Al ßivzelprels 70 Heller. ^Einschließlich 5 Heller Porle Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. Tt.Oahton u. Brrtoatiung: 8rag N, 3teM,anta ta ♦ Ztleob.i 36703. 31460. OtaAtrttan.(ab 31 UDt)> 3383« ♦ OolWtfoml: 37344 13. Jahrgang. Freitag, 19 Mai 1933 Nr 117. kmsmrctten der Dcglemng SeLen Hitlers Krltlh am Volkssport-Urteil. Erklärung des Justizministers.- Demarche in Derlln. Prag, 18. Mai. Die Stelle in der gestrigen Hitlerred», die von dem Brünner VolkS- sportnrteil und in« Zusammenhang damit von einer„unverantwortlichen Leichtfertigkeit" spricht, war heute abends im VersassungsauSschnß Gegenstand einer offiziellen Erklärung, die der Justizminister Dr. Meißner namens der ganze« Regierung abgab. Darin wird dieser Passus mit vollem Recht als unzulässige Einmischung in die inneren Verhältnisse der Tschechoslowakei erklärt und gleichzeitig diplomatische Schritt« bei der Berliner Regierung angelündigt. Deutschlands Isolierung Brüskierung deutscher Kriegsschisskomman- danten in Schweden. Stockholm, 17. Mai. Acht drntsche Kriegsschiffe find heute in den schwedischen Hasen Udewalla eingelaufen. Der deutsche Konsul verständigte, Wie üblich, den obersten schwedischen Reglerungövertreter hievon und übermittelte den Dunsch der.Kommandanten der deutschen Schiffe, von der Behörde empfangen zu werden. Der Regirrungsvertreter lehnte es jedoch ab, mit den deutschen Kommandanten Besuche auszutauschen und ersucht«, das; auch die deutschen Kommandanten von einemBesuchAbstand nehmen. Einem Redakteur der schwedischen Tages- zeitung Mhtid" gegenüber gab der Reglerunas- virtretrr als Grund für sein im internationalen Leben geradezu s«nsationellcs Verhalten an er sei„mit anderen Arbeiten all zu sehr ü b e r l a st e t".— Die deutsche Regierung, die über diesen Borfall auf das Schwerste beirosten ist, beabsichtigt, bei der Regierung in Stockholm eine diplomatische Demarche zu nnter- nehmen; wir hören hiezu jedoch, daß die schwedische Regierung das Verhalten ihres Vertreters in Udewalla zu decken gedenkt. Vie Sozialdemokraten die einzige Opposition im Preußen-Landtag. Berlin, 18. Mai. linier dem üblichen Gc- pränac— SS-,. SA-Spalier, Parteinnisorm, Scheinwerfer, überfüllte Tribünen nsw.— sand heu:c die angekünoiate Sitzung des preußischen La nd tag es. statt. In Besprechung, der Ziffern des Etats er- klärt Ministerpräsident Gocrina, daß derselbe mit rund 2700 Millionen ausgeglichen sei, was um 347 Millionen weniger bedeute als im Vorjahr. In der Debatte verlangte der Vertreter der Sozialdemokraten Szillat die Gleichberechtigung im Innern als Dorauöfehnng sür das Zusammenleben des Bolles. So lange diese versagt sei, seien dir Sozialdemokraten nicht in der Lage, einem Ermächtigungsgesetz z u z u st i m m e n. Abg. Kubc(Nationalsozialist) erklärt, daß seine Partei nicht willens sei, noch einmal eine sozialdemokratische Provokation zuzulassen, wobei Rufe auf den nationalsozialistischen Bänken„Raus, raus!" ertönten. Der Landtag nahm sodann das Ermächtigungsgesetz gegen die Stimmen der Sozialdemokraten an. G Die Blütezeit der Schulte. Berlin, 17. Mai. Die Ernennung des Rcichstagsabgcordnetcn und nationalsozialistischen Gauleiters Karl Kaufmann zum Rcichsstatthalter der freien Stadt Hamburg ist auf Vorschlag deL Reichskanzlers heute durch den Reichspräsidenten von Hindenburg vollzogen worden. Herr Kaufmann ist bekanntlich vor Jahresfrist der weitesten Oesfentlichkcit bekannt geworden durch einen Prozeß mit einem sozialdemokratischen Jonrna- listen, in welchem letzterer den Nachweis erbrachte, daß Kaufmann>m Jahre 1929 vom Parteigericht der Hitlerpartci wegen Urkundenfälschung, Ordens- s ch w i n d e l S, Ehebruchs und doppelten Ehrenwortbruchs vcru rtcilt worden llt. Danziger Sozialdemokratie ohne Organ. Warschau,. 17..Mai. Morgen trifft hier der Hohe Völkcrbundskommissär in Danzig, Rostina, ein, Während seines Aufenthaltes in der polnischen.Hauptstadt wird Rosting mit Vertretern der polnischen Regierung Konferenzen abhalten, die sich aus die letzten Ereignisse in Danzig beziehen. Wie ferner aus. Danzig gemeldet wird, wurden heute über /Anordnung des Danziger Senats die Redaktionsräumc und di« Druckerei des sozialdemokratischen Tagblattcs„Danziger Bolksstimme" gesperrt und amtsversiegelt. Ungarns Arbeiter boykottieren deutsche waren Budapest, 18. Mai.(Eigenbericht.) Der Teneralrat der ungarischen Gewerkschaften hat de» Arbeitern Ungarns empfohlen, den Boykott deutscher Waren durchzusühreu. In seiner Erklärung führte Justizminister Dr. Meißner im wesentlichen aus: In seiner gestrigen Reichstagsrcde hat der Herr Reichskanzler Hitler auch den Brünner Prozeß gegen die„Bolkssport"-Mitglieder berührt. Er hat als„unverantwortliche Leichtfertigkeit" die Behauptung bezeichnet, daß die SA und SS der nationalsozialistischen Partei in Deutschland in irgendeiner Verbindung mit der Reichswehr in den» Sinne seien, daß cs sich um militärisch ausgebildete Stände oder Armccrescrven handle. Und als Beispiel einer solchen „unverantwortlichen Leichtfertigkeit" führte er das im Brünner Bolkssportptozcß erstattete Gutachten der militärischen Sachverständigen an, wobei er hinzufügtc, daß aus Grund dieses Gutachtens die angcklagten Nationalsozialisten zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt worden seien. Ich halte eS für notwendig, ans den zitierten Teil der Red« de« Herrn Reichskanzlers Hitler aus zwei. Gründen zu reagieren:. 1. weil sie sich auf sachlich« Irrtümer stützt, 2. weil mau sie vom Standpunkt der internationalen Beziehungen als ungerechtfertigte«- E i n g r i f f in dir inneren Verhältnisse, namentlich in den Vollzug der Rechtspflege in der Tschechoslowakei betrachten muß. Der Minister erklärte dann die Meinung, als ob daS Urteil des Brünner Gerichtes in erster Linie, hauptsächlich oder ausschließlich darauf beruhe, wie das Verhältnis der SA und SS in Deutschland zur Neichswtchr sei, als unrichtig. Weiters beruhe die Behauptung des Reichskanzlers, daß die verurteilten üakcnkrcuzler zu Z u ch t- Haus verurteilt worden seien, aus irrigen Infor- mationen, denn sie wurdeil zu S t a a t s g c s ä n g- n i s mit allen Rechten politischer Häftlinge verurteilt, also zu einer Strafe, die der Festungshaft in Dentschlaiid entspricht. Da das Brünner Urteil noch nicht rechtskräftig lei, müsse sich Dr. Meißner auf diese Konstatierung beschränken. Ter Reichskanzler behauptet, daß die Nationalsozialisten aus Grund dieses„falschen Gutachtens" verurteilt worden seien. Diese Wendung beinhalte uustreitig ein« Kritik des bisher nicht rechtskrästigen Brünner Urteils, man könnte darin aber auch den Versuch einer Einwirkung auf den Spruch des Obersten Gerichtes, also «inen Eingriff in de» Vollzug der Rechtspflege in unserem Swate erblicken. Die Tschechoslowakische Republik, erklärt« Dr. Meißner bemüht sich, zur Regierung in Deutschland ein absolut korrektes Verhältuis einzuhaltrn, und achtet konsequent darauf, daß die verantwortlichen Faktoreu des Staates sich tveder durch Wort noch durch Tat in die inneren Verhältniste in Deutschland einmischcn; sie hat daher dos Recht, zu fordern, daß auch die verantwortlichen Faktoren in Deutschland sich nach denselben Grundsätzen richten. Dir Regierung Hal mich beauftragt zu erklären, daß sie nach dem internationalen Recht und den internationalen Gepflogenheiten bei der Berliner Regierung einschreiten wird. * Knirsch als ei oHo-Verteldlger des Osal. Di« Debatte über die Erklärung wurde ausgerechnet von Herrn Knirsch eröffnet, der sich trotz aller früheren Unabhängigkcitserklärungen diesmal förmlich schon als Reichs st atthal- t e r Hitlers fühlte und seinen Herrn und Meister, den er bei früheren Gelegenheiten schon so oft verleugnet hat, mit dem Aufgebot, seiner ganzen Bereotsamkeit in Schutz zu nehmen suchte. Die Kritik Hitlers habe, wie jeder aufmerksame Leser dieser Rede zugeben müsse, nicht dem Brünner Urteil gegolten, sondern dem militärischen Sachverständigengutachten. ES habe sich ihm auch keines- ivegs darum gehandelt, die sudetendcutschen Haken- kreuzler in Schutz zu nehmen, denn das hätte schon viel früher und in anderer Form geschehen können; das wäre dann eine Einmischung gewesen. Redner bedauert schließlich, daß die Regierung durch ihre Erklärung eine ganz falsche Sachlage geschaffen habe Koalition einmütig aul Seite der Regierung. Die folgenden Redner der tschechischen Koa- lüionsparteien stellten sich einmütig hinter die Erklärung der Regierung u»d wiesen die Einmischung Hitler» mit aller Schärfe zurück. Ungewöhnlich schroffe Worte gebrauchte der national- demolratischc Sprecher, der daraus hinwies, daß in Brünn die Verteidigung alle Freiheiten halte, die Partei des Reichskanzlers in Deutschland ihre politischen Gegner ohne jede Untersuchung nicht nur cinsperrc, sonder» gleich erschlage; dem Führer einer solchen Partei fehle jede moralische Berechtigung, unsere Verhältnisse zu kritisieren. Bon unserer. Fraktion erklärte Gen olle S>ch weich hart, daß wir uns ebensall» hinter die Erklärung dar Regierung stellen und sic vollständig in Ordnung finden. Er Polemisierte dann gegen K n i r s ch, der sich dann nochmals zu Dort meldete und kühn erklärt, cs sei nicht j» den Intentionen irgendeiner Reich»- rcgicrung gelegen, sich in die inneren Angelegenheiten der Tschechoslowakischen Republik einzumischen. Das klang so selbstsicher, als l>abc Hitler vorher bei Herrn Knirsch erst die Zustimniung zu diesem Teil der Rede eingcholl. Wir wären wirklich neugierig zu erfahren,. woher Herr Knirsch die Legitimation zur authentischen Auslegung der Kanzler-Rede genommen hat. Dr. Meißner stellte dann im Schlußwort an Knirsch allerhand unangenehme Fragen, waruni denn seine Partei nicht nur in der Tschechoslowakei, sondern auch jenseits der Grenzen so viel Meldungen gegen die gesamte tschechoslowakische Justiz vcr- vreitc, warum sie generalisiere und ein Urteil benütze, um die tschechoslowakische Justiz geradezu lächerlich zu machen. Der Auffassung des Knirsch, daß Hitler nur das Sachverständigengutachten kritisiert habe, könne er leider nicht beistimmen. Knirsch sei ferner im Irrtum, wenn er glaube, daß die Erklärung die Folge einer aufgeregten Stimmung sei; Hitlers Kundgebung sei innerhalb der Regierung vielmehr mit größter Ruhe und Uebcrlegung geprüft worden. Dem Minister komme eS nicht zu, zu prüfen, ob und i n w i c- weit Knirsch über die Absicht informiert sei, di« Hitler bei dieser K u n dg c b u n g gc le i t e t habe, er könne Knirsch ober nicht für berechtigt halten, diese Erklärung authentisch auszulcgen. Dazu sei ledig, lich der Reichskanzler befugt und Meißner selbst tverdc sich freuen, wenn Hitler dieser Stelle eine Auslegung geben werde, die unsere öffentliche Meinung zufricdenstellt. Patzige Antwort aus Derlln. Berlin, 18. Mai. Zu der Prager Meldung über di« heutige Kundgebung des tschechoslowakischen JustizminIfterS Meißner im verfassungsrechtlichen Ausschuß des Abgeordnetenhauses er- klart das Wolfs-Büro: ES darf angenommen werde«, daß an den zuständigen deutschen Stelle« dem ange- kiindigten Schritt mit großer,Ruhe cntaegcnschcn Wird und daß man um di« richtige Antwort nicht verlegen sein wird. ES bandelte sich bei den Worten d«S Reichs- kanzlers, die sich auf die Tschechoslowakei bezogen, nicht um«ine Einmischung in die inneren Verhältnisse eines fremden Lindes, sondern um den Hinweis, daß das in dem Brünner„Bolkssport"-Prozeß erstattete Gutachten aus völliger Unkenntnis der tatsächlichen Verhält«i s s e im Reich beruht«. Die Verirrung der Fraktion. Amsterdam, 18. Mai. tEigcnbericht.z Wie Ihr Korrespondent erfahren hat, hat sich eine Sitzung des ParteivorstandcS der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, die außerhalb Deutschlands stallgefnndcn hat, schon vor einige» Tagen m!t der Haltung der Partei, die diese in der Reichstogssitznng vom 17. Mai einnehmen sollte, beschäftigt. Der Parteivorsland hot d«n Beschluß gefaßt, daß die A b g e. ordneten in der Reichstagssitzung nicht erscheine,, solle». Dieser Beschluß wurde der Fraktion auch bekannt gegeben, diese hat sich jedoch in ihrer Mehrheit gegen den Parteivorstaud ausgesprochen und beschlossen, siir die von den übrige» Parteien des Reichstages vorgelcgte Entschließung zn stimmen. Allerdings soll dieser Beschluß der Fraktion unter de», stärksten Druck der Regierung erfolgt sein. Paris, 18. Mai. lEigenbericht.s Heute abends wurde der Führer der französischen Sozialdemokraten, Leon B l n m, über die Haltung der deutschen Sozialdemokratie besragt, welche in der gestrige,, Sitzung des Reichstages für die Resolution der Regierung gestimmt hat. Lnon Blum unterstrich, daß an der Reichstagssitzung nur ein geringer Teil der sozialdemokratischen Fraktion teilgenoinnren hat. Uebrigenö stehe das Vorgehen der Abgeordneten i m Widerspruch mit den Direktiven der Parteileitung, die sie erhalten hat ten. Löon Blum sagte, er müsse sich, wenn er über die Folgen der Abstimmung sprechen solle, große Zurückhaltung aufcrlegen. Eine derartige Meinungsverschiedenheit in einem so ivichtigen Punkt zwischen den Zentralorganen der Partei und einem bedeutenden Teil der Abgeordneten komme aber tatsächlich einer Sezession gleich. Dir Meinung der französischen Sozialisten sei bekannt und sei mehrmals von der ztveiten Internationale formuliert worden. Tie französischen Sozialisten sind der Ansicht, daß es der Hitler-Diktatur gegenüber nur den Kamps gibt; mit jenen sozialistischen Elementen, welche glauben, das Hitler-Regime auf legalem Wege bekämpfen zn können, gäbe es keine Solidarität. Wir haben gestern— als wir die erste Nachricht über die Abstimmung der sozial- denwkratischcn JyrnPiinn nn Deutschen Reichstag erhielten— erklärt, ein abschließendes Urteil erst fallen zu wollen, wen» wir von der Deutschen Sozialdemokratie selbst über die Motive dieses Borgehens unterrichtet sind. Wir haben aber auch sofort mit unserer Auffassung nicht zurückgehalten, daß die Znstim- mung zur Hitlerrede„sür Sozialdemokraten unannehmbar ist und bleibt". Diese Ansicht wird nun auch, wie die obige» Nachrichten .zeigen, nicht nur von den srauzüsischen Genossen geteilt, die durch den Mund ihres Parteiführers erklären, daß cs keine Solidarität geben könne mit jenen, tvelchc das Hitler-Regime auf legalem Wege bekämpfen zu töimen glauben, sondern auch vom Partei- vorstande der SPD, welcher den Beschluß gefaßt hat, der Reichstagssitzung sernzubtei- ben. Das Vorgehen der Fraktion steht also im Widerspruch zu der Auffassung des Parteivorstandes, die Zustimiwung zu der im Reichs- tag bei Teilnahme sozialdemokratischer Abgeordneter einstimmig angenommenen Entschließung ist eine Rebellion der Fraktion gegen die v e r a n t>v o r t l i ch e n P a r r e i i n st a.n z e n. Welche Folgen die Abstimmung der Fraktion haben wird— beachtenswert ist, daß ungefähr ein Drittel der sozialdemokratischen Abgeordneten abwesend war— kann jetzt noch nicht gesagt werben, aber es ist durchaus möglich, daß diese Folgen sehr ernste sein tver- den. Gleich uils werden tausende sozialdemokratischer Bertrauensttiänner, zchniausende sozia'ldomokratischcr Arbeiter Deutschlands den Beschluß der Fraktion stir falsch, unglücklich, schädlich itird verderblich halten. Mögen auch für die Haltung der Mehrheit der Abgeordneten gewisse taktische Gesichtspunkie maß- Seile S Frettag Ist. Mal 1V8S. Nr. 117. Di« Leich«» d«r in d«n Flammen um» geben gekommenen Arbeiter sind so verkohlt, daß nur elf von ihnen identifiziert werden konnten. An der Brandstelle ereigneten sich unter den Hinterbliebenen bewegt« Szenen. Russische Bauern von Japanern beschossen. Moskau, 18. Mai. Die Telegraphenagentur der Sowjetunion meldet aus Chabarowsk: Am 11. Mai wurde bei dem Dorke Poltawska an der sowjetrussischen- mandschurischen Grenze«ine Gruppe von Bauern, die in der Entfernung von einem Kilometer läng» der Grenze zu Feldarbeiten fuhr, vom mandschurischen Territorium aus von einem Trupp japanischer Soldaten mit einem heftigen Gewehr- und Maschinengewehrfeuer über- fallen. Hiebei wurde ein Bauer tödlich verletzt und ein Pferd getötet. Der Verwundet« konnte erst nach einigen Stunden sortgeschafft werden, da bei den Versuchen, sich der betreffenden Stell« zu nähern, diese immer wieder unter Feuer genommen wurde. noch di« Gewissen ihrer der zur und den widerspricht. Ohne über die Männer, d!« unter dem saseistischen Terror täglich von Miß- handtung und Tod bedroht sind, moralisch richten zu wollen, erklärt die SAJ., daß rin« solch« Abstimmung nur den Abscheu d«r zivilisierten Welt gegen den blutlg«n Terror zu steigern vermag, der, nicht zufrieden damit, die Körper der Arbeiter zu mißhandeln, auch Vertreter vergewalt'gt. Die SAJ. erttärt, licher Solidarität zur und in unversöhnlicher die Vas Arbeiterblatt Win in den lesiten Mo- Tag Lesen gewon» unser« Press« im In» an Ansehen dah die Abseitsstehenden im int« r- Klärung der Ge- Pari», 18. Mai.(Eigenbericht.) Unter dem Vorsitz Banderveldes trat heute das Büro der Sozialistischen Arbeiter-Jnternationale im Parteihaus!n Paris zusammen. Das Büro behandelte in eingehender Debatte die jüngsten Ereignisse in Deutschland und faßt einstimmig folgende Entschließung: „Die SAJ ist immer für dir Gleichberechtigung aller Nationen«ingetreten, aber sie hat immer gesordert, dah die Gleichberechtigung Deutschlands nicht durch die Ausrüstung Deutschlands, sondern durch Abrüstung der anderen Nationen durchgeführt werde. Da Deutschland von einem nationalistischen FaseiSmuS beherrscht wird, der die Wiederaufrüstung Deutschlands nicht nur fordert, sondern gegeu di« Verträge schon jetzt durchführt, bedeutet jede Duldung dieser WIederaüsrllstung die eruste Gefahr eines Krieges binnen kurzer Frist. ES ist daher Pflicht aller Sektionen der SAJ, ebenso für«in« tatsächliche und möglichst weitgehend« Abrüstung der anderen Staaten einzutreten, wie sed« Wiederaufrüstung Deutschlands und die gesamte auswärtige Politik des deutschen FaseiSmuS zu bekämpfen, dessen diplomatisch« Phrasen«ine Heuchelei sind, die niemanden über sein« kriegerische, aus Wiederaufrüstung gerichtete Politik täuschen können. Di« SAJ. ist überzeugt, dah die Zustimmung eine- Teiles der sozialdemokrat scheu Abgeordneten de« deutschen Reichstage» zn einer Resolution, di« mit der Regierungserklärung ohne Vorbehalt solidarisiert, nicht de wahr, Üeb«rzeugung der deutschen Arbeiterklasi« auSdrückt. Sie erklärt, dah diese Abstimmung den Prinzipien der SAS. diesom Widerstand, er möge ihn aufgeben. Was aber wirklich sozialdciiiokratisch ist, wird seinen Frieden mit Hitler nie und nimmer schließen. Zu jenen deutschen Sozialdemokraten, tortfn entschlossen sind, mit dem Aufgebot aller ihrer Kraft die Ketten zu sprengen, mir denen Hitler Deutschlands Proletariat und Deutschlands Geist gefesselt hat, bekennen wir uns und wir sind, nn Sinne der intcmatio- nalcn Beribundenheit mit den Proletariern aller Länder, bereit, den deutschen Arbeitern 41 Arbeiter verbrannt Mexiko, 18. Mai. Im Sägewerk von Cuyuaeo im Staate Puebla brach ein Schadenfeuer auS, das mit großer Schnelligkeit auch auf die Nachbargebände Übergriff. Bon den Arbeitern konnten sich 41 nicht mehr reiten und ver- dah st« in«nverbrllch- dculfchen Arbeiterklasse Feindschaft gegen den deutschen FaseiSmuS verharren wird, schlimmsten Gefahr für di« Freiheit Frieden geworden ist." Die von der Exekutive beschlossene nationale Konferenz, die der der großen Probleme de» Sozialismus... gewvart dienen soll, wurde für den 20. August nach Pari» einberufen. Neber den für Anfang Jänner nach Kopenhagen einberufenen internationalen ontifascistischen Kongreß wurde festgestellt, dah er, wie verschieden« sozialistische Parteien bereits klargelegt haben, eine Ber- anstaltung de rKo in mu nisten ist, di« sich nicht nur gegen den FaseiSmuS richtet, sondern ofsensichtlich auch zu Angriffen auf sozialistisch« Parteien mißbraucht werden soll. De der SAJ anaeschlossenen Parteien werden daher an dem Kongreß ebenso wenig teilnehmon, wie seinerzeit an dem von denselben Organisationen veranstalteten Amsterdamer Antikriegs. kongnß. Morgen treten die beiden Vorstände der SAJ und de» Internationalen Gewerkschaftsbunde» zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. in den Kämpfen, denen sie nicht auStvcichen können, zu helfen. Wenn Löon Blum die Solidarität mi,t jenen ablehut, die mit dem Hitler-Negimel Kompromisse schließen wollen, so wollen wi4 die treueste Solidarität d e n e ir i g e g e»r ü b e r Hochhalte n, welche m i 4 uns dem FasciSnruS Krieg anschgen, einen Krieg, der nur 'enden kau» mit der Vernichtung des FafciS- muS und mit dem Triumph der proletarischen Demokratie. Wollt Ihr abseits stehen angesichts einer Katastrophe? Die snvetenveutsch« Bürger» presse hat sich von Herrn Hitler Egleichschalten" lassen. Wer sie liest, erfährt nicht di« Wahrheit! Wer Vie Wahrheit hören will, der must die sozialdemokratisch« Presse lesen! Wer sich täglich ne» wappnen will zum Kampfe gegen den FaseiS» mnS, der muh Leser eine» sozialdemokratischen TagblattS sein! Gebet den Arbeitskameraven im Betrieb, im Haus, im geselligen Beisammenfein unser Blatt in die Hauv! Werbet unablässig sür(pure Zeitung! Saget denen, nicht hatten, dah naten Tag für nen haben; dah land wie im Ausland w ä ch st; schwersten Ringen des Proletariats d i e Rolle von Menschen spielen, die der entsehlichen Wirkung einer ylementarkatastrophe zusehen, ohne helfen zu wollen, ohne den Opfern Hilfe zu bringen und daS eigene gefährdete Haus zu retten! Wer helfen will, muh wisien, w o und wie er anpaeken soll. DaS erfährt er a«S der sozialdemokratischen Zeitung. Darum: unsere Zeitung in die Hand sedeS Proleten! gebend gewesen sein, möge der Wunsch dabei mitgesprochen haben, der SPD die Tribüne des Reichstages für di« Zukunft nicht zu versperren, der politische und moralische Schaden, den die Abgeordneten angerichtet haben, wiegt tausendfach schwerer als alle kleinen Vorteile, tvelche durch die Haltung der Fraktion ettva erzielt wurden, wobei wir auch daran zweifeln, daß der Druck, der auf der SPD lastet, selbst nur ein wenig erleichtert weichen wird. Der große Schaden aber, den die Fraktion angerichtet hat, ist nicht Befürchtung, sondern Tatsache, welche in der Gefahr besteht, daß der Kampf- und Abwehnville gegenüber dem braunen Hunnentum in den sozialdentokrati- schen Menschen erschüttert und abgeschwächt wird. Eine solche Erschükerung des Glaubens der Sozialisten in Deutschland wäre für die proletarische Bewegung Deutschlands und für die Zukunft des Landes ärger als alle Ver- folgungen und Mißhandlungen, Zerstörungen von Häusern, Raub des Vermögens der Partei und der Getverkskl)aften. Dieser Wille zum Widerstand ist das Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit, die Frucht sozialdemokratischer Aufklärung von Generationen, das Erbe von Marx und Lassalle, von Bebel und Liebknecht. Die bensche Sozialdemokratie würde sich selbst untreu weichen, wenn sie diesen proletarischen Heroismus aufgäbe. Wer zu schwach ist zu I brannten. «eure wiener Abrustuiigs- Konlercnz. Genf, 18. Mai. Die Delegationen auf der Abrüstungskonferenz haben heute früh die schriftliche Mitteilung.Hendersons bekommen, daß der HanptauSschuß der Abrüstungskonferenz, statt wie vorgesehen, am Donnerstag, am Freitag nachmittag zusammentreten werde. Henderson spricht von der Möglichkeit, daß Botschafter Nadolny vielleicht am Freitag in der öffentlichen Sitzung des Hauptansschusses der Abrüstungskonferenz auf Grund der Erklärungen deS Reichskanzlers den Standpunkt der deutschen Regierung zu den auf der Tagesordnung stehenden Fragen darlegen werde. Naohdrucli Verbotes« UND DAS 20. JAHRHUNDERT Roman von Rudolf Brunngraber Copyriglb by SocJeiiU-VerlaR, Frankfurt am Main 1934 52 1930—1931. Der gepflasterte Weg zur-Slle. Januar 1930 in Oesterreich. 308.238 Arbeitslose. Jeder fünfte versicherte Arbeiter ohne Beschäftigung. Die Zeitungen führen als stehenden Ausdruck das Wort Katastrophenwinter. Aber Karl ist keine Rechenmaschine, er ist ein Mensch voll Vergangenheit. Am 11. Jänner, als er in der Mittagszeit über den Stephansplatz geht, ist Föhn. Und e uer Großstadt merkt man ihre Nöte nicht ohne weiteres an. Die kolosiale» Häuserfronten stehen, die Schaufenster funkeln vor Waren und immer ist ein Geichwärm da, daS fashionable und eilig den Asphalt herabkommt. Die Pleite sitzt hinter den Mauern und Stirnen und da» Elend hockt mehr an den Rändern der steinernen RieseMvabe. Karl geht über den Platz, der das Zentrum der Stadt ist» er geht an dem tausendjährigen Dom vorüber. Und die Sonne scheint und Tauben flattern um die Fialen. Die gewaltige Ruhe de» Bauwerks zieht Karls Blick hinauf. Da reicht ihn« die Stadt mit all ihren Menschen und dem.Häusermeer nur bis ans Knie, wie dem Turm selbst. Karl bleibt in der Sonne stehen und hebt die Hand an die Wange: vielleicht, denkt er, geschieht nun die Wendung ins Gute. Karl glaubt nicht, daß da» Sch'ck'al einen Siebenunddreißigjährigen noch einmal an den Anfang stellt, ohne mit ihm etwas vorzuhaben. In der Tat, er benimmt sich, al» stünde der Ma;or aus dem Personalbüro gleich dem plusternden Mephistopheles hinter ihm. Nur daß Karl seine Offerte nicht an eines einsichtsvolle Instanz im Himmelblau zu richten hat, sondern an Firmen. An Firmen für Drahtgeflechte, für Jute, sür Badeöfen, für Hänge- bahnen, sür Brot, für Glasbuchstaben, für Eisenhochbau, für Photoapparate, für Elektronguß, für Schuhe. Und die Antwort gibt ihm da» Äoniunkturforschungsinstitut. In der Welt zehn Millionen Arbeitslose, in Oesterreich im Februar 318.066. Da spürt Karl, daß den modernen Metrschen nur ein dünnes Häutchen vom Verderben trennt; er beginnt zu ermesien, daß da» Geld, dieses Exakteste, das e» in der Welt gibt, ungeheuer weit>ucg von ihm sein wird, in ein paar Tagen. Nun wird ihm deutlich, er müsse sich vor allem daS Obdach sichern. Aber diese Sorge ist zu spät in feinem Kopf groß geworden. Er muß Hungertage einschalten, während er>m Februar und»m März noch bei Lehrner& Co. über den Kladden sitzt. Er muh eine äußerste Anstrengung mache», die Miete für zwei weiter« Monate zu erübrigen. Die Stadt hat vierzehn Arbeitslosenämter. Jedes schickt täglich 800 Arbeitslose z>ir Auszahlung der Unterstützung. Für das ganze Land macht das im Jahr einen Kostenaufwand von über 200 Millionen Schilling. Aber Karl, der in der Schlange vor den Schaltern zweieinhalb Stuicden warten muß, erhält für die Woche 16 Schilling und einmal im Monat ein« MietzinS- zulage von 3 Schilling. Am 5. April geht er zum erstenmal zur Auszahlung. Seit dem 8. April besucht er einen Umschulungskurs der Industriellen Bezirkskvmmrsston. Der Kur» nimmt den Bor. mittag in Anspruch und soll ihn>n zehn Wochen zum Schaufensterarrangeur machen. Man hat ihm diesen Beruf Vovaeschlagen, weil Chauffeur zu werden längst aussichtslos ist und weil Karl, der neben seiner Fliegerei auch lein Zeichentalent angab, Re pshchotechnifche Eignungsprüfung ent- iprechettd. bestand. Die KurSteilnchmer sind sich jedoch einig, daß keiner von chnen eine Stelle finden wird. Karl dachte beim Antritt: wie oft iverde ich noch umsatteln? Aber er stellte sich willig an, trotzdem die Zivilisation sichtlich ratlos war mit ihm. Er ahnte, daß der Kurs die Demoralisation«ine Weile hinauSschieben würde, und er hatte sich am ersten Tag gesagt: da» Wichtigste sei nun, die Haltrtng nicht zu verlieren. Im Augarten blühn schon die gelbsternigen Forsythien. Karl kann kaum noch Gew für Briefmarken erübrigen. So spricht er an den Nachmittagen, denn auf den Kurs wagt er nicht zu rechnen, bei den Firmen persönlich vor. Die Stadt hat 132.808 Betriebe. Auf den Handel allein entfallen 53.353. Die Summe der hier zu betreuenden verwaltungstechnischen und kauf- männischert Posten beläuft sich auf 64.783. Und ferner: 16.000 von den Einwohnern der Stabt liegen ständig im Spital, 27.000 sterben jährlich und 5000 werden wegen Verbrechen abgeurteilt. Karl kennt diese Zahlen nicht, aber er rechnet gefühlsmäßig mit ihnen. So steht er voll Neid jeden Tag in drei Dutzend Personalbüros. Bei Firmen für Dynamoriemen, für Gasmotoren, für Waschartikel, für Kohlepapier, sür Alpakasilber- waren, für Kabelmasse, für Staubsauger, für Gummiabsätze, für Asbestschutzkleider, für Flugzeugbau. Aber fein Aufenthalt bauert in der Reget nicht länger, als man zur Feststellung braucht, daß das eine Büro einen Parkettboden hat, daS andere einen von Hölzzement, das dritte einen von Gummi. Alle Gesichter verfalle» in die nämliche Verlegenheit, einzelne tverden sogar überschwenglich; wo denken Sie hin? Und jede dritte Stelle wird von einer Frau gehalten. In der Welt tritt der Poung-Plan in Krast, die neuerliche Regelung der Reparationsfrage; cn Geirs tagt die alljährliche DiskusftonSkonferenz des internationalen Rationalisierungsinstituts; die Sowjetunion baut 80 Propagandasender;.in Oesterreich sinkt der Beschäftigungsgrad der Roh- eiseninduistrie während eine» Monats von 67 auf 50 Prozent. Die 3782 Straßen Wien» zeigen Line hsuMerhfrunversdMe Interpellation, In der gestrigen Sitzulig de» Abgeordnetenhauses wurde eine Interpellation der Abg, Jung und Konsorlen vom 24. Diärz d. I. aufgelegt, die an di« Minister de» Innern, der Justiz und de» Aeußeru gerichtet ist. Und jmac „in Angelegenheit der verschiedenartig geübten Zensur". E» handelt sich um da» bekannte Flugblatt unserer Partei gegen den FaseiSmuS, baden Titel trug:„Da» Entsetzen rast durch Deutschland." Wei er» gefällt den Herren Interpellanten nicht da» Plakat, da» im Wahlkreis B.-Leipa anläßlich der am 19. März ftattgefunbenen anti- sascistischen Demonstrationen angeschlagen war. DieHerrschaften entrüsten sich nicht wenig, weil Flugblatt und Plakat angeblich„eine Reihe ausgesprochener Lügen und Verleumdungen enthalten, tvelche gegen die Partei des deutschen Reichskanzlers gerichtet sind..." E» ist ein mehr al» starkes Stück, die von den Hunnen in Deutschland im Namen der„nationalen Erhebung" begangenen ungeheuerlichen Schandtaten, welche da» Entsetzen der ganzen Welt hervorgeriifen haben, in dieser unverschämten Weise beschönigen zu wollen. Und wenn man sich über„gröbliche Beschimpfungen der deutschen Reichsregierung und de» deutschen Reichskanzlers" aufregt, so ist do» angesichts der barbarischen Methoden, die im Hitlerreich gegen Demokratie, Sozialismus, Judentum, Wissenschaft und Kultur angewendet werden, ebenfalls eine unerhörte Leistung saseistischer und halbfaseistischer Politiker. Geradezu lächerlich ist«S, wenn ausgerechnet ie, die den schärfsten Mordterror in Deutschland die Mauer machen, von„blutrünstigen" Flugblättern und Plakaten sprechen und sich darüber beschweren, daß die Behörden mit „zweierlei Maß" mesien. Angesicht» der totalen Unterdrückung der sozialistischen Bewegung Deutschland-, der versuch!«» Ausrottung des „Marxismus" mit den niederträchtigsten Mitteln, haben di« Interpellanten di« Stirn, an die erwähnten Minister folgende Frage zu stellen: „Ist Ihnen der aufreizend« und lügnerische Inhalt de» im Wortlaut wiedergegebenen Flugblatts und Plakat» bekannt und find Sie gesonnen, Vorkehrungen zu treffen, daß In Hinkunft derartige Druckerzeugnisse, welche den inneren Frie- den gefährden und das Verhältnis zum Nachbarstaat« trüben, nicht mehr zugelassen werden, bzw. daß gegenüber allen Parteien mit gleichem Maße gemessen wird?' Die vom 24. März datierte Jnterpellalion ist von folgenden Abgeordneten unterschrieben: Ina. Jung. Kasper, Köhler, Dr. Schollich, Dr. Hassold, Kun», Oehlinger, ZajiSek, Dr. Luschka, Bobek, Frnscher, Scharnagl, Krumpe, Horpynka, Jng. Kallina, Dr. Hanreich, Dr. Keibl, Geyer Knirsch, Mahner, Simm. ES sind Nationalsozialisten, Deutschnationale, deutfche Geweroeparteiler und Christ- lichsorial« im holden Verein mit magyarischen „Christen", die sich derart für den reich-deutschen und heimischen FaseiSmuS exponieren. Deren Namen wird man sich merken müssen! Tschechoslowaken in der SA. Die beiden Ascher Nationalsozialisten Schröder und Figert, di« in den Metallwerken in Böhmisch-Grilnthal al» Buchhalter beschäftigt waren, sind in Olbernhau als SA-Führer tätig. jeden Tag daS gleiche Bild, nur die Kastanien stecken ihre Ker^n auf und die Lust wird beseligend. Karl sreht am Trottoirrand und denkt: nie habe ich da» so bemerkt. Nun freilich bemerkt er eS sehr zur Unzeit. Der Noung-Plan macht au» dem DaweS-Provisorium ein Definitivum, obgleich Deutschland, um im Rahmen de» DaweS- Plan» 8 Milliarden zu leisten, Darlehen in der Höhe von 13 Milliarden hat aufnehmen müssen. Und über da» lausende Jahr(1930) wächst diese Summe abermals um eine Milliarde. Europa, da» seit dem Krieg von amerikanischen Krediten gelebt hat, erhält keine Kredite mehr. Die USA. zählen bereit» 4 Millionen Farmer weniger al» 1920, sie operieren selber sck)wer an sich; vor allem aber liegt die Welt in einem Ehao», in das niemand mehr Kapital investiert. Die Not des Warenüberflusse», der totgelegten Häsen und Fabriken und der Hungerdvmonstrationen, zieht sich fetzt über di« ganze Erde, durch Schweden wie durch die Südafrikanisch« Union, durch Polen wie durch Mexiko, durch Kuba wie durch Jugoslawien, durch Paraguay wie durch Jndochina. Das System, das hoffärtigst« aller Zeitalter, hat sich zu einer unerhörten Verwirrung übersteigert. Die Welt de» zwanzigsten JahrhurwertS, in der alles zu allem und jede» zu jedem in Beziehung steht, liegt in einem beispiellosen Krampf. Sie ist zum Krepieren voll El«>w, wobei ihr Reichtum ihr al» goldener Mühlstein um den Hal» hängt. Sie tanzt wie ein Irrer Eschen den Abgründen ihrer Ordnung, der Ordnung der Rockefeller und Taylor, die sich infernalisch ineigene Gesicht schlägt. Lediglich die 251 Delegierten in Genf, die aus 21 Ländern zusammengekommen sind, bewahren jene Fassung, mit der man zu allen Zeiten die unvermeidlichen Höllen- sahrten angetreten hat. Sie tragen eine große Eule nach Athen, den Punkt C ihrer Resolution: dringend vonnöten lei die Stärkung des Konsums durch Hebung der Kaufkraft. (Forljeyung folgt.) Rr. 117. Freitag 10. Mad^SSL Gelte 8 Ser LandesausButz nnb die Gemeindedarlehen aus der Arbeit-anleih«. Der Lcucku:-au-schuß unterbreitet« gestern der Landesvertretung-en Antrag, auS der staatlichen Arbeitsanlcihe einen Betrag von 80 Mil- lionen XL für Investition-Zwecke anzufordern. Am Zusammenhang« damit teilt« der Finanz« referent mit, daß nach den Vorschlägen d«S Lan- desautschusseS 400 Gemeinden 218 Millionen und 80 Bezirke 24 Millionen K$ erhalten sollen, so daß die Selbstvertvaltungskörper in Böhmen zusammen mit dem Land 300 Millionen Kö a u i der Arbeitsanleihe erhalten sollen. Der Antrag bei LandeSauSschusieS wurde mit der Ergänzung angenommen, daß das Land, wenn sich die Notwendigkeit Herausstellen sollte, 80 Millionen AL anfordern solle. Au diesem Punkte der Tagesordnung stellte genösse Pölzl einen Antrag, der den Gemeinden die Aufnahme von Darlehen auS der Arbeitsanleihe erleichtern soll. Das Gasetz über di« Aöbeit-anlekhe bestimmt nämlich, daß die Vorschriften des Gemeindesinanz. gaseheS über di« BewMgung von Darlehen der SÄbswerroaltungSderbärcke bei Darlehen aus der Arbeit-anleih« kein« Anwendung finden. Trotzdem «geben sich au« der Praxis des Landesausschusses, der sich auf die Einstellung d«S Finan-zministe- rdrmS stützt, Schwierigkeiten für die nicht selbst genügenden Gemeinden und Widersprüche zu der oben angeführten Bestimmung. Genosic Pölzel verlangt«, daß der Landesausschuß diese Widersprüche beseitige. Der Finanzrescrent deS Landes, Dr. Ku. ii sta, präzisierte die Stellung deS Lande SauS- KS in dieser Frage dahin, daß dieser bereit hin zu wirken, daß auch die Gemeinden und Bezirke den Zinsenoienst auS diesen ihnen zuge- wiesenen Daneben immer ausbringen und daß er in den Grenzen deS Gesetzes und seiner Wirksam, leit dafür Sorge tragen werde. * Der Rechnungsabschluß deS Landes für das Jahr 1932 wurde in der gestrigen Sitzung genehmigt. Fristverlängerung der Arbeitsanleihe auch bei Steuerhinterziehungen. Prag, 18. Mai. In der heutigen Plenarsitzung wurde lediglich ein Rcgierungsentwurf ausgelcgt, durch den die Frist zur Zeichnung von Arbeit Sa nkeih« nach§ 6, Abs. 1 bis zum 30. Juni d. I. verlängert wird. Es handelt sich hier üm die Amnestie für Steuerhinterziehungen, dir zugesichert wird, sofern daS EinkommensteuerbekenntniS für lSW nachträglich richtiggc stellt und gleichzeitig für den gesamten Betrog deS bisher verheimlichten Ka- pitall ArbeitSanleihc zum Kurs von 103 gezeichnet wirb, die zwei Jahre gesperrt bleibt. Im Motivenbericht wird angeführt, daß bis zum 13. Mai insgesamt 154.3 Millionen AL auf Trund dieser Amnestiebestinruningen gezeichnet wurden. Nack) den Meldungen der ZeichnungLstellen habe» nach viele Personen über.die Zeichnung nach 8 6 verhandelt, konnten sie jedoch innerhalb der im Besetz sestgelegten Frist bis zum 15. Mai nicht durchführen, weil sie daS Geld nicht flüssig halten; das gelt« besonder- von dem im Ausland angelegten Vermögen. Die Regierung empfiehlt daher die Fristverlängerung auch für diese Zeichner bis Ende Juni. Dazu ist ein eigenes Gesetz nottvendig, weil die Frist ausdrücklich im Gesetz mit 18. Mai festgelegt war. *** Zu Beginn der Plenarsitzung hielt der Vorsitzende dem gestern verstorbenen Abgeordneten Vollmann(B. d. 8.) einen herzlichen Nachruf. worauf die Debatte über den StaatSrech- nunasabschluß für 1931 fortgesetzt wurde. Nach zwei Rednern wurde die Debatte abermals unter- krochen und die nächste Sitzung auf morgen, Freitag 11 Uhr vormittag-, anberaumt. Blind vor Freude scheinen di« Konnnunislen hierzulande geworden zu sein. Mit mwerhohlener Zufriedenheit stellen sie in ihrer Presse immer und immer wieder test, daß die SPD. gänzlich vernichtet worden sei, daß auch de» freien Gewerkschaften der Garaus geniachl wurde. Meldungen ähnlicher Art in den Zeitungen der deutschbürgerlichen Parteien versllht man, denn ihr erstes politische- Ziel war immer schon di« Vernichtung der Ar. beiterorganisationen und RochtloSmackung der Arbeiterschaft. Was aber bestimmt die Kommunisten dazu in Glücksstimmung zu fallen, wenn sie Zeugen deS kapitalistischen Vernich, tungskampfes gegen die Sozialdemokratie im Deutsche» Reiche werden? Politische Klugheit? Konkurrenzaründe? Nein! Nichts als blinder politischer.Haß gegen die Sozialdemokratie! Ihr hiß geht so weit, daß sie vergessen, welches Schicksal ihr« eigenen Parteigenossen und Organisationen in Deutschland ereilt hat. Das glrichc wie die Sozialdemokraten! Sie haben aber keine Zeit, um über die Lage der KPD. vochzudenken, keine Zeit, weil sie sich mit dem ^Mnge der Sozialdemokraten im Reiche Mastigen müssen. Trotzdom finden sie den Mit, zu gleicher Zeit von der Einheitsfront zu «den und zu schreiben! Die stimme der Welt Kein vertrauen zu dem plöizlichen Umschwung. Die Pressekommentare zur Red« des .Kanzlers zeigen in allen Staaten ein ziemlich übereinstimmendes BUd. Allgemein tvird darauf verwies«», daß Hitler, belehrt durch die schweren Niederlagen, welche Deutschland in der letzten Zeit auf außenpolitischem Gebiete erlitten hat, nunmehr einen gemäßigten und im internationalen Meinungsaustausch üblichen Ton anschlägt. Trotzdem verweist die Weltpresse auf die zahlreichen Vorbehalte in den wichtigsten Fragen und äußert dabei ein ausgesprochene- Mißtrauen gegen die wahren Ziele der Politik Hitlers. Eine Klärung der Verhältnisse erblickt die Presse der großen europäischen Staaten in Hitlers Rede nicht. Nur durch Taten könne die deutsche Regierung beweisen» daß die Erklärungen des Kanzler- ehrlich gemeint seien. Venter urteil: Taktische Aenderungen. Die Spannung hat in Genf nach der Rede Hillers nachgelassen, doch dauert die Unsicherheit auf der Abrüstungskonferenz weiter an. Hitlers Erklärungen haben im ganzen nichts Neues gebracht. ES Ist dies eine für die Augelkachsen bestimmte Rede, mit deren antideutschem Fühlen H i t l« r sichtlich gerechnet hatte und die er überzeugen wollte. In Genf wurde vergebens in der Kundgebung etwas Bestimmtes über di« Abrüstung gesucht. Tie Erläuterungen zu Hitlers Rede, die Botschafter Nckdolnx wahrscheinlich am Freitag vor» bringen wird, werden deshalb als allfällige taktische Aenderungen aufgefaßt werden. Die Schweizerische Presse bezeichnet im allgemeiuen die Rede Hitlers, als in der Form gemäßigt, billigt aber nicht, daß Hitler eiuige unklare Zugestandnisie iir der Frage der Abrüstung noch durch zahlreiche Vorbehalte getrübt hat. nie Wiener„Arbeiter Zelwng schreibt: Hitlers Anhänger, die nach den Theaterdonner im Ohr haben, mit dem er in den Versammlungen gegen die„Schandverträge", gegen die„Versklavung des deutschen Volles" und die^Novemberverbrecher" loSzu legen pflegte, die ihm die unerträg- lichen„Tributlasten" aufgehalst hätten— sie müssen sich an den Kops gegriffen haben, als sie gestern die Schalmeien des Herrn Reichskanzlers hörten. Keiner der vielverlästerten Pazifisten und Demokraten, keiner der Männer des dreimal verfluchten„Systems" hätte diese Rede sanfter und friedlicher halten können! Hitler, der unzählige Male versprochen hat, den Vertrag von Versailles zu zerreißen, hat gestern versichert, seine Regierung denke nickt daran, ein Ucbereinkommen zu verletzen! Hitler, der Teinaaog, vcrtnandelte sich i>« Hiller, den Diplomaten. Bei der ersten Gelegenheit, bei der der deutsche FascismuS, der durch die wildeste Auspeitschung der nationalistischen Instinkte zur Macht gekommen ist, vor oller Well auf die Probe gestellt wurde, sein außenpolitisches Bekenntnis abzuleaen, erwies sich auch auf diesem Gebiet seine schamlose Hetze als noch schamlosere Heuchelei. Der Prüfstein. Die Abrüstungs konferenz. Loudon nicht überzeugt. „Nach Hitler, den» Demagogen und Meister theatralischer Effekte, hat die Welt den Staatsmann Hitler kennen gekernt", sagt „Time S", welche geneigt ist, di« Rede Hitlers als eine Kundgebung anzusehen, welche eine bessere Atmosphäre schassen köitnle, gleichzeitig aber audeulet daß man als Prüfungsstein der Politik der deutschen Regierung den Standpunkt ansehen müsse, weichen der deutsche Delegierte Botschasler Nadolny in der Abrüstungskonferenz einnehmen werde. Im allgemeinen könne aus den Aeußerunaen des Kanzlers der Schluß gezogen werden, daß die deutsche Regierung zum mindesten bereit sei, jetzt in einer vernünftigeren Weise die Frage einer Aen- derung des Wesens der Reichswehr zu erörtern. In der„Mornina Po st" heißt es. die wahre Schwierigkeit in Versailles sei gewesen, daß Europa von dem Gedanken besehen gewesen sei, niemals wieder unter der Bedrohung deS preußischen Geiste- zu leben. Der Reichskanzler gebe beruhigende Versicherungen ab. Aber eS zeige sich eine GeisteSver- fasjung in Deutschland, die beunruhigender sei, als tatsächliche Rüstungen es sein würden. Reserve in Paris. Die Agentur HavaS teilt mit: Die Erklärung Hitlers wurde in Frankreich mit R e s e r v c, 1 aber ohne Böswilligkeit ausgenommen. Die kompetenten Fakwren würden die Ausführungen des Reichskanzlers nicht ungünstig aufnehmen; wenn sie die Gewißheit hätten, daß die Erklärung Hitlers der wahre Ausdruck der tiefen Tendenzen der deutschen Politik ist. Man wartet daher die künftigen Beratungen in Genf ab. Ma» ist der Ansicht, daß Hitlers Erklärung keinen ernsten Umschwung hinsichtlich der wirklichen Ziele der deutschen Politik bedeutet, daß aber eine völlige Aendernnq hinsichtlich der Methoden erkennbar ist und daß Hitler in dieser letzteren Hinsicht Deutschland zur Praxi- der normalen diplomatischen Verhandlungen zurücksiihrt. Die hier erkennbare Aenderung wird allgemein dem Unistande zugeschricben, daß Deutschland lauter Enttäuschungen erlebte, u. zw. sowohl bei Schacht« Verhandlungen mit dem Präsidenten Roosevelt wie auch bei dem'Aufenthalt Ro- senberaS in London, hauptsächlich aber, als es die feierliche Warnung Roosevelts zur Kenntnis nahm. - und In New York. Im Gegensatz zu dem günstigen Eindruck der Hitlerrede in Washingtoner Kreisen, verhält sich die New Parker Morgenpresse abwartend. Die New Rorker Time» erklärt, nach eingehender Untersuchung der Roosevelt-Botschaft und der Hitler-Rede könne mau sagen, daß außer einer„schöneren Phraseologie" eigentlich alle« beim ollen geblieben sei. Das eben genannte Blatt lagt, daß erst praktische Ergebnisse in Genf die Aufnchtigkeit der deutschen Haltung beweisen könnten. nie reidisdeutsdie Presse bezeichnet naturgemäß Hitlers Rede als eine politische Tat, welche die ganze Welt überzeugen müsse. Im übrigen bringen die Blätter nur Umschreibungen der Rede selbst und verweisen darauf, daß es letzt an den andern sei Verständnis und Entgegcn- konimcn an Deutschland zu beweisen. Pie tsdiedilsdie Presse. „Prckvo Lidu": Hitlers Rede zeigt, daß er, soweit es sich um die auswärtige Politik handelt, friedlich sprach, wenn auch versteckte Drohungen an die Adresse des Völkerbundes gerichtet waren, deswegen weil der Völkerbund nicht das Werkzeug Hitlers ist. Aber er glaubt c« mit dem Frieden nicht ausrichtig. Die Kundgebung Hitlers bemühte sich den ungünstigen Eindruck in der Welt nach dem Machtantritt Hitlers zu verwische» und wollte zeigen, baß Deutschland nicht den Krieg will, sondern bereit ist zum Frieden. Im übrigen ist es nun eine Frage der Auslegung, mit welchen Mitteln Hitler die Gleichberechtigung erringen will und ob die Friedensbeteuerungen nicht ein Mantel sind, der der Welt den richtigen Stand der Dinge verbergen will und die der Welt gefährlich sind auch wen» Hitler friedlich redet. Ein Mensch, d«r seine Gegner ermorden läßt, der zu Hause eine Klasse vou Staatsbürgern zu Bürgern zweiten Ranges disqualifiziert hat, hat nicht da- Recht im Namen der gesamten Ration zu reden und im Namen dieser Nation von der Welt Gleichberechtigung zu verlangen, jene Gleichberechtigung, di« er den eigenen Mitbürgern verweigert. „Lidovck Novinh": Am interessantesten ist es, daß, sich der Führer des erwachten Deutschland in die Pose des Uebersallenen wirft und die andern zu- überzeuge« versucht, daß mau mit dem Kriege nichts ausrichtet und daß jede gewaltsame Lösung die gegenwärtige Lage nur verschlechtern würde. DaS ist wirk lich ein Schauspiel für Götter. Die Thesen Liormann Angells im Munde Hitlers: Der Pazifismus, de« Popen gerade aus dem deutschen Wörterbuch au-gestricheu hat, wird die osfizielle Anschauung der Hitlerregierung. Während der Vizekanzler den ruhmvollen Tod auf dem Schlachtfeld« gegenüber dem schandvollen Tod im Bette rühmte, eifert der Kanzler gegen den Wahnsinn deS Krieges. „Skckrodnl Lisch": Vom internationalen politischen Standpunkt am wichtigsten ist das, waS Hitler nach Gens gesagt hat, daß»amlich Deutschland aus der Konferenz weggeht und auS dem Völkerbund austritt, wenn die Abrüstungskonferenz nicht den deutschen Standpunkt aus Rustungsgleichbcrechtigung anerkennt. WaS Gens mit den Deutschen machen wird, weiß man nicht. Wenn eS ihnen die erhoffte Gleichberechtigung verleiht, bedeutet das eine noch geringere Sicherheit in Europa als bisher. Daran wird auch der neue Antrag Roosevelt- nichts ändern. Sei» ganzer Wert besteht darin, welche realen Garantien der Sicherheit er bringen wird. Das ist noch unklar." Hervg, FranKreiöis Hiller-AIIe. Paris, 17. Mai. Da- Schreckenskind des politischen Lebens in Frankreich, das vor Hitler den Vorzug besitzt, mit de,n nötigen Humor be. obachtet werden zu können, Herr Gustave H e r v 6 hat die Erfolge des deutschen Fascismus und den Feiertag von Jeanne d'Arc z14. Mai) dazu benützt, um ein« eigene Nationalsozialistische Partci zu gründen und sich selbst zum Ches der„Nationalsozialisti- s ch e n Miliz" zu ernennen. Damit keine Irrtümer entstehen: von der„Partei"(die übrigens keine Partei seiik soll, sondern ein„nationaler Kreuzzugs weiß niemand etwas, außer daß sic dem Vernehmen nach„gegründet" worden ist; von der„Miliz" existiert nur der Ehef(in einer bunten Uniform, wie cs sich gehört) und sein Stab. Trotzdem— oder gerade deswegen?— lacht ganz Frankreich; man ist beruhigt, daß Gustave Heros, der schon immer das ernste Leb«n zu würzen verstanden hat, auch dieses Mal seiner Tradition treu geblieben ist. Landeshauptmann Reimer Wien, 18. Mai. Die niedcrösterrcichischc Landesregierung hat heute den ucuen LandcS- hauptmann gewählt, da der bsihcrige Landeshauptmann Dr. Buresch in die Bundesregierung berufen wurde. Die Sozialdemokraten gaben die Erklärung ab, daß sie an den Grundsätzen der Demokratir scsthalten und der Auffassung seien, daß der stärksten Partei, d. i. den Christlichsozialen, der Landeshauptmann gebühre, daß sie aber wegen der derzeitigen Haltung der Christ- lichsozialen im Kabinett nicht für den christlichsozialen Kandidaten stimmen könnten. Nach Abgabe dieser Erklärung verließen die Sozialdcino- kraten den Saal. Die Nationalsozialisten blieben bei der Abstimmung im Saal, obwohl sie durch ihre Absenz die Sitzung hätten beschlußunfähig machen können. So konnte dann mit den Stimmen der Christlichsozialen ihr Kandidat R e i t h e r zum sLandeshauptmann gewählt werden. unsere Partei wamst! Glanzende Werbe- Erfolge. Der deutschen Sozialdemokratie in der Tschechoslowakei geht cs schlecht, um ihre Ovganisa- tionen steht eS nicht zum Besten, sie leiden an Mitgliedcrschwund... So ich irlich schrieb dieser Tage der ,,B e n- kau", das Blatt der tschechischen Agrarier und des Ministerpräsidenten. Statt: jeder Polemik mit dem so ausgezeichnet informierten Blatt stelle» wir fest, daß unsere Partei ständig an Mitgliedern zunimmt. Gerade m den letzten Monaten und Wochen ist in einer Reihe von Be« zirkcn eine Wcrbc-Aktion mit glänzendstem Erfolg abgeschlossen worden. Aus den bisher vorliegenden Berichten zitirren wir zwei: Oie Bezirksoroanlsatlon Nendeh konnte den Stand der organisierten Mitglieder innerhalb zweier Monate von 2345 auf 2800 erhöhen; also eine Zunahme von mehr als 450 Mitgliedern in einem einzigen Bezirk! Der Zuwachs im Neudeker Bezirk ist vor allem auf die systematische Werbearbeit der Geil o s s i n n e n zurückzuführcn: 350 Arbeiterfrauen sind dort der deutschen sozialdemokratischen Partei neu bcigctrcten! Einen ähnlichen ausgezeichneten Wcrbeerfolg hat unsere Organisation in Wstadl', zu verzeichnen. Seit dem 1. Mai find dort mehr als 200 neue Mitglieder der Partei geworben worden, davon sind über 130 Männer. Wir beglückwünschen die genannten Organisatioeen zu diesem glänzenden Resultat, das ihnen und allen anderen Organisationen dcr Partei Ansporn zu waitcrrr Werbetätigkeit sein wird. e- Ehrentafel lür sozlaldemoüraftsdie Werber. Der Bericht aus Wigstadtl nennt die lyc. nofien und Genossinnen, die dcr Partei neue Mitglieder zuführtcn. Tie besonders verdienten Werber scheine» uns Anspruch auf einen Platz in einer Ehrentafel zu haben; nachfolgende Genossen in Wigstadtl haben mehr als zehn neue Mitglieder dcr Partei zngcführt: Hauptmann Alfred(allein 33 Mitglieder!), Heinrich August, A n d e r k a Sophie, Meier Willi, D u l a n s k y Josef, D u l a n s k y Julie, Haust t- mann Max, Mader Berta, Wi Ische r Josefa. Ihnen allen und natürlich auch den übrigen fleißigen Werbern, ob erfolgreich oder nicht, gebührt der Dank der Gcsamtpartci! Audi enollsdie Oewerksdialtsgelder von Hitler hesdilagnalunt. Im Laufe der rücksichtslosen Unterdrückung der Gewcrkscl-aftsbewcgnng hat Hiller setzt einen Betrag von 10.000 Pfund Sterling, dcr bei Berliner Banken von der Bauarbeiterinterna t i o n a l c hinterlegt war, beschlagnahmt. Unter diesen 10.000 Pfund Sterling befinden sich auch Gelder des englischen Banarbeitcrvcrbandcs, die aus seiner Verbindung mit der Bauarbeiterinternationale stammen. Ferner sind Beträge von holländischen, französischen und belgischen Gewerkschaften in diesem Betrage enthalten. Energische Prolcstschrittc sind bereits gegen diese Aktion Hitlers unternommen worden. Man hat die in Betracht kommenden Regierungen um diplomatisches Einschreiteit zum Schutze des Eigentums ihrer Staatsbürger ersucht. Sie denken nicht an Mäßigung! Berlin, 17. Mai. Dcr Reichsministcr für die VolkSaufklärung, Dr. Goebbels, hat heute einem Vertreter des„Hamburger Frcmdcnblatts" gegenüber die Erklärung abgegeben, daß die ReichSrcgierung keineswegs die am 15. d. M. von dem bal-rischen Minister des Innern, Dr. Wagner, geäußerten Auffassungen betreffs der Unterdrückung der übrigen Parteien teile. Die Nationalsozialisten, sagte Goebbels, dächten gar nicht daran,„von dcr Politik der Mäßigung, deren sie sich seit dem 30. Jänner in so hohem Maße befleißigt hätten, abzugehen"; im übrigen sei eine Maßnahme gegen die anderen Parteien schon deshalb gar nicht notwendig, weil„diese Parteien sich fortlaufend mehr und mehr von selbst auflösen." Schließlich erklärte Dr. Goebbels auf eine Frage des Journalisten:„Bis das natioualsozia- listischc System sich ganz durchgesctzt hat, werden mindestens zehn Jahre vergehen." Roosevelts Arbelts- neschaifungspiane. Washington, 18, Mai.(Reuter.) Roosevelts Programm für die öffentlichen Arbeiten, die bei einem Aufwand von 3300 Millionen Dollars durchgesührt werden sollen, sieht vor allem den Bau von Schiffen und Flugzeugen sowie die Mechanisierung der militärischen Formationen vor. Der Präsident könnte jedoch die Durchführung dieser Projekte«instellen. wenn es zu einem internationalen Ucbereinkommen käme, das die Rüstungen entweder einschränken oder herabsetzen würde. Seite 4 ftteiteg 19. SM m Nr. 117. Djebsrvache mit Hakenkreuz SlM> Emigrant«. sich zu T agesneuigkeiten Oberlehrer i. P. unterschlagt eine halbe Million. Gin Freund Aajiöeks. Troppou, 18. Mai. Dieser Tage wurde Troppau der 81 Jahre alte pensionierte Hunnisches Wiegenlieb Schlafe mein Kindchen, schlaf ei», dein Blut ist beinah rein, und wär's nicht rein, wär nicht» dabei, Ter Lev» heißt jetzt auch Herr Ley. Wenn keiner was weiß, kriegst du den RasiepreiS. Schlafe mein Kindchen, schlaf ein, denk an den Vater drin. Dein Vater stammt au» Krotoda und ist heut doch bei der SA. Weil er gut prügeln kann, kommt's garnicht darauf au. Schlase mein Kindchen, schlaf«in, di« brauchst nicht klug zu sein. Die Bücher werden all verbrannt mit Herz und Hand für» Vaterland, der Geist verfliegt in Dürrst, wir pfeifen aus die Kunst. Schlafe mein Kindchen, schlaf ein, werd kein Marxistcnschwein! Was nützt dir Ehre, Stolz und Glück, daS Mittelalter kam zurück, sei blöde und gemein, wirst bald Minister sein. Schlafe mein Kindchen, schlaf ein, in Deutschland lebt sich'» sein, wer Freiheit will, der wird gehenkt, wer Geld hat, kriegt noch mehr gescherrkt. DaS nennt mau national und arische Moral. in Troppau der 61 Jahre alte pensionierte Oberlehrer Ferdinand Schenk verhaftet, weil er als Kassier der Raiffeisenkasse in Heizendorf bei Odrau in der letzten Zeit über eine halbe Million Kronen unterschlagen hat, nachdem er dieses Amt vorher 28 Jahre ordnungsmäßig verwaltet hatte. Di« Verhaftung hat großes Aufsehen erregt. Wie verlautet, spielt die Angelegenheit in die Affäre Dr. Zajikek, Mährisch-Ostrau und Pullach hinüber. Der Verhaftete stand mit Dr. ZajiLek in reger Gcschästüver- b i n.d u n g. Die Schadenssumme beträgt nach den letzten Feststellungen 481.860 Kronen. Sie dürfte «doch um weiter« 60.000 Kronen erhöhen. m PlWt Der WMMWMl OMSlOS! Aus dem Jahresbericht des Glas- und Keramarbekterverbaudes. Cord, wird vom Gericht« für s ch u I dig erkannt, in der Abschätzung der Lage einen Irrtum begangen;«« haben, da er dein Luftschiff nicht einen Kurs gab, der das Luftschiff in lavierender Bewegung vor dem Sturme erhalten hätte, was wahrscheinlich verhindert hätte, daß es auf so katastrophale Bedingungen gestoßen Ware, die schließlich den Absturz verursachten. Diese Ansicht des Gerichtshofes wurde von dem Marineminister Swanson und dem Oberkomman- dantcn der Marineopcrationen Admirla William M. B. Prall bekämpft. Nationale Embleme mit 2800 Prozent Gewinn... Wir sind in der Lage, ans eine ganz reizende Angelegenheit aufmerksam zu machen, die vielfach Beachtung verdieirt. Seit einigen Woche«« habe«« arme H e i in a r b e i- t e r in unseren nordböhnrifcher« Grenzgebieten eine gewisse Hochkonjunktur. Sie stellen nämlich kombinierte Abzeichen der— nationaler« Revolution in Deutschland her. Diese bestehen aus einer Radel und zwei jämmerlichen Blechplättchen, von denen das linke mit den Farben Schwarz- Weiß- Rot, das rechte nnt den« Hakenkreuz auf totem Grunde versehen ist. Diese Abzeichen werben gegenwärtig in Deutschland massenhaft getragen und um' 10 Pfennig, also um 80 Heller das Stück verkauft. Hcrgcstellt werden aber diese Emble«nc des„Erwachenden Deutschland" in der Tsck)echoslowakei. In Gablonz beschäftigt sich ein Großhändler mit dieser sicherlich enragreichen Angelegenheit und vergibt die Erzeugung an H e i m- arbeite«: im I s c r- und Riesenge- b i r g e, denen er einen lvahrhaft hakenkrcuz- lerisch-fiirsttichei« Lohn bezahlt. Für ein Gros, also 144 Stück der beiden Dlechlappen, aus denen später die Fähnchen werden, erhalte«« sie I X, in Wörter« eine tscl-echischc Krone, für die Radel und das Zusammenlöten der Radc4 n«it den beiden Lappen ebenfalls eine Krone. Dabei müssen sie das Material auch noch selber liefern! Dann kowlmt die Bemalung, wofiir eü 1.70 X pro Gros gibt. Die Abzeichen werden also vom Heimarbeiter um X 8.70 das Gros übernommen, wobei sie bis auf das.Hakenkreuz bereits fix und fertig siird, d. h. die linke Zlbzeichen- feite mit der schwarz-weiß-roten Bemalung ist komplett, während die rechte Seite rmr rot grundiert crscheiirt. Das.Hakenkreuz«vird dann später irgendwo anders dmufgemalt, anscheinend aber ebenfalls in der Tschechoslo- wakei,«veil unser Gewährsmann sagt, daß dafür pro Gros 0.40 X, also vierzig Heller bezahlt werden. Insgesamt kommen also zwölf Dutzend dieser Abzeichen auf 4.10 K, während sie um 116.20 K verkauft werden! Das ergibt einen Reingewinn von 112.10 X, ober die Kleinigkeit von 2800 Prozent, in tvelche sich wahrscheinlich die geschäftstüchtige SA. oder SS. mit irgendeinen« der arische«« Gablonzer Grossistei« teilt. A'bgcsel-eir von der politischen Unmoral ist es»««erhört, wie die Rot u««serer Grenzbevölkerung mißbraucht wirb. Zu Schundlöhnen, Nne man sie wahr- scheiulich noch keinem deutsche«« Arbeiter z>« biete«« wagt, läßt n«an sich in« Auskind nationale Abzeichen machen, uni daraus uirerhörte Profite z>« ziehe««. So«vird die Arbeitslosigkeit in Deutschland bekämpft und die Zinsknechtschaft gebrochen! Ein Braunes Haus in Flammen. Im Braunen Hau» in Eckernförde brach gestern nacht aus unbekannter Ursache Feuer aus. Die in dem Hous« uutergebrachte Zeugmeisterci und die SchrifteuvertriebSstellc der NSPAD sind völlig verbrannt, wobei das gesanitc Inventar ein Raub der Flamm««« wurde. Der ebenfalls im ' Hause wohnend« Geschäftsführer konnte nur das . nackte Leben retten. Geisteszustandes vorliegc. Bo/.icky übergab den bei- Lachvorständigen die betreffen- ierauf rekapitulierte der Vorsitzende ....„. 23. April, in welcher der Angeklagte Kobsinck in Abwesenheit der übrigen Angeklagten ausgesagt alte. Sodann verlas der Rat hcs Obersten Gerichtshofes Dr. Prochazka das Protokoll über Kob» sineks Aussagen, diesmal jedoch in Anwesenheit aller Angeklagter. Angeklagter Kobsinck legte heute eine ausfallende Niedergeschlagenheit an den Tag. Er sitz« apathisch da und Hot den Kopf auf dir Hände gestützt. Freie Schule in Spanien! Madrid, 18. Mai. Die Kammer stimmte der heutige« Sitzung dem Gesetzentwurf« zu, Gericht über die„Acrou"- Katastrophe. Washington, 18. Mai. In dem Berichte die Lage der einzelne» Zweige der ««ld Porzclkanindustrie betrifft, ist Folgendes festzustellen: Die.Hohl- olaS. und Flafcheuglaslnditstru: hat eine Arbeitslosigkeit von 85 Prozent ,zu verzeichnen, in dem gleichen Verhältnis beläuft sich auch die Arbeitslosigkeit in der Glasl«eimindustric mit 87 Prozent Arbeitslosigkeit. Relativ a«n günstigsten steht die Tafclglasindustrie, welche eine ArbeftS- losigkeit von 55 Prozent auftveist. Sehr ungün» stig steht cs in der Gußglosbranche, welche beinahe vollständig brach liegt. Für die gesamt« Glasindustrie betrug die Arbeitslosigkeit 76 Prozent gegenüber dem normalen Stande. Die Por- zellanindustric hat eine Arbeitslosigkeit von 57 Prozent zu verzeichnen, in der Feintoniudustrie ist das gleiche Verhältnis. Besonders ungünstig stehe«« die Arbeitsmöglichkeiten in der Kaolin- «nduftrie. Beachtenstvert ist, daß der Verband an Mitgliedern gewönnen hat. Dem Abgang von 898 Mitgliedern stehen 1187 Ncuauf- nahmen gegenüber. DaS bedeutet also eine effektive Zunahme von 289 Mitglieder««. Ter Verband Hot jetzt insgesamt 11.483 männliche und 3754 weibliche Mitglieder, die Zahl der Ortsgruppen und Zahlstellen beträgt 154. Washington, 18. Mai. In dem Berichte drS Marine-Gerichtshofes, der die Katastrophe des Luftschiffes„Acron" untersuchte, heißt cs, daß ein„F e h l u r t e i l". eine der Hauptursachen der Katastrophe des lenkbaren Luftschiffes„Acrou" bildete. Dieser Bericht hat an« Mittwoch in ben Kreisen der hohen Marine- osfizierc ernste Meinungsverschiedenheiten hervor- gerufen. Der Gerichtshof legt« ein ausführliches Gutachte«« und eilte Reihe von Tatsachen vor, di« der M a r i n c m i n i st e r Swanson konstatieren konnte, wobei mitgeteilt wird, daß von dem Gerichte alle Möglichkeiten einer eingehenden Untersuchung erwogen wurden. Der ^Kommandant der„Acton" Frank Mc in I,„,,, mit Anfang des nächsten Schuljahre» ab 1. Oktober 1933 den Religionsunterricht überall durch den Laienunterricht ersetzen. Den Kommunisten ins Stammbuch. Friedrich E u g c l s, der große Mitschöpfer des Marxismus, scheint die Kommunisten vorausgeahnt zu haben, denn er schreib« am 20. Juni 1873 anläßlich der Bereinigung der Lassallcaner und Eisenacher in Deutschland folgende Worte: „Alan muß sich durch das Geschrei nach „Einigung" nicht beirren lasten. Die dies War« am meisten im Munde führen, sind die größten Zwietrachtstister, wie ja jetzt gerade die Schweizer Jurabakunisten keine anarchistische Gruppe; d. R.), die Anstifter aller Spaltung, nach nichts mehr schreien als Einigung. Diese Einignngssanatiter sind«nt>veder beschränkte Köpfe, die alle» in einen unbestimmten Brei zusammenrühren wollen, der sich bloß zu setzen braucht, um die Unterschiede in weit schärferem Gegensatz«nieder herzustellen, weil sie sich dann in einem Topf befinden(in Deutschland haben wir ein schönes Excmpel in den Leuten, die die Versöhnung der Arbeiter und Kleinbürger predigen) oder aber Leute, die die Beloc» gung unbewußt oder bclvußt verfälschen wollen. Deswegen sind die größten Sektierer und die größten Krakeehler und Schurken in gewisten Momenten die lautesten Einigungsschreier. Mit niemandem haben wir in unserem Leben mehr Last und Tücke gehabt, als mit den EinigungSschreirrn." Die Kommunisten können dieses, ihr eigenes Konterfei, in dem von der Komiuunistischen Jugendinlcrnationale hcrausgcgebeiicn Büchlein: Friedrich Engels:„Politisches Vermächtnis" selbst Nachlesen. Wir finden aber,^daß sie ausgezeichnet gctrosscu«vorden sind.„Soz. Jugend". Schutzpolizei vor dem„Vorwärts" Saus. Nach der Beschlagnahme des gesamten Vermögens der Sozialdemokratischen Partei ist jetzt auch das„Vorivärts"-Gebäudc in Berlin— gleichzeitig der Sitz der Parteileitung der SPD. — durch Polizeiposten„gesichert"«vorden. D«e Waifenfürsorge des Landes Böhmen. In der gestrigen Sitzung der böhmischen Landesvertretung n'urde ein Bericht des LandeSauS- schusses über den Abschiuß des Landeswaisenfond» vorgelcgt. Genossin Deutsch Ivies als einzige Dcbattenrcdiierin daraus hin, daß uilgesähr zehn Millionen X als Ueberschüsse der vom Lande unabhängigen WaisenfondS durch die Staatsverlvab tung betreut werden, die sür den Waiscnfonds des- Landes frei gemacht werden sollten. Dadurch würde das Land in die Lage versetzt werden, nicht nur den Kreis der in seiner Obhut stehenden Waisen zu vergrößern, sondern auch den Unter- sintznngssatz, der heute immer noch nur 12 X monatlich beträgt, zu erhöhen. Der Referent des Landcsausschuffes erklärte in seiner Antwort, daß i«n Sinne dieses Antrages mit den zuständige« staatlichen Stellen verhandelt wird. Neues Psychiater-Gutachten? Kobsinck ist apathisch. Brünn, 18. Mai. Zur heutigen Verhandlung vor dem Brünner Staatsgerichtshose stellten sich über Einladung des Gerichtes die psychiatrischen Sachverständigen ein, und zivar der Direktor der Anstalt für Geisteskranke in Brünn MUDr. Pa- pirnik und Primarius Dr. Jelinek, um darüber zu entscheiden, ob neuerdings der Geisteszustand des Angeklagten Kobsinck zu überprüfen sei und ob auch bei dem Angeklagten Uvira Grund für eine llebcrprüfnng des Gcrichtsvorsihcuder Dr. den psychiatri scheu den Akten. Hi, kur; den Verlauf der Haupwcrhandlung von« gS&y. ft 11 j Der„Glas- und Keroniarbeiter" bringt einen Bericht über die Entwicklung de» Verban des der Gla»- und Keramarbviter im Jahre 1932. Die Arbeitslosigkeit in der Glas- und Keramindustric hat, wie wir diesem Bericht entnahmen, im Jahre 1932 katastrophale For men angenommen. Während die Zahl der ar beitslosen Mitglieder des Verbandes zu Anfang des Jahres 7650, das sind 52 Prozent der Ge- sa>m t m i tgl i cdschaft betrug, sind am Schluss« de« Berichtsjahre» 10.849 arbeitslose Mitglieder zu verzeichnen. 71.2 Prozent der Mitglieder sind sonach arbeitslos. Finouziell ist dadurch für den Verband eine Situation geschaffen, welche uner träglich ist..Die Arbeitsloseilkasse verzeichnet ohne Staatsbeitrag eine Ausgabe von 3,827.931 Kronen 95 Heller, welcher eine Einnahme von 772.860.60 I<5 gegcnüberstelch so daß die Mehr ausgabe im Jahre 1932 3,055.071.35 Ks beträgt, wodurch das bereits vorhandene Defizit der Ar beitslosenkasse auf 6,611.087 Kö gestiegen ist. Dieser Zustand war die Ursache, daß der Ver band zu Ende des Jahres Sonderbeiträge ein- führen«mißte, um wenigstens einen Teil der gewaltigen Mehrausgaben herabzudrücken. Was (Hiniiiiniiiiiiiiiiiiiiiii(tuintiiiiiiifnnii(iminiii((iiiinmi»Hiiiiiu»niuiiiiiuiui)inminiiiminiiinHiniuiniiiiiiniiiniiiiniiiiiiiimiiiniiniiiiniiiitiiiiiiiiiniiiiiiiiniiiniiiiiiiiiiiiiiniimiiiHiiimiiiiinnimi Ein Vorschlag an unsere Staatsbahnen. Man muß zugcbcn, daß die'Leitung der Staats- bahnen sich in der letzten Zeit sehr viel Mühe gegeben hat, uin das Eisenbahnfähre«« zu popularisieren, hauptsächlich damit, daß sie mit Hilfe verschiedener Ansnahmetarifr auch den ärmeren Staatsbürgern das Reisen erleichtert. ES würde nun gar nichts schaden, wenn man sich hier doch noch zu einigen radikaleren Maßnahmen aus- schwingen wollte. So besteht beispielsweise die Vergünstigung, daß man bei gleichzeitiger Lösung einer Schncllzugsrückfahrkarte mit einem SchncllzugSzuschlag beide Fahrten niachen kann, also für Hin- und Rückfahrt nur einen Zuschlag bezahlen««ruß. Diese Vergünstigung besteht aber nicht in Verbindung mit den Sonntagsrückfahrkarten, sondern wenn man hier den Schnellzug benützen will, nn«ß man für jede Fahrt gesondert einen Schnellzugszuschlag neh- men, womit der größte Teil der Bcrgünst'gung wieder beseitigt wird. Nehinen Wir z. D. eine Strecke vm« 100 Km., so kostet die SchncllzugS- rückfahrkortc mit cinfachcin Zuschlag X 64.80, die Sonntagsrückfahrkarte mit zwei Schucllzugs.zu- schlägen aber X 59.20, so daß die Verbilligung nicht einmal zehn Prozent erreicht. An Sonntagen fahren die Schnellzüge ohnehin in der Regel sehr schwach besetzt und man könnte mit einer«veitcr- geheudcn Erleichterung der SchnellzugSbenützung sicherlich einen Teil der Wochencudrciseudcu veranlassen. erst am Sonntag früh«vegzufahren, statt schon am Samstag nachinittag. Bei der heutigen Praxis macht cs gar kei««en guten Eindruck, wenn man mit der einen Hand«vcgniinmt, was man mit der anderen gegeben hat. Und noch ein« zweite Sache:«Iber Drängen der Nichtraucher hat man nun dos Rauchen in den Seitengängen der Waggons verboten. Man Hot sich dabei stark an das deutsche Vorbild gehalten, aber auf einen Unisiand vergessen, nämlich auf den, daß die deutschen Durchgangswaggons in der Regel in eine Raucher- und ein« Richtraucherhälstc geteilt sind, wobei im Seitengang der Raucherhälftc geraucht werden kann. Bei uns aber sind alle Schuellzugslvaggons kombiniert mit Raucher- und Nichtraucherabteilen versehen, so daß also praktisch nirgend» geraucht«vcrden darf. Ost genug kommt es dann vor, daß Nichtraucher sich in die Rauchcrabtcise setzen und diese überfüllen helfen, «vährend die Nichtraucherabteile halb leer sind. Der Raucher könnte sich daun helfen, indem er im Scitcngang raucht, aber das darf er wieder nicht. Man möge also dafür sorgen, daß auch die Durchgangswaggons entsprechend abgctrilt werden, was sa ohne lvcikcres möglich ist. Schließlich sind die Raucher doch mit die bedeutendsten Steuerzahler und man sollte ihnen schon vom fiskalischen Standpunkt au» das Leben nicht io schwer machen. Rennfahrer Merz tödlich verunglückt. Aus Berlin wird gemeldet: Am. ersten Tage des offiziellen Training i yint 8. ADAC-A vuS- rennen ereignete sich ein schwerer Unsall. Ter- bekannte deutsch« Rennfahrer Otto Merz, der einen der beiden Mercedes Beuz-CSK-Strom- linie««wagen am Sonntag steuern wollte, geriet infolge nasser Bahn ins Schleudern. Bei der hohen Geschwindigkeit konnte Merz den Dagen nicht inchr ausbalancieren und flog im Dogen auf die Bahn, wo er schwer verletzt liegen blieb. Der Wagen fuhr die Böschung hinunter und wurde zertrümmert. Der Verunglückte ist inzwischen seinen Verletzungen erlegen. Ehetragödie. In einer Wohnung in M ü«i- che n kam cs in der Nacht zum Donncrstag zu einem blutigen Streit, der zwei Todesopfer forderte. Der 55 Jahre alte Krankenwärter Rehm brachte im Streit seiner Ehefrau mit einem Rasiermesser einen so tiefen Schnitt :«« den.Hals bei. daß sic verblutete. Darauf begab sich der Täter in die Küche und ösfnetc den Gashahn. Das Ehepaar wurde gestern morgens tot aufgefunden. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programme». Samstag. Prag: 6.15 Gymnastik. 17.50 Schallplatte«. 1825 Deutsche Sendung: Jugend ohne Lebensramn. 19L> Wi« amüsieren sich die Leute im Konzertsoal? 21.30 Blasmusik.— Brünn: 12L0 Orchestcvkonzert. 18.25 Deutsche Sendung:„Di« Feen', Oper von Wagner. 20.30 Konzert.— München: 20.00 Bunter Abend.— Leipzig: 20.00 Konzert.— Breslau: 20.00„Die lustig« Witwe", Operette von Lehar. — Frankfurt: 15.00 Arien und Duett«.— Wien: 16.30 Chorvovträge. 18.50 Heitere Weisen. 20.00„Ter Fremdenführer", Operette von Ziehrer. Der Deutslhlandsender verstärkt? Seit einigen Tagen kann man feststellen, daß die Fell«- stärke des Drutschlandsenvers zugenommen hat, «vas ofscirbar auf eine Verstärkung des Senders zurückzuführen ist. Die Verstärkung des Senders oder die erhöhte Aussteuerung dürfte im Zu- sainnleichang mit den« neu eröffneten Moskauer Sender stehen, dessen Welle von der des Deutsch- kandsenders um nur 20 Kilohertz differiert. Der 500-KW-Sender Moskau-Komintern in Betrieb. Der zur Zeit größte europäische Rund- funksendrr Moskau-Komintern auf Welle 1481 Meter ist am 1. Mai de,n Betriebe übergebe» worbe». In Anbetracht ssi-ner gigantischen Lei- skmg«nuß die vorläufige Lautstarke als gering bezeichnet werden. Das Programm des Senders ist speziell auf Auslandspropaganda eingestellt. Rt. 117. glreltag IS. Mol ISS». Seit, 5 An die sozilllvemottatlfüie Mrerslhaft Nord- und NordwestbSdmenr! Am SamStag, den 10. und Sonntag, den 11. Juni trisft sich die sozialdemokratisch« Lehrer, schast in Aussig bei einer großen Kundgebung für tie demokratische Schule. Jeder halte diese beiden Tag« frei! Genaue« Programm wird rechtzeitig mit. geteilt. |HDHfflQHKKBRßR30RO9BBH3NHKMBB Gläubige Jnden-Begctarier. Infolge des Verbots rituellen Schlachtens in Deutschland rst den gläubigen Juden dort der Fleischgenuß un- möglich gemacht. Deshalb haben die orthodoxen Rabbiner im Reich einen Appell an die Juden gerichtet, sich des Fleischgenusses zu enthalten. Und die Direktion der jüdischen HauShaltungS- lchule in Frankfurt a. M. gibt bereits Rgzepte für fleischlose Kost heraus. „Drahtlose Telegraphie". Heute, wo nichts einfacher wäre, als einen kleinen Sender, oder zumindest eine gelvöhnlichc Telephonanlage zu errichten, greift inan notgedrungen zu den ölte, slrn Mitteln. Das Bad Zieaclteich ist etwa drei Kilometer Luftlinie von der Sommerfrische Tissa (Nbesandsteingebirge) entfernt. ES kommt häufig vor, daß ein Badegast mit einem Mietauto fort» ohren will. Da ine Taxis in Tisla stehen, zerbrach man sich den Kopf, auf welche Weise man ie zum Bade herbeirufcn könnte. Schließlich ent- chloß man sich, zll flaggen. u>ld Lichtsignalen zu greifen. Im Bedarfsfall wird einfach eine bestimmte Flagge auf dem 17 Meter hohen Sprungturm gehißt. Nachts wird man sich mit Lichtern behelfen. Geriditssaal Volkswirtschaft und Sozialpolitik im Tier Hot lag der eine. roochertS Hackenklap- Lachen... einbeiniger leerem Ge- bekann- Muttrr verhal- und be- Riesen- Am Der un- daß von abgrlehnt. Angeblich Vor." fa verbrecherisch. Ra mit Ihnen, wenn so AuS männer: t«t. Nie nationale deutsche werden. i», «in Berlin so und so Zwei Sender- zwei Welten. geht, sich vorsichtig umblickend, auf und ab. Ab und zu greift er in die Tasche seiner abgetragenen Jacke, holt ein Stück bedrucktes Papier heraus und drückt es einem der Vorübergehenden in die Hand. Erstaunt sehen diese aus den Zettel, dann geht ein freudiges Lächeln über ihr Gesicht und hastig aber behutsam stecken sie das Papier ein. Flugblätter gegen di« Hitlrrrrgierung... „Mensch türme, dicke Lust", ruft plötzlich ein Arbeiter dem Verteiler zu. Der taust schnell in einen Hau-stur, da kommen auch schon zwei Blaue im Sturmschritt an. Ter funge Arbeiter läuft die Treppen hoch, plötzlich öffnet sich eine Tür, ein alter Mann rüst ihm zu:„Schnell hier herein, hier ist« sicher". Di« SchupoS sehen mit entsichertem Revolver in der Land in ein paar Hausflure hinein, dann ziehen sie mit wütenden Gesichtern vom spöttischen Lächeln der Pasianten begleitet ab. Zehn Minuten später verteilt der Arbeiter wieder seine Flugblätter... Zwei Arbeiter haben den Vorfall beobachtet. „Tfa, di« können machen wa» sie wollen", sogt der eine leise,„Zuchthaus, Konzentrationslager, Er« schießen, da- kriegen sie doch nie kaputt: den proletarischen Klasienkampsgeift und die proletarische Solidarität". Jo Nickel. Achtung, Achtung! Hier ist der braune-Sen- der Berlin aus Well«... Uebertragung vom Tachgarten det Eden-Hotel». Hm ta ta ratata ta hm ta Saxophone quäken— dumps tönen die Rumbatrommeln— rhythmisch schlägt der Schlagzeugmann den Takt... Treffpunkt der eleganten Welt, Gedeck nur fünf Mark.. Gutangezogene Herren, noch besser angezogene Damen, dazivischcn die schmucken braunen Unisormen unserer SA.-^ssiziere. Genau so schneidig, wie sie gegen dat rote Untermrnschentum gekämpft haben, verstehen sie es auch dar Tanzbein zu schwingen. Tort läßt sich eine Heine fesche Französin begeistert von«inem baumlangen Stas zum Tanz führen, hier macht ein forscher SA.-Mann vom Reitcrsturm einer english lady, um deren weißen HalS sich ein echter Prrlenkollier schlingt, den Hof. Sin Amerikaner unterhält sich angeregt mit einem gretchenblonden, hakenkreuzgeschmücktrm Backfisch.... Auf der Tanzfläche drängen sich die Tanzlustigen. Ein deslinguierter Geruch von zartem Parfum und Leder schwebt über dem Roum. Silbernes Frauenlachen, herzhaftes Männrrlachen erklingt... Hm ta ta ratata ta hm ta.... * Achtung, Achtung! Hier ist der rote Sender Berlin auf Welle.... Bor dem Eden-Hotel. Lautlos gleiten elegante Luxuswagen mit Hakenkreuzwimpeln vor den Hotel- Eingang. Dicke SA.-Bonzen in Begleitung von aufgedonnerten Kokotten«nisteigen ihnen. pen, schnarrende Stimmen, kreischende- An di« Mauer gelehnt steht ein Krüppel, Streichhölzer onbietrnd. Mit sicht-au-druck starrt er vor sich hin, murmelt Dort«, die niemand versteht. Nur wer ganz dicht an ihm vorbei geht, hört einzelne Dortsetzen:„... bei Verdun... Bein verloren... ohne sede Unterstützung.. kranke Frau und zwei Kinder hungern zu Haus«... Bitte Helsen Sie.." Keiner dieser Satten, dir zu ihrem Amüsement in- Hotel eilen, beachtet den Krüppel, keiner sieht dir au-gestreckte zitternde Hand, keiner dir eingefallenen Wangen, den flehenden Blick.... Der Hotelportier kommt auf den Krüppel zu: „Hier darf nicht gebettelt werden", sogt er barsch. Ter Invalide zuckt erschrocken zusammen, steckt hastig die Streichholzschachteln ein. Er wirst noch einen verzweifelten Blick aus di« heranrollrndrn Limousinen, dann humpelt«r davon.... „Ter arme Kerl kann einem leid tun", meint der Portirr zu seinem Kollegen, aber wa- soll man machen. Anweisung der Direktion. Di«.Herrschaften soll«» nicht gestört werden". Brauner Sender: „Wir führen Sir durch di« Klinik de- bekannten Frauenarzt Prosesior I, der vor wenigen Tagen ein begeisterte- Bekenntnis zum neuen Deutschland abgegeben hat. Wir kommen setzt in ein Zim mer erster Klasic. Hier liegt dir Gattin beten Industriellen f). Sie ist soeben glücklich« eine- blondlockigen Knaben geworden. Mit tener Freude steht der Industriell« am Bett trachtet strahlend Mutter und Kind. Ein strauß weißer Orchideen gibt dem Zimmer festliche» Gepräge.— Der Herr Prosesior kommt. „Na Herr P., do- hatten wir nun glücklich hinter' uns. Allerhand Mut hat dir kleine Frau gezeigt, daß sie bei ihrer schwächlichen Konstitution Mutter werden wollte." „3a, Herr Prosesior, anfangs hatten wir ja auch Bedenken und sind zu dem damaligen Arzt meiner Frau, Dr. Cohn gegangen. Aber der rundweg einen Eingriff kein« Veranlassung dazu „Waaa«?! Ta« ist dies« Juden Ich wette Kommunistenwrib zu ihm gekommen wär«, hätte er keine„Bedenken" gehabt. Wenn Ihre Gattin nicht in meine Klinik gekommen wäre, weiß ich ja nicht, wa« da hätte passieren können." „Ich danke Ihnen auch, Herr Prosesior. Wir haben un« schließlich doch zu dem Kind entschlossen. Ich hatte in der letzten Zeit günstige Abschlüsse und kann so dem Kind ein« sorgenlose Zukunst bereiten Da haben wir uns eben gedacht, daß meine Frau im Jnteresie des Vaterlandes ihre biologische Funktion erfüllen müsie..." Roter Sender: Uuuaaa aaah uuuaoah uuu. Irrsinnig« Schreie Netter« di« Wände de« schmutzigen Hinterhöfe« der Mietskaserne hoch. Sie kommen aus einem Keinen finsteren Zimmer im zweiten Stock Auf«inem schmutzigen, blutigen Bett liegt der ausgemergelte Körper einer Fran. Dicke Schweißtropfen bedecken ihr verzerrtes Gesicht. Der Körper bäumt sich, wir unter schweren Stößen. Ti« Hände haben sich in dem blutigen Laken verkrampft. Ein« Proletariersrau gebärt.... Zwei Kinder, ein Jung« und rin Mädrl stehen scheu in ein« Eck« de« Zimmer- gedrückt. Mit entsetzten Augen starren si« aus da- Bett. Der sechsjährig« Junge beginnt plötzlich laut zu weinen.„Papi", schreit er,„Papi, hilf doch, di« Mama stirbt". Auch dem elfjährigen Mädchen rollen die Tri- ' ncn über da- sckmal« Gesicht. Sie legt den Arm um ' ihren Bruder.„Nicht schreien", flüstert sie,„der ! Papi kann doch gar nicht helfen kommen. Ter Papi \ ist doch im Konzentrationslager..." Brauner Sender: TageSnachrichten.„Der Herr Polizeipräsident l v. Levetzow informiert« heute die Presie über seine Eine Berlin«, t Rau imord. Ein Todesurteil. Gestern hatte sich vor den Brünner Geschworenen der SSjährigr Schuhmacher Johann Stoja- n o v s k y aus BiSkupitz bei Gewitsch wegen Raubmordes zu verantworten. Tie Anklageschrift sührt folgende« auS: Am 31. Jänner 1033 fand der Bahnangestellt« Joses Marek aus der Bahnstrecke in der' Nähe von BiSNcpitz die vollständig zerstückelte Leich« einer Mannes, die bereits von einigen Zügen überfahren worden war. Ta Marek di« Beobachtung machte, daß der Leichnam«in Stück Weg«« zum Bahndamm geschleift worden sein mußte, berief er sofort di« Gendarmerie, die dann im Straßengraben einen Hut und einen Koster und aus der gegenüberliegenden Straßenseite einen Sack mit Wäsche und Kleidern sand. Bon der Stell«, an der der Leichnam gefunden wurde, führte eine Blutspur in« Feld, wo der Schnee vollkommen mit Blut bespritzt war. All« Anzeichen deuteten darauf hin, daß hier ein Kampf stattgefundrn hatte. Ter Kopf der Leich« wie- mehrere Hiebwunden auf. ES war zu erkennen, daß der Leichnam bereit« auS- geblutet war, ehe noch der erst« Zug über ihn din- hinwcgging. Die Leichenöffnung ergab, daß der Tod infolge Zertrümmerung der Schädeldecke eingetreten war. Es war also Nar, daß es sich nm einen Mord handelte. Der Täter hat fein Opfer getötet und den Leichnam dann auf den Bahndamm geschleift, um den Anschein zu erwecken, daß ein Selbstmord vorliege. In dem Ermordeten wurde der 13jährige polnische Staatsangehörige Adalbert I a v o r z sichergestellt, der unweit BiSkupitz bedienstet war. Javorz wollt« am 3t. Jänner in seine Heimat nach Polen zurückkehren und verließ gegen 3 Uhr srüh BiSkupitz, um sich aus den Bahnhof zu begeben. Wege wurde er dann überfallen und getötet. Täter raubte ihm sodann einen Betrag von gefähr 500 K. Dir Nachforschungen ergaben, Javorz am 30. Jänner bei Stojanovsky, den er früher her kannte, übernachtet hatte. Der Verdacht richtet« sich nun gegen Stojanovsky und er wurde verhaftet. Bei einer Hausdurchsuchung wurden blutbespritzt« Kleider und eine Hacke gefunden, aus der gleichfalls Blutspuren ersichtlich waren. Stojanovsky leugnete längere Zeit, und erst al» bei einer zweiten Hausdurchsuchung am Boden versteckt der Betrag von 500 X gesunden wurde, legte er ein umfassende- Geständnis ab. Javorz habe ihm im Sommer 1932«inen Koster zum Aufbetvahren übergeben,» in dem er dann rin Einlagebüchel gesunden habe. Er habe gleich die Absicht gehabt, da- Geld zu beheben und für sich zu behalten, wa« er später auch getan hat. Al- Javorz nun im Jänner>033 in seine Heimat zurückkehren und da- Geld beheben wollt«, hab« er den Plan gefaßt, ihn umzubringe». Er sei mit ihm am 31. Jänner morgens auf di« Bahn gegangen und habe eine Hacke mitgenommen, in der Absicht, Javorz zu töten und ihm noch da« Geld, dat er bei sich hatte, zu rauben. In der Näh« der Bahnstrecke habe er dann dem Javorz mit der Hacke ein paar Hiebe auf den Kopf versetzt. Ta Javorz flüchten wollte, habe er so lange auf ihn losgeschlagen, hier kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben hab«. Er habe ihm sodann da- Geld abgenommen und den Leichnam auf die Bahnstrecke gelegt. Während nun Stojanovsky dieses umfassende Geständnis auch vor dem Untersuchungsrichter wiederholt hatte, erNärt« er bei der gestrigen Verhandlung, daß er Javorz nur betäuben, aber nicht töten wollte. Tie Geschworenen ließen sich aber davon nicht überzeugen und sprachen Stojanovsky de- gemeinen Raubmorde» s ch u l di g. Die Zusatzfrag« auf Stn- ne-verwirrung während der Tat wurde von ihnen verneint. Auf Grund diese- Gefchworenenverdikt«- verurteilt« da» Gericht Stojanovsky zum Tode durch den Strang. Der Verurteilte behielt sich 3 Tage Bedenkzeit vor. _ SÄTZE tind Giftig- Maßnahmen gegen den Kulturbolschewi-mu-. führte au-, daß durch die angeordnetc Schließung von anrüchigen Lokalen, insbesondere zolcher, di« homosexuellen Charakter hatten, dem Kulturbolsche- witmu- ein schwerer Schlag verseht wurde..." Roter Sender: Parade der schlesischen SA. Stabschef Röhm und Lbersührer Heines sind persönlich anwesend. Tie SA. marschiert im Stechschritt an ihren„Führern" vorbei. „Ra, Ernst", meint Heine«,.find da nicht fein« Jung- dabei?" „Ganz hübsche Kerl«, aber an die Negerben» gelt, die ich gehabt hab. reicht die ganze SA. nicht heran Also ich kann Dir sagen, wenn wir wieder Kolonien haben, laß ich mich als Gouverneur nach Afrika schicken. Vor allen Dingen, wo dieser gemeine Kerl, der Levetzow in Berliti unsere Stamm- lokale zugemacht hat. Ich muß Dir übrigen-«ine lustige Geschichte erzählen. Da hatte ich so einen schwarzen Teufel, Jumbo,«in bildhübscher Junge, also so«inen Popo hatte der, und eine- abend-.." Brauner Sender: Ein SA.-Führer spricht:„Die Greuelhetze der Juden im Au-land will kein Ende nehmen. Die deutsche national« Erhebung ist Alljuda ein Dorn im Auge. Immer wieder muß deshalb betont werden: Es gibt bei uns keinen Terror. Da- Eigentum und dal Leben eine» jeden Bürger» auch de» jüdischen wird geschützt..." Roter Sender: „Derhör"zimmer in einer SA.-Kaserne. Aus einer Bank sitzen einig« ermattete SA.«Männer und starren gelangweilt aus den blutbespritzten Boden. „Mir hängt da» schon zum Half« raus", räkelt sich der«ine,„diese ewig« Prügelei halten ja die stärksten Nerven nicht au»." „Mir Wird jetzt dabei schon immer ganz übel", bestätigt ein anderer. „Ihr seid woll verrückt geworden", brüllt der Sturmsührer dazwischen.„Seid Ihr Weiber, wollt Ihr schlapp machen, Ihr Memmen? Hier ist'ne Pull« Cognae, koscherer Cognae, au» dem Laden «ine» Schnapsjuden. Saust Euch Mut an, e» geht gleich weiter. Und denkt daran, wie viele Kameraden Notmord auf dem Gewissen hat". Bier Männer werden zum„Verhör" hereinge- sührt. Ihre Gesichter sind blutig geschlagen, di« Kleider zerfetzt.„Ausziehen", kommandiert der Sturmführer. Dann stürzen sich die SA.-Leute torkelnd auf di« nackten, wehrlose« Mensche«. Stahlruten blitzen auf, Gummiknüppel Katschen aus nackter Fleisch, Reitpeitschen pfeifen durch die Lust. Da» Zimmer ist erfüllt von verzweifelten Schmerzensschreien, Flehen um Schonung Ein Dunst von Blut, Schweiß und Schnaps stachelt die SA.-Leute zu immer wuchtigeren Schlägen an.— Ein paar SA.- Führer kommen durch den Raum. Wohlwollend lächelnd sehen sie einen Augenblick dem Treiben ihrer Mannschaften zu.„Immer feste druff", näselt einer. Ein SA.-Mann betritt da» Zimmer, Kappt die Hacken zusammen und meldet dem Sturmsührer: „Der Judenjunge aus Zell« 1» ist eben verreckt". Der Sturmsührer ist ärgerlich:„Könnt Ihr denn nicht auspaflen, Kerl»? Warum habt Ihr das Schwein nicht in- Krankenhaus geschafft? Soll er doch dort krepieren. Na jedenfalls, ruft km Polizeipräsidium an, sie sollen den Kadaver heut« Nacht abholen lasten". Brauner Sender: „Da- weite Feld ist dicht besetzt mit braunen Uniformen. Jetzt kommt der Reichskanzler! Jubelnd begrüßen die braunen Soldaten Ihren Führer. Die Herzen schlagen höher. Dieser Augenblick entschädigt für die 14 Jahre de» harten Kampfes, denn nicht um materieller Vorteile willen haben diese braunen Soldaten ihr Leben und ihre Freiheit riskiert, sondern nur für den Sieg der Bewegung..." Roter Sender: Zwei SA.-Leute sitzen auf einer Bank garten. „Hast Du nich'ne Zigarette?, fragt „Nee, noch nich mal'n Kippen. Mir ooch." „So'ne Scheiß«. Del» ganzen Tag Diellft und keenen Pfennig in der Tasche." „Laß man, bald gibt- Arbeit." „Denkste! Buddeln wer» se uns schicken, für fünf Pfennig den Tag.„Der SA.-Mann spuckt wütend auS. Der ander« ist erstaunt.„Glaubst Du wirklich, daß die un» keine vernünftige Arbeit geben?" Der Gefragte nickt stumm.„Mensch, wenn das stimmt, denn haben di« da oben uns schön reingelegt und alle» hat gar keinen Zweck gehabt." „Halt ooch nich." „Himmel, Arsch und Zwirn. Det sollen wir uns gefallen lasten. Wenn di« un» wirklich beschwindeln, denn können s« ja wat erleben..." Brauner Sender: dem Vortrag einet unserer neuen Staat«- „Der Marxismus ist vollkommen vernich wieder wird in Teutfchland die Inter- gesungen werden Nie wieder werden Arbeiter zum Klastenkamps aufgehetzt Roter S-rnder: belebt« Straß« in einem Arbeiterviertel Ein junger Arbeiter, armselig geNeidet, Metallarbeiter in Krkseunot. Leistungen des Internationale« Metall, arbeiterverbande» für di« Arbeitslosen int ersten Vierteljahr 1983. Im ersten Vierteljahr 1933 gab es im »bfaen Verbände im Monatsdurchschnitt 14.968 Arbeitslose gegen 11.722 in derselben Zeit de- BorjahreS. In den ersten vier Monaten des Heu- nqen Jahres wurden 22.329 Ansuchen um Ar- intSlosenunterstützung eingebracht gegen 21.170 Ansuchen in der gleichen Zeit des Vorjahres. Im ersten Vierteljahr 1933 wurden insgesamt an Arbeitslosenunterstützung 9,105.470.95 Ks (Men 7,476.868.70 Ks im ersten Vierteljahr 1832 ausgezahlt. Daraus ist am besten erficht- u^waS die Gewerkschaft für den Arbeiter Der österreichisch-tschechoslowakische Sozialverslcherungsverlrag ist in Kraft getreten. Di« wichtigsten praktisch«» Bestimmungen beziehen sich auf die Pension-Versicherung der A n g e st e l l t e n. Zunächst wird ter Grundsatz aufgestellt, daß der Aufenthalt eines österreichischen Rentners in der Tschecho- stowakei oder»»»»gekehrt nicht als Au s- landaufenthalt an;»»sehe» ist. Solchen»m andern Staatsgebiet weilenden Rentnern muß die Rente in den ausländischen Ort überwiesen»verden. In der Pensionsversicherung ter Angestellten und in der Bruderladenversiche- rung der Bergarbeiter werden di« Beitrags- reiten, die ein Versicherter in der österreichi. schcn Versicherung zurücklegt, gl« gestellt und zusammengerechnet werden. der Prüfung der Frage, ob die Wartezeit vollendet ist und ob die in einem Staate erworbenen Anwartschaften noch aufrechtbestehen, werden die Zeiten auS beiden Staaten zusammengezählt werden. War also ein Angestellter zum Teil in Oesterreich, zum Teil in der Tschechoslowakei vrnsionSversichert und erhebt er Anspruch auf die Rente, so müssen sowohl die österreichische Hauptanstalt, als auch die tschechoslowakische PeirsionSversicherungsanstalt die Rente bewilligen, wenn durch die Zusammenzählung der in beiden Staaken versicherten Zeiten die gesetzlich erforderlichen Voraussetzungen(Erfüllung der Wartezeit, Bedeckung des Anrechnungszeitraumes usw.) erfüllt sind. Der Gegenseitigkeitsvertrag hat rückwirkende Kraft. Wer österreichlsche und tschechoslowakische Beitragszeilen aufweist, aber seinerzeit von Oesterreich oder von der Tschechoflowakei mit seinem Rentenanspruch zurückgewiesen wurde, weil er die gesetzlichen Voraussetzungen für den Rentenanfall(die erforderliche Anzahl von Bei- tragSmonaten) nicht erfüllte, kann jetzt verlangen, daß sein Anspruch unter Zugrundeleg»»ng der Vertragsbestimmungen neu geprüft wird. Auch wer schon eine Rente auS einem der beiden Staaten bezieht, aber auch In dem andern Staat Beitragszeiten zurückgelegt hat, kann verlangen, daß in beiden Landern auf Grund des Vertrages eine neue Rentenbestimmung erfolgt. Eine Rach- zahlung für die Zeit vor dem Inkrafttreten des EegenseitigkeitSvertrageS findet aber nicht statt. Tschechoslowakische Staatsangehörige, die von der Anrechnung der unversicherten Vordienst. Sen nach dem österreichischen Angestelltenver- erungSgesetz bisher ausgeschlossen waren, kön- mn jetzt den Antrag auf Anrechnung stellen. Ter Antrag muß binnen sechs Monaten nach Lerlautbsrung des Vertrages im Bundesgesetzblatt bei der Hauptanstalt für Angestelltenver- sichcrung einlangen. Seife 6 AreUag 19. Mai 1938. Nr. 117. PRAGER ZEITUNG. Kunst und Wissen Die Meliterfinger, in diesem Jahre ein« nicistgesp'elt« Repertoire-Oper, erschienen Mittwoch als„Maiscstspiel"— eine Charakterisierung die sich durch d.e Berufung der weltberühmten Maria Müller als Evcben und des namhaften M a r t in Lehmann als Stolzing rechtfertigt. Da nun aber das Evchen große Entfaltung eigentlich nur im Taufakt ermöglicht,' da weiter Herr Ochmann den ersten Akt verfang, den zweiten vertat uivd erst mit dem Prcislied aufhorchen ließ und da schließlich überhaupt zwei Stunden vergingen, ehe-im Orchester und cnseniblemäßig die entsprechende Sammlung und Uebcreinstimmnng hergestellt war, kann man dieser Aufführung sest- spielmäßigen Charakter nur bedingt nachsagen. Insbesondere dar Orchester schien übermüdet und brauchte bis zum Vorspiel des dritten MteS, ehe es auffallend« Fahrigkeit, Klangreizlosigkeit und sogar kleine Entgleisungen überwand. Wahrscheinlich ist es eben zuviel, war man ihnen in den letzten Tagen znmutcie. Und so betrachtet, verdient noch die Umsicht und die Energie Anerkennung, mit denen 2 z ü l l vom Pult her dennoch aller unirr einen Hut, zum Schluß sogar sozusagen unter einen Festhut zu dringen versuchte. Im übrigen labt« man sich an der Glockenreinheit und dem Adel der Maria Mülle r'schrn Kantilenc und entzückte sich an ihrer holden Erscheinung, an cincr mädchenhaften Fraulichkeit, die mit großer Kunst von innen bestimmt ist und als Persönlichkeit in jedem Augenblick wirkt, der sie auf der Szene zeigt.-Herr Oeh- m a n n ließ, wie gesagt, mit dem dritten Akt alle früheren Bedenklichkeiten und Unzulänglichkeiten vergessen und bestätigte seinen Ruf durch die Noblesse seines Vortrags, d'e Mustergültigkeit seiner Deklamation, die hohe Kunst der Phrasierung und Atemführung und durch die Mühelosigkeit seines echten Heldentenorglanzes in den höheren Lagen. Herr Prohaska, unser hochgeschätzter Sachs, ergriff diesmal durch kraftvolle und zugleich gcmütS« tiefe Gestaltung insbesondere bei der Taufe. Die Leistungen der übrigen„Heimischen" waren sehr ungleich und leider in fast keinem Punkte festspielmäßig, das gilt auch von der Regie. s..<1 Bllhnenangehörige, Achtung! Alle engagementlosen Bühnenangehörigen(Schauspieler. Sänger, Chorsänger, tschechoslowakischer Staatsangehörigkeit, di« sich beim B ü h n« n b u n d in Brünn noch nicht gemeldet haben, werden In ihrem eigensten Interesse aufmerksam gemacht, sich unverzüglich beim Bühnenbund in der Tschechoslowakischen Republik. Brünn, Janaczokplah Za. unter Angabe aller notwendigen Daten anzumeldcn. Die„Verlobung im Traum" van HanS Kraso, Text von Rudolf Fuchs und Rudolf Thomas, deren Uraufführung gestern im Neuen Deutschen Theater stattfand, wird Mittwoch, den 81. Mai, 19.30 Uhr, vom Radiojournal gesendet. Kinderfreunde präg. Sonntag, den 21. Mai, TogcsauSslug mit den anderen Rulturorganifat onen noch Koftomladky. Zusammenkunft 9 Uhr vormittags Endstation der 15er- und Iller-Linie in Wisotschan. » O»<»«lMWW Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theater-, Freitag,)^8 Uhr:„Der Raub der Sabinerin nen"(D1).— Samstag, WS Uhr:„Daa Rheingold". Wochenspielplau der Kleinen Bühne. Freitag. 8 Uhr:„Salon Pitzelberger",„Di« schöne G a l a t h 6«"(volk-tüml. Vovstellung).— Samstag, 8 Uhr:„Ist Geraldine«in Engel?" Sport• spiel* KBrnerrtlene Der Unterschied: Arbeitersport und BUrgersport. Eine angesehen« bürgerliche Sportzeitung schrieb unter anderem über unser Enropaspiel Lester- r«i ch—T schechoslowakei(A l u-): „Den unauslöschlichsten Eindruck brachte di« vorbildliche Fairneß, kein Protestieren gab es, beide Mannschaften spielten vom Geiste i d c a l st e r Sportlichkeit getragen, man vermeinte zwer englische Unversitätsmannschafren zu sehen und das gleich« gilt von den Zuschauern Man mug schon ein sehr gutes Gedächtnis haben, uni sich an«in derart unparteiisches Publikum erinnern zu können und es spricht für das feine sportliche Verständnis der Zuschauer, daß sich beim zweiten Goal, das die heimische Mannfchajt durch einen als Unrecht verhängten Strafstoß erzielt«, kaum«ine Hand rührt«. Während des ganzen Kampfes gab es kein einziges rohes Foul, man hürre niemals«in Pfui, das Publikum war ein würdiger Partner zweier Gentlemanniannschasten. Sowohl die Spieler, als auch die Zuschauer waren fast durchwegs arme Arbeiter, di« unlee den heutigen schweren Zeiten viel zu leiden haben, nicht» konnte aber ihren vornehmen Enthusiasmus eindämmen, an'welchem sich so mancher«in Beispiel nehmen könnte." Und die anderen?„Rapid Wien in Teplitz auSgepfifseu."(Aus einer bürgerlichen Sportzeitung): „Die Wiener brachten eine derart derb« Note ins Spiel, daß man von einem Freund- schaststampse schon nicht mehr recht sprechen konnte. Dadurch verscherzten sich die Gäste auch bald die Sympathien im Publikum und cS war das erstemal am Teplitzer Sportplätze, daß eine ausländische Maimschaft ausgepfiffen wurde. Jedenfalls hat Rapid Wien wederdurch seine Leistun« gen, noch weniger durch sein Auftreten die Erwartungen erfüllt." MrgarMrar Spart« DFL. Prag gegen Teplitzer FK. 1:1(ü: 1). Am Mittwoch sand di« Prager Begegnung der beiden Klubt statt, die nach dem 8:1-Sieg des TFK. in Teplitz«inen unentschiedenen AuSgang nahm. Beide Mannschaften zeigten Ermüdungserscheinungen. Tie Teplitzer waren aber die bessere Elf und haben es nur der Schußunficherheit der Stürmer zu danken, daß der Sieg nicht gelang. Beim TFC. klappte«s trotz Kanhäuser im Sturm ebenfalls nicht. Mährer, im Half spielt« äußerst derb und hätte zuinindesl den Ausschluß verdient gehabt. Das Tor für TFK. schoß Rösler, für den DFE. Habel«. Schiedsrichter Tuben pfiff wie gowöhnlich— diplomatisch. Boxen als Schulgegenstand ist die neueste„Er- rungenschaft" neben dem Beten in Hitler-Deutschland. In Dortmund wurde an zwei Gymnasien Boxen als Wahlfach«ingeführt und«in abgewirtschafteter Boxer als Lehrer(!) bestellt. Man erhofft sich damit eine„Belebung" dieser so„beliebten" Sportart, nachdem sie ja Deutschlands„geistiger" Führer selbst liebt! Nazi-Deutschland« Athleten boykottiere» den bürgerlichen Sport in der Tschechoslowakei. Di« Prager Slavia veranstaltete zu Anfang dieser Woche ein leichtathletische» Meeting, zu dem auch eine Reihe reichsdeutscher Leichtathleten zugesagt hatte. Am Dienstag sagten die Deutsche» mit der B«-- grüirdung ab, daß eS die„herrschenden Verhältnisse" nicht erlauben.— Ter Charlottenburger SC. hatte die Leichtathleten der Slavia nach Berlin geladen und„ersuchte" nun die Prager, von einem Start ab- zusehen. Aus der Partei Jugendbewegung. Rote Falken, Prag-Leveller. S a m S t a g nach, mittags Zusammenkunft(Iauscstunde und Schulung) Verein deutscher Arbeiter,>44 Uhr nachmittags. Keine R a ch t w a n d e r u n g.— Sonntag früh 7 Uhr Endstation der 19er und 15er Elektrischen in Bhsoöany.(Pfeifen und Trommeln, Tagesproviant, Zelt« mitbringen!)— Kein Falke versäumt das Samstag- P f I i ch t h e i m! S. I. 1. Sonntag Wanderung nach Kosto« mladky. Zusammenkunft um 7 Uhr früh an der Endstation der löcr-Elektrischen in Wisotschan. Gemeinsam mit dem AtuS. Musikinstrumente mit- bringen! Der Film Kavaliere des Sattels. Nicht olles, was übers Filmmeer aus Hollywood kommt, glänzt nach den vielen investierten Dollars. Der jetzt laufende Senjationssilm über .Helden, d!« wilde Mustangs zähmen und im übrigen ausnahmslos blonde und niemals schwarze Mädchen lieben, würde noch viel mehr imponieren, wenn die .Helden sich nicht so auffallend über die offizielle Moral unterhalten müßten. Und das tut nian oben im wilden Westen am vorteilhaftesten im Sattel und in schmucker Dreß Man kann da recht viel und Gutes tun; vor allem dem Feind verzeihen, was eins der hervorragendsten Eigenschaften de» amerikanischen Filmheidcn sein muß. Im Mittelpunkt des aufregenden Geschehens steht ein feuriges Roß mit Namen Satan; das zu bäirdigen ist das große Problem des Films, das um so lockender ist, als denn Sieger als Lohn die Hand und Lieibe des besagten blonden Mädchen» winkt. Nach verschiedenen Hindernissen, die aber den routinierten Kinübesucher nicht aufregen müsse», weil ja das Gute immer siegt in dieser Filwwelt, sehen wir technisch wirklich ausgezeichnet« Reitemnnstislückchen, die tadellos Photo- graphien sind und zeigen, wie viel der Film bei einigem Verständnis der Produzenten leisten könnte. Damit wir nicht vergessen, wohin der Tonfilm führt, gibt et einige Songs, von Cowboys vorgetragen, deren Gesangskunst jedem erstklassigen Nachtlokal zur Ehre gereichen müßte. Propaganda der Arbeitsanleihe. Regisseur Inn«mann hat sich mit dem Propagandasilm für die Avbeitsanle'che wirklich ausgezeichnet: in wenigen und klug gewählten Szenen wird die Notwendigkeit dargelcgt, daß(im Kapitalismus) durch Geld Arbeit und Wohlstand geschaffen wird, daß darum Erspartes im Interesse aller hergegeben werden soll. Womit allerdings, nach den bisherigen Ergebnissen, nicht ans.Herz der.Herren Kapitalisten gerührt werden kam». Der Ktirzfilm gefällt lehr. W. L. Eleichgeschalteter Film. FUmdentschland» Anknnst. In den deutschen Blättern(auch schon im„Berliner Tageblatt", daS ganz ins Göbbels-Lager gewandert ist) erscheinen spalienlang« Artikel darüber, wie der deutsche Film exportfähig bleiben wird: daß mittlerweile„Schwarz« Sturmfahnen", der erst« Nazifilm über Bauernbefreiung vom Noveniberjoch, irach fünf Tagen in Berkin abg«setzt rverden mußte, während der Film des Juden Jo« May mit dem Inden K i« p u r a wochenlang volle Häuser macht, ist nicht sonderlich verzeichnet. Mit seltener Berlogeicheit wird immer wieder behauptet, daß d'e Partei gar nicht di« Ab- ficht Hobe, di« Filmsujeis zu bestimmen, daß di« Flui von„Konjunkturnationalismns" ga» nicht willkommen ist, daß mit einem Wort nichts geschehen sei, außer daß„ein paar" Juden und Marxisten vertrir- ben wurden. Daß Pabst, Junghanns, Ger- ron, Pommer oder Granowski den Ruhm Filnrdeutschlands begründ«! haben, ist den heutigen Kulturbestimnkern nicht maßgebend. Man hat einfach vom Film Besitz ergriffen und das ist allo vor sich gegangen: Äm Innenministerium wurde eine Filmst e l l e geschossen und da» ganze Herrn Göbbels als AufklärungSleitcr unterstellt. Führerprinz p ist allgemein dar Maßgebende und Führer in Filmbelangen ist Herr Ernst Räther,«in früherer Ange- stellter der Ufa, der unter noch nicht verölfcntlich- ten Umständen gegangen wurde Dieser.Herr Räther leitet di« NSBO.(Natwnallozialistische Be- triobSorganisation), Abteilung Film, überwach», bestimmt die Produktion und entscheidet, war al» ge- ergnet der Zensur vorgelegi werden darf: Berufung unmöglich, da bei Widerstand der betreffende Produzent auf die schwarze Liste kommt und von der NSBO. einfach boykottiert wird. Da im Film nur arbeiten darf, wer Mitglied der NSBO. i st, gibt es praktisch nur den Parieiwillen. Produzieren darf außer der Propagandaabteilung der NSDAP, nur di« Ufa, Terra. Eurova(deren Leiter Lustig schon gespritzt wurde) und die Bayrisch« Filmgesell- ichast. Erzeuger und Verwerter sind in einem nationalen Verband vereint, an dessen Spitz« ein Kommissär steht, der vom Göbbels-Ministerium bestellt wird. Di« Organisation der sechstauseird reichsdeut« schon Kinos ist gleichgeschaltrt: ihr Führer Scheer wurde abgesagt, an der Spitz« steht«in Herr Adolf Engel. Früher hatte er elf Kinos(was ihn schon an und für sich als Führer der neuesten„Arbeiter- Partei qualifiziert«); seine voschäststüchllgkeit war eine derart bedeutende, daß er zähn seiner Betriebe sperren mußte: also qualifiziert, wurde er zum Führer antevkoren, ließ sich nach RetchSiagSmufier bei der ersten Sitzung Vollmacht auf vier Jahr« geben und schaltet jetzt so, daß man die Sperre von zweitausend KinoS erwartet. Wer nicht im Verband ist, darf kein« Jilnie spielen ilnd wer nicht Nazi ist. kommt nicht hinein; so gelangt man leicht zur Not- Wendigkeit, im Jnkeress« der Branche zweitausend Betriebe(es sind die Arbeiter- und jüdischen Unternehmungen) zu sperren. Nationale Filme dürfen nur mit Genehmigung des.Herrn Rächer abgeschlossen und gespielt werden: damit«r nicht zu überlastet ist, wurden Landessilmstellen geschasfen, die Filme „zutellen". Wen» eS die LandcSstelle nicht erlaubt, der darf kein« neuen Filme erhalten. Filmverleiher darf auch nur der sei», wer im nationalen Verband Inskribiert ist: Tausende von Existenzen sind dadurch vern'chrek. weil auch hier hauptsächlich die Bludprob« entscheidet; wer jemals einen Arbeitersilm oder sonst jetzt verbotenes Werk gemanagt hat, ist dem Hunger, tod preisgegeben. Filme„jüdischen" Ursprung» sind in Listen verzeichnet, die bei den LandeSftcllen auf- I liegen; man darf diese Film« zwar spielen, eS„erregt" aber den Unwillen des Volkes, wi« di« neueste Tcrininolog'e lautet und im Interesse der weiteren GeschäflSmöglichkeiten weigern sich darum die meisten Kinos, solche Abschlüße zu tätigen. Wenn all« Strick« reiße» und«in Film doch gespielt wird und etwa noch gefällt, inszeniert die Lokalgruppe den lwlwelidigen„Unwillen" und di« Angelegenheit ist dann mit Hilfe der SA. erledigt. Ausgelöst wurde der ReichSverband der Filmverleiher, die Spitzen organisation der deutschen Filmindustrie, die Dachorganisation der Filmschafsenden, di« Arbeitsgemeinschaft der Filnrverlciher. An Stelle des bisherigen Systems tritt das Braunhemd: nur di« Mitglieder der NSBO. sind aübcitsberechtigt, niemand wagt niehr nach künstlerischen Gesichtspunkten cn''°clnnden, die Gleich- schakiung ist vollendet. DI« Tageszeitung„FI l m k u r i c t" wurde ihrem Besitzer weggenommen und steht unter direktem Parteidlktat: wenn in einer Tageszeitung über einen der neuen.Hetzfilme ungünstig referiert wird, dann geifert der„Filmkurier" in der unglaublichsten Weise lot: auch das„Berliner Tageblatt" mußte sich vor einigen Tagen dagegen wehren. DI«„Licht- bildbühne" ist gleichfalls gleichgeschaltet, die Politik der„Führer" wivd unantastbar erklärt, der „Internationalismus" verpönt und»ii!t unglaub- sicher Stirn steht in den Polemiken der jetzigen „Kultur"-Rubriken zu lesen, daß die Entlassungen etwa von Pommer, Gerron oder Pabst ein« innerdeutsche Angelegenheit sind, die das Ausland nicht» angehen. Bon diesem erwarlet man weitere Filmcinkänse: Berlin wird sich darin täuschen. Obwohl sich die Herren Deutschen etwa im„Prager F lmkurser" einen„geistigen"-Helfer he»beigcwünschi und hrrbeigcfehnt haben. Fisindeutschland wird heute in Frankreich, England, Holland, Belgien, den Nordstaaten boykottiert; sein Export ist gleich Null. In Prag versammeln sich Thiel«, Bressart, Junghans, Arno, Spira, W'ener u. a. m.; Filmdeutschlands Erwachen wird trgurig sein... Walter Lustig. Literatur „Abteilung Herrenmode." Roman eines Waren» Hausmädels von Maria Gleit. Amoncfta-Bcr- lag, Wien-Leipz'g. Preis geb. Mk. 2.50. Ter Roman, e«schienen in der von dem genannten Berlage heransgegebcnen Reihe volkstümlicher Frauen- schicksals-Romane, rin Erstlingswerk der Autorin, erzählt von» Wesen und Erleben einer jungen Verkäuferin In einen» großstädtischen. Warenhaus, Abteilung Hcrrenmode, einem lebensfrohen Geschöpf, das ii» allem ein Kind der heutigen Zeit ist, dem Menschliches nicht fremd ist, sich vielen Verlockungen ausgesetzt sieht und dabei doch nicht den Bode»» unter den Füßen verliert. In güvisscm Sinne ist das Buch auch«in Zeitdokument, denn es leuchtet hinter die Kulissen des modernen Handels, schildert anschaulich heutige Geschäfts-, Reklame- und Konkur- renzmethoden ebenso wie die Antreibe- und Aus- beubungSpraktiken, denen die Angestellten sich wehrlos ouSgeliefert sehen und die oft genug mit ihrer Arbeitskraft auch ihren.Körper verkaufen müssen. Weit entfernt davon,«in Tendenzronian zu sein, wirkt die Darstellung, welche dieser Roman vom Leben der ii» diesen» Arbeitsbezirk tätig«»» Mädchen gibt, hinreichend anfkläreird und aufrütlelnd. Das Buch liest sich leicht und es ist doch weit niehr als ein« harmlose UnterhaltungSlektürc.—r. „Ein Mann, ein Schiff und ein« späte Liebe." Roman von Georg Elert. Universitas, Deutsche DrrlagS-A.-G., Berlin. Hier ist der seltene Fall «»»getreten, daß ein Mann, der ungewöhnlich viel erlebt hat, der sich 85 Jahr« lang als Schiffsbauer, Ingenieur, Seemann und Schiffskapitän in allen Ländern und Meeren herumgetricben hat, gleichzeitig ein« große schriftstellerische Begabung besitzt. Ter Held dieses Buches ist Kapitän eines Segelschiffes, das zfuischen den Häfen des Mittelineercs Frachten verschiedener Art befördert. Die Aufgaben und Ereignisse dieser Tätigkeit, die eigentlich noch nie geschildert wurden, sind mit»nibedingter Echtheit interessant und farbig gestaltet. Dieser Welt der Seefahrt, in der der erprobt« Führer ein Schiff gegen die großartig«»» Natnrgewalten des Meeres behaupte»» muß, steht«ir» Liebesabenteuer gegenüber, das einen einsamen alternden Mann in den Bann einer eigeirartigen reizvollen Frauengestalt zieht. Ter Versuch, diese beiden Welten zi» vereinigen, stürzt den Kapitän in schwerste seelische Konflikte. Er. kann schließlich die Fran nicht halten, aber es bleibt ihm sein Schiff und das Meer Er sindet befreit in die WÄt zurück, In die er wahrhaft hineingehört. Das Buch ist in einer knappci», aber sehr stimmungsstarken Sprache geschrieben in der eine große Spannung spürbar ist, die von Anfang an das Gefühl bevorstehenden Unheils hervorrnst. Unser Blatt der„Sozialdemokrat“ ist „Idi and die Kaiserin“ Starbesctzung: Konrad Vcldt. Lilian Harvey, Mfldl Christians, ffo verkeliren wir? I Cafe„Contlnentar, Prag, BrateiT IIDOVV DilN (Gen. WI4taelm OpnirnG) Kontort- PRAG II Ottiiigrht: eitohlt» I«ik.— sd»t««d»tle»r.«tthel»«itkut.— Beeonnvoeltichee SleOotteue: Dr<» uuUl, Pro».— Dir Bei'unormorlennonkorui wurde von sei pog. ,. leteorodbrndneiito» Wtt(ckrlod Ar tS.BOO/vrr 1930 drwtlltgc.- Beiogdbedmguogen. Bel Zuftrlluna ins Hou, oder del«e,un durch dl« polt monatlich Ui 10.—. vteneljjdrltch Üi iS.—, »rtititzrld M 96.—.»outtötzrtg tu litt,—,— Iunrat,«erde» las» tw| btUiaU derechorc. M»IMda Etulchsllassw Wreiduochtad.— riücktzellu», oou Mam»ltrtp»ra oqdtgt nur bei Utujeadung der AelourworUa,