Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. A»aMon a. Dnivolliii!»: vrog U, N«I eine fascistischc Welle überrannt und entmach- tet worden! Nicht hat eine Idee die andere 1 besiegt: Brutale Gewalt hat das wunder-; volle Organisationswerk der deutschen Sozialdemokratie mit einem Schlage lahingelegt, schmachvolle Verdächtigung such: ihr Andenken zu besudeln und ihr die Herzen ihrer Getreuen zu entfremden. Nach einem halben Jahrhundert heldenhafter Kämpfe>ind erfolgreicher Aufbauarbeit sieht sie sich zurückversetzt j in die Zeit der Ausnahmszustände und des, Sozialistengesetzes! Sie, die nicht nur der deutschen Arbeiter-■ klasse allezeit ein Schirni und Hort war, di«) rin Dienste der ganzen Nation die schwersten' Opfer gebracht hat, sieht sich außerhalb des; Rechtes und außerhalb der Nation gestellt! Dieser grause Undank deS Vaterlandes wird verübt von den Nachbetern>rnd Nachfolgern i jener vormaligen Führer Deutschlands, die das Reich in die Katastrophe des Weltkrieges geführt, da» Vermögen der Nation zwecÄos auf tausenden Schlachtfeldern verpulvert und die Weltgeltung Deutschlands mutwillig vernichtet haben! Diesen Undank erfährt sie, nachdem sie gemeinsam mit der bürgerlichen Demokratie das in den Friedensverträgen verfemte deutsche Volk durch ihre kluge Friedenspolitik wieder in den Rat der Nationen als gleichberechtigte Macht zurückgcführt, die fremde Besetzung aus dem Lande gebracht, die Last der Reparationen abgeschüttelt und eine gerechte Neuordnung der europäischen Verhältnisse in würdiger Weise angebahnt hat! Der Haß des deutschen Junkers gegen die Sozialdemokratie, der Haß des deutschen Bourgeois gegen das Proletariat, der Haß deutscher Kleinbürger gegen die geistige Freiheit, an der ihm jeder Anteil versagt ist, hat der deutschen Sozialdemokratie nicht verziehen, daß der Prolet«S war, der Land und Volk nach dem Zusammenbruche des Weltkrieges wiederaufgerichtet, der der Nation seine Verfassung gegeben, der ihr da» Abendland wieder versöhnt hat; er hat es dem deutschen Proletarier nicht verziehen, daß er zu diesem Werke der wahren nationalen Wicdcrerhebung di« Fürsten und Generale, die Minister und Staatsanwälte, die Unteroffiziere und Polizisten des alten Regimes, die bis 1916 den Namen der Nation für sich allein in Anspruch nahmen, gar nicht gebraucht hat! Das und nichts anderes ist der nationale Verrat, um delsent- willen sie den verewigten Ebert im Grabe schmähen, di« lebenden Führer der Arbeiterklass« einkerkern und deutsche Arbeiter in der Manier mongolische» Khane physisch mißhandeln, um sie zu überzeugen. Der Moientaa ist«in FrühlinaStag— aber er steht an der Schwell« de» Winters: lieber diesem Maienhimmel lagert eine finster« Wolke und tiefer Schmerz durchsieht das Herz jede» Proletarier», wenn er an Deutsch- lcmd denkt. Dennoch al-er! Di« Herzen hoch, di« Fahne hoch! DI« Geschichte de» Proletariats und de» Sozialismus ist nicht ohne Beisssiele dafür, daß di«„schmutzigen West- kabnmcken" zeitweilig ein« durch Krisen geschwächte, durch inner« Zwietracht zerklüftete Arbeiterschaft besiegt Haven—- sie verkündet ? zugleich, daß ein solcher Sieg gar bald in nichts zerronnen und durch erhöht«, erweiterte Triumph« der wiedererstandenen, frischen Bewegung abgelöst worden ist! Die Evochen der Reaktion werden dabei in der Geschichte immer kürzer. Auf den Sturz der Feberrevo- f lution im Jahre 1818 folgte die Wiedererhebung im Jahre 1864, auf die Bisniarcksche AnSnahmegesehgebung der achtziger Jahre folgt« sein Stur; 1889 und di« Erhebung der deutschen Sozialdemokratie 1890, auf die Swlypinsche Reaktion in Rußland, welche viele triiisendc Führer der Arbeiterklasse dem Henker überliefert«, die ztveit« russische Revolution, die dem Zarismus und der russischen Bourgeoisie ein Ende bereitet«..Unzerstörbar sind die Kräfte und d«r Wille de» Proletariats und fiir jedes abgeschlagene Haupt seiner Führer wachsen hundert Häupter nach: Glorreich aber wird wiedcrer- stehenderNameunddieMachtder deutschen Sozialdemokratie: Da- fiir wird di« deutsch« Arbeiterklasse, dafür aber wird ebensosehr die losgekoppelte Gc- meinheit und Unfähigkeit der Westkalmücken sorgen! Wie wichtig, wie bedeutend die deutsche Sozialdemokratie für den internationalen Sozialismus, wie schmerzlich ihr zeitweilige- Ausscheiden aus der internationalen Front zu ertragen ist, di« Welt ist groß geworden, Unidcrsitätßbüchcreien, Verbrennung marxistischer Bücher, Boykott der Bücher nichtchauvinistischcr Schriftsteller, Unterwerfung der Wissenschaft unter nationalsozialistisches Diktat, Umfornnc- rung der Press«. Versklavung de» Geiste».— Mag auch da» Bürgertum, das im Kamps um alle di« Freiheiten, di««» heute so leichten Her-' Mit» preisgibt, und in dem Maß« der Eroberung dieser Freiheiten zur herrschenden Klasse genwr- den ist. jetzt so wie sein« eigene Geschichte auch die schönsten und reifsten Frucht« dieser Geschichte verleugnen,— di« Arbeiterklasse, al» geschichtlich« Stachkolgerin der Bourgeoist« zur Wahrung der von dieser verlassenen Geistesguter berufe», darf nie vergessen, daß ihre BefreiungSlehrc geworden ist in den Zeiten der großen geistigen Freiheit»» schlachten, sie darf nie vergessen, daß Bewahrung und Fortentwicklung dieser Wissenschaft wie jeder Wissenschaft nur in der Freihett möglich ist. daß also Demokratie für sie nicht bloß politische Bewegungsfreiheit, Organisationsmöglichkeil und Kampfmoalichkeit ist, sondern auch Freiheit wissenschaftlicher Forschung und Lehre. Freiheit des Geiste», ohne di« c» kein sozialistisches Werden' gibt! 1 Ungeheures Unglück hat die bolschewistische antidemokratische Lehre, diese Lehre von der Gleichstellung der Demokratie mit Unterdrückung der Arbeiter, über di« europäische Arbeitcrbcwe. gung gebracht. Jen« Lehr« Lenins:„Demokratie ist der Staat, da» heißt«in«' Organisation zur systematischen Vergewaltigung einer Klasse durch «ine andere...* Wer die Demokratie so wertet, vermag sic nicht zu verteidigen. Wie ander», wenn mau mit dem französischen Genossen Leon Blum sagt:„Für uns ist di« Demokratie«in System, das ,edcm Individuum da» elementare Mitwestmaß an Per- sönlichkeil»r«cht«n garantiert, die seit mehr al» einem Jahrhundert, seit den Philosophen des achtzehnten Jahrhundert» und der fcar.zösi;chcn Revolution von niemandem mehr in Frage gestellt waren"(Rede aus dem Kongr-ß der SAJ. in Wien 1981). Sie sind beut« in Frag« gestellt, diese elementaren Persönlichkeitsrichte! Ja,«r geht um da» Schicksal der Arbeiterklasse, um die Arbeiterbewegung in Mitteleuropa. Aber eS geht um noch mehr: darum, oh die mitteleuropäisch« Menschbett um mehr al»«in Jahrhundert zurückgeschleudert werden soll— darum, ob wir die seit Genera-. tionen UN» selbstverständlich erscheinenden Rechte persönlicher Bewegungsfreiheit, Lehr- und Lcrn- kreihelt, Rechtssicherheit, ja Sicherheit des Lebens bewahr«««der verlieren. Darum, ob auch lür «ns aller durch di« große französische Revolution inauguriert« Fortschritt ausgetilgt— oder ob hier doch«in« Bastion der Demokratie erhalten wird,, di« start genug ist, dem faseistischen Anstum stand» zuhalten oi» zu jener Wende, die neuen Vorsturm ott Demokratie ermöglicht. Erkennen wir so dir' Bedeutung der Demokratie und damit die Bedeutung der tschechoslowakischen Republik in d«t Gegenwart, dann sind uns uns«« Aufgaben die Ausgabe» der Arbeit«rklass« diese» Sandes, klar: Kamps sllr di« Demokratie! Bekenntnis zum demokratischen Sozialismus! Bejahung demokratischer Wehrhastiackeit! Sie ist Eelbftbejahung der Arbeiterklasse! Wer nicht bereit ist, in engster tschechisch-deutscher proletarischer Kampfgemeinschaft für di« Demokratie zu st«it«n, gibt proletarischen Kampfboden an di« Feind« des Proletariats preis, wich, mag«r sich noch so revolu- tionär gebärden, Wegbereiter des Fascismu»! Es gibt kein Deuteln und kein Tüfteln— es gibt nur klar« Stellungnahme: für di« Demokratie und damit für di« Arbeiterklasse und für den Sozialismus—- oder gegen die Demokratie und damit für den FasciSmuS. Die sozialdemokratischen Arbeiter brauchen, nicht zu überlegen, st««taten ihre Aufgabe int; Kampf um die Demokratie! Als auf dem Pariser Kongreß deS Jahres 1889 die Abgesandten der Arbeiterklasse fast aller Kulturstaaten sich versammelten, um di« Maifeier einzusetzen, erhoben st« al« eine der drei Hauptforderungen da» allgemein«, gleich« und direkte Wahl- recht, diesen Angelpunkt aller Demo- krati«. Sie bestätigten so, was«in Men- schenalter vorher Fevdinatw Lassalle verkündigt halbe, al» er da» gleich« Stimmrecht zum nächsten Ziel der Bewegung erklärt«: In diesem Zeichen werdet Ihr siegen! Heute, wo di« Demokratie durch den FasciSmuS ernsthaft bedroht ist, gilt es, durch die Maifeier vor allem das überkieferte Gelöbnis zur Demokratie zu erneuern! Niemand lass« sich täuschen durch da» Gerede unserer Feinde, daß die Demokratie in sich gescheitert sei— sie ist in Deutschland wie in Italien überrumpele und erdroffett worden durch di« Henker der Konterrevolution, sie wird wie der Phönix aus der Asch« sich wiedercrheben, reiner und größer und kraftvoller: D a s spanische Königtum hat sich zu retten versucht durch die Diktatur, DiktaturundKönigtum wurden hinweggeschwemmt durch die spanische Republik! Darum trotz alledem: Lasset di« Wimpel d«S Maientages fest- lich, flattern! Unser Tag wird kommen! Di« Herzen Höch! Die Fahnen hoch! Die heutig« Sitttatio» duldet aber kein« Zwieschlächtigkeueu und kein« Halbheiten. Man kann nicht di« Arbeiter zum Kample geaen den FasciSmuS aufrufen, ohne ihnen gleichzeitig zu lagen, wofür sic kämpfen sollen. Ohne ihnen zu sagen, daß sie di« Demokratie verteidigen müssen! Und man kann ihnen nicht zumuten, etwa» zu verteidigen, wa» ihnen Jahr auS Jahr ein als wertlos, ja als bürgerlicher Betrug an den Arbeitern dargestellt wurde. Entweder ist die Demokrat!« ein so kostbare» Gut, daß e» sich lohnt, Freiheit und Leben im Kampf« für sie einzusetzen— dann müssen di« Kommunisten sich zur Demokratie bekennen— oder st« ist nach kommunistischer Au tnng für di« Arb«It«r wertlos, dann müssen die sozlawemo- kratischen Arbeiter allein den Kamps für die Demokratie führen, allein den Kampf gegen den Faseismu». Denn nur Kampf sür' die Demokratie ist Kampf gegen den Fascismu»! Da» muß di« Sozialdemokratie mit aller Deutlichkeit den Arbeitern sagen. Dem Fascis- mu» irgendeine„konkret« revolutionäre Pirole", an deren Erfindungen es ja di« Kommunisten picht fehlen lassen, etwa di« Forderung nach ber proletarischen Diktatur oder dl« Forderung nach einer„Regierung einer Werktätigen" ist unsinnig, well in der derzeitigen wirtschaftlichen und politt- schen Situation di« Frass«, ob man der faseistischen Diktatur«in« proletarisch««ntgcgcnstcllen sollt oder könne, gar nicht zur Diskussion steht und weil es ausgeschlossen ist, die Diktatur erfolgreich durch die Parole einer anderen Diktatur zu be- kämpfen. Da» bedeutet nicht Schwäche, nicht ein Auswetchen vor dem Kamps, denn Demokratie ist nicht gleichbedeutend mit Kampflostgkeit. Es ist verlog«»« Demagogie, jetzt etwa mit dem Hinweis aus Deutschland den Arbeitern zu sagen: Seht, da» habt ihr von der Demokratie, daß sie die Fascisten zur Macht gebracht hat! Den» wenn die deutfch« Tragödie etwa« beweist, so da», daß Demokratie tvehrhast sein muß, will sie sich al» Demokratie behaupten, daß sie um der Selbstbehauptung willen sich ihrer Feind« wehren muß, daß eS falsch ist, den Feinden der Demokratie diese al» Kampfboden zur Riederringung der Demokratie zu überlassen. Die Zertrümmerung der deutschen Demokratie durch den FasciSmuS und der Wütende Angriff der Bourgeoisie gegen die Demokratie in Oesterreich beweisen doch nicht die Wertlosigkeit der Demokratie für die Arbeiter, sondern im Gegenteil ihr« Gefahr für die Bourgeoisie, damit aber auch di« Notwendigkeit für das Proletariat/ was Kautsky schon 1918 feststellte,«die Demokratie mit Nägeln und Zahnen auf» äußerst« zu verteidigen". Wir kämpfen, indem wir die Demokratie verteidigen, für unser« Bewegungsfreiheit, für-di« Erhaltung de» Bodens, auf dem allein wir uns organisieren und sammeln und schulen und politisch betätigen können. Da» ist oft getmg gesagt worden. Aber wir kämpfen noch für Mehr! Um> di« täglichen GreueliNeldungen aus Deutschland, dies« täglichen Verlustlisten der Freiheit der Person unv des Geistes und der Kultur und der Menschlichkeit sagen uns eindringlich genug, wofür wir kämpfen! Denn nicht allein die Bericht« über , Folterung und Einkerkerung und Ermordung von Sozialisten und Republikanern sind Äreuelmel- dungen. Auch da» sind Bericht« über Greuel- taten der braunen Hunnen, dies« amtlichen Bericht«. di« von der Zerstörung der Kultur, dl« von der Ausmerzung der Errungenschaften vielhundertjähriger Freiheitskämpfe erzählen, diese Meldungen über di« scheußliche„Gleichschaltung" auf geistigem Gebiet«: HinauSwurf aller Univer- sitätsleyrer, di« keine Chauvinisten find, Ausscheidung ihrer wissenschaftlichen Werke aus den der Sozialismus iMnicht mehr Sach« de» europäischen Festlands oder selbst ganz Europa», er ist Suche der ganzen bewohnten Erde geworden und gegenüber der Weltbewegung des Proletariats ist heut« der augenblicklich« Erfolg der. Hitlevei nicht mehr als di« vorübergehende Einbuchtung eilte» Frontabschnittes! Sie kann das Weltproletariat mit schmerzlichem'Mitgefühl, sie muß«S mit erhöhter Wachsamkeit und Kampfbereitschaft erfüllen, aber sie kann es nicht lähmen und hemmen! Un» aber, di« wir auf dem Bvden der Demokratie weiterkämpfen, uns mag das deutsche Leid zur kostbaren Lehre werden! Fort mit allen Spaltungen, aller Zwietracht in den Reihen der Arbeiterklasse! Fort mit allen unfruchtbaren Romantik blinder Gewalt, die in dem doppelt tragisck)«n Schicksal de» deutschen KontmuniSmuS sich als gänzlich hinfällig, gänzlich unfruchtbar, gänzlich wehrlos erwiesen und nichts anderes bewirkt hat, als die Reihen der Feinde der Arbeiterklasse zu Mehren und zu stärWn. Fort mit jeder Zweideutigkeit in unserem Bekenntnis zur Demokratie: dem Blindesten müssen die Ereignisse in Deutschland di« Augen geöffnet haben und den Wert, den der Rechtsstaat, den die politischen Freiheitsrechte, den«ine auf dent BolkSwillen ruhende Gesetzgebung für den Aufstieg deS Proletariats besitzen! Um die Demokratie, Nicht nur dem sozialdemokratischen Arbeiter es klar,— auch dem kommunistischen leuchtet vielleicht schon ein, daß die Demokratie, die heutige Demokratie in büraerlichen Staaten, dies« Demokratie mit all ihren Mängeln und Unzuläng lichkeiten, dem Fascismu» vorzuziehen ist. Di«;« Feststellung mag zunächst al» überflüssig«rschet- neu, al» das Aussprechen einer Binsenwahrheit. Aber eS ist seltsam: wenn bas«in« Binsenwahr heit ist— warum haben die Kommunisten sie in Deutschland«rst nach dem Sieg des Fascismu» begriffen, in der Tschechoslowakei aber überhaupt noch nicht? In Deutschland haben di« Kommu nion di« Demokrat!« bekämpft, seit st« existiere», und da» ist ungefähr so lange wie di« deutsch« demokratisch« Republik. Mit dem End« der deut schen Demokratie war auch da» der KPD. gekom men, di« durch ihren beharrlichen, systematischen, unermüdlichen Kampf gegen di« Demokrat!« eben« so zäh, systematisch und beharrlich um di« Schau felung des Grabe» der deutschen Arbeiterbewegung und damit ihre» eigenen Grabes bemüht war. So chwer di« Fehler der SPD. sein mögen— plan mäßig aus ihren Selbstmord hat sie doch nicht hin- gearveitet. Da» aber hat die KPD. getan, und hat es getan im Verein mit den Hakenkreuzlern. Sie hat damit nicht bloß das Irrsinnige ihrer Politik bewiesen(aller Welt, nur nicht sich selber, tenn noch am Grabe pflanzt sie di« Fahne der Rechthaberei aus), sondern auch, daßdieihrer antidemokratischen Einstellung sich brüstend« und täglich di« Demokra tie verhöhnend« kommuni stille Partei ntrg«ndr in der Welt leben kann ohne Demokratie! Kommunistisch« Parteien gibt es nur in m«hr oder weniger demo- kratischen Staaten. In den Staaten der Diktatur gibt es zwar, worüber sich di« Kommunisten riesig freuen mögen, keine Sozialdemokratie, aber doch auch kein« kommunistisch« Partei. Ja, e» gibt verstreut« vereinzelt« Anhänger, aber kein« Par tei, kein« wirkliche Organisation, kein« Aktion,— da» all«» gibt es nur dort, wo di« Demokratie den Arbeiter» politisch« Bewegungsfreiheit geschaffen hat. Di« Kommunisten bedürfen der Demokratir, um die Demokratie bekämpfen zu können! Daß st« mit ihrem Kampf gegen di« Demo kratie, durch ihren vieliährigen Feldzug der Ver ächtlichmachung, der Diskreditierung der Demo kratie und ber schließlichen Vereitelung de» Funk tionieren» demokratisch-parlamentarischer Insti tutionen niemandem einen willkommeneren, wenn auch nicht bedankten Dienst crtviesen als der Bourgeoisie— aenügt, um das zu beweisen, nicht der Hinweis aus die Tragödie dr» deutschen Pro. letariat»? Jetzt schreiben ja di« Kommunisten recht eifrig und mit starken Worten gegen den Fascis- mu», den sie mit herbeiführen halfen, und wenn ihnen di« Sozialdemokraten die Möglichkeit dazu gcben. wissen sie auch reckt scharf gegen den Fascismuö zu sprechen. Aber: sie haben Ihren Kamps gegen die Demokratie nicht aufgegeoen! Und Ihren Kampf Hegen die Sozialdemokratie nicht einmal gemildert, obwohl sie wieder einmal sehr laut nach der Einheitsfront rufen, di« sie selber al» Voraussetzung erfolgreichen Kampfes gegen den Faseismu» bezeichnen. Und da» ist ein politische» Doppelspiel, über da» sich die sozial« oemokratilchen Arbeiter klar werden müssen:, Kamps gegen den Fascismu» und gegen die Demo kratie, Kampf für di« Einheitsfront und gegen di« Sozialdemokratie. E» ist ein Doppelspiel, wie , c» zu anderen Zeiten, da ihnen größer« Offenheit , geboten schien, die Kommunisten selber al» Manö. »er bezeichnet hätten, und e» ist vom gesamtprolet 1 tarischen Standpunkt aus gesehen noch viel schllm- ' mercs: cs ist hartnäckig« Fortsetzung der gleichen 1 Politik, di, in Deutschland zum Sieg des Jastis» ! mus geführt hat. Nr. 10S Sonntag, 80. April 1SS8 Teile 8 Von Emil Franzet, Zur deutschen Ideologie. Nicht von Karl Marx', für das Verständnis Historischen Materialismus so aufschlußreichen daS Blut der Opfer des deutschen FasciSmuS rötet, von einer gewaltigen Geschichte des deutschen Geistes kündet und di« SA.-Banditcn, wohin immer sic ihre Stiefel setzen, buchstäblich in die Fußtavfen von Tausenden Deutschen treten, deren Geist der Gegenpol alles dessen ist, was der deutsche FasriSmuS Predigt und verbricht— daS ist das Unvorstellbare an dem deutschen Schicksal von anno 1933. Der Deutsche geht mit dem Janusgesicht des Kulturträgers und des Barbaren nicht nur durch diese Zeit, sondern durch die ganze moderne Geschichte. Er ist zugleich Olympier und Feldwebel, Denker und-Henker, Preuße und Weimaraner. Nirgends gibt cs wie in Deutschland z w e i B ö l- k e r in einem, dieselben Worte sprechend und doch ganz verschiedene Sprachen. Es sind nicht' die modernen Klaffen, die einander so fremd gegcnüberstchen. Den Klasscngegeissatz, den der Kapitalismus erzeugt, gibt es in jeder europäischen Nation. In Deutschland aber darüber hinaus den Gegensatz hi st arischer K l a>- s e n. deren Tenksormen sich auf einem Fragment von ökonomischer Grundlage bis in unsere Zeit erhalten haben. Deutschland Hal keine bürgerliche Revolution gehabt. Um 1800 blieb die Revolution der Bourgeoisie in Deutschland auf einen sehr kleinen Sektor der Gesellschaft beschränkt als eine rein geistige, eine philosophische Revolution. Sie ist ztvar eben darunr viel weiter gegangen als die französische, in der sich die Ideen Rousseaus und Voltaires mit den realen Klasie»fordernngen des Kleinbürgertums vermählen. Der geistige Prozeß, den die bürgerliche Revolution angeregt und bä>ingt hat, blieb in Frankreich stecken, in Deutschland wurde er wci- tergetrieben bis zu dein Punkt, da die Philosophie notwendig in Politik umschlagen mußt«, bis zu dem Punkte, da aus den Ähülern Hegels Sozialisten werden. Aber diese Enttvicklung der deutschen Kultur ging auf Kosten ihrer Massenwirkung. Während die deutsche Philosophie und die deutsche Dichtung um 1810 einen Gipfel erreichcn, der hoch über denen liegt, zu welchen Europa bis dal)in aufgeblickt hatte, bleibt die Masse der Deutsche», Bauern und Kleinbürger, in den vorkapitalistischen Ideologien stecken. Tas bessert sich 18s8 nur wenig. Auch dieser Versuch einer bürgerlichen Revolution scheitert, und ein großer Teil der bürgerlichen Klasse, der sich bereits mit modernen Ideen befreundet hatte, fallt nach der Niederlage nm so tiefer in das Philistertum zurück. Nur so erklärt sich die bürgerliche Ideologie des bismarckschen und des wilhelminischen.Zeitalters in Deutschland. Das Bürgertum nahm die nationale Einheit und den wirtschaftlichen Aufstieg, den sie förderte, als ein Geschenk der Feudalklasse hin, tvährend sie anderswo den Nationalstaat und die ökonomische Prosperität mit Aristokratcnköpfcn untermauert und mit Fürsteublnt gekitt«' hatte. Es entsteht unter Bismarck das Nebeneinander eines Mill- l ä r st a a t s und einer k a p i t a l i st i s ch e n Bourgeoisie, unter Wilhelm die weit groteskere Amalgamierung so wesensfremder Ele- mente, wie es die Welt des Kaufmanns und die des Ritters, die Romantik und der Materialismus sind. Der deutsche Kapitalist wnrde zum romantisch-rnystHchcu Börseaner, der preußische Junker zum stahlumgürtetcn Koofmich. Schon damals wandte sich die Well mit Schaudern vor der Karnevalsfigur, die halb in Ritterausrüstung halb in Iägerhemd mit Röllchen cinherging. Tas europäische, ja meist kosmopolitische Deutschtum weniger Intellektueller iu die- di« Idee des römischen.Weltreichs mit der der weltbeherrjchendcn Sendung des nordischen Menschen verknüpft, daS sind nicht Interessen der Völker und nicht Ideal«: darüber wird Buch geführt in den Bilanzen der Rüstungsindustrie, die ohne Ansehen der Nation Maschinengewehre und Gasbomben, Tanks und Flammentverfer, Flugzeug« und Unterseeboote verkauft an all« Böller der Erd«. Und wenn die innere Lage der Böller heute leuchtend deren internationale Verbundenheit zum Bewußtsein bringt, so zeigt die auswärtige Lage den finsteren Schatten jener andern International«, die die Völker gegeneinander hetzt, weil ver- gosseneS Blut Dividenden trägt. Im Namen „völkischer Belange" schindet man den kleinen Inden und vernichtet sein Geschäft. Aber einträchtig handhaben Jude und Christ die Millionen, die— aus französischem Erz mit englischer Kohle und Arbeitern aller Völker— Mordwaffen machen. Und einträchtig verbreitet di« Presse aller Sprachen die Lügen, auü denen der Haß ivächft und die national« Beiessenheit. B«i dem Krieg«, der Europa droht, werde» nicht außenpolitische Interessen der Völker anf- cinandcrplahen, wie die Nazis glauben machen wollen, sondern die Reaktion wir» versuchen, der Demokratie und dem Sozialismus den Todesstoß zu geben, lieber den Wirrtvarr der Grenzen yin- aus, ungehindert durch Nationalhymnen, ordnen sich heute zwei große Internationalen gegen einander: die Leibgarde des Klassenstaates und des Rückschrittes gegen die Kämpfer von Recht und Freiheit. Der FaseiSmus aller Länder schließt '«in« internationalen Bündnisse und kämpft seinen internationalen Kampf gegen die eignen Volksgenossen; dis Internationale deS Sozialismus kämpft dafür, daß jedes Boll ein Vaterland habe. Wer einem Volke die Freiheit nimmt, nimmt ihm 'ein Vaterland. Der FasciSmuS ist vaterlandS- loS. wie daS Kapital, dem er dient. des.Historischen Materialismus so ausschlußreichen Schrift gleichen Titel« will der folgeiidc Aufsatz handeln, sondern von dem typisch„Deutschen" an den Tenkformen, also dcni Ungeist, dem Mystizis- mus und der nackten Bestialität des deutschen FasciSmuS. Auf dies« allerdings sollen die Untersuchungsmethoden der marxistischen Geschichtsauffassung angewandt werden. Was»nterscheidet den deutschen FasciSmuS von dem magyarischen, italienischen, polnischen, von den terroristischen Systemen, di« wir seit Jahren kennen? Die größer« Q u a n t i t ä t der Opfex? Tas ließe sich vorderhand nicht behaupten.^Jn Italien sind Zehntausende vom FasciSmuS hingemordet worden. Wenn Mussolini und Hitler ihre Streck« gewissenhaft zählten, bliebe der deutsche Schüler des italienischen Meisters wahrscheinlich auch hier zurück. Vielleicht wird in Jahren die Zahl der Todesopfer des deutschen FascismuS an die deS italienischen hcranrcichen. Heute kann«S keineswegs die größere Quantität sein, die unS mit ungeahntem Schauder erfüllt. Ist cS daS Raffinement der Qualen, die Qua- li t ä t s gröhe der Foltern, die den deutschen FasciSmuS über alle anderen schrecklich macht? Auch das ließe sich schwer beweisen. Abgesehen von den grauenhaften Geschehnissen, die sich tn Italien bis zur endgültigen Niederwerfung der Opposition, ungefähr fünf Jahre lang, abspiel- len und die zu früh in Vergessenheit geraten ivaren, beweist die Geschichte des Weißen Terrors in Ungarn, beweisen die Balkangreuel, die Albert Londres, Henry Barbusse und manch an- derer Europäer, von Entsetzen gepeitscht, aufge- zeichnct haben, daß auch die Qualität der sascist-- schen Foltern, di« Intensität der Qualen, die das einzelne Opfer erleidet, das früher und andcrs- Ivo Erlebte nicht überbieten. Wer die Taten der rumänischen Stguranza kennt, muß zugcben, daß die scheußlichsten Repräsentanten d«S deutschen Nationalsadismus von den Gendarmen des Königs Carol noch manches lernen könnten. Dennoch haben alle, die verurteilt sind, die Aera, des deutsche» FasciSmuS als Zeitgenossen mitzuerleben, das an die Kraft der Ucberzeugung her- ranreichendc Gefühl, daß die Untaten des deut- lchen FascismuS unerhört und einzigartig sind, daß wir es mit einer Preußisch-deutschen Spiclari der Bestialität zu tun haben, die ihresgleichen lucht, und daß die von anderen Nationen und nicht immer von den berufenen— wenn man au. ihre eigene Geschichte und die Mißstände ihrer Staaten denkt— bezeugte Entrüstung über das Deutschland von heute ehrlich und auch in ihrer antideutschen Form durchaus echtbürtig sind. Dafür findet sich aber nur eine stichhaltige Begründung. Sie ist an dieser Stell«, und zwar in d«r Osternummer des Blattes, schon einmal vorgebracht worden. Es ist die: was den deul- lchen FascismuS vor d«n nichtfascistische» Deut- 'chen wie vor allen Nicht-Tcut'chen europäü'ch- meirschlichei Äesinnnng zu einer originellen und einzigartigen Erscheinung in der Geschichte der Barbarei stempelt, ist die R a u m- und S P r a ch v e r b u n d e» h c i t dcS Phänomens mit den Gipfelleistungen dentlcher Kultur. Daß die Reden Hitlers in der Sprach« Goethes gesprochen werden, daß "er sprachliche AuSwurf, den ein Goer'.ng von sich gibt, aus dem gleichen Wortschatz genährt wird anS dem Schiller geschöpft hat, daß die Verüber der Hunnengreuel das Lesen»nid Schreiben aus Büchern erlernt haben, in deucu Novellen von Keller und Storm neben Gedichten von Mörikc und Liliencron standen, daß jeder Stein, den heute Der internationale Gedanke and der erste Mai. Von Oda Olberg. Der e*ste Mai ist heute in tieferem Sinne international als in früheren Zeiten. Immer war er ein Fest der Verbrüderung, bei dem das Proletariat aller Länder über die Grenzen der Staaten und Sprachen hinweg seine Zusammen «Hörigkeit und die Gemeiniamkeit seiner Ideal« betonte. Heute sind aber die Reihen des Welt- prolctariats gesprengt. Nicht nur ine italienische und die ungarische Arbeiterschaft stehen'abseits: auch die einst so mächtige deutsche Sozialdemokratie fehlt. Den italienischen Massen ha» man einen andern Tag als„Fest der Arbeit" vorgcschricben. einen Tag, der nrtr für Italien gilt, um so zeden über di« Grenzen hinausstrebcnden SolidaritätS- gcöaukeu zu ersticken. In Deutschland hat man noch Schlimmeres getan: man Hal den der Inter- nationale der Arbeit heiligen Tag zum offiziellen Fest derer gemacht, die unter der Fahne der„nationalen Arbeit" Nation uild Arbeiterschaft knechten und entwürdigen. Unsere Gegner wählten, dadttrch den internationalen Gedanken zu vernichten und das Naiionalgefühl zu hebe». In Wirklichkeit ver- armen sie das eigene Land, indem sie eS zum Kerker seiner Bürger machen, und heben die Idee der Internationale hoch empor, machen sie zum Tabernakel all der Werl«, die das Vaterland den Volksgenossen vorenthält. Denn über dem Nationalismus als politischer Spekulation waltet ein eigner Unstern. Er nimmt den Menschen den gefühlsmäßigen Heimatboden. Man hat das zuerst bei der italienisckien Auswanderung gesehen. In vorfascistijcher Zeit kannten die Millionen italienischer Auswanderer, keinen heißeren Wunsch afs die Rückkehr in die Heimat. Auf ihrer mühseligen Wanderung in der Fremde, in den Bereinigten Staaien. in Südamerika, in Australien, war diese Hoffnung ihr Leitstern. Nach Italien zurück wollten sse alle. Heut wollen sie nicht mehr zurück. Seit ihr Vaterland zum Privateigentum einer Partei geworden ist, findet ihre Sehnsucht nicht mehr den Weg über den Ozcan, und sie'chlagen Wurzeln in fremder Erde. Und wohin flüchtet sich heute das deutsche Denken und Streben? Außerhalb der Grenzen deS deutschen Reiches. Wo darf man in deutscher Sprach« heul« noch deutsche Gedanken frei auS- sprechen? In der Sck)weiz und in Oesterreich aber auch in den deutsckwn Gebieten der Tschrcho- slowakischen Republik, im besetzten Saargebiet, im französischen Elsaß. Gerade in den Gebieten, dl-- der Nationalismus dem Deutichtnm verloren gab, findet«S heute Zuflucht. Denn Vaterland ist nicht- etwas, was■ man ausmünzen'ann in Parteivoneile, Monopolist«, reu zu persönlichem Profil, verwerten im Dienst, politischer Reklame. Es ist lebendige Zugehörigkeit zu Boden und Sprache, zu vertranten Gesichtern und vertrauten Sitten, es ist Kindheitserinnerung und Zuflucht: ein zartes Gefühlsgewebe, da- der KommiSstiefel zersetzt, das zerreißt, wenn inan es zum Behälter aller möglichen Interessen macht. So hat ntan den Italienern utid den Deutschen ihr Vaterland genommen, gründlicher als dies je«ine Fremdherrschaft vermocht hätte. Di« siegende Schicht macht daraus das Piedestal ihrer Vormacht, für die Besiegten bedeutet eS Rechtlosigkeit und Knechtung. Zu den bürgerlich Staatenlosen, die dei Krieg und die Grenzvcrschiebungen geschaffen haben, kommen heut« die seelisch Staatenlosen: alle freiheitlich Fühlenden in den Ländern unter der fascistischen Knut«. Und auch sie haben«inen Nain'enpaß. der ihren« Geiste die Grenzen öffnet, und daS ist die Idee der Internationale. Einer Internationale der MenschheitSgütcr, dir Freiheit und Recht hegt, wenn die Vaterländer sie verbannen. Aus einer Abstraktion ist diese Internationale heute eine Wirklichkeit geworden, etwas Lebendiges mit einer konkreten Aufgabe. Was man aus italienischen und ungarischen Erfahrungen nicht hat leriten wollen, das hat man nunmehr aus den deutschen gelernt: die Bedeutung der Demokratie und des Rechtsstaates. Gleichzeitig mit dem Bewußtsein der eigenen Bedrohung hat heute das Proletariat das seiner internationalen Aufgabe. Wo es noch Recht und Freiheit gibt muß es sie verteidigen, um das eigne Vaterland zu schützen--nd den andern zu helfen, sich wieder ein Vaterland zu schaffen.-Heute kann weder in Spanien noch in Frankreich, weder in der Tschechoslowakei noch in der Schweiz für die Demokratie gekämpft werden, ohne daß die Sache des italienischen, des ungarisckuui, des deutschen Volkes verfochten wird. So lebendig, so allgegenwärtig, wie heute, war das Bewußtsein internationaler Solidarität noch nie. Es hat ein schemenhaftes Dasein geführt, bis man'hm das Blut deS Bürgerkrieges zu trinken gab. Im ruhigen Besitz erfaßt man nicht den Wert der Dinge. Erft, wenn er Freiheit und Recht und Vaterland gefährdet sicht, weiß der Mensch, was sie ihm gelten. Am Erlebnis Deutschlands.sicht heute das Äeltproletariat. nut was dei Kamp' geht; das AuSgelchalteNverden der vom Fascis- muS überwältigten Länder weist ihm eine größere Aufgabe zn als je zuvor. Was hettte in Europa vorgeht, das ruft all« demokratischen Kräfte aus im eignen Vaterland das fremde zu verteidigen, im fremden Vaterland daS eigne gefährdet zu sehen. Es gibt eine Internationale die im ur- wüchsigsteu und eigensten Wesen eines icden Lau- des ihr« Wurzeln hat: das ist die Internationale der Freiheit. Sie kämpft für Güter, die alle Böl- irr erstreben, di« man keinem zu nehmen braucht um st« dem andern zu geben; eS liegt ihr ob, zu hüten, was den Sinn und Wert eines Volkes aus macht, ohne was ein Land kein Vaterland, die Scholle kein« Heimatschollc ist. Noch nie hat ein erster Mai di« ideelle Einheit von Heimattreue und internationalem Gedanken in einer prak tischen Aufgabe verkörpert, wie in diesem Jahr, wo ein großes Volk unter dem verlogenen Motto der nationalen Wiedergeburt entrechtet und zum Werkzcttg fremder Zwecke gebraucht wird. Denn den Weg seiner eignen wesensgemäßen Zwecke geht ein Volk in Freiheit und nicht unter dem Druck der Gewalt. Wer knechtet, legt.Hand an di« Werte der Nation, durch Fremdherrschaft oder Landesverrat. Und er legt Hand an Güter, die man heute in einem Volke nicht verletzen kann, ohne sse int andern zu gefährden. Während der Nationalismus aller herrschen den Klassen einen internationalen Jntcressenring um die Welt spannt, vom Kln-Klux-Klan und hundertprozentigen Amcrikancrtnm zum italieni schen FairiSmuS, von der ungarischen Reaktion zn den deutschen Nazi, und seine eignen Zwecke in der Internationale der Schwerindustrie und der .Hochfinanz verneint und aufliebt, bejahen Demo kratie und Sozialismus sich selbst und ihre Ziele in der Internationale. Die internationale Inter- effensolidarität aller Völker im Kampf für Frei heit und Recht ist eine Tatsache und ein Joeal. Was aber die nordamerikanischen Trusts antreibt. die Knechtung d«S italienischen Volkes zu finan zieren. und die deutschen Nazi, mit dem Henker von Südtirol gemeinsam« Sache zu machen, was tniiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiitiiiiminiiniinniiiinniiiiiiiiniiiiiiiiiiiii[iiiitiiiiiiiiiitiiiiiniiiii)iiiiiiiiiitiiiiitintiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiniiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiitiiiiniiiiitiiiiiiiiiiniiiiiifiiiiiiiiiiim(iiiiiitni 1. Mai 1933 Ihr glaubt un« tot. Für immer überwunden Und haltet schmähend lieber un» Gericht. Da« Arbeitsheer Der Welt Wähnt Ihr bezwungen? «Hut Ihr— Ihr Toren— Euren Irrtum Richt? Ob Ihr un» beugt— R i c könnt Ihr un» Zerbrechen! Da» Feuer sind wir Das kein Sturm Verlischt! Gefesselt noch Und an das Kreuz Gebunden Erhebt di« K l a f f e Siegend ihr Gesicht! Wohl!— Ihr habt Macht In Euren blutigen Händen! Noch habt Ihr sie. Doch wehe! Eine Nacht— Im heißen Schoß De« blutigroten Morgen— Hat ihre StnrmeSsackeln Schon entfacht. Weh Euch! In dieser Rächt Gewittern Wird Eure Macht Wie spröde» GlaS Zersplittern. Wenn au» den Fesseln Rote Lohe bricht Dan« steht Die Klasse auf Zum Weltgericht! Srua Haberzettl. ser Gesellschaft konnte sich nicht durchsetzen, weniger als hundert Jahr zuvor. Im Schoße der modernen Gesellschaft war in Deutschland ein« feudale Ideologie erhalten geblieben, die am Ende den Mutterboden übcrlvnchert«. Ihre ökonomische Unterlage, von der aus sie immer frische Kräfte bezog, waren natürl'-ch F ü r st e» t n m und Adel, A rinee und Bürokratie, also die historischen Klassen, di« ökonomisch und sozial in Deutschland weiterbestanden, keineswegs absterbend, sondern bis 1918 als herrschend«, nach 1918 als kaum geschwächt« Klass«. Da die Revolution von 1918 in Wahrheit gar keine war, sondern einfach die Uebernahnt« eines bankrotten Staatsgeschästes durch die Arbeiterschaft als Konkursverwallcrin, da der Umsturz von 1918 zu allerletzt eine b ü r- g« r l i ch e Revolution war, obschon er den bürgerlichen Staat begründet«, blieb auch in der Republik zugleich mit dem ökonomischen Rest von Feudalismus di« halbmittclalterlichc Ideologie des Kleinbürgers bestehen, ans der dann der Nationalsozialismus geschöpft hat. Die Deutsche Ideologie" in ihrer Besonderheit innerhalb Europas, das ist also eine vorkapitali. stische, auf dem Feudalismus erwachsen« und mit der modernen Weltanschauung nur in komisch«» Bastarden gekreuzte Denkfvrm, in der Mystik und Romantik. Lehenstreuc und Fememorde, geistige Primitivität nicht minder als komplizierte seelische Verfallserscheinungen üppig gedeihen. Was anderstvo die Ausnahme ist, das gerade ist in Deutschland die Regel. WaS anderstvo di« Museen füllt, ist in Deutschland lebendiger Spuk, der am hellichten Tage einhergeht und jene mordet, di« anders ansschen, anders denken, anders fühlen. Darum begreift Europa dieses Deutschland nicht. Darum hat Deutschland sich selbst nie begriffen. 15 Jahr« haben die Demokraten am wesentlichen vorbctregirrt, weil sie glaubten, im Schoße einer bürgerlichen Gesellschaft zu leben. Jahrzehntelang haben die andern in der Demokratie den BaterlandSverrat, undeutsche Gesinnung und am Ende den lcibl-aftigen bösen Feind gesehen. Es waren uralte Gegensätze im Denken, die auf deutschem Boden forllcvten, die heut« noch das deutsche Phänomen zum grauenhaften Weltwunder machen. Nur wer die Reste des Feudalismus in Deutschland beseitigen und den Ksein- bürger mit unsanfter Hand den modernen Ideen botmäßig machen wird, nur der wird Deutschland der europäischen Bölkerfamilie einverleiben können, ohne daß cs in ihr das Enfant tcrribsc nach d«r blutig ernsten wie nach der komischen Seit« spielt. Gelte 4 Gönnt«-, Ktz. IAN Ar. 102 Der Feirrhifi Arberf Rnrtrft» AnliKi nmmuiininiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiininnimniHmRiiniiiiiiininiiiiiiiiiiiniiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinnninnnniiiiriiniiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiniiiiniiiniiiitniiiniiiniiinniitiiit hrw | Nachdruck vertonten. Anr Rei 88 kMS rney« ihren do ml> Stan, Er broochf nur die Lampe richtig su stellen und sofort wird er em„großer Mann".., der beute leider am Erscheinen eine Rolle hat mit Erfolg Adele sche.nungen Bchatrsung gesehen hatte, nahm fein Verhalten logar eine väterliche Note an. Er bestand darauf. Karl für die zwei Monate, die er in Wien zu bleiben gedachte, in allem zum Kumpan zu haben. Karl hatte jedoch große Vorsätze, denen er schon weshalb ohne Aufschub und Abstrich gerecht wer- den wollte, weil er glaubte, nur dann einen Er- olg erwarten zu dürfen. Karl war da von einer Moralität, die fast zimperlich und schon mit Aberglauben gemischt tvar. Er blieb aufrecht und 'chien recht zu behalten. Die Generaloffensive um einen Posten, die darin bestand, daß er mit zwöls Abschriften seine! Curriculum vitae in den Per- -onalbüroS der zwöls größten Firmen seines Be- z;rks oorsprach, endete schon am ersten Taae damit, daß ihn eine Wafsenfabrik, die aus Karosserie. und Flugzeugbau untgestellt wurde, in ihre Dienste nahm. Zwar nur auf zwei Monate, da er bloß währen- einer Inventur verweudet Iver. de» lallte, doch Karl genügte daS. Auch der BaukkurS. in den er sich zugleich einfchreiben ließ, wnerie keinesfalls länger. Uno das Wesentliche die Seßhaftigkeit und das Geldverdienen sollte ja erst nachher einsehen. Karl fühlte sich wieder gut im Start. Die ungemeine Vermehrung der Banken, die In die. ier Zeit der Zahlungsmittelknappheit eine Hoch- konsnnktur sondergleichen hatten, bewies ihm, daß ,er gut beraten war. Und an de» Sonntage» nahm er an einer Traumwelt teil. Er fuhr im Auto zu großen Meetings, er lernte das internationale Register der Bardrinks kennen, er sah i» der Ronacher-Revue nackte Frauen aus dem Rand einer schwingenden Riesenglocke stehen und er hatte in dieser Zeit weinseliqe Nächte und Mädchengesellschaft. Oscar Petersson, von der Leidenschaft besessen dal Seine dent harten Gott der Zeit z>« opfern, indem er an einem österreichischen Fliegerosfizier, der rührend arm war und acht Narben hatte, soznkagen den Firmpaten des Lebens spielte, OScar Pettersson brachte auch 'l nicht gerade die neben dieien vaar ondcrr Kerrie- rik rrnd c L r r drc Är inth nur. Wrpf’ KARI* UND DAS 20. JAHRHUNDERT M Roman von Rudolf Brunngraber Copyrlglh by Socletat«*Verlag, Frankfurt am Main 1983 Tatsächlich schienen die Tage für Karl nun lichter zu werden.' Er, der icit den Zeiten der BlutSbrüderschaflen keinen Freund gehabt hatte, fand nun in wenigen Stunden einen. In dem Ingenieur Oscar Petterison, der nm zwci Jahrc alter war all er, ans Oerebro stammle und gleichfalls nach Wien fuhr. Angeblich, um fein Schuldeutich zu verbessern in Wahrheit, west er sich unterhallcn wollte und die österreichische Papierwährung. die von seiner Krone mir nach Gewicht gekauft wurde, ewfür von unwidersteh licher Lockung war. i?Scar Beucrsson nahnt Karl schon aus deut Perron in^erebro in Beschlag Er verfügte über tene gesellige Art. oie allmächtig ist. Er belaß die innere Vergnügtheit, die augen zwinkernde. unuiiierbrochene Berenichaft. über die Schnur zu Hanen. d>e bei gebildeten Menschen ebenso«eiten ist wie eine gute Haltung bei dum men. Dazu war die'em Schweden ein iehr an genehmes Aeußere gegeben. Er glich mit''einem saftig schwarzen.Haar und de» Schwärzen Knops. äugen dem sportlichen Typ der inngen amerikam. schen Filmleute. Jedenfalls war kür Karl'Dscar Pcttersionj Weien ein Labial und Oscar Pct- terfson wieder bezog die Grundlage kür seine Hoch achtung auS Karls Kriegserlebn'ssen nach denen .er schon beim zweiten Mnndanftun fragte. Er bot deiti-Helden auch MEINEM Munde zu erfahren, welches der Kurs M ReichSschiffc» sein wird, dessen Steuer MEINE starke Hans ergriffen hat. BolkSgenosien, ICH bekenne, Ihr habt em recht darattf, endlich zu erfahren, wohin die ,'e geht. Indessen, Ihr wißt, wir sind von Feinden rittgS umgeben, von Feinden, die uniere Vernichtung wollen— Der Feind dort mit, Volksgenossen! Und daS zwingt MICH und Euch zur Zu- rückdollung! ICH lasie MIR nicht in MEINE Karten schauen; ICH lasie MIR nicht MEINE Pläne durchkreuzen! ICH bin ICH und ICH bleibe IC Hf Und schließlich, Volksgenossen, seid ehrlich! Ihr habt ia gar kein Programm von MIR er- wartet, weder heute, noch jemals, keine Taten und anständigsten waren. Karl aber fühlte sich warm durchzogen. Im Grün der Sportplätze und im Gefunkel der VarietöS kam ihm dal Bild Ma» rynaS wieder und er dachte: daß es nie eine sein ollte, die ihr nicht bis inS Augenlid gliche. Sein Herz sättigte sich an diesem Gelübde, sein Leben schien wie ein reicher Sommer vor ihm zu liegen. Allein als Oscar Petterffon abgereist und seine Zeit bei der Karosseriesabrik abgelaufen war, fand Karl— denn die Großbanken waren über rannt— nur eine schlecht bejghlte Anstellung bei' der Winkelnengründung Flügelmann& Co. DaS Lokal war vierzehn Tage vorher ein Volks cafe gewesen und wurde r"— Jt Monaten wieder.. WWW ihm Flügelmann& Co. daS letzte Gehalt schuldig Notenpresse arbeiteten in Schichten, blleben. Dafür vermittelten sie ihm. ehe sie ein-! gesperrt wurden, noch einen anderen Posten.Hier,! bei Tortmann. Sarfan& Co., dauerte die De-j visenwalpurgiS viereinhalb Monate. Die Chefs wurden nickt eingclperrt, daS letzte Gehalt blie ben anck sie schuldig. Nun fand Karl so bald keine Anstellung mehr, er nnthte es wieder lernen, zu hungern. I» dieser Zeit setzte er seine Hosf- nnng aus den Anschluß Oesterreichs an Deutsch land. Die Volksabstimmungen, die entgegen dem Ein. lpruch der Iiegermächte, eben durchgesührt wur den, brachten begeisterte Ergebnisse. Tirol hätte sich mit 147.000 gegen 2000 Stimmen für den Anschluß erklärt, Salzburg mit 120.000 gegen 800. Zwar kannte auch Karl diesen Artikel des Versailler Vertrages: Deutschland erkennt die Unabhängigkeit Oesterreichs an und verpflichtet sich, sie unbedingt zu achten; Deutschland erkennt an, daß diese Unabhängigkeit unabänderlich ist, e- kei denn, daß der Rat deS Völkerbundes einer Abänderung znstimmt. Und Karl wußte auch, daß die Beschlüsse dieses RateS einstimmig, also von Frankreich toleriert sein mußten. Denn der Völkerbund. 1020 aearündet. vertrat zwar drei Viertel der Erdbebölkerung, aber er war diese keine Leistungen. WaS Ihr wolltet Ivie oft habt Ihr es MIR in Vevfammlungen entgegengeru- fen!), was Ihr wolltet, das war, daß Ihr MIR Vertrauen und Mauden entgegenbrinaen dürft. Vertrauen und Glauben in MEINE Sache! — Worin aber MEINE Sache besteht, das, Volksgenossen, ist MEINE Sache! Und bleibt MEINT Sache! Volksgenossen! Der Bierjahrplan ist im Rollen. Dieser Bierjahrplan wird jedem das Seine bringen, und was für jeden das Seine ist, das bestimme ICH. Wir sind auf dem besten Wege. Seit dem 30. Jänner, dem Tage MEINES RegierungS- antrittS, haben sich die deutschen Verhältnisse von Grund auf und— ist darf eS in Demut bekennen— tunt Guten geändert. ES war MIR möglich/ MEINE Pg.'S in wohlbezahlte Posten zu sehen, nachdem wir das echt« DerufSbeamtentum wieder eingeführt hoben. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: ein einfacher Dekorationsmaler wird Reichskanzler, ein Morphinist wird preußischer Ministerpräsident, ein Psychopath wird Kultusminister, ein Fememörder wird DreSlauer Polizeipräsident, ein Päderast wird StaatSkom- ntissar zur„besonderen" Verwendung!-Volks- genossen, die Revolution mar- schiert! Und auf wirtschaftlichem Gebiet? Wic haben die Arbeitslosigkeit überwunden, teils durch dic Verdeutschung der Statistik, teil- durch die aktive Mitarbeit unserer braunen MordkommattdoS. Wir haben dem Volk wieder Freude am Leben geschenkt! Der Materialismus der Marxisten ist überwunden! ES kommt nicht ntehr darauf an, ob die Löhne hoch oder niedrig stick), ob man satt oder hungrig ist. Maßgebend im Dritten Reich ist nur noch, wie man seine Lage trägt. Und um Euch tragen zu helfen, haben ivir Fackelzüge und Reichstagsbrände, Geburtstagsfeiern und Feuerwerk veranstaltet. So auch heute, VolkSgcnosien!— Der Allmächtige will, daß wir siegen! Wer daran zweifelt, der wird erschossen! Ganze Arbeit gilt eü zu leisten! Da» ist MEIN Wille! Und MEIN Wille ist oberste- Gesetz. Und sollte trotz alledem die Sache einmal schief gehen, dann BolkSgenosien, werden wir, wie dunnemalS an der Feloherrnhalle in München, in Schönheit und Wurde zu sterben wissen. Jeder an seinem Platz: ICH im sonnigen Süden in meinem Palast am Meer, Ihr in den dumpfen Gassen de» Bürgerkrieges; Ihr sofort, und H dann, wenn MEINE Zeit ohne- abgelaufen sein wird. So, Volksgenossen, sind die Rollen Im Dritten Reich verteilt. Ihr arbeitet für- MICH und ICH arbeite auch für MICH. Da»»st- die echte EinheitS- fr on t I Und so soll eS bleiben, jetzt und immerdar. DaS walte Gott und das walte JC-H. Nun auf, an s Werk! Laßt die Raketen steigen, die Bomben krachen. Dan» tut der Hnnaer nicht mehr weh, dann vergißt man die trostlosen drei Monate MEINER Negierung, die schon hinter uns liegen, dann täuscht man sich leichter über die herrlich« Zukunft hinweg, der ICH Euch«ntgegenführen werde." Heil Hitler! «> Die Musik spielt die Kaiser-Hymne. Adele Sandrock hebt den Feldmarschallstob und Hitler die rechte-Hand. Spottgeburt einer Institution, wic sic der belgische Abgeordnete Becrnacrt 1007 vorauSgcsagt hatte. Doch Karl hoskie, siebst Fran,reich müßte einsehen, daß dieses Oesterreich nickt le. bcnsfähig sei. DaS Land belaß nur 25 Prozent anbaufähigen Boden und außer Eise» und Mag. nesit gerade noch etwas salz und wertlose Braunkohle. Es mußte 30 Prozent seines Fleischbcoarf» oinführen. 00 Prozent seines Kunstdüngers, 70 Prozent vnn Kohle sind Weizen und 90 Prozent seiner Textilien, zu schweigen von Erdöl, Kaffee. Tabak und dergleichen. Seine „........, voluminöse Industrie abed, die diese Einfuhr eS nach zweieinhalb' bezahlen sollte, hatte seit dem Zerfall der Mouar- Für Karl mit-er Folge, daß| chic keine Märkte und die Arbeiter der staatlichen “‘'“■*“"‘‘.■pi/"Die Krone repräsentierte gerade noch einen Wert eines Zehn- 'rlcrntime. Frankreich hatte sich indessen auf den Kon- screnM von San Remo und>n Boulogncvar ct entschlossen, mit Hilfe einer japanischen Berichterstatters im Völkerbund und einer Neberprü- fnngSkommission, die auS einem Belgier, einem Spanier, einem Brasilianer und einem Chine'»" zusammengesetzt war, Deutschland von seinen GO oberschlesischen Kohlenbergwerken 50 zu nehme». Dieses Frankreich ließ sich auch wegen viereinhalb Millionen erwachsener Oesterretcher keilte graue» -Haare wachsen. (Fortsetzung folgt.) der Adolf! Reichskanzler Hitler: Majestäten! Kaiserliche und Königen! Exzellenz»! Und schließlich Ahr, en und Volksgenossen! Tag. den Ihr alle ersehnt bahr, ist kommet». Er ist gekommen, Volks- i»i Sonntag, 80. W>ri( 188b Seite v Nr. 102 *'Uu. UiHhM’ So haben sie uns denunziert! Das sind die pollllsdien Kampfmittel der sudetendeutsdien Nationalsozialisten! Wird die lasclstlsdie Dttrgerprcssc auch darüber in Aufregung geraten? 'm.m.-■'*•«, i, ii Genossen, Ingi nnennttdlidi die kommunislisdien Aneiter: Wann will Mattan nhkt Her Ole Weltelnnellslreel verhandeln? Kommnnlstlsdie Arbeiter, wie reimt sidi das? Nichtangriffspakte mit Imperialistischen Staaten, keinen Waffenstillstand mit den Sozialdemokraten! Kommunisten. Ist dos Internationale Solidarität? Weg«« einiges kleiner Lumpen führt Stalin Wirtschaftskrieg mit England, den Kerkermeistern van fünf Millionen deutschen Kommunisten stattet indessen Lit- winov Freundschaftsbesuche ab. Sind 200 Millionen neuer Russenkredite der Hiilerregierung mehr wert, als Leben und Freiheit de» deutschen Proletariat»? aMnmWIMK Arbeiter, wer M In MünitlMNMf! Ein SMostzlminister hat schon den Papst besucht, die Sowsetflotte war zu vast in Mussolinien, Litwinov bat am Tage der Auslösung der KPD mit dem Hit- ler-Minister Neurath gefrühstückt— warum will Moskau nicht mit Fritz Adler und der Züricher International« verhandeln??? judeu aus der Redaktion der ,,B o h r m i a", des Brünner ,,T a g e S b o t c", die Provinzfascisten aus Tevlitz, R u m b n r g, R«i ch r n b e r g, Eger ufw. zu diesen beispiellosen Verleumdungen und Denunziationen sndetenoentscher„Volksgenossen", die mit einer Berserkerwut, auf die jeder nationaldemokratische Staatsanwalt stolz lein könnte, den tschechischen Behörden auSgclie« sert werden sollten? Vergeblich wird man da auf Kundgebung der Empörung warten, obwohl die hier zitierten Denunziationen nicht bloß vor dem Bolktfport-Prozeß, sondern auch ein zweites Mal nach dem Urteil de» Brünner Krei»- aerichte» und nach dem militärischen Gutachten im Brünner Prozeh von den Nazi veröffentlicht wurden. Denn die Nationalsozialisten haben auch au» dem BolkSsport-Prozeß nicht, gar nicht» gelernt und auch nach dem Urteil ihre Deminziationen fröhlich fortgesetzt. Schon während de» Prozesse» erzählt« der Hauptverteidiger Dr. Stark in seinem Plädoyer dem StaatSanwalt von der Eristcnz einet gemeinsamen Feldlager» der Roten Wehr und de» Reichsbanner» bei Graupen und knüpfte an diese Darstellung di« rhetorisch« Frage:„Wann komme« di« dran." Und die», obwohl e» ein solche» Lager der Roten Wehr niemals gegeben hatte. Aber selbst nach dem Urteil hörten die Denunziationen nicht auf. Am 24. September schrieb der Abg. Schubert im„Tag": „Wir dürfen nicht marschieren, unt verbietet man do» Wanderkleid, unser« Leut« sitzen auf den Die Enthüllungen der sozialdemokratischen Presse über die Zusammenarbeit der sudetendeutschen und rcichSocutschen Nazi-Fascistrn, die erst über wiederholte» und ausdrückliches Ersuchen deS nationalsozialistischen Zentralorgan«, de»„Tag", erfolgte, hat in der völlig saseislerten Bürgerprcfsc diese» Landes einen Sturm schlecht gespielter „Empörung" hervoraerusen. Man versucht itun, da c» der hiesiaen Hitlerfilial« an de» Kragen geht, unS deutsche Sozialdemokraten als Denunzianten zu diffamieren, obwohl niemand als gerade die nationalsozialistischen Führer besser weiß, mit welch völlig unverdientem Maß von Ritterlichkeit die Sozialdemokratie den Kampf Bn die Todfeinde der sndclcndcntschen Arbeiter. e geführt hat. Wir halten e» für überflüssig, un» vor einer politisch auch nur einigermaßen informierten Ocffentlichkeit gegen den Vorwurf de» Denunziantentum» zur Wehr zu setzen, aber wir wollen trotzdem Nicht ermangeln, nachzuweisen, mit welchen Methoden die Nationalsozialisten ihren Kampf gea« sind, di« den größten T Presse In Uniform. Dir widerstandslose Unterwerfung unter di« Gebote deS HitlerkommissarS im Berliner Mosse- HauS hat dem„Berliner Tageblatt" einen stäiidig wachsenden Rückgang gebracht. Au» der SoiintagSnummrr ist di« dort immer mitgcteilte Auslagezisser verschwunden. Al» vor einigen Wochen da» Gerücht umlief. Moss« habe verkauft, muhte da» ,,B. T." kategorisch dementieren: dieser Tage teilte eS mit, daß Lachmann- Mosse den Verlag„seinen Mitarbeitern übergeben" hat und daß er auf 5 Jahre Verzicht aus zeden Anteil am Urberschuh zugunsten«ine» KriegSopferfond» leist«. Di« Leser sagten dazu nur, daß er damit wohl auch den Anteil am Defizit lvSgelvorden sei. Da» andere Mossr-Blatt, die„Berliner Volkszeitung",«inst gar sehr radikal, hält sich noch einigermaßen, da ihr Abendblatt alS einziges nur ö Pfg. kostet. Den Gewinn vom Verfall de» Hause» Moss« hat die„Deutsche A l l g. Zeitung". Einst von Stinne» aufgckauft und regeneriert, vertrat sie jahrelang die Interessen der Schwerindustrie, machte immer mehr Propaganda für Hitler und wuroe kräftig von der Reichsbahn subventioniert. Jetzt aber ist sie beinah« da» einzig« Blatt, da» immerhin nochmal in einer Ueberschrist, im Kommentar, in der Gruppierung der Nachrichten zu zeigen wagt, dah noch nicht all« Scham zu de« Hunden entflohen ist. Freilich wird da» alsbald durch Artikel gegen MarxiSmu» und Gewerkschaften ausgeglichen. So ist e» denn bisher bei einer Verwarnung geblieben. Auch Ullstein»„D o s s i s ch« Zeitung", di« durch Freilieserung di« Flucht der„B. T.". Abonnenten für sich einzufangen sucht, riskiert ab und zu noch, leiseste Bedenken zu äußern. Man behauptet, daß„Boß" und„Frankfurter Zeitung" unter dem besonderen Schutz de» Auswärtigen Amte» ständen und daß man sie ungeschoren lasse, damit man sie dem Ausland al» Gegenbeweis gegen angeblich« Pressekncbeluna Vorhalten könne. Da» Ware allerdings die denkbar naivst« Spekulation. UebrigrnS haben auch di« liberalen Blätter di« meistenJudenau» ihren Redaktionen entfernt. Bei solcher Willfährigkeit könnt« di« Terrorregierung vielleicht sogar auf di« Nachahmung de» italienischen Register» verzichten. Diese» Realster enthält nämlich alle, di« Redakteure oder Mitarbeiter an inländischen Zeitungen oder Zeitschriften sein können — wer da nicht drinsteht, darf eben nicht! Da kann man sich dann schon den Witz erlauben, „volle Preßfreiheit" zu verkünden, womit man auch schon begonnen hat, und wa» ja auch in Italien selbst auf dem geduldigen Papier der Verfassung steht. Jedenfalls wirft diese» Register seinen Schatten voraus. Da hatte z. B. gleich am Anfang dieser großen Zeit die Münchener Ortsgruppe de» ReichSverbandc» der deutschen Presse den Pressechef Hitler», einen gewissen Dietrich, ausgeschlossen, weil dieser den ReichSverband wegen seines Eintreten» für die Preßfreiheit beschimpft hatte. Darauf fiel die allerhöchste Ungnade auf den RcichSverband,«r wurde boykottiert und da» konnte er nicht ertragen. Zwar hat der ReichSverband bisher immer seine Ausgaben au» seinen Einnahmen ohne StaotSzuschuß gedeckt, zwar war«» der Marxist Severing, der ihm da» Palai» an d«r Tiergartenstraße al».Hau» der Presse zugewendet, sein« Einrichtung und Erhaltung ermöglicht hat, zivar haben in Berlin und vielen anderen Städten gerade auch Sozialdemokrat den ReichSverband mit aufgebaut— aber al» Goebbel» verlangte, daß Marxisten und Juden ausgeschlossen oder mindesten» zu Mitgliedern zweiter Klasse degradiert werden, die keine Funktionen auSüben dürfen, da klappten die bürgerlichen Führer de» deutschen TageSschrifttunt» wie di« Taschenseitel zusammen. Wie gewünscht, Io geliefert. Aus einmal waren die Nazi», die größtenteils bi- dahin nicht Mitglieder gewesen waren, also keine Beiträge gezahlt, keine Arbeit geleistet haben, im Verband, besetzten die Aemter und berauben so und sovicle alte, bewährte tätige Mitglieder ihrer Rechte. Diese Umstellung deS NeichjvcrbandrS der deutschen Presse wird für seine Kartcllvrrbände im Ausland Wohl nicht ohne Interesse lein. Wenn nur eine Gruppe Journalisten— nämlich die auSländischcn Korrespondenten in Berlin— gewogt hat, Widerstand zu leisten, al» man von ihnen die Absetzung ihre» Präsidenten, de» Amerikaner» M o w r«r, forderte, so entspricht das dem RechtSzustand Im erwachten Deiitschland: Nur der Ausländer hat noch eine gewisse Rechtsicherheit. Der Schutz seiner Gesandtschaft bewahrt Ihn— wenn er nicht Ostsud« oder Kommunist ist— vor Verschleppung, bestialischer und sadistischer Mißhandlung, vor Erschlagenwerdcn. Prominente Journalisten wagt man auch nicht auSzuweisen. Geschieht die» aber doch einmal, so werden S nicht jene Vertreter deS Horthy-LandcS . betroffen werden, die gegen den Widerstand in Sachen Mowrcr aufgetreten find. Freilich sind da» Persönlichkeiten, bei deren .Herannahen schon seit längerer Zeit da» Gesprächsthema gewechselt wird... So fleht da»„Verbot" der Uniformierung politischer Partei«» an«! Rote„Wehr" in Eger am 1. Mai 1082. In voller Kriegsbemalung! sMit Kappe, Schulter- und Bauchriemen und Distinktionen am link«« Bermel!) Und ferner ein Bild der Roten Wehr beim Maiaufmarsch 1032 in T r a u t e n a u mit dem Katastrophentitel: „All«» militärisch!!" Statt sich gegen die tschechische Bürokratie zur Wehr zu setzen» haben unser« Nazi ihr« wich- tigste Aufgabe immer darin erblickt, diese Bürokratie den deutschen Sozialdemokraten auf den Hals zu hetzen. Denn wie reaAerten sie regelmäßig auf die Verbote ihrer Beranstaltungen? Als ihnen im Juli 1032 ein Volksfest in S P o- r i tz im Bezirk Komotau verboten wurde, entgegneten sie darauf: „Die deutsche« Sozialdemokrat«« hingegen dürfe« mit verbotenen Fahnen, mit Spi«lmann»züg«n, In nicht bewilligte« Uniforme«, ja sogar m i t ihren reichSdentfchen Genossen ausmarschieren, ahn« daß di« Behörden dara««in«« Anstoß nehme«..." Also sogar di« roten Fahnen sollen un» von den politischen Behörden verboten werden, wenn c» nach den Wünschen der nationalsozialistischen Befreier der sudetcndculschen Minder bett ginge. Aber man höre noch iveiter und staune, was in der nationalsozialistischen Presse möglich Anklagebänken, unser« Vereine und Versammlungen werden aufgelöst und auf der anderen Lett« trommeln rot« Falk««, marschiert Rote Wehr» trifft sich im Lager bei Geländespiel mit d«r roten Gard« Deutschlands, läßt sich Sturmsahne« schenken, wo wir unser« Wimpel«inrollen müssen." Und auch Herr Jung schlug wieder eifrig gegen unsere Organisationen lo». In einem Bc- richt an die nationalsozialistische„Gcsamtleitung" befaßte er sich mit dem Verhältnis dr» nationalsozialistischen Jugcndverbandes und anderer Randorganisationen zur Partei und versuchte abermals nach;uweisen, daß die Nazi noch lange nicht so schlimm seien wie die bösen Sozialdemokraten. Die kritische Stelle deS Berichte» wurde damals im„Tag" konfisziert. Sie ist un» trotzdem bekannt und besagt von den nationalsozialistisch«» Randorganisationen: „Sir haben nicht einmal zu unseren Parteitage» stimmberechtigt« Vertreter entsendet, während da» bei den 2 ozialdeni»traten gang und gäbe ist, wie di« gerade setzt in der sozialdemokratischen Press«, verlautbarte Einberufung de» im Oktober stattsindendcn Parteitage» erweist, wo unter Berufung aus da» Organisation» st a t«t Gewerkschaften, Geuos- senschafte«, der Jugendvirband, Turn-, Sport- und Radsaheerveretn«, Länger« und Bbstinentenbünd«, ja selbst di» Freidenker und Rundfunkhörer stimmberechtigt« Vertreter entsenden." E« gibt buchstäblich kaum eine sozialdcmo- kratischc Bereinigung, von den Roten Falken angefangen bis zu den Gewerkschaften, die von den Nationalsozialisten nicht denunziert worden wäre. Kein Mittel der Lüge und Verleumdung, der Bc- lpitzelnng und Denunziation war diesem Gesindel schlecht genug, um die deutsche Sozialdemokratie zu schädigen. Die feinen Pläne sind allerdings vanebengelungcn. Aber wenn ihre Urheber jetzt aufschreien, weil wir un» dagegen wehren, die blutigen Hitlermethoden auch bei uns importieren rit lassen, weil wir ihnen einen kleinen Teil deS belastenden Materials auf Wunsch Ins HauS liefern, dann wollen wir ihnen und ihren jour- nalistischcn Helfershelfern ihre eigenen Schandtaten, ihre eigenen Bernaderungen und Verleumdungen so lange nm die Ohren schlagen, bis sie sich, mit dem Schandmal de» Denunziantentum« gezeichnet, keinem anständigen Menschen mehr unter die Augen trauen. die Rationalsozia- >en un» führen, daß sie e» 'eil ihrer antisozialistischen Propaganda'mit' den schäbigsten und feigsten Denunziationen bestreiten, daß cs die-Herren Jung, Kreb» und-Konsorten und vor allem die Redaktion de»„Tag" waren, die Denunziation und Naderertun» zum Prinzip erhoben haben: Sogleich nach der behördliche« Auslösung de» fascistischen Volks-Sport setzte die Dennnziation»- kamvagne der Nationalsozialisten ein. Am 8. März 1932 nahm der Abg. Jung Im„Tag" zur Auslösung deS Vereines Stellung und schrieb: „Auch der BersainmlungSschuy, besten wir angesichts deS sozialdemokratisch-lom- munistischen Terror» Inimer bedürfen, wird durch da» Verbot nicht berührt, da ja der Partcivorstand schon vor Monaten allen Parteigliederungen den Auftrag erteilte, nirgend» mehr Volkssportleute zum BersammlungSschntz heran- zuiiehen, sondern überall Bersammlungsordner bestimmte. Dies« werd«« zwar nicht da« Vorrecht brr „Roten Wehr" genießen, welche trotz a«- seblichem allgemeinen Uniformver- tot unter de» Außen per Behörden ieelrnruhiß in Uniform herumläuft... usw." Also statt eine» Proteste» gegen das vermeintliche Unrecht war die erste Gegenmaßnahme de».Herrn Jung eine Denunziation der «Roten Wehr", und zwar ganz im Sinne jenes kleinen Moritz, der, mit einem schlechten Zeugnis au» der Schule kommend, mit den Worten in» Zimmer tritt:„Vater, der Mayer ist a u ch du rchge fa l l e n." Ta» Beispiel de»„I. Parteivarsitzenden" fand natürlich begeisterte Nachahmer. AlS einige Tage später das Verwaltungsgericht in einer Entscheidung aussprach, daß da» Tragen von Uniformen und Abzeichen nicht an eine vorherige behördliche Bewilligung geknüpft sei, schrieb der„Tag" am U. Marz 1032 dazu: „Trotzdem werden die politischen Behörden »och wie vor mit Bestrafnng gegen Träger von „Uniformen und Uuiformstückeu" Vorgehen— auch dann, wen««» nur rin paar Ledergamaschen sind, wenn diese auf nationalsozialistischen Beine« stecken. Bel de«„Rote-Weh«"-Leuten, die mit Windjacken b la Barmat und Sklarek außrücken, di« Mützen und Osft- »ierSriemeu ans den Schulter« tragen, gilt da» natürlich nicht." Abermals wird nicht für die Beseitigung eine» vermeintlichen Unrechts, sondernFür dessen Anwendung gegen di» deutsche Sozialdemokratie cingcireten, die außerdem— natürlich gegen bester»» Wissen— in Verbindung mit Barmat und Sklarek gebracht wird. Aber wo Jung und der„Tag" so wacker denunzieren, kann auch der BIze-Osaf Kreb» nicht schweigen und so erzählt da» nationalsozialistische Zentralorgan, daß sich in einer Rede, die Kreo» am 20. März 1082 auf einer Tagung der D. N. ist! Am 16. und 17. Juli 1032 fand In Bensen ein Anfmarsch de» ATUS und der Roten Wehr statt, über welchen der„Tag" am 25. Juli br richtete: . sozialdemokratische Wehrforma- tIonen in voller Ausrüstung, mit Windjacke, Schulter- und Koppelriemen, mit russischer Tellerkavpe und unter Vorantritt«ine», mit alle» Abzeichen einer einheitlichen Uniformierung versehenen Spielmannszug»... mit einem ganzen Sanität» zu ge....der aus Tellermütze« und Armbinden da»... Verbote«« Sauitätsabzeiche« trägt. ... Auto» mitslatterndenSanität«. Wimpeln rasen von dort zum Festplat»... Di« roten„Wehrsormationen"... Ueberall di« Anzeichen streng militärischen Drill», Uniformen, dir der militärischenAuSrüstungin nichts «achftehe«, Hornsianale, Trommeln, Pseifen... Mitten in de« Wehr. formatio«en marschieren in voller Ans- r ü st u n g die Vertreter de»„Reichsbanner»", als» Angehörige einer reichbdeut« schen politische« Wehr-Forma- tion, ohne daß die» einen Anlaß zum Einfchreitenaegeben hätte... Kein Gendarm ließ flch aus der Straße blicken... kein R«gierung»vertrr- ter war bei dem„Meeting" am Marktplatz« zu sehe«, trotzdem die gehaltenen Reden nicht», aber fcho« gor nicht» mit einem unpolitischen Arbeiter-Tur«. und Sportfest zu tun hatten, sonder« politische Hetzarbeit erster Klaks« Ware«... Und die vielen Kinder im Festzuge und beim Meeting?... Kinder dürfen aber, nach wiederholten in Erinnerung gebrachten Erlassen, bei politischen Kundgebungen und Umzügen aus keinen Fall mitaesührt werden... Tatsache ist, daß 82 schulpflichtig« Kinder den politische« R«d«n zuhört«« und dann den Auf. marsch mitmachten... Am 26. Juli setzt« der„Tag" seine ungeheuerliche Denunziation über Bensen fort: ,,... marschierten al» I, In„Rote- Wehr-Soldaten" mit dem Vertreter de» „Reichsbanners" au» Sachsen an der Spitz« in Bensen herum... spielten regelrecht Soldaten... ufw.": I Was sagen die In bezug aus die tschcchoslo- jwakische Innenpolitik so empfindlichen Hitler- S. A. P. de» Wahlkreise» B.-Leipa gehalten hatte, folgende» abgespielt hätte: „Und dann schildert er die Tätigkeit der .B.-S."-Leute. Sie hätten die Funktion der Ordner In den politischen Versammlungen übernommen, beim Kommen der Redner Spalier gebildet, aus dem Podium Ehrenwache geholten, und sogar Angehörige anderer Parteien, die dem Redner nicht zustimmten, mit Gewalt au» der Versammlung«nskernt. Wir fragen r Wa» machen denn die Rate-Wehr- Leut« ln den Versammlungen?(Stürmische g u st i m m u n g.1 Und wo ist da der Herr Innenminister?" Wir aber fragen: Ist da» nicht eine ganz eindeutig« Denunziation? Worum har flch denn der Herr Kreb» In B.-Leipa nur auf va ge B e r- dächtigungen der„Roten Wehr" beschränkt, anstatt konkret« strafbare Tatbestände zu schildern? Und wo ist da die sndetendcutschc Vürgcrtzresse, die über die vorliegende tatsächliche Denunziation in Empörung geriete? Und ist es ferner nicht auch ein« infame Denuuuation, wenn der„Tag" ein Bild der Roten Wehr vom Egerer Maiaufmarsch 1982 brachte und'S mit folgenden Titeln und Untertiteln versah: Nr. 10S Qtotfflfaft, 80. APrkl T888 ^ette Grenel-DeutsMand„konsolidiert“ sich: Die Hunnen steigern ihre Tätigkeit. So wüten die Hunnen im Leipziger Volkshaus, Die Bilder stammen aas nationafsoxtaffsfischer Quelle. iiiiiiiuiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin Wer durch die Straßen der deutschen Städte geht, merkt kauur etwas von den grundsturzenden Ereignissen, die sich abspielten — wenn er etwa absieht von den Massen be- waffneter SA- und Siahlhelmlcute, deren Ge- sanrthcit heut« das größte Heer der Welt bildet: mit der Polizei mrd der Reichstvehr verfügt heute der Brandkanzler Hitler über 1,200.000 Man»« und-Herr Nadolny schwingt in Genf Reden über die Glcichberech- tiguirg. Die Bayerischen Motortvcrkc aber batien niittlcrtveile Flugzeuge nach deit Angaben des sachverständigen Gocring... Nicht sichtbar sind die Greuel, die sich noch«inner in allen deutschen Städten ereignen. Sie tvcrden heute noch geheimer begangen als früher; die Schreie der Opfer sind nicht mehr hörbar.?lbcr die Nachrichten, die wir über die Schaitdtateit der Hiilcrbanditcn bekommen, sind so wahr wie alle, die wir bisher veröffentlichten. Das grandiose Verbrechen, das die sehigen Führer Deutschlands mit dem Anzünden des Reichstags begingen, wirst seinen Schatten auf die Verbrechen der Kleinen, aber di« Schreie der Genmrterten werden erstickt. Wir bleiben ihr Anwalt, bleiben di« Sprecher der mundtot gemachten deutschen Arbeiterklasse, bleiben sie vor allem der bürgerlichen Derschwörerbande zum Trotz, deren Presse die deutschen Zustände lobt und unS zu diffamieren versucht, weil wir unentwegt die Wahrheit künden. Diese Press« ist gerade jetzt voll von Warnungen gegen die„unverantwortliche Hetze" der sudetendeutschen Sozialdemokratie. Der„Teplitz-Schönauer Anzeiger" besitzt sogar die Frechheit, für den Freitod Peter Dann- Häusers di« sudeterweutsche Sozialdemokratie in einem von Fälschungen uird niedrigen Spitzfindigkeiten geradezu strotzenden Leitartikel verantwortlich zu machen. Und die bürgerliche Presse im Reich hat das von sudetendeutschen Nationalsozia- l i st e n über die Grenzen gebrachte Greuel- märchen von der„Ermordung" Donnhäusers fein ausgesponnen und mit den Einzelheiten geschmückt, hi« aus der Behandlung wehrloser Gefangener durch die SA- Banditen bekannt sind. Und alle diese Prvsiepflanzen knüpfen an ihre„Berichte" tiefsinnige Betrachtungen über„politische Moral". Zu dör Ermordung Hunderter Arbeiter durch die Reichstagsbanditen des Herrn Hitler, zu der schauerlichen Mißhandlung tau- sender Juden und Arbeiter schweigen die Subjekte, die so salbungsvoll von der Moral in der Politik reden; zu. den Verwüstungen des Arbeitereigentums im Reich haben sie kein Wort zu sagen. Sie nicht und auch nicht Herr Hassold, der eben im Parlament eine verlogene Rede über den Tod Donnhäusers hielt. Greuel- Deutschlands Konsolidierung schreitet mittlerweile rüstig fort; was bisher von den Hunnen gewissermaßen nicht amtlich begangen wurde, das bekommt jetzt amtlichen Charakter, denn di« SA ist unter die Militärgerichtsbarkeit gestellt. Das Grauen der Gegenwart soll kühnes Feuerwerk, sollen Zirkusspiele verdecken. Wir aber bleiben auf dem Boden der Wirklichkeit, wir werden nicht ablassen, Deutschlands„Erneuerern" die heitchlerische Maske von der Mordfratze zu reißen und solange gegen die fascistische Blutherrschast zu kämpfen, bis sie gestürzt ist. Nicht ein Kamps gegen Deutsch' land ist es, den wir führen, sondern e i n Kampf um De u tsch land— um all das, was uns als Deutschen lener ist und was Mördern, Brandstiftern und ihren geistigen Helfern diesseits mrd jenseits der Grenze nichts bedeutet. Greuel- Deutschland konsolidiert sich'. In gleicher Weise aber auch die kulturelle und politische Abwehrfront gegen die Hunnen. Daran haben wir ein nicht geringes Verdienst und die bisherigen Erfolge spornen irns zu werteren Leistungen an. Hier sind also wieder Greuelberichlc; der Herr Gesaitdtc>md die bürgerlichen Schriftleiter werden aitfgesordert, sie zu widerlegen! ♦*• Juden werden geprügelt. „Man sah ihren Geschlechtsteil nach!" Holzminden(Weser), 24. April. Hier wurden die jüdischen Geschäftsleute Er.ch Nachmann und Günther Rsdenberg(Ichuhmarenlmndler). Wal- »r Heß und Hugo Stern sowie dessen beide Sohne(Manusälturwarenhändkr), der Fabrik besitzer Theodor Kornberg und der Viehhändler Bernhard Judenberg sowie der Kaufmann Blank- von der SA-Hilfspolizci verhaftet und sind sämtlich schwer mißhandelt worden. Man zrvang sic, sich auszuz ehen und sah ihren Geschlechtsteil nach. Mit dem Ausruf:„Du Judenhund bist ja beschnitten" schlug man auf diese wehrlosen Menschen so lange ein, bis sic bewußtlos zusam« mcnbrachen. Dann wurden sie mit eiskaltem Wasser wieder zur Besinnung gebracht. „Bis die nant in Fetzen vom Leibe hing.“ Holzminden, 24. April. Das Haus der sozialdemokratischen„Oberwescr Zeitung" ist von Nationalsozialisten besetzt worden. Wer der SA mißliebig war, wurde nachts aus dem Bett geholt und hierher verschleppt. Mit Knüppeln und Totschlägern wurden die Verhafteten auf das unmenschlichste gefoltert und dann gezwungen, artige Dokumente zu uMerschrciben. Bei diesen Prügelexzessen wurden die Arbeiter Fritz See- boon, Heinrich Strohmeier, Fritz B ri- fett und Meinhold Koch so länge geschlagen, daß sie bewußtlos zusammenbrachen und ihnen die Haut in Fetzen vom Leibe hing. Der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Poth wurde von der SA verschleppt und so lange mißhandelt, bis er bewußtlos ichsannnenbrach. Die Polizei veranlaßte dann seine Neberführung in das Krankenhaus. Als dem Abgeordneten ein« nochmalige „Vernehmung" angekündigt wurde, biß er sich die Pulsadern auf. „Blase zertreten, Schüdeldedte zertrümmert. Berlin. 24. April. Der Arbeiter Herbert P a n g r i h, Berlin N., Bergstraße 78, geboren 1906, wurde am 23. April in der Chausscestraße verhaftet und nach der Nazi-Kneipe Pflngstraße verschleppt. Don dort wurde er nach der Nazikaserne im Ulap, Berlin, Lehrter Bahnhof gebracht. Hier wurde er schwer mißhandelt und als er nicht mehr auf den Beinen stellen konnte, wiederum. in eine andere Nazi-Kaserne nach der Gcneral-Papestraße gebracht, wo er so lange miß- bandelt wurde, daß die SA befürchtete, daß er N'cht am Leben bleiben werde. Sic schaffte ihn deshalb in das Urban-Krankenhaus, wo er eine Stilndc nach der Einlieferung starb. Der ärztliche Totenschein besagt:„der Tod ist infolge von schweren Verletzungen, infolge Zcrtrc-> tcns der Blase und Zertrümmerung! derSchädeldeckc eingetretcu." Auf Befragen erklärte der Arzt, daß diese Verletzungen von chtvrren Fußtritten und Stablrutentzieben herrühren müssen. in die Falle gelodtt. Leipzig, 24. April, Hier wurde der Arzt Dr. Schauer, Dufonrftraße, nachts durch tclephoni- chen Anruf nach deni Fremdenheim(BolkShaus) „zu einem Kranken" gerufen. Es war aber nur eine Falle von der Ml. Als der Arzt erschien, ielen die Nationalsozialisten über ihn her und mißhandelten ihn blutig.— Der jüdische Direktor des Warenhauses Althos namens Aronstein, Leipzig, Schlegelstraße, tvurdc aus der Wohnung heraus in das Boltshaus verschleppt. Dori mußte er sich selbst ausziehen und wurde blutig geschlagen, fo daß er schwerverletzt in die Michaeksche Klinik eiugeliefert werden mußte. Ente reiten mr Mörder... Liebknechts Mörder als Reiseprediger Hitlers. Der frühere Kaiserliche Kapitänleutnant, Horst von Peluck-Harttung, einer der Mörder des kommunistischen Volkstribunen Dr. Karl Liebknecht, r e i st gegenwärtig als Propagandist der. Hitlerei in Finnland. Vor etwa zwei Jahren hatte sich der. Mann als angeblicher Pressevertreter dem Verein der Auslandspressc in Stockholm genähert, um sich dort als Mitglied anzumeldvn. Nachdem aber ein deutscher Zeitungskorrespondent seine Identität mit dem Mörder sestgestcllt batte, war er abgewiesen worden. Danach war er von der königlich schwedischen Regierung als unerwünschtes Ekechcilt des Landes verwiese» worden. Alsbald berief ihn Hitler in die Redner- Abteilung im Braunen Haus, München, wo Bedarf an solcherart vorbelastetem Menschenmaterial vorhanden war. Denunziationen, Verhaltungen In der Nacht vom 21. zum 22. April wurde der Besitzer der großen Dresdner Molkerei N a a k e von der SA verhaftet. Uebcr seinen Verbleib konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Man legt in Dresden von feiten der NSDAP großen Wert darauf, daß über d.esc Verhaftung nichts bekannt wird. Am 22. April tvurdc von der NSBO die Geschäftsstelle des Gclamtverbandes des Gastwiri- schastSgcwerbcs in Dresden besetzt. Di« NSBO verlangte die Ucbergabe der Kassa und hat den beiden Gewerkschattsangestellten verboten, die Räum« zu betreten. Die Besetzung erfolgte aus Grund der Denunziation eines chen-aligen Revisors. Schon vor einiger Zeit wollte die NSDAP durch ihre Miliz das Segelflugzeug des„Sturmvogel". der Flugorgani'ation der W-rk'äi^en, holen lassen. Das Flugzeug war w«n ae Tage vorher abaestürzt und völlig demoliert. D'e Reste de« Flugaerätes, das Startseil ukw. wurden dann von der SA-Horde gestohlen. Der an anderer Stelle befindlich'« Bauschupfen der Organisation wurde abgebrochen und ebenfalls fortgeführt. Erpressungen an Juden. Aus Dre s d e n wird gemeldet, daß ein jüdischer Kaufmann bon SA-Leuten in Haft genommen worden War. Seine Freilassung sollte erfolgen, sofern er 3000 Marck zahlen würde. Da, der Kaufmann aber eine solche Summe nicht im Besitz hatte, einigte man sich auf 1000 Mk., und nachdem dieser Betrag durch Verwandte bei der SA. erlegt worden war. wurde der Kaufmann freigclassen.— Aehnlich erging es einem angesehenen jüdischen Rechtsanwalt in Berlin, der acht Tage bei der SA. gefangen gesetzt war und den man freilich, nachdem der nationalsozialistische Anwalt, der die Verhandlungen mit der Familie führte. 600 Mark in Empfang genommen hatte. Solche Fälle von Erpressungen wcv den aus den: ganzen Reich gemeldet, d>e Bc- hördcn schreiten hiergegen nicht ein. In Coburg, einer Hochburg der Nationalsozialisten. wurde ein jüdischer Kaufinanii von der SA„verhaftet" und gepeitscht. Andere jüdische Personen hatten das glei-be Schicksal, unter ihnen auch ein tschechoslowakischer TtaatS- angehöriger, der sich nach seiner-Heimat begeben hat. WWMlIlMl>IlIIllIIlIlIllIlllIlllIlllllIlIll>ll!llIlllIllllIllIllIllllIllIIIlIlWIlIl!l!IIlIll>lllllIllIlW>IlIllllllIIlllIllIlllIllllIIIlllIlIl>IllIllillIllIllIlIlIIIllIIllIllIllIlIIllll>llllIIllIl>llIlIIlIl>IlIl>IH»»llMIllIM>- Kulturarbeit in Greuel-Deutsdtland. Das Bücherlager der Volksbuchhandlung in Pirna wird von den Hitlerlunrpen, soweit e. «licht gestohlen wurde, verbrannt. Unter den verwüsteten Buchern befanden sich außer wis scirschaftlichcn und sozialistischen Werken, Klassiker, Romane ete. Die obige Ausnahme wir! von. den SA.-Schweinci« in Delltschland verkauft. Wer sic aber über die Grenze schafft begeht Landesverrat. Für eine Mark Trinkgeld kan«r man aber von eine>n SA.-Mann aller Hand haben. Nr. los ©enntÄB, 80. April 1988 een« 7 Analyse der braunen Seele, Aus der Naturgeschichte des„Dritten Reiches“ „Mäitnet machen ble beschickt«!" Las ist die Maxime der Spießer beiderlei Äe- schlecht», aller Zeiten, aller Länder. Und hinter dieser Phrase von der starken Faust de«„Anderen" kaschieren st« die eigen« Erbärmlichkeit, — die sich brsehlen läßt, nm nicht Derantwor- tnng tragen zu müssen,— dir Kraft durch Sa- dismus ersetzt, Wirklichkeit durch die Romantik des Plüscksosa». Wer ist nun— um eine Analyse der braunen Seele dessen, wa» heute al» da» echt« Deutschland sich geriert, zu versuchen— w e r ist nun dieser neu« Typ von„Min- nern", der am 80. Jänner vom Zorn Gotte» an die Oberfläche polnischer Wirklichkeit gespült worden ist? Wer ist diese neue Spielart de» domo«wpien», die da» Ichiiksol de» heiligen deulschen Reiche»„r ö h m i i ch« r" Nation ve- stimmt und die Verachtung der Welt mobilisiert? Wer sind die Akteure, welches ihr Herkommen, was ihre Lebensart? Adolf Hitler, Wilhelm der Dritte, mit seinem bürgerlichen Namen Schicklgruber genannt. Er konnte vor Jahresfrist noch„kein Vaterland, da» Deutschland heißt"; nachdem er der Heere»pslicht im früheren Oefterreich-Un- aarn sich entzogen hatte, witrd« er staatenlos.— Geboren al» Sohn«ine» kleinen Beamten in Braunau am Inn, versuchte er sein Leven Zunächst al» Dekorationsmaler in Wien, wo feint Schwester dem ehrbaren Berns nachging, für da» leibliche Wohl jüdischer Studenten zu sorgen, und so manchesmal«in Brocken für den jungen Schicklgruber abgefallen ist. An» jener Zeit stammt offenbar die besonder« Vorliebe Adolf» für die Fabrikation von bunten Unifor« mm, von Tapetenmustern und Hakenkreuzorden,— ein Gebiet, auf dem er unbestrittenermaßen.Hervorragende» leistet und seinen hohen Vorfahr, Wilhelm den Zweiten, weit in den Schatten stellt Al» für ihn im Jahre 1912 die Zeit de» Militärdienste» drohend herannahte, zog sich Hitler an» Gründen wohlerwogener Vorsicht nach München zurück. Und am 1. August 1914 entschied er die peinliche Alternativ«, ob Zwanasaestelluna in Oesterreich oder sozusagen „frciwillkger" Eintritt in die deutsche Arme« zu- gungstcn des letzteren; denn der Sinn sür da» Zweckmäßige.sag, ihm..schon damol», nicht allzu fern. Während de» Kriege» reagierte er seine militärischen Komplexe al» Ordonnanz«ine» Regimentsstabe« ab,— in Regionen, in denen sür da»„Frontschwein" schon langst die Etappe begonnen hatte. Beste strategische Begabung ließ ihn in viereinhalb Jahren zum Rang« eine» Gefreiten anvaneieren. Ucber seine Taten schweigt die Kriegsgeschichte. Er selbst bekennt «It Demut, daß er einmal, ganz«kleine auf sich gestellt, an der Sonrme fünfzig Engländer umzingelt und al» Gefangene eingebracht hat.— Die Tag« der Revolution machte der kluge Hitler im Lazarett mit, in der sympathischen Funktion eine»„mnkncka kmaeiyaleo", oer ein medizinische» Phänomen!— die fixe Idee hatte, durch Gasvergiftung erblindet zu sein— Schwamm darüber!— Da» Jahr 1919 erlebte Hitler in dem Beruf eine» Spitzels der Münchner Polizei; in dieser Eigenschaft lernte er zum ersten Male seine Pa.'» kennen: er wurde auftragsgemäß „Mitglied Nr. 7". den Beitrag bezahlte Herr Frick au» dem Reptilienfonds". Und al» in den Jahren 1919/2S die Gegenrevolution zum Sammeln blie», da rückte Hitler in die vorderste Front auf. Im November, nachdem er eben feierlich geschworen hot, nicht zu putschen, putscht er dennoch. Und schwort vor den in» Bierkeller versammelten Revolutionären!-„Dor morgige Tag"findet entweder Deutschland frei, oder mich tot!" Jnbeffeck: sicherem Vernehmen nach ist HerrLiller auch heute noch am Leben;'die billige Chane« de» Heldentod«» überließ er neidlo» ander«». Zwar„fiel" er vor der Feldherrithalle in München; er„fiel" an jenem denkwürdigen Tage sogar dreimal. Zum ersten aus den Bauch al» die Kugeln pfiffen; zum zweiten in di» Sessel seine» Autos, al» die Situation peinlich zu werden begann; und zum dritten fiel er, al» der Abend sich über die nationale Revolution herab- lenkte/ sn» Bett der Tochter seine»• Freunde» Hansstiiengl,— weit draußen vor den Toren München». Hitler kommt vor» Gericht.-Hochverrat! Er wird vtkitrttilt ünd— inr gleichen Atemzuge— begnadigt.,——— 1924'32; neun Jahre des»Trommeln»", neun Jahr« planmäßiger Lüge und Hede. Neber di, lebte,. Hürde hebt ihn der politische„In- stinkt", der Sbießer hinweg, da» Geld de» Kaps, tali-mu» und die HoiinungSlosiakeit der Wirt- fchalt-kriss«.'Hitler reüssiert, nachdem di« Krautjunker und Jndtttteiebarone seine hohe Million al» Todfeind der Mallen erkannt und— gebührend honorier» haben. Ein Zwischenspiel: Reickworäftdentenwah. un in Deutschland.— Hitler will gerne, sein» Stute»vollen auch. Ein Hindernis türmt sich auf, er ist noch nicht einmal Deutscher! Sein Frrund Frick, der heutig» Reichsminister de» Innern, mach: Ihn nun. Gendarmen In Hildburghausen(einem kleinen Thürin- aer Städtchen, da« durch seine Irrenanstalt bekannt ist): der Coup mißlingt. Sein Frrund Klagaes, der heutige Innenminister in Braunschweig. macht ihn zum Knnstvrofellor in Braunschweig, dann, al» auch diese» Manöver scheitert, zum Reg!rrung«ra«. Prototyp eine» „Parteibuchbeamten"; doch: e» ist erreicht. Bei den Wahlen fällt Hitler durch. Mit Pauken und Trompeten.— Und hätte nicht Franz von Papen treue Hebammendienste ge- leisttt, so stände Hitler noch heut« avta portav (zum Dank dafür— Ironie der Weltgeschichte! — wurde dieser Tage Herr von Papen al» preußischer Ministerpräsident kastiert und durch Goe- ring ersetzt). Hitler ist vorbestraft, wie es sich für einen ordentlichen Menschen gebührt. Seine Finanzverhältnisse sind gut, sein Idealismus ist besst.r: Hitler arbeitet umsonst, verzichtet aus sein Gehalt. Die Einkünfte aut einem in miserablem Deutsch geschriebene« Schmöker obskursten Inhalt», die Subventionen oer Industrie genügen. Da» ist Herr Hitler, der verhinderte Oester- reicher. D a» i st d i e„Rache für Sadowa!"— Hermann Goeriug, heutiger Reichsminister und Preußischer Ministerpräsident. Bor dem Krieg war Goering ein leben»« froher junger Offizier im Konstanzer Insa«, tericregimcnt. Im Kriege Flieger mit AuSzrich. nung, Ritter de» kour I« mürita. Rach dem Krieg« ist«« sozusagen Student in Münch.n, wittert di« politische Atmosphäre, verdrängt den Gründer der nationalsozialistischen Sturmabteilungen, Klintzsch, übernimmt do» Kommando und di« militärische Fehlorganisierung de» H,t- lerputsche». Nach dem Zusammenbruch Flucht in» Ausland. Im Jahr« 1924 findet man Goering in JnnSoruch al» Letriebschcf einer jener netten -Herbergen nach der lieblichen Melodie„Ich w«iß auf der Wieden«in kleine« Hotel..." Da» Unternehmen, hoffnungsvoll begonnen, faillicrt, di« Spesen sind zu hoch, da» horizontal« Gewerbe acht andere Wege. Auch Herr Goering geht andere Wege,— nach Schweden. Dort findet er viel, ach! so viel Morphium und rin Jrrenhau»; Schweden und da» Jrrenhau» verläßt er«ach geraumer Zeit wieder, dem Morphium bleibt er treu. Al» mit der Steigerung der deutschen Rot Hitler» Tbanecn sich zum Guten wenden, stoßt auch Goering wieder in» alte Laaer. Er wird Reich«taa»abg«ordnet;r, schließlich Präsident desselben Reichstage», in den er später den Feuerbrand schleudern ließ, nm seine Parole„gegen den Marxismus" zu schmieden. Goering» Vorbild ist Nero,— so, wie er ihn zu begreifen versteht. Diesem Bor-ild und dem Morphium ist er ergeben. Entsprechend sind seine Taten, ist sein E'ho». Sadistische Grausamkeit, Lust am Mord. Und eifrigst bemüht, da» neue Deutschland in der Welt verächtlich zu mache»». Al» die Presie vanille vorgeschicirte. Wir leben im Zeitalter einer Wiederenvachenr der Borliebe für bi« Historie. Seit Emil Ludwig, den bös« Spötter in Anlehnung an«In bekannt«», ollen Ländern und allen Geschmäckern dienenbk? Aroßrestaiirant den„Kempinski der Weltgeschichte" acnannl haben, Ist von berufener»nw unberufener Zeit««in« wahr« Flut von Schriften auf di« deutsche Leserschaft herulederxeaangrn, in Venen oft mit mehk Phantasie und Witz al' mit unverbrüchlicher historischer, Treu«' da» Leben der sogenannten„großen Mäimet" auf Grund verstaubter Memoiren oder allzu lebensfrischer Phayiafi« gestaltet wurde. Einen dckonderen Platz In dieser historischen Literatur nimmt seit einiger Zeit der frühere Architekt Werner Hegemon nein. Mit seinen Schriften über Friedrich ll., den di« offiziell« Sprach« gern den .großen' nennt, hat er sich ebenso bekannt, wie bei allen philologischen Rauschebärten unbeliebt gemacht. Hogemann, dessen Zitierfreiidigkelt gelegen'- ich all)« deutlich nach Zetrelkaftnnveickhelt aursthe» würde, wenn"Icht überraschend« Ergebnisse die ständige Beibringung de» Beweismaterial» erheischten hat sich al»«in ebenso kehrreicher wie überraschend«, Entzauberer der patriotischen AeichichiSklttterung er. wiesen. Gerade kur; vor Torschluß Hal er noch ii« Deutschland«in Buch herausgebracht. da» Herr Goebbels sicherlich binnen kurzem aus den Index letzen wird.>oenn«S ruch In leicht verstänblichcr Krönt« den„Führern der Deutschen: Paul von Hindenburg iiiiv Adolf Hitler, in erwartungsvoller Verehrung grwiditwi" Ist.„Entlarvte M« sch ich»«" nennt Hegewaun sein bet Jakob H«gn«r in Leipzig arfch'ene iw» neue» geschichtskritischet Werk. Hst der Hang zur Histone in einer Zeit, in der sich die Ereignisse ieli^am zu überstürzen icheiuen, al»«ine Art Der. such zur Besiuuung und zur Deutung de» wandel- baren Geschehen» nur allzu venständkich, so wird da» Aufsehen, das di« Hogenianilfche Schrift bereit» in den wenigen Wochen seit ihrem Erscheinen geweckt bat. noch degmisl'cher,»nenn inan erkenm, um was e» dem Autor In diesem, In der Eile vielleicht nicht allzuschr gefeiltem Werk« geht. Schweden» über die Ernennung Hitler- und Goering« nicht allzu erfreut ist, schickt Goering ein grobe» Telegramin und„ersucht". Da» Ersuch«»» wird freundlichst abgelehnt. Drei Tage nach seinen» Amtsantritt gibt er dem französischen Botschafter in Berlin die Ehre feine» Besuche» und schlägt vor, Polen möge den„Korrioor" an Deutschland zurückgeben; dafür wolle er, Goering, wohlwollende Neutralität üben, wenn Polen sich die Ukraine von Rußland abholl. Der französische BotsM ter lächelt verdindlichst. Goering aber fährt im Auto zum polnischen Gesandten in Berlin, unterbreitet denselben Borschlag höchsten anßen- volitischen Wei»tum». Auch der polnische Gesandte lächelt verdindlichst und eilt—- sobald Herr Goering da» Wette gesucht hat— zum Botschafter der Sowjetunion, um ihn zu informieren über die grundsätzlich neue Art deutscher Staatsführung. Doch auch der russisch« Botschafter lächelt verdindlichst: er ist bereit» durch den französischen Botschafter informiert. Da» ist Herr Goering, eine Mischung au» Unfähigkeit, Eitelkeit und Blutdurst,— Mischung z»l gleichen Teilen. Doktor Joseph Goebdel», Ein bedauernswerter,«in von der Natur geschlagener Mensch: Pferdefuß, kaum de» Geh«»»» mächtig. Over will oder nicht, er muh die Komplex« de» gebäre- nen Krüppel» abreagieren. Während de« Kriege»— Goebbels ist unfähig zu jedem Heeresdienst— studiert er, macht ein paar Gedichte, schreibt rin schlechte» Theaterstück, da» nie ausgekuhrt wird. Rach dem Kriege einmal hier, einmal dort, niemals festen Boden unter den Füßen. Endlich landet er al» Sekretär bei Dr. Otto Straßer, dem früheren Freund« Adolf Hitler». Straßer lanciert den fungen Goebbels, der das Appellieren an die Tränendrüsen so meisterhaft versteht, und wird in Hannover, später noch einmal in Bamberg, von demselben Goebbels verraten: Goedbel» war e», der dir Oppositioi» gegen Hitler begründete und „wissenschaftlich" fundierte; zum Dorstoß be- nutzt« er den ehrlichen Straßer,— um ihn schmählich im Stich zu lassen, al» Hitler ihm einen höheren Posten und höhere Revenuen offeriert. Hitler weiß ihn iu binden, er kennt di« Achillesferse de» Krüppels: in München, vor üner Massenversammlung läßt er ihn öffentlich «oblegen,— doch nicht für die Opposi- in, für ihn, für Hitler. Goebbels geht willfährig darauf ein, der Handel hat gelohnt. Er wird Gauletter in Berlin,— in der FoHe ReichStagSaAeord- neter»ind preußischer Abgeordneter, Propa- gandaches der Hitterpartei. Ei»» Zwischenspiel im Jahre 1980: Goebbels beschimpft Hinoenourg, den Reichspräsidenten; er wird von» Reichstag zur Bestrafung fretgege- bcn, kommt vor Gericht. Er stiebt, wird in München verhaftet und nach Berlin voraeführt. Seine Aussichten stehen schlecht! Da greift er;» einem verzweifelten Mittel: er ersiärt mit br wegter Stimme, wie sehr er e» bedauere, gerade von.Herrn von Hindenb»»rg verklagt worden zit Werner Hegemann gibt mit gelegenilichen bot- haften Seittnhieben gegen Männer der neuesten Gr- schichi« wie Schleicher, Papen und Hiller anregend« Streiflichter, di« dort, wo st« in der Bergangenhei» haften bleiben, au» verstaubten Göllern etwa« schmuddelig schimmelnd« Götzen machen. Mil dem alte» Arminiu»,„Hermann dent Lherusker", und mit den von Taeilu» nicht gerad« immer liebens« würvlg charakterisierlen Germanen sängt ei an. Hermann erscheint nicht mehr ai» der groß« Befreier Deutschlands, zu den ihn erst«in« romonlsich« Geschichtsschreibung«indreiviertel Jahrtausende später gestempelt hat, sondern als der Mann, der da» Vordringen der römischen Kultur nach Deutschland höchst um^rlulichenves« ausgehalwn hat, und der obendrein nach den Worten der Taettu» di« Freiheit«. Habe seiner ZandKeut« wieder sich hatte, weil er nach der Königsherrschaft strebte. Nicht viel besser al» Arminiu» ergeht e» dem unfähigem Barbarossa, der in starken» Gegensatz zu seinem Namensvetter Friedrich II. jeder n irtiichen realen Größ« entbehrte Ader sein« Entzauberung ebenso ww di« nüchtern« Beurteilung der sogenannte« Kreuzzüge ver- schwindet al» Beiwerk gegenüber der Herauraweiiung voit drei Persönlichkeiten, denen Hegemann«ine besonder»„liebevolle" Kritik zuwendet: Martin Luthe» Gustav Mols und Friedrich ll. Martin Luther erscheint weder al» der mutige noch al» der Volk», freundliche Mann, zu dem ihn die fromme Legende stempelt. Ein Zitat au» seiner widerlichen Airbie- derung a« di« Fürsten und gegen di« revolutionäre Vauernbeeixguna seiner Zeit sprich» dafür Bände: ..Solch wunderlich« Zeiten, si>»d jetzt, daß«in Fürst oen Hlmnwl mir Blutvergießen biss«» verdten«n kann, denn andere mit Beten Darum, lieb« Herr«», rettet Ihr, helft Ohr, erbarmt Euch der armen Leut«, stech«, schlag«, würg« hier, wer kann," Luther wird so mit seinem Gebot»„Seid Untertan der Obrigkeit!' al» der e'gentlich« Vater de» reattionären engstirnigen llntörianrngeistes enthüllt, der bi» aus den heutig«» Tag in sonntäglichen Predigten osteldischer Pastör.' der„llvben Gemeinde" anbesohlen wird. Auch der Protestant Gustav Aböls komwi nicht gut weg Er wird nicht nur seines FeldhcrrnruhmeS entkleidet, sein, Von demselben Hindenburg, für den er, Goebbels, bei den ersten Reichspräsidententvah- len 1928 so sehr gewirkt habe, daß di« bösen Belgier ihn in» Grfängni» geworfen und dort lnit Reitpeitschen verdraschen haben. Sens-ition im Gericht-faul; vom Richter bi» zur Toilertcn- srau ist alle» ergriffen über den Märtyrer Goebbels. Da» Gericht vertagt»ich Inzwischen interveniert Prinz August Wilhelm von Pr>-u- ßen bei Hindenburg, macht den Rcichtpräsiden- ten mit dem Heroismus de» Herr» Goebbels bekannt, und erreicht, daß— die Klage zurückgezogen wird. Und der Erfolg? Goebbels hat gelogen. An der ganzen Geschichte ist kein wahre« Wort. Goebbn» sah nie in belgischen Gefängnissen und ist niemals von belgischen Soldaten verdroschen»vorden. Eine nationalsozialistisch« Zeitung Berlin»,— e» ist Vie de» Dr. Otto Straßer— nennt Herrn Goebbels sechzehnmal einen„abgefeimten Lügner",— ohne daß Goebbels zu klagen imstande gewesen»värc! Eine zlveit« Episode: Im Jahre 1981 läuft durch Sonoerkurier.eine Anzeige beim Berliner Polizeipräsidenten ein; aus Goebbels ist ein Attentat versucht worden, ein Paket mit Sprengstoff und Zünder ist aus feinem Schreibtisch vorgesunden worden. Untersuchung. Und da» Ergebnis: Herr Goebbels selbst hat da« Poketchen gepackt ünd bet sich deponiert,— e» ist übrigen» ungefährlich, ein paar Feuerwerksfrösche, wie st« di« Jungen» in der Silvesternacht zu benutzen pflegen. Herr Goebbels lügt! Da» war auch der Grund, weshalb er Reichspropagandaleit«r der Hitlerpartei wurde und spater Reklamcches der Hitlerreaierung werden mußte. Er ist, wie der Generalsekretär der Hitlerpartei, Aman», erklärt, der„Mephisto der Partei, vom-Herrgott gezeichnet!" Er besitzt ebenso viele Vorstrafen, tvir Geld durch seine Frau,— di« übrigen» das Pech hat, einen jüdischen Stiefvater zu haben. Sein Schwager ist der Meckleitburger Ministerpräsident, Besitzer eines Rittergutes,— er selbst, Goedbel»— der„sozialistisch Arbeiter"— hat deren pvei! Ernst Röhm, Stabschef der Sturmabteilungen der Hitlerpar- tet, StaatSkommissär zur besonderen Berfügüng in Bayern, und Staatssekretär de» Reich-patt- Halter» für Bayern. Ein peinlich« Herr,— der weitesten Oef- ' fentlichkcit bekannt durch seine Päberastenbriefe. Röhm war früher Hauptmann in der bayrische« Armee, ohne besonderen Namen. Nach öem Kriege schließt er Freundschaft mit der.Hitlerpartei und mit Hitler. Beim Putsch minoi auch er,»vird bestraft und amucsticrt, wie e» sich gehört. Im Jahr« 1925 kommt Herr Röhm nach Berlin, lernt in einer schwulen Kneip« einen Strichiungen kennen, nimmt ihn in» Hotel mit »md saßt sich einen Gepäckschein klauen. Röhm zeigt an, der Dieb wird geschnappt, komm« vor» Gericht und plaudert au». Tableau! Röhm muß weg. Er macht» gründlich«nd verschwindet nach Bolivier», wo er mangel» ! sondern sein« reichSstindiich«, auf den Erwerb deutschen Lande» gerichtet« Tätigkeit wird ebeillo gegeißelt wie di« Barbarei seiner Horden, die»ndert- halb Jahrzehnte hindurch gegen daS deutsche Volk so wüteten, wie ei jetzt unter den ,Marxesten"-B«rsoi- gungen mit ihrer Neuauflage de»„Schwedenlrunk«»" wieder modern geworden ist. Bon Guftav Mols wird im Buch« ter Historie iveiter geblättert bi» zu Friedrich, ll., dessen sran- zosenfreunblich« Kriegspolitik, rücksichtslose Behandlung der Bauern und Handiverker,.».rbeionfter« bet ichlesischer» Weber, ebenso gegc'ßelt wird, wl« die berüchtigt« Soldalenwerburw mit«ine bi» zn-nt C-Pieß- rutcniausert gesteigert« Brutalität des Militärdienste», di««» verständlich macht, daß in seneck Sioat«, dessen Herrscher für di« Dokkpbilbung sehr wenig, für di« AktetSveosoYgung noch weniger, sür höfischen Prunk und Erhaltung des Feudaladel»»brr ackw mehr Übrig halt«,«In großer Gelehrter wie M'ukes- man« sagen könnt«:„Es schaudert m'ch vom Wirbel bi» zur Zeh«, wenn ich an den preußischen TespotiS- NUI» denke." Ein anderer zeitgenössischer Memoiren- schreiber ergänzt diese Bemerkung durch bi« Worte: „Der Zwang r.itb Druck, unter welchem«in großer Teil der Untertanen in beständiger Furch« leben mußte,««acht« di« preußischen Land« zum Schrecken und Abscheu aller anderen Land«. Der Fremde vermied den Aufenthalt in denselben, sogar die Durch- reise."— Seltsam zeitgemäß sind di«se Worte! Nicht minder zeitgemäß mnt«t an, wa» Hegemann über d>« sogenannten Befreiungskrieg« und die khuen nachfolgende reaktionäre Aera zu bericht«»»miß. Schade, daß da» Buch etwas zu aHoristisch, oft- gehackt und lediglich andeutend wirkt. Vielleicht, daß Hegemann an Stell« der gelegentlichen Blitzl'chnr einmal ein«»» langen Strahl der Erleuchtung über di« dunkle Borgeschicht« der Dritten Reich«» von AvnriniuS dis Hitler fall«» lassen wird. ES würde dann freilich kaum«in« GiegeSalle« des tzWIstes aus- tauchen, sondern jener steinig-eintönig« Weg erhellt werden, der der Weg de» deutsch«» Untertanengeister Ist, g«gen den sich, verkannt und verspottet, stet« di« Besten te« Volke« gewendet haben, die wie Riepsch« sagen:„Der Mensch muß di« Kraft haben, ein« ver. gangenheit zu zerbrechen, um leben zu können.' Seit« 8 Sttmtteg, 30. April 1888 Ar. 102 Konkurrenz zum Oberstleutnant avanciert. Der bolivianychc Krieg gehl wotzdem verloren,— im übrigen ist die Zeit um, und Rahm kehrt zu Hitler zurück, wird freudig ausgenommen. Röhm wird der Organisator der braunen Armee, wird Stabschef Adolfs. Als im Frühjahr 1932 Hitler auf den ver- rückten Gedanken kommt, für das Amt des Reichspräsidenten zu kandidieren, benutzten seine Gegner den Röhm als Waffe: die homosexuellen, Briefe des„Stabschefs" machen die Runde durch die Presse der Welt, Hitler erklärt sich solidarisch mit Röhm und mit der Homosexualität und— sällt bei der Wahl durch mit Pauken und Trompeten. ES folgen zahllose Rödmprorcssc. Röhm wird zerzaust wie keiner vor ihm. Seine Spieß.< gesellen— alle„andersherum", wie Röhm. selbst,— unternehmen im Reichstag ein Attentat auf den Peröffentlicher der Röhm-Briefe; das Attentat mißglückt, neue Publikationen,, neue Prozesse, neue Ohrfeigen für Röhm. Röhm bleibt trotzdem,— Hitler hält ihn I fest. Er darf ihn nicht fallen lassen, die beiden i sind nitch nur politisch miteinander verkoppelt. August 1932: Hitler wird zur Besprechung zu Hindenburg geladen,— er ist so geschmackvoll und will Röhm mitbringen. Hindenburg' lehnt cs ab, in seinem Hause den Röhm zu; empfangen.— Röhm bleibt trotzdem. 30. Jänner 1933: Hitler ist Reichskanzler< und schlägt Herrn Röhm als Rcichskomminär; für Preußen vor. Hindenburg lehnt ab. Röhm bleibt trotzdem. Und landet schließlich in Bayern. Er bleibt' unter seinesgleichen: Herr Frank, der Justiz-' Minister und ReichStommiffär für deutsches i Recht, Herr Esser, sie sind von seiner„Couleur". Röhms Programm? Er hat eineS: Er schreibt in seinen bolivianischen Briefen, er sehe j seme Lebensaufgabe darin, die homosexuelle Kultur, die eine höhere Form dcS menschlichen Lebens darstelle, der deutschen Jugeird nahe zu bringen". Und die„tölpelhaften Moralathleten, wie Rosenberg(der Partciaußenminister Hitlers) und Gocring(der Morphinist), müßten schon an ihn gewöhnen." Sein Todfeind ist Frick, der RerchSinnenininister; dieser fordert im Oktober 1932 von der ReichStagStribüne’ herunter ein Gesetz gegen Röhm und die Homo-' sexuellen: diese„jüoisch-verscuchten Verbrecher müssen kastriert werden!", doch Röhm' bleibt! Dr. Wilhelm Frick, verflossener Minister deS Innern in Thüringen, jetzt Reichsinnenminister im Kabinett Hi.ler. Der Prototyp des beschränkten Beamten, der— wie er auf eine Anzapfung im Reichstag einmal erklärt hat—„den Weltkrieg dort erlebt hat, wohin ihn sein königlicher Herr gestellt hat", auf dem Büroschemel in Pirmasens in der Pfalz. Herr Frick ist zu unbedeutend, alS daß etwas Wesentliches über ihn gesagt werden könnte. Er ist weder homosexuell, noch Morphist, — somit eigentlich nicht prädestiniert für einen leidenten Posten lm Dritten Reich. Edmund H«in«S, Fememörder außer Dienst und derzeit Polizeipräsident von Breslau. Herr Heines besitzt eine bunte Vergangenheit. Der Hitlerpartei gehört HeineS seit ihrer Gründung an; er war an allen Gcivalttaten der Rechtsradikalen während der letzten vierzehn Jahre führend beteiligt. Am meisten bekannt geworden ist er durch den Fememord in Stettin; in der ersten Instanz wurde Heines zum Tode, in der zweiten Instanz zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurteilt,— nach einigen Jahren Die Geschichte der roten Fahne. Von Karl Reber» Paris. Selten denkt man darüber nach, warum gerade di« rote Fahne das Sinnbild der internationalen Arbeitcrwcgung geworden ist. Kein Wappenbuch und kein GeschichtSwerk gibt darüber Ausschluß. Die rote Fahne stammt auS Frankreich. Jahrhundertlang war sie die Fahne der absoluten Monarchie während der Periode ihrer blutigsten Repressalien. Sie zeigte an, daß die Stadt, über der sie wehte, in Belagerungszustand war. Emporien sich die Bauern gegen den Adel und die Geistlichkeit, erhob sich eine Provinz, rotteten sich Bettler und Taschendiebe zusammen, um die Bäckerläden zu plündern, rasch wurde der Belagerungszustand ausgerufen und der König ließ auf Türmen und össentlichen Gebäuden dirote Fahne hissen. Noch während der Französijcbeu Revolution war die rote Fahne das Banner der Monarchie. Unter ihrem Zeichen geschah der 17. Juli 1791 auf dem Marsfeld, wo daS Pariser Volk blutig niedergeschlagen wurde. Doch war es das letztemal in der Geschichte Frankreichs, daß die rote Fahne der Regierung alS Banner diente, die seine erschütterte Machi w'rdci auszurichten versucht, indem sie das Volk niedermetzelt. * Doch muß eine merkwürdige Tatsache festgestellt werden: während sich dir Regierung der roten Fahne bediente, erschien sic zu gleicher Zeit frühzeitig m der Geschichte als Symbol der Revolution. Während der Fronde in der Mitte des 17.' Jahrhunderts sammeln sich die Revolutionäre ganz spontan unter einer roten Fahne. AlS Conds, der große Cond-, berühmt unter der Regierung des Sonnenkönig«, mit dem Hof Annas abcy: begnadigi. J>i der GerichtSverhairdlung ergab sich, daß er einen völlig Unschuldigen(der ein staatliches Waffenlager an die staatliche Polizei„verraten" haben sollte) aus Grund einer bloßen Denunziation verurteilt und daS Urteil höchstcigenhändig vollstreckt Hal:„nach begangenem Kameradenmord begab sich Heines— so sogt die Urteilsbegründung— in die Kneipe an den Kartentisch zurück!" . Heinos war früher einmal mit der Richie des früheren Münchner Oberbürgermeisters verlobt, seine Baut löste die Verlobung jedoch, nachdem ! Heines sich— geschmackvoll wie er nun einmal i ist— in ihrer Gcgcmvart homosexuell betätigt«. Das Mädchen wandte sich in scincr Herzensangst an Hcrni Hitler, der ihr einen Brief schrieb und darin zum Ausdruck brachte, daß„Kreaturen, wie .Heines, im nationalsozialistischen Deutschland keinen Platz haben werden". Ball» nach dieser peinlichen Afsaire wurde HeineS airS der Hitlerpartei entfernt; eine Unter- i luchiliig ergab, daß er sich sortlanseiid an der ihm damals unterstellten Hitlerjugend homosexuell vergangen hatte..Herr.Heines wußte aber zu vieles; nach kurzer Zeit wurde er rehabilitiert und rauchte in BrcSlau auf, wo er die Lcitimg der SA übernahm. Unter dorn Ehrentitel„Fememörder" ließ er sich in seinen Versammlungen ankündigen; und cs ist beschämend für weite Kreise des deutschen Bürgertums— vor allem für deutsche Frauen und Mädchen—, daß dieser Titel genügte, um die Versammlungen von Heines bis auf den letzten Platz zu füllen. HeineS Ivar der Airführcr zu den sattsam bekannten Attentaten in Schlesien und Brandenburg, die wahrend dos letzten Jahres die Rund« durch di« Presse dcS In- und Auslandes gemacht haben. Unter seiner bewähren Führung hat ferner am 12. Mai vorigen Jahres im Reichstag das Attentat auf den Sozialdemokraten Dr..Helmut Klotz stattgefumden. Sein Borftrafen-Register ist unerschöpflich; das Rohheitsdelikt gehört zur LebenSnotwendi^eit des HeineS,— der 2tazi- Mord in Potempa war sein Höhepunkt. Manfred von Killingcr, Reichsstatthafter für Sachsen. Er war früher Offizier in der Kaiserlichen Kriegsmarine. Beider Revolution wechselte er hinüber in« Lager der Rechtsradikalen und schloß sich zunächst der berüchtigten Ehrhardt-Brigade, auch„Organisation Consul" genannt, an. Killingcr war führend be- :eiligt am Kapp-Putsch, an der Ermordung der deutschen Rcichsmimster Erzberger und Dr. Ra- thenau und am Hitler-Putlch. Im Jahre 1927 zog Killinger alS national- sozialcstischer Abgeordneter in den sächsischen Landtag ein, im Jahre 1930 außerdem in den Reichstag. Politisch hervorgetreten ist Killiilger niemals; seine Ausgabe beschränkte sich auf die Organiste- rung der SA rmd auf die Durchführung von Menschenjagden und Fememorden. Am meisten bekannt von seinen mamrigfachen Stiftungen auf letzterem Gebier ist.der im Dezember vorigen Jahres verübte Kameradew-Mord an dem SA-Mann Hentz'ch in Dresden, dellen Leiche erst viel« Wochen später unter dem Eise der Elbe entdeckt wurde. Im März 1933 wurde Killingcr nach dem durch Gelvalt erzwungenen Rücktritt der Landesregierung Schieck zum Reichskommissär für Sachsen ernannt; in dieser Eigenschaft hat Killingcr un'er anderem motorisierte Aktionstrupps für die Tschechoslolvalei organisiert. Seit kurzem ist er zum Reichsstatthalter für Sachsen avanciert. Herr von Kellinger, der heut« im 45. Lebensjahre steht, hat bereits sein« Memoiren herausge- geben unter dem charakteristischen Titel„Ernstes und Heiteres ans dem Pnlschleben". Hierbei schildert er irr selbstgefälliger und an Sadismus mcht von Oesterreich und Mazarin brach und sich mit Spanien verbündete, war seine erste Geste, sich mit einer breiten roten Schärpe zu gürten. Einige Zeit danach siegte die Frond» in Bordeaux und die Republik von Ormäe wurde proklamiert. DaS war im Jahre 1854. Deboile-Altomar, den die Geschichte ungerechterweise verleumdet hatte, wurde ihr allmächtiger Führer. Und die Fahne dieser Republik, die während einiger Tage auf dem RathauS von Bordeaux wehte, tvar eine rote Fahne. Später, um daS Jahr 1680, während der Revolte der„Bonnets Rouge" in der Bretagne, ist eS wieder die rote Fahne, unter der sich di« Empörer sammeln. Doch erst wahrend der Französischen Revolution wurde die rote Fahne endgültig zum Wahrzeichen deS revolutionären Volkes, und während der Augustlage 1792 bekam sie die Bedeutung, die sie brS heute noch hat. Der 10. August 1792 ist nicht nur ein denk» würdiges Datum in der Geschichte Frankreichs und der Demokratie Europas, sondern auch in der Geschichte der roten Fahne. Seit drei Jahren schon kämpfte das französische Volk gegen die alte soziale Ordnung und daS alte Regime, daS in allen seinen Fugen krachte. DaS Feudalsystem war hinweggesegt worden, doch das Volk hatte sein Blut für die Großbourgeoisie vergaffen, die nicht aufgchört hatte, es zu unterdrücken. Die Aristokratie war verjagt worden, doch der'treubrüchige König und die„Ocsterreicherin" saßen noch immer in den Tuilerien. Beide trätimten davon, die Pariser Canaille mit Hilfe der österreichischen, preußischen und spanischen Bajonette niederznschlagen. Die Emigranten waren in Koblenz am Rhein versammelt und die Geistlichkeit intrigiert« an den fremden Höfen, um Die Alleinherrschaft der Bourbonen wieder herzustellen. Reue Kämpfe bereiteten sich im Innern des Landes, sowie im Lager der Emigranten vor. llm daS Werk der Revolution zu vollenden und zu übertreffender Weise die durch ihn angeordnete Auspeitschung eines jungen Mädchens, das im Jahre 1919 in München in seine Hände zu fallen da« liefe Unglück hatte. Killiilger sagt:„Ein Wink von mir und die Brigadiers legen die Ziege über eine Wagendeichsel und nun Schlag auf Schlag mit den Pserdepeitschen, bis auf der Rückseite keinw«iger Fleck in e h r i st. Die schaut keinen Ehrhardl-Matm mehr an!" Peinliche» Aufsehen in ganz Sachsen und darüber hinaus erregte folgendes: Im Jänner 1931 leuchtete eines Morgens von allen Plakatsäulen der Städte Sachsens eine seltsame Kundmachung; cs tvar das Faksimile eines von Killinger eigenhändig unter,chriebenen Reverses, in dein er sich selbst als„bewußten Lügner" bezeichnet. Dieser Revers hatte erue eigene Vorgeschichte; im Jahre 1928 war gemeinsam mit Killingcr der Kapitäm leutnant Hell nt u t h v. Ni ü ck c in Sachsen als Leiter der Hitlerpartei tätig. Zwischen diesen beiden entstanden schr bald Differenzen, die schließlich in einem durch Herrn Hitler angeordneten und durch ihn geleiteten Verfahren ihren AuS« gleich fanden; hierbei hatte Mücke gefordert, daß Killinger eine Erklärung unterschreibt, in der«r sich selbst der wissentlichen Lüge bezichtigt. Dies« Erklärung wurde ansacfertigt, von Hitler beglatlbigt und Herrn von Mucke auSgehändigt. Nachdem im Jahre 1930 erneute Differenzen e»tt- standen, nachdem vor allen» Herr von Killinger daS Lügen und Bcvkeuinben nicht lassen konnte, sah sich Mücke veranlaßt, die Schande des.Herrn von Killinger öffentlich zu plakatieren. Trotzdem ist Killinger heule Reichsstatthalter in Sachsen.— Prototyp des Dritten Reiches! Karl Kaufmann, Reichsstatthalter für die.Hansaftädt« Hamburg, Lübeck und Bremen. Herr Kaufmann spielt in der Hitlerpartei seit laugeit Jahren«ine führende und— um cS voÄvcgzunehmen— eine berüchtigte Rolle. Sein polnisches Debüt fand am Niederrhein statt, wo Kattsmann, der sich eines besonderen Äcrtrauensverhältniffes zu Hitler erfreut, jedoch sehr bald in ein peinliches Ehren- gerichtSverfahren verwickelt wurde. AuS den uns nn Original vorliegenden UntersuchungSakten entnehmen wir, daß.Herr Kaufmann unter anderem beschuldigt wird u) d e r Urkundenfälschung: um sich im Jahre 1924— Kausmann war damals noch nicht wahlfähig!— das passive Wa hIrecht zu erschleichen, hat Kaufmann auf einer amtlichen Urcktlttdc sein GeburlsdaNlM gefälscht; d) d e S O r d e n s s ch>v i n d e l S: nm sich den Anschein eineS altgedienten Frontsoldaten zu geben, hat Kaufmann die beiden Eisernen Kreuze, daS Fliegerabzeichen und das Bevwun- detenabzeichen(!)„sich selbst verliehen"; er belaß sogar die Unvorsichtigkeit, sich in diesem Kostüm photographieren zu laffen(eine dieser Photographien liegt uns vor!); c) des E h re nw or t b ruch s: Kausmann hat seiner eigenen Partei gegenüber mehrfach ehrewvörkliche Erklärungen abgegeben, die sich als bewußt falsch erwiesen haben; ck) der schweren Ehrverletzung: Kaufmann hat sich in der Ocssenllichlcit damit gebrüstet, mit der Frau des ilatlonalsoziaiistischen Gauleiters in Königsberg, Koch,(des heutigen Oberpräsidenten von Ostpreußen!) Ehebruch getrieben zu haben. Wegen dieser Beschuldigung wurde im Jähre 1929 gegen Kaufmann das Bersahreu vor dem Parteigericht der Hitlerpartei durchgeführt; das Urteil war vernichtend für den Herrn Reichs st atthalter: das Gericht lehnte„aus Sauberkeitsgründen" ab, den Kausman auch nur zu hören, weil der Beweis für seine Schuld in allen Punkten er- zu krönen, bedurfte es eines neuen Aufruhrs und einer neuen Revolution des Volkes. Sie bereitete sich diesmal in den Schenken und „Klubs" von Paris vor, besonders im Viertel Saint-Antoine, wo die Bürger sich versammelten, um„die Freiheit und das Vaterland zu retten". In den Wochen, die dieser Bewegultg vorausgingen, fiel es noch niemandem ein, die rote Fahne zum Symbol der Revolution zu wählen. Pierre Gaspar Chaumeue, Syndikus der Pariser Kommune im Jahre 1792, und einer der Begründer des„Kultus der Vernunft", der später von den Hebertisten geköpft wurde, schreibt, daß die rote Fahne im Klub der CordelierS, wo Danton seine Anhänger versammelte, ihren Ursprung batte. Mehrere Komitees arbeiteten an der Or- aanisatiän des Aufstandes, EineS dieser Komitees schlug vor, di« rot« Fahne zum Sinnbild der Revolution zu erwählen mit folgender Inschrift: „Belagerungszustand deS Volkes gegen den Aufstand des Hofes." Chaumette fügt hinzu:„Unter dieser Fahne sollen sich alle freien Männer versammelir, alle Republikaner, denen man einen Sohn, einen Freund oder Verwandten am 17. Juli 1791 auf dem Marsfeld ermordet hatte." Ein anderer Zeitaenoffe dieser Ereignisse, daS KonventSmitalied Carra, der im Jahre 1793 mit den Girondisten guillotiniert worden war, gibt ein« andere Version. Er erzählt, daß es in der kleinen Schenke„Le Soleil d'Or" war, in der die rote Fahne als Emblem der Revolution vorgeschlagen und angenommen wurde. Eines Abends erschien ein gewiffer Fournier im Revolutionskomitee irnd brachte eine rote Fahne mit, die Carra selbst als Fahne der Revolution vorschlug mit der Inschrift:„Belagerungszustand des souveränen Volkes gegen die Revolte der herrschenden Macht!" * Welches ist die richtige Version'? Was liegt daran! Tatsache ist, daß die rote Fahne, Symbol bracht und weil Kaufmann seinen Gegenbeweis auch nur anzubieten imstande war. Unterzeichnet ist dieses Urteil durch den Vorsitzenden des Parteigerichts für Bergisch-Land- Niederrhein, Rektor Krotz. Die für Kaufmann zuständigen Parteiinstanzen ornpfahlen den Ausschluß deS„R«'chSstatt- halters" aus der Hitlerpartei mit Schimpf und Schande; Herr Kaustnann aber, der über allzu viele Interna der national, sozialistischen Partei informiert war nnd den man nicht ohne eigen« Gefahr znm Gegner machen konnte, fiel die Treppe hinauf: er mußte zwar bei Nacht und Nebel auS Wuppertal verschwinden, wurde dafür jedoch Ganlciter der Hitlerpartei in.Hamburg und im Jahre 1930 ReichStagSabgeordnetcr dieser GesellsMst. Damals wurde er aus feiner beschaulichen Ruhe durch eine Reihe von Pro- zeffen, die ein sozialdemokratischer Journalist gegen ihn eröffnete, ausgescheucht. - Und obwohl er bei diesen Prozessen bis zum letzten diffamiert worden ist(seine«menen Partei- geuvsse», auch der famose Rektor Kratz, mußten unter Eideszwang gegen Kaufmann auSsagen!), scheint er doch die Qualifikation zu einem der höchsten Beamten der Hitlerschen Republik nicht eingebüßt zu haben. JuliuS Streicher, bayrischer Landtags- und ReichStagSabgeordneter. Leiter deS Boykotts gegen die Juden. .Herr Streicher, ein« der wüstesten Erscheinungen der HNlerei, entstammt dem Lehrerberus, auS dem er wegen politischer Umtriebe und krimineller Delikte vor Jahren schon auSscheiden mußte. Streicher gehört der Hitlerpartei seit 1920 an und ist der Gründer der nationalsozialistischen Bewegung in Nordbayern(Nürnberg) Er stand lange Zeit hiiidurch in scharfem Konflikt zu Hitler, galt allgemein alS der„Gcgenpapst", söhn:« sich icdoch mit Hitler aus, nachdem dieser im November vorigen JabreS Streichers stärksten Feind, den bekannten Abgeordneten Gregor Straffer, aus seinen Parteiämtern entfernt hatte. Streicher gibt in Nürnberg ein« Wochenzcitung„Der Stürmer" heraus. Dieses Blatt ist weit über die Grenzen DeutMlands hinaus berüchtigt als das Organ des Sexual-AntisemitiSmus; die Spalten dieses „Stürmer" entsprechen der Atmosphäre Streichers, der dort seine verdrängten Sexual-Komplcxc äbrcagiert, ablagert und— schließlich zu Geld zu machen versteht. Die„WelMiifchauuug" Streichers hindert ihn icdoch nicht, mit besonderer Äorliebc reiche jüdische Frauen und Mädchen in seine Netze zu locken. Wegen dieser Dinge und tvegen der niehr- fachen Unterschlagung von Parteiaeldern lausen gegen Streicher vor dem Parteigericht seit Jahren ein« ganze Reihe von Äcrfahren; über Herrn Streicher erklärt der Borsitzeiidc dieses Partei- aerichts, der Abgeordnete und Major Walter Bilch:„S.'reichcr ist in der Hitlerpartei stock genug, um sichdenLu^uSjederSchwesi nerei ungestraft leisten zu können!" DaS sind sie, die Ritter vom Hakenkreuz!— Nicht irgendwelche, nein: die Führer des Dritten Reiches!— Genügt dieses Porträt konzentriertesten Verbrechertums?— Und so ettvas regiert heut« in Deutschland! So etwas wird jenseits der Are«, zen auch nur einen einzigen Tag lang geduldet!!! Sollt« Heinrich Heine denn recht gehabt haben, als er einmal sagte, daß„dem Deutsche» zum Hund nur noch der Schweis zum Wedeln fehlt"??? der Revolution aus der Französischen Revolution hervorgegangen ist. Alle Revolutionäre begrüßte» sie mit Begeisterung. Sie wurde die Fahne der Föderierten, und dreißig Kommunen hißten sie. Unter ihrem Zeichen erhob sich Paris am 10. August 1792, belagerte die Tuilcrieu, entthronte den König und nahm ihn gefangen. Und hinter der roten Fahne marschierte an diesem denkwürdigen Tage das Pariser Volk ans. Unter der roten Fahne wurde die Republik geboren! Di« rote Fahne, Fahne des siegreichen Balkes, erreichte in jenen Tagen den Gipfel ihres Ruhmes. Erst der Militärdiktatur Napoleons gelang es, die rot« Fahne herabzureißen und die Trikolore aufzupflanzcn, die ihrerseits im Jahre 1814 durch die weiße, liliengeschmückte Fahne der Bourbonen ersetzt wurde. Aber das Pariser Volk vergaß feine rott Fahne nicht und den gewaltigen Sieg, den es unter ihr davongetragen hatte. Während der großen Revolte der Seidenarbeiter in Lyon im Jahre 1881 schwangen die Anführer eine schivarze Fahne zum Zeichen von Hungersnot und Elend. Dock 1848 taucht die rote Fahne in den Händen des Volkes wieder aus und die Arbeiter verlangten von der provisorischen Regierung die rote Fahne als Emblem« der Republik wieder einzufuhren. Der Dichler Lamartine widersetzt sich dieser Forderung und begründet dieses folgendermaßen:„Die Trikolore machte ibren Siegeszug über die ganze Welt, während die rote Fahne, rot vom Blut des Äol> kes, bloß>tm daS Marsfeld die rote Fahne, roi vom Blut des Volkes, bloß um das MarSseld herumkam." Da wurde die rote Fahne zum Symbol der Arbeiterbewegung und der ersten Jnternaliona- len. Und seitdem hat auch dis rote Fahne- ihn» SiegeSzug um die ganz« Welt vollbracht. 91t. 102 Sonntag, 80. ffyrff 1988 eettt» * a. April. Wie der amtliche preu- mitteilt, hat Ministerpräsident erkläre ich, mir br- daß jeglicher Verstoß Verpflichtoerklärung „ES sitzt sich nicht gut aus zwei Stühlen!" Produktion: Der Wert der Produktion r»ng einschneidende Maßnahmen zur Hebung der hat sich im Monat April(errechnet nach den Wirtschaft, insbesondere zur„Rettung des deut» Ziffern vom 1. bis 21. April) verringert um scheu Exports und des deutschen Seeverkehrs". Katastrophale Wirtschaftslase in Deutschland. Produktion und Export ständig im Sinken. 34.5 Prozent gegen Jänner 1083, um 28 Prozent gegen Feber 1988 und um 19.3 Prozent gegen März 1933. Export: Der Wert des Exports hat sich im Monat April lerrechnet nach den Ziffern vom 1. bis 21. April) verringert um 73.2 Prozent gegen Jänner 1938, um 00.8 Prozent gegen Feber 1983 nnd um 36 Prozent gegen März 1983. Seeverkehr: Der Wert des Seeverkehrs hat sich im Manat April sdeügl.) verringert um 57 Prozent gegen Jänner 1933, um 29.4 Prozent gegen Feber 1938 und um 17.1 Prozent gegen März 1933. Die Denkschrift fordert von der ReichSreaie- Personen, di« ständig in Dörfern leben, außer den oberwähnten Orte» und der fest» gesetzten Zone nm Moskau, Leningrad und Charkow, erhalten keine Pässe. Reinigung in der Kommunistischen Partei Rußlands Moskau, 29. April.(Taß.) Es wurde der Beschluß dcü Zentralkomitees der Zcntralkontroll- kommission der Kommunistischen Partei über die Durchführung der Reinigung in der Partei veröffentlicht. Der Beschluß enthält ausführliche Erläuterungen zil den Aufgaben der Reinigung in der Partei, die am 1. Juni 1983 ihren Anfang nimmt. Es kommen vor allem die Gebiete von Moskau, Leniilgrad, des Ural, de Don, von Odessa, Kiew, Winnitza und die Gaue in Ost- Sibirien, im Fernen Osten sotvie in der Weißrussischen Sowjetrepublik in Betracht. Wie zur Zeit der Leibeigenschaft. Inlandspässe für Sowjetbürger. Freizügigkeit aufgehoben Dank zum Einrahmen. Berlin,.29. April. Der Reichspräsident hat an Oberstleutnant a. D. Düsterbcrg ein Handschreiben gerichtet, in dem es heißt:„Ihr Ausscheide» ans der Bundesführung des Stahlhelms gibt mir Anlaß, in Dankbarkeit der großen Bcrdicnste zu gedenken, die Sie sich während schwerer 14 Jahre um den Austum des„Stahlhelm" und damit die Erhaltung vaterländischen und soldatischen Geistes i» Deutschland erworben haben. Ihre hingehende nationale Arbeit für die im Stahlhelm zusammcngcschlossencn alten Frontsoldaten schließt sich würdig an Ihre ehrenvolle militärische Laufbahn in Krieg und Frieden als Front- und Gcncralstabvoffizier an, deren ich stets dankbar gedenke. Für alle» dies meine» Tank,;um Ausdruck zu bringen, ist mir ein aufrichtiges Bedürfnis. Als äußeres Zeichen dieser meiner Gesinnung bitte ich Sie, mein anliegendes Militärbild cntgegenzunchmcn." „Unpolitischen" entläßt und denen Eide er» preßt, sich jeder Betätigung zu enthalten, wahr- cheinlich auch Schwcigc-Vcrsprechcn, nichts zu verraten, was sic erlebt, gesehen und erduldet haben. So wird Herr Göring den blutbefleckten Schild des Fascismus nicht rein waschen. Heraus mit allen„Schutzhäftlingen"! Schluß mit Konzentrationslagern und HilfSPoUzei! Schluß mit der Verfolgung von Gesinnungen! Solange diese Forderungen unerfüllt sind, täuschen uns sie Gnadenakte eines Wüterichs nicht über den Weiterbestand der ganzen Schmach, die wir seit Wochen anprangrrn! * 41:K Der Dank rar tue Schuizhalt die nach den Angaben der nationalsozialistischen und bürgerlichen Presse geradezu«in Erholung» aufenthalt ist, besteht immer darin, daß die Häftlinge bei ihrer Entlassung„freiwillige" Erklärungen unterzeichnen, in denen sic ihr« bisherige Gesinnung abschwören. Die„Freiwilligkeit" dieser Erklärungen sieht so aus: Erklärung: „Ich erkläre hierdurch ausdrücklich, daß ich ün Falle meiner Entlassung aus de» Verwahrungshast mich verpflichte, mich der neuen Regierung gegenüber stets neutral zu verhalten, insbrsanders mich der Agitation im Sinn« der marxistischen Partei«» zu enthalten. Außerdem bescheinige ich, daß ich keine Klagen über Behandlung und Brrpslegung während der über mich verhängten VevwahruugShast sowie überhaupt während der Verhängung und Durchfühning zu erheben habe und aus etwaige Ansprüche aiiS meiner Verwahrungohast verzichte. Schließlich Mußt zu sein, gegen dies« UM meine erneute Verwahrungshaft zur Folge hab en kann." unterstellte Behörden, insbesondere polizeiliche Dienststellen, unberechtigt mit Weisungen versehen haben, Fcsinahinen durchzusühren. Ich ersuche n a ch d r ü ck l i ch st, darauf hin- zumcisen, daß die Befugnisse zu Festnahmen ledig- lich den ordentlichen Polizeibehörden zustchen, die ihre Entscheidungen auf Grund der ihnen zu unterbreitenden Vorgänge nach pstichtmäßiger ! Prüfung aus eigenem Ermessen selbständig zu treffen haben. Aufträge zu Festnahmen haben diese Behörden allein von mir als dem Minister des Innern, von meinem Staatssekretär und von den verantwortlichen vorgesetzten Dienststellen entgc- genzunchmen. Ich werde die Schuldigen gegebenenfalls strafrechtlich zur Verantwortung ziehen." Hier wird ja zu gegeben, was amtlich bisher geleugnet wurde: daß willkürlich«, sinnlose, aus dunkelsten Motiven von dunk- , len Urhebern angeordnete Verhastungen stattge- . ,,„|sunden haben, hier tritt die ganze krasie Rechts- e n, unter welchen^ Umstanden! Darüber jUnsicherheit des Hunnenreiches in einer amtlichen Meldung vor u>rs, und der M i n i st e r, der sie erläßt, müßte mit der strafrechtlichen Verfolgung eigentlich bei sich selb st anfangcn, denn sein Schießerlaß, seine Instruktiv- neu, seine Rundfunkreden haben ja jeder Gewalttat von allem Anfang Straffreiheit zugesichert, auf sein-Ha>ipt kommt das vergossene Blut, aus seinen Namen fällt alles Unrecht, das verübt wurde.„M i ß b r ä u ch l i ch" ist der Namen Göring höchstens vettvcndct worden, wo kein Unrecht geschah. Wo immer Sadisten am Werke waren, zu foltern, zu morden, zu plündern, dort haben sic Fch moralisch mit vollem R e ch t a u f Goring berufen. Mit all diesen Manöver« wird man die zivilisierte Welt nicht darüber hinwcatäuschen, daß! es in D e u t s ch l a n d zehntaufendc poli-l tische Gefangene gibt, daß man nur die> Deutsche Landbündler' für den Fascismus. ES ist bekannt, daß im Bunde der Landlvirte jeder seilte eigene politische Meinung hat und sie ohne Rücksicht aus die offizielle Haltung des Bundes der Landwirte betätigt. Während die Reichsparteileitung da« Bordringcn der deutschen Nationalsozialisten in den Landgebietcn nicht sehr freudig registriert, gehen manche Mitglieder dcü B. d. L. zur offenen Verbrüderung mit den Nationalsozialisten über. Da nimmt in der„.Heimat", dem Tagcsorgan des Saazer Landvolkes, ein Herr Fi eh und andere seiner politischen Einstellung ebenbürtige Landbündler zu den Ereignissen in Deutschland Stelliing,>im zu bekunden, daß die deutschen aBucrn für die Tschechoslowakei nichts sehnlicher wünschen, als die gleiche politische Entwicklung, die jetzt in Deutschland fcstzustcllen ist. In diesen Artikeln lind Notizen lesen wir u. a.: „Es ist doch sonnenklar, daß gerade der Bund der La»dwir lc über den sich entwickelnden Wandel in Deutschland lebhafte Freude haben kann, wenn cs dort endlich ge lang, dem Marxismus mit aller Vehemenz auf den Leib zu rücken." „... wäre es auch in der Tschechoslo- wakci wünschenswert, wenn die gut bürgerlich gerichiclcn Parteien aller Naitonalltäteit unter Streichung eines schädlichen Nationalchauvinismus, der marxistischen Welle ähnlich auf den Leib zu rucken möchten, wie dies in Deutschland geschieht." Fietz stellt Folterungen auf, die von den Nationalsozialisten anerkannt und in ihr Programm ausgenommen werden müßten, wenn sic Sie restlose Unterstützung der Landbündler haben wollen. Unter diesen Forderungen sind jene er- wöhnensworl, dir eine y u n d e r t p r o; e n t i g c Erhöhung der A g r a r z ö l l e, die fast voll- siändige Unterbindung der Einfuhr von Obst, Südfrüchten, Wein, Flachs usw., ferner Abbau der sozialen La st en, utid Festsetzung beweglicher Löhne, herbejführen sollen. Nachdem Fietz seine Forderungen ansgezählt hat, schreibt er:„Wird daS Programm im Sinn« Musiolinis und Hitler« umgebaut, dann di« Hand zum Brudergrutz!" Also die Aussicht auf die Nicderkuiippelung der Marxisten durch den Fascismus genügt den Landbündlern um die„Heimat" itoch nicht, sie verlangen dazu noch die vollständige Verelendung des„nöligen Arbcitcrgc- s i n d e l s" und nur dann, wenn die Hakenkreuz- ler nach dieser Richtung hin Zugeständnisic mach, wi«> die formale Verbindung zwischen den Landbündlern und den Nationalsozialisten voll- zogen werden.,„Möglich", sagt Fietz,„daß dann der B. d. L. in seinen Führerkreisen recht viele Fascisten, die DNSAP. recht viele Agrarier zählen würde." Noch eine Probe landbündlerischer Gesinnung aus der gleichen Zeitung: „Milliarden deutschen Aolksvermögens haben die marxistischen Bonzen im berühmten Zirkel hinter die langen Nägel gebracht und jetzt, wo die ganze Brut hopp genommen wird, heult sie ach und wah und glaubt sich vor der rächenden gerechten Nemesis dadurch retten zu können, daß sie P o g r o m g e s ch i ch l e n über Juden- und Marxistenmorde und gräßlich« Verstümmelungen unschuldiger Leute lügenhaft in die Welt hinausposaunt, wo in Wahrheit in Deutschland bis zum Tag« nlemandtm«in Haar unnötig versengt wurde. Es wäre wohl angezrigt, wenn auch in Prag bald einmal in solchen marxistischen Schweinereien ultimo ratio gemacht werden würde.". So schreibt ein Organ des Bundes deutscher Landwirte, einer Partei, die offiziell immer noch auf dem Boden der Demokratie steht unb die Politik der Nationalsozialisten ablehnt! Aber dieweil sich der Abgeordnete Böhm und andere in Versammlungen mit den Hakenkreuzlern äusein- andersetzen und ihnen den Kampf ansagen, bereiten die vom Gedanken des FasciSimts verseuchten Bauernjungen den Boden vor, auf dem der deutsche Bauer n>tr noch zu arbeiten, nichts aber mehr über sein Schicksal zu sagen l»aben wird, weil über dasselbe die kapitalistischen Drahtzieher der nataonalsozialiftischen Partei entscheiden werden und auf dem die Partei.des Bundes der Landwirte ihr Ende finden wird. Wir siirb über, die Stimmung der Bauern, die sich offen zum Fascismus bekennen, nicht erstaunt, denn der Geist die- fer Partei war nie ein freiheitlicher, sondern, immer durchdrungen von altastcrreichiscl-er Untertänigkeit und der Feindseligkeit zur Arbeiterschaft.| Moskau, 29. April.(Taß.) Durch«ine heut« veröffentlichte Verordnung des Rates der Volkskommissare wird di« Einführung des Paßsystems für di« gesamte Bevölkerung in Städten, Arbeitersiedlungen, besiedelten Orten, di« Rayonzentren sind, sowie in allen Neubauten, Industriebetrieben, in Betrieben des Transportwesens, auf den Sowjetgvter«, in besiedelten Orten, wo sich Maschinen» und Traktorenstelleu befinden, nnd in besiedelten Orten im Bereiche einer Zone von- hundert Kilometern der westeuropäischen Grenz« der Sowjetunion angeordnet. Di« Bürger der Sowjetunion, die kein Recht haben, an jenen Orten zu leben, die in der Verordnung bezeichnet sind, besitzen das Recht, ungebindert in allen übrigen Orten der Sowjetnnion zu leben, wo sie Pässe unabhängig ihrer sozialen Stellung erhalten. Berlin, 27. April. Der Reichsverband der Deutschen Industrie, die Spitzenoraanisation der gesamten deutschen Wirtschaft, hat der Reichsregierung rin« Denkschrift über die Lag« der deutschen Wirtschaft überreicht. An» dieser Denkschrift, di« mit umsangreichem Zahlenmaterial erläutert ist, geht hervor, daß sich die Lag« der deutfchen Wirtschaft seit dem 30. Jänner dieses Öres, dem Tag« de« Regierungsantritt» von er, in geradezu katastrophalem Maße ver schlechtert hat. ES'ist, wie die'Den!"betont, nicht nur die übliche Frühja Belebung der Wirtschaft völlig auSgebliebeu, sondern r» liegen sogar di« Ergebnisse der Wirtschaft von Monat zu Monat tiefer. Im einzelnen wird äuSgewiesen: Das Schicksal der.Schutzhäftlinge* Ein schäbiges Manöver: Entlassungen nnd neue Konzentrationslager. Zum 1. Mai sollen, um die Schändung des! ArbeitersciertagcS durch die Hunnen an einem! Schwindelmanöver mehr vollends deutlich zu! machen, taufende„Schuhhäfllinge" entlassen werden. In Bayern sind es einer offiziellen Mel-. düng zufolge 2Ü00, nachdem angeblich 1800 bc-! reits entlassen wurden. Diese mmmchr amtlich! genannten Zahlen bestätigen, daß unser« höchsten! Schätzungen— angebliche„Greuelmärchcn"— wahrscheinlich zu niedrig waren. Denn diesen Zahlen zufolge muß man annchmen, daß i n ganz Deutschland rund 60.000 b i S 80.000 Menschen eine Zeitlang in.^Schutz has t", das beißt in den Händen der National sadi sten gewesen sind, ausgesetzt den Demütigun gen, Roheiten und oft der körperlichen Folter, die von der SA als Mittel der staatsbürgerlichen Er ziehung angewandt werden, Nun entläßt man also im Zuae der Maikomödie einige Tausend! Häftling«. Aoer unter w e l ch c n B c d Nt g u n-| agen die beiden folgenden Meldungen alles: Berlin, 29. April. Der ReichSkommisiar für das Land Sachsen hat verordnet, daß anläßlich des Festes der nationalen Arbeit am 1. Mai vormit tags all« Schutzhäftlinge zu entlassen stich, soweit sie nicht Funktionäre und geistige Führer der marxistischen Parteien sind und soweit ihre politisch« und weltanschaulich« Einstellung im Fall« der Eutlasiung kein« Gefahr für Volk und Staat bcd«ut«t. In Bayern sollen mindesten» 2000 Schutz- Häftlinge, wenn möglich in erster Reih« Arbeiter, am I. Mai. in Freiheit gesetzt werden. Berlin, 29. April. Zur Erhaltung der Staatssicherheit gegenüber der in» besondere von kommunistischer Seit« ausgehenden st aarsgefährdenden Umtrieben halt« sich in letzter Zeit die Notwendigkeit ergeben, i n großem Umfange von der Möglichkeit der Verhängung polizeilicher Haft in Anwen dung des 8 1 der Notverordnung vom 28. Feber 1933 Gebrauch zu machen. In Airbetracht de: Festigung der nationalen Regierung wie auch der inzwischen eingetretrnen allgemeinen politischen Beruhigung prüft die politische Polizei zur jseit die Frage, ob nicht ein Teil der minder wichtigen Inhaftierten, bei denen die Voraussetzungen der Festnahme inzwischen hinfällig geworden sind,.unter gewissen Bedin gungen ouS der Hast entlassen werden kann. Selbstverständlich sollen all« diejenigen Häft linge auch in Zukunft in Hast gehalten werden, bei denen im Hinblick auf ihr« bisherig« politi sch« Haltung mit Sicherheit zu erwarten ist, daß sie sich nach ihrer Freilasiung wieder in staats feindlichen Sinn« betätigen werden. Dazrr gehören vor allem solch« Personen, die in der kommunistische n Partei, deren HilsZ- und Nckbcnorganisationen sowie in pazifisti schen Vereinigungen als.führend« Funktionär«, Abgeordnete und Agitatoren, tätig gewesen sind. Die politisch« Polizei wird fiir die in Hast ver bleibenden Personell mehrere große Kon zentrationslager einrichten. Die Ent- lassenen werden sich einer polizeilichen Aussicht, die etwa in einer periodische» Meldepfl'cht bestehen kann, unterwerfen müssen. Di« Freizügigkeit wird in geeigneten Fällen angcordnrt werden. Ferner haben diese Personen vor ihrer Entlassung«inen B e r p fli ch tu ng sfchei n zu unterzeichnen, wonach sie sich in Zukunft jeder staatsfeindlichen Betät'gung zu eulhalten haben. Entlasten werden also jene, die sozusagen > a u s B e r s e h e n in die Hände der Hunnen gc- , fallen sind. Alle Politischen Gegner der Nazi- > bcwegung werden in dieser Schutzhaft behalten, die in Wahrheit willkürliche Freiheitsbe raubung und stündliche Gefährdung des nackten Leben» der„Geschützten" bedeutet. Die Barbaren, zu dumm selbst zum Lügen, zu dem sic zwar die moralischen aber eben nicht die intellektuellen Voraussetzungen mitbringen, be richten der Welt in einem Atem, daß sie Häftlinge entlasten und große Konzenlrations lager errichten. Auf unabsehbare Zeit wer den demnach Zehntauselldc in Haft bleiben, weil sie Marxisten waren oder„pazifistischen" Organisationen angehörten. Die ganz« Friedens- liebe der Hitlcrrcgierilng wird bester als durch die offiziellen Beteuerungen durch die Tatsache be leuchtet, daß in Hitlerdeutschland di« Zugehörig keit zu einer kriegsgegnerischen Organisation ge nügt, um, ohne Spruch und Urteil, aus unbe. stimmt« Zeit im Konzentrationslager inhaftiert zu werden. Braucht es noch mehr Beweise dafür, daß in Deutschland Gesinnungen bestraft werden, daß man ohne Gerichtsurteil straft und daß der Strafvollzug den poli tischen Gegnern der Verhafteten anVec tra u t ist?! Nicht minder interestant ist aber folgende Meldung: Berlin, 28. ßische Pressedienst Göring in seiner Eigenschaft als Innenminister am 28. April an alle Nachgeordneten Behörden fol genden grundsätzlich wichtigen Erlaß über die Zu ständigkeit für Verhastungen gerichtet. „In jüngster Zeit sind mir wiederholt Fälle bckanntgcworden, in denen hierzu nicht befugte Stellen, auch einzelne Dienststellen des Ministeriums, Verhaftungen von Personen an geordnet und durchgeführt haben, obwohl hierzu hinreichende Veranlassung nicht ge geben war. Auch ist bei mjr des öfteren zur Sprache gebracht worden, daß solche Stellen unter mißbräuchlicher Benutzung meines Namens mir Deulsdiland Isoliert Niederlade In deut. Genf, 29. April. In der heutigen Sitzung de» Ausschusses für den Effektivstand wurde heut« abermals recht eifrig über die d e u t f ch e Schupo diskutiert. Diesmal kam von der fran zösischen Seit« die Ueberraschung; der französisch« Vertreter Lucien beantragt« energisch, daß die gesamt« deutsch« Schutzpolizei zum Hee re» st and gerechnet werd«. Die französisch« These wurde in sehr gemäßigter aber wirksamer Form durch eine große Kundgebung de» belgi schen Generals G a l e t unterstützt, der durch seine sachlichen Ausführungen die englische und schweizerische Delegation dazu bewegen konnte, daß auch diese für di« Einrechnung der Schupo zum deutschen Heeresstandc stimmte». Diesen Standpunkt vertrete« bereits heut« offen folgend« Staaten: Di« Staaten der Kleinen Entente, Bolen, Frankreich, England, di« Schweiz und Belgien. uiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiii Terte 10 Sonntag, 80. April 1088 Nr. 102 I den Kasernenhof eindrana, wurde dort bereit» geschossen. Jemand rief, daß SuSltk einen Sol. daten erschossen habe. Halamikek bekam Angst und versteckte sich im Keller. ?ll« letzter Angeklagter sagt der achtundzwanzlg- jährige Johann Hlavak au». Er ist organisierter Fascist und erklärt gleich zu Beginn seiner Aussage, daß er sich zu dieser Partei stolz bekenne. ES wird festgestellt, daß Hlavak Wege» Geisteskrankheit vom Militär entlassen wurde. Auch er, ist unschuldig. MS die Widerspräche zwischen seinen heutigen Aussagen und dem Protokoll aus der Voruntersuchung nachgcwicsen werden, beschuldigt er den Untersuchungsrichter der Lüge. Der Staatsanwalt beantragt, daß später alle drei Untersuchungsrichter als Zeugen einvernommen werden. Der Vorsitzende vertagte hierauf die Verhandlung auf Dienstag. Die Wirtlchaftrlage in der Tschechoslowakei. Aus dem neuesten Heft der Berichte der Ralionalbaui. Ist das die Einheitsfront? Unerhörte netze des kommunistischen, Vorwärts**. „Weg mit allen Hitlerbanden und ihren Wegbereitern, den Wels, Bauer und Ezech, die nach sechzigjährigem mühevollem Aufbau der Arbeiterbewegung, di« einst hochgetragene rote Jahne ganz ergeben Hitler zu Füßen legen und vor ihm am Bauche rutschen." Wir fragen jeden ehrlichen anständigen Kom munisten, ob er mit einer so hundsgemeinen, lügnerischen Schreibweise einverstanden ist. Wir sragen di« so»itld«mokratisch«n Arbeiter» ob st« bereu sind, gemeinsame Sach« zu machen mit Leuten, welch« von Genossen llzech sagen, daß er vor Hitler am Bauch« rutscht. sAuf der eine» Seite schreien sich di« Kommunisten in demagogischer Weise heiser nach der Einheitsfront und auf der andern Seit« beschimpf«« sie ol« sozialdemokratischen Führer in der nieder« trächtigsten Weis«. Mit solchen Burschen gibt«S keine gemeinsame Sache, sondern nur«ine handfeste Abrechnung. Di« Kommunist«« und ihr« Presse habe«, wochenlang versucht, die sozialistisch«« Arbeiter zu einem Einhritüsrontman'over zu missbrauchen, lag für Tag wurden spaltenlang« Artikel geschri«. den, die keinen anderen Zweck hatten, atü in dir Reihe« der Sozialdemokratie Verwirrung zu tragen und sozialdemokratisch« Arbeiter dazu zu bewegen an kommunistische« Maikundgebungen tri^unchmen oder an solchen Veranstaltungen, wo di« Kommunisten, ungehindert ihr« Hetze gegen die Sozialdemokratie hätten entfalten können. Nun ist di« Zeit für dies« Agitation vorbei- und der„Vorwärts" kann Farbe bekennen. Er zeigt uns, daß nach dem 1. Mai ungehindert di« Hetz« gegen dir Sozialdemokratie wieder losgehen wird. Ten Beweis dafür liefert die Mainummer des„vorwärts", in d«r«in angeblicher Brief eines sozialdemokratisch«« Arbeiters, der in Wirklichkeit nach bekannten kommunistischen Methode« in der Redaktion des„vorwärts" verfaßt Wörde« ist— veröffentlicht wurde, der folgender- maßen schließt: Das eben erschienene Aprilhest der Nach richten der tschechoslowakischen Nationalbank ent hält eine lleberjicht über die Lage der tschecho slowakischen Wirtschast, der nachstehende Anga- ben entnommen sind: Landwirtschaft: Die günstige Witterung der letzten Zeit hat eine schnelle Beendigung der Saatarbeitcn möglich gemacht. Was die Preise de» Getreides betrifft, weist Weizen rin« feste Tendenz und einen befriedigenden Absatz mrf. Die Preise de» Korn» und der Gerste sind unbeweg lich. die-Haferpreise haben etwas abgeschwächt. Auf dem Hopfenmarkt war eine bedeutende Nachfrage für die Ausfuhr nach Amerika aufzu weisen, wodurch die Preise bedeutend gestiegen ind. Landwirtschaftlich« Industrie; Der Zucker verbrauch ist im Marz gegen denselben Mo nat de» Vorjahres um 16.8 Prozent, die ZuckerauSfuhr um 88.8 Prozent nie driger. Der BicrauSstoß ist im Feber g»gen den gleichen Monat deS Vorjahres um 9.8 Pro zent gesunken,, gegen: den-Jänner--de», heurigen Jahre» jedoch üm 8.6 Prozent gestiegen. Kohl«: Der A b s a h von Stein» Und" Braun kohle ist gegen den Feber im März abermals gesunken, di« Förderung i«och ist ae- stiegen. Steinkohle wurden im März 874.000 Tonnen gegen 850.000 Tonnen im Feber, Braun kohle 1,802.000 gegen 1,243.000 Tonnen im Feber gefördert. Die Erzeugung von Koks betrug im Feber 92.000 Tonnen und ist im März auf 98.800 gestiegen. MetaNindustri«: In dieser Branche verzeich net der Bericht«ine kleine Verbesse rung in der Beschäftigung der Hochöfen. Die Erzeugung von Roheisen und Rohstahl hat sich erhöht und zivar bei Roheisen von 34.000 Ton nen im Feber auf 41.100 Tonnen und bei Roh. stahl von 56.000 auf 64.000 Tonnen und hat da mit die Erzeugung vom März de» Vorjahre» überschritten. Auch in andern Zweigen der Me-, tallindustrie war eine klein« Besserung zu ver-1 weiter schwach blieb. zeichnen. In der Maschinenindustrie bleibt dies C"',’"" Z‘. Z. Situation dieselbe wie vor einem Monat mit tigung im ganzen großen unverändert. Chrlstllchsozlale Denunzianten Die christlichsoziale Presse schreibt unter Hinweis auf dem neuesten Erlaß de» Schulmi- nisterS unter fettem Titel: Achtung auf so- zialdemokratische Lehrer und Professoren!„Jahrelang hat man ruhig zugesehen, wie sich sozialdemokratische Lehrer und freisinnige Professoren beim Unterricht Bemerkungen tlnd Erläuterungen nicht enthielten, die nicht nur den Eindruck religiöser Voreingenommenheit erwecken muhten, sondern den Eindruck offener Rcligioiisfeindlichkcit. Und alle Beschwerden der Katholiken blieben unbeachtet."„Unsere» Wissens haben sich wohl sehr wenige-Hakenkreuz-Professoren und Lehrer parteimäßig in der Schule betätigt, wohl aber, sehr viel sozialdemokratische Lehrer und freisinnige Professoren." Da» genaue Gegenteil ist richtig. Ein« andere Schreibweise ist aber von der klerikalen Presse nicht zu erwarten. Unsere Schivarzen möchten nun gerne alle den fascistifchen Lehrern drohenden Gefahren ab- wenden und glauben dies am besten durch eine freche Berleumdttng der freisinnigen und sozialdemokratischen Lehrerschaft zu erreichen. Der Erlaß des Schulministerium» sagt sehr klar und eimreutig, daß an der p o l i t i s ch e n F r«i- beit aller demokratisch gesinnten Lehrer nicht gerüttelt wird. Alle Denunziationen der Klerikalen werden daher von den Behörden dorthin befördert werden, wo sie hin gehören. Die sozialdemokratische Lehrerschaft aber wird sich von ihren Pflichten nicht abhalten lassen. Mehr al» bisher wrrd sie den schwarzen Freunden der braunen Mörder ihr« Aufmerk- samkeit schenken müssen. Darum beteiligt sich di« sozialdemokratisch« Lehrerschaft vollzählig an den Maikundgebungen! Wem nütze» die Konsumvereine? Angesichts der kapitalistischer Profitgier ent- prungene» Hetze der bürgerlichen Presse gegen >ie Konsumvereine fei daran erinnert, daß auch bürgerliche Regierungen den ungeheuren Wert der Konsumvereine zu schätzen wußten. Eine eingehende Würdigung erfuhr ümgenossenschastSbewegung tm Jahre 1 die fächsischr Denkschrift saft all« Vorteile der genossenschaft lichen Organisation richtig erkannt und zusam- mengefaßt hat,. Jrz,dieser Denkschrif einer Neigung zu einer unbeträchtlichen Besserung in einigen Spezialbetrieben. Keramisch« Industrie: Einen bestimmten Impuls zur Belebung erwarten die Betrieb« erst von der Durchführung der Bauten, die von der gerade ausgeschriebenen Arbeitsanleihe finanziert werden sollen. Glasindustrie: Di« Auüfuhrsituation der Glasindustrie bleibt weiterhin schwierig. Gegenüber der Ausfuhr in den ersten drei Monaten 1932 in der Höhe von 139.5 Millionen Kronen erreichte die Ausfuhr in derselben Zeit de» heurigen Jahre» bloß 100.7 Millionen. Eine Besserung war nicht zu beobachten. Bauindustrie: Die Baubewegung f ä n g t a n, auf dem Arbeitsmarkt war etn Rückgang in der Zahl der arbeitslosen Taglöhner und arbeitslosen Bauarbeiter zu verzeichnen. Dazu hat die Besserung der Witterung im März bei» ge tragen. Holz, und Papierindustrie: Die gewohnte Frühsahrsbclcbung des Holz, und Schnittgeschäf. te» konnte heuer noch sehr wenig beobachtet werden. In der Papierindustrie ist nach«iner gewissen Besserung in den Vormonaten in den letzten Wochen wieder ein« Abschwächung eingetreten. Tertiliudustri« und Konfektion: Die Beschäftigung der Tertllindustri« im März und Anfang April hat stellenweise Anzeichen einer geringen Besserung aufgewiesen. Der inländische Absatz wurde durch da» günstig« Wetter unterstützt, so daß da» Tuchgeschäft im Feber lebendiger war. Die allgemein« Kris« jedoch dauert an. Di« Ausfuhr von Textilien im ersten Vierteljahre 1933 steht tief unter demselben Niveau derselben Zeit von 1932 und zwar bei Baumwollwaren um 21 Prozent, bei Äollwaren nm 46, bei Seidenwaren um 44 und bei Leinenlvaren um 28 Prozent. In der Konfektionsbranche war im April ein« gewisse Besserung in der Beschäftigung zu beobachten, s während in den Gerbereien die Beschäftigung Chemisch« Industrie: Hier war die Deschäf» ': die Kon- , w w, 1902 durch e StaatSregicrung, di« in ttner 'nkfchrist wird' unter anderem folgende» aüSgesüyri: „Die Vorteile der Konsumvereine bestehen ick' dem billigeren Großeinkauf au» erster Hand gegen Barzahlung, in der festen Kundschaft der Mitglieder, di« den Anreiz durch kostspielige Reklame oder fein ouSgestatteie Läden entbehrlich macht, in den geringen Kosten der Geschäftsräume und dem Verkauf gegen Barzahlung. ES sind also im wesentlichen die untere Schicht de» Mit-. telstandeS und di« Handarbeiten de Bevölkerung, die von d«n Konsum- Vereinen Vorteil ziehen. Dieser Vorteil der Mitglieder besteht aber durchaus nicht bloß in der Erzielung der Dividende; Wei» höher ist der lozialpolitischeGewinn anzuschlagen, daß der in den Konsumvereinen gepflegte Grundsatz der Barzahlung die Mitglieder zur Sparsamkeit» Ordnung und Pünktlichkeit in der Wirtschaft erzieht. Dazu kommt der nicht gering anzuschlagendr Vorteil, daß dl« Konsuniverein« unbemittelt« Leute dqran gewöhnen, größere Unternehmungen für sich und andere verantwortlich zu verwalten. So sind die Konsumverein« wirksame Pfleg- und UebungSstätten der Selbsthilfe, der Selbstveront- wortung und der Selbstverwaltung geworden." Derlei objektiv« Urteil« könnten noch in größerer Anzahl zitiert werden. E» sei lediglich oin- gewiesen auf di« R«de des württemberaischen Ministers v. Pischek am 29. Mai 1907 im württembergischen Landtag. Er führte aus: „Ich kann mich enthalten, im einzelnen daraus einzugehen, daß die Konsumvereine ein« rechtlich durchaus statthafte Förderung der wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder bieten, daß st« regulierend auf die Preise einwirken und einem allzu großen Unternehmergewinn entgegentreten, daß sie durch da- Prinzip der Barzahlung zur Sparsamkeit erziehen, daß sie überhaupt dem allgemeinen Grundsatz entsprechen, daß man wirtschaftliche Erfolge«zielen soll unter möglichster Ersparung von Kapital, Arbeit und Zeit, und daß sie unter Umständen eine sehr erwünschte Wache gegen die Truste und Syndikate bilden, nämlich dann, wenn sich diese- auch der Lebensmittelversorgung des Volkes zuwendcn sollten... Aber wenn der vom Herr» Abgeordneten Körner neulich angesührte Satz richtig ist, daß eine Genossenschaft nur dann gut ist, wenn sie vielen nützt und nur einzelne benachteiligt, so müßte von diesen» Satz au- gerade der Abgeordnete Körner ein Lobredner der Konsumvereine werden, denn es läßt sich nicht verkennen, daß ein gut geleiteter- und gute Ware absetzender Konsumverein vielen Tausenden seiner Mitglieder nützt, und daß diesem Nutzen doch nur die Schädigung einer relativ recht kleinen Zahl von Detailhändler» gegenübersteht." Diese durchaus zutreffenden Worte sollten sich alle jene Klopffechter der profitlüsternen Kaufleute hinter die Ohren schreiben, die aus Dummheit und Haß gegen die Konsumvereine Stellung nehmen. Ehrenmänner. «einer weiß etwa», keiner hat etwa»»««acht. Brünn, 29. April. Al» erster Angeklagter im Fascistenprozeß wurde heute der zwanzigjährig« F. Ferda aus Butschowitz verhört, welcher Mitglied-der republikanischen Jugend war, bevor er sich den Faseisten anschloß. Auch er fühlt sich unschuldig. Er habe nicht gewußt, daß etwas Illegale» unternommen werden sollte und al» er den Ernst der Lage erkannt hab«, sei e» zu spät gewesen. Ferda widerruft seine Au»sage, daß Sulllik au den Soldaten Kind«rmann geschossen habe, gibt aber zu, daß er vor dem Untersuchungsrichter in diesem Sinne ausgesagt hat. AIS er behauptet, daß einer der Soldaten ihm das Bajonett auf das Gewehr aufgepslanzt habe, behält sich der Staatsanwalt Dr. Puntiöek die strafrechtlich« Verfolgung des Angeklagte» wegen falscher Beschuldigung vor. Joses F u s e k wurde von D r b a l sür daö Unternehmen gewonnen. Schuldig fühlt er sich aber nicht. Um die Politik habe er sich wenig gekümmert und vom FaseiSmus versteht er nichts. Der nächste Verhörte, Josef H a n 4 k, war organisierter Fascist: um politische Dinge hab« er sich wenig gekümmert. Er gehört« zu denjenigen, di« nach Ueberklettern der Mauer in die Kasern« eindrangen. Er hatte damal» einen Revolver, angeblich jevoch ohne Munition. Nach dem ersten Schuß sei er davongelaufen. Hanäk wird mit dem Angeklagten M l S e k konfrontiert, welcher der Anrsage Hanaks widerspricht. Der siebenundfünfzigjährige Ludwig Halami- Lek ist Analphabet und war klerikal organisiert. Er weiß nicht, wer Gesetze erläßt, wer den Staat verivaltet und weiß auch sonst überhaupt nichts. Zu den Faseisten ist er deswegen gegangen, jweil ihm jemand Arbeit versprach. Als er in Denunziation an nie SA! Die„Sudetendeutsche nationalsozialistische Korrespondenz" begeht in dem Artikel, in welchem te unsere Feststellungen über di« Spitzeltätigkeit >er Hakenkreuz!« vergeblich zu widerlegen ver- ücht,— wir haben gestern Stellung dazu genommen— ein« geradezu ungeheuerliche Denunziation. Sie bemüht sich den verdacht gegen ihr Mitglied Jänich an» FillipSdorf zu entkräften und sagt: „Gegenüber der Wohnung Jänich» wohnt «in Kommunist an» Neugersdorf. Janich vermutet, daß diese Umstände beigetragen haben» ihn al» Denunzianten zn verdächtigen." Neugersdorf ist ein Ort in Sachsen. Jedem ist e» klar, daß dieser Hinweis genügt, um den Denunzierten in die-Hände der Hakenkreuzle» auszuliefern, wenn er in seinem Heimat»ort zurückkehrt. Die nationalsozialistsche Korrespmwenz will glauben machen, daß kein Mitglied der Partei mit der sächsischen SA zusammenarbeiwt und ihr Zuträgeroienste leistet. In selben Atent begeht aber die offizielle Korrespondenz der national- ozialistischen Partei selbst ein« Denunziation und bestätigt damit selbst, wa» wir von oen Haken- veuzlern behauptet haben. Geslnnungslreue und Konsequenz I Irelheiilldier deutscher Lehrer. Die„Freie(freie?) Schulzcitung" veröffentlicht in ihrer Nummer 17 eine offizielle Antwort der GeschäftSleitnng des Deutschen Lehrerbundes auf unsere Ausführungen vom 12. April. Die Stellnngnahine zu dieser Auslassung behalten I wir uns vor. Wir möchten nur zur Beleuchtung; der freiheitlnl)«n Gesinnung des Deutschen Leh-! rcrbundes einige bescheidene Feststellungen I machen, die all« aus dieser einen Nummer ihres! Bundesorgans gewonnen wurden.> In der offiziellen Erllärnng der vundeHlci-1! tung wird gesagt: i „... So halte di« Schrislleitung der„Freien I Schulzettnng* keine Veranlassung, über die gegen- I wärtig« Lag« in Deutschland ein Urteil abzu« I geben, die sie au» eigener Anschauung nicht kennt." Das steht auf Seite 233. Auf Seite 231 j steht in einer Notiz(oder muß man schon, „Merke" sagen?)„Aus Deutschland": „Das bayrische Ministerium für Unterricht| und Kultus verfügt unter dem 28. März:... Ter i Unterrichl hat in allen Lehranstalten Bayern» mit I Gebet zu beginnen und zu schließen... Te. i GotteSglaube und der PersönlichkcitSwert des l Lehrer» und Erzieher» muß>n einem lebens- i wahren, von religiöser Innigkeit erfüllten Unter< richt zur Geltung kommen... Ta» Verbot d«> I körperlichen Züchtigung wird eingeschränkt. Maßvoll« Züchtigung ist nicht al» Dienfkpftichtvec- letzung de» Lehrer» anzu'ehen, wenn sie unvermeidlich ist, um Zucht und Lrdnung gegenüber bewußt«: und gewalttätiger Auflehnung zu wahren.' Da hätte der Lehrerbund immerhin die eigene Anschauung amtlicher Erlässe. Die Lehrerzeitung enthält sich trotzdem jeder Kritik, obwohl sie auf Seite 230 in einem Bericht au» Oesterreich die Bestrebungen nach Einführung eines Konkordates als„verdächtig" bezeichnet und von der Aufhebung des Glöckl-Erlassc» über, die religiösen Ucbungcn schreibt:, „Wir ziveifeln, daß dessen lde» Aufhebung» j erlasse») Durchführung sich reibungslo» ergeben- wird." Das ist zwar eine sehr^zahme Kritik, steht; aber doch zu dcnr völligen Schweigen über die' west schlimmere Beeinträchtigung der Gewissensfreiheit in auffälligem Gegensatz. Aber das ist noch das Wenigst«. Auf Seite 231 lesen wir, wieder au» amtlichen Erlässen zittert: „Da» Verbot der Beteiligung von Schülern an der Hitlerjugend ufw. wurde aufgehoben, dafür ein Verbot der Beteiligung der Schuljugend an marxistischen Vereinigungen jeder Art(Turn- und Sportvereinen, Spielklub», Wandervereinen Tugendvereinen und allen sonstigen Dereungungen mit marxistischem Einschlag) erlassen.,. Thüringen: Den Beamten wird di« Zugehörigkeit zur soz.-d«m. Partei verboten... Au» Preußen: Die Lehierverbänd« sollen unter'die Zentralkeitung de» nat.-soz. Lehrcr- bundc» gestellt werden... Nach dem BerufS- beamrengesetz werden all« Beamten, die der kom» muwftischen Partei ongehören, entlassen. Beamte, di« nicht bereit» am 1. August 1911 Beamt« gewesen sind, haben nachzilweisen, daß sie arischer Abstammung oder Frontkämpfer, Söhne oder Väter eine» im Kriege Gefallenen sind. Di« Beamten können verpflichtet werden, Auskunft zu geben, welcher politischen Partei li« bisher angehört haben. Gegen 2llll Lehrer sollen sich in Deutschland in Schutzhaft befinden." TaS ist noch nicht genug eigene Anschauung die zur Stellungnahme veranlassen könnte? ö ja, die Lehrerzeitung nimmt in sehr schöner und mutiger Weise gegen politische Verfolgungen Stellung. Man liest im Leitaufsatz„Schule und Politik" auf Seite 226: „Uns geht e» hier um keine Partei»ich kein« Weltanschauung, sondern um da» einfach« schlichte Recht der politischen Betätigung der Lehrer als Staatsbürger. Dfir kennen di« Zeiten, wo e» anders war, wo der Lehrer wegen der Zugehörigkeit zu«iner politischen Partei, dl« den Machthabern nicht ai^tenehm war, gemaßregelt wurde. Da» wichtigst« Kennzeichen der Temokratie ist dir Freiheit der Meinungsäußerung und der politischen Betätigung. Für dieleS Rech: müssen wir alle geschlossen, welcher politischen Meinung jeder privat anhängen mag, eintreten." Zielen diese mannhaften Acußerungen gegen die„Gleichschaltung"? Gesten das Treiben der Rust und Konsorten? Keineswegs! Das geht gegen eine von der Lehrerijeitung selbst al» unverbürgt bezeichnete Zeitungsmeldung, daß Lehrer, welche der Förderung der nationalsozialistischen Partei Überwiesen erscheinen, diszipliniert werden sollen. TaS gcschicyk in einer Besprechung des Dorer-Erlasse», worin von der polittschen Betätigung der Lehrer außerhalb der Schule überhaupt nichts steht! Wie lange werden sich die wirklich freiheitlichen Lebrer diese Doppelzüngigkeit ihrer offiziellen Standesvertre- tung gefallen lassen? Um di« Autonomie Karpathorußland». Minister deS Auswärtigen Dr. B e n e S hat— wie die„Lodivö Noviny" melden— vorgestern die Vertreter der karpathorussischen Parteien empfangen und mit ihnen über die Frage der Autonomie de» Lande» verhandelt. Er erklärte, «r werde sich dafür einsehen, daß diese Angelegenheit endlich erledigt werde. Die Vertreter der Parteien haben auch den Ministerpräsidenten M a l y p c t r ausgesucht, der ihnen mitteilte, daß zur Lösung der karpathorussischen Fragen «in fünfgliedrige» Ministcrkomltce eingesetzt wurde, Nr. 102 Sonntages. April 19SS Seil« 11 !Reichenberger Schnellzug verunglück? Schwer verletzt T agesneuigkeiten Die Mitglieder der Regierung.empfangen der am daß e n- und sozialistischen Bewegung betätigte, ist NSDAP beigetrelc». Bei der Trainings von der«in Brand folgte.'Bisher wurden acht Arbeiter als Älchen geborgen. Zahlreiche Arbeiter konnten sich retten. Dank Len angestrengten Bemühungen der Feuerwehr gelang«S, den entstandenen Brand zu löschen. Schuppen sämtliche Netze aufbewahrt, ebenso um- ängreiches Tau- und Segelwerk sowie leer« Fässer und Heringsvorräte, so daß bei vorsichtiger Schatzung schon jetzt von einem Schaden von annähernd% Millionen Reichsmark gesprochen werden kann. Kur; nach 24 Uhr war die Feuer- wehr.Herr der Lage. Da von mehreren Augenaugen beobachtet wurde, daß der Brand an zwei Stellen zugleich anSgebrochen ist, wird Brandstiftung vermutet. Ein Vertreter der Staatsanwaltschaft ist aus diesem Grunde an der Brand- stelle cingetroffen. ES handelt sich nm den ersten größeren Brand im Hafen seit dem Juli 1929, Phireichen im Hasen liegenden Schleppdampfern vernichtete und beträchtlichen Sachschaden anrichtete. Schlacht zwischen Farmern«nv Polizei Lemars(Staat Iowa), 29. April. Bei dem Versuche der Behörden, den Besitz des hiesigen Farmers I. F. ShielS im BerstcigerungSwcge zu verkaufen, da er die AmortisationSzahlungcn nicht leistete, kam cS zu einem sehr ernsten Zusammenstoß zwischen den zusammengerottetcn Farmern und der Staatspolizei, der schließlich in«ine eine halbe Stunde währende Schlacht ansartcte. 50 Personen wurden auf beiden Seiten ziemlich schwer verletzt und der Polizei gelang cS sozusagen erst im letzte» Augenblick, den OrlSrichter anS den.Händen der wütenden Farmer zu retten, di« ihn an einem Baum anfknüpfe» wollte». Der StaatSgouvcrneur sandte an Ort und Stell« eine größere Truppenableilung, di« für den Fall neuer Unruhen in Bereitschaft stehen soll. Sin Riesenfeuer in 8mdeu. Emden, 29. April. Wie bereits kurz berichtet, ist bei der ältesten Fischerei EmdenS der Emder Heringsfischerei, deren Gebäude sich im Innerhafen befinden, gegen 22 Uhr ein Schadenfeuer ausgcbrochen. In kurzer Zeit standen die Gebäude des Unternehmens in lallen Flammen; die großen Netzschupfen und ein Packgcbäude .waren um 23 Uhr völlig ausgebrannt. Di« in der Näl)« der Fischerei liegeirvcn Hcringslogger mußten mit Schleppern von der gefährdeten Stelle weggcfahrcn werden. Auch das in der Nähe der Bralldftättc befindliche Oellager Ivar sehr gefährdet, so daß AbsperrungSmaßnahmen getroffen werden mutzten. Um Mitternacht bekämpften die Feuerwehren noch mit allen verfügbaren Schlauchleitungen den riesigen Brandherd. Sie wurde tatkräftig von zahlreichen In» Hafen liegenden Schlepfchampscr unterstützt, während di« nationalen Wehrverbände, SA und Stahlhelm, für die Absperrung des gro- Dollar Entwertung gegcAenenimis bis aut SO Prozent' Washington, 29. April. sReuter.) Der InslationSgcsetzcntwurs, der vom Senat mit 63 gegen 21 Stimmen angenommen wurde, ermächtigt den Präsidenten Roosevelt zur Herabsetzung des Goldwertes de« Dollars gegebenenfalls bis auf fünfzig Prozent, weiters darf er frei aus Silber Geld prägen, für drei Milliarden für den Umlauf oeftimmlrS Geld auügcben und den Kredit durch Vermittlung der Federal Reserve Bant durch Emission von Kassenscheinen der Vereinigten Staaten im Wert« von drei Milliarden Dollars erweitern. Der Präsident wurde weiters ermächtigt, aus dem Titel der teilweisen Abzahlung der Kriegsschulden für zweihundert Millionen Dollars Silbermünzen entgegenzunehmen. Neue Offensive gegen die Chinesen. Peiping, 29. April. Der Militärattachee japanischen Gesandtschaft in Peiping liat Freitag den chinesischen Behörden mitgetcilt, die javanischen Truppen einen entscheid den Angriff auf Peiping unternehmen würden, wenn nicht augenblicklich die chinesischen Gegenangriffe gegen die innerhalb der Großen Mauer vorgchcnden japanischen Truppen aufhören werden. In einem von der japanischen Legation auSgcgcbenen offizielle» Kommnniquee werden auch die Meldungen von dem japanischen Offensivvormarsch südlich von Nantiennien bestätigt, wobei eine besondere Armeegruppe den Auftrag erhielt, die zweite chinesische Division, die in diesem Abschnitt operiert, zu vernichten. Nach den letzte» Meldungen hat die chinesische Armee die Stadt Nantienmen geräumt und sich gegen Süden■ in neue Positionen zurück- gezogen. Die Japaner sind iu die Stadt einmarschiert. ßrvlofion im Arsenal. Lissabon, 29. April. Im Staatlichen Arsenal Barcalera ereignete sich eine Explosion, Urteil geaen Lostner. 5 Monate schweren Kerkers wegen Sittlichkeitsvergehrn. Wie«, 29. April. In dem Prozeß gegen den Burgschauspieler Löhner wurde heute das Urteil gefällt. Das Gericht erkannte den Angeklagten dcS Verbrechens der Schändung und der Neber- tretung der öffentlichen Sittlichkeit für schuldig und verurteilt ihn zu 8 Monaten schweren Kerkers. Löhner behielt sich Bedenkzeit vor, der Staatsanwalt hat kein Rechtsmittel ergriffen. Fluqzeuoabstur,. Berlin, 29. April. AuS bisher nicht geklärter Ursack)« stürzte heut« Mittag«in von der deutsch-chinesischen Luftverkehrsgesellschaft Eura- sia kürzlich angekauftes Flugzeug in der Nähe von Traunstein am Chiemsee ab. DaS Flugzeug, em Junkers W. 34, di« noch die deutsche Nummer W 34 D 4 trug, befand sich auf einem Dauererprobungsflug, zu dem es heute morgens in Berlin gestartet war. Die Besatzung, Flugkavitän Wende und Flugmaschinist E i ch c n k o tz sowie die beiden weiteren Insassen Direktor Schmidt von der Eurasia n»d ein Fräulein Lister kamen bei dem Unfall ums Leben. DaS Flugzeug wurde zertrümmert. Söbenweg. Denn dich da» Leben erdrücken will, halt nicht st.lll Roch kannst du dir Fäuste ballen. Gehört bat Licht nicht allen? Richt in di« Erd« bohr' deinen Blick; nach auswärts steh! Richt Knecht sei» sollst du, schweigender Sklave für Sorg« und Müh'. Wa» unerreichbar ist, der Sonn« Glanz erstreb« du! Durch Red«! und Wolken laß deine Blicke nicht brechen! Ueb«r ihnen erst geht et der Soun« zu. Hant Honheiser. Der Rückgang d«r Zahl der Versicherten infolge der Wirtschaftskrise gebt aus einer soeben veröffentlichten Statistik der Zentralsozialvcrsiche- rungSanstalt hervor. Danach betrug die Durchschnittszahl der Versicherten int Jahre 1931 2,312.596,!m Jahre 1932 2,069.014. Im Feber 1933 beträgt die Dnrchschittszahl der Versicherten nur noch 1,666.724 gegen 1,892.552 im Feber des Vorjahres. Die Ziehung der Efsrktenlotterie des Büb- nenbundes in der Tschechoslowakischen Republik wurde zufolge Bewilligung der Direktion der Staatslotterien auf den 3. September 1933 verschoben. Ein origineller Boykott. Aus K o w n o wird uns geschrieben: In diesen Tagen ist«in scharfer Boykott der städlischen Bevölkerung gegen die Abnahme des elektrischen Stromes aus dem städtischen Werk ausgebrochen. Das Werk besitzt einen Vorkrirgsvertrag mit der Stadtverwaltung, der den Preis für eine KW-Stnnde auf etwa K 4.50 festsetzt. Gegen diesen hohen Preis nimnit nun die Bevölkerung von Kowno Stellung. Fliegeiidc Kommissionen überivachen die Wohnungen, um fcstzustellcn, ob nicht elektrisches Licht benützt wird. Lediglich einigen Aemtern und Institutionen wurde die Stromabnahme freigcgebcn. Ansonsten ist die Bevölkerung wieder zur Petroleumlampe zurückgekchrt. Die Regierung Hal bereits Verhandlungen zwischen den» Elektrizitätswerk und dem Bevölkerungs-Komitee eingeleitet. Nach dem Muster von Kowno wollen auch andere litauische Städte gegen den Strompreis demonstrieren. Zwei gefährlich« Jungen geschnappt. Die Äendarmeriefahndnngsslelle in Mährisch-Ostrau nahm am Freitag zlvei gefährliche Einbrecher und Kassenknacker, den Johann Brezina aus Dobra bei Friedek und den Ferdinand Baclavik aus Kunviüky bei Mistel fest. Die beiden konnten überführt werden. Erst unlängst unternahmen die Einbrecher den Versuch, die Kassa des staatlichen Großgrundbesitzes in Tcschen zu berauben. Den Brezina überraschte hiebei jedoch der Wächter, der gegen ihn einen Wachhund hetzte. Brezina wurde von dem Hunde mehrfach gebissen, doch gelang es ihm, mit Baclavik zu entkommen. Sie konnten erst nach längcrcni Silchen scstgcnommrn werden. Sic haben auch eingestanden, daß sic di« Kassa des staatlichen Großgrundbesitzes in Tsche chisch.Tesche» auSrauben wollten. Die Berhaf- tctcn wurden dem Kreisgcricht in Mähr.-Ostrau übergeben. Tirol restringiert Lehrergehälter. Die Tiroler Landesregierung wird ab 1. Mai d. I. den Lehrern nur 60 Prozent des Gehaltes aus- zahlen. Der Rest wird am 16. Mai aber nach einem Abzug von 2 bis 25 Prozent ' werden. Mil 120 Kilometer in den Tod. Stadt Bromberg stießen während des , auf der Landstraße zwei junge Motozyklisten mit ; ihren Maschinen mit einer Geschwindigkeit von 120 Km. zusammen. Beide kamen um« Leben. ...—-,„„„. lende Blutungen, obwohl der Dienstwagen, in dem wurden folgende Passagier«: Max Ämter, Moritzi ct gch. ur Zxs, Unglück» befand, derart zerstört Fanta, Kaufmann aus Prag, JaroSlauS Kocht wurde, daß von ihm bloß der untere Teil übrig blieb. uiniimiiinnniinniiiiiinnnninnRi!minniininiiimniimnnimniiniiminiinnmnnniiniiniiiniHiniiniiinnminiiiiimnnniininniuimiiinuimiinnniniinniiinnninniiiiiiniininniuiitiniiiiminra ßen Geländes sorgten. Da die Saison noch nicht wegen ihrer Beteiligung an den Beratungen über begonnen Hal und sämtliche HeringSlogger sich im, dringliche Rcglerungsarbciten in der Woche vom .Hafen befinden, waren auch in den abgebranntenf>. bis 6. Mai 1933 kein« Besuche. Swei Tote, sieben Schwer- und 38 Leichtverletzte. Falsche Wetchenftellnng als Ursache. Prag, 29. April. Gestern um 29 Uhr 19 fuhr der Schnellzug Rr. 48 von Reichenberg in der Station B a k o v an der Jser infolge falscher Wcichenstcllung auf die Berschubgarnttur de» Schnellzuge« Rr. 78 von Böhm.-L«ipa, wobei di« Lokomotive des Schnellzuges Rr. 48 entgleist«. Di« Lokomotiven der beiden Schnellzüge verkeilten sich ineinander; der Dienstwagen des Reichender, ger Schnellzuges wurde vollkommen zermalmt, der direkt« Wagen Jobannisbad—Pilsen stark beschädigt. Bei den vorderen Waggons beider Züge wurden di« Fenstertaseln zersplittert und di« Deck« der Waggons deformiert. Bei dem Zusammenstoß wurden 45 Per sonen verletzt, darunter neun schwer. Von diesen find im Krankenhau» in Jnng-Bunzlau der 34« jährig« Steuerdirektor Johann Walter aus Bohm..Leipa, dem beide Füße und di« Schädeldecke zermalmt worden waren, und der Lokomo tivführer Rudolf Kretschmer au»?.irkov, ihren Verletzungen erlegen. An der Unfallstelle sanden sich sofort zwölf Aerzt« aus Bakov und Umgebung«in, di« den Verletzten erste Hilf« leisteten. Ein Hilftzug kam au» Böhm.-Leipa. Auch«ine Untersuchung«. kommission der StaatSbahndirrktion erschien an' der Unfallstelle. Der schuldtragende Weichen teller Josef BanSk wurde sofort vom Dienst usprndiert. aus Likkov, Ernst Fritsch aus Arnau, Leo Bond y, Dr. Herrmann, Advokat aus Warnsdorf, weiters der Heizer Kulhanek, dl« sämtlich »ach ärztlicher Behandlung in da« Krankenhaus nach Aungbunzlau übergcführt wurden. Die Leichtverletzten. Anion Martinovskx, Podiebrad, Gustav st a n o u i c k, Prag VII., Dr. Joses Bare», Smi- chow, Wladimir Font, Nürnberg, Herbert H a r t- ui a n n, Berlin SW. 68, Karl P a l d a, Haida, Marie P l e s k o t. Rumburg, M i l o t a(1 Jahr alt), Lcipa, Friedrich H a m m c r, Zizkow, Hugo A r u o l d, Georgswalde, Anna K ü 8, Nieder..ilrci- bitz. Karl Baumann. Prag VIII., Gottlieb Schneider, Radotin, Richard Koäouöek, Prag VIII., Josef Pitzmann, Junabunzlau, Emil Prochnzka, Bakow, Wilhelm Schäfer, Wschelat, Alois£ t n st n y, Weinberge, Han» KoI- lin, Prag X., Joses Kutiä, Prag XII., Joses Inarisch, Leipintz, Walter Ganzer, Prag XII., Karl D r c ß l c r, Schwaden bei Aussig, Desider 8parbcr, Weinberge, JaroSlauS Zahräoka, Reichenberg, 8 nfü r, Witwe eines Bahn-Oberad- stinkten, Anton Eichler, Aussig, Hans K a l f u S, Tetschen, Georg Herman, Prag L Joses Kühnel, Geschäftsreisender, Leltmeritz, Anton Jak sch, Heizer der Staatsbahnen, Karl E i S, Lokomotivführer der Staatsbahnen, F l a n d e r a, Kassiererin der Staatsbahnen, Jungbunzlau, Josef T r üv n 1- Set, NuSle, Adolf Taussig, Weinberge, Joses Schild, Leipa. Der ZugSsührer des Schnellzuges Nr. 18 kam ohne Verletzungen davon; er erlitt bloß unbedeu- Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Montag. Prag: 8.30 Harsen- und Flöteickonzert. 10.00 Tschechoslowakische Poesie und Mitsik. 18.00 T c n I- sche Sendung: Arbeitersendung: Dr. Emil Schwelb: Einleitend« Worte zur Feier dea I. Mai. — Mailieder. 19.15 Konzert. 22.15 Tschechijche Jazzmusik.— Brünn: 18.00 Deutsch« Sendung: 1. Mai als Arbeiterseiertag. 21.00„Ein Maispaziergang", Hörspiel.— München: 16.00 Syniphonie der Arbeit. 17.45 Lieder der Bergleute, Bauern und Soldaten.— Wien: 10.30 Blasmusik. 12.50 Johann Strauß. 14.40 Kammermusik. 17.20 Franz Lehar. Dienstag. Prag: 6.15 Gymnastik. 11.00 Schallplatte». 18.25 Deutsche Sendung: Wandlungen in Prag. 19.30„Der Bauer, ein Schelm", Singspiel von Dvökak.— Brünn: 12.80 Orchcfterkonzert. 18.25 Deutsch« Sendung: Prof. Zetsel: Die Pädagogik des Idealismus.— München: 21.25 Orchesterkonzert.— Berlin: 18.00 Biolinmusik.— Leipzig. 20.10 Blasmusik, 22.30 Orchesterkoizzert.- Breslau: 16.10 Lieder von Brahms.— Frankfurt: 20.00 Orchestcrkonzert. 22.45 Biolinmusik- Wien: 20.45 Sinfonlekonzcri. 22.25 Tanzmusik. Mittwoch. Prag: 6.15 Gymnastik. 11.4X1 Schallplatte». 18.25 Deutsche Sendung: Arbeiters»»!: Bruno Schwab-Wegstädtl: Wirtschaftsdemokratie und Planwirtschaft. Bericht vom Arbeitsmarkt. 20,15 Orchesterkonzert.— Brünn: 17.10 Marionettentheater. 18.25 Deutsche Send» ng: Dr. Koeaurek: Körpergestalt und Charakter. Arbeitersendung: O. Katschinka: Moderne Schulvenvaltung.— Preßburg: 12.30 Orchesterkmyert. 17.10 Klarinclteukonzcrt.— München: 15.35 BrahmS-Anekdolcn.— Berlin: 18.20 Volkslieds!ngcn— Leipzig: 17.10 Der deutsche Volkstanz.— BreSlan: 21.00„Hab mein Wagen vollgeladen"', Hörspiel.— Wien: 17.20 Oesterreich. Komponisten der Gegenwart. 20.05 Anton Wstdgans. Kn schauerliches Abenteuer. Durch Wochen vermißtes Flugzeug aufgesunden. Rom, 29. April. Unweit von Morano Calabro wurde das feit einer Woche ver- niißte Postflugzeug der Linie Marseille-Bagdad gefunden. Fiürs Personen und zlvar der Pilot, der Mechaniker und drei Reisende tvarcn tot, am Leben blieben nur die Reisenden Frau Gigan- d c t, Eleve und der Telegraphist C a l l e t. Als die Retter auftauchten, wurden sie von den Ueberlebenden umarmt. Nach ihren Aussagen wurde der Hydroavion Sonntag nm 11 Uhr vormittags Von einem schrecklichen Sturm erfaßt. Der Pilot kehrte das Flugzeug nm, da er cin- sah, es nicht durch den Sturm führen zu können, in diesem Augenblick wurde es jedoch bereits zu Bode» geschleudert. Callet erlitt ernste Verletzungen, die beiden übrigen Reisenden waren so erschöpft, daß sic nicht einnml die Kabine verlassen und um Hilfe rufen konnten. Die ersten Zwei Tage nährten sie sich von Zuk- kerbäckcreien, die sic mitgeführt hatten, später litten sie schrecklich unter Hunger. Kälte und Schmerzen. In ihrer unmittelbaren Nachbarschaft lagen die fünf Toten. Die Bergung der Leichen gestaltet sich sehr schwierig, da die Trümmer unter der mehrere Meter hohen Schneedecke vollkommen vereist sind. Callet, der auch Erfrierungen erlitten hat, wurde in das Krankenhaus gebracht. Die Gesellschaft, der das abgcstürzte Flugzeug gehört, hat sofort die notwendige Hilfe gewahrt. s C h a r b i n, 29. April.(Reuter.) Die chin«. Ischen Blätter berichten, daß sich russisch« Milltär- abtcilnng«n entlang der mandschurischen Grenze eingraben, ferner daß russische Reserven mobilisiert wurden und die Bevölkerung dir. Grenzgebiet« ausmerksam gemacht wurde, sich auf alle Möglichkeiten vorzubereiten. Macelf drei Jahre Wegen Verfassung einer Resolution. Belgrad, 29. April. Das Slaatögerichl zum Schube des Staates fällte heute im Prozeß gegen den Führer der ehemaligen kroatischen Bauernpartei Dr. Vladimir M a c e k bas Urteil. Dr. M a c e k wurde schuldig gesprochen und zu drei Jahren strengen Arrest verurteilt. Im Nrtcilsspruch wird das Delikt Dr. Maceks damit begründet, daß er an der Verfassung einer Resolution beteiligt war, in welcher cs heißt, daß die Verfasser auf Grund der schweren Erfahrungen der letzten Vergangenheit zu dem unausweichlichen Schluß gekommen seien, zum Jahr 1918, als dem Ausgangspunkt zurückznkchren, um einen entscheidenden K a m p f g e g c n die H e g c m o n i c Serbiens zu organisieren uird damit aus den Gebieten jenseits der Save, der Donau und der Drina alle Vertreter der legitimistischen Macht zu entfernen. Die Reichswehr Kapituliert Die Hoffnung vieler Kreise aus di« Reichswehr, di« Ordnung schaffen wurde, zeigt sich als trügerisch. Dir Tatsache der jahrelangen illegalen Verbindung der Rationalsozialisten mit der Reichswehr wirkt sich jetzt aus. Dir Bürogrne« rate sind nur zum geringsten Teil Nationalsozialisten, während das jüngere Offizierkorps zur Fahne Adolf Hitler steht. Die Stimmung in o«r Reichswehr ist vom Reichswehrministerium in den letzten Wochen erkundet worden, und dies« Feststellung über das jung« Offizierkorps hat di« General« zu einem Einschwenken zur Hitler- Front gebracht. Insbesondere ist«S interessant, daß aus Berliner vertrauenswürdiger Quell« di« Meldung kommt, daß Seldt«, bevor er d«n Schritt zu der NSDAP tat, mehrere Konferenzen mit deur üieichtzwrhrminifttr von Blomberg hott«. Nur ein„svMNIisdier" Akt? Berlin, 29. April. In einer Verlautbarung der Rcichslcitung der NSDAP, wird die Erklärung des Stahlhelmführers S c l d t«, daß er mit seinem gesamten Berba»>''' S DAP. bei- trcte, nur als ein.'>'>,>«"'l''ck'er" Akt begrüßt, durch den seitens des Stahlhelms der Erfolg des Führeriums Hitlers anerkannt werde. Die organisatorische 2ck>cidung wird jedoch bcibehalten; eine tatsächliche Doppclmit- glicüschasl soll im einzelnen nach wie vor nicht zulässig sein. Fürchterliche Verbrechen. Dresden, 29. April. In der gestrigen Stadt- verordnereniitzung wurden als Vorsteher zwei Nationalsozialisten nnd als Beisitzer ein Deutschnationaler gewählt. Die gesamte sozialdemokratische Stadtverordncten-Fraktion wurde für den ganzen Monat Mai aus den Sitzungen ausgeschlossen, weil sie nicht in die Hochrufe auf den Reichskanzler Hitler einqcstimnit und bei den Kundgebungen für den Reichskanzler auch sitzen geblieben ist. Noch ein Verräter Der bekannte Schauspieler»ich Rezitator Alfred B e i e r l c, seit 26 Jahren Mitglied der SPD. der sich bisher nur in der Pazifistischen und sozialistischen Bewegung betätigte, ist der Seit» 12 Sonntag, 80. April 1933 Jlt. 102 Eine Stimme aus dem Jenseits. U it u 4 Lturmführer w«.üe in seine»» Befehle»» nun» r srasttvagen an. Trillerpfeifen tönten. Die Ein Und damals, B»lb ohne damals hatte Schulspeisung Und doch gehört die Zukunft uns! I I Professor Radhruch entlasse« Berlin, 29. April. Die Badener Regier»»«,» hat de»» Ordinarius für Strafrecht, Reichsministcr a. D. Radbrü ch, auf Grund der Bestimmungen d«S neuen Beamtengefehes entlassen. Radbruch genoß als Dozent und als jnristischcr Schrift- steiler große Wertschätzung. Politisch zählte er zur SPD. Epilog zu Hitlers Geburtstag. Ich hab« meinen Lesern vor kurzem van cxm schamlchrn Schauspiel(aus dem Roman„Helio- gabol' von TuperuS) erzählt, das der größenwahn- innig« Kaiser dem Boll und S«»rat von Rom g:- boten hat, indein er den päderaftifchen Vermählung-- akt mit«In«m Achteten auf offenem Markt vollzog, ä Wert von der Geilsklichkeit, die di« Weihrauchsäser'schwangen; inan sollt« n»m glauben, das; diese Schamlosigkeit nicht überboten werden könnt«? Liu Irrtum! Waü da am 20. April deut deutsche» Volk an schauUoser Selblstentäußerung menschlicher Würde geboten wurde,»var cbtn der Gipfel! Dor» war er«in Kaiser, der im Schmutz wühlte, hier «in Volk im Kot der Selbsterniedrigung; dort Baalspriester, die die Weihrauchfäffer schwangen, hier di« ch r i st l i ch e Geistlichkeit, dir über den, zu DiebeSzangen nmgebogrnen Kreuze Thrift:- den Seger» sprach! Jude- di« Welt entsetzt ist über di« deutschen Greuel— nicht nur über di« von gestern und vorgestern, auch üb«r di« von h«ute und morgen— quasi am laufenden Band an»vehvlosen Menschen von vertierten Horden veriibte Greuel, feiert ei», einer menschlichen Vernunft beraubte- Volk den Tag, an dem vor 4s Jahren eine Menschenmüller in Braunau in Oberösterreich«inen Polyp geboren hat, der da- deutsche Bolt mit(eilten giftigen Sa unarmen umklammert, und ihm sein Herzblut au-- saugtl Und da muß ich unwillkürlich an den ersten Tag desselben Monat« denken, an Bismarck» Geburt«tag! Neugierig sreilich wäre ich, was der Alt« wohl über feinen gefeierten Nachfolger, den Er» lüller seiner Ideen, zu sagen hätte? lieber-en „Vollender" seine- Bau'-, der bloß htnausjukl«!- tern brauchte, seine Hakenkreuzfahl« auf die Turm- spitz« zu hissen, und rufen durst«— unter dein Jubel der Deutschen:„Sehet her. ihr, die ihr an mich glaubt, ich habe Bi-marck- Werk vollendet!" Ob da nicht auch der gottfel'g« BiSmorck i» mcmch. liche Wut geraten müßt«? Ich höre ihn ordentlich mit der Faust auf den Tisch schlagen und sagen:„Was will der staotS- frenide Kerl auf meinem Hau-? Seinen Lappen hängt er da oben hin, wa- jeder Tachdcckcrlehrling auch besorgen kann, und bildet sich«in, e r hätte da« Hau- gebaut? Wo hat denn der K«rl seinen Besäht, gung-nachweis'? Wa- hat er geleistet? Als il l lerer st«-, sich durch«inen„Erlaß" Orden, Titel und womöglich ein« eintrögliihr Herrschaft zn sichern: ich habe mir da- alles«»ft«rarbeiten müssen! Wa- bat denn der Kerl überhaupt gearbeitet? Ja, lo! Will die Juden, die schon lesen uiid schreiben getonnt, da mein« durchlauchten Ahnen noch den gan» zen Tag auf der Bärenhaut gelegen, und Ganlbrinu-- bräu getrunken haben, vernichten! Wenn ich denke, : daß«in Ball in die deutsche Schsfahrt zur ersten der Walt gemacht hat,«in Rat Henau(Vater) die 1 AEG. au-gebaut, ein Ehrlich manchen meiner i jungen CorpSbrüder von der Syphiii« geheilt hat, ' daß«in Herz die Mellentheorie entdeckt, und es so . eigentlich Hitler und Konsorten erst möglich gemacht l hat, ihr« Hetzreden durch« Radio in die Welt hinaus- > brüllen zu können, so muß ich doch fragen:„Wa- ' will der Elefant Im Porzellanladen?" „Und wa- will er alle- noch vernichten? Aha, den Marxismus! Ja,»venu da» ein einfacher, waffenloser Arbeiter»vär«. dem man auf» lauern, den man verschleppen, und mit Stahlruien und Enmmikmlppeln da- Fleisch vom Hintern ber- unterichlagen, und schließl'ch von hinten erschießen kann— aber«in« Idee null der.Hanswurst vernichten? Ein« Id«, mit der ich mich Jahrzehnte lang herumgeschlagen habe, ohne sie nnter.zukriegcn? Aber i ch habe doch«inen ehrlichen Kamps ,,e kämpft, m>t Gegnern, di« ol-rnsolche ehrlich« Kerle waren, ohne«in Gesindelheer zu bewaffne» und an! Waffenlose wie toll« Hunde lotzulassen!«Er weiidel sich, wie ich«S deutlich sehe, zum Marxisten- tifch.) Was, alter Bebel? Wir habe» in hundert Redefchlachlen di« Klingen gekreuzt, als Gegner, nicht al« gütige Feinde; und du alt«r.tläin»'« heft mir' schließlich doch meine schärf!« Waffe, da» Sozialistengesetz aus der Hand geschlagen! Und da kommt so ein Nicht- über die A-euze. zieh! sich mein« Kürassieifl'esel an, stülpt meinen Helm auf sein«» Kopf und will„Bi-niarck" spielen? Relßt Fliegen di« Füß« aus und Maikäfern die Fliigel— und hält sich für einen Siegfried?!" So, oder ähnlich würde der erste Kanzler iure- chcn. nur mit etwa- kräfiigern Worten Ich seh« noch, wie Bismarck sich au den Tisch setzt, zu Bebel und Liebknecht, wie Marx sich durch sein« Mähne fährt, und hör« so von iveitem Ihn sagen:„Otto, nu reg' dich nicht auf! Jedes B o l k hat den Führer, den«S verdient!" Bismarck knurrt noch wa- in seinen Schnurrbart, sein« drei Kopfhaar«, die sich während seiner Rede In di« Höhe gesträubt hatten, liegen wieder friedlich auf d«m mächtigen Schädel.- er teilt die Karten au-, und ruft:„Passe!" Odkoleks Frau• Eine Gesdiidite aus diesen Tagen von Oskar Rothe. Es kam oft vor, daß unsere Genossen von Polizisten vor Naziüberraschungen gewarnt wurden, aber wa- mir mein Kamerad, der Flüchtling au- Mitteldeutschland, von Nazisrauen seine--Orte- erzählte— spricht da- nicht für da- unzerstörbare RechtSgesühl der Frau? Ich gebe hier die Geschichte wieder, wie sic si- nach seiner Erzählung abspielte. Die Frau, um die eS sich dreht, hieß Karo- litte Odkolck und ihr Mann war Chauffeur bei einem Nazifabrikanten. Seit fünf Jahre»» gehörte Odkolck zur SA und hatte c- bis zum Scharführer gebracht. Nach Hitlers Wahlsieg vom ö. März, als Odkolck seinen Mittag-reis löffelte, meinte er so nebenhin:„Nächste Woche werden die Marxisten in unserem Kaff ouSge- räuchert." Karoline ließ den Löffels sinken.„Bei uns? Was gibt- denn da auSzuräuchern? Die Leute haben doch nichts verbrochen..." „5Wt ganz w urschl! Alle kommen dran!" Zog ictne Jacke über die büfflichcn Schultern und ging in die Fabrik. Woz»t mit seiner Frau immer wieder über dieselbe Sache streiten?! Da- hatte er nun paarmal hinter sich. Die Weiber verstanden nicht- von Politik. Karoline aber rumorte am Aufwaschtisch und dachte immer dasselbe. AuSräuchern? Mochten sich die Männer um die Politik raufen, irgend wa- zu krakeelen mußten sie ja doch wohl haben. Aber die Reichsbannerleute hier am Ort, die kannte sic doch alle. Die meisten waren Familienväter, ordentliche Manner, die ihre Sorgen hatten, genau»vie die Naziproleten. Und der Lehrer Seuber gehörte auch dazu! Sollte der a»»ch au-geräuchert werden? Ihre Kinder waren zu ihm in die Schule gegangen. Ter Aelteste lernte schlvcr. Früh wollte der Junge allenial nicht zur Schule. Aber als er m SeuberS Klaffe kam, wurde eS allmählich. Ter Junge schwänzte nicht mehr, machte feine Schularbeiten, wurde fröhlicher. zur Inflationszeit, als mancher Frühstück in die Schule mußte, Seuber im Gcmeindcrat die durchgedrückt. Als Odkolck abeitds Hintern» schnarrender. Er lvußte, daß„seine Leute" für eine Aktion im eigene»» Kaff nicht recht zu brau- ckun»varcn. Keiner verlangte darnach, nur-der ewig besoffene Bretschneider wollte„das Kaff ansmistrn"... In ollen Fluren grünte der junge Frühling, die Tage wurden»värmer, die Natur gebar Knospen und Blüten, lvähcend' ringsum Recht und Gesetz gemordet»vurden. Karoline träumte in diesen Nächten, eine dunkle Wolke senke sich über die ganze Welt. Frauen standen unter düsterem Hinrmcl und fluchten gellend zu ihm empor... Sic lchrak aus dem Schlafe auf Ihr Mann stand schon in Stiefeln und Uniform und knurrte:„Was schreist du denn z»»m frühen Morgen?— Mein Chef hat mir heute Urlaub gestiftet. Unser Sturm geht in einer Stu»»de über Land. Zu Mittag wird hier allerhand los sein! Drück dich nich auf der Straße herum, du rcdst bloß Unsinn..." Steckte de,» Revolver in die Tasche, schnallte das Koppel um— fort war er. Da wußte sie alles. Ein freinder Sturm rollt« heran. Sie zog sich eiliger an al- sonst, band ihre blaue Schürze um, fuhr sich rasch durch das wellige Haar. Dan»» gi»»g sie zur Emma, zu der vom Gruppenführer, zur Pau- liue. Sie nn»ß»vohl sehr nachdrücklich mit ihnen geredet haben, denn einige Reichsbannerleute gäbe»» bald darauf an ihre führenden Kameraden die Kunde weiter, daß, Nazifrauen am frühen Morgen angeklopft hatten. Ein fremder Sturm sei untertvegS— und das weitere könne »nan sich denken. Karoline traf den Lehrer Seuber auf dem Wege zur Sch»»le.„Gehn Sie heute uicht zu Ihren Jungens, fremde SA soll aus- räuchern!"— Karoline stockte; wie grau der Mann in diesen Tagen geworden war! Doch Seuber lächelte gelassen und die Furchen in sei- uor Stirn wiche», als er ihr die Hand drückte. Dann ging er den Weg weiter, den er täglich seit fünfzehn Jahren gegangen. Mochten sie kommen. Was er gelehrt, waS er öffentlich ge- fordert hatte jahrzehntelang, Ware»» Menschlichkeit. Freiheit, gleiches Recht für alle Machten sie tzunmen.... Der fremde Stur»n prasselte auf drei Last- übergehend beugen, erhebe»» sich in dem anderen desto kraftvoller ihre Reihen. Die Voraussetzungen für den SozialiSnruS' könne»»»vir u»»S schaffen,»venu wir die Elemente des Profi.tkapitaliSmus zer-, türcn, wo sie ihre Angriffsfläche»» bieten.. Die große Masse der Arbeiterschaft hat eS in der Hand, ihre wirtschaftlichen Organisationen auSzubaucn und sich ei»» Stück»virtschaft-, sicher Unabhängigkeit zu schaffen. Schlagt die, wlitischen Feinde, wo ihr ste trefft! Am emp-, indlichsten werden ste dann getroffen, wenn die. Duelle» ihres Profites aufhoren zu fließen, die 'eider heute noch immer von vielen tausenden Arbeiterfamilien, von tausenden Angestellten und Kleinlandwirten gespeist werden- W»r haben die Freiheit, unsere Kaufkraft zuzuwenden, wein wir wollen, u»»d durch diese Tatsache haben die breiten Masten eine Waffe in der Hand, die dem Klassenfeind gefährlich werden kann- ES darf keine Arbeiterfamilie, keinen An- gestelllenhau-halt, keinen Kl«inlandwirt mehr geben, der nicht für seine BedarfSdeck»»ng die Konsumgenossenschaften in Anspruch nimmt. Die Mitgliedschaft zur Konsumgenossenschaft ist für die schassende»» Familien zur Selbstverständlichkeit geworden. Durch eigen« Kraft sind sie im Laufe von Jahrzehnte»» zu achtunggebietende»» Organisationen hcrangewach- se», die in vorbildlicher Weise die Interessen der proletarischen Verbraucher vertreten. Die Konsumgenossenschaften dcS BerbandrS deutscher DirtschastSgenostrnschaften vereinigten: im Jahre 1981. 248.000 Mitglirderfamiliru im Jahr« 1982. 250.000 Mitgliederfamilien 1083(Ende März. 206.000 Milgliederfamilie» An Rückvergütung allein»vurden im Lause des letzten Berichtsjahre- 16,000.000 lü den Mitglieder»» au-bezahlt. Die Borteile des genostcnschaftlichcn Warenbezüge» kommen den Mitglieder»» unniittelbar durch preiswerte einwandfreie Bedarfsgüter zugute, die ihnen durch die konsunlgcnosscnschaftlichen Berteilungsstellen vermittel» werden. Durch die preisregelnd« Tätigkeit der Genossenschaften werden in deren Ausbreitungsgebiet oie Preise für alle Verbraucher auf einer niedriger«»» Stuf« gehalten. In den Eigcnbetricbcn der Konsumgenossenschaften wie in den Betriebsstätten deS Gee-BerbandeS werde»» die sozialen Errungenschaften der Arbeiterschaft geachtet und eingehalten. ES ist bezeichnend, daß die auf planmäßiger Grundlage aufgebanten Eigenbetricbe des Gcc-VerbandrS auf unveränderter Grundlage aufrechterhaltrn u»»d weitergestihrt iverden können, indes eine beträchtliche Anzahl großer Privatbetriebe zu- fammengebrochen und. Darin zeigt sich am- deutlichsten die, Ucberlegenheit der gemeinwirtschafi- lich geführten Betriebe gegenüber der chaati- schrn Privatwirtschaft. Die planvolle Organisierung der Wirt, schäft, die sinnvolle Verwaltung>«nd Verteilung deS überströmenden Reichtum» der Erde und der Ergebnisse menschlicher Arbeit ist unser Ziel. Diese» lruchtenllc"Ziel steht vor un», Wir wollen ihm zustreben und alle Kräfte einsetzen, um e» zn erreichen. Die Welt de» Kapitalismus ver- f geht, der SozialiSmu» ist auf dem Wege. Unser i gehört die Z»»k»»nft, trotz allem. Riedl E. kreisuug des OrtcS begann. Die Wohnmm eines Marxisten ging in Trümmer. Einige griff man u»»d schleppte sie auf den Wagen. In ihrer Mitte der Lehrer Seuber. Neugierig« umstanden den Wagen, Grünschnäbel in brauner Uniform «irohiten:„Da guckt si« Euch noch einmal an, Eure No: cmberiterbrechcr..." Frauen standen dabei ui.t Kinder, manche weinten. Karoline lehnte a»» einem Baum, strich immer wieder über die Schürze. Alles, alle» kam ihr fo fremd, so unwirklich vor. Da hörte ste Bretschneider» Stimme. Er stand dicht am Gefangenenwagen und höhnte:„Und die andere»» Lumpen? AuS- gcrisscn! Reibt de»» Seuber gut ab, bei seiner Verfassungsrede vorige- Jahr hat der Kerl gesagt" Weiter kam er nicht. Karoline schnellte wie eine Katze vom Baume weg.„Du Saufau»! Kümmere dich«m deine Fcm»ilie! Wer hat denn deine»» Jungen gefüttert, wies euch dreckig ging?" Einige Sekunden blieb alle« still, aber diese Stille über den Reihen der Frauen war wie ein Schrei. Alte Männer schoben sich drohend auf Bretschneider zu. Oben auf dem Wage»» hatte sich der Sturmführcr pompös aufgc baut; ei»» Bürgersöhnchen mit Studentenschmi im Gesicht.„AuScinandergchcn!" Erste SA Reihe Gumntiknüppel raus!" Einige schwere Schläge knallte»» i»» die Menge. Karoline fühlte eine»» derben Hieb»»nd taumelte. Die von» Gruppenführer packte sie beim Arn» und zog sie zur Seite... Indessen Odkolek drei Wegstunden weiter »nit dem Revolver in der Hand einige Kommunisten zusammentrieb. Die dort„rote Hunde" jagten— e» waren Arbeiter. Die hier vier Proleten mit ihrem Lehrer auf de»» Wagen geschleppt hatten— es »varen Arbeiter. Der die Nazifrau mit dem Knüppel traf, die in die Proletenmenge schlugen -- es waren Arbeiter. Da» Bürgersöhnchen reckte sich zufrieden, die Trillerpfeife tönte, die Wagen rollten ab. Frühlingssonnc lag golden über dem Plane, während ringsum Recht und Gesetz gemordet wurden. llnser Festtag steht in diesem Jahre unter keinem guten Stern. Tie Blicke der gesamte»» Arbeiterschaft wenden sich nach Deutschland, wo der herrliche Kampftag der Arbeiterklasse zu einer elenden Komödie hcrabgelvürdigt»vird. Unter den» blutige»» Banner des Hakenkreuze» müssen die Arbeiter in Deutschland zum befoh lenen Appell antrcte»» und die anmaßenden Reden der größenwahnsinnigen Machthaber dcS äscistischcn Staate» anhören. Umso lauter wol len»v i r unsere Sti»n»ne erheben, danrit sie hinilberdringe in de»» Kerker des fascistischeu Deutschland, um den Arbeiter»»«nd Arbeiterin nen über der Grenze zu künden, daß der Sozialismus lebt, daß er marschiert und daß die Schicksal-Verbundenheit der Arbeiterklasse aller Nationen bestehen bleibt. Die politischen Zustände, so»vie sie sich heute darstellen, sind ein getreues Spiegelbild de» niederbrechenden kapitattstischen Wirtschafts- yftem». Der Kapitali»n»uS wein sich i»» seiner Unfähigkeit nicht ander» zu Helsen, als daß er ich politische Henkersknechte holt, mit deren Hilfe die Erkenntnis de» Volke» niederaeknüp- pclt werden soll. Vergeblich waren und sind alle Experimente, die der Kapitalismus seit Jahren anwendet, un» all der Schwierigkeiten Herr zu werden, die sich jeden Tag größer vor ihm auf- türnren. Riesenbetriebe brechen zusamincn. Tic Währung der mit Gold untermauerten Staate»» kommt in» Wanken. Solange c» bloß darum ging, daß Millionen Proleten ganz ,»nd halb verhungern mußten, weil e» für sie keine Ar beit und dekchalo kein Brot gab, hat e» weiter keine große Aufregung gegeben. Jetzt allerdings, da die geheiligte Grundlage de» Profite» ange tastet wcro, da die Krise chre Fangarme auch nach jenen«»»streckt, di« ganz oben auf der Stufenleiter der kapitalistischen Ordnung Platz genomnien haben, ist di« Bestürzung groß, und ma>» weiß sich nicht ander» zu helfen, als daß man Währungsexpcriniente macht. Damit soll die Lebensgrundlage für da» Proletariat noch weiter verengt werden, denn eine Infla tion ist nichts anderes al» ein nackter Lohnraub an den Arbeitenden, die zwar den Nennwert de» Lohne» ausbezahlt er halten, aber für da» gleiche Geld viel weniger kaufen können. Wir sehen au» all den Manö ver», die vom Profitkapitalismus unternommen werden, nicht» al» Täuschungsversuche und schmerzhafte Gewaltkuren, oie nur den einen Zweck verfolgen, seine Herrschaft aufrechtzuer halten. Der einzige Ausweg au» all den Wirren kann nur in der E,rrichtuna einer plan vollen sozialen Gemein wirtschaft, kann nur im Sozialismus gestinden werden. UnS erscheint e» heute so, al» sei da» leuch tende Ziel ferner denn je. Der herrliche Aufstieg der Arbeiterklasse nach den furchtbaren Jahren de» Krieges ließ eine sozial gerechte Ordnung der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse zukunftSnahe erscheinen. Die Re aktion hat ihr blutige» Haupt erhoben und fügt der durch Krise und Not wehrlo» gemachte»» Arbeiterschaft schreckliche Wunden zu. Aber die tausendfältigen Kräfte, die in» Proletariat leben dig sind, können nicht erschlagen und vernichtet werden. Müssen sich die Sozialisten unter den Schlägen der Reaktion in dem einen Lande vor- l gehört die Zukunft, trotz alle»»». iiiiiiiiininmniiiiiiiininiiininiiiniiiiniiiiiinnniiniiiiniiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiininimiiinniiniiiiininiiiiiiiiiiHUHiuiiiiniiiniiiiiiiiiiiuiiiniiinnnuiininiiiiiimiiiinmfflininiiiiiiiiiilHmiiHiuniiimiunH Tische saß, spürte er etwas Angriffslustiges i>» den Altgen seiner Frau. Klein war sie, aber zäh! Sie versuchte cs im guten, legte die Hand auf Odkoleks Arm.„Wa»»vollt ihr denn dem Seuber tun?" ,Z» ganz egal," murrte er„AuStiahme»» gibt» nich. Und Marxist ist er auch!" „Aber wie er unseren Großen, dem Max, wie er dem Nachhilfestunden gegeben hat, dainit er hinter den andere»» her kam und danials, »vie die Kinder nichts zu essen hatten, da bast du ihm gern Danke schön gesagt!" Odkolek schlug mit der Hand auf de»» Tisch. „Js ganz egal! Das war seine Pflicht. Disziplin muß sein. Ei»» Marxist ist»vie der andere. Immer legst btt dieselbe Platte auf— und schreist, daß man» nebenan hört!" Er war wüte»»d, weil er wußte, daß ferne Worte keine rechte Kraft hatten.„AuSgcräuchert wird!" Zog seine braune Uniform an, machte sich dienstfertig. Unter der Tür drehte er sich nochmal» in der Achse.„Und laß dir nischt merken. Ich bin Scharführer. Es geht um meine»» Posten!" AuSräuchsrn!! Es ließ ihr daheim keine Rlche mehr. Sic ging ein vaar Häuser weiter, zur Emma, zu der vom Gruppenführer, zur Pauline. Nazikrancn..Habt ihr» gehört, bei unS sollS nächste Wock,e loSgehen? Den Kinder» di« Väter»vegholen— man muß sich ja schämen im Orte!" Die a»»dere»» Frauen ließen die Köpfe hängen. WaS soll n»ait da mache». Männeriache! Aber sreilich, tvenn man auch den Lehrec Seuber schnappen»vollte— wie sollte»nan das den Kindern klar»nach«»»?! Freilich, freilich■. Die Wach' schwand. Drückende? lag über dem Fabrikneste. Die SA-Kaserne ii» der nahen Kreisstadt füllte sich mit verhafteten Reiche bannerleuten und„Marxisteit". Odkoleks Dße freße(Stämme. Bon'Andre» Ovcj« ro. Andres Ovcjero ist ein anerkannter Führer der spanischen sozialistischen Bewegung. Tas nachstehende Ged chl gehört zu den poptilärsten Schöpfungen der jungen revolutionären Litera nr. Empor die Stirn, empor des.Herzens Melodie Ihr Proletarier nl«inc« Vaterlands, Nichts gilt uns der Idole Flitterglanz Uno nicht» der Traum, die Utopie. Wir steigen auf»»» den Regionen, In d«nen Marx d«n Geist der Massen bannt, Zum Vaterland der Welt, das sich g«»valtig spannt In grenzenlosem Einklang der Nationen. Und wi« ein Trank vom heil'aen Ärale, Vom Blut Europa» lebensvoll gefüllte Schale, Ist unS der Sozialismus, Wissen, Religion. Und in den Parlamenten, den Kongressen, Besiege niemals in Euch schmähliches Vergessen, Di« Pflicht zu stimme» nach des eigenen Herzen Ton. Nr. 102 Sennkag, 80. Aprkk IM» Em unbekannter Freund. Bon Michael Zwick. Die Gräfin Mabel Forlshire laS zum zwei« ten Male den soeben erhaltenen anonymen Brief und ließ sich langsam in den tiefen Gobelinsessel am Kamin nieder. Ihr« blasse, welke Hand hob abermals die platinierte Lorgnette vor die kurzsichtigen Allgen, und wiederum vertiefte sie sich in daS, was der Unbekannte schrieb: „Frau Gräfin! Schon seit vielen Jahren habe ich die Ehre, in Ihrer Familie zu ver- kchreit und halte eS daher für meine Pflicht, Sic auf die Gefahr aufmerksam zu machen, die Ihrem Familienschmuck droht, jenem Familienschmuck, der sich im Safä der Kolonialbank befindet. Mein Brief trägt anonymen Charakter aus fokaellden Gründen: Ich habe mein ganzes Leben lang eine Schwäche für Abenteuer und Gefahren gehabt und pflege auch heute noch, aus reiner Neugier, jene Kreise Londons nachts auf- zusuchen, in denen Menschen von meinem Air eigentlich nicht verkehren sollten. Dieses nächtliche Umhcrstreifen und die damit verbundenen merkwürdigen Bekanntschaften mit der Umwelt haben für mich jenen prickelnden Reiz, den Sie, Frau Gräfin, bestimmt nicht verstehen und Mitempfinden können. Nur aus diesem Grunde halte ich eS nicht für gegeben, Ihnen meinen Namen zu neunen, um so weniger, als ich aus Ihren Tank auf meine rein menschliche Tat nicht reflektiere. Noch eine sehr heikle Angelegenheit veranlagt mich, mein Inkognito zu wahren: wenn jene Leute, die in der letzten Nacht die Unvorsichtigkeit begingen, an meinem benachbarten Tische viel zu laut zu sprechen, auch nur ahnen lvürdcn, dass ich eS bin, der ihren Plan vereiteln kann, körrute ich mein Leben bereits für ausgegeben betrachten. Doch ich bin Vom Hauptthema abgekommen. Mir wurde also bekannt, daß in diesen Tagen ein großangelegter Einbruch in sämtliche Safes der Kolonialbank geplant wird. Deshalb rate ich Ihnen, so rasch wie möglich, Ihrem dortigen Schließfach alles zu entnehmen. was Sie darin bewahren. Selbstverständlich steht mir die Möglichkeit offen, die Polizei zu benachrichtigen, aber erstens bin ich kein Spitzel und zweitens hätte ich die Absicht der Einbrecher nur aufgcichoben. Es«st auch möglich, daß die Einbrecher iyr Borhaben gar nicht auS- führen werden. Ich jedenfalls halte cs für meine Pflicht, Sic, Frau Gräfin, aus die Gefahr aufmerksam zu machen. Ein Freund." Lady Forkshire klappte die Lorgnette zusammen und brütete einige Minuten vor sich hin. Dann bat sie ihren Neffen Jack, einen gut- andsehenden,. sportgcstählten jungen Mann und den alten Diener Charles, sic zur Bank zu begleiten,>vo sie ihrem Schließfach einen RindS- ledcrkoffer entnahm, brachte ihn in ihre Billa und schloß ihn in dem großen Geldschrank ein, der sich nn entfernt gelegenen Arbeitszimmer ihres verstorbeneit Gatten befand. * Die Gräfin lag in tiefem Schlaf, auch ihre Billa ruhte in dem grauen Morgendämmer, als der Lcdcrkoffer sich schon nicht>nchr dort befand, wo sic ihn hingestellt hatte. Er stand bereits unter dem grauen Polstersitz einer duickclblauen Limousine, die sich nut rascher Geschwindigkeit immer weiter von London entfernte. „Na, wie gefällt dir mein Trick mit dem anonymen Bries? Das hat getvirkt, was?" lächelte einer der beiden Herren im Dunkel des Wagens. „Offen gestanden, habe ich die alte Frau für viel klüger gehalten!" oekannte der andere.„So eine prompte Erledigung habe ich wirklich nicht Trinkt Qualitätswasser I KRONDORFER SAUERBRUNN itlchntt sich durch basond. Wohlgaschmack aus; saina Hallaigenschaftan sind anerkannt I rriHtfahrsmanlci Ke 95'-, 125-, 175-, 195'-. 250-, 290'-. bi, ke 590'- ans modernen Stötten in besonders geschmnckvollen Fusons. Kleider aus Wolle. Seide. Jersey. Imprimd sowie Blusen in größter Auswahl. Einsang nur Innen Im Haise. PRAG nur I, Stock Separate Kinder-Abteilung (2—14 Jahre) erwartet. Ich möchte geni das Gesicht der Gräfin bei der Entdeckung sehen!" „ ,/Hahaha— solch einen Spektakel wie sie, wurde ich auch machen, wenn mir das passierte! Es ist gar nicht ausgeschlossen, daß sie bei ihrem Geiz auch noch chren Verstand verliert!" „Na, nach ihrer heutigen Duntmheit zu urteilen, kanilst du überzeugt sein, daß sie keine Spur von Verstand mehr hat!" ~ Das Auto hielt vor einem kleinen Haus. Sie gingen hinein, ließen in einem der Zimmer die Stores herab, hoben den schweren Koner aus de» Tisch, und ließen sich müde in die Klubsessel fallen. „War keine leichte Arbeit, was, Junge?" „Die größte Furcht hatte ich davor, daß sie einen Detektiv vor den Geldschrank gestellt habe!" „Also jetzt müssen wir weiter handeln. Ich bin nämlich überzeugt, daß die Alte morgen früh ganz Scotland Aard auf die Beine bringen wird! Und dem müsien wir durchaus vorbeugen. Ich habe bereits den zweiten Brief angcfertigt, den sie gleich nach ihrem Erwachen erholten muß. Ten Koffer verbirgst du im Keller. Brich nur nicht die Schlösser auf. Er ist gut verschlossen. Der alte Diener Charles stürmte, ohite anzuklopfen, ins Schlafzimmer seiner alten Dame. „Frau... Frau... Fran Gräfin!... Ihr Tresor ist erbrochen,»nd der Koffer ist verschwunden... Der Koffer, den wir gestern aus der Bank geholt htchen...!" Lady Forkshire gab keine Antwort. Nur eine kraftlose Handbävegung deutet« an, daß sie allein zu bleiben wünsche. wenn Sie tatsächlich wieder in den Besitz Ihrer Wertsachen kommen wollen. Ich würde selbstverständlich gern, ohne nachzuoenkcn, bereit ge- wesen sein, die geforderte Summe für Sie aus- zulegen, wenn ich augenblicklich über fo viel Geld frei verfügen könnte. Ihr unbekannter Freund". Als Rechtsanwalt Dr. Dickson nach einem Telcfonanrus zur Gräfin Forkshire Fant, erwartete sic ihn bereits, sehr sorgfältig gekleidet, in ihrem tiefen Gobelinscsscl am Kamin. Mit einer Kopfbcwegung bedeutete sic ihm, Platz zu nehmen. Tann ergriff sie eine kleine silberne Glocke, schellte und ließ ihren Neffen Jack zu sich bitten. Er kam sofort, knßlc respektvoll die blasse Hand der alten Dame und ließ sich ihr gegenüber nieder. „Mein lieber Dickson", wandte sie sich mit schwacher Stimme an ihren Anwalt,„seit über zwanzig Jahren regeln Sie alle meine Aegelegcn- hciten. Deshalb sind Sie auch der einzige Mensch, dem ich das anvertrauen kann, was Sic jetzt gleich hören werden. Meinem Ressen, den Sie hier sehen, habe ich vor zwei Jahren in meinem Testamente, das bei Ihnen liegt, 200.000 Pfund Sterling für den Fall meines Todes vermacht. Allem Anschein nach hat mein Nesse eS aber sehr eilig mit meinem Gcldc, so daß ich Ihnen, lieber Doktor Dickson, heute schon gestatte, ihm tausend Pfund Sterling von dieser Summe auszuhändigcn, wobei ich aber gleichzeitig das Testament aninrlliere und de» jetzige» Mann auü meiner Familie vollständig auS- fchalte. Scho» in feinen Kinderjahrcn neigt« er Um die Mittagsstunde überreichte ihr die Zofe auf einem Tablett einen Brief in gleichem Umschlag, wie sie ihn schon gestern erhalten batte. Durch di« Lorgnette hindurch studierte sie feinen Inhalt: „Frau Gräfin! Mir ist heute nacht der Einbruch in Ihre Billa bekannt geworden. Sie können sich denken, wieviel Mühe es mich gekostet hat, meine Selbsthaltung nicht zu verlieren. Ich wollte sofort zur Polizei eilen, doch die Kerle hatten wahrscheinlich meme Absicht erraten und zahlten, um zu verschwinden. Ta beschloß ich, mit Ihnen m Verhandlungen zu treten, was ich für besser hielt, als einen Konflikt heraufzubeschwören, der mir eventuell das Leben kosten könnte und Ihnen auch nichts genützt haben würde. Die Bande ist bereit, Ihren Familienschmuck für 10.000 Pfund Sterling Ihnen auszuliefern, und auch nur deshalb, weil eS mir gelungen ist, die Leute zu überzeugen, daß es ihnen unmöglich sein würde, die Sachen in England zu verkaufet». Tenn erstens wird Scotland Aard die Hehler im Auge behalten, und zweitens sind di«»neisten Ihrer Sachen als Antiquitäten oft photographiert worden und in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht. Mit einem Wort: die Verbrecher sind damit einver- ftanden. Ich bin überzeugt, daß auch Sie, Frau Gräfin, solch einen schnellen Erfolg nicht erwartet haben. Ich bitte Sie, noch heut« ein kleines Inserat in die„Times" zu geben. Soweit ich di« Verbrecherwelt kenne, wäre es durchaus unbedacht, von Ihnen, Frau Gräfin, in diesem Fall« die Polizei zu benachrichtigen, t zu Leichtsinn. Doch daS, was er gestern begangen hat, übertrifft alles, was ich sogar von ihm er- warten konnte!" „Aber Tante!" schrie der Neffe und sprang auf. ,^Ja", sagte sie gelassen und fest, ,hu hast in deinem gestrigen Brief gerade so viel von mir gefordert, wieviel du dem Gauner, dem Baron Workden für Kartenspielschulden zu zahlen hast. Ich hätte nichts von dieser Summe gewußt, wenn der Baron gestern nicht meine Unterschrift auf deinem Wechsel verlangt hätte. Doch du wolltest deine VerwandtschaftSgesüble mir gegenüber Wohl dadurch ausdrücken, daß du meinet! Schmuck nicht an Hehler verkaufst hast, wie cs andere Einbrecher gewöhnlich machen, sondern wolltest ih>» mir ztlrückverkausen. Wenn der Schinuck sich tatsächlich bei dir bcfilnden haben würde, wäre ich dir für diese Güte sicher dankbar gewesen. Doch iencr kleine Koffer, den du in dieser Nacht gestohlen hast, enthält nur alte Bücher. Meine Wertsachen liegen beute noch, wie früher, unberührt in der Kolonialbank..." Kleine Fraaen-RandsAno. Aberglaube im Haushalt. Planche Hausfrauen glauben, daß Fletsch beim Braten und Kochen sehr zusammenschrumpft, wenn «S von einem Schwein stammt, das bei abnehmendem Mond geschlachtet wurde. ES gilt als unheilvoll, wenn man Brot fallen läßt; in vielen Gegenden glaubt man, daß dann der Brotpreis steigen wird. Ebenso ist eS ein« schlecht« Vorbedeutung, wenn Reklame! Hassan verkauft« In den Straßen von Damaskus Datteln oder besser gefügt:«r verkauft« kein«, denn sein« Datteln, waren so klein, daß kern Mensch sie lausen wollte. Boller Kuntmer und Reid mußt« er zuschen, wie alle Welt bei s«Incm Konkurrenten, dem reichen Ahuleth, lauft«, der nebenan seinen Stand hatte. Seine Datteln waren gut und gern dreimal so groß als gewöhnliche Datteln. Eines Tages aber kam ein Derwisch noch Damaskus, der ungeheuer weis«, aber sehr hungrig war. „Gib mir etwas zu essen", sagte er zu-Hassan, „und ich werd« zum Dank mehr, für dich tun, als je selbst der Kalif für dich zu tun vennöchte. Ich werde dl« Leut« zwingen, bei dir Datteln z>l kaufen. Wir groß sind denn die Datteln AhulethS?" „Ach," klagt« Hassan,„seine Datteln sind drei, ml so groß wie gewöhnliche Datteln." Es fiel ihm nicht ein, darüber nachzudeicken, wie es käme, daß ein so weiser Derwisch nichts zu essen hätte; Hassan gab sich nie mit Nebensächlichkeiten ab.„Tritt, ein," rief er,„setze dich nl«der, mach' es dir bequem" Dann tischte er seinem Gast«in Stück gekochten Leders auf; das war der letzt« Rest einer Ziege, di« «r gestohlen hatte. Der Derwisch verspeiste das Leder und, als er sott war, fragt« er:„Also wie groß sollen deine Datteln werden?" „Allah segn« dich," sogt« Hassan.„Ich wünscht«, mein« Datteln wären dreimal so groß, alt dir sie machen kannst." „Gut, gut", sagte der Derwisch.„Siehst du diesen Bogel, den ich aus Indien mitgebracht habe? Sag' ihm, daß deine Datteln dreimal so groß sind als gewöhnliche Datteln." „Groß ist dein Wohlgeruch, Derwisch,' sagt« Hassan zweifelnd,„aber was soll es nützen, daß ich es dem Vogel sage? ES ist ja nicht wahr?" „Tu, wi« ich dir sage," beharrt« der Derwisch. „Davon verstehst du nichts." Der Bogel sah einem Raben sehr ähnlich und schien sehr geschwätzig zu sein. Der Derwisch hatte ihn aus Sumatra mitgebracht. ,^ch bin dein ergebenster Diener," sagte Hassan unterwürfig zu dem Bogel.„Meine Datteln sind so groß wie drei Dattel»." „Sehr gut," meinte der Derwisch,„fahr« nur so fort." Und Hassan versicherte dem Bogel immer wieder, daß seine Datteln so groß seien wie drei gewöhnliche Datteln zusammen. Der Erfolg blieb nicht auS. Plötzlich schrie der Vogel:„Bei Allah,-HassanS Datteln sind dreimal so groß, als gewöhnlich« Datteln!" Er hatte«in« ungemein durchdringend« Stimme und außerdem verstand er«S so überzeugend zu reden, daß man di« Datteln förmlich wachsen sah. Er schrie in«inenr fort:„Hassans Datteln sind dreimal so groß als gewöhnliche Datteln!" Rasch sammelte sich«ii»e Meng« Volks an. Di« Datteln schie- nen den Leuten so groß, daß sie sich das Maul verrenkten, wenn sie hincmbissen. Ahuleth wurde von Tag zu Tag magerer. Hassan aber kaufte sich immer mehr Ziegen und Schaf«. Er baut« sich einen hübschen Laden. Hassans Datteln waren weit und breit berühmt Ivegen Ihrer ungewöhnlichen Größe, und alle Welt kaust« bei ihm. Jedermann Ivar fest davon überzeugt, daß Hassans Datteln di« größten seien. Nur Hassan nicht. Er kauft« die Datteln für seinen Hausgebrauch bei Ahuleth.' jemandem die Seife aus der.Hand gleitet. Ameisen gelten als glückbringend, und selbst wenn sie in ein Haus eindringcn, sollt« man sie— meinen die Aber- gläub'gcn— nicht töte», sondern sie wieder hinauslocken, indem man ihnen draußen allerlei Süßigkeit hinlegt. Auch das Töten von Spinnen soll Unglück bringen. Frauen alt Sklavinnen. Von der Abteilung des Völkerbundes, di« sich di« Bekäuipfung. der Sklaverei zur Aufgabe gemocht hat, wird mitgeteilt, daß sich heut« etwa fünf Millionen Menschen in Sklaverei befinden. Ein großer Teil von ihnen besteht au» Chinesinnen, denn bekanntlich will der Chinese zwar möglichst viele Söhn« haben, aber Töchter sind ihm unerwünscht. Deshalb gibt er sie an ander« Leut« weg: meist erscheint in Dörfern eine gutmüt'g aussehende und gutgeklcidet« Frau, die den Vorschlag macht, das Kind»iitzunchmen, es als ihre Tochter aufzuziehen und chr, wenn es Zeit ist,«inen geeigneten Mann zu suchen. Vielleicht glauben die Eltern den Angaben der Frau wirklich, vielleicht ist ihnen das Schicksal der Tochter aber auch gleichgültig, da sie selber ihr doch nicht genug zu essen geben können, jedenfalls übergeben sie da« Mädchen der Frau, nachdem diese«in« bestimmte Summe gezahlt hat. Sie glaubt sich berechtigt, das Kind, ebenfalls gegen Zahlung eines gewissen Betrags, an dritte Personen auSzukiefern. Wenn das Mädchen dann schließlich als Sklavin verkauft wird, kann sic noch von Glück sagen, denn viel« von ihnen haben rin noch schlimmere« Los. Auch Russinnen, di« nach China geflüchtet sind, stich vielfach in Sklaverei ge- komme,i. In Japan tverden Mädchen einem Öleld- lc'hcr häufig für eine Schuld verpfändet u>ch miisseir diese Schuld entweder mit der Zeit von ihren Einnahmen bezahlen oder sie wechen sein Eigentum, mit dem er tun und lassen kann, was ihm gefällt. Er darf sie also auch an andere Interessenten verkaufen. Mitteilungen aus dem Publikum. Reu« Großbetrieb« für Fett- und 2eisen-Er,eu- gung. In Nelahozevcs bei Bcltrusy(Bezirk Kralupy »Btt.) wurde ein großangelcgtes genossenschaftlches Unternehmen crbant, welches der Zenirale der Kon- sumgenofsettschasten— Belkonükiipni spoleönost oruL- itcv, Praha Il,lT8iov, gehört. Das Unternehmen ist auf einem geschlossenen Terrain im Ausniaße von 45000 m2 erbaut»nd ist durch eigenes Geleise an die Station Beltrufy angeschlossen. Die Lage ist kür Transporte ideal, denn der unweit« Fluß-Hafen ermöglicht den Elbe- und Moldau-Transport»er Rohstoffe. Es sind hier Fabriken für Pflanzen- und Spcisefetie-Erzeugung, von welchen die Theemar- garin«„Dukat" den größten Absatz erreicht hat. Die besten Rohöle werden in eigener Ölraffinerie veredelt, um tue Speiseöle in der Margarinrfobrik zu verwerten; die verseifbare« Oelteilc weiden direkt in der angcschlossenen Seisenfabrik verarbeitet. Dieses genossenschaftliche Unternehme» ist unabhätlgig von dem Welt-Margariite-Konzern, so daß cs dem Verbraucher und seiner Organisation dollen Schutz leistet. Die architektonische und technische Ausstattung dieser Fabriken ist«in tatsächliches Dokument deS Fortschrittes tschechoslowakischer Nährmittel und chemischer Industrie. Diese Fabriken beschäftigen schon heute 150 Personen, was namentlich für daS Kraluper Gebiet, wo viele Industrien stillgekcgt wurden, von großer Bedeutung ist. 2003 Umsonst überallhin versendet Muster das Lyoner Seidenhaus Weiß, Prag l,, 2eleznü 3—5.(Bitte um beiläufige Preis- und Qualitätsangabe.) 2015 Wir machen unsere p. t. Stammkunden aufmerksam, daß wir außer unseren langbewöhrten Artikeln(Damen- und Mädchen-Kleider, Mäntel, Kostüme) jetzt in unseren vergrößerten Lokalitäten auch folgende neue Artikel führen: Jersey- Kleider, Jersey- und Seiden-B lausen, ferner Kinder-Kleidchen und-Mäntelchen für das Alter von 2 bis 14 Jahren— alles in gewohnt reicher Auswahl! Busch, Prag, Pfikopy 27(Mitte des Grabens, Eingang nur im Hause iw L Stock. 2008 «eite t4 Sonntag, 30. April 1038 »dSfr«undc).— SamStag, 8 Uhr:.Faime". Filme in Prager Ltmtspleihäusero bis einschließlich Donnerstag, den 4. Mai 1938. Wran-Urania:„Wie sag ich» meinem Manne?" — Adria:„Ter Sldjulanl Seiner Hoheit."— Alsa: „Und die Spinx spricht..."— Beränek:„Der Mord in der Ostrovni ul."— Fe.nix:„T«r?ldjutant Seiner Hoheit."— Flora:„Wie sag ichs meinem Manna?"— Gaumont:„D'e Unschuld von! Lande." — Hollywood:„Die Galavorstellung der Fratcllini."— HvSzda:„Der Adjutant Seiner Hoheit."— Juliö:„Diilady"— Koruna: „Die Goldpiralen."— Kotva:„Par'is liebt und jubelt!"— Lucerna:„Paris liebt und jubelt!"— Metro: ,Hch und di« Kaiserin."— Olympie:„Die Goldpiraten."— Passage:„Ich und die Kaiserin."— Praha:„Die letzten Tage von Pompeji."— Radio:„Dcr Mord in der Ostrovni ul."— Skaut:„Rom-Expr«ß."— Svötozor:„Die Unschuld vom Lande."— Alma:„Melodie der Liebe." — Avion:'„Tolle Nacht."— Bajkal:„Der Mord trt der Ostrovni ul."— Favorit:„DaS golden« Vöglein." — Kapitol:„Alpensyinphonle."— Konvikt:„Der Mord in der Ostrovni ul."„Blühen in der Tatra" — Lido:„DaS verloren« Geschwader."— Louvr«: „Die letzten Tage von Poinpeji."— MaerSka:„Rom- Expreß."— PerStyn:„Lunrpcn-Kavalicrc."— Rory: „AuS den: Tagebuch einer Aerztin."— Baldei:„Wie sag ichs meinem Manne?"— Academia:„Der ungekrönte Zar Rasputin."— Belvedere:„Es war«'n- mal ein Walzer."— Bescda:„Ariane."— Carlton: „Der Paradiesvogel."— Illusion:„Wie sag ichs meinem Manne?"— Sport-Smichov:„AuS Wald- Wildnissen."— Svornost: ,1000 für eine Nacht."— U Bejvodu:„Die CzlkoS-Baronessc." I»^lv dar Seim des klasievbennrtzleu»> II^Arbeiters gehör! d. Zevlralorgan. I II»er Deutschen soztatvemokr. Arbeiterpartei I I I»„Sozialdemokraf"—II Königshofer Cement-Fabrik A.-G., Prag. Der DerwaltungSrat der KönigShofer Cc n>« n t-Fabrik Aktiengesellschaft ha: in seiner Sitzung vom 28. April l. I. die Bilanz für daS Geschäftsjahr 1982 festgestclli Darnach schließt daS Jahr mit einem Reingewinn vo,: 18,295.291 K(gegen 22,024.040 K im Vorjahr«), wobei Abschreibungen von 22,888.016 X igcgci, 82,647.864 X im Vorjahre) vorgcnommen worden sirrt. CS wurde beschlossen, t-i« Generalversammlung auf de» 26. Mai 1938 einzuberusen und ihr die Verteilung einer Dividende von 50 K per Aktie (gegenüber 80 K im Vorjahr«) vorzuschlagen unten noch Dotierung der statutenmäßigen Zuwendu» gen verbleibenden Rost von 459.478 K auf die R cl 116,533.580 135,101.471 Vorräte,., 21,908.928 22,259.452 Kassa 568.762 644.876 Wertpapiere.. 95,879.041 »4,449.548 Kautionen.. 860.69?, 862.057 Rimessen.... 739.111 525 243 Debitoren... 84,160.786 21,167 748 270.145.853 285,100.405 Passiva. 1932 1931 Kf K5 Aktienkapital.- 48,000.000 18,000.000 Reservefonds 9,294.742 8,318.540 Agiofonds... 104,556.046 '04,556.040 Amortisationsfonds f. Ma- schincn u. Einrichtungen 46,548.781 16,548.781 Stabilisicrungs- Reservefonds. 80,000.00t' <0,000900 Reserve für besondere Er- wcrbstcucr — 3,800.0(10 Tebitoren'Reserve 500.00t 500.000 Lensiansreserve 1,000.00? 1,000.000 Arbeiter- Unrerstützungsfonds.. 624.82: 768.7-Ü ilnbehobcne Dividenden 280.884 114 180 Kreditoren.. 15,566.887 : 9:425.102 Reingewinn cinschl. Vortrag...... 13,823.740 22,573.931 270,145.853 285,109.40' Gewinn- und verlu ft»Konto per 31. Dezember. Verluste. General-Unkosten: 1982 Ke 1931 K5 PersonalauSlogen.. 7,282.81' 4,423.54k sonst. BerwaltungSspesen 2,781.90 1,731.15!' Steuern u. öffcnt. Abgaben 3,504.81 '.461.268 Sozialversicherung u. Wohl- fahrtSauslagen.... 1,324.2'. 490.60! Zinsen....... 320.45 — Abschreibungen.... "2,638.01 647.865 Gcwinnvortrag v. Vorsahrr 528.44-' 549.894 Reingewinn des Geschäfts- jahreS 18,295.29' -2,024.01" 56,676.031 73,328117t Gewinne. 1932 1931 «5. IlS Gewinnvortrag 528.44t- 549.fi!' Zinsen — 610.40 Rohgewinn.«,,.. 56,147583 72,168.08 56,676.031 73,328.371 mwwimiwwwwimiwmmmmm Meine Frau freut sich... wenn die Pott die„Uniu friedene“, dai Wochenblatt der Frau, bringt I emelprefo 60 Heller In leck»' Treftk erhltntchl Wtartellehrprel» erit Po atz inendung ttt 7-S» Ver weltung: Prag II., Nekazanka 18 Nr. 102 Sonntag, 30. Ityrfl 1038 Seite 18 I T 1 I I I Herr Fritz Valk rson Sport- Spiel- Körnerpileoe zu- die Der Film iu Publikum ausgeschwatzl wird, gesetzlich ze- i würden. Die ländliche Unschuld ist Lucie * w Arbeiterpresse. *ntptn n.OtnoOinntn• T p. machen, dann spricht man Darum geht eS hier; wenn die Instinkte der Menschen freiwillig Entree bezahlen . KJ! irr Kc. . KL . KL DeuWe ozialdemolratWe Lezirksorganisation Prag. ver Par. Wieder drohe» neben außenpolitische Ge- lriegerische Auseinander- Parterrelogen.... I. Ranglogen.... II Ranglogen.... III Ranglogen... llerclesttze l. Reihe. als ein Friedensparla- isl o h n mächtig und wie 1911 bedrohen sich Die Rot und daS .. KL 85— .. KL 85— .. KS 65— .. K« 45.— .. KL 91— 18— 16— 10— 18— Genossen! ausgesetzt IA v »re Verbreitung unserer Leitung agitiere«» Letzt euch überall für unsere Parteipresse ein. Au bas Heim»es Arbeiters gehört»t« LIA Dalkoniitze 5.— 7. Reihe Galeriefi tze l. Reihe.. Galerlesitze 2.—6. Reihe Galerlesitze 7.—10. Reiln Dalerieseitensifte Eine Unschuld vom Laude. Man müßte die Herren Produzenten damit strafen, daß sie zum Besuch alles dessen, was Film Sei“ zwungen Englisch, zur Abwechslung als Äelplerin verkleidet. Dort, wo es anscheinend doch die Sünde unfaßbarer Dummheit gibt, verirren sich marode Autofahrer und Theaterdirektoren in Gasthäusern, wo ihnen das Glück und der Tanz blüht. Nach altem Filmrezept trägt jeder Mensch die bestimmte Aussicht auf ungehemmte Karriere bei sich: also wird aus der Dorsschönen ein Star und unsere weiblichen Mitbürger können beruhigt fchlasen gehen: die Traumfabrik funktioniert. Ralph Arthur Roberts ist mit seiner Frau E n g st r ö m in eine derart dumme Handlung verwickelt, daß sich weitere Worte erübrigen: und wenn dann solche Filme zufällig in Buxtehude und der dort liegenden großen Umgebung Kassenerfolge eben vom Geschäftsfilm. eS der Reklame gelingt, so zu täuschen, daß sie und nicht gegen die zugemutete Dummheit protestieren, dann spricht man von Filmen. Wir haben andere Ansichten und wqrnen vor solchen Entgleisungen, lrotzdeni eS auch hier manchen routinierten Spaß, manche komische Szene und eine einfallslos nett instrumentierte Musik gib».' W. L. 16— 18— 12.— 10— 0.— Fouteuilsitze 9.—I. Reihe Parkettsitze 5.—12. Reihe Parkettsitze 13.-20. Stellte Dalkoniitze 1. Reihe... Balkonsitze 9.—I. Reihe Karten an der Theater.TageSkasse. Prag 1, Zelezni 3j Sepiupe« s«mpyonif«HeS Konzert mtt 9tepitatfonen und Gesang. Leitung: Opernches Pros. Georg Szäll. Mitwirkung: Zwei erste Künstler des EniembleS: Frau Lydia Kindermann(Altistin), Herr Fritz valk(Sprecher). Da« Orchester de« Deutschen Theater«. Vrooratnni: W. A. Mozart: Ouvertüre zu„Figaros Hochzeit".' Gerhart Hauptmann: Lied der Engel aut„HamieleS Himmelfahrt" 8. W Goethe: Chor der Schmiede aus„Pandora". Fr Schiller: Stauffacher-Rede au-„Wilhelm Toll'. Fr. Schubert: Uiwollendete Symphonie. ML An die Arbcitcrsportlcr der Weit! I. Mai 1933! Fest« und Kampftag des internationalen Proletariats! Schon vor mehr als 10 Jahren hat sich die klassenbewußte Arbeiierschast diesen Tag gegen seine Widersacher erkämpft und alljährlich festlich begangen. Die Arbeiterklasse hat in dieser Zeit große Fortschritte erzielt, aber immer wieder versuchte die Reaktion den Ausstieg des Proletariats zu hemmen. Kapitalismus, Rationalismus und Militarismus sehen ihre Herrschaft bedroht und suchen nach neuen Formen und Parteien, nm ihre alten Anschauungen, die für die Well so verderbliche Folgen gezeigt haben, neu zu befestigen. Ter blutbesleckte, gewalttätige F a s c i s m u s ist jetzt der Heisers- Helfer der allen Mächte im neuen Geivande 15 Jahre nach dem völkermordenden Weltkriege, mit cif Millionen Toten, will die Weltreaktion die Böller in neues Verderben stürzen. inuerpolitischen Verwirrungen fahren, flehen furchtbare jetzungen bevor. Der Völkerbund, ment der Völker gedacht, hilflos geworden. So feindliche Mächtegruppierungen. Elend, daS durch die WeittvirtschoftSkrise entstände. ist, kann von den Kapitalisten nicht mehr gemeistert werden. D a S V.ö l k e r r e ch t w i r d i m n a t i o- nalen wie im internationalen Rahmen von bürgerlichen,' reaktionären und fasei Fischen Regierungen und Diplomaten mit Füße» g e i r e t e n. Demo- kratische Landesgesetze, wie internationale Verträge, werden über Rächt zu Papiersehen. Die Befreiung der Arbeiterklasse von den Fesseln deS Kapitalismus, Rationalismus und Militarismus, vou FaseiSmus und Reaktion kann n u r daS Werk der Arbeiterklasse selb st sein. Unermüdlicher Kampf um die demokratischen Volksrechte, unermüdliche Ausklärungs- und Erziehung-.» Arbeit muß alle, die klassenmäßig zu uns gehöre», erkennen lassen, daß das Wohl der Menschheit vom Siege des internationalen Sozialismus abhängt. Tie Arbeitersportler und Arbeitersporllerinnen der Sozialistischen Arbeiiersport-Fnterualionale sind Kämpfer und Träger dieser Fdee. Sie treiben Sport und Körperkultur, um die Massen des Volkes gesund und lebenStiichtig zu machen und um sie sernzuhalten von politischer Reaktion und verdummender bürgerlicher Sportideologie Tie Arbei- tersporiler wollen eine lebensbejahende, schassens frohe Generation heranbilden, die um eine hellere Zukunft im Kamps bestehen kann. Die Arbeitersportler der Welt verbinden sich in der lozialistischen Arbeitersport-Internationale. und bei tnternatio nalen sportlichen Begegnungen und internationalen Sportfesten im friedlichen Wettkampf ihre Kräfte zu messen, sie verbinden sich aber auch, um ihre brüde r l i che Solidarität zum Ausdruck zu bringen, indem sie einlrelen für die Völker befreiung und den Völkeririeden. Die faseislische Diktatur in Deutschland hat der ganzen Welt einen grauenvollen An- schauungSunterrichi über faseistische Methoden gegeben. Ter Arbeitersport Deutschlands ist völlig unter bunden. Wir sind überzeugt davon, daß der Tag des Ausstieges auch für die deutschen Arbeitersportler wieder k o m m e n wird. Tie Arbeitersporiler der ganzen Welt bekunden den verfolgte» deutschen Arbeitern ihre brüderliche Sqmpaihie. Sie werden am 1 Mai an der Seite der jozialislischen Arbeiterparteien bei den Maikund gebungen und sportlichen Maifeiern für folgende Parole» eintreten: Für die Demokratie und die Freiheit! , Gegen Reaktion und FasetSmuS! Für- Völkerfriede und Völkerverständigung! , Gegen Rationalismus und Militarismus! Für Kultursortschritt und Arbeitersport!. Gegen daS Bildungsprivileg der Herrschenden . Für Arbeitsbeschaffung und Planwirtschaft! ' Gegen Arbeitslosigkeit und Kapitalismus! Es lebe der 1. Mat, der Weltfeiertag der Arbeiterklasse! Es lebe der sozialistische Arbeitersport! Es lebe der internationale Sozialismus! I. D e u t s ch, m. p. R. S i l a b a, m. Der darf nicht fehlen!. Max Schm.li-ig, der bekannte deutsche Boxer, hat bei seiner Ankunft in New Jork gegenüber Pressevertreter.» seine Syuipathlen für Hitler ausgedrückt, der ein begeisterter(!) Anhänger des Boxsportes sei. Bezüglich der Judenverfolgungen äußerte sich Schmeling, daß er nichts bemerkt habe!!— Ein feiner„Held", dieser Nazi- Schnieling! Für duiHotnittbcket'giltes ideafen Oücrf&xk etu\ Bemon Okma 9ummitede\ Behenden dauerhaft, und MtujX anMndlmehSe/un.NüAitfCutend. $>eute abends s Uhr alle lm Deutschen Theater! Deutschlands Bürgersport- sadistisch! Zuerst kam die Deutsche Turnerfchast... Der Haupworztand der Deutschen Turnerfchaft hielt bieder Tage in Stuttgart eine Sitzung ab, in der man sich in erster Linie mit der politischen Lage befaßte und dieser Rechnung trug, indem man sich hinter Hitler stellt. An Stelle des bisherigen Vorsitzenden Domiitieus, dem als Pflaster die„Ehrenurkunde" verliehen wurde, kam der bekannte Hi>- lerianer und Jugendsührer der DT., Dr. Neuendorff. Der DT.-Borstand bekannte sich e i n st i m mig zum arischen Slandpunkt. Tie Marxisten wurden ebenfalls in Acht und Bann getan; sie dürfen, wie die Huden, in diese„gesittete" Gesellschaft nicht ausgenommen werben. Die DT. will sich an den Olympischen Spielen, die bekanntlich 1ÖÖ8 in Berlin statlsinden sollen, nur dann beteiligen, wenn diese nur zu einer nationalen und n'chi internationalen Veranstaltung gestaltet werden. * Deutscher Fußball-Bund und Deutsch« Sportbehörde sind auch dabet. Diese beiden Organisationen haben am Mittwoch eine Entschließung gefaßt, in der es u. a. he'ßt, daß „Angehörige der jüdischen Rasse ebenlo wie Per- ionen. die sich in der marxistischen Bewegung herausgestellt haben" aus den führenden Stellen der Landesverbände und Vereine zu entfernen sind.- Wo eS noch nicht geschehen sei, müsse sosort da» Nötige veranlaßt werden. Bei der Deutschen Sportbehörde wurde der Vor sitzende Lewa Id zum Rücktritt veranlaßt und seine Stelle„aus Wunsch der Regierung" nicht wieder besetzt. Der Frauenturnwart der DSV. Dr. Berg, mann hat ebenfalls seine Demission gegeben. * Der Deutsche Schwimmverbaud H elt in Breslau seine Hauptversammlung ab, nur eine halbe Stunde dauerte und den offiziellen Uebertritt ins faseistische Lager brachte, Vis die Richtlinien der Regierung erfolgen, wurde als kommissarischer Leiter des Verbandes der Vorsitzende Ha;(Berlin) ernannt. * Buch der Tennissport wurde dieser Tage aus einer außerordentlichen Sitzung des Deutschen Tennis-Bundes„gleichgeschaltel". Ein Kommissar wird b'c„Geschäfte" im Sinne der Er Neuerung führen. Rein jüdische Vereine sowie Mitglieder sind im Bund„nicht tragbar" und bei neuen Vereinen und deren Mitgliedern >'oll darauf„geachtet" werden, ob eS sich nicht um M a r x i st e n handelt.— Der bekannte Tennisspieler Prenn ist Jude und wird demzufolge nicht mehr mit der„Würde" einer Vertretung Deutschlands bei Wettkämpfen„beläst'gt" werden, obzwar im vergangenen Jahr sogar die Nazis voll des Lobes sür seine„beispiellose Aufopferung im Interesse des dvulsch'en Sports" waren. Galavorstellung der Fratelllnl». Unter ZeluikS routinierter Regie Produzieren sich die FratelliniS am Anfang und Ende vieles Film«: aber so, daß ihre Akrobatik in Bewegung und Mimik ganz verloren geht. Tenn Zelnik sucht ja nur Kassenersolg und die FratelliniS sind ihm nur Reklame sür den- Film, in dem Diplomaten- doknmente gestohlen und darüber und damit Rundfunkreportagen geschrieben werden: um originell zu sein. Die Verzweiflung der Filmproduktion, die mit aller Gewalt Gedanken und Verstand aus dem Programm verbannt, erreicht in solchen Fällen sicht- lichen Höhepunkt, da sie nämlich nicht einmal dazu zu haben ist, gute Austritte, wie die der FratelliniS, durch eine verstandesmäßig begründete Handlung zu verbinden. So kommt eine Tetektivgeschichte sammen, die man kaum versteht; nur Olga Tschechowa erfreut durch ihre vornehme Art. Photographisch gibt es wenig zu sehen. X «s»«r— Veeauuuorllichei«iedutieur Dr. 8lr«»s. Prag- Druck: ,R»ii- kür Zriiun». I»»«achdruu Ptig.— Di« A«>-»«»murieunantaiu, wurde«du d«r voft.». liiiaruodeichiruli»««u UMS Rr tMOWVn/lMO IxwMial- Uetugsdedmauuien: U«i gusirliun, iu« puu«»der bei oerug durch di tzÄMriS KS. saattttzä, U HO.—,— gus««ch MMa la» tat» KM* kta*Mt, M MMm IWMlMiti Hniju°cht°tz,- Rücktzetluo,»«, Muuulirrplru nt»lat»8°!' in,»"!!!°«u- -- J ""««r>ua^li,drt,ch L4 I*1• j! f11 M gtitt*6 Sonntag. 80. April 1088 Jlt. 102 Die moderne Medizin Literatur ll>70 I M Kreisverband der westböhmifchm Konsumvereine in Karlsbad Der«reisroorstand M einfarbig oder gemus tert, für t ede Figur und leden Geschmack, elegante Schnitte, neueste Modestoffe in noch nie dagewesener Auswahl. Selchwaren der Pa. HEGNER a at> PllSEM SIND DIE ALLERBESTEN I Der empfehlenswerte erstklassige inländische Weinbrand. reff. Gen. m. b. Hi 3nt«rci(cit l-errschenden Bourgeoisie- heroorgeru- *citvn.'lbspcrrnng der Völker und Staaicn anderer« seil» geh! eine Krise hervor, welche das gosellschast- liche Leben der gesamten Menschheit aus» stärkste«r- schniierl. Die Geschichte alS Lehr meiste- rin der Inter Nationalität— das mögen mir ans diesem Bande der Weltgeschichte lernen, der iviedcr hervorragend illustriert Ist und einen Einblick in die siingste Geschichte jener Kulturen liesrrt, deren Brkanntschast für uni Mitteleuropäer notwendig ist. E. St. sich mehr als je den Genossenschaften widmen und dieselben zu einem großen und starken Wirtschaftskörper ausbauen zu helfen überzeugte Parteigenosse mutz TMkglied der Genoffenschafi sein und seine Pflicht gegen dieselbe erfüllen entwickelt««ich Im Laufe der fetalen 80 Jahre. Tn<1Im« Zeltperiode flllt die Einführung moderner Hellprlparete M welchen in erster Reihe Verlangen Sie in leder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWADEN der Hrm» HEGNER& Cie. PILSEN Der gute Anzug nach Maß mit Anprobe Kl 390.—. 490.-1 590. Wartet nicht auf diesen tranrigen Anblick! OB in ßPUI* DDMI?T“ ,3t^* s Losungswort der Gegenwart. Es Oulu UDWArrnfil siegt nur der, welcher steh wehrt. SQRGET SCHON JETZT DAFÜR* daß Euere Gemeinde eine Spritze beschafft, besorget Euch auch sofort Arbeiter! Am A. Mai Arbeiterin! demonstrierst Du für Deine politischen u. sozialen Rechte I Und was tust Du gegen Deine Ausbeutung und Unterdrückung auf wirtschaft« llchcin Gebiete? Unterstützt Du noch immer den verteuernden Zwischenhandel? Bist Du schon Mitglied der Konsum- und Sparoenossensihalt für Nordmdhren und Vestsftlesien, Sitz Mlhr.-SchttnbargT Wenn nicht, dann vollzieh Deinen Beitritt in einer unserer 76 Vcrtcilungsstcllcn und sichere Dir die Möglichkeit vorteilhafter Bedarfsdeckung! Unsere 12.000 Mitglieder werden Dich herzlich in ihren Reihen aufnehmen! Genossenschaft bedeutet wirtschaftliche Kraft und Stärke! Karlsbad 111, den 30. April 1933 Oskar Trebitsch: In Moskau saß ber Feind... Zur Krise des demokratischen Sozialismus. Rein, hold Verlag, Wien-Leipzig 1033.— Der— übrigens ans Prag stammende— österreichisch« Genosse Dr. Oskar Tret'lisch, in weiteren Krcison durch seine Aufsätze im„Kampf" bekannt, hat in einem katholischen Verlag ein Buch erscheinen lassen, das sich mit der Kris« der Demokratie befaßt. Trebitschs Buch ist aber nicht«in« Kritik d«r Demokratie von links, sondern von rechts her und er bezeichnet die Richtung, di« er vertritt, als„realistische Rechte" im Gegensatz zur„revolulionistischen Linken' und d«m„marxistischen Zentrum". DaS Glaubensbekenntnis dieser seiner Fraktion sormuliert der Verfasser folgendermaßen: „Die realistische Recht«... wertet di« Gegen■ wartsdemokratie bereits als Anbruch der solidari« sterten Demokratie der Zukunft, die der Sozialismus ist; sie verwirft jede Diktatur, di« etwas anderes ist als Verteidigung und Durchsetzung der demokratisch legitimierten MehrheitSherrschasl gegen organisierten Rechtsbrnch und hält eine ander« Methode als di« des demokratischen KampseS für ung«eign«t, das Endziel zu erreichen." (S. 151.) Trcbtisch gelangt schließlich bis zu einer Ablehnung dcS revolutionären Charakters der sozialistisch«» Bewegung: „Der demokratische Sozialismus kann nur dann neu erstarkt aus einer Krise hervorgehen, wenn' er die Bürd« seiner schcinrevolutionären Phraseologie abwirst, und endl,. wagen wird zu scheine«, waS er ist,«ine demokratische Bewegung zu sozialistischer Reform."(Ä. 175.) Mit dem Autor sich auseinanderzusetzen, hieß« da« Problem der Demokratie und die Frag« dcS Kampfes um den Sozialismus überhaupt ausrollen, waS an dieser Stelle nicht geschehen kann. Wie von Moskau aus seit anderthalb Jahrzehnten da« Proletariat aufgepntscht und damit in Niederlagen hin- eingrrissen wird, so wird uns seht anempsohlen, den revolutionären Charakter des Sozialismus abzuschwören und ein« demokratisch-soziale Reformpart«' zu tverden, gleichwie es in den neunziger Jahren des vergangenrn Jahrhunderts Eduard Bernstein gefordert ha». Gerade die Ereignisse der Gegenwart beweisen sedoch, daß eS dem Proletariat nicht erspart bleiben wird, seinen Klassengegner nikderzn- wersen. Dir Niederlage des deutschen Prolelar'atS zeigt nicht die Schädlichkeit, sondern di« Notwendigkeit de» revolutionären Sozialismus. E. St. System Moravia Die Entstehung des Weltstanten» fystems.• Unter diesem Titel ist soeben der ueuni«— vorletzte— Band der großen vom Propyläenverlag Berlin herausgegebenen Weltgeschichte crschien«n, der die Geschichte der angelsächsischen Staaten(England und der Vereinigten Staaten von Nordamerika) m den letzten 150 Jahren, Laleinanierikaü, der islamitischen Welt, Rußlands und Ostasiens(Japans und Chinas) i in dr» letzte» Jahrhunderten nmsaßt. Man ersieht schon ans der bloßen Inhaltsangabe, daß in dem vorliegenden Bande die Geschichte der verschiedensten Kultnrkreise erzählt wird, so daß man den Eindruck empfängt daß die Erzählung vieliach zerfließt. Der Grundgedanke des Werkes kann also nur der sein, zu zeige», wie sehr sich der Schonplatz der Kultur- entwicklung im letzten Jahrhundert ausgedehnt und wie di« Geschichte der ferneren Erdteil« auf die Schick- sale der europäischen Böller eingavirkt Hai und daß Sie Erde«ine Schicksalsgemeinschaft der Na t ionen geworden ist. Gerade das ist«ine Erkenntnis, die dem heutigen Mennlien vielfach mangelt. Aus der Tatsache der durch die Geschichte geschaffenen ökonomisch-sozial-kulturellen Verbundenheit der Völker einerseits und der durch die ökonomischen . v. Ki iw. . v. Ki IW. . v. Ki JW.- ' IW.-- 41.-- 4t. oeoen Hederich Eisenvitriol» nur IS Ei, Aufwand pro Metzen— höherer Ernteertrag 000 Ki Verlanget Eisenvitriol und Gebrauchsanweisungen bei den Genossenschaften, Handletn usw., oder direkt bei der Eirma uns» C. T. aETIOLO» Ca.>MG N„ HAVUCKOVO HAN. C. I, Die westböhmischen Konsumvereine die gegenwärtig 62.500 Mtgtteder ö und in 425 Ortschaften Verkaufsstellen besitzen. appellieren am 1. 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