.«luaedrun- ge» war und sofort i» einer bestimmte» Kanzlei eifrigst gesucht hatte, oh« etwas zu sludeu. Au- schrlueud befand stch das gesuchte Dokument, das «Illgeschmuggekt wrrden sollt«,»och nicht a» Ort und Stell«, da der Reichstagsbrand au» gewissen Grllude» zu früh ausgebroche» war. Augenscheinlich sollt« dl« Derop durch«i» Dokument der Austistuug des Reichstagsbrandes übersührt und so di«»»bequem« Konkurrenz de» englischen Petroleumkönigs Deterding, des Prä« sideuteu der Rohal-Dutch-Petrolrum So. aus dem deutfcheu Markt beselttgt werd«»! Die groß« belgische Zeit»»»„8 a Ration beige" hatte schon im Vorfahr, am 21. AprU 1932, offen erklärt, daß 2 i r D«t e r d i» g als ve- gruleistuag für di« regelmäßigen Subventionen an Hitler mit diesem eine» Vertrag geschlossen hat, daß Deterding nach dem Sieg der Nazis«in Monopol für all« Prtroleumprodukt« i» Deutschland rrhält, wogegen Deterding anderthalb Millionen Psuud und 2V Prozent Gewinnbeteiligung versprach!" Die fetzige Aktion gegen dir Derop ist also die Entschädigung deS Geldgebers Deterding kür die fchlaeschlagenc Aktion„Reichstagsbrand". Auffallend ist, daß man die Derop, die doch schon beim Reichstagbrand eine Haussuchung über sich ergehen lassen mußte, so lange gewähren ließ; offenbar haben die Nazis die Zeit dazu benutzt, „BewriSmatcrial" gegen die Derop zu beschaffen, damit die Aktion, die dem.Herrn Deterding gefällt, mit volle»! Erfolg zu Ende geführt werden kann. Der Reichstag hat gebrannt, ein Mitwisser >st ermordet, der Brandstifter wahrscheinlich auch, wenn man ihn nicht inzwischen auf andere Welke „flüchten" ilcß. Noch aber knallen Schüsse. Sie hinterlassen nicht nur Pulver-, sondern auch Petroltumgcruch. Die Ehegemeinschaft Hitler» Deterding aber ist guter Dinge... I1WWMMWWMMMWMWI»MWMWWMWMM!WWWMWMMWMMMWMM«WWMItMI«MIIMM1!W1W Internationale« Arbeitsamt Vertreter der deutschen Gewerkschaften nicht erschienen. Genf, 37. April.(Wolff.) Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes trat heute vormittags zu seiner 63. Tagung zusammen. Der französische Gewerkschaftsvertreter Jouhaur wies auf die Nichtanwesenhe't des deutschen Gewerk'chaftsvcrrreterS Lenschnei'n'n Der deutsch« RegierungSvertreter Dr. Engel er klärte, Leufchner habe mitaeteilt, unter de« gegenwärtigen Umständen halte er e» nicht für zweckmäßig, an der fetzigen Tagung des Ber- »valtungSrateS teilzunehmen. Dr. Engel betonte, er könne ausdrücklich erklären, daß dir deutsch«' Regierung auf Leuschner keinerlei Zivang auSgeübt hab«.(Der Vertreter der deutschen Gewerkschaften ist vermutlich deswegen nicht rkchirnen, iveil es ihm nicht möglich erscheint eine unabhängige Meinung zu rtreten. D. Red.) Die smveheiisme Sosla flennMe bestraft Disziplinlosigkeiten. Genfer Parteiorganisation ausgeschlossen. Di« Kommunisten hatten sich, wie wir seinerzeit berichteten, auch an die schweizer Sozialdemokratie mit einem EinheUsfrontangebot gewendet. Di« Schtveizer Genossen haben daraus geantwortet, daß die Kommunisten in der Schweiz völlig bcoeutungslos sind und also auch kein Recht haben, Bedingungen zu stellen: hingegen sei e», wenn sie eS mu der Einheitsfront ernst meinten, ihre proletarische Pflicht, die Grundsätze der proletarische« Demokratie zu mhten: auch in ihr entscheid« die Mehrheit. Zn der Tat ist di« schweizerisch« Sozialdemo, kratie di« einzige proletarische Partei des Lande» und eine unentwegt marxistische dazu. Die Genfer Parteiorganisation hat nun, entgegen dem Beschluß de» Parteitag», mit den Kommunisten eine gemeinsam« Maifeier vereinbart, obzwar fcststeht, daß die Kommunisten— so wie hierzulande— auch in der Schweiz die gemeinsamen Maifeiern nicht aus ehrlicher Ueberzeugung. sondern nur um ihrer AgitationSbldürfnisfe willen vergangen. Di« Leitung der schweizerischen Sozialdemo, kratie hat nun der Genfer Parteiorganisation in einem eindeutigen Beschlug geantwortet, der folgendermaßen lautet: Da di«»em«>usam« Maifeier in Genf iw Widerspruch steht mit den Beschlüsse« des vieler Parteitog'S, da die Genf« Genossen stch fortgesetzt über die Beschlüsse der Partei Hinwegsetzen, da die Genfer Genossen aus de» Geldern, welche die Partei sammelt, jetzt sogar den kommunistischen Sprengkandidateu David(bei der letzten Stände, ratswahl) unterstütze», ebenso den Kommunisten Tronchrt, der nach dem ü. November flüchtet«, während uns«« Leut, im Gefängnis faß«», hat di« G«schästsl«ttung der sozialdemokratische» Partei der Schwei, di« verbindu»» mit der Genfer Partei abgebrochen. Di« Par- tribeschlüssr gelte» für all«; wer stch nicht fügt, hat di« Folge» zu trage». Verhaftungen ohne Ende. Köln. 87. April. Der„Wefchcutlkche Beobacht?-' meldet folgende Verhaftungen in Köln: .Bei der Handwerkerkrankenkass« wurde neuerdings der letzt« Borsitzerrde Jäger in Haft genommen. Ferner wurden bei der.Kölner Handelt- bank Direktor Schmidt und der Vorsitzende des AufstchtSraieS Direktor, Thomas verhaftet. In der Angelegenheit der Allgemeinen Ortskrankenkasse ilt der JnHaver der Firma Weis- Weiler& C o Wilhelm Weisweiler, gest-rr verhaftet Word«». Nr. 100 Freitag, W. April 1008. Sette 8 > Hilfspolizei abgcsperrt; taS Betreten ist nur den Die Belegschaft ist verdreifacht worden und arbei- de Das chinesische Wurde« vor StaatSkommissär"gest«llt. Sämtlich« Arbeiter und Auf eineu Bretterzaun tu Rothau haben kürzlich Kommunisten Vie abgebildeten Parolen ausgepinselt. So stellen sle sich also Ihre„Einheitsfront* 1 vor) innnniiunnimniniiimimiiiniHinnininiiiinnuiniinniiininiiiiiinniiiiiiiiiinuiniiiiimiiiuuiiiniiiiiiiuiiiiuuiiniiiiiuiiiuiuiiiiiiiiuiiiiiuiiiiiiiiuiiiiiiiiiuuuuiiiiHiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiniiuiinimini • eg nalsozialistischen Partei, Abgeordneter Karl MoudrF, veröffentlicht in der Zeitschrift„So. bota"«inen Aufsatz, in dem folgende Stelle be- achtenSwcrt ist: „Wer aus eigener Anschauung erkannt hat, welch ungeheures Material Marxens Werk vor« stellt, und wieviel Jahre seines Lebens man dem Eindringen in die grundlegenden Lehren dieses Denkers widmen müßte, der wird In seinen rednerischen und journalistischen Kundgebungen vorsichtig sein. Der Marxismus lebt als politische Bewegung in verschiedenen Ausfassungen. Auch bei grundsätzlicher und ablehnender Kritik einzelner grundlegender Prinzipien ist cS vor altem wichtig achtzugeben, wer gegen den Marxismus kämpft und welchen Inhalt er seinen Parolen gibt. Das, was Hitler heute als Kampf gegen den Marxismus bezeichnet, ist der Kamps gegen den Fortschritt überhaupt, gegen dir Unabhängigkeit der wissenschaftlichen Forschung, gegen die freie künstlerische Kultur und gegen die Koalitionsfreiheit. Schon diese Tatsachen mahnen unS bei der Ablehnung gewisser Ansichten MarxenS nicht in die gefährliche Nachbarschaft Hitlers und seiner armseligen Nachahmern bei unS zu treten, welche nicht einmal so viel Charakter und Mut besitzen, um sich zu ihren Mustern offen zu bekennen, sondern alles zu uns anonym hereinpaschcn wollen." Diese Auffasiungen des Abgeordneten Mou- dry heben sich wohltuend ab von den antimarxistischen Zweideutigkeiten, die auch in nationalsozialistischen Blättern manchmal zum Ausdruck kommen. diplomatischen Protesten zu begnüge«, sonder« ein solche- Borhab««, das sich mit de« Interessen Italiens nicht verträgt, mit Waffengewalt zunichte zu machen. Im übrigen verlautet, daß Mussolini bei seinen kürzliche« Gesprächen mtt dem Vizekanzler von Popen und dem preußischen Ministerpräsidenten Goering auf diese Konsequenz ausdrücklich hingewiesen hat. Japanischer nebenan aui russisches Gebiet? Pejpiug, 27. April. DaS chinesische Militäroberkommando beobachtete am Mittwoch vormittags, daß die Japaner ihre Truppeneinheiten von der Front an der chinesischen Seit« der Großen Mauer eilends abzuberusen beginnen und eine Rückbewegung dieser Kräfte nach dem Norden emsetzt. Man glaubt daraus schließen zu können, daß ein bewaffneter Konflikt zwischen den japanischen und sowjetrussischen Truppen an den mandschurischen Grenzen in den Bereich der unmittelbaren Möglichkeit getreten ist. Der Konflikt an der Ostchina-Bahn Hot sich in den lebten Jahren außergewöhnlich verschärft. Die chinesischen Rcaierungskrcisc sind überzeugt, daß es in unmittelbarer Zukunft zu einem Zusammenstoß zwischen den Sowjets und den Japanern auf denr Schauplatz des letzten japanisch-russischen Krieges(1904/05) kommen kann. Ter Ooerkommandierende der chinesischen Truppen in Nordchina, Kricasminister Häsin t s ch i, veröffentlicht ein Kommuniquö, in dem eS u. a. heißt: Vertraulichen und genauen Informationen zufolge hat sich der Konflikt zwischen Japan und Rußland wegen des Waggonmaterials an der Ostchina-Bahn in der Nordmandschurei soweit verschärft, daß in jedem Angenblick«in Zusammenstoß bewaffneter russischer und japanischer Kräfte ganz ernstlich erwartet werden kann. Die Japaner haben in aller Eile von der Pesping-Front ein« Division und große Muni» tionSmrngen nach der Nordmandschurei abberu- fen. Sowjetrussische Truppen wiederum konzentrierte« sich in de« letzten Tagen längst der mandschurisch«« Grenze und in Wladiwostok. leulsdilaod tat Goering verschiebt 50 Millionen Mark an die Bäuerischen Motor-Werke. Aus Amsterdam wirv uns unler dem 23. April gemelvet: Die ungeheure Korruptionöricchcrei, die jetzt in Deutschland im Gange ist, hat die Aufmerksamkeit auf eine Gelvschiebnng von der grössten internationalen Bedeutung abgelenkt. vor etniger Zett zogen Vie Papiere der Bayrischen Motor-Werke plötzlich«m etwa 10 Prozent an. ES stellte sich heraus, dass die Werke Skteseuaufträge von der Reichsregierung bekommen haben, ohne dass man bisher feststellen konnte, welchNatur diese Aufträge sind. Nun hat sich herauSgestellt, dass Se-r RelchSminister Goering nicht weni- 8er alS 80 Millionen Mark an die BMW verschoben hat— im Zusammen» aug mit einem Auftrag, Flugzeuge zu bauen, für die die ReichSrcgierung die Pläne geliefert hat. ES handelt sich also um KriegSrüstungen Deutschlands, die iu «inen» Zeitpunkt unternommen werde», da die deutschen Bertreter aus der Genfer Abrüstungskonferenz von Abrüstung schwärmen. Ein ausgerüstetes Deutschland unter dem FaseiSmuü— eine Luftflotte unter dem Kommando GoeringS— die Bedrohung des europäischen Friedens durch die Tatsache« ist iu ihrem ganzen Umfang gar nicht abzuschätzen. Di« vier größten Waffensabrike« i« Suhl tet nunmehr mit Tag, und Nachtschicht. Die Be- ' den vor einiger Zeit unter Vie Leitung eines trieb« sind im weite» Umkreis« durch SA und StaatSkommissär gestellt. Sämtlich« Arbeiter und Hilfspolizei abgesperrt; da» Betreten ist nur den Angestellten, die nicht mindestens zwei Jahre ter Werksangehörigen und gegen SonderanStvelS ge- Hitlerpartei angehören, wurden fristlos entlassen, stattet. historische Partei 10(11), Sozialdemokraten 22(24), Liberale 7(8), Demokraten 6(7), Kommunisten 4(2), Reformierte StaatSparter 3 (3), Protestantische Reformpartei 1(1), Nationaler Bauernbund 1(1), Verband für den nationalen Wiederaufbau 1(0), Römisch-katholisch« Volkspartei 1(0), Christlich-demokratische Partei 1(0) und Revolutionäre Sozialisten 1(0). Bon den 53 Parteien und politischen Gruppierungen haben es also nur 14 zu Mandaten gebracht. Konzentrieruug großer Teile Reichswehr in Döberttz bei Berlin. Lebhast kommentiert wird di« Tatsache, daß der früher« Reichskanzler, General von Schleicher, dieser Tag« zu« ersten Mal seit seiner Entlassung am 30. Jänner vom Reichspräsidenten von Hindenburg»Privatim" empfangen worden ist; man glaubt, daß die höchst« Stelle des Reiche» den Gedanken erwägt, den militärischen AuSnahme- z u st a n d zu verhängen und de» Generäl von Schleicher mit der Durchführung zu beauftragen, falls die Nationalsozia» l i st c n am 1. Mai irgendwelche Borstöß« gegen die deutschnationalen Re» gier ungö Mitglieder untern« h m«n sollten. Ger HaOgesang der relgen. Einige der bürgcrlickfcn Provinzblättcr benehmen sich der Arbeiterschaft gegenüber besonders niederträchtig. Das„kühnste" dieser Preh- erzcugnissc ist zweifellos die„Rumburger Zci- tung", in deren Redaktion ausschließlich Fascisten zu sitzen scheinen. Die„Rnmburger Zeitung" schreibt in ihrer Ausgabe von» 23. April, daß sich die„ganze Unanständigkeit und Lumperei der niarxlstischon Denunzianten" im Kampfe gegen die sud.'icndcut- chen Nazis im hellsten Lichte gezeigt habe. Unsere klaren Angaben, zu deren Abdruck u n S „Der Tag" selbst gezwungen hat, veranlassen das feine Burgerblatt, zu brhonpien, daß wir lustig weitcrlögen. „Es kostet körperliche Ueberwiudung. sich m i l diesen! Pfuhl moralischer Gemein heit, der ans den nun erfolgten Angebereien wie ein P e st h a u ch st i n k t, abzuqe'aen." Diese und ähnliche Schimpfereien sind der „sachliche" Inhalt der Entgegnung auf unsere klaren Berichte. Unsere Mitteilung über die fünf Sebnitzer Nazis, die in der SA Dienst tun— inzwischen haben wir bekanntlich noch andere Namen genannt, ja, es ist ein Nazikurier in Uniform in Teplitz-Schönau sogar verhaftet worden — beantwortet die„Rnmburger Zeitung" also: „Weiters nennen die roten Blatter funk Nie- dereinstedler, die in der Sebnitzer Hilsspotizei Dienst tun.— Wie man sieht, alles unbewiesene und, nach der Rumburgcr Ersah, rung zu schließen, auch unbeweisbare Denunziationen..."(!) Und die sozialdemokratische Presse wird ob ihres Kampfes für Wahrheit und Freiheit von den dienstbaren Geistern der SA-Mörder also beschimpft: „Es war bisher das Borrecht gewisser Revolverblätter mit vorwiegend gesellschaftlich pornographischem Inhalt solche namentliche Denunziationen vorzunchmeu, bzh. anzudrohcn, um auf verbrecherische Weise Geld zu verdienen. Dir marxistischen Blätter sind mit der namentlichen Denunziation in einen erfolgreichen Wettbewerb mit diesem journalistischen Schandgewerbe getreten..." Wir haben nichts anderes erwartet. Erst schrien die Herrschaften nach Beweisen und als wir sie erbrachten, schimpften sie wie besessen. Hätten wir sie nicht erbracht, so hätten sie nicht weniger geschimpft. Gewiß: gegen Ehrabschneidung gibt cs sehr wirksame Mittel und wir werden mcht erman geln, sie der edlen„Rumburgcr Zeitung" gegenüber anzttwenden. Wichtiger jedoch al» dies« Maßnahme ist der unmittelbare Kamps argen«in« Presse, die sich zum Bedienten der Hitler und Goering erniedrigt hat und den Kampf gegen die Arbeiter, die nichtanderes tun als um ihr« Freiheit zu kämpfen, auf* dir unglaublichste Weise diffamiert. Der Kampf gegen den FasciSmuS ist in erster Linie ein Kampf gegen die Presse, die ihn schützt und tarnt. Und in diesem Kampfe, der eben jetzt durch unsere Pressewerbung geschlagen wird, hat jeder Proletarier, der durch die Schreibweise der bürgerlichen Presse von der Art der „Rnmburger Zeitung" auf das liesst« verletzt und beleidigt wird, Gelegenheit, seinen Diann zu stellen. Hinaus mit den bürgerlichen Blättern aus den Wohnungen der Arbeiter und der anderen Demokraten! Lest die Arbeiterpresse! Das muß der Ruf sein, den jeder Anlifascist von Wohnung zu Wohnung, von Mann zu Mann, von Frau zu Frau tragen muß. Wer in diesem Kampfe abseits steht, Hilst dem FaseiSmuS! Italienische Traunen an der Brenner-Grenze. SA-Oewaltstreldi In Wien geplant? Rom, 27. April. Di« italienische Regierung hat starke Truppen-Abteilungen an die Brenner- Grenze geschickt. Man bringt dies« Tatsache in Verbindung mit den Gerüchten, die vo« einem bevorstehenden Gewalt st reichreichsdeut scher SA i« Wien am 1. Mai wissen wol- le«. Italien scheint entschlossen zu sei«, sich im Fall« eines vo« d«n Nationalsozialisten erzwun genen Anschlusses Deutsch-Oester reich» an Deutschland nicht nur mit (iiiniiiiiiininniiiiiiiiniiiiiiiHiiiniiiiniiiiniitiiiintiiiiiiiiiiiniiHniiiiiiiiiiininiiiiiniiimiiiiiiiiimiiiiiiinnuuiiiiiiiiuiiniiiiiiiniiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiuiiiiiiimiiiiiiiiinuiuiiiiniiuiiiniiiiiiiuiuiiniiiiuiumi Wahlen In Holland Starke Zersplitterung der Stimme«. Amsterdam, 27. April. Auf Grund des vorläufigen Gesamtergebnisses der Wahlen zur Zweiten Kammer verteilen sich die 100 Abgeordnetensitze auf die einzelnen Parteien wie folgt: Römisch-katholische Staatspartei 28(1929: 30), Antirevolutionäre Partei 14(12), Chrisüich- Mechoslowalischer Staatsbürger an der Grenze verhallet. Wie rnan uns aus Weihwasser, Bez. Jaucrnig, berichtet, wurde dort am 25. April an der Grenze von reich-deutschen Organen der Genosse Paul Trcmer auS Weihwasser verhaftet. Genosse Trcmer ging am Dienstag, den 25. April vormittags von Weihwasser über die Grenze in das benachbarte Dorf Kamitz, wo feine Schwiegereltern und fein Schwager wohnen. Er hatte eitlen ordentlichen Grenzubertritt- fchcin bei sich. Als er am Nachmittag desselben Tages zwischen drei und vier Uhr nachmittags nach Weihwasser zurückkehren wollte, wurde er an der Grenze von einem deutschen Zollbeamten verhaktet und später von einem Landjäger nach P a t s ch k a u gebracht. Der Zollbeamte erklärte, daß er Trcmer verhaften mußte, weil der Anzeiger nicht weit davon stehe und eS um sein, de» Zollbeamten, Brot gehe. Am nächsten Tage kam auch auf dem Gerneindcamte in Weihwasser die Rede aus di« Verhaftung TremerS. Bczeich- nendcrwcsse äußerte sich nun der Gemeind.'ekre- tär Robert Kintscher, wie folgt:„ES ist noch einer voraemcrkt drüben, der soll auch noch dran kommen." Befragt, wer das sei, nannte er auch den Namen dieses Mannes. Wir fragen nun. woher weiß d«r Gemeindefekretär Kintscher, welch« Lent« man drüben verhaften will? Kommunistische Mathematik. Da«„NudS Pvtvo" behauptet vorgestern, daß es notwendig war, nach der Revolution in Rußland 180 Millionen Analphabeten zu liquidieren. Da eS nun 1917 in Rußland nur 140 Millionen Einwohner gegeben hat, hat eS in der Sowjetunion nicht «inen Menschen gegeben, der lesen und schreiben konnte und außerdem scheinen 20 Millionen Menschen alS Analphabeten doppelt gezählt worden zu sein. DaS Wunder, daß somit in Rußland 115 Prozent Analphabeten gewesen sind, nüißte di« kommunistisch« Presse aufllären. Vielleicht besteht des Rätsel» Lösung darin, daß die kam- munistische« Redakteure sich selbst zu den russische« Analphabeten rechnen. Tätlichkeiten im Parlament. Während der Rede deS Kommunisten Gottwald kam eS gestern im Parlament zu einem argen Zusam- meirstoh zwischen tschechischen Nationalsozialisten und einigen Kommunisten, die cs vor allem auf den Abgeordneten Bazala abgesehen hatten, der vor einiger Zeit al» Ersatzmann für einen Kommunisten ins Parlament gekommen war, sich hier aber den tschechischen Nationalsozialisten angeschlosscn hatte. Als Bazala dein Gottwald, der gerade den Parteien, die gegen den Fasris- mu» in der Tschechoslowakei kämpfen wollen, wärmstens empfahl, sich um die kommunistische(!) Partei zu scharen, einig« Zwischenruse machte, geriet er mit Kommunisten in einen Sweren Konflikt: diese beschämpften ihn Man- tSdicb und Provokateur. Die Auseinandersetzung wurde immer ärger und hatte eine Reihe von Ordnungsrufen zur Folge. Als Bazala gerade mit dem Kommunisten Hadek in eine er- regtc Auseinandersetzung verwickelt war, bei der .Hadek tätlich wurde, trat auch der Kommunist Ballo an Bazala heran und versetzte ihm einen Schlag ins Gesicht. Weitere Tätlichkeiten konnten von anderen Abgeordneten nur mit Müh« verhindert werden. Wechsel im ScnatSprästdium. Gestern wurde im Senat an Stelle deS Landbündler» Kahler, der auf seine Stelle im Senatspräsidium resigniert hatte, mit öS von öS abgegebenen Stimmen der Nationaldemokrat Votruba zum Vizepräsidenten gewählt. Der Wechsel erfolgte auf Grund einer Vereinbarung der beiden Parteien, die seit Beginn der SenatS- vrriode die eine Bizeprästdentenstell« abwechselnd besetze«. Die Wahl Votruba» hatte sich wegen der bekannten Differenzen zwischen dem Vizepräsidenten Klofaö und den Nationaldemokraren, die seinerzeit gegen Klofaö einen Untersuchungsausschuß beantragen wollten, verzögert. Diese Differenzen wurden jchoch vor einiger Zeit durch Vermittlung der Stnairprästdenten Dr. Soukup beigelegt. Was Mrd sm l. Mal in Berlin? SA-Konzentration. v« rli«, 27. April. In Berlin und i« der Mark Brandenburg werde« die Vorbereitung«« zu einer Masse«. Einquartierung der SA und SS während der 7 um de« 1. Mal getroffen. Seit Anfang Woche treffe« täglich n«u« bewafs Formattonen«in auS Nordbayer«, Sach. se«, Thüringen, Hannover, Schleswig-Holstein und Schlesien. Rach unseren Informationen wird die Einquartierung bi» zum 1. Mai aus rund 300.000 Mann gesteigert werden. Daß in Verbindung mit dem„Feiertag der deutschen Arbeit"«i« großer politischer Schlag durchgesllhrt werden soll, ist offenes Geheimnis in o«n Kreise« der Nationalsozialisten. E s scheintindessen, daßauch dieGruppe um Hugenberg ihre Gegenmaßnah me« getroffen hat; hierzu gehört die Seite 4 Freitag, 28. April 1933. Nr. 100 Einmülioe Ablehnung Inscisflsdier Methoden. Die AaOendcballe In der Kammer. Prag, 27. April. Auch dir heutige außen- politische Debatte int Abgeordnetenhaus stand auf einem außergewöhnlich hohen und sachlichen Niveau. Bon den tschechischen Koalitionsrednern ist vor allem das aufrechte Bekenntnis des Na- tionalfozialisten Dr. S t r a n f k y zur Humanität auch in der Politik zu vermerke». Er bejaht die Frage, ob die Wünsche der Deutschen nach nationaler Freiheit und Telbskbe- stinimung im Nahmen der Verfassung befriedigt werden können, und zeichnet als Endziel die über der Staatssonvcränität stehende Souveränität einer aklmcnschlichcn Gesellschaft der Nationen, die in Exekutive wie in der Organisation ihren entsprechenden Ausdruck findet. Der tschechische Genosse M a r k o v i<'• verwahrt sich in entschiedenster Weise gegen die Gehässigkeiten seitens der, ungarischen Parteien dieses Hauses. Die Revision sei bloß eine Angelegenheit der ungarischen Aristokrat:», die ihre beschlagnahmten Güter diesseits der Grenze nicht vergessen können. Dr. G o l d st e i n(jüd. Part.) verlangt Maßnahmen des Völkerbundes zum Schutz der deutschen Juden, etwa eine Bölkerbundanlcihe in ähnlicher Form wie jene, die seinerzeit zur Evakuierung Kleinasiens von den Griechen diente. Spa 5ek(Rat. Dein.) ist befriedigt, daß die pazifistisch:» Träume heute auageträumt seien. Er spricht sich jedoch ausdrücklich für eine demokratische Regiernngsform als Voraussetzung einer besseren Zukunft der Völker aus und lehnt Diktaturen ab. Nur dem früheren Minister N a j m a n lGew. Part.) blieb cs Vorbehalten, seiner rückhaltlosen Bewunderung für Mussolini in beredten Worten Ausdruck zu geben und zu versichern, daß er gegen die Tschechoslowakei eigentlich gar nicht voreingenommen sei._ Von deutscher Seite führte K n i r sch(Rat. Soz.) einen wahren Eiertanz auf. um ja aus der Rolle des braven Kindes, das nichts anderes als die Selbstverwaltung will, nicht hcranszusallen. Die Ausführungen Bencss über Deutschland findet er sogar„sympathisch" und verspricht, daß sie„ihr Echo nicht verfehlen werdens'. Er„bedauert" die verschiedenen(durch ZA.-Bauden hervorgerufenen) Zwischenfälle an den Grenzen; aber die 2A. sei doch keine Hilsstruppe der Reichswehr, sondern nichts anderes als etwa der Sokol(der dürfte sich schön bedanken!).„Einzelerscheinungen" der Revolutionstage dürfe man nicht verallgemeinern etc. Das gibt ihm eine schöne Uebcrleitnng, um gegen die„Verhetzung" zu Protestieren und zu drohen, daß sich diese für uns„nur u n g ü n st i g" auswirken könne. Weiters sprachen von deutscher Seite Doktor Luschka(christl. Soz.) der sich bei Bene- förmlich entschuldigte, doch gegen das Exposee stimmen zu müssen, und Dr. P r t c r i von der AWG, der verlangt, daß„mit politischen Verfolgungen endlich einmal Schluß gemacht oder Beweise erbracht" werden. Auch er reklamiert also den Schuh der Demokratie bedenkenlos für ihre ärgsten Widersacher! Zierhut(BdL.) verlangte. eine verständige Innenpolitik. Er zieht einen scharfen Trennungsstrich zwischen Demokratie u n d Fa s e i s m us und erklärt cs als das Gebot der Stunde, die Demokratie rücksichtslos, konsequent und energisch gegen alle Angriffe von links und rechts zu schützen. Dringend urgiert er die endliche Lösung der nationalen Frage im Sinne des Kvehla-WortcS von den Gleichen unter Gleichen. Nach dem Abschluß der Außendebattc nahm das HauS noch die Referate über den Aufschub der landwirtschaftlichen Exekutionen, über eine Fristverlängerung im Bodenreformgesetz und über die Gebührcnnovelle entgegen. Zn den beiden letzten Vorlagen entfällt jede Debatte; die Abstimmung über das BeneS-Exposs sowie die Debatte über die landwirtschästlichc Vorlage wird in der morgigen Sitzung, die um 9 Uhr früh beginnt, durchgeführt werden. T agesneuigkeiten Statt Gehalt- Gewalt! Amerika, du hast es nicht besser! Chicago, 27. April. Die hiesige» Blätter erklären, daß„unbezahlte Polizisten am Mittwoch mit ihren Gummiknütteln nicht» bezahlte Lehrer auf das Pflaster nieder» schlugen", olü diese versuchten, einige Banken zu stürme«. Die Lehrer benützten ihre Friihsahrsferie», um Protestversammlungen zu veranstalten, i« welchen sie die Auszahlung ihrer ausständigen Gehälter in der Gesamt» höhe von etwa 30 Millionen Dollar verlangte». Berittene Polizei umstellte jedoch die Bankhäuser und unternahm mehrere Angriffe auf die vemonstrierenden Lehrer, die wiederum den Polizisten Bücher und ähnliche Gegenstände entgegenschleuderten,. wobei zwei Lehrer von den Polizisten ernstlich verletzt wurden. Miidchenraub kn Budweks. Böhm.»Budweis, 27. April Gestern um 4 Uhr nachmittags lockte auf dem Ringplatze in Böhm.-Krumau ein unbekannter Autoinhaber die l 4jährige L. K., Schülerin der t. Klasse der deutschen Bürgerschule in sein Auto, das die Nummer 6741 trug. Als das Mädchen sich widersetzte, ergriff cs der Mann, zog cs in das Auto und fuhr im raschen Tempo zu den Petschmüh- len. Als der Vater von der Entführung des Mädchens erfuhr, ersuchte er die Gendarmerie um Hilfe. Diese verfolgte mit einem Auto den Täter und auf der Straße hinter Ebenau wurde das verfolgte Automobil gesichtet. Der Chauffeur hielt erst auf mehrmalige Aufforderung der Geu- darmerie und wurde nach dem Verhör der Schülerin verhaftet. Es handelt sich um den.Handelsvertreter Heinrich Kafka aus Turkowitz, der heute in die-Haft des Kreisgerichtes eingeliefert wurde und zwar wegen des Verdachtes des Ber- brechens der Entführung und der Vergewaltigung. Gleichmütig wurde gegen Rudolf 8tlha die Strafanzeige wegen Veihrlsc zur Entführung erswttet. Ein ruhiger Tag im Brunner Fa eistenprozeb Weitere Angeklagteneinvernahmen.— Sämtliche Angeklagte fühlen sich unschuldig. Brünn, 27. April.(Eigenbericht.) Nach den beiden interessanten Vortagen des Prozesses ver- lief der heutige Prozeßtag ruhig, ja, fast langweilig. Einvernommen wurde» die drei Unterführer Kobzineks beim Sturm auf die Kaserne in » Schimitz M l ü c k, 8 u 8 l if und Ncdv ö d i e ky, die sämtliche erklärten, sich vollkommen unschuldig zu fühlen. Tic ersten zwei, die bei der Polizei und beim Untersuchungsrichter geständig gewesen waren und fast alles zugegeben Haien, was ihnen in der Anklage zur Last gelegt wird, erklärten nun heute, bei der Polizei geschlagen worden zu sein und nur unter schwersten Druck ausgesagt zu haben. Ein wenig komisch wirkt bei allen Angeklagten die vollständige politische Laienhaftigkeit und Unwissenheit; nicht einmal die primitivsten politischen Grundbegriffe scheinen ihnen bekannt. Johann Mlüek, der Bntschowitzcr Bezirks- führer der sascistischen Jungmannschaft, der angc- klagt ist, die Angreifer gesammelt und nach Brünn gebracht zu haben, hat sich selbst aktiv am Putsch beteiligt. Er gibt an, daß ihm Kobzinek und äuvlik gesagt haben, daß der Landesmilitärkom- mandant von Mahren General B o j c e ch o s s k v und der LandeSgendarmerickommandant, General Putt na, an Gajda das Verlangen gestellt haben, z tu A bwchr eines k o m m u n i st i- s ch c n Putsche«, der für den 22. Jänner drohte, die Faseisten in das Militär einzureihcn. Lllrr aus diesem Grunde und in der Annahme, daß cs sich um eine nationale Tat handle, hat er sich an der Besetzung der Kaserne beteiligt. Aus dieselbe Art verteidigt sich auch Friedrich 8uölik. der die Angreifer aus der Butscho- witzer Gegend nach Brünn geschasst hat und der außerdem angcklagt ist, gegen den Soldaten Heinrich Kinder m a n n, der bekanntlich beim Putsch schwer verletzt wurde, die Waffe gebraucht zu haben. Vor allem 8nslik beklagt sich über schwere Mißhandlungen von feiten der Polizei und bestreitet jede Schuld an der Verletzung KindermannS. Ter pensionierte:)!ottmeistcr Franz Ncd- tz ö dick« war der Führer der Sturmabteilung, die das Haupttvr der Kaserne besetzte, und soll sich selbst au der Schießerei in den Gängen beteiligt haben. Er gibt wohl zu, von Kobzinck eine Pistole erhalten zu haben doch will er den Beweis erbringen daß aus dieser Pistole nicht geschossen wurde. Von den Leuten seiner Abteilung haben nur 8uüiik und Kotolan geschossen. In der Besetzung der Kaserne mit Wissen der Offiziere und Rottmeister sah er den Beginn der nationalen Revolution, die einer kommunistischen Aktion zuvorkommen sollte. Um 1 Uhr vertagte der Vorsitzende die Verhandlung aus Freitag. Wo bN«?b denn da die Grenzaufficht? Am Dienstag in ver sechsten Abendstunde donnerte von Großschönau kommend ein mit zwei voll adjustierten(Unisorin, Hakenkreuzarmöitide, Lederzeug) SA-Leuten besetztes Motorrad die Zittauerstraße heraus, machte ein Stück oberhalb des Gasthauses„Zunt Orient" kehrt und fuhr, ohne angehalten zu werden, wieder nach Groß schönau zurück. Wowardenn, somußdoch gefragt werden, die tschechoslowakische Grenzaufsicht? Konnte sie der direkten Verhöhnung der diesbezüglichen tschechoslowakischen Grenzübertrittsbe« st i mm ungen durch uniformierte SA denn in keiner Weise begegnen? Uniformierten SA-Leuten ist der Uebertritt in die Tschecho- slowakci verboten, dieses Verbot ist der SA auch zur Genüge bekannt und trotzdem unternimmt sic solche Vorstöße als wie der am Dienstag abends erfolgte und nieman di st d a, dersie daran hindert. Wir wollen hoffen, daß zu dieser Hacke doch noch ein Stiel gesunden werden wird. Angeblich soll die sächsische SA, als sie die Grenze ungehindert wieder zurückpassierte, zum tschechoslowakischen Zollamte„Guten Morgen! hinübergerufen haben. mile Ittr Deutschlands Arbeiterklasse Arbeiter, Gewerkschafter, Sozialisten aller Lander!. Der Faseismus hat in Deutschland gesiegt. Zerstörte Volks- und Gewerkschaftshäuser, unterdrückte Arbeiterzeitungen kennzeichnen seinen Weg. Hunderte deutscher Arbeiter mußten unter dem Dntckc niaßlosen Terrors ihre.Heimat ve.r- lasien. Tausetidc deutscher Arbeiter sind in Gefängnissen und KonzeirtrationSlagern eingesperrt. Die Pflicht internationaler proletarischer Solidarität gebietet: Unterstützt di« Opfer des deutschen Faseismus! Helft ihre Notlage mildern! Der Matteotti-FondS wurde gegründet, um in erster Linie den Opfern Mussolinis Hilfe zu leisten. Er hat später eine große erfolgreiche Aktion für die Opfer Pilsudskis durch- geführt.' Tas, was unter Hitler in Deutschland geichieht, ist die Synthese des Systems Mussolini und des Systems Pilsudfki. Die Exekutive der Sozialistischen Arbeiter- Internationale und der Ausschuß des Internationalen Gewerkschaftsbundes haben beschlossen, ! ihre Hilfsaktion durch unseren Internationalen Hilfsfonds für die Arbeiterbewegung in den Ländern ohne Demokratie, durch den Matteotti-FondS, zur Durchführung zu bringen. Wie bei früheren besonderen Aktionen des Matteotti-FondS soll cs auch diesmal jeder Organisation und jedem einzelnen frcistchen, seine Widmung dem besonderen Zweck, nämlich der H i l f e f ü r D c u t sch l a n d S A r b eiterklasse, zuzuweisen. Wir rufe» die gewerkschaftlichen Landcszen- tralen, die gewerkschaftlichen Berufsvevbände, die politischen uitd kulturellen Arbeiterorganisationen aller Art auf, Hilfsaktionen für die deutsche Arbeiterklasse cinzuleiten. Alle Spetcden sind cinzusenden an den Matteotti-FondS per Adresse; Sekretariat der Sozialistischen Arbeiter-Internationale, Zürich 6, Ottikerstraße 24, und mit dem Bernterk zu versehen:„Hilfe für Deutschlands Arbeiterklasse". Zürich, den 11. April 1933. DaS Komitee zur Verwaltung des Matteotti- FondS: Ziehung der KMenlotterir vom 27. April. Eine Million Kronen gewinnt Los Nr. 15.771». 1,000.000 K: 15.778. 10.000 K: 10.686, 10.148, 61.674. 5.000 K: 1.453, 8.959, 11.214, 29.388. 31.301, 34.067, 55.274, 82.459, 87.159, 90.646, 93.356, 97.543, 97.935, 100.506 2.000 K: 349, 2.736, 2.094, 3.705, 8.812, 16.411, 16.816, 19.528, 28.732, 29.115, 29.370, 29.802, 32.428, 34.955, 87.044, 40.401, 41.236, 42.518, 43.284, 46.530, 47.288, 49.269, 53.103, 55.208, 56.832, 60.523, 60.681, ■63:678, 64.215, 69.974, 71.887, 73.939, 78.582, 80.288, 81.724, 81.973, 85.641, 88.180, 88.215, 88.453, 88.737, 90.892, 90.837, 91.816, 91.908, 91.998, 06.823, 96.867, 98.600, 99.965, 100.354, 101.650, 102.286, 102.648, 103.340- 1.200 K: 4.936, 7.642, 9.806, 12.031, 12.512, 16.804, 18.785, 25.220, 27.421, 29.126, 31.602, 36.936, 40.296, 42.182, 42.623, 43.304, 43.968, 44.338, 44.461, 46.856, 47.764, 49.319, 52.633, 52.714, 59.516, 59.917, 60.797, 61.893, 65.789, 70.907, 71.402, 71.860, 73.018, 74.737, 76.899, 78.901, 80.439, 83.190, 85.623, 87.153, 89.801, 91.524, 92.265, 92.561, 95.709, 99.481, 100.869, 101.096, 104.542. Das mit einer Million gezogene Los wurde in vier Vierteln verkauft. Die glücklichen Gewinner sind zwei Spieler in Nordböhmen und zwei Spieler in Prag. Tod bei der Arbeit. Im Antmoniakwerk Merseburg kam cs in der vergangenen Nacht zu einem Wasserrohrbruch, der einen überraschenden Gasausbruch zur Folge hatte. Ein Meister mrd ein Arbeiter, die an der Gasreinigungs- maschine beschäftigt ivaren, zogen sich so schwere Gasvergiftungen zu, daß alle Wiederbelebungsversuche vergeblich blieben. Der kulturelle Rückschritt. Die Gablonzer Nazis haben sich eitlen netten Scherz erlaubt: in der von einer Bersammluitg der dortigen Ortspartei angenommenen Entschließung heißt cs nämlich, daß der Rundfuukcrlaß einen kulturellen Rückschritt bedeute. Der Erlaß fei geeignet, das kulturelle Leben des deutschen Volkes zu untergraben.— Was die blondgelockten Bubis Kultur nennen.' Uns dünkt, die deutsche.Kultur wird vor allem dadurch bedroht, daß es im Machtbereich der Hunnen überhaupt Sender gibt. Sender, die man leider deutsch nennen muß, obzwar sic nur dazu dienen, das deutsche Ansehen tn der Welt und die deutsche Kultttr zu schänden. Wer an deni„kul- tttrellen" Leben teilnehmen will, das sich gegenwärtig im deutschen Schundfunk äußert, dem kann geholfen werden: er kaufe sich einen Rundfunkempfänger und verrichte in stiller Klause sein Gebet an Hitler und Goering. Er verschone aber die Sudetcndeutschen mit Protesten, die gegen ihren Schutz vor der Hnnnenkultnr gerichtet sind. „Ueber die gegenwärtigen Reichsgrenze» hinaus!" Mittwoch abends um acht Uhr wurde über alle deutschett Sender mit Ausnahme des Berliners ein Kurzschrift-Diktat gegeben. Der Stcnogrophielehrer hielt eine einleitende Ansprache. in der er u. a. feststellte, daß fein Gruß allen Deutschen, auch denen außerhalb der gegenwärtigen Rcichsgrenzen, gelte.— Außerhalb der gegenwärtigen Reichsgrenzen? Sollte cs dort Knechtseolen geben, die Lust haben, sich in den deutschen Kerker zu begeben, so soll sie niemand daran hindern. Sollten. die Kriegshetzer, die jetzt den deutschen Rundfunk verpesten, jedock; Lust verspüren, die außerhalb Deutschlands in größerer Freiheit lebeickien Deutschen zu„befreien", so werden sie wohl eine Antwort bekommen, daß ihnen Hören Vom Rundfunk Arbeitersportler, Achtung! Tie Ergebnisse nebst einer kurzen Schilderung des. Spielverlaufes der beiden Arbeiterfußball-Ländcrspiclc um die Eurcipa-Meisterschaft zwischen Oesterreich— Ts chechoslo- wakci(Atu«), die am Sonntag, den 80. April in Karlsbad und Montag, den 1. Mai in Bodenbach stattsinden, werden an beiden Togen durch den Prager Sender im deutschen Nachrichtendienst des Preßbüros bekanntgegedeu, worauf wir besonders aufmerksam machen. Empfehlenswertes aus den Programmen. SamStag: Prag: 6.15: Gymnassik, 11: Schallplatte», 17: Dr. 3vab: Einiges über Röntgenstrahlen, 18.25: Deutsche Sendung: Dichterstunde, 19.10: Pros. Römer: Zurück zur Natur.— Brünn: 17: Schall» platten, 18.25: Deutsche Sendung:.Konzert, 19.25: BolkSblaSmusik.— München: 20: Bunter Abend.— Berlin: 16: Orchefterkorqert.— Leipzig: 19: Orchesterkonzert.— Frankfurt: 16.30: Akkordeon- Duette, 23: Nacht-Kabarett.— Men: 16.40: Thor- vorträge, 19.20: Klaviervorträge, 20: Bunter Abend, 22.15: Tanzmusik. und Sehen vergehn wird. Ter PesÜordon um Deutschland wird während der Dauer der Fasci- stetcherrschaft weder freiwillig noch durch Zwang gelockert werden. Gunst statt Kunst. Ans Berlin wird gemeldet: Kultusminister Rust hat den Professor Dr. S ch ü n m a n n in_ seiner Stellung als Tirektor der Hochschule für Musik mit sofortiger Wirkung beurlaubt und zu seinem Amts- Nachfolger den ordentlichen Professor an der Universität Kiel Generalmusikdirektor Dr. Stein ernannt. Selbstmord. Einer der bekannteten Persönlichkeiten des Obersten Gerichtshofes in London, der Richter Mc Gardie, wurde in feiner Londoner Wohnung mit durchschossener Schläfe tot aufgefunden. Neben ihm lag ein Jagdgewehr. Me Gardie war in der letzten Zeit zweimal an Grippe erkrankt und klagte während der langandauernden Rekonvaleszenz' über Mat- tigkeit und körperlichen Kräfteverfall. Wer hat das Meteor gesehen? Sonntag, den 93. April d. I., um 20 Uhr 08 Minuten flog wahrscheinlich über die Länder des tschecho- flowakischen Staates ein großes. Meteor. Es wird unt Einsendung von Beobachtungen dieser Naturerscheinung an die Stefanik- Volks- Sternwarte in Prag TV., Na Pelkinö, ersucht. Am wichtigsten sind Angaben der Lage der angenommenen Bahn des Meteors und eveN tnelle Nachrichten über Dcwnationen. Der neueste Stumpfsinn: Goldene Finger- nagel! DaS Lackieren der Fingernägel ist nichts mehr Neues. Tic Profcsioren des Pariser Schönheitsinstituts bringen die neueste„Errungenschaft" auf den Markt: Fingernägel mit Gold oder Platin zu färben! Tiefer Spaß dürfte nicht billig fein, auf afl« Fälle teurer als der in letzter Zeit fo beliebte Lack. Rosa, karminrote, schwarze, perl- mutterfarbcnc, lila und blanc Fingernägel sind „nicht mehr modern". EnMcher Spion wlrdtzttlermaun! Wir lesen im„Daily Hcvaid": Die deutsche Regierunasprefse meldet in sensationeller Aufmachung, daß ein früherer englischer Fliegeroffizier, der„Kapitän" Bwian Sanders, sich um die deutsche Staatsange- hörigkeit beworben habe und nunmehr eine führende Stellung in der Hitlerpartei einnehmen werde.„Kapitän" Sanders ist hierzulande kein Unbekannter; er Pflegt sich mit besonderer Vorliebe als Offizier des britischen Generalstabes oder als Doktor der Philosophie der Universität Lmrdon(ein« Universität, die er immer nur von außen zu sehen bekommen hat) zu bezeichnen. Sein Austritt aus der Gemeinschaft der britischen Staatsbürger wird jedenfalls nicht als Verlust cnrpfunden werden^.Herr Sanders hat eine bunte Geschichte. In früheren Jahren war er Mitglied des englischen Geheimdienstes und hat(mct Erfolg) gegen Deutschland gearbeitet. Bald darauf wechselte er die Flagge: er trat über in die deutsche Spionage-Abteilung und arbeitete als britischer Staatsbürger gegen Frankreich. Das Schicksal ereilte ihn im Jahre 1927; Sanders wird in Frankreich zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach erfolgter Abbüßung dieser Strafe ging er endgültig nach Deutschland, ließ sich in Weimar nieder und unternahm BortrvgSreisen quer durch die Staaten Mitteleuropas, um die ,Alleinschuld" Englands»lnd Frankreichs am WelEricAe nach- zuweisen; er behauptete, die schlüssigen„Beweise" oafür in den Händen zu haben, daß der ver- swrbcne König Eduard VII. das Komplott geschmiedet bat, während Oesterreich-Ungarn und Deutschland überhaupt„nicht gewollt" haben. Im übrigen kennt er^ich in Deutschland und in den deutschen Verhältnissen gut aus: von 1919 bis 1921 gehörte Herr Sanders zur interalliierten Kontroll- Kommission für die Luftfahrt und zeichnete sich durch die unsachlichste Gehässigkeit gegenüber Deutschland aus,— eine Tatsache, die schließlich zu seiner Entlassung führte. Daß er nach diesem Lebenslauf zwangsläufig in der Bewegung der Herrn Hitler enden mußte, ist beinahe selbstverständlich. Wir beglückwünschen den.Herrn neu* oeutsche» Reichskanzler zu dieser Errungenschaft. Und wir beglückwünschen England zu diesem Verlust! Rt 1VV Fvektag,«.«prkk 1S8V. jtnt k» Wie er aussieht« Don Konrad Heiden. Er ist eitel bi» zum Wahnwitz. Napoleon, BiSmarck, Goethe waren es auch auf mehr oder minder feine Art. Friedrich. Scharnhorst, Lenn waren«s nicht. Eitelkeit an sich ziert und schände« nicht; es kommt darauf an, worauf einer eitel ist. „Was ch faflc und tue, gehört der Geschichte an" — die- W rt au» einer früheren Periode seines Ausstieges stehl haar'charf auf der Grenze zwischen schöpferischem Sclbstbcwußtscin und Albernheit. I» den Anfängen äußert sich die Eitelkeit nogat v: er verbietet, Bilder von ihm zu verbreiten. Möglicherweise spielt ein äußerer Grund mit: er hat einen soldatischen Spitzbart aus den«rsien NachkriegSjahren sich abnehmen lassen und er und seine Umgebung muhten sich an das neue Bild erst aewöhnen. Aber>'elbst, wenn es ein glücklicher Zufall war: er»utbc als der Mann, dessen Gesicht man nicht kannte, zu einem aufregendem Geheimnis. Die Frager„Wie sicht dieler Hitler eigentlich aus?" reizte d e Münchener Bevölkerung nilht weniger als einige Jahre die andere: „Der ist dieser Hitler, dem die bieg crung dauernd das Reden verbietet?" Ta» Geheimnis um leine Person ist aber nicht nur Propagandatrick. Der Mann hat von Natur etwas Verstecktes, sein Leben liegt Nicht offen vor den Kameraden. Fragen nach seiner privaielt Eristenz beleidigen ihn. Und mag auch sein Freund Heß aus angeblich grnauer Kenntnis versichern:„Ich weiß, auchdele Seite ist rein"— sie glauben es ihm nicht. Möglich, daß gar nichts zu verbergen wäre. Nach allen Merkmalen gehört Hitler zu den Naiuren denen e» einfach wider den Strich geht offen zu fein. Wer ihm vertraut, muß glauben, ohne zu wiffeit. So belädt er gerade durch feine Heimk ch- keit da» VerhÄtniS keiner Anhänger zn ihm m't besonderen Gemütskrästen— ei» alte» Propheten- rezept. Seine zivile. AllerweltSkleidung. auch heute noch mit Bedacht von keinem Kleiderküustler von Ru» bezogen hob ihn in den ersten Jahren geradezu aus den grau-schimmeligen Phantasie- unisornien der damaligen Führer der Rechten herau». Später kle bete er sich häufiger in die SÄ-Unisrrin. damit keine Soldaten ihren obersten Kr'cg-Hcrrn nicht vergessen.„Richtig" ange- zogen ist er aber erst, wenn nach zwei Stunden heißer Red« der Kragen w r ein feuchter Strick um den Hal» gedreht ist die Haare an den Schlö- ftn kleben, di« Aermel verrutscht di« Knöpfe abgerissen sind. Für öffentliche- Auftreten in„staatSwänni- scher"-Haltung hat er sich eine Pose erdacht, die sicht! ch Napoleon» gekreuzte Arme ersetzen soll: er legt die Unterarme Parasiel zueinander in« rechten Winkel zum Oberarm quer über den Leib, «inen Ellbogen in der hohlen Hand. ES sieht lehr beherrscht au». Sein Antlitz ist für die Anhänger eine Verlegenheit, für die Gegner Schadenfreude. Keine Beschönigung hilf« darüber hinweg, daß es ein nchtSsageudetz Gesicht ist. Der Münchener Rassenhygieniker von Gruber Hal eS für schlechte Rasse erklärt und da» eingehend begründet. Die dunkelblonde Haarsträhne, da» Bürstchen«lnter der Nale sind so alltäglich wie möglich. Höchsten»'n den Augen gl«n«mk etwas. Im Zustande der Erregung scheint ein Namenloser dazustehen der unbekannte Soldat, der plöhl ch die Gedanken von Millionen Namenloken anSsprich« Gedanken, wegen deren drei Jahre zuvor die nawenloken Kameraden im Schüvengraben den„Verrückten" auSgelach« haben. Vielleicht sit die» überhaupt der Schlüssel zur ganzen Persönlichkeit: Durch- schn ri in höchster Ausprägung. Indcsien: sehen denn bedeutende Männer auch immer„bedeutend" au»?® t haben all« ein Gefühl des Mißtrauen» gegen Leut«, di« mit Goethe, oder Rapoleonköpfen daherkomwen und cS ist bekannt, daß die großen Männer meist erheblich ander» auSgeieben haben, al» ihr« volkStüm- lichen B ldrr: di« Schönmalerei vieler Epochen, jedenfalls aber de» 18. Jahrhundert» pflegte da da» Abnorme Einseitige. Krankhafte daS oft der Msiognomifche Ausdruck der großen Leistung ist, unter Inpiterzügen zu begraben Man brauch« nur einen Kopf, der kelbst dielen« Stil verfallen «lt Mullol ni. mit fe’iten auis Pkeudo-Napolro- y'sche znrechtgeinachten Photos-u vergleichen: wie wenschtich und büraers-ch sieh: dicker dicke D'kta- tor doch ow«! Daß Hitler nicht^o onssieh« wie de großen Männer auf den Gedenktafeln, sagt nicht» I» Stoffschuh und Holzpantinen. Ein eigen Geschlecht von Frauen«— Das Land der wandemdeu Mfinner] Lasten von einst und jetzt« Don Grete Aertlng. Frauen von heute und Frauen von einst... bei uns Europäern gab es immer diese Unterscheidung. E» gibt aber Länder und Epochen, in denen da» Einst und Heute ganz besonders kraß «n Erscheinung tritt. DaS ist im Tessin der Fall. Die Alten der alten Zeit gehen eingemummt in ihre weiten faltigen Kleider. Bi» über die Fußknöchel reicht der Rock. Die Taille, ist vorn zugeknöpft und oben am.Hals mit einer niederen Biese geschlossen, die Aermel lang und glatt anliegend. Um den Kopf schlingen sic einen schwarzen Schal, der im Nacken geknotet wird. Vielleicht ist auch eine kleine verlorene Blumenranke auf daS Tuch gedruckt. Vielleicht schauen auch schwere goldene Ohrgehänge hervor. ES sind meisten» di« zu einer Rosette geschlungenen Schleifen der achtziger Jahr«. Sonst ziert kein Glanz da» einfache dunkle Kleid. Eine weite Kattun- oder Wollschürze deckt den Rock fast zu. Sie geben lautlos durch die engen steinigen Gassen, diese Frauen von einst, so, als ob sie im Schatten ryrer Ahnen atmeten. Meist tragen sie ihrer Hände Fleiß an den kleinen, in grobe Schafwolle gekleideten Füßen. Die Schuhe sind aus dunklem Tuch und haben au» mehrfachen Stoffresten, mit Schnüre«« aufeinander genähte Sohlen, die recht haltbar sind. Meist bleibt die alte Frau in ihrer Wohnküche am Ka«nin sitzen, strickt und näht neben ihren HauSgeschäfteii. Manchmal steckt sie sogar noch den alten Spinnrocken unter den Arm, um Schafwolle zu zwirnen. Selbstgesponnene» Leinen ist im Tesiin sehr rar geworden und taucht nur noch au» alten Truhen auf. Auch am Kamin plaudert e» sich ganz schön. Dann kommen die Erinnerungsbilder. Die ach so selig-unselige Zeit vor vierzig Jahren... Da haben die Frauen mühsam die Lasten bergauf und bergab geschleppt, während die Manner in fernen Landen al» Maurer und Handlanger da» nötige Bargeld für die stille fruchtlose Zeit verdienten, oder auch in gemütlicher Seelenruhe den Herrn am heimatlichen Herde spielten. Das Bergheu mußte in Tragkörben heruntergebracht u»id für die Aelpler mußten die Nahrungsmittel heraufgefchafst werden. Wer sich dafür verdmgte, bekam für einen Gang von ea. drei Stunden Aufstieg ganze fünfzig helvetische Centime». Die wenigen, in der Heimat gebliebenen Männer waren sehr begehrt. Sie waren die Schnitter für» Heu und Getreide und mußten reihum auShclfen. Dafür wurden sie dann mit dem besten, dem.allerbesten Nostrano bewirtet. Dort aber, wo die Batzen rollten, konnte e» noch unterhaltsamer'sein und über» Jahr, über» Jahr, al» die Rosen blühten, da zogen manchmal die Letzten hinau» in die Weite. Und wenn wiederum oer Nostrano gekel- «er« werden sollte, da waren sie wiederum alle, alle, m.t wenig Ausnahmen, da. Dann rief die Arbeit im Hrnnatland und da» Herz schrie so laut, so gebietend. Heiter lachende Seen unter hochblauem Firmament schauten wie eine Fata Morgan« über die Alpen. Im Norden wehten die yerbststürme und auf die geliebte Heimaterde goldete die Sonne des Südens. Im Frühjahr gruben d»e Frauen den Acker um. wo e» anging, spannten sie selbst vor den Pflug und da» war noch die unterhaltendste ihrer Arbeiten. Da wurde viel gelacht, geschwatzt, denn ei» hoffnungsvolle- neue» Jahr hatte be- gegen ihn: wohl aber, daß er so spricht, wie sie in den Lesebüchern. In den letzten Jahren hat das Antlitz sich mehrmals gewandelt. Zunächst bekam e» Inhalt: Schicksal schien au» e nem Stück Rohstoff einen Mann gemacht zu haben. In neuester Zeit zeigen sich frühe Anzeichen de» Alter» und der Der« wirriing. Die weit Hitler» Geist ein medizinische» Problem ist. ist vorläufig noch«in Geheimnis seiner Aerzte. Wer ihn häufig sah. dem konnten aber die pathologischen Züge nicht entgehen. Symptome! m Verhalten sind die Anfälle von Men'chenscheu, Flucht-n die Einsamkeit, zuweilen unzurechnung»- Phigc Reden. Eia alter Reger lagt. Bon Ulf Dietrich. Auf den rohen Holzbänken saßen dichtgedrängt Kopf an Kopf, die Arbeiter und Bürger dcr?snd>istricstadt und blickten au» dem Halbdunkel des ZrltcS in di« hell erleuchtete Manege. Clowns und AnHuste machten ihre alten Witze und Scherze, die immer wieder Beifall und Lachen finden. Eine junge Reiterin führte die Hohe Schule de» Keinen Wanderzirkusses vor, Seiltänzer und Trapezkünstler zeigten ihre Geschicklichkeit. Mit lautem, bechernem Tusch wurden di« Cowboys begrüßt, die bunt und stürmisch, mit Schießen und Geschrei in da» Zelt sprengten. Nach wilder Reiterei, di« Temperament und Sicherheit zeigen sollte, wilrd« die Musik stiller und verstummte, al» nach Lassowerfen und dem Schuß durch den Flaschenhals gefährlichere Mes- scrkunststücke ihren Anfang nahmen. „Marterszene de» Sklaven", stand auf den grellfarbigen Plakaten. Ein nackter,«tur mit einem blutigroten Schurz bekleideter Reger wurde auf ein Brei: gebunden und dann auf den Kopf gestellt. Einer der Cowboys nahm seinen gönnen. In heimlicher Erwartung funkelten die dunklen Augensterne unter dem bunten Werk- tagS-Kopftuch. Oben auf den Almen wurde der Kuhdünger ausgetragen und auSgebreitet. Danach flatterte die ganze Frauenaruppe zum Kastanienschmaus. Wenn es der„Padrone" he« fonoerS gut meinte» spendierte er Rahm dazu und feurige«: Nostrano und am Ende spielte er noch zu einer fröhlichen Mazurka auf dem Platze vor der Almhutte auf... In manchen Gegenden de» TesiinS wurden schöne bunte Volkstrachten getragen, die sich zum Teil bi» heute erhalten haben und an Festtagen au» der Kommode geholt werden. Recht malerisch wirkt die Tracht des Maggia- und DerzascataleS mit der hochgebundenen Schürze und den entzückenden Häubchen. Dazu die Zoceolis, eine Art Holzpantinen, die im ganzen Tesiin noch heute getragen werden. Sie haben über dem Fußrücken zwei farbige Lederllappen und werden dort mit Bändern zusammengeschnürt. Am Locarneser Kamelienfest und beim Trauben- schmaus der Herbstfeier von Castagnola bei Lugano kann man die alten Trachten zur Genüge bewundern. Geradezu herzbewegend lustig klappern die ZocroliS über die alte Piazza Grande und durch die WeinbergSgasien. Auch die Frauen von heute tragen noch Lasten. Sie scheinen aber nicht so schwer wie einst. Die heutigen Lastträgerinnen machen e» langsain und teilen sich gemächlich die Arbeit ein, denn sie haben Zeit! Ihre Männer arbeiten meist in der Nähe ihre» Heimatdorfes, die Lebensmittel liefert der Kaufmann im Ort und auch«in Bäcker ist da. Getreide wird nur noch in den Ebenen gepflanzt, wo d.e Maschine arbeiten kann. ES kommt aber noch in abgelegenen GcbirgSdörfern vor, daß Frauen daS Korn dreschen müsien. Das Bergheu und teilweise auch oa» Holz lasien die Manner an dicken Drahtseilen von den Bergen hertinter. Immer gibt eS aber noch Holz und Streu im Gerlo zu sammeln und Mist in die schwerzugänglichcn Tcrrasieu- äcker zu lragen. In den Dörfern außerhalb der Kurorte übernehmen die Itzrauen de» TesiinS auch gerne da» Amt deS Gepäckträger». Sie sind aber von Jugend an«m Tragen trainiert und verrichten diese Arbeit lieber, al» etwa die schwere Feldarbeit der Bäuerin von einst. Wo einigermaßen in der Industrie Geld erworben werden kann, pilgern Frauen und Mädchen, wenn e» auch eine Stunde Wegs ist. frohgemut zur Arbeit. Es gibt etliche Zigarren- und Teigwarenfabriken, vor allem die Fremden- industne und im letzten Jahrzehnt auch Handwebereien. Eine solche Weberei hat selbst in» abseitige Onsernonetal, wo der Haupterwerbszweig auf oer Strohflechterei beruhte» Eingang gefunden. Diele leichtere Tagesarbeit hat die Tesiinerin von heute wieder beweglicher gemacht. Sie ist im allgemeinen von rascher Auffassung, paßt sich mit einer leichten Grazie allen Situationen an und au» einem Landmädchen ist im Handumdrehen ein elegantes Stadtfräiilein gemachr, da» sich sehen lasien kann und die taktvoll und klng zu schweigen weiß, wenn sie nicht mitreden kann. Eine» aber haben sie alle gemein, diese Frauen de» TesiinS von einst und heute: Wenn die Nachtschatten über diese uralte, von Mystik schwere Erde fallen, dann werden sie verzagt und furchtsam wie die Kinder. Hi»t und warf ihn in großem Bogen durch die Arena, dann nahm er einen-Haufen scharfer Mesier von scch» Zoll Länge in die Arm«, prüft« sie und verbeugte sich. Die Frauen legten sich an die Holzgeländer zurück und verdeckten auch da» Gesicht. Männer aber stützten die Arme anf und rückten näher nach vorn. Geschwungene- Mesier wirbelte durch die Luft, zwanzig Schritt und schlug, klack, einen Zentimeter von der rechten Halsschlagader de» Neger» in das Brett. Mi« weitaufgrrissenen Augen sah der Ncgerbursche zu seinem Partner. DaS Weiß der Augen, in dem die Pupillen wie dunkle Kirschen standen, blitzte. Ein zweites Mesier wirbelte. Klack! Nur in den ersten Z>«schauerr«ihen sieht man, daß noch ein schmaler Spalt ist zwischen dem Mesier und der linken Halsschlagader. Atemlose Stille und Spannung ist i«n Zelt. Da durchschneiden die dumpfe Stille dnnlle oallc Kehllaute: „Ovanibo an der Walfischbay Verträumter Palmenstrand, Die Nacht ist warm, Da» Wildtier schreit, Der Wind kommt von dem Meer. .Herero stirbt, der Busch ist tief, Vergehen all« Sterne. Ovambo an dcr Walfischbay, Da» Land ist tot, der Nigger wein«, Ovambo an der Walfischbay." Der Zirkusdirektor im Frack und mit der Peitsche eilt hinau». Die Seilkunstler, die Clown» und Auguste sehen sich entsetzt und mit großen Augen an. Während der alte Neger, der zusam- menaekauert auf dem freien Felo au der Zelt- wano saß, mitten im Lied abbricht und unter den Hieben mit dem Peitschenstiel zusarnme«sinkt, trifft ein unsicher wirbelndes Mesier de» Cowboy» den Hal» de» Negerfungen. BrieltauLeu and Radiowellen. Die Brieftauben spielten bereit» im letzten Kriege eine ungemein wichtige Nolle. Anscheinend wird aber in künftigen Kriegen die Brieftaube noch »veit größer« Ausgaben zu erfüllen haben und die modernen technischen Mittel, wie Radio, Telegraphie und Aeroplane usw. werden ihr keine», weg« den Platz streitig machen. Manch« Staaten blfaffcn sich sogar mit wissenschaftlichen Studien de» Orientierungssinnes der Brieftaube. Eingehende Prüflingen führten zu den Schlüssen, daß die Taube einen Sinn mehr haben muffe, der Menschen und Tieren nicht gegeben ist. Mit den WitterungSverhältnisien ändert sich jedoch meist di« Orientierungsfähigkeit der Brieftaube. Nebel, Regen, Schne«, aber auch Mondwechsel bewirken oft den völligen Verlust der Orientierung. So wurde z. B. am 22. Juli 1606 und am 18. August 1907 durch Zufall bemerkt, daß die OricntierungS- fähigkeit der Tauben a»lß«rordentliche Einbuße erlitt. Es wurde festgestellt, daß die elektrischen Entladungen in diesen Togen ungewöhnlich heftig tvaren. Außerdem wurde konstatiert, daß während de» Betriebe» der drahtlosen Telegraphiestation der Orientierungssinn der Tauben sich um oa» Fünffach« verringerte. Diese Erscheinungen lasien schließen, daß wahrscheinlich die Elektrizität die Tanken ihre» privilegierten Sinnes beraubt. Damit war di« Frage erstanden: Ist e« ein magnetischer Sinn, oer die Brieftaube ihren .Heimatschlag immer wicderfinden läßt? Diese Annahmen, zu denen die Praxis führt, bleiben in ihren etavaigen Folgerungen allerdings immer noch Hypothesen. Aber auch in allerletzter Zeit Nmrde festgestellt, daß Brieftauben ihren Orientierungssinn im Strahluiigsfcld« der Sendestation verlieren. Geriditssaal Der Degen der lapUalMilchen Wirtschaft. Eia« zeitgemäße Urteilsbegründung. Prag, 27. April. Der Kürschner Joses L. war seinerzeit vor dem hiesigen KrciSgericht des Ber- brechen» der Betruges und der Veruntreuung angeklagt worden, weil er einerseits di« ihm in Kommission anvertraut« Ware i>ratt< »Wie sag* ich’s meinem Mann? M Mit dem besten Lustspiel- Ensemble: Renate Müller. Georg Alexander. Otto Wallburg. Aufruf von Telephonteilnehmern ni bc. stimmten Stunden und Weckrufe. Die Agenda des Dienstes für Abwesende im Prager Lokaltelephonverkehr, die am 1. Jänner l. Z. probe» weise eingeführt wurde, wurde letzt um einen weiteren Dienstzweig erweitert. Ter Teilnehmer kann nämlich diese Dienststelle auch darum er- fnchen. daß sic in einer von ihm zu bestimmenden Stunde leine Station anrnse. z. B. zum Zwecke der Erinnerung an einen bestimmten Termin, oder nm ihn zu wecken. Dienstleistung werden Kr---.50 in gebracht. Wenn sich diese neue Art der Dienst leistung bei den Telephonabonnentcn bewährt, dann erfolgt deren definitive Einführung. Gustav Casiel: Die Arife im Weltgrldfystrm. 1933, Buchholz u. Weißwange, Verlagsbuchhandlung, Berlin-Charlottenburg ll.— Casiel ist einer der bedeutendsten Vertreter der sogenannten monetären Krisentheorie, ,d. h, ex sucht, den Konjunkturablauf au» dem Geldwesen zu erklären,«in« Auf fasiung, welch« d!<; Anhänger der Marx'schen Schul« ablehnen, di« vielmehr im ÄuScinanderklasseu von Produktion und Konsum die wesentliche Ursache der Kris« sehen und in den Erscheiimngen de» Geldwesen» Tatsachen sekundärer Art, Folgen der Vorgänge aus dem Gebiet der Produktion und de» Konsum». Cassel begründet in dieser Broschüre seine Auffassung und erwartet von der Wiederherstellung der Ordnung der Währungen di« Wiederbelebung der kapitalistischen Produktion. Trotz der ablehnenden Stellung zur Casselschen Krifentheori« soll zugegeben werden, daß da» Büchlein flott und interesianr geschrieben und lesenswert ist. E. St Heinr.ch Federer:„Pilatuü." 816 Seiten. In Halbleder gebunden RM. 3.86. BolkLvcrband der BüchersreuiÄ«. Wegweis«r-Verlag A. m. b. H., Ber- lin-Chablottenburg 2. Unter den zahlreichen Berg- steigerromanen darf Federer»„Pilatur" wohl al» der dichterisch wertvollste bezeichnet werden. Der groß« Darsteller der Alrenwell erzählt die Geschichte eine» von unruh'gem Blut gehetzten Menschen, der al» Hirt, Jä"-r und Bergführer leine Tüchtigkeit bewährt. Großartig ist der Gegensatz zwischen der bunten Mannigfalt'gkeit de» Menschenschicksals und der ewig sich gleichbleibcndcn Bergnatur. Der gewaltig« Pilatus am Vierwaldstätter Sc« spielt im Leben dieses Bergsteigers die Hauptrolle. Er ist sein Freund und Feind, ist seine Wiege und sein Grabstein geworden. Diese ausgezeichnet« V. d B.-Neuerscheinung veranlaßt uns, unsere Leser erneut aus den BolkSverband der Bücherfreunde aufmerksam j» machen. (den. Wilhelm UpalrnUl Konzert. PRAG II' Vorverkauf an der Theater-Tagcökasse und bei PalatS Koruna. Augenvbewegung. Rote Falken, Prag. Leveller. SamStag, halb 4 Uhr, Pflichtheim.(1. Mai.)— Sonntag, 9 Uhr, Endstation der 21er Elektrischen in Hod- kovröky. DcrpflcgungSgeld(zirka 10 L), SamStag mitbringen! Hclfergemeinschaft, SamS- tvg, 7 Uhr, Ligaheim.„Erste Hilfe", Freitag viertel 7 Uhr, Verein deutscher Arbeiter. WmWWWWWWWWWWWWW^WWmtzWWWWWWWW^ Soz. gugenv- Prag- Gruppe l. Wichtig! Pfllchtoeranstaltunge«! Sonntag, den 3V. April: Kr«Istresfeu in Zbrasiav. Staffelabmarsch 7 Uhr und der übrigen Mitglieder um 9 Uhr Endstation der Lier in Podol — Abends beteiligen wir un» korporativ au der Mai-Fdstbovstellung im Deutschen Theater. Montag, den 1. Mai: Demonstration. Treffpunkt: Uhr Fügnerplatz. Wir fordern von jedem pflichtbewußten S. 8.- Mitglied, sich an diesem Tag offen zur Arbeiter- klasie zu bekennen. Verhinderte Mitglieder haben die» den S. I.-Funktionären vorher zu melden Uuentschuldigte müssen di« Konsequenzen trage: — Nachmittag» beteiligen wir uns an der Fab nach Kroöehlav. Achtung! Für all diese Veranstaltungen ist strenge Disziplin und Pünktlichkeit erforderlich! Die Gruppeuleitung. All« Veranstaltungen werden In der Parleipresic bckannigegoben. Abonnenten und Loser benach. richten alle Genoisinnen und Genosien. Spielplan de« Reuen Deutschen Theater». Freitag,»8 Uhr:„Falstaff"(D 2).— SamStag, W8 Uhr:„Eine Frau, die weiß, wa» sie will'(A. A.). Wochenfpielplan der Kleinen Bühne. Freitag, 8 Uhr:„Komödie der Irrungen".— SamS- tag, J48 Uhr:„In jider Eh«"(Erstaufführung). Arbelter-Tnrn- und Sportverein Prt 1. Mai! Diesem Kampf- und Festtag der klas- seidbcwußten Arbeiterschaft kommt in diesem Jahre erhöhte Bedeutung zu. In Oesterreich wütet di« Reaktion und in Deutschland hat der F a s c i S- muS ein Blutregime ausgerichlet, dl« sozialistisch-. Arbeiterbewegung zu Boden geworfen, ihr Eigentum geraubt und vernichtet. Die große deutsche Ar bei- t«rs Portbewegung wurde ebensall» entrech tel, hat keine Möglichkeit.der Entfaltung mehr, die BundeKschule in Leipzig würde zur SA.-Kasern« und den Vcreiiren hat man chren beweglichen uich unbe> iveglichen Besitz einfach gestohlen. So sieht di« Nazi. .„Kultur" in Deutschland au»! Für un» sozialistischen Arbeitersportler ist«S daher proletarische Pflicht unseren leidenschaftlichsten Pro- 'test gegen dies« Brutalitäten einer wildgeworde- nen Reaktion zu erheben und s ü r di« Erhaltung der Demokratie und für Völkerfrieden mit entschlossen«« Kampscswillcn elnzutreten. Wir machen «S daher all« unser« Mitgliedern zur unbedingten Pflicht, an den nachstehenden Veranstaltungen zuverlässig teilzunehmen: Sonntag, 36. April: Festkonzert im Neuen Deutschen Theater; Beginn 8 Uhr abend». Montag, 1. Mai: I Vormittag», 9 Uhr: Zusammenkunft bei der Gee, ll., Fügnorovo nanr.; sodann Teilnahme am DenwnstrationSzug und Ver- sammlung, Nachmittags, 2 Uhr: Treffpunkt Masaryk» bahnhof, Fahrt nach Kroiiehlavh(mit den übrigen proletarischen Organisationen). Dortselbst u. a. Vorführungen der Turnerinnen und Turner. Kein« Genossin, kein Genoss« darf fehlen! > Freiheit! , DieBereinSleitung. „Menschen im Hotel." Zwöls Bilder von Vicki Baum. Wa» Vicki Baum, size Romanschreiberin deni gewissen Fingerspitzengefühl für da» Zugkräftig« und Zeitgemäß«, au» ilrem Roman„Mäuschen im Hotel" da für die Bühn« zugsschnitt«» hat, ist wirklich nur ein Bilderbogen. E» ist obendrein ein recht kolportagehast, mit grellen Farben ' und typischen Figurinen bemalter Bogen. Im Film ergab es durch di« Möglichkeit, die Bilder inein. , anderfließen, einander überschneid«» zu lasien, bessere ! Wirkung; aus der Bühne ist c» sehr oft reiner Kitsch. ' Wie in allen ihren Arbeiten, so bringt Vicki Baum auch In diese Szenen einen Hauch sozialer Gesiinung. ! Sie weiß, was die Jannnerzrit, in der e» zu leben und zu verdienen gilt, von einer Aittori» fordert. Zu den Menschen im Hotel gehören der gestrandet« Baron Gaigern, der Buchhalter Kringeleln, der' sich zu Tod« gerackert hat und seine Sparpfennige noch rasch im Berliner Grandhotel durchbringen will sonderbarer Geschmack eine» Todkranken, der mit seinem Geld« wenigsten» an d!« Riviera fahren könnt«!) und im Mittelpunkt des Geschehen» steht I ein Auftritt zwischen Kringclein und scin«n Chef, i bei dem der Buchhalter dem Ausbeuter«in paar l Wahrheiten in die Herrenfresse schmettert Aber welch primitive Lösung! Welch sentimental verkitschte» Happy End, al» am Schlüsse der Generaldirektor al» . Totschläger von der Polizei abgeführt wird, Herr ! Kringclein aber, durch Hasardspiel rech geworden, mit der Stenotypistin de» Chef» nach Pari» fährt! Zeimol und Beruisvettlektum. Einige Bemerkungen zum Manifest des Primator« an di« Oefsenttichlcil. In der letzten Zeit macht sich ein gesteigerter Zuzug arbeit», und mittelloser Personen, auch au» den deutschen Notgcbicten, nach Prag bemerkbar. ES handelt sich durchwegs um Leute, die von der unbestimmten Hoffnung getrieben werden, bei den«insetzcnden Saisonarbeiten Brot zu finden und die glauben, c» könne ihnen in der Hauptstadt auf keinem Fall schlechter gehen, al» in der verelendeten Heimat. Am schlimmsten Fall, glauben sie, bei den sozialen Hilfsstellen ohne weiteres die nötige Hilfe zu finden. Bor solchem Optimismus muß aufs eindringlichste ac w a r n t werden! Die Lag« auf dem ArbeitSmark 1 ist auch in Prag trostlos und di« Gewährung einer Unterstützung hat Gesuchstellcr durch gewohnt hat. armer Teufel, der sitzt, beginnen? Der Wahrheit, den, daß nur ein geringer Teil dieser unglücklichen! Arbeitsucher ihre Zuflucht an» dieser fürchter-' lichen Zwangslage zu der öffentlichen^ Mildtätigkeit nimmt. Die meisten ver-' lassen enttäuscht und verhungert die.Hauptstadt und schlagen sich irgendwie in dir Heimat durch, wenn«S ihnen nicht gelingt, durch kleine Gelegenheitsarbeiten täglich die paar Kronen, die sie zum Leben brauchen, aufzutreiben. Immerhin gibt e» genug solcher beklagenswerter Fälle, in denen die völlig zermürbten und abgestumpften Krisenopfer schließlich zu Bettlern werden. Bor kurzer Zeit ist wieder«in Aufruf an die Oefsentlichkeit, unterzeichnet vom Prima- t o r B a x a, plakatiert und veröffentlicht worden, der. zur Abwehr gegen das übcrhandnehmcnde BerusSbettlertum auffordert. Einige Behauptungen dieses Aufrufs müssen auf daS richtig« Maß zurückgeführt werden. Aber sicher ist, daß die Prosessionsbettler au» der fürchterlichen Zeitnot ihr Kapital zu schlagen wissen. Der routinierte Bettel ist auch heute noch «in gut«» Geschäft. ES ist Tatsache, daß BerufS- bcttler von auswärts oft Tag für Tag jm Autobus nach Prag fahren und abends mit einem hübschen Verdienst heimkehren— trotz der Fahrtspesen. Es gibt Lokale, wo man dies« Leute nach des Tages Arbeit sich gütlich tun sieht und man staunt über die Zechen, die da gemacht werden. ES gibt regelrechte Bettler- dürfen und- a tz e n t u r e n, WS gegen teste Taren Adressen wohltätiger Personen und Institutionen ausgegeben und di« Interessenten genau informiert werden, wie sie jeweils aufzutreten haben; um recht viel hcrauSzuschlagcn. Abseits von diesem florierenden und gut organisierten Geschäft routinierter Schmarotzer schleichen halb verhungert jene traurigen Ge- stalten durch die Gassen, die nicht wissen wohin. Ab und zu versuchen sie ihr Glück bei einem human aussehenden Zeitgenossen— meist ohne sonderlichen Erfolg. Sie sind viel zu ungeschickt und meist sind sie eS auch, die von der Polizei aufgcgriffen werden und dann vor den Gerichten erscheinen. Alle diese Appelle zur Bekämpfung des Bc- rufsbrttlertumS bleiben wirkungslos. Denn man vergesse nicht, daß die meisten Wohltäter ja deshalb schenken, um vor sich selbst als solche dazustehen. Oft genug sind es solche, die unbewußte Schuldgefühle dadurch zu beschwichtigen suchen, solche, die„über Leichen gehen" und durch Hingabe eines Bettelgroschens sich vor sich selbst rehabilitieren wollen. Und in der Konkurrenz um die Gunst solcher Spender gewinnen natürlich di« Routiniers, die Bescheid wissen. Nein— auch daS BerusSbettlertum wurzelt organisch in dem auf den mörderischesten Existenzkampf abgestimmten GesellsckzoftSsystem und läßt sich nicht hinwegdekrelieren. Verschwinden wird «S erst, wenn ein« bessere Ordnung ihm seinen Nährboden entzieht.. Bg. Ortsgruppe Prag. SamStag den JIi April, 2 Uhr Wilsonbahnhof, Zwei- '.agetour: Sch«lesen— Böhm.-Leipa— Kummcrgabirge. Führer Platz.— Man« tag, den 1. Mal, nehmen die Genosien Prag an der Maifeier teil. : KINO PROGRAMM; [ vom 28. April bla 4. Mai 1088. I[ llllllllllllllllllllllillli Sonntag abends a llhr alle im Deutschen Theater! Aestlteycs szzmvSonlsehes Konzert mH TteaMattoncn uns®r|ano. Leitung: Opernches Pros. Georg Szöll. Mitwirkung: Zwei erste Künstler deS EniembleS: Frau Lydia Kindermann(Alsistin), Herr Fritz Volk(Sprecher). Das Orchester des Deutschen Theater». Programm: W A Mozart: Ouvertüre zu„Figaro» Hochzeit".' Gerhari Hauplmaun: Lied der Engel au»„Hannele» Himmelfahrt"--- I. W Goethe: Chor ver Schmiede au»„Pandora". Fr Schiller: Siaufsacher-Redr au»„Wilhelm Tell'. Fr Schubert: Unvollendet« Symphonie. I W. Goethe: Prometheus lSchubert).\ v W Gocrhc: wrenzen der Menschheit«Schubert)./ örau 8yd a Kl nd er mann. L. v. Beethoven: III. Leonore-Ouvertür«. zu bewundern, di« über di« Materie de» Stücke» hin- .in» Kunst gab. Sein Gegenspieler wurde von Hcrvn Harprecht mit drastischer Realität ausgestattet. Auch dieser Preysing war eine sehr lebendig« Typ« unserer Zeit, glaubhaft und blntecht in jeder Gest«. Balls Dr. Otternschlag war der dritte Hotelgast von geradezu beängstigender Echtheit. Musil fehlt« zu dem Gentleman Einbrecher, der eine verwöhnte Frau bezaubert und verwandelt, ein Rest von Charme und Dämonie,«S kam nur da» Haltlos«, Schwammige dieser schwebenden Existenz heran». Herta von Walter, di« al» Grusinskaja gastiert«, wag« ich kaum zu beurteilen, da jede Darstellerin neben dem Eindruck, den die Leistung der Garbo in dem Film„Menschen im Hotel" hinterließ, verblassen muß. Wie Greta Garbo schluchzt und lacht, wie sie geht und erstarrt, noch di« kleinste müde Geste ihrer Hand— da» sind künstlerische Erlebnisse, die sich zu tief«inprägen, al» daß man werten könnt«, wa»— gut oder schlecht— doch weltenweit hinter dem Bild« zurückbletbt da» dl« größte lebende Schauspielerin hinterließ. llnstreitig weit besser al» im Film war die Rolle de» Flännnchen- besetzt, fiir da» di« A n d c rg a st vielleicht ein wenig zu viel naive» Mädchentum, aber doch eine liebenswerte Erscheinung einsetzt, die ganz anders überzeugt als da» unleidlich« amerikaw. Ich« Wesen der Crawford. Frau Bertram, di« Herren I a n t s ch. Demel, Stadler seien au» der großen Zahl der Mitwirkenden noch genannt. Für die Wiederholungen werden sich weitere Kürzungen empfehlen, E. F amtwlrtodiaM i«; UDOVt Din So ist da» Leiben in den CourthS-Mahler- Romane n und Vicki Baum unterscheidet sich von ihrer Kollegin nur durch da» größer« Raffinement, mit dem sie süßliche Kolportage und neu« Sachlichkeit im Stofflichen zu mixen weih. Sie läßt ihren Kitsch nicht aus Rittergütern, sondern im Wintergarten de» Arandhotcls gedeihen, sie düngt nicht j mit Kuhmist, sondern mit Kunstdünger, da» ist der, ganze Unterschied—«ine Nuance nur, aber eben| jene, di« bei Zehntausenden Halbgebildeten auSreicht,- eine andere Gesinnung, einen anderen Standpunkt- de» Autor», ein« ander« Weltanschauung vorzu-, täuschen. Und er ist alle» in allem di« sozial« Mimikry de» modernen Kitsche», di« in anderthalb Jahrzehnt die nicht-völkische Literatur | derart in Mißkredit gebracht hat, daß die’ Barbarei von heute keilte Müh« hat, da» Kind mit dem Bad« auszugießen und al»„Asphaltliteratur" zu verdammen, was seiner sozialen Stellung, seinem Standort in Presse und Verlag nach zur Linken zählt. Den echten sozialen Querschnitt durch da» Granvhotel, die Kontraste zwischen den Spülräumen, Küchen, Bügeleien, den Bodenkammern für da» Personal auf der einen und zwischen den Luxus- appartament», Speiseläken»nd Bar» auf der anderen Seit«, könnt« Vicki Baum vielleicht zeich- nen, wenn sie ihn sehen wollte. Aber das gäbe kein effektvolles Sv'el mit Happy End, bei dem der arme Buchhalter und di« arme GelegeicheitShure von Tippmanrscll ihr Glück niachen, der reiche Prasser bestraft wird und nur der Sentimentalität zuliebe der liebe Schneck von Hoteldieb auf.der Strecke bleibt. Innerhalb der Dürftigkeit des dramatischen! Raumes versteht die Baum c», Typen geschickt und plastisch zu formen. Auch di« Aufführung(Regie L i e b l) bewies Sicherheit de» Ensembles in der. i Formung aller Spielarten von Honw sapiens, die putschen Portierloge und Bel»tage de» Hotel» zu finden sind. Den Hauptersolg des Abend» durfte Walter Taub mit feinem Kringclein buchen. Er schuf«in rührendes, au» Naivität und Verdrängungen komponiertes Männchen, dessen Auflehnung gegen den gewalttätigen Chef. stürmischen Beifall im Haus« wnd. Hier war eine große- schauspielerisch« Leistung S>«a,r»d I«,».. a d. I r.»- t<-» r: Mnbelm«Kinn-. eetantmotilldxt Jtebatleat: Dl Emil Street. Pro,- Druck:.Ko:«-».-» Hx Ziiluu». ub Buchdruck. Brau.— Für de» Druck urraMwurtUch: Olt» Solu, Prag,— Du^«»'.uuaßmorteutrankatu» murde von der Voft-«. TelearophenvireMon mit Ittlaft Nr 18.80Ü/VH.1980 oewilligr.— Bszugsbedlngungea: Bel Zustellung laß Hans ober bet Bezug durch dir Poft monatlich U 16.—*» vierteljährlich U w,—> u» H.—.«uuyadki, U Ml,—.- gustou, wrrdui Ium r«it diiNetl»uechur«, SU Mtu» W**“—■— rtiickltilu«,*m 9tau4M*t<8«rt»v 88» M UtBieuduu« tot ÜRMSMlblb Parterrelogen Fauteuils!Ye 2—4 Reihe tU 90.- Balkonllye 5.—''. Reihe Li I6-- I Ranglogen .. Li 85.— varkctllly« 5—12 Reih«- Li tS- Saleriellyr l. Reihe. Li lS.— II Ranglogen.... .. Li 65- parkcltliye 13.—26 Reihe Li lS.- lgaieriellye 2.-6. Reihe Li 12.— IN Ranglogen... . Li 16.- Dalkonjitie l Reilie. Li 10- Baleriellye 7.—l0. Reilie Li IO.— lleiciellye 1. Reihe. . LL 21.- Balkonllye 2—1 Reihe Li ,8- Nalerieieitenllyc.. Li 9.—