13. Jahrgang. Donnerstag, 18 Mat 1933 Nr 116. ! Außenpolitische Rede des Reichskanzlers: Br MraiKBD muß es als seine PHidit erachten, alle seine Mitarbeiter als Abnehmer der Arbeiterpresse zu gewinnen. In der Agitation von Mund zu Mund liegt das Geheimnis des Erlolges. Trage jeder dazu bei, die WaHe des Proletariats stark und einllußreidt zu madien, Die Kultursdiandc von Karlsruhe. Acrger als bei Zuluhalfcrn! Die Vorgänge bei der llebcrführung des srühcren badischen Staatspräsidenten Genosse» Adam R c m'm e l c in das Polizeipräsidium von Karlsruhe übersteigen alles, was man bisher in einem Knltnrslaat erlebt hat. Tic Inszenierung der Straßenkundgcbungcn kann nur verglichen werden mit den Gewohnheiten afrikani- scher Negcrstämme, welche ihre Gefangenen int Triumph durch ihre Dörfer schleppen. Remmel« wurde in einem offenen Wagen der Polizei in ganz langsamer Fahrt durch die Straßen geführt. Bor und hinter dem Wagen gingen Abteilungen der SS. Der Zug wurde absichtlich an allen Gebäuden vor« ubcrgesührt, welche Institutionen gehörten, in denen R e m m«l e Funktionär war, so am StaatSwinisterium und am ehemaligen Ge» werkschastShauS, welches von den Ha» kenkreuzlern gestohlen wurde. Zur Belustigung der sich wie irrsinnig gebärdenden national sozialistischen Meute spielten Musikkapellen aus und die Menge der toll gewordenen Spießer sand leinen anderen Ausdruck ihres Hasses arge» den Mann, der sich vom einfachen Miil» lereiarbeiter zum Staatspräsidenten«mporge» rungen hatte, als den Gesang des MüllerliedeS. Man hatte den Eindruck, daß das Spalier der Zuschauer auü Geisteskranken bestand. Gleichzeitig mit Remmele wurden einige andere Funktionäre des Reichsbanners und der Partei m das Konzentrationslager überfuhrt. Auch sie wurden in derselbe» schmählichen Weise behandelt. mtierrcde macht Keinen Eindruck in Paris. Paris, 17. Mai.■ Die ersten Eindrücke, die die Rede Hitlers, die nachmittags durch das HavaSbüro und abends durch die letzten Ausgaben der Abendblätter verbreitet wurde, in Paris hcr- vorgerufen hat, können als ruhig bezeichnet werden. Ucberraschung hat die Rede nicht hervor» gerusen. Die Forderungen Hitlers und seine an den Völkerbund und Frankreich gerichteten Bor- tvürse sind genügend auü seine» früheren Kundgebungen bekannt, die, wie von vielen Seiten erklärt wird, viel schärfer-und rücksichtsloser waren, als-die heutige Rede. Dem Ton der heutigen Kundgebung Hitlers wird«ine Art Mäßigung zugesprochcn und der Gesamtton als Versuch eines staatsmännischen Ernstes bezeichnet,-Man nimmt an, daß diese Mäßigung ans den Einfluß der gestrigen Botschaft des Präsidenten Roose-- Veit zurückzuführen- ist., Die französischen amtlichen und politischen Kreise und die breite öffentliche Meinung nehmen zur Politik Hitlers einen Merändert ablehnenden Standpunkt ein. Berlin, 17. Mai. Di« heutige Reichstags» sitzung fand wiederum in der Krolloper statt, vor der sich schon in den Mittagsstunde»«in« große Menschenmenge angesammelt hatte. Lin« Stunde vor Beginn der Sitzung wurde das Gebäude i» weitem Umkreise von Polizei und Hilfspolizei abgesperrt. Im alten ReichstagSaebänd« hatten sich am vormittag sämtliche Fraktion«» versammelt/Bon der sozialdemokratischen Fraktion sind etwa zwanzig Abgeordnete noch in Schuhhast; neun weitere, darunter Scheidemann, Severing und Sollmann, haben für die heutige Sitzung Urlaub erbeten» während von einer Reche anderer Fraktionsmitglieder, di« sich zum Teil im Ausland befinden, Nachrichten nicht vorliegen. Auch die Zentrumsfraktion weist Lücken auf. Di« in Schutzhaft befindlichen Zentrums, abgeordnet«« sind zwar freigelassen worden, nach einem Parteibeschluß müssen sich jedoch alle, gegen di« eiue Untersuchung im Gang ist, der Mandats, ausübung enthalten. I« Saal der Krolloper waren zu Begin« der Sitzung die Diplomatenlogen voll besetzt. Der Ex-Kronprinz wohnte auch diesmal In uniform der Sitzung bei. Nach, einer kurzen Eröffnungsansprache'gibt Hitler seine Erklärung ab, in der er einleitend betont, daß für die Regierung der Wunsch ausschlaggebend sei, die Behandlung der Fragen, von deren Lösung nicht nur die polnische, sondern auch die wirtschaftliche Befriedigung abhange,„leide n- s ch a f t S l o S" vorzunehmen. Hitler ergeht sich dann in einer langen Kritik des Friedensvertrages von Versailles, der. statt eine Neugliederung der europäischen Staaten nach dem Nationalitätsprinzip vorzunehmcn und so künftige KonfliktSmöalichkeiten aus der Welt zu schaffen, teils aus Unkenntnis, teils aus Haß und Leidenschaft heraus Lösungen geschaffen habe, die den Reim neuer Konflikte in sich trogen. Buße. Strafe, gefährliche Begriffe. Auf die wirtschaftlichen Probleme übergehend, erklärte Hitler: Wollte man eiue gewisse Befriedigung Europas für menschlich absehbar« Zeit herbeiführen, dann müßte man statt der unfruchtbaren und gefährlichen Begriffe Buße, Strafe, Wiedergutmachung usw. die t»f« Erkenntnis verfolgen und berücksichtigen, daß mangelnde Exi» stenzmöglichkeiten immer dir Quelle von Bölkerkonslikten gewesen sind. ES sei nicht weise, die wirtschaftlichen Lcbeusmög- lichkcitcn einem Bolt« zu entziehen, ohne Rücksicht daraus, daß die davon abhängige Bevölkerung daraus angewiesen sei, in diesem Gebiete weiterhin zu leben. Tie Meinung, daß die wirtschaftliche Vernichtung eines kä Millionen Volkes anderen Völkern einen nützlichen Dienst erweise, sei«ine unsinnige. Die Reparationen konnten nur vmn deutschen Export bezahlt werden. Ter wirtschaftliche Nutzen der Reparationszahlungen konnte daher in keinem Verhältnis zu dem Schaden stehen, der den einzelnen Volkswirtschaften mit den Reparationen zugefügt wurde. Ter Kamps aus den Weltabsatzmärkten durch dauernde Preisunterbietung führte zu einer lleberspitzung der Ra l> ona lisierungS- m a ß n a h m e n i n d e r Wirtschaft. Die Millionen unserer Arbeitslosen sind das letzte Ergebnis dieser Entwicklung. Deutschland hat die ihm auserlegten Verpflichtungen trotz der Ihnen innewohnenden Unvernunft und der vorauszusehenden Folgen geradezu selb st mörderisch treu erfüllt.• „Gleichberechtigung Aller“. Die Begrifft Sieger und Besiegte wurden förmlich zum Fundament einer neuen internationalen Rechts- und Gesellschaftsordnung- gemach«. Die damit-für-nötig erachtete Abrüstung und Wehr- loSmachung der Besiegten führte nur zu dem Zustand,jener ewigen Drohungcn,.Forderu.n- a e n und Sanktionen,-- die olS fortdauernde s Unruhe und Unsicherheit zum Grabe, der gesamte» Weltwirtschaft zu werden drohen. Verträge haben, nur dann einen inneren Sinn, wenn sie von einer wirklichen und aufrichtigen Gleichberechtigung Aller auSgchen. Gerade darin liegt die Hauplursachc der seit Jahren die Welt beherrschenden Gärung. Daß aber dir heut« vorliegenden Problem««ine vernünftig« und endgültig« Lösung erfahren, liegt im Interesse Aller. Kein neuer europäischer Krieg wäre in der Lag«, anstell« der unbefriedigenden Zustände von heut« etwas Bessere« zu setzen. Im Gearntrik, weder Politisch noch wirtschaftlich könnte dir Anwendung irgend welcher Gewalt in Europa eine günstiger« Situation Hervorrufen al« sie heute besteht. Selbst bei ausschlaggebrndrm Erfolg einer neue» europäischen Gewaltlösuug würde«in« Vergrößrrung der Störung des europäischen Gleichgewichtes eintreten. netter vor der kommunistischen Gelahr. Hitler malt dann weiter da« kommuni- stisch e.G e sp e nst an die Wand: ein iu kam- .munistischem Chaos versinkendes Europa würde eine Krise von unabsehbarem Ausmaß und nicht abz»schäyend«r Dauer hcraufbeschwören; es sei der tiefernste Wunsch der nationalen Regierung,«in« solche Entwicklung durch ihre aufrichtige und tätige Mitarbeit zu verhindern. Das sei auch der innere Sinn der in Deutschland vollzogenen Umwälzung, deren drei HaupIgesichtSpuickte in keiner Weise den Interessen der übrigen Welt widersprächen. Diese Gesichtspunkte seien: 1. Verhinderung des drohenden kommunistischen UnrstnrzeS, Ausbau eines einigenden Volksstaates und Erhaltung des Begrif- fes„Eigentum" als Grundlage der Kultur. 2. Zurückführung der Milliomnarmee der Arbeitslosen in die Produktion, kl. Wiederherstellung der stabilen und autoritären Staaissuhrung. Gerade die Nationalsi^ralisten beseelt das liefe Verständnis für di« gleichen Gefühle und ,Gesinnungen sowie für die begründeten LebenSansPruche der aiweren Völker, deren nationale. Rechte sie aus derselben Gesinnung heraus respektieren und mit denen sie aus tiesinnerstem Herzen in Frieden und Freundschaft leben wollen. Tie Nationalsozialisten kennen daher auch nian den Begriff des Germanisierens; sie sehen die europäischen Nationen als gegebene Tatsache an. Franzosen, Polen usw. sind unsere Nachbarvölker, und wir wissen, daß kein geschichtlich denkbarer Vorgang diese Wirklichkeit ändern könnte. ES wäre ein Glück sür die Welt gewesen, wenn im Vertrage von Versailles diese Realitäten auch in bezug ans Deutschland gewürdigt worden wären. nie SA und ss der Feuerwehr gleichgestellt. Dennoch wird keine brutsch« Regierung von sich aus den Bruch einer Vereinbarung durchführen» die nicht beseitigt werden kau«, ohne durch ein« besser« ersetzt zu werden. Tie schlimmste Auswirkung finde diese Neu- Ordnung in der erzwungenen Wehrlosigkeit einer Nation gegenüber den übersteigerten Rüstungen der anderen. Tie Forderung nach einer tatsächlich zum Ausdruck kommenden Gleichberechtigung sei eine Forderung der Moral, deS Rechtes und der Vernunft; die Disqualifizierung eines großen Volkes könne geschichtlich nicht ewig ausrechterhallen werden, sondern müsse einmal ein Ende finden. Wenn Deutschland heute die Forderung nach einer tatsächlichen Gleichberechtigung im Sinne der Abrüstung der anderen Nationen erhebt, dann habe eS dazu ein moralisches Recht. Es habe unter schärfster internationaler Kontrolle abgerüstet. Die Anaab«, daß die 2A und 2S der national- sozialistischen Partri in irgrud einer Beziehung zur Reichswehr In dem Sinne stünd«, daß es sich HI« um militärisch ausgebildete Bestaube, oder Reserven der Arm«« handeln würde, fei unwahr. (Schluß aus Seit« 2) erhalt chrc stärkste das, was ihr folgen soll, sondern durch das, was ihr vorausging. Sie muß mit den prv- grammatischen, eidlichen und rehntausendfach wiederholten Versprechungen der NSDAP, sie imlß nut früheren Reden Hitlers, sie muß noch mit dem letzten Auftreten Deutschlands in Genf verglichen tverden, will man sie in ihrer geschichtlichen Stellung begreifen und würdigen. Die Rede Hitlers enthält manchen abwegigen Gedanken. Dort, wo durch das Konzept der Fachleute, das der Rede ohne Zweifel zugrundcliegt, das Temperament des erfolgreichsten Demagogen unserer Zeit bricht» dorr wo den resignierten Rückzugssignalen ein forscher Triller aus den verklungenen Sturmweisen Von Anno 23, Aniw 30 und noch 32 angehängt wird, mag sich Hitlers Botschaft an die Welt merklich von dem unterscheiden, was die„Erfüllungskanzler" der Republik in solchen.Fällen erklärten. In der Sache h a b e n H e r m a n n M ü l l e r und Br ü- n i n a s ch ä r f e r gesprochen. Die Nationalsozialisten haben in ihrem Kampf gegen die deutsche Demokratie ztvei Forderungen in den Vordergrund der Agitation gestellt: die Brechung der Zinsknechtschaft- und die Zerreißung der Pariser Verträge, der Tribut-, Sklaven-, Schänd- und was der Beiworte mehr waren— jedenfalls der Verträge, die ein nationalsozialistisches Deutschland keinen Tag laug ertragen würde. Beide Hauptforderungen hat der National- sozialisinns am Tage der Machtergreifung begraben. Daß er sein a u ß e n politisches Programm soweit revidieren tvürdc, daß an ihm genresscn der Kampf der .Kabinette-Hermann Müller und Brüning als ein hohes und gewagtes Spiel erscheint, das ist erst in Hillers Reichstagsrede vom 17. Mm offenbar geworden. Hiller hat an dem Geist uird an der Fehlerhaftigkeit des Versailler Vertrages Kritik geübt. Das hat jeder Kanzler der Republik getan. Er hat auf die Schwäche des Völkerbundes verwieseil. Auch darüber haben sich tveder Stresemann, nach Brüning oder sonst ein Kanzler der Weimarer Republik Illusionen hingegeben. Und Adolf Hitler hat sich in der denkbar schärfsten Weise gegen GeWaltlösungen auf beiden Seiten, gegen jede Politik ausgesprochen, d i e zum Kriege führen müßte. Er hat den Krieg einen Wahnsinn genannt und sich leidenschaftlich, wie sonst tutv gegen den „Marxismus" gegen die in Genf verbrei.ete Neigung gewandt, Deutschland wolle die Verträge nicht weiter' erfüllen. Er hat endlich die SA. als eine Partei-Armee bezeichnet, die init der Reichswehr nichts zu tun habe, und alle deutschen Anfrüstungssorderungen in Abrede gestellt. Bon der Außenpolitik der NSDAP bleibt in der Kanrlerrcdc nichts übrig als-die Forderung nach der Gleichberechtigung Deutschlands und iwch der friedlichen, einvcrnehinr- lichen Revision der Verträge. Beide Forderungen sind seit 1910 ununterbrochen erhoben worden uird in beiden Richtungen haben die republikanischen Erfüllungskanzler Erfolge errungen, deren sich Hitler bislang nicht rühmen kann. Die Räuniung des Rheinlandes, di« schrittweise Herabsetzung der Reparationen bis zur fast restlosen Streichung(die auf Der!rommler auf dem Rückzug! In der Maske des Friedensapostels. Ein Bekenntnis zur Erfüllungspolitik. Die Rede, die der Reichskanzler Adolf Hitler gestern im Reichstag gehalten halt, Bedeutung nicht durch Sette 2 Al. IIS DcnnerStag, 18. Mai 1933 Bn'itrrngS nicht aus PapenS ErfolgSkonto gebucht werden muß), di« Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund, die prinzipielle Aufhebung der einseitigen Abrüstungsklauseln, das alles waren Erfolge der Erfüllungspolitik republikanischer Kanzler. Die Fortsetzung dieser Politik durch Trage;•>■** gleichen Kräfte und Ideen, wie sie von den demokratischen Kanzlern vertreten wurden, hüte Deutschland binnen kurzem von wei'leren Fesseln befreit. Die große Frag« ist, ob die Erfül- lang s Politik Hitlers dasselbe erreichen kann. Und daS muß ans drei Gründen stark bezweifelt werden: Hitlers Bekennt- n i s zur friedlichen Erfüllung-Politik steht im s ch r o f f st e n W i d« r s p r u ch zu seiner bisherigen Politik, zu jedeni Wort, das er gesprochen, jeder Zeile, die er geschrieben, jeder Parole, die seine Partei ausgege- bcn hat;.Hitlers friedliche und den Ideen der Demokratie a»gepaßte Außenpolitik — die er vorerst einmal versprochen hat— steht im denkbar schroffsten Widerspruchzu seiner Innenpolitik; und endlich bedeutet Hitlers.Kapitulation in der Außenpolitik, die völlige Ilbdankung des militanten deutschen Nationalismus vor London und Pari-, doch für den Imperialismus der Anderen den Beweis, daß alle deutsche» Drohungen leeres Ge- s ch w ä tz waren und daß der bisher gefürchtete deutsche Nationalismus in Wahrheit lammfromm ist. Man wird also diesem plötzlich zum Lamm Vertvandeltcn Fenriswolf weil toeniger zugestchen, als man der Weimarer Damokratie zugestand und andererseits auch weniger, als nmn einem drohenden Hitler konzediert hätte. Man kann Außenpolitik treiben, indem man offen zugibt, daß man zum Krieg lvedcr fähig noch gewillt ist; man kann Außenpolitik treiben, iiäem man droht und auf.runipst, und kann mit beiden Methoden unter Umständen eNvas erreichen, aber man kann sicher nichts erreichen, wenn man droht und dabei di« vollen Hosen(oder besser: Braunhemden) nicht zu verbergen versteht. Tatsächlich bedeutet Hitlers Knie- fall vor der« Ausland auch keineswegs d en Beginn einer A e r a c r f o l g r e i- ch e n Verständigungspolitik. Zu tief sind durcl; die Agitation der NSDAP nn deutschen Bürgertum die Haß- und Rache- gcfühle eingewurzelt, die ja noch in den letz- teu Tagen durch Presie und Rundstink offiziell genährt wurden. Zu groß ist der Widerspruch zwischen der Rede Hillers und der Politik der NSDAP, di« Pazifisten und Demokraten als Hochverräter verfolgt, außer- h-.lb des Rechts stellt, beraubt, vergewaltigt und hinschlachtet, die selbst pazifistische Bücher verbietet und verbrennt, während der„Führer" den Krieg als Wahnsinn bezeichnet. Hitlers Rede zeigt den Zusammenbruch der nationalsozialistischen 'Außenpolitik, aber sie schafft nur augenblicklich Erleichterung. Der deutsche Fascis- mus bleibt ein« Kriegsgefahr, so gut wie die SA. trotz ihrer wahrscheinlich leicht zu erweisenden militärischen Unbrauchbarkeit(„kämpfen" wollen die feigen Mordbanden doch gar I nicht) ein« zusätzliche Rüstung Deutschlands bedeuten. Diese Erwägungen sind eS auch, die uns daran zweifeln lasten, ob die Haltung der sozialdemokratischen Fraktion im Reichstag richtig war.! Wir wollen über den Entschluß der sozial- deuiokmtischen Abgeordneten kein abschließendes Urteil fällen, ehe tvir nicht von ihnen unmittelbar über die Motive ihres Vorgehens■ unterrichtet sind.?lber wir sind der Ansicht, daß cs höchst gefährlich war, einer Rede zu» zustimnren, die ztvar auch daS außenpolitische Bekenntnis eines demokratischen Kanzlers sein! könnte, die aber mit ihren Stellen über die! DA.-Mordbanden. über die neue, auf der Anerkennung des Privateigentums beruhende Staatsordnung und mn dem Anspruch de- Redners, nn Namen der Nation zu sprechen,| für Sozialdemokraten unan-1 n e h m b a r i st und bleibt. Auch eine an sich grite Sache kann zu> einer/schlechten werden, wenn sie von Sachwaltern wie den Bmunhunnen geführt wirb. Niemals kann ein« sozialdanrokratisch« Partei den Knüpf um die Gleichberechtigung des deutschen Volkes in der Gefolgschaft Hitlers führen, niemals kann di« Befreiung der deutschen Arbeiterklasse das Werk der fascisti- schcn Diktatur sein! Unser sozialistisches Gefühl, unser Klastenbewußtsein, unser« marxistische Erkenntitis sagen uns, daß die Politik der deiltschen Sozialdemokratie, der deutschen Arbeiterklasse— waS immer dos Motiv für den Schrift der SPD-Abgeordneten war— auf reinlicher Scheidung von der fascistischen Diktatur tvird beruhen müssen, daß es keinen anderen Weg zur Befrei u n g des deutschen Arbeiters als den des revolutionären Kampfes gegen di« Nazidiktatur gibt, auch wo diese ihr eigenes Programm verleugnet und da- tut, was unter anderen Umständen wir getan hätten. Schluß der Hitlerrede. Als„unverantwortliche Leichtsinnigkeit" bezeichnet Hitler die Gleichsetzung der vollssportmit- glieder in der Tschechoslowakei mit de« rin» Reservearmee gleichgcsctzteu SA und SS in Deutsch, land, dir zu den langjährigen Zuchthausstrafen im Brünner BolkSsporlprozrh geführt hab«. Tatsächlich sei die ZA und 22 der nationalsozialistischen Partei ohne jede Beihilfe des Staates oder gar der Reichswehr, ohne jede militärische Ausbildung und ohne jede militärische Ausrüstung, entstanden aus rein parteipolitischen Bedürfnissen. Ahr Zweck war und ist ausschließlich die Beseitigung der kommunistischen Gefahr. Auch der Stahlhelm sei eine ähnliche Institution, entstanden aus der Erinnerung an die große Zeit des gemeinsamen Fronterlebnisses. Wenn heute in Gens versucht werde, diese ausschließlich innenpolitischen Zwecken dienende Organisationen auf dir Wehrstarkcn anzurechnen, dann lönnte man genau so gut die Feuerwehr, die Turnvereine usw. alS Wehrmacht anrechncn. Die in den Tagen der Revolution ausgestellte Hilsipolizei habe ausschließlich politischen Charakter; nach der siegreichen Durchführung der Revolution sei sie bereits im Abbau begriffen und tverdr noch vor AuSgang des Jahres vollständig a u f g e l ö st sein. Deutschland hot bisher alle Sicherheitsver- pslichtungen übernommen, die sich auS dem K e l- logg-Palt, den Schiedsgerichts-Pakten usw. ergeben. Welche Sicherungen habe demgegenüber Deutschland, wo Frankreich allein 3046. Belgien 330, Polen 700, die Tschechoslowakei 070 im Dienst befindliche Flngzeuge besitze, dazu Tank», schwere Geschütze und alle technischen Mittel zum Gaskrieg? Dennoch sei Deutschland jederzeit bereit, weitere Sicherheit-Verpflichtungen internatioaler Art aus sich zu nehmen, wen« alle Rationen ihrerseits dazu bereit feie« und dies Deutschland zugute komme. Die deutsch« Regierung sieht in dem englischen Plan«in« möglich« Grundlage sür di« Lösung dieser Frage«. Sie muß aber verlange», daß ihr nicht die Zerstörung einer vorhandenen Wehreinrichtung ausgezwungen werd«, ohne Zubilligung einer zumindestens qualitative« Aufrüstung. Deutschland sei ferner ohne weiteres bereit, aus Angriff-Waffen überhaupt Verzicht zu leisten, wenn innerhalb eines bestimmten Zeitraumes die gerüsteten Nationen ihrerseits diese AngrissSwafsen vernichten und durch eine internationale Konvention ihre Anwendung verboten wird. Komplimente. Deutschland würde sich auch jederzeit bereit erklären, im Falle der Schafluna einer allgemeinen internationalen Kontrolle der Rüstungen bei gleicher Bereitwilligkeit der anderen Staaten, die betreffenden Verbände dieser Kontrolle mit z n unterstellen. Diese Forderungen bedeuten nicht»ine Aufrüstung, sondern rin Verlangen nach Abrüstung der anderen Staaten. Hitler begrüße dabei noch einmal namenS der deutschen Regierung den weit ansschaucnden und wichtigen Plan deS italienischen LtaatSchefs. Ter Vorschlag de» amerikanischen Präsidenten Roosevelt verpflichte desgleichen die deutsch« Re- gierung zu warmem Danke. Sie sei bereit, dieser Metblwe zur Behebung der internationalen Krise znzustimmen, denn auch sic ist überzeugt, daß er heute nur eine große Ausgabe geben kann: den Frieden der Welt zu sichern.(Lebhafter Beifall und anhaltender Händeklatschen.) Ter Grund sür die heutigen Rüstungen Frankreich» oder Polen» könne unter keinen Umständen die Furcht dieser Nationen vor einer deutschen Invasion fein. Wir haben, erklärte Hitler, keinen sehnlicheren Wunsch als dazu beizutragen, daß die Wunden de» Kriege» und de» Versailler Vertraget endgültig geheilt werden. Deutschland will keinen anderen Weg dabei gehe» al» de«, der durch die Verträge selbst al» berechtigt anerkannt ist. Drohungen. Die deutsche Regierung und da» deutsche Volk würde sich aber unter keinen Unrständen zu'Irgend einer Unterschrift nötigen lasten, die rin« Verewigung der Disqualifizierung Deutschlands bedeuten würde. Wenn versucht wird, Deutschland Sanktionen anzudrohrn, so könnte«in solche» ungc- hru«rlich«s verfahr«« nur zur endgültigen moralischen Außerkraftsetzung der Verträge selbst führen. Hitler droht für diesen Fall mit dem Verlassen der Abrüstungskonferenz und dem Austritt au» dem Völkerbund. Wenn auf dem bisherigen Weg sortgrfahren würde, müßten schwere wirtschaftliche und politische Katastrophen di« Folge sein. Mögen die anderen Nationen, schloß Hitler seine Red«, den unerschütterlichen Willen Deutschland» verstehen, eine Periode der menschlichen Irrungen endlich abzuschließen, um den Weg zu sin- 51 &ARL Hubdnick Twbolen. UND DAS 20. JAHRHUNDERT Roman von Rudolf Brunngraber Copyrigth by SodotlUhVoHag« Frankfurt an Kain 1083 Die Karte war alS Jnncnplakat gedacht und erforderte eilte Arbeit von Wochen. DaS brachte P. Bekker in Kontakt mit der GeschäftS- leitunq. Der Kontakt wurde inniger, als er seinem Prokuristen bestprang und den Telegrammcode für da« Exprehgeschäft zusammenstellt«, über den der sich vergeben- den Kopf zerbrochen hatte. Er war ja kein Dichter. P. Brkrncr merkte, daß das Ersen in seiner Hand warm wurde. Er arbeitet« eine Verbesserung deS Arbeit-gange- in feiner Abteilung au», indem er AblieferungS» instvuktion und HnteriniSsrachtbries in ein Formular zusammenlegt«. Di« Sach« wurde akzeptiert und damit gab es endlich den Knack- in der ehernen Pforte. Di« beiden jungen Chef-, di« darauf auS war«», die Initiative an sich zu reißen, regten P. Belker an, über ein System für da- ganz«-Hau- nachzudenken. DaS war im Oktober 1929, am Tag deS New Uorler Börsenkrachs. Endlich hatte die Spannung zwischen dem Ueberfluß an Gütern und d«r Uckberzahl der Menschen, di« vom Bezug aller Güter ausgeschlossen waren, zu einer Entladung geführt. 1925 waren Soli Millionen Meterzentner Weizen unverkäuflich gewesen, jetzt waren e» 96 Millionen. Der Zuckerüberschuß war von 17 auf 27 Millionen Meterzentner gestiegen, der deS Kaffes von 4 auf 8X Millionen. Di« BorratSstauung bei der Baumwolle hatte sich von 500.090 Tonnen auf 800.000 Tonnen vergrößert, die beim Gummi von 185:000 aus 275.000 Tonnen. An Erdöl blieben den Produzenten bereits 600 Millionen Hektoliter t* den Händen und bei der Steinkohle betrug der Ueberfluß 50 Millionen Meterzentner. ES war daS gleiche beim Reis wie bei der Rohseide, bei der. Wolle wie beim Stabeisen, beim Blei wie beim Benzin. Die Erde schwamm in Reichtum und der Weltmarkt trug diesem Ucbcrangcboi mit einein Preissturz Rechnung,-er gegenüber den bisherigen Senkungen eine Revolution darstellte. New Hork notierte von der ersten Hälfte 1929 zur zweiten di« Baumwolle um 15 Prozent niedriger, Rio de» Kaffee um 34 Prozent, Chicago den Weizen uni 26 Prozent, Pennsylvania das Rohöl um 24 Prozent. Trotzdem schrumpfte der Außenhandel innerhalb d«S Jahre- nm ein volles Fünftel ein. DaS zerriß auch die Allusionen der Börsenspekulanten. Der Blitz zündete in Naiv Dork nn- glitt ab durch da» gesamte Schaltwerk der Zivilisation. Waren Deutschland, Großbritannien, Australien. Niederländisch-Indien, Brasilien itnd Britisch-Malaya schon Ende 1928 in die Depression geraten, so folgten nun die USA., Kanada, Japan, Italien, Argentinien, China und Spanien, womit die.Hälft« des Welthandel- von der Kris« voll erfaßt tvar. Und batte di« Rationalisierung bis zum Anfang d«s »- 1929 5 Millionen arbeitslos gemacht, so »es« Zahl bi- zum Etide des Jahre- rasch auf da- Doppelt«. Lediglich in der Sowjetunion wurden die Arbeitskraft« mit Gewalt und Geduld in die Pro- duktion-zeiitren de- FünfjahrplanS geholt. Der Krüppelstaat Oesterreich aber erhielt nun zu seiner ewigen Krise die Äeltkalamität noch hinzu. Im November betrug die Zahl seiner Arbeitslosen 200.000 i>n Dezember 265.000, im Jänner 308.000. P. Bekker, der regelmäßig die Zeitung las, kannte auch den Anteil Wien- an diesen Zahlen, der sich auf 82.000, 100.000 und 115.000 bezifferte. Dennoch blieb er an keiner Chance wie ein Rennfahrer an seiner Maschine. Schon deshalb, weil er sich sagen mußt«, daß di« Rationalisierung so wenig aufzuhalten war wi« vor hundert Jahren der Dampstvebstuhl und weil cs auf der Hand lag, daß ein anderer di« Sache macheii wurde, ließe er sie fallen. P. Bekker, ein sehr schlanker Mensch, mit einem seltsam herbeii Knabengesicht, unterschied sich da in nicht- von anderen leistungsfähigen Menschen. Schließlich haiidelte er nach den Kräften, die in ihm wirksam waren. Nach einer Woche Spintisieren» war er so weit, eine Möglichkeit zu sehen, nach der sämtliche Schreibarbeiten der Expedition, also Disposition, JntcrimSfrachtbries. Faktura und Ex- Portbcstätigung, mit einer Niwevschrift besorgt werden konnten; in der Buchhaltung wollte er Primanota und Hauptbuch zusammenlegen. Allerdings war das alle- in den Einzelheiten noch sehr durchzuklügeln, aber P. Bekker lief auch jetzt schon zn den großen Firmen für mo- derne Bürobehelfe und ließ sich die n«ueste«i Maschinen vorführen. Schreibmaschinen. mit Endlosformularen, auf denen eine Schreibkraft im Tag 250 Posten erledigen konnte, und Multiplikation-Maschinen, die in einer Stunde bei sechsstelligen Zahlen 1800 Rechnungen durchführten, bei vierstelligen 2400. P. Bekker rechnet« sich ans, daß er, mit Hilfe dieser Apparate und i!»--»,'rnnilareii, von vier Leuten das bewältigen lasten könnt«, wozu man bisher dreißig brauchte. Karl, der im Umgang mit Menschen etwas Hagestolzige- angenommen hatte, für sich allein aber von einer glühenden Hilflosigkeit war, Iain diesen Tagen mit versunkener Leidenschaft den Roman„Die weißen Götter". Da- Buch hatte er sich aus einer Bibliothek ausgeliehen, in die eingeschrieben zu sein der einzige Komfort seines jetzigen Lebens wär. Au- der Zeitung interessierte ihn momentan am meisten die Rückkehr de- Franzosen Alain Gerbcmlt, der ein Jahr nach ihm„in die Welt" aufgebrochen war und, in einem Zwei-Tonnen-Kutter, allein die Erd« umsegelt hatte. Karl ging in diesen Tagen auch noch einmal zu dem Personalchef. Ma« sollt« doch den zu einer endlichen VerstäMgung aller auf dem Beben gleicher Rechte! * Ti« sozialdemokratische FiÄktion hatte nach langen Bera ungen nach der Sitzung de- Aeltcsten» rat«S beschlossen, doch aii der Reich-tagSsiyung teilziinehm.'n und auch der vorher zur Kenntnit gebrachten Entschließung znznstiminen. Ein« Begründung für diese Haltung liegt seitens der Fraktion bis zur Stunde noch nicht vor. Die Entschließung, die somit vom Reichstag am Schluß der Sitzung e i n st i m m i g angenommen wurde, hat sölgeiiden Wortlaut: „Der deutsche Reichstag als di« Vertretung des deutschen Volkes billigt di« Erklärung der Reichöregieruna und stellt sich in dirfrr für da» Leben der Nation entscheidend«« Schicksalsfrage der Gleichberechtigung deü deutschen Volke» geschloffen hinter di« Reichsregierung." Kurssturz dculsdier Anleihe werte. Paris, 16. Mai. An der heutigen Pariser Börse ist di«(deutsche) Houng-Anleih« von 444 auf 435 gefallen; während am gestrigen Tage insgesamt 3002 Stück dieser Anleihe umgefetzt wurden, waren e- heute 9483 Stück, also mehr als da» Dreifache. Dieser Kurssturz ist die Folg« der Erklärungen Doktor Schacht-, daß Deutschland diese Aiileihc in Zukunft nicht mehr, wi« vereinbart, in Gold verzinsen könne.— An der New-?)orker Börse ist der Kurssturz der deutschen Fonds noch katastrophaler: e» fiel di« Boung Anleibe feit dem vorletzten Börsentag von 55.25 über 52.50 auf 35.5; die Tawc-.Anlcihc von 67.5 über 65.0 ans 55.0. «ein Anschluß an nnicrdcuisdilandl Stimme« auS dem Saarland. Die Saarbrückener„Bolksstimme" gib: auf der ersten Seite in großer Ausmachung den Beschluß der österreichischen Sozialdemokratie wieder, der sich gegen den Anfchlnß Oesterreichs an das sascistischc Deutschland erklärt. Diese ausfällige Wiedergabe de- Beschlüsse- unserer österreichischen Genoffen durch die„Bolksstimme" deutet darauf hin, daß auch im Saarland stark« Strömnitgen gegen di« Wicderanalicderung d«S Saargebietes an Deutschland vorhanden sind. SelbständiillrcMscrlflärnng der Soar-flcwcrksdialicn. Die saarländischen Bergarbeiter haben aus einer am 14. Mai abgehaltenen Konferenz bc» schloffen, au» den saarlanvischen Mitgliedern des früheren Verbände- der Bcrgbauindustricarbeiler Deutschlands«ine eigene Gewerkschaft z>l bilden. Zum Borsitzetiden wurde Julius Schwarz gewählt. Außerdem haben sich die Straßenbahner, die Verkehr-, und Kommunalarbeiter selbständig gemacht. Die Konferenz der Bergarbeiter nahm«in« an di« Reich-regierung gerichtet« Entschließung an, in der di« Freilaffung der Gewcrkschastssührer gefordert wird. Popen soll die Sache wieder einrenken? Wie«, 17. Mai. Der deutsche Dizekanzler Freil-crr von Popen hat einem führenden nationalen Politiker Oesterreich- mitgcteilt, daß«r n i der allernächsten Zeit nach der österreichischen !-Hauptstadt zu kontnten gedenke, tim sich hier ! einige Tage aufzuhalten. berücksichtigen, meinte er, daß er mit seinen siebenunddreißig Zehren zumindest die Möglichkeit haben sollte, einen eigenen Hau-stand zu gründen. Der Personalchef hörte ihn geduldig an, dann versuchte er die Sach« aus die leichte Achsel zu nehmen. Na, sagte er, indem er sich tm Stuhl nach vorn falle» ließ, wenn e- Ihnen ernst um diese Dinge ist, dann dürfte Sie nichts hindern können. Die Liebe hat zumeist die Not, nnter Umständen—. Herr Major, unterbrach ihn Karl. Diese Zuflucht znm einstigen inilitä- rischen Rang seines Gegenübers war ein Versuch. mit ihm in eine Zwiesprache„von Mensch zu Mensch" zu kommen. Herr Major, versuchte sich Karl Beachtung zu erwerbrii, ich bin durch den Krieg aus der Bahn geworseit worden. Ich war die ganze Zeit e.n der Front und in Gefangenschaft, ich war auch(Karl wurde verlegen) Oberleutnant in jener Zeil und Ritter de» Kro- nenordeuS, aber ich stelle keine Ansprüche. Ich habe auch keine Beziehung zu einer Fra«, die zur Legitimierung drängen würde. Nur, ich kann selbst nicht von dem Gehalt leben und e- kann doch nicht immer so Weltergehen. Der Major sah sich bedrängt itnd das war ihm uttangenehm. Also kaufte er sich mit einem Zugeständnis loS. Lieber Kamerad, sagte er attsstehcnd, selbst wen« ich die Höhe Ihres Gehalte- zit bestimmen hätte, Würden Sie, glaube Ich, nicht weniger unzufrieden bleiben müssen. Er zuckte die Achseln. Al- Karl draußen lvar, dachte er jedoch, daß diesem Menschen, ver eS bei Lehrner u. Co. nie weiterbringen könnt«, von dem Geschick vielleicht«ine Wohltat erwiesen würde, zwänge man ihn, irgend anderswo neu anzufangen. Uebergäbe man ih« wieder dem fluktuierenden Leben. Zu Neujahr(1930) kündigte Lehrner& To. achtzig Angestellte, darunter auch Karl. (Fortsetzung folgt.) «r. 116 Donnerstag, 18. Mai 1233 Seile 3 Wir werben! 0os ist der beste Kampf gegen den Pascismus! Vorfall über der Grenze abspielte. Der derart berg und in der ganzen Umgebung kein einziger Verhaftete" wurde nach Olbernhau ins Gesang- reichsdeutscher Emigrant aufhält. Feioer Nazi-Ueberlall anl Braunauer Genossen den den i der 1 um gen letzten Tagen ist auch eine sozialdemokratischen Funkfio- belfen könnten/auS Berlin sic Persönlich schwer Kedrabt ebnen. Sie werden sich dabei be- fürchten, denn Helden sind es ja Konsequenzen ihrer Handlungen;u den politischen Ereignissen in Deutschland Zusammenhang stehen. Jm Werbe Jfltonat Jltai muß Jeder Genosse und Jede Genossin einen neuen J£eser für unser(farteiblatt werben. von Gewerkschaftsvorständen wo ihre Onäle- wurden Staats- « kW Genosse flurfli Balonettstldie am Kopf schwer verlelzl. Vorfall über der Grenze abspielte. ", a,» nis geschleppt. Unwahr ist die Behauptung der „Bruxcr Zeitung, daß Mitheis ein extremer Sozialdemokrat sei. Er sympathisiert wohl mit unserer Bewegung, ist aber nicht unser Parteimitglied. Ebenso unwahr ist, daß er Kurier- dienste zwischen reichsdcutschcn Emigranten und Entwaffnunn der Osterretmismen SA. Wien, 17. Mai. Bisher wurden nur in sozialdemokratischen Arbriterhäuscrn, bei Organisationen und den Funktionären dieser Partei Haussuchungen vorgenomnren. Seit gc stern wurden jedoch die Durchsuchungen auch aus Häuser, Organisationen und Funktionäre der nationalsozialistischen Partei erweitert. In Kla genfurt hat die Polizei das dort« Braune Haus, ferner die Lokalitäten der Nationalsozialisten und die Privatwohnungcn einiger Führer^der Sturmabteilungen durchsucht, wobei Waffen gefunden wurden. In Braunau ereignet« sich in der Nacht von Montag auf Dienstag ein neuer empörender Ueberfall von Hokenkreuzlern aus unser« Genossen, wobei es die Täter und ihr« Hintermänner anscheinend daraus abgesehen hatten, unsere am Färberplan gelegenen Partei-- und GewerkschastSlokale nach dem Muster der reichsdeutschen Hitlerbanditen heimzusuchen. Da unsere Partei über die Absichten der Herrschaften, die in ihrem VcrkehrSlokal, der „H e r; c g o w i n a", nicht gerade nur die Loya- litätSbeteuerungen ihres Führers Jung vorbeten, keineswegs im Unklaren ist, hatten unsere Genossen des Nachts einen W a ch d i c n st eingerichtet, um das Arbeilcreigcntum gegen Ucber- sälle zu schützen. In der Nacht von Montag auf Dienstag gab eS in der„Herzegowina" wieder großen Betrieb. Anscheinend als Borhut wurden zwei Fascisten namens Hartmann und Weißer, beide aus Großdors, gegen unser ParteihauS vorgeschickt. Die beiden stießen hiÄbei jedoch aus eine Gruppe von Genossen auS dem Konsumverein, die Wache hielten. Bor der HauStür, die zu unseren Partei- und GewerkschastSlokalitäten führt, stand Genosse Herden ein Magazinsarbeiter, unweit davon Genoss« Volke, ein Chauffeur. Der Facist Hartmann provoziert« im Vorbeigehen den Genossen Volke mit den Worten „Aha, da ist ja die r o t e P e ft", zog dann plötzlich unter dem Mantel ein au einem militärischen Ueberschwung befestigtes Bajonett hervor und hieb damit auf den Kops deS Genosse« Herden«in, der mehrere schwer« Verletzungen davontrug; so wurden ihm unmittel- Abgeordneter Döllmann gestorben. Mittwoch, den 17. Mai starb plötzlich im Ordinationszimmer eines Prager Arztes Aba. Georg Böllinann, vom Herzschlag- getroffen. Vollmann, der dem Bund der Landwirte angchörtc, war 67. Jahre alt. Veichastuug von Nationalsozialisten. Die beiden Nationalsozialisten AlfonS Schuldes und Joses Fischer auS Komotau, die vor einigen Tagen festgenommen und am 11. d. M. wieder auf freien Fuß gesetzt worden waren, sind heute über Auftrag der Brüxer Staatsanwaltschaft hin und fragten:„Wer ist schuld an Deutschlands Elend?" Splicdt antwortete:„Der Weltkrieg". Diese Antwort wurde als ungenügend er- achtet und er wurde mit einer Tracht Prügel bedroht, wenn er nicht besser antworte. Nach einander sagte er, wohl wissend, wo di« ,Henker binauswollten: Die Inflation, die Krise und zum Schluss«, al» man ihm schon mit dem Tode droht«:„I ch". Daraus ein Wutausbruch der .Henkersknechte. Sie zwanaen ihn, Weste und Hemd aufzumachen, setzten ihm den kalten Lauf einer Pistole an- Herz und wiederholten ihre Frage: Da konnte Spliedt nicht mehr anders und er gab di« Antwort, di« man wünschte: Die Sozialdemokraten. Bis jetzt winde erst einer der Verhafteten srviaelassen. nämlich Leuschner, den man aus Gründen internationaler Art kGenft. nicht mit sesthalten konnte. Furtwängler, der in Schutzhaft grnomnnm worden war. weil er in seinem Schreibtisch miSländische Briefe verwahrt ks gibt Keine Nazlgrenel 9 Am 17. April starb im städtischen Kranten- hml- Mostend, Station 6, Fritz Galosche auS Cbarlottanburg an den Folgen schwerer Mißhandlungen durch die SA. Galosche war seinerzeit zusammen mit andern angeklagt, auf ein SA.-Lokal geschossen zu her zufällig nicht innerhalb der Reichsgrenzen und damit der Trümmer liegt, sollte sich dessen bewußt weichen, welche geschichtliche Gelegenheit für ihn darin besteht, treu zu bleiben dem Vermächtnis der großen Geister deutschen Denkens, deutscher Kunst und Wissen- schaft, die einzige deutsch« Kulturbrücke zu anderen Völkern zu sein und sich nicht von der Feldwebelmhstik des Herrenvolkes mitreißen zu lassen. Unser Staat gibt ihnen dies« Gelegenheit. Er beschützt für sie das Vermächtnis des kulturellen AktiviSinus, der in Deutschland daS Dach über dem Kopse verloren hat. ins Konzentrationslager!" Vielleilbt Monat di« Erlaubnis erteilt zu uuut ZLUjiiug ucL oiujxc viuuivunjuuiqujaji deren Angehörigen versah, da sich in Katharin-1 neuerlich verhaftet worden. luiinimtiiiiuiiiiinniiiiniiiiiniiiiniiiunuuiiiiimiiiiiiuiiiuiiniiiiniiiiiuiiiiiiiiiniuiiuiiuuiinnutimiimniiiiininnnnmnniiiiniinniHunmuuiunmuiiininnimnnnnniiiiiiuinniuiinnuiinniHuii] bar über dem Unken Auge zwei Bajonettstiche zugefügt. In diesem Augenblick griff auch der zweite Nazi, Weißer den Genossen V o l k e an. Es kam zu einem Handgemenge, und nur der Umstand, daß dem Genosten Herden sofort ein Jlot- verband angelegt werden mußte, ermöglichte cS den Fascisten, sich der sofortigen exemplarischen Bestrafung durch die Flucht zu entziehen. Weitere Aktionen, die von feiten ihrer Kameraden allem Anscheine nach geplant waren, unterblieben daraufhin. Die Angreifer hatten offenbar damit gerechnet, daß sie nicht erkannt werden würden. Tarin hatten sie sich aber schwer getäuscht. Eine Reihe von Genossen verfolgte sofort ihre Spnr nnd in den frühen Morgenstunden wurden die Täter bereits von der Gendarmerie verhaftet. Die Gewalttaten der Braunaucr Fascisten wüsten für die ganze Arbeiterschaft Ostböhmens ein Alarmruf stin. Heute war es Braunau. Morgen werden die Hillerschufte ihr mörderisches Handwerk im Trantenauer oder Hohenelber Bezirk versuchen. Deshalb erfordert die Zugehörigkeit der sozialdemokratischen Partei, die Zugehörigkeit zur freien Gewerkschaft, die Zugehörig- leit zur proletarischen Gcnostenschaft, die Zugehörigkeit zu den proletarischen Sport- und Kulturorganisationen die a k t i v st e Betätigung gegen die farcist! schen Hord en. Es heißt, sich stündlich besten bewußt sein, daß der Hakenlreuzfascismus in diesem Staate nur darauf lauert, uns, die llastenbewußte Arbeiterschaft, genau so niederzumetzeln, wie dies mit dem reichsdeutschen Proletariat geschah. Wir müssen aus den deutschen Ereignistcn lernen! lernem«mrervnirn ansranoum« vriese mrwaqri»Mutt hatte, ist nach der offiziellen Lesart geflüchtet, sstellt Frau Lcipart war die ornriae, der eS glückte, ihren Mann zi» sehen, obwohl die Umstände so waren, daß eS vielleicht bester aeivesen wäre, wenn sie ihn nicht gesehen hätte. Fran Leipart befand sich bereits einig« Stunden im Hauvt- bureau der Polizei, wo sie nachforschte, wohin Leivart eigentlich gebracht worden sei, nachdem üch der Bericht, daß er in einem Krankenhaus liege, als Lüge erwiesen h n t t e. Niemand konnte ihr Auskunft geben. Die Beamten, die st« von früher kannten rind d-e ihr gerne geholfen hätten, durften«S nicht. Zu guter Letzt erzählt« ihr einer, daß Leipart unten im Hof mit einigen andern„angetreten" staird. um verhört zu werden. Frau Leipart lies sofort hinunter und kam aerade zurecht, um zu sehen, wie die SA.-HilsSvolizei di« Gewerkschaftsvorstände d-e Trevpen hinauf jaat«, L-ivart erlitt einen Schwächeantall nnd fiel über die Treppe hinunter. Er blieb bewußtlos liegen und erst nachdem feine Fran ihm zu Hilke geeilt war und nm ein GlaS Wasser für ihren er- schövften Mann stebt«, kümmerte man sich ein bißchen nm ihn. Freitag gingen nun die reicn zu Ende. Leivart und Grgßmann nun tatsächlich in das Krankenhaus deS aefängnistes gebracht, nnd die andern, wenigstens infoferne es di« Berliner bctristt, sitzen in Plötzenfee und sind in den Händen von G-fänq- niSaufsehern, di« noch aus dem alten Regime stammen. Die Verhaftung der deutschen Gewerkschafts führer vollzog sich in anderen Formen, als eS au« der Mitteilung der Regierung zu ersehen war. ES schien, als ob die SA., die di« Vor- stärrde gefangen nahm, den Auftrag erhalten hätte, höflich und ohne Gewalt aufzntreten und so entstand der Eindruck, daß eS auch weiterhin so gehen sollt«. Ja man schien so voll Sorge um daS Befinden der Vorstände, daß Lcipart und Graßmonn, wie berichtet wurde, nicht ins Gefängnis, sondern in ein Krankenhaus gebracht wurden. Die Wirklichkeit sah aber ganz anders auS. In erster Linie ist es eine Lüge, daß in Deutschland nur 50 Vorstandsmitglieder verhaftet wor den seien. Es wurden einige Hundert Haupt- und AbteilunaSvorstände gefangen ge nommen. Allein im Gefängnis von Plötzen- fee bei Berlin sitzen schon hundert M a n n. Di« Frauen der Borstandsmitalieder muß ten tagelang verzweifelt hernmlaufen— mau hat so konsequent all« Männer weg verhaftet, daß fast kein einziger Mann übrig geblieben ist, der den Frauen mit Rat und Tat bestteben könnte. Rechtshilfe können di« Frauen nickt be kommen, weil auch die Advokaten des ADGB und der Fackvcrbändc gleichzeitig verhaftet wor den sittd. In den I große Anzahl von ! nären, die andern. verschwunden, weil waren. Di« Frauen bemühten sich tagelang zu erfahren, Männer binaekommen waren, oder einen Bestich bei den Verhafteten durchzusetzen. Die Frauen wurden bei der Polizei angescknauzt und beka men zur Antwort, daß man kein« Auskünfte gebe, daß st« nicht wieder zu komme» brauchtet, daß ihre Männer nickt freikämen, daß man ent deckt habe, daß ihre Männer Fälscher seien nick verurteilt werden würden.„Und die andern, die kommen würde in einem werden, mit den Männern tvenigstenS sprechen... Ein neues„Su’el“. Ein sicheres Vorstandsmitglied der Gewerk schaft, Spliedt. wurde zu solaendem„Spiel chen" aebrancht. Ein paar SA-Mitglieder stell- . ten sich mit vorgehaltenem Revolver vor ihn 1 mnn]innmHmmHUinmiiiumiuiiuuiuiiuuuiiniuuiwumuituuuuii(iiiuuiuiumuiuiiuuuiiiiiinnniiiiiiininiiiuiiiiiiiimnniniiiiiniiniiiiiinniiiiiiitiniiiiininniiiiiiiiiiiiiiiinniiiiiuiiiiiiiiHiiiiini Der Krieg Im Osten. New Dork, 17. Mai. Die New Dorker Bt« ter berichten aus Peiping, daß die chinesische!: Militärabteilungen bisher den wichtigen stratc gischen Pllnkt, die etwa 40 Meilen nördlich von Peiping liegende Stadt Mijun- Hsicn, halten konnten, gegen die die Japaner scharfe Angriff« durchführten. Die amerikanische Mistion evakuierte di« amerikanischen Mittelschulstudenten sowie deren Familien in Tungtschau, 12 Meilen östlich von Peiping. In Peiping selbst herrscht immer noch Erregung und Tausende von Bewohnern der Stadt flüchten auS der Stadt gegen Süden. Di« neu«« Bolköschul-Lehrpläue perfekt. Am 16. Mai fand im Ministerium für Schulwesen die Schlußberatung über die Lehrplan-Entwürfe für die Volksschulen statt. Di« Beratung eröffnete ÄktionSches Dr. Müller und leitete Obersektionsrot Tr. Keprta. Der Minister für Schulwesen Dr. Dörer, der auf Einladung der Teilnehmer zur Beratung erschien, versicher'e den Anwesenden, daß er bestrebt sei, in allen wichtigen Schul- sragen im Einklang mit der Lehrerschaft zu arbei- ten, und daß auch die neuen Entwürfe als gemeinsames Werk der Behörden urrd der Lehrerschaft sicherlich zum Fortschritt des Schulwesens im demokratischen Geiste beitragen tverde. Die Beratung nahm die von den einzelnen Korn- Missionen auSgearbeneten Vorschläge an, io daß die neuen Entwürfe nach der endgültigen Regelung rechtzeitig werden verkündet werden können, damit vom Beginn des nächsten Schuljahres nach ihnen unterrichtet werden kann. Der Sicherheitsdienst im schlesischen Grenzgebiet Der mährische Landesvizepräsident Böhm unternahm am 16. Mai eine Inspck:ionSreii« im Jäyerndorser und Freiwalüauer Bezirk, um sich Persönlich von den Sicherheitsverhältnisten in diesem Grenzgebiete zu überzeugen. Nach der Amtshandlung am Sitze beider Bezirke bereiste er die Staatsgrenzen, um an Ort und Stelle die ordentliche Kontrolle der Grenzen zu sichern. Hiebei hat'« der LandeSviPepräsident Gelegenheit, sich nicht nur über die Verhältnisse bei den Grenzgendarmeriestationen, kondern auch bei der Bevölkerung selbst über die Berhältniste zu informieren. (0PB.) Zur Verhaftung des Arbeiters Emil Mit- he iS wird anS Brux berichtet: Mitheis begab sich um 7 Uhr abends nach Oberlochmühle, um sein Fahrrad reparieren zu lasten. Am Rückwege wurde er von zwei SA-Leuten angesprochen, dre ihm bis nahe der Grenzbrücke begleiteten. Dortselbst gesellten sich"zwei SA-Leute zu ihnen und die vier Mann wollten nun Mitheis verhaften. Dieser seht« sich zur Wehr und wurde von den vier SA-Leuten mit Gummiknüppeln bearbeitet. Diesseits der Grenze standen unsere Gendarmen, die aber nichts unternehmen konnten, da sich der Sette 4 Donners tag. 18. Mai 1983 Nr. 116 i.i Angeblich arisch T agesneuigheiten der Dfe Du sollst nicht lüfte«' Nock)»je ist im politischen Leven der bürgerlichen Parteien die Lüge und Verleumdung mehr angewandt worden als jetzt. Um Stimmung, zu erzeugen wird, wenn gute'Argumente mangeln, einfach gelogen. Auch die chrisilichiozialc Presse bedient lich, entgegen den Geboten der katholischen Religion, sehr gern und ost der Lüge, besonders dann, wenn es gilt für irgend eine Sache zu agitieren. To lesen wir in der Frettagausgabe der „Deutschen Presse" in einer fettgedruckten Notiz, die zu reger Beteiligung an der Männertagung am 31,•—•...— Führer rufen; wir wollen Folge leisten! Unsere Heimat darf nicht von der Gottlosigkeit erobert werden.... „Sprengt die Kirchen in Nieder mit den P fassen! len wir sehen!'.“.. einigen roten Kundgebungen in Kassetten gelegt und im Walde in der Umgebung von Brünn vergraben. Die unterschlagenen Beträge erreichte» eine Höhe von 8,648.897 K. Eine Revision im TabakverkausSamt brachte die betrügerischen Machinationen an den Tag und die Täter wurden verhaftet. Nach längerem Leugnen waren sic geständig. Der Brünner Polizei und Gendarmerie gelang eS nach mehrtägigem Suchen die vergrabene Kassette zu finde« uild auf diese Weise einen Betrag von 5,393.006 zustande zu bringen. Heute hatten sich nun Franz 8 i m a 8 c k, Marie KkiLak, Karl KriLak und Eduard A n d r l e vor dem Strafsenat des Brünner Strafgerichts zu verantworten. 8 ima 8 ck erklärte vor Gericht, daß er sich schuldig fühle, aber nicht in dem Maße, als ihn die Anklage belaste. Er versuchte die Hauptschuld auf die KkiLa k zu wälzen, die die eigentliche Initiatorin deS ganzen Planes gewesen sei. Er selbst hat sich als Legionär dagegen gesträubt, die Republik zu bestehlen. Er habe wohl die Fälschungen geduldet, durchgeführt habe sie aber die K r i S a k unter Assistenz ihres Sohnes. Er habe immer gctvarnt, doch habe die KkiLok betont, daß die Fälschungen durchgesührt werden müssen und daß kein anderer Ausweg vorhanden sei. Sein Schwager A n d r l e habe das Geld nur versteckt, um ihm zu helfen. Einen materiellen Nutzen Hobe er davon nicht gehabt. Die KriLak erklärt sich gleichfalls schuldig, doch sei die Initiative zur Tat nicht von ihr, sondern von 8 i m a 8 e k ausgegangen. Sic haben die Fälschungen dann allein ohne Hilfe ihres Sohnes durchgesührt. Wenn 8 i m a 8 c k jetzt oussagt, daß ihr der Sohn geholfen habe, dann tut er dies nur, um sie in ihren heiligsten Gefühlen der M u t t c r l i e b e zu treffen, aus Rache, daß sie nicht die ganze Sache auf sich genommen habe. Sie habe mit ihrer Tat nur das Unternehmen rette» wollen. Karl KriLak erklärte, daß er das Geld nur deshalb versteckt habe, um der Mutter zu helfen. Er habe wohl von allem gewußt, habe aber an den Fälschungen nicht teilgenommcn. A n d r l e will das Geld ebenfalls nur aus dem Grunde vergraben haben, um seinem Schwager zu helfen, ohne daß er selbst daraus einen Nutzen gezogen hätte. Die Frage des Vorsitzende», ob nicht irgendwo ein Betrag noch versteckt sei, wurde von Andrle verneint. Sämtliche Angeklagte wurden schuldig gesprochen und das Gericht verurteilte Franz 8ima8ek und Marie KriLak zu je drei Jahre« und Eduard Andrle und Karl KriLak zu je zehn Monaten schweren Kerkers. Sämtliche Angeklagte nahmen die Strafe an. Karl KriLak wurde auf freien Fuß gesetzt, da ihm für die restlichen zwei Monate, die er noch zu verbüßen hat, ein Strafaufschub gewährt wurde. 8in Rekordsaufer. Fergussen Falls(Staat Minnesota"), 17. Mai. Ein Bürger der Stadt Fergussen Falls ging die Wette ein, er werde im Laufe von sechs Stunden 42 Pints Bier, das sind etwa 20 Liter, austrinken. Wie die Blätter melden, und. wenn wir uns einige Ruse, wie: die Lust! B l ut w o 5» _ vor Äugen halten, die bei ' t Ostböhmen aus- gejtößen wurden, dann erkennen>vir die Gefahr." D>c Notiz ist von„Johann Harlig" gezeich net. Der Mann weiß zweifellos, wann und wo diese Drohruse ertönten. Er wird, wenn er'als anständiger Mensch und nicht als gewissenloser Lügner dastehen will, leine Behauplunaen ein-1 ivurdc der Man» vor Jahren Weltchanipion im wandsrei belegen inüssen. Tut er daS nicht, dann K a f s e e t r i n k e n. Damals trank er im Laufe ist nicht nur er. londeru auch Las Zentralorgan von drei Stunden fünf Gallons Kaffee aus, das der christlichjozioten Partei gerichtet. sind etwa 30 Liter. Fabrilsbrand. Rotterdam, 17. Mai. Infolge einer Explosion einer großen Ballonflasche mit Aether im Keller einer hiesigen Fabrik Pharmazeutischer Er- zcugnisic brach gestern ein Brand aus, der so schnell um sich griff, daß in wenigen Minuten das ganze Gebäude in Flammen stand. Die Arbeiter suchten sich eilends in Sicherheit zu bringen. Sechs im Keller beschäftigte Arbeiter liefen mit brennenden Kleidern aus die Straße. Biele mußten über die Dächer flüchten. 28 Person e n wurden verletzt und ins Krankenhaus geschafft. 13 konnten nach ärztlicher Behänd- lung wieder entlasien werden. Bier Verwundete befinden sich in besorgniserregendem Zustande. Die sofort hcrbeieilende Feuerwehr konnte wegen der sich entwickelnden Giftgase nicht an den Brandherd herankommen und mußte sich auf den Schuh der anliegenden Häuser beschränken, die ebenfalls schwer beschädigt wurden und geräumt werden mußten. Tas Innere Fabrik bietet ein Bild der Vertvüstung. Der Kampf der Farmer. Thawano(Staat Wisconsin"), 17. Mai. Nationalgorde und mehr als 400 besondere Polizeibeamte wurden in der Stadt und Umgebung zu- sammengrzogen, um dem erwarteten Angriff von 10.000 Farmern entgegenzutreten. Te Lage war sehr gespannt, um so niehr als die Polizei sicher war, daß sie deni Ansturm der Farmer nicht werde Widerstand leisten können. Bei den an einigen Stellen der Stadt erfolgten Zusammenstößen wurden viele Personen verwundet. Mai in Trautenan aufruft. u. a.:„Ti Um Gafva und Kobsinek. Brünn, 17. Mai. Vor dem TtaatsgerichtShos in Buünn setzte heute Gerichtsvorjihender Doktor Borickx die Verlesung der Aussagen des angeklagien Rudolf Gajda voni 8. Mai d. 6. fort. Nach Verlesung der Protokolle meldete sich der Angeklagte Gajda selbst zu Worte und schloß ihnen einige Bemerkungen und Erklärungen an. Hieraus verwahrte sich der Angeklagte Kobsinek dagegen, von Irgend jemand in Brünn in angeheitertem Zustande gesehen worden zu sein. Ferner sagte er aus, mit Gajda mehrmals im Auto gefahren zu sein. Di« fascistische Legitimation hatte ihm Mürinka von der Prager Zentrale ausgefolgt. Der Angeklagte BarLk erklärt, die Einheiten hätten die Pflicht befeffcn. die Beförderung der Redner zu besorgen, die zu den Versammlungen mußten Kobsinek hätte sich selbst mit seinem Auto für derartige Fahrten ongeboten. und Gajda soll ihn darum niemals ersucht haben. Der Angeklagte Gajda erklärt noch, Kobsinek niemals betrunken gesehen zu haben. Er reproduzierte bloß in seiner Aussage das, was man damals nach der Mitteilung Dr. Pcrglcrs untersucht habe. Mit dem Auto fuhr er mit Kobsinek etwa zweimal zu einer Verfamm- lung, und zwar noch mit jemand anderem. GcrichtSvorsitzcnder Dr. BoLiekv gibt hierauf bekannt, daß die Aussage Kobsineks vor dem Slaois- gcrichtShof morgen in Anwesenheit der Psychiater verlesen werden wird. Weiter teilt er mit, daß die Akten über Bketistav Ttöhula sowie eine Zuschrift des Landrsmiliiärkommando» in Brünn vom 18. Mai l. I. eingelangt seien, die einig« Behauptungen vor dem Gerichte betreffen, afS ob Kobsinek mit der 6. Division im Sinnt der Berichterstattungstaiigke t in Beziehungen stand. An der Zuschrift heg Landesmilitärkommandos wird erkört, Kobsinek sei niemals alt Agent für den BerichterftaitungSdlenst angestellt worden, er sei auch niemals durch die Militärverwaltung für öhnlich« Dienste entlohnt und es sei mit ihm auch nicht über Angelegenheiten verhandelt worden, über di« im Protokoll gesprochen wurde. Im Jahr« 1932 wurde sestgestellt, daß sich Kobsinek auf Beziehungen zum Nachrichtendienst berufe und aus diesem Grunde wurde ihm der Zutritt zu Militärformotlonen verboten, die selbst auch hierauf zusätzlich aufmerksam gemacht wurden. Im weiteren Verlaus der Verhandlung wurde der Befehl des Äreischefs der Jungmannschasten in Brünn, K. Jareii, verlesen, der rein militärische Form hat. Dazu bemerkt Gajda, eS handle sich um eine Jndividnalaktion, mit der weder er noch die Prager Zentral« etwas gemeinsam hab«. Wetter verlas Senalsmitglied Dr. Prochazka einige Brief«, die bei Rudolf Gajda beschlagnahmt wurden, und in welchen das gegenwärtige Ncgicrungsregime scharf kritisiert wird. Gajda wird darin aufgesurderl, zu der radikalsten Taktik zu greisen. Gajda lehnt die Verantwortung für diese Briese ab, da er auf dl« Schreibweise vcr'chüdener Leut« keinen Einfluß auS- üben könne. Vor der Verlesung des Organisa'ivnS- staiuts der Fasciftenpartci erklärt Gajda. daß dieses bereits sieben Jahre alt, ausgehoben und durch ein neues Statut ersetzt worden sei. Hieraus läßt Vorsitzender Tr. VoLick)- einen umfangreichen Brief des Redakteurs Leblock mit dem Titel„Fascistischer Staat' verleien, womit di« heutige Verhandlung beendet wurde. Brünn, 17. Mai. Im September vorigen Jahres erregte eine BetrugSaffärc, die im Brünner Tabakhauptverlag aufgedeckt wurde, größtes Aufsehen. Durch eine Revision int Ta- bakvcrkaufSamt wurde konstatiert, daß die tsche. choslowakischc Tabakrogic durch betrügerische Ma chenschaften der leitenden Personen des Brünner Tabakhauptverlages um Millioncnbeträge geschä digt wurde. Seit dem Jahre 1924 wurde der Tabakhauptverlag von dem sechsunddreißigjähri gen Invalide» Franz 81mo 8 ek und drei weiteren Invaliden geführt. Der tatsächliche Leiter war 8 i m a 8 c k selbst, der gemeinsam mit der Gattin des einen Invaliden Marie KriLak das Geschäft führte. Die Waren wurden vom Brünner Haupkverkaufsamt bezogen, und zwar auf die Weise, daß sie zuerst bei der Post per Erlagschein bezahlt und dann erst gegen Bor weisung deS Erlagscheinabschnittes im Verkaufs amt gefaßt wurden. Der Verdienst des Tabakhauptverlages be trug ungefähr 260.000 K jährlich. Trotzdem ver fügte das Unternehmen aber nie über ausrei chende Barmittel und die Leitung des Verkaufs amts kam den Invaliden auf die Weise entgegen, daß sie ihnen die Ware immer Vormittag aus folgte und damit einverstanden war, daß die Be zahlung erst Nachmittag erfolgte. Als aber ein neuer Direktor die Leitung deS BerkaufSemtcS übernahm, wurde diese Begünstigung wieder rück gängig gemacht und der Tabak nur gegen sofor tige Bezahlung auSgefolgt. 8ima8ek und die KriLak bewogen nun einen Postbeamten dazu, daß er ihnen den Emp fang viel höherer Betrage bestätigte, als sie tatsächlich zahlten. Allerdings wurde der Restbetrag immer sofort am selben Tage dem Postbeamten gebracht, so daß von einem eigentliche» Betrug damals noch nicht die Rede sein konnte. Schließlich weigert« sich aber der Postbeamte diese Manipulationen weitcrzuführen und nun mußten 8 i m a 8 c k und die Kf i i a l einen Ausweg suchen. Sic fanden ihn in der Art, daß die KriLak den Poststempel aus dem Erlagschein fälschte und nun mit diesen falschen Be stätigungen die Ware abholte. Ende Juli des vorigen Jahres besprachen sic in der Wohnung der KriLak bei Anwesen heit des Sohnes der K k i L a k, Karl, daß sie die eingelausenen Beträge überhaupt nicht mehr abliefern und mir die gefälschten Gcldbcstätigungen überreichen würden. 8ima8ek betonte, daß er im Falle einer Ent- bedang alle» auf sich nehmen und Wahnsinn simulieren würde. Tatsächlich ließen sich die KriLak und ihr Sohn überreden und das cingelaufene Geld wurde von nun an nicht mehr abgeliefert, sondern von dem jungen KriLak und 8 i m a 8 e k s Schwager, dem zweiunddreißigjährigen Kaufmann Eduard Andrle, in eigens für diesen Zweck gekauften uiiiuiiiiiiiiuinuniniiniiiimiinniiimiinnninnmniinninniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiuuniiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiniiiiiiiiiuiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiinini»Hnuiiinn Das neue Gebäude des Böhmischen Landesarchivs in Prag- Hradäanh, Belcrediho ul., wurde gestern eröffnet. Die Feier eröffnete Lan- dcspräsioent Dr. S o b o t k a. Tas neue Landesarchiv wurde mit einem Aufwande von 10 Millionen K6 im Juni des Vorjahres fertiggestellt. Das Gebäude umfaßt mit den. Lagerräumen sieben Stockwerke. Das böhmische Landesarchiv wurde auf Anregung Franz Palackh» im Jahre 1862 als amtliches Archiv des Landes Böhmen und zugleich al» wissen- s ch a s t l i ch e s Institut zur Unterstützung urtb Förderung der böhmischen Geschichtsforschung begründet. Im Archiv sind u. a. hinterlegt: das Kron-Archiv mit 2910 Dokumenten, das al:c Stände-Archiv, 88 Bücher des böhmischen Landtages, des Landcsausschuffcs und der Landesbehörden, der Landeskataster, die Register deS Appellationsgerichtes, Grundbücher usw. Außerdem befinden sich im Archiv rund 22.000 Bücher und"-Handschriften, über 21.000 Landkarten, Studien, Faszikel, im Kron-Archiv die wertvollsten Bullen, Privilegien und Urkunden aus den ersten Jahren der Geschichte des Landes, so u. a. die Urkunde, datiert aus Regensburg aus dem Jahre 1158, mit welcher König Friedrich I, dem Fürsten Bladislav das Recht zum Tragen der Königskrone erteilt, ein Revers aus dem Jahre 1374, mit welchein die brandenburgischen Städte mit Berlin an der Spitze, dem böhmischen König Karl IV.. und seinen Söhnen Treue gelobten, päpstliche Bullen, von tschechischen Dokumenten die Konfödcrationsurkunden der böhmischen, mährischen, schlesischen und Lausitzer Stände gegen Ferdinand ll. aus dem Jahre 1619 mit einer großen Älengc von Ständcsiegeln, das Original des Oktoberdiploms vom 20. Oktober 1860 mit der tschechischen Unterschrift des Kaiser Franz Joses l. und das Original deS kaiserlichen Reskripts Franz Josef I. an deit böhmische» Landtag, in welchem der Kaiser verspricht, sich alS böhmischer König krötten zu lasten und die staatsrechtliche Stellung der böhmischen Krone anzuerkennend DaS Schandurteil im Brester Prozeß aufgehoben. Am 9. Mai fand vor dem Obersten Gerichtshof in Polen daS KaffatürnSverfahren im Bvester Prozeß statt. Der Oberst« Gerichtshef hat der Nichtigkeitsbeschwerde der zehn Führer der Lücken und des Zentrums, die seinerzeit im Militärgefängnis von Brest-Litowsl grundlos cingekcrkcrt und gefoltert worden sind, und Vorn Rtmdhtnk Empfehlenswertes aus bett Programmen. Freitag: Prag: 6.16 Gymnastik. 11.00 Schallplatte». 17.08 Kammermusik. 1828 Deutsch« Sendung: Dr. Koberg: Dom guten Deutsch.— Brünn: 16.10 Orchasterkonzert. 1826 Deutsche Sendung. 19.28 DorfblaSmusik.— München: 90.00 Orchester- konzerl.— verltn: 20.30 Weg zur Oper.— König», berg: 20.10 Othello.— BreSlau: 20.00 Sinfonie.— Frankfurt; 22.46 Orchesterkonzert.— Langender-: 20.10„Wenn Liebe erwacht", Operette.— Wen: 19.00 Arien und Lieder. 20.10„Die Verliebten'. Komödie von Goldoni. am 11. Feber wegen Versuches des gewaltsamen Sturzes der Regierung im Aua. 1930 zu anderthalb bis drei Jahren GefängmS verurteilt war. den waren, Folge gegeben. Der Prozeß wurde an daS Berufungsgericht zurückverwiescn. Unerwarteter Erfolg bei einer Haussuchung. Mittwoch hat die Gendarmerie und Polizei n, Nachod bei einer Reihe von Personen, die der antistaatlichen Tätigkeit verdächtig sind, Han», durchsuchungen vorgenommen, deren Ergebnisse noch nicht bekannt sind. U a. wurde auch bei dem Betriebsingenienr Karl Max Reinhold, der reichsdcutscher Staatsbürger ist, eine Hausdurchsuchung vorgcnommen. Man fand bei Reinhold eine große Menge gestohlener Waren im Werte von einigen Tausend Kronen. ES wurde festg«. stellt, daß Jng. Reinhold Jahre hindurch seinen Arbeitgeber, die Firma Eduard Docior, mechanische Spinnerei in Nachod bestohlen hat. Rein- hold wurde verhaftet und dem Gerichte eingc- liefert. Der Wiener Stadtschulrat erteilte am 17. Mai den höheren Klaffen der tschechischen Realschule und des Realgymnasiums des Vereine» Kamensky das OeffentlichkcitSrccht für die Schuljahre 1932/33 und 1983/34. Dies geschah nach heftigem Protest der Nationalsozialisten, Groß, deutschen und Chrfftlichsozialen. Polnischer Journalist an der ReichSgrenzc verhaftet. Die deutsche Grenzpolizei in Brom- berg verhaftete den Berliner Berichterstatter des polnischen BlattcS„Illustrowany Ktlrier Codzicnny", T a d e u s z Heller, der nach Berlin fuhr, nm sich als Berichterstatter an der gestrigen R c i ch s t a g s s i tz u n g zu beteiligen. Heller wurde verhaftet, obwohl er einen ordentlich-gültigen Paß vorwies, der auch mit dem Visum der Berliner Behörden versehen war und obwohl er sich mit der Legitimation der Internationalen Journalistenföderation sowie auch mit einem Ausweis auSwcisen konnte, der zum Betreten des ReichstagsgebäudcS berechtigt. Heller wurde nach der energischen Intervention der polnischen Grenzpolizei in Freiheit gesetzt. Druckfehler. Im Text zu unserem in der gestrigen Ausgabe enthaltenen Bild soll«» nicht heißen gemordeter, sondern gemarterter Arbeiter. Nachspiel. Aus 11 n g.-H redlich wird un» goschriebm: In der Nähe der Stell«, an der am 7. März von dem Verbrecher Frantiiiek O n d r»l di« beiden Gendarmen Sitek und Svoboda«r- schosten worden waren, wurde nunmehr im Wald- beben vergraben das Gewehr d«S Sitek gefunden da- von OndrSS auf seine: Flucht nach Uhklee ker- groben worden war. Warnung! Ein gewisser LadiSlouS M a t h«i»l, etwa 40 Jahre alt, schlank, mittlere Größe, kränklicher Aussehen, bereist seit Wochen Nord- und Nord- wsstböhmen und hat unter Vorspiegelung falscher Tatsachen von verschiedenen Organisat'onen, Privatpersonen und auch Firmen Geldbeträge herauSgelolki. Da MatheiSl Papierarbeiter war und Beziehungen zum Fabrikarbeiterverband wie auch zu einigen Firmen der Papierindustrie hatte, nützt er dies« Beziehungen und Branchckkenntnist« in betrügerischer Absicht auS. Als Legitimation dienen ihm hiezu besonders einig« Brief« des Fabrikokbeiterverband«?, die ihm dieser wegen Posteiwer'chafsung schrieb Alle Organisationen werden vor MatheiSl gewarnt und ersucht, ihm Unterstützungen zu verweigern. Der schwedische König läßt wissen. Bor einigen Tagen traf in Stockholm der Journalist Doktor Boghs vom Vorstand des Reicheverbandes der deutschen Presse in Berlin ein, um im Auftrage des Reichskanzlers Hitler die notwendig erscheinenden Aufklärungen über Deuffchland zu geben. Der Empfang deS Herrn Boghs in der schwedischen Hauptstadt war in- dessen ebenso unfreundlich, wie der seines Kollegen Rosenberg in London; man gab sich in Stockholm nicht die gerntgste Mühe, um zu verheimlichen, daß das neue Deutschlaich in Skandinavien aus keinerlei Sympathien rechnen könne. Im Gegenteil: die schwedische Sonntagspresse veröffentlicht in sensationeller Aufmachung folgenden Vorfall: als kürzlich der schwedische König in Berlin weilte, nahm er, ein leidenschaftlicher Tennis-Spieler, Gelegenheit, unter anderem auch mit dem Tennismerster Prcnn zu spielen; da Prenn Jude ist, wurde derselbe .Herr Boghs von der deutschen Regierung beauftragt, dem schwedischen Botschafter in Berlin mitzuteilen, ine Tatsache, daß der König in Berlin mit einem Juden spiel«, würde in Deuffchland peinlichstes Aufsehen erregen und man solle den König veranlassen, dies in Zukunft im Interesse der deutsch- schwedischen Beziehungen zu unterlassen. Der schwedische Botschafter habe hierauf in kategorischer Form erklärt, daß der„König von Schweden ti etzt und immer ablehne, feite ns der deutschen Regierung Vorschriften ür sein Verhalten entgegenzu- nehm« n". Jk. 11« Donnerstag, 18. Mai 1883 Leu« 5 ELI DA KAMILLOFLOR SHAMPOO einen i ftetrieben, ober Dann«, in ba» kühle Waj^ic deS großen kreis-i AIS fast drei Jahr« verstrichen waren, würbe d!e, tänze runden marmornen Babes mit dem kristallklaren| inutze Frau eines Tages beim Dlumenpflucken f zollt. der Ein diesen Haven die Tie ein solches llr- un» besonders Sarra» t. Die Sozialistische Partei Irrankreichs orga- nistert gegen dieses unerhörte Urteil eine Ver- saminliinqskampagne. 994 sich ten, ge»„ einer Infektionskrankheit zu tun zu haben. Ganze Familien wurden von der Seuche ergriffen. In den Spitälern und Klöstern wurden viele geheilt, einfach dadtlrch, daß man ihnen eine besser« Kost und Weizenbrot reicht«. Durch sieben Jahrhunderte blieb di« Ursache der furchtbaren Krankheit unerkannt, trotz der hier und dort immer w'eder aufflackernden Epidemien. Trotzdem der französische Arzt Dodart im Jahr« 1680 di« Ursache feststellte und seine Befunde in einem Briefwechsel mit der französischen Akademie der Wisienschasten Publizierte, dauerte«S noch ganze zwei Jahrhunderte, bis seine Ansicht allgemein anerkannt wurde und man zu ernsthaften Bekäinpfung-maßnahmen schritt. Heute ist cS natürlich möglich die Krankheit mit Sicherheit zu verhindern, einfach dadurch, Leistungen der Union der Bergarbeiter. Wi« wir dem letzten„Glückauf" entnehmen, hat die Union der Bergarbeiter in der Zeit vom 1. Jänner bis 81. März 1933 an Arbeitslosenunterstützung ouSbezahlt: Gewertschaftliche Unterstützung rund 100.000 K, StaaiSbeitrag fast 400.000 K, zusammen also fast«in« 54 Mill. K. Seit dein Jahre 1920 hat die Union der Bergarbeiter für ihre arbeitslosen Mitglieder allein aus ihren gewerkschaftlichen Mitteln über 5.816.000 K und seit 1925 an StaalSbeiträgen 5,818.700 K ausgezahlt. Insgesamt hat die Union von 1920 bis Mär; 1933 an Arbeitslosenunterstützung dir Summe von 11.634.700 K auS- ge zahlt. : Saatgut verweridet, das mutter- Man reinigt das Saatgut mit Hilfe *■' u‘-—i Mutterkörner nicht gehegten kalten, nrit ruhigem Kopf Grausamkeit. Und daS allein genügt, mit Abscheii zu erfüllen. WaS sind denn die Berbrccheii, Unglücklichen zur Last gelegt werden? an den Landarbeiternnruhen vor drei Jab''-" teilgenommen. Die Anklage hat auS zweien' ihnen kommunistifckte Agenten gemacht. Es mrßer Zweifel, vag der Kommunismus in Indochina gearbeitet hat. Wie im übrigen Asien. Aber meines WisienS kommt der KommuniSntnS noch nicht als Verbrechen in unfern Strafgesetzen vor. Man hat ihnen Gewalttaten und verbrecherische Attentate zur Last gelegt??lber ist der Beweis Zerbracht, und— zugegeben, er sei erbracht,— gab eS keine Entschtildigung für ihren Aufstand? Sind Elend und Hunger nicht wenigstens mil» dernde Umstände? Wir sehen eS jeden Tag hier in Frankreich, wie die ordentliche Justiz„die I schändlichen Gesetze" handhabt, welchen Strafen leinen der Verdacht des Kommunismus aussrtztk iWaS ntgg erst da unten voraeganqen sein, fern von der Kontrolle einer aktiven öffentlichen I Meinung, vor einer besonderen strafkolnmission, I d«e nichts andere- ist, als ein AuSnahmraericht? I Wir können eS nur nach dem Ergebnis bem tei- I len. Für diese Angeklagten von Saigon harten I wir eine Autucstic gefordert und nun werden I sie vor die ExekutionSmannschaft I inS Gefängnis geworfen. DaS Gewissen weigert sich, I teil anzuerkennen. Wir wenden Ian Daladler und an Albert I Wir nrachen unfern Appell öffentlich, ob ihn I nun die einen als«irren Aufschrei der(zzerech- I tigkeit, die andern als einen Schrei des Mitleids auslrgrn, daS ist rins gleichgültig. Für unS ist I nur der Erfolg maßgebend. DaS Urteil darf nicht vollstreckt Iwerden. Die Regierring muß unverzüglich den I Aufschub anordnen. Die Akten müssen angefor« I dert und in Paris geprüft werden. Eine unpar- I teiische Prüfung muß die Begnadigungen und die notwendigen Milderungen vorbrreiten. Ueberhaupt soll man unS nicht Argumente I entgeperrbalten, wie diese:„Eine unbarmherzige Unterdrückung ist notwendig. Man muß ihnen I Furcht einjagen. Der Schreckeri, den wir hervor» I rrrfen, ist— in Jndochina— eine der VorauS- setznngen rrnserer sichern Niederlassung..." I Denn damit würde man unS zu außerordent- lich ernsten Ueberlegringen und Schlußfolgernn- I gen veranlassen. Die Sozialistische Partei hat sich I niemals auf die These der sofortigen Räumung der Kolonien geeinigt. Sie war und bleibt ein« I Gegnerin der Kolonialerpeditionerr, im politi- I schen Recht und in der Tat. Maa Albert Sar- I rarit im jetzigen Augenblick die Weinbartern irn I Süden fronen, ob sie gerreiat wären, die Erobe- I rnng von Algier zu feiern? Aber die Sozialistische I Partei hat bis jetzt anerkannt, daß die voll» II zogen«« Tatsachen Schwierigkeiten nrit sich brin- I gen und verwickelte Verpflichtungen, die man . nicht mit einer Gelte wcgwischen kann. Wenn . wir wirklich das Ganze oder einen Teil deS II„Reiches" nicht mehr anders bewahren können, Mein guter Freurrd, der Gärt- Saigon dann müßten wir wirklich unsere The- •--' s«n entschlossen andern. Alles eher, als rnrter sol- ckren Umständen die.Herr«»« zu bleiben. Alles eher, als unsere Herrschaft durch den Mißbrauch der Macht rrnd durch Schrecken zu befestigen. Alles eher, als die fürchterlichsten BcrgeltungS- nraßrrahrnen vorznbcreiten für den Tag, an dem daS Gefühl der Unabhängigkeit acmig stark geworden sein wird. Tic Entscheidung der Regierung inuß in »os Verdikt von Saigon zP. G.) Aus Saigon zOndochiua) wir) gemeldet: D'e Annamiten, di« sich gegen den sranzöjijchen.UolonialimperialiSmuS aufgelchnt und au der Bauer'-.bcwrgung von 19'lO inte» 1981 teilgeno.nmen hatten, wurden cndi'ch nach fast drei-Fahren vor Gericht gestellt. Di« Strafen sind furchtbar: acht Todesurteile, 900 Jahre Zwangsarbeit, 18 Verurteilungen zu lebens» längl'ck-er Zwangsarbeit. DaS Urteil ist endgültig! Gegen diesen Rachcexzeß Les französischen Jmperialismu« wendet sich L 6 o n BI u m im„Populaire" vom 10. Mal: Man hat richtig gelesen: Acht Todesurteile» achtzehn Verurteilungen zu lebenslänglicher Zwangsarbeit, fast tausend Jahre der gleichen Strafe, freigebig verteilt au die diversen kleineren Angeklagten, das ist die traurig« Bilanz der Entscheidungen, die vom StrafgerichtShof gefällt wurden und die wir schon gestern in der ersten unmittelbaren Aufwallung der Entrüstung gekennzeichnet haben. Wohlgemerkt, alle Verurteilten sind Eingeborene, sind Annamiten. Diese unbarmherzigen Strafen sind di« Sühne für Taten, die vor drei Jahren begangen wurden. Sie werden verhängt nach drei Jahren Untersuchungshaft. Also gibt es nicht einmal die Entschuldigung de» ersten Augenblicks, de» spontanen Reflexes der Bertei- I digung, der einem das Gefühl einer unmittelbar drohenden Gefahr, der Wille, sie durch eine exemplarische Strafe zu ersticken, eingeben kann ... Wie haßerfüllt auch die Rechtfertigung sein mag, sie versagt angesichts dieser Umstande. Ta» | Verdikt von Saigon ist der Ausdruck einer lange überlegten um■—a um den Pilz den Winter hindurch am Leb«« zu erholten. Der naturgewollt« Vorgang ist nun d«r, daß diese Körner zu Boden fallen, wo sie den langen Winter über liegen bleiben. Im Frühjahr aber treiben sie kleine, rosenrot« Pilze, die zahlreich« Sporen erzeugen. Der Wind verweht dies« Sporen zur Zeit der Getreideblüt« auf die Rog- penöhren, wieder erkranken die Fruchtknoten, wilder bildet sich di« erstgenannt« Sporenjorm, die mit dem„Honigtau" von den Insekten verschleppt wird, wieder entstehen„Mutterkörner" — der Kreislauf ist geschlossen. Der Pilz, um den e» sich handelt, enthält ein ichwere» Gift, genauer gesagt,«ine Reihe von Pflanzenalkaloid«! von äußerst starken Wirkun- M auf den menschlichen Organismus. Da» Mutterkorn findet seit alten Zeilep pharmakologisch« Verwendung. Wie der Nanr« besagt, handelt «1 sich um ein Mittel, das in der Geburtshilfe Bcriveiidung fand und teilweise noch findet. Tie ttwähnlen Alkaloide haben nämlich di« Eigen- liimlichkeit, auf die Muskulatur mancher Organe, so deS Uteru» und der Blutgefäße zu wirken. Die Gebärmutter wird zu lebhaften Kontraktionen angeregt, d. h. e» werden Wehen auSgelöst. Darauf beruhte di« Anwendung in den letzten Sta- dien der Geburt. Man beschleunigt« di« Geburt durch Verstärkung der W«hentätigk«it. Gelegentlich wurde Mutterkorn auch al» ÄbtreibungSmit- tel angowrndet. Heut« verwendet man hauptsächlich Präparate, di« aus der Droge hergestellt we.den, und zwar erst nach der Geburt, als Blutungen stillende Mittel, nicht mehr während der- leiben, da chr« Wirkungen einer normalen burt eher hinderlich sind. Die Anwendung von Mutterkorn in Heilkunde reicht viele Jahrhundert« zurück, alte» Kräuterbuch aus dem Jahr« 1582 erwähnt ti zum ersten Male. Daß e» aber auch di« Ur- Iqch« von schweren, epidemischen Krankheiten sein kann, hat man lange Zeit außer Acht gelassen, obgleich schon im 17. Jahrhundert ein französischer Arzt darauf aufmerksam gemocht hat. Die al» E r g o t i S m u S, Heiliges Feuer, 8t. AntoniuSfcuer bezeichnet« Krankheit tritt ,n zwei verschiedenen Formen auf, die mcrkivürdigcr Weise selten bei ein und derselben Epidemie gleichzeitig beobachtet werden. Die ein«, wohl häuji- gere Form de» ErgotiSmuS wird al» Kriebelkrankheit bezeichnet; sie macht sich zunächst durch ei» eigentümliche» Kriebrln in d«r Haut von einem arabischen Gärtner beobachtet, der ihr dann seine Liebe erklärte. In den nächsten Wock)«n benutzte sie jeden Augenblick, weiln der Haremswächter nicht da war, um mit den» Gärt ner zu reden, der jung»nd stattlich war und mit dem sie nun einen Fluchtplan verabredete. Eine» Nacht-, als alle» still war, kletterte der Gärtner zu ihrem Fenster hinauf und gab da» verabredete Zeichen. Ein Wächter, der ein Geräusch gehört hatte und berbeicilte, wurde rasch zu Boden ge schlagen. Dann klettert« die junge Schöne aus dem Fenster und ließ sich von ihrem Freunde in die Freiheit führen. An der hohen Llußenwand, di« die Höfe umschloß, warteten drei seiner Freunde. Mit Hilf« einer Leiter gelangten sie dann nach draußen. „Ich weiß nicht, wann mein« Flucht entdeckt wurde. Ich hörte nie mehr etwa» von dem .Harem, und wenn man Verfolger nach nn» aus gesandt hat. so haben sie unS doch nicht erreicht. Wir ritten die ganw Nacht hindurch, rasteten am,.,-. nächsten Tage nnd setzten dann m der Nacht sü«, durch Unterdrückungen von der Art derer in unfern Weg fort... nrr, wagte sein Leben, als er nur bei der Flucht behilflich war, obwohl er wußte, daß wir nur Frennde sein könnten." Tatsächlich wurde er, kurz nachdem er di« junge Frau m Sicherheit ge bracht hatte, ermordet aufgefundeit, ein Beweis, daß dei Scheich sich zu rächen wußte. Die junge Fra» selber mußte viele schwer« Zeiten durch machen, ehe sie als Tänzerin Erfolg hatte, und manches Mal hat sie sich, wi« sie selber zugibt,,-„... gefragt, ob eS uicht klüger unb leichter gewesen dieser Hinsicht ein eindeutiges Zeugnis ablegen, war«, wenn sie ihr Leben»m Harem beichloflcn Wir fordern, daß sie sich der ganzen Tragweite hätte, aber die Lockung der Freiheit war zu über- dieser Entscheidung bewußt werde. mäch'ig. Jetzt scheint sic jedoch an ihrem Ziel' angelangt zu lein, da man ihr überall um ihrer. tänzerischen Leistung-m willen Bewunderung M. K. r... heit nach kürzerer oder längerer Zeit unter naben zum Tode. Die!« Form der Krankheit wurde besonder» in Deutschland und Rußloiü» wiederholt beobachtet, währeich di« zweit« Form überwiegend in Frankreich austrat: der brandig« Ergotismu» beginnt ebenfalls mit Ucbelkeit und Durchfall und endet mit brennenden Schmerzen(St. AntoniuSfcuer) und Brandiawcrden einzelner Glieder. Bei raschem Fortjchreiten de» Brande» tritt der Tod«in. Di« Dauer de» furchtbaren Leidens kann vier bis sechs Wochen betragen. Längst schon hatte man beobachtet, daß mindestens die«rstere Form hauptsächlich in den ärmeren BevölkerungSfchichten auftrat, deren Nahruüg, Milch, Butter und Eier fehlen. ES ist wahrscheinlich, daß di« Krankheit überhaupt nur bei gleichzeitigem Mangel eine» bestimmten Vitamin», da» in den genannten Nahrungsmitteln enthalten ist, auftritt. Schon im 16. Jahrhundert wurden Eier und Butter, di«, wie man heute weiß, besonder» reich an dem Vitamin sind, zur Behandwng der Kranken empfohlen. Hungerjahr« begünstigten den AuSbruch der Epidemien. ! Nach Chroniken de» 11. und 12. Jahrhundert» I soll di« Krankheit zum ersten Mal im Jahr«-857 in.Tanten epidemisch ausgetreten sein. Die große Epidemie in Aquitanien und Limoge» vom Jahre soll über 40.000 Opfer gefordert haben, die hauptsächlich au» dem Proletariat rekrutieroffenbar weil di« armen Leut« minderwerti- Brotmebl verwendeten. Man glaubte e» mit Springbrunnen zu tauchen. Und da di« andern Frauen sich über»rein kindliche» Entzücken freuten. begann ich»»ich gleich in meiner neuen Heimat wohlzufühlen. Natürlich rvar die Veränderung gegenüber dem Leben in meinem einfachen Elternhaus sehr groß. Ich»rar nicht niehr eine Null, sottdcrn die jüngst« Frau de» Scheich» und ein beiteidenstvcrtcr Äewch. Farbige Frauen, Araberinnen und Negerinnetl, bedienten mich, wuschen mir daS.Haar, halfen mir beim Bade, polierten meine Nägel. Da»-lle» Ivar mir dreizehnjährigem Kinde«in« Herrlichkeit." Die ersten vier Wochen waren der Ausbildung gewidmet. Die junge Frau mußte die köstlichen Speisen auf zierlich« Weise essen lernen und mußte sich ein würdevolle» Benehmen aneignen. Auch wurde ihr Tanzunterricht erteilt. Nach vier Wochen kam ein«» Nachmittag» der Befehl, sie zum Scheich zu führen. Durch Korridore mit schweren Teppichen und kostbaretl Vor« hängen wurde sie in«in« Gemach gebracht, in dem der Scheich mit seinen Lieblingsfrauen saß. „Dicht verschleiert kniete ich vor chm, eing«. schüchtert durch den Anblick seine» langen weißen BarteS und seines ehrwürdigen Aussccheus. Er war alt genug, um mein Urgroßvater zu sei». Ich beugte mich nieder, wie man mich gelehrt lwtte, bi» mein Kopf den Boden berührte und ich die leichte Berührung ieineS Fußes fühlte. Da» Ivar unsere Heirat. E» war auch der Beginn der drei ereignislosesten Jahre meines Leben»." Da» junge Geschöpf mußt« selber für ihre Unterhaltung sorgen. Im ganzen waren dreiundvierzig Frauen in dem Harem, di« zum Teil so lang« Zeit dort zugebracht hatten, daß sie gar nicht mehr wußten, wa» e» hieß, frei zu sein. Al» fast drei Jahr« verstrichen waren, I Mutterkorn. Bon S. Albt. Wenn man gegen Ende Juni, bald nachdem de» Getreide abgeblüht ist, durch di« Roggenfel. ter geht, kann man gelegentlich beobachten, daß en einzelnen Sichren klein«, glänzende, klebrige Tröpfchen haften. Insekten kommen herbei und lecken begierig den„Honigtau", diese süß schnick- kende Abscheidung auf. Sie fliegen von Achte zu Aehre, berühren mit Füßen und Rüssel auch »ehren, die di« merkwürdige Erscheinung bisher nicht zeigten und übertragen auf diese Weise eine Krankheit unser«» wichtigsten Brotgetreide» von Pflanze zu Pflanze, von Feld zu Felo. D«nn di« stchren, an denen die Tröpfchen auftr«ten, enthalte» einzeln« kranke Körner, durchwuchert von einem seinen Flechtwcrk von Pilzfäden; und di« süßen Tröpfchen enthalten Hunderte von windigen Sporen, die der Verbreitung d«S Pilze» dre- mn. Nach kurzer Zeit verschwindet der Honigtau und dl« Roggenkörner, die ihn trugen, zeigen nun zunächst ein viel raschere» Wachstum als alle andern. Sie strecken sich in di« Länge, ragen bald au» der Aehre heraus, krümmen sich leicht horn- förmig und wenn die Aehre gereift ist, dann ra«n sie als di« wohlbekannten schwarzvioletten „Mutterkörner" au» ihr hervor. An Stelle der Frucht ist ein Gebilde au» Pilzgewebe entstanden,: bat derb, hort und widerstandsfähig ist und da» Die Flucht aus drm Harem. Da» Schicksal«ine» Kinde».— vom Gärtner entführt.— Jetzt Tänzerin in London. In einem Londoner Theater tritt zur Zeit eine vierundzwanzigjährige türkische Tänzerin aus, die eine abent«n«rliche Flucht aus dem Harem eine» Scheichs hinter sich hat. über den sie fesselnde Einzelheiten erzählt. Sir wurde in einer steinen Stadt am Schwarzen Meer geboren und verbrachte dort ihre ersten zwölf Lebensjahre. Tann verkauft« der Vater sie an einen der alte- sten, reichsten und mächtigsten Männer jene» Gebiet». ,Jch werde nie vergessen, wi« meine Schnre- flern, die all« sehr aufgeregt waren und mich beneideten, mich schmückten,— in Seid« und Spitzen, gepudert und parfümiert wurde ich zu dem wartenden Wagen geführt. Die Vorhänge de» Gefährte» waren aus schtv«r«r Seid«, und sie tvurden dicht zugezogen, so daß niemand mich sehen konnte. Ich wußte nicht, wohin di« Fahrt R. Nach inehreren Stunden hört« daS Schaube» Wagens auf. di« Vorhänge wurden ge- ösfnet, und ich befand mich in dem Hof eine» sehr großen, schönen Gebäude», wie ich noch nie eine» gesehen hatte. Ich war jedoch so müde geworden, daß mich die Umgebung gar nicht interessiert«,, Ich iveiß nur noch, daß ich dann in ein große», schön eingerichtete» Zimmer geführt ivurde, in dem etliche andere Frauen' mich neugierig aber freundlich betrachteten. Ein« von ihnen sprach mich an, half mir beim Entkleiden und führte mich in das Bad. Nach den Stunden indem heißen dunklen Wagen war e» mir eine ■uinininiitmnDttiiBiunntuiininniHnnimiiiinninNnitnnttnnnninniiniHttiiintittimniiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiniiiiiiiiiininnHiiiiiiiiiiiiiiiiinininiiiiiiiiiinniiiinniiiiiiiinniiiiiniiiiuniB Dauerstadium«ine» Pilze» darstellt, geschaffen, bemerkbar. Tann aber sehen Schwindel und daß man nur Ohrensausen«in, Ucbelkeit, Erbrechen, Durchfall, kornfrei ist. c Sehstörungen,.Hautentzündungen. Störungen im von Sieben, di« di« größeren Nervensystem treten auf. Oft führte di« Krank- dnrchlassen. oder mittel» der al» Trieur» bezerch- —jl«.i 1 neten Unkraut-AuSlese-Maschine. Trotz Dieser I Möglichkeiten hat e» auch noch in unseren Tagen schwere Epidemien gegeben, die letzt« im Winter 1926/27 im Gebiete zwischen Kasan und dem I Ural. Es wurden dort von einer Bevölkerung I von etwa 500.000 Seelen mehr als 11.000 Personen von der Seuche ergriffe». Wie sich seststcl- len ließ, enthielt der Roggen der Ernte diese» Gebiete» stellemveisc bis zu 26 Prozent Mutterkorn. Man schätzt die Gesamtmenge an Mutterkorn der dortige» Ernte aus etwa 4000 Tonnen. Rußland wurde auch in frül-eren Zeilen wiederholt vm ichweren Epidemien heimgesucht,-'ne Verheerungen unter der Bevölkerung onrichteten. Eine der schwcrsteit fällt in die RogierungSzeit Peter» de» Großen. In Deutschland, der Schtveiz. Frankreich, Italien ist di« Krankheit wiederholt m schwerer Form ausgetreten; in England nur seile»; sie kani hier aber bi» in die letzte Zeit hinein hie und da vor. Die Roggenpflanz« ist übrigen» nicht der einzig«„Wirt" de» parasitischen Pilze». E» gibt mehrere Mutterkornarten, di« auf verschiedenen Wiosengräsern schmarotzen und unter dem Viehstand mancher Lander wiederholt Schaden angr- richtet haben..Man kennt heute 20 Arten bi» Pilzes,.von denen nur acht in Europa, dagegen zwölf in Amerika vorkomnien. Seit« 8 Donnerstag. 18. Mai 1888 Nr. 118 PRAGER ZEITUNG cr Gericht Der Film Kunst und Wissen Literatur Gerichtssaal kam es Sflorl* Spiel- KOrperplleae Vereinsnadiriditeu d i« vorhab« ihn und Bebca. Großbanken! sich an die Bezüge und Unst blioben allo Bc- war einer H c r z l ä h- niSbilder aus Sibirien, das Bad der Gcsoltrctcn, ihre Rechtlosigkeit, werden ganz einwandfrei gezeigt. DaS alles fällt aber aus dem Rahmen dieses Films, dem naive, unkünstlerische Propaganda daS filmische Tempo ersetzen soll, daS nun einmal nicht im politischen Dialog zu suchen ist. Die Zensur hat sich diesmal durch dankenswerte Großzügigkeit ausgezeichnet und daS Werk unvcrstümmelt freigegeben. ES spielen ganz tadellos E h m c l j o v in der Titelrolle, Radin den Untersuchnngsgeneral, und B i l o v t o v den Zaren. Librettist ist der bekannte russische Acsthcth Kklovsky, der sich hier wahr, scheinlich mit den Machthabern versöhnen wollte. Warum eine Brigade von zehn Operateuren aus. geboten wurde, um einen schlechten Film zu drehen, ist unklar; jedenfalls wäre eS besser, damit keine Reklame zu machen. Ter Film geht ganz unver- ständlich am Kern des Problems vorüber: wie nämlich die feudal-kapitalistische Unmenschlichkeit durch rohe Gewalt die besten Kämpfer gebrochen hat und wie sehr eS darum nottvendig ist, sie geistig »nd mit Machtmitteln zu bekämpfen. Allerdings verblassen ihre Schrecken an den Errungenschaften der modernen Diktatoren anno 1983... Walter Lustig. Staub und Diebstahl an Arboitor-Kultureigentum in Deutschland. Obwohl jede freie Pressemeinung unterbunden ist, kann man selbst auS der bürgerlichen Presse entnehmen, daß R«ck)i und Avbeiwreigentum in Deutschland vogelfrei sind. ES sind noch keine Banken gestürmt worden und noch keine Schlößer besetzt, wohl aber in brutaler Weise die Kultureinrichtungen der sozialistischen Arbeiterschaft geraubt oder vernichtet worden Di« BundeSschulc in Leipzig ist von SA besetzt. Die Hitlevleutc haben dies« Kulturstätte zu einer Kaserne ihrer Mordstürme degradiert. Es wird die Lüg« verbreitet, daß Staatsgelder zum Bau verwendet wurden. Es sei festgestellt, daß sämtliche Staatsdarlehen ordnungsgemäß zurückgezahlt und sämtliche Gebäude schuldenfrei sind. Turnhallen, Sportplätze und Bäder, N a l u r f r e u n d e h ä n f e r, di« sich die Arbeiter geschaffen,'werden ganz einfach beseht und beschlagnahmt. In tausenden Orten Deutschland« haben die Arbeiter in jahrelanger Aufopferung mit Arbeiterkrenzern taufende Kulturstätten ge schaffen. Diese Einrichtungen werden, ohne daß di« deutsche Justiz sich darum kümmert, von haßerfüllten Gegnern«infach geraubt. In den meisten Ländern wurden die Arbeitersporwcrein« überhaupt verboten. Ein« im Sport gänzlich unbekannte Person wurde zmn R«i ch«k o m m i s- s ä r für Sportwesen ernannt. DaS wird alles heute in Hitler-Deutschland als„Aufbruch neuer Kultur" bezeichnet. seinem Wohnort K l a d n o nach P r a g, wo arbeitete, und zwar auf Arbe i te r fahr ka r te, die er sich mit Hilf« eine« falschen Ausweises bosorgte. Er hatte keinen'Anspruch aus die außerordentliche Ermäßigung für Arbeiter und Angestellte, da diese bekanntlich bei ledigen Personen nur bis zu einem Einkommen von höchstens 1200 K monatlich zuevkannt wird und Franz 6. 1600 K verdiente. Di« Legitimation lautet« zwar aus seinen Namen, aber als Beruf war fälschlich angegeben: Chan fs«ur der Firma„Ferra". Ferner war im Text der Legitimationskart« d«r Passus d u r ch g e st r.i ch« n, der auf die Einkommen«- grenze von 1200 l< Hinweis» und gerade diese Streichung, die allen Bovschrlften und Gebräuchen widerspricht, veranlaßt««inen Kontrollor, der di« Fahrtausweis« revidierte, sich di« Sache näher anzusehen. Franz 6. tat zunächst erstaunt und gekräickl, dann versucht««r dem Kontrollorgan wciszumachen, er sei gar nicht der Franz und habe die Ausweiskart« gefunden und mir dieses«inemal benutzt. Als der Beamt« dies« schlecht« AnSrcde nicht gelten ließ, ka>n es zunächst zu einem Wortwechsel und schließlich riß Fran; 6. dem Kontrollor, der ans s«In«r Feststellung bestand, den AuSiveiS aus der Hand und warf das Dokument ans dem Fenster mit den Worten:„Do jetzt haben Sic«inen Dr Die Sache hatte natürlich eine Anklage zur Folge: Betrug, Vereitelung einer Amtshandlung, AmtS- ehrenbelcidigung. Heute leugnete er vor dem Senat des OGR. Kaisler jede Schuld. Aber die Zeugenaussagen sind allzu klar und sein ganzes Verhalten nicht eben geeignet, ihn zu entlasten. Er wurde schließlich schuldig«rkannt und zu zwei Monaten Kerker verurteilt. Uober die Zuerkennung der bedingten Verurteilung wird daS noch Erhebungen anstcllrn u>rd zu einem späteren Zeitpunkt separat entscheiden. rb. Das Hilfskomitee für Emigranten aus Deutschland, daS sich auf Anregung des Professors F. T. Saida gebildet hat und dessen Organisation Vertreter der Prager literarischen, wissenschaftlichen und Künstlerkreise übernommen haben, hat sein« regelmäßige Tätigkeit ausgenommen und sein Bureau im PalaiS„Phönix", Vüclavskö nümästi, 1. Stock, eröffnet lTelephonnnmmer 31.917, von 16—18 Uhr). Ztveck der Komitees ist, durch Rat und materiell Flüchtlinge aus Deutschland zunächst auS den Kreisen der geistigen Arbeiter zu unterstützen, ohne Rücksicht aus politische, religiöse und nationale Zugehörigkeit. Das Komitee bittet di« Oefsentlichkelt um lintcrstiitzung feiner Ziele und macht daraus aufmerksam, daß Beiträge und Spenden vorläufig von der Böhmischen Union-Bank und der Legio- Bank übernommen werden. ES hat sich schon in den ersten Tagen gezeigt, daß die, Gründung deS Komitees notweiidig'war, denn eS'wird von wirklich Bedürftigen ausgesucht, die der Unterstützung eines jeden kulturell empfindenden Menschen würdig sind. stellten sest, daß dl« LeitungSkabels an war und Franz Uryk diese defekten Stellen be- Außerdem konstatierten sie einig« Schweizerisches ArbeUer-Turn« und Sportfest 193s. Vergangene Woche koirstitniert« sich daS OrganisationSkomiiee für das 8. Schweizerische Arbclter-Tnrn- und Sportfest, das 1934 in Luzern abgehallen werden wird. Das Fast wird in ähnlichem Rahnren dnrchgeführt, wie das letzte In Aarau im Jahre 1930. Als Festplatz wird der neu«, große tädtische Sportplatz, der drei Aschenbahnen besitzt, nrit den niodernstcn übrigen Anlagen in Betracht kommen, welch« bis zum Herbst dieses Jahres fertiggestellt sein werden.. Im treuen KongrcßhauS werden di« Hauptabrndaufführungen stattfinden. Als Zeitpunkt der Abhaltung des Festes wird Ende Juli bezeichnet. Ein Jubiläumsrennen über 70 Kilometer führt« am Sonntag der Wiener Arbeiter-Radsahrerverein Donaufeld- bei ausgezeichneter Besetzung auf der Brünner Reichsstraße durch. Sieger blieb'im Endspurt mit einigen Haick>breitcn Schmaderer(Sira zenbahn) in 2:13: sä von Hamrdl(Freiheit). DI« Meisterschaft im Arbeiter-Tischtennis von Oesterreich für grauen gewann di« Riege des ADV. Hietzing, die im Entsche-dungSkamps über E-Werk mit 5: l siegreich blieb. T«r Schweizer Franz elektrisch beiriebenen wollt« nach getaner des Steck» Kaum aber Der Raub d«r Sabinerinnen— mit der Neueinstudierung dieses köstlichen Schönthan^Schwanks tauchen unverwelAiche Jugcnderlimernngen auf: an' den alten großen Büller, bei dem ich immer daS Gefühl halt«, er sei schon„Stricse" gewe'en,«he, noch diese Komödie geschrieben war; an Basser- m a n n, der eine unvergeßliche tragikomische Figur aus dem Schmierendirektor macht«. Nun spie!' im Deutschen Theater Herr H a r p r« ch t diese Bomben- rollc, um die sich jeder Komiker reißt. Auch Herr Harprecht, der übrigens als Regisseur sehr gu: den Ton traf, der di« Spießer der Achzigerjahre leicht ironisiert,. Ist, ein guter Striese, wirkungsvoll in der Mask«,. dialektsicher und von bezwingender Mimik in der Verlegenheit, in der Schläue, in der Rüh- rung: wenn er dennoch die Szene nicht Immer beherrscht«, so hat er das vor allem einer an vielen, vielen Stellen arg fühlbaren Wortunveostänvlich- keit znzuschrciben, die wiederum vor allem dem peinlichen Experiment entspringt, den Stries« zahnlos zu spielen. ES ist fast unbegreiflich, daß ein M-nm von Geschmack, Verstand und Erfahruirg auf ein solches Mittel verfallen konnte! Dag«g«n blieb Herr Dudek, der den alten Gollrvitz hielte, äußerst geschmackvoll in diAreten, reservierten Humorbahnen, erzielt« so ein« feine und verständnisvoll belächelte Leistung, auS der sich dann der ungewolltübermütige dritte Aktschluß um so stärker und mit Recht herzlich applaudiert hewovhckb. Sehr drastisch und waschecht der derb-gemütliche Bayer deS Herrn RöSner, auch sonst gutes Theater(die Danren Reichlin, Warnholtz,, Brill« und Bertram, die Herren Frey und Paülesak). ES wurd«, wie in dieser Koutödie immer, herzlichst gelacht, viel tauch auf offener Szene) applaudiert. I. g. Kammer»Tanzabend der Deutsche» Musikakademie am Freitag, den 19. Mai, um 20 Uhr 1 im großen Radio-Saal«, Weiitberge, Fochova. Ein« ■ Schülergruppe der Abteilung für rhythmische ' Körperschulung wird unter der Leitung chrer t Lehrerin Gret Eppinger neue Wege vorsühren und > zur Diskussion stellen, Musik tänzerisch zu ecfasien . und anSzuwerten. Di« Tänz« werden auSgeführt - zu Kompositionen von Bach und Händel.— Die ' Reihe der Tänz« wird unterbrochen durch Beet- ' Hovens TrioSerenade op. 8 für Violine, Bratsche und Cello, gesp'elt von Schülern der Kammermusikklass« Prof. Leopold Kramer. Karten zu 28 X bis 6 X bei C. Detzler, Passage„Alfa". Memoiren aus einem Lolenhaus. Ein mißglückter Russenfilm. Kapitalisten haben die Ausrede, daß sic aus geschäftlichen Rücksichten ein gutes Thema nicht so, drehen lassen konnten, wie eS ihren problematischen' guten Absichten entsprechen würde; StaatSsilm- untcrnehmungcn sind hierin unentschuldbar. Ein Film unter dem Titel„M c m o i r c n a u S e i n e m 1 T o t e n h a u S" nach dem herrlichen Buch von s D o ft o j r w f k i j ist unerträglich, wenn anstatt' deS vom Autor wahrhaftig klar gezeichneten Milieus eine Stalin'fche Debatte mit dem schon genügend lang verstorbenen Herrn Dostojewskij hcrauSkommt,< der im Film natürlich keine Möglichkeit hat, gegen oie Vorwürfe der seit fünfzehn Jahren bekanntlich äußerst erfolgreichen Weltrevolulion anzukänrpsen. Aus einem Filmsujet haben unsere GcschästS- >nach«r schon recht oft zwei: lächerliche DislussionS- stunden hcrvorgezaubert: bei den Russen kann man wirklich nicht lachen, was der Hauptunterschied ist. Sonst unterscheidet sich der Film von der Vorlage noch mehr al« etwa„Gilgi, eine von unS", im Filnt vom gleichnaniigrn Roman; denn Dostojewskij wollte mit seinem Selbstbekenntnis, seiner flammenden Anklage nicht gegen sich selbst argumentieren, wie es im Film plötzlich versucht wird. AuS dem Notschrei deS nach Sibircn Verbannten wird im Film eine klein« Viertelstunde gemäßigter Greuel, die unS an Hitler, Mussolini und jawohl auch an Stalin gewöhnte Aufgeklärte nur einiges Lächeln deS'Neids adgewinncn könnten. Dostojewskij ist im Film(hier wird, die Vorlage eingehalten) der. einzige und Hauptheld: er tritt uns als Festredner für Puschkin. entgegen, mit Worten, die reaktionär sind»nd so schroff im Gegensatz zu seiner Jugend stehen, die uns dann der Film zeigt, daß wir darüber klar werden, wie weit ein Revolutionär abirren kann von dem Weg des Kämpfet für die arbeitende Klasse. Um bei dieser Polemik gegen Dostojewskij mitzukommen, muß man nicht nur in der russischen Politik deS T->sondern auch der Literatur-''^n; bei einiger . Aufmerksamkeit versteht man die Zitate von Puschkin und dem hier unentschuldbar verschandelten Autor, der ein besseret Geschick verdient hat, alt unter di« Objektive der Sowjetfilmer über StalinS Wunsch zu kommen. DeS großen russischen Epikers Weg vom Revolutionär und Autor der„Armen Leute", Verbannten lmd Verfolgten bis zum religiös wahnsinnigen Werk„Dämonen" ist daS Sujet des FilmS, der unwahr verspricht, etwas von Sibirien zu zeigen. Dafür gibt man unS den Zaren, wie ihn sich die Programmrevolutionäre vorstellen: daß er morgens sieben Eier ißt, einen Sohn hat. der im Schloß Eisenbahnfähren spielt und ansonsten lässig Todesurteile unterschreibt; oder einem Unteroffizier, der im Stil eines Mkover Trinkers den Ausrührer einvrrnimmt und auch sonst zeigt, wie schlecht alles Nichtstalinsche ist. Daß Militarismus, bigotte Verlogenheit nicht erstrebenswerte Ziele sind, darf im Film nicht nur durch Dialoge ausgedrückt werden; hier ist der größte Versager dieses Werks, das im übrigen durch daS schlecht« italienische Filmmaterial leidet. Die Regie F e o d o r o v S ist vor allem in der Tonmontage ausgezeichnet: den Umschwung Dostojewskijs züm Reaktionär kann man nicht besser dar- stellen als durch zartes Glockenspiel über daS Thema:„O, du lieber Augustin"; auch die Bilder, wie der junge Mann sein geliebtes Petersburg hassen lernt, als. er sicht, wie unter Christi Kreuz ein Mißliebiger. zu Tode gepeitscht wird, ist mit einzigyttiger Klarheit photographiert; Einstellungen und Großaufnahmen, vor allem die kurzen Gefäng» Teuer bezahlte Sparsamkeit. Di« falsche Arb« terkart«. Prag, 17. Mai. Der Typograph Franz C. hat sich au§ Gründen der Lparsamkeii zu einer Sache verleiten lassen, di« möglicherweise sehr ernste Folgen für seine Existenz haben wird Er fuhr täglich von tnaiipbit: ettgfneb Int- L d«t ,. d a«I«» k! fflilbelm liikm- SeraatwerlNcher Mebatte«: ru. RaU«Ire»», V«,- Dn«!-Reta* A.-G. fit Bella«, un» Buchdruck,«Ma.— vir de». Demi oenmw-riuch. One üolit, •tat.- Sie Bti>uu-tm°NkuIt-nk