klozelvrels 70 Heller. ctLinfchlleßlich 6 Heller Portal Das Korrupllonsoesdirei aul übler Denunziation basiert! Berlin, 16. Mai.(C. P. B.s Ter Reichs- lvirtschaftSininistcr Dr. H» g e n b c r a hat den Kommissaren, die er an einzelnen besonderen Stellen eingesetzt hat, untersagt, ihre Untcr- suchungScrgcbnisse von sich auS der Presse bc- kanntzugebcn. Insbesondere sind alle Mitteilungen über angebliche„Korruptionsfälle" ko lange ann.söltcn, vis eine gerichtliche Klarstellung cr- solgl ist. Die Veranlassung zu dieser Maßnahme bildet die Beobachtung, daß manche in letzter Zeit erhobenen Anschuldigungen sich nicht nur als unbegründet erwiesen haben, sondern zum Teil auch auf iibler Denunziation— insbesondere von früheren An- gestellten— beruhen. Mittelalter... Nicht. minder verabscheuungswürdig ist die Axt,'wie die Nazis wehrlose politische Gegner, die nicht rechtzeitig geflüchtet sind, vor der Ocffenl- lichkcil nach inittclalterlichcn Prangermethoden diffamieren wallen. Nach dem Fall Kuhn t, den wir bereit» wiederholt zitiert haben, wird nun ein ähnlicher Fall aus Karlsruhe gemeldet. Tort tvurde der frühere bardische Innenminister Re m etc, der ehemalige StaatSrat Marum und einige Angehörige der SPD. am TienStag.m Pelizciauto unter starker Bedeckung Lurch die Main nach dem Konzentrationslager Kißlau geführt- Aus dem Weg«, der ausgerechnet auch am LandtägSgebäud« vorbei- sührte, halten die Nazis i h r« 8e u t e p o st i c.i die eine ,,erregte Volksmenge" mimten und die Häftlinge nach allen Regeln der Kunst /beschimpften. „Sfüadenlreude un i Käme öeiühlc.“ Bestätigte Greuelmeldungen. Berlin, 15. Mai. Ter Rcichskominissär für die Wirtschaft und Leiter des Wirtschaftspolitischen Amtes der NSDAP Tr. W a g e u c r hat an den RcichSjustizminister GürIner ein Schreiben gerichtet, in dem er auf die Schäden aufmerksam macht, die durch die Inhaftnahme führender Männer der Wirtschaft wegen angeblicher Steuerdelikte für die Durchführung der Aibcitsbe- schaffungsaktio» entstehen können. In vielen Fällen handele es sich dabei nicht um den Ruf nach Gerechtigkeit, sondern um Schadenfreude und Rachcgcsühlc einzelner. vle drennenaie frage für die deutschen Arbeiter. lT. G.) Nach der vollkommenen Fokcisierung der deutschen Gewerkschaften ist für jeden klassen- bewußten deutschen Arbeiter die Frage der weiteren Mitgliedschaft in den Gewerkschaften brennend geworden. Tic Fascisten wollen die weitere Mitgliedschaft der freien Arbeiter in den Geioerk- schastcn erzwingen, und jeder der sich niesem Zwang nicht fügen will, hat mit Entlassung und Persönlichen Repressalien zu rechnen. Tie der Sache treu gebliebenen Arbeiter fragen l'tzt täglich, was sic tun sollen, ob sic cs darauf ankommen lassen sollen, die Arbeitsstelle zu verlieren und sich dem Terror auszusetzcn, oder ob sie bleiben und versuchen solle», die Organisation und die ihr angehörenden Proleten im marxistischen Sinnen zu beeindrucken. Die brennende Frage ist darum jetzt so schwierig zu beantworten, weil wegen der Anpassungsversuchc der Gcweckschafts- sührnng keine organisatorischen Borbcreitnngen und Ausnahmestellungen geschaffen wurden. Das Versäumte muß so schnell wie möglich nachgcholt werden, verhindert muß jedoch werden, daß jetzt Einzelne individuelle Entscheidungen treffen. Es muß vielmehr schleunigst eine korpoi rctive Entscheidung herbeigeführt werden, und wenn das, was von den Freien Gewerkschaften übrig blieb, da;» nicht mehr in der Lage ist, muß bie Entscheidung auch ohne Rücksicht auf Kompe- lenzstrcitigkeiten von den politischen Organisationen herbcigefiihrt, und den Arbeitern in Deutschland eine klare Parole gegeben lvcrden. Tie Internationale muß miihelfen, diese Entscheidung Munigst herbejzuführen. Weltappell Roosevelts zur Rettung der Abrüstungskonferenz Für Macdonaldplan und neuen Nichtangriffspakt Drohungen gegen Frieden störer. Washington, 16. Mai.(Reuter.) Präsident Roosevelt hat in der vergangenen Nacht an die Staatsoberhäupter aller 44 an den Genfer und Londoner Konferenzen beteiligten Rationen einen dringenden Appell gesandt, um der AbrüstungS. und der Welt- wirtschastSkonserenz zu einem Erfolg zu verhelfen. In dieser Botschaft heißt cs, die Welt I könne nicht auf lang hingezogcnc Beratungen warten, sondern sie brauche anstelle des gegenwärtigen Chaos baldige Ordnung durch Stabilisierung der Währung, durch A u f tauung der Kanäle des Welthandels und durch internationale Schritte zur Hebung des Preisnivaus. Auf der Abrüstungskonferenz müsse ein praktisches Resultat erzielt werden, das möglichst vielen Rationen den größten Nutzen bringe. Kleine Hindernisse müßten weggr- ränmt und kleinlich« Ideen vergessen werden. Die Gründe für Aufrüstung seien trotz der bitteren Erfahrung des Weltkrieges erstens— wenn auch nur bei wenigen Nationen— der Wunsch, ihre Gebiete auf Kosten anderer Staaten zu vergrößern, zweitens die Furcht mancher Regierungen vor einem seiirdlichen Ueberfall aus ihr Land. Tie Nationen der Welt würden aber alle automatisch ein Gefühl der Sicherheit be- koinnicn, tvenn sie beschlössen, der Abschaffung u n d N i ch t b e n u tz u n g der An- griffst» affenzuzustimmen. Das sei letzten Endes das endgültige Ziel der Abrüstungskonferenz. Das sofortige Ziel der Konferenz sei eine wesentliche Reduzierung dieser Angrifswaffen und die Abschaffung vieler anderer. Drei Etappen, erklärt Roosevelt, liegen vor uns, den von allen Natioircn zugestiimnt werden sollte: 1. Sofortige Maßnahmen im Sinne des MaeDonalds- Plans, 2. Di« Einigung über die Zeit und di« Methoden für die Ausführung der folgenden Schritt«, 3. Eine Einigung darüber, daß während der erste»»nd der folgenden Schritte keine Nation ihr« Rüstungen über die vertraglich scstgelegten Grenzen erhöhen wird. Gleichzeitig schlage er einen vierten Punkt vor: Alle Nationen sollen einen feierlichen und fornieklen Nichtangriffspakt abschlicßcn, nochmals feierlich ihre Verpflichtungen bekräf. tigen, die sic zur Begrenzung und Herabsetzung ihrer Rüstungen übernommen haben, und sich ferner unter Voraussetzung der kohalen Beachtung dieser Bcrpflichtnngcn durch alle Signatare dazn verpflichten, keinerlei bewaffnete Truppen über ihre jeweiligen Grenzen zu schicken, alle„armseligen" nationalistischen Zielsetzungen zu vergessen und sich aufrichtig in dem Streben zur Sicherung des Friedens und zur Wiederbelebung der Wirtschaft zu vereinigen. Der einfach« Verstand und Sinn sage einem jeden, daß wenn irgend ein starker Staat es absehnen würde, mit wahrhafter Aufrichtigkeit sich den in Genf und London zwecks Erreichung des politischen und wirtschaftlichen Friedens kundgetanen Bestrebungen anzuschlicßen, der Fortschritt in ernster Weise bedroht und schließlich vollkommen-zum Stillstand gebracht werden könnte.- In diesem Falle-werde die gesamte zivilisierte Welt, die nach der Erreichung dieser zwei Friedensarten strebt, w i s s e n, wo die Verantwortung für den Mißerfolg zu suchen ist. Ich rate, erklärte Roosevelt, keinem Volke, ein« solche Verantwortung ans sich zu nehmen! * Präsident Roosevelt hat diesem den ausländischen Regierungen übermittelten Appell dem Kongreß mit einer Sondrrbotschaft zugeleitrt, in der er betont, daß Amerika bereit sei, alle AngrifsSwasfen auszugeben, wenn alle Nationen der Welt das gleiche taten. Audi Amerika in der anlideMen Front? Besorgnisse um den europäischen Frieden. Paris, 16. Mai. Zu den gestern stattgrfun- denen Verhandlungen zwischen dem amerikani- schcn außerordentlichen Botschafter Norman Davis und dem französischen Außenminister Paul B o n c o u r erfährt daS heutige„Le Journal" u. a. folgendes: Als sich das Gespräch der A b r ü stungs- frage zuwandte, verhehlte Norman Davis nicht, daß die letzten Kundgebungen auS dem Deutschen Reiche in den Vereinigten Staaten und in der britischen öffentlichen Meinung große Erregung und Befürcht un- g e n hcrvorgenifen haben. Das Bsatt fügt hinzu, daß der französische Außenminister dem amerikanischen Delegierten bestätigen konnte, daß Deutschland tatsächlich mit der Aufrüstung begonnen habe und daß cs ganz öffentlich Waffen erzeugt, die ihm durch den FrieoenSvertrag untersagt warben. Deshalb erwogen Paul Boneour und Norman Davis über Sanktionen gegen Deutschland und vielleicht auch über dir Möglichkeit eines qemeinsamen Protestes, der für Deutschland vorläufig eine ernste Warnung bedeuten würde. Die Agcnce HavaS meldet ferner ails Washington: Die letzten Vorkommnisse in Deutschland interessieren und beunruhige» in lebhaster Weise die politischen Kreise Amerikas. welche der Ansicht sind, daß Europa soeben d i e ernsteste Krise seit dem Weltkrieg durchmächt. Sie besorgen, daß der Friede in Europa sehr ernstlich bedroht sein könnte, wenn Deutschland an seiner Forderung , betreffs der Ausrüstung beharren würde, da Frankreich n«'o Großbritannien in diesem Falle vor der Ernonerung des Militarismus i in Deutschland nicht untätig bleiben könnten. Konferenzen bei Hindenburg. Berlin, 16. Mai. Reichskanzler Hitler hat vor seiner morgigen außeirpolitischcn Rede, die auch im Rundstink übertragen werden wird, dem Reichspräsidenten heute einen Vortrag über die Politische Lag« erstattet. Hindenburg hat dann auch den Botschafter N a d o I n p zu einem Berichs über die Genfer Verhandlungen empfangen. Sozialdemokraten erwägen Absenz. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion, ! die heute nachmittag zusammentrat, um über ihre Beteiligung an der Reichstagssitzung zu beraten, konnte noch nicht zu einer Entscheidung kommen. Die Fraktion versammelt sich deshalb am Mittwoch früh noch einmal. Von den volizrikich versiegelten Fraktionsräumen ist anläßlich der Sitzung der sozialdcmo- kratischen Reichstagsfraktion nur der Fraktionssitzungssaal freigegeben worden. Günstige Aufnahme In Genf. Genf, 16. Mai. Die Botschaft dcS Präsidenten der Bereinigten Staaten Roosevelt wurde hier mit großen: Interesse ausgenommen. Der Teil der Botschaft über das Verbot neuer R ü st u n g e n löste schon mit Rücksicht auf die erwartete morgige Rede des Reichskanzlers Hit- : ler im Rcichsiagc Befriedigung beim Großteil !der Delegationen aus. Audi 8dlMdM will nichts von HlMeMand wissen. Berlin, 16. Mai. Der kürzlich nach Schwc- '■ e n entsandte Delegierte der nationalsozialisti- 'chen Partei B n g h s, der die öffentliche Meinung Schwedens für das neue Regime in Deutschland gewinnen sollte, ist, ebenso»ne cs Rosenberg erging, nach Berlin zurückbe- rufen worden. Die neue Linie der KPC: Schützt den Fascismus, wo ihr ihn trefft I Als vor kurzem der„Tag" auf vier Wochen eingestellt wurde, lvandte sich die kommunistische Presse mir einem Elan, den sie eben stets nur gegen die Sozialdemokratie, niemals gegen den Fascismus aufgebracht hat, gegen die Verfolgung der Nazipresse und gegen den Juslizministcr Dr. Meißner. In folgerichtiger Fortsetzung dieser Politik bemüht sich die Presse der Spalier uird„E i n- h e i t s f r o n d e n r e"(so verdienen sie zu heißen, weil sic nicht für die Einheitsfront arbeiten, sondern gegen den Gedanken der Einheit nn e n t w egt f r o n d ie- re n) den Ausfall des„Tag" möglichst wettzumachen und die Aufgabe zu erfüllen, die er bis zu seiner Einstellung sich gesetzt hatte. Statt des Karg hat der R e i m a n n die hicrlandische Interessenvertretung des Hitler fa s c i s ili u s übernommen. Dieser Tage hat R c i m a n n, dem, wie cr nur den Finger in die Nase steckt, gleich ein neuer Gedanke kommt, anseinandergcseht, daß inan mit dem„S ch l a gwort": Schlagt die Fascisten, wo ihr sic trefft! Schluß machen nlüsse. Das S ch l a g w o r t ist von den Kommunisten in die Welt, niemals aber in die Tai umgcseht worden. Sie haben in Deutschland und bei nns auch in den Zeiten, da sie cs im Sprech,Chor, und in Balkenlcltcrn hin- ausschrieen, den Fascismus in Frieden gelassen und sich mit ganzer Kraft ihrer geschichtlichen Ausgabe, dem Kampf gegen Demokratie und Sozialismus gewidmet. Daß sic aber nunmehr auch in der Theorie von der Parole abrücken, ist ein Bctveis mehr dafür, daß der Kvmnmttismus die Zeichen der Zeit nicht versteht oder aber sie absichtlich mißversteht, um der Arbeiterklasse der Tschechoslowakei dasselbe Los zu bereiten wie der reichsdeutschen. Getren der neuen Parole, den Fascismus zu schonen, wo cs nur möglich ist, die Sozialdemokratie zu schlagen, wo man sie trifft, beschäftigen sich die Kommunisten in ihrer Presse seit Tagen mit dem Kamps gegen die „tschechoslowakische Brüningiade" wie sie es nennen. Dreispaltig zieht der„P o r w ä r t a" gegen die Rundfunkrede des Genossen Derer los: Kapitalistische und tschechisch-nationale Gleichschaltung der Schule. Dörers Rede:ei ein„H o h n auf das nationale S e l b st b e st i m m u n g s- recht und eine Verhöhnung der deutschen Minderheit in diesem Staate". Eine Spalte weiter fragen die Herren von der richtigen Linie: Warum werden Nationalsozialisten verhaftet? und endlich flüstert uns der Paul Ret- m a n n, der seit Tagen im„Vorwärts" über „Sudetendeutschc Kampsprobleme" orakelt, seine netteste tiefsinnige Theorie zu: „Die Kritik der sozialdemokratischen Politik ist besonders notwendig vom Standpunkt der gegenwärtigen politischen Entwicklung. Die sozial- demokratischen Führer organisieren jetzt eine große und verbrecherische Komödie mit der Losung des„Schutzes der D c m o k r a i i e". Sic wollen, während sie die Politik der tschechischen Bourgeoisie durchsetzen Helsen, den Arbeitermassen cinrcdcn, daß cs möglich sei, die Arbeiterklasse durch die Verteidigung der Isä-echoslowaki scheu Demokratie vor dem Fascismus zu retten, daß cs aber bei dieser„Rettung' notwendig sei, auch gegen die Kommunisten vorzugehen. Die Losung des Schutzes der Demokratie ist ein großzügiger M a s s c n b c tr ug..." dem gegenüber die KP6 sich die Aufgabe stellt: „Wir müssen die llllusion zerschlagen, daß die faseiflerte tschechische Demokra- t i« besser sei, als di« offen« faset st isch« . Diktatur,.." Seite- Mittwoch, 17. Mal 1933 Nr. 11« Es ist, nehmt»Iles nur in all««, das gleiche muS mit Gafda irnd SMbrny gegen die Affentheater, das die Moskowiter in Deutsch- t tschechoslowakischen Arbeiter,.Herr Hör» land anfgeführt haben! Unbelehrt>ind unbe- pynka hat eS laut verkündet, daß die lehrbar durch die Ereignisse, die ihnen doch Deutschnationalen den tschechischen FafctSmuS mit blutiger Schrift bestätigt lwbcn, was eher wünschen als fiirchlen, Herr Karg hat Trotzki vor Jahr«ich Tag den richtig der tschechischen Reaktion ein offenes Koali. Linierten zuschrie: daß die Gleichsetzung von! tionSangebot zur gemeinsamen Vernichtung Brüning und Hitler die Behauptung bedeute. dcS Marxismus gemacht— di« Gottwald cS sei gleichgültig, ob die Organisationen der| und Reimann aber w i s s e n nicht,>vas Arbeiter zerschlagen werden oder nicht, blind gegen die Gefahr, in die sie selbst rennen, machen sie dasselbe, waS in Deutschland zum Niederbruch der Arbciterbetvcgung und insbe sondere zur Vernichtung der KPD geführt hat. So wie die KPD 1923 und 1930 nichts Gescheiteres zu tun wußte, als mit dem Hitlernaiionalismus um die Stimmen der chauvinistischen Kleinbürger zu lizitieren, so wie Radek und später T h ä l m a n u sich als die b c s s c r e n Vorkämpfer gegen den französischen Erbfeind empfahlen, bis sie! Hitler den letzten Nich.wählcr zugetriebeu und ihre eigene«Partei zersetzt hatten, so nimmt jetzt Paul Reimann zum Gaudium der Nazi den Kampf fiir das„SelbstbestimmnngSrecht der Sudetcndeutschen" auf, die er anscheinend in die Freiheit des Dritten Reiches überführen will. So wie die KPD mit Hitler im .Kampfe gegen die Deiuvkratic wetteiferte, bis sie verloren und mit ihr die primitivsten Freiheiten und Rechte der Arbeiter geopfert waren, so kämpfen die Kommunisten heute bei uns gegen die„Brüuingiadc" gegen die I „Illusion", daß die Demokratie besser sei l als der FascismuS. Just heute, wo sich zwischen sudeteiidentschein Proletariat und sudc- tendeutscheni Bürgertum gerade in der nationalen Frage eine unüberbrückbare Kluft auftut, weil dieses nicht mehr die Demokratie als Bovaussetzung der nationalen Autonomie anerkennt, in denselben Tagen, da die sndeten- deutschen Arbeiter bereit sind, alles einzusetzen, um die Ausbreitung der Hitlerherrschäft auch nur über eine Ouadratmeile tschechoslowakischen Bodens zil verhindern, während die national« Bourgeoisie jetzt erst auf den richtigen Gcschnrack des Sclbstl'cstiininungsrechteS kommt, das im Abkrageln der Arbeiter bestehen soll, ausgerechnet jetzt ersteht uns in P a u l ch c n Reimann ein Nachfolger von K r e i b i ch(der mit den» Gesundbeter Reimann verglichen, wirklich ein Bru- 1ns, Danton und Garibaldi in einer Person ist), ausgerechnet jetzt schustern sie in der KPL eine Theorie zusainmen, bei der es ein „s u d e t e n d e u t s ch e s Volk" eine„sudetendeutsche Minderheit" als einheitlichen Begriff gibt. Sie würden heilte nicht davor zu- rückschrecken, auch den preußischen Volksentscheid vorn 9. August 1931 mit seiner Einheitsfront Hitler- Thälmann- Hilgenberg zu kopieren und bei der ersten sich bietenden Gelegenheit werden wir Gottwald mit Jung gemeinsam deinonstrieren, kämpfen und schimpfen sehen, wie schon heute Karg u n d Reimann einander die Worte vom Munde und die Kleckse von der Feder wegnehmen. Die Jung und Karg aber wissen genau, was sie wollen: den Fascis- mus um jeden Preis; den FascismuS mit Hitler gegen die Tschechoslowakei, oder wenn das nicht geht, dann auch den Fascis- sie eigentlich wollen, cS sei denn das Ziel, V«iping, 16. Mai. Die japanischen Truppen riicken nach einem heftigen Bombardement der Stadt Tangschan gegen Kuhch vor, wo die chinesisch« Artillerie Widerstand leistet. Japanische Fliegerbomben haben in Miyun zahlreiche Opfer gefordert. Wie es scheint, ist der chinesisch« Widerstand gegen daS japanische Dorriicken bereits vollständig zusammengebrochen. In Priping wurde der Be- Sdiorn die rasclsfen! Die neueste Parole der Kommunisten. Man sollte wie im März— wieder von 182372 auf 169.412 das jadcr Rasende hat, auf den Nächststehen» den und daS Nächstliegende— in unserem auf Sozialdemokratie und demokratischen S.aat— blindwütig loSzuschlagen. Diese ganze, in einenr Tollhaus gebyren« Politik der KipL kann nur e i n gutes Resultat haben: di« Arbeiter so rasch uw so gründlich ivie möglich darüber zu b e l e h- re n, daß die Ko m m u ni ste n die Wegbereiter des FasciSnius sind! lagerungSzustand verschärft. Man ist der Ansicht, daß die Chinesen die Stadt nicht lange halten werden. Die Gesandtschaft der Dereiniaten Staaten erließ gestern an die im nordchinesischen Kampfabschnitt ansäsiigen amerikanischen Staatsbürger di« Weisung ergehen, sich sofort nach dem Süden zu begeben, da die japanische Offensive sich in der Richtung ans Peipkng bewege. gesunken, also um 12.960, d. i. um 7.1 Prozent. Im Vergleich mit dem Borjahre, wo 146.468 Arbeitslose angemeldet lvaren, bedeutet dies um 22.944, also um 15.7 Prozent mehr. Bei einer näheren Beobachtung der Da'en zeigt es sich, daß , von dem Rückgänge 7692, also 59 Prozent auf | Bau-, Tag-, landwirtschaftlich«, Tou- und Gärt- ! nerciarboiten entfallen. Bei der Zurechnung der HilsS, und Holzarbeiter, der Arbeiter der Bekleidungsindustrie, der Transportarbeiter und eines Teiles der Metallarbeiter, bei denen d'e Saison die Dosierung niit sich bringt, zeigt eS sich, daß 75 Prozent des Rückganges der Anzahl der Arbeitslosen aus die Einflüsse der Saison zurückzufvhren sind. Die Lage in den entscheidenden Industriezweigen Rordbohmetis bleibt noch ungünstig, ja eS konnten sogar weitere Verschlechterungen in der Textil-, Glas- i:nd Metallindustrie sowie im Bergbau sestgestcllt werden, die eine weiter« AuS- setztlng der Arbeiter mit sich brachten. Die größte Anzahl der Arbeitslosen lvar in den politischen Bezirken: Gablonz a. N. 16.281, Neichenbcrq 15.725, Tetschen 15.124, Brüx 14.629, TeplidSchönau 13.526, B.-LeiPa 10.984, Komata» 9882 angemeldet. Den DernfSaruPPen nach bandelte eS sich um 31.100 Textil-, 25.446 Glas-, 25.405 HilsS-, 17.120 Metall-, 16.048 Bau-, 13.373 Tag« und 6279 Holzarbeiter. Die gewerkschaftliche Arbeitslosenunterstützung mit dem StaatSbeitragc erhielten 44.965 gänzlich und 23.933 bitweise Arbeitslose, also zusammen 68.898 Personen, was im Vergleich mit dem Anlang des Monates einen Rückgang um 5.5 Prozent bedeutet. Böhmische Landesvertretung. Prag, 16. Mai. Die böhmische Landesvertretung begann heute ihre Sommerfefsron und. erledigte vorerst denjenigen Teil der Tagesordnung, der ohne wesentliche' Debatte behandelt werden konnte. 11. a. log ein Bericht d«S Lan» deSauSschusicS über das Programm der L o n- dcSstraßenaktion vor, zu welchem Genosse Deistler ausführte: Di« Vorschrift, daß nn Rahmen biefcr Aktion nur Bezirke unterstützt werden können, die finanziell nicht sich selbst genügen, bedeutet eine ungerecht» fertigt« Benachteiligung jener Bezirke, di« gut gewirtschaftet haben. Tenn heuie sind auch dies« Bezirke nicht mehr in der Lage, d!e notwendigen Darlehen aufzunehmen, um di« Rekonstruktion ihrer Straßen durchführen zu können. Selbst, wenn sie«inen Teil der iwtwendigen Gelder erhalten, muh di« ganz« Rekonstruktion wegen dct sehlenden Restes unter« bleiben. ES wäre daher nolwrrwig, baß d!« Landes- Vertretung neu« Richtlinien ausstelle und daß die verfügbaren Gelder nicht allein für den Bon neuer Straßen, sondern auch fiir di« Erhaltung der bestehenden verwendet weiden. Genosse Deistler stellte schließlich den Antrag, daß bte Berichte deS Lande SauSschusieS in Hinkunft ergänzt werden durch ei» Verzeichnis der abgewiesencn Bezirke>urd durch Angaben näherer Daten über Einwohnerzahl, Steuergrundlage, bisherige Länge des Straßennetzes i«sw., damit all« anrsuchenbrn Bezirke ihren Verhältnissen entsprechend berücksichtigt werden können. Am morgigen Tage hält die LandcSvertre- tung nur«in« kurze formale Sitzung ab, da sich ihr« Mitglieder an der feierlichen Eröffnung des neuen böhmischen Landesarchivs beteiligen werden. Ist das der Kampf für Menschenrechte? Im letzten.Heft des„Aufruf, der sich immer mehr zu einer Streitschrift gegen die Sozialdenrokratie entwickelt, der man an dieser Stelle nicht gern Menschenrechte zubilligt, findet man nach einer groben Anrempeluna von Prof. Emanuel Rädl wegen eines Artikels im „Prager Tagblatt" folgende Veröffentlichung über«ine angobliche Marxfeier der tschechischen Prager Genossen: „Werte Parteigenossen! Heute jährt sich zum fünfzigsten Male der Tag des Todes von Karl Marx. Derselbe wurde am 5. Mai 1818 als Sohn einet jüdischen Advokaten geboren. Er wandte sich dann bald der journalistischen Laufbahn zu und wirkte alt Chefredakteur i» der „Rheinischen Zeitung". Marx war tatsächlich ein tüchtiger Journalist. Er schrieb auch dat„Kapital". Nun, werte Parteigenossen, gehen wie zur künstlerischen Tagesordnung über. Ich erteil« dem Genossen X. das Wort." DaS war, nach dem„Ausruf", di« Festrede eines Prager tschechischen Parteiführers; was dar mit den Menschenrechten zu tu» hat, wird allerdings niemand entdecken können. Ebensowenig befassen sich d!« Prager Menschenrechtler unter des erprobten Dr. Bill Führung mit dem weiteren Verlauf der Feier, ebensowenig verraten sie, wo genannte Feier stattgesunden hat. Nicht einmal die Kommunisten bedienen sich so dummer Argument«, di« nach übelster Provinzpresse anS- schcn, und da- beweist, daß der Verfasser dieser Notiz gewiß nicht von sachlichen Erwägungen gegen di« Sozialdemokratie geleitet wurde. Selbst wenn einer von den lausenden Sozialdemokraten in einer Prager Borsta-t dies« Worte gesprochen haben sollte, wäre damit(außer für verkannte Menschenrechtler) nichts gegen die Sozialdemokratie gesagt. Der Liga fiir Menschenrecht« muß aber empfohlen werden, sich mit der stilistischen AuSschrotung des ihr jetzt zur Ver- fügung stehenden Stoffes zu begnügen. Bor einem neuen Handelsvertrag mit Bul. garien. Die tschechoslowakische und die bulgarische Regierung sind im diplomatischen Wege übereingekommen, Vcrhaiidlungen über«inen neuen .Handelsvertrag einzuleiten, der de» bisher in Kraft stehenden Vertrag vom Oktober 1925 ersehen würde. ES besteht die Absicht, glei'chzeitig auch einige den gegenseitigen Warenaustausch, insbesondere den Zahlungsverkehr, betreffende Fragen zu lösen. Die Verhandlungen werden am 22. d. M. in Sofia ausgenommen werden. Die Japaner vor Peking. BEK SO Kiohdmck verboten. B UND DAS 20. JAHRHUNDERT W Roman von Rudolf Brunngraber Copyriglb by BocieiSü'Vorlig) Frankfurt uo Main 103 J Di« Wohnung bestand aus Küche und zwei Zimmern, von denen das zweite Karl zukam. Die Schlafstelle in der Küche hatte der alte Dostal inne, während der an'chließende Raum von seinem 17jährigcn Sohn Philipp, einem arbeits- loseu Lithographen, und seinen beideii ebenfalls arbeitslosen Töchtern benützt wnvde, der 33jäy- rigcn Fabrikarbeiterin Anna Sachs, deren Mann zur Zeit als Fräier in Frankreich arbeitete, und der 36jährigen Vilma Haniel, die KriegSwitwe uiid lungentuberkulös war. Die Frau d«S alten Dostal, der einmal ein hossnnngSvollcs Leben vor sich gehabt hatte, war an Lungentuberkulose gestorben. sein erster Sohn ivar im Krieg gefallen, sein zweiter, vicrundzwan zigjährig, i» der Strafanstalt Stein verdorben. Der alte Dostal aber stellte das Urbild dcS rcchl'chasscneii, schweigsamen Proletariers dar und Fran Vilma, wie Karl die älter« Tochter später nannte, hielt die Wohnung so sauber, wie eS dir lUnstäride und ihre Mittel erlaubten. Ter alte Dvstal war Kurzarbeiter und die vier Menschen, die alle von seinem Verdienst abhingen. hatten keinen Tag hinreichend zu csien. Dieses Elcitd machte Karl den Sturz, den er getan hatte, besonders fühlbar. Er wäre auch sonst darüber nicht im Zweifel geblieben. Erst Ende September, als er seine Ersparnisse längst verbraucht und abcrnralS vergeblich den Stadtschulrat ausgclncht hatte, land er eine Stelle als Bnchhaltungsbeamtcr bei der Speditionsfirma Lehrner& Co. Ee war um nicht viel weniger hcrabgrkonnnen<« vrr fünseinhalb Jahren, da i.rr an Oskar Petterssou geschrieben hatte. Da Lehrner& Co. eine Weltfirma war, was ihren Angestellten, wie sie eS nannte, große Erpansionsmöglichkeiten bot.^thlt« sie besonders niedrige Löhne. Ans diese Weise bezog Karl ein MonatSgel>alt von 16V Schilling, ein Nettogehalt also von kaum 140 Schilling, einen Betrag mithin, der in Anbetracht seines AftermielzinscS um ein Drittel kleiner war als das amtlich errechnete LebenSmiuimum. Nichtsdestoweniger mußt« Karl dem Zufall dankbar sein, der ihm den Posten verschafft l>otte. Ter Leiterin deS PerjonalbüroS, einer grauhaarigen Dame, war seine schöne Schrift aufgefallen. In den» Augenblick, da sie ihm die Aussichtslosigkeit seiner Bewerbung hatte anSeinaiiderseheu wolle», war sie in feinem Offert auf daS Wort Lappland gestoßen. Karl lzatle nämlich die kleine Aufschneiderei begangen, zu schreiben, er hätte die letzten drei Jahre in Lappland verbracht. Eine darauf bezügliche Frag« der alten Dame hatte dann genügt. oaS aeiamte Pcrsonalbi'iro die Feder hinlegen zu lassen. Karl war in di« Lage gekommen, über Land und Lem« Aufklärung geven zu dürfen, die um so weitere Kreis« beschreiben mußte, als bei der Majorität dieses Personalbüros die Ansicht bestanden hatte Lappkaiid läge auf Grönland. Jedenfalls war Karl gleich einem exotischen Tier betrachtet worden, aber er hotte sich auch daS Herz der alten Dame erobert, deren Mann einer der Buch- haltlrngSchefS der Firma war. Seine weiteren Erlebnisse bei der Firma sind bald erzählt. Da ihm von seinem Lohn nach Abzug von 40 Schilling Miete und weiteren 20 für Waichs, unvermeidlich« Straßenbahnfahrten, Bad Rasierklingen«sw. nur 77 Schilling für Kost, Kleidung, Beheizung«sw. blieben, war er dazu verurteilt, sich niemals sattessen zu können. Diele Verhältnisse, die einen Kinobesuch zur Ausschweifung inachteii, Veranlaßtei« ihn, nach einem halben Jahr bei dem Personalchef um eine GehaltS- crhöhung vorzusprcchen. Karl wies dabei auf sein Alter hin, auf seine Matura und seine Per fekte Kenntnis der schwedischen Sprache. Ter Personalchef jedoch,«in pensionierter Major, erklärt« ihm, daß eS für die Firma, di« keine schwedische Korrespondenz hätte, auch gleichgültig wäre, wenn Karl neben seinem Schwedisch noch Sanskrit spräche, ferner, daß er selber wisse, wie reibungslos feine Arbeit durch jedes vierzehnjährige Mädchen bewältigt iverden könnte und daß schließlich die Höl>« der Löhne vom Geschäftsgang abhinge. der bekanntlich- seit drei Jahren katastrophal wäre. Als Karl mit dieser Auskunft zu P. Bekkcr kam, den« einzigen Menschen unter den vierhunden Angestellten, zu dem er In eine vertraulichere Beziehung getreten war, setzte ihm der auseinander, saß der Major jein Hauptarqument, nämlich daß für die Löhne vor allem di« Lage auf dem Arbeitsmarkt bestimmend fei, sogar nntcr den Tisch hätte fallen lassen— begreiflicherweise, P. Bekkcr, organisierter Sozialdemokrat, la- viel nationalökonomifche Literatur. Er griff nicht auS Veranlagung darnach— da wären ihm die humanistischen Fächer nahergelegrn—, sondern weil er spürte, daß hier die Probleme der Zeit diskutiert wurden, für die er sich wohl oder übel interessieren mußte, da sic ihm täglich auf die Finger schlugen. Kurz, P. Bekker hatte sein« Phantasie, die mit den Dingen ging, indes di« Karls sich ihnen widersetzt«. Ja. ja, sagte Karl, daS ist alles trostlos, und man kann weder weglaufe», noch etwas dagegen tun. Man muß, lagt« P. Bekkcr, trachten, auS der Masi« herauHukom- men. Man muß auS einem Zahn a>n Rad selber z>lm Rad werden. Tas ist di« einzig« Rettung. Ich kann, sagte Karl, nur arbeiten: ich habe keine Sonderbegabnng zum Kanfntanii. Ich auch nicht, sltcht« P. Bekker ihn zu trösten, aber man muß trotzdem in irgendeiner Weis« versuchen. einer Chance habhaft zu werden. Sie verließen sich achselzuckend. Doch Karl ging hin, P. Bekker die Chance vorzubcreiten. Eines Tages zeichnete er, währens einer dvsolaten Mittagspause, einig« Köpf« auf«in ssa Löschblatt. Diese Zeichnungen kamen seinem Bovstand zu Gesicht, dem alten Bentheim. Und als dann der Prokurist Jngelmann unter den Angestellten jemanden suchte, der fiir seinen Freund Mayer, den Blutspezialisten, Aufriß und Querschnitt einer klinischen Zentrifuge zeichnen könnte, wi«S der alte Bentheim ibn aus Karl. Karl zeichnete die Zentrifuge. Sechs Wochen später sagte er zu P. Bekker, mit dem er morgen- im Kommunikation-gang zwischen den Büro- stand, daß er ununterbrochen an Gewicht abnehme. Und er fügte hinzu, daß ihn vor Haß wider die GeschäftSlcitung Ucbelkeit ühcrkommen könne. Er hätte nur di« Wahl, zu hungern oder in Fetzen zu gehen. P. Bekker lvar kaum in einer besseren Lag«, Sie standen da und senkten di« Kopfe, indem sie beide auf etwa- warteten,-ai sie a«S diesem unersprießlichen Gespräch heraus- heben würde. Da richtete der Prokurist Jngel» mann, der den Gang hcraufkam, an Karl die Frage, ob er, anläßlich deS Rotary-KongrcsieS, für ein Iw erat der Firma in der Festschrift«ine Zeichnung machen könne, die daS Rotaryemblem mit dem der Firma gelchmockvoll vereinige» würde. Karl sagte den« Prokuristen, daß er das nicht könne. Er verlor dadurch weder unmittelbar noch mittelbar etwa-, denn der Prokurist Jngelmann gehört« zu jenen Windbeuteln, die di« ganz« Welt ebenso skrupellos vor ihren Wagen spannen, als sie ihr nachher voll Verachtung den Dank schuldig bleiben. Und Karl würde au- dem Rotary- Inserat so wenig berauSgeschrotet haben wie auS der Blutjentrifugr. Aber nun wandle sich-Herr Jngelmann an P. Befker, wie er sich an l«dc>i gewendet hätte, und für den war daS die Chance. Er zeichnete dos Inserat. Dem folgte nach einigen Wochen, daß man ihn ein« Europakart« mit allen SammelvcrkehrSstcllen ter Finna antcge» ließ. (Fortsetzung folgt.) Rr. 11S Mittwoch, 17. Ma! 1933 Leit« 3 Das ist der wichtigste Punkt. Sofort nachdem das Hitler-Regime mit feinem furchtbaren Terror begann, verlangten und agitierten wir für einen internationalen Boykott von den Arbeiterorganisationen gegen den FascismuS, ebenso wie gegen Polen und Ungarn im Jahre 1022/23. Damals wurde der Boykott durch die zweite und dritte Internationale unterstüht. Die K o m m u- tn uni st en lehne»'diesen Boykott alS konterrevolutionär ob. Sic meinen, daß eS gegen die Interessen von Sowjetrnßland verstößt, das versucht, mit Hitler in gute Handelsbeziehungen zu kommen. Wir dagegen meinen, daß bei solchen internationalen Aktionen Rußland mit teilnehmen müßte(wir haben innner von dem Bollwerk deS Weltproletariats geredet). Wenn sic das nicht tun, so opfern die Komintern und Rußland die Interessen des Weltproletariats den eigenen nationalen Interessen." Die Kommunisten ittr nitler-Deutsmianu (D. G.) Der Abschluß des neuen Freund- schaftSpaktcs Sowjet-Rußlands mit Hitlerveutsch- land ist für die unter der fascistischcn Diktatur leidenden deutschen Proletarier zweifellos ein schwerer Schlag. Diese Haltung Sowjet-Rußlands färbt politisch auch auf die kommunistischen Parteien in den anderen Ländern ab und wirkt hemmend auf den notwendigen internationalen Kantpf des Proletariats gegen das sascistischc Deutschland. Ein Beweis dafür ist das Verhalten der holländischen Kommunistischen Partei. Die OSP' Hollands hat der holländischen KP vorgcschlagen, gemeinsame Einheitsaktionen durchzuführen. Der Versuch ist gescheitert. Die OSP berichtet darüber:„Gestern, am 17. April hatten wir eine Konferenz mit Vertretern der KP Hollands, mit der Absicht, einen Versuch zu machen, am 1. Mai gemeinsame Aktionen durchzuführen tlnd gemeinsam gegen den Fascismus zu kämpfen. Der erste Versuch ist jedoch gescheitert. Die KP Hollands verlangte, daß ihre sogen, „neutralen" Komitees, Arbeitsloseir-Komitees, Gewerkschastsopposition usw. auf der gleichen Grundlage in die Vertragsbedingungen einbezogen werden sollten. Wir lehnten das ab. Die KP verlangte außerdem, das wir unsere Aktion für einen internationale» Ar- bciterboykott gegen, Hitler• Deutschland unterbreche» sollten. Murn und Anrlol wieder an der Spitz« der Kommerfraktion. Paris, 16. Mai. Die sozialistische Kaminer- sraktion hat heut« mit 64 gegen 6 Stimmen Leon Blum als Vorsitzenden und Vincent A u r i o l als Generalsekretär wiedcrgewählt, die ihre Aemler im Feber d. I. niedcrgelegt hatten. Die Anhänger Renaudels haben gegen eine Wiederwahl Blums und Auriols gestimmt. Her bayrische Justizminister aus Oesterreich abgeschafft... würde), dem wiederholt gestellten Ersuchen gemäß aufgeklärt sei. Der deutsche Gesandte wurde heute zur Berichterstattung nach Berlin berufen. Umgekehrt protestiert« wieder der neue österreichische Gesandte in Berlin T a u s ch i tz beim Reichsaußenminister Neurath ausdrücklich gegen die Beleidigungen, die Frank in feiner Grazer Rede gegen die Regierung Dollfuß ausgesprochen habe. Sdiärlere Maßnahmen denen die Nazis? Die heutige amtliche Wiener Zeitung veröffentlicht eine neue Erklärung des Sicherheitsministers Dr. Fey, daß die Negierung aus den gemeldeten Uebcrsällen der Nationalsozialisten aus die mit Heimwehren besetzten Eisenbahnzügc nach erfolgter Untersuchung gewisse Konsequenzen zie- hen werde. Er werde gegebenenfalls euch vor den schärfsten Mitteln nicht zurückschrecken. Wie die Abendblätter melden, durfte in Kürze auch der nationalsozialistische LandeSinspek- tor Dr. Theodor Habicht, Mitglied des deutschen Reichstages, aus Oesterreich auSgewiescn werden. Die Ursache für diese Maßnahme sollen Vorträge Habichts in Wien und in Graz sein, in welchen er scharf gegen die österreichische Regierung auftrat. Harakiri der Großdeutsdien. Wien, 15. Mai. Wie die parlamentarische Korrespondenz meldet, haben die NSDAP Oesterreichs und die Großdeutschc VolkSpartei ein Abkommen getroffen, wonach sich die Großdeutsche Volkspartei„unter Wahruirg ihrer Selbständigkeit" der von der ÖkSDAP mit dem steirischen.Heimatschutz abgeschlossenen Kampfgemeinschaft anschließt, Es wurde ein gemeinsamer Ausruf erlassen, der sich für den Gedanken des Zusammenschütsses Oesterreichs mit dem Deutschen Reiche ausspricht. Wir werben im Mai für unsere Parteipresse! Jeder muß sidt in den Dienst der guten Sache stellen! Wenn alle mithell en, müllen wir die Zahl unterer Leier verdoppeln! Darum muß das Streben eines jeden dahingehen, die bürgerliche Presse, welche die Verbündete des grauenhaften Fascismus ist, aus den Wohnungen der arbeitenden Menldien zu entlernen und alle als Abnehmer der Arbeiterpresse zu gewinnen! Die Allgemeine Pensionsanstalt in Prag veröffentlicht eine» Ausweis über den Vermögensstand und die Kapitalsanlage zum 31. März 1933(in Klammer zum 31. Dezember 1932). Wir entnehmen daraus folgende Zahlen(in Tausenden Ke): Kassabarschaft 638(2915), Einlagen bei Geldinstituten 168.589(207.174), Einlagen bei der Postsparkasse 19.168(22.016), staatliche Wertpapiere 751.180(748.112), sonstige Wertpapiere 571.522(559.718), Lombarddarlehen 3118(2879), Hypothekar-Darlehen 350.446 (340.226), Hypothekardarlehen an Genossenschaften nach dem BaufördcnlNgsgesctz 647.616 (628.154), Hypothekardarlehen an Bezirke und Gemeinden nach dem Baufvvderungsgcsch 73.647 (71.708), Darlehen an Staat und Länder 335.249 (291.178), Darlehen an Bezirke und Gemeinden 689.308(682.981), MeliorationSdarlehcn 10.312 (10.312), Immobilien 69.592(63.762). Insgesamt betrug also das reine Vermögen der Pensionsanstalt, das zur Deckung der Nentenansprüche der versicherten Angestellten bestimmt ist, 3.690,385.000 Ke, was gegenüber dem Stand vom 31. Dezember des Vorjahres einen Zuwachs von 59,250.000 Ke bedeutet. haben, wird die TranSser-Konserenz in Berlin unter slir Deutschland sehr uugiin st i g e n Umstanden znsammentreten. Es ist zu erwarten, 1 w die gebotene Gelegenheit nicht nur"zu Rät-, schlagen finanziellen Charakters benützen, sondern auch Wünsche politischen Charakters aussprechen werden. Die Konferenz dürfte also für viele unvcr bcsterliche Optimisten, die glauben, daß Deutschland jetzt erst recht seinen Wünschen Nachdruck verleihen und sogar die Kolonien zurück fordern könne, eine böse Enttäuschung werden, zumal auch die Hoffnungen, daß man Deutschland wohl oder übel neue Exportmöglichkeiten werde zugestehen müssen, nur sehr gering sind. Ander« sehr nüchtern denkende Kreise, u. a. auch Reichsbankpräsident Dr. Schacht, geben sich keinen Illusionen hin und hoffen lediglich, daß es auf der Transfer-Konferenz wenigstens gelingen wird, irgend einen Ausweg zu finden, der die ohnehin schon schlechten Aussichten der deutschen Ausfuhr nicht weiter verschlechtern und landend des Widerhalles, den"die deutschen jdas weitere Schicksal der Reichsmark nicht gc. Ereignisse im Auslande hervorgerufen fährden würde. aminnuniinuHHiiiHiiiuiniuiinniuminnnHiiinniniiminiminiiimnniniinmnninnniiinniinniiiiinnininiininnnnniiiiniiininiiiiiiinniiniiiiniiiiiiiiiinnininiiiniiinniiniiiiminiiiiimiiiiiinnj )ss Ende vom Lied: An alle I Parteigenossen den znsammentreten. ES ist e- “SÄ\tind Genossinnen! Deutschlands Pleite«nentawdtt MWMWWM Nagendrfidcen vor der Berliner GlduhlgerKonierenz Wien, 16. Mai. Die unwillkommene Reise deS bayrischen Justizministers Dr. Frank hat ihren sensationellen Abschluß dadurch gefunden, daß Dr. Frank von der österreichischen Regierung wegen«in» in Graz gehaltene» Rede, die von chwere» Angriffen und Drohungen gegen dir österreichische Bundesregierung erfüllt war, des Landes verwiesen wurde. Der AuSweisuugSbeschl konnte Frank nicht mehr in Graz zugestellt werden, weil er inzwi- chcn bereits die Heimreise im Kraftwagen ange- reten hatte. Als nächstes Reiseziel hatte er die Stadt Salzburg angeführt, wo er Montag um 7 Uhr abends auch tatsächlich«intras. Dort wurde ihm der Ausweisungsbefehl überreicht, worauf er erwiderte, er werde zuerst vor allem eine Jause «innehmen und dann abreisen. Um halb 8 Uhr «übend» trat dann Dr. Frank die Weiterreise von Salzburg an di« bayrische Grenz« an. Diplomatische Schritte von beiden Setten. Schon vorher in Wien hatte Dr. Frank bei einer Pressekonferenz in der deutschen Botschaft ausländischen Journalisten gegenüber erklärt, daß seine unfreundliche Behandlung beim Empfang in Aspern ein diplomatisches Nachspiel haben werde. In Graz drohte er namentlich, es werde kein reichsdeutscher Sommergast eine österreichische Sommerfrische besuchen dürfen, solange nicht die österreichische Regierung entsprechende Genugtuung gegeben habe. Auch der deutsche Gesandte in Wien hat gestern beim Bundeskanzler diesbezüglich interveniert. Der Bundeskanzler erwiderte, er werde zu diesem Schritt Stellung nehmen, wenn die Angelegenheit der Rundfunkrede Dr. Franks(in der er gedroht hatte, daß die deutschen Nationalsozialisten zum Schutze der österreichischen Nationalsozialisten Ordnung schaffen würden, falls die Regierung Tollfuß sie weiter verfolgen Hetze gegen die Arbeitsanleihe! Tas„Graslitzer Bolksblatt" nennt die Beftre. bungen für einen günstigen Ersolg der Anleihe Spitzel- und Bütteldienste! Es war bekannt geworden, daß das Ergebnis der Zeichnung der Arbeitsanleihe in Graslitz ein sehr unbefriedigendes ist; lediglich die Städtische Sparkasse hat einen größeren Betrag gezeichnet. Nachdem die Arbeitsanleihe zur Milderung der Wirtschaftskrise Verwendung findet, ist es Pflicht aller, die sich ehrlich um Arbeitsbeschaffung bemühen und den Arbeitslosen helfen wollen, einen guten Erfolg der Anleihe nicht nur zu wünschen, sondern auch in diesem Sinne zu wirken. Aus diesem Grunde haben die Sozialdemokraten:n der letzten Sitzung der Stadlvertrctnng beantragt, daß die Stadtgcmeinde 30.000 Ke Anleihe zeichne und daß außerdem ein Ausrus an die Bevölkerung hinausgche, sich nach besten Kräften an der Zeichnung der Anleihe zu beteiligen. Die Sozialdemokraten wollten als Unterlage für ihren Antrag wissen, wie hoch das bisherige Ergebnis bei de» hiesigen Äeldanstaltcn sei und hatten sich zu dem Zwecke an diese Anstalten gewendet. Diese Erkundigungen wurden dem„Graslitzer Bolksblatt" zur Kcnnlnis gebracht und das Blatt fragt in seiner Tonnerstagnummer,„o b z u solchen Spitzcldienstcn vielleicht ein höherer Auftrag vorliegt" und meint, c8 i st traurig, wenn sich jemand zu solchen B ü t t e l d i e n st e n h e r g i b t. Also„Spitzeldienste" und„Bütteldienste" nennt dieses feine Blatt die Bemühungen für einen besseren Erfolg der Arbeitsanleihe.(Dabei hat die Stadt Graslitz selbst um ein Darlehen von 200.000 Xe aus der Anleihe augesucht!) Bemerkt sei hiezu noch, daß bei den betressenden Erkundigungen keine Einzel- zeichnungsergebuissc gewünscht wurden, sondern nur das Gesamtergebnis. Der Brünner FaMenprozeß. Brün», 16. Mai. Die Aussagen der im Faseistenprozeß heut« cinvcrnommenen Wachleute ergaben übereinstimmend, daß di« Polizei von den Fascisten mit Schüssen empfangen wurde. Einzelne der Angeklagten, welche mit Dassen angetrossen wurden, wurden heute von den Zeugen mit Bestimmtheit erkannt. So bezeichnet« der Rayoninspektor Kobras den Angellaa!«» Luiilik als einen der Putschisten, die mit Revolvern bewaffnet waren. Der Angeklagte Knapp gibt bei der KonfroMierung zu, gesagt zu haben, daß all« Fasei ft en geschossen hätten. Endlich werden vier Zengen einvernommen, die mit den übrigen Fascisten nach Brünn auf- «n waren, weil sie glaubten,«S gehe gegen nmunisten, dann aber nach der Rede Kobsmeks in der Schlucht erkannten, daß er sich um ein«sährliche» Unternehmen handle, und sich uoch rechtzeitig auf dem Weg zur Kaserne, bzw. der Kasern« selbst verdrückten. Gegen sic W>ebt ein« Anklage wegen Verbrechen- nach§ 2 «»TchutzgesetzeS. Berlin, 16. Mai. Durch die vom Reichs- bankpräsidentcn angeküudigte Einberufung der Koüsereuz der privaten Auslandsgläubiger nach Benin wird die Pleite Deutschlands offen sichtbar. Tie langfristigen deutschen Auslandsschulden—> ründ acht Milliarden Mark— erfordern einen Zinsen- und Tilgungsdienst von einer Milliarde Mart jährlich in fremden Valuten, die früher Äns den deutschen Exportüberschüssen gedeckt wurden. Im ersten Quartal 1933 ist der Erportüberschuß aber auf nur 110 Millionen Mark gesunken, reicht also auch nicht annähernd aus. Die gesamten Gold- und Devisenreserven der Reichsbank betragen auch nur mehr 500 Millionen Mark(gegenüber 2500 Millionen vor zwei Jahren), könnten also den Zin- scndicnst höchstens für wenige Monate sicherste!- len. Dadurch würde aber die Mark jedweden imteren Wertes beraubt. Die Sistierung des Zinscndienstes an das Ausland würde mit entsprechenden Repressalien beantwortet werden, so daß nur der Weg eines Transfer-Moratoriums im Einverständnis mit den AuSlandsgläubigcrn übrig bleibt. Infolge der politischen Lage in Deutsch- Aendcrimgcn der Gcmelndewflhlordnnng Innerhalb der Regierung wird gegenwärtig über«in« Äenderung der Gemeindewahlordnung beraten. Die wichtigsten Aenderungon, die vor-, genommen werden sollen, siitd folgende: Die Wahlperiode wird auf sechs' Jahr« verlängert. Dadurch wird nicht nur. die Neuwahl der im September 1931 gewählten, Gemeindevertretungen um zwei Jahre hinaus- 1 geschoben, sondern auch jene Gcmeindcvertretun-' gen, deren Funktion-Periode in der Zwischenzeit 1 abläust, werden erst sechs Jahre nach ihrer Konstituierung neu gewählt. Es sollen also in der nächsten Zeit überhaupt kein« Gcmeindewahicn stattsinden. Di« Gemeindevorsteher(Bür-< germeistcr) bedürfen der Bcstäti. gun g, die bei den Bezirk-Hauptstädten durch daS Ministerium de« Innern, bei den übrigen Ge- nrcinden durch die LandeSbehördc erfolgt. Wird die Bestätigung verweigert, so wuß ein« Neuwahl stattsinden und wenn dem neugewählten Borsteher wiederum die Bestätigung versagt wird, ernennt die BezirkSbrhörde, bzw. bei Bezirkshauptstädten die LandeSbehördc den Borsteler. Kann die ordnungsgemäße Konstituierung der Gemeindevertretung aus dies« Weis« nicht erfolgen, so wird di« Gemeindevcrtretuna aufgelöst und bis zur Neuwahl eine Berwaltungskom- missian eingesetzt. In der Hauptstadt Prag und in den Städten mit eigenem Statut(in der Slowakei mit geordnetem Magistrat) bleibt«S bei den bisherigen Bestimmungen. DaSSystemdergebundenenKan« ditatenlistcn wird nach dem sogenannten belgischen Sy st em geändert. DaS bedeutet, daß di« einzelnen Wahlgrup- pen nach wie vor ihre Kandidatenlisten«inreichen. Andere als in den Kandidatenlisten enthaltenen Personen können nicht gewählt werden, eS darf auch niemand aus den Listen gestrichen werden, wohl aber kann der Wähler einen Kandidaten aus einer beliebigen Liste bezeichnen, er kann statt der ganzen Liste einen bestimmten Kandidaten wählen. Beim Arutinium werden so bezeichnete Stimmzettel zunächst der Partei zugezahlt, auf welche die List« lautet. Die Stimmenzahl, welche auf einzelne Kandidaten entfallen ist, aber besonders ermittelt und wenn ein solcher, Kandidat«in« Stimmenzahl erlangt bat, die für ein Mandat hinreicht, gilt er al» gewählt. Die so gewählten Kandidaten werden auf di« den betreffenden Wahlgruppen zuerkannten Mandate angerechnet und jene Kandidaten, di« sonst an den letzten Stellen der Liste gewählt worden wären, fallen ouS. Wenn also eine Partei sechs Mandate erhalten hat und zwei Kandidaten, die an späterer als sechster Stelle auf der Kandidatenliste standen, durch da» beschriebene System der VorzugSstim- ,men ein Mandat erlangt haben, so gelten die an erster biS vierter Stelle der Liste stehenden Kandidaten und die beiden Kandidaten, welch««ine genügend« Zahl von Borzngsstimmen erreicht haben, al« gewählt, die an fünfter und sechster Stelle der Liste stehenden Kandidaten fallen aus. Durch dieses System wird also die verhältnismäßige Vertretung der Parteien nicht berührt. Ebenso ist es nicht möglich, die Kandidatenlisten zu„köpfen", da» heißt di« an der Spitze der Liste steheichen Kandidaten durch die?lbgabe von Vorzugsstimmen für weiter rückwärts stehende Kan. didaten zu verdrängen,«4 können vielmehr nur die letzten an wählbarer Stell« stehenden Kandidaten verdrängt werden. Beim Listenführer ist die Verdrängung durch andere Kandidaten ausdrücklich ausgeschlossen. Erlangt also eine Partei in einer Gemeinde nur ein Mandat, so erhalt eS immer der Listensührer, ohne Rücksicht aus etwa abgegebene Vorzugsstimmen. Die Bestimmung, daß in Gemeinden unter 700 Einwohnern nach deni System der absoluten Mehrheit«wählt und nur auf besondere» Verlangen die Wahl nach dem System der verhältnismäßigen Vertretung durchgesührt wird, soll be- seitigt werden, so daß di« Wahl nach dem Proportionalwahlsystem nun allgemein geregelt werden soll. Dem Wettlauf um die Liste 1 soll ein Ende bereitet werden, indem die Dezisserung der Kandidaten in Hinkunft durch Los festgesetzt wird. Die Verhandlungen über diese, Äenderungen sind noch im Gange, so daß die endgültige Fassung der Regierungsvorlage noch nicht scststeht. Wir kommen daher auf die Vorlage zuruck, sobald ihre Textierung bekannt sein wiro. Teile 4 Mittwoch, 17. Mai 1938 Nr. lik Herr Gesandter, „Greuelmärchen Ein Bild filier die Zu stände int Reiche Hitlers gewinnt man aus einem Zchreiben, das ein hiesiger Genosse von seinem in Deutschland lebenden Freund erhalten hat. In diesem Schreiben heißt es u. a,: „Die Anstände in den Ortschaften de» Bezirkes Osisach'cn sind entsetzlich und erschütternd. Fast überall sind unsere besten Funktionär« verhaftet worden. Einige wurden so geschlagen, daß sic hafl- unsähig sind." Mil welch viehischer Roheit die Bestien der SA. und SS. ihre wehrlosen Opfer quälen, zeigt unser Bild. Uns liegt über diesen Fall auch das Original eines ärztlichen Zeugnisses vor, in welchem cs heißt: „Herr kam am 10. April 1933 in meine Behandlung wegen schweren Blutergusses im Rük tcn(Lcndcnwirbelsäule— Kreuzbein) und beide Oberschenkel hinten bis zur Kniekehle. Außerdem bestanden Anzeichen von Herz schwäche. Er gab an, geschlagen worden zu sein, was nach dem Befund glaubhaft ist." Aus Gründen, die wir nicht ernst nennen brauchen, müssen wir daraus verzichten, Namen zu nennen. So sicht die Erziehung zum„nationalen Menschen" aus. * Bestien. Dem Herrn Gesandten Koch zur Kenntnis! Ein Genosse aus dem Rheinland(der Name ist der Redaktion bekannt), dem cs mit Hilfe mehrerer Freunde gelang, aus dem Polizeigefängnis zu entkommen und der sich gegenwärtig in der Tschechoslowakei aufhalt, bekam gestern von einer Familie aus einer süddeutschen Stadt die Mitteilung, daß seine Frau bei dieser Familie mit einem Nervenzusammenbruch schwer krank darniedcrlicgl. Die Ursache des Nerven;usanimcnbrucl)cs ist folgend«' Barbarei: Als der betreffende Genosse entflohen war, wurde seine Frau von einem Nazitrupp verhaftet und auf den Friedhof zu einem frisch aufgeworfenen Grab geführt. Dort sagten die braunen Hunne» zu der Frau: „Dieses Grab gehört für Ihren Mann. Bevor er aber da hineinaeschmissrn wirb, wer. den ihm erst einmal alle Knochen gebrochen. Ist Ihr Mann nicht binnen drei Tagen zur T agesneuigkeifen Das Wollen macht den Erlöser! Willst du? Im Kleinsten, Geringsten schlummert die.Kraft zu Weltbewegendem, Großen! Erzählt uns dir Bibel: Lin Zimmermannssohn wurde der Welten Messias. Zieh doch um dich! Durch dos Sandkorn erst wölbt sich zur Kuppel der Dom. Ein spärlicher Funke nur steckt deine Welt dir in Flammen, zeigt dich ols mochtlosen Herrn. Lin Brand der Empörung wird durch den Bettler entfacht, genährt aus des Krüppels Wunden. Nur muß lebendig im Kleinen der Will« zum Großen sein! Und ist das Wollen in dir? Willst du im Dunkel hocken und über dein Schicksal flennen? Willst du die Welt erlösen? Willst du das Licht besrein? Willst du dir Ketten zerbrechen? Willst du Messias sein? Wrcke die Kraft! Hans Honheiser. Auch Ungarn dantt. Kundgebungen gegen einen Naziabgeordnete« in Budapest. Budapest, IG. Mai. Bor der Wohnung des Reichstagsabgeordneten und Univcrsitätsproscs- sors B l e y c r, des Führers der nationalsozialistischen deutschen Minderheit Nngarns, dessen jüngste Reichstagsrcdc viel besprochen wurde, auf dem Mikszath-Platz im 8. Bezirk veranstaltete heute Mittag eine etwa KWköPfige Studcn- tengruppe eine lärmende Demonstration. Die Demonstranten bewarfen die Fenster der Wohnung mit Steinen und faulen Eiern und schrien fortwährend. Bleycr möge von der Professur zurncktreten. Ein Student wollte an die Änge- sammelten eine Ansprache halten, doch wurde er von der bald auf der Stelle erschienenen Polizei daran gehindert. Die Polizisten räuntten mit Gummiknüppeln den Platz und nahmen mehrere Verhaftungen vor. In einigen Minuten war die Ruhe und Ordnung Wiederhergestcllt. "f Ein von den Kanaillen des Reichskanzlers gemordeter Arbeiter, dessen Alaine uns bekannt ist. * Stell«, sdann kommen Sie an seiner Stall da hinein!" Halb wahnsinnig vor Angst floh die Frau unter Zurücklassung ihrer Kinder, die bei Verwandten gerade zu Besuch waren, nach Süddeutschlatt-. Tort liegt sic jetzt schwer krank darnieder. Sie und auch ihr Mann wissen nicht, tvas in der Zwischenzeit mit den Kindern und mit der Wohnung geschehen ist. So Haufen die faseistischen Bestien im Dritten Reich. Die Saat, die sie säen, wird öininal blutig ousgohcn. Tsdiedioslowahlsdier Staatsbürger verschleppt. Der Sohn unseres Gen. Emil Mietheis aus Katharinaberg ging Montag abends über die Grenz«. Er besaß einen Patz, der sich vollständig in Ordnung befand. Am Rückweg, es dürste gegen 9 Uhr abends gewesen sein, wurde er plötzlich Von SA.-Leuten zusammen- geschlggen und verschleppt. Der Auf. enthalt des Genossen ist uns nicht bekannt. Funde aus der Eiszeit. Hoffentlich keine„Ente". Budapest, 1k. Mai.(MTJ.) In der Nähe der Stadt Tata in Transdanubien wurden einige Stcingerätr gefunden, die aus der Steinzeit, namentlich der Päleolith-Zeit, stammen. Ta ntan mit Recht annahm, daß in der Umgebung iwch mehrere stoinzeitlichc Ucbcrrestc vorhanden sein müssen, hat ntan in einer in der Nähe befindlichen Höhle— Selim-Höhle genannt— Probcausgrabungcn borgens mmcn, die zu einem überraschenden Ergebnis führten. Man sand gleich zu Beginn der Ausgrabungen zahlreiche Mcnschcirskelcttc, drei Feuerherde sowie Tongesäßc, Stein- uttd beinerne Geräte, ustv. sämtlich auS her Frühstrinzeit. In drei Meter Tiefe gelangte man bereits zu einer Ton- fchichte, die aus der Eiszeit stammt. Hier sand man einen Zahn dcS eiszeitlichen Rhinozeros, ferner ausgcbrochene Knochcnrestc, denen dcr Eiszcitmann daS Mark entnommen hat. Man hofft, daß die weiteren Ausgrabungen, die vorläufig wegen Geldmangels eingestellt werden mußten, ein noch reichlicheres und wertvolleres Material ergeben werden. Ueberfchwemmung 1» USA. Ehicago, 16. Mai. Die über ihre Ufer gctre- tenen Flüsse setzten ant Montag einige tausend Acres ertragreichen Fanvcvbodcns in den Staaten Illinois rtnd Indiana unter Wasser. Offizielle Meldungen über angerichtetc Schäden liegen bisher noch mcht vor; es wird bloß auS einigen Abschnitten bekanntgegcben, daß dort infolge dcS Aufschubes der Saatarbeiten Schaden erwachsen ist, der viele tausend Dollar betragen dürfte. Außerdem forderten die Hochtvasser den bisherigen Meldungen zufolge, 12 Opfer an Menschenleben. Neun Personen kanten in den Wellen im Staate Indiana und 3 im Staate Illinois ums Leben. Dir Flüsse in diesen zwei Staaten sittd durchwegs über die Ufer getreten. Waffenschmuggel nach Spanien. Nu Tschechoslowake als Anstifter? Paris, 16. Mai. Die Agencc HavaS meldet tu der Affäre des Schmuggels von Waffen ans Cannes nach Spanien, die Polizei ermittel«, woher di« Waffen Zugeführt und für tuen sic nach Spanten geschafft wurden. Zwecks Vergleiches wurden zur Probe auS Sswntcn einige Waffen angefordert, deren sich die Mottarchisten bei dem Putschversuch im August 1832 bedienten. Den Hauptschuldigen, namentlich einem Polen, gelang es, sofort nach Aufdeckung der Affäre über die Grenze zu entkommen. Es scheint, daß der Waffenschmuggel von dcr französischen Riviera her bereit- längere Zeit, zumindest zwei Jahre, gedauert hat. Der Russe Ltorojkow, dcr di« Affäre zur Anzeige brachte, wurde vom I>»g. Bruych bereits im Juni 1932 mit Schweigegeld bestochen. Es bestätigt sich, daß dcr verhaftete 27jährigc Hieronymus Bruhch ein Tschechoslowake ist. In Hitlers Heimat begehen zwei reich-deutsche Nazi-«inen Mord. Linz, l6. Mai. Tic Blätter schreiben über eilten in Braunau a ttt I n n begangenen Mordversuch, dessen Opfer dcr Kellner Franz Pcivoznik»vor. Als Täter wurden zwei N a t i o n a l s o; i a t i st e n, die reichSdcutschc Staatsbürger sind, verhaftet. Pkivoznik hatte sich am Sonntag früh au- dem DIenstc auf dem .Hcintlvcg befunden, wo er zwei junge Leute traf, die nationalsozialistisch« Abzeichen trugen. Einige Stunden später luurdc Pkivoznik in einer Blutlache liegcitd bewußtlos attfgesunden. Der Schwerverletzte, der mit dem Tode ringt, wurde in das Linzer Krankenhaus geschafft. Dem ist nicht so? An dcr Stelle, an der Sonntag immer Theodor Wolff ritt„Berliner Tageblatt" zu Worte kant, lagert tttttt nach der erfolgten Gleichschaltung ein .Herr Erich H ä u b e r seine Leitartikel ab. Da kann man wirklich nur sagen: Weil gebracht! Daß der saubere Herr behaupten kann,— ohne daß sich die Lettern dagegen sträuben,— in Deutschland habe man„voll Staunen uttd Ehrfurcht die von elementaren, nn deutschen Volke selbst wurzelnden Kräften getrieben« Betncgttng dieser(der sogen, nationalen) Revolution verfolgt", mag man als einen Beweis neu-deutscher Schmok- kerei hinnehinett. Aber was soll ntan ztt dem frechen Hohn sagen, der di« Unterbindung der Meinungsfreiheit in Deutschland in Abrede stellt? „Die abwartende(!) Haltung, die in dcr deutschen Prcsse aller Richtungen bisher ztnn Ausdrucke gekommen ist, ist im Ausland zur Herabsetzung des neuen deutschen Systems viel- fach dahin auSgclegt worden, als wenn in Deutschland die Pressefreiheit völlig vcrni chlct sc i. Daß man sich in Deutschland endlich zu der guten Sitte zurückgcfunden lwelch' prächtiges Deutsch! Airm. d. Rcd.) hat, den neuen Männern und dem tt«u«n System erst eine genügende Bewährungsfrist einzuräumen, ehe man mit der eigenen Kritik beginnt, ist vielfach böswillig so auSgelegt worben, als ob tu Deutschland jede Kritik untersagt sei. Dem i st nicht s o." Dam ist nicht so? Es gibt eine deutsche Prcsse aller Richtungen? Ist nicht die gesamte SPD- Presse verbotet!? Hat man das ohnehin schon lannnfromm gewordene„Berliner Tageblatt" nicht zur Entlassung aller links gerichteten Redakteure gezwungen? Treibt nicht die dem Mercy-Konzern gehörende„Neue Leipziger Zeitung", die Schwester des„Prager Tagblatt", Nazi-Propaganda? Haben die Nazi nicht den„Dortuuittdcr Generalanzeiger" einfach für sich annektiert, weil das Bild Hitlers, das er zu dessen Geburtstag veröffentlicht hatte,— typographisch nicht gut ausgefallen gewesen sein soll? Dem ist nicht so? Hat inan nicht sogar ein deittschnationales Blatt verboten, weil es dort«in Herr von Zitzewih-Großgansen(!) getoagt hittte, zu behaupten, di« Pevsonalpolitik der Nattionalsozia- listen sei— also was glaubt man?—„unsachlich"! Der Herr Häuber wird die Welt über das, was in Hitler-Deutschland tatsächlich vorgeht, nicht täuschen. Drei Arbeitslose beim Kohlengrabcu verschüttet. Aus dem Gelände der Schellerhüttc bei Kattowitz wurden drei Arbeitslose beim Zubruchc- gehen eine- 20 Met«r tiefen NotschachtcS, in dem sie arbeiteten, verschüttet. Di« Bergungsarbeiten waren bisher erfolglos. Drei Schmuggler im Schneesturm umgekommen. Wie die Grazer„Tagespost" meldet, ist eine aus dvci Personen bestehende Bande von Tabakschmugglcrn vor vier Tagen im bosnischen Gebirge in der Nähe von Mostar von einem Schnocsturm überrascht worden und blieb seitdem verschollen. Gestern wurden zwei Schmuggler wt Die Stadt Sandau bei Martenbad ist ohne' Armenhaus. DaS alte ist einem Brand« zum Opfer gefallen, zu einem Neubau ist es aber bisher noch nicht gekommen. Schon vor Jahren hatten die Sozialdemokraten den Bau em«S neuert Armenhauses beantragt, und in einer Stadtvertretungssitzung war der Bau auch schon einmal einstimmig beschlossen- worden. Als«S aber zur Deckung im Boranschlag kam, stimmten alle bürgerlichen Vertreter mit Einschluß der Hakenkreuzler gegen die Einstellung eines entsprechenden Betrages in den Voranschlag. Wahrscheinlich warten die Herren daraus, daß ein Wohltäter der Gemeinde «in Armenhaus bauen werde. Jetzt wellden die Ortsarm«» einfach in die Totenkammer Ms dem Friedhof gesteckt, Die ganze Prager Polizei ist aus den Beinen, um das Rätsel diese- geheimnisvollen Mordes zu lösen. Immer wieder scheint er, der Mörder sei schon überführt, aber immer wieder tauchen neue Zusammenhänge auf, die alle Kombinationen umstoßen. Selbst Knäul- chen, der Detektiv, der sonst die härtesten Rüste knackt, will fast verzweifeln. Aber schließlich... ... nun, was denn schließlich geschieht und ivaS bi- dahin geschah, erzählt der tpannende Kriminalroman der ,,«unten-W-o«ye", der in der nächsten Nummer beginnt: Der Mann und der Schatten. Bon Emil Dachek * 4000 Kt für die Auffindung des Mörders! l)at die„Buittc Woche" ausgesetzt. Lesen Sic den Roman aufmerksam, vergessen Sie kein« Einzelheit und ziehen Sie Ihre Schlüsse. Dewüdren Sie sich als DeteNiv. 4000 Kt Winken Ihnen als prümie. Die nächste„Bunte Woche" erscheint Tpn- nertag, den 18. Mai.— In allen Verschleißstellen und bei den Kolporteuren.— 1 K8. aufgesunden. Der dritte, dcr spurlos vcrschwuu- den ist, scheint von einem Rudel Wölfen zerfleischt worden zu sein. Sparlassenbramtc als Falschgeldhehler. Im Verlaufe der Untersuchung der Assaire der ge- fälschten Ilw-Dollarnoten stellte die ULhoroder Polizei fest, daß die verhafteten Brüdcr Friedmann ihre Geschäfte in Verbindung mit einigen ULhoroder Instituten betrieben. Gestern wurde im Zusammenhang mit dieser Affaire von der Polizei der 4l)jährige Prokurist der Landwirt» schaftlichen Kreditanstalt Dezider Felsmann verhaftet. Nach weiteren Mitschuldigen wird gefahn- dct. Man erwartet, daß noch weitere■ Personen verhaftet werden. Rumänien besser als Deutschland. Die medizinische Fakultät der Klauscnburger Uni- versität wurde bis zum Schlüsse des Schuljahres geschlossen, da unter der Studenten, schäft agitiert wurde, man möge den Juden die Beteiligung an den Vorlesungen verwehr?». Am Montag ereigneten sich an der Fakultät Ausschreitungen, bei denen 40 Studenten verhaftet wurden, die dann von der Universität aus- geschlossen worden sind. Ueber den Hakenkreuzler Aube, den Vor- sitzenden des preußischen Landtages, der unlängst in einer Pressckorrespondenz in gröbster Weis« die tschechoslowakische Demokratie und vor allem auch unsere Partei angcstegelt hat, erfährt das„Prsvo Lidu", daß er mütterlicherseits tschechischer Abstammung ist. Kubc wurde in Oppeln in Preußisch-Schlesien geboren; sein Vater war ein Deutscher, seine Mutter aber eine Tschechin, die bis zu ihrem Tode nicht ordentlich deutsch konnte. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Donnerstag: Prag: 6.15 Gymnastik. 11.00 Schallplatte». 16.15 Wie leben die Arbeiter in Amerika heute? IS.25 Deutsche Sendung: Dr. Moucha: Neu« Bücher. 21.00 Orchestrckongert.— Brünn:.16.10 Orchcsterkonzcrt. 1750 Kinder musizieren. 1625 Deutsche Sendung: GoliaS! daS grausam« Ktttd. 22.15 Schrammelmusik.— Mähr.»Ostrau: 10.10Orchastermusik. 18.30 Deutsche Sendung: Ittg. Ost: Dichter Hartnger. 1025 Humor in den schlesischen Liedern.— München: 18.00„Hansel und Gretel" von Wilhelm: Busch.— Leipzig: 20.10„In» und Bätely", Singspiel von Goechc.— Breslau: 20.45„Tannhäuser", Oper von Wagner.— Asien: 19.35 Unterhaltungskonzert. 31.00 Orchcsterkonzcrt. worüber aber die Gemeinde Sandau allein gar nicht zu bestimmen hätte. In dieser schauerliche« Kammer, in der bis- her immer Sezierungr» vorgenommen tour. , den, wohne« nm» sechs Perfonem darunter zwei Kinder««ter sechs Jahre«. In einem Keller im Stadthaus hausen eben falls zwei Personen, eine davon ist ein Siecher, der nicht- mehr selbst verdienen kann. DaS sind also Zustände in einer Gemeinde, in der dank der Rückständigkeit vieler Wähler, di« Bürgerliche« herrschen, denen soziale Fürsorge ein Greuel ist und di« Aufwendungen für solche Zwecke als„Verschleuderung von Steuergeldern'' anseiheu. Ortsarmc„wohnen“ in dcrToIcnkommcr. KullurbUd aus Sandau bei Harlenbad. »r. 116 Mittwoch, 17. Mai ItzSd Seite 6 Aller Anfang ist schwer Schenken Sie Ihrem Kind eine Tube Chlorodont-Zahnpaste und eine Zahn* bürste. Zeigen Sie ihm dann, wie man die Zähne innen und aussen richtig putzt, beginnen Sie mit diesem Unterricht, sobald das Kind die Zahnbürste selbständig gebrauchen kann. Nur wer gesunde Milch- H zähne hat, bekommt gute bleibende Zähne Tube K<5 4.-, grosse Tube KI 6.- ■ Inländisches Erzeugnis. VP' Zlgarettrn, dl« sich selbst entzünden. In Amerika ist dieser Tage eine interessante neue Er» sindung HcrauSgelonimen: die Zigarette mit Se l b stz ii n d n n ß! Tie Behörden scheinen aber mit der Neuerung nicht sehr einverstanden zu sei», denn die neuen Z garettcn haben den Fehler, daß man ihre Entzündung nicht genügend regulieren kann. Durch eine unvorsichtige Bewegung des Zigarettenetuis kann der ganze Vorrat Feuer fangen und Nocktaschc und Zigorcttcn- räucher dazu. Eintrittspreise nach Gelöscht. Tie Linden- tenschast der Technischen Hochschule von Massachusetts veranstaltete jüngst einen Basi. Die Eintrittspreise wurden nach völlig neuartigen GesichSpnnkten bemessen. Sic schien sich nämlich aus einer Grundgebühr von einem Zent für je ein Pfund des Körpergewichts der Tänzerin und verschiedenen Zuschlägen zusammen, die mit 20 Cents für e ne Brünette, 25 Cents für Blondinen und 30 Cents für Rothaarige bemessen waren. Zum Verdruß des Ballkomitecs war die schlanke Linie bei weitem in der lieber- ja hl. Bittschrift mit Revolver. Auf dem Bahnhof in K o i r o wurde ein K o ch namens Mohamed Ali verhaftet, der sich dem M i n i st c r pr ä s i- dentcn Sidki Pascha in verdächtiger Weise zu nähern versucht hatte. Man fand bei ihm einen Revolver. Bei seiner Vernehmung beteuerte er, daß er dem Ministerpräsidenten nur eine Biti- schrist habe überreichen wollen. Dick— aber witzig. Ein wegen seines Witzes gleichermofzen wie wegen seines Leibesumfanges bekannter ÜniversitätSprofestor hakte nichts so sehr, als daß man irgendwelche Anspielungen auf lehtcren machte. Er war einer Tages äußerst erbost, als er beim Betreten des Katheders an der Wandtafel eine Zeichnung fand, eine Tonne, die seine Züge trug.„Sie irren sich, meine Herren!" sagte er wütend,„ich bin keine Tonne, eine solche pflegt von Reifen umgeben zu sein, aber ich bedauere, daß ich nur von Unreifen umgeben bin." Vie Liebe gebt durch den Magen... Ein winziges Detail der„Nationalen Revolution" das bisher wenig beachtet wurde, kann sehr leicht einmal lawinenartige Bedeutung erlangen. Wie die Erhöhung' der Ge- lrcidepreifc im alten Rom, so kann dir Et- höhung der Margarinepreises im neuen Deutsch, land noch entscheidend wirksam werden. Die billig st e Margarinesorte vor Hitler' IÖ ft e t.e 27 Pf« nn! g.— Tie biIl igste Ma rga.rineso r t« unter Hitler kostet 75 Pfennig! Und zwar ist eS nicht so, daß die billigen Lorten plötzlich diesen ungeheuren Preissprung gemacht haben, sondern di« billigen Aorten sind einfach vom Markt verschwunden, nachdem durch den Rundfunk daS deutsche Volk gewarnt worden ist, angeblich gegen daS Interesse der armen notleidenden Volksgenossen billige Margartne- lortcn aufzukaufcn. Ao ist daS Kunststück zustande gebracht worden, daß sich im Einvernehmen mit den Interessen der armen, not. leidenden Volksgenossen die viel bedauernswerteren Großaararier, die von der Marparinekon- kurren; bisher unterdrückten Dntterbändler und Lchmolzfabrikanten bereichern. DaS arme, verblendete Volk glaubt zwar hirfp Bereicherung geht auf seine Kosten. Millionen deutscher Schwbsedanlen. Pon EltaS Kemp. Sind daS Bäum«, die da vorüberhuschcn? Wie die Schatten über das Gesicht des Burschen neben mir gleiten! Ist bixfy ein Junge und weiter nichts. Mit der Pistole am Koppel spielt er ja nur. Spielt er nur. Der Chauffeur rast. Warum fährt er so schnell? Ich habe Thomas immer gesagt, wenn er über siebzig fährt, entlasse ich ihn. Thomas wird schlafen, gut hat ers. Immer hat er mich beneidet, servil beneidet. Reich bin ich, glaubt er. Ltiinmt nicht ganz, aber immerhin. Die Kinder sind gesichert. Ja, Iud bin ich auch. Also muß ich büßen., Na schön. Wenn meine Kuiee nicht so zitterte». Die All ist so stumm. Ob ich schreie? Ganz laut schreie? Aber eS ist Nacht. Kein Wagen kommt, stein-Haus. Deutsche Nacht. Gott— mein Gesicht brennt. Ein Peitschenhieb. Run ja, zuerst wars nur wie ein Schnitt, kurz, klatschend. Aber jetzt brenntS brennts— ot). Noch ein Glück, daß sie nicht Pfeffer hinein« ^citl haben. Eigentlich waren sie ganz anstän- Was heißt anständig? Ten P... haben sie halb tvl geschlagen, ich fahr im Auto, weiß zwar nicht, wohn, wo sind wir jetzt? Dunkel, Bäume, keine-Häuser— aber ich leb doch noch! Leb doch noch! Wenn ich eine Zigarette hätte! WaS möcht das schön sein, ein Zug nur, nur ein Zug— «Verzeihung. mein Herr..." „Hall die Fresse, Saujud!' Tann nicht. Ter Kerl dreht seinen Revolver nach mit. Merkwürdig, ich bin ganz ruhig. Was soll mir auch passieren? Erschießen können sie «ich nicht. Können sie nicht. Ich hab doch nie W getan. Ich wär im Krieg, ich bin Offizier. Ich habe daS Eiserne Kreuz. Für unfern aller- höchstcn Kriegsherrn. Ich habe— ich bin— Hausfrauen haben kein Verständnis für di« Großtaten der neuen Regierung, wenn sic jeden Morgen bei dem dürftigen Einkauf seststellen mü-sscn, daß ihr Geld auch nicht nichr dazu langt, ihren Kindern wenigstens Margarine auf daS Brot zu streichen. Der-Haushalt der Arbeitslosen, der Kleinrentner, der Arbeiter und der kleine» Angestellten in Deutschland ist biS aus den halben Pfennig, bis auf jedes Stück Brot im voraus genau berechnet. Ein solcher Preissprung eines durch dir Prolctorikierung des allgemeinen LebeusstandarüS unentbehrlich gcwor- ocnen Lebensmittels wirft ihrer aller Budget vollständig um. Wem cs bis jetzt noch gerade möglich war, satt zu werden, der wird nicht mehr satt. Wer bis jetzt wenigstens noch einmal am Tage nicht hungern mußte, der hungert nun den ganzen Tag. Wenigstens 40 Millionen Deutsche sind von diesem Preissprung empfindlich getroffen. Er bedeutet grsahrlicyste Unterernährung von Generationen, von ohnehin sehr schlecht ernährten deutschen Kindern. Er bedeutet äußerste körperliche Verelendung für ungezählte erwachsene Deutsche. Er bodcutet nicht Ertüchtigung, sondern Schwächung der Nation. Und er bedeutet mehr. Wenn die Männer vielleicht noch begeistert von den Spielen der „nationalen Erhebung" nach-Hause koimnen, wissen die Frauen schon halb verzweifelt nicht mehr, wolwr sie das Brot nehmen sollen, um sie zu ernähren. Diese Frauen sind außerstande ihre Familien nach hohem Beispiel nur mit Phrasen zu sättigen. Noch schafft eS in vielen Fällen die weiblich« Geschicklichkeit, gähnende Löcher im Budget zu stopfen. Lange geht cs nicht mehr. Wir Horen von unseren deutschen Freunden, wie di« Empörung unter den-Hausfrauen wächst. Die Magcnrevolte ist im Anzug. Und immer haben di« Maacnrcvolten die Revolten d«r unterdrückten Klassen voran getrieben. Vererbte Hngcrmuster. Reue Forschungsergebnisse der Wissenschaft vom Fingerabdruck.— Trotzdem weitgehende Verschiedenheiten.— Im Dienst der Kriminalistik. Von Dr. med. Ernst Tannert. In der modernen Kriminalistik spielen bc- kannilich die Fingerabdrücke als sicheres Mittel zur Feststellung der Persönlichkeit eines Verdäch t'.gen eine große Rolle. Es gibt, wie man weiß, kaum zwei Finger, die in ihren Einzelheiten vollkommen gleich auSsehcn. Ein weiterer Vor- tci! dieser Untcrsiichungsart liegt darin, daß die Fingcrlinien von der Geburt biS zum Tode vollkommen unverändert bleiben. Meine Kinder hab ich in Ehren erzogen. Ach— ich muß mir sogen lassen: Saujud! Wenn ich hier rauskomme, wird Irina sprechen:»Hosef! Du hast ja so viel weiße-Haare!" Nun, werd ich antworten, die nationale Auferstehung, Ruhe— Ordimng— was weiß ich, lauter Leitartikel. Was sicht mich bei Kerl so an? Was grinst er? Herr, grinsen Sic nicht. Ich bin ein Mensch wie Sic! Wieso bin ich lächerlich? Weil ich keinen Kragen habe?-Haben Sic mir Zeil gelassen, als Sic mich aus dem Beit holten? Nein— also. Er hebt die Lippen— nein, Lippen ist d.'r falsche Ausdruck— Lefzen. Lefzen! Wie ein Hund, bleckt die Zähne. Er schiebt die braiine Mütze hinter. Seine Stirn ist schweißig. Wie deutlich ich alles sch! Uebernalürlich deutlich. Da heb ich die Hände— etwas in mir hebt meine Hände. Etwas in mir spricht:„Gnade! Nie hab ich euch was getan. Ich hab gelebt, ruhig, still—" so spricht das in mir. Jener lacht.„Feigling!" sagt er.„Semitischer Untermensch!' sagt er. Spuck, mir ins Gesicht. Ich seh den Revolver. Ter Speichel rinnt an meinem Gesicht herunter, langsam, graucnl)aft langsam. Mein Gott, mein Golt, warum hast du mich verlassen? Tas steht doch irgendwo. Ist ja ganz gleich. Tic Beiden auf den Hilfssitzen drehen sich um. Wen» nur nicht jede Bewegung Schicksal tväre! Sie nicken sich so bedeutsam zu. Meine Hände sind ganz kalt. Aus der rechten ist ein blaues Hakenkreuz. Nur aufgestcmpclt, dem S... haben sicS eingebrannt. Ich hab noch Glück, relativ. Was senken sic die Köpfe? WaS besprechen sie? Ich fühle meine Hände nicht'mehr. „Meine Herren— was werden 2ie tun mit mir?" Der Wagen hält. „Iud, host du Geld?" Natürlich genügt cs nicht, die Fingcrmufrer mit bloßem Auge zu betrachten uno aus der groben Linienführung irgendwelche oft schwerwiegenden Schlüsse zu ziehen. Eine einfache Be» sicht'gnmz durch die Lupe zeigt unS eine ungeahnte Menge von feinen Einkerbungen, Sic ziemlich parallel verlanfen und bei den Endgliedern der Finger richtige Muster bilden. Die absonderlichsten Fignrcn entstehen. Der berühmte Forscher Gallon teilt diese Figuren in drei -Hauptgruppen ein, nämlich Wirbel, Schleifen und Bogen. ES würde zu weit führen, die große Anzahl von Einzelheiten zu erwähnen, durch welche diese Hauptgruppen sich wieder in Untergruppen einteilen lasten. Dieses Studium wird von Fachleuten wissenschaftlich betrieben. Neue Forschungsmcthodcn, besonders in Norwegen, haben nun zn weiteren überraschenden Ergebnisten gcsührt. Es hat sich nämlich herauSgcstcllt, daß sich die Anzahl der Fingerlinien und der gebildeten Muster innerhalb bestimmter Familien weitgehend vererbt. Diese Vererbung geht sogar so weit, daß die Formen der Muster,;. B. rundlich breit oder länglich schmal, dieselben bleiben. Auch die Anzahl der Wirbel, Schlciscn und Bögen unterliegt gewissen Erbgesctzcn. Andererseits lasten sich Die oben erwähnten feinen Unterschiede auch deutlich bei Angehörigen derselben Familie unterscheiden. ES wäre also falsch, anzunehmen, daß die Fingerabdrücke einrS Kindes denen seiner beiden Eltern genan gleichen würden. Gerade die Kompliziertheit der einzelnen Verästelungen läßt immer noch genügend Spiel- ranm zur zweifelsfreien Unterscheidung. Die Kriminalistik hat mit ihrer Annahme vollkommen recht, daß jeder Mensch andere Fingermuster hat und daß cs niemals zwei Fingerabdrücke gibt, die für den Fachmann keinerlei Unterschiede aufwciscn. Diese Unterschiede erweisen sich sowohl in der Form des Musters als auch in der Linicnanzabl. Bei Blutsverwandten besteht allerdings, wie schon erwähnt, eine gesetzmäßige Vertcilnng dieser Merkmale. Diese Verteilung geht aber keineswegs so weit, daß krinii- nalistischc Irrtümer möglich wären. Die neuesten wissenschaftlichen Forschungen auf diesem Gebiet bestätigen, daß der Fingerabdruck auch heute noch als das sicherste Mittel zur Feststellung der Identität zu gelten hat. Bei jedem Abdruck wird es eine Gabelung einer Linie in zwei Acste oder das plötzliche Zusam menschlicßen zweier Linien in eine einzige oder sogar die Einschaltung einer kurzen Zwischeninsel geben, die der andere nicht hat und auch auf künstliche Weise nicht bekomme» kann. Ich antworte nicht. Ich werde nicht antworten, „Die Taice macht l8 Mark 20." Ach so! Ja, bitte schön. Genau 18 Mark 20. Ich würde auch 20 Mark geben. Aber da sieht man wieder, sind doch ganz ordentliche Kerle 18 Mark 20. Akkurat. Wenn man sich nur konzentrieren könnte. Jetzt, wo's draus ankonnnt. Sie machen den Schlag auf. Einen Wald sch ich. Eine kleine Wiese. Rot- käppchenlandschasi. Du mein Gott, ivas zwinkern sie sieh zu?„Lauf, Iud!" sagt der eine. Und zieht mir' was mit dem Gummiknüppel über. Ich merks schon gar nicht mehr. Frei bin ich. Frei! Aber halt. Halt— halt— halt! Ich kenne das! Wenn ich jetzt laufe— soll morgen im Blatt stehen: Auf der Flucht erschossen? So dumm bin :ch nicht. Ich fall da nicht rein, man hat seine Erfahrungen nach ein paar WoelM Hiller. Ich werd znrückgehn. Meine Herrn, werd ich sagen, fahren Sie weg, ich werde hier bleiben. Sic könnten mich vielleicht versehentlich von hinten abknallen. Aber ich sags doch nicht. Ich kann mir nicht laufen. Meine Beine sind wie angewachsen. Ich habe Angst. Große Angst. Fürchterliche, graue, stöhnende Augst. Zn groß ist die Angst,-um sic ausdenken zu können. Da kommt der Junge. „Iud, wenn du nicht läufst—" er hebt seinen Schießprügel. Ich muß ganz blaße Lippen haben. Reden kann ich nicht. Meine Kehle ist abgewürgt, Ich atme furchtbar schnell. Plötzlich gibt er mir einen Stoß. Ich lauf drei Schritte, cs ist nur dcr Schumng— ich sich, dreh mich nm, da sch ich— seh ich— er hat den Revolver gehoben— mein Gesicht brennt— er will mich mir erschrecken, nur— wie ein schwarzes Ange, der Revolver— Knall, ganz leise— oh— noch ein Knall wie klar ich seh!— bunte Spiralen, kreisend, glühend— Förderung der WeltreaMlon durdi den— Staatevcrlag. Unser Blatt Hai am 26. Jänner d. I.>n dem Aufsatze„Gibt es eine unpolitische Erziehung" auf den Leitartikel des ScptcinbcrhcstrS von 1932 der„Monatsschrift für Büvgcrkunde" des Staats Verlages verwiesen, verfaßt durch besten Redakteur Bürgcrschuldirektor O. Lauvich in Aussig unter dem Titel„Staatsbürgerliche B e s i n n u n g". Wir gingen der Sache ebenfalls nach und zergliedern nun diesen Erguß des Blattes unseres Staatsvcrlages näher. Oskar Laurich findet in diesem Austatze zunächst, daß wir in einer „demokratisch übersättigten" Heit leben und al- Abhilfe wider die Schul nöt« unserer Tage empfiehlt er die Gebenden, di« der reich-deutsche Popen Minister, der„Frecher von Gayl", in einer„Botschaft" entwickelt. Dieser ist erklärter M v n a r ch i st. Am 10. Juni 1932 wurde aus dessen Programmredc vom 9. Juni 1932 durch alle unsere fortschrittlichen Zeitungen das auffallende Bekenntnis zitiert: „Ich würde mir erbärmlich Vorkommen, wenn ich auf dem Ministersessel versuchte, mein« persönlich«, nicht nur angebor«n« und anerzogrn« Ueberzeugung zu verleugnen, daß ich ti« Monarchie für di« angemessenste Slaot-sorm halte für ein Volk inmitten des Herzen- Europa- und daß ich, geschichtlich gesehen, mir der Verdienst« des bisherigen König-» und Kaiserhaus«- um da- deutsche Volk klar bewußt bin." Tas ist deutlich gesprochen und cs kann nicht angenommen werden, daß dem Herrn Direktor O. Laurich-icseS offene Bekenntnis seines„Schulideals", des„Freiherrn von" zum Monarchismus beim ZciiungSlescn etwa entgangen wäre. Darum müssen wir schon jetzt die Verwunderung aussprechen, wenn dieser Redakteur unserer„Monatsschrift für Bürgrrkundc" dem doch die pädagogische Literatur bekannt sein dürfte, keinen fortschrittlichen Schulmann in seinem Aufsätze zitierte und uns gerade den Erzreaktionär Gayl alS ErzichungSsührcr empsiehlt. Doch zur versprochenen Analyse dcr adeligen Schulrede, dem Ideal des.Herrn Redakteur- O. Laurich unseres Staat- verlags-BlatteS! Wenn jener„Freiherr von" die Jugend zu „Volk und Staat" erzogen sehen will, so kann niit diesem nur sein Staat-ideal gemeint sein, da- von dem eine- Demokraten abweichen m u ß, falls er nichr zur Art derer de-.Herrn O. Laurich zählt, der von einer Demokratisch übersättigten" Zeit spricht. Aus den u n d e m o. k r a t i s ch e n geheimen Plänen dieser Kreise erklärt sich auch dcr unvädagogisch« Satz jener angeblich„vorbildlichen" Schnlredc des Nichtfachmannes Gayl:„Weichheit und zu weite Rücksicht auf jede individuelle Neigung sind unangebracht gegenüber einer Jugend, die vom Leben einmal hart angc- packt werden wird." Wenn dcr einstige Papcn-Ministrr Gayl, dcr erklärte Monarchist, vor„Weichheit in dcr Erziehung" warnt, so sehen wir darin die Propagierung jener Rücksichislosigllci», die bei Bedarf auch über Leichen geht und die die moderne PLwgogik darum niedcrzuhaltrn und auszuschalten lu». Fall- cr ferner„zu weit" getriebene „Rücksicht auf individuelle Neigungen" als„unangebracht" erklärt, so erscheint mir das als das gerade Gegenteil des Streben- moderner Pädagogen, die mit Recht deren Entwicklung fordern, die Erziehung von Massen- oder-Herdenmenschen also ablehncn, die der„absolute, unterwürfige und jcdcrzcitigc Gehorsam" im Sinne des italienischen FascistenratS-Beschlustes vom 13. Feber 1923 kennzeichnet. So sicht das„Ideal" aus, das den„Freiherren von" in Preußen als liebliche Analogie zum einstigen„Kadavergehorsam" des preußischen Militärismu- die Voraussetzung oes „Dienstes, dcr Verantwortung, dcr Opferfähigkeit" gegenüber dem„Ganzen", dem Staate in ihrem Sinne, dcr Monarchie oder auch der Fascisten diktatur bedeutet. Wie kann Redaktcilr B.-D. O. Laurich den Lehrern unserer demokratischen Republik die Erziehungsidealc eines preußischen Junkers, der Monarchie benv. FasciSmus ersehni. als„vorbildlich" mit dcr Behauptung hinstellen, die^klaren" Worte aus der„Botschaft" dieses „Frciherrn von" über die Schulnöte in„einem" Nachbarstaat« gelten„voll und ganz" auch für unsere Verhältnisse, wie kann er derartige— vielleicht unbeabsichtigte— Werbearbeit für die Redaktion in einem Blatte des ilchrchoflowa- kischcn StaaisverlagcS durchführen? L i c st oder versteht daSdort niemand? Hier scheint zu fehlen, was der Aufsatz im Septemberhefte für 1932 der„Monatsschrift für Bürgerkunde" heischt:„Staatsbürgerlick)« Besinnung". Oder irren wir? Liegt etwa versteckte Absicht vor. die deutsche Lehrerschaft dcr Republik in dieser Hinsicht zu verführen? Man könnte diese Absicht ans dcr Behauptung des Herrn Burgerschuldirektors Laurich schließen, daß wir in einer„demokratisch übersättigten" Zeit lebten.-Hal cr von der Demokratie bereits„gr- nng", ist er ihrer„satt", kann er ihre weitere Entwicklung nicht brauchen? Ist eS etwa auch sein Verlangen, WaS der„Freiherr von", der Prcnßenjnnker, ersehnt, da er den„Herrn Baron" mit seiner Botschaft doch in einem Leitartikel dcr„Monatsschrift für Bürgcrkunde" des StaatsverlaaeS als vorbildlich preist. Herr Laurich— das wäre„traurich". Sette 6 Mittwoch, 17. Mal 1933 At. US PKAfiKB An die freiheitlich gesinnte Leffentlichkeit der rschechoslowalei! Die Aufrichtung der fascistische» Diktatur in Deutschland bedeutet das Ende der Freiheit deutscher Wissenschaft. Es schein», daß sich die neuen Machthaber Deutschlands durch die freie Betätigung der Geister bedroht fühlen inüssen. So niußte eine gewaltige Anzahl bekannter Gc- s lehrter, deren Erkenntnisse sich der gewaltsamen i llniformionrng entzogen, anS dein Lehramt weichen. Es ist ein einleuchtendes Gebot der knl. turellcn Ockonontie, diese wissenschaftlichen Kräfte nicht brach liegen zu lassen. Ter tschechoslowakischen Demokratie erwächst die hohe Aufgabe, die durch fascistische Gewalt zum Versiegen verurteilten Quellen der Wissenschaft für sich von treuem zir erschließen. Wer der lieber» zeugung ist, daß das demokratische Leben die Voraussetzung des kulturellen Aufstiegs ist, wird leicht einsehcn, daß wir von der Durchdringung durch Geist und Wissenschaft und dirrch neue wissenschaftliche Anregungen eine ungeahnte Wcrtsteigcrung unseres öffentlichen Lebens zu erwarten haben. Die Möglichkeit, große und verdienstvolle Männer der Wissenschaft für uns zu gewinnen, begegnet zur Zeit einer erschrecklichen wissenschaftlichen Berarmung der deutschen Hochschulen in der Tschechoslowakei. Eine große Anzahl von Lehrkanzeln ist verwaist, ganze Wis- sensgcbiete sind den Hörern unserer deutschen Hochschulen unzugänglich. Was an und für sich eine Notwendigkeit der systematischen Lehrtätigkeit wäre, wird heute unterstrichen von den unmittelbaren LebenSinteresse» der Demokratie: Es geht nicht nur darum, die vakanten Lehrkanzeln zu besetzen, sondern gerade d i e Forscher zum Lehramt zu berufen, deren wissenschaftliche und kulturelle Ergiebigkeit für dir Demokratie gerade durch ihre Verfolgung und Ausschaltung im antidemokratischen sasciftischcn Deutschlaich erwiesen ist. Die sozialistischen Akademiker an den deutschen Hochschulen der Tschechoslowakischen Repn- blik wenden sich daher an die freiheitlich gesinnte Öffentlichkeit dieses Staates, im wohlverstandc- nen Interesse der Demokratie und damit der Förderung der kulturellen LebcnSmöglichkeitcn jedes Einzelner« ihrem Appell nach Berufung vertriebener deutscher Gelehrter an die deutschen Hochschulen der Tschechoslowakei den größtmöglichen Widerhall zu sichern rurd dachin zu wirken, daß die tschechoslowakische Demokratie sich an den Grenzen der deutschen Barbarei ihrer hohen Kulturmissian bewußt wird. FMchtUngselend. Kommt man in eine der Prager Hilfsstellen für reichsdeutschc Flüchtlinge, so erfährt man schon im Vorzinrmcr von den Wartende«« erschütternde Beweise jener Bestialität, dir heute über 68 Millionen Menschen schrankenlos herrscht. Aus der Fülle dieser Tragödien sei heute nur eine einzige erzählt. Sie betrisst eine«« braven Genossen und Rvichsban««ermann anS Preußisch Schlesien, der Kaufmann von Beruf ist. Er war beteiligt an der Abwehr jener Hakenkreuz- lcr-Provokation in Ohlau, die nachher zu einem Moustrevrozeß geführt Hot. Ter Genosse wurde zu der harten Strafe von zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Infolge der vom Reichstag beschlossenen Amnestie kam er an« zweiten Weihnachtsfeiertag 1932 heraus. Er war arbeitslos, bekam jedoch die gesetzliche Unterstützung für sich, seine Frau und sein Kind. Als die Mörderbanden von Hindenburg die Rcgiernngs»nacht übertrage«« beköminen hatten, gehörte der erwähnte Genosse z«« den ersten Verhafteten. Obgleich er schon gerichtlich für den Abwchrkampf gegen die Fascisten bestraft war, rächten sie sich jetzt nochmals an ihm. Die Spuren der Hiebe mit Mordwerkzeuge«« sind noch heute an seinem Kopse zu sichten. Aus dem Konzentrationslager gelang cs ihm zu fliehen. Ohne Paß oder sonstige Papiere erreichte er tschechoslowakisches Staatsgebiet, allerdings völlig mittellos. Die Zahlung der WohlsahrtSunterstühung für seine Familie ist eingestellt worden— er soll sich das Geld a b h o l e n! Dieser Erpressung brauchte er nur zu folgen,«nn tvieder sadistischen Peinigern ausgclic- fert zu sein. Lin» schöne künstlerisch-gesellige Veranstaltung vereint« am SamStag viele Prager Genossinnen und Genossen und— als willkommene Gäste—«Ine Anzahl Genossen, di« aus dc>n Hitlerland« flüchte»« »mißten. Di« jüngste unserer deutschen Arbeiterorga- nisatioucn auf Prager Boden, die BollSsing« ge mein de, hatte zu ei»»«»n UnterhaltungSabend ins„Odborovy dun»" cingeladen. Di« BortragSfolg« zeigte, welche Aufgabe»» sich di« Singgeineinde gestellt hat: die Pflege deS FreihcitSlicdeS und des BolkS- lieidcS; die Borträge ofscirbarten, wie schön sich i>» verhältnismäßig kurzer Zeit die jung« Tinggemeinde unter der Leitu»»g des Genoss«»« Janetschek entwickelt hat. In kluger Beschränkung»vurdcn nur wenige Chöre gesungen:«in FreiheitSchor zur Begrüßung, vier Volkslieder, zum Abschluß di«„Internationale". Aber»v i e gesungen wurde, das weckt« hell« Freud« der begeisterten und dankbaren Zuhörer! Nicht minder dankbar waren sie für di« musikalischen Dar- bietungcn der Kapelle der Angestellten der„Gee" und die Vorführungen einer Männer- und einer Frauen-Rieg« unserer Arbeit«r»urnver«ineS. Es war ein so schönes, gerade durch sein« Einsachheu erfreuendes Programm, das dieser Abend bot. daß all« Besucher in froh« Stimmung kamen, in alle»» sich der Wunsch regt«, bald Mieter auS gleichem Anlaß zirsammenkommen zu köniren. Diese schön«, auch in der nachlebenden Erinnerung reizvolle gesellige Ver- .iirstaltuilg. an der drei Organisation«» mitwirkten, wies aus die überaus erfreuliche, gesund« Entwick- üng der deutischen proletarisch«»» Organisationen in Prag hin. Der Ri»»g ist geschlossen, alle sozialisti- 'chen Organisationen haben nun in Prag stattlich« Gruppe» und im freundschaftlichen Zusammemvirken sind sic, wie u»S dieser Abend zeigt«, beachtlicher, aus sehr schönem Niveau siebender Leistungen fähig. Bier umsonst! Keine anierikanische Reklame, sondern ein Akt der„Menschenfreundlichkeit" der»reuen Gastwirtschaft auf der Schützcninsel: am Samstag wurden in de»« Straßen Prags Flugzottel verteilt, dir zum Besuch deS Restaurants einluden, zu dessen Eröffimng 6000 Glas Pilsner„frisch vom Faß" gratis an Männer und Frauen abgegoheir»vurdcn, was iinincr- hin einen Berkaufsivcrt von 12.000 Ke reprä, sentiert! Tas Geschäft scheint also doch««och recht rentabel zu sei«« und eS wäre«mr zu be. grüßen, wenn diese Art von Reklaine Schule machte: den vielen Arbeitslosen wäre aber „Freimilch",„Freibrot" oder„Frciwurst" jedenfalls willkommener uird gegen diese Art von Reklame hätten ivir dann auch nichts cinzu- »vcrrden. Nähr- und Stärkungsmittel für stillende Mütter, Säugling Kleinkinder fehle«« nun bei der Mutterbera»»«ngsstclle der Deutsche»« Hauptstelle für Kinderschuh u»«d Jugendfürsorge völlig, und sind, besonders in den sich immer mehr und»nehr häufenden verzweifelte»« Fällen vor allen« nötig. Taß die Bargeldgabei« der besitzender« Bevölkerung nach i«nd nach versiegten, wird «nit dem Zauberwort„Krise" erllärt, o«e andrerseits auch auf die kostbare Gesundheit der ehemaligen Geber derart cinwirkt, daß sie ausländische Bäder, Höhenkurorte usw.— je teurer, je besser, je lieber— aufsuchen müssen. Wir wissen, daß wir nicht fchlgehen,»venu wir an- nehnrcn, daß Privaten, Ka»«fleuten, Erzeugern, Er- und Inlporteuren die Zlbgabe einiger Kraft- nähr- und Kräftigungsmittel ohne Schmerzen möglich«värc. Kindcrmchle, Malzpräparatc, Kondensmilch, Nährzucker ustv. usf.— von all dem ist bei Erzeugern und Händlen» manche Büchse, manches Glas, manches Paket vorhanden, dessen Abgabe ihnen keinen Schaden, bei« Müttern mrd Kindern aber großen Nutzen verursacht. Wer sein Geld in gesunden u»«d zu kräftigenden Mensche»« anlegt, handelt, wie die kommende Zeit zeigen wird,, am weiseste«« von. allen—„Spekulanten". Die Adresse der MutterberatunüSstelle ist die der obigen Happtstelle: Prag II., Malo näm., Rich- teruv-Dum, 2. Stock. Geriditssaal Das Dienstmädchen bestohlen. DI« Di»nstg«b«rin unter Anklage. Prag, 16. Mai. ES kommt öfter vor, daß H a>» s a n g c st«l l t e des Diebstahls bezichtigt werde»»— und wi« man»veiß, häufig genug»nit Unrecht. Heute stand vor den» Senat des OGR. Kvapil der umgekehrt« Fall zur Verhandlung. Di« Hotelpächterin Mari« Himmel aus Iilo- viktö»var des Diebstahls ai» ihrem Dienstmädchen Antonie K i h a airgeklagt. Die Kiha war am 2. u»id 3. Jänner d. I. nach Prag gesahr«»» und halt« in ihrem Nachlkästchen einen Barbetrag von 1020 K zurückgelassen nebst «inen« Brief an ihr« Mutter und einer zur Absendung fertiggemachten Postanweisung auf 1000 K, die sie nach ihrer Rückkehr an ihre Mutter abschicken wollte. Als sie zurückkain, war der gesamte Inhalt der Schublade verschwunden. Die Gendarinerie stellt« s«st, daß die Dienst- g«b«rin«ine»» Schlüssel besaß, der zu dieser Schublade paßt«»»nd ferner, daß schon früher mehrfach in der Schublade von unbekannt«! Hand herumgekramt worden war. Weiter wurde bei der Frau Himmel sowohl der Bries als auch die auSg« füllte Postanweisung aufgefundcn und aufgrund dieser Jnd'zien die Anklag« erhoben. Die Angeklagte leugnete jede Schuld und erklärte, sowohl den Brief als auch die P o st auwei s u n g auf dem Fußboden ausgcsunden und vorsorglicherweise„in Verwahrung' genommen zu haben. Der Gerichtshof schien zwar nicht völlig überzeug» von dieser Verteidigung, da aber die zu einer Verurteilung notwendigen Beweis« nicht erbracht«varen, wurde di« Angeklagte frei- gesprochen. rd. Pietät. Li» Austritt aus dem Frirdhos. Prag, 16. Mai. Auch die sairfl« Ruhe der Verstorbene»» auf den divevsen Gottesäckern währet nicht ewiglich, sondern nur so lange, als die G r ab- miet« von. den Hiirlevbliebene»« bezahlt wird. Bleiben di« vorgeschriobenen Zahlungen aus, so»ver- den di« Gebeine In mehr olwr weniger pietätvoller. Weise ans ihrer Ruhestätte auSquartiert und anderswo niedevaclegt— und das oft in recht nnzeremo- nieller Weise, wovon sich jedermann auf dem nächsten Friedhof überzeugen mag. Den Tot«»» dürfte das egal fein, aber die Hinterbliebenen tragen«ine solche Behandlung oft recht schwer, besonders, wenn diese Hinterbliebenen durch eigene Notlage verhindert sind, die sonst so gern geleistete Zahlung zu crsüllen. In der erlvähnlen Art hatt« man auch die sterb- lichen Uebcrreste der Ellern des Arbeiters Franz öcchtik In Binar delogiert. An Stelle des alten Grabes»vurde«ine neue„ewige Ruhestätte" ein- gcrichtt auf den Naine»« einer Familie Kuba. Ungeachtet dessen, daß dies«- Grab also«inen neuen Bewohner hatt«. kam Franz 6« r m i» k doch an den Familiengedenktagen auf den Friedhof und legt« ein Paar Blumen auf das gewesene Grab seiner Lieben, ohne Rücksicht darauf, daß uni«: dem Hügel bereits«in Fremder ruht«. Das wollten sich wiederum die Hinterbliebenen des verstorbene»« Kuba nicht gefallen lassen und warfen di« Blunrenspenden deS 6echök auf den Abfallhaufen. Am 0. März kam«S au» die- sein Anlaß zu einem heftigen Auftritt an dem Grabhügel, wo eben die Mari« Kuba ihre Andacht verrichtete. Ccdjdf»nachte ihr heftige Bor- »vürfe über ihr pietätloses Benehmen und soll dabei zwei»na l heftig mit dem Fuß gegen den Grabhügel gestoßen haben. Ein vorüber« gchender Trauerzug sah das und nah»»« Aergernis, »voraus öechül wegen des Vergehens gegen di« öffentlich« Ruh« und Ordnung an- goklagl wurde. Vor d«m Senat des OGR. Hraba bestritt«r heute di« Fußtritte gegen den Grab- Hügel, doch di« Zeugen sagt«», gegen ihn aus. Er «vurde zu einer bedingten Straf« von vierzehn Tagen strengen Arreste» verurteilt. rb. MitteNimss«mr dem Publikum. Gestern fand die XI- ordentliche Generalversammlung der Julius Meinl A.-G. statt, in welcher so wie im Vorjahre die Ausschüttung einer lOpro- zcn-tigen Dividende für das Geschäftsjahr 1032 beschlossen»vurde. Aus den Erträgnissen wurden dem llnterstützungsfonds für Angestellte KE 600.000,— in Form von 5 Prozent staatlicher ArbeitSa«leihe vom Jahre 1933 zugewiesen. 2011 Kunst und Wissen Donnerstag: Uraufführung„Verlobung im Traum." Oper von Hans Krasa, Text nach einer Novelle von Dostojewski von R. Fuchs und R. Thomas. Dirigent: Szöll. Regie: Mordo, Bühnenbild: Pircha»«. Besetzung: Kindermann, Konetzni, Merker, Sitten, Sommer, Hey, Hälzlin und Masak. iE 1.) Wochenspielplou des N«uen Deutschen Theaters. Mittwoch,&7 Uhr:„Di« M«i st« r s i ng c r von N ü r n b e r g"(A. A.), Gajtsp. Maria M ü l l« r.— Donnerstag, M8 Uhr:„Di« Verlobung im Trau in", Uraussührung(El).— Freitag, K8 Uhr:„Der Raub der Sabine rinnen" (D1).— SamStag,>48 Uhr:„Das Rhein- gold'. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch, 8 Uhr:„Madame hat AuSgang" (Bankbeamten II).— Donnerstag, 8 Uhr:„Ist Geraldine ein Engel?"— Freitag, 8 Uhr: „Salon Pihelb«rger',„Die schöne Gala t h s«"(volkStüml. Vorstellung).— SamStag, 8 Uhr:„Ist Geraldine ein Engel?" Aus der Partei Jugendbewegung. Freie Vereinigung soz. Akademiker— TI. II. Aktuelle Probleme des Sozial!SnruS:„Unser Kamps gegen den FasciSmnS." Referat: Genosse HanS Thorn. Diskussion. Heute, 8 Uhr. Sport* Spiel ♦ Körperpneae Internationaler Arbeiter-R.ngerloettkampf. Am SamStag sand in W i«»» ein Klubringkampf zwischen MTE. Budapest und Gaswerk Josefstadt statt. Die Wiener, die im Herbst über die Budapester siegr«'ch geblieben waren,»nußten sich diesmal mit 6: t Schlechtpunkten geschlagen bekennen. Di« Gäste erwiesen sich als gute Ringer und halten ihren besten Mann im Leichtgewichtler Feczkc. Bis auf zwei Kämpf«, di« die ungarische»« Genossen gewannen, endeten alle übrigen unentschieden. Wiener Arbeitersußball. Die am Sonntag durchgeführte»» Liga-Meisterschaftsspiele brachten vier Unentschieden und ztvei knapp« Sieg«. Gaswerk spielte gegen Hclsort unentschieden, behauptet aber mit zwei Punkten Borsprung die Führu»»g. Die übrigen Spiele brachten wiederum keine Klärung über de» Abstieg. Die Ergebnisse: Liga: Helsort gegen Gaswerk 2:2(2:1), Feuerwehr gegen Zentralverein 2:2(1:0), Anratcursporlllub gegen Floridsdor 1:1(1:0), Ostbahn Simmering gegen Red Stai 3:2(2:1), Meidling gegen Phönix Schwechat 3:2 (2:1), RudolsShügel gegen Nord-Wien 2:2(1:2). — Erste Klasse: Gruppe Nord: Coliunbia gegcir Donaufeld 2:1(0:0), Auto gegen Ne»» Keltenhos 3:1(1:1), Dandstrahcr Sportfreunde gegen Donau- Jndnstrieangestellle 1:1(1:0); Gruppe Süd: Neutral gegen VirtuS 3:1(1:0), Phönlzia gegen Oft- bahn Favoriten 3:2(1:2), WAF. gegen Haupt- werkstätte 2:2(1:1), Union 14 gegen Gerniaiiia- Ankevbrotfabrik 2:1(0:0). Lup-Borschlußrund« des Wiener Arbeiter-Hand- ballverbandeS. E-Werk schlug den Favoritener AC. sicher»nit 7:3(4:1) und Zentralverein siegt« über Gaswerk Simmering mit 7:6(4:1). Bei deir Frauen gewann überraschend Red Star über Uran mit 5:1(3:0). Die Frauenriege von Westbahn stehl— durch LoS— als zweiter Finalist fest.— In der Turner-Meisterschaft siegt« Feuerwehr über Hehendovf 11:8 uud Ttadlau gewann in einem FreundschafiS-piel gegen Red Star 16:3. lOrgarllfhar Sport. Schachmeister Flohr hä» auf seiner Werbefahrt zur Ermöglichung der Beschickung der Schacholympiade durch di« Tschechoslowakei in vierzehn Vorstellungen 5 15 Parci« n gespielt, von denen er 467 gewann, 63 remisicrte und 16 verlor. Heute, Mittwoch, findet di« letzte Vorstellung in Prag, und zwar in« großen Saal der Prodnkienbörse ab' 19 Uhr stalt. Der Film Lichter der Grossstadt. Der letzte Film von Frdor Ozep ist nicht nur i i» h a l t l i ch, sondern wohl vor allem formal ein lwdeutendcs Kunstwerk. Es wird hier gezeigt, was eii» kleines, vornehmes Mädel in Paris erleb», wenn es einmal aus einem der vornehmen Pensionat e durchgeht. Der Regisseur bemüht sich sichtlich, der übliche»» Lustjpieltradition des Films auS dem Wege zu gehen und di« Handlung durch mögluhst greifbar« Bildsprache rech» drastisch zu illustrieren. Daher rührt der Einfall, die kleine Heldin mit dem Koffer durch Paris pilgern zu lassen, bis sie in einen» Stundenhotel Unterkunst und unter den Verbrechern Freunde findet, di« ihr helfen. Sie verliebt sich, wie all« modernen Backfische, ist den„bezaubernden" Tenor, der nichts mehr anbei«» als die eigene Stimme, und findet endlich doch noch ihre»» Helden, der sie auf offener Bühne iit di« Filurjeligkeit einführt. Alles ist entzückt und«ine allgemein« Kuß« epideini« eint das Puiblikum. Der Film ist vor allem als scharfe Satire auf die moderne» Filmkitschs zu »verteil. Mit den raffiniertesten Mitteln will Ozep eii» ganz banales Thema so schildern, daß gerade diese Banalität den größten Heiterleitserfolg erhält. Nicht inmler gelingt es ihm in diesem Film, dessen Librettist«in zu reales und wahrscheinliches Thema gewählt hat, um nur durch Grotesk« wirke»« zu können. Glänzend gelungen ist vor allem die Photographie und Alontage der Bilder, die Musik von Karol Rathaus und die Auswahl der Schauspie- ler; Treville ist ein liebenswürdiger Junge, fast wie Prejan, die kleine Fra neell ist eine gute Kopie der Dolly Haas, di« tut deutschen Film gleichen Namens di«.Hauptrolle verkörpert, und Bal- i e c ist«in urkomischer Teiwr. Auch die andern Pariser Typen sind gut vertreten. Es läuft wieder eitnnal«in Film, der aus dein gewöhnliche»» Rahmen der Produktion herairLfällt und«inen Hauch von Kultur zeigt. W. L. Et« Mädel für Dich. „Ich könnte jetzt zu Ihne»« jagen: ich lieb« Dich", das ist so ziemlich an diesem deutschen Film das Bezeichnendste. Ob die Menschen nur und ausschließlich durch Stumpfsinn zu unterhalten sind, ist eines der Probleme, das der Toirfiln» im Einklang mit dein deutschen Studentenlicd positiv löse»» zu müsse»» glaubt. Wir sind andrer Ansicht. Ob die blonde E g g e r t h jenes Mädel ist, das für„Dich" ^bestimmt, die Erfüllung uirsrer Träume davstellt, bleibe dem Geschrnack des Einzelnen»überlassen. Hier gehört ein Flieger(Herrmann Thiniig) dazu, der immer dort zu landen beliebt, wo schön« Mädchen aus ihn warten. Auch das gehört zu den Sonder- heilen des Films, die hier durch Abrahams gut« Musik etwas erträglicher»verden. Kämpers, B e r e b c s und T i e d t k e sind gute Humorklasse. Wenn der neu« deutsche Film solche Ware nicht mehr aus den Markt wird bringe»» können, wird di« Welt nicht- zu bedaueri» haben. filme In Prager Limispieniausero bis einschließlich Donnerstag, den 18. Mai. Wrau-Uranla:„Tas Liebesquariett."— Adria: „M«moiren auS dem Totenhaus."— Alsa:„Brennendes Geheimnis."— Berit»,ei:„Die Tochter deS R«g!n»«ntS."— FSulx: „Der Adjutant Seiner Hoheit."— Flora:„Fünf von der Jazzband."— Gauuiaut:„Irrlichter von Paris."— Hollywood:„Irr- li«hiervon Paris'.— Hviizda:„Memoircn aus dem TotenhauS."— Julis:„Das Wen- teuer einer schönen Frau."— Kinema, B.-Th.: Aktual., Report., Groteske.— Koruna:„Kavaliere in» Sattel."— Kotva:„Mensch ohn« Namen."— Lucerna:„Mensch ohne Rainen." — Metro:„Der weiße Dämon.'— Olympier„Mr di« Freiheit der Nation."— Passage:„Ein Mädel für Dich."— Praha:.„Kavaliere Im Sattel."— Radio:„Die Tochter des Regiments."— Skaut: „Die Drei-Groschen-Oper."— Svötozor: „Das Abenteuer einer schönen Frau.'— Avion» „Eine Nacht im Grand-Hotel."— Bajkal:„Das Parfüm der Dan»e in Schwarz."— Favorit:„Das Schiff ohne Hafen."— Kapitol:„Die unsichtbare Front."— Konvikt:„Ach: Mädel im Boot." — Lido:„Das Schiff ohne Hafen.'— Louvre:„Die Tochter des Regiments."— MaeeSka:„Das Schijf ohne Hafen."— Roxh:„Schatten Londoner Nächtc."— Baldek:„Fünf von der Iaz;- b a>» d."— Academia:„Mädchen zum.Heiraten." — Belvedere:„Die Stinnne des Blutes.'— Befeda» „B o r d e r M a t u r a."— Carlton:„Wie sag' ich'i meinen» Mann?"— Domovina:„F. P. 1 antwortet nicht."— Illusion:„Liebesquartett"— Sport» Smichov:„Das Lied der Nacht"— Svornost: „Aben leuer im Engadin.' taalgebtr. eiegft(tb t«a b.— S b 11 aab a I le an Stlbelm fttaknac.— Betomwottttchet Retolttut:»t.>a»U öitoufc, Prag.— Druck:.Rota' N.-S.(üt Rettung, unb Buchdruck, Pioa.— Mit b» Druck»etoniwotilidr Ott» ßoltf •“4.- Di« 8«ttuna»matl«uttan,ani« amaba be» bat Poft.». Zeleewbenblteltie»«tt«rlo» Rt. l3.8WVn/J«30 btolBlat.-«ejuglbebingungeii: Pkt ZustkUuno tnl HouZ»bet bei Bezug butib bla Post monatlich» 1« i! kaoMp»* Kl 88,—. ga»ua|ti« Kl WV-.— g»I«»le werbe»»a»» Kauf btlltgst berechnet. Bet ittarr» MailtetUuiae» Ureilnachlatz.— Rückstellung bau«auullrchte» erfolgt^uur bei«tuleobung der Retourularle».""