13. Jahrgang. Mittwoch, 24 Mai 1933 Rr 121. Sivrelpreis 70 Heller. «"Einschließlich 5 Heller Poru- Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. Ir/vaNIoo II. Dttwattuag: Vraa N.NU-Uanka 1». rrleov.: 2070».«oivlrivan. den Biermächtepakt insormierte. Der Ministerrat billigte einmütig die Anregungen, die Ministerpräsident Daladier den französischen Delegierten in Gens gegeben hat. Wie HavaS aus Rom meldet, ist der desini- tiv« Text des BiermächtePokteS noch nicht s e st g e l e g t worden. ES wurde über di« Annäherung der Gesichtspunkte der einzelnen Mächte verhandelt. Gestern abends wurde der vorläufige Text der französischen, der britischen und der deutschen Regierung mit dem Ersuchen bekannt gegeben, ihn beschleunigt zu prüfen. Der Berichterstatter fügt hinzu, daß der neu« Text des Biermächtepaktes von allem befreit wurde, waS den ursprünglichen Text Mussolinis für Frankreich und seine Verbündeten unannehui» bar machte. Die Verhandlungen werden i m Geiste deS französischen Memoran- Die chinesische Polizei Izat Öen Kaufleuten in Peking mitgeteilt, daß sie ihre Geschäfte offen halten können und daß die Anwesenheit von japanischen Truppenpatronillen keinen Grund zur Panik biete. Trotzdem flüchten weiter chinesische Bürger aus dcr S:adl, während Bauern aus der Umgebung ihre Zuflucht in Peking suchen. kutivmi:tel dem Völkerbund« gegen angrcisende Staaten zur Verfügung zu stellen. Tic Rede dcS französischen Außenministers hat eine gewisse ll c b e r ra s ch u ng hcrvor- acrufen, da die deutschen und italienischen Kreis« sicher mit einer gewissen Entspannung und damit gerechnet hatten, daß Frankreich von seiner ursprünglichen Forderung betreffend die Sicher- heitSgaransie Abstand nehmen werde. Vorher sand eine Konferenz der fünf Groß, möchte statt, aus der Paul-Boncour ebenfalls nachdrücklich daraus aufmerksam machte, daß dcr Abrüstungsgrad Frankreichs von dem Matz der erzielten gegenseitigen Sicherheit und der i n t e r. nationalen Rüstungskontrolle direkt abhänge. Tic übrigen Mächte lvaren für die Erledigung dcr Sicherhestssrage erst nach Festsetzung deü Abrüstungsgrades. Frankreich fetzte jedoch ein Kompromiß durch, daß der HauptauSsckuß abwechselnd über beide Fragen verhandeln soll. Morgen wird daher bereit» der erste Teil d«S englischen Planes, der über die Sicherheit handelt, in Beratung grzogen werden. dum» geführt, d. h. der Biermächtepakt soll in den Rahmen de» Völkerbünde» sollen. Der Paktplan, der eben Gegenstand deü Studium» bildet, fei weniger sensationell al» der ursprünglich« Plan. Man ist daher der Ansicht, daß er mehr Hoffnung hat, in absehbarer Zukunft, die aber vorläufig noch nicht bestimmt werden kann, angenommen zu werden. Der römische Berichterstatter de»„Tempo" schreibt, daß der neu« Biermächtepakt nicht die Worte„Revision der Friedenöverträge", sondern nur die Worte„neue Prüfung der FriedenSvrr« träge" oder„Erneuerung der Verträge" oder aber „Anpassung der FriedenSverträge an dir Bedürfnisse der neuen Wirklichkeit" enthalten wird. Polen Segen ledweden Vierm&dite-Pakl. Warschau, 23. Mai.(PLlT.) Bon kompetenten Kreisen wird mitgeteilt, daß der polnische Standpunkt zum Biermächtepakt wie bckannl, v 0 l l k 0 m m c>1 negativ ist und nicht von der Form des Paktes oder von dem Umstand abhängt, ob Polen cingeladen wurde oder nicht. Die polnische öffentliche'Meinung hält den Viermächtepakt auch in dieser veränderten Form für «inen Versuch, den Grundsatz der Gleichheit der Mächte durch die Vorherrschaft eitriger Großmächte zu ersetzen. Die Urheber des Paktes dürfen sich kein« Illusionen machen, daß sic den übrigen ihren Willen werden aufzwingen können. Polen ist«in souveräner Staat und wird nur durch die Verträge gebunden sein, über die cS diskutieren und die cS unterzeichn«» wird. Die japanischen Behörden, die Vorkehrungen getroffen hatten, um die japanischen Einwohner in den« Botschaftsvicrtel untcrzubringcn, haben japanische Patrouillen zum Schutz dcr japanischen Einwohner ausgesandt. Stets haben die SudetendeuIschen an der Peripherie der Politik gelebt. Im alten Oesterreich waren sic politische Dorhut und kulturelle Exponenten zentralistischer Gewalten, dir ihren Sitz in Wien und Berlin hatten. Politisch lvaren sie durch Jahrzehnte gewöhnt, zur Durchsetzung ihrer Wünsche den habsburgischen Machtapparat in Bewegung zu sehen. Die autonom istrschc Na tionalitäten l hevrie Renners und Bauers hat zwar bei den russischen Raudvölkern ein lebhaftes Echo ge« futtdcn, sie war Grundlage für den füdcralisti- schen Aufbau der Sowjetunion(Stalin war vor dem Kriege von Lenin nach Oesterreich beordert worden, um die stiationa'liläten- frage zu studieren), aber auf dem klassischen nationalen.Kami'pfboden der Sudetenländer ist sic in den nichtmarxiftifchen.Kreisen, einschließlich dcr Intelligenz, mit bewunderungswürdiger Konsequenz ignoriert worden. Daran war eine zähe Abneigung gegen die Kenntnis» nähme der Wirklichkeit schuld. Das sozialdemokratische Autononrieprograrnm akzeptieren, hätte bedeutet, daß sich das Suderendeulschtunt auf eine Politikdcreigcnen Kräfte eingerichtet hätte. Das hätte von ihnen verlangt, sich vor dem„tschechischen Ansturm" nicht hinter modernden Privilegien(Klassenwahlrecht in Gemeinden»rnd Landtagen) zu Vüvschauzcn, sondern auf offenem Felde dem aufstrebenden Tschechenvolke cntgegenzutrctcn und sich mit ihm über die Neuordnung der Dinge zu einigen. Niemals hat sich das ftrde- tendcukfche Spießertum von seiner eigenen historisch-geographischen Position mis orientiert, iinmer suchte es einen„großen Bruder", hinter dem cs sich verstecken konnte; stets ist cs auf den Stelzen geliehener Macht in die politische Arena getreten. Dieser„große Bruder" war zumeist das österreichische Ge- samtdentschlum, in den Augen der Alldeutschcu das»vaffenschöinmernde Hoheuzollernreich. In den entscheidenden Schicksalstagen vor und nach dem Zusammenbruch zeigte sich aber, daß die rcttcn-sollenben Gewalten versagten. Aus der heutigen Perspektive gesehen, er scheint es als eine der ärgsten politischen Tor heilen, daß sich die Sudctcndcutschcn für das Habsbuvgerreich bis zum Weißbluten opferten, daß sic sich bis zum letzte» Augenblicke an seine versinkenden Trümmer klammerten und überhaupt nicht aus den Gedanken kamen, wie sich ihr Dasein ohne Oesterreich gestalten werde..Heute gebärden sich unsere Hakenkreuz- ler, als ob sie schon zu Adams Zeiten das Prinzip der nationalen Autonomie angebctet hälieu, im Jahre 1917 aber faßten sie noch Resolutionen gegen das sozialdemokratische „Friedenggewiusel" und forderten eine gemeinsame Grenze Oesterreichs mit Bulgarien, die ihnen offenbar unerläßlich für eine vernünftige nationale Gebietseinteilung in Böh- mcn und Mähren-Schlesien schien. Dazu kam noch die famose O st e r b e g e h r s ch r i f t als ein klassisches deutsches Konzept für die Tschechisierungsprogramme der späteren Prager Machthaber. Ob sie mehr oder weniger die Ansichten Verantwortlicher deutschbürgerlichcr Politiker verdolmetschte, bleibt sie dennoch ein überzeugendes Dotmncnt darüber, von lvelclM Idioten im alten Oesterreich deutschvölkische „Bewegtiilg" gemacht wurde. Die deutschöstcr- reichischen Sozialdemokraten, welche jahrzehntelang ihre besten Kräfte für die Föderal!' sicrnng und Demokratisierung der Donaumonarchie einsetzten, dabei aber Oesterreich- Ungarn als Wirtschaftsgebiet erhalten wollten, sind mit dieser-Haltung durch die Nachkriegsentwicklung glänzend gerechtfertigt worden. Das ist die Vorgeschichte des national- fascistischen.Hexentanzes, der sich heute in sudetendcntschcn Gauen abspiell. Ihre Kenntnis ist zum Verständnis der gegenwärtigen britischen Strömungen unerläßlich. Die Welle des Völ'kechasses, die Europa überflutet, schlug ks Mrd nicht so heiß gegessen... Der Vlererpakt noch keineswegs tertig. Waffenstillstand vor Peking. Chinesisches Angebot von Japan angenommen. Tokio, 23. Mai. Nach Meldung«» aus amtlicher Quelle haben die Chinesen einen definitiven Wassenstillstaudsvorschlag gemacht, von dem hiesige offizielle Kreise annehmen, daß er in Kürze zum Abschluß eines zufriedenstellenden Abkommens führen wird. Nach einer späteren Rentermeldung ans Peking ist bereit» zwischen beiden Staaten ein vorläufiges Friedensabkommrn getrosfen worden, bei dessen Abschluß über Ersuchen der chinesischen Behörden der britische Gesandte behilflich war. Der Kern der japanischen Angrisfsarmce ist weiter vorgerückt; di« Vorhut steht vor Tungtschau, hat jedoch die Stadt noch nicht angegriffen. Peking, 23. Mai.(Reuter.) Der chinesisch-japanische Waffenstillstand wurde bloß mündlich vereinbart und noch nicht unterzeichnet. Seite 2 Mittwoch, 24. Mat 123». Ax. 121. auch über die Grenzen der Tschechoslowakei. Der furchtbare wirtschaftliche Notstand, der die hochindustrialisierten deutschen Randgebiete am schwersten heim such:, schafft neue Reibungs-- flächen. Kluge Besinnung mühte den deutschen Krisenopfern sagen, daß ihr Elend entscheidend weltwirtschaftlich begründet ist und sie zur aufopfernden Mitarbeit an der europäischen Befriedung, wie an der mitteleuropäischen Zusammenarbeit rufen. Dabei ergäben sich neue BcrührungSpnnkt« mit den fortschrittlichsten Kräfte» des tschechischen Volkes, neue Antriebe einer fruchtbaren Znsam mcnarbcit. Politischen Instinkt, Klugheit und Besonnenheit wird man aber dein, sudcten- deutschen Durchschnittsbürger vergebens suchen. Endlich hat er wieder einen„großen Bruder" entdeckt, der ihm seine Sorgen nimmt, seine Hoffnungen verkörpert. Adolf Hitler soll allen helfen, die sich nicht z u helfen wissen. Wie froh ist der nationale Spießer, der Notwendigkeit politischen Nachdenkens entronnen zu sein und mit einem lauten„Heil Hitler!" seinen Beitrag zur nationalen Befreiung, wie zur Lösung der Weltkrise steuern zit können. Jetzt hat er ein neues Wvlkenkuckucksei entdeckt, in das er sich vor den Alltagssorgen flüchten kann. Radiogebrüll ist ihm hinmulische Sphärenmusik, baldige Grenzüberschreitung des Erlösers kündend. Wie aber soll man die Gottverlassenheit der sudctcndeutschen Braunhäusler kennzeichnen, die mit aller Gier nach einem Hunds- peitschenregiment lechzen? Ihnen ist das Glück distanzierter Beobachtung geschenkt, die Ver- schiedenartigkcit der Berichte aus dem Dritten Reich müßte sie stutzig niachen und zum kritischen Denken anregen. Weit gefehlt! Wilde Berserkerwut tobt gegen die Marxisten, die ihnen durch Verteidigung der Demokratie den Genuß der SA-Fußtritte, des Stranun'- stehens, des Speichellcckens, des Bespitzeltwerdens rauben. Der Einwand, daß eine Diktatur hierzulande Auslieferung an die Horden Gajdas und Stmbernys bedeute, wird mit der idiotischen Selbstbelügung abgetan, daß die Tschechoslowakei als Nationalitätenstaat so wie so demokratisch bleiben ntüsse. Als ob sich Pilsudski geniert hätte, Sozialisten, Ukrainer und Deutschpolen gleichzeitig zu unterdrücken. Welch ein Wahnwitz, die Existenz eines schtva- chen bedrängten Grenzvolkes an das halsbrecherische Experiment des Hakenkreuz-Fascis- mus ketten zu wollen, welches das deutsche Sechzigmillionenvolk wieder wehrlos zu Boden werfen kann, wie 19.18! Haben die Herren nicht genug daran, daß wir schon einmal Gei sein waren für Habsburg? Was würde ein hakenkreuzlerisches Sudetendeutschtum nach der Niederlage Hitlers zu gewärtigen haben? Das Sttdetendeutschlum verdankt es tmr der konsequent antifascislischen Haltung der Sozialdemokraten, daß es von den Hakenkreuz« -Hasardeuren nicht in ein halsbrecherisches Abenteuer gestürzt wird. Daher muß der Kampf mit den Bolksverderbcrn, die rin Inka nde Demokratie fordern und den Menschen- und Freiheitsmördern in nächster Nachbarschaft Beifall klatschen, mit schonitngsloscr Gewalt geführt werden. Es liegt alleänngs nicht an uns allein, wie groß der Teil des Sudetendeutschtums sein wird, der sich auf die Seite der Demokratie, der Freiheit und der Menschlichkeit stellt. Die entscheidenden Faktoren der tschechischen Politik haben«S in der Hand, auf die politische Gruppierung der deutschen Mitbürger bestimmenden Einfluß zu nehmen. Die Zugkraft des Dritten Reiches wird umso geringer sein, je mehr sich die Deutschen hierzulande als gleichberechtigte Bürger zuhause fühlen. Mit gleicher Offenheit, die wir vorher den eigenen Bolksgenosseti gogettüber itts Treffen fiihrten, sei ausgesprochen, daß eS der tschechisch« Nationalismus den Minderbetts- völkcrn wahrlich nicht leicht macht«, in diesen! Staatsniesen heimisch zu werden. Der Bcrstän- diguttgstvillc der deutschen Regierungsparteien, der nicht erst seit den Tagen datiert, da der Fascismus Deutschland in eine Höll« verwandelt hat, besitzt Anspruch darauf, in seiner heißumkäinpften Stellung endlich auf tschechischer Seite sichtbares Verständnis zu finden. Soweit nmteriell« Streitpunkte zwischen Staatsvolk und Minderheiten da sind. wird deren Bereinigung geduldiger Ausdauer bedürfen. Zur Reinigung der Atmosphäre trüge aber schon weitgehend bei, wenn endlich cin- inal mit der verfluchten Prestige- und Nadelstichpolitik gegen die Deutschen aufgehört Ee.chäftsordnunlfsnoveNe gemildert. Prag, 23. Mai. Das mit der Ueberprüfung der Geschästsordnungsnovelle betraute Subkomitee hat gestern seine Aufgabe außerordentlich gründlich genommen; die Sitzung oauerte von 3 Uhr nachmittags bis 3 Uhr früh iind endete mit der schriftlichen Festlegung von rund einem Dutzend Abänderungen, die das Bestreben zeigen, aus den« ursprünglichen Entwurf Härten nach Möglichkeit auSzuschcidcn. Einzelne der beantragten Aenderungen sind vollkommen neu,;. B. die Bestimmung, daß das Abgeordnetenhaus nur in Anwosenheit von mindestens 30 Abgeordneten verhandlungsfähig ist. Bisher war eine bestimmte Präsenz(ein Drittel aller Abgeordneten) nur für d'e Abstimmung vorgeschrieben, während die Sitzung zur sestg^etzten Zeit vom Vorsitzenden ohne Rücksicht aus die Zahl der Airwesenden eröffnet werden und auch ruhig weitergehen konnte, wenn außer dem Rednc- und dem Vorsitzenden sonst niemand im Saal anwesend war. Gerade solche Vorkommnisse haben ja den Anstoß zur Novellierung der Geschäftsordnung gegeben. Die Festsetzung einer Mindestpräsenz für jede Phase der Sitzung ist darum wohl nur zu begrüßen. Tic Maßnahmen gegen unentschuldigtes Fernbleiben erfahren eine Milderung. Als Höchststrafe für besonders hartnäck'g« Sünder wird nicht niehr der Maiidatsvcrlust, sondern eine Rüge durch das Abgeordnetenhaus festgesetzt, di« im Amtsblatt und im Pressebüro veröffentlicht wird. Unentschul- digteS Fernbleiben von sechs aufeinanderfolgenden Sitzungen wird außer durch Diätenentzug vorher erst dreimal im Kalendersahr durch«ine Rüg« d«S Präsidiums verschärf!, von der das Haus und außerdem schriftlich die Präsidien des Klubs und der politischen Partei deS Abgeordneten zu verständigen sind. Nachträglich« Entschuldigungen wegen Fernbleibens können entgegengcnommen werden, wenn darin gleichzeitig di« Hindernisse angeführt werden, die ein recht- zeitiges Urlaubsgesuch nicht zuließen. D'd vargeschlagenen Bestimmungen über dir 'erste Lesung von Regierungsvorlagen werden wüvde und ivenn Vie diversetr JedimlaS ver- haltett würde», ihre Tätigkeit dem gesamtstaatlichen Interesse»nterzrtovdnen. ES köttnten die Kämpfe zwischen FasciS- muü und Demokratie zugleich di« Grnndstein- legung für eine ehrliche deutsch-tschechische Verständigung bringen. Die letzten Ereignisse haben di« Bedeutung der staatlichen Selbständigkeit der- Tschechen und Slowaken für die europäische Demokratie erwiesen, aber auch die Bedeutung der deutschen Demokratie für den gesicherten Bestand dieses Staates. Int Kampfe für die Demokratie kann das Sude- tendcutschtttm. nicht nur zrtr gesamtdeutschen Attferstchung beitragen, sondern sich jenes Ver- t rauen der fortgeschrittensten tschechischen Volksteile erringen, das für ein freies und friedliches Zusatwnienleben unentbehrlich ist. Hitler hat mit sieben Mann angefangen, jedoch— aus Instinkt oder Zufall— sein Schifflein auf die steigende Woge des euro- päischeu Nationalismus gelenkt, die ihn hoch- trug. Wir Sozialdemokraten vertrauen der Gegenströmung, denn die Völker Europas werden sich in der kommenden Epoche verstäit- digen oder untergehen! dahin abgeändert, daß sie nur über Antrag der Regierung oder Über ausdrücklichen Beschluß des Präsidiums, nicht aber automaßsch erfolgen soll. Die Debatte hat ein Minister(und Mcht„der Ressortminister oder sein Vertreter") zu eröfsnen. Beim Schluß der Sitzung sollen Anträge, die nächste Sitzung zu einem änderen Termin oder mit einer anderen Tagesordnung anzuberaumen, als der Vorsitzende beantragt, nur dann zur Abstimmung zugclassen werden, wenn sich hiefür mindestens hundert Abgeordnete auSsprechcn. Das Verbot deS AblcsenS von Reden bleibt aufrecht, wird aber durch«inen Zusatz dahin erläutert, daß alle Redner„nur zur Unterstützung des Gedächtnisse-" schriftliche Anmerkungen benützen dürfen. Bei Wortentzug soll dem Betroffenen doch die Möglichkeit einer Berufung gegeben werden, allerdings nicht an daS Plenum, sondern an das Präsidium. Im 8 öl wird der Begriff„Beleidigung" näher desiniert, di« den Beleidigten zur Einleitung deS Disziplinarverfahrens berechtigt; eS ist darunter ein« Schmähung, Mißhandlung oder ein« Beschuldigung zu verstehen, di« die Ehr« des Angegriffenen in einer Weife berührt, di« mit der Würde des Parlaments unvereinbar ist. Beim Ausschluß wegen Gewalttätigkeiten oder Litzmtgsvereiielung wird der Diäieneulzug obligatorisch auf einen Monat reduziert; über rin« Ver- scharfnng durch Diätencntzug bis zu sechs Monaten entscheidet daS Plenum. Beim Interpellationsrecht wird die Bestimmung beseitigt, daß im Falle der Richtdeantwortung do- Verlangen auf Verhandlung im Plenum von denselben 21 Unterzeichnern der Interpellation eingebracht werden muß; es soll ein schriftliches Ersuchen von 21 beliebigen Abgeordneten genügen. Mit diesem Elaborat der Sttbkonrnriffion be- faßte sich heute vormittag der VcrfassungsauS- schuß, der cs mit geringen Aenderungen bis zum § 48 annahm. Da zu den restlichen Paragraphen über die Disziplinarstrafen und daS JntcrPcllationSrccht noch ein« ganü: Reihe von Rednern angemeldet waren, mußte der Ausschuß mit Rücksicht auf den Beginn der Plenarsitzung die Tehatte bis nach dem Plenum vertagen. Di- Geschäftsordnung«, dcbatte im Plenum mußte daher auf die nächste Sihiliig verschoben werden, die morgen um 10 Uhr früh stattfindet. Am späten Nachmittag nahm der Ber- sassungSauSschuß schließlich daS Elaborat der Sub- kommlssion mit einigen kleineren Abänderungen an. * Was die Tteueramnestke einbringt. Wie gestern Dr. H o d a L im Parlan»»nt als Referent zur Zeichnnngsverlängeruna nach 8 6 der ArbeitSanlcihc mitteilte, wurden bis 22. Mai auf Grund der Stcncrainnestic 184.3 Millionen bisher verheimlichten Kapitals nachträglich einbekannt und zur Zeichnung von ArbettSanleihc verwendet. Ans Grund des Lövrozentigen Nachlasses wurden ferner 188.8 Millionen an älteren Stcuerrückständen cingczahlt. Die Fristerstreckung Ivicrde in beiden Lesungen angenommen, ebenso die Verlängerung des AssanierungSgesctzcS für Groß-Prag. Antwort an die Einheitsfrontier Di« Antwort, die' di« Leitung de« Sozialistischen Jugendverbandez den kommunistischen EiiiheitSfronIlern(Zentrale der Jugend der KP0.) gab, lautet: Dir teilen Euch im Namen des Sozialistischen Jugendverbandes m!t, daß«ns di« Herstellung der von Luch gewünschten Einheitsfront nicht genügt, sondern daß wir unsere Ausgabe in der Wiederherstellung der einheitlich«» Kampforganisation, also der restlosen Einheit de« Proletariats» erblicken. Eure bisherige Haltung beweist jedoch, daß Ihr nicht mehr als di« Einheitsfront aus taktischen Gründen wollt. Aus diesem Grund« erübrigen sich vorläufige Verhandlungen mit Euch. Außerdem verweisen wir auf unser« Stellungnahme lvegen der Herstellung der Kampseinheit, die in der Aprilsolge unserer VerbandSzeitung„Sozialistische Jugend" ver- vssentl.cht wurde. Hakenhrcuzialine im Hollcsciiowllzer Haien muß wieder cingczogcn werden. Die Prager Polizeikorrespondenz teilt mit: Dienstag um 18 Uhr hißten im Hollcschowitzer Hafen in Prag Vll, zwei Mann der Besatzung des im Hofen ankcrndrn reichSdeutschcn Frachtschiffes Nr. 1882 am Bilg deS Schiffes eine reichsdeutschc Hakenkrcuzflagge, wogegen das am Ufer weilende Publikunr sofort laut protestierte. Die Hafcnvcrwaltung sandte augenblicklich einen Angestellten auf das Schiff, der den Schiffsinhaber aufmerksam machte, daß er zur Hissung der Flagge nicht berechtigt sei, weil der-Hafen nicht zu den internationalen Strecken gehört, und ihn auffordcrte, die Flagge hcr- Imterzunehmen. Dieser Aufforderung wurde sogleich entsprochen. DaS angesammelte Publikum ging hierauf auseinander. Die Hafenvrrwaltung erstattete ihrer Vorgesetzten Behörde über die Angelegenheit Meldung. Als Nachfolger des verstorbenen Genossen Pohl wurde, wie das Innenministerium in einer Zuschrift an daS Parlamentspräsidium feststellle, Gcnosie Johann Baumgartl an§ Ro hau ins Parlament berufen. DaS Innenministerium hat dem genannten Genossen, der sich namentlich um die Organisierung dcS Hilfswcrkes für die durch die Verlegung oer Eisenwerke brotlos gewordene Bevölkerung von Rothau große Verdienste erworben hat, da« Deglaubigung»schreib«n bereit« zugestellt. Nachdruck verboten« UND DAS 20. JAHRHUNDERT Roman von Rudolf Brunngraber Copyright by Soclet Ale* Verlag, Frankfurt am Main 1039 Und Karl geht wieder zu den Firmen. Zu Finnen für Audiouröhren, für ätherische Oele, fünf Benzinpumpen, fiir Beton, für Edelgase, für Kartoimagen, für Kochapparat«, für Kindernähr- mittel, i» Garagen, in Fremdenverkehrsbüros und Bersicherungsgesetlschasteu. Es führt zu nichts, doch bedeutet das nun nicht gleich die Katastrophe. Auf der Straß« ist Sommer und Karl hat sein Essen, sein Bett. Hier muß allerdings einen Augenblick nun Halt gemacht werden. Eines Abends, als er heimkommt, hat Frau Semrad ihr Bett anseinandcrgenommen. Sie sagt, des Ungeziefers wegen. Sie redet von der Augusthitze und cs riecht nach Petroleum in der Wohnung Aber da sie nun irgendwo schlasen muß, hat sic sich auf dem Boden eine Schlasstätte zurcchtge- macht. Das weitere erscheint nun geradezu unvermeidlich. Karl besteht darauf, daß sic sein Bett benütze; dan" will sic ihn wieder nicht aus den Dielen liegen sehen und schließlich sieht sich Karl In die Leidenichast dieser Bieruudvierzigjäh- rigen gerissen, die maßlos ist. Am anderen Morgen lagt sie beim Frühstück Karli zu ihm. Da« ist für Karl genanter, als cs die Bcttmiserc war, aber er drückt sich drum hcrnni. Bis eines Nachts die Frau, die ein untadeliger Mensch ist, fahrlässig wird. Sie verrät Karl, daß si« in dem Glauben lebt, er werde sic heiraten. Daraufhin h"*i Karl am 1. September, nachdem er von seinen Ersparnissen, di« 84 Schilling betragen, 20 ans dem Tisch zurnckgelassen hat, . seinen Koffer wieder zu Frau Vilma. Er tut es in dem Bewußtsein, b-i Frau Semrad eilien^sehr schlechwn Abgang zu Huben nnd dennoch in Fea« Vilma nur die Person und nicht da« System zu wechseln. Tas Niederträchtige beginnt chn zu umstellet!. Karl versucht sich Mar zu bewahren davor, aber da« haben schon manche gewollt. DaS Niederträchtige, di« Zähigkeit schlechter Zustand', die einen Mann solange in Demütigungen verstricken, bis gleichsam von selber daraus Ünjau- bcrkettcn Wersen, die er nicht vermieden ha.,— da« Niederträchtig« ist wie ein Sumps, in den man- sich nur tiefer hineinarbeitet. Bei den Dostals hat sich ein einschneidender Vorfall begeben. Es ist dem jungen Philipp gelungen, den Alten zu bewegen,-ihm und zwei anderen Arbeitslosen eine genaue Darstellung de« Dvppelbartsystem« einer Kassa zu geben, die von der Fabrik, bei der der alte Dostal boschäftigt war. geliefert worden ist. Nun sitzen sie— nach dem mißlungenen Einbruch— alle in Hast, Ta« macht Frau Vilma trostlos. Si« kann nicht über die-Stiege gehen, ohne um de« alten Mannes ivillen in«inen Weinkrampf zu verfallen. Aber die Neuordnung der Dinge gibt ihr auch di« Möglichkeit, Karl vurzuschlagen, bei ihr Obdach zu nehmen, ohne Entgelt. Trotz dem Schlosser und dem Vertreter, die seit Karl« 2(bgang da« zweite Zimmer beschlagnahmt haben, wird auf Atonale hinaus überflüssiger Platz sein, zuina! ja auch ihre Schwester, di« Anna Sachs, die seit Monaten von ihrem Mann in Frankreich nichts mehr gehört hat. nachts nie zu Hause ist. Auch da« ist übrigens Publik geworden und die Leut« zeigen auf die Anna Sachs mit Fingern. Aber das scheint sie nur anzuspornen. Sie ist ein lrbcnS- fähiger Mensch— und Karl, dem dieses Urteil durch den Kopf geht, lehnt das Anerbieten Vilma Hamels ab. Wie m Daumenschrauben, aber bestimmt. Das dlbenteuer mit Fran Semrad hat ihn in eine lcidcrischastlich« Verfassung gebracht. Auf der einen Seite wurde ihm dort seine Dien« schewvürde, wurden ihm seine Ettvartnugen und Ansprüche von einstmals wieder bewußt nnd auf der anderen Seite hat ihm der Abschluß deS Aben teuer« eindringlich gezeigt, wie weit er von der Befriedigung dieser Ansprüche entfernt ist. Er geht aufS neu« ins Asyl schlafen. Doch der Wut, die uun in ihm wächst, sind die Dinge Penetranter als der Selbstbemitlcidimg, mit der er früher herkam. Di« Visitation nach Läusen, der Lärm und der Gestank über den Betten, oer Drahteinsatz mit dem unüberzogenen Strohsack, da« sind nun aller Widerhaken in sein Herz, das sich vogelfrei sicht. Vogelfrei, da« ist der Begriff, der sich nun in Karl« Hirn festsitzt. Und früh dringt Gelang au« dem Frauenraum herüber. Sie singen: „Schöner Gigolo, armer Gigolo, denk nicht an die Zeiten, Da du als Husar, goldverschnürt sogar, konntest durch die Straßen reiten." DaS ist der neueste Schlager, der, In seiner splendiden Art, einen Offizier bemitleidet, den der Wandel der Dinge;nm Eintänzer gemacht hat. Karl nickt grimmig. Er ist, unbeschadet des Umstande«, daß er ettvas drum geben würde, Eintänzer zu sein, Ritter des Kronenordens und hat den Kaiser Karl im Nundslug um Undine geführt. DaS ist nun zum Lachens Jenen Orden stiftet« Napoleon nach seiner Krönung in Italien, aber die Geschichte der Eisernen Kron« geht lies in die Jahrhunderte der Lombardei zurück. Dcnkc nicht der Zeiten...-Karl hat da« Gefühl, jene ganze Welt wäre au« Tombak gewesen. Aber er glaubt auch zu erkennen, daß der kleine Mann immer der Betrogene ist und daß da«, silbstmör- derischc Laster, das ihn in allem und jedem immer wieder zum Kanonenfutter macht, lein Haug nach einer salsclren Romantik sei. Innerhalb des Baues seiner Ideale bedeutet diese Erkenntnis daß Karl den Respekt vor der Welt zu verlieren beginnt. Morgenstunde hat Gold im Munde, da« ist, sagt im Waschranm ein Intelligenzler, bestimmt nicht in einem Asyl erfunden worden. Aber Karl hat nie Humor gehabt nnd heule ,st ein« Spannung in ihm wie vor drohenden Ofsin- barungen. Er tritt mit einem Gefühl aus die Straß« hinaus, als sähe er sein« Welt zum erstenmal. Di«.Helligkeit Milchen den Häusirsronten vibriert vor Kuhle, der Tag ist noch jung. Man wird im Asvl um sich« ans dem Haus gewiesen. Karl geht die Straße hinauf ins Ziellose. Ta« vermag man sonst nicht, ohne daß e« einem auffiele. Aber Karl ist ganz versunken; ein rätsel- baftes Gefühl bewegt ihn, als müßte er durch tiefes Nachdenken einen Ausweg finden können. Es geht, ohne es zu tvissen, immer langsamer. Schließlich bleibt er aber vor einem Schausenstcr stehen. Darin ist ein Schiffsmodell zu scheu, nebst einer Landkarte und einer Anzahl Photo-. Auf der Scheibe steht in goldenen Lettern: The Royal Mail and Pacific Lines to Spain, Portugal, Madeira, Bermuda, Havanna, Panama, West Coast of South America. Jcnun, das ist jetzt vorüber. Das Leben ist nicht mehr die unendliche Zeit, die man Vor sich hat. Karl er« mißt das Gewicht seiner siebcnunddreitzig Jahr«. Da suhlt er sich von der Stadt wie von einem tausendarmigen Henker bedroht. Er sicht di« Häuser hinauf: woher? Doch es gibt nichts ge- wa!tiger Ruhendes als eine Großstadt. Sic rührt auch keine Wipfel, wie Bäume ctiva, unter den«» man immerhin»och meinen kann, inirgendeincm Wind deS Taleins zu stehen. Äbcrtaiiiende Fenster nur blinken vor sich hin! Du bist uichtt. Nun fällt Karl auf, daß er int Ziellose» gehl. Oder mit anderen Worten: daß ihm oas Kostbarst« fehlt, der Alltag. Wer einen Alltag hat, dem bilft alles, der schwimmt in einem Meer, das stark ist und weit, als es aufznnehmen und zn gkäitcn. Er, Karl, ist allem zuM-e» 48.000 Häusern und 1,863.000 Menschen. Ta- Meer iü ihm, er ist dem Meer gegenüber'-stellt. Jeder Schritt, den er tut, verläuft ans einer irreale» Ebene, in clneni ablckluten Neuland. (Forcsttzulig tolgt.) 4 Mittwoch, 24. Mat 1933. Sir. 191. Seite 3 vis deutsche Regierung wage zu demontieren. humanen Nazi-Aerztc war schließlich mitleidig genug, ihm Gift einzugeben, was, um alle Nazi lumpereien zu krönen, zur Folge Katie, doch zu diesem Morde beinahe noch ein Justizmord hin- Beweist für die deutsche Aufrüstung und die Lügenhaftigkeit Adolfs. Groß-Berlins, das von der llnmcnschlichkeit Notiz gestand zu lesn:„Böse Zungen dem Dr. P. alle Knochen im und die Nieren eingetrelen natürlich Lüge. Ebenso un- muß es als seine PHidif erachten, alle seine Mitarbeiter als Abnehmer der Arbeiterpresse zu gewinnen. In der Agitation von Mund za Mund liegt das Geheimnis des Erfolges. S|Tfage jeder dazu bei, die Walle des Proletariats stark und einflußreich zu madten. Wie Dr. Philippsthal stau* Erst halb erschlagen, dann vergiftet Nach vier Tagen endlich fand ihn seine Frau imt llrbankrankenhauS mit zerbrochenen K n o-1 chen, gebrochenem Rückgrat und ein getretenen Nieren, in sterbendem! Z u st a n d. Auf ihre leise Beschwerde, daß dem I Sterbenden doch wohl nicht die entsprechende Kost zuteil werde, sagte der Mcnschenschlöchter im Arztkilicl:„WaS? Er beklagt sich noch? Wir werden ihn nach der Hedemannstraße transpor- tieren. Dann wird er erst sehen, daß er cs hier I wie im Paradiese hatte."— Ein anderer Arzt, ein junger Manu, der es in der organisierten I Mörderin noch nicht so weit gebracht hatte, sagte I zu Frau Dr. P. ein über das andermal:„I* kann nichts dafür... Ich kann nichts dafür." I lind fügte hinzu:„Ich halte das hier nicht mehr länger auS. Alle Tage wirds furchtbarer... Ich lasse mich versetzen." Im Urbonkrankenhause, der| Stätte, von der man begreiflicherweise Professor Zondeck, der solche Greuel niemals mit scinein Namen gedeckt hätte, rechtzeitig entfernt batte, lagen(und liegen wohl noch) lauter solche Schwerkranke, die von den braunen Mordaesellen er schlagen worden find. Einige Tage später hatte Dr. P. autgelitten. Man hatte ihm Gift ge geben. Vorher aber wurde er noch dem StaatS- krankeuhanse überführt, um so den Schein zu erwecken, als handle es sich um einen politischen „Verbrecher", den nichts mehr als das wohlver diente Schicksal getroffen. Den Gipfel der Ge meinheit aber erreichte das^Biesdorfer Lokalblatt, das einzige Blatt himmelschreienden nommen... Dort wollen wissen, daß : Leibe zerschlagen wurden. Das ist - wahr ist daS Gerücht, wonach ihm sein« eigen« 1 Fran vergifteten Kuchen gereicht hätte."... Auf > Grund dieser Notiz wurde die Leiche, wie er- > wähnt, beschlagnahmt... Und die Schulkinder in BieSdorf erzählen cs sich noch heute:„Weißt Du schon? Frau Dr. P. hat ihren Mann ver giftet."— Der Vollständigkeit halber sei noch er wähnt, daß sich der Vertreter des Dr. P., Dr. Schlesinger, aus Angst, ein gleiches Schicksal zu i finden, wie sein Kollege, am selben Tage ent Nachahmenswertes aus Rumänien. Leu Deutschbürgerlichen zur Lektüre empfohlen! Der Führer der Dautschbürgerlichen in Rumä nien, der politisch sehr weit recht» stehende Abge- Ordnete und frühere Staatssekretär für Minder heiten. Rudolf B r a n d s ch, bat kürzlich in Hermannstadt in einer Rede sich^außerordentlich ausgesprochen und davor gewarnt, daß die Deut-1 sie fönende Bemerkung: schen Rumänien» die Taten der braunen Banditen IFraenkel war ein andere Reichswehr eine vierwöchige Ausbildung erhalten. Sic tragen Uniform der Reichswehr und dürfen di« Kaserne nicht verlassen. Die Ausbildung erfolgt hauptsächlich am scksiveren Maschinengewehr, leichten Maschinengewehr und Göwahr. „AM 6er flucht erschossen“. Dresden, 22. Mai. In dem Konzeutra- tiouslager bei Chemnitz wurde« in der bergan- grorn Nacht vier kommunistische Häftlinge bei einem Fluchtversuch erschossen. Vir gratulieren zu dem Zuwachs! Berlin, 23. Mai. Der Exkronprinz ist dem nationalsozialistischen Kraftfahrerkorps als Mitglied brigetreten. Das Postgeheimnis illusorisch Berlin, 23. Mai. Bon der Polizei wird mit« geteilt: TaS geheime Swatspolizciamt hat in der vergangenen Woche in ganz Preußen eine Kon trolle der Postschließfächer und Postlagcrsendun- gen durchgcführt, da Anhaltspunkte dafür Vor lagen, daß sich der kommunistische Nachrichten dienst dieser Einrichtungen weitgehend bedient. «VIN aeociinen Si«ai»poli«iai»r ivird örshulö i a.. Ä..,_ k..... daraus hingewiesen, daß e» sich um eine behörd, I^ldolf Hitler untergeordnet rst. '" u’' AuS diesem Aufruf geht mit aller Deutlich. griffen. Dem gleichen Ziele dient doch auch die Zertrümmerung dieser Organisationen. Wir furchten sehr, daß sich Popper-Lynkcns, dieser von reinstem Wollen und tiefstem sozialen Empfinden erfüllte Mann, im Grabe umdrehen würde, wenn er wissen könnte, was sein Jünger aus seinen Lehren gemacht hat. Die Ausführungen Karpes beweisen nur, daß er van Popper-Lhnlens Bestrebungen auch nicht die leiseste Ahnung hat. In der gleichen Richtung liegt der Versuch, in die Weimarer Verfassung Poppersche Grundsätze hineinl—egen zu wollen, und wir können uns die langen Gesichter der Herren in Berlin denken, denen Herr Karpe im Fähre 1931 diesen Zusammenhang klarlcgen wollte. Herr Karpe-Karpeles hat sich bereits wiederholt unliebsam bemerkbar gemacht, so, als er im Jahre 1925 di« Juden ausforderte, die deutsch nationale Liste zu wählen. Dazu paßt vorzüglich, wenn Herr Karpe da- von spricht, der ausländische Wettbewerb habe gern die Greuelhchc aufaebauscht und sie zur Verdrängung des gefährlichen deutschen Wettbewerbes ansgcnützl! Es mag schon sein, daß da oder dort Konkurrenzneid mitspricht. Aber in Bausch und Bogen die Nachrichten über das Unfaßliche, das sich seit drei Monaten in Deutschland abspielt, als Konkurrcnzmanöver hinzustellen, zeigt von einer Weltfremdheit oder von einer Besessenheit, die sich selbst richtet. Mit diesem Artikel hat sich Herr Karpe für jeden ernste» Menschen und für jede ernste Polemik ausgc- schaltet. Wenn er zum Schluß für eine Lehrkanzel für Nährpslicht plädiert, so bringt er hicfür offenbar sich selbst in geneigte Erinnerung. Dazu wäre aber eine vorherige Aufnordnung sowohl des Namens als der geschätzten Person des Herrn Verfassers erforderlich. Karpe ist noch etwas anrüchig und verrät die Herkunft. Auch fehlen die gleichgcschalteten Endbuchstaben. Er müßte also seinen Namen nochmals ins Deutsche übersetzen, wofür wir ihm die Namen Kitler, Köring oder Köbbels(nicht etwa KöbbeleS) Vorschlägen. Biel schwerer wäre allerdings die operative Aufnordung der Person des Herrn Karpe. In dieser Richtung können wir ihm auch einen Rat geben. Er möge sich an das von seinen Freunden neu errichtete Institut für Rasienforschung in Berlin wenden. Karpe und Hitler. Im„Prager Tagblatt" lagert hie und da Herr Jng. L. Karpe auS Tc p l i tz die Produkte seines Nachdenkens ab. Er hat zwei Steckenpferde: Kamps gegen die Fremdwörter und Kampf für die Ideen Popper-Lynkens, besonders der allgemeinen Nährpflicht. Ten Kampf gegen die Fremdwörter führte er unter anderem auch dadurch, daß er seinen ehrlichen jüdischen Namen KarpelcS in Karpe verdeutschen ließ. Im allgemeinen bleiben seine Ergüsse so unbeachtet, wie sic cs verdienen. Ader der Artikel, den er am 29. Mai 1933 veröffentlichte, muß doch niedriger gehängt werden. Der Artikel trägt den Titel„Hitler und Popper". Schon das ist eine Blasphemie. Wenn Popper noch lebte, würde er es sich wohl sehr energisch verbieten, mit Hitler in einem Atem genannt zu werden! I Wenn er in Deutschland lebte, wäre er entweder .geflohen oder von den Mordbandite» Hitlers arg I zugcrichtet, wenn nicht ermordct worden. Daß Hitler und Popper die Endbuchstaben I ihres Namens und ihr Geburtsland Oesterreich I gemeinsam haben, stellt Herr Karpe mit gewohn- I ter Geschmacklosigkeit fest. Aber eine unerhörte Bloßstellung Poppers beinhaltet die Behauptung, I daß die H i t l c r s ch e Arbeitsdicnst- I pflicht ein Schritt am Wege zur Verwirklichung der Poppersche» Idee» ist, die- I selbe Arbeitsdienstpflicht, die keinen anderen Sinn I hat, als die Menschen zu Arbeiten um einen gc- I ringe» Lohn;» zwingen, und auf diesem Wege Soldaten, vom Oberschützen aufwärts, n«hmcn""th^östuc der noch beschäftigten Arbeiter zu di« Ausbildung vor. lenken, alzo die Ausbeutung wieder aus icncs * I Maß zu bringen, das sie hatte, bevor freie Ge- . M-lW- In Tdn-m^n L'L'L scheinende Zeitschrift„Die Kommenden bringt einig« offene Worte über die mili tärischen Aufgaben der Jugendbe wegung(!) und richtet mahnend« Worte an den„Stahlhelm": „Ties bündischc Deutschland, das ein we- sentlicheS Element des zu schulend«» militärischen Nachwuchses bildet, läßt sich durch Rcvolutionssicge im Innern des Rei che- nicht betören. Es weiß, daß«S über kurz oder lang wird an den Grenzen für Znknnftbefestigung bluten müssen. Der „Bund der Frontsoldaten" darf nicht zu einem politischen Werkzeug herabsinken. Was sagt« Hitler?. wenn heute in Genf versucht wird, diese ausschließlich innerpolitischen Zwecken dienend« Organisation den Wehrmächten anzur«chnen, dann..." Kardinal raulhaher noch nicht ganz gleich geschaltet? München, 23. Mai. Wie der„Völkische Beobachter" berichtet, hat Kardinal Faul haber dem als nationalen Borkäiitpfcr be kannten Pfarrer Dr. Häuser verboten, die Weihe der Schlaaetergcdenksäule auf der Zug spitze, die an Christi Himmelfahrt stattfinden sollte, vorzunehmen. Unllormverbot im Saargebiet. Saarbrücken, 23. Mai. Die Ncgierungskom- mifsion hat alle» politischen Vereinigungen daS Tragen von Uniformen und Uniformstücken ver- boten. Deutsche Grenzsperre gegen Oesterreich? Wien, 23. Mai. Die Wiener Blätter verzeich nen Gerüchte, die weder bestätigt noch dementiert wurden, wonach in Berlin die Einführung einer AuSreisegebühr nach Oesterreich oder eine Sperre der Paßvisen nach Oesterreich, ja sogar eine gänz liche Grenzsperre zwischen Oesterreich und Deutschland erwogen wird. übergegangen sein sollten. Aber gerade weil das lzugekommen wäre. Tic Staatsanwaltschaft näm- Gegenteil der Fall ist, gerade weil sich das bür« liim hatte sich der Sach« angenommen und die gerliche Deutschtum hier den Einflüsterungen Lerche beschlagnahmt, um damit den Schein zu (andsrernder und größenwahnsinniger Eharlatane I erwecken, daß— vermutlich— di« eigene Gattin al« ,o zugänglich erwiesen hat, erlangen diese I Philippsthals den Mord verübt habe. In der bescheidenen Erkenntnisse de» Herrn Brandsch den Hauptsache aber hatte die Staatsanwaltschaft Rana staatSmanmscher Offenbarungen. wenigstens erreicht, daß die Leiche dem Zugriff Und nun fragen wir: Wo ist unte: Unbequemer entzogen wurde. Die Angelegenheit unseren sudelendeutschen«»«Ho«halt« sich folgendermaßen zugctragen: Dr. P., seit nalen Politikern ein Brandsch-^ achtzehn Jahren in BieSdorf al« Arzt ansässig, Unsere HorPynkaS und K-'b S b-gnuaen^llkommen uninteressiert, wegen seiner sich damit, das„nationale Erwachen"'N Deutsch-^Heit und selbstlosen Hilfsbereitschaft bei jand, daS m der brutalen Un^rdruckuna von^ Christen und Juden außerordentlich beliebt, hatte ?Mt.?-r,D-vSll^ng d-»ReKr^sw^auS^'<ß aHett$ g^nüLar, di- er jahrelang be- L fe»ä1ä ,Iu" 8«äÄ tung und weil sie selbst von einem extremen L?°,£ Ar- n r 1( ,S Fudm, schienen Rationalismus alles zu- befürchten hat, sich nicht ZElasterung. S'c wurden sein TodeSurtc,,. die Befürwortung einer Gewaltpolitik gestatten I°^en Abend erschienen in der Sprech- ‘wo 1 i stunde zwei Nazistrolch«, warteten zum Schluß ' lund forderten dann den Arzt kurzerhand auf, ,„..,,.. I seinen Wagen anzukurbeln. Sie zwangen ihn, WIüllOTIHlfhllllM der iUQOSlaWiSdlßn I sich selbst in die Nazikaserne in der General Sozialdemokratie! Papestraß«, sich selbst in den Tod zu chaussieren. l leibte. Wie auS einem Artikel eines der Führer der! sozialdemokratischen Bewegung in Jugoslawien Dr. TopaloviL in der Belgrader„Politika"I hervorgeht, steht die Wiederaufnahme der Poli tischen Tätigkeit der Sozialdemokraten in Jugo slawien bevor. Topaloviö erklärt in dem Ar tikel, daß aus Grund des vor kurzem in Kraft gesetzten Gesetzes über die politischen Parteien auch der sozialdemokratischen Partei die Möglich keit gegeben tvurde, ihr Parteiloben aufs neue zu organisieren. Die fascistische Konterrevolution in ganz Europa mache Fortschritte und die Schaf- sung einer sozialistischen Arbeiter front sei daher eine Lebensnotwendig keit geworden. Die jugosiawische Arbeiterklasse walle ihre Tätigkeit auch auf politischem Gebiet ausweiten und ihren Einfluß sowie ihre Bedeu tung auch im Staate geltend machen. Die not wendigen Unterschriften für die neuerliche Par teigründung seien gesammelt, so daß mit der Gründung für die nächste Zeit zu rechnen sei. Adolf Hitler, infolge eines gräßlichen Betriebsunfalles der Weltgeschichte dorzeit Reichskanzler Deutschlands, hat vor ein paar Tagen eine von seinen Beratern konzipierte außenpolitische Rede gehalten und die Friedensliebe des „Dritten Reiches" beteuert. Mit Entrüstutig hat er es zurückgewiesen, daß seine braunen Räuberbanden, die SA und SS als militärische Formationen aufgesaßt werden und er hat sic mit der Feuerwehr verglichen. Aber Adolf geht cS mit seinen SA und SS ähnlich wie dem Zauberlehrling:„Die Geister, die er ries, nun wird er sie nicht los" und gleich- ' sam zur Bekräftigung der von ihm mit großem Eifer als völlig harmlos hingcstcllten völkischen | Wehrverdände, erschien dieser Tage in einer selbstverständlich gleichqeschalteten Zeitung in M e i ß e n i. S. in größter Aufmachung folgender Aufruf: ADirul an alle Frontkämpfer und wehrbereiteu Männer«hem. Mitglieder des Freikorps, des Werwolfs und der wehrfreudigen Jugend! Der Wehrverband„Schwarze Brigade", hervorgegangen au« d«m Kerntrupp des säch- I fischen„WcrwolsS", will auch in unserem Bezirk sein« Formation ausstellen.— Wer bereit I ist, sich dem Baterlande in außeupoliti- I schenRotstandenzurBersügungzu st e l l e n und sich schon jetzt aus diesen E i u- I sah körperlich vorbereiten will, I der komme am Montag, den 15. Mai, abends 8 Uhr, in den Hamburger H o s, große» I Vereinszimmer, zum Gründungs-Ap- pelll Zur Information und um allen Ableugnungen und Einwendungen von vornherein entgegen- zutrelen, halten wir fest, daß sich der sächsische I„Werwolf" der SA vollständigunter« geordnet hat, als deren B e st a n v t e i l zu Beni geheimen StaatSpolizcia.nl" wird deshalb h^acht'-n und daher. dem Reichskanzler darauf hingewiesen, daß eS sich um eine behörd, Indols Hitler untergeordnet rst. sich angeordnete Maßnahme handle, die rein Poli-1 Aus diesem Aufruf geht mit aller Deutlich- ze'iiicher Na ur sei. Es sei selbstverständlich(?), leit hervor, daß enwegen den Beteuerungen daß der Inhalt der geprüften Postsendungen Adolfs die völkischen Wehrsormationen nicht nur lediglich Politisch-Polizeilich ausgcwertet werde tatsächlich militärische Organisationen und daß Mitteilungen persönlicher oder rein ge- sind, sondern daß durch sie ihre Mitglie- schäftlicher Art streng geheim gehalten würden, der svstemattsch sür außenpolitische "-— Erveditioncn vorbereitet werden. .Irbeitcr.Zeitung" wieder unter Vorzensur. I Daher erweisen sich die Friedensbeteuerungen deS Die die„Arbeiter-Zeitung" berichtet, hat das! Reichskanzlers als nichts Weiler, als ein der Ber- Alatt Montag eine vom Bundeskanzler gezeich- legenheit entsprungenes Geflunker. Net« Verfügung zugestellt erhalten,»rach wücher!* die Vorzensur über die„Arbeiter-Zeitung", die! Berlin-Spandau, den*9. Mai. Seit dem zweimal, zuletzt für vier Wochen ver- 3. Mai liegen in der Kasern« Spandau 36 Natio- Wt worden war, nunmehr aus unbestimmt?! nalsozialisten. meist Funktionäre der SA., Trup- Äü erneuert wird.! pensührer bis Sturmführer, di« hier bei der In einer ihrer letzten Nummern veröfsent- u lichte„Unsere Zeit" den Fall des Nervenarztes schärf gegen di« Methoden des Dritten ReicheZ, Fritz Fraenkel aus Berlin. Zum Schluß machtc t j„Gleichzeitig mit Dr. scheu Rumäniens die Taten der braunen Banditen IFraenkel war ein andere Azt, u.;w. Dr. P h i- durch 26)weigen und Znstimmung sanktionieren. U i p P s t h a l aus Berlin-Biesdorf in die SA- ,Mandsch war," so schreibt der Czernowitzer I Kaserne(General Papestr.)«ngeliesert worden, sozialdemokratische„Vorwärts", ,^er erste unter Dieser Arzt wurde schwer verwundet. Dr. Fracn- den Patentvertretern des bürgerlichen Deutsch- kel hegt schwerste Bedenken an dem Aufkommen tums, der nach langer Zeil wieder einmal auf die I dieses Arztes, der am Donnerstag, den 23. März Selbstverständlichkeit hingewiesen hat, daß die lau» der Nazikaserne nach dem Urbankrankcnhaus deutsche Minderheit im wohlverstandenen Inter- t überführt worden ist." L Z«»w«™ sürck)ten habe, sich nicht die Befürwortung einer I Dr. Philippsthal ist einige Tage später, Gewaltpolitik gestatten dürfe. Er hat betont, cs I unter den größten Qualen im Slaatskran- sci eine Kulturschande, jemanden z>l mißhandeln, kenhaus gestorben. Einer seiner nicht gerade weil er einer Minderheit angehöre. Tas sind nun alles Gemeinplätze; Dinge, über die nicht mehr zu diskutieren ist; Grundwahrheiten, die besonders den Deutschen hier längst in Fleisch und Blut Neue 4 Mittwoch, 24. Ma« 1«M. Rr. 121. „Anstellen“ wie im Krieg! Reichovereinigung deutscher sozialdemokratischer Lehrer in der t'LR. Geschäftsstelle: Aussig, Dr. Billrvihstmßc 20. Einladung zu der am§ a m s I a g, den IO. und 2 o n n I a g, den 11. Juni 1938 in?(ufflg stattliii-enden LanveSlagung der ReichLvereiniguug deutscher sozialdemokratische'' Lehrer für Nord, und Nordwestböhmen. Tagesordnung: Lamslag ilnchinittagü I Ubr im Russiger Volks- Hanse, Dresdnerstraße. Nur sür Mitglieder zugänglich. 1. Tie Aufgaben der Lehrerschaft im Ka m p sr für die Demokratie. Hcrichierstaticr: Reichsparteisekretär Genosse 2. Taub. 2. Unsere Stellung zu den neutralen Lehrerverbänden. 3. Bericht« und Anträge. Sonntag vormittags 9 Uhr in der Nussiger Zradtbücherci öffentliche Lehrerverfommlnng: „Schule, Lehrer und Demokratie." Berichterstatter: Univ. Prof. Dr. Bohumil Bhd- kovskv, Vorsitzender der 2chulrcfonnkommission, Prag: UebungsschuIlehreriu Wilhelmine Tischer, Aussig: Bürgerschuldirektor Wilhelm Fritsch, Tür- miv:-Prof. Paul Fürstenau, Reichenberg,' B> zirtsschulinspekror Rudolf Dießl, Aussig. Sauber«'Nachtlager sind von 3 K an zu haben. Di« Anmeldung mutz jedoch rechtzeitig erfolgen. Wohnungsan meld ungen sind an Direktor Rudolf Rudcck, Schreckenstein, Bürgerschule, zu richten. Am 10. und 11. Onni 1933 darf kein Mitglied fehlen! Mit freiheitlichen Grüßen: Der Schriftführer: Der Vorsitzende: Dr. Rudolf Fischer«. h. Joief Hudl«. h. Suspendierung iasdstisdicr tiemelndeverlreter. Pardubitz, 23. Mai. Rach Paragraph 26 der Gemeindeordnung wurden folgende sascisti- schc Mitglieder von Gemeindevertretungen und verschiedenen Kommissionen von allen von ihnen in der Selbstvcrlvaltung innegehabtcn Funktionen suspendiert: Stadtrat Mcdck, die Gemeinde- vertrctungsmitglicdcr DoleLal und Smola, fer- ner in der Gemeinde Bukovina Bukaö und in Chrast bei Chrudim Stadtrat Plaöek und das GemciudevertrelungSmitglied Miläinsky. Außerdem haben einige Mitglieder resigniert. Im Pardubitzcr Rathaus verbleib» von sechs sascisti- schcn Vertretern nur einer.- Die Suspendierung wurde in allen Fällen mit der eigelcitrten Untersuchung wegen'Verletzung des Gesetzes zum Schutze der Republik begründet. riugzeftelpropoganda im Hultsdilner Gebiet. „Der Augenblick der Befreiung nahe.. Mähr.»Ostrau, 23. Mai. Heute in den frühen Morgenstunden sand die Polizei in Ludgerovicc in dem Graben der von Ludgersthal über Markersdorf gegen üilhcrovicc führenden Straße Flugblätter, in denen die Bevölkerung des Hultichiner Gebietes aufmcrlsem gemach» nn d, daß der Augenblick der Befreiung des Huli'chiner Gebietes nahe sei, das wie einst wieder deutsch sein werde. In den Flugblättern wird die Bevölkerung zum Ansharrcn ausgesordert und„den Verrätern der Hultschiner Sache" Rache geschworen. Die Gcndanneric sammelte die Flugblätter, bevor sic in die Hände der Bevölkerung gelangten. In der'Angelegenheit wurden von der Polizeidircktion und den Gcndarmeriestationen die Nachforschungen zur Feststellung der Urheber und Verbreiter ausgenommen. Bisher wurde aestellt, daß am 22. ds. M. ein Automobil ikannter Marke Hultschin verließ, von dem gleich hinter der Brücke die erwähnten Flugblätter auSgestreut wurden, so daß diese wahrscheinlich auf die gleiche Weise auch in Ludcnthal und Markersdorf verbreitet wurden. Wegen des eingctretcnen starken Regens gelangten diese Drucksachen nicht nach am selben Tage in die Hände der Bevölkerung und wurden erst früh von der Gendarmerie entdeckt. Es besteht die begründete Vermutung, daß die antistaatlichen Flugblätter aus fremder Quelle stammen. Zollabkommen mit Deutschland. Am 8. Mai 1233 wurde in Berlin das vierte Zusatzabkommen zum tschechoslowakisch deutschen Wirtschaftsabkommen vom 29. Juni 1920 unterzeichnet. Mit diesem Abkommen gesteht Deutschland der Tschechoslowakei bestimmte Zollerleichterungen für dir Einfuhr von Schotter, Zigaretten- und Seidenpapier, hölzernen Küchengeräten zu, bindet ferner den autonomen Zoll auf Hohsglach Naturfarben und gewährt Zollkontingente für Perl' muttcrknöpse; schließlich bindet Deutschland zwei„Anmerkungen" für Filz und Baumwollgewebe. Die Tschechoslowakei wiederum verspricht wohlwollendes Entgegenkommen bei der Bewilligung der Einfuhr von Taschen und gebranntem Kalk aus Deutschland. Tas Abkommei», das am 82. Mai d. I. in Provisorische Gültigkeit trat und mit einmonatiger Frist kündbar ist, wurde soeben von der Regierung den beiden Kammern der Nationalversammlung zur Beratung vorgelegt. Das ist das Dritte Reich. Aus Deutschland wird uns geschrieben: Die Maßnahmen der Regierung Hitler zur Verteuerung der Lebensmittel im Interesse der Großagrarier haben unter der städtischen Vcr- brauchcrschaft Deutschlands eine wahre Panikstimmung erzeugt. Auf die Aiikünüiguna der Zuckcrindustricllen, daß die bisherigen Zuckerpreis«, als ein Produkt„demokratisch-marxistischer .Herrschaft", zu niedrig seien, hält der Einzelhandel mit seinen Zuckervorräten zurück. Die Folge ist, daß sich in Dresden, Chemnitz und andern deutschen Großstädten die Frauen bereits u m Zucker an st eilen müssen, und ost nicht mehr in der Lage sind, ihren täglichen Bedarf zu decken. Noch katastrophaler als die Zuckcrknapphci! macht sich der Mangel an M a r g a r i n c bemerkbar, der durch die Verteuerung der Butterpreisr und di« zivangsweise Einschränkung der Marga- rincproduktion eingctreten ist. In den Städten wie Weimar, Altenburg, Apolda und Jena sind die Arbeiterfrauen gezwungen, sich wegen eines halben KUo Mar, T agesneuigheiten Wo vleibt das Gesetz über die Maflagesalons? vierzehn„Ncucröffnungen" allein im„Prager Tagblatt" augezeigt! Genau vor einem Jähr wurde der Oeffent- lichkcit behördlicherseits mitgcteilt, daß die Masiagebordcllc bis zum Beginn des Sokolfestcs beseitigt sein würden, also bis zum Juli v. I. Im Spätherb st mußten wir auf das Ueber- handnchmen der schamlosen Bordcllrcklame Hinweisen und an Haud konkreter Fälle die Verderblichkeit dieser Höhlen geschlechtlich er Ansteckung und schamloser Ausbeutung eindringlich aufzeigen. Schließlich wurde Abhilfe versprochen, der Entwurf eines G c- schcs über die Massagcsalons vorgc- lcgt und selbst der.Herr Zensor raffte sich zu einem Einschreiten gegen die Auswüchse der sattsam bekannten Schanoinseratc auf. Und wir steht cs heute, fast dreivicrtcl Jahre später? Unlängst hat die Polizei, deren Initiative man in diesem Punkte anerkennen muß, neue große Razzien durchgcführt, bei denen eine Menge acschlcchtskrankcr „'Massaaekräfte" scstgestellt wurden. Daß die gegen die Inhaber dieser Bordelle erstatteten Strafanzeigen wenig Erfolg haben werden, beweisen die bisher vor den Gerichten verhandelten Fälle, die fast stets mit Freispruch endeten, weil nach den heutigen geschlichen Bc- timmunaen diese Unternehmer einfach nicht zu äffen sim». Uebrigens muß in den Kreisen dieser Unternehmer der rosigste Optimismus hinsichtlich ihrer ZukunftSauSsichten bestehen. Wäre es sonst denkbar, daß unter den 33 M a s s a g e i n s c r a t c n, die die Spalte„Gesundheitspflege" (welch ein Hohn im Hinblick auf den hohen Prozentsatz gcschlcchtSkrankcr„Kräfte!") im„P r a- ger Tag blatt" füllen, daß von diesen 33 Inseraten nicht weniger als 14 Neucröff- n u n g c n figurieren?"„Heute Eröffnung.. „Neu eröffnete Maffagc..„Neu errichtet..." ! Wie stimmt das zu der so nachdrücklich versprochenen gesetzlichen Abhilfe gegen daS übcrhand- nehmendc Unwesen? Wie sicher müffcn sich diese Gründer fühlen, wenn sic ungeachtet des über ihren Häuptern hängenden Gesetzes die kostspieligen Investitionen nicht scheuen. Oder sind sic vielleicht schon im Sinne des neuen Gesches umgestellt? Sind Vorkehrungen getroffen, um Aus- beutung und Prostitution auSzuschlicßcn? Es will einem nicht recht cinleuchten, daß ein Institut, das der reinen„Gesundheitspflege" dient, „B e n u s" heißen oder sonst»nit einem Namen bedacht sein muß, der den seinerzeitigen„Salons" mit der roten Laterne alle Ehre machen würde. Nun— die Stilisierung und Ausmachung dieser Inserate ist zwar vorsichtiger geworden, seit einmal der Staatsanwalt sich ins Mittel gelegt hat, aber sie sagt dem Jntereffentcn immer noch genug. Oder sollten sich tatsächlich diese Unternehmer cinflußrcichcr Beziehungen erfreuen und die angenehme Gewißheit haben, daß nichts so heiß gegessen wird, als man c- kocht? Daß man schon ein Hintertür! finden wird, um diese licbgewordcnen Institute unter irgendeinem Deckmantel am Leben zu erhalten? Es soll nicht verhehlt werden, daß diese Meinung sehr verbreitet ist. Das Hinausziehcn der endgültigen Regelung schafft einen unerträglichen Zustand. Mörderischer Besttzfanatismus- ULhorod, 23. Mai. Samstag nachmittag slbersiclcn die Brüder Karl und Georg Balogh in Munkavc den Arbeiter Georg Pafko, der ihre Pferde an gehalten hatte, weis diese auf seinen Feldern weideten. Pasko führte die Pferde auf das Gemeindeamt, wo er Schadenersatz verlangte. Als Pasko die Pferde nicht zurückcrstatten wollte, schossen ihn die beide»» Brüder so schwer an, daß er a»n Nachmittag im Kranke»»haus seinen Verletzungen erlag. Heute»vurdcn beide Brüder Balogh i»r die Haft des KreisgerichtcS ULhorod eingeliefert. Frauenmord. Brünn, 23. Mai. Im Waide unweit Trharu bei Lomuicc im Bezirk Tiökov wurde am späten Nachmittag di« Leiche der 28jährigen oarin« zwei bi« drei Stunden anzustcllen. Di« Folge ist: die„Schlangen" der sich onst«ll«nden Hausfrauen sind länger al« selbst in der ärgsten Rricgszeit. Achntich liegen die Verhältnisse auch in Oberschlesien, der Provinz Sachsen und Teile»» der Mark Brandenburg. Immer mehr deutsche Ein- zclhandclSacfchästc zeige»» Schilder, auf denen stehl:„Margarine ausvcrkaust!" In viele»» Fallen setzt die Polizei die Entfernung der„Airs- verkauf»"-Schildcr durch, das ändert aber natürlich nichts an der Situation. Wie bedrohlich die Stimmung unter der Bevölkerung gewordei» ist, erkennt ma»» am beste»» an der Tatsache, daß die thüringische Staatsrcgicrung telegraphisch zusam- mcngcrufen wurde, um zu der Margarincknapp- heit Stellung zu nehmen. Die Staatsregierung und der Statthalter stelle»» fest, ,^>aß die Versorgung Thüringens mit Margarine unzureichend ist, besonders da die Butter durch Fn-die-Höhe- schnell«»» der Preise für breite Bevölkerungsschich- ten fast unerschwinglich gewordei» ist." Philippinc Bax» aufgefunden. Es. handelt sich offensichtlich um einen Mord. AuS dem Lokalaugenschein geht hervor, daß der Täter dos Mädchen nach einem furchtbaren Kamps vergewaltigte und dann erdroffeltc. Die Gendarmerie ist eifrig auf der Suche nach dem Mörder. Eine Fahndungskommission der Gendarmerie aus Brünn ist an den Ort der Tat abgegangen. Verbrannt... Ein Genosse schreib» uns: Bor mir liegt ein Brief. Ich habe ihn soeben aus Deutschland erhalten. Eine Freundin schreibt. Zu dieser Freundin schaffte ich k»»rz vor der Flucht meine Bibliothek. Mit der in- ständigen Bitte, sic mir Wohl zu hüten. Bis ich einmal wiederkäme... Und jetzt lese ich Folgendes: „Verzeih' mir, Katja, wenn ich Dir heute schon di« traurige Nachricht übermittle, daß Du später einmal nicht mehr all« Bücher vorfindeu wirst. Es blieb nichts übrig, als einen großen Teil auszumerzen. Die Gründ« wirst Du ver-ftehen. Denn, wie Du es ja bereits den Zeitung«»» entnehm«»» konntest: man begnügt sich nicht damit, di« össeiitlichcn Bibliotheken durchzusehen. Auch di« Privatbibliotheken sollen gemustert werden. Was das bedeutet, weiß» Du ja, Deine Bibliolhek könnte meine Stellung gefährden. Obwohl sie ohnehin schon genug gefährdet ist." Ich weiß es. Entsinne mich, wie sie mir noch auf dem Bahnhof ihr Leid klagt«. Allen in» Betrieb, die nicht in die Mzi-Zelle eintreten würden, sei mit Entlassung gedroht worden. Doch zurück zu»ncinen Büchern. Schweren .Herzens denke ich daran, was dieser„AuSmer- zung" Wohl zum Opfer gefallen ist. Marx., Engels, KautSky, Mehrii»g— das find Wohl Selbstverständlichkeiten. Aber auch vor Remarque, Renn, dci» Brüder»» Heinrich u»»d Tho- mas Mann, vor Döblin— ja, nicht einmal vor Hei»»e wird ihre Airgst hall-gemacht haben. Bitterkeit übermannt»irich. Wie mühevoll in vielen Jahren ist diese Bibliothek aufgebaut Warden. Wieviel Verzicht auf andere Freude»» hat sie gekostet. Wie oft wui'dc am Ende des Monats der Rest vom Gehalt hin und her gedreht. Mußte»» nicht Schuhe besohlt werden? War nicht da und dort eine Ergänz»»ng des bescheidenen Etats notwendig? Und zuguterletzt kaufte man doch— ein Buch. Die Reihe der Bände auf den» Regal aus schwarze»« Kiefernholz— schlicht aber haltbar— an- wachsen zu sehen, da« war immer»vieder meine unbeschreibliche Freude.?lbe»»ds ans de»»» Heimweg,»nüde vom Sitzen im Büro, gab der Gedaicke, jetzt bald in Ruhe ein Paar Stu»»den lesen zu dürfen, i»enc Frische. Nun ist dies alles»»»cht mehr. Nun ist verbrannt worden, was ich«»»gebetet habe. Wan»» aber werden wir verbrennen, nxis anzubeten sie unsere Genossen zwingen wollen? Der Tag ist vielleicht näher, als mancher glaubt. Katja. Karlsbader Jnristrntag, Programmänderung. Die„Ständige Vertretung des Deutsche»» Juristentages" war genötigt, die Berhaildlmig und Beratung.des Themas„Welche Maßnahmen erfordert die Verwirklichung des Grundsatzes der nationalen Gleichberechtigung der Staatsbürger vom Standpunkt« der tschechoslowakischen Berfassungsurkuridc?" ans einen späteren Zeitpunkt zu vertagen, weil di« Absage des Referenten In einem Zeitpunkte erfolgte, wo die Bestellung eines neuen Referenten nicht mehr möglich war, und»veil die Wichtigkeit»tttb die Bedeutung des Themas eine gründliche Vorbereitung evsordert. Reudeutsche Höflichkeit. AuS Anlaß der große»» Auto-Rein»«»» auf der Avus schickte der Propaganda-Minister Doktor Goebbels im Namen der Reichsregierung zwei Glückwunschtelegramme: eines an den Sieger Im„Großen Preis von Deutschland", den Italiener Barzi, das a»»dcre an den zweiten Sieger der Wagen von 1.500 ccm., den'Deutsche»» Burgaller. Der e r st e Sieger in der Klaffe der Wagen von 1.500 ec»»»., der Franzose Beyron, wurde vergessen; auch vergaß Herr Goebbels die Tatsache zu erwähnen, daß alle drei Sieger in dem deutsche»» Rennen franz ofische Wagen gefahren haben.— Man erwägt in französischen Sportkreisen, ob angesichts dieses Ein ganzer Stamm in der W* verhungert. Nairobi, 23. Mai.(Reuter.) Einhundertdreißig somalische Eingeborene— Männer, Frauen und Kinder— verdursteten in einer Wüste in italienisch TranSjuba, wo sie sich verirrt hatten. Sie hatten die Gegend KiSmaju ii» italienisch Somali verlasse« und wollten sich in Nord-Kenya aiisicdcln. Einige von ihnen, die am Leben blieben, berichteten über die tragisch' Wanderung. plumpen AffrontS in der Zukunft nicht die sran- zäsifchcn Sportsleute ihre Beteiligung an dem- schcu Veranstaltungen aufkündigen solle»».— Bei einem großen Aufmarsch der Nationalsozialisten von Berlin-Brandenburg am Sonntag in Berlin hielt der derzeitige Oocrpräsidcnt der Provinz Brandenburg, Kube, eine Rede, in der er wörtlich ausführtc:„Ebenso wie cs unmöglich ist, den Polackei» dicWanzen abzugc- wohnen, ist cs«»»möglich, uns den Soziaiis- muS zu nehmen." Die Arbeiterkrankenkasse in Mei» weist für das Jahr 1932 ein Defizit von 1.56 Millic- nen Schilling auf. Es ergab sich ein Mitglieds- beitragsausfall um 16 Prozent gegenüber den» Jahre 1931. In Südchil« ist eine separatistifchc Bewegung ausgcbrochen. Der Aufstandsversuch»olle jedoch gescheitert sein. Mehrere chilenische Offiziere, die an der Aufstandsbewegung tcilgcnom- ineu haben, sind ousgcfordcrt worden, sich zu ergeben. Der bekannt« Flieger Arrachart ist unweit von Chartres mit feinem Flugzeug abgc- stür;t und fand hiebei den Tod. Lieber ins Gefängnis als weiter in Deutschland... Bläitermeldungen zufolge hat sich«in gewisser von den polnischen Behörden steckbrieflich verfolgter Abraham L c w e n b e r g, der zwei Jähre lang als Flüchtling in Deutschland weilte, den Polnische»» Behörden freiwillig gestellt und erklärt, er wolle lieber seine Strafe verbüßen als noch länger die Mißhandlungen in Deutschland ertragen. Dos Weiter. Gestern morgens wurde gemeldet: Da» Vordringen der kühleren Lüft vom Norden bis Rordostei» wurde in. unseren Gegenden Montag gegen Abend von einer knrzen Wetterverschlechterung begleitet. In Schlesien und in der Slowakei siel stellenweise mäßiger Rege»»(höchstens 2 bts 4 Millimeter Niedcrschlogswert), in Böhmen blieb es vielfach trocken. Unter dem Einfluß hohen Drucks hat sich das Wetter im Westen des Staatsgebietes Dienstag früh erneut rasch gebessert, während im Äar- pachcirgebtet« die Besserung infolge der Nähe der über dem Oste»» des Erdteiles anftrotenden Druck- störimgcn nur langsame Fortschritte macht. Wahrscheinliches Wetter Mittwoch, den 24. Mai: 2m Westen nutz in den mitt le reg Teilen des Staates: Wechselnd bewölkt, bis vorwieg« ird heiter, nachts kühl, untertags mäßig warm, ichwacher Nordostwind. 2m Osten: Erneut« Verschlechterung nicht ausgeschlossen. Vom Rundfunk Kein Störschutz im Entwurf des neuen Radiogesetzes. Protest deS„Freien RadiobnndeS", Das HandclSmnisterium hat den Entwurf des neuen Radiogcfctzcs fcrtiggcstcllt und den interessierten Berbändcn und Körperschaften zur Begutachtung vorgclcgt. Die Novelle wird von den Nadiohorern mit größter Enttäuschung unstärksten Widerstand ausgenommen werden müssen, da trotz der nachdrücklichsten Forderung der Ocssentlichkcit überhaupt kerne Bestimmungen für den Schutz gegen Störungen des Empfangs in den Gesetzentwurf aufgenommc»» wurden. Mit der Versicherung, daß gleichzeitig mit dem Radiogesetz cm besonderes Gesetz über den Störschutz cingebracht und beschlossen werden soll, ist den Radiohörcrn wenig gedient, solange sic nicht die Garantie erhalten, daß dieses Versprechen auch wirklich gehalten werden wird. Ein Radiogesctz ohne gleichzeitige Regelung der Störschuhfragc ist für die Hörer wertlos und un annehmbar. Dieser Auffassung gab eine am vergangenen Samstag in Aussig abgchaltene Sitzung des Vorstandes des„Freien R a d» o b u n d c s" Ausdruck, in welcher beschlossen wurde, gegen die Verschleppung der wichtigsten Forderungen der Hörer schärfsten Protest zu erheben und die Par lämcirtarische Vertretung der Partei zu ersuchen, auch in dieser Frage die Bestrebungen des Bundes zu unterstützen. Empfehlenswertes aus den Programmen. Donnerstag: Prag: 6.3V Gymnastik. 11.15 Konzert. 16.0T. Konzert. 18.00 Deutsch« Sendung: Chor gesang. 10.00 Konzert. 20.00„Heirat", Geschick)!- von Gogol. 22.15 Konzert.— Brünn: 9.40 Bands nion-Borträge. 11.16 BolksblaSkongert. 15.80 Ehekonzert. 18.00 Deutsche Sendung:„Eheglü 317", Höosptel. 19.00 Brahms' Ungarisch« Tänze — Preßburg: 12.00 Orchesterkon.;«»!. 18.90 Biotin konzert. 18.40 Unterhaltungsmusik.— München: 20.00 Wien bleibt Wien.— Berlin: 17.09 Frühlings lieber. 21.20 Orchesterkonzcrt.— Hamburg: 15.4* Blaskonzert.— Königsberg: 20.20„Haiinctk- Himmelfahrt", Oper von Groener.— Frankfurt: 14.45 Stund« des Chorgefanges. 21.09 Operettcn Konzert,— Lauge»ch«rg: 21.00 Symphon'ekonzeri — Wien: 11.30 Symphoniekonzert. 14.50 Kammer musst. BiiiiiiiiiiiiiiniinniiiHiiiiiiiiiiiniiniiiiiinniniiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiniiiiiiniiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiniiiiiiniiiiiiiiniiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiitiiiiiin fit. 121. Mittwoch, 24. Mal 1938. StlkWgk«»OUftllWW GWW». 3m Streit der Widersprüche. In den ersten NachkrtegSjahren schien cS, als sei der in Nordwcstböhmen alteingesessenen Glasindustrie eine neue Blütezeit beschielten. Die Produktivität wnrdc gesteigert. Rationalisierung war auch hier das Zanbcrtvort. Die Handarbeit tvurdc in immer umfassenderen Ausmaße durch die maschinelle Produktion ersetzt. Reue Hütten wurden gebaut— bis sehr bald auch hier die internationale Wirtschaftskrise bremste. Der Absatz kam inS Stocken. Länder, die vor dem Weltkriege verläßliche Abnehmer gctvcse» tvarcu, Jiatcn auf internationalen Messen als sclbstpro- 'duzicrcnde Konkurrenten aus, die ihre curo- Päischen Lehrmeister zum Teil sogar durch bil- ligere Angebote aus dem Felde zu schlage» vermochten. Die Krise verschärfte sich von Jahr zu Jahr in Wirkung und Wechselwirkung. Glashütten mußten stillgelegt werden, die Lesen erkalteten. ES gibt in Rordwcstbohmen eine neuerbaute, aroßangclegte Hütte, deren Schornsteine fast nicht ein einzigcSmal geraucht haben— noch während der ersten Versuche war eS schon auS. Gegenwärtig liegt die tschechoslowakische Glasindustrie zu 80 Prozent ihrer Kapazität still. Tie Arbeiter feiern. Die Maschinen verstauben. Durch zerbrochene Fensterscheiben guckt die Krise hinein und hinaus. Kraß stehe» die Widersprüche einander gegen- über: da ein industrieller Apparat, vergrößert im Umsang, gesteigert in der Leistungsfähigkeit, raffiniert>n der technischen Durchbildung, rationalisiert bis in_ die kleinste Einzelheit— und da verstopfte Märkte, gesunkene Kaufkraft, Millio- nenhcere von Arbeitslosen. Mit vereinten Kräften ist die Wirtschaft in eine Sackgasse marschiert, aus der eS keinen Weg zurück gibt. Rur eine Lötung ist denkbar: eine international organisierte Plan wirtschaft, für die noch nicht einmal die Grund- linien klar entworfen werden können. Bis dahin ist eS noch ein schmerzenreicher Weg. Einsttveilen tun die Völker das Gegenteil: sie kapseln sich national ein, probieren autarkischc Rezepte— und geraten immer tiefer in verhängnisvolle Widersprüche. Banane« gegen Glas. Zwischendrein sucht man den stockenden Avparat durch Einzeloktioncn wenigstens vor. übergehend in Gong zu bringen. Ta ist zum Bci- sviel daS„Banancugeschäft": Produktion auf vrund vereinbarter Kompensationen- GlaS gegen Banane», gegen Pelze, persische Teppiche und englische Stone. Ein Geschäft auf Äegen- ieitiakcit ist perfekt geworden, ein Geschäft im Umfange von rehn Millionen Kronen. Das ist nicht viel— der Tropfen ist zwar groß, aber der Stein ist noch heißer. Immerhin. wenigstens einige Hütten,' deren Feuer die Krile'chon aus geblasen hatte, sind wieder in Gang gekommen. Eit haben Aufträge und Arbeit. Freilich, wenn man das Tempo sieht, in dem da gearbeitet wird, fragt man sich: wie lange— und was dann? 3« der Pretzglashütte. Ta sind Hütten, in denen Preßglas geenacht wird. Gläser, Krüge, Schusseln, Tosen, Flaschen, Basen, Schalen aller Art. GlaS sür den Haushalt, für industriellen Bedarf und LuruSgla». Auch die billige Imitation blüht:„GlaSschliff" wird gepreßt, farbiger„Ucbcrsang" aufgemalt. Bon der einfachen Sachlichkeit einer Marineladendose bis zur verschnörkelten„Jardinicrc" für den Salon kolonialer Hinterwäldler entsteht hier alle»,>vaS sich aus Preßglas machen läßt. ES sind Hütten von Weltruf darunter. Man acht durch einen solchen Betrieb wie durch einen kleinen, in sich vielfach verzweigten Wirtschaftsstaat. Jedes Gebäude hat seine Sonderfunktion. DaS zur Feuerung der Schmelzöfen, Strom für den Antrieb der Maschinen, Preßluft, die»ahczn völlig die Lunge des Glasbläsers ersetzt hat— alles wird int eigenen Werke erzeugt. Die Kohle sür die Gasgewinnung konnnt aus eigenen Gruben. Sogar der bei der Vergasung abfallende Teer wird in der Hütte verwendet; man braucht ihn für das sogenannte ,,fette Feuer", in dem hochwertiges Preßglas die In anderem Feuer nicht erzielbare Fcuerpolitur erhält. Eigne Werkstätten entwerfen, ntodellicreit, gießen, drehen und ziselieren die gußeisernen Formen für die Presse. Mechanische Anlagen wägen, mengen und mischen das Schmelzaut, das ununterbrochen dem Schmelzofen, der„Wanne" zugeführt wird. Richt einmal die Scherben sind Nebensache: sie sind sogar wichtig, denn ein Zusatz von Scherben in bestimmter Menge zum schmelzgut beschleunigt und verbessert den Schmclzprozcß. Glas wird Form. _ In der eigentlichen Glashütte wirkeii alle Kräfte und Funktionen zusammen, um aus Sand, Pottasche und Soda das zerbrechliche Erzeugnis zu machen: Glas in allen Formen, für alle Zwecke. Sogar„unzerbrechliches" Glas gibt cS. Man kann ein Trinkglas etwa mit scharfem Wurf viele Meter weit über den Zemcntfußbodcn rollen lasten, ohne daß cS zerbricht. Wirft man cS aber mit voller Kraft steil zu Boden, so gibt cs keine Scherben— das Glas zerstiebt zu kleinen, splitterfreien, mürbe» GlaSkrnmcln. In der Wanne, dem ofcnartigcn Ban auS Chamotteziegeln, loht und wallt das geschmolzene Glas als zähflüssige Maste in schmerzhaft blendender Weißglut. Es ist eine weiße Hölle von 1200 bis 1400 Grad. Rund um die Wanne stehen dicht,nebeneinander die Pressen, ein Gewirr von Gestängen, Hebeln, Schlauchleitungen, ein wimmelndes Durcheinander menschlicher Hantierungen, ein Jneinandcrkrcisen glühender GlaSklum- pen, ein emsiges Wispern und Klappern eiserner Glieder, Klirren von GlaS, daS scharfe Zischen der Preßluft, die knallenden Explosionen dcS LelS, das den eisernen Formen den geschmeidig lösenden Hauch aibt. In diesem Gestrüpp eiserner Maschinen, im rembrandtcSken Zwielicht von Glut und Dämmerung hantieren die Glasarbeiter, gcschtvärzt, halbnackt, den schweißtriefenden Körper nur mit Netzhemd und Leinenhose bekleidet. Jeder hat feine immerwiederkehrendc Funktion. Ter Gehilfe taucht den eiserne» Stab in die lohende ÄlaSmaste, wickelt etnen Klumpen aus und reicht ihn schwingend heran. Der glühende GlaSklum- pen tropft, mit der Schere abgrschnittcn, in die Form, Lei flammt knallend auf, der Arbeiter hängt sich an den Hebel, der wie das Sprungbein einer eisernen Heuschrecke gewinkelt ist, Preßluft zischt, die Form klappt auf und dunkelrot glüycnd Seltsames vom Feigenlmom. Bon E.«ldt. Zwar gibt cs nicht nur«ine Art von Feigenbäumen— die Gattung Ficu- ist äußerst artenreich—, aber wir denken natürlich zunächst an die Feige der Mittclmcerländer, die süß«, birn- förmige Frucht mit dem rötlichen zuckerreichcn Fleisch und den vielen kleinen, gelben Kernen,— ein beliebtes Obst in de» ProduktionSländcrn- und an die im heißen Wüstensand oder in Lesen gedörrten Kranzfeigen, die bei unS alljährlich in riesigen Mengen auf den Markt kommen. Aber sie ist nur eine von vielen hlindert, meist tropi. scheu Arten. Manche gehören zu de>t mächtigsten Bäumen in den Tropenwäldcrn der alten und iieucn Welt. Genießbare Frücht« liefern nur die wenigsten von ihneit. Der wohlbekannte Gummibaum mit den großen, ovalen, dunkelgrünen Blättern gehört dazu; freilich hat diese bei unS so beliebte Zimmerpflanze in ihrer Heimat ein ganz anderes Aussehen. Dort bildet sie zwar mächtige Stämme, aber ihre Blätter sind klein und unansehnlich. In keiner Jugend lebt nnnscr Gummi, bäum, der Ficus elastica. gleich vielen andern Fieusarten als llcbcrpslaiize, hoch oben in der itronc anderer Bäume. Er liefert, gleich einigen seiner Berwairdten, Kautschuk. Uno der merk würdige Banyanbaum Ostindiens gehört hierher, dcssc» Samen ebenfalls auf Baumästen keimen, wohin sie von frnchtfresseiiden Vögeln verschleppt werde». Er entwickelt sich dort oben in irgend eiiier Baumkrone zur üppigen Pflanze. Verhält niSmäßig spät erst lenkt«r keine dicken Wurzeln von oben herab ins Erdreich. Der Baum, der ihn trägt, wird nach und noch vollständig um. strickt und erdrosselt. Immer neue Wurzeln ar- reichen den Boden und werden zu käulenartige>, d'cken Stämmen welche die breit« Krone tragen, sodaß schließlich ein kleiner Wald aus ihm wird, jlroß genug, um einem ganzen Torf Schatten zu ipenden. Aber wir wollen sehen, was unser europäischer Feigenbaum an Interessantem und Riork, würdigem bietet. Zunächst können wir auch an ihm beobachten, daß seine Zweig« gern Stützwur- pln in die Erde senken, welche deii Umfang von Stämmen erreichen, so daß ein alter Feigenbaum ailisieht wie ein ganzer Wald. In der Bretagne lah ich in einem Garten einen solchen Baum. der im Jahr« 1610 gepflanzt worden ist. Er überschattet eine Boüensloche von 700 Luadratmcter. Sein ursprüiiglicher Stamm ist vollständig morsch uirü verfallen.„Aber di« zahlreichen Stützwurzcln tragen und ernähren die riesige Krane. Der über 300 Jahr« alt« Baum tragt alljährlich viele Zentner Feigen. Ter Feigenbaum trägt keine bunten Blüten. An seinen Zweigen gehen direkt kleine grüne Feigen hervor, di« noch und nach immer größer, dicker, fleischiger und schließlich weich und zuckcrreich werden. Schneideii>vir eine solche Feige der Länge nach auf, so sehen wir: sie ist gar nicht eine Frucht wie andere Früchte: sie ist nicht aus dem Fruchtknoten einer Blüte hervorgegangen^ solidem sie selbst enthält zahlreiche kleine Früchte: die kleinen gelben Körner. Sic ist also eigentlich ein ganzer Fruchtstand, der zahlreiche Früchlck)«n umschließt. In seincm Innern spielen sich die Vorgänge des Blühens und Fruchtens ab und seine Achse ist eS, die fleischig. küß und saftig wird. Die ganz junge Feige zeigt in ihrem Innern wohl hundert unscheinbare. winzige Blüten, die nie das Tageslicht erblicken, weil der Fruchtstand, bis aus eine enge Ocffnung am oberen Ende, stets geschlossen bleibt. Diese einzelnen Blüten, die kaum zwei Millimeter groß sind, enthalten nur einen F r u ch t k n o- t«n: der ztveite, wichtige Blütenbcstandtcil, die Staubblätter, fehlen. ES sind also„weibliche" Blüten. Sie sind eingesenkt In die Innenwand der Feig«. Damit sie zu Früchten heranreifen können, ist cs natürlich notwendig, das; sie lustäubi werden. Die Vorgänge, die sich nun ab- kpielen, um dies zu erreichen, sind freklich seltsam genug. Keine bunte Blumenkrone, weder Dust noch Honig lockt Bienen oder Schmetler- sknge herbei. Und dock) ist-er Feigenbaum aus ganz spezielle An an die Bestäubung durch In- selten angepaßt. Seit dem Altertum schon weiß man. daß cs zwei Sorten der Feige gibt, bett„edlen" Feigen- bäum, von den Römern als Ficus bezeichnet, mrd den„wilden" Feigenbaum, den Capri- f i c u s der Römer, der keine genießbaren Früchte bringt. Seine Feigen, die Bocksfeigen, sind hart und trocken. Nun wußte man schon im Altertum, daß di« eßbare Feige bester wird und schöner au§- reift, wenn ein solcher wilder Feigenbaum in der Nähe des zahmen wächst. Man Pflanzte daher wird das geformte Gefäß auS eisernem Bett ge- hoben. Der nächste glühende Klumpen schwingt heran— unaufhalfsam wiederholt sich der gleiche Vorgang. Keiti Wort wird gesprochen— cs wird im Akkord gearbeitet. Nur die Warnungsrufe der Abträgcr mahnen zur Vorsicht— überall ist man im Wege zwischen dc» Maschinen nnd dem Hin und Her der jungen Burschen, die an langen Gabeln und Spießen die noch glühenden Gefäße wcgtragen; in manchen Hütten verrichten diese Arbeit auch Mädchen und Frauen. In einer Arbeitspause sitze» sic vor der Hütte auf Kisten uitd Brettern, ztvischcn Kohlcnhaufen und Scherben, im staubigen Gras, nach harter Arbeit für eine kurze halbe Stunde in freier Luft. Und manche wickeln auch da noch eine Handarbeit aus dem Papier. Eine Hand gibt Gestalt. In dem Geschwirr ineinandergrcifendcr Vor- gänge rund um den Schmelzofen spielen sich alle Stadien des Werdeganges vont glühenden GlaS- klumpen zum geformten Gefäß gleichzeitig ab. Reben dem Glasbläser, der noch mit der eisernen Pfeife die Masse in der Klappform zum Gefäß ausbläst, arbeitet ic nach der Art des Produkts die halbautomatische oder vollautomatische Prcstc, die daS Gefäß durch die Kraft der Preßluft formt. Einfache Formen kommen bis auf gewisse letzte Zurichtungen fertig aus der Presse. Reichere Tessins aber bedürfen noch der gestaltenden Hand des Glasmachers, der ein Meister seines Faches ist. Er sitzt mitten im Gewimmel ans einer Holzbank zwischen niedrigen Schuhwänden aus Eisenblech. Ein Zubringer reicht ihm Stück um Stück das Gesäß, wie cs aus der Prcstc gekommen ist und nachdem er cs, mit dem Boden an die Scheibe, dem sogenannten„Nabel", eines Eisenstabes leicht angcschmolzen, im Feuer noch einmal bis zur Biegsamkeit erhitzt hat. Der Glasmacher nimmt cs, rollt cs am Eisenstab auf einer Holzschiene, dem„Sattel", der an seiner Hose befestigt ist, ans seinem Schenkel hiit und her und gibt dabei mit erstaunlich einfachen Holzgrrätcn em Gefäß die verlangte Form, baucht eS aus, buchtet es ein, rollt den Rand um— je nachd-m. ES ist ganz und gar Sache des Formgefühls, aber rin Stuck gerät wie das andere. Das rotglühende GlaS formt sich unter feiner Hand, als sei es die einfachste Sache von der Welt, glühendes GlaS zu modellieren— ein Stück nach dem andern, ohne aufzublickcn, im Akkord. Es gehört jahrelange Hebung nnd sichere Geschicklichkeit dazu. Er ist der QualitätSarbciter. Ten rechten Arm hat er mit Lappen dicht bandagiert zum Schuhe gcgcit die Glut. Die angekohlten Holzgerätc flammen kitistcrnd auf. Er löscht sie in bcrcitstchcndcm Wasser. Tas Netzhemd klebt deut Manne am Körper; durch die Maschen glänzt die schweißgebadete Haut. Do« der Presse zum Waggon. DaS glühende Rot erlischt- zilm- stumpfen Grau und klärt sich dann allmählich zur blinkenden Wafscrhelle des Glases. Aus breiten langsam rotierende» Bahnen wandern die Gefäße durch lange Kühltunnel, um auf der aiidcrcn Seite zur weiteren Bearbeitung zu erscheinen. Je nach dein Tessin werden sie geschlissen, geäht, graviert, in Sandgcbläscn mattiert, getvaschcn, bemalt und gebrannt ilitd schließlich verpackt. Auf dem Fabrikgleis vor den Packstellen stehen die Waggons. gern einen Caprificus zwisck>en di« edlen Feigenbäume oder man hängte CaprificuSzweige mit Blütenständen in die Kronen der edlen Feigenbäume. Diese„C a p r i s i c a t i o n" wird auch heute nock) in manclM Gegenden durchgeführt. Heute weiß man genau, auf waS für seltsamen Vorgängen der Einsliuß beruht. Di« Blüten- stände des wilden Feigenbaumes enil)alt«n näm- lichc weibliche und männliche, also Stempel- und Staubblüten. Die weiblichen Blüten, die am Grtinde des Blütenstandes stehen, sind aber gar nicht dazu bestimmt, Früchte zu liesern. Wir haben hier den eigenartigen Fall, daß von der Pflanze etwas geopfert wird, um durch Befriedigung der den Blütenstanb übertragenden Insekten, die Befruchtung zu sichern. Eben diele Fruchtknoten find cs, die hier geopfert, ja sogar anSschlicßlich für die bestäubenden Insekten produziert werden. Tas Jn'ekt aber, das dem Fei- genbauin den Dienst der Blütenstaubübertragung leistet, ist eine kleine G a l l w c s P c, ein Tier von kauin zivei bis drei Millimeter Länge. Tas Weibchen, das mit einem langen Lcgebohrer ausgerüstet ist, kriecht in die Blütenstände des Caprificus hinein, bohrt seinen Lcgebohrer durch den ganz kurzen Griffel in den Fruchtknoten der weiblichen Blüte uitd legt in jeden Fruchtknoten«'n Ei ab. Tic Wespenlarve wächst dann in der Samenanlage heran und zerstört sic dabei vollkommen, so daß sic nie zum Samen heranrcifcn kann. Tas Wespenwcibcheu aber hat nach der Ei-Ablage beim Verlassen dcS Blütenstandes an seinem Körper«ine Menge von Blütenstanb mit- genommen, denn die Staubblüten stehen ani oberen Rand und cs muß beim Passieren des engen Ausganges an dieselben anstreifen. Nun hat es aber beim Besuch eines einzigen Blütenstandes noch nicht alle seine Eier uniecbringen können. Um die Eiablage foriznsehcn, muß«S »och mehrere andere Blütenstände aufsucheu. Es schlüpft auch in solche deS edlen Feigenbaumes hinein. Diese sind, wie>vir schon wissen, rein weiblich, sie enthalten nur Fruchtknoten. Beim Hernnlkriccheu zwischen dieseii streift cs den Nljt- gebrachten Blütenstanb an ihnen ab. Freilich versucht eS auch hier, seine Eier abzulegen, aber ohne Erfolg. Während nämlich die„Gallenblüten" mit ihren kurzen Geisseln die Eiablage leicht machen ist eS der Gallwcspe unmöglich, mit ihrem Lcgebohrer durch die langen Griffel der„Samenblüten" bis in die Samenanlagc vorzudringcn. Seite 5 KolliS und Kisten werden verladen— in Ham- bürg am Kai kannst du sie Wiedersehen, Kisten für Uebersce, mit der Aufschrift: Made in Occho- flovaky. Böhmisches GlaS. Glas gegen Bananen. ES ist ein weiter Weg von der GlaSsand- grube bis in die Hand, in der das GlaS klirrend zerbricht.„Scherben bringen Glück"— bringen sic Gluck? Bon 1820 bis 1932 wurden aus der Tschechoslowakei 210.000 Waggons GlaS zu je 10 Tonnen im Werte von 17.8 Milliarden Ke auSgc- führt. Im ersten Vierteljahr 1883 ist die Ausfuhr gegen die gleiche Höhe des Vorjahres uut 26.5 Prozent, gegen das erste Vierteljahr 1029 um 01 Prozent gesunken; 70 Prozent der Glasarbeiter sind arbeitslos— 70 Prozent, 700 von 1000!(Schluß folgt.) Jenseits unserer Erfahrung. Man muß nicht zu allem, was man sicht, hört, liest, empfindet sofort„Stellung nehmen". Weder die des Alles- wistenden, noch die des Ignoranten. Man muß auch nicht niißtrauen: das ist Selbstvergiftung. Man muß auch nicht sofort trauen: das ist Schwachsinn. Alan kann— abwarten. Man leiste sich ein wenig Nervenkrast nnd stärke sich so mittels dieses Trainings im allgemeinen. So geschult ist jener Junge, ein Lehrling aus der Schwer-Jndustrie, der auf dem Wenzelsplatz die geforderten 80 Heller einer modernen Seherin dafür opferte, wenn sie erraten würde, tvas er in seiner„Akten"-Tasche habe.(Es gibt da eine alte Fran nnd eine jnnge Frau, jede mit ihrem Manager.) Sofort sei betont: es handelt sich da gar nicht nm den Trick der Art der Wortfolge in der Fragestellung, der Betonung nsw. Es geht nm gar keinen Trick, sondern nm etwa«— anderes. Es soll sogar die Erklärung der Sache angedcutct werden. Der im Denken geschulte Junge dachte im Augenblick nicht an den Inhalt seiner Ledertaschc, sondern, absichtlich irreführend, an ein vorübcrwackelndes Auto,«ine echte .Hämorrhoidcn-Sckiaukel, die der werdende technische Praktiker innerlich bespöttelte.— Ter Manager stellte die Frage, der junge Mann stellte sie>o, daß er fragte: an was denke ich? Die Antwort: an ei» Auto.(Die Frau hat die Augen verbunden.) Darin liegt ein Beweis, ein negativischer, indirekter.— Es handelt sich um„Telepathie", nm Gedankenübertragung, um Fernwirkung. Tie Tatsache an sich gibt die hart prüfend« Naturwistenschaft zu. Die„Erklärung" könnte lauten: jene Person, die imstande ist, das von einer anderen Person Gedachte zu empfinden („Gefühl ist alle s!), muß besonders geeignet, überaus feinst empfindsam, sozusagen ohne eigenes Selbstgefühl sein, ganz EmpfaugSapparot eines körperlichen Radio. Dieser Apparat nimmt die Gedankenwellen des„Senders" ans; diese wandeln ihren Rhythmus.in den des„Senders" und rufen dadurch seine Gedanken hervor. Gedanken sind ja genau so Körperhastigkciten tvie Licht, Wärme, Elektrizität, es sind feinste Funktionen (Kräftewirkungcu) feinster Stosflichkcit. DaS dürste genügen, die Worte„Betrug!"„Schwindel!" auszufchalten, um so mehr, als der ausprobierende junge Mann seine 50 Heller zurück bc- kam: die Frau hatte ja den Inhalt der „Aktovka" nicht erraten. Aber: sie war im Recht, die 50 Heller gebührten ihr. denn die Gedanke» „erriet" sie! K. B. Tas Ei bleibt im Griffel stecken, die Larve kann sich hier nicht entwickeln und geht zu Grunde. Für den Baum ist der Ztveck erreicht, der Blutenstaub ist übertragen. So wirkt also der„wilde" Feigenbaum eigentlich als rein männliche Pflanze, trotzdem auch weibliche Blüten zur Anlage kommen, der„zahme" Feigenbaum aber, den allein man seit dem Altertum in Kultur genomnien hat, ist die weiblich« Pflanze. Die Gallwcspe hat int Jahr drei Generationen, denen drei Blütcnfolgcu bei der Feige entsprechen. Die ersten Blutenstände überwintern und bleiben meist unentwickelt. Die zweite Frucht koinmt im Juni zur Reife. Diese zweite Ernte liefert die Hauptmengc der Feigen. Tie dritte Frucht des Spätherbstes reift nur in tagenden mit sehr günstigem Klima völlig aus. Welches sind nun die weiteren Schickiate üe> kleinen, madenformigen Wespenlarven, die'ich in den Fruchtknoten des Caprificus entwickelt haben? Nachdem sie den Fruchtknoten ausgcsrcs- sen habe». verpuppen sic sich an Lrt und Stelle, also im Blütenstand. Tic flügellosen Männchen schlüpfen vor den Weibchen aus. Sie bleiben in ihrem dunklen Gefängnis nnd erwarten daS AuS- schlüpfen ihrer geflügelten Bräuie. Rach der Befruchtung bahnen sich die Weibchen einen W.-g durch den von Hüllfchuppc» nur lose vcrschlos- iencn AuSgang de§ Blütenstandes und suchen andere junge Blütenstände aus. um ihre Eier in deren Fruchtknoten zu versenken. Welche Bedeutung der Befruchtung durch die Insekten für die Fcigenernte zukommt, hat mau überall dort erfahren, wo man Feigenbäumc importierte, ohne daß der Capr.fjcuS und die Gall tvcfpc zur Stell« tvaren, so;. B. in Kalifornien. Die Feigen waren klein und minderwertig. Tic Ursache ist leicht einzusehcn. Reist der Fruchtknoten nicht zur normalen Frucht, so wird auch tue Blütenachse nicht so fleischig und zuckcrreich. Es blieb also nichts anderes übrig, als auch den wilden Feigenbaum und seine Galltveipe nach Kalifornien zu verpflanze» und man erzielte seither große Ernten der schönste» Feigen. Uebri- gcus hat man heute auch schon Fcigenrassen gezüchtet, die ohne diesen merkwürdigen Besruch- tungSvorgang saftige, fleischige und zuckerrcichc Fruchtstände liefern, Rassen, bei denc» sich der Fruchtknoten auch ohne Bestäubung zur Frucht cntlvickclt. Seite 8 SNittooq, 84. Mak lWtö. Wr. 171. PKAfttR laiUMft Deutsche Hauptstellc für Kinderschuh und Jugendfürsorge in Prag. Tie diesjährige Haupiver- saminlung der Deutschen Hauptstelle für Kinderschutz und Jugendfürsorge findet Donnerstag, den 8. Juni l. I., um halb 6 Uhr nachmittags in der Kanzlet der Hauptftelle, Prag Mals nüm 11, statt.— Tagesordnung: 1. Verlesung des Proiokolles der letzten Hauptversammlung. 2 Verlesung des Tätigkeitsberichtes. 3. Verlesung des Rechnungsabschlusses 1838. I. Ergänzung-Wahlen in den Vorstand, 5. Freie Anträge. Geriditssaal Skrupelloser Kon urrenzkamp. Mistanschlag aus ein Pony. Prag, 2,3. Mai. Eine besondere Attraktion der von Kinder» vielbciuchten Anlagen auf dein Belvedere bildete ein« von einem Pony gezogene winzige Kutsche,.n welcher die Kleinen gegen Entrichtung einer Krone herumgesahren wurden. Tas bildete einen mächtigen Anziehungspunkt für das Publikum aus der inneren Stadt und das Geschäft des Unternehmers, eines gewissen Joses H a- kann, ging vortrefflich. Bald aber erwuchs ihm ein Konkurrenzunter n c h m e n im Ri« grrpark, das von einem gotvisjcn Anton Faktor gegründet wurde und einen Teil der Kundschaft dorthin abzog. worüber der Mann vonr Belvedere natürlich nicht erbaut war. Am 2. Dezember v. I. ereignet« sich nun im Riegerpark eine sonderbare Sache. Es erschien ein Trupp Schulkinder, die von-Herrn Faktor gefahren sein wollten und sich daran machten, daä Pony mit m i t g« b r a ch t e n Semmeln und Z n rf c r ft ü cf c tt zu füttern. Tas lieg aber der Inhaber des Wägelchens nicht zu, denn die Kinder hatten ihm in der Freude ihres Herzens verraten, daß dies« Leckerbissen von seinem Konkurrenten am Belvedere Josef Haloun stammten und daß dieser ihnen auch je ein« Krone gegeben habe mit der ausdrücklichen Weisung, sich von dein Kollegen im Riegerpark fahren zu lassen und das Pferdchen mit dem Zucker und den Semmeln zu füttern, di« er ihnen gleichzeitig aiishän- digtc. Dies« Liebenswürdigkeit schien dem-Herrn Faktor verdächtig. Er nahm daher den Kindern den Zucker und die Semmeln weg und trug sie zur chemischen U n t e r s n ch u n g in die nächste Apotheke.-Hier stellte man fest, daß das Fütterungsmaterial mit einem starken Gift versetzt war. Es handelt« sich also um einen recht ordinären Anschlag aus das Pserdkhen, mit besten-Hilfe Faktor seinen Lebensunterhalt verdiente. Bemerkenswerter- weif« ist ihm schon einmal ein Pony aus ungeklärter Ursache plötzlich eiirgegangen. Bor dent BR Gednorotec der versuchten boshaften Sachbeschädigung ange- klagt(denn ein Tier ist rechtlich eine„Sache"!, leugnet Haloun zwar hartnäckig, wurde aber durch Konfrontation mit den von ihm angvstiiteten Kindern restlos überführt und mit Rücksicht daran', daß es beim Versuch geblieben war. zu 40V K'®«11>• straf«, bedingt aus ein Jahr, verurteilt. rb. Die Frau Fabrikantin in der kisenkiste. Aus„vornehmen" Kreisen. Prag, 2g. Mai. lieber eine Ehren-bcleidigungs- klage, deren Vorgeschichte wie ein« Kinokomödie an- mutet, wurde von dem B c r u s u ngS se n a t des .Krcisgerichtcs(Vizepräsident Boukck) in zweiter Instanz entschieden. Tie Fabrikantensgattin Lyda Stech la halt« im Jahre 1930 die Bekanntschaft d«S russischen Emigranten Jng. Fjodor M«schipuren ko gemacht und ließ sich dies« Liebe etwas kosten. So richtet« sie ihm in Wrschowitz«ine luxuriös« Wohn n u g ein, wo sie ihn häufig besuchte und b« wies auch ein« recht offene Hand ihm gegenüber Ihr Gatte kam erst im Oktober v. I. hinter dies« -Sache und kundschaftete eines Tages das Wrscho- witzcr Liebesnest aus. nachdem er Ihr unbemerkt bis zur Wohnung ihres Geliebten gefolgt war. Nun begann er mit Hilf« seines Schwagers und seiner Schwägerin die Villa, in welcher sein« Gattin den Russen eingnarliert halte, zn blockieren, um sic beim Verlassen des Hauses zn stellen. Sein«(Geduld wuvd« aus ein« harte Prob« gestellt, denn die Frau Fabrikantin hatte Unrat gewittert und blieb voll« zwei Tage und Nächte im-Hause vcrsleckt, während die Belagerer einander abtöstcn und scharf anfpaßtcn Ein Bersizch der nmreuen Gattin, über die Gartenmauer zu klettern, scheiten« an der Wachsamkeit der Posten. Am frühen Morgen des zweiten Tages fuhr nun ein Lastauto vor und einige Lastträger ichtepptcn im Schtveiß« ihres Angesichts ein« große Eilen- k i st e ans dem Hanf« und luden sie auf den Wagen. Ter wachhallendc Gatte svrang, von plötzlichem Argwohn erfaßt, im Augenblick der Abfahrt auf das Auto, um sich di« mnsteriöke Kist« näher zn besehen. Sein« Ahnung hatte ihn nicht betrogen Ter Teckel ließ sich leicht ansklappen und in der Kist« kauerte im tiefsten Negligee di« Fran Gemahlin. Die natürliche Folge ein«rsolgreichcr S ch«i- dungsprozrß seitens des Gattens. Aber Herr Jng. M e! ch i p o r e n k o ließ dir Sach« nicht auf sich beruhen, sondern halte den Mut, trotz des sonnenklaren Sachvcrhalles, den Gatten wegen des Inhaltes seiner Klage z u verklagen! Er behauptete. sein« Beziehungen leien „rein g« l ch ä 11 l i ch e r Natur" gewesen Er hatte kein Glück und seine Ehrenbeleidignngsklag« wurde a b g r w I«s e n, woraus«r es für nötig fand, Berufung eingutbringen. Der Berusungssenal bestät'gte aber natürlich das freisprechendc Urteil des Bezirksgerichtes in vollem Umfang. rb. Kunst und Wissen „Der Riug", der setzt am Deutschen Theater „im Rahmen der Mai-fostspiele" gegeben wird, löst bisher, so weit das nach der sonnlägigen„Walküre" zu schließen ist, leider nicht di« wünschenswert« Anziehung des Publikums aus. Die vielen, die nicht da war«n, versäumten immerhin Prohaskas Wotan, Frau Thorborgs Fricka und den sehr gut disponierten Siegmund Fischers. Dagegen haben sie an der Sieglinde des Frl. Ella Flesch nichts versäumt, da gut« Erscheinung und ein paar kräftige-Höheiön« doch nicht über die schweren Mängel hinwegtänjchcn kömien, die diese„verwackelte', in der Mitte klage ganz unergiebige Stimme auf» lveist, zumal auch der Ausdruck nur an wenigen Stellen hinreichl. Der etwas mysteriöse plötztche Abgang Fran Helma Hai eine Lück« im Ensemble aufgcrisse», die künftighin hoffentlich besser ansgcfüllt werden wird. 1. g. Bon der Deutschen Mustkakadrmie. Ter letzte öffentliche Musi labend der Prager Teut. scheu Musikakademie war ein Orgelkonzert, bei dem Zöglinge aus der vortrefflichen Schule Pros. Hans Jakob Ho'' ers Gelegenheit sanden, ihr größeres oder klciNe.es Können' aus dem„königlichen" Jlistriimcnte zu zeigen, und zwar sowohl in Werken alter Meister(Joh. Sebastian Bach, Buxtehude, Pachelbel und Sweelinck) als auch in nwdcrnen Orgelkompositionen von Max Reger. Als das reifste Taleirt erwies sich Lcodcgar Koneczny: aber auch Anton Fritsch, Artur Franz und Walter H o g s ch a r zeigten beachtliches Können als technisch gewandte Spieler und in der Kunst des Rezitierens. Hinsichtlich der Vortragsstücke ist jedoch zu bemerken, daß weniger mehr gewesen wäre und daß daher zum Nachweise der Knnstbejä- higung vor der Oeffeiitlichkeit bescheidenere Bor- lragsgaben genügt hätten. Zur Bereicherung des Programms dienten zwei vokale Nummern, eine Kantate(mit obligater Violinstimme) von Buxtehude und drei geistliche Lieder von Max R e g c r, die in den Sängerinnen Rauscher und Schier sowie in dem Geiger Werner stilvertraute Interpreten fanden.— Einige Tage vorher hatte die Musikakademie einen Abend polyphoner T a n z k u n ft veranstaltet, bet dem zum erstenmal die Zöglinge Frau Pros. Eppingers, der Leiterin der Klasse für Rhythmik und Körperschulung, vor die Oefsenkkichkeit traten und an llossischcn Tonstücken ihre neue Bewcgungskunst zeigten, nach der „in fester und zwangSläusiger Verbindung zwischen Musik und Tanz nicht mehr ein Programm, sondern mujilalischcS Geschehen getanzt wird." E. I. D.ie Sonderausstellung Otto Flotter, Wien, wird im Kitntstverein für Böhmen(11., Pätrossova 12) Donnerstag, den 25. ds. um 0 Uhr vormittags eröffnet. Die Ausstellung füllt sämtlich« Räum« des KunstvercinS. „Nathan der Weise", Freitag, neu einstudiert. Nathan: Ball, Recha: Behrens. Tasa: Bcilke, Ait- tah: Ondra, Saladin: Hölzin, Terwisch: Renner, Tenrpelherr: Musil. Patriarch: RöSner, Klosterbruder: Schvierzenrcich. Regie: Liebl(22). Gastspiel Erika von Thcllmauu— Walter Rilla - Ludwig Donath, Montag, in einer Neufassung der Operette„Musik um Susi". Der Komponist Bernhard Grün wird diese Vorstellung selbst dirigieren. Ganz klein« Preise X 1.— bis 16.—. Wochensplelplan des Reuen Deutschen Theaters. Mittwoch'-Ä Uhr:„Raub der Sabinerin- n en"(B 1).— Donnerstag, 1-7 Uhr:„Siegfried"(C 2).— Freitag, 148 Uhr:„Nathan der Weise"(D 2).— Samstag,'-»8 Uhr: „Orpheu S."(A. A.) Wocheuspielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch, 8 Uhr:„Ist Geraldine ein Engel?"— Donnerstag, 8 Uhr: st Geraldine ein En- gel?"— Freitag, 8 Uhr:„F al nie" lvolkstümliche Vorstellung).— Samstag,"-8 Uhr:„Da stimmt w a S nicht"(Erstaufführung). Sport* Spiel- Körperpliepe 40 Jahre deutscher Arbeiter-Turn. und Sportbund. Im Mai dieses Jahres hält« der reich-deul- !che Brnderverband, der im Jahre 1803 In Gera gegründet wurde, sein 40 jährige- Bestand-fest gefeiert. Hitler-Deutschland hat dies unnwglich gemacht; cs hat noch ein übriges getan und die Arbeitersportbewegung vernichtet u»d ihr« Wert« und Vermögen g«ra»bt 10 Jahr« Kulturarbeit haben vor den braunen Horden keine Wüvdignng gefuiide»— aber e» wär« auch«in« Schande für den Arbeitersport, men» dies«„Kitltiir"mcnsck>en etwa ein Lob dafür gesunden hätten. Auck) der reich-deutsch« Arbeitersport wird einmal sein« Mission wieder erfüllen iinü dann wird sein Jubiläum ehrenvoller und erhebender sein... Sliederösterreich gegen Steiermark 4:3(2:2). Mit diesem Länderlamps d«r Avbelt«r.fußballcr wurde am Sonntag in Mürzzuschlag der treu« Sportplatz eröffnet. Wiener Arbeitersußboll. Liga: Gaswerk gegen Phönix Schtvechai 2: t(0: l), Red Star gegen Zen- tralderein 2-: I(1:1), Helfort gegen Floridsdorf 2:0(1:0), Nord-Wien gegen Ostbahn Simmering 1: I(0:0), Meidling gegen Rndols-hüge.1 8:2 (3:0), Fcuevwehr ,zogen Ama teitvsporkklub 2:1 (0:1).— Erste Klass«: Gruppe Nord: Juven ins gegen Columbia I:l)(0:0), Donau-Jndustrie- angeftelllc gegen Hochstädt 3:3(3:3), Lieu-Keltenhos gegen Olympia 4:8(3:1), Landstraßer Sportfreunde gegen Simmering 3:1(2:1), Donaufeld gegen Nußdorf 8:2(1:2): Gruppe Süd: Neutral gegen Rekord-Kicker 4:0(2:0), Phönizia gegen E« Werk 2:1(0:0), Union 14 gegen WAF. 3:8(1:1), Birtu- gegen Germania Ankerbrotfabril 3:8(1:2). FC. 33-Straßenbahn gegen-Hau-plwerkstätte 2: l (2:0), Favoritener AC. gegen Ostbahn Favoriten 3:1(2:0). Die Mr fterschasten im Geräteturnen, di« der 17. Kreis der Arbeiterturner am Sonntag in St. Pölten zur Durchführung brachte, nahmen einen ausgezeichneten Perlons. An den Meisterschaftskämpfen beteiligten sich mehr als 50 Turner und Turnerinnen aus Wien und tziiederösler- reich. Di« Ergebnisse der Gcrälewcttbewevbe: Turner: Oberstufe, Si«benkomps: Waldert(St. Pölten) I2Ü Punkt«: Zehnkainpf: Stadler iWien-Neubau) 157.22 Punkte; Atittelstn.se, Siebenkampf: Kirschner(Wien-Floridsdorf) 112 Punkte; Zehnkampf: Schmid(Wien-Ottakring) 154.56 Punkt«. Turnerinnen: Oberstufe. Sechskampf: Hcvdticka(W'eu- Hiehing) 110.12 Punkte; Neiinkainps: Herdlicka 163.18 Punkt«; Miltelftiis«. Sechskampf: Welt (Wien) 158.70 Punkte.— Nachmittag wurde eilt Sportfest abgehoben, bei dem di« neuen Kreismeister In«inein Mnsterrtegcnturiien ihr Können zeigten Dir Handballspiele ergaben folgende Ergebnisse: Ankerbrotfabrik Wien gegen St. Pölten 1 13:8, Krem- gegen St. Pölten 2 1-5:5, die Knaben- Alannschaften von Krems und St. Pölten spielten 3:2. Die Leichtathletik kam auch zu Worte und siegle Im 1500-Meter-Lauf Kaustnann(St. Pölten) in 4:28.6 und das Kugelstoßen gewann Krejci(Wien- Simmering) mit 18.07 Metern. Arbeiter-Handballspiele in Wien. T u r n r r- Handballer: A-Team gegen Stadlau—Margareten komb. 6:1(4:2), B-Team gegen Gaswerk 10:5 (6:3); Meisterschaft: Margareten gegen Döbling 6:4, Floridsdorf gegen Alsergrund 0:1, Jnzer-dors gegen Meidling 7:5, Währing gegen Hernals 5: l, Kagran geg. Brigittenau 10:5, Wieden gegen Stok- ter-an 7: 6, Göc gegen Ottakring 3 11:2; Fronen: Favoriten gegen Hernals 5:3, Fünfhaus gegen Straßenbahn 7:8, Gaswerk gegen Meidling 2 8:0, Mariohils gegen Meidling 2: t,.Hetzendors gegen Wieden 7:3.— A r>be i t c r-Handballverband: Zentralverein gegen Westbahn-FünfhauS 14:4, Favoritener AC. gegen Red Star 7:6, Freiheit 08 geg. Zemralverein B 5:5: Frauen: ASB. gegen West- bahn-Fünfhau- 7:0, Favoritener AC. gegen Westend 2:1, ASB. 2 gegen-Hutter u. Schranh 6:3. Reue Avkö-Bestleistung im Stemmen.- Di« Wiener Ärbeiter-Kraftiportler trugen am Sonntag den ersten Teil ihrer Landesmeisterschaft ans. Hiebei verbesserte der 40 Kilogramm schwer« Fliegengewichtler KaSmata(AK. Hermann) die österreichische Bestleistung im beidarmigen Drücken auf 66.50 Kilogramm (bisher 64.70 Kilogramm). Freie Bereinigung soz. Akavemiser— 2Z Mittwoch»den 24. Mai, um 20 Uhr im Heim: Diskussion-abend mit der o st u s r a": »Die S. Internationale" Rescratc: Genosse Dr. H. Hossmann und Genosse I. Doppler. Der Film Aktualitäten bei Buriau. Im Programm dieser Woche gefällt ein sehr guter Trickfilm russischer Erzeugung, der die „Träume eines B e r l e h r s b e a m t e it" in wirklich tressender Art karikiert. Auch der Ton und besonders die klug zusammengestellle Musik gefallen. Sonst blamiert die Ufa wieder einuial Hitlerdeutsch- land, indem sic junge teutschc Amazonen nicht nur beim militärischen Tritt arbeitend, sondern auch sprechend zeigt. Im übrigen ist für Deutschland die größte Sensation ein neugeborenes Kamel; was ja Gcschmacksach« ist. Die Fox-Reportage zeigt diesmal einen schon bekannten Film von Schwimmern unter Wasser, der ausgezeichnet ist. Man muß immer wieder bedauern, mit welcher Kurzsichtigkeit dos Handelsministerium die Einfuhr dieser wertvollen Filme sperrt und so die KinoS im Interesse einer noch gar nicht existierenden heimischen Kurzfilinerzeugung schädigt. W. L. Reklame für Malygin. Enttäuschung am Russensilm. Ter Film„Bezwinger der Nacht", Produktion MeLrabpom, Moskau, soll nach den Ankündigungen die heldenhafte Polarcxpcdition deü bcrühutlen Eisbrechers, sein Zusauimentreffen mit dem„Graf Zeppelin" im Polarmecr, zeigen: ganz nach dem Muster verlogener kapitalistischer Reklame wagt cS die Sowjctvcrtretuug, ein„Werk" auf den Markt zu werfen, das nichts, aber auch gar nichts von dem hält, waü versprochen wird. Die Wahrheit über diesen Film ist folgende: von der Polarcxpe- dition sind ungefähr 400 Meter Originalausnahmen geblieben, die den„Graf Zeppelin" in unmittelbarer «a»«•» Ktnverfreunve Prag. (Ncstsalkcn, Jungfalken und Rote Falken.! Mittwoch ab 4 Uhr bei schönem Weiter aus der Hetzinfel— DTJ.-Platz— für alle Kameradschaften Spiel nachmittag. Ucbernomm-- von Tyno Löwenstein und Kurt Bartl Matteottikameradschaft. Donnerstag: Wanderung. Treffpunkt 1-8 Uhr Endslat'on der öer-Elektrifchen in Hluboöepy. TageSprovianl und Badeanzüge mit- nehmen. Bei Regenwetter um 3 Uhr uachmi:- tagS im B. D. A. Freitag: P f l i ch t h e i m bei schönem Weiter auf der.Hetzinfel, bei Regentvetter B. D. Ä, Beginn Punkt 4 Uhr(Zausestnnbc». Schulung). Nähe des Malygin zeigen. Und um diese kurzen Szenen wurde im Leningrader Atelier ein Szenengerüst gedreht, vor dem jeder, aber auch jeder heimische Film in vollsten Ehren bestehen kann. Tie Herrn Polarforscher unterhalten sich in kindischer Weise über längst vergangene Polarabenteucr: solange die„Herrn" Sowjets(wie wir jetzt sehen mit ,'nxuSkabinen und erstklassigen Menus) nicht „planmäßig" Pvlarexpeditionen organisiert haben, war es eben schlimm. Die Matrose» Versklavt und die Esolge gleich Rull. Niemanden von den russischen Wahrheitssuchern interessieren in diesem Zusammenhang wahre Heldentaten etwa eines Franklin und Bering: man muß um jeden Preis das Sowjelbanner hochhalten, auch im Kaiser Franz- JoscfS-Land. Die erheiterndste Szene ist wohl die, wenn General Nobile interessiert einer der Räubergeschichten zuhört, die der Russcnprofessor von Stapel läßt: seine Ausmcrksamkcit wird wohl damit erklärt werden können, daß er der Sprache nicht mächtig ist. Tort, wo sich der Film bemüht, einige Bilder vom Eisbrecher zu zeigen, wissen wir „Lakaien des Kapitalismus", daß die Foxreportage» viel besser sind und dort, wo man in Sturm und Eis, in Hütte und Wärnic, Lieder von des Bauern Kartoffeln singt, wissen wir wieder, daß diese Art mit unserer Filmrontiiic gleicher Geistlosigkeit nicht konkurrieren kann. Ein Staat, der sich Arbeiter- und Banernstaal nennt, der in fast jedem Dialog Marxens Andenken zur Verlogenheit mißbraucht, trägt viel größere Verantwortung als einer der Filinprodnzcntcn, die, wenn schon nichts, so doch die Tatsache für sich haben, daß sic sich niemals mit proletarischer Moral oder Aufrichtigkeit brüste». Wenn der neue russische Tonfilm nichts Besseres leistet, ist auch dort die Filmproduktion im Abstieg. Von einer Regieleistung kann nicht gesprochen werden, weil die primitivsten Gesetze der optischen Sprache außer Acht gelassen wurden. W. L. Unser Blau der„Sozialdemokrat“ ist in Pray in folgenden Berschieitzstellen zn haben: Balinhofsbuchhandlung, Wltsonhahnhof, Jlatirrl- linhnhof, DonlsbahnhoL Bartlik, Trafik, Prag II., Tyänov 2. Burok Hugo, Trank. Pme I., Staromiiteki mi- miati 32. Hodrova, Trafik, Smtchov, nilih legll 13. Jolinkova, Trafik. Nuslc II.. MostnE doiny.Re- formy". Kotyza Jan, Trafik, Smichov, Zborovskä tr. 13, Kruusova A.. Trafik, Karlin, KriHovskii 14. KrcJEik A„ knlhkupcctvi, Prnir-I.leben Kriilov- skä 1511. Kroupa Jlndf.. Trafik. Prag II Raifnovo uthf. sünek 114. Lilncnsdlin Karl, Trafik. Prag II., Nckazauka 8. Marei Josef knihkupuetvi. Prag-BubcnS. nl. Dr. Brdfa 21. Monfk. Trafik, Prag I„ Parlament. MrdEkova, Trafik, Prag I„ Jnsefxkü tr„ stdnek 127. Mrdz Jan, Smichov, Radlickd tr. 43. Orbis A.-G., ZeltungsvcrschlolO, Praha XII. Fo- chova tE 62. „Praga“. ZoltungsvcrschlolB. Prag II.. HavliEkovc nüm. 23. Sedltik Vdclav. Trafik, Dcjvlcc, Svccova. Skrabkova Anna, Trafik. Dcjvlcc. Nenner»-: üEodnickö domy 286. Strouhal Artur, Trafik, Prag III., Mostcckü 10. Tausslg E.. Zeltungsversclilcin Prag II.. Vdclav- skE ndm. 45. Ungormann Rudolf. Prag II. Panuks hol Palasthotel. ÜstEodni dEln. knlhkupcctvl. SvEccny Prag II. Hybornskd 7. Zemunn, Trafik, Prag I„ PcrStyn. Fcnzl, ZeltungBvcrscblolO, Prag II.. SineEky 8-10 Und bei StrnBcnvcrkHufcrn: Wcnzclsplatz— MAstek— Masarykbahnhof- Wilsonbahnhof. Ottailiibit-Jitofrit» laut- H b>l i<>glie it: SNIdel» ft l s h n e t.—«eraalwuetltcher Sebotteue: St. Cmtl eitaak, Prag.— Druck:-Rota-«.-« für Aetiung. uns Suchdruck, Prag.— gär den Druck urronlluoritich: Vito V°Ut. Prag.— D» Ze»uug«motl-aitoniotut wurde oon bei Soft.■. ItleataplfineiieltloB aut ilriak Ott 13.800/V n 4880 dewmigt.— tlepigSoebtngungea: Sri Aufteilung ins Haus oder bet tBegug durch dis Poft monatlich ne 10.—, oirrtellährlich i-i*8.—» bsUjafttt« i-a 06.—. gonz,ädrig KO WO.—,— Inserats tueraea laut lauf bdllgft berechnet, M HMsa WalibiltBMsa Pretsuochlotz.— Rückftellung von ikauustridlea ersotgt»06 tot eipjegtiurg»er-ielsurmortea.