Nvzelpreis 70 Heller. ^Einschließlich 6 Heller Porto' Erscheint mit Ausnahme ves Montag täglich früh. St.eanto« u. Dtnnalluaa: BragQ.'SttUimta 26793. 3*469. 7laiWr»0oltn Ende seiner Tage sagen zu können: „Ich habe dem Deutschen Reiche den deutschen Arbeiter erkämpft" ist von den Nationalsozialisten, die größte Arbeitevpartci des Reiches, die deutsche Sozialdemokratie, ihrer gesamten materiellen Existenz beraubt worden. Mil Recht ist in der englischen Presse diese Handlung als ein g e m e i n e r S t r a ß e n> raub gekennzeichnet worden. Was der Beschlagnahme des Parteivcrmögens, der Partei Häuser, Zeitungen und Archive ein besonderes Gesicht Verleihs, ist die niederträchtige Begründung, die man für diesen' brutalen Gewaltakt geftinden hat. Der Gencralstaatoanwalt, dieser cigentüniliche Vertreter einer„glcichgcschaltc ten" Justiz, hat als Grund für die Beschlagnahme angebliche Unlrcuesällc angegeben, die seit der Uebenlahmc der Gewerkschaften durch die nationalsozialistische Bctriebszellcnorgani- sation anfgcdeckt worden seien. Was sollen das für Veruntreuungen sein? Im übrigen, mit welchem Rcchlc glaubt die braune Be satzuugsarmee, die heute in den Arbeitcrhän- fern ihr Unwesen treibt, sich das Recht eines Urteiles über geschäftliche Maßnahmen sprechen zu dürfen, die die Gewerkschaften als unabhängige Organisation lediglich vor ihren eigenen Mitgliedern und deren Organ, nicht aber vor den» Fascistengcsindel zu verantworten haben, das heute im Schatten der Regie- rnngsinacht sein Gcwaltregime aufrichtct. Ter Borwand des Raubes ist zu fadenscheinig, nm nicht in aller Welt dort, wo noch nicht die Angst die Lippen schließt, verurteilt zu wcr- den. Wenn die Gewerkschaften der sozialdemokratischen Partei gelegentlich finanzielle Hilfe gelt i st c t h a b e n sollen, s o w a i das völlig in der Ordnung, denn die sozialdemokratische Partei hat stets die Interessen der Gewerkschaften in einer politisch ost geradezu aufopferungsvollen Weile wahrge- nommcn und bis zu den letzte» mißglückten Gleichschalttingsversuchen gewisser junger Gewerkschaftssekretäre, galt in der deutschen Arbeiterschaft das Wort:„Gclverkschaftcn und Partei sind eins!" In- Wahrheit hat mau mit der Beschlag- nahnre des sozialdemokratisclien Parteivermo- gens eine Enteignung der deutschen Arbeiterschaft vorgenonimen, während man den Mut dort nrit Enteignungen vorzugehen, wo wirklich ein soziales Interesse daran bestehen könnte, nicht besitzt. Denn cm» Tage zuvor erklärte Adolf Hitler auf einer Sonderkonferenz des ostpreußischcn Grundbesitzes, daß alle Gerüchte, er oder die Regierung vlantcn einen Anschlag auf den Großgrundbesitz, un- tvahr seien; er werde jeden mit Leidenschaft bekänipfcn, der es wagen würde, auch nur das g c r i n g st e Recht des Großgrundbesitzes a n- zn tast en. Ein Siedlungüprograinni, das auf Kosten des Großgrundbesitzes ginge, sei kein nationales Programm, sondern ein solches des Bolschewismus. Deutlicher als alle bisherigen Reden und Maßnahmen zeigt das Zusammentreffen dieser beiden Ereignisse, wohin die Reise geht: g e g e n d i e Arbeiter, für die ho h e n Herren! Es ist ein Zeichen für die Naivität weitester Kreise des deutschen Volkes, die von der geistigen Epidemie des Hitlertum« befallen sind, daß sic von Adolf Hitler irgend cinen Sozialismus erhoffen. Verstaatlichungen, dort, wo sie den.Herren in den Kran- Passen, kleine billige soziale Geschenke, und dergleichen mehr, niögen kommen. Ein Sozia- liämus, der ja nicht nur eine Magenfrage, | sondern eine Fveiheitsforderung ist, kann aus Sette 2 Freitag, 12. Mai 199 »tt. in dieser Diktatur nicht erwachsen. Darum sonst der scharfe Kampf gegen die Arbeiwrorgani- sationen? Die Herrschaften sind geschickte Propagandisten und sie führen deshalb den Kampf, ztrxir mit Strauchrittermaniercu, aber sie ziehen dabei gern das Visier vor das Gesicht. Sie haben die Kommunistische Partei nicht formell aitfgelöst und sie lvevdcn vielleicht die Stint haben zu behaupten, daß sie die sozialdonwkratische Partei tvciter bestehen lassen. Aber was ist ein« Partei, ohne jene Einrichtungen, die tn mehr als vierzigjähriger Arbeit geschaffen wttrden, um die Rechte des Arbeiters wahrzunehmen und sein Wissen uttd Können zu mehren. Die deutsche Sozialdemokratie wird deshalb auch, nachdem man ihr die legale"Basis der Existenz mit deut vorgestrigen Tage geraubt hat, dt« Kottfequenzen zu ziehen haben, und dafür schleunigst Sorge tragen müssen, daß ähnlich wie in der Zeit des Sozialistengesetzes die Parteiarbeit in veränderter, ober nicht minder w i r k s am er Form f o r t g c f n h r t wird. Sicherlich werden diejenigen, die sich in Deutschland jetzt dieser schwierigen Aufgabe unterziehen wollen, fürs erste einen schweren Stand Haden. Denn nicht nur Spiheleien, bösartiges Ueberläufertum und Terror des Gegners werden sie bedrohen, sondern die Jrchifferenz jener wird ihre Arbeit erschweren, di« der Meittung sind, daß nicht alles so hätte kontmen müssen, wie cS kam. Nichts verkehrter als in einem Fatalismus, der angeblich marxistisch sein soll, in Wahrheit aber nur gedankenarm ist, der Theorie zu huldigen, daß in Deutschland alles zwangsläufig gewesen sei. Gewiß, der verlorene Krieg, die Spaltung der Arbeiterschaft, die Minierarbeit der Kommunisten, denen Rußland jetzt durch seinen Freundschaftsvertrag mit Duker eine sonderbare Quittung erteilt, die Rebellion deS Mittelstandes und di« Derzweilung der Arbeitslosen sind Hindernisse für ein« erfolgreich« sozialdemokratisch« Politik gewesen. Aber das, woran«S vor allem fehlte, war der jugeiw- frische Mut dazu im entscheidenden Augenblick, den festgestampften Weg der Legalität zu verkästen und daS zu tun, was auf einem früheren Parteitag Otto WelS mit den Worten verkündet hatte:„Wenn schon eine Diktatur, dann unsere!" Leider haben vor allem auch die Gewerkschaften vor lauter Erwägungen nicht di« frische Farbe der Entschließung auf die Wangen der Arbeiter gezaubert. Ein« pessimistische Grundstellung hat auS der Tolerierungspolitik, di« ein« Zeit nicht nur der Abwehr, sondern auch des Sammelns der Kräfte hätte sein müssen, eine Zeit langsamen Verfalles gemacht. Trotzdem gilt es nicht über diesen oder jenen heute zu Gericht zu sitzen. Wenn Kritik geübt wird, dann nur um deS Bessermachens willen. Di« Arbeiterschaft muß in den Betrieben zusatnmenfinden, langsam muß aus den leidvollen Prüfungen der Gegenwart der Will« zur Neuschöpfung erwachsen und Deutschland, daS bisher nur wenig Revolutionäre, dafür ober viele Konterrevolutionäre gezeugt hat, braucht einen neuen Menschenschlag, der bereit ist nicht nur zu verwalten, sondern auch- wahrhaft zu herrschen. Weg mit den letzten Resten kleinbürger4XVIIII litt VU l AIUIVL UlUllUVHi IlV lUllllVIl| K» p.. r d"rch ihre Maßnahmen die sozialistisch« Be- jL&&ÄÄi wegung vernichten, so täuschen sie sich, denn der Befreiungskampf der Arl>eiter bleibt, so gelviß die Arbeiterschaft bleibt. Mögen attch die Formen und Organisatiotten sich wandeln. Eü gilt das Wort: Die deutsch« Sozialdemokratie ist tot, eS lebe di« deutsche Sozialdemokratie! betonte, daß nunmehr das Zeitalter des„überspitzten jüdischen Intellektualismus" zu Ende sei. Ein ähnliches Theater wurde attch in anderen Universitätsstädten ausgeführt, so in Bonn und Frankfurt, wo die auszumerzenden Bücher imf einem von zwei Zugochsen gezogenen Mistwagen und unter den Klängen eines Trauermarsche- zum Ort des Autodafö» transportiert T anch der Weg zur wahren Demokratie, viel- j leicht gerade in Deutschland, vorübergehend durch Diktatitrinaßncchinen geebnet tvyddett.> Wenn unsere telegner glauben, sie können j 1"."» v* chsbankprasident Tr^ Schacht bei hcit. In diesem Sinn«-sind Sozialismus und I DCUtStfllfllld Demokratie, untrennbar voneinander, mag! W|||€| n handelsmoralorlum. Schachts Washingtoner Besprechungen. Pari-, 10. Mai. erfahren^auS^Washing. .....„—„.>» HauS" gefor dert hat, daß dem Deutschen Reich zur Zahltmg seitter Handelsschulden ein Morato- r i u tu v o n z w e i Jahren gewährt tvird. Die hierfür in Betracht kotnntenden Summen werden von Dr. Schacht mit rttnd einer Milliarde Reichsmark für jedes Jahr angegeben. Nach Ablauf des MoratorittmS soll, nach den Vorschlägen von Schacht, Deutschland mit der Rückzahlung derart beginnen, daß die gesamte Schuld in 25 Jahren getilgt sein wird; die Rückzahlung soll nicht in Reichsmark, sondern in ausländischen Devisen erfolgen. Die durch da« Moratorium eingesparten Summen will Doktor Schacht zur Finanzierung des Hitler-PlanS zur Behebung der Arbeitslosigkeit in Deutschland verwenden^— lieber die Antwort der amerikanischen Gläubiger zu diesen Plänen Dr. Schachts, die allgemein als denkbar schlechtes Zeichen für den Zustand der deutschen Währung betrachtet werden, liegen Nachrichten zur Zeit noch nicht Vor. rasclstisdie Versuche in Schweden. kicher Selbstgefälligkeit, herbei die große Htttgegebenheit au eine Idee, der auf die Dauer der Sieg gewiß ist, weil nach einem prächtigen Wort« Matteottis der Mensch die Freiheit zum Leben braucht, wie Luft itud Licht. Sozialismus ist nicht nur Planung, Ord nung und BerteilungSproblem. Vjäre er das, dann würde auch, wie die Nationalsozialisten uns weiSmachcn wollen, im altpreußischen Kaserncndrill Sozialismus stecken. Nein, Sozialismus ist die wirtschaftlich« und kulturelle Neuordnung zirm Ziele der Befreiung der unterdrückten Klaffen und Völker der Mensch- nninmninnnti>im>inn)iii)jin!)i)u))i))iiiiiiniiiiiiiiitiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiniiiiiiiiiiiiiiiii!iiniiiniiuiiiiiiiiiiiiitiiiitiniiiiuiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinnimiiinra Kinderei oder Narretei? Theatralisches Autodafd mißliebiger Bücher. Berlin, 11. Mai. Mittwoch nachts wurden von Hakenkreuzstudenten, die vorher unter Füh rung des Nazi-Professor» B a u m l e r«inen großen Umzug veranstaltet hatten, auf dem Opernplatz mehr al» 29.999 Bücher bekannter Autoren, di« al»„undeutsch" auf den Index ge setzt sind, auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Ten„Höhepunkt" dieser Beranstaltung bildete> marime« eine Ansprache des Minister» Goebbels, der!wurden. Paris:„Das dunkelste Mittelalter“! Poris, 11. Mai. Die Berliner Korresponden- ten der Pariser Blätter schildern onSsührlich die gestern abend» ani Opernplah erfolgte Verbrennung von Büchern und stellen größtenteils daheutige Deutschland dem dunkelsten Mittelalter gleich. „Echo de Pari»" wirft di« Frage auf, wa» Goethe zu der gestrigen Manifestation gesagt hätte, der in seinem Werke„Dichtung und Wahrheit" di« Verbrennitng gottloser" Bücher, deren Zeuge er war, auf da» leidenschaftlichste verurteilte. Die Bücher, welche gestern in Flammen ausgingen, sogt do» Blatt, waren weder gottlos noch unanständig. Der Berichterstatter de»„Journal" schreibt: Die Bücher verbrannten unter starkem Oualm, doch von Zeit zu Zeit enthüllten die grellen Flammen da» Bild der UniversitatSfassode, de» Gebäude», das— o grausame Jron'e— den Wissenschaften und Künsten geweiht ist. Diese» Autodass ist leider allzu bezeichnend, denn eS ist ein« der traurigsten Aeußerungen de» neuen deutschen Geistes. Stuoen- ten. junge Leute, durchdrungen von nationali- stischer Mystik, die in dieser Zeit drei Viertel de» deutschen Volke» überflutet hat, haben sich daS Recht angemaßt, die wissenschaftlichsten Werke von Gelehrten und Persönlichkeiten zu verurteilen und zu vernichten, deren Ruhm weit über die Grenzen Deutschlands hinauSgedrungen»st. Neue Demonstration gegen Rosenberg Sein Kranz vom Denkmal des Unbekannten Soldaten entwendet. London, 11. Mai. Nach dem für Herr Rosenberg mehr als unangenehmen Zwischenfall mit der Lady Oxford hat sich ein zweiter Zwischenfall ereignet, der neuerlich beweist, wir empört die öffentliche Meinung England» sich gegen diesen Nazi-Gesandten wendet. Rosenberg hatte am Grab des Unbekannten Soldaten«inen Kranz niedergelegt. Um elf Uhr früh fuhr nun ein Kraftwagen au de« Kenotaph vor. Au» dem Wagen sprang«in Man« heraus, riß den Kranz Rosenberg» an „Znrfidi In die Barbarei gestürzt“ Der„Daily Herold" widmet heute seinen Leitartikel den Verhältnissen in Deutschland/ wobei er erklärt, die Konfiskation de» Vermögens der deutschen Sozialdemokratie könne nur mit einem gemeinen Straßenraub verglichen werden; sie sei aber eigentlich mir eine verhältnismäßig unbedeutende Angelegenheit irr dem langen schmutzigen Kalender der nationalsozialistischen Verbrechen. Der deutsche Militarismus sitze heute fester im Sattel als seinerzeit unter dem säbelrasselnden Kaiser. Hier entstehe sich und verschwand damit im Auto, da» in schärfstem Tempo davon fuhr. Al» Urheber dieser Demonstration wurde der der Arbeiterpartei angehörende Kapitän Sear»,«in Mitglied de» Verbände» der britischen Frontkämpfer, sestgestellt, der erklärte, er habe dagegen protestieren wollen, daß dem Vertreter Hitler» überhaupt die Kranznieder» legung erlaubt worden sei. Sears wurde vom Polizeigericht wegen „Diebstahl eine» Kranze»" zu 40 Schilling Geldstrafe verurteilt. für die Welt ein« entsetzliche Gefahr. Deutschland sei mit lautem Getöse zurück in di« Barbarei gestürzt, und i« früher die» die zivilisierte Welt begreifen Werve, um so besser werde e» kür sie sein. Unangenehme Anträgen Im Dnierhons. Im englischen Unterhaus wurden heute eine ganze Reihe von Anfragen gestellt, warum Rosenberg eigentlich die Einreisebewilligung er- teilt worden sei, die man doch andern mißliebigen Persönlichkeiten wie Trotzki usw. verweigert habe. - Die Versuche, die Nazimethoden und-Svm- bol« in Schweden zu kopieren, hatten bisher keinerlei politische Bedeutung, sie waren auf lleine Gruppen beschränkt, die unter einander«neinwaren und tttnt bedeutenden Führer besaßen. Am 28. April wurde jedoch in der Preffe mitgeteilt, daß die Nationale Iugendligo, die Jugendorganisation der konservativen Partei, sich den Methoden angenähert habe, die der Nationalsozialismus in Deutschland vertvendet. Tie Nationale Jugendliga sNationella UngdomSför- bundct") ist ein größerer Verband mit einem eigenen Blatt„Nationell Tidniing", das verschiedentlich die öffentliche Meinung in Schweden in Bewegung sehen und sogar ernsthafte Schwierigkeiten innerhalb der konservativen Partei selbst Hervorrufen konnte. Wie der Stockholmer„Soeial-Demokraten" am 29. April berichtete, hat die Liga nun beschlossen,'m allen ihren Gruppen Kampsabtei- lungen zu bilden, deren Mitgliedschaft auf jene Anhänger beschränkt ist, die von einem„llaren Offensivgeist" geleitet werden. Da» Ziel dieser Gruppen ist„eilte nationale Erneuerung". Tie Gruppen sollen unter den jüngern Leuten Mitglieder Werben und den Kamps gegen die Politischen Gegner verschärfet«. Sie sollen an Demonstrationen und Untzügen, die von der Liga organisiert werden, teilnehmen. Die Gruppenmitglieder erhalten Uniformen: Im Sommer stahlgrau« Sporthemden und im Winter Windjacken über dem.Hemd. Sie tragen ferner eine blaue Armbinde. Die Liga übermmmt aber nicht bloß die Technik der Nazis, sondern auch ihre Ideologie. Die Erklärung, mit der diese neue Praxi» der Liga eröffnet wird, enthält scharfe Angriffe aus „die Bourgeoisie",„den verantwortungslosen Kapitalismus" und ruft noch„Aktion. Der Führer dieser neuen Sektion der Nationalen Liga ist ein Mitglied des schwedischen Parlaments und Berufsoffizier, Hauptmann Als Meperhöffer. Der„Social-Demokraten" verweist in seinem Kommentar zu diesen Beschlüssen aus den provokatorischen Charakter, den solche Formen deS Politischen Leben« in Schweden hatten. Diese verbrecherische Verantwortungslosigkeit stellt die Frage des Verbots politischer Uniformen aus die Tagesordnung. 46 NaehdrMk verboten- KARI UND DAS 20. JAHRHUNDERT Roman von Rudolf Brunngraber«81 Copjrrigth bjr Sodet*to*Veri*g, Frankfurt am Main 1033 Bon den. 22.909 zerstörten Betrieben tvaren wieder iustaudgeseht 20.009 und von den 6128 gesprengten Brucken waren wieder hergestellt 5300. 1924 kam der erst« Kredit auS Amerika, 600 Millionen Dollar, 1925 der zweit«, 920 Millionen Dollar. Im Juli dieses Jahre» räumt« Frankreich da» Ruhrgebiet und im Oktober erkannte Deutschland in Locarno, indem eS zugleich von der Sowjetunion Politisch abrückte, die neue Westgrenze an. Im Jänner 1926 zogen die Alliierten ihr« Besatzung au» dem Kölner Gebiet, der ersten Räumungszone,>m September wurde Deutschland in den Völkerbund ausgenommen und 1927 wurde e» von der Militärkontrolle befreit. Europa konsolidierte sich, um sich seiner Arbeit wieder zuzutvenden. Um dem Unentrinnbaren zu dienen. Schon im April 1926 hatten die sieben größten deutsche» Bergwerks-, Hütten- und Stahlunternehmen die Vereinigt« Stahlwerke A.-G. gegründet. War da» andere deutsch« Rielrnunter- nehmen. di« Allgemein« Elektrizitäts-Gesellschaft (die AEG., da» drittgrößte elektrotechnische Unternehmen der Erde),«in vorwiegend horizontal gegliederte» Unternehmen, so reichte die Spannweite de» neuen Stahltrusts vom Bergwerk bi» zum Eisen verarbeitenden Betrieb. Vereinigt« Stahlwerke A.-G., da» bedeutete 925 Millionen Mark Eigenkapital, 185 Quadratkilometer Grundbesitz, 860 Quadratkilometer Kohleufelder, 450 Quadratkilometer Erzfelder, 130 Kilometer normalspurige Eisenbahnen, 436 Lokomotiven, 11.260 Waggon» und 10 eigene Häfen. Bereinigt« Stahlwerk« A.^»„ da» Ädeutet« 178.000 Arbeiter und 15.000 Angestellte und 28 Eisen- und Stahl- werke mit 68 Hochösen. Vereinigte Stahlwerke A.-G., da» bedeutete eine Jahresproduktion von, 10 Millionen Tonnen Stahl und 40 Millionen Tonnen Kohl«. 1926 noch schloffen sich all« deut-' scheu Stahlwerke der Internationalen Rohstayl- gemeinschast an, die die gesamt« Produktion Deutschland» Frankreich», Belgien» und Luxem- burgs umfaßle, ab 1927 auch die der Tsch.'cho- lowakei, Oesterreichs, Ungarns nnnd' Jugoslawiens, und di« ein Drittel der Welterzeugnng lieferte. E» galt der Absatzkrise, die ein internationales Uebel war, auf internationalem Weg entgeacnzuwirken. Es galt di«. Fülle, die durch die Anstrengungen de» vergangenen halben Jahrhundert» glücklich ausgeschloffen würden war, durch .Hemmung der Produktion wieder zu verringern. Rockefeller hatte den modernen Trust organisiert, um die Produktion zu steigern, nun wurde der Trust organisiert, damit sich die Produktion vermindere. Es galt nun auch die Voraussetzungen für di« Rationalisie rung der Arbeitsverfahren, für di« Verbilligung der Arbeit, zu schaffen und auch dafür war der Trust die Basis. 1926 noch gründet« man da» deutsch-französisch« Kalikartell und/ da» eng- lüch-französisch-dcutsch-schweizerische Aluminiumkartell, zwischen England, Frankreich, Deutschland und Luxemburg wurde da» Schienenkartell festgelegt; di« Standard Oil Co. Rockefeller» und die Royal Dutch Shell Co. Deterding» regelten im Einvernehmen mit der JG.-Faroenindustrie den europäischen Benzolvertrieb. 1927 folgte da» Kupferlyndikat, da» England, Amerika, Deutschlaich, Frankreich und Afrika vereinigte und 90 Prozent der Weltpröduktion'kontrollierte."Soli die Krise zu überwinden sein, schworen nun nicht di« Sozialisten, sondern di« Wirtschaftskapitäne, dann muß mit den blinden Gewalten de» Gesetze» von Angebot und Nachfrage aufgeräumt werden, aber auch mit jeder Vergeudung von Arbeitskraft, Rohstoff und Zeit, Und die Rationalisierungswelle ging über Europa hin, da» ihrer offenbar noch dringender bedurft« al» Amerika. Mußte Deutschland doch Abgaben in der Höhe von acht Prozent seiner Produktion leiste»(die 25 Prozent hinter der der Vorkriegszeit und 70 Prozent hinter der Amerika» zurück war) und lagen in den Siegerstaaten die Dinge, doch so,. daß das Jnvestitionskapital der unternehmen durchschnittlich um 150 Prozent gestiegen war, die Erzeugung, gehemntt durch die Absatzsrise, kaum um'zehn Prozent. ES war also, wollte inan die gleiche Dividende verdienen wie vor den« Krieg, di« HeraiiSmirt'ck'-iktuna des ein- ,einhalbmal io großen- G einer kaum um ein Zehntel gesteigerten Erzeugung notwendig. Und wo wäret» die Reserven sur diesen Vorgang? In der durchdachteren Mechanik und im Menschen. Im Menschen. au» dem man daS Letzt« herouSholte(Marke: zuckende Sehn«, zwischen zwei Maschinen gespannt). Uttd Europa gründete die Internationale Organisation für NormungSsragen in London und das Internationale Rationalisierungsinstitut in Genf, Abkömmlinge de» Fonds deS 20. Jahrhunderts in Boston. Aber auch die nationalen Institute wirkten gleich Turbinen, die Britische Jngenieurgesellschaft, FayolS, BetriebSivislenschaftlicheS Studienzeutrum in- Frankreich, die Masaryk-Akadrmie der Arbeit, da» Deutsch« Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit. der Russische Zentvalrat für wiffenschajt- liche Arbeitsorganisation. Im Mai 1927 gah Lar sei- Cbemnitzcr sozialdemokratischen Rcichstagsabge- Vieh zur Schaustellung verladen wurde; ordneten Kuhnt beging. Wir veröffentlichen führte>nan ihn durch die Stra in ge- der Der Terror gegen Juden und Andersdenkend« flaute nicht ab; er hat neue Formen angenommen. Einzelaktivnen haben ausgehört, aber die anrtliche Verfolgung und der kalte Bohkoti gegen Mißliebige gehen weiter. Die Beschlagnahme des SPD-Vermögens und das Bvrgehen gegen die Gewerkschaften sind die weühiu sichtbaren Beweise. Früher hat man nur geleugnet; nun aber hängt man den Terroraktionen ein nationales Mäntelchen um. bemüht sich höchstselbst, der natiortalen Arbeit Arbeiter zu werben und ligung um Demütigung Frau(hinter Balkiu) zu erkennen, die man zum Abwäschen der Mauern gezwungen hat. worauf ihn ein SA-Mann mit dem Gew eh rkol-fmtzcr Kulitusgemeindc, bei„volkswirtschaftlich ben quer über das Gesicht schlug und ihm dadurchInützlicher Arbeit". Aus diesem Bild ist auch eine dar ganze Gesicht zertrümmerte,-alb ohnmächtig wurde er in das Auto gezerrt. Aus dem Transport wurde er im Wagen fürchterlich zugerich- tet, bis zu einem 8 kni entfernten Fluh geschafft und dort von der SO m hohen Brücke in den reihen den Strom Hinei«geworfen. Mau fand ihn am nach sten Tage ohnmächtig am anderen User vor. Der Fluh war gnädiger als die Nazibanditen. Wie weit sein Gesundheitszustand heute ist, kann ich nicht sagen. Bei meiner Abreise von zu Hause war er bc- rcitS zweimal operiert und cS konnte der Arzt noch nicht einwandfrei sagen, ob er mit dem Leben davon- kommen wird. Alle diese Fälle, die ich hier wahr- heitSgetreu geschildert habe, sind dem Innen- Ministerium in Preußen bekannt. Man kann auch bei den Parteiinstanzen jederzeit Datum und Stunde der Ereignisse, sowie die Namen der Geschädigten erfahren. Die Juden müssen zahlen. Zur Charakterisierung der Nazis diene noch fol gendes Beispiel, welches zeigt, daß sie als Hasser und Vernichter des Judentums doch nicht davor zu- rückschrccken, von den Juden Geld zu erpressen. Sie huldigen jedenfalls dem bekannten Grundsatz, daß Geld nicht stinkt. Alle Juden in meinem Wohn ort wurden unter Terrorandrohung verpflichtet, nach Erhalt eines Schreibens des Standartenführers innerhalb 24 Stunden je nach dem VerniögcnSstand an die SA. Ivvü bis 10.000 Mark abzuliefern. In meinem Wohnort lagen bis Montag, den 10. April 1933, 387 einwandfrei gemeldete Fäll« blutigen Terrors vor, dessen Opfer größtenteils schwerverletzt in den Spitälern liegen. Wenn ich bitte, die angegebenen Namen vorläufig nicht zu verlautbaren, so deshalb, weil ich eben die Nackr- > richt erhalten habe, daß auch meine Familie i flüchten mußte, da man ihr mitgetcilt hat, daß i auch sie in Hast genommen wird,»venn ich nicht > binnen drei Tagen wieder zu Hause bin. Wo , meine Familie jetzt herumirrt, weiß ich nicht, i ich weiß nur, daß die Rache der Nazi an meiner , wehrlosen Famiue furchtbar wäre, wenn sic gc- > fangen und ich als Urheber dieses Berichtes fest- > gestellt würde." So der Genosse, der, vollständig zusammen prügelt, bis er- schwer verwundet ohnmächtig liegen> blieb. Man fetzte ihn so zerschlagen und ohnmächtig I in ein offenes Auto, führte ihn am hellichte« Tage I durch die Siedlung, wo er wohnte, zeigt« ihn in i diesem Zustande der ganzen Bevölkerung und lieserte ihn dann bei seiner Fran ab. In der Zwischenzeit, als er wieder zu sich gekommen war, nahm man ihm einen Schwur ab, nicht zu verraten, wo man ihn hingeschleppt habe und daß er geschlagen worden sei. Die Frau sorgte dann für den Transport ins Krankenhaus. Am nächsten Tag morgens um 8 Uhr waren die Nazi- im Krankenhaus und verlangten die Herausgabe des Genossen. Der leitende Arzt lehnte das mit dem Hinweis ab, daß der Schwerverwnudete in seiner Behandlung sei und er ihn deshalb nicht auSlicfern könne. Die Nazis erklärten hierauf, sie würden den Verwundeten selbst behandeln und zu diesem Zweck um 11 Uhr wiederkommen und ihn abholen. Der Arzt ließ in der Zwischenzeit den Schwerverletzten wegschaffen und in Sicherheit bringen. Ein Mitglied des D. M. V., der gleichzeitig Funktionär im Reichsbanner war, wurde ebenfalls nachts um 3 Uhr geholt und außerhalb der Stadt aus offenem Felde, wo rin großer Wassertümpel sich befindet, gezwungen, sich vollständig auSzuzirhen. Dann wurde er solange geschlagen, bis er ohnmächtig war, hierauf in den Tümpel geschmissen und, als er wieder zu sich kam, noch einmal ohnmächtig geschlagen und abermals hinringeworsen. Zuletzt wurden seine ganzen Kleider verbrannt und er mußte sich splitternackt und schwerverwundet nach Hause schleppen. In den nuO geworfen. Der Vorsitzende des Holzarbeiterverbandes in N. war, wie so viele hunderte Funktionäre seit dem 10. März nicht mehr in der Lage, in seiner eigenen Wohnung zu nächtigen, weil immer befürchtet werden mußte, daß man ihn bei Nacht holen werde. Vier Wochen später, nachdem einige Tage Ruhe war, ersuchte die Frau dieses Kollegen ihren Mann, doch wieder einmal zu Hause zu bleiben, da ja jetzt Ruhe sei. Der Genosse gab dem Dränge» seiner Frau nach, kam um 11 Uhr nacht- nach Hause. Zehn Minuten später war der Uebersallwagcn der SA. da, holte den Mann ab, führte ihn zum Kommando, wo er vernommen und nach 20 Minuten wieder entlassen wurde. Als er herauskam, wurde er von den SA.-Lcuten oufgefordcrt, sich wieder in das 5~ setzen, da sic ihn hcimfahren wollten. Ter( der nicht- Gutes ahnte, lehnte dieses Ansinnen ab, von C h e m n i tz, dem Volke die Schandtaten denionstriercnd, die die Uebermacht der Hunnen tausendfach an wehrlosen Volksgenossen verübte. Heber ein Krüppel, als ein Gefangener der SA. München, 10. Mai. Im Gefängnis in Bad R c i ch c n h a l l befand sich seit mehrere» Wochen der Kommumsteusührcr Huber aus München in„Schutzhaft". Huber ist im Gefängnis schwer mißhandelt worden. Als er gestern z,tni Holzhacken kommandiert wurde, k ch l n q er sich nnt der Hacke den D a u M e u. der linken Hand vollständig ab. Er mußte ins Kran- keichans gebracht werden. Es wird mitgetcilt, daß Huber die Selbstverstümmelung beging, nnt aus dcm Gefängnis inS Krankenhaus zu kommen. Wir berichteten schon einmal über die er- Auf dem kleineren Bild sicht man jdrhnt bärmiichcn Grausamkeiten, di« die SA an den: auf einen» Karren, auf den er wie ein Stück heute neue Bilder über den Fall Kuhnt, weil diese noch viel eindringlick-cr als die schon ge- S Egten, die Verworfenheit der nationalsozialisti- c>» Sklavenhalter, ihren Zynismus und ihre Unkultur zeigen. Kuhnt ist auf einen Stock^e. stützt und kann sich nur mit Muh, aufrecht erhalten. Er ist näntlich invalid; erst wenige Wochen vor sei- ner Verhaftung hat er sich bei eineni Autonnfall beide Beine gebrochen. Man sehe sein zerqnältes Gesicht und die elenden Fratzen der Hilnncn, die ihre Verderbtheit bildlich der Nach ivelt überliefern! Das Bild stanim: ans nationalsozialistischer Quelle, ec wird in Chemnitz v e r k a u f t: di. Aufschrift:„Oldenburg!scher Mini- fterpräsident Kuhnt in» Jahre 1919, letzt Straßcurciniger Kuhnt Chem- nitz, Mär» 1933, verhaftet am 9. März durch Marinesturm Chemnitz". zeigt das Maß von Demütigung, der man einen untadeligen Mann wie Kuhilt nur um seiner Gesinnung willen! Das andere den Chenrnitzei aussctzt.| Schuhgroßhändler Balkiu, Vorstand der Chem- Auto zu I gebrochen, von der Sorge um seine Familie sec- Genosse, lisch aus das Furchtbarste gepeinigt, ein Zeuge ,««« ab,' per Kulturschande Deutschlands wurde. Nochmals: der Fall Kuhnt. Ein Genosse erzählt Ein Mann, der durch ganz Deutschland gehetzt wurde und wir durch einen Znsall den braunen Mordbandcn entgehen konnte, weil ihn, ein Grcnzgchcr zeigte, wo er die Grenze passicreii kann, gibt folgendes unter Nennnng von Personen und Ortsnamen zu Protokoll: Opfer und niditer mißhandelt „Am Freitag, den 10. März, als Minister Göring in den Ausstellungshallen in Essen Ruhr die berühmte Rede gehalten hat, begann in Deutschland die eigentliche„nationale Revolution", weil aus Grund der Mvrdhetzc, die Göring trieb, seine Anhänger vor nichts mehr zurückschreckten Um 11 Uhr nachlS war die Siede beendet»nd morgens um 2 Uhr setzte der Terror ein. Ich will einen Fall schildern, der unseren, Parteivorsitzenden passierte. Dieser, der ein eigenes Häuschen besitzt, wurde in der genannten Stacht um halb 2 Uhr von unge- iähr IS—18 Nationalsozialisten, die sehr schwer bewaffnet waren, überfalle n. Die Wohnungseinrichtung wurde vollständig zertrümmert, im Schlafzimmer des Genossen sind eimvandsrci 80 bis 60 Revolver-Kugeleinschläge festgestrllt worden. Der venosse, der sich zur Wehr setzte, verletzt» zwei Nazi, er wurde daraufhin unheimlich zugerichtrt und verhaftet. Vor den» Untersuchungsrichter schilderte er den Uebcrsall loahrheitSgeireu und es mußte der Richter scststellen, daß jeder Mensch das Recht haben müsse, bei einem derartigen Ueberfall sich zum Schutze seiner Faniilie zur Wehr setzen zu können. Ter Genosse wurde dann auS der Untersuchungshast entlassen und zur Roche dafür wurde der amtierende A m t S g e r i ch t S r a t von den Nazis nachts um 2 Uhr aus dem Bett geholt und so sürchter- iichvcrprügelt, daß er schwer verletzt ins Krankenhaus e i n g c l i e f e r t werden mußte. Ein Funktionär des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes, gleichzeitig Vertrauensmann der SPD., wurde aus der Wohnung geholt, verprügelt, bis er ohnmächtig war. dann auf»in Lastauto geladen und unterwegs während der Fahrt, di« im rasenden Tempo vor sich ging,«inen steilen Abhang hinuntergeworfen, so daß auch er schwer verwundet wurde. Als ich ilüchten mußte, lag er, vollständig Watte ein gewickelt, im Krankenhaus Oas Sdildisal einer rrau. Wie bestialisch sich die Nazi auch Frauen gcnübcr benehmen, beweist folgender Vorfall: Ein Kollege, der ebenfalls ein Funktionär Partei und der freien Gewerkschaft ist, wurde morgens nm 8 Uhr aus den, Bett geholt und ohne VorweiS einer Legitimation oder eines HaftbcsehlcS ousgelvrdert, mitzugehen. Als er sich wehrte und auch seine Frau Widerstand leistete, schlug man die Frau einfach nieder, nahm den Mann mit aus di« Straße, verprügelt« ihn dort ebenfalls so schwer, daß er sich in das Spital begeben mußte. Man hatte ihm, als er sich sreimachen konnte, 7—8 Rcvolvcrkugeln nachgesagt, zum Glück hat er aber nur einen Streifschuß erhalten Die Nazis begaben sich hieraus in die Wohnung des Geschlagenen und brüsteten sich seiner Frau und seinen beiden Kindern im Alter von 9 und 11 Jahren gegenüber, wie sie den Mann zngerichtet habe», so daß die Frau und Kinder in Schreikrämpfe sielen. Schaustellung eines Zerfleischten. , Vorsitzende der Reichsknappschaf» wurde von den Nazi« verhaftet, in die Berge ver- B Mppl und dort ebenfalls solange und derart ver- Der Hunnenkönig auf den» Kongresse um die Herzen der sie, der man Demü- zugefügt hat, gegen ihre Führer auSzuspielen. Er wird erkennen müssen, daß der Idealismus und die Opferbereitschaft, die der Marxismus von jedem seiner Bekenner verlangt, stärker sind als di« Locktöne der Fascistenpfeife. Wir aber, die wir für di« deutschen Arbeiter sprechen, wir haben die Verpflichtung, die Abwehrbereitschaft aller Anständigen gegen die Hunnenpest zu stärken, haben di« Aufgabe, dafür zil sorgen, daß sich der Hatz gegen die Nazibestien, die Kultur und Menschlichkeit mit Fußen treten, nicht verflüchtige. Die Schmach, die die Hunnen dem gesamten deutschen Volk antun, wird gesühnt werden! Herr Koch aber, der Gesandte des Reichs, lvird ansgesordert,— zum wievielten Male? — unsere heutigen Darlegungen zu prüfen und ihr Gegenteil z>t beweisen. Er schweigen, weil er schweigen mutz! Spandan-Dresden-Schandau. Vor uns sitzt ein junger Mann, dem es be- schieden war, die Hölle von Spandau als jschcchoslowakischcr Staatsbürger kennen zu lernen; wäre er deutscher Reichsangehörigcr, so moderten seine Gebein« vielleicht schon längst irgendwo. Franz Seifert, so heißt der Arbeiter, ging vor etwa zwei Jahren nach Deutschland. Er fand Beschäftigung in der Stadt-Mühle in T e m p- l i n, Judcnstraßc. Zu Weihnachten bekam er von seinem Bruder in Komvtau ein Paket mit Wäsche und Wollsocken. Dem Paket lagen auch einige lllummern der„Volkszeitung" bei, die Seifert seinen Arbeitskollegen lieh. Diese_ und seine Mitgliedschaft zur SPD genügten, um ihm die Rache der Hunne» ciiizutragcn. Am 7. März abends wurde Seifert in ner Wohnung, die man vorher erfolglos durchsucht hatte, verhaftet. Sofort brachte man ihn im Auto nach Berlin. Tort wurde er bei der Vernehmung gefragt, welche verhetzenden Flugschriften er seinen Kollegen gegeben habe. Seifert konnte mir zugeben, ihnen die Z e i t u n g r n geliehen zu haben>md wurde darum mit Gummiknüppeln geprügelt. Seinen tschechoslowakischen Paß nahm nian ihm ab.— Sodann überstellte man ihn nach Spandau. Er kam in eine Zelle, in der sich der Arzt Dr. Bcnnhcitn und die Rechtsanwälte Doktor Apfel und Dr. Lüden besaudeu. In der Zelle standen zwei Betten. Seifert ließ den kranken Dr. Apfel in einem Bett allein schlafen und bereitet« sich ans dem Fußboden rin Lager. Die beiden andern Gefangenen schliefen zusammen in eine m Bett. Seifert beschwerte sich über die schlechte Behandlung und über die schlechte Kost. Daraufhin wurde er in die im Keller befindliche„Bernhi- gungs,zelle" gebracht, in der man ihn zweinial unmenschlich schlug. Seifert wurde zur Strafe für sein Verhalten ans halbe Ration gesetzt. Er bekam nur jeden zweiten Tag ein Stück trockenen Brotes. Die Mitgefangenen, die zum Teil vermögend ivarcn, gaben ihm von ihrer selbstgekauften Verpflegung. Am-1. April wurde Seifert aus Spandau entlassen und. damit er zu keiner Arbeitsstelle nicht mehr zurückkehren konnte, unter Bedeckung nach Jüterbog gebracht. Dort wurde ihm aufgelragcn, sich zu Fuß«ach Dresden zu begeben. Die 27 Mark, dir er bei der Einlieferung nach Spandau noch bei sich gehabt hatte, hatte man ihm für„Verpilrgung" abqr- nommcn, so daß Seifert unsäglichen Hunger litt. Durch seine in Spandau erhaltene Sträflingskleidung war er gekennzeichnet, weshalb e» keinerlei Unterstützung erhielt. In Dresden meldet er sich als obdachlos bei der Polizei. Dort wurde er, da man die Drcsdner Polizei von der bevorstehenden Durchreise Seiferts verständigt Halle, wiederum-ijt- veruommcn»nid geprügelt, kodann schrieb inan ihm die genaue Marschroute nach Schandau vor, wo er sich tvicdernm melden mußte I» Schandau nahm man ihn» alle Ausweise. auch den Entlassungsschein, den er nach seiner„Be- freiung" aus dem Spaudauer Gefängnis erhalten hatte. Der Arbeiter Franz Seifert befindei sich in Prag. Er hält sich zur Ucberprusuug seiner Angaben bereit. Hat der Herr Gesandte vielleicht Lust, an dem Fall Seifert unsere„G r e u e l p r o p a g a n d a" zu überprüfen? Auf dem kleineren Bild sicht man jdchnt ; so aßen W 1 1 TT DH. i Seite 4 ffrtftafl, 12. Mai 19V Nr. 111 » ViHllyi V 4> yvini g Vv l Hiuyi Ul kschaftsfun k-Igclasscn wuri das GcwerkschaftS-1 daß er u n t< geschnallt und in bestialischer Weise mit Peitschen bearbeitet, um ihnen Aussagen zu erpressen. Am darauffolgenden Mittwoch holte man den Portier des Brieger Arbeitsamtes ebenfalls in die SA.-Kaserne. Dieser Mann, der schon voll« sechs Jahre keiner politischen Partei angehärt, wurde so» lang« mißhandelt, bis er sich durch«inen Ver- zweflungSsprung aus dem zweiten Stockwerk zu retten versucht«. Hierbei schlug er aus «in Lastauto aus und stürzte mit schweren Verletzungen, denen er kurz daraus erlag, aus die Straße. Eine Frau und ihre drei Kinder trauern um einen, der schuldlos ein Opfer der braunen Sadisten wurde. Diese Nachrichten mahnen uns: Nieder mit dem FafciömuS! Kämpft mit der Sozialdemokratie für Freiheit und Menschenrecht! den Prügelstuben Stockschläge nach bestimmt bemessenen Rationen. ES ist ein Sadismus mit der Stoppuhr, der seine Opfer schlimmer quält alS je Primitive Menschen cS vermocht hätten. Was sich so auötobt, ist ein Aufstand von Tklavenseslen. Unfreie Menschen sind cS, die mit der grinseichen Bosheit des Unteroffiziers, der den Korporalstock schwingt, weil er den Osfi- zicrSdegen nicht zu tragen vermag, an ihren Opfern zur Erhöhung ihres eigenen Selbst sich gütlich tun. Wenn di« Welt mit Abscheu empfindet, daß in Deutschland sich etwas weit Schlimnieres vollzieht als je im volschcwistischen Nußlaich oder ini fascistifchen Italien oder Ungarn, so trügt sic dieses Empfinden nicht, den» eS ist zunl ersten Mal« in der modernen Geschichte, daß ohne politischen Sinn und Zweck arme unschuldige Menschen gequält werden, nur um der Lu st am Quälen willen. „U n lc r in c» s ch c n" haben in Anlel)»ung an Nietzsche die Nationalsozialisten ihre Gegner genannt. Sie hoben sic cingaschätzt nach ihrem eigenen Ich. Untermenschen sind sie selbst. Und man würde sagen tierische Untermenschen, trenn nicht der Grausamkeit der Tiere jenes Bewußtsein ermangelte, das der meirschlichen Grausamkeit Züge verleiht, die selbst das Tier schrecken würden, wenn eS sie verstünde. Freilich eines Hot dieser Weg von der Humanität zur Bestialität nicht: er hat keinZiel, er ist ein Holzweg! Und wenn eines Tages die Menschen vor seinem aussichtslosen End« stehen werden, dann wird auS den Spänen, die beim Hobeln fielen, ein Feuer entzündet werden, daß diesem ganzen Höllenspuk ei» gründliches Ende bereitet. und nichts anderes als die Folge jenes jahrelangen Appells an den inneren Schweinehund im Menschen, den di« nationalsozialistischen Demagogen aller Schattierungen in Reden haben ergehen lassen,en zu denen ihnen eine kurzsichtige Demokratie allzu bereitwillig die Moalichkeit gab. Diese Akt« der Erniedrigung und Beleidigung stellen ebenso wie die nächtlichen Expeditionen und das Spießrutenlaufen der Gefangenen durch StahlrutensPoliere nichts anderes dar als den Ausbruch jener niedrigen, teils au- Minderwertigkeitsgefühlen, teils aus dunklen sadistischen Trieben stammenden unsozialen Triebe, die durch eine jahrhundertealte Kulturarbeit gebändigt, aber nicht beseitigt wurden. Es zeigt sich immer wieder, daß weder Bildung noch Besitz, weder äußere Form noch innere Disziplin genug«», um den Menschen vor sich selbst zu schütze», wenn ein Masienwahn ähnlich wie ein giftiger Alkoholrausch seine Sinne zu umnebeln beginnt. Aber auch alles das ist noch nicht dos schlimmste. Das schlimmste ist. daß Ausschreitungen, wie sie etwa bei den russischen Pogromen gegen den Willen der zaristischen Regierung, oder wenigstens gegen deren ausdrückliche Bewilligung, geschahen, sich in Deutschland unter der vollen Zustimmung jener Männer vollziehen, die, Weil si« Gesetze machen, über di« Einhaltung der Gesetze zu wachen verpflichtet wären. Uno noch ein anderes! Der Höhepunkt der menschlichen Gemeinheit liegt in der sachlichen Kält«, mit der diese Verbrechen vollzogen werden. Da wird nicht ein Feind verfolgt und. niedergeschlagen,»ix» er sich wehrt, sondern der W c h r- lose wird„auf der Flucht crschosien". Lder aber man mißhandelt ihn zu bestimmten Stunden und mit bestimmtem, festgesetztem Programm. Der„Schlesische Beobachter" veröffentlicht in seiner Folge vom 28. April l. I.«ine Repor- tag« über die Eröffnung des Breslauer Konzen- tratüttSlagers, in da» 120 Marxisten gebracht wurden. Die Reportage ist ein Spiegelbild der neudeutschen Lit«raturh«ldcn. Sic schänden die gefolterte Seel« der Gefangenen mehr noch als rhr Leib von der SA geschändet wurde. Lin' Mitarbeiter deS„Schl. B." hat sich durch d«n< Kommandanten Heinze das Konzentration--■ lager zeigen und die Ausgaben der Gefangenen> erklären lassen. Heinz« sagte: I „TaS find alles Gefangene. Täglich kommt «in ganzer Schub auf Lastkraftwagen hierher und I dann wird stramm gearbeitet. Schade, daß heute Eckstein nicht hier ist.(Wir berichteten bereit-, daß Inzwischen Gen. Dr. Eckstein, der Vorsitzende der Bretlawer SAP, gestorben ist. Dir Red.) Tie hätte« ihn mal gestern seh«« fallt«, mit welchem Eifer er Pfahle eingerammt«nd Stachrldraht gr- zogen hat. Da ist der„Volk»wacht"-Redakteur Zimmer, dort hinten sehen Si« den Reicht- bonnersiihrer Alexander und den berüchtigten so»ialdemokratisch«n Hetzer Kukieleztzuskh... all« diese üblen Hetzer find mit Feuereifer an dir. Arbeit. Jede Arbeitsgruppe wird von einem bewaffneten Hilfspolizisten bewacht." Wie man bei den Gefangenen den feurigen; Arbeitseifer erzeugt, geht ja zur Genüg« au- den weiteren Erklärungen-HeinzeS hervor: „Die Sicherheit der Lager» ist natürlich das entscheidende. Genügend Wachmannschaften sind vorhanden, jeglicher Widerftaad würde sofort rücksichtslos erstickt werde«. Tag«nd Nacht ist natürlich das Lager scharf bewacht. Mit mehrere« Scheinwerfern Lianen wir in der Nacht lhübsche Logik. Di« Nid.) das Lager taghell erleuchte«. Das beaachbartr Gelände wird ebenfalls streng gesichert. Warnungstafel» werde« ausgestellt werden. Sollt« sich jemand des nacht» an da» Lager Heranschlei« cheu, so wird von der Schußwaffe Gebrauch gemacht", schließt der Lagerkommandant— und der „Schlesische Beobachter" kommentiert:„Man muß volle- Vertrauen zu ihm haben". Und um dem Sadismus ,Humor" zu geben, hat nron an«in« Barackentür«in Wahlplakat der„Eisernen Front" gehängt, welche» die Seelcnschändung komplett machen soll: „Große Wahlkuntgrbung! Redner Dr. Eckstein. Zeit: 1. Mai. Ort KonzentratwnAoger, Streh- lener Chaussee." Braucht man diese Bestialitäten noä besonders kommentieren? Daraus gibt e» nur. ein« Antwort: Unser Leben als Einsatz im Kampfe gegen den FosciSmuS! Unser« Treu« der fiyial- demokratrschen Partei! Weitere Winne des Breslauer taenlraltonslaners. An anderer Stell« geben wir bekannt, daß sich di« Genossen Zimmer, Alexander und Kukiclczhnsky seit 28. April im Breslauer Kan- zentratiouSlager befinden. Außer ihnen wurden nach einer Meldung der„BreSlauer Neuesten Nachrichten" vom 2Y. April dorthin gebracht; der Aetreidekaufmann Mannheim, der praktisch« Arzt Dr. Korn au» Stein«, der Anhaber de» Schuhhauses K r o j a n k e r, die KPD-Funktio- näre S e l l i g und R ö»I e r(Redakteure), B r o d d e(Stadtrat), ein« Russe und der Kaufmann Siegfried Kaffe. Außer d'-scn sind mehrere.KPD-Funktionäre aus Ober- und Nicderschlesien dort. Schließlich auch der Breslauer ObcrlandeSgerichtSrat Peschk«, der Vorsitzende der Breslauer Friedensliga u. v. a. Di« Gefangenen werden mit dem Ausbau des Lagers beschäftigt, wobei sie den gemeinsten Quälereien durch di« SA-Truppen ausgesetzt sind. Nach Fertigstellung dieser Arbeit müssen die Gefangenen Körbe flechten oder auf Baumkultur --eben. Ta die SA-Horden offenbar glauben, daß dadurch die Gefangenen zu wenig strapaziert werden, müssen si« täglich t„ch exerzieren. An dcni aber noch zu wenig, werden sie einem Unterricht unterworfen, durch welchen sic„zu brauchbaren Gliedern der Volksgemeinschaft" erzogen tverden sollen. Die Häftlinge erhalten eine blau« Gefangenenkleidung. W«r nicht vollkommen mittellos stt, muß das Essen selber bezahlen. Di« Speisen liefert das Polizeipräsidium. Man kann sich also vorstellcn, wie und was gekocht wird. Daß durch ein Essen, über dessen-Herkunft man nur tveiß, daß cS aus dem Polizeipräsidium kommt, den Gefangenen schwerer gesundheitlich« Schaden zugefügt werden kann- Entzug der unerläßlichen Zcllbaustofsc, wie Eiweiß, Fett, Kohlehydrate, Bitamine usw.— ist jedem klar, der weiß, was die Marxisten in den Augen Hitlers sind. Di« ArbeitS^it dauert von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends! Die Mittagspause dauert ein« Stunde. Angeblich sollen d«e Gefangenen auch nachmittags eine und eine halbe Stunde Patts« bekommen, tvaS jedoch sehr problematisch ist. Der Briefwechsel mit den Anaehörigen steht unter Zenmr. Besuche werden stark eingeschränkt, um dir Gefangenen nicht„verhetzen" ztl lassen. Die Haftdauer ist ungewiß, um so die Häftling« V«lifcher Pein auszuliefern. Untermenschen. „Wo$tf)obtlt wird, fallen Späne" erklärte kürzlich in aller Seelenruhe der Reichsminister Goering und suchte im gleichen Atem die„Greuel» berichte" durch einige nichtssagcrid«, aber von Krasttvorten durchsetzt« Phrasen zu„erledigen". Taß eine jede Revolution«ine Reihe von Opfer« fordert und sich nicht nur In sanften UnrgangS- formen vollzieht, ist ein« alte geschichtliche Erfah rung, di« schon deshalb sich immer wiederhole» muß, tvcil jede Umwälzung dem Mob eilt« will kommen« Gelegeicheit zum- Frcibcutertum, dank jener Pause gibt, die plötzlich zwischen-er alten und der neuen Gesetzlichkeit sich auftut. Verständ lich bleiben, wenn auch beklagenswert, jene Ge- > toaltakte, die aus dem Feuer einer heißen Leide,i- fchaft entbrennen, wie sie etwa di« französischen Revolutionen oder die russische Revolution ent zündet haben. Wa» aber in Deutschland in den letzten Wochen sich abgespielt hat, hat i« der Mehrzahl der Fälle mit alledem gar nicht» zu tun. Wenn ein Mann, wie der von Freund und Feind ver ehrte Abgeordnete Kunch mit gebrochenen Beinen täglich im Hundekarren von Hwei Genossen durch die Stadt zur Sklavenarbeit geschleppt wird, wenn jüdds« Kaufleute stundenlang Inschriften abkratzen müssen oder in Unterhosen mit lächer lichen Schildern durch die Straßenzu lausen ge zwungen tverden, wenn man den Oberbürgermei ster Äülz in Dresden Straßen kehren läßt, wenn man an Gefangenen Scheinerschicßungen Vor nimmt, um sich an der Todesangst der Opfer zu tveiden, so hat daS allcs mit Politik gar nichts mehr zu schaffen. CS ist menen-, j weit entfernt von revolutionärem UebevschwangjKommunisten und Sozialdemokraten erhalten in Ein Arier in Hitlers Kerker. nablndranatti Tagores Nette erzählt. Paris, 9. Mai. In der letzten Aprilwoche wurde aus München gemeldet, daß ein junger Ander von herkulischer Gestalt, und ein Sow- ictbürger verhaftet worden seien, weil sie drin gend verdächtig seien, ein Attentat aufHit- l e r geplant zu haben. Bor einigen Tagen wur den die beiden freigelassen. DaS dazwischen liegt, schildert der Inder im„PariS-Soir". Wären die Nazibehörden weniger ungebildet, so hätten sie sich'» überlegt, für ihre AttentatSbedürfnisse gerade diesen Inder auszusuchen. Denn eS ist der Schriftsteller Sonniyenoranath Tagore, ein Neffe de» berühmten Dichters Rabindranath Tagore. Tagore schildert das Gefängnis, in das er nach seiner grundlosen Verhaftung gebracht wurde, folgendermaßen: vle NiOhandiiHigen. Der Raum, in den ich kam, lag tief, war finster und ohne Luft. Zweiundzwanzig Gefangene waren dort bereits eingekerkert, durchweg Mitglieder der Linksparteien, in der Mehrzahl Kommunisten. Biele von ihnen waren schon mehr als einen Monat hier nud noch kein einzigcSmal einvernommen worden. Bon Zeit zu Zeit wurde einer gerufen und aus der Zelle geführt: Ma» hörte erschütterndes Geheul und dann wurde unser Gefährt« wieder zu un» herein gestoßen. Wimmernd zeigte er die Spu ren der Brutalitäten, deren Opfer er geworden war. Ein kommunistischer Reichstagsabgeordneter zeigte mir MißhandlungSfPuren und sagte ein fach dazu:„Sehen Sie, da» nennt man nationale deutsche Kultur." Am Tage nach meiner Der- Haftung wurde ein junger Mann namen» Rahm hinauSaerufen und kam mit oufgeris» jenen und blutigen Schenkeln zurück. Die SA-Leute hatten ihn mit Stahlruten ge prügelt, weil er sich geweigert hatte, gegen seine Genossen eine falsche Zeugenaussage obzugeben. Auf da» stinkende Stroh, das un» als La ger diente, hatten wir un» unter großen Schwie rigkeiten hingelegt, aber er konnte cS nicht, weil ihn die Wunden, die sich über seinen Rücken hin zogen, daran hinderten. Dienstag frühmorgens wurde in unsere Zelle ein Mann geworfen, der sich kaum aus den Beinen halten konnte; er trug einen Arm, der ganz verschwollen war, in einer Binde und sein Gesicht war blutig. Er heißt Fühler und ist Gewerkschaft«?»»!. t i o n ä r. SA-Leute waren in daS DaS ist Deutschlands Schmach 1933! Wir schwören: Diese Schmach wird gerächt! Gepeitscht— und in den Tod detrlehen. Am Sonntag, den 15. April, wurden in Brieg alle bekannten Arbeiterfunktionär« durch die SA. in di« SA.-Kasernc, einem ehemaligen Arbeiterjugendheim, gebracht. Der Reih« nach ließ man sie antreten, wobei man mit den Peitschen nicht sparsam umging. Wahllos griff man einige heraus, brachte sic nach einen» hoher gelegenen Stockwerk. Hier wurden si« über Stühle Frledridi Engels über Hitlers „Aröelfsliesdialfungsplan**. Hillers Mai-Red« ist zu entnehmen, daß da» Kernstück des famosen„Arbeitsbeschaffung», planes" der nationalen Biutregierung die Einführung der A r b e i t s d i«n st p f l i ch t bilden soll, von der die überdimensionale ökonomische Ignoranz der Nationalsozialisten sich die Beseitigung der Arbeitslosigkeit erhofft. Selbstverftänd- lief) wird dieser neue Schlager mit allen Mitteln neudcutschcr Reklamekunst aufgezogen und als Offenbarung des.Heils über alle deutschen Wellen in die Welt hinauSposaunt, al» oh der neueste Kohl des armen Osaf etwa» anderes wär« al» das älteste Hausmittel, mit dem die meisten Wunderdoktoren des Kapitalismus das in den Fugen krachende Gebäude schon seit Jahrzehnten vergeblich zusammenzuleimen versuchen. In diesem Zusammenhang« werden wir auf einen interessanten Brios aufmerksam gemacht, den Friedrich Engels im Jahre 1884 an Eduard Bernstein richtet«, al» zur Abwechslung einmal Bismarck durch Arbeitsdienst und Aehnliche» di« Folgeerscheinungen der kapi« talistrschen Wirtschaft abzuschafsen bemüht war. Die entscheidende, heute ungemein aktuelle Stelle dieses Briefes lautet: „DaS Recht auf Arbeit ist v o n Fourier erfunden, bei ihm verwivklicht es sich aber nur im Phalansterium(SozialistHcher Jdealstoot in Fourier» Utopie. Red.), seht also dessen Annahme voraus. Die Fourieristen, friedlivbentc Philister der DSmocrat!« pacifique— wie ihr Blatt hieß— verbreiteten die Phrase eben ihr:» Ungefährlichen Klange» wegen. Tic Pariser Arbeiter von 1848 ließen sich— bei ihrer absoluter, theorotischen Unklarheit— aufhängen, weil sie so praktisch, so wenig utopistisch, so ohne weiter:» realisierbar aussah. Die Regierung realisierte ,ie — in der einzigen Weis«, wie die kapitalistische Gesellschaft sie realisieren konnte— in den sinnlosen Nationalwerk st öttcn. Genau so wurde da» Recht aus Arbeit während der Baurn- wolllriege 1861 bi» 1864 in Lancajhire durch MuniziPIalwcrk st ölten realisiert. Und in Deutschland realisiert man e» ebenfalls in den Hunger« und Prüg«larbeiterkokoni«n, für die der Philister jetzt schwärmt. Al» separat« Forderung gestellt, kann da» Recht aus Arbeit gar nicht arider» verwirklicht werden. Man verlangt von der kapitalistischen Gesellschaft, e» zu realisieren, si« kann da» nur innerhalb ihrer Existenzbedingungen, und tveirn man da» Recht aus Arbeit von ihr verlangt, so verlangt man es unter diesen bostrmmten Bedingungen, rnan verlangt also Nationallverkstättcn, Arbeitjl'äuser und ArbeitSkolonien. Soll aber de« Forderung d'» Recht» aus Arbeit indirekt die Forderung der Umwälzung der kapitalistisch«» Produktionsweise ei»schließen, so ist sie... eine Phrase, die keinen Zwick haben kann, al» di« Arbeiter konfu» und uuklar zu mach«» über dt« Ziele, di« fie zu»erfolgen haben, und über die Bedingungen, unter denen allein sie fie erreichen können." Dieser letzte Satz bezieht sich aus die Taktik der sozialistischen Arociterbewcgung. Bei Hitler hingegen soll die Phrase vom Recht auf Arbeit natürlich aber nicht einmal dazu dienen, die Um. Wälzung der kapitalistischen Produktionsweise auch nur indirekt zu fordern, sondern dazu, der Forderung nach Beseitigung deS Kapitalismus al» solcher enlgegcnzutrctcn. Die Aussichtslosigkeit d«S Beginnens und die Wirkungslosigkeit seiner Mittel aber kehren eS in seinen Folgen um. Ahr unabwendbares Versagen wird die Arbeitsdienstpflicht— trotz alledem— zu einer Phrase wandeln, die keinen.Zweck haben kann, als die Arbeiter mutig und klar sehend zu machen„über die Ziele, die sic zu verfolgen haben, und über die Bedingungen, unter denen allein sie sie crrcichcit können". hauS eingedrunaen und als Fühler ihrer Aufforderung nach Abgabe der Waffen nicht entsprach, warfen sie sich auf ihn, brachen ihm den Arm, bohrte« ihm einen Stock in die Seite, rissen ihm die Wange bi» knapp unter dem Ang« auf, schlugen ihn zu Boden und mißhandelten ihn mit Fußtritten. Das Sdirelen. In der Nacht war e» unmöglich, ein Auge zu schließen: das Gefängnis tönte wider von den Schreien der Gefangenen und dem Ge- !ang und dem Gelächter unserer Peiniger. In »er Nachbarzelle schrie ein Gefangener unablässig noch seiner Mutter. Nicht selten drangen SA- Leute in die Zellen ein, um ihre brutalen Wünsche zu befriedigen. Die Nahrung, die man uns gab, war wohl ausreichend, aber schlecht. Ich lag in dieser Hölle abgeschieden von der Welt, ohne zu wissen, wessen ich beschuldigt wurde, Gefangener für unbestimmte Zeit in diesem Kerker eines fremden Lande», in den Händen unbekannter fürchterlicher Feinde. Am Mittwoch erfuhr ich von Kameraden, die von draußen kamen, die angeblichen Gründe meiner Verhaftung. Die Hitler-Presse berichtete, daß ich ein Attentat auf da» Leben Hitlers geplant hätte. Diese absurde Anklage war ein Teil der planmäßigen Hitler- Propaganda, sie war dazu bestimmt, im Ausland die von der Regierung geduldeten Ausschreitungen zu rechtfertigen und im Inland der Beliebtheit deS Führers neuen Antrieb zu verleihen. An diesem Tage kam ich endlich zu den SA- Leuten. Sie drohten mehreremal, daß sie mich erschießen lassen würden, dann zog eine lange Reihe von Nationalsozialisten vorüber, die den Mann, der Hitler töten wollte, von der Nähe sehen wollten. Man photographierte mich mit einer Nummer auf der Schulter wie einen gemeinen Verbrecher und dann nahm man mir auch die Fingerabdrücke ab. Unterwegs war ich, mit Fesseln an den Händen, der gewohnten grausamen Behandlung unterworfen: F a u st- sch läge und Erniedrigungen aller Art. Schließlich wurde ich Einzelrichtern vorgeführt, Gruppenführern in braunen Hemden, die nach langer Ueberlegung beschlossen, mich an die Grenze zu stellen. Da» sind die einzigen Er- innerungen, die ich aus dem nationalsozialistischen Deutschland mitbringe. Der„PariS-Soir" fügt hinzu, daß der Inder nicht ärger mißhandelt und schließlich freigelassen wurde, weil eS offenbar geworden war, er britischem Schutz steht. kürzlich in aller Seelenrut berichte" durch einige nichtssageiide, aber von Krasttvorten durchsetzt« Phrasen zu„erledigen". Taß eine jede Revolution«ine Reihe von Opfer« fordert u»id sich nicht nur In sanften UnrgangS- formen vollzieht, ist ein« alte geschichtliche Erfahrung, di« schon deshalb sich rmmer wiederholen muß, tvcil jede Umwälzung dem Mob ein« willkommen« Gelegeicheit zum- Frcibcutertum, dank jener Pause gibt, die plötzlich zwischen-er alten Jtr. 111 fttetag, IS. Ma? 199 Seift S Lottor Lachers Fasclltenblatt. Dir„Bohemi a" beschäftigt« sich gestern in einet längeren Notiz mit der erfolgten Aussperrung etlicher, vor ollem ausländischer Zeitungen aus der Tschechoflowalet und zog dabei wieder die verstaubten demokratischen Register der hundertjährigen Orgel in der Prager Liliengasse, um ein bitteres Lamento darüber anzustimmen, daß die Bevölkerung unter solchem System der geistigen Autarkie verdummen müsse, wobei es nur ein schwacher Trost sei, daß die Tschechoslowakei mit dieser Absperrungspolitik nicht allein dastchc. Wir finden sür die Holtmtg der„Bohemia" nur mehr ein Wort: niederträchtig! Diesel selbe Blatt hat geschwiegen und schweigt zur brutalen Niedertrampelung der- Meinungsfreiheit in Deutschland: cs hat nicht ein Wort des Protests gefunden, als Hitlerdcutschland sich gegen alle ausländische Blätter absperrte, die dem Sunnentum nicht so würdelos und voll fafcisti» scheu Eifer- Reverenz bekundeten wie eben leneS Blatt, in dem der„Demokrat" Bacher und sein ffreund Peters die erste Geige spielen, während die Herren WesselSki, Dr. Weil ete. gut burschen, haft die Trompete blasen oder geschäftig den Kontrabaß streichen. Als der„Sozialdemokrat", dann da»„Mo^ttagSblatt" und schließlich das be« sreundete„Prager Tagblatt" da» Postdebit für Deutschland verloren— ein Berlust, den wir, Iva- un- anlangt, als höchsten niorolischen Gewinn buchen— da hat diese„Bohemia" nichts von der Verdummung durch Autarkie gesprochen; da haben sich die Herren dort sichtlich gefreut und um so mehr dafür gesorgt, daß die Leserschaft In der Tschechvslowakei um so genauer• jeden Huster Hitler- und Goering» vernehme, während die in Deutschland nicht erfahren dürfen, wir hierzulande jeder anständige Mensch über die Barbarei draußen denkt. Auch seht noch genießt die„Bohemia" da- Recht— und sie macht in ihrer gestrigen„Protest"-Nummer durch spaltenlangen Abdruck einer Hitler- Rede weiter davon Gebrauch, für die Verdummung und Verrohung durch den ssascismus außerhalb D c u t sch la n d S zu sorgen. Aber daß die fa sc i st i sche n Zuträger in der„Bohemia" sich feht nicht mehr so leicht an Hand deS„Völkischen Beobachter-" über die Gemeinheiten und Verlogenheiten des HitlcrfasciSmus informieren und in diesem Sinne die hierländischen Leser un- tmichten können— das entlockt ihr einen Aufschrei. dessen Widerlichkeit und Verwerflichkeit um so abscheulicher wirken, als sie mit„demokratischen" Brusttönen vorgetragen werden. Und ko weit treibt die„Bohemia" ihre-Heuchelei, daß sie noch darüber flogt, die Völker könnten jetzt, durch diele Absperrung nicht genügend voneinander erfahren: „Man erfährt vom Ausland nur da-, wähle eigene Regierung auf spärlichen Tellern zu servieren erlaubt..." Die spärlichen Teller au» Deutschland werden von der„Bohemia" ausgeschleckt, daß ihr der Magen zu platzen droht! Herr Hitler braucht nur den Mund auszumachen— und schon scheu die Stenographen de» Herrn Bacher beim Mikrophon und saugen da» Gesagte gierig auf. Da- aber hierzulande gedacht wird, wie die llrbeller. wie die wirflichen Demokraten, wie die studen über Deutschland denken, da» läßt die „Bohemia" nicht mit einem Wort verlauten, obwohl und we i l e» ihr nicht verboten ist, osten die Grenze nach Deutschland zu pastieren. Wer noch ein wenig Hirn im Schädel hat, tcr pfeift, auch wenn er durch und durch Bürger ist, auf die demokratischen DortragSergüsfe des Herrn Dr. Bacher, auf die gewundenen Perioden deS-Herrn Peters, in denen immer auf ein Pfund sascistischer Liebe ein Gramm demokratischer Reserven kommt. An ihren Taten sollt ihr sie erkennen! Und die tägliche Tat heißt„Bohemia", die dieser Tage sogar so schamlos war, tolzuschweigen, was in ihrer eigenen Par» teiversammlung in Prag vor sich ging! So steht die geistige Autarkie^ der„Bohemia" selber aus— denn wie stünde sie vor den gelieh- len antisemitisck>en Hitleristen da, wenn sie aus dem Markt ausspräche, was in Konventikeln mit Ach und Krach gesagt werden kann, weil e- im sintcrcsse der Mitglicder-Erhaltung schließlich gesagt werden muß! Es muß einmal ausgesprochen werden, daß die„Bohemia" in den lebten Wochen zum g e- f i n n u n g S l o s e st e n Blatt in der Republik geworden ist— wenn ander- man nicht ihren Dienst an sascistischen Kunden als Gesinnung bezeichnen will! Und eigentlich gibt es nicht» Bc- Ichä>n«ndercS für den„intelligenteren" Teil de» sudetendeutschen Bürgertums al» die Tatsache, daß dieses Blatt überhaupt noch eine andere Rolle als die eines Ersätze» für den„Tag" spielen darf! Zmenvrr' altunq’m Per'chls'aal Bin Virt-hauSgesPrSch vor dem Kastrnensturm. Brünn, 11. Mai. Im Fascistenprozetz be- Mn heute da» Verhör der zivilen Zeugen. Der ssabrikant Kasper» Fischer, gegen de» selbst «m Untersuchung nach dem Schuhgeseh in Lchwcbe ist, sagt über die Begebenheiten im Dräger Sekretariat der Fascisten au», als Zug. borak aus Brünn dorthin kam und Mitteilung von dem Borhaben KobsinekS mochte. Horak habe erzählt, daß ihn Kobsinek sür die Beteiligung an dem Kasernensturm die Er neu- Das Grauen des Zukunftskrlcgcs. Hassenabschlachten von durch Gas wehrlos Gemachter Menschen Während die technische Entwicklung der FriedenSindustricn vielfach dadurch gehemmt ist, daß neue Erfiüdungen nur geeignet sind, den Warenüberfluß und die Arbeitslosigkeit zu vermehren, sind die Kriegsarscnale unablässig um die Vervollkommnung ihrer Erzeugnisse bemüht. Hier gibt cS, besonders seit der japanischen Offensive, keine Absatzkrisen, und die politische Reaktion in Europa eröffnet inimer neue Aussichten, daß die Produkte der Mordindustrien Verwendung finden werden. Tie Erfindertätigkeit auf kriegstechnischem Gebiet steht unter strengem Geheimnis. Seit im Herbste 1918 die Kanonen verstummt sind, die die Erzeugnisse der Munitionsfabriken ins feindliche Laaer schleuderten, tritt keine Erfindung der Waffenfabriken so schnell mehr anS Tageslicht. Darum ist seither die internationale Diskussion über die größere oder geringere Wichtigkeit der verschiedenen Arten von Kriegsmitteln, zum Beispiel der Sperrfestungen, der Tank-, der Kantpfgase und der Flugzeuge, viel unsicherer geworden und immer schwerer ist der feste Boden der Tatsachen zu finden, je weiter wir un» vom Kriegsende entfernen. Wir sind in der Hauptsache auf Nachrichten angewiesen, die zufällig den Weg in die Ocffentlichkeit finden, z. Ä. auf die Mitteilungen von privaten Fachleuten, die noch au- früherer Zeit Fühlung mit inilitärischcn Kreiset» ver chiedener Lander hoben. Diese Nachrichten bedür en der genauesten Kritik vom wiffenschaftlichen Standpunkt. Eine Quelle dieser Art bilden die Bücher des Hauptmanns S. v. S t a ck e l b e r g, einstigen kaiserlich russischen Militär-AttocheS in Paris. AuS seiner Einsicht in die Beschaffenheit künftiger Kriege heraus bemüht sich dieser Mann, unter dem Titel„Violette» Kreuz" eine internationale Organisation zum Schutze der Zivilbevölkerung vor Luftangriffen zu schaffen. An zwei französisch geschriebenen Büchern:„Die Lustgcfahr und das violette Kreuz" und„Die Geißel der Lüfte" hat er die Gefahren de» chemischen und Luftkrieges geschildert und hat dabei neue Nachrichten über die Fortschritte der KriegStcchnik seit dem Weltkrieg beigebracht. Nach seiner Meinung ist der.tätlichste, der Hauptfeind, da» Gistaa». Hierin sind viele Autoritäten anderer Meinung; aber nicht in dem Sinne, daß sie die mastenmörderische Wirkung der Kampfgase leugnen, sondern nttr, weil sie die Spreng- uno die Brandbomben für noch wirksamer halten. Dadurch wird die Wichtigkeit der Stackelbergschen Berichte nicht verkleinert. Stackelbcrg zitiert über die Bedeutung der Kampfgase einen Ausspruch de» General- Fr i e S, Chefs der GaSarsenale der Bereinigten Staaten: „Seit der Erfindung de« Schießpulver» hat kein andere» Mittel in de« Kampfe« der Heere so bedeutende Deränderunge« hervorgebracht wie die Gase, und wird solche hervorbringen." Dementsprechend sei in der amerikanischen Armee die chemische Waffe zum Rang der vorherrschenden erhoben worden und alle strategischen Begriffe seien ihr attgepaßt. Stackelbcrg führt aus, daß int amerikanischen GaSarsenal zu Edaewood 840 Offiziere und 78 Jngenieur- Chemikcr ständig befchästiat sind. In Frankreich und so in den anderen rüstenden Staaten arbei tet eine große Zahl von Forschern auf krieg«, chemischem Gebiet einvernehmlich mit den Heeresleitungen; besonder» um neue, stärkere Gifte aufzusinden. Ein junger, aber mächtiger europäischer Staat(Polen?) habe ein neue- Ga» eingeführt, wahrscheinlich au» der Gruppe der metallorgatiischen Verbindungen(welche auch von der Chemikerin W o k e r al» fürchtende künftige KrieaSgase bezeichnet wurden). Das neue Gas soll besonder» tückisch sein: farblo», geruchslo», und die Wirkungen aller früheren Kampfgase vereinigend, so daß e» in kürzester Zeit Krampfhusten und Erstickung bewirkt und auf der Haut schwere Entzündungen hervorruft, nach vier bi» zwölf Stunden eiterigen Brand der betroffenen Glieder und eiterige Lungenentzündung; nach 20 bi» 24 Stunden den Tod, der durch Sauerstosfatmung verzögert, aber nicht abgewendet werden kann. Die Erzeugung des Gifte» erfolgt angeblich bereit» in industriellem Maßstab. Diese Nachricht flingt durchaus möglich. Desgleichen erscheinen weitere Mitteilungen StackelbergS al» nicht unwahrscheinlich: danach müsse die frühere Einteilung der Kampfstoffe in Rcizgase, erstickende und blasenziehende Gase erweitert werden, denn die Bereinigten Staaten bereiten nach Anregungen von Spezialisten Giftgase vor, die auf da» Nervensystem wirken. Sie solle« die Soldaten kampfunfähig machen durch seelische Deprestion, SinneSver- Wirrung und Wahnsinn-zustände. Solche Mittel hatten schon einen Borläufer im Weltkrieg, denn von jenen Arsenverbindungen, welche die Deutschen unter dem Namen Blaukreuz verwendeten, wurde berichtet, daß sie tap fere Männer ihrer seelischen Widerstranoükraft beraubten, sie gleichgültig gegen alle» Kommende machten, und so die sogenattnte Moral der Truppen hcrabsehten. Stackelbcrg bemerkt zu jenen neuen Mitteln, daß ihre Anwendung einen un« gewöhnlichen Grad von Voraussicht und Scharfsinn der Verantwortlichen militärischen Stellen vorauSsetze, daß aber der chemische Kriegsdienst der Vereinigten Staaten auf der Höhe dieser Aufgabe zu stehen scheine. Jedenfalls ersieht man au» solchen ZukunftSaitssichten, welche nebensächliche Rolle noch die persönliche- Tapferkeit wird spielen können. An Vieser Hinsicht scheint Stackelocrg da» Gefühl vieler Militär» zu teilen, daß die Mastenabwllrgung wehrlos gemachter Menschen unwürdig sei; und nur von diesem Standpunkt verlangt er DerbotSmaßnahmen gegen ganz spezielle Kampfmittel, und zwar gegen solche Swffe, welche Paralyse und Massenwahnsinn erzeugen oder welche giftig und brennbar zugleich sind, lieber die Erstickung Hunderttausenoer durch andere Giftgase sagt er, diese» Kriegsmittel sei da» einzige, welche» die nationale Unabhängig- leit gewährleistet und darauf zu verzichten, ciicb'' da» eigene Land zu einer Beute eroberungssüchtiger Nachbarn herabwürdigen. Der einstige Militarist befreit sich eben nicht leicht aus der srüheren Denkweise. Aber auch seinem sehr kleinen Verbotsbegehren gegenüber wird sich M Richtigkeit de» Worte» erweisen, daß man der Kriegsbestie nicht einzelne Zähne auSbrechen, sondern daß sie nnr als Ganzes erlegt werden kann. auinniinniiiiiiimiiiuim!inuiiiiiiiinniniiimiimiiiiiiiiiiniuinniiiiiinntmnnimtnninmiiniiniiiiiiiiuniinnuinumiuiiiHniiiniiiiiiiinniimiiinnnHinnHUiiiuiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiniiiiiiiinniniutinn nung zum Obersten versprochen und auch erklärt habe, er habe in dieser Angelegenheit geheime Instruktionen von Gajda erhalten. Daraufhin habe Gajda diese Mitteilungen Horaks zu Protokoll bringen lasten und auch durch Horak dem Major U v i r a einen Bries geschrieben, damit dieser die nötigen Schritte unternehme; Horak habe diesen Brief jedoch nicht abgeliefert. Der Zeuge habe das ganze Unternehmen deS Kobsinek nicht ernst genommen; in Gesprächen habe man ihn als verrückt bezeichnet. Ein weiterrer Zeuge aus dem sascistischen Lager, der Buchdruckereibesitzer V a- a t a au» Prag- Nusle, sagt ebenfalls über die Borsprache Horak» im Prager Sekretariat anS und erklärt, er werde die Sache persönlich regeln- Der Zeuge habe damals Gajda geraten, gcgen Kobsinek die Strafanzeige zu erstatten; Gajda wollte dies nicht, weil e» wie eine Angeberei auSgesehen hätte. Ter Zeuge wird dann auch von einzelnen Per« teidigern in ein Kreuzverhör genommen, da seine weitere Aussage über eine Unterredung zwischen den Angeklagten U v i r a und Barak während der Haft diese belastet. Uvira erklärte heute die Angaben PaSatas sür eine Denunziation; man habe in der Haft über die Aktion nachträglich nur „theoretisch' diskutiert, die Tat selbst aber entschieden verurteilt. Später kam e» im Gerichtssoal zu einer aufgeregten Szene, als der Zeuge Franz D r b a l, der Vater der beiden angeflagten Brüder Drbal, wegen Verdachtes der falschen Zeugenaussage verhaftet wurde. Er hatte heute entgegen seiner Aussage vor dem Untersuchungsrichter in Abrede gestellt, daß er im Gasthaus von dem Angcflag- ten Polaöck etwas von dem„Untstitrz" in Brünn gehört und sofort nach Hause gelaitfen sei, um seinen Söhnen zti verbieten, nach Brunn zu fahren. Dai Gespräch Im WirtShau» wird von anderen Zeugen bestätigt. Da» Verhör der Zeugen Stehule, der mit Gajda in Ponkrac ein Gespräch gehabt haben will, wird aus Antrag der Verteidi gung vertagt, da der Zeuge angeblich entmündigt Ist, war erst überprüft werden soll. Dann wird eine Rede Gajdar im Abgeordnetenhaus vom Jahre 1830 verlesen; bei der Verlesung de- Flugzettelr„An die tschechoslowakischen Frauen und Mütter" wird die Oeffentlichkeit au-geschlosten Den Weg vom Kreuz zum Hakenkreuz geht die chrisilichsozialc„Deutsche Preste"«tt! Entschlossenheit und unbeirrbarer Koniequenz. In der Folge vom 11. d. M. rcgi sich das Blatt mächtig darüber auf, daß ein paar Hakeukreuzler in ÄckelSdorf verhaftet wurden, berichtet, daß bei den Hausdurchsuchungen nichts Belastendes gefunden wurde und daß die„friedliebende und ruhige Bevölkerung" von Wekelsdorf sich in furchtbarer Aufregung wegen der Verhaftung der Hakenkrenzler befinde. Wessen sich da das frominc Blatt annimmt, wollen wir kurz darin»: Die Ortsgruppe Wekelsdorf der-tzakentreuzlerpartei steht in enger Verbindung mit den rcichsdentschcu Wehrformationen HitlerS und der gesamten Naz:- bewcaung. Seit Wochen wurden in Wekelsdorf und Umgebung für den Eintritt in rcichSdeutsche nationalsozialistische Formationen geworben und eine Reihe WekelSoorfer.Hakenkrenzler wurden für die SA und SS gewonnen. Vorige Woche wur- den nun die Werber währetid ihrer Tätigkeit durch die Gendarmerie überrascht und festgenom- men. Bei den Verhaftungen handel e es sich um di« Nationalsozialisten Maier au- WekelKwrf, Erwin Schmidt aus OberwekelSdors und Ernst Umlauf auS?ldcr»bach. Umlauf ist aus dem Gefängnis entwichen, über die Grenze geflohen und macht in jenen Formationcu Dienst, für die er in Wekelsdorf geworben hat. Die christlichsoziale Preste vergießt also KrokodilStränen darüber, daß den Werbern sür die-Hakenkrcuzformationen in Deutschland da» -Handwerk gelegt wurde. •t Wollt Ihr abseits sieben angeslihls einer Katastrophe? Di« sudetendeutsche Bürgerpresse hat sich von Herrn Hitler gleich- schalten" lasten. Wer sie liest, ersähet nur die halbe Wahrheit und diese gefärbt! Um so weniger verdient der den Name« eines bewilßten Arbeiters, der diese Zeitungen kaust! Wer die Wahrheit hören will, der muß die sozialdemokra tisch«Presse. lesen! Wer sich täglich neu wappnen will zum Kampfe gegen den FaseiSmu», der muß Leser eine» sozialdemokratischen Tagblatt» sein! Gebet den Arbeitskameraden im Betrieb, im HauS, im geselligen Beisammensein unser Blatt in die Hand! Werbet unablässig für Eure Zeitung! Saget denen, die da» Arbeiterblatt nicht halten, daß wir in den letzte» Monaten Tag für Tag Leser gewonnen haben; daß unsere Preste im Inland wie im Ausland a« A n s e h n w a ch st; daß die AbseitSstehendeu im schwersten Ringen des Proletariats die Rolle von Menschen spielen, die der entsetzlichen Wirkung einer Elementarkatastrophe zusehen, ohne helfen zu wollen, ohne den Opfern Hilfe zu bringen und das eigene gefährdete HauS zu retten! Wer helfen will, muß wissen, w o u n d w i e er anpacken soll. DaS erfährt er au» der sozialdemokratischen Zeitung. Darum: unsere Zeitung in die Hand jedes Proleten! vle Probe auls Eiempel. Wird der Völkerbundmechanismus im Konflikt Paraguay—Bolivien sunktionieren? Gens, 11. Mai. Wie au« informierten Kreisen zu der offiziellen Kriegserklärung Paraguays an Bolivien— der ersten Kriegserklärung zwischen Mitgliedsstaaten de» Völkerbünde» seit dessen Grürwuna— erklärt wird, soll Paraguay zu diesem Mittel hauptsächlich deswegen gegriffen haben, damit die Republik Chile gezwungen werde, den Waffen- und Munitionstransport über chilenische» Gebiet nach Bolivien einzustellen. Ein tatsächlicher Kriegszustand zwischen Paraguay und Bolivien besteht ja bereits seit langem; beide Streitpartcien haben sich auch in dem unwirtlichen Gebiet de» Gran Chaco bereits wiederholt mit wechselndem Erfolg Gefechte geliefert. Chile, dos' an dem Waffcnlransport nach Bolivien gut zu verdienen scheint, hat sofort „strikte Neutralität" proklamiert, gleichzeitig ober erflärt, seinen bisherigen Standpunkt in der Frage des Transits von Waffen nach Bolivien nicht aufjiigcben. Bolivien wird gegen die Kriegserklärung Protest beim Völkerbund einlegen und fordern, daß Paraguay al« der An- greiser erklärt werde. Ter beim Völkerbund bereits bestehende Chaco-Ausschich, der die seit einem Jahrhundert andauernden Streitigkeiten um da» Chaco Gebiet schlichten sollte, wird ehestens zusammcntreten, um eine Sondersitzung des Völkcrbnndrates vor- zubcreiten. Man nimmt an, daß der Völkerbund ein Verbot der Waffeneinfuhr in die beiden kriegführenden Staaten aussprechcn wird. Grcuclpropaganda. London, 9. Mai.(D. P. K.j Wie die„Times" aus Kopenhagen melden, hat der von Hitler aus eine Propagandarcise entsandte Leiter der skandinavischen Abteilung des Reichspresscdepartemcut», B o g s, bei einem Prcsscenipfang auf die Frage eines dänischen Journalisten, wie er sich zu der Mißhandlung der Berlittcr Sozialdemokratin Frau Jankowski durch die SA. stelle, erwidert:„Wenn jemals ein Kommnnist oder Sozialdemokrat Prügel verdient hat, so ivar eS Fran Jankowsti." Diese rohe Bemerkung wird von der gelaufen dänischen Presse c inmütig zu- rnckgcwiescn.(Frau Jankowsti ivar Gemeinderätin von Köpenick. Sic ist politisch gar nicht her- vorgetretcn, sondern entwickelte lediglich in der Fürsorge ein« hervorragende Tätigkeit, die auch von den Gegnern anerkannt wurde. Red.) Fran Jankowski gestorben. Berlin, 6. Mai.(Insa.) Die gewesene sozialdemokratische Funktionärin Mari« Jankowski in Berlin, ist an den Folgen der Miß- Handlungen durch Nazi-Bandlten im Krankenhau» gestorben. Wir berichteten seinerzeit ausführlich über di« haarsträubend« Mißhandlung der Genossin M. Jankowsti. Wie erinnerlich, wurd« st« in einem Holzfchupsen nackt ausgezogen und stundenlang geschlagen, um dann halbtot ans die Straß« gebracht z« werden, wo Paffanten st« in fürchterlichem Zustande ausfanden. Sette 6 Frelmg IS. Mal ISS Nr. 111 T agesneuigkeiten die der dem der die fit» der von die be- Sowjetruffifcher Stratofpharenflug. Leningrad, 11. Mai.(UR.) Die Vorbereitungen zu dem Slratosphärenflug gehen ihrem Ende entgegen. Leningrader Betriebe liefern die Ballonhülle und die Stahlbestandteile. Das Programm der wissenschaftlichen Arbeiten ist bereits ausgearbeitet. Gegenwärtig wird die Mannschaft ärztlich untersucht. Die Untersuchung findet in einem besonders hermetisch abgeschlossenen Raum statt und erstreckt sich aus die Widerstandssähig- 'cit gegen die Aendcrungen des Luftdrucks. 58 Menschen vom Sturm getötet. New Dori, 10. Mai. Die Zahl der bei der Wirbelsturmkatastrophe in den Staaten Kentucky und TenneffeS Getöteten hat sich nunmehr auf 58 erhöht. Die Führer und die Geführten bei„un- seren" Hakenkreuzleru sprechen beinahe verschiedene Sprachen— so groß sind die Unterschiede zwischen den häufigen Loyalitätüerklä- rungen und demokratischen Beteuerungen Jungs und dem Geflüster und Geraune seiner„Pg." in den sudetendcutschen Gauen. Was da getuschelt wird, tvenn ein paar Haken- kreuzler versammelt sind, was da hoffnungsfroh weitergetragen wird von Stammtisch zn Stammtisch und Sprechabend zu Sprechabend, das muß doch eiir lvenig anderer Art sein als etwa die Erörterung der Frage:„Wie festigen wir die Demokratie in der Tschechoslowakei"? Sonst könltte nicht jedes Wort, das da irgend einer der weniger gefillkelten Nazijnnglinge laut tverden Iaht, so sehr, so ganz dem Loyal!- lätsgesang Jungs widersprechet». Wenn etwa in S1 a a b die Hakenkreuzbuben ganz offen -unseren Gei»offen drohen:„Jit zwei, drei Monaten gehört das sozialdemokratische Bolkshaus uns!"— ja, dann kann doch damit nicht gemeint sein, daß im Verlauf« eine« Vierteljahres auf demokratischem Wege das sozialdemokratisch« BolkshauS in den Besitz der Nazi übcrgegangen sein wird, sondern mir, daß in einem Vierteljahr die Nazi ihre Diktatur aufgerichtet haben uitd dann uns das VolkshauS werden stehlen können!— Und wenn man in Nordwestböhmen etwa Herausgabe einer Bilderbeilage, die im allge- j einen Nazi frohlocken hort, daß nun sein B>rb meinen harmlose Limonaden veröffentlicht. In> nicht mehr tschechisch lernen brauche, weil die der ätzten Nummer findet sich ober eine söge.. Grenze bei Leitmeritz verlaufen werde, so mag „Verantwortlicher Schriftleiter. Dr. Wilhelm Feiftner." Unverschämtheiten der„Reichenberger Zeitung", j Die„Reichenberger Zeitung" sorgt sür j Belehrung und Unterhaltung ihrer Leser durch Arveitsanleihe. Die LebenSversicherungsgcsell fd>nft Mönix hat 20 Millionen Kronen ans AnboltSa«leihe gezeichnet. Ohren Angestellten währt die Gcsell'chast an herein zum Jtvecke Zeichnung der ArbeilSanlcihe bis zum Belauf« drei MouatSbcgiigen uiwerzinSlichc Vorschüsse, in zwölf Monatsraten rückzahlbar sind. Nach Zahlung von zahn Monatsraten überimnnit die Ge- sellschwft das restliche Sechstel deS Vorschusses zu ihren Lasten, sofern sich der Angestellte dann noch im Besitze der ArbeitSanlcihc befindet. Gregor Strasser geht zur Industrie. Gregor Strasser, der sich nach Niederlegung seiner Par- tciämter aus der Politik zurückgezogen hatte, aber der nationalsozialistischen Partei nach wie vor angeüört, ist von München nach Berlin übergesiedelt. Er hat in der pharmazeutischen Industrie ein Arbeitsgebiet übernommen. Da« Luftschiff„Gras Zeppelin" ist Donnerstag vormittags in Rio de Janeiro gelandet. Es wird nach kurzem Allfenthalt seine Rückfahrt über Pernambuco nach Europa antrcten.„Graf Zeppelin" hatte die letzte Strecke von Pernambuco nach Rio de Janeiro mit einer DurchschnittS- gcschwiudigkeit von 120 Stundenkilometern zurückgclegt. Boykott der Hakenkreuzslagge in Holland. Der deutsche Transportdanipfcr„Malusfi" traf im Hafen von Antwerpen mit gehißter Haken- k r e n z f l a g g e ei». Die.Hafenarbeiter lehnten cs ab, die Waren zu löschen, solange diese Flagge nicht beseitigt würde. Der Schisfskapitän ersuchte die Direktion seiner Transportgesellschaft nm Direktiven. Die Direktion untersagte jedoch die Einziehung der Flagge. Die Hafenarbeiter ignorieren den Dampfer. Singend in den Tod. Am Mittwoch gegen halb ö Uhr nachniittags erschienen in einem Gasthaus in der Rauhensteingasie in Wien zwei Frauen, die 25jährige Private Grete D., Paz- manitengasse, und die 25jährige Private Grete O., Felberstraße, und begaben sich in das Gastzimmer. Die Frauen, die in fröhlicher Stiininung zu sein schienen, ließen sich zwei Viertel Wein und Zigaretten geben, lachten, scherzten und sangen, und eine von ihnen spielte am Klavier lustige Weisen. Plötzlich schrie eine der Frauen laut auf; als die Gasthausbesitzerin herbeieilte, fand sie die beiden fast bewußlos und sich in Schmerzen windend auf dem Boden. Im Zimmer stand eine geleerte Flasche Lysol. Der Arzt der Rettungsgesellschast stellte bei beiden Frauen Anzeichen sch wer st er Lysolvergiftung fest und brachte sie in lebensgefährlich verletztem Zustand in das Spital. Dort ist Grete D. kwld nach der Einlieferung gestorben. Der Beweggrund zur Tat ist noch unbekannt, doch dürften materielle Verhältnisse Ursache gewesen fein. Bei RenovieruugSarbeUen im Innern Jglauer Maria-HimmelfqhrtSkirche, die aus Jahre 1221 stammt, wurden Mittwoch unter obersten Schicht des Maueranwurfs umsangreiche gotische Fresken entdeckt, unter denen insbesondere eine überlebensgroße Christusgestalt hervorragt, die sich an einem der Hauptpfeiler deS Kirchenschiffes befindet, und die in typisch gotischer Manier gemalt ist. Die Fresken stannnen aus zwei Zcitcpochcn und befinden sich in zwei Schichten übereinander. Die sehr alte untere Schicht stellt die Gegenstände in bloßen Konturen dar, die Tarstcllnng aus der zweiten Schicht hingegen ist reicher. Unter dem Maueranwurf befinden sich auch Spuren des Brandes vom Jahr« 1153. Das staatliche Tcnkmalaint wurde sofort von der Entdeckung benachrichtigt. Aenderungen der Staatsbürgerschaft in der Tschechoslowakei 1931. Die soeben in der Nummer 19, Jahrgang 14. der„Mitteilungen des Statistischen Staatsamtes" vcröffeMlichtc Statistik bringt eine Reihe interessanter Daten über die Zahl und Art der Personen, die bei uns in den Staatsverband ausgenommen und aus ihm entlassen wurden. Da bis zum Vorjahre unser: Auswanderevbilanz passiv war, ist es selbstverständlich, daß ulrscre Republik mehr Personen aus dem S I a a t sv e rb a nd entlassen als in ihn a u f g e n o m m e n hat, denn die Annahme oder der Verlust der Staatsbürgerschaft ist eigentlich die Vollendung des Wänderungspwzcsscs. Eine aktive Bilanz ver- zrichnen bei uns bloß die Jahr« nach dem Umsturz, in den folgenden Jahren 1923—1929 dagegen war di« Zahl der Entlassenen verhältnismäßig um 10.000 größer als die der Ausgenommen(i. I. 1927 war der Unterschied am größten, d. i. um 17.900 Personen). Im Jahre 1931 sinkt jedoch die Zahl der Entlassenen gegenüber der in den Staatsverband Aufgenommenen(ausgenommen wurden 12.142, entlassen 14.566 Personen). Die bei uns aus dem Staatsverband ent- lossencn Personen wurden größtenteils in Deutschland und Oesterreich ausgenommen. Die überwiegend größere Zahl von ihnen>var deutscher und tschechoslowakischer Nationalität, während die größte Zahl der aufgenommenen Personen ehemalige Staatsangehörige Polens, Ungarns und , Rumäniens bilden; das Uebcrgelvicht hatte ; die tschechoslowakische und die iiiadjarische Nationalität. Im Jahre 1931 war allein die Zahl ‘ der Deutschen, die aus dem Staats- verha,nd,entla sscn wurden um 8495 größer nlS dic der Aufaenommenen, ' während bei den anderen Nationalitäten mehr ' Personen in den Staatsverband ausgenommen als aus ihm entlassen wnrden(am größten war die Differenz bei den Madjaren: 3026). Nach den Berufen lvaren die Personen, die ihre Staats- angehörigkeft i. I. 1931 änderten, meistens Angestellte der Industrie und des Gewerbes, größtenteils Arbeiter, deren übertviegendcr Teil aus dem Staatsverband Polens ausgenommen Uiid in Tod eines SBD-Abqeorlmeten im Dritten Reich. Aus dem A«g ge—stLrzt. Hamburg, 11. Mai. Der sozialdemokratische ReichstagSabgcordnete Biedermann ist au« dem V-Zug Köln—Hamburg gestürzt. Wie von der Polizeipresirstell« Recklinghausen mitgeteilt wird, hätten die Ermittlungen ergeben, baß Biedermann, besten Leiche kurz hinter Recklinghausen auf den Geleisen der Strecke Köln—Hamburg gefunden wurde, Selbstmord begangen hat. Religiöser Sozialist- „staatsgelölrrllch"! Eisenach, 11. Mai. Unter dem Verdacht stoatSscindlichcr Betätigung wurde aus Veran- lastung des Sonderstaatsanwaltes sür Thüringen gestern in Berlin Professor Dr. P. Fuchs verhaftet. Dr. Fuchs war früher mehrere Jahre in Eisenach als Pfarrer tätig und ist religiöser Sozialist. Gegen ihn besteht der Verdacht aktiver politischer Betätigung gegen den heutigen Staat. nannte„Karikatur", die mit folgendem Text ver> sehen ist: „Ms Vas neu« Pausenzekchen des Deutsch- landscndcrs„11 c b' immer Treu und Redlichkeit' in der Schweiz erstmalig aus dem Lautsprecher ertönte, muß das für„manche dort auf Reifen befiiwliche Leute", wie z. B. den ehemaligen Oberbürgermeister Böß oder Minister Braun, eine eigenartige Wirkung ausgeübt haben." Also, jede Unverschämtheit muß man sich von diesen frechen Burschen nicht gefallen lassen! Wenn„Ueb immer Treu und Redlichkeit" auf Otto Braun„eine eigenartige Wirkung ausgeübt haben muß", will die feine„Reichenberger Zeitung" damit wohl sagen, daß Braun in fei- ner Amtsführung als preußischer Ministerpräsident nicht immer Treue und Redlichkeit geübt hat. Man erinnert sich, daß sogar die Regierung Hitler- P a p e u, die weiß Gott nicht davor zurückfchrrckt, die Ehre sozialdemokratischer Funktionäre zu besudeln, gezwungen war, Otto Braun öffentlich die absolute Lauterkeit seiner A ni tsführung zu bescheinigen. Um so schamloser ist diese indirekte Verdächtigung durch das Reichenberger freiwillige Organ des Tritten Reiches, das offenbar seinen Herrn und Meister noch übertreffen will. Wir sind aber nicht geneigt, uns das crlles bictcn zu lassen und fragen den verantwortlichen Schriftleiter der„Reichenberger Zeitung", Herrn Dr. Wilhelm Fei st ner, dessen Name auch im Impressum der Bikdrrbeilagc aufscheint, ob er nicht bereit ist, ungesäumt für ein« Zurücknahme der schweren Beleidigung Sorge zu tragen. Wir erwarten seine Antwort! das, obwohl es doch nur der Widerhall mancher nationalsozialistischen Rede sein dürfte.' auch dein Jung reichlich blöd erscheinen, aber cS ist doch Ausdruck des wirklichen Denkens der sudetendeutschen Hakenkreuzler! Manche sind freilich klüger, manche verstehen, daß die Rebi-, sionStränme Schäume bleiben müssen und daß t cs nnr einen siegreichen FasciSmnS in der i Tschechoslowakei geben könnte: den tschechischen.. Aber so groß ist der Haß unserer Kleinbürger i gegen die Arbeiter, daß sie auch einen tschechi- i schcn FasciSmuS hinnehmen würden, wenn er 1 nur die Arbeiter duckt! lind neben diesem Wunsche nach einem FasciSmuS irgendwelcher‘ Art, tvcnn er nur FasciSmuS ist, regt sich die' Hoffnung, daß sich tschechischer nnd deutscher 1 FasciSmuS schließlich schon verständigen wür-' den.— Welche Hoffnung auch erfüllt werdet« j könnte— jede baut auf die Ni^erringung der Arbeiter! Welche der kleinbürgerlichen\ Sehnsüchte, die an sudetendeutschen Stamm- i| tischen blühen, die lächerlichste, welche die realste ist— es ist gleichgültig, jede geht Mts| vom Haß gegen die Arbeiter, gegen daS biß-| chen demokratische Recht, gegen die bescher-' denste politische Freiheit der sudetendcutschen Arbeiter. Und in diesem Haß sind Führer und■ Geführt« einig. Beimischung von Petroleum zum Brenu- stoffgemifch verboten. Das Finanzministerium macht darauf aufmerksam, daß«Mgegen den' Meldungen einzelner Blätter die Beimischung 1 von Petroleum zu dem Brennstoffgemisch für' Kraftwagen als schwere GesällSubcr- i trctung verboten ist, und zwar ohne Rücksicht 1 darauf, ob die Beimischung in einem gewerb- lichen Betrieb oder durch den Verbraucher für' den eigenen- Bedarf durchgesührt wird. Verstöße< gegen dieses Verbot werden mit aller Strenge I verfolgt werden.' f Ter polnische Flieger Skarzynski hat nach seinem erfolgreichen Atlantikflug die Weisung erhalten, nach Nordamerika, und zwar nach I Chicago, Detroit, Washington und New Jork zu fliegen. Hieraus beabsichtigt Skarzynski, wie der „Jllustrowany Äurjer Codzienny" erfährt, den■ Nordatlantischen Ozean in der Rich-- tung nach Europa zu überqueren. Frau Skar-' zynska trifft mit ihrem Gatten in Südamerika l zusammen.— Der Ozeanflug Starzynskis stellt' auch einen Rekord an niedrigen Kosten dar, denn der Auftvand betrug samt den Kosten für die Konstruktion des Flugzeugs und des Motors insgesamt nur 70.000 Zloty. Großer Dorsbrand. In dem entlegenen Dorfe Louirky bei Jglau brach Mittwoch kurz vor Mitternacht in der Scheune des Gutshofes des Franz Bnkaö ein Brand ans. Dieser über- tnig sich auf fünf große Nachbargüter und auf die Ställe eines siebenten Gutshofes. Im ganzen wurden 18 Gebäude vernichtet, was ein Viertel des ganzen Dorfes darstellt. Bei dem Feuer verbrannte eine große Zahl Geflügel. Vernichtet wurden auch ganze Wagen von Kartoffel. Der Schaden beträgt 700.000 X und ist im Großteil durch Versicherung gedeckt. Da sich im Dorfe selbst keine Brandwehr befindet, fuhr der Maurer Singer aus einem Fahrrad Hilfe herbeizuholen, doch stürzte Singer und verletzte sich hiebei. Ter Brand, der bis heute früh andauerte, wurde von fünf Feuerwehrkorps aus der Umgebung gelöscht. Gandhi soll infolge deS Hunger st reiks an Gelbsucht erkrankt sein. Seine Frau wurde aus dem Gefängnis ohne jedwede Bedingungen und Vorbehalte entlassen.— Ter jcrvorragende chinesische Buddhist Tanju- ch a n ist in den Hunger st reik getreten, und zwar aus Sympathie für Mahatma Gandhi. Tanjuschan erklärt, Gandhi faste für das Heil der gesamten Menschheit. Ein Spion hingerichtet. Das Sondergericht zum Schutze des Staates in R o m verurteilte Mittwoch den Marineoffizier Ugo T r a v i g l i a nnd Frau Camilla A a l i a r d i wegen Spionage zum Tode. Die Angeklagten hatten ein volles Geständnis abgelegt. Traviglia wurde gestern früh erschossen. Die Vollstreckung des Urteils an Frau A g l i a r d i ist bis zur Entscheidung über das eingereichte Gnadengesuch aufgeschoben worden. Ehetragödie. In Svinatov bei Schlön kam es Donnerstag mittags zu einer blutigen Familientragödie. Der 40jährige Schneider Svoboda schoß gegen seinen Schwiegervater, den Bergarbeiter Großmann, nnd gab dann drei Schüsse gegen seine Frau ab, die getötet wurde. Hierauf lief er aus dem Dorfe und wandte die Waffe gegc« sich. Großmann und Svoboda wurden in daS Krankenhaus nach Kladno überge- führt, wo Svoboda seinen Verletzungen bereits erlegen ist. Die Tat vollbrachte Svoboda des- wegen, weil sein« bei ihren Eltern wohnend« Frau nicht zu ihm zurückkehren und mit ihm in gemeinsamem Haushalt wohnen wollte. den Staatsverband Deutschlands uird Oester- reichs entlassen lvurde. Diese allgemeine Ueber- sicht erschöpft allerdiugS nicht den Inhalt der angefiihrten Mumm« der„Mitteilungen", in der eine zweckmäßige Zusanunenstellnitg dieser und anderer, Merkmale(Glaubensbekenntnis, Alter, Familienstand, Geschlecht) die Uebcrsicht erleichtert und die wahre Bedeutung der Daten erhöhen. Diese Nummer(10 Seiten) erhalten Sie bei alleir Buchhändlern(Preis Ke 1.—).(In Kommission bei der Firma Bursik& Kohout, Prag TI-, Büclavskä nämösti.) Oesterreichs neuer Radiofender. Der neue österreichische Großsender auf dem Bisamberg ist crftggestellt und es konnte bereits der Tag der eierllchen Eröffnung bestimmt werden. Am Sonntag, den 28. Mai soll der Sender in Betrieb genommen werden. Ter Bundespräsident tvird selbst die Umschaltung von der Station Rosenhügel auf den neuen Bisambergsender vor. nehmen. Den künstlerischen Höhepunkt des Tages bildet ein Konzert des Wiener Philharmonische» Orchesters, das Werke österreichischer Komponi- tcn zu Gehör bringen wirb.— Ein zweites Konzert am Eröffnungstage wird eine Uebersicht der österreichischen Volksmusik und österreichischer Operettenkoinponisteu veriuittcln. Tramway-Unglück. Aus M a i n z wird berichtet: Ein von Gonnenheim kommender Straßen» bahnzug entgleiste gestern vormittags in Mombach. Er fuhr gegen einen elektrischen Hochspannungsmast und rannte in die gegenüberliegende Wand einer Waggonfabrik. Nach dem Bericht des Straßenbahnamtes ist bei der Entgleisung des Straßenbahnzuges in Mombach eine dreizehnjährige Schülerin ums Leben gekommen. 15 Personen wurden inehr oder weniger schwer verletzt. DaS Unglück ist wahrscheinlich daraus znrückznsühren, daß die Strombremse versagte. Doppeksekbftmord. Aus B u d a p e st ivird gemeldet: Der Bankier Wilhelm Heidelberg, dessen Prozeß wegen Devisen vergehen gegenwärtig läuft, wurde zusammen mit seiner Gatrin bewußtlos in seiner Wohnung ausgesunden. Beide Eheleute hatten Gift genommen. Der alte, herzleidende Mann starb eine Stunde später im Sanatorium, der Zustand der Frau ist besorgniserregend Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Samstag. Prag: 6.15 Gymnastik. 11.00 Schallplatte«. 18.25 Deutsche Send« n g: Jugendstunde mit Musik. 19.20 Zum Muttertag. 20.01) Slowakische Bolispoesir. — Brünn: 12.80 Orcheslerkonzert 18.25 Deutsche Sendung: Habel: Die Sprecher-Erziehung. Mähr.-Ostrau: 18.25 Orchrsterkonzert.— München: 20.00„Wo die Lerche singt", Operette.— Hamburg: 20.10 Blasmusik.— Königsberg: 20.10 Bunter Abend.— Frankfurt: 15.10 Bala la- ka-K on^rl. 20.10 Blasmusik.— Wien: 16.40 Ma ndoli nenkonze r t. 19.85 Alte Musik für Cemibako. 20.15„Tie Mutter vom Sieg", Spiel von Vollmer. 21.55 Konzert Der tschechoflowatische Rundfunk loird von reichsdeutschen Sendern absichtlich gestört? Die Wiener Äundfnnkkreise klagen darüber, daß der dcntsche Nachrichtendienst des Prager Radivjonr- nals durch einen reichsdeutschen Tender gestört wird, so daß man nicht imstande ist, diese Tcn- dungen zu verfolgen. Die Störungeil erstrecken sich angeblich nur über jene Sendmrgen, die reichsdeutfche Verhältnisse berühren. Es wäre sehr crivünscht, wenn so rasch als möglich die kompetenten Streife darüber Aufklärung geben wollten, ob derartige Störungen beobachtet nnd beanständet worden sind. Es wäre zweckmäßig, daß die Deutschland benachbarten Randstaaten gemeinsam einen Beobachtungsdienst organisieren würden, dessen Aufgabe darin bestehe» würde, reichsdeutsche Sender, die außerhalb ihres zugewiesenen Wellenbereiches senden/ sofort anzupeilen, um auf diese Weise solche Störsendnngen rechtzeitig sestzustellen. Die Annahme, daß die Störsender offizielle sind, wird darin bestätigt, daß einige mit Maschinensendern ausgerüstet sind, also mit kostspieligen Einrichtungen, die lediglich staatlichen Stationen zur Verfügung stehen. Auch Die Intensität dieser Störer soll so bedeutend sein, daß die Annahme, es würde sich um von Behörden unbemerkte Kleinscnbcr handeln, nicht wahrscheinlich erscheint. Vom Volkssunk zum Hitlersunk gewandelt Hal sich die Zeitschrift, die einmal das Wochenblatt des Arbcitcr-Radio-Bundes in Deutschland nnd damals eine tapfere und lesenslvertc Schrift war. Wie die„Gleichschaltung" geschah: ob freiwillig, damit eine Institution erhalten werde zum Zwecke der Erhaltung der Existenz einiger tüchtiger Leute,— ob unter sanftem Druck— die„Gleichschaltung" ist jedenfalls so vollkommen, daß die vielen sudetendcutschen Genossen, die den sozialdemokratisch eingestellten„Vvlks- fnnk" abonnierten, nun das Grausett erfaßt und sie den nationalsozialistisch gewordenen„Volks- funk" einstellen müssen. Das am 12. Mai auS- gegebene Heft nrit dem Bericht über die Feier des„nationalen" 1. Mai, diese-kl: Speichelleckerei, wahrscheinlich geschrieben von den gleichen Leuten, die im Voriabr« aanz andere Nazi- Berichte schrieben,— dieses Heft wird wohl jedem anständigen Menschen eindringlich genug belehrt haben, waS mit dem Blatte zu geschehen hak, das sich fälschlich noch immer„Volkssunk" nennt.— Wie unS bekannt ist, beschäftiat sich der Freie Radiobund in der 6SR.', dessen Publi- kationSovgan der„Volkssunk" ist, bereits eingehend mit der Haltung dieses Mattes nnd mit der Frage der Lösung der Beziehungen zu ihm. Nr. 111 grtifftg, 12. Mai 199 4tttc 7 Just, just und just! verlang« in dem Gasthaus«, in dem du verkehrst, oder in dem Kaffeehaus«, da» du gelegent. liq besuchst, drin Parteiblatt. Ter Wirt halt e» nicht? Ei. dann sag ihm, daß du nur dann wiederkommst, wenn das Partriblatt ausliegt! Und sei konsequent! Last kein« Ausrede gelten und keine AnSslucht! Es gibt nur«in„just!" Und je mehr der ander« sich sträubt, nm so fester sei du! Der Friseur, der dich verschönert» hat zwar «in Hakenireuzblatt oder irgend ein sogenanntes „unparteiisches" AllerweltSblatt, das aber selbstverständlich gegen di«„Marxisten" schürt. Und du läßt«S dir grsallen? Du hast ra dir bisher pesallen lassen! Aber du wirst in Zukunft unbeirrbar daraus besteh««, dass dein Parteiblatt ausliegt! Und will der Friseur nicht«i, eS gibt andere Friseur«! Sri konsequent! Sei fest! Fei immer, Überall, jederzeit Werber! Sei immer und überall Kämpfer! Bist du es nicht — dann schädigst du dich selber! ES gibt nur noch«in Entweder-oder! Wer nicht für nnS ist, der ist gegen«nS! Und wenn di« anderen, di« Spießer, di« Heinen und die großen Arbeiterfeinde, jetzt wähnen, ihre Zeit sei gekommen— belehre sie eine» anderen! Jetzt gilt«S! Just, just, just! Frühling In Karlsbad. ReudeutsAand in der Welt voranl Eine Rundfunk-Reportage. Achtung! Achtung!— Hier ist der Deutsche lendlender Könioswustcrhauscn! Hier sind alle deutschen Sender!— Meine Tomen und Herren! Unser Mikrophon(wir bitten Sic sehr, dieses Fremdwort gütigst entschuldigen zu wollen; aber der Herr Reichsminister Goebbels ha« die Verdeutschung dir zur Stunde noch nicht endgültig zu vollenden vermocht!). Also, wie gesagt: Unser Mikrophon steht heute in Heidelberg, in der Hirsch- gasse, aus dem Fechtboden der Herren Sluden- ien,— somit an einer Stätte altehrwürdiger Kultur, altehrwürdiger Tradition.-An einer Stätte, von der aus die Welt so oft schon ihre entscheidende Befruchtung erfahren hat: Ihnen Allen ist besannt, daß— um nur ein Beispiel von vielen ru nennen— etwa die unerhörten E r- solge deutscher Vorkrieg-diplo- matie nur damit zu erklären sind, daß ausschließlich Mitglieder der besten studentischen Korps für würdig erachtet wurden, das Kaiserreich in der W-'s« zu vertreten. Meine Damen und Herren! Bolksgenossin» nen und Volksgenosse»! Dieser Boden, auf dem unser Fuß rastet, ist geweiht durch manchen Trop- sen deutschen Blute-, der in edlem Masfengong von dem blonden Haupt germanischer Abkömmlinge niedcrgerieselt ist. Dieser Boden ist geweiht durch echteste deutsche Art! Bor 550 Jahren— daS war vor der Ent- deikung Amerikas!— wurde hier in diesem Saal die erste Mensur geschlagen. Fünshundertnndfünf- zig Jahre sind ein langer Abschnitt: in 55V Iah- nn Pflegt die Welt fortzuschreiten. Tie Herren Stube ti t e n jedoch sind nicht fortgeschritten: sie sind dem Alien treu gebiieben. Und doch haben sich die Zeiten geändert! Damals, meine Tomen und Herren, damals in der Epoche grauesten, brutalsten Mittelalter» galt die Mensur als etwas Fluchwürdige», al» etwa» Barbarische»! Man vermochte den tiefen, ethischeit Inhalt einer Sitte noch nicht so recht zu erfasien, — einer Sitte, bei der sich die Menschen gegenseitig und(ebenda- ist da« Heldische an der Asfaire—!) ohne jeden Grund ihr Men- schenantlitz verunzieren, n u r u in d a d u r ch d a s AeußereeinerbevorrcchtigtenKaste sich;u verleihen. Doch wir vom 20. Jahrhundert,— ein Jahrhundert, da» durch den Führer, Herrn Hitler, seinen besonderen Anstrich bekommen hat,— wir wissen, wie töricht, wie kurzsichtig, ja: wie ungerecht diese Aufsassung war. Für uns gilt als höchste Weisheit, daß der Ftndent, der im bunten Band mit einer bunten Mütze in den nächtlichen Straßen seine herrlichen Lieder in die Weltgeschichte hinauSrülpst, wenn er von aufopfernder Arbeit nach Dause wankt, daß dieseEiitedcS Volkes höchste Rechte zu beanspruchen hat,— um so mehr, wenn sie— ans' Grund der rassischen Auslese— in der Wahl des väterlichen tsteldbcutelS vorsichtig'genug gewesen ist. Diesen Wandel der Auffassung scben w'.r leibhaftig vor unS: unten auf dem Fechtboden sind die Vertreter dcS neudeutschen Staates angetreten, die StaatSanwälte, die Polizeiherren, der Rektor der Universität und ach! st» viele alte Swdemen, die mit Stolz ihre Schmisse zeigen,— mit Stolz darüber, daß der Andere eben besser hat fechten können. Meine Damen und Herren! In wenigen S-- lundcu wird daS erhabene Schauspiel beginnen! — Bestatten Sie mir, um die Zeit würdig aus- zusüllcn, noch einen kurzen historischen Hinweis: wahrend vor einigen Jahren noch der marxistische Mob aus den ReaicrungSsesseln unsere» herrlichen Vaterlandes sich vreiizumachen erdreistete, da fanden sich hier, hier«diesem Saale, schon einmal die Vertreter d>» alten ruhmreichen Deutschlands mit den Bannerträgern der nationalen Revolution, die Sie in den Herren Korpsstudenten am reinsten verkörpert sehen, zusammen. Bitte gestatten Sie mir, hierbei im Auge haben zu dürfen inu welterlchütternden Tage, denen durch aller- Mst seine Anwesenheit(die Stimme wird feter- «ch-siusternd) ein Erbe de» Hohenzollcrnreichc» die «Mtgegeben hat, PrinzHarry Domela! von Edgar H a h n c w a l d. Er ist Mitte Mai noch im frischesten Beginn. Die Birken stehen im Brautschleier, wenn anderwärts schon di« Obstbäume blühen. Di« Buchen schichten sastgrüne Laubgebreit« zwischen silbergraue Stämme. Weiche, grüne Flammen schlagen aus dutistblau verschleierten Wäldern. Bald wird Laub die Waldhänge schließen, au» denen jetzt noch di« Serpentinen der Promenadenwege leuchten. An der Meczeryhöhe blühen-die Leberblümchen. Ganze Waldhänge schimmern blau. ES ist ein zurückhaltende», zaghaft vertranende» Blau; Erinnerung an den Winter hat diese Blumen noch gestreift. Wer von der FreundschaftShöhe durch da» Fernrohr nach dem Erzgebirgskamm hinüber- blickt, kann den Winter noch sehen, wenn hier schon die Amseln flöten. Weiße Schneefclder bedecken di«-Hänge des KeilbergeS. Die karge Landschaft zittert in gläserner Verschleierung, al» zitter« sie vor Kälte. Die Lautlosigkeit dcS gläsernen Bildes macht es unwirklich, al» ob dort oben zwischen den Schneetüchrrn kein« Menschen lebten. Aber die Spitzen, die hier in den Schaufenstern vornehm au-gespannt liegen, werden in den erzgebirgischen Kammdörfern geklöppelt. Tort liegt der Winter in letzter Verschanzung; «in Feind auf dem Rückzüge. * Hier aber funkelt der Frühling. All«- ist beglückend, jung und heiter und jeder Tag ist«in Sonntag. Finke» schlagen aus ollen Zweigen. Der Tepl rauscht. Au- dem Tale blitzen die Räder der Fiaker. Karlsbad hält groben Empfang. Berge von Reisekoffern rollen in di« Hotel». Die Fremdenhäuser stehen weiß und hell bergauf und bergab, viele mit grünen Fensterläden, die wie Flügel gelüpft sind. Di« Fenster stehen offen. Der Frühling leuchtet in die Zimmer. Gelber Kie» liegt gebreitet und geharkt, lieber weißem Gartengestühl blühen Sonnenschirme auf wie riesige rot« Mohnblum««. .An der alten Wiese am Tepl entlang, glän- ren die Läden. Schmnckiachen. Kristall-Porzellan. Elfenbein, Silber, beide, Spitzen, Lederwarrn, Parfümerien, Antiquität««, Bucher, Früchte, Blu- inen. eine Galerie begehrenswerter Dina« doppelt verlockend hinter blanken Spiegelscheiben, richt sich bi» hinaus vor die Rasenstächen der Promenaden. Frühlingssonne entzündet sprühende Feuer in geschliffenen Steinen; man betrachtet di« Leichtfarben seidener Gewebe hinter GlaS und blickt in da» dunkle Spiegelbild hoher. Bergwälder; und drei Schritt« entfernt singt ein.ssiot- kehlchen auf grünem Zweig... '«i An den Quellen verdichtet sich der Korso von Tag zu Tag. Bald beginnt di«.Hochsaison. Do» Badeblatt berichtet über steigenden Zuspruch. Di« höchste Frequenz hatte überhaupt Karlsbad -m Jahre 1911 mit 70.000 Kurgästen; 1919 sank die Besucherzahl auf den niedrigsten Stand seit 1870 zurück; 15.000. Erst 1924 erreichte sie mit äst 50.000 den Stand von 1900 wieder, und in den letzten Jahren schnellt« die Kurve aufwärt». Tie Tabelle, die da» verzeickmet, mutet an wie «in Barogramm der>veltwirtschaftlick>en Temperaturen. Die Kurve steigt wieder; all« Sprachen sind im Rundum des Bruunenkorso» vernehmbar. E» weht internationale Lust. Aber national« Gegensätze schwülen auch in dieser Stadt internationaler Begegnungen. Der Fremde wird eS zufällig geivahr, in kleine» EpisÄcn. AI»«ine- Sonntag» eine am Marktbrunnen spielende Kapelle für den gespendeten Beifall mit einem Marsch dankt«, klatscht«« di« Einheimische« schon bei den ersten Takten demonstrativ— di« Kapelle spielle den Regim«nt»marsch der früheren Egerländer Infanterie; ein« Erinnerung an Alt- Testerreich. Ein Karltbader störte mich auf: ,,E» ist die BezirkS-Rationalhhmne!" * Der Sprudel springt in gläserner Halle. Manchmal scheint die unterirdische Kraft zu ermatten— zwei Sekunden lang; dann wirft sich die dampfende Wassersäule doppelt hoch hinau». Roch im Sturz zerspringt sie zu grauweißen Perlen. Der Sprudel versinkt nie. Jahnau», jahrein springt er au» granitenen Tiefen, weiß dampfend in der Hitze seiner 73 CelsiuSarade; ein Geiser, au» Unterwelten verschwenderisch emporgeschleu- dert. Der schäumende Ueberfluß schlägt und spült gegen die dicken Glasscheiben der Svrudeltürme. Elektrische Birnen im Innern durchleuchten daspringend« Wasser. Unwillkürlich zuckt man zurück. wenn der eruptive Schwall in zerspringenden Explosionen gegen di« erhitzt« Scheibe schlägt. An der Wand, vom Dampf de» Springerverhüllt. verklärt Goethe» schöne» Epigramm das ewig sich vollziehend« Geschehen: Ihr alle fühlt geheime» Wirken Der ewia waltenden Natur, Und au» den untersten Bezirken Schmiegt sich herauf lebend'ge Spur. Der perlende Sprung de» Wasser» rauscht ^itlo» durch di« Zeiten— ein Waffcrspiel der Ewigkeit, da» anzusehen man ni« müde wird. In den Kasfeegärten, lies eingebettet unter di« hohen Wände der Bergtäler, leuchtet weiß«» Gestühl auf gelbem Ki«». Mädchen in schwarzen Kleidern und weißen Schürzen bedienen. Sie tragen statt einer Nummer familiär einen Namen al» nickelblanke Brosche an der Brust: Ida, Amalia, Gisela, Dori», Berta, Steffi, Tini, Ritschi, Lori, Pepi, Adele. Die Namen bekommen die Mädchen mit dem Amt. Wenn Gisela sreit, trägt ein«.Nachfolgerin. Brosche und Namen weiter. 7 Der Fremde, der nach Zähren wieder« kommt,, trifft Gisela al» junge» Mädchen wieder. Vielleicht hat si« ein andere» Gesicht, aber sie ist jung wie vor Jahren— die Zeit ist ausgelöscht. Beglückt verzehrt der Gast den köstlichen Prager Schinken, der jfltt und dünn geschnitten wi« Rosenblätter ist, und schlürft den sahnigen Karlsbader Kaffee und sieht dann, fromm wie Abel, dem Opferrauch seiner Zigarre nach, der in die Zweige der Kastanien aufsteigt. Sie tragen die Blätter noch zu grünen, spitzen, japanischen Schirmchen zusammengefaltet. die sie ganz allmählich zu händig gespreizten Blättern aufspanncn. mummiiiiiiiiimiminiiiiniiiiinuuiniiiiniiiiiiniinininnmiiinHmnnmniiiiiiiiinniniiiimtniuiimnninuiiniiuiiiiiuuiiiiiiiiiiiiiiHniiiumiiniiuiiiunuiinnRmuiniiiiiiniiniiii)nininiiDiiniiiiiiitn Achtung! Achtung! Da- Schauspiel beginnt! - Meine Damen und Herren! Et spricht zu Ihnen der Vorsitzende der nationalsozialistischen Studenten, Graf A.«Loch von und zu 8 ochhausen. Bitte, Herr Graf. Silentium! Volksgenossen! Behördenvertre- «er! Herr Rektor!— Ter Mensurtag ist eröffnet. Bevor wir beginnen, beantrage ich im Namen eine» wohllöblichen 8. 0. Rupertiae Hoidclbcrgiensis, daß dem Herrn Reichskanzler Hitser die studentische SaiiSsikationSfähigkeit verliehen wird. Mein 8. C. glaubt indessen, daß die Bcrdienste de» b c s a g t c n H i t l e r u m d a s M c n s u r- U»- wesen unddamil um Volk und Bäte r- land al- au-reichend erachtet werden dürften, um unsere immerhin außergewöhnlichc Ehrung dieses Herrn sachlich zu rechtfertigen. Ich stelle fest, daß sich gegen unseren Vorschlag kein Widerspruch erhebt. Der Antrag»st somit einstimmig akzeptiert.— Meine Damen und Herren! Ich habe, bevor ich das Feld freigebe, noch einer Ehrenpflicht zu genügen.— Ich sehe in unserem Kreise den Herrn Kultusminister de- Großherzoatum» Baden, da-, wie sich auch in Ihrem Kreise langsam herumgesprochen haben durfte, vor 14 Jahren vorüb'r- gehend zur Republik degradiert worden>var. Ich begrüße den Herrn Kultusminister und sage ihm Dank und Anerkennung dafür, daß aus seine» Befehl hin von nun an hi- in Ewigkeit die wahr- bast nationalen Schüler auch dann in die höhere Klasse verseht und zum akademischen Studium zugelassen werden, wenn sie diegeistige Reise offensichtlich nicht besitzen. Diesen fundamentalen Grundsatz deSDrittenReiche-, daßTüchtigkeit, WrssenundKönnendurchdieAristo- kratie der Rasse und deS Geldbeutels und durch nationale Gesinnung (wie wir sie auffassen!) ersetzt, ja: bei weitem übertroffen werden kann, ver- stehenwirzuwürdigen, HerrStaatS- m i n i st e r! Soweit hiervon.— Und nun, meine Damen und Herren, beginnt der feierliche Akt. Ich rufe auf zu einer Mensur zwischen BaronvonPu- pen und Herrn Salomon von Trommler! Silentium!— Bevor ich die Partie freigeb«, fordere ich, altem Brauchtum gemäß, die Herren Paukanten aus, sich zu versöhnen. Nachdem meine aufrichtig gemeinten Versöhnung-Versuche gescheitert sind, eröffne ich die Partie. Auf die Mensur!— Fertig!— LoS!; Halt!— Warum Halt?— Mein Paukant hat sich verfangen!— Weiter!— Fertig!— Lo»!— Halt!— Warum Halt?— Mein Paukant hat Durst!— Pause! Pause ex!— Fer- na!— Lo-! Halt!— Warum Halt?— Mein Paukant ist an der blonden Stirnlocke getroffen!— Pause!—(Die Stirnlocke wird abgebunden)— Pause er— Fertig!— Lo»! — Halt!— Warum Halt?— Meinem Paukanten ist ein Blutstropfen auf die Lacksticfel gefallen! — Pause Herr Unparteiischer! Wir erstären Abfuhr, >vir haben genug!—— Meine Damen und Herren! Herr Salomon von Trommler erklärt Abfuhr!— Mensur ex!— Silentium ex!——— Volksgenossen, Studenten! Ich schlage vor, daß wir uns zunächst, bevor wir die Mensur fortsetzen, zu einem würdigen Frühschoppen begeben (stürmischer Beifall). Ich sehe, Sie haben gegen meinen Borschlag nicht» einzuwenden. Also: eine Stunde Taufpause! (Der Ansager) Meine Damen und Herren! Sie waren Ohrenzeuge eine» dramatischen, eine» wahrhaft germanischen Schauspiel». Auf allerhöchste Anordnung der Rcich-regierung legen wir, um die Würde dcS erhabenen unv erhebenden Augenblick» zu unterstreichen, um die Unendlichkeit der deutschen Erneuerung, die To- taliät der nationalen Revolution, um da» Grundsätzlich-Andere neudeutscher Kultur, nendeutschen Wesen- aller Welt kundzutun, eine Funkstille von drei Bierminuten ein. Der Herr Reichskanzler glaubt, durch diese Funkstille den deutschen Nagel auf den deutschen Kopf getroffen zu haben. Meine Damen und Herren! Nach der Funkstille hören Sie da» Horst Wessel-Lied und den KantuS von der deutschen Fran, von der deutschen Treue, vom deutschen Wein und vom deutschen Sang. Achtung! Achtung! Funkstille!!! (Infolge schwerster atmosphärischer Störungen sind wir leider gezwungen, di« Reportage von der nrudeutschen Erneuerung abzuschalten.) Sparn können Sie, wenn Sie die billigen, echten B E R S O N GUMMIABSATZE FrauenVßrkaul auf Vißhmärktßn. Die Sklaverei ist zwar in den zivilisierten Ländern aufgehoben, aber immer wieder hört man von Männern, di« ihre Frauen für mehr oder weniger große Summen an irgendtvelche Interessenten verkausen. Nach den Bericksten von James Marchmont soll diese Unsitte besonders auch in manchen englischen Dörfern zu finden sein. Er erzählt, wie er selber einmal einen Mann getroffen ha«, der seine eigen« Frau verlaust hatte. Er hotte eine Autopanne und suchte da» Gasthaus eine» Dorfes auf. In der Gaststube waren außer ihm etwa acht Männer, die Bier tranken und sich unterhielten. Nur ein alter Mann saß allein an einem Tisch und niemand lümmerce sich um ihn. Die anderen Männer taten, al» wenn er Luft tväre. Schließlich stand er auf, trat an die Theke, schob dem Wirt die Bezahlung zu und sagte etwa- über das Wetter. Ter Wirt aber drehte ihm den Rücken. Da nahm der Alte seufzend seinen Hut und verließ das Lokal. Nach seinem Weggang empörten sich die anderen Männer darüber, daß er es gewagt habe, einen anständigen Menschen anzusprechen. Aus Marchmont» Frage wurde ihm, erwidert, daß dieser Mann seine Frau verkauft habe, und ztvar voc zehn Jahren. Er habe sich in Geldverlegenheit befunden. Seine Frau sei hübsch gewesen und sehr tüchtig. Ein Mann, der mit einem Wanderzirkus herumzog, bot ihm acht Pfund für di« Frau, uitd der Alte verkaufte sie. Seitdem hat kein Mensch in dem Tors mehr mit ihm ge- sprocl en. Tas war die Strase, die da» Dors ihm auferlegte. Die Folge war, daß er dauernd vor sich hinmurmelt«. Auch in den Romanen von Thomas Hardy wird häufig von solchen Frauenverkäuien gesprochen, die vor Jahren ziemlich üblich waren. In einem Falle war ein Seemann der Verkäufer. Ein Motorradfahrer hatte vor einigen Jahren zwischen Eyniham und Witncy ein merkwürdige» Erlebnis. Er hatte eine Panne und iah in seiner NäA eine Zigeunerkarawane. Ein Mann und eine Frau kamen mit einem gelben Hund auf ihn zu. Der Monn bot ihm einen Korb an. Der Motorfahrer wollte ihn nicht hoben. Da wollte der Zigeuner ihm einen geschnitzten Spazicrstock verkaufen; als auch das abgelehnt murbe, versuchte er seinen Hund loszuschlagen, hatte aber auch damit kein Glück. Geärgert zerrte der Mann die Frau heran nnd sagte:„Tie kannst du für einen Schilling behalten!" Die Fran war anscheinend ganz einverstanden, nm diesen Preis m:t dem Fremden zu gehen. Aber der Motorfahrer machte, daß er wegkam. Auf den Viehmärkten der früheren Jahre wurden häufig auch Frauen verkauft; io erlöste int Jahre 1820 in Horsham ein Mann für seine Frau 3.5 Schilling. Die Fran batte mit jedem der beiden Männer zwei Kinder. Nach dem Kans merkte der neue bemann, daß der erste sie nur verkauft hatte, weil sie gewisse Eigenschaften besaß. die ihm«Acht länger zufaglen. Er hatte ihr die Hälfte des Kaufpreises abgegeben. Auch der neue Ehemann schätzte diese Eigenschaften nicht und verkaufte die Frau an einen Dritten, der r» dann b'S an seinen Tod mit ihr auShielt. Im Jahre 1825 stellte ein Mann seine Frau zum Verkauf. Sie tvar eine hübsche Frau, die drei Kinder fxttle, und sie wurde tatsächlich für 2 Pfund und 5 Schilling verkauft, wobei der Käufer sich bereit erklärte, ein» der Kinder mit zu übernehmen. Auch im Jahre 1844 wurde eine Frau am Halfter auf den Markt gebracht und für 1 Pfund 10 Schilling an einen Mann verkauft, der seine Taschenuhr veräußern mußte, um das Geld aufbringen zu können. Kurz vor dem Kriege kamen zu einem Rechtsanwalt zwei Seeleute mit ihren Frauen, um leinen Rat cinzuholen, da sie die Frauen gern auSIaufchen wollten. Sie wollten es gar nicht glauben, daß das Gesetz einen solchen Tausch nicht erlaube. Ein herutwsiehender Scherenschleifer war in einer Kneipe mit seiner ganz ansehnlichen Frau in Streit geraten. Er legte ihr einen Strick um den Hals und bot sie auf den Straßen zum Versauf. Ein Hausierer kaufte sie für einen Schilling und verschwand mit ihr au» der Gegend. Dor eittigen Jahren erlebten zwei Reisende in Norfolk, daß ein Bauer seine Frau auf der Landstraße den Borüberkommenden für 10 Schilling anbot, und daß ein anderer Bauer sie kaufte. M. G. Seite 8. Freitag, IS. Mai IW Rr. 111 PRAGER ZEITUNG UNd Aus der Partei Snori' Solei- KöroerBnene MMrlUms««ms dem PubMurn Kunst und Wissen s ■ Geriddssaal Nr. 7. , Zitz Stuflifl. ist»oii 2M: Wenn Ihre Schuhe reparaturbedürftig find, so verlangen Sie von Ihrem Schuhmachrrmeister deren Reparatur mit Berson-Gummileder und Berson- Gummiabsätzen. Sie verringern dadurch Ihre Ausgaben für Schuhreparaturen 100 Der Vorstand. DM» D» Großes Slarciiscmblc: Leo SlczfJ, Maria EgRcrtli, Alexander. Brausewetter. Von 1'rcKug an. Vereinsnadiriditen ,,Ccf!c Slovo" und das„R»dä Prövo' cht etwa aus woltanschaulicheii Gründen gcsch impft i-d mit unrichtigen Zitaten polemisiert, sondern ühaG, weil„die heimische Industrie bei der Erzeugung von nationalen ,Kulturgütern durch die Schreibweise geschädigt wlvd and sich deshalb in Zukunft besser mit dem Import von fremden Filmen wird befassen nriissen. Dadurch werden aber nur die FilmavbcitnÄhmer geschädigt werden". Das darf unter Beifall von Arbeitnehmern von einem Menschen gesagt werden, der sich einerseits„Arbeiter" nennt(wofür er nicht einmal zur Ordnung gerufen wurde) und dessen Firma andererseits seit wahren vstemakisch den heimischen Markt mit jenen deut- chen Filmen übevschwennnt hat, gegen deren real- tionäre Tendenz mit Recht protestiert wurde. National ist man also nur wegen des Verdienstes: wird dieser durch die Kritik gekürzt, dann importiert man eben wieder fremde Ware. Damit war anscheinend auch Karel Haller einvenstanden, der sich für verschiedene Ehrenbeleidigungen wird recht ertigen müssen. Die fast komplett anwesenden Filmreserenten versuchten vergeblich eine Debatte: mit solchen Gegnern gibt es wohl keine geistigen Waffen aus gleicher Linie. (lugend- gemeinsame !. I. Tressort Remise Baum B e r s a m m l u n g am Don- um J48 Uhr in der Gec. der Ruderverein Donau in der Au bei Pretzüurg angosucht. Die Passiven belausen sich aus-198.271 Kronen, die Aktiven betragen 66.836 K. Der Ber ein bot seinen Gläubigern eine Ausgleichsquote von 45 Prozent an, trotzdem er keine anderen Einnahmequellen als die der Mitgliedsbeiträge hat! Die Ueberschnldung wird mit der Uetberschreitung des Kostenvoranschlages und der verspäteten Fertigstellung des Bootshauses begründet. Jugendbewegung. Rote Falken, Matteottikameradschaft. Freitag bei s ch ö n e nt Wetter um 4 Uhr aus der Hetz« insel(DT-2.«Piatz) Pflichtheim; sonst Verein deutscher Arbeiter. Rote Falken, Prag. Leveller: Wir gehen Samstag nicht aus Nachtwanderung, sondern kommen um 1-4 Uhr bei der GEC.(Fügnerplatz) zusammen. Nachzügler kommen direkt in den Verein deutscher Arbeiter. 10 K für Sonntag mitbringen! — Sonntag 7 Uhr früh Endstation der Sier-Elektrischen in Hodkovikky.— Helfergemein schäft: Samstag 7 Uhr Ligaheim, Freie Vereinigung soz. Akademiker— SÄ. 11. Samstag, den 18. Mai 1933, um 16 Uhr: Besuch der Ausstellung„Soziale Fotografie". Treffpunkt im Heim.— Sonntag: Gruppenwanderung. 8 Uhr, Endstation der 17er-Linie in Branik.— Montag, 19 Uhr: Ausschußsitzung. UDOVY DU Mi (Qen. 9VI4laelm Konzert. PRAG 81.. BÖHMISCHE UNION-BANK (vereinigt mit dem ALLGEMEINEN BÖHMISCHEN BANK-VEREIN) Die Herren Aktionäre der Böhmischen Union-Bank werden hicmit zur 61. ordentlichen Generalversammlung welche am 27. Mai 1933 um^12 Uhr vorm. In Prag im Kassensaale des ehemaligen Allgemeinen Böhmischen Bank-Vereins, Na Pflkopä Z. stattfinden wird, eingeladen. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Vorlage der Bilanz»er 31. XII. 1932. 2. Bericht des Aufsichtsratcs. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes. 4. Wahlen In den Verwaltungsrat. 5. Wahl des Aufsichtsrates. Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, welche an der Generalversammlung teilzunehmcn beabsichtigen, werden ersucht, ihre Aktien mit Coupon Nr. 53 spätestens bis 19, Mai. d. J. hei einer der folgenden Stellen zu hinterlegen und dagegen die Legitimationskarte In Empfang zu nehmen: bei der Liquidator der Böhmischen Union-Bank In Prag oder bei einer ihrer Filialen in Asch, Aussig, Bodenbach. Böhmlsch-Budwels, Bratislava, Braunau L B.. Brünn. Brüx. Freiwaldau. Frlodek, Gablonz a. N.. Graslltz, Hohenelbc. Iglau, Jägern- dorf, Karlsbad. Königinhof a. E., Leltmerltz, Marlenbad, Mäbr.-Ostrau. Mährisch- Schönberg. Neu-Titschein, Olmiitz, Pardubitz, Pilsen, Proßnltz, Reichenborg. Rumburr- Saaz, Toplitz-Scbönau, Trautonau. Troppau, Warnsdorf. Zwittou. In Wien: beim Wiener Bank-Verein oder bei Rosenfeld& Co., Rathausstraße 2'i, In Basel: bei der Basler Handelsbank. in Brüssel: bei der Banque Beige pour l’Etrangcr. In Mailand: bei der Banca Commercialc Itaiiana. Prag, am 11. Mai 1933. (Nachdruck wird nicht honoriert.) Kutzuietzer menjkHNcher Dummheit. Aus der Korrespondenz eine- Heiratsschwindler-, Prag, II. Mai. Der Heiratsschwindel ist ein Geschäft, das ungeachtet der saft alltäglichen Zeitungsnotizen nicht nur ständig andauert, sondern sogar von Tag zu Tag an Ausdehnung gewinnt. In diesem Sündenregister sind alle Alters- klassen vertreten, vom Neunzehnjährigen bis zum Sechzigsährigen. In den seltensten Fällen rechnen diese Gauner aus ihre männliche Schönheit; im Gegenteil, ein großer Teil djeser Halunken zeichnet sich durch ein recht widerliches Aussehen auS. Sie ködern in der Regel die Weibchen durch Vorspiegelung materieller Vorteile. Es ist interessant, einen Blick in den Geschäftsbetrieb eine- solchen Gauners zu tun und die Korrespondenzen einer solchen Angeklagten zählen zu den bemerkenswertesten kriminalistischen Dokumenten menschlicher Dummheit auf der einen und schuftiger Raffiniertheit aus der anderen Seite Ein öOjähri- ger Mann stand heute vor dem hiesigen Gericht unter schwerer Auflage wegen Heiratsschwindels. Die Sache wurde vertagt, aber die Sachlage ist immerhin iveitgehend geklärt. Die Namen der Beteiligten sollen vorläufig nicht genannt sein, aber wir können uns nicht versagen, einige markante Stellen aus der Liebcskorrespondenz dieses— notabene hinkenden und ich! elenden— Eroberers der Herzen und Geldbeutel wiederzugeben. Der Angeklagte war Buchhalter. Durch Inserat luchte und sand er eine Frau aus dem deutschen Gebiet, di« gewillt wäre, mit.ihm in den Stand der heiligen Ehe zu treten. Er gab sich als Bankdirektor aus und als Absolventen der„C r i e n t a l is ch e n H a n d e l S a k a d e m i e" 5 (vermutlich eine mißverständliche Bezeichnung der' Wiener„Orientakademi«'). Hn seinen Briesen 1 pricht er mit bitterer Verachtung von Heirat-- betrügern, welche Mißtrauen zwischen den Ge- j schlechter« säen und offeriert gleichzeitig seinen prima. Charakter:„... es passieren heute so viele Betrügereien, aber ich verdiene nicht, mit diesen Lumpen. in einen Tops geworfen zu werden. Ich bin ein Charakter!" Er war es. Deshalb war er auch verschwiegen wie das Grab:„... den N a m e n d e r Bank, wo ich eine herrliche Stellung habe, gebe ich dir, nßeS Lottchen, nicht bekannt. Denn ich will nicht auf die Publik um Stromme! kommen und gebe den ÄnformalionSbüro« prinzipiell keine Gelegenheit, sich mit mir zu befassen..." Der wackere Mann hatte alle Ursache dazu. Aber ein zärtlicher Geliebter war er. So schreibt er z. B.i „... Du bist wohl ein wenig mollig, was aber iricht schadet, sondern nur Vorteile hat.—— Nur wäre vielleicht meine Person zu schlank und zu dürr, nm«In solches Weiberl in meine Arme zu schließen und schließlich aus meinem Schoß zu placieren..." Und so weiter. In einem weiteren Brief garantiert der Gentleman Toleranz für etwaige Seitensprünge der künftigen Gattin:„... wenn Tu, Allerwerteste, bei Deiner molligen Figur vielleicht an mir nick)t Genüge finden solltest, so sicht es Dir frei..." Aber alle diese holden Töne hatten natürlich einen sehr realen Zweck. Ter Angeklagte hat angeblich von dem „molligen Wekberl" zwecks„Einrichtung einer Zentraldirektionskanzlei' schwere Tausender erschwindelt, wo nochmals zu betonen ist, daß er den Namen der Bank, bei der er angeblich angestellt war, diskret verschwieg Und das„mollige Werber!" fiel tatisächlich auf dieses gelungene Manöver herein. Die Dummen sterben eben nicht aus. Da der Angeklagte jede Schuld hartnäckig bestritt, war der Gerichtshof genötigt, di« Hauptver- Handlung zu vertagen. Sonderbarerweise entfernten sich der Angeklagte und das„mollige Weiberl" Arm in Arm. Wie gesagt: die Duntmen sterben nicht aus. rb. • r-H,? 10* st.-G. tüt jeuung- uiu>-vuchdiuck. tltag.— güt Den Druck vttanlwutlltch. Otto üolil, ins bau* obet bet t)e|ug durch dir Post monatlich Ut tu.—, Dietteliibtlldi Ki jji,—» JU4(UH1UIS M KfalR am btt gHruduug Hf MMwta d«r,N«,,b,r Etetfrttb tut— Ld«t r« d a k r» Silbtlai» i< k■ 11.— Btiaattsottlttfct Rrdakirur: St.(fm •lag.— Di« Seituna*itiartrtt|cantatui wurde von btt Pop. a. Ztttttobbutbiieltlni tun ikrtak sk 13.&00/V 11?1S3O diwmial. tzaibtttzri« U 8#.—,«auti-chrt« E* UL—,— IkstmU Mtta lau Tarif bUliak btucha«. M Natu«d ITT—— Mitteilungen der„Urania“. Wrau-Nrania-Kluo. 2«o Slezak, Alexander, Maria Eggerth tu der großen Toitslm-Operette„Das Liebesquartett" im Wra u U ra n i a K i tt o. Heute 3 Uhr: Freivorstellung für die Arbeitslosen. Ortsgruppe Prag. 2 onnIa g. den 1-1. Mai, Wanderung: Alt-Bunzlauer Wälder, Jser. Abfahrt 6.10 vom Bahn- M Hof Bysoeany, Retonrkarte 5 K Führt S ztapuichinski.— Voranzeige: Psingst Wanderung zwei Tage Erzgebirge, Egertal. Auskunft beim Genosten Gröger. Touristenverein„Die Naturfreunde", Reichsau-schuß. Unsere Telephonnntmer auf SÜSS umgcändert worden. Allg. Angestellten-Verband, Prag. Sektion. Sonntag, den 11, Mai, Wanderung mit der 2, garten tmt 8 Uhr.— ner-tag, den 18. Mai, Wichtige Angelegenheiten. ■■■■■■■■■■■■■■■■■■Ml Die Deutsche Bottsfinggemein-e, Prag veranstaltet unter Mitwirkung des „Atus" und des Salonorchesters am S a m S t a g, den 18. Mai, um 8 Uhr abends im Odborovy Dum am Bergstein einen «nteryattHns-Savend mit reichhaltigen! Programm und anschließendem Tanz. Die Veranstaltung ist ganz der Geselligkeit gewidmet. Der geringe Regiebeitrog von 3.50 X wird kaum jemandem ein Hindernis sein, die Bestrebungen der Bolkssinggemeinde zu unterstützen.— Arbeitslose haben freien Eintritt. „Die Meistersin», u am Mittwoch. Abonnt- wird gefordert.. ment aufgehoben. Vorkaufsrecht für Abonnenten noch s J 11«, heut«. Allgemeiner Vorverkauf ab morgen. Spielplan des Renen Deutschen Theaters. Frei tag, K8 Uhr:„Menschen im Hotel" iD 2).— Samstag, Ü8 Uhr:„Ma cht d«S Schicksals" fll. A.). Tpielplan der Oleinen Bühne. Freitag, 8 Uhr: „In jeder Ehe".— Samstag, H8 Uhr:„! Geraldine ein Engel?"(Erstaufführung). VorlrSae nnfl Veranstallnnaen I Ailmmaguate« gegen Kritik.' Die Prager Herrn Filminduistriellen hallen die Zeit für geeignet, um einen erstmaligen Frontalangriff gegen di« nicht von Inseraten diktiert« Filur- kritik zu versuchen. Dem ersten Geplänkel in öffentlicher Bersammlung soll nun«irr« große Mtion er- folgen, um das Nationalheiligtum„tschechischer Film' gegen di« Kritik, vor allem der soziatdsmo- kratifchen Presse beider Landessprachen, zu schützen. Die erste ösentliche Versammlung der Industrie, bei der als Veranstalter di« Organstation der Film- ichauspieler und»Komparsen figurierte, war zugleich einer der heitersten und dann kkandalöfesten Angriffe auf die Pressefreiheit in Kulturdingen. Ten Prager Filmmagnaten gehl es ums Geld, um den nackten und ekelhasten Verdienst, den sie ntif der Lüge „nationaler Film" unchängen, damit sich verirrt« und unüberlegt« Arbeitnehmer finden, nm die ganze Aktion zu deckett. In der vor wenigen Tagen einberufenen Versammlung wurde z. B. von Johann Reiter, dem Direktor des größten Prager Verleih, konzernes„Elektasilm", gegen den ,„S o z i a l- 'd«mokrat" und das„Prävo Lidu", gegen Vie Bani-ieamten im Abwehr lamp?. Di« gestrig« Protestversammlung im ,^idov)- Dum". Die Personalpolitik der Banken ging geht bekanntlich dahin, an den knappen Gehältern i der subalternen Angestellten„E i n s p a r u n- i g c n" zu erzielen, ohne den enormen Einkommen i der diverie» Direktoren, Präsidenten und Ver- waltungSräte Eintrag zu tun. Zn den letzten Tagen haben drei Banken in dieser Richtung einen neuen Borstoß unternommen: die Böhmische Union bank, die ESkompte- b a n k und die Länderbank. In diesen Instituten wurden die Angestelltenvertreter zu einer Besprechung berufen und ihnen eröffnet, daß ein lö- bis LVprozentiger Gehaltsabbau notwendig sei, widrigenfalls die Direktionen einen Teil des Personals zum 30. Juni kündigen m ü ß t c n. Der B c r- band der B a n k- u n d Sparkassen- beamten hat aus diesem Anlaß gestern im Garten des„L i d o v y D u m" eine Protest- Versammlung abgehalten, die überaus stark besucht war und den festen Abwehrwillen der g e s a nt t e n Beamtenschaft in eindrucksvollster Weise zum Ausdruck brachte. Der Obmann der Organisation Genosse Meller eröffnete die Versammlung mit einer klaren und eingehenden Darlegung der Situation. Vorläufig ist es gelungen, Sen Angriff auf die Bezüge der Beamtenschaft abzuwehren. Nach mehrstündiger Verhandlung haben die Direktionen von den geplanten Maßnahmen Abstand genommen. Das bedeutet freilich keine endgültige Lösung. Man muß darauf gefaßt sein, daß das Unheil der Kündigungen, daS vorläufig abgewen- det werden konnte, am 15. August neuerlich drohen wird. Genosse Meller verwies u. a. auch aus die unverhältnismäßig hohen Dienst- und Pensionsbezüg« der leitenden Funktionäre und betonte, daß die Beamtenschaft gewillt sei, den ihr aufgezwungenen Kamps mit aller Energie durch- zusuhren. Die Verantwortung sällt aus die Leitungen der Banken. Nach diesem mit stärkstem Beifall aufgenom- menen und häufig von Zustimmungskundgebun- gen unterbrochenen Referat erklärte der Vertreter" des Angestelltenverbandes(Svaz zki- zencu), D i m m e r, die absolute Solidarität dieser Organisation mit den Forderungen der Beamtenschaft. Die folgenden Referenten R a- vratil, König und Hinz befaßten sich mit der heute zur Diskussion stehenden Sache vom Standpunkt der Beamtenschaft überhaupt. WaS heute in diesen drei Banken geschehen ist, kann und wird sich morgen in anderen Instituten wiederholen. Deshalb ist absolute und restlose Solidarität der gesamten Angestelltenschaft eine unbedingte Notwendigkeit. Die großzügige Gehaltspolitik der Banken gegenüber den Direktoren und sonstigen sogenannten führenden Persönlichkeiten wurde einer vernichtenden Kritik unterzogen. Wir wollen deS allgemeinen Interesses halber nur das eine Beispiel herausgreifen, daß ein solcher Herr nach acht Dienst- jähren mit 100.000 K Pension abgehen konnte. Höchst bemerkenswert und erfreulich ist, daß dies« Protestkundgebung, die spontan und ohne weitere Propaganda einberusen wurde, einen solchen M a s s e n b e s u ch verzeichnen konnte. Der Appell an die weitere Bereitschaft int Abwehrkampf, der di« Bersammlung abschloß, fand begeisterte und einmütige Zustimmung. Bg. Die nächsten EuropameifterfchastSfpiele der Ar> beiterfußballer. Am 27. Mai stehen sich in Wien zum ersten Male Polen und Oesterreich gegenüber.— Schweiz und Belgien tragen ihren Meisterschastslamps zu Psingsien im Rahmen des sianzöjiichen Bundesfeftes ans, das in Gebwei- l e r stattsindet.— Gleichfalls zu Pfingsten findet das Enropamcisterschastsspiel H o l l a n d—F rankreich statt. ,„Jugendertüchtigung" in der Deutschen Turner« Sparmaßnahmen im Nationaltheater. W,e Sek- schäft. Anlässlich des Stuttgarter Turn fest es der tionsches Dr. Wirth gestern in einer KonferenzsDT. wird auch ein Jugendtreffen slaltsindeti. Wie mit den Vertretern der zuständigen Bühnen-GoweA. I pjxz beschaffen und von weichem Geist es getragen schäften mitteilt«, wird dar Passivum des Prager I sein wird, das beweisen u. a. die folgenden Zeilen, tschechischen Nattonaltheaters für 1933 auf 16^313.7601 hie wir einer diesbezüglichen Propagandanotiz ent- Kronen veranschlagt. Da die staatliche SltbventionI nommen haben:„Der Kampf soll mehr ein Be- ur 1933 auf 9,000.000 K herabgesetzt wurde, muß kenntnis zur Wehrwilligkeit sein als ein der unbedeckte Rest von rund 1,310.000 K durch I Ringen um den Preis. Er wird nicht mit Platz- Evsparnngcn hereingebracht werden. Davoii sollen I nnd Punktzahl gewertet, nicht mit Stoppuhr mid 120.000 K in den Sachausgaben, 500.000 K bei Meschant), sondern lediglich mit„sehr gut",„genü- Honoraren und Belohnungen, 51.000 X durch teil-1 gend' und„nichtgenügend". Im Fahrlengewand weis« Reduktion der Chöre und 182.000 K durch mit Koppel und Wanderstiefel wird angetreten, Herabsetzung der Gehälter der Solisten«ingeispart nicht in leichter Zweckkleidniig nnd Dornenschnhen werden. I aus gepflegter Bahn Es gibt keinen Einzolkampf, „D«k Raub der Sabinerinnen", Dienstag, neu I sondern nur den Einsatz der Mamischast. Ueber» einstudiert. I Windung von Hindernissen, WursmitderKeule Gastspiel Maria Müller:„Die Meistersin-Iund Uederklettern einer vier Meter hohen Bretter- ger von Nürnberg« am Mittwoch. Abount- wird gefordert. Wichtiger als die Leistnn • w— B L.*>>—• I AA A IUa'IzkItIMIü tu(I) aIW•- 1*„ I N& j| nicht mehr Förderung der Volksgesundheit, die auch die DT. vorgibt zu pflegen, sondern das ist militärischer Drill, der seine„hehre Ausgabe" in der Vernichtung sicht. Pleite eines bürgerlichen Rudervereines in Pr«ß- , I bürg. Um Einkeilung des Zwanysausgleiches hat KINO PROGRAMM l vom 12. Mal hla 18. Mol 1088. f Wran-Urania-Klno «Inifflei öeuKehe i-.w Das Llcbesquartett"