Erschein« mit Ausnahme des Montag täglich früh. St.&attlon il Dertoaltuia: Droo II, OtrMjanta tB ♦ Id»pt>.: 16703. Ji«6o. Ttafttrcöart(aB 31 Uuc): 9MM*80Miugt wurde die für die Zeit vom 1. Juni bis Ende September vereinbart« Kompeu- sationSregelung über den gegewemgen Ware n- autauich mit Ungarn. Erledig! tpurde d:r Vorschlag betreffend eine Abmachung mit Polen über Kompensationen für die Kohleneinfuhr anS Polen. Zur Kenntnis genommen wurde daS mit den vom 26. Mai bis i. Juni d. I. in Prag statl- sindenden Beratungen der Außenminister der Staaten der Kleinen Entente zusamlnenhäugendc Programm. Für Oesterreich bedeutet dies eine wirtschaftliche Katastrophe, da der Export nach Jugosiawicn an dritter Stelle aller österreichischen Exportländer steht. Die österreichische Regierung hat also wieder einen jener unsinnigen Schwcinekrieg« begonnen, welche vor dem Kriege zum Arsenal der Politik der Monarchie gehörten. Wcrm die Regierung Dollfuß nicht im letzten Augenblick einen Weg findet, um diesen Wirtschaftskrieg, den sic selbst angezettelt hat, abzublasen, hat sie das Laich in eine Katastrophe hineingetrieven, die zu den schwersten wirtschaftlichen Zusammenbrüchen führen muß. Schwere Kämpfe zwischen nelmwehr und Nazis. Maschinengewehr« und Barrikaden. Innsbruck, 26. Mai. Die Heimwchr hatte gestern die Weisung ausgegeben, mehrere Versammlungen der Nationalsozialisten zn vcrhi» drrn, die in einigen Dörfern bei Innsbruck statt- finden sollten. Daraufhin wurden Nationalsozialisten zum Schutze der Versammlung nach Gotzcns beordert. Sic wurden von etwa 60 Heim- wchrlcuten angcgrissen. Es entwickelte sich eine Schlägerei,'in deren Verlauf zwei Nationalsoziali- stent schtver verletzt wurden. Tie Nationalsozialisten holten aus Innsbruck Verstärkung herbei. London, 25. Mai. Im Unterhaus eröffnete Außenminister Sir John S i m o n die heutige außenpolitische Debatte. Er gab seiner großen Genugtuung darüber Ausdruck, daß Deutschland, Frankreich, Italien und die Bereinigten Staaten den englischen Konventionsentwurf als Diskussionsgrundlage angenomuien haben. Man könne von einem wirklichen Fortschritt in Gens sprechen. England erkenne die Mäßigung an, die das Kennzeichen der bekannten Reichstagsrede des Reichskanzlers gewesen seien. ES wäre allerdings, so fügte Simon hinzu, sehr vernünftig, wolle man nicht erkennen, daß in diesen Frage» der internationale» Politik Worte nicht die gleiche Bedeutung wie Handlungen hätte«. Die Rauben sind zu sauer! Keine„Gleichschaltung" der Saar- Gewerkschaften. Wie der Zeitungsdienst meldet, gibr der Führer der deutschen Arbcüssront, Dr. Leh, folgendes bekannt: Für das Saargebiet wird kein Gewerk- schastSkommissar der deutschen Arbeitsfront eingesetzt. Eine Beschlagnahm« des Vermögens der Gewerkschaft«» im Saargebiet ist nicht geplant und braucht daher nicht befürchtet zu werde«. Die NSBO. im Saargebiet besitzt keine Ge- werkschaftsfnnktionen und hat sich jeder gewerkschaftlichen Tätigkeit und Ausgabenlösnng zu enthalten. Diese Meldung wird weit über die gcwerk- schaftlichen Kreise drs Saargcbic:es Hittaus einige Ucberraschnng Hervorrufen. Bei einer Reihe von Gewerkschaften haben sich nämlich schon„Kommissare" blicken lassen, die sich mit besonderen Vollmachten zur Durchführung der„Gleichschaltung" brüsteten. GewerkschoftSsekreläre erhielten bereits durch ihre neuen„Vorgesetzten" die Knüll m den Durchzug der Nationalsozialisten zu verhindern, errichteten die Hcimwchrleutc Hindernisse und brachten ein Maschinengewehr in Stellung. Daraufhin mußten die Nationalsozialisten sich auf einem Umwege in die beiden Dörfer begeben, in denen die Versammlungen abgehalten wurden. Als im Verlansc des Abends das Auto des Gauleiters Stadtrat Hofer aus Innsbruck Agsams passieren wollte, wurde es von Heimwehrlcuten mit Steine» beworfen. Es entwickelte sich eine Schlägerei, in deren Verlauf ein Heimwehrmann erheblich verletzt wurde. Eine dritte Versammlung der Nationalsozialisten wurde verboten, weil die Heimwchr angrdroht hatte, sic mit Waffengewalt zu verhindern. KPOc verboten! Wien, 26. Mai.(Eigenbericht.) Ein heute Abend stattg«fnnd«ner Ministerrat hat be. schloff««, di« kommunistisch« Partei Oesterreichs zu verbirten. Ter Minifterrat beschäftigte sich ferner mit einer Verordnung, durch die der Anschlag von Plakaten und der öffentliche Verkauf von Zeit- schristen mit Abbildungen nackter Frau en körper verboten werde» soll. Außerdem wird durch diese Verordnung der Handel mit empfängnisverhütenden M i t t e l n und mit Schutzmitteln gegen Geschlechtskrankheiten wesentlich eingeschränkt. Simon gab dann eilten kurzen Ucberblick über die Abrüstungspolitik Großbritanniens und legte die Verpflichtungen dar, die England auf Grund des Völkerbunds- und des Locarnopaktes bereits übernoimnen habe. Unsere Freunde aus dem Kontinent werden, so führte Simon weiter aus, cs verstehen und es kann nicht klar genug ausgesprochen wer, den, daß cs nicht an Großbritannien liegt, neue Verpflichtungen dieser Art zu übernehmen. England sei der Ueberprugung, daß die internationale Abrüstung von der politischen Entwicklung abhänge.. Das U c b e r m a ß der R u- st u n g e n i st nur ein S y m p t o n. Notwendige Voraussetzung einer Abrüstung ist daher eine Besserung der europäischen poetischen Be- Ziehungen. bei denen sie, aller Augen sichtbar, den Kürzeren ziehen würden. In solcher Lage macht oie heroische Geste:„Wir wollen gar nicht..." einen etwas komischen Eindruck und tvird keinen Menschen zur Bewunderung der diplomatischen Kunst der nationalsozialistisck)en Räubergcwerk- schasten veranlassen. Schredcens|ustlz in Jugoslawien. Belgrad, 26. Mai.(Avala.) Heute wurde im Prozeß gegen Le n a c und Genossen, di« angeklagt waren, Mitglieder der terroristischen Emigrantcn.organisation„U st a ch a" gewesen zu sein,'das Urteil gesprochen. Ter sitz dieser Organisation befand sich in Finmc. Sie sollen Mittel und Waffen entgegengenommen haben, die zu-Handlungen gegen die Integrität des jugoslawischen Staates bestimmt waren. «Alle Angeklagten gaben die ihnen zur Last gelegten Daten zu, erklärten aber, nicht gewußt zu haben, daß eine bewaffnete Aktion vorbereitet werde. Sic hätten gedacht, daß cs sich nur uni J eine ideelle Propaganda handle. Der Hauptangeklagt« Lenac wurde zu 16 Jahren Kana man abrüsten? (Von H. N. Brailssord(London. Ganz ruhig, ohne viel Phrasen, hat vorige Woche ein britischer Minister, Lord Hailsham,„Sa-nktionen" für den Fall angedroht, daß Deutschland es ivagen sollte, aufzurüsten. Er sprach, wie er selbst zugibt, nur im eigenen Namen und cs ist Tatsache, daß er weder den Premierminister, noch den Außen- mnnster befragt hatte. Aber das macht eigentlich seine Acnßcrung Hoch bemerkenSiverter. Sie war der spontane Ausdruck der Gefühls der konservativen Partei. Die Konservativen sind, wie schließlich wir aitdereir auch, durch die Barbarei der Nazi Konterrevolution im Innersten bewegt. Sie haben keine Bcgeiste- i rintfl für die Demokratie, aber ihnen mißfällt die Verfolgung der Juden und die Berbren- nung der Bücher; auch würden sie ihre politischen Feinde nie mit körperlicher Grausamkeit behandeln. Sic haben eben ihren Kultnrbegriff »ich den haben die Nazi verletzt. Aber auch ein tieferes, lveim auch weniger bewußtes Gefühl spielt hier eine Rolle. Sie sind voll Sorge, was diese wahnsinnig gewordene Macht tun könnte, wenn sie Waffen in die Hand bekommt. Das ist eine vernünftige Sorge, die wir alle teilen, aber bei den Konservativen ist sie mit dein vcrtvundeten Stolz des Imperialismus verbunden. Denn hier hebt ja jene Macht den Kops, die im Jahre 15)11 das Britiscl-c Weltreich zum Kampf herauszufordcrn lvagte. Hitler hat die Leidenschaften der Kriegsjahre wierdererlveckt, die fast vergessen waren/ In Deutschland hockt spningbereit eilte fürchterliche Gefahr für den Frieden Europas. Diese Leute sind imstande, schnell, wenn auch phantasielos zu handeln. Kanin hatte Lord Hailsham gesprochen, als die Zeitungen zu fragen begannen, welche „Sanktionen" er Wohl meinte. Würde es die Wiederbesepung des Rheinlandes sein oder ein Einfuhrverbot für deutsche Waren? Streng genommen ist für keine dieser beiden Maßnahmen eine juristische Rechtfertigung zu finden. Deshalb tadelte ihn Lloyd George mit zorniger Beredsamkeit, aber er stand mit diesem Tadel fast allein. Die Episode ging vorüber. Lord Hail- shanis indiskrete Aeußerung wich keine augenblicklichen Folgen haben. Aber sie sollte in Erinnerung bleiben; denn sie ist ein Zeichen der Leidenschaften, die unter der Oberfläche wirksam sind. Die britische öffentliche Meinung ist heute feindlicher als die französische, und viel weniger nihig. Wenn Deutschland wieder aufrüsten sollte, dann wurde cs wenigstens gegen wirtschaftliche Sanktionen in England leinen wirksamen Widerstand geben. Mittlerweile Hai Hitler gesprochen. Die Nazi sind Demagogen, die sich geschickt ihrem Publikum anpassen. Zu Hanse haben sie eine Sprechweise für Bauern und einen ganz anderen Dialekt für die städtische Bevölkerung. Ihren eigenen Landsleuten predigen sie einen barbarischen Militarismus, der vielleicht vor fünfzig Jahren bei Afghanen oder Zulus am Platze gewesen wäre. Aber wenn sic zur Welt sprechen, dann reden sie so, wie Hitler cs lat, vernünftig und mit einem Anschein von Kultur. Di« Rede bedeutet wahrscheinlich, daß Deutschland n o ch n i ch t vorbereitet ist, mit den Waffen hervor,»- t r e t c n, u n d a u ch n o ch einige Ia h re nicht bereit sein>v i r d. In der Zwischenzeit haben wir eine Atempause, wenn wir sie benützen können. Wie sollen wir diese Alrni- p a u s e b e n ü tz.e n? Es gibt unter den Engländern, sogar unter den englischen Sozialisten,.zwei scharf entgegengesetzte Meinungen. Die einen sagen, man dürfe an Nazi Deutschland keinerlei Konzessionen machen. Wenn wir während der fünf Jahre, die uns Hitler zugestcht, schrittweise die Entwaffnjiilg bis auf das Niveau Deutschlands durchführen, wenn' lwir unsere großen Geschütze abmomicreu und unsere Luftflotte abschaffen, dann hieße das, iiuiiunuiuiUiiiiiiiiuiiiiiiiniuniuiiiiiiinuiuiiiiiiiiiiiiitiiiiniiiiiiniiuiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiitiiiiiiiuiiiininiitiiiniiiiiiiiiuiiiininniiiiinnmiiiiiuiiiiiiuuiiHuiiiiiiiint]niniiuiuiiiitiiiiiHmiuiNiimHtiniuu Keine neuen Verpflichtungen! England geht Uber seine Abrtlstungsvorsehläge nicht hinaus. diguitg zuaestcllt. Die Gründe dieser Schwenkung und Au- passung sind allerdings sehr durchsichtig. Die Zwangsarbeit, der Angeklagte Scilla zu 18 Iah j rcn, der Angeklagte Tobrilc zu I I Jähren, Vla Ihovic zu 8 Jahren und RuöiL zu 3 Jahren Verurteilt. Zwei Angeklagte wurden freigesprochen. Stift 2 SamStag, 27. Mai 1988 Nr. 124 der Nazrdiktntur etwa» geben, was wir der friedlichen Republik verweigert haben. Es hieße, Hitlers Macht stärken. Mr würden zeigen, daß GeivaltinethÄen erfolgreich sind, während die Methoden StrescmannS und BnininaS falsch waren. Hitler kann in Genf versprechen, was er will;>ver kann seinem Wort glauben? Große Geschütze, Tanks und Aeroplan« werden tut geheimen gebaut werden und dann, noch fünf fahren, wird ein ausgerüstetes und furchteinflößendes Dcutsch- laitd einem Ettropa gegenüberstehen, das ehrlich entwaffnet ist. Kontrolle kann dies nicht verhindern, denn unter dein gegenwärtigen Terror könnt« niemals ein Beweis für geheime Rüstungen erlangt werden. Nein, sagl diese Dettkweis«, es gidt kein« Konzessionen gegenüber einer barbarischen Militärmacht. Ihre Nachbarn müssen ihre Ueberlcgenheit in beit Waffen aufrechterhalten. Die Verträge müssen bestehen bleiben. Wenn Deutschlattd sie bricht, dann soll der Völkerbund mittels einer wirtschaftlichen Blockade eingreifen und Dei.tschland zur Bernuuft bringen. So einleuchtend diese Argumente sind, werden sie dock) von der anderen Seite mit wirkungsvollen Gründen bestricken. Zwar haben viele von denen, die jetzt fordern, man solle das Unrecht, unter dem Deutschland leidet, andauern lassen und uns selbst gleichzeitig mit einer untragbaren Last von Rüstungen beschweren, ganz einwandfreie Motive. Aber die britischen Imperialisten begrüßen die Unterstützung von pazifistischer Seit« aus ganz anderen Gründen. Sie wollen ihre Luftflotten und Schlachtschiffe behalten, weil sie, wie Hitler, an die Gewalt glauben. Und wenn wir an die heutige Geistesverfassung des deut scheu Volkes denken, war es nicht— wenigstens teilweise— dieses Unrecht, was es in seine gegenwärtige nationalistische Stinnnung trieb? Je länger wir uns weigern, das Unrecht gut^u machen, desto fester wird es auf Hitlers Führung vertrauen. Es ist nutzlos, zu sagen, daß wir einent friedlichen und demokratischen Deutschland gern alles bewilligen würden. Ein solches Deutschland hatten wir viele Jahre und wir lohnten es ihn: mit nichts besserem als Dawes-Plänen. Wenn wir Deutschlands Beschwerden berücksichtigen, können wir dann nicht hoffen, daß sein heutiger Wahnsinn abnehmen wird? Und schließlich, wenn die Gefahr bestehen bleibt, daß Hi'tler im geheimen rüsten und«inen Krieg in dem Augenblick provozieren wird, wenn er bereit ist, liegt nicht das Gegenteil darin, mittlerweile den Völkerbund stark zu machen, so daß er, wenn die Notwendigkeit kommt, ein« wirkliche Macht ist, imstande, die unwiderstehliche Kraft aller seiner Mitglieder gegen[eben Angreifer in Bewegung zu setzen? Meine eigenen Sympathien sind mit letzterer Ansicht, lvenn ich auch die Logik und Ehrlichkeit der ersten Meinung anerkenne. Aber ich muß ehrlich hinzufügen, daß ich a n «ine Wiederbelebung des Völkerbundes nicht glaube. Der Bölkerbutch ist durch sein Versagen im Falle Japans(und wie man hinzufügen kann, durch seine Unfähigkeit, zwei Kriege unter seinen südamerikascheu Nlitgliedern zu verhindern), so diskreditiert, daß ein Realist in Zukunft seine Existenz ignorieren muß. Der Schlussel zum Problem Deutschland liegt mehr in Tokio als in Berlin. Wenn, sogar heut« noch, der Völkerbund seilt« Kräfte sannneln würde und wirtschaft- liche Sanktionen anwenden würde, tmt den Angriff Japans aufzuhalten, dann würde die Abrüstung leicht sein, denn dann könnte man auf den Grundsatz des Völkerbundes, die ge- meinschafüiche Sicherung, vertrauen. Die Menschheit, wenn die Menschheit nur zusam- inenwirken nvllte, ist stark genug, auch mit I einem viel gewaltigerem Herrn, als Hitler, I fertig zu werden, fogar wenn er im gchcinten rüstet. Alter von emem Bestreben, den Völker- bttnd durch Taten zu retten, ist nichts zu sehen. Unsere international« Gesellschaft ist durch Hitler gefährdet, nicht, weil er so gewaltig ist, sondern weil sie tn Wirklichkeit gar nicht e x i st i e r t. Gegen die UnterdrlMknng der freien Gewerhsdiatten. Eine Kundgebung der sudetendeufsdien GcwcrKsdialten gegen die ifiilerel. Ain Dienstag, den 23. Mai, hielt die Zentral- gcwcrkschaftSkommifsion dcS Deutschen Gewerk- ichaftsbunoes in Prag eine Vollsitzung ab. In dieser berichtete Aba. Genosse Franz M a c o u n über die Sitzung des Ausschusses des Internationalen GewerkschaftSbunocS, die vom 9. bis 11. April in Zürich stattgcfunden hat. Im Anschluß an diesen Bericht beschäftigte sich die Vollsitzung mit den Vorgängen in Deutschland und beschloß folgende Kundgebung: „®t* von den Junkern, Großgrundbesttzrr» und Zchwerindustriellru mit außergetvöhnlichen Geldmitteln organisiert« Gegenrevolution hat ihr verbrecherisches Ziel erreicht. Di« Demokratie ist zerschlagen. An die Stelle de» Rechte» ist die brutale Gewalt getreten. Jede freie politische Betätigung ist unmöglich gemacht. Wer nicht in den nationalsozialistischen Jubel über den Sieg dev FasciLmuS mit«instimmt und in den heutigen Machthabern keine Abgesandten der göttlichen Vorsehung zum Heile Deutschland» erblickt, ist soviel wie vogelfrei. Jeder Braunhemdeumanu kann ihn«iederschlagen, ohne daß er Gefahr läuft, dafür bestraft zu werden. Fanatisierte Horde» von Braunhemden gefährden durch Ausübung blutigen Terror» da» Leben tausender von Menschen, die sich lm Dienst« der Arbeiterklasse und für den Sozialismus betätigt haben. In überfüllten Konzentrationslagern herrscht nackte Gewalt. Menschen, die nicht» andere» getan haben, al» daß sie in den gewerkschaftlichen und politischen Organisationen für«ine bessere Zukunft ihrer Klasse eingetreten sind, werde« beschimpft, gequält, körperlich und seelisch mißhandelt. In den Kellern der Kasernen der Braunhemde» geht rü zu wir in den Folterkammern de» grauen Mittelalter». Entsetzen und Schrecken zu verbreiten zur Vernichtung und Ausrottung dev Marxismus und der Demokratie, darin erblicken di« Braunhemden ihre Ausgabe, dazu sind sie jahrelang in den saseistischen Formationen erzogen und gedrillt worden. Unter dem Schlagwort der Aufrichtung der deutsche« nationalen ArbettSfrüttt wurde in Deutsch, land dir Arbeitrrklasir aller ihrer Recht« beraubt. Ein freie» OrganisationSrrcht duldet da» Dritte Reich nicht. Selbst die Gewerkschaften sind den Arbeitern und Angestellten Deutschland» mit Gewalt genommen worden. Ihr« mühsam aufgrbauten Einrichtungen, ihr Vermöge» und alle», wa» in jahrzehntelanger opfervoller Arbeit geschaffen wurde, befindet sich nach der Besetzung der GewerlschastS- häuser und nach der Wegjagnng der gewerkschaftlichen Führer in den Händen der Braunhemden. Richt mehr Männer de» Vertrauen» der in den Gewerkschaste» zusammengeschkosiene» Arbeiter und Angestellten verwalten dir grobe« Gewerkschaften, auf deren glänzende Lnttoicklung die deutsche Arbeiter- und Angestrlltenklasi« mit Recht stolz fein konnte, sonder« Unterführer der Hakenkreuzarmee. Bon der Führung der Hitlerpartei kommandiert« SA.-Leute befehlen feit dem S. Mai in de« Büro» der Gelvrrkschaftrn. Jede» frei« gewerkschaftliche Leben ist erstickt. Dir Mitglieder haben keine Möglichkeit mehr, ans die Führung ihrer Gewerkschaften Einfluß zu nehme«. Alle», wa» zu geschehen hat, bestimmt da» Oberkommando der deutschen nationalsozialistischen Partei und damit ist jede» gewerkschaftliche Leben in Deutschland au»- gelöscht und erstickt. Durch Anwendung de» allerschlimmsten Terror», durch AuSulltzung der Machtmittel de» saseistischen Staate» und der jetzt i» Deutschland bestehenden diktatorischen Gewalt hat da» Dritte Reich da» Unternehmertum do» einer Gewerkschaftsbewegung befreit, mit der e» bisher bei Festsetzung von Arbeitsbedingungen rechne» und verhandeln muhte. Der Kapitalismus kann in dem industriell hochentwickelte» Deutschen Reich wieder triumphieren. Die Millionen, die iu die Braunen Häuser au» den Geldschränken der Schwerindustrien«» geflösst» find, haben sich rentirrt. Di« Deutsch« nationalsozialistische Arbeiterpartei hat ihre», au di« kapitalistische» Klasse» ausgestellten Wechsel eingelöst und die Arbeiterbewegung in Deutschland mit brutaler Gewalt zerstört. Aus» neue und unter u»sagbaren Schwierigkeiten und Opfern muh nun i» der saseistischen Diktatur innerhalb der Grenze« Deutschland» di« Arbeiterklasse den Kamps für di« Wiedergewinnung de» demokratischen RrchtSboden» ausarhmen und di« Ueberwindung der hitlerische« Gewaltdiktatur vorbereiten! Der unter den furchtbaren Zuständen einer Gewaltdlktatur leidende« und kämpfenden Arbeiterklasse Deutschland» gehört dir ganze Sympathie der deutsche» gewerkschaftlich organisierte» Arbeiter der Tschechoslowakische« Republik. Wir fühle» mit unseren Brüdern und Schwestern i« Deutschen Reiche und sind bereit, soweit da»«ur möglich ist» ihren Wiederausstirg zu unterstütze» und zu fördern. Dazu gehört vor allem bei un» rücksichtslose«ud entschiedene Abwehr jeder faseistische», gegen di« Demokratie gerichtete« Tätigkeit innerhalb unserer LandeSgrenzen. Di« Erhaltung der Demokratie, di« Sicherstellung de» demokratische« Kampsboden« für dir gewerkschaftliche Bewegung ist dl««rüstest« und dringlichste Ausgabe der Gegenwart. Ohne Demokratie gibt e» keinen Ausstieg der Arbeiterklasse, ohne Demokratie ist rin erfolgreicher Kampf der Arbeiter und Angesttllte» für rin« bessere Zukunftögestaltaug unmöglich. Rur die Demokratie ermöglicht Gewerkschaften freien Zusammenschluh«ud deren unabhängige Betätigung. Gebilde aber, die aus diktatorischem Zwang« beruhen und die»uter der Vot- mähigkeit und der Willkür von ernannten Führern stehen, sind keine Gewerkschaften und deshalb für den Befreiungskampf de» Proletariat» untauglich. Nach dieser Kundgebung erledigt« die Vollsitzung noch einige wichtige sozialpolitische und organisatorische Fragen. Reform der Todesstrafe. Umwandlung In freilieltssirolcn. Ein außerordentlich wichtige» Gesetz wurde von der Regierung gestern dem Senat vorgelegt. Nach dem RegiernngSantrag sollen die strasrecht- lichen Bestimmungen über di« Todesstrafe, welche in den historischen Ländern gelten, den milderen Vorschriften des ungarischen Rechtes angepasst werd und der Zlvatig, unter bestimmten Bedingungen di« TäieSstrafe zu verhängen, beseitigt werden. Di« Grundsatz« der Vorlage besagen, daß im Kill« mildernd« Um st and, so g«. wichtig sind, daß di« Tode«st rase unangemessen streng wär«, da« vericht eine lebtnSlänglich« oder«in« Zuchthausstrafe von 18 bi» 3V Jahren verhängen kann. Ferner wird bestimmt, daß im Geschworenenverfahren di« Geschworenenjury mit zu entscheiden hat, ob di« Todesstrafe in eine Freiheitsstrafe umznwan« dein ist. Gegenüber dem bisherigen Zustand bedeutet dieser Gesetzentwurf, wenn er die Todesstrafe auch nicht vollständig abschafft, doch einen großen und begrüßenswerten Schritt nach vorwärts. Aenderang der Vefchaftsordnnvg de» Senats. Prag, 26. Mai. In einer kurzen Sitzung nahm heut« der Senat da» Gesetz über di« Finanzprokuraturen an und erledigte ein« JmmunitätSanaelegenheit. Zu Beginn der Sitzung legt« Genossin Schack, welch« als Nach, folgen» des Genossen Jarolim Mitglied de» Senats wird, das Gelöbnis ab. Genossin Schack, welche vierzig Jahre Mitglied der Partti ist, bekleidtt« in der Bewegung der- schieden« Funktionen. Sie ist derzeit Vorsitzende de» Egerer BezlrkSfrauenkomttee» und' Mitglied de« FrauenreichSouSschusse«. Seit dem Jahre 1019 vertrat sie die Partei in der Gemeindevertretung von Eger, au» welcher sie im Vorjahre ausschied, al» sie Mitglied der Egerer Bezirksvertretung wurde. In einer zweiten Sitzung de» Senats wurden den Ausschüssen di« Initiativanträge der Regierungsparteien betreffend di« A e n d e r u n g der Geschäftsordnung de» Senats zugewiesen, welch« am Dienstag im Plenum verhandelt weiden sollen. Di« Regierung legte dem Senat ferner zwei Gesetzentwürfe über Entschädigung für Mitglieder des WahlgerichtS und CtaatSgc richt» vor. Durch diese Gesetze sollen für di« Mitglieder der beiden Gerichte ähnliche Bestimmungen getroffen werden, wie st« für da» VerfassungSgerichi durch Gesetz schon früher«rlassen wurden. Volkssportverhandlung anfangs Juli. Da» Oberste Gericht in Brünn wird am 3. und 4. Juli dies«» Jahre» die gegen da» Urteil de» Kreisstrafgericht«» in Brünn tm Prozeß gcgen di« Mitglieder de»„Volkssport" vom 24. August 1932 eingebracht« Nichtigkeitsbeschwerde behandeln. Genossen k ausgesetzt f ft* vte Verbreitung unserer Zeitung agitiere«, retzt euch überall für unser« Parteipress« ein. Ja bas Heim»es Arbeiters gehört bi« Arbeiterpresse. Darum, venossea».Geaosstnneu Uj|Wlwri 69 Nachdruck»erboten. UND DAS 20. JAHRHUNDERT Roman von Rudolf Brunngraber Copyriglh by Sociatlla* Verlag, Frankfurt am Main 1033 Di« BerklcinerungStechnik der modernen Photographie reicht bi» zu einem Fünfzigtausendstel; sie ist in der Lage, den gesammelten Goethe auf eine.Postkarte zu projizieren, und die neueste Zeitlupe zerlegt den Vorgang einer Sekunde in 32.000 Einzelbilder. Der englische Rennfahrer Campbell ist überzeugt, mit seiner neuen Maschine, genannt blno bird, 480 Kilometer in der Stunde zu erzielen und den Weltrekord für AntoS zu schlagen. In Griechenland kamen in den Zeiten seiner höchsten Blüte iin Durchschnitt fünf Sklaven auf die Familie, im Gegensatz zu den 30 Sklaven, die jedem Großstädter aus dem Gebrauch der technischen Energien zustehn. In den USA. werden im Jahr 18 Millionen Schachteln Rouge gekauft und 60 Mil- ltoncn Dollar für Kaugummi mngesetzt. lieber Los Angeles entwickelte sich zwischen einem Flugzeug von Alkoholschmugglern»nd einem Flugzeug der ProhibitionSvehörde ein Feuergefecht, in dem auf beiden Seiten mit Maschittengewchren geschossen wurde. Sidneh und Beatrice Webb Haven ausgerechnet, daß eine reiche Frau zur Herstellung ihrer Kleidung die Arbeitskraft von 200 Menschen benötigt. Bor Karl sind auch die Güter aus allen Kontinenten auSgebreitct, er sieht in den Schaufenstern alles, was das Leben reizvoll macht, vom Westfälcr Schinken bis zum Solitär. Und diese Welt geigt ihm auch ihre Sentimentalität ins Ohr:... ein bißchen Seide ttnd darin Du. Eine Nacht in Monte Carlo möcht ich mit Dir unter Valuten gehen. Am La Plata funkeln die Sterne, Und am Montag endlich empfängt Karl beim Schalter in der Ännoncenexpedetion einen Hausen Drucksachen, die ihm Vertreterstellen anbieten, für die er nicht taugt, weil er kein Redner ist. Aber eS sind auch vier Briefe dabei, die ihm veritable Posten in AttSsicht stellen. Im ersten, der von einem Beerengärtner herrührt, wird eine Kautiott voit 2000 Schilling zur Bedingung gemacht. Im zweiten, der von einem Gutsbesitzer stammt, wird eine Kaution von 3000 Schilling verlangt. Die Export-A.-G. im dritten begnügt ß mtt einer Kaution von 1200 Schilling, indes Erfinder im vierten Brief mindestens 5000 Schilling und eine außergewöhnliche Partnerenergie beansprucht. Karl fragt am nächsten Abend noch einmal an. Zwischendurch hört er, daß in amerikanischen Handclskrcisen die Besorgnis wächst, es würde durch die Reise dcS Prinzen von Wales der südamerikanische Markt erheblich zugunsten der britischen Konkurrenz beeinflußt ttnd daß man daher beabsichtige, den weltberühm- ten TranSozcanflicger Lindberah, der BlertotS Bravourstück über den Kanal nach zwanzig Jahren über den Atlantik wiederholte, zu Pro- pagandazwecken nach Südamerika zu schicket:. Karl erhält auch am ztveiten Abend nur Drucksorten und Briese mit KautionSbegchren auSge- at. Als ihm aber am dritten Abend der Schaleamte in der Annoncenexpedition bedeutet, daß nach seiner Erfahrung keine Antworten mehr zu erwarten seien, wird Karl sachlich. Er beginnt da» zu hassen, wäS das Bejahende in ihm ist. In dieser Nacht vertrinkt er in einem Bordell sein ganzes Geld. Das rückt nicht nur die Auslösung seines verpfändeten Ulsters in unabsehbare Ferne, daS vollendet auch seine Demoralisation. Denn als er am folgenden Tag seine Unterstützung ausbezahlt bekommt, hat er nicht mehr die Kraft, jette Disziplin aufrechtzucrhalten, mit der allein man längere Zeit hindurch arbeitslos sein kann. Karl ißt sich satt, ttnd da dies in seiner Lage zum Wohlbehagen nicht genügt, trinkt er wieder. Der Wein schmeckt ihm dabei keineswegs, doch hat Karl schitell den roten Dämmer schätzen gelernt, der der Welt alle Kanten und Härten nimmt. Die Nacht findet er bei Bilma Hantel Unterstand und das mag nun schon so bleiben. Eines MorgettS, als eS regnet, bringt die Anna Sachs da- Gespräch auf seinen Ueberrock. Da borgt er zur Auslösung daS Geld von ihr, aber schließlich trägt er e» wieder in ein Bierhaus. Die Vorstellungen, die ihm die Anna Sachs deswegen macht, haben zur Folge, daß er mit ihr eigentlich zum erstenmal in ein näheres Gespräch gerät. Sie sehen sich dabei in die Augen, als wären sie noch nicht lange bekannt. Da gibt ihm die Anna Sachs das Geld noch einmal, allein sie sagt: es könnte auch mir ein Dienst erwiesen werden; eS wäre gut, wenn ich jemanden in der Nähe hätte. Karl versteht daS nicht sogleich, aber weil er mm immer wieder Geld braucht, steht er eines Abends an einer Straßenecke und in einiger Entfernung redet die Anna Sachs ihre Herren an. Natürlich kommt Karl bei diesem Umschwung gegenüber feinen Erinneruttgen immer wieder in fchivere Bedrängnis. Aber nun ist auch der Wein da, der entscheidend cinzttgreifen vermag, und der normal beschäftigte Mage» ttnd das Bett mit der Anna Sachs siitd ausschlaggebender als alle moralischen Skrupel. Bloß die vorwurfsvollett Augen der Vilma Haniel und das Geranne der Hausparteien komplizieren dieses Leben einigermaßen. Es ist jedoch keine Plattform so schmal, daß daS Leben, die ewige Bedrohung, nicht auch dott- hin nachzudrängen vermöchte. Eine» Tages wird die Anna Sachs abgefangen, weil sie kein Kontrollbuch hat. Uitd die LueS, die inan an ihr feststem, verlängert ihre Abwesenheit in» Unbestimmte. DaS nimmt Karl jede Stütze, aber eS nimmt ihm quch den tvarmen Unterstand. Denn soweit hat er eS in der Abhärtung nicht gebracht, sich nun wieder an Bilma Haniel zu wenden. Einige Tage, solange seine Mittel noch reichen, geht c» ja weiter, mit Trinken und Dösen, mit etner Kitto- vorstcllttng ttnd dem Asyl. Dann kommen jedoch die crbartnnngsloscn Regentage deS Oktober, kommt mit dem Hunger die nasse Kälte und das Erwachen. Karl sitzt an einem solche» Tag in einer öffentlichen Bibliothek, in die er sich geflüchtet hat. Angeregt durch daS Buch Boni o« CastellaneS: Die Kunst, arm zu sein, da» er iu einem Schaufenster gesehen hat. Aber Boni de Castellane war der Freund der Souveräne, Potentaten und Journalisten Europa-, auch besaß er einen rosamarmornen Palast in den Champ» ElhsäeS— und daS Milieu in der Bibliothek gleicht zu sehr dem der Schule, die immer Karl- wahrste Heimat gewesen ist. Da sammelt sich alles und ttber den Pttlten zieht seine Kindheit herauf, daß er plötzlich auf den Gang hinauSgehen muß, weil er die Erschütterung nicht zu ertragen vermag. Ich bin doch, stammelt er sich zu, der Karl Larner, der Karl Lakner. Und wie er sich da» so in Erinnerung rufen muß, kehrt sein Wesen mit einer Wärme in ihn zurück, daß er daS Geschehene nicht zu verstehen meint. Dann betet er, sehr einsam auf dem kalten Gang neben einem Pfeiler stehend, wieder zur ganzen Welt: sie möchte ihn anfnehmen. Er denkt dabei an da» weihbärtiae Gesicht de» alten Herrn— er hat ja nicht viele Gesichter vorrätig—, der ihm vor 25 Jahren den Oliver Twist geschenkt hat. O, wo ist die Liebe, die Liebe, die der dreizehnjährige Karl in die Welt hineintrua und die er mit Recht wieder von ihr erwartete? Denn die Liebe ist runde» System, das man nicht in sich trägt, sondern an dem man tellhat, ein System, da» sich nicht erst bestätigen muß, weil c» ja nicht au-bcnkbar ist, daß die Welt nicht in ihr schwebt wie— in einem göttlichen Atem. In der Tat, Karl gesteht eS sich zwar nicht ein, aber er gehört zu jenen Menschen, die in der ättßcrsten Not wieder religiös werden. Es ist nicht der alte Katholizismus, der in ihm aufledt, aber eS lehrt ihn auch die Not nicht bloß das Beten. Eine Ergriffenheit erfaßt ihn, die jener des Jaakob gleicht, der mit dem Engel gerungen hat. Karl will noch einmal„gut" fein, weil er dann am ehesten glaubt, auf em Gesicht hoffen zu dürfen, das wie jene» deS altett Herrn und voll Hilfe sein würde. Er wendet sich nicht mehr an die Welt, er sucht einen Menschen. Fortsetzung sotgt.). «r. 124 Sa««tag, 27. Mat 1888 Seite 3 SPEISE FETT Von den wichtigsten Nahrungsmitteln enthalten an Fett: 11°/o 22°/o 38% 100% Kein Wasser und keinerlei andere unverdauliche Bestandteile, sondern 100% Fett(reines Pflanzenfett) enthält Ceres. mtb Gebühren Ansprüchen der eine fast gleich- Rcldiskonfcrcnz der sozialdemokratischen Gemeinde- und Bczirksvcrtrelcr Er weist nach, daß den erhöhten Gemeinden nach dem Jahr« 1919 bleibende Steuer gegenüberstand. Noch bevor durch Abgaben der Ausgleich geschaffen werden tonnte, fehle die Wirtschaftskrise ein und den ständig sinkenden Einnahmen stehen immer mehr sich steigernde Ausgaben gegenüber. Dieser Zustand Hot die meisten Gemeinden dem Ruin nahegebracht. Nach Annahme dcS Genossen Grund darf erwartet werden, daß ein Ausweg aus d-r Finanzkrifc der Gemeinden gefunden werden wird. DaS Referat des Genossen Taub über den FasciSmuS in den Gemeinden begann mit der Feststellung, daß bei uns, allen Acußerlichkcitcn nach zu schließen, nur noch Demokraten vorhanden sind, denn den Worten nach bekennt sich niemaird mehr zum FasciSmus. Um Klarheit über die politische Einstellung deS deutschen Bürgertums zu bekommen, muß man schon ihre Politik und alle politischen Handlungen der deutschen bürgerliche» Parteien gründlich untersuchen. Diese Prüfung und vor allem jene der politischen Vergangenheit unserer Gegner bestimmt uns, gegen diese Art von Demokraten eine» entschiedenen Kampf zu führen. Wir brauchen nur das Verhalten der Nationalsozialisten in der Tschechoslowakei zu beobachten, um zu wissen, daß sie reaktionär-fascistisch eingestellt sind. Durch zahlreiche Belege weist Genosse Taub»ach, wie dir Nationalsozialisten unseres Landes und jene des deutschen Reiches beschaffen sind und was die Arbeiterschaft von ihnen zu erwarten hat. Genosse Taub schließt: „Der FaseismuS, einmal zur Macht gelangt, kennt keine Schranken, er seht sich über alles hinweg und diese Tatsache bestimnit uns, alles zu tun, um ihn zu schlagen, um den Widerstand gegen ihn zu steigern und unüberwindlich zu machen." Die Rede des Genossen Taub wurde mit starkem Beifall ausgenommen. Eine von Genossen Pölzl beantragte Resolution wurde ohne Debatte einstimmig angenommen. Wirtschastserschüttcrungen im In- und Auslande die Katastrophe bei der Zentralbank beschleunigen mußte. In diesem Zusammenhang erhebt der Berichterstatter gegen die verantwortlichen Funktionäre der Bank schwere Anklage wegen ihres statutcnwidrigen Verhaltens in der Geschäftsführung. lieber den Rechnungsabschluß de» Verbandes für das Jahr 1932 und den Voranschlag für das Jahr 1933 spricht Bezirksvertreter P e t e r l e. Den Kontrallbcricht der Rechnungsprüfer gibt Genosse K r e j S i ab. Zu den Berichten sprach lediglich der Kommunist Schenk aus Komotau. Er benützte die seit Jahren auf den VrrbandStagcn der selbswerwal- tungSkörper abgeleierte Walze über dir Situation in den Gemeinden und die Forderungen der Kom- mnnisten an den Verband, um dieser Notlage der Selbswerwaltungskörpcr entgegenzutreten. Dabei verwickelte er sich in große Widersprüche und mußte sich einige Ordnungsrufe diirch den Vorsitzenden gefallen lassen. Er war so klug, seine Rede zu beenden, bevor ihm das Wort entzogen wurde. Eindruck hat er mit seinen Ausführnngen keinesfalls hervorgerufen. Dann referierte der Vorsitzende über eine Reihe von Fragen, die den VcrbandStag der deutschen Selbstvcrwaltungskörper betreffen. Zum letzten Punkt der Tagesordnung meldete sich Genosse Füschcr aus .Karlsbad zu Worte, der die Konferenz auf eine Reihe von Fragen, die mit dem Verband der öffentlichen Angestellten zusammcnhängen, aufmerksam macht und bittet, die Interessen unserer Genossen im öffentlichen Dienste zu schuhen. MMISrlsche Phantasten Kobzineks. Mit 500 Reitern gegen di« Kaserne. Brünn, 26. Mai. Heute wurde im Brünner Prozeß vor dem Staatsgerichtshof das Zcugcnverhör fortgesetzt. Als erster wurde der Brünner Advokat Tr. Streb! verhört. Mit Kobsinek wurde er irgendwie im August 1931 bekannt, als ihn Kob- sinck in Sachen irgendeines Großgrundbesitzers aufsuchte. Einmal soll Kobsinek im Bahnhossrestaurant in Brünn dem Zeugen gesagt haben, er sei mit der sascistischcn Partei unzufrieden; damals habe er aus Gajda geschimpft und gesagt, er selbst müsse die Sache in die Hand nehmen. Er habe alles bereits gut vorbereitet; er besitze 500 Reiter und werde ntit ihnen die Kaserne des Ins. Reg. Nr. 43 belagern. Waffen brauche er nicht, die tvürden sie in der Kaserne erhalten, wo sie van den Offizieren aufgc nomine» werden würden. Der Zeuge glaubte, Kob- sinck mache sich aus ihm einen guten Tag oder er sei ein gefährlicher Mensch. Deshalb habe er ausgehört, mit ihm weiter zu sprechen. Als er sich über Kobsinek informiert«, sagte ihm jemand, es sei dies ein närrischer Oberleutnant, der dcshalh auch aus dem Heer entlassen worden sei. Der Gastwirt Cyrill S v a t o 8 war Kassier de» sascistischen Bezirksrates. Er erzählt über den Besuch ,m Waggon des Prager Schnellzuges, als Gajda am 20. Jänner durch Brünn reiste. Bon Kobsinek sei damals überhaupt nicht die Rede gewesen, auch nicht darüber, daß etwas vorbereitet werde. Gajda habe insbesondere den lokalen Funktionären deren persönliche Differenzen in der Bereinigung vorgcworfen und gesagt, er werde sich am Montag auf dem Rückweg in Brünn aufhaltcn und selbst Ordnung schassen. »ne AniraSe an Herrn Professor Sdiolllch. Als die deutschen Sozialdemokraten gelegentlich der Rede, die der Ruthcno-Tjchecho Germane H o r p y n k a Mittwoch im Parlamente hielt, dem seinen Herrn ihre Empörung darüber ins Gesicht schrien, in wie niedriger Weise er die deutschen Emigranten beschimpft und verleumdet hat, hat sich insbesondere der Herr Abgeordnete Schollich seines Klubgenossen in deutscher Treue angcnom- nten und in wütenden Zwischenrufen seinem Aer- ger darüber Luft gemacht, daß unser Blatt die Äreueltaten der braunen Hunnen tagtäglich anprangert. Herr Schollich hat behauptet, daß 90 Prozent unserer Meldungen erlogen sind. Es wurde ihm an dieser Stelle schon vorgehalten, daß die von ihm zugcstandenen restlichen 10 Prozent zur Charakterisierung des Hitler-Regimes vollständig genügen. Aber vielleicht ist der Herr Abgeordnete Schollich so gütig und beantwortet uns in diesem Zusammenhänge eine Frage. Herr Dr. Schollich ist nicht nur Abgeordneter und Bürgermeister von Neutit- schein, sondern auch M i 11 e l s ch u l p r o s c s- sor, also Angestellter des tschechoslowakischen Staates. Er wird vom tschechoslowakischen Staate nicht nur bezahlt, sondern dieser gewährt ihm auch noch einen Urlaub, damit er seinen Verpflichtungen als Volksvertreter Nachkommen kann. Und jetzt möchten wir gerne vom Herrn Dr. Schollich hören, welches Schicksal ihm wohl seiner Meinung nach blühen würde, wenn er dieselben Zum Rüätrltt Dr. Rintekns. Dr. Rintelen, der österreichisch« Bttndrsministcr für Unterricht, hat am Dieitstag dem Bundeskanzler Dollfuß seine Demission überreicht. Gablonz, 26. Mai.(Eigenbericht.) Im prächtig rot und grün geschmückten Saale des Hotels Schwan in Gablonz tagte Freitag, den 26. Mai, die Reichskonferenz sozialdcinokrauscher Gemeinde- und Bezirksvertreter. Ein Fahneneinmarsch der Jugendlichen gab den Auftakt zur Tagung und der Chor,Mvuder, zur Sonne, zur Freiheit" bereitet« die Stimmung für die Konferenz vor. Der Vorsitzende des Reichsausschusses für Kommunalangelegenheiten, Genosse P o l z l, eröffnet die Konferenz und gibt seiner Frettde über die Teilnahme des Genossen Vizebürgermeister Emme r» ling aus Wien Ausdruck.-Der Vorsitzende gedenkt in einem tief gefühlten Nachruf der Opfer des Fascismus in Deutschland und der verstorbenen Kämpfer in den eigenen Reihen. Als Vorsitzende werden die Genossen Pölzl und Hergcth und als Schriftführer die Genossen Pilz und Schloßnickcl gewählt. Nach einer kurzen Begrüßungsansprache des Genossen H l a d i k für die Bezirks- und Lokalorganisation Gablonz bekommt Genosse Emmerling zu einer Begrüßungsansprache das Wort. Die Ausführungen des Genossen Emmerling gipfeln in einer Darstellung des harten Kampfes, den unsere Partei in Oesterreich zu führen hat ttnd der Verteidigung der in unserem Besitz befindlichen Gemeinde Wien vor den Angriffen der Reaktion. Stürmischer Beifall folgte der Rede des Wiener Arbeiterführers. Genosse Pölzl berichtet hierauf über ein« Reihe wichtiger Fragen der Komnmnalpolitik, vor allem über die Mietzinsrückständc in den Gemeindebauten und über die Möglichkeit des SluSgleiches dieser Verluste. Er appelliert weiter zu ruhiger Arbeit und besserer Organisation der Gemeindeberatungs- stcllen, um Kreise, Bezirke und Gemeinden zur Mitarbeit und vor allem zur Werbung für die frei« Gemeinde b-ranzuziehcn. Neber die Finanzlage der Selbstverwaltnngskörper referierte Genosse Grund. Gablonz, 26. Mai.-Heut« wurde hier die .Hauptversammlung des Berbandcs der deutschen Selbstverwaltungskörper eröffnet. Nach einer Reihe geschäftlicher Mitteilungen begrüßt Vizebürgermeister P r i e b s ch- Gablonz die Konferenz. Danach kommt Vizebürgermeister Emmerling zu Worte, der vom Verbandstag lebhaft empfangen, im Namen des Oesterreichischcn Städtebundes eine kurze Begrüßungsansprache hält. DaS Präsidium des Berbandstages besteht au» Dr. Walther und Bürgermeister Pölzl. Bürgermeister H a r t i g erstattet den Tätigkeitsbericht. Er hebt besonders die für die Gemeinde so wichtigen Einrichtungen des VcrbandcS hervor, mit deren Hilfe besonders den kleineren Selbstverwal- tungskörpern unschätzbare Dienste geleistet werden. Er kommt weiter auf die Zeichnung von Arbeitsanleihe zu sprechen, die vom Verband eifrig propagiert worden sei und macht dabei überflüssigerweise einen Ausfall gegen jene Teile der Presse, die von Sabotage der Arbeitsanlcihe geschrieben haben sollen. Als Vertreter des Verbandes der Zentralbank dcntscher Sparkaffen spricht Genosse Hergeth, der eine anschauliche Darstellung über die Geschäfte dieses Geldinstitutes gibt. Er informiert in der Hauptsache über die Entwicklung der EmiffionSabteilung, die einen gesnndcn Zweig der Bank darstclltc. Im zweiten Teil seines Berichtes wird anf die Schwierigkeiten der Bank hingewiesen. Es wird auch hier die Schuld an dem Zusammenbruche der Bank den Spekulationen und I n d u st r i e g e s ch ä f- t e n zugcschoben, die in einer Zeit der allgemeinen Funktionen, wie hier tnne hätte— Staatsangestellter, Bürgermeister, A bge- ordneter—, aber nicht in der Tschechoslowakei, sondcrit in D eu t s ch l a n d, für dessen Regierung er so schwärmt(siehe seine Rede in der Sitzung der deutschnationalen Parteileitung in Träutenau!), und nicht als Deutschnationaler, sondern als Sozialdemokrat! Die Antwort auf diese Anfrage würde unß sehr lebhaft intereffieren. Herr Abg. Schollich wird sic uns doch wohl nicht vorenthalten! Die iflakentarcazlcr wollen in die Regierung. Die Behandlung, die unlängst dem Herrn Landcsvcrtrctcr Gebauer in der böhmischen Lan- dcsvcrtretung zuteil wurde, scheint ihn zur Uebcr- zcugung gebracht zu haben, öffentlich ein Glan- bcnsbekcnntniS ablegen zu müffc», was für ein guter, loyaler Staatsbürger und Patriot er ist. In der„Reichcnberger Zeitung" veröffentlicht er unter dem Titel„0uo vackls?"(Wohin gehst Du?) — die Nationalsozialisten in der Tschechoslowakei wiffen tatsächlich nicht, wohin sie gehen wollen— einen Artikel, in dem er zunächst fcststellt, daß das»höchste Ziel" der Nationalsozialisten„die „sudctendeutschc Autonomie" sei und redet von der„positiven Stellung zum tschechoslowakischen Staat" seiner Partei.„Der Staat als solcher", belehrt uns Herr Gebauer,„ist eine weltgeschichtliche Gegebenheit der durch den Vertrag von St. Germain eingeleitelen geschichtlichen Epoche". Allerdings erzählt uns»ach dieser geschichtsphilosophischen Belehrung, die wir aus dem Munde eines Hakcnkrcuzlcrs zum ersten Male hören, Herr Jng. Gebauer, daß die Nationalsozialisten„die gleiche positive Einstellung und unlösliche Verbundenheit mit ihrem Volke" haben. Die Herrschaften sind also zum deutschen Volke genau so eingestellt, wie zum tschechoslowakischen Staate. Das redet uns nämlich Herr Gebauer ein. Alles,>vas da Jng. Gebauer sagt, ist aber mtr die Vorbereitung zu folgendem Bekenntnis: „Sie vorgeschilderte Einstellung der NSDAP zum Staate schließt es in sich, daß an sie dereinst auch die Frage eines eventuellen Eintrittes in die Regierung herantreten kann." Was also Herr Jung vor einigen Tagen noch verschämt gesagt hat, spricht Jng. Gebauer offen mts: Die Nazis wollen in die Regierung! Sic haben eine solche Angst davor, daß die Demokratie in der Tschechoslowakei sich gegen die faici- stischen Bestrebungen der Hakenkreuzlcr hierzulande wehren könnte, daß sic sich nicht nur zur Demokratie bekenne», sondern am liebsten in der Regierung der Republik selbst Unterschlupf finden möchten. So schauen die Helden vom Hakenkreuz also aus, wenn man ihnen die Faust zeigt! Der Vorsitzende"ließ hierauf eine Uebersehung der Unterredung verlese««, die ein'Mitarbeiter des Blattes„Nova Doba" in Spalato mit Kobsinek und Gajdl in Makarska hatte. Kobsinek erzählte dem Journalisten, daß in der Kaserne ntit Maschinengewehren geschaffen worden sei; sie seien vom Militär bombadiert worden, so daß sie die Flucht ergreifen mußten. In dem Artikel heißt cs auch, daß Kobsinek und Gajdl in Südslawien zu 11 Tagen Gefängnis verurteilt wurden, da sic ohne Bcwilli- gung und ohne Tokuinentc die südslawische Grenze überschritten hatten. Von der Sozialistischen Jagendlnternafionale. Zwei wichtige Berhandlnngspunkte der Amsterdamer Bürosihung bildeten oie Frage dec Abhaltung der zweiten internationalen Somme r s ch u l e»nd die Veranstaltung des internationalen I it g c n t r e f f c n s. Das Büro beschloß einstimmig, von der Veranstaltung der fiir'September dieses Jahres vorgesehenen intcrtmtionalen Sommcrschulc im Hinblick aus die gegenwärtigen Verhältnisse'A b st a n d zu nehmen. Für das intcriiativnalc Jugendtreffen im Jahre 1934 wurden Kopenhagen oder Brüssel in Aussicht genommen, da Hamburg durch die Ereignisse in Deutschland als Tagungsort uuinöglich gelvorden ist. Die endgültige Ent- scheidung über das Jugendtreffen wird auf der Exekutivkomitcesihung fallen. Tie dics;ährige Sitzung des Exekutivkomitees wird in Zusammenhang mit der Internationalen Konferenz der Sozialistischen Arbeiter-Internationale im August dieses Jahres stattfinden. Die Beratungen werden drei Tage umfassen, und es werden in erster Linie Fragen der praktischen Jugendarbeit Mr Debatte stehen. Die Mitglieder des Büros nrtd deS Exekutivkomitees«inscrer Internationale werden außerdem als Gäste der Jitternationalen Konferenz der 2AJ beiwohnen. Ein neues Kampsblatt gegen den deutschen Faseismus. Sozialdemokratische Emigranten geben in Paris die„Freiheit" heraus. Das Blatt führt de« Untertitel:„Kainpforgan gegen die'Nazidiktatur" und hat deutsch« und französische Beiträge. Die erste Nummer ist Mitte Mai erschienen und bringt an leitender Stell««ine E«Klärung der Herausgeber. Vorläufig erscheint das Blatt einntal int Monat. Es verfügt über einen Stab hervorragender Mitarbeiter. Schon das erste Blatt hat in Frankreich großen Erfolg gehabt. Di« Adresse der„Freiheit" ist: 103, ruc de Faubouvg St. Denis, Paris 10. 8or^onvi^d»Wr^«üdvr LintiuLderbürger- I jeden Presse gebrochen wird und die Presse der Arbeiter zur Geltung kommt! In die Wohnung des arbeitenden Menschen das Arbeiterblatt• Seite 4 SamStag, 27. Mai 1988 Nr. 124 Thomas Money— freigesprochen! Siebzehn Jahre unschuldig im Kerker.- Sin Kapitel amerikanischer Iustizschande. Ain 22. Juli 1916, unmittelbar vor Amerikas Eintritt in Veit Weltkrieg, explodierte bei einer großen patriotischen Demonstration in San Franzisko eine Bombe. Zehn Personen wurden getötet, vierzig verletzt. Unter der Beschuldigung, die Bombe geworfen zu haben, wurden die beiden Arbciierführer Thomas I. M o o n c y nnd Warren K. Billings, Fron Mooncy und zwei Gewerkschafter verhaftet. ES half nicht-, daß eine Photographie unzwcif-lhast Mooneys Unschuld bewies. Eine Ausnahme eines Reporters ließ nämlich den Arbeiterführer erkennen, wie er in einer ganz anderen Gegend der Stadt der Parade zusah, und eine Uhr, die zufällig auf die Photographie gekommen war, zeigte nahezu dieselbe Minute, in der das Attentat geschehen war. Nichtsdestoweniger wurden Mooncy und Billings auf Grund der Zeugenaussagen eines Morphinisten, einer Prostituierten, eines ehemaligen Sträflings, zweier geistig min- dcrivertiger Frauen und. eines bestochenen Viehhändlers zum Tode verurteilt. Da» Unrecht siegt! Ta beginnt der Kampf um Leben und Tod der beiden Sozialistensührcr. Menschen, denen es um den Sieg des Rechts und der Wahrheit zu tun ist, die großen Arbeiterorganisationen bemühen sich vergeblich nm die Wiederaufnahme dcS Prozesses. Kommissionen stellen die völlige Unschuld der Verurteilten fest. Umsonst. Ein feinmaschiges Tagesneuigkeiten Tschechoslowake flegt belm internationalen Slugmeeting. Warschau, 26. Mai.(Pat.) Bei den im Rahmen des internationale» Flugmeetings veranstalteten flugakrobatischen Wettbewerben der ausländischen Gäste, an denen die Polen nicht teil« genommen haben, placierte sich an erster Stelle der tschechostowakische Flieger N o v& 1 mit seinem FlnUeuge„Avia BH. 22". 180 Kinder verirren sich im Walde. Panik der Eltern. Aus ULHorod wird uns geschrieben: 150 Schüler deS UnterrcalgymnasiumS in ULHorod unternahmen mit drei Professoren am 24. Mai einen Ausflug auf den Pliska-Bcrg bei Pereöin. Auf dem Rückweg verirrt« sich di« Ausflugs- exkursion in den Wäldern und mußt« in Petrovce, etwa acht Kilometer von ULHorod entfernt, über- nach:en. Als di« Kinder bis spät abends nicht heimkehrten, bemächtigte sich der Eltern eine Panik. Es wurden di« Sichcrheitsbehörden verständigt, die vergeblich nach Sen Kindern forschten. Erst morgens, als die Kinder zurückkehrten, hellte sich die Verspätung zur Beruhigung der erschreck- len Eltern auf. Das Vermögen eines Generals. Berlin, 26. Mai. Die Wohnung des bekannten Heerführers aus dem Weltkriege, General v. L i n s: n g e n wurde gestern nachmittag von einer Diebsbande heinigesucht, der cs gelang, Werte in Hhe von 80 bis 100.000 Mark zu erbeuten. Die Wohnung war in der Zeit von 17 bis 18 Uhr ohne Aussicht, so daß die Diebe genug Zeit fanden, gründliche Arbeit zu leisten. U. a. fanden die Diebe eine Perlenkette mit 09 Perlen, die allein einen Wert von cca. 15.000 Mark hat.(Wie man sieht, geht eS gewissen deutschen Pensionären sehr gut. D. Red.). Die Seib'Werke brennen. Berlin, 26. Mai. In dem Bcrlin-Zchlcn- oorfer Werk der Zeiß-Ikon G. A., Aktiengesellschaft, brach heute früh ein Brand aus, der rasch einen beträchtlichen Umfang annahm, so daß zu seiner Niederkämpfung sechs Züge der Berliner Feuerwehr eingesetzt werden mußten, die aus 16 großkalibrigen Strahlrohren ungeheure Wassermengen in die Flammen gaben. Die Expcdi- tionshalle, ein eingeschoßigcr Bau in einer Ausdehnung von 25 mal 110 Nietern, in der sich auch das Materiallager befand, wurde fast vollständig ein Raub der Flammen. Erst nach über zweistündiger angestrengtester Tätigkeit der Wehr konnte das Feuer eingekreist werde»». Ein Feuerwehrmann hat Brandwunden erlitten. Varis-London in 78 Minuten. Lr Bourget, 26. Mai.(Havass. Ter bekannte Flieger L a u l h e steuerte gestern ein neues Dreimotoren-Flugzeug der Transportgesellschaft Airunion auS London nach Paris und legte die 370 Kilometer lange Strecke in einer Stunde und 16 Minuten zurück, was einer Durchschnitls- geschwindigkcit von 209 Kilometern in der Stunde gleichkommt. An Bord deS Großflugzeuges befanden sich sechs Reisende. Tunnelelnsturz. Zwei Arbeiter getötet. Rom, 26. Mai. Im hydroelektrischen Arsenal am Flusse Calorc Irpino unweit von Montelli in Süditalien stürzte ein Teil eines Tunnels ein. .Bon den dorr bescb fügten Arbeitern wurden ^jwei getötet und drei ernstlich verletzt. Reh von Trug und Intrigen verhindert, daß Recht auch Recht werde. AIS einziger Erfolg kann schließlich gebucht werden, daß SaS Todesurteil gegen Monney und Billings schließlich in lebenslänglichen Kerker verwandelt wird. Fast siebzehn Jahre schmachten die beiden Sozialisten im Kerker. In dieser Zeit hat ein Zeuge nach dem anderen das Geständnis abgelegt, daß die Aussagen, auf Grund deren Mooney und Billings verurteilt wurden, falsch und nichtig waren. Aber der Oberste Gerichtshof lehnte bisher hartnäckig alle Anträge uni Wiederaufnahme des Prozesses ab. Mooney sst unschuldig! Erst jetzt ist es gelungen, den Fall Mooncy nochmals vor dem Gericht m San Franzisko aufzurollen. Das Gericht beschäftigte sich nur mit der Anklage auf Tötung eines der zehn Opfer jenes BombenatlcntatS. In diesem Falle wurde Mooney freigesprochen. Das bedeutet, daß er auch in allen anderen Fällen unschuldig ist. Mooney hat nunmehr ein neues Gnadengesuch eingereicht und hofft, auf Gruud des frcigcsprochcnen Ur- teils auch in den anderen Fällen einen Freispruch zu erwirken. So ist zu hoffen, daß dieses Unglück- liche Opfer der schändlichsten Klassenjustiz bald der Freiheit wicdcrgegeben wird. Allerdings— die Schmach des amerikanischen Rechtssystems ist damit wahrhaftig nicht getilgt. Kirchweih mit Totschlag. Donnerstag war in der Gemeinde Chudlovo im Bezirk« ULHorod Kirchweih. Bei der Tanzunterhaltung am Abend gerieten der 39jährige Johann Maruchaniö und der 24jähriqe Johann Petrus in einen Streit, der in ein« Rauferei überging. Schließlich ergriff Petruj die Flucht, wurde aber von seinem Gegner eingeholt und d»trch zwei Axthicbe in den Kopf niedergeschlagen. Er war auf der Stelle tot. Der Täter wurde von den Leuten entwaffnet und der Gendarmerie übergeben. Ein Autobus stürzt ab. In der Gemeinde Posada bei Sinaia(Rumänien) stürzte am Freitag früh ein Autobus in eine Schlucht. Don den im Autobus fahrenden Personen wurden 5 auf der Stelle getötet und 30 verletzt. Funde au- der Steinzeit. AuS Rom wird uns geschrieben: Die in der Umgebung der Orte Dico und Peschiei seit Jahren arbeitenden Paläontologen Prof. Pellini aus Rom und Frau Else Baumgart«! haben eine große Grotte auS der Steinzeit entdeckt, in deren Innern sie fünf Meter unter dem Grotteniveau eine außerordentliche pittoreske kleinere Grabgrotte entdeckten. Darin befanden sich Skelette, Bronze-, Stein- und Metallgegenstände aus prähistorischer Zeit. Außerdem wurden in der Nähe von Peschiei und Bieste zwei ganze prähistorische Dörfer aufgefnn- den. Dort befanden sich weitere Höhlen, die mit Gegenständen des Hausgebrauches vollgefüllt ivaren, di« auf di« Beziehungen der Bevölkerung Apuliens zum alten Griechenland hindcuten. Dom Stierkamps zum Massenmord. Im Orte Zarga de Granadilla in der Provinz Caceres fanden Stierkämpfe statt. Da jedoch die Ab- Haltung derselben durch eine Regierungsverordnung verboten ist, wollte die Polizei gemeinsam mit der Bürgergarde einschreiten und die Stierkämpfe verhindern. Die erboste Menge warf sich jcdoch auf die Polizei und Bürgergardr; cs entstand ein.Handgemenge, wobei ein Offizier der Bürgergarde tödlich verwundet wurde. Daraufhin macht« die Garde von der Schußwaffe Gebrauch. Drei Personen wurden erschossen, vier schwer verletzt. AutobuSunglück. Auf der.Herner Straße bei Recklinghausen stieß in der Nacht zum Freitag eine Kraftdroschke auf einen mit 29 Personen besetzten Wagen. Dieser stürzte um. Acht Personen wurden verletzt, davon vier lebensgefährlich. Flugzeugabsturz. Bei Sevilla brach wäh- rend dcS Fluges einem Flugzeug ein Flügel, so daß der Apparat zu Boden stürzte. Der Pilot fand den Tod. Der Beobachter wollte sich durch Fallschirmabsprung retten, doch öffnete sich der Fallschirm nicht, so daß auch er kurz nach dem 'Absturz den Tod fand. Aus Bern wird uns geschrieben: Tas Schweizer Volk wird Sonntag, den 28. Mai, über ein BundeSgeietz betreffens vor- übcrgeyende Herabsetzung der Besoldungen, Gehälter und Lohne der im Dienste deS Bundes stehenden Personen(BeamtenbesoldungSgcletz) an der Urne zu entscheiden haben. Das gegenwärtig geltende Gesetz über die Festsetzung der Löhne dcS schweizerischen Staatspersonals(nicht der Kantone) stammt aus dem Jahre 1927. Seither sind die Lebenshaltungskosten nach den anitlichen Indices ziemlich zurück- gegangen, während auf der anderen Seit« di« Staatsausgaben infolge der notwendig gewordenen Krisenmaßnahmen und der geringen Ein- nahmen der staatlichen Betriebe, Eisenbahnen usw. ständig größer geworden sind. Das neue vom Nationalrat und vom Ständerat ausgestellt« Gesetz bestimmt nun im wesen lichen, daß die Besoldung vorübergehend um 7.5 Prozent herabgesetzt wer- tzitler kostet 10 Schilling. Dor dem Bezirksgericht von Mary-Lebone in London mußten sich drei Angeklagte— ihre Namen sind: Gerald Brandley, Don Irving und Hugo Slater— verantworten, die kürzlich in Madame TussaudS Wachsfiguren Kabinett das WachSmodell Hitler- rot angestrichen hatten. Alle drei bchauptcien, ihre Tat aus politischer Uebcrzcuguug begangen zu haben. Der Richter konnte daraufhin ein kleines Lächeln nicht unterdrücken. Cf verurteilte jeden der Angeklagten zur gesetzlichen Mindeststrafe: nämlich— zu 10 Schilling. Im Kino. Ein Kölner Lichtspielhaus! ES wird dunkel. Zu Beginn ertönt das Horst-Wcssel- Licd. Borne ruft«ine Frau:„Hört doch mal endlich auf mit diesem Lied, das wächst einem ja zum.Half« raus!" Sekundenlang Grabesstille! Dann bricht tosender Beifall los! Auch ein Symptom! Di« Akademie für international«- Recht lm Haag veranstalt«! heuer im Juli und August den elften Ferienkursu», gewidmet den Fragen deS internationalen öffentliche» und PrwatrechteS. Der Unterricht, der in französischer Sprache erfolg!, sst jedem zugänglich, dir sich in dem Sikretariat de: Akademie anmeldet. Für den Besuch der Dorträg« und Semiiiaricn sowie für di« Benützung der Bibliothek der Akademie ist k«!nerl«i Gebühr zu zahlen. Für Ausländer wurden zehn S t i p e nd i c n in d«r Höhe von 360 holländischen Gulden ausgeschrieben. Sämtlich« Informationen erteilt das„Sccrötariat du Conseil d'Adninsstrotion de l'Acadsmie", Polais de la Pa ix, a la Hav«. Bllige Rückfahrkarten. DaS Essenbahnministo- rium hat die Gültigkeit der ermäßigten Sonic, und IeiertagSrückfahrkarten in den Monaten Mai, Juni und Juli 1933 wi« folgt verlängert:&) Für die Hinfahrt: 1. vom 2t. bis 28. Moi, 2. vom 3. bi. 5. Juni, 3 vom 14. bis 18. Juni, 4. vom 28 Juni bis v. Juli 1933.— b) Für di e Rückfahrt: 1 vom 24. bis 29. Mai, 2. vom 3. bis 7. Juni, 3. vom 14. bi» 19. Juw, 4. vom 28. Juni bi» 10. Juli 1933.— Am 29. Mai, 7. und 19. Juni fowi« am 10. Juli 1933 muß di« Rückfahrt bi» spätesten» 12 Uhr mittags angetreten werden.— An den übrige» Sonntagen in-den angeführten Monaten bleibt d'e Gültigkeit der«rmäßigten Sonn- und FeiertagS- rückfahrkartcn unverändert. Prager Wetterübersicht. Die allgeniein« Wetterlage ist ungünstig, da an der Rückseite der Baltischen Depression der Zustrom kühler Luft au» höheren Breiten andau«rn dürfte. SamStag, den 27. Juni: Vorwiegend bis wechselnd bewölkt, stellenweise Regen, mäßig kühl, Nortevesdwind. Freiwilliger Arbeitsdienst in Oesterreich. Wie die„Neue Freie Presse" meldet, haben sich unmittelbar»ach Beginn der Werbeaktion für den Freiwilligen ArbeitSdieisst über 10.000 junge Leut« angemeldet. Im überwiegenden Teil handelt«S sich um jung« Männer zwischen dem 17. und dem Ä. Lebensjahr«. In rerhältntSmähig geringerem Ausmaß haben sich auch Frauen angcmcldet. Die bisher ausgearbeiteten Plan« zeigen, daß vorderhand über 5000 Leute angestellt werden können, nnd zwar bei Wasserbauten, Straßenbauten, Meliorationen und Stadtrandsiedelungen. E» wurden bereits in Niederösterreich, im Burgenlairde, in Steiermark, in Tirol und in Vorarlberg mehrere Lager errichtet; demnächst sollen auch in Oberösterreich, in Salzburg und Kärnten größere Lager errichtet werden. SMers Nachtwachter. Reichskanzler Hitler hat in seiner Reichstagsrede erklärt, mit dem gleichen Rechte wie die SA und SS könnten auch die Wach- und Schließgesellschaften als wehrfähige Organisationen angesehen werden. Wie unser Berfiner ULK-Berichterstatter drahtlos meldet, hat diese Bemerkung in einem SA-Heim folgendes Zwiegespräch auSgelöst: SA-Mann P a ch u l k e: Wat sagst» nu, wie unS Adolf» vor der janzen Welt uffn Arm nimmt? Uff eemal solln wir nischt besseres mehr sin wie'n paar lnmpichte Nachtwächter? SA-Mann S t i l p e: Ja weeste, det iS nu Politik. Det hat ehnit so seine inncrn Jründe. SA-Mann P a ch n l k e: Na, ick bin jedenfalls in meine innersten Gefühle jetroffn. Ick trarje det braune Ehrenkleid, bin sozusachn Retter der Nation... SA-Mann S t i l p e: Retter iS ja nu Adolf». Dn bist hcechftcnS'n Sticksken Retter. SA-Mann P a ch u l k e: Na scheen, aber jedenfalls bin ick doch kcen Nachtwächter. Und det sarje ick dir: Wenn er mir nochmal so beleidigt, denn bau Ick ab. den. Dabei sollen Ortszuschläg« und Kinderzulagen nicht reduziert werden und der Prozentsatz der.Hcrabfetzung für Fainilien mit mehr alS zwei Kindern soll geringer sein. Don der Regie- rung wurde berechnet, daß die Herabsetzung durchschnittlich 5 Prozent auSmachen würde. Gegen das Gesetz ist von den Sozialisten und K o m m u n i st e n und von einer Reih« von Beamtenorganisationen das Referendum eingelenet worden. Wenn 30.000 stimmfähige Bürger eS verlangen, muß«in Gesetz dem Bo>k« zur Abstimmung vorgelcgt werden. Diese erfolgt am SamStag und Sonntag, den 27. und 28. Mau Eine Dcutmaßung über den AuSgang der Volksbefragung anzustellen, ist schwierig. Es werden sowohl von d«n Befürwortern wie von den Gegnern d«r Vorlage große Anstrelkgungen gemacht und eine gewaltige Abstiinmungspropa- ganda entfaltet, so daß mit einer starken Stimmbeteiligung zu rechnen ist. Die Zahl der Stimmbeteiligten beträgt rund 1,125.000. Ar Mthmftt ka fiMeMtung. Entlohnung des Gemeindevorstehers «nd Beistellnng der-ttfskrafte. Frage: Hat der Gemeindevorsteher Anspruch auf Entschädigung für sein« Arbeiten im Interesse der Gemeinde oder muß er alle notwendigen Schreibarbeiten, Borengänge usw. ohne Entgelt besorgen? Antwort: 1. Nach der geltenden Gemeinde- ordnung für Böhmen vom 16. April 1864, ß 26, seht die Gemeindevertretung fast, ob und welch« Vergütung der Gemeindevorsteher währeich feiner Funk- tionrdauer aus Gemeindemitteln zu erhalten hat. Auf all« Fäll« gckbührt ihm mW allen Gemeindevertretern der Ersatz für die mit der GeschäftSfüh- r>'.ug verbundenen Auslagen. Da» Recht der Ge- nkeiiidcvertreluug, die Vergütung zu bestimmen, besteht nur hirsslchtlich d«S Gemeindevorstehers, nicht aber hinsichtlich der Gemeiicherät« und Gemeindevertreter. Auch die Entscheidungen de» Obersten Verwaltung SgerichteS vom 16. Mai 1878, Zahl 793, Budtv. Nr. L6S, und vom 30. Noventber 1888, Zahl 3687, Budw. 4376, lauten dahin, daß den Genieinde- raten wohl der Ersatz der mit der Geschäftsführung vorhandenen wirklichen baren Auslagen, nicht ab«' ein« fixe JahrcSremuneration gebührt. 2. Der 8 32 der Gemeindeordnung bestimmt, daß di« Gemeindevertretung dem Gemeindcvorstandc zur Besorgung der ihnr im selbständigen und ini über- tragenen Wirkungskreise obliegenden Geschält« das dem Bedarf entsprechend« Personal beizilgäbcn hat. Di« Gemeindevertretung beschließt auch bei Bestellung von Beamten und sonstigen Bediensteten über deren Bezüge, di« Art der Ernenmurg und die Ru-He- nnd Bev'orgungSgenüsse derselben. ES ist also der Gemeindevorsteher nicht dazu verpflichtet, Botengänge selbst zu besorgen, die not- wendigen schriftlichen Arbeiten ohne Entschädigung zu leisten oder da» Lokal sowie Beheizung und Beleuchtung desselben, auS eigenen Mitteln beizujtellen. Für di« Bergüwng derartiger Auslagen besteht zweifellos ein rechtlicher Anspruch und zur Beislel- lung der zur Bvsorgnng der Amtsgeschäft« nolwendi- gen Hilfskräfte ist d'e Gemeindevertretung verpflichtet. Di« notwendigen BcdeckungSbeträg« sind im ordentlichen Teil des GemetndeyoranschlageS vorzusehen. Im Falle der Ablehnung berechtigter Ansprüche des Gemeindevorstehers durch di« Gemeinde- Vertretung kann d'« Berufung an die BezirkSl-ek-ärde erhoben werden.—zl. nnwlminiinnnitiiniiinniiiniininimmninniininniiintitniiiininiiiiiiiiiim!iniiiiuiiiiiiii:unui SA-Mann Stilpe: Ick denke»ich dran abzuhauen. Nachtwächter iSn jan; schcencr Posten. Wird jarnich so übel bczahft. SA-Mann P a ch u l k e: und wo bleibt der ideale Lohn? SA-Mann Stilpe: Na, wenn ftft det Denkmal der Arbect uffjestellt wird, denn kannste ja deine Statute inhaun lassen. SA-Mann P a ch u l k e: Nu paß aber mal uff, wie i ck d i r eene inhau Und schon ist die schönste Keilerei in» Gange! Heiteres. „Gleichschaltung." Au« Berlin wird gemeldet: TaS Flotlenkommando, da- bisher dem Mariueamt d«S ReichSivchrministeriumS unterstellt war, soll nun direkt dem Reichskanzler unterstellt werden. Besonder« Tatkraft will er der Reederei nn>> Mit Geschwader zuwenden. Vom Rundfunk Natiouaidemo'raten und A«?rar er gegen den Ausbau der deutschen Sendungen. Tie Nationaldemokraten führen teil einigen Tagen ein« wüste Kampagne gegen jeden Versuch, den tschechoslowakischen Rundfunk enüprccl)«»- den Bedürfnissen der deutsck-en Hörer auszugeftalten. Ein« Abordnung nationaldemokrati'chcr Paria, mentarier sprach beim Postministcr Tr. Franke vor, um gegen dies« Absichten Protest cinzulegen, Di« nationaldemokraüschrn Blätter berichten dar. über, daß Dr. F r a n k e erklär e, weder an die Errichtung eines deutschen Senders noch au ocn Ausbau der deutsckien Vorträge oder die allgemeine Einfühnlng deutscher Ansagen zu denken. Tas Er. gebnis dieser Unterredung— deren Vcr'ai-f bisher nur von na t i o n a lde in v k ra l her Seite geschildert wurde— scheint aber«*<(•••» nügen, denn die Boulevardprcssc keyt ihre Angriise in der heftigsten Weise for:. Sir beruji sieh dabei auf deutsche bürgerliche Provinzzertüngen, welche für den reichSoeutschen gleichgcschaltetcn Rundfunk einactretcn sind und leite» daraus ab, daß die deutschen Hörer gar kein Interesse au inländischen Sendungen in ihrer Sprache hätten. De» Naüonaldcmokrate» und L'.aisten ichlic. ßcn sich jetzt auch die tschechischen Agrarier an, wclck)« damit dem deutschen agrarischen Mi. nister Spina, der in seiner Rundfunkrede unlängst di« Gelegenheit wahrgenommen hat, über den deutschen Rundfunk öffentlich zu sprechen, in den Rücken fallen. Empfehlenswerter aus den Programmen. Sonntag: Prag: 6.30 Gymnastik. 11.00 Konzert. 18.00 Deutsch« Sendung: Schleißner: Vorschau aus ba» Musikprogramm. 20.00„Schöne-Helen:". Lper von Offenbach.— Brünn: 9.15 Lieber. 16.00 Musik und Lieder vor 80 Jahren. 17.30 Harmonitavol- träge. 18.00 Deutsch« Sendung: Gesänge alter und neuer Mefster.— München: 18.45 BlaSnuisik. — Berlin: 15.30 Mandolinenorchesterkonzeri- Hamburg: 17.45 Festkonzert,— Königsberg: 18.4-7 Bläser-Kammermusik.— Breslau: 19.00 Lieder.-- Men: 10,30 Volkstümliches Konzert. 16.20 Kammer musik. 19.00 Lieder und Arien. Nr. 124 SamRag, 27. Mal 1988 9 vtU wiesen ihm dann traurig di« Tür. Sie wollten sich nicht vor-en Nachbarn schämen. Er hätte ihre Hilfe ohnehin■ nicht mehr gebraucht, denn die vorsorgcick>e Ärubenvcrwaltung hatte schon ein Gerätebau» als kasernenmäßig« Unterkunft für die so schnell zusammengcworbcne neu« Ab- teilung-er Hitlrrarmee eingerichtet. Vinzenz siedelte dahin über mit seinen nunmehrigen Kameraden. Sie wurden dem Kommando zweier von auswärts zugezogc>i«r Hitlerkorporäl« unterstellt, die ihnen uniformen verpaßten und in zweiwöchigem Exerzierdienst auf dem Grubenhofe„Meirichen" au- ihnen machten. So behaupteten die beiden besternten Gelbfacken. Ms Vinzenz Lobek sein« Ausbildung zum ^Menschen" nach Hitlersche« Grundsätzen hinter sich hatte, als er hauen, schießen und Meirichen auch noch auf ander« Art vom Leben zum Tode bringen konnte, kam di« feierliche und endgültige Einreihung in di« Hitlerarmee. Der Gruppenführer bedeutete Vinzenz, er habe e» al- besondere Auszeichnung zu betrachten, wenn er nun« mehr in das Komniando z. b. D. eingereiht werde, in die Gruppe zu besonderer Verwendung. Die ;«i dazu bestimmt, di« große Kohlenhalde vor den stetigen frechen Diebstählen zu schützen. Natürlich nicht durch schlappe Worte, sondern mit Revolver und Karabiner. In der Zeitigen Dämmerung de» Winterabends stand Vinzenz Posten an der Schmalseite der Kohlenhalde. andere Posten in Rufweit« wissend. Der Karabiner, entsichert schußbereit, lag lässig von der Schulter her in der Rechten, am Koppel bauscht« di« Revolvertasche neben dem Gummiknüppel. Vinzenz genoß mit körperlichem Wohlbehagen da» Gefühl der Kraft, da» ihn bewegt«. Die Hitlerküch« goß freilich and«« Kraft in di« Knochen, al» di« mageren Suppen der Arbeitslosigkeit. Und vollend» im Besitz der Waffen brauchte man keinen Gegner zu scheuen. Keinen Gegner! Auch den schwarzen Schatten nicht, der da eben vom W«rkbahnalei» herüber an den Kahlenberg gehuscht war. Natürlich um zu stehlen! Wie aber lautet der Befehl, den er erhalten hat? Gegen Diebe keine schlappen Worte, sondern ohne Anruf, schießen! Dafür ist er eben HItlrrsoldat z. b. D. Vinzenz konnte den Schatten nicht mehr •moNhiI(BMeflMNrn» ö" iftatnrM>fiiwtiint 1. O**V«ewerk-chaft-verlauuntm»^ tWf Beaollraschaft-versammluni. (Mf WLHlerversammliM» rtff strauerwersammlun», <•» ookitische« Versammlung WW versammlmia»der Vitzu»«,.«r»r, proletaritaeo VraannatLu MI3* m H» WMMMA MtmM tntenswtt» Werbearbeit ietstee TextttWe. Die TerUlindustrie seit Mal 1938.- Aus dem Material der gewerbliche» Belrlebsziihlung. 86.14V Beschäftigte au»(davon in Böhmen 23.884). Die Seidenwebereien hatten 17.366 Be- fchäftigte, wobei der mährisch-schlcsische Anteil mit 10.079 gegenüber dem böhmischen mit 7386 überwiegt, von größeren Zweigen der Textilindustrie ivären noch zu nennen, die Zwirnereien und' Leinenwebercien, di« je über 10.000 tätige Personen answrisen. Di« anderen Branchen weisen schwächere Belegschaften auf. Wie aeaeuUber diese« Stand vo« 1980 die heutige Situation beschaffen ist, welch« Verheerungen di« Krise angerichtet hat, da» wird in voller Klarheit erst durch künftige Statistiken zu criveisrn sein. Immerhin können wir un» schon heute rin annähernd zutreffende» Bild machen, wenn wir die Entwicklung des äußeren und inneren Absätze- berücksichtigen. Ti« statistischen Ziffern sagen un», daß der Export bereit» in der ersten Hälfte 1882 um 66.9 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der Konjunkturjayre 1927—29 gesunken ist. Auch soweit dir Textilindustrie nicht vom Export ad- hängig ist(und da» ist sie zum größeren Teil), sind di« Verhältnisse nicht weniger triste; denn auch d«r Inlandsabsatz schrumpft durch di« fortschreitend« Vernichtung der Kaufkraft immer mehr, die wieder eine Folge der selbstmörderischen Lohnabbautendenzrn der kurzsichtigen Unternehmertum- ist. Bon der gleichzeitigen Schrumpfung de» Beschäftigungsgrade» gibt am besten di« folgende Aufstellung einen Begriff, welche di« 857 Betriebe umfaßt, di« zum Orga- nisation-netz der Union der T r x t i l a r b«i- t« r gehören lind di« man sicherlich al» verläßlichen Maßstab für die allgemein« Litnation gelten lassen kann. 1030 waren in diesen Betrieben 187.000 voll beschäftigt« Personen, End« 1981 nur 127.223 Beschäftigter, von denen 89.223 weniger al» 48 Stunden pro Woche arbeiteten. Ende 1932 nur 98.900 Beschäftigter, von denen 50 Prozent Kurzarbeiter sind.(Di« lrtzte Ziffer beruht auf gewissenhafter Schätzung.) Die Zukunft wird einmal darüber zu urteilen haben, wieviel von dem gegenwärtigen Unheil höherer Gewalt und wieviel der Blindheit de» Unternehmertum» zuzuschreiben ist. Die Berichte der Gewerbeinspektoren beweisen, Ivie stark noch heute bei den Unbelehrbaren die Tendenz ist, imm«r neue Arbeitskräfte ganz oder teilweise sreizusetzen. d. h. immer weitere Konsumentenkreise in ihrer Kaufkraft immer noch mehr zu schwächen. Bemerkenswert ist, daß die ganz kleinen Betriebe zum Teil eine unerwartet« Widerstandskraft beweisen. ES ist allerdings die Frage, ob diese Erscheinungen zu verallgemeinern sind. Die Zahl der Kleinbetriebe(d. h. solche, die weniger als 18 Personen beschäftigen) betrug 1930 im ganzen Staatsbetrieb 37.072, in welchen 61.695 Personen tätig waren. Di« Mehrzahl davon sind ausgesprochene Zwergbetriebe (1—5 Personen), deren ci 35.777 mit 49.032 Beschäftigten gab. Dr. Bg. Die Abstinenten > 1» der Arbeiterbewegung. So hoch man— und mit Recht— die bi*« ' hcrigen Leistungen de» Arbeiter-Abstinentenbun« de» einzuschätzen geneigt sei« mag, muß man s doch begreifen, daß, wa» an Aufgaben nun vor , nn» liegt, unvergleichlich größer nnd wichtiger ( ist, schwieriger und ernster. Ein« Spezialorganisation dr» Proletariat», muß und will der Bund sich den vor der Arbeiterklasse stehenden Notwen- digk«!te» anpassen. In einer gcschichtSphiloso- vhisch außerordentlich interessanten Zeit, tn der ’ die Machthaber von gestern die siegreich vordrin- ' gcnde Arbeiterklasse au» den von ihr erkämpften \ Stellungen in Politik, Wirtschaft und Kultur zu , verdrängen sich anschickcn; in einer Zeit, die angefüllt und gekennzeichnet ist von großen, neuen wirtschaftlichen Tatsachen, die sich natürlich auch t gesellschaftlich auswirken und um politischen AuS- ■ druck ringen—«» handelt sich um die Kris« der \ Wirtschaft de» ganzen kapitalistischen Kultnrkni- sei—,. ist di« Arbeiterklasse in die Verteidigung > gedrängt. Denn die bürgerlich« Welt sieht klarer und schärfer al» wir, wie notwendig für sie und wie höchst zeitgemäß di« wütende Abwehr de» , Marxismus ist, da da» rastlose Versagen de» ' Kapitalismus immer weiteren Kreisen sichtbar ; und die Entwicklung zum Sozialismus immer stürmischer wird. So ist di« Arbeiterklasse heute ' einem ungeheuren kapitalistischen Generalaiigriff . ausgesetzt. Sie wird ihn bestehen; sie wird ihn bestehen . dank ihrer Geschlossenheit, Entschlossenheit und ihrer Zielklarheit. Aber di« Abwehr wird nicht , leicht sein. An ihr haben auch di« Abstinenten , ein« groß« Roll« zu spielen, vor allem al» Beispiele, al» Verkörperung der Tatsache, daß man für eine groß«, schöne Sache begeistert sein kann ohne alkoholisch« Nachhilfe. Und gerade in Zeiten so schwerer Kämpf« muß die Arbeiterklasse oeaei- stcrt sein, muß sie Begeisterung mit höchster Nüchternheit und verständnisinniger Klarheit dr« Blicke- in sich vereinigen zu der schöpferischen Energie, die da» Große, die wirkliche Befreiung, schaffen soll. Abstinenten, bleibt euck bewußt, daß ihr die Hüter, Wecker und Mehrer der proletarischen Begeisterung und Kampfe-fveude zu sein habet. So lasset un- dem Proletariat dienen! An diesem Geilt lasset uns vor allem dir proletarische Jugend um die Kampfeszeichen, um die proletarischen Banner sammeln! Aber auch die Alten, vor allem die, die in immer böser« wirtschaftliche Nöten und Kämpfe verstrickt werden, müssen von uns beachtet tvrrden. Di« Struktur unsere» Wirtschaftsleben- ist von der Krise arg hergeikommen. Die Wirtschaft ist atomisiert; di« großen Belegschaften, di« sozusagen eine automatische, gegenseitige, moralisch« Kontrolle ermöglicht««, schwinden, sind verschwunden. Der Zivergbetrieb ist die augenblicklich vorherrschende Betrieb-forni. Da- könnte den proletarischen Kampf verhängnisvoll erschweren und komplizieren, wenn da nicht ebenfalls die höchst« Nüchternheit gepflegt würde. Lasset uns also auch im Rahmen der Gewerkschaften um Verbreitung unsere» Gedankens un» kümmern. Heute wird jedermann verstehen, daß Abstinenz schon lange keine Schrulle einzelner Phantasten, sondern«ine Pflicht des Proletariat-, eine Pflicht der Selbsterhaltung, ein Dienst an der Aroeitersache ist, ein Dienst auch für den gewerkschaftlichen Kampf. Braust rings der Kampf, proletarische Abstinente», mit an die Front al- Kämpfer, ak» Muster, al- Mahner. Auch wir werde«, auch wir wollen der Arbeiterklasse unsere» Lande», der Sache unsere» Volke», dem Wohle unsere» Lande» dienen. Viktor Stein. Die zum 27. Mai 1980 als Stichtag vorgenommene„Gewerbliche Betriebs- ; ählnn g", deren Material nach erfowter Verarbeitung durch da» Statistische Staat»« a m t der Oeffentlichkeit nun zum große» Teil zugänglich ist, erweckt um so größere» Interesse, al» der Zeitpunkt der statistischen Erhebung«in Bild der Wirtschaft vor dem Einbruch der Igroßen Krise bietet und somit Vergleichs- Möglichkeiten mit den späteren Zuständen schasst. Zu dem Zeitpunkt der Zählung ivar di« Zeit der Konjunktur zwar vorbei, aber der Produktion»- apparat doch im ganzen noch intakt und der Beschäftigungsgrad noch ziemlich normal. Da» Statistische Amt hat in seinen„A u ße r- ordentlichen Mitteilungen" die Daten über dreizehn Jndustriegrupprn vorgelegt, von denen besonder» die statistischen Ziffern jener zwei Industrien interessieren, die ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung nach weitau» an der Spitze unserer industriellen Produktion stehen, nämlich der Textil- und der Metallindustrie. Repräsentier«« sie doch zusammen(per 27. Mai 1930) eine Armee von 563.126 arbeitender Mensch«« und sind durch di« Kris« besonder» schwer betroffen. Namentlich die Textilindustrie ist bekanntlich auf» schwerste heimgcsucht worden. Wenn wir den Stand vom Mat 1080 al» normal gelten lassen, so«rgibt sich folgende» Bild von der Struktur unserer Textilindustrie zu diesem Zeitpunkt. Di« Industrie beschäftigte im ganzen Staatsgebiet 296.675 Person«« in 1686 Betrieben mit 3526 technisch«» Einheiten.(Die„technische Einheit" bedeutet eine technisch selbständige Anlage, die aber häufig al»„Teilbetrieb" zu einem einheitlich geleiteten Großbetrieb gehört; z. B. kann ein Betrieb au» einer Spinnerei, einer Weberei und einer Färberei zusammengesetzt- sein. Dies« sind dann Teilbetriebe, technisch« Eiicheiten.) Von den 23 Zweigen, in welche die Statistik di« Grupp« Textil zerlegt, steht di« Baum« wollverarbeitung an erster Stell«. Die Spinnereien beschäftigen zum Stichtag: im ganzen Staatsgebiet 34.593 Personen in 148 Betrieben, davon in Böhmen 30.251 Personen in 131 Betrieben. Die Weberei«« beschäftigen: im Staatsgebiet 68.882 Personen in 507 Betrieben, davon in Böhmen 58.410 Personen in 426 Betrieben. Insgesamt: 108.475 Personen in der Baumwollindustrie, wobei der«» Schwergewicht in Böhm«« liegt. Höher ist der Anteil Mähre n-S ch l e s i e n» in oer wollverarbeitung, bei welcher insgesamt 40.285 Personen tätig waren, wovon auf Mähren-Schlesien 14.828 entfall««, gegenüber 22.958 in Böhmen.(Der Rest ist dcr Slowakei zuzurechnen, die aber den historischen Ländern gegenüber nicht in die Wagschal« fallt.) In der wirk- und Strickwarenerzeugung arbeiteten insgesamt 25.770 Personen(davon in Böhmen 19.895). Tie VeredelungSindustri« weist für den Stichtag So lebte Vinz«»H schlecht und recht bis in den Januar, als die groß« Kält« einzrtzte und die arbeitslosen Bergleute mit ihren Familien grimmig froren. Da wurde er«ine» Tage» mit etwa fünfzig anderen jungen Männern seines Alters nach dem Verwaltungsgebäude de» „GotteS-Segen-SchachteS" gerufen. Ter dickste der Direktor«» empfing sie dort, mit einer Freundlichkeit, die noch nie ei» Kumpel an ihm bemerkt hatt«. Leutselig fragt« er di« jungen Männer, ob sie sich als ArbettSloie i
m Zwickauer Revier so viele Jungen» werden, denen schon vo» Kindesbeinen an da» Gebimmel der Schicht- glockc den Tageslaus regelt. Aber gerade, al» dem Burschen die Kräfte zu wachien begannen, io uni -i« Zwanzig herum, al» er in di« höher« Lohnklasse hätte einrücken müssen»»nd er etwa» zu verdienen gedacht«, da konnte man ihn auf dem Zwickauer Gluckaus-Schachte nicht mehr ge- brauchen. Mit dreihundert andern Kumpel» slog er auf die Straß«, auf der für einen Arbeitslosen nichts anderes blüht al» eine magere Unterstützung, di« zum Sterben zu viel, aber für das Leben zu wenig ist. Zwei Jahre lang führt« Vinzenz da» langweilige Leben des Erwerbslosen. Anfänglich nahm er e»"on der leichten Seit« und freute sich der freien Zeit im Sonnenschein. Er v«rtrieb sich den Tag mit Fußballspiel und Radiobasteln. Aber da» kriegt ein gesunder junger Mensch bal- satt, zumal wenn die ohnehin karge Unterstützung immer wieder herabgesetzt wird. Trostlos wurde et daheim, al» auch noch sein Vater nicht wieder einfahr«» durste, obwohl er sein ganze» Leben im Dienste der Glückmif-Aktienaesellschast gestanden halt«. Wie er in dreißig ArbettSjahren nie gegen die Bevgherren gemuckt hatte, nahm der Vater auch den letzten Schlag ohne Murren hin unsuchte einzig Trost bei den vielen religiösen Sek- len, di« im Zwickauer Bezirk seit den: wirtschast- lichen Nicdcvgange wie di« Pilze nach einem warmen Reg«" wuchern. Er versuchte, auch seinen Sohn Vinzenz für die Wiedertäuscrgemeinde zu gewinne», ober der fand keinen Gesallen an dem Gcgrein und Gewein, weil er sich sagte, daß die verschiedenen Götter der verschiedenen Setten Ihm auch ohne Mitgliedschaft hätten Helsen müssen. fall» st« überhaupt Gotter waren. Nach zwei Jahren der Arbeitslosigkeit stand bem Vliizenj da» Hungern und Beten daheini bi» obenan. Cr sagte sich, daß ihm da» Nichtsatttver- den woander» genau so gut oder so schlecht bekommen werde wi« in der Heimat, wobei er als Zugabe noch die Möglichkeit sah, eine Arbeit z» bekommen. Bei der gesaniten Freundschaft und Verwandtschaft kratzte er zusammen, wa» an mildtätigen Gaben zu erreichen war» und al» er überzählte, langte c» zur billigsten und langsamst«» Fahrt in den großen rheinlsch-westlälilchen Aohlenpott. Mit der Hoffnung, daß es ihm dort nicht schlimmer gehen könne al» daheim, dampfte tt ab. Vinzenz hatte Glück. Der große Hamborner Schacht„Gotte» Segen" ivar dabei, den Befehl de» Aufsicht-rat«» durchzusühren, wonach der Abbau zu vevdovpeln war. Man warfingS nicht aus innerem H.rzenS- bodürfnis, sondern angetrieben von dem gran- kamen Akkordsystem, da» im Ruhrkohlenpott ausgebildet ist wi« nirgendwo anders. Und in diesem Jahre erlebte Vinzenz em merkwürdiges Schauspiel. Jeden Tag, so oft er au»-er Schicht kam, sah er den Kohlenberg vor der Grube u>n ei« Stück gewachsen. Die Grube konnte näml ch die geförderte Kohle nicht verkaufen weil wenig Geld un- wenig Arbeit unter den Leuten war. Sie ließ die ganze Förderung aus die Halde schül- len. So wurde aus dem anfäuglichen kleinen Hügel im Laufe eines JahreS ein großer Kohlenberg von vielen, vielen tausend Zentnern. So mächtig türmt« er sich, daß er einen mächtigen, finsteren Schatten ans das Tal warf, als die Bergherren anfangs Tezembsr 1932 der ganzen Belegschaft die Papiere geben ließen. Alle siebenhundert Mann wurden entlassen mtt der Begründung, cs sei kein Geld zur weiteren AuSbeutting der Schachtes da. Er wurde stillgelegt, und iah nun unter der Erd« io ruhig aus wie dcr Berg geförderter Kohle über ihm. Nun feierte Vinzenz wieder notgedrungen, aber die kinderreiche Kumpclfamilie. bei der er wohnte, erleichterte ihm das Turchkommen. Zwar mußte er mit leinen Wirten und ihren Kindern manchmal frieren. denn diese Bergleute, di« den mächtigen Berg, unverkaufter Kohle gefördert halten, konnten sich nun als Arbeitslose selten Kohle kaufen, da die ErwerbSlosenunterstützung fast gänzlich für Essen ilnd Miete drausging. Aber die WirtSlente halfen ihm anders. Manches Töpfchen Milch, manches Stückchen Brot, das eigentlich noch für die hungrigen Kinder bestimmt war, wurd« dem immer ebenio hungrigen Bin- zenz zugeschoben. Und er nahnr«S dankbar, weil er fühlte, daß solche kameradschaftlich« Hilfe beglückend ist nnd nicht znrückgewieien werden darf. Und er nahm eS auch gern, weil er solche Unterstützung wirklich nötig hatt«. Manchmal konnte Binzes sich auch in der Küche seiner WirtSleut« Wärmen, wenn die Kinder mit Eimern hinau»- gezogen waren zu d«r großen Kohlenhalde, die in Sturm nnd Schnee ungenutzt verwittert«, einig« Stücke von dem begehrt«« Bretmstoff heimbringend. et— Senntttottliifect fhbattni: Dr. Cmil«Jttait. vrog— Druck:-tiuti' t.<8 fftt ZeNun»- une Huchdruck, Pro».— tzür bro Druck»rraum'-rilich. Citu uolil. — Dtr ÜEtuins«murleiuruiU»n>r würbe Uuu«er'S»»»- Srluh Är Iv.tidtVNUKü dewllliut.— B«t»usdr»m»im>ie»: Hri Zulltlluna ins Haus»brr bei Skt-U durch bt» Posi munaUich Ur»«.—,»trrlelläbUtch üb ü.—» tblbtitzni M M,-,«aauabttt U UH.—.— MM tau Zati| btlltH»«rrrchu«, Set UHtta Ni'iMlNMMW Wribirchlat,—«iücklletuu» M» Miuurlkrl»»«»«rl»>ä>»ur bet NtchränöiG brr RlMtuilUi n das Selm des Naffenbewllklen Melters gehört d. Zenkralorgim. Deutsch«« soilaldemokr. VrhlttN)m