klvzelpreis 70 Heller. Einschließlich 6 Heller^Cortn 13. Jahrgang. tewwnrTEri-rn- T—B-TT Donnerstag, 11 Mat 1933 Nr. iio. Segen Deutschlands Rüstungen. Lor einer Intervention? Paris. 9. Mai.(Eigenbericht.) Der heutig«„Le Malin" veröffentlicht in sensationeller Aufmachung Dokumente über die aus Befehl der ReichSregierung durchzusührende»lilitärische AuS. bildung de»„Stahlhelm"; der„Matin"«klart, daß der Charakter der Uebungcn einlvandsrei beweise, daß man in Deutschland sür eine» Krieg rüst« und daß gleichsam„am lausenden Band" krleg-derwendungSfähig« Soldaten produziert wer» den sollen. Mit„körperlicher Ertüchtigung" und „Geländespiel" Hütten diese Dinge nicht mehr das Geringste z» tun; eS sei höchste Zeit, daß die derantwortlichen Stellen sich um die Entwicklung jenseits des Rheins. ernsthaft kümmern, wenn nicht die Welt erneut im Chaos versinken solle. — Die dem früheren Ministerpräsidenten Herriot nahestehende Zeitung„La Röpnblique" erhebt in diesem Zusammenhang di« Forderung, daß angesichts Vieser bewußten und planmäßigen Verletzung der Abrüstungsbestimmnngen durch Deutschland„alsbald und mit unerbittlich« Streng«" die im Versailler Vertrag vorgesehenen Maßnahmen getroffen werden. Sie sollen Ibn nicht haben., l Paris, 8. Mai.(Eigenbericht.) Lebhaft besprochen in der Pariser Presse wird di« gestrig« Rede deS Ministerpräsid«ntcn von Bayern. Doktor Siebert, die dieser in Lindau gehalten und in d«r er unter anderem gefordert hat, daß der Deutsche Rhein" in Zukunft nicht m-Shr an den Grenzen der Reiches, sondern„mitten durch«in freies Deutschland fließen" solle; bis dieses Ziel erreicht sei, würde daS„neue Deutschland nicht Ruhe geben".— Man. erwgvlet,. dgß.angesichts dies« fortwährenden Drohungen der verantwortlichen Stellen in Deutschland die Aarantiemiicht» ocS Versailler FriedensvcrtrageS sich zu einem euer- gischen-Tchritt in Berlin entschließen werden. NUN mehr„aol der Fluiht ersdiossen“, sondern„in Notwehr“. Allcnstein(Ostpreußens, 10. Mai.(Conti.) Der in Schutzhaft befindliche Kommunistenführer Kalinowski wurde gestern von einem SA- Mann in Nottvehr erschossen. Kalinowski hatte während einer polizeilichen Vcrnehniung eilte im Zimmer liegende Pistole ergriffen und mehrere Schüsse auf seine Bewachung abgegeben, die ihr Ziel verfehlten. Als er dann seine Angriffe fortsetzte, griff einer der SA-Männer in Notwehr(?) zur Waffe und schoß Galinowski nieder. Zwei SA-Männer trugen bei dcni Zwischenfall schwere Verletzungen davon.. Offizielle Kriegserklärung Paraguay-Bolivien. New fyork, 10. Mai. Wie Associated Preß aus Asuncion meldet, hat Paraguay nunmehr formell Bolivien den Krieg erklärt. Der Präsident Ayala hat zur Kriegserklärung die Vollmacht benützt, die ihm seinerzeit vom Pmlament erteilt wurde. Die Kriegserklärung Paraguays hat in amerikanischen Kreisen groß« Erregung hervorgerufen. Offiziell wird insbesondere darauf hingewiesen, daß Paraguay seinerzeit den Kellogg-Antikricgs- pakt unterzeichnet hat. Die spanische Demokratie bleibt lestl Streik der Monarchisten und Anarchisten gescheitert. Paris, 10. Mai. Der Madrider Berichterstatter des„T e m p s" bestätigt, daß die beiden gewaltsamen Aktionen, und zwar die monarchistische von rechts und die der äußersten Linkeit, die den Zweck verfolgten, einen allgemeineti Streik hervorztirusen, gescheitert sind. Der Berichterstatter spricht m Uebereinstiminnng mit der spanische» Oefkentlichkeit anerkennend über die spanischen Sozialisten, die jeden Streik verhinderten und dadurch einen großen Anteil an der Erhaltung, der Ordnung im ganzen Lande sowie an der raschen Unterdrückung der Streikbewegung hatten. rasche die sich am der■ i-m stische Umbildung in Oesterreich an. Die österreichische Exekutivgewalt befindet sich jetzt also unumschränkt in den Hansen eines Fafcisten! Auch Neustadter-Stürmer, der das StaatSfekretariat für Arbeitsbeschaffung übernommen hat, ist einer der radikalsten Heimwehr- leute und hat sich wiederholt für den gewaltsamen faseistischen Umsturz in Oesterreich ausgesprochen. Di« Zeitungen der SPD waren schon vernichtet und die Druckereien durch die Zeitungsverbote an den Ruin gebracht. Es blieb also nicht mehr viel zu„beschlagnahmen". Allerdings sind die vernichteten Vermögenswerte groß. Der Raub an der SPD ist ein tveiter« Schritt auf dem Wege zur Revolutionierung der deutschen Arbeiter, die durch solche Maßnahmen am besten erkennen, wohin unter dem Fascismus der Weg geht, die mit Erbitterung und"Abwehrwillen erfüllt werden. Das geraubte Arbeitereigentum ist nicht verloren. da die deutsche Arbeiterklasse, zwar jetzt geknechtet, noch lebt und dereinst olles mit ZinS und Zinteszins zurückfordern wird. Der Diebstahl des Eigentums der SPD ist das Vorspiel zum Verbot der Partei, daS übrigens schon zu Ende der vorigen Woche ausgesprochen werden sollte. Nun hat die Partei die Aufgabe, den illegalen Kampf zu führen. Die Früchte dieses KanlPfeS werden rascher reifen, als es die siegesbcsoffcnen Nazis ahnen 1 mögen. KahinettsreHonsMon in Oesterreidi verstärkt noch den losclstisdien Einfluß. Doppelt genäht- dürfte aber auch nicht besser halten! Ter Ministcrrat hat auch beschlossen, eine Verordnung zu erlassen, nach der die Bundesangc- stcllen n e u c r l i ch a u f ihre Dienstpflicht vereidigt werden. Die Eidesformel soll ihnen stärker als bisher ihre Pflicht vor Augen führen, dem Bundesstaat Oesterreich und seiner Regierung im Rahmen der Dienstpflicht, vor allem der Pflicht zur Einhaltung der Gesche Treue zu bewahren. Der Beaniie, der sich weigert, diesen Eid zu schwören, setzt damit einen Akt, der der A u s- trittscrklärnng gleichzuhalten ist. Die Verordnung enthält Bestimmungen, nach denen im Falle etwaiger Dicnstvcrlctziiiig die i‘' Entlastung eines Beamten erfolgen kann. Sieg der französischen Genossen. Toulouse, 8. Mai.(Eigenbericht.) Bei den gestrigen Stichwahlen zum französischen Abgeordnetenhaus wurde der sozialistische Kandidat Berlia mit 10.765 Stimmen, daS heißt mit rund Dreiviertelmehrheit, gewählt. Seit den Hauptwahlen vom 1. d. M. hat der Arbeiterkan. d'ldat 1657 Stimmen gewonnen; insgesamt haben die Sozialisten nunmehr seit den Generalwahlen vom Mai 1S3S drei Parlamentssitze neu erobert. Raub des SPD-Vermögens Alle Zeitungen, Druckereien und andere Unternehmungen enteignet.— Auch das Reichsbanner betroffen. Berlin. 10. Mai. Dar Wolf f-Büro meldet: D«r GeneralstaatSantvalt l Berlin hat die Beschlagnahme des gesamten Vermögens der sozialdemokratischen Partei Deutschlands und ihrer Zeitungen sowie des gesamten Reichsbanners angeordnet. Den Grund zu d« Beschlagnahme bilden die zahlreichen„Untreue"-Fälle, die durch die Uebernahme der Gewerkschaften und deOlrbeiterbanken durch die NTBO ausgedeckt wurden. Wie gemeldet wird, wurde die Aktion durchgesührt, um die Rückzahlung der der von den Gewerkschaften und der Arbeiterbank an die SPD geleisteten Zuwendungen flcherznstellen. In der Zahlung der„ungeheuren" Geldbeträge an die sozialdemokratische Parteileitung, die, Ivie vor einigen Tagen bereits gemeldet wurde, selbst in den ersten Monaten dieses Jahres noch meherc hunderttausend« Reichsmark ausmachten, wird eine Untreue erblickt, so daß mit einem Strafverfahren unter dem Namen ,^Leipart und Genossen" in nächster Zeit zu rechnen ist. Di« Anordnung der Beschlagnahme der Vermögenswerte stützt sich auf de» 8 1 der Verordnung zum Schuhe von Volk und Staat vom 28. Feber d. I.. nach der Beschlagnahme von Vermögenswerten auch dann zulästig ist, wenn die Voraussetzungen der Strafprozeßordnung nicht erfüllt find. Diese Meldung überrascht nicht. Tas Vor- gehen der Hunnen gegen die SPD ist nur die logische Folge des Schrittes gegen die Gewerk- chaften. Sie, die politisch»»gefährlicher waren als die SPD, konnte man nicht gewaltsam gleich schalten, ohne auch die SPD wirtschaftlich zu vernichten. Die' Begründung sür den brutalen Schritt entspricht der von den Schuften Hitlers in der letzten Zeit gegen alle mißliebigen Perso nen und Körperschaften angewandten Methode der ehrenrührigen Verdächtigungen. In der Un terstützung, die die Gewerkschaften der SPD gewährten— auf Wunsch und mit Billigung der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter!—‘ wird eine„Veruntreuung"„erblickt", obzwar doch be kannt ist, daß ein Teil der von den Getverkschaf- ten an die SPD gelestteten Unterstützungen— leider!— nicht zuletzt der Wahlpropaganda für Hindenburg zugeflosten tvar. Darüber hin- ans aber hat die Gewerkschaftsbewegung innner das Interesse an einer starken politischen Vertre tung ihrer eigenen Forderungen und Dünsche; die Unterstützungen an die SPD waren daher nichts als besonders angelegte Gelder für gewerk schaftliche Zwecke. WIl>llIllIIlIlll>lI>lllllIllIllIllIlIllMlllIIlllIlW>llIllIllIlIIIllIMIlIlIIllItIIIlIIl>llIll>IllIIlIIIllIll!lIllIllIllIlIlllIllIlWllIllIllIllllIIlIllIlllIlIlIIlllIllllII»IIllllIlllIlIlllIlllllIllllIlllIlllllllllll»lllllllllllIllllIllIIlI Wien, 10. Mai.(Eigenbericht.) In einem Ministerrat, der heute in den späten Abendstunden stattfand, wurden wichtige Aenderungrn innerhalb des Kabinetts vollzogen. Der Anlaß dieser Kabinettsrekonstruktion war vor allem die bevorstehende Wahl des jetzigen Finanzminister Weidenhofer zum Präsidenten der Kreditanstalt. An seine Stelle tritt nun der bisherige christlichsoziale Landeshauptmann von Riederösterreich B n r e s ch. Gleichzeitig tritt auch der bisherige Handelsminister Jankonezig zurück, der der Vertreter der Heimwehren in orr Regierung war. Ja- konrzig hatte in der letzten Zeit schwere Disserenzen mit Starhemberg, weil er sich dem legitiml- stischen Kurs der Heimwehr nicht sügen wollte. Seinen Posten übernimmt ein Herr Fritz S t o ck i n g e r, der bisher in der Politik vollkommen unbekannt ist. Er soll, wie man hört, ein Conleurbruder des Bundeskanzlers sein. Besonders bedeutungsvoll ist, daß der bisherige Staatssekretär sür Sicherheit, der radikale Heimwehrsühr« Fey, nun znm ordentlichen Minister und damit zum Mitglied der Regierung ernannt wurde. Auch ein zweiter Heimwehrmann, Neustadter-Stürmer, wurde in das Ministerium ausgenommen; er übernimmt das Staatssekretariat sür Arbeitsbeschassung. Endlich tritt an Stelle des Innenministers B a ch i n g e r der Landbündler Sch u in y, der seinerzeit schon im Kabinett Schober Vizekanzler war.- Die Staatsgewalt in losclstisdien Händen. Die politische Bedeutung dieser Regierungsumbildung liegt vor allem darin, daß dadurch der saseistische HennwehrkurS ganz offensichtlich und wesentlich gestärkt wird. Der Minist« Fey, der nunmehr die unumschränkte Gewalt über die österreichische Polizei und Gendarmerie innehat, hat vor drei Tagen erst die ausdrückliche Erklärung abgegeben, er sei Faselst und strebe die faset- Jiuig-Danohratai. Der„FUhrer“ der DNSAP tarnt noch immer! Die demokratische Fron; hat eine unerwartete Verstärkung erhalten. Während doch Hitlers großer Sieg über Demokratie, Liberalismus und alles„Westlerische" angeblich letzten Reste dieser Ideen anstilgt, meldet auf einmal eine Partei, von der man es wenigsten erwartet hätte, zur Verteidigung Demokratie. Herr Rudolf Jung hat Parteivvrsland der Deutschen nationalsozialistischen Arbeiterpartei eine Rede gehalten, die ein flammendes Bekenntnis zur demokratischen Idee und zum demokratischen Staat darstellt. Er ist von Hitler, zu dem er doch einst ehrfurchtsvoll gepilgert war, in allen wesentlichen Punkten abgerückt und versichert der staunenden Mitwelt, daß seine Partei zwar dieselbe „Weltanschauung" verfechte wie die NSDAP, daß sic aber in keinem ihrer konkreten Ziele mit der Bruderbcwegung irbereinstimme. Es ist nur eines unerklärlich: warum man nach diesenn Referat, um alle weiteren Mißverständnisse zu beseitigen, nicht die Finna geändert und als die jüngste demokratische Partei Mttelenropas den sinnfälligen Namen Jung- Demokraten angenonnncn hat. Man kann jedenfalls begierig sein, wie sich die Jungdemokraten, ehemals Nationalsozialisten, nunmehr in der Praxis für die Demokratie betätigen werden, für die sic in der Theorie so schwärmen. Wir fürchten, sic werden uns bald die Erkenntnis lehren, daß alle Theorie grau imd daS Leben nach wie vor gelb ist. Aber Spaß— den es auch in diesen Tagen geben muß— beiseite! Herr Jung hat einen m e h r als d r e i st e n Versuch unternommen, seine bisherigen Alibis durch ein umfassendes nettes zu ersetzen, der Oef- fentlichkeit fuhrenweise Sand in die Augen zu streuen lend all« die blöd zu machen, die sich für die Prozedur hergeben. Wir unseren- teils sind aber doch ein paar Jahre früher aufgestandcn als Herr Jung und werden cs an der nötigen Aufklärung nicht fehlen lassen. Der„Führer" Jung erklärt zunächst, daß sich der„scharfe Griff ins Wespennest der jüdischen Frage" für das Auslandsdeutschttlm nicht günstig anSgcwirkt habe. Er könnte ruhig sagen: auch für das Deutschtum im Reich. Er legt Wert aus die Feststellung, daß er hier klarer sehe als Hitler. Es grenzt an Gotteslästerung, aber cs beweist nur, daß Jung auch zn der bereit ist, wenn das Mittel deni höheren Zweck dient. Wir werden cs schon lux!) erleben, daß Herr Jung ein„Pfui" auf das Dritte Reich attsbriugt, um cs hierzulande ilngestört vorbereiten zu können. Möglichcrtvcise aber hat er wirklich begriffen, was wir ihm seit einem Jahrzehnt oft genug gesagt habeir, daß der deutsche F a s c i s- ni u s die größte G e f a h r f ü r d a s A u S l a n d s d e u t s ch t n m ist. Wenn irgendwo, führte Herr Jung, Bismarck zitierend, des weiteren aus, einem Juden auf die Füße getreten werde, so schreie das Judentum auf der ganzen Welt auf. Ein zarter Ausdruck für daS, was in Deutschland geschehen ist! Plan hat die Juden außerhalb des Rechts gestellt, sic von den StaatSanstel- ltmgen völlig, ans den freien Berufen zur größeren Hälft«, von den höheren Schulen fast ganz ausgeschlossen; man hat Zchntau- sende jüdische Geschäftsleute ruiniert, Tausende Juden nur nm ihrer Religion oder Rasse willen eingckerkert, verschleppt, gefoltert, Dutzende ermordet und andere zum Selbstmord getrieben. Man hat sie aufs schändlichste verhöhnt und gedemütigt, tausendfach die Menschenwürde mit Füßen getreten und ein Beispiel gesetzt, das noch Jahrhunderte im Gedächtnis der Menschheit fortleben wird. Das nennt Herr Jung: man ist einem Juden auf die Füße getreten. Es lväre interessant zu erfahren, was Herr Jung denn ein Pogrom nennt! Seit« 2 SomtttMofl, 11. Mai 1988 9h. 110 Doch weiter: di« sudetendeutschen Nazi seien Demokraten. Sie seien erklärte Jung(vermutlich unter sckwllendom Gelächter der Zuhörer— n>enn diese humorvolle Rede überhaupt je gehalten und nicht. nur für die jüdische Presse niedergeschrieben\ wurde!) sie seien„echtere Temokra-i ten als die Sozialdemokraten". Zum Beweise dessen führt« er an, seine Par» tei sei nicht auf dem reinen Führerprinzip aufgebaut, sie habe eine demokratische Parte iverfassung.„Wo ist also Fascisinus, wo Diktatur?" Mit Derlaub SJcrt Führer, das liegt uns und der gesamten Oeffcntlich- kcit quittengelb auf. Ob die Nazi in ihrer Partei eine Diktatur haben oder nicht, läßt uns kalt, das ist Sache derer, die dieser Partei beitrctcn. Es handelt sich darum, ob diese Partei eine Diktatur über andere auf- richien will. Der Führer— der sich als solcher immer anstrudcln und feierlich begrüßen ließ, ein Miniaturhitler, aber doch ein Diktator-Aspirant— nininrt die Antwort vorweg: sie hätten auch n i e>n a l s eine A e n d c r u n g der tschechoslowakischen Perfas- jung in der Richtung der Diktatur verlangt. Sie hätten nie jemanden terrorisiert, nie aufacwiegelt, sie hätten sich außerhalb der Partei nicht einmal auf den Aricrparagraphen versteift. Das ist allerhand starker Toback! Es ist selbst da noch gelogen, wo es der Wahrheit entspricht. Natürlich hat die Jung-Partei niemals die Einsetzung der Gajdadiktatur verlangt. Aber ebenso wahr ist, daß sie seit zehn Jahren die Demokratie beschimpft, verhöhnt, bekämpft, daß sie in Zehntausend« Hirn« die dumpfe Romantik des Putschisinus cingehämmcrt, vor ihrer gesamten Gefolgschaft die Demokratie zum Gespött gemacht hat. Wahr ist, daß sie den Sturz der Demokratie in Deutschland herbeigcsehnt und mit frenetischem Jubel begrüßt hat und daß man nicht für Deutschland Fascist, für die Tschechoslowa- kei Demokrat sein kann. Mag sein, daß Herr Jung eine auStvechselbare Gesinnung hat, aber daS beweist nur, daß«in« seiner beiden lieber» zeugungen erlogen ist. Als den„A u f b r u ch einer Nation" hat der„Tag" am 9. März das Ende der Demokratie in Deutschland bezeichnet.„Sieg!" schmetterte er, als daS Wahlresultat bekannt wurHc. Sieg wessen? Sieg der Demokratie?„Einen Gruß ins Deutsche Reich!" hat Jung persönlich am 2. Feber Hitler entboten:„Als Grenzlanddeutsche und Nationalsozialisten begrüßen wir diese Wende.."— war eS die Wende zur Denwkratie? Als einen„Umbruch des ganzen deutschen Volkes, das sich von den Anschauungen des Liberalismus loSlöst" har Jung den Sieg der Hunnen am 9. März bezeichnet. Jahrelang war Hitler„d e r Führer" schlechthin, haben sie ihn angebetet und seinen Sieg herbeigesehnt. Sie hatten doch di« Uniformen uitd das Abzeichen, den Gruß und die Lieder, die Phrasen und die Lügen der Hitler- Partei übernommen. Den ganzen blutigen Terror der letzten Wochen haben sie„Tag" für„Tag" gebilligt, bejubeli und noch— im Fall Sollmann zum Beispiel— alü zu milde bezeichnet. Waren cs nicht die von Jung und seiner Presse erzogenen Spießbürger, die mit nassen Hofen, freudenselig, vor den Lautsprechern stanven, wenn Hitler Gemeinplätze eröffnete und Göring Blut und Jauche spie? Hat der„Tag" uns nicht angedroht, nun kämen wi r bald an die Reihe? Warum und wieso? In der Demokratie, durch die Demokratie wollten die Karg und Bohmanil uns a u S p e i t s ch« n, verschleppen und totschlagen? Nein, Herr Jutta, s o beweisen Sie uns ihre demokratische Gesinnung nicht! Wo man Prag, 10. Mai. Im Gefundhcitsausschuß des Abgeordnetenhauses wurde heute die Debatte über das letzte Exposee des Ministers fortgesetzt. Genosse Müller erKärt« dabei u. a, daß in der Frage der Bekämpfung der Joachimsihaler Bergkrankheit leider nicht alles Notwendige geschehen iei und etwaige Versuche,«in« Besserung herbei« zusührcn, von anderen Stellen durchkreuzt würden. Trotz den«imnüttgen Beschlüssen des Ausschusses, trotz der Exkursion nach Joachims« thal wurde kein« gründliche Abhilfe in den Nadiuingruben geschaffen. Die Staubentwicklung an der Bohrstellr, das Arbeiten in nassen Klebern und andere Umstände bedrohen weiter dir Gefund- heil der Arbeiter. Warum entschließt man sich nickt', die in der Denkschrift de- verstorbenen Genossen Pohl an de» Präsidenten Masaryk vorgeschlagenen Maßnahmen durchzuführen, warum beschreitet man nicht den im Antrag Pohl-Blalny aufgezcigten Weg? Der gute Wille des Gesundheltsminlsteriums wird leider durch das Verhalten des Arbeitenministeriums zunichte gemacht. Da müßt« der Herr Gelundheitsminister eben den notwendigen Druck ausüben! Die Kalkulation der Letriebssührung in Joachimsthal darf nicht allein nach rein kauf- Gilt und Gone speien die kommunistischen Blätter ,,Vorwärts" und.^Internationale" deswegen, werl wir den Abschluß eines Frcunüsck)afts- und Wirtschaftsvertrages zwischen Sowsetrußland und Hitler- Deutschland uns zu kritisieren erlaubt haben. Die Redaktion der deutschen kommunistische» Blätter ist so sehr auS dem'Häuschen geraten, daß sie vollkommen daS UnterscheidungSvermögen für daS, waS Wahr und nicht wahr ist, verloren hat. So schreiben die beiden genannten Blätter in ihrem Leitaufsatz vom 9. Mai: „Es ist ein« frech« Lüge des„Sozialdemokrat", daß die Sowjetunion gerade jetzt mit Deutschland in freundschaftliche Beziehungen tritt." Deingegenüber stellen wir fest, daß die Rati». fizierungSurkunde des deutsch-russischrn Abkom- >nenS am 4. April in Moskau zwischen dem deutschen Botschafter von Dirckien und dem Außenkommissär Litwinow auSgetauscht wurde und daß daS Protokoll hierüber ausdrücklich hcr- vorhebt, daß die beiden Länder bereit find, in freundschaftlich« Beziehungen zueinander zu treten. Diese Meldung wurde von der gesamten Sie kratzt, kommt unterstem Zivilkleid daS Bnrunhontd zum BöMbein. Stellen Sie Ihre Partei.^Jhr« Presse, sich selbst in den Dienst der Demokratie, daS heißt: kämpfen Sie gegen den Fascismus, gegen die Hunnenherrschaft, den Hit'lcrtvahn,. Hann wird man mit Freu- den Ihre Umkehr begrüßen und niemand wird Sie hindern, Demokrat zu sein.' Die Demokratie m. b. H., die Demokratie zum A ir S w c ch s e l n, mit der Sie uns hineinlegen wollen, ist kein Alibi. Hinter dieser Maske erkennen wir nur zu gut die sadistische Fratze des MordfasciSmuS! daß Sowjetrußland di« kommuni st i. chen Arbeiter Deutschlands preis, gibt. Mögen das di« Herren in der Reichenberger KarlSgast« mittun. DirSozialdemo- traten werden den mißhandelten kommuni st ischen Arbeitern Deutsch, lands die Solidarität halten. In dem Artikel, in dem uns di« kommunisti- chc Presse wegen unserer Kritik an dem Freund- chaftSvertrag Hitlers mit Stalin angreift, werden wir Sozialdemokraten als„Verräter der Arbeiterklasse, als fozialfafcistische Lakaien der Bourgeoisie" bezeichnet. Die wahren Klassenkämpfer sind nach Ansicht der kommunistischen Prcsie jene, welche, wie«S Stalin macht, dir von Proletarierblut befleckten Stiefel Hitlers küßen. Die Soldaten sagen aus. Brünn, 10. Mai. Der heutige VerhandlungStag war wiederum der Einvernahme einer Reihe von Soldaten gewidmet. Der Soldat Gustav Karger alarmierte, als er aus dem Kasernenhofe Geschrei vernahni, einige Soldaten der Hilfsrotte und lief auf die Wachstube. Unterwegs wurde er von Zivilisten angehalten Aehnlich sagen auch die Zeugen Ferdinand Baros, Adolf Horak und Jakob Haluza auS. Der ehemalige Gefreite Ernst Laube aus Brüx sagte deutsch aus: Beim Alarm lies er zu den Waffen, wo bereit- zwei Zivilisten standen, die mit Gewehren auf ihn zielten. Er kehrte zur Rotte zurück, bewaffnete fünf Soldaten und rückte gegen das Tor vor. Hiebei wurde vom Wachtzimmer aus gegen ihn geschossen. AlS ein Zivilist die Wachtstube verließ, gab Laube gegen ihn einen Schuß ob und verletzte ihn. AuS den Zeitungen erfuhr Laube später, daß die» der Angeklagte I a n d a war, der infolge der Verletzung einen Fuß verloren hat. Janda behauptet jedoch, er sei von einem Wachmann angcschosscn worden. Der Soldat Johann Wilda wurde, nachdem der erste Angriff abgeschlagen worden war, um den Fähnrich Test! geschickt. AlS er in feine Wohnung kam, fragte ihn TesSk, der blaß auSsah, was denn geschehen sei. Der Angeklagte Tessk bemerkt zu dieser Aussage, daß er nicht gezaudert habe, in die Kaserne zu kommen Nach der Pause wird als erster Zeuge Heinrich Kindermann verhört, der während ves lieber- fallet von dem Angeklagten Suslik durch einen Hüstenschuß von ÄckwärtS schwer verletzt wurde. Kindermann behauptet auch bei der heutigen Konfrontation, in 8 u 8 l i k den Angreifer zu erkennen. Die Aussagen der beiden nächsten Zeugen belasten den Angeklagten T e s S k. Der Fähnrich Floritn gibt an, Tesckk habe seinen Haß gegenüber dem heutigen Regime nicht verhehlt. Als Gajda seine erste Strafe absihen sollte, habe T c s ä k gesagt: „Wenn Gajda sitzen wird, dann werden wir ihn von dort holen." Der Stab-rottmeister Karl H- j e k sah am 21. Jänner abends vor dem Hause, in welchem Testk wohnte, daS Automobil K o b s i n e k S. Nach Beendigung dieser Zeugenverhöre wird eine Anzahl von Schriften verlesen, darunter eine Mitteilung deS Militärärar-, wonach durch den Einfall in die Kaserne ein Gesamtschade von 8725 Xi entstanden ist. Der Landesausschuß für Böhmen hat in s.i- ner am 10. Mai l. I. abgehaltenen Sitzung außer einigen lausenden Angelegenheiten 80 Gemeinde- budgcts erledigt und 80 Genieindcn die Einhcbung verschiedener Abgaben und Gebühren gestattet. Auf die ArbeitSonleihe beschloß der LandeSouS- schuß auS Landesmitteln 2 Millionen K, aus dem LandcSfondS 2,781.000 K, insgesamt also 4,781.000 zu zeichnen. Gefühllose Bürokraten im Arheilenminislerium. Genosse Planer urglert ausreichende Schutzmaßnahmen für die Joachlmsihaler Bergleute. mönnischen Gesichtspunkten erfolgen, da muß auch die Gesundheit und da» Leben der 400 Bergknappen al- einer der wichtigsten Faktoren mit in» Kalkül gezogen werden! Tausend« kranke Menschen er- hassen ja von den Radiumkuren Heilung und finden sie auch; die» darf jedoch nicht mit Siechtum und Tod d«r Bergarbeiter erkauft werdenl Redner führte weiter darüber Beschwerde, daß di« vom Arbeitenministerium bewillig«« Urlaube vielfach durch di« Lohnpolitik der Betriebsleitung illusorisch gemacht werden. Bei den geplanten neuerlichen Feierschichten würden di« Avbeit«r per Woch« einen Lohnausfall von 40 bis 50 X erleiden; das bedeutet ei« weitere Verschlechterung ihrer Ernährung. Hier muß das Gesundheitsministerium eingreifen, um diese Plan« der staatlichen Grub««Verwaltung zu durchkreuz«»! Genosse Müller verlangte weiter, daß daS Gesundheitsministerium auch der H«i l f ü r s o r g« für Arbeitslos« da- größte Augenmerk zuwende und dies« Einrichtung im Ei>w«rnohmen mit dem Fürsorgmninisterium entsprechend ausbaut und sichert. Die Möglichkeit der KrairkeichauSpfleg« muß namentlich für di« auf dem Land« wohnenden Arbeitslosen ein« Verbesserung erfahren. Zur Verhütung von Berufsschäden und BenosStraickheitcn wär« di« Einstcllung von ärztlichen Gewerbeinspektoren dringend notwendig. Weltpresie gebracht, sie wird von keinem kommunistischen Bstrtt denrentiert, entspricht also vollkommen der Wahrheit. ES ist also wahr, daß di« Sowjetunion gerade jetzt niit Deutschland in freundschaftliche Beziehungen tritt. Die beiden kommunistischen Blätter suchen daS Vorgehen Sowjetrußlands damit zu entschuldigen, daß bereit- durch den Vertrag von Rapallo, den Rathenau mit Tschitscherin abgoschlosten hat, freundschaftlich« Beziehungen zwischen Sowjetrußland und Deutschland anoeknüpst wurden. Die Herren Kommunisten vergessen nur, daß damals Rußland mit einem demokratischen Deutsch, land einen solchen Vertrag abgeschlossen hat und jetzt mit einem f a s c i si i s ch e n Deutschland. Wenn auch dem„Vorwärts" da- demokratische Deutschland dasselbe bedeutet, wie daS fascistische, so ist daS für uns und alle anderen normalen Menschen doch etwas andere-. ES ist eNvaS anderes, dem Außenministcr eine- demokratischen Deutschland die Hand zu drücken oder, wie eS Litwinow getan hat, mit dem Außenministcr einer Regierung zu frühstücken, welche di« Arbeiter brutal nicderknüppeln läßt und in Konzentrationslagern mißhandelt. Es ist eine Schande, 45 MM MM MM M Kaehdmek verboten. KARI UND DAS 20. JAHRHUNDERT jjj Roman von Rudolf Brunngraber Copyrlglh bj SodetlU-Verlag, Frankfurt am Main 1033 ES Aber was dem einen auS dem Leib gerissen wird, läßt sich dem anderen nicht kurzerhand als Fett ansetzen. Ungeachtet fuhr Frankreich fort, dem Rat Norman AngellS, daß der Sieger den Besiegten schonen müsse, falls er nicht wirtschaft- lich Selbstmord begehn wolle, entgegen zu han deln. ES sorgte dafür, daß die großen internationalen Konferenzen deS Jahre- 1922 in Washing ton. Cannes, Genna negativ verliefen— nach Genua allein ichickie«S seinem Delegierten Bar- thou 800 bremsende Weisungen— und eS führte Europa an den Abgrund indem eS das Ruhrgebiet besetzt«. Zum Anlaß dafür nahm e-— obgleich Deutschland bisher mehr als das Dreifach« der Kriegsentschädigung von 1870 geleistet hatte—, daß die Kohlenliescrung von 1922 gegenüber der in Sva zugesicherten Menge einen Ausfall von acht Prozent zeigte. FürS erst« bemächtigte sich Frankreich der Bergwerke, RcichSbanksilialen und Eisenbahnen deS Ruhrgebiets. Das Gutachten deS englischen Kronjuristen, der die Invasion als Bruch des Versailler Vertrags darlegte, konnte es verwin den. Trotzdem war die Duldung, die fein Borgehn im Völkerbund fand, erstaunlich, weil«S.in f. der-Hand lag daß mit Deutschland Europa ge- Plündert werden sollte. Aber eS war nicht nur eine chaotische Zeit und es gab nicht nur Kräfte- unterschiede in Europa. eS gab selbst in Deutschland Nutznießer diese- Krieges im Frieden. Hugo Stinne- sah in dem Ruhremmarsch einen kurzen S. Weg zur Monopolisierung der Rheinlandrohstosse, zur Vereinigung seines Vorteils mit dem der französischen Großindustriellen. Ein Vorhaben, das vorderhand nur durch das Dazwischentrcren englischen und amerikanischen Kapital- vereitelt wurde. Im übrigen aber blieb da- Reich seinem Schicksal überlasten. Passiver Widerstand gegen die Vergewaltigung, di« 180.000 Deutsche aus ihrer Heimat vertrieb, Aushebung des passiven Widerstand-, Proklamation(mit französischem G:ü> und französischen Revolvern) einer selbstän-' üigen Rhemlandrcpnblik in Aachen, einer Freien Pfalz in Kaiserslautern. Bürgerkrieg um die Rathäuser von Koblenz, Bonn, Düsseloorf, Krefeld, Trier, Mainz, Wiesbaden, in Münck)«n und Küstrin Rechtsputsche. in Sachsen nnd Thüringen kommunistisch« Erhebungen, Blut und Barrikaden in.Hamburg und Berlin, in Dresden und Zittau, 5 Millionen Arbeitslos« und Teuerungsunruhen in allen Städten, Zusammenbruch der Wirtschaft und Entwertung der Mark von einem Jännerdollarknrs von 15.000 auf einen Oktoberkurs von einer Milliarde,— das war der dentsche Sturz durch das Jahr 1928. Anfang November schuldete das Reich der Reichsbank 191 Trillionen Mark. Tas 60-Mil- lioncnvolk in seinen 60 Großstädten, das seit einem Menschenalter mit seiner Arbeit unter dem halben Hundert Avisierter Nationen an dritter Stelle gestanden«alte, schien in ein mathemati- 'chcs Nichts gewirbelt zu tverden. Allein die Spannung zwischen dieser deutsck-en Reichsbank, die auf einem Maelstrom von Papier trieb, und der Federal Reserve Bank der USA., di« bis unter die Wolken hinaus von Gold starrte, war über dem Boden der«inan Erde aufgerichtet, aber die Erd« war nicht mehr weit genug für derlei unmäßig« Manöver. Es konnte der eine nicht mehr ohne den anderen leben(eS lei denn, der andere wär« so klein gewesen, daß man ihn zur Gänzr hätte verspeisen können). Dieses Gesetz der Kom- munikation hatte selbst für Rußland Geltung, das nach Ansicht der in Permanenz zu Gericht sitzenden anderen Meirschheitshälfte überhaupt nur Schulden und Verbrechen aufzuweisen hatte. Zwar Höst« diese Menschheit nicht auf, di« Sowjetunion wie di« Pestilenz zu bekämpfen, ab«r ie vermochte es— Deterding ausgenommen, der cs die-mol mit einem Aufstand der kaukasischen Stämme versuchte— nur mit ihrer Preste zu tun und im übrigen übertrumpfte ihr« Logik, die die der Geschäfts ist, sich selbst: die boykottierenden Staaten von gestern begannen ihre Maschinen und Ingenieure nach Rttßland zu exportieren. Möglich, daß sie meinten, sich diese Erweiterung ihres Blutkreislaufs leisten zu können. Tatsächlich hatte Lenin jene Starre der Ide«, die die einzig.' Garantie ihrer Verwirklichung ist, verlosten.„Der Kapitalismus," hatte er 1921 gesagt, nachdem er achtzehn Jahre von seinem Londoner Standpunkt keine Handbreit abgewichen war,„der Kapitalismus ist im Vergleich zum Sozialismus ein Ucbcl, aber im Vergleich zum Mittelalter ist er ein Segen." Und Lenin hatte di« neue ökonomische Politik eingeleitet, einen Kaps» talisnius auf Kündigung, der das Ende der rcvo- I lutionären Idee bedeutet haben würde, tzlber Lenin war schon vom Tod überschattet und hinter Kalinin, seinem nominellen Nachfolger(1924), wartete bereits Stalin. Stalin, der(1921) di« Garde der Revolution, 3000 Kroustädtcr Matrosen, l-atte erschießen lassen, weil ihnen daS Paradies nicht schnell genug gekommen war. Stalin, der noch zu ganz anderen Maßnahmen entschlossen ivar als zir der, für den sterbenden Lenin ein eigenes Eremplor der„Prawda" drucken)u lassen. Keinesfalls ermaß die Welt, was für ein Rußland sie hinter diesem Mann in ihren Völkerbund aufzunehmcn gedachte. Aber wie sie ansonsten alles in ihr Gesetz zwang, so stand sie auch selbst unter ihrem Geletz, unter der profitwirt- 'chafllichcn Ueberlcgung, die IN kritischen Augenblicken als ein« durch die Wirtschaft erpreßte Vernünftigkeit in Erscheinung tritt. Di« gleichen Leute, di« 1919 nach Reparationen geschrien hatten, begannen nun nach einer rentableren Hand- babung dieser Erfindung zu verlangen. Das hatte schon 1922 Lloyd George daS Amt gekostet, als hinter Stanley Baldwin di« alte Firranz und die Aristokratie, die Banken und die Grundbesitzer wieder ans Ruder gekommen waren, und daS grub nun auch Poiucarü zugunsten HerriotS daS Master ab. Und die USA. entschlossen sich, wieder Kredit« zu geben. Damit war Helfferich die Atmosphäre für das Rentenmarkivunder bereitet. Er stabilisierte, innerhalb von acht Tagen und entgegen dem Urteil aller Bankfachleute Deutschlands, am 20. November den MarkkurS mit 4.2 Billionen für den Dollar, wobei er die Papiermark zu einem Bör- cnturs von einer Billion für ein« Rentenmark einlöste. Als im Mai 1924 die Dawes-Kommission nach Berlin kam, staunte sie über diesen Staat, der nahezu seine ganze innere Schuld, fast die gesamte Goldanlcihe 1923 und das Notgeld auS laufenden Einnahmen abgetragen hatte. Unter ivelchen Uniständen für den einzelnen war ein« andere Frage. Im Juli 1924 tag!- die i Londoner Konferenz, aus der neben Herriot der amerikanische Botschafter Kellogg!aß, neben Foch Lamont von den Morganbanken neben Degoulte Swen?)oung. der Präsident der General Electric Co. Diesc Konferenz reduzierte nun, nach den Jahresraten zu schließen, die Reparationshöhe' aus 48 Milliarden Mark. Europa konsolidierte sich, die zuoberst liegenden Wunden vernarbten. Der 137. tote Deutlche war der letzte,- der dem Ruhreinbruch zum Opfer siel, und oen nach der Insel Saint Martin de Rä Deportierten wurd« die Freiheit wicdergcgeben. Selbst der Wicder- aufbau der zerstörten französi'chen Gebiete stand nahe vor seiner Vollendung(1923). Bon den 725.000 zerschossenen Gebäuden waren wieder aufgerichtet 575.000, von den 4.700.000 geflüchteten Einwohnern ivaren wieder zurückgekehn 4,100.000, von den 2 Millionen Hekia> verwahrlosten Ackerboden- waren wieder arpflügt 1,600.000.'(Fortsetzung folgt.) Rr. 110 Donnerstag, 11. Ma? 1033 Seite 3 Ea Die Tscheka des Herrn Killinger: SA-> erklärte, Furcht fei keine zittern, wenn sie heute in ist das Gebot der stunde, darum muß Jeder Genosse und Jede Genossin einen neuen dieser für unser Parteibiatt werben. diese aber seien gering großen Wert der Verein- ein Ter- Am IO. 21pril und 1. Mai wurde inStern-1 gehuna von Straftaten nach§§ 2 und 17 des berg ein Achtzylindcr-Horch-Wagen gesichtet, der' Nepublik-Schutzgesetzes besteht. * Tetschen, 10. Mai.(OPB) In Ober-Eirund bei Telsche» wurde am Dienstag in der Wohnung des Hövers der Abteilung der Landwirtschaftlichen Hochschule in Liebwerda, Fran; Puckler, eine Durchsuchung vorgenommen, wobei von der Gendarmerie verschiedenes Material beschlagnahmt wurde. Puckler wurde später in einem Gasthaus in Tetschen verhaftet und in die Haft des Kreisgerichtes in Leitmeritz eingeliefert. Die Verhaftung Pucklers steht i» Verbindung mit der Untersuchung gegen IUC. Bernhard Adolf und erfolgte auf Ersuchen der Polizeidircktion in Prag, da gegen Puckler der Verdacht der Be- Hitlers Leutnant vor der Welt blamiert Die„Falle“ der Ladu Oilord und Ihr Gefangener Rosenberg PßRinn als nathsfes AnnrlMel? Peking, 10. Mai. Der Gesandte der Bereinigten Staaten Johnson teilte gestern mit, die amerikanischen diplomatischen Vertreter und die Militärbehörden in Nordchina seien bereit, bei «r Evakuierung der Ausländer nritzuwirkcn. Diese Erklärung ist die Antwort auf die Anfrage des japanischen chargs d'afsaires, der auf die Möglichkeit eines japanischen A n- griffes auf Peking aufmerksam machte. Die japanischen Militärabteilungen und die rlbteilungcn des Mandschukuo-Staates marschieren inzwischen südlich der Großen Mauer vor. W Angriff richtet sich auf Peking und auf Tientsin. Japanische Flugzeuge belegten Mijun, «Meilen nordöstlich von Peking mit Bomben., die Völker, bei denen Sitte und Gesetz noch etwas gelten, beglückwünschen Herrn Hitler neidlos zu dem Erfolg seines manierlichen und„vornehm zurückhaltenden" Abgesandten. Man winde ihm einen Lorbecrkranz. Die„TAZ." wird gerne bereit sein, ihn zu bezahlen. Hitler!" rufe, dann würde cs sich lächerlich machen." Bemerkenswert ist der fettgedruckte Schlußsatz, mit dem die„TAZ." den Bericht über die für Rosenberg so blamable Unterredung beendet: Man kann noch dieser Unterhaltung kaum sage», daß Lady Oxford etwa fetzt eine besser« Meinung Uber die Zustände in Deutschland hot. Der galante Herr Rosenberg, der so nehure Zurückhaltung und so wenig Geist und Klugheit gezeigt hat, wird der„DAZ." sicherlich bescheinigen, daß sich die Meinung der Lady Oxford über die Zustände in Deutschland durch die Unterredung mit ihm nicht mir nicht gebessert", sondern eher verschlechtert hat. die Ausrottung von Marxisten und Jude» an. In allen Stadtbezirken und aus den Dörfer» haben die SA-Leitungen Listen mit Namen von Funktionären der Linksparteien ausgestellt, di« nach der Machtergreifung miß- i handelt und verschleppt werden sollen. C— Leute haben versucht, einen aus Berlin nach Danzig geflüchteten Schriftsteller zu entführen. Ständig findet Zuzug nationalsoziallsti» scher Sturur-TruppS aus den» Reich statt (Bayern und Berliner„Mordsturm 33"). Für den 20. Mai ist die Ankunft von 300 SA-Leute» aus Königsberg, Elbing und Berlin angekündigt. Prominent« SA-Führer erklären, daß sie die SA-Leute nicht unchr in der Hand haben. Die, Regierung greift nicht ernsthaft gegen das Treiben der Nationalsozialisten ein. Die. Danziger Schutzpolizeibeamten sind r e st l o S der N a t i o n ä l s o z i a l i st i s ch c n Partei beigetreten. Auf einer Polizci-beamten- t tagung erklärte ein Nazi-Abgeordneter im Beisein des Kommandeurs der Schutzpolizei, daß' der Polizei„die Treue zum deutschen Volke\ Was mag Rosenberg von Sir Simon gehört haben? London, 10. Mai.(Reuter.) Auf eine Anfrage über die gestrige Unterredung mit dein Chef des AußenamteS der NSDAP Rosenberg vor-1 teilte Außenminister Sir John Simon im Unterhause mit: Rosenberg gab mir einige Informationen über die kürzlichen Begebeicheiten und die Innenpolitik in Deutschland. Mit der gleichen Offenheit legte ich ihm die über diese Dinge in Großbritannien herrschende Meinung dar. höher steht, als die zur Verfassung der Freien Stadt Danzig". Staatsbeamte und SA- Leu te seien eine unlösbare Einheit geworden. Ter gleiche Abgeordnete Greiser, wird von den Nationalsozialisten als künftiger Polizei-Senator präsentiert. Eine Hundertschaft Danziger Schuhpolizeibeamter veranstaltete mit SA- und SS-Stur- men gemeinsam ein« Demonstration. Die Polizeibeamten trugen Hakenkrrnzsahnen und Hakenkreuz-Armbinden. Bei den Versammlungen der Schutzpolizei und Kriminalpolizei befinden sich im Saale die deutsch« Reichsflagge und die Hakenkreuzfahne. Der Vorsitzende der Organisation der Kriminalbeamten, einschließlich politischer Polizei, erklärte, die Kriminalbeamten würden die ersten sein, die anf dem Dach des Polizeipräsidiums die Hakenkren; f ahne hissen würde n. Der Leiter der Kriminalpolizei war bei dieser Äenßerung zugegen. Die Danziger Kriminalbeamten sandten ein Glückwunsch-Telegramm an Reichskanzler Hitler mit der Unterschrift„Danzig, Polizei- Präsidium". Die Polizei führt die Per folgung von Straftaten rechtsradikaler Elemente nicht durch. Be kannte, an Gewalttaten beteiligte Personen, werden nicht scstgcnommen und unter Anklage gestellt. Polizcibcamte auf dem Lande weigern sich gegen nationalsozialistischen Versammlung? terror einzuschrcitcri. Die nationalsozialistische Presse droht ungestraft mit der Entrechtung großer Teile der Danziger Bevölkerung(Sozialdemokraten und Juden). Nationalsozialistische Presie-Bcschimp fnngen gegen den Senat werden nicht aeahndcl, dagegen die Zeitung„Tas iüdischc Volk" wegen Abdrücke einer Polnischen Vesthwerdruote auf 3 Monate verboten. Die nationalsozialistische Presse kündigt an, Beamte, die den Linksvarteicn au gehören, mit verfassungswidrigen Maßuahm--" aus dem Amt zu entfernen. * Angesichts dieser Tatsachen, ist die Danziger Bevölkerung ausS schwerste beunruhigt. Sie erwartet, daß bei einer Machtergreifung durch die Nationalsozialisten der nationalsozialistische Terror mit ungeminderter Wucht ans sie ein- dringt. Ein nationalsonalistisckies Danzia bedeutet aber nicht nur RrchlSlosigkeit und Unterdrückung der Bevölkerung, sondern auch eine schwere Gefahr für den enropalschen Frieden. Ein« nationalsozialistisch« Regieruna würde keine Gewabr bieten für den Weiterbestand de? staatlichen Eigenlebens und die Ausrechterhal- jung der wichtiaen internationalen Stellung der Freien Stadt Danzig. Die Danziger Bevölkerung erwartet deshalb Schntz vom Völkerbund, insbesondere von dem Hohe« Kommissar, der in erster Linie dazu f*' rufen ist. Was wird ans Ranzig? Die Freie Stadl vor der Besitzergreifung dsirda die Nazis. Die Freie Stadt Danzig und ihre fried liebende Bevölkerung stehen in Gefahr, Opfer des gleichen nationalsozialistischen rors zu werden wie das Deutsche Reich. Bolkstagswahlkampf zeigt bereits die Richtung an, die oie Entwicklung der Danziger Politischen Berhältnisic noch dem Willen der Nationalsozialisten nehmen soll. Folgende Tatsachen sprechen eine eindeutige Sprache: Ununterbrochen ereigne« sich Straßenüberfälle von Nationalsozialisten aus Arbeiter, Juden und Polen. Nationalsozialisten drangen mit Gewalt in Arbeiterwohnungen ein und verprügelten die Bewohner. Auf ein jüdisches SpeisehauS sind zwei nationalsozialistische Anschläge erfolgt, ein« mittels eines ExplofivkörPcrS. Nationalsozialisten versuchen einen Bov- kott jüdischer und polnischer Geschäfte durch» zusühren. Aus dem Lande werden Versammlungen anderer Parteien, insbesondere sozialdemokratische. durch SA-Stürme verhindert. Die nationalsozialistische Presse kündet offen VmiiM Mensdienraub Verhafteter SS-Mann gesteht Eger, 10. Mai. SamStag, den 6. Mai, abends überraschte ein Organ der tschechoslowakischen Grenzfinanzwache in der Nähe von Schönbach in einem Walde etwa 200 Nieter von der Grenze entfernt einen Mann in Zivil, der mit einem Feldstecher Ausschau hielt. Das Finanzwachorgan verhaftete de» unbekannten Mann, bei dem ein geladener Revolver und sieben Grenzausweise vorgesunden wurden. Der Verhaftete wurde nach Eger überstellt, wo festgestellt Wurde, daß es sich um den 30jäh- rigen Fritz Leonard, von Berus Mandolinenerzeuger, aus Markneukirchen in Sachsen handelt. Leonard gab au, daß er mit fünf anderen nationalsozialistischen SS-Männern auf tschechoslowakisches Gebiet gekommen sei, um den deutschen Kommunisten Lippert, der aus einem Konzentrationslager entflohen war, und hier im Wald««ine Zusammenkunft mit seiner in Deutschland zurückgebliebenen Fra« haben sollte, abzupasseu. Die übrigen SS-Männer hielten sich im Wald« versteckt und Leonard ging mit dem Feldstecher auf eine Anhöhe, um nach Lippert Ausschau zu halten. Seine Begleiter entflohen, als sie bemerkten, daß ihr Führer verhaftet sei. Leonard gestand, daß er Lippert zwingen wollt«, sich Von den SS-Männern nach Deutschland absühren zu lassen: im Weigerungsfälle sei er entschlossen gewesen, Lippert zu erschießen. Auf Grund diese» Geständnisies wurde Leonard dem KreiSgericht Eger eingeliefert. ES wird gegen ihn ein Strafuntersuchungsverfahren nach 8 00 des Strafgesetzes(öffentliche Gewalt, tätigtest und Menschenraub)«ingeleitct.— Aus den Kopf des geflüchtete» Kommunisten war eine Prämie von 1000 Mark ausgesetzt. Breslauer SA föhrt durch nähren. Grenze. Raub" und Mordabsichten. eine Hakenkreuzflagge trug und trotz dieser Flagg« auf seiner Fahrt merkwürdigerweise keinerlei Anstände hatte. Der Wagen trug die Nummer 34.430 und war mit Mi.'gliodcrn der Breslauer SA, Sturm Mitte-Waldmann, besetzt. Die Insassen waren ebenfalls mit Hakeiikreuzen geschmückt. Am 4. Mai fuhr der Wagen wieder durch Sternberg. Nazl-Verhaitnngen. Komata», 10. Mai.(C. P. B.) Gestern wurden in den Wohnungen mehrerer deutscher Nationalsozialisten Hausdurchsuchungen vorgcnom- men, die mit den Gerüchten in Zusammenhang gebracht werden, denen zufolge in Komotau ein .reichsdeutscher SA.-Mann Verbindung mit hiesigen Nationalsozialisten gesucht habe. Ter 32jäh- rige Privatbeamtc Alphous Schuldes und der 27jährige Maurer Josef Fischer sind festgc- nommen worden. Auf dem Sattelberg bei Peterswald, wohin die Pcteräwalder Ortsgruppe des nationalsozialistischen Gewerkschaftsbundes eine N a ch t w a n- d e r u n g unternommen hatte, tvurde der Obmann dieser Ortsgruppe Emil Hacker verhaftet und dem Bezirksgericht in Karbitz cinge- liefert. Di«„Deutsche Allgemeine Zeitung", ein beutschnationaleS Organ, das zu Hitler in vcr- bittert-verhalteycr Opposition steht, berichtet auf- fallender Weise viel ausführlicher als die AuS- landsblätter über die Unterredung, die der außenpolitische Leutnant Hitlers, Arthur Rosen- berg, mit Lady Oxford in London hatte. Die„DAZ." schildert die„vornehurc Zurück- Haltung", die Roseicherg der Lady gegenüber gerbt habe; er— welch ein Naivling!— habe allerdings nicht wissen können, daß eine Dame der englischen Gesellschaft die private Unterredung dazu„mißbrauchen" würde,„um die Presse gegen die deutschen Besucher aufznhetzen". Die Sache hat sich in Wirklichkeit so abge. spiest, daß Rosenberg, der von den amtlichen englischen Stellen sehr unfreundlich empfangen tvorden war, um di« Einladung zu Lady Oxford eifrig bemüht gewesen ist. Die Dame hat ihm beit Gefallen getan und ihm bei dem Dcisammen- stin, ohne sich zur Diskretion verpflichtet gehabt zu haben, die derbsten Wahrheiten ins Gesicht gesagt— ja, man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß sic Herrn Roseicherg, mit bem ja ein Kulturmensch sonst nicht Umgang pflegt, nur zu diesem Zweck zu sich kommen ließ. Die Lady hat aus ihrem.Herzen wahrhaftig leine Mördergrube gemacht und.Herrn Rosenberg, wie die„DAZ." berichtet, sofort die unan- genehnisten Dinge gesagt. Der Diplomatische" Leutnant des Hunnen- kmzlerS verteidigt« sich mehr schlecht als recht und warf der Lady Bälle zu. Die Lady sagte ihm zur Begrüßung, er sei ein„mutiger" Mann, da er in ein Laich komme, wo er nur eine Meinung fiichen werde über die Grausamkeiten und D u m m h e i t c n, di« seine Regierung begeht. Sie hoff«, daß er alle wichtigen Männer in England sehen werde, die sich sicherlich ihrer eigenen Meinung anschließen wüchen.— Bissig bemerkt die„DAZ.":„Rosenberg sagte, er hätte diese Absicht." „Lady Oxford fragte ihn, ob Hitler denn "keinen Gott hätte, untd warum er denn wrnigftens nicht diejenigen allein ließe, di« einen Gott hätten. Rosenberg antwortete: Sie hätte dagroße Werk und die wunderbaren Talen vollkommen mißverstanden, die Hitler getan hätte. Er ielämps« nicht Religion als solche, sondern die Menschen, besonders die Juden, von denen er Visse, daß sie seiner Regierung feindlich seien. Er hätte die Jugend von der Faulheit, der Verzweiflung und dem Hunger gerettet. Die Menschen in Deutschland seien heute all« wieder glücklich, geschäftig und voll von Idealen. Lady Oxford warf ein, dir- gelte nicht von Deutschlands großen Männern, sondern nur von seinen„Schaseu". Sie fragte ihn nach dem Schicksal der Gelehrten, der Mediziner, der Juristen, der Musiker und Literaten, all derjenigen Männer, die Deutschland groß gemacht' hätten. Rosenberg antwortete: Diese Dinge würden sich beruhigen. Keine Revolution von einem solchen llmfang und einer solchen Vollendung könne durchgeführt werden ohne einige Ungerechtigkeiten, im Vergleich zu dem heitlichung. Lady Oxford Einigkeit. Sie würde Deutschland wäre(!). Rosenberg erklärte, die Nationalsozialisten wünschten, daß das Volk auf ihrer Seite lei. Tie Juden aber seien gegen sie. Nach dem Kriege hätten sie alle die besten Plätze erobert, sie seien bestechlich und hätten den Kommunismus ae- föidert. Lady Oxford meinte, es seien Gehirne, di« ein Land groß machten, und wenn Deutschland feine Gehirne vertreibe und imr noch„Heil Das„rallende“ Kapital ist znlrleden. In einem Berliner Börsenbericht der„Prager Presse" vom 7. Mai heißt es bezeichnender weise: „Gewifle Perspektiven für die deutsche Erpori industrie eröffnen sich durch den englisch.russischen Handelskrieg. Berücksichtigt man, daß die Besse rung der Aktivität der deutschen Handelsbilanz im Monat Mörz im wesentlichen aus daS R u s s e n g e s ch ä s t zurückzuführcn war, so erhellt, welche Bedeutung eine weitere Ausdehnung des Handel.) Verkehrs mit der Sowjetunion für Deutschland ge Winnen kann. Guten Eindruck hat aus die Börse auch die Entpolitisierung der G c w e r k schäften gemacht, da hierdurch nun auch die großen Arbeitnehmerorgauisationcn in die„natio nalc Wirtschaftspolitik" eingeordnet sind. Schließlich sei unter den psychologisch wirkenden Antriebamomenten für das Äktiengeschäst noch dir nationalsozialistische Stellungnahme zur Börse hrrvorgehoben, die, indem sie dir Notwendig- keit der Börse entgegen den biührrigen vielfach widerstreitenden Ansicht«« brjaht, stärkste Beachtung verdient. Gewarnt wurde lediglich davor, sie Börsenspekulation in einer die Regierung»- Pläne etwa störenden Weis« zu mißbrauchen. Tas„raffende" Kapital, das nach den Grundsätzen der Hakenkrcuzler„obgcschafft" werden soll, ist also mit Hitlers Politik ganz zufrieden. Das aufgcnordete Deutschland ist froh, mit den russischen Marxisten weiterhin gute Geschäfte machen zu können, es hat zur großen Freude des„raffenden" Kapitals die sozialistischen Gewerkschaften abgemurkst und läht die früher so sehr geschmähte Börse bestehen. Bon dem an geblich im Handuindrehcn in Erfüllung gehenden Dirtschaftsprogramm der Nazi ist zur großen Enttäuschung der vielen Nachläufer aus ocii Kreise» der Arbeiter, Angestellten sowie des Mit telstandes noch verteufelt wenig zu sehen. Hitler hat wohl alle Ursache, seinen besitzlosen Trabanten nun Geduld und Ausharrcn zu cmp- fchlen. Diese werden aber früher, als Hitler lieb sein mag, lvülcnd erkennen, daß sic gründlich- gcuarrt worden sind. Seite 4 Donnerstag. 11. Mai 1938 Nr. 110 Tagesneuigkeiten hiermit, irgendein Stück au« der Wohnung zu ein Es als der die Siebung der K^sienlotterir Die Prämie von 1.5 Millionen Kronen entfiel auf Vos mit 2000 K gelogene Los Nr. 92.963. Der glückliche Gewinner ist ein Karlsbader, ein Vereins> sckrctor, der das Los von der Karlsbader Filiale der Fa~' Lustige Erinnerungen an die Radiosenvu». geu vor lv Jahren: Am 18. Mai wird er zehn Jahre, daß der tschechische Rundfunk in einem Holzhouse in Kbely unter recht primitiven Verhältnissen mit einer 1 KW-Station leine Sendungen oufnohm, wobei das„Atelier" aus einem Skautzelt« bestand, in dem einfache Telephonmikrophone angebracht waren. Auf einem Podium stand ein Klavier, das infolge der W:t- terungscinslüsse überaus verstimmt war. An diesem Tage wurde von 20 bis 21 Uhr ein Konzert gesendet. Draußen wütete ein Sturm, wie er schon lange nicht hereingebrechen war. Jeden Augenblick dachten die Mitwirkenden, daß der Swrm ihnen das Zelt wegreihen würde. Da kam plötzlich ein kleiner Hund ins Zelt herein, der Schuh vor dem Regen suchte und begann nun als Partner von Frau Topinkova, die das Gesangssolo innehattc, zu debütieren. Plötzlich waren wir vergnügt. Tranken Tee, rauchten, bis Mitternacht gekommen war. Dann schlichen wir leise auf den Boden und holten die Koffer herunter. Andere Genossen holten aus ihren Wohnungen und von ihren Böden Kisten und Aktenmappen. 1l>n 2 Uhr nachts konnten spät Heimkchrendc folgendes Bild an meiner Haustür beobachten. Alle paar Minuten schlich jemqnd auf Zehnspihen hinaus. Beladen bis obenhin. Der Genosse Schauspieler trug Yvei Eimer, eine Teppichkehrmaschine und einen Handkoffer mit Büchern. Ihm folgten zwei Genossen Schriftsteller mit Sofa und einer Stehlampe bepackt.„Endlich mal wieder Arbeit," sagten sie. Wir anderen brachten Porzellan, Wäsche, Kleider.in Sicherheit. Eine sonderbare Prozcsiion zog Straße auf und Straße ab. Bis der Morgen dämmerte. Da hatten wir's geschafft. Zu guterleht hängten wir dem Wirt als einziges Ueberblcibsel Escrnes Kreuz 2. Klasse an W Wand, stammte vom Baier einer Genoflin, der deutscher Jude auf dem sogenannten„Feld Ehre" gefallen>var. Trotzdem hatte man Tochter— eben wegen dieses jüdischen Vaters— im Betrieb gekündigt. Nun wollte sie auch von dem Eisernen Kreuz nichts mehr wissen. Unser Auszug war beendet. Vom Standpunkt des bürgerlichen Rechts aus könnte man ja gegen diese Art meiner„fristlosen Kündigung" etwas einzu- tvenden haben. Vom Standpunkt der Solidarität aber war es eine gcluirgenc„Aktion". Im übrigen mache ich mir keinerlei Gewissenbisse: denn hat Hitler unü„Marxisten" gegenüber nichi das „bürgerliche Recht" längst außer Kraft gesetzt? Katja. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Freitag. Prag: 6.15 Gymnastik. 11.09 Schall-platten. 16.55 Konzert. 18.25 Deutsche Sendung: Prof. Dr. Jnchofer: Dor gesundheitlich« Wert des Gesanges. 19.10 Zum Muttertag. 19,50„Zwei Witwen', Sing, spiel von Smetana.— Brünn: 16.10 Orchesterkon- zcrt. 18.28 Deutsche Sendung.— München: 18.05 Irische Volkslieder. 20.20 Goethelieder zur Laute.— Berlin: 18.10 Schubert.— Leipzig: 21.15 Thomas Lausbubengoschichten.— Hamburg: 20.00 Ein deutsches Requiem.— Königsberg: 20.15 Sha. kaspeare und Verdi.— Frankfurt: 16.00 Liebeslieder. — Wien: 19.05 Operettenabe ich. 21.00 Paul Hinde- mich. 19.165, 38.752, 75.511, Der khrudimer Brandstifter festgenommen. Der Urheber des gräßlichen Brairdunglücks in der Ehrudimer Gegend, welchem ein Menschenleben und wertvolle Sachgüter zum Opfer gefallen such, wurde in der Nacht auf Sonntag von der Gendarmerie verhaftet. Es ist der 36jährigc Joses Kafka aus Lipovcc, welcher zwar seine Schuld noch leugnet, aber durch die Abdrücke seiner Schuhe, welche mit den am Tatort gefundene» Spuren übcrcinstimmen und durch Drohungen, welche er kurz vor dem Ausbruch der Brände aussprach, belastet wird. Kafka wurde schon einmal wegen Brandstiftung verurteilt. In seiner Wohnung machte die Gendarmerie noch einen zweiten guten Fang. Bei Kafka wurde der seit langem gesuchte 31jährige Defraudant Fran; Jirüsek aus Doubrava gefunden und verhaftet. ........ der Hana: Vor kurzem wurde auf einem Felde in der Nähe des Ortes die verstümmelte Leiche des Brauers Fr. K o n u p k a gefunden, der von einem unbekannten Täter zu Tode geprügelt worden war. Die Arbeitskollegen Konupkas, der in der Eiwanowitzer Brauerei arbeitete, lenkten den Verdacht ouf den Brauer Adolf Zapletal, der früher mit Konupka befreundet war, ihn aber seit der Zeit haßte, wo er ouf eine Anzeige K o- n u v k a j hin, zu einer Strafe wegen Felddiebstahles verurteilt worden war. Die Verdachtsgründe waren jedoch nich: stark genug, um die Gendarmerie zu einer Verhaftung zu veranlassen. Am Begräbnis Konupkas nahm auch Zapletal teil. Gendarmen hielten ihn unter ständiger Beobachtung. Ein Freund des Toten hielt die Grabrede und schloß mit den Worten: „Dein Mörder steht vielleicht hier hinter nnS, die wir uns von dir verabschieden gekommen sind. Er wird aber seiner verdienten Strafe nicht entgehen, denn sein Gewissen darf ihm keine Ruhe geben." In diesem Augenblick wurde Zapletal totenbleich und begann zu zittern. Nun griffen die Gendarmen ein und führten Zapletal zu dem Orte, a» dem der Ermordete gefunden worden war. Hier legte er ein vollständiges Geständnis ab. Vorgestern Abend verübt« er in seiner Zelle 2 e l b st m o r d. Subskriptionsverlängerung für die Arbeit«, onleihe? Das Konsortium der Institute und Banken für die staatlichen Finanzoperationen hat auf Grund sehr zahlreich aus dem Publikum eingegangener Wünsche beschlossen, das Finanzministerium um Verlängerung der ZcichnungSfrist der Arbeitsanlcihe zu ersuchen. Gestohlenes Prager Auto bei Hohenfurth gesunden. An» Sonntag wurde auf der Staatsstraße bei Hohenfurth ein herrenloses Personenauto gefunden. Heute wurde festgestellt, daß Besitzer des Wagens Jng. B r a b c c aus Prag I. ist, dem der Kraftwagen ouf einer Straße in Prag entwendet und bis nach Südböhmen entführt wurde. Jüdisch-indisch. Die deutsche Jüdin Margarethe Spiegel, eine Schülerin Gandhis, bat, wie aus Poona gemeldet wird, den Hungerstreik beendet. Ein einträgliches Geschäft. Harwich(Staat Massachusetts). Dienstag wurde die. 18jährige Margarethe Mac Math aus der Wohnung ihrer Eltern entführt. Die Entführer verlangten ein Löscgcld von 6000 Dollar. Nunmehr wurde das Löscgeld erlegt, woraus die Entführer dos Mädchen freiließen. Ei« komplizierter Tatbestand. Der 28jährigc arbeitslose Weber Ferdinand B a c u l i k aus Brodsl» in der Slowakei stellte sich Mittwoch aus der Polizeiwache in Pilsen und gestand ein, daß er gegen den Kljähvigen Eisenbahnbediensteten Wenzel Salsk aus Boikov bei Pilsen zwei Revölvcrschüsse abgegeben habe, weil er l h n nicht in die Wohnungzu seiner Tochter BoLena cinlassen wollte, mit der Baculik gemeinsam Selb st mord verabredet hatte. Baculik unterhielt mit der Saläk einen Briefwechsel; persönlich kannten sie sich überhaupt nicht. Baculik kam auf die Auffordenrng des Mädchens nach Pilsen. Salsk erhielt einen Kopfschuß und mußte ins Krankenhaus geschafft werden. Baculik, der seine Tat mit zerrütteten Ehevcrhältnissen entschuldigte, wird in die Haft des KreiSgcrichtes in Pilsen eingelicscrt werden. Am Grabe seines Lasers verhaftet. Dramatische Aufklärung eine« Morde«. „B^ L. 21." berichtet aus Hoschtitz in Mitgliedersperre bei der NSBO. Für die Nationalsozialistische Be triebszelle n-O rganisation(NSBO), die bereits einen Mitgliedcrstand von über eine Million aufweist, ist nunmehr eine Mitglieder sperre verfügt worden. Am Montag sind die ent- rillIonBiaülUB UVB uull u Hl.i. U w»m, sprechenden Anweisungen ergangen. Neue Auwel- b(. t Benzintank kann 4500 Liter Benzin aus- düngen sind an die Gewerkschaften zu richten, für'-*■*■«...-——- deren Umformung die erforderlichen Vorberci» tungen betrieben werden. Diese Mitgliedersperre ist ein Beweis da für, daß den Nationalsozialisten langsam vor ihrem„Siege" graut: die äußerliche„Gleichschal tung" der in die NSBO Gezwungenen ist nicht I Die auch eine Gscichschaltung der Gesinnung und die T Folgen könnten sicb beim Ueberhandnehmen der!!. Zahl dieser kritisch eingestellten Mitglieder bald Gillespie ist der vierte Gatte der Fliegerin bemerkbar machen. I Elder. ver«eu,«oa IM«. SoUdarM im Dkittea Reich. Berlin, 10. Mai. Für den 2. August dieses Jahres werden die Nazis in allen Teilen Deutsch- Ja, da saß ich nun. Hiuousgeworfen nach lands zur Feier des Deutschen Soldaten" auf- zehnjähriger Tätigkeit im kapitalistischen Betrieb, rusen; diese Feiern sollen im Zeichen der„nativ- der mit dem neuen Regime das demokratische nalen Erhebung vom 2. August 1914" stehen und Dläntelchen abgestreist, sich umgestellt und den„unvergänglichen Geist des deutschen Sol-„gleichgcschaltct" hatte. Bei dieser Gleichschaltung Laten" verherrlichen. Dieser deutsche Soldat sei, I fattc ich sozusagen nicht bestanden. Der„marxi- so erklärt der Abgeordnete Oberlindober siischen" Gesinnung verdächtig— und dies mit als Organisator des Soldatcntagcs,„im tiessten Recht— wurde mir erklärt, daß man keine Der- Frieden überfallen worden, habe einer Welt von Wendung mehr für mich habe. Es kostete einen Feinden getrotzt und sei trotzdem unbesiegbar I innerlichen Ruck, und dann begann nteinc per- gcblicben'. Und:„dieser Geist von 19141 sönlichc„Umstellung". Sie war allerdings ande- mü s s e nunmehr mit neuem Le b e n T et Art. In den zehn Jahren Tyattc man sich«ine erfüllt werden! Wohnung angeschafft, ein Paar Bücher, ein paar ■ixamam Möbel, ein Paar Dinge, die Freude machten. ÜVlglier Häl Selll rlnndOl Umstellung hieß also in diesem Fall„Auf- nledemelegt. I lösung". L-rvrellnna der Ran«'N« MM Hauswirt, von dem ich Erpressung-er Nazi. I wußte, daß er Fascist war..Leute sind über- München, 8. Mai(halbamtlich). Staats- mütig geworden," Pflegte er mit einem falschen Minister Hermann Esser hat in seiner Eigen- Schnarren, tn der Stimme zu sagen.„Lassen Sie schäft als Landtagspräsident den sozialdemokra- mich aus dcnt Vertrag hinaus," bat ich.„Ich bin tischen Abgeordneten Landcsgerichtsrat a. D. fristlos entlassen worden.*“2* Högner aufsordcrn lassen, sein Mandat zum bah- Kann die Miete nicht mehr bezahlen,' rischen Landtag niederzulcgcn. Präsident Esser mich nichts an," erklärte, ein weiteres Verbleiben des Abg. Högner gleichen falschen Schnarren. X‘, fc im bayrischen Landtag nicht zu dulden, da Hög- noch nichts von gesetzlicher Kundigungsftist gc Nach zehn Jahren. "„ 7-„Geht Präsident Esser| mich* nichts an," antwortete er, iminer mit dem .„Sie haben Wohl o...MW—,„............. ner zu den Sozialdemokraten gehör«, di« den hört. Zum Oktober können Sie ziehen. Eher Kampf gegen Reichskanzler Adolf Hitler und nicht." seine Bewegung in besonders gehässiger und nie-„Aber," wagte ich einzuwenden, wenn ich nun dcr'.rächtigcr Form geführt haben. Er sei nicht in nicht mehr di« Miet« zu zahlen vermag? Was der Lage, der SA und SS zuzumuten, solche dann?"—„Dann werde ich mich eben an das Sozialdemokraten als i m m it n e Abgeordnete Gericht wenden. Und vor allem verbiete ich Ihnen zu dulden. H"'"''MW nehmen. Verstanden?" Jawohl, ich halte verlanden. Machte kehrt und zog ab. Abends kamen Genossen und Genossinnen aus der Nachbarschaft. Sic fanden mich— man wird«s verstehen— in wenig heiterer Stimmung. Ich schilderte ihnen mein« Unterredung mit dem Hauswirt. Sagte zuletzt ziemlich verzweifelt, daß es dabei höchste Zeit für mich sei, aus dem Dritten Reich zu verschwinden. Denn wenn das„feinere Sieben" begann, so würde „Tante Adolfine"— diesen Spitznamen für Goertngs„Polizei zur besonderen Verwendung" hatte sich ein Genosse ausgedacht und viel An- klang damit gefunden— mich sicher in eines ihrer Konzentrations-Sanatorien überführen. Es stand fest, und alle Genossen sahen es ein: ich mußte fort. Und ebenso stand fest: Dem fascistischen Hauswirt durste kein Stück meiner Habe, von dem jedes schwer genug erschuftet worden war, in die Hände fallen. Dock) wie sollte das geschehen? Wir überlegten. Plötzlich stand ein Genosse auf, ging eine Weile auf und ab im Zimmer und sagte dann:„Morgen kannst du abreisen,.Katja."—„Bist du verrückt geworden?" —„Nein, absolut nicht. Aber ich weiß, was wir machen. Wir werden dir heute nachts die Wohnung auüräumen. Jeder nimmt ctivas zu sich und hebt es dir aus, bis das Dritte Reich zum^eufel ist. Wird schon nicht allzu lange dauern." Ich lachte.„Und wenn du nun bald verschwinden mußt oder du," nickte ich einer Freundin zu. „Na," meinte sie,„der letzte behält eben alles. Und der braucht dann keine Angst mehr um seine Exi- stenz zu haben. Er kann sich gleichzeitig eine Leihbibliothek, eine Altmöbelhandlung und ein Por» zcllangeschäft aufmachen." . Stein gekauft hat. Weiter wurden gezogen: 26.000 K: 63.475, 92.422. 10.000 K: 7.001, 12.908. 31.673. 5.000 K: 8.938, 20.044, 41.863, 66-763, 100.783, 2.000 K: 4.405, 8.744, 19.001, 23.180, 25.726, 320, 47.785, 52.514, 52.705, 55.757, 62.311, 67.508, 579, 90.126, 98.486, 99.816, 102.352, 103.342, einbenbfifte? Ausbruch des neudeutschen Geistes. Berlin, 10. Mai. Während der gestrigen I Abendvorstellung im Mctropol-Theater prote- I stierten etwa 40 Studenten gegen die Darstellung des Studentcnlebens in der Operette„D i c ! L: n d e n w i r t i n". Zwischenrufe ertönten, Stinkbomben wurden geworfen und Ni cß-- lpulver gestreut. Nach dem zweiten Akt ver» i ließen die Studenten das Gebäude. Der zweite Akt der Vorstellung verlief ohne Störung. 114 Studenten wurden Polizeilich fcstgestellt. Ein« Statistik über Judenmißhandlungen. Frau Dorothy Thompson, die Gattin dcS bekannten Romanschriftstellers Sinclair Lewis, die bis vor kurzem mehrer« amerikanisch« Zeitungen in Berlin vertreten hat, veröffentlicht heute eine Enquete über Juden-Mißhandlungen in'Deutschland. Frau Thompson erklärt, daß sic die„sicheren Beweise für 370 Fälle von schweren Grcueltaten, begangen an Juden allein in Berlin, in Händen habe; sie sügt hinzu, daß die Täter in sämtlichen Fällen„als Nazis sestgestcllt" Warden seien. Im übrigen sagt Frau Thompson, daß di« Hitler- leute nicht einmal in Berlin am meisten gewütet hätten; den Höhepunkt ihrer Schandtaten hätten sie in Schlesien, in Sachsen, ln Braunschweig und in der Pfalz erreicht. Aus diesen Gebieten lägen ihr Nachrichten über mehrere Tausend« von Fallen vor. Judenverfolgungen werden fortgesetzt. Bei einer vom.Flampsausschuh wider den undeutschen Geist" in der Technischen Hochschule zu Berlin-Charlottenburg veranstalteten Kundgebung erklärt« der Referent für Rasisefragen im Reichsinnenministerium, Doktor Achim Gerke, daß seit 1918 di« Juden„planmäßig in Deutschland ehrgedrungen" seien; man sei gezwungen, sogar von einer Invasion im wahren Sinne" zu reden. Und die Maßnahmen, die di« neu« Regierung gegen die. Juden ergriffen hab«, seien„sehr milde, viel zu milde" gewesen; doch„alles das ist nur ein kleiner Anfang gewesen und wir werden unter der Führung Mols Hiller« den Kampf bi« zum siegreichen Ende durchführen." Immer wieder— unglückliche Liebe. Ans Neuhaus wird geschrieben: Der 25jährige .Heinrich Chromy, der unlängst vom Militärdienst heimgekehrt war, verübte Selbstmord durch' Erschießen. Die Ursache ist unglückliche Liebe. Prozeß Zajiöek wird doch durchgesührt. Die Blättermeloungen, daß die Affäre Dr. Z a j 1- ücks durch cm Ucbereinkommen Dr. Zajiöcks mit La risch und der Böhmischen Industrialbank beigclcot worden sei und daß daher Dr. Za- jköek sich nicht vor den Gerichten zu verantworten haben werde, entspricht— wie das offizielle Pressebüro von zuständiger Stelle erfährt— nicht den Tatsachen. Die Untersuchung gegen Dr. Zajiöek wegen Defraudation wird weilergeführt, nimmt einen normalen Verlauf und ist sehr umfangreich. Der Fall dürfte daher erst zum Herbst vor bas Schwurgericht kommen. Der nächste Herr, bitte! Auma(Staat Arizona), 10. Mai.(Reuter.) _'> bekannte Transozeanfliegerin Ruth Elder ging gestern mit dem Film- Direktor Arnold Gillespie die Ehe ein. Direktor 55 SA und Schupo Grundpfeiler der Armee Deuisdilands. Ein ungewolltes Geständnis entschlüpfte dem offiziellen Berliner Conti-Büro in dem Bericht über den Erlaß Goerings an die Schutzpolizei. Es wird aus dem Erlaß wörtlich folgende Stelle zitiert: Nachdem die SA und 22 zu öffentlich anerkannten Organisationen mit eigenen Dienststrafbestimmungen erhoben worden sind, ist die Mitgliedschaft in diesen Organisationen für die Angehörigen der Schutzpolizei, die selbst einen Grundpfeiler der bewasf» Meten Macht de« Staate« bildet, unmöglich geworden." Dieses unvorsichtige Wort mußte der Hitler- regicrung angesichts der Genfer Verhandlungen über den militärischen Charakter der deutschen Polizei und der bewaffneten Formationen natürlich sehr unangenehm sein. Das Conti-Büro hat sich daher beeilt, seine Meldung nachträglich zu berichtigen und alle Blätter aufzu fordern, daß Wort„bewaffneten" bei der Wiedergabe auszulassen. Aber gerade diese Berichtigung zeigt nur, worauf cs den amtlichen deutschen Stellen ankommt: Abzulcugnen, daß die Schutzpolizei und die bewaffnete Armee der nationalsozialistische» Partei in den militärischen Apparat Deutschlands cingegliedert sind, rin Schlag gegen den Stahlhelm. Stahkhckmgruppen in der Schutzpolizei werden aufgelöst. Berlin, 9. Mai. Ein Erlaß des preußischen Innenministers Goering verbietet der«chutz- Polizei das Tragen von politischen Abzeichen und Armbinden,, auch.Hakcnkrcuzabzcichcn. Die Teilnahme von Palizeibcamten in Uniform an Umzügen nationaler Verbände unterliegt in jedem Falle der Genehmigung deS Kommandeurs der Schutzpolizei. Der wahre Zweck dieser Bcrfügttng geht aus den nachfolgenden Bestimmungen hervor. Die in der Schutzpolizei bestehenden nalionalsozia- l i st i s ch c n Knappschaften bleiben bestehen. Falls in den Formationen der Schutzpolizei noch Organisationen anderer nationaler Verbände vorhanden sein sollten, sind diese sofort auf- zu lösen. Weiters wird in dem Erlaß angeführt, daß Angehörige der Schutzpolizei, welche der SA oder SS als Mitglieder angehören, sofort auszutrctcn haben. Das gleiche gilt für die Mitgliedschaft beim Stahlhelm. . Auch diese Vorschrift zielt also nur darauf ab. Angehörige der Schutzpolizei zum Austritt aus dem Stahlhelm zu zwingen, während die Nationalsozialisten ihre Knappschaften weiter aus" bilden können. No« stov'Flug über 10-900 bw. Paris, 10. Mai. Das HavaS-Büro berichtet aus New Dork: Der bekannte italienische Trans- ozeanflicger General de Pinedo trägt sich mit der Absicht, am SamStag einen Versuch nach Ucberbietung des Weltrekords im Weitslug zu unternehmen. Er will 10.000 km ohne Unterbrechung, u. zw. von New Aork nach Persien fliegen. Das Flugzeug de PinedoS wurde in aller Heimlichkeit in Amerika konstruiert und besitzt einen Motor von 450 kl?; der Aktionsradius des Apparates beträgt 11.500 km, nehmen und der Apparat selbst kann 50 Stunden lang in der Luft verbleiben. Wr. 110 Donnerstag, 11. Mai 1988 Seite S WUNDERBAR für BLONDES HAAR Eißens für Blonde wurde Elida Kamilloflor Shampoo geschaffen. Es verhindert das Nachdunkeln, gibt dem Haar das leuchtende Blond wieder, wenn es verloren ging, steigert seinen Glanz. Elida Kamil* loflor Shampoo wirkt natür* lieh durch Kamilloflor, ein wunderbar mildes,naturreines Spezialpräparat, hergestellt unter Verwendung des Blüten* extraktes der GebirgskamiUe. Mit Zitronenbad ELIDA KAMILLOFLOR SHAMPOO Erinnerung in Sobortfen. Der g^t’mnisoodt Balkan. Ein Reisebericht von I. Ausch. Wen Hal>s nichi schon mit einer gewissen tzchnsitcht nach dem Balkan gezogen? Dort wo di« Blutrache zuhause ist, wo cd noch Harems und verschleierte Frauen gibt. Ich wollte mit meinen eigene» Augen sehen, was der„Zauber de- Orient-" und die„Wildheit des Balkan-" aus sich hat. So fuhr ich eine- schöne» Sommer» lag- von Wien aus di« Donau hinunter. Die S^rt bi- Belgrad dauerte 21 Stunden. Endwar ich in Belgrad angelangt. Da- also tvar die Hauptstadt Jugoslawien-, des König-reich- der Serben, Kroaten und Slowenen! Al- Fremder hüte man sich vor allem irgetü» eine abfällige Aeußcrung über da- bestehende Regime zu verhütbare»..Hält man sich an diese- Devot der Klugheit, dann, allerdings nur dann, reist man unbehelligt durch- Latch. Ich konnte ein tvenig serbisch und so kam ich leidlich aut durch: Man muh alle westeuropäische» Massstäbe zu.Hause lassen. hier kommt man damit nicht au-. In dieser Wcltecke werden die Menschetr von aichcren geographischen und wirtschaftlichen Bcdinguilgc» «formt alö im übrigen Europür.„Orient u>ch Okzident" stoßen hier hart aufeinander, nirgetch- ist der Dölkerwirrtvarr größer al- hier. Am ausgeprägtesten sah ich da- in S a r a» i e w o, dieser Stadt, in der durch die Ermordung de- östrrreichisch-ungariichen Thronfolger» der äußere Anlaß zum Weltkriege gegeben wurde. Dunderbar eingebettet liegt die Stadt inmitten de- bizarren bosnischen Gebirge-. Schlanke Mi» iiaktttr der Moscheen, niedrige-Häuser im malerischen alten Mohammedancrvicrtrl. Bunte-Treidelt im türkischen Bazar in der Tscharschia, Teppiche, Opanken und allerhand Trödclkram wird bitt den Fremden a«geboten. Mit der Sauberkeit nimmt man- hier nicht so genau, daran muß sich auch der Fremde angcwöhncn. Da- Elend, in Mt sich die Masse der Bevölkerung befindet, ist ungeheuer groß. Bettelnde, zerluntplc Menschen lausen in den Straßen umher, mit überkreuzten Füßen sitzen die Mohammedaner vor ihren Häu-chen. mitten auf der Straße, auch in den Höfe» der Moscheen, trinken den ganzen Tag über den übliche» türkischen Kaffee. Bon hier au- geht die Fahri mit ver Schmalspurbahn durch- herzegovinische Karstgc- bitge nach M o st a r, der Hauptstadt der Landschaft. Mostar liegt am Flusse Nerenta oberhalb dcr malerischen alten Boaeubrücke. die von vielen Abbildungen bekannte türkische Brücke. Wie die aanze Stadt ziemlich baufällig. Niedrige, zersal- lenc Buden, die man nur in Gänsefüßchen al- Häuser nennen kann,— nahezu unfaßbar, daß Mischen in ihnen Hausen. Zivilisation ist ein noch wenig bekannte- Wort. Nach nnbeqncmer N.ichifahri mit dcr unsauberen^ Schmalspurkurhu gelange ich zur Abr ia k ü st«..Hier ist eine andere'Welt, andere Menschen, andere- Leben. Südlicher Soinmcr- binimel-über allem und dann zum sauberen Dubrovnik(Ragusal. Moderne-Hotels. Palmenalleen und Strandbäder. Damen und-Herren in betonter Eleganz, die Wirtschaftskrise ist hier kaum bemerkbar Bon der Insel Locrum gibt c- eine herrliche Au-sicht auf die umfassenden Berge. Ein unvergeßlicher Anbliek, überall hohe ssessenberye, Genässcr, herrliche Talgegendcn. Bon hier au- geht- sodann zum Riesengebirge Montenegro-, zum L o»t s ch c n. des höchsten Berge- de- gewesenen König-reich- der„Schwarzen Berge". Zirkzarkwege führen hinauf nach Lei in je, der gewesenen-Hauptstadt König Nikita-. Cetinje ist ein große- Dorf mit einigen langen Straßen, die Häuser meist strohbedeckt, riesle Armut überall, aber auffallend sauber. Ich fahre weiter nach Albanien, über den wilden Skutarisee nach S k u t a r i. Selten nur, daß einer der Diämnie nicht an einem Re- volution-süppchen kocht. Skutori ist die Stadt ewiger Unruhen. Abgerissene Zigcunerkinder drängen sich in die Straßen, Bauern rasten mit ihren Tragtieren in der.Hauptstraße. Eisenbahnen sitch erst im Werden. Mussolini baut sie auf. Durch einen miserablen Straßenweg zwischen riesigen Fclsenbergen geht die Fahrt weiter nach Tirana, dcr-Hauvtstadi Albanien-. Sie zählt pvölstauseiid Einwohner und liegt in einem gc- birgSumsäumten Talkessel. Nur wenig gepflasterte Straßen, dennoch sauber, was man hier so eben sauber nennen kann. Uebcrall Mokkahäuser, Bazare und schrecklich zerlumpte Menschen, dazu als Sonderheit das Diplomatettvicrlcl mit feinen recht einfachen GesandtschaftSgebänden. Bemerken-wert eine kleine, weiße Billa von Blumengärten umgeben. Hier residiert„Seine Mascstät" Achmed Zog» der sich mit-Hilfe Mussolinis zum„König" der 800.000 Albaner gemacht hat. Bo» Tirana holpert da- Auto über schwankende Holzbrücken zwischen Felsenbcrgc nach Elbassan. Schon dcr Gedanke an Elbassan ist schauderhaft. Bäche fließen über die Straßen, gefallene Tiere liegen ntnher, und der Geruch, der auS den offenen Küchen strömt, ist schrecklich. Hier verblaßt da» Wort vom„Zauber des Orients", hier ist ein Elend zu-Hause, ein Elend, wie ich ei niemals ahnte. Krankhaft au-sehendc, balbnackte Menschen fülle» die Stadt, schlimme Düst« dir Luft. Dir banale Wirklichkeit crnüch texte mich, verwischt alle gehabten Dorstellungen. Ach hatte nur einen Wunsch noch: Zurück, nach Hause! Ein Europäer kann hier da- Leben nicht ertrage». Bon Hygiene hat das Bolk keine «bnuug. Die Menschen sind fast den Tieren ohnlich, da- ganze Land ist ein Wild-West. Die Analphabeten betragen 90 Prozent der Gesamt- ! bcMcrung. Etn ivahres Asien, da- Zentrum t«cc Kulturlosigkeit, und doch gehört Albanien zu b- Europa! tllach dem Goethe-Jahr hat Deutschland sein Wagner-Jahr. ES scheint dafür gesorgt ju fein, daß auch diese Gelegenheit dcr Delbstvergötterung dcr sogenannten nationalen Erhebung dienstbar gemacht wird. Vielleicht bringt man cS sogar zuwege, ihr die Rolle cinzuordncn, die Richard Wagner während dcS Dresdner Maiausstandes von 1849 gespielt hat. Bei Wagner, dcr sich in den Dresdner Massagen in einem ziemlich harmlosen, ihcatraliA drapierte» Bcrschwörcrtum gefiel, um diese Jugendsünden bei seiner späteren Rückkehr nach Dresden reumütig und untertänig und ebenso pathetisch, wie er sic begangen hatte, abzuschwören, wär« das immerhin leichter alS cS etwa bei Gottfried Semper, dem Erbauer der Dresdner Gemäldegalerie uttd des Opernhauses, anging«, der die Revolutionäre beim Bau kunstgerechter Barrikaden unterstützt und attge- leitet hatte; Semper ist auch nie wieder nach Dresden zurückgekehrt. Tie Sachsen, denen dcr mittlerweile verstorbene Exkönig Friedrich August nach einer mindesten- gut erfundenen Ancktodc bei Gelegenheit bezeugt hat, daß sic„ja schcenc Rcbubliganer" seien, feiern zusammen mit ihrem Landsmann Richard Wagner auch ihren Lande-Vater August den Starken anläßlich seine- 200. Todestages. Immerhin ist August dcr Starke neben dcnt verschlagenen, Politisch aber begabten Kurfürst, Moritz einer der wenigen Wettiner, die damäßig« Mittelmaß ihrer Dynastie überragen. Tag es bei diesem hemmungslosen Rachciserer Ludwig- XIV. nicht an sehr dunklen Schatten- seilen gefehlt hat, werden die Festartikel der dressierten bürgerlichen Prcsic— eine andere gibt es ja nicht mehr— zu verschweigen wissen, uttd so tvcrdett auch die selbstbewußten Machthaber der Diktatur diesem toten Absolutisten ihre Reverenz erweisen dürfen. Man wird sich aber auch genötigt sehen, gewisse Vorzüge diese- Fürsten, die er vor seiner Zett voraus hatte, verschweigen zu müsse», wenn man nicht in Gefahr kommen will, ihre Erwähnung al- versteckte Kritik an den rasiepolitischcn Praktiken dcr jetzigen Machthaber deuten zu lassen und dafür bestraft zu werden. Wir denken dabei vor ollem an die Toleranz Augusts de- Starken gegenüber den Juden. Auch Sachfen hotte noch in den»achmtttel. elterlichen Jahrhunderten blutige Judenverfolgungen erlebt und erst allmählich hatten sich wieder klein« Judengemeinden in Leipzig und Dresden zusammcnfinden können. Unter August dem Starken durften sie sich einer milderen Duldung erfreuen, zuntal dieser geldbedürftige Fürst sich einen reichen Schutz- und Leibjndcn hielt, der ihm bei der Erwerbung der polnischen König-krone und den daraus sich ergcbeudcii kriegerischen Verwicklungen mit dem nötigen Mammon versorgte.-Hatte so di« Liberalität de- Fürsten gegenüber den Jttden ihre seht materiellen Hintergründe, so stach st« doch vorteilhaft ab von der sturen Judenfeindschaft des städtischen Znnftbürgertums und der Stände. Es ist nur ein Beispiel dafür, wcnn man erwähnt, daß ein Dresdner Bürger hart bestraft wurde, weil er für eine in seinem-Hause wohnende.Jüdin In ihrer schweren Stunde di« Weyemutter herbeigerufen hatte. Die mildere-Haltung des Fürsten in der Judenfrage ermutigte schließlich die Dresdner Judengemeinde, sich mit einer wichtigen, höchst untertänig voraetragenen Bitte an August den Starken zu weitden: mit d«r Bitte nämlich, ihnen in Dresden einen Bcgräbnisplatz für ihre Toten zit überlassen. Bis dahin durften die Dresdner Juden ihr« Toten nicht in sächsischer Erde bestatten. Sie mußten die Leichen, wie sic in ihrer Bittschrift klagend betonen, unter utcsäglichen Mühen„über den Geicrtbcrg" nach dem jüdischen Friedhof dcr damals vorwiegend jüdischen Gemeinde S o b o r t e n bei Teplitz schaffen oas eben ist die zeitgemäße„Erinnerung in Soborten". Der dortige Judenfriedhos, dessen Geschichte sich bi- in den Anfang des 16. Jahrhunderts zurückverfolgcu läßt, liegt am Rande des älteren Ortsteile» an einer sanft gegen Osten geneigten Lehne. Alte Birnbäume stehen zwischen den Grabrechen: an der Mauer wachsen buicharnge wilde Sauerkirschen, deren Sämlinge überall «wischen den Gräbern aufschießen. Einige Reihen schivarzvcrwittcrtcr Grabsteine erinnern noch an jene Zeiten, in denen dieser Friedhof die letzte Ruhestätte auch der Dresdner Juden war. Al- Gräber Dresdner Juden habeit sich mit Sicherheit allerdings nur zwei feststellen lasten, deren schicfcingesnnkene Grabstein« einem als Braut vcrstorbxncn jungen Mädchen und seiner bald danach aus Gram über den Tod der Tochter verstorbenen Mutter gesetzt wordeit sind. Auch im Sobortener Tempel hat sich nicht viel au- jener Zeit erhalten. Die Synagoge, alt, aber nach Renovierung verändert, steht tn die Häuserreihe einer Nebenstraße eingcsügt. Mit seinem schiefergedeckteii Mansardeiidach und dem schlanken, ebenfalls ichicscrb.klcidrten llhrtürm- chctc sicht sie einem KlcinstadtrathanS ähnlicher al- einem jüdischen Tempel. Ter Turm trug früher eine alte, aus der Zeit Maria Theresias stammende Uhr, die um 1900 durch eine moderne Uhr ersetzt worden ist; das alte Werk hat die Prager Tciikmal-kommission in Berivahrung genommen. Dcr Uhr wegen, die eine Stiftung gewesen zu sein scheint, hat dcr Tempel einen Turm, was sonst bei Synagogen nirgend- oder doch nur höchst selten dcr Fall ist. Im Tempel hängt ei» alter Messinglustcr, besten gute Form leider durch die ungeschickte Montierung elektrischer Glühlampen in geschmacklosen gläsernen Blumenglocken verdorben worden ist. Er trägt eingravicrt die Inschrift:„Libusfischc Ambt-kirche Anno 1651"; wahrscheinlich Windelt cs sich nm ein zurückerstaticte- Beutestück. Auch eine buntseideitc gestickte Fahne ist noch vorhanden, die den jüdischen Freiwilligen im Siebenjährigen Kriege im Auftrage Maria Theresias durch einen Fürsten Elary gestiftet worden ist. ES ist wahrscheinlich, daß Dresdner Juden auch auf dem alten, nicht mehr vorhandene» Teplitzcr Judenfriedhos bestattet worden sind; sicher« Aufzeichnungen darüber lirgcn nicht vor. IN Teplitz hatten sich die Juden von alterdhcr der Duldung erfreut; in ihren Schuldbüchcrn standen die Namen fast aller Burgherren der Umgegend verzeichnet. Nach den Hussitenkriegen hatten die Teplitzcr Juden die Bewilligung zum Bau einer Synagoge und zur Erwerbung ctneS Begräbnisplatzes erhalten; der alte Tempel steht heute noch in der ehemaligen.^Judcngassc". Im letzten Drittel de- 17. Jahrhundert- war e- jedoch auch hier wie schon vorher in fast allen nordböhmischen Ttäd'en zur Bedrückung und nahezu gänzlichen Ausweisung der Juden gekommen. Ter kleine Rest wurde streng ins Ghetto verwiesen. Bon dcr seit 1668 allen Juden und Jüdinnen al- Abzeichen voraesckricbcnen leinenen -Halskrause befreite sie erst oaS Tolcranzcdikt von 1781. Wahrscheinlich hatte sich infolge dcr Verdrängung der Juden au» Teplitz das Dors So- bortrn zur Judcngcmcindc entwickelt. Aber wie dem auch sei— wir können itnS wieder unseren „Erinnerungen" zuwenden. Uebcr den langwierigen, von den Zünften und Ständen immerwährend gestörten»nd hiutertricbenen Bemühungen dcr Dresdner Juden um die Bcsscrutig ihrer rechtlichen Stellung war August der Starke schließlich gestorben. Sein Nachfolger aber setzte dir Tolerierung der Juden im Sinne seines Vorgängers fort. Er überließ ihnen schließlich auch„für eivtge Zeiten" gegen einen ansehnlichen Kaufpreis den erbetenen Bc- gräbnisplatz„auf dem Sande vor der Neustadt" — es ist der erste Dresdner Judenfriedhos an dcr heutigen Pul-nitzer Straße. Aber auch fernerhin machten Zünfte und Stände trotz dem Beistand des Kurfürsten der Dresdner Judengemeinde da- Leben sauer genug, so daß dcr Kur- türst wiederholt mit einem Machtwort den Frieden erzwingen ntußte, ebenso oft aber auch sich genötigt sah. vor dem judenfeindlichen Drängen zurückzuwcichcti und diesen erbitterten Widerfächern Zugeständnisse auf Kosten der Juden zu machen. Daraus ergibt sich wie schon bei seinem Vorgänger so auch bei ihm daS Bild einer recht schwankenden Haltung, die jedoch aus den Vcr- bältnissen erklärbar ist. Jedenfalls aber haben cS die Dresdner Juden fürstlicher Toleranz zu verdanken, wcnn sic— wesentlich früher als die Leipziger Juden— ihre Toten auf«in«m eigenen Friedhof bestatten durftet«. Daran zwischen den Gräbern von Soborten sich zu erinnern, hat einen eigenartigen Reiz in diesen Tagen, in denen journalistischer Weihrauch da- Bild August des Starken und— wir r» kürzlich geschah— auch seine» Nachfolger» um- schwäli, in diesen Tagen, in denen es den Juden in Deutschland zwar zustoßrn kann, recht plötzlich und eine- sehr unnatürlichen Todes zu sterben, in denen cS ihnen aber verwehrt wird, in Deutschland zu leben. . Manfred Bal7. Der schwärzeste Tag. Bon FlaviuS Joseph»-. Eine» der tragischsten Schauspiele, die die Weltgeschichte je gesehen, spickt« sich vergangene Nacht ans dem Berliner Oprrnplatz ab: viele tausend Bäickte Bücher, viele tausend Bände WetSheit, Wissen, Glaube und Schotrheit sielen dem Haß der nationalsozialistischen Partei, fielen den lodernden Flammen, von einem barbarischen Willen entzündet, zum Opfer. DaS offizielle Deutschland hat dem Geiste abgeschworen, da» bessere Deutschland steht, notaedrungen, schweigend beiseite, iind Kirchhof-stille liegt über dem Reiche, dessen beste Bürger bisher dem Geiste Kant- u««d Goethes huldigten. Ein Berliner Blatt veröffentlichte dir voll- tändige Liste der an- den Berliner Volksbüchereien anSzumerzenden Bücher: in einer Vitrine hat die Prager Stadtbibliothek jene Liste, außerdem einige Bücher der verfemten Autoren ausgestellt. Wer je siir den Frieden, wer je für die Gerechtigkeit eingclrelen ist, steht auf dem Index. Wer Jude ist, und sei er noch so unpolitisch, ist alS Staatsbürger zweiter Klasse und„Zer- WeißeZähne: Chlorodont M-—«■—■-■-■TW■ etzer" ch schon belastet. DaS Verzeichnis ist endloü und wo ihr's packt— da ist dcr Geistes- znstand seine- Verfassers interessant. Denn>vas hat beispielsweise dcr lUrifchc Günther Birkenfeld dem Tritten Reich getan? Was hat Arthur Eloesscr, rhrenwrrtestcr Patriot der deutschen Literaturforschung, den„nationalen Belangen" zugcfügt? Wa» rettet gerade-Heinrich M a n n S„Flöten und Dotck)e" vor dem Scheiterhaufen? Schont man da- Buch, weil der Titel fridcricianifche Associationen einerseits, barbarische andererseits erwecken könnte? Wa» hat die gütige Nabel S a n z a r a auf dem Kerbholz außer ihrem biblisch klingenden Vornamen? Wa» ist gegen die männlich-herbe Anna 8 e g- Hers einzuwendcn? Muß der milde, dichterische Stefan Zweig denn ewig dafür büßen, daß er ein Nauleu-vetkcr des pazifistischen Arnold ist? Warum darf Ban de Veldes„Vollkommene Ehe" Lehrbuch dcr Liebe bleiben, seine „Abneigung in der Ehe" aber von keine» deutschen Lesers Auge mehr erblickt werden? Und bleibt Lenins„RadikaliSmit», die Kinderkrankheit de» KommnniSmuS" als einziges der große» sozialistischen Standardwerke nur deshalb vom Flammentod verschont, weil eS sich hier, dem Titel nach, um ein antikommunistischeS Buch handeln könnte? Die kurze Blütenlesc mag genüge», obschon ein ganzes Feld der Dummheit hier abzuerntrn iind zu zerpflücken wäre. Man sieht auch so, wes Ungeistes Kind die Auswahl ist, die hier von Herren, die, wie wir wissen, sogar dcr Doktortitel schmückt, getroffen ivurde. Dir Meister sind nicht schlauer ans Vernichtung-Werk gegangen al- jene SA-Leute, die von sich au» linke und link-verdächtige Leute heim- und hauSgesucht haben, sich Shakespeare niititahmen, weil dcr fremde Name so gefährlich klang, französische Bücher harmlosesten Inhalts al- staatS- gefährlich konfiszierten, den„Historischen Mate« rialismnS" stehen ließen, weil„Historisches nicht interessiert", uiid, vor einem dicken Stapel politischer Bücher stehend, stanneiid meinten:„So viel muß man wissen, wcnn man Politik tret- ben will?" Es gibt in der Literatur genug des Schn» des, genug de» Schmutzes, e» wäre denkbar, wcnn auch problematisch, daß man eines Tages, getrieben von SauberkeitSgefühl und pädagogischer Absicht, den Schund»nd den Schmutz der brenne. Kein Mensch denkt daran. Ist c» nicht ein svmbolischer Zufall, daß dir Austreibung des Geistes gerade auf den« Platz vor der Berliner Staats-Over stattsand, aus demselben Platz also, der im Westen und Norden von den Gebäuden der Berliner Universität begrenzt wird? Denn so leuchteten die Fsanimen. die Deutsch' lands Nacht dem Anblick nnd der Sorge der ganzen kultivierte» Welt Preisgabe», auch in die Hörsäle hinein, in denen vor grancn Zeiten ein Hegel lehrte nnd ein M o m.» s e n sprach unv in icne Halle anch, in der vor wenigen Mona- tcn erst dcr gefeierte Gerhart H a n P t in a n u die Jugend mahnte. Gegcit Tic. gegen sic alle, gegen die Külidrr der Hnmanität nnd der Freiheit, gegen die Propheten der Menschlichkeit und der Beruunft, braniitr nnii das Feuer dcr Erniedrigung: eine Schntach und eine Schande, „Scham iind schmerzliches Gelächter." DaS bessere demokratische Dcutschland aber schämt sich vor der Welt. Diese- andere Deutschland lebt in den Millionen nnd Abermillionen, die, ohne Umfall und feigen Verrat, innerhalb der nicht mehr schwarzroigoldenen Grrnzpfahle weiter existieren, lebt in den Zehntansendcn von Emigranten, die die jetzigen Sachwalter der Volksgemeinschaft au-gestoßen haben und die ihre so schöne Heimat, ihre Sprache und Kultur trotz allem, wa- man ihnen zugesügl, mit allen Fasern ihres Herzens lieben. Seit, 6 ftomttHtag, 11. Mai 1988 Nr. HO PRAGER ZEITUNG o hhmhhhhhhhmhhhhmhmmmmhhhhhmmhmmk Literatur Aus der Partei Mat, Sport* Spiel* KBroerpneae Vereinsnadiriditen Der Film Kunst und Wissen VERLANGET UEBERALL r I VOLKS ZUNDER fei dtt er- Weigrnds vorm. Wantochs Tascheufahrplav, Sommer 1033, gilt vom 15. Mai bis 7. Lktober I. I. und erscheint wieder in bekannt gediegener Zusammenstellung und handlicher Form. Kleine Ausgabe 4.80 kl, große Ausgabe 0 K, beide amtlich überprüft. In ollen Buchhandlungen und einschlägig gen Geschäften oder unmittelbar beim Verlag C Weigend, Abtlg. Fahrplan, Teplitz-Schönou. doofer Runhstrecke war ein voller Erfolg; es beteiligten sich insgesamt 117 Fahrer. In allen Gruppen gab es schärfste Eirdläinpfe. Das Haupt,fahren über 50L Kilometer(16 gestartet) gewann Weingartner(Zwischeubrücken) in 1:34: 05. Bei den Junioren(50.5 Kilometer) siegte Mohr II(Karl Marx Wien) in 1:33:14(33 am Start). Das Rennen für Neulinge über 30.8 Kilometer(5-1 gestartet) holte sich Puhane(Schwechat) in 54:83 und das der Senioren über 20.2 Kilometer I. Rohtus. Tenn ihre Stimme verband ungewöhnlich« Größe satten Tons, berückenden Wohllaut, außerordeutlich« Wär»:« in der Kanb'sen« mit einer einzigartigen Koloraturbegabung, deren Wcltrnhi» in der Bewun- deruirg des endlosen langen„Knrz-Trillers" gipfelt« Bon den zahlreichen Partie», die, wenn di« Kurz sie sang, zum unvergeßlichen Erlebnis wurden, seien genannt: ihre brillante Mignon ihr« funkelnd« Traviata, ihr« virtuos« Konstanz« lEnlsührung). ihr« atentbcraubende Gilda(Rigoletto), die Rosine(Barbier), Lakniö, die Pagen in„Maskenball" und Doch«uspirlpla» des Renen Deutsch«, Theater«. Donnerstag, 7 Uhr:„A i d a"(fe 2).— Freitag, !48 Uhr:„Menschen im Hotel"(D2).— Samstag, M8 Uhr:„Ma cht des Schicksals" (A. A.). Wochensplelplan der Kleinen Bühne. Tonners- tag, 8 Uhr:^.Jch habe«inen Engel geheiratet.— Freitag. 8 Uhr:„In jeder Ehe". — Samstag, J$8 Uhr:„Ist Geraldine ein Enge l?"(Erstaufführung.) Gvnäkologen einer der Opern-Aera. zeitgenössischen Aus jener 2l«ra sind Schmedes und Winkel- Demuth und Schwarz, Miller, Hoch, die zza. vor allem Gustav Mahler selber, der Kurz lange im Tode voransgegangen.(Dor wenigen Tagen verstarb mit Berra K i u r i n a ein« ander« bedeutend« Sängerin der Diener Oper.) Nun ragen als letzt« Säulen von einstens fast nur noch Slezak und Richard Mayr, um die es leer und künstlerisch nicht eben immer erhebend geworden ist. Die hochkünst« lerischcn Ensembles, wie das in Wien zur Zeit einer Selma Kurz beispielhaft war, haben an vielen großen Operirbühnen einem nicht gerade vorbildlichen Star- und Mißwirtschaftechetrieb Platz gemacht. Die großen Führer, di«, wie Mahler, in einer östlichen Kleinstadt«ine Kurz entdeckten, fehken, di« großen und gewissenhaften Gesangslehrer werden immer seltener. Konvnerzialisierung und Korruptiomerung der Kunst und insbesondere des Theaters haben insbesondere der Lpcr schwer Abbruch getan. Mit Wehmut, aber auch mit einem unverlierbaren GlückSgefüchl, denkt man an eine Periode zurück, da ein Wiener Opernabend den Besucher der vierten Galerie durch di« Macht des Gesangs, wie eine Selma Kurz st« aus- zuüben vermocht«, über Alltagsnöte in zauberhaft« Sphären zu führen vermocht«.]. g. „Hugenotten" chier-n üorigens auch sie Margarethe), unter den dramatische» Partien di«„Troubadour'- onore— um nur die wichtigsten aufzuzählen. Mit Selma Kurz(sie war mit dem bekannten Pros. H a l b a n verheiratet) goiy großen Namen einer von deren Glanz das Niveau Bühne einen Begriff geben gewidmet. Der geringe Regiebeitrag j Neubaues des deutschen Sports zu von 3.50 8 wird kaum jemandem ein*' Hindernis sein, die Bestrebungen der Bolkssinggemeinde zu unterstützen.— Arbeitslose haben freien Eintritt. sein Gedächtnis durch einen Zufall wirderbelommen hat. Bei den Russen kourmt jetzt daü Problem;„Der letzte Untertan der Zar«>r" kommt in die neue sozialistische Gesellschaft. Bei der Ufa kann ti so etwas nicht geben, hier geht es um individuell« Probleme und unser Held M a r i-:t wird von niemandem erkannt, verliert Vermögen. Frau und Kind an den Nebenbuhler und findet sie berühmte Stenotypistin, nachdem er durch eine epochale Erfindung reich und glücklich wird. Das und«ine ziemliche Anzahl unverständlicher Szenen mit Erkennen uns Nichterkenncn ist der geistig« Gehalt des Großsilms, zu deiu Allan Grey«in« recht qu«e, aber nicht passend« Musik geschrieben hat. War an diesem Film gefällt, ist die ausgezeichnet« Leistung von Werner Kraus, der durch sein überzeugendes Spiel einen in seinein Unglück ergreifenden Meu'chcn darstellt. Auch Helene T h i m I g, Maria B a r d(die glückliche Kirchenmaus) und Hertha Thiele(sein Kind) sowie F a l 1 e n st e i n als Provisionsagent gefallen Einen Vorgeschmack zum dritten Reich gibt Grünbau m, der«inen Anwalt jüdischen Glauh-nL so darstellt, daß alle Maßnahmen von heute gerecht- fertigt erscheinen. So hat Hu gen berg auch>chon früher seinem jetzigen politischen Heirker Hiller h'e Wege geebnet. Der Film wird wenig Freund« finden, wenn man bcdenkt, daß mit den an Ihm verdienten Goldern jetzt in Berlin„H i t I« r j u n g e O u c x" gedreht werden soll. Da- dürfte nicht im Interest« unseres Staates gelegen sein. Bon der Kulturwelt ganz zu schweigen. XV. L. Antisajcistische Kundgebung der Arbettrrfportler In Aussig. Tie Genossen K a l n i n(Lettland) und Kosti ai uen(Finnland) sprachen am 9. Mai'n Aussig im Rahmen einer großen Manifvstation gegen den Fascismus. Sie wurden von uniformierten Tilrnern und Jugendlichen enipfangcn und begeistert begrüßt. EuropaFußballm-isterschastSsPiel Frankreich gegen Slnggemeind«. Freitag, den 12. Mai, 88 Uhr Schweiz 4:3. Am 30. April sand in Paris das zur im Probenlokal Ausjchußfitzung. Dringend. Europamnsterschaft der Arbeiterfutzballer zählend« I kändcrspiel Schweiz gegen Frankreich statt. Tie I französischen Genoss«» gewannen mit 4:8, nachdem I die Schweizer schon mit 2:0 in Führung gelegen I waren. Vom österreichischen Arbeiter-Radsport. Die I Wiener Arbeit«rmotorfahrer setzten am Samstag I ihren motorlportlichen Fünfkampf mit einer Nacht-! zuvrrlässigkeitsfahri fort, an der sich 110 Fahrer be-1 teiligten. Die zu fahrende Strecke betrug 96.4 Kilo»! meter und stellte an die Teilnehmer neben den be-1 sonderen Vorschriften groß« Anforderungen. Für Solomaschinen unter 250 ccm waren 80 und sür die anderen Maschine» 35 Slundeickilonreter vorgeschrle- bcn. Für jede Minute zu frühen oder zu späten Eintreffens In den Kontrollen oder beim Ziel er hielten die Fahrer einen Schlechtpunkt. Bei den Solmnaschinen über 250 ccm war Schwab(Ottak-! ring) mit drei Schlechtpunkten der Best«. 20 Fah. rer am Ziel. Beiwagenmaschinen: 1. Richter(Land- üraßc) 1 Schleck»puickt. 2-1 a>» Ziel. Maschinen nnter 250 ccm: Deimer(D"-' 5 Schlechtpunkt«. !l im Ziel.—' In~' n v«— die Arbcitevtnotorfahrer auf der Trabrennbahn vor 3500_______ Zuschauern«in Motorradrennen Die wichtigsten I von seinen anderen Werken(Flötenkonzert - B>S 250'"':•(Graz)Ivon Sanssouci, Morgenrot, Aorck) gar nicht 6:13; bis 350 ccm, ohv.(8000 Meter): Strunz I wehrfreudig. Er ist ein« der raffinierten Berdcu- (St. Pölten) 6:40.4; bis 500 ccm, ohv.(9600 Mc I gnngen der Ufa vor dem frcigeisttgrn Pablrkum, dem ter): Pievmayer(St. Pölten) 7:34.1. Meister- s man im jetzigen Deutschland daS G'ld anders ab« schaftSrennen um den Großen Preis von Oesterreich 06.000 Meter): Pierniayer 18:05. Slegcrrenuen (12.000 Meter): Ptermayer 9:52.1. Troftr«nn«n (7200 Meter): Aichinger(St. Pölten) 6:32. Rad rennen hinter Motorführung(6400 Meter): Fuchs 11:06.1.— DaS 1--- Unser Blatt der„Sozialdemokrat“ ist in Prag in folgenden Berschleitzstellen zu haben: Bahnhoksbuchhandlnng, Wllnoodadodok, Masaryk- bahnhof, Denisbahnbof. Bartiik, Trafik, Prag II., TySnov 2. Burok Hugo, Trafik. Prag I-, StaromCstski nä- nifsti 32. Hodrova, Trafik, Smichov, ndbf. Icgif 13. Jelinkova, Trafik. Nusle II„ Moitni doiny..Re- foriny". Kotyza Jan, Trafik, Smichov, ZborovskA tf. 15. Krauaova A„ Trafik, Karlin, KrAIovskd 14. Krejiik A., knihkupeotvi. Prag-Lieben. Krrtlov- Kkä 1511. Kronpa Jlndf„ Trafik. Prag II.. RaSinovo nibL stanek 114. Ummoho Karl, Trafik, Prag II., Nekazanka& Marei Josef, knihkupeetvi. Prag-Buben«, ul. Dr. Brnfa 24. Monik, Trafik, Prag I., Parlament. MrdSkova. Trafik, Prag I., Josefakä tf„ lUnek 111. Mrdz Jan, Smichov, Radllckd tr. 43. Orbis A.-0., Zeltungsvorschlelß. Praha XII„ Po* chova tf. 62. „Praga“. Zeltungsvorschlelß, Prag II.. Havliikovo nän>. 23. Sodläk Vdclavt Trafik, Dejvlcc, Svecova. Skrabkova Anna, Trafik. Dejvlce. Hennerovy lifodnlckä lau«— Sbeteebatleor. fflttbelm»itbnn.—«e»Mw»Nicher SeSolttui: E«U vH««t, Pra«— Druck:-Rota* für geituna- und euch»ruck,»es Druck derautworUIch: iut,— Dl« Bei:uuj«ntar(ruhonlo:ui wurde non»«, Potz. rurarapbrndiruNus«I« Erlas Nr. 13.800tVIItUS0 dewmtal.—«zuetbedtuauuern: Bei Zuftelluna tu« Hau««der bei«e»u, durch bl« Pas, mauälNch Ki 16.—. vlerleltidmch tzawiätzrch Ut US.-, ,an„adrch u« ua.—,— guser-u werdru lau! rarit dtüw» d-1-churt.»ei«»UM MvtcksUuasea«reUuachlatz.—«Ückg-üua, W« naaustriptt« eifrig» aut bei«tu/eaöua, bet fUfnrmul nimmt als durch KinoentrSe. Hier wurde vom Librettisten Liebmann eine Ide« des Russenfilms einfach gestohlen; saß nämlich ein Kriegsteilnehmer durch Gasangriff fein Gedächtnis verliert, in Sibirien etwas verkommt, und nach fast zwei Straßenradrennen auf der Bösen-Jahrzehnten:» die Heimat znriickkehri, nackidcm er GteNenAuSfGreivung Für ein Erholuugsheim sür Jugendlich« wird mit Antrittsdatum L Juni 1988 ein« Verwalterin gesucht, welche neben der administrativen Agenda auch dl« Aufsicht über die Küchenwirtfchasi und Wäsche zu führen hat. Gesuche sind mit Schilderung der Ausbildung, der bisherigen Tätigkeit, insbesondere mit einer Angabe darüber, ob die Bewerberin bereits in einer ähnlichen Anstalt tätig gewesen ist sowie der AehaltSansprüche bi» 15. Mai 1938 unter„Verwalterin" an dir Administration des„Sozialdemokrat", Prag N., Nekazanka 18, zu richten. Die Schande der„Bohemia". die mit ihrer drciviertelfascistischen-Haltung die Empörung aller Nichtnazis gegen sich entfesselte und gegen die wir eine von der^essenllichkeit bedankte Kampagne führten, hat seit einiger Zeit immer stärker auch das„Prager M o» t a g s- blatt" auf den Plan gerufen, das feit kurzem mit etliche» Artikeln lehr kräftig die deutschdemokratischen Gefilde ablcuchtei. Gestern nun hat dieses Blatt sogar eine S ander-21 uS» gäbe veranstaltet, um int Anschluß an den(auch von unS besprochenen) Tisknisioiisabrnd der Prager 1 nehm derausgabc Abgeordnc zu den Ereig gen;_ ihres eigenen Redakteurs, Herrn Abg. Dr. B a ch er, Herr nung, die...» „B o hc m ia" keineswegs in Artikeln darf laut werden lassen; welche Rolle denn der Abg. Tr. Peters, der Bertrauens- mann der Röfchc-Gruppe in der„Bohemia", ebendort spiele. Zn großer Aufmachung stellt dann die Sonder Ausgabe etliches ans den'Artikeln und Titeln der„Bohemia" bildhaft zusam- men, ans denen ersichtlich ist, wie die„Bohemia" den Braunhemden die Mauer macht. Tas„Prager Montagsblatt" erwirbt sich mit diesem Kampf gegen die„Bohemia" und gegen die Unwahrhaftigkeit und Berwafchenheit der Tentschdemokraten zweifellos ein demokratisches Verdienst, das wir um so lieber seststcllen, als wir früher das„Montagsblatt" von weniger erfreulichen Seiten her oftmals scharf zu kritisieren veranlaßt warrn. Wir können auch jetzt nicht entscheiden, ob und wieweit etwa diese Kampagne des„Montagsblatt" auch noch von anderen als demokratisch-politischen Beweggründen zu diesem Kamps bcstinimt sein mag. Aber jedenfalls ist es ein Kamps gegen den Fascismus und für die Ralliicrung der Wahrhaft demokratisch Gesinnten im deutschen Bürgcrlagrr. Und daß dorr die heute mehr denn je nötige Scheidung der Geister betrieb« werde, liegt im Ge- samkinteresse aller antifascistifchen Bestrebungen. Kundgebung der Bantbeamten. Heute um 2 Uhr nachmittag findet ein« Kundgebung der Bankbeamten statt, um zu der drohenden Gchaltsherabfetzung Stellung zu nehmen. Tic Böhmische Unionbank, die Böhmische Escomptcbank und Kreditanstalt und die Länderbank haben nämlich die Beamtenschaft zu Ver. Handlungen cingeladen und bestehen. auf einer Reduzierung der Bezüge. Sie beabsichtigen die Beamtenschaft zu kündigen, falls keine Einigung über die Frage der Gcyaltshcrabschnng zustande kommt. Gegen die brutalen Maßnahmen der Bankdirektoren wird die Beamtenschaft in der erwähnten großen Kundgebung Stellung nehmen. Bemerkenswert ist die Haltung der„Bo- hemio" zu dieser Frage. Die einzige Kritik, welche die„Bohemia" zu den Absichten der Bankdirek- torcn vorzubringen vermag, ist in folgendem Sah enthalten: „Bon den Funktionären sind viele schon jetzt auf einen Bruchteil ihres früheren Einkommens beschränkt." Funktionäre sind nämlich die Direktoren und Prokuristen und um diese ihre liebsten Kinder hat Tante„Bohemia" die größten Sorgen. Die Bankdirektoren, die eine halbe Million und mehr verdienen, die erwecken das Mitleid eines Blattes, dessen politischer Redakteur Herr Dr. Bacher bei allen seinen Reden mit den Bankbeamten liebäugelt, um ihre werten Stimmen wirbt und im übrigen bei einem guten Glase Bier im deutschen Kasino um das Placet seiner edlen Auftraggeber einkonimt. D«r we.ße Dämon. Hier zeigt uns die Ufa Rauschgifte und di«, welche sich ihrer zur Liebe bedienen; mit Morphium erzielt man da bekanntlich hinreißende Erfolge und AlberS ist der Mann, di« Polizei zu ersetzen. Er tut das mit von ihni vertragsuiäßig zu liefernder Nonchalance. In allen Sätteln gerecht, kam, sah »nb siegte er, wobei ihm die Band« unter Peter L o r r« s Führung nur bescheiden Widerstreiten darf. Ende gut, alles gut; also sÄbftniordet sich der„Chef" Alfred Abel und Lorre kommt ins Kittchen, di« Molo bekommt sentimentale Augen und liebt hinreißend, die Maurus versucht«S ohne happy end. Regie führt recht routiniert und spannend Kurt G e r r o n, den man mittlerweile auch hinaus- geworfen Hot. Für naiv« Ansprüche ist gvsorgt. * Die Deutsche Volksslnggemeinde, Prag veranstaltet unter Mitwirkung des „Ains" und des Salonorchesters am 2 a m S t a g, den 13. Mai, um 8 Uhr abends im Odborovy Dum am Bergstein einen UnterBaltttno^a^nO mit reichhaltigem Programm und anschließendem Tanz. Di« Veranstaltung ist ganz der Geselligkeit leichtern.