13. Jahrgang. Mittwoch, 31 Mai 1933 Nr 127. VlcrmScklcpM snncvmvsr, Ncviswn Mtl Die Prager Bestosse der Kleinen Entente. Prag, 30. Mai. lieber die heutige erste Sitzung-cs Ständigen Rates-er Kleinen Entente, der aus-en drei Außemninistcrn besteht, wird «in ausführliches Kommunique ausgeben, in dem fcstgcstellt wir-, daß zunächst der Austausch der Ratifikoiionsurkunden des neuen Organisationspaktes der Kleinen Entente vorgenommen wurde. Viererpakt in der neuen Fassung annehmbar. Was den Viererpakt und die letzt« Phase der dies» Der Derr DolllnD hat noch vor kurzem mit den Nazi- packeln wollen! Wien, 30. Mai.(Eigenbericht.) Heut« abend fand im Wiener Braunen Haus eine Prcssebe- sprechung statt, bei der der Landesinspektor der Nazis namens H a b i ch t der ausländischen Presse Enthüllungen über Verhandlungen machte, die er mit dem Bundeskanzler Dollfuß über eine schwarz.braun« Koalition geführt habe, die unter Dollfuß Neuwahlen durchführen sollte. An diesen Verhandlungen hätten sechs Mini st er teilgenommen, von denen vier noch im Kabinett fitzen; in der ersten Besprechung vor drei Wochen habe Dollfuß ausdrücklich erklärt, er erkenne die Nazis als M acht fakt or an; ein« Zusammenarbeit. mit ihnen wäre für die Ehristuch- sozialcn erwünscht. Bei. der zweiten Besprechung vor zehn. Tage habe Dollfuß jedoch erklärt, er wolle z u u ä ch st o: c V e r f a s s u n g S r« f o r m durchführen und dann erst weiter verhandeln. Inzwischen seien aber, erklärt«.Habicht, andere Mächte in den Vordergrund getreten und e- habe die naziseindliche Richtung im Kabinett(nach dem Rücktritt Rintelcns?) die Oberhand bekommen. Die Lonsonner Anleihe kommt dodi? Wien. 30. Mai. Der neue französische Gesandt« in Wien Puaux ist heute aus Paris bezw. aus Genf zurückgekebrt. Wie in RegicrungSkrei» sen versichert wird, bat der Gesandte in bezug aus die Liquidation der Lausanner Anleihe für Oesterreich gute Nachrichten gebrächt. Vor einer neuen inllotlon Im Dritten Dei demokratische Ordnung gefährden. Der organisierte Menschenraub, der nach Hitlers Sieg an der Grenze des Deutschen Reiches betrieben wurde, ist für eine solche Aenderung wohl eine hinreichende Begründung. Die Novellierung des Gesetzes selbst schafft aber noch keineswegs einen AusnahnvSzuswnd. Ob und in welchem Umfange er verwirklicht wird, hängt von Beschlüssen der Regierung ab, die der Genehmigung des Parlamentes bedürfen. Bürgerliche Blätter haben in gewohnter Sachunkenntnis geschrieben, daß Wirch das neue Gesetz das Briefgeheimnis beseitigt werden soll. Doppelt falsch: Denn eine Bestimmung, di« dies ermöglicht, enthielt schon daS alte Gesetz,«S sollen nur neben Briefen auch andere Sendungen geöffnet werden dürfen und durch das Gesetz selbst wird das Briefgeheimnis noch' nicht außer Kraft gesetzt. Erst ein vom Parlament zu genehmigender Beschluß der Regierung könnte die praktische Anwendung dieser Bestimmung verfügen. Der Sturzflut von Beschimpfungen, die sich nach Einbringung der Vorlage neuerlich über uns ergießen wird, sehen wir mit voller Ruhe entgegen. Die Arbeiterklasse wird verstehen: Nationalsozialisten und Deutschnationale sind nicht befugt,, als Verteidiger der Demokratie aufzutreten. Die Barbaren, die sozialdemokratische Gemeindefraktionen mit Gewalt aus den Sitzungssälen vertrieben oder gar in Haft gesetzt halwn, nur weil sie nicht für die Ernennung Hillers zum Ehrenbürger stinvmen wollten, haben kein Recht, darüber zu klagen, daß etwa einer der Ihren hierzulande die Bestätigung als Bürgermeister nicht erhalten könnt«. Die Barbaren, welche die gesamte nicht gleichgeschaltete Presse nicht nur unterdrückt, sondern auch noch gestohlen haben, dürfen sich nicht beklagen, ivenn ihren Presscerzeugnissen nicht gestattet wird, die Demokralle zu unterwühlen. Aber auch die Kommunisten haben keinerlei Recht«, gegen die geplanten Maßnahmen Sturm zu laufen, nicht nur weil sie dort, wo sie selb st herrschen, keinerlei Meinungsfreiheit gestatten, solcher« noch vielmehr u>ch vor allem deshalb, weil sie außerhalb Sowjetrußlands in einem EnsscheidungSbampf um dl« Erhaltung der Demokratie der Demokratie in den Rücken fallen. Wenn die Konnnunisten heute noch nicht begreifen, daß ihr Kampf Prag, 30. Mai. Im Abgeordnetenhaus wurden hcnic zwei seit vielen Wochen angekündigtc Regierungsvorlagen«ingebracht. Die eine betrifft die Ergänzung des bereits seit 1920 bestehenden Gesetzes über außerorde-ntliche Maßnahme n, bic_ von der Regierung mit Zustim- mung des Präsidenten vorübcrgchcich auf höchstens drei Monate getroffen werden dürfen, die zweite die Novelle zur Gemcindewahl- o r d n u n g. durch die außer vielfachen technischen Aenderungen die Wahlperiode auf sechs Jahre verlängert und außerdem auch die Bestäti- gung der Bürgermeister durch das In- nenniinisterium, beziehungsweise das LandcSam! eingeführt werden soll. Beide Vorlagen, die in den Rahmen der vorbereiteten Maßnahmen gegen die derzeitige fascistische Epidemie in Mitteleuropa gedacht sind, besprechen wir an leitender Stelle. Nachfolgend im Auszug die wichtigsten Bestimmungen« Die anOcrordenUldien Verfügungen. Di« Novelle zum Gesetz 300'1920 über außerordentliche Verfügungen bestimmt, daß die darin vorgesehenen außerordentlichen Maßnahmen auch dann verhängt werden können, lvenn„an den Grenzen d«S Staates Ereignisse rintretcn", di« in erhöhtem Maße dir Einheit des Staates, feine demokratischrepublikanische Form, die- Verfassung.oder die öffentliche Ruhe und Ordnung bedrohen". Bisher, könnten dies« Maßnahmen nur im Kriegsfälle oder dann verhängt werdet«, wenn derartige Ereignisse „im Innern des Staat«»"«intraten. Bisher war nur di«„republikanische", jetzt ist di«„demo- k r a t i s ch-republikanische" Staatssorm geschützt. Solch« außerordrntlichr Bersügungen können durch RegierungLbeschluß, der vom Präsidenten der Repu- blik genehmigt und in der GesetzeSsanimluna und dem Amtsblatt mit der Unterschrift deS Präsidenten und zwei Drittel aller Minister verlautbart sein muß, für die Dauer von höchstens drei Monaten erlassen werden, und zwar nicht nur wie bisher zum Schutz der Integrität des Staates, feiner demokratisch-republikanischen Staatsform oder „jut Wiederherstellung", sondern auch bereits„zur Aufrechterhaltung" der öffentlichen Ruhe und Ordnung. Durch die Maßnahmen können die 88 107, 112, 118 und 116 der Verfassung außer Kraft gesetzt werden, weiter gewisse staatsbürgerliche gegen die Demokratie nicht zur Aufrichtung der proletarischen Klassenherrschaft, sondern zum blutigen fsascismuS führt, dann müssen sie di« Konsequenzen dieser Haltung tragen und dürfen sich nicht wundern, daß die Demokratie auch sie als ihren Feind behandelt. Die Novelle zum Gesetz über die außerordentlichen Verfügungen ändert den Schlitz der„republikanischen" in einen Schutz der „demokratisch- republikanischen" Die Aenderung des Gesetzes über die staatssorm. Damit ist die Tendenz der Vor- arßrrordentiichcn Verfügungen läge angedeutet. Aufgabe der Sozialdemokratie schafft keine neuen Rechte. Sie soll nur er- innerhalb der RegierungSkoalition wird cs möglichen, solche Maßnahmen auch zu tref- sei", dafür zu sorgen, daß diese formell« Aen- fen, wenn nicht im Inland«, sondern an den derung keine bloße Form bleibt; daß die AuS- Freiheiten in bezug auf Schutz der Freiheit der Personen, de« Hauses und des Briefgeheimnisses. Hiezu gehört vor allem: Bei Verhaftungen ohne richterlichen Befehl muß di« Freilassung, bezw Ucbcrstellung an dir zuständige Behörde nicht binnen 18 Stunden, sondern erst binnen acht Tagen erfolgen. Ausweisung oder Konfinierung durch die staatlichen SicherheitSbehörden ist auch außer in den gesetzlich sestgelegten Fällen zulässig, doch muß binnen acht Tagen gegen den Belressenden da» ordentliche Strafverfahren einaeleitet werden, widri« aenfall» die Verfügung hinfällig ist. Hau»durch- Eichungen(und jetzt auch Leibesvisitationen) können auch ohne richterlichen Beseh! von den staatlichen Sicherheitsbehörden durchgeführt werden. Alle diese Maßnahinen sind jedoch nur dann zulässig, wenn es sich um bestimmt«, im 8 13 angeführt« Delikte gegen den Staat, gegen di« öffentliche Ruh« und Ordnung, unt Mord, Brandlegung, Raub, Kriegswucher ete. handelt. Dos bisherige Recht der staatlichen Sicherheitsbehörden zur Beschlagnahme oder Oessiiuna von Briefen ohne richterlichen Befehl wird auch aus andere Postsendungen erweitert. Die verschärfte Aufsicht, welcher bisher zur Zeit außerordentlicher Verfügungen Verein«— mit Ausnahme von Erwerbsvereinen— unterworfen werden konnten(Unterstellung unter besonder« behördliche Aufsicht oder besondere Bedingungen, Einstellung ihrer Tätigkeit), wird jetzt auch auf Erwerbsvereine, Handelsgesellschaften, Erwerb»- und Mrt- fchaftSgenoffenschasten, ausgedehnt, wenn diese politische Ziel« verfolgen oder der Verdeckung politischer Ziel« dienen. Versammlungen an Orten, die dem öffentlichen Verkehr dienen, können behördlich verboten werden; andere Versammlungen sind(immer für die Dauer der außerordentlichen Verfügungen) an die Bewilligung d»r Behörde gebunden. Ausgenommen davon sind lediglich Wählerversammlungen vom Tag« der AuSschrewunavon Parlamentswahlen angesangen. Da» die Maßnahmen auf dem Gebiet der Preßpolizei betrisst, so kann, wie bisher, Tageszeitungen di« Vorlegung von Pflichtexemplaren höchstens z w e i Stunden vor dem Erscheinen zur Pflicht gemacht werden: bei weniger als dreimal wöchentlich erscheinenden Blättern Wick» diese Vorzensur a u f 2 4 Stunden ausgedehnt; bei nicht periodischen Druckschristrn bleiben di« bisherigen Fristen von drei, bezw. bei umfangreicheren Druckschriften von acht Tagen unverändert. Die Bestimmungen über di« Einstellung von Druckschriften„rm äußersten Falle", bezw. über di« Einschränkung ihrer-Herausgabe oder Verbreitung bleiben unverändert. Die bisher zulässigen Maßnahmen gegen Druckereien können auch auf Nachrichtenagenturen ausgedehnt werden, soweit st« nicht ausschließlich Geschäfts- zwecken dienen, sowie auf Privatpersonen, die Der- vielkältigungsmaschinen besitzen; diesen kann der Besitz solcher Maschinen, Druckerpressen«te.(mit Ausnahme von Schreibmaschinen) untersagt werden. Einschränkende Maßnahmen können weiter» nicht nur bezüglich der Erzeugung und de» Besitze» von Waffen und Munition, weiter- über Pässe, Melduna-wesen, Ansammlungen an öffentlichen Orten sowie über den Gebrauch von Abzeichen erlassen werden, sondern auch über Sprengstosse, die Gewährung von Unterkunft, da» Tragen von Uniformen und di« Verbreitung von beunruhigenden Nachrichten. Wichtig ist die Schlußbestimmung, die sich gegen «ine eventuelle passive Resistenz aus dem Gebieteder Selbstverwaltung richtet. Die Regierung kann nämlich anordnen, daß Mitglieder von Dertretung-körpern der Selbstverwaltung sowie ihrer Unternehmungen und Anstalten(für die Dauer der außerordentlichen Verfügungen) verpflichtet sind, in ihren Funktionen zu verbleiben und sich jedweder Handlungen zu enthalten, die di« ordnungsgemäße Ausübung der öffentlichen Verwaltung oder die ordnungsgemäße Tätigkeit dieser Unternehmungen und Anstalten gefährden, und daß sie aus dies« Funktionen nur mit Zustimmung der staatlichen Aufsichtsbehörde verzichten dürfen. Diese Bestimmung gilt auch für di« Mitglieder der Per- tretungskörper der SelbswerwaltungSverbände im weiteren Sinne des Worte». Die Strassanktion besteht in Geldstrafen bis zu 10.000 K8 und Arrest bi» zu einem Monat, die von der politischen Behörde auch nebeneinander verhängt werden können. Ml« dies« Maßnahmen kämt««, wie bereitgesagt, nur von der Regierung unter Zustimmung des Präsidenten auf höchstens drei Mo. « a> k« verhängt w«rd«n; st« sind sv s o r t a u s z n- hebe«, wenn ihre unumgänglich« Notwendigkeit aushärt, und«kiffen bi«««« 14 Taue« der Ratio, ncklVersammlung, bezw. dem Ständig«« Ausschuß zur Genehmigung vorgelegt werden. Sie erlöschen, wenn auch nur«in Haus di« Zustim. mung nicht erteilt oder innerhalb«ine» Mo. nates darüber keine« Beschluß faßt. Die Gcmclndewalilnovene. Die gleichfalls heute vorgelcgte Novelle zur Gemeindewohlordnung ist die zweite größere Aenderung an dem auS dem Jahre 1919 stammenden Gesetz. Gegenüber dem gegcnwär- tigen Stand ergeben sich in der Hauptsache folgende, von UNS bereits vor. einiger Zeit in ihren Grundzügen angesiihrte Aenderungen: DaS Bcrhältniswahlrecht wird nunmehr ausnahmslos für alle Gemeinden Angeführt, während bisher in Gemeinden unter 700 Einwohnern nach dem Prinzip der absoluten Mehrheit gewählt wurde, fall- nicht ein Zehntel aller Mahler ausdrücklich das BerhältniSwahlrecht verlangte. Die Wahlperiode(auch der bereit» existierenden Gemeindevertretungen) wird von vier auf lech» Jahre verlängert. Einwendungen gegen die Wahlen können nicht mehr von einem einzelnen Wähler erhoben werden, sondern müssen von mindestens so viel Wählern unterzeichnet, sein, al» zur Unterfcr- tigung der Kandidatenlisten vorgelchrlcben sind. Ten Antrag auf Mandatsverlust bei Ausschluß au- der Parte» kann nicht nur wie bisher der Wahlbevollmächtigte bei der Aufsichtsbehörde einbringen, solcher« auch die Partei selbst durch einen dazu besonder» bevollmächtigten Vertreter. Die Eintragung in die Wählerliste ist nicht mehr Voraussetzung nir die Wählbarkeit, so daß auch ein Wahlberechtigter gewählt werden kavn, der durch Zufall oder Absicht au» dem Wählerverzeichnis ausgelassen wurde. Die Vorschriften über den Verlust des Mandatewerden ausdrücklich auch auf die Ersatzmänner ausgedehnt. In der konstiwierenden Sitzung dürfen Ersatzmänner nicht fungieren, außer wenn da» betreffende Mandat dauernd frei geworden ist. Hat eine Wahlaruppe weniger Personen kandidiert, als auf sie Mandate entfallen, so durfte bisher die Wahlgruppe(oft eine einzelne Person!) die fehlenden Kandidaten nachträglich ergänzen; nun- HuMruek verboten. UND DAS 20. JAHRHUNDHRT Roman von Rudolf Brunngraber Copyrigtb bj Sodutlto-VuUt. nankfut am Mala IM1 Karl Lakner hört, bloß aus den Radioberichten, daß e» anderswo Schnee genug gibt: Rax 90 Zentimeter, Firn: St. Corona 70 Zentimeter, alt, gesetzt; Bad Aussee Skitouren bis inS Tal fahrbar; Hochfchnecbcrg 90 Zentimeter, Harsch; Langen am Arlberg 800 Zentimeter, alt. Fahre, Firn. Diese Berichte sind für Sportler stilisiert, für Leute in Karl Lakners Lage sind sie nur eine Beschwer wehr. Aber so sst es mit allem. Diese Zweiseitigkeil der Dinge ist die besondere Tortnr. Karl Lakner sieht am 4. Dezember, da er das letzte Stück Brot gekaut hat, einen Mann mit rotem Bart, der ihm auffällt, am 7. Dezember, nach drei Hnngermgen, siegt er ihn wieder. Da muß Karl Lakner de-, ken: was hat der Mann in der Zwischenzeit-illegegessen. Aber er, Karl Lakner, hat währenddessen auS den Lautsprechern die begnadetsten Sssmmcn de» Erdball» gehört. Battistini, Chaliapine, Bak- lanoff, Gigli, Titta Ruffo. Di« Farrar, die viall, Curci und da» Unbeschreibliche: die Toti dal Mont«. Karl Lakner hungert und friert und wird wie die Verdammten d«S Höllengcdichts durch die Straßen getrieben, aber die teuersten Solisten spielen ihm dazu ans. Rachmaninoff und Kreisler, Pablo Casal» und Jascha-Haifetz. BackganS und Padcrewski. Und da» alle» gratis, jo selbst di« großen Toten werden ihm heraufbcschworen, dies« Zeit ist hochfahrend reich, er hört noch die Patti und Caruso singen, Shackleton und Tolstm reden. Unter den Lautsprechern fällt Karl Lakner auch«in. daß er sein« Geige nicht hätte vcr'cheuken dürfen. Er könnt« nun mit ihr in die Höf« gehen, was keine ausgesprochen« Bettelei wäre. lieber« Haupt durste«rn armer Hund nicht- verscheicken, wo die Guter ein so ungeheur«- Beharrungsvermögen haben und so schwer von einer zur arweren Stelle zu bringen sind. Aber das kommt von der Lilicirphantasie der Armen; sie haben ein Gemüt wie di« Blumen auf dem Feld, nur di« Fürsorge der warmen Erde haben sie nicht so für sich. Allein dergleichen reuige Ueberlcgungcn sind unbedingt zu vermeiden, will man nicht inwendig auseinanderbrechen. Di« Stadt, durch die Karl Lakner wie ein Robinson geht— Lasst di« dritte Steigerungsstufe, di« er nach„vogelfrei" und ,/außer KurS gesetzt entdeckt hat—, die Stadt ist ein« Peitsch« mit genug Enden. Und sie ist c» mit der Hoheit einer Frau, die einen biS ausS Blut quält, aber betörende Brüste hat. Karl Lakner kann sich nachts das Licht in einem Schaufenster einschalten, wenn ihm dus Kurzweil bereitet, und er muß cs nachher nicht abdrohen, e» erlischt nach einer bestimmten Zeit von selbst. Nicht seinem Ermessen sind di« r,«st- gen Plakate und haushohen Leuchtschriften unterstellt, die ihm dartun, waü er an seiner Erziehung, an seinen Lannen und Wohlmeinungcn zu korrigieren hat: Nur echt« Seid« ist Seid«. Für jeden Anlaß den richtigen Schuh. Schokolade ist nicht nur ein Genuß, sondern hochwertige Nahrung. Trage Schmuck und du gewinnst. Einen Schirm benutzen heißt Kleidung und Gesundheit schützen. Trink« mehr Milch. Trink« dcusschen Sekt. Aber zum Wauzenkopf der Weltgeschichie wird die Großstadt, wo sie sich getvissermaßen al- Scheidemünze gibt. Es werden Karl Lakner ununterbrochen Drucksachen in die Hand««drückt. Auch Goethe— l>ätte die Krawatte Pearl getragen. Ein Märchen— das neu« Fleckstntzmittcl Flox. Der Friede im Haushalt— die Faschiermaschine Tata. Di« Tragik des Lebens vorbei— durch die Haorvomade Muka. Einen Wert gewinnen die^e Angebinde für Karl Lakner erst, al» eines von ihnen aus einem Block von fünf Streichhölzern besteht. Er geht damit in den abgewinkelten T«il einer Schausensterpassoge, wo e» Spiegel gibt, und brennt sich, von Damenhüten aus Nickelständern umgeben, di« Bartstoppeln am Kinn ab. Er könnt««inen Prospekt erhalten, mit 60 Blättern und zwei Dutzend Kupfertiefdruckbildern, ein ganzes Buch, da» für einen Buschmann ein Zauberwerk wär«, aber er hat nicht die Gelegenheit, sein« Notdurft zu verrichten, weil das auf der niedersten Klasse der Lfftnt- lichen Bedürfnisanstalten 17 Groschen kostet. Nur «in Prospekt erfüllt für ihn einen gewissen Zweck, der einer Buchhandlung, die sich auf anregend« Literatur eingestellt hat. An einem Tag, da ein« stumpfsinnige Gier nach sinnlicher Befriedigung an ihn: zehrt, setzt er sich wütend über feine Scham hinweg und holt sich aus dem Laden den Anzeiger für erotische Literatur. Mit dem steht er dann in d«r Schausensterpassage. die eigentlich zu Unrecht, so genannt wird, weil si« nur nach einer Seit« offen i-st. Diese mehr oder minder windgoschütztcn Orte, in denen Laussprecher dröhnen, gewinnen nun überhaupt in Karl Lakner» Leben eine gewisse Bedeutung. An ihnen hat er auch einen Laseunterstand. DaS üppige Weib. Dalüsterne Weib. Das grausame Weib. Das Weib al» Sklavin. Allmacht W«ib. Aber da gibt e- noch das Ehebett, die Brautnocht, die Prostitution und Sittengeschichten der Kulturen, der Revolutionen, des Theaters, des Lasters, deS Intimen, des Verbotenen, der Straf« und der Liebkosung und des — Intimsten. Das ist alles ein wenig lächerlich, allein Karl Lakner entzündet es das Blut. Die Gefilde der Lust, eine Morphologie der weiblichen Körpersormen, und di« 20.000 crossschen Schlagwörter beschäftigen ihn auch dann noch, al- ihn der angehende Lautsprecher, der ihn heut« störr, au» der Passage vertreibt. Abendstrich, Accostet- airl. After— Bordellkönigin, Brautnacht, Briik- kendirne— Circe. Christine von Schweden, Clav he Merode— Defloration. Dessous. Damenkarussell... und den Mons VeneriS, aus den Gefilden der Lust, die Hügel der Wonne und das Marmorgebirge sieht Karl Lakner nun in jedes Weib hinein, da» ihm begegnet. Obgleich es nicht geschneit hat, tragen sie alle fchlver mit Pelz verbrämte Schncestiefel,>vaS ihnen«in sadistisches Aussehen gibt und ihn besonders reizt, sic in feiner Phantasie zu brutalisieren. Beim Ostbayn- hos endlich, wo er wieder Gepäck tragen will, steht er an diesem Abend verzweifelt einer kleinen Hure gegenüber. Irgendein Geld wirst du schon haben, sagt sie freundlich mit einem stillen Gesicht, da» in der Dunkelheit fahl blinkt. Wir sind Naturfreunde und gehen an die Plank« beim Arsenal. Nein, sagt Karl Lakner flehend, ich habe seit drei Tagen nichts gegessen. Die Kleine schaut ihm inS Gesicht. Dann hat sie einen nicht alltäglichen Einfall. Ich hab« heut« noch nichts verdient, sagt sie, aber warte. Später geh ich mit dir umsonst. Karl Lakner ivartet nicht. Er rennt durch die Straßen. Nach einigen Stunden kollerigen llmherlaufens aber kehrt er um und findet die Mitleidige nicht mehr. Dafür hat er den nächsten Tag ein andere» Glück. Ein Trödler steckt chn in einen fünf Meter langen Kaftan, darin er eine Stange halten muß, aus der ein riesiger Karnevalskopf au» dem Kaftan ragt. Die so zustandc- gekommene Puppe trägt vor der Brust und au? dem Rücken ein Schild: DaS beste Weihnachtsgeschenk ist«in 2 Schilling-EinheitSrest vom Borges. In dieser Aufmachung wandert Karl Lakner durch die ihm bezeichneten Straße», dann hat er am Zlbend zwei Schilling verdient. Aber mit diesen zwei Schilling icheint ein« glücklich« Serie eingeleitet zu sein. Am andern Morgen trifft Karl Lakner die Arbeitslos«, die ihm seinerzeit die Untermiete bei Frau Semrad vermittelt hat. Er ist so ergriffen, als wär« seine Mutter auferstanden. Hier sst ein Meissch, der ihm nicht ganz fremd ist. Diesem Mädchen mit dem unfreundlichen tatarischen Gesicht scheint ein« gut« Rolle in seinem Leben zugeteilt zu fei«. (Fortsetzung folgt.) Ur. 1-7. MIIh4». Stai 1988. ätiit 8 mehr werden die nicht besetzten Mandate auf die Lbri-en Gruppe» verhältnismäßig aufgeteikt. Mrd ein Borsteher-Stellvertreter oder Mitglied hei Gemeinberate» au« einer Partei gewühlt, de» rach ihrer Stärke überhaupt leine Vertretung IN giemeinderat zukäme, so fallt diese» Mandat im»räkle srinei Freiwerden» wieder jener Gruppe zu. die seine Wahl durchgeküdrt hat: bisher blieb vieles Mandat dauernd im Besitz der betressenden Partei. Der Jagd um die Numnrer 1 der Kandidatenliste wird dadurch ein Ende gemacht, daß über die Ordnungszahl der Kandidatenliste nicht niehr die Aelbenfolge der Einreichung, sondern da« Los ent« scheidet, da« der Vorsitzende der Wahlkommtssian «ieht. Bei der Wohl selbst darf dir Kommission, die nch davon überzeugen soll, daß der Wähler alle etimmzettcl hat, die vom Wähler voraenommen« tzuseinandersolge der Stimmzettel nicht ändern. Ta« Alkoholverbot, da« bisher für den Wahltag und den vorhergehenden Tag aalt, wird auf die Zeit von 81 Uhr des Vortage» btt zu der in der Wahl» kundmachung bestimmten Schluhstunde der Wahl reduziert. Die Strafen für unentschuldigte« Fernbleiben den der Wahl werden künftig auf kurzem Wege ohne Verfahren verhängt: ein ordentliche» Verfahren wird erst eröffnet, wenn der Betreffende binnen 14 Tagen Nerusung ein legt; dadurch wird die bereit» in kur« um Weg« verhängte Strafe automatisch ausgehoben, dadurch soll eine Vereinfachung der Prozedur ein- treten. Don größerer Wichtigkeit ist eine ge. wisse Auflockerung der gebundenen Listen und die obligatorische Bestätigung der Gemeindevorsteher durch die Behörden. Der Wähler kann durch Unterstreichung der Ordnungszahl eine» Kandidaten der von ihm ae- wäblten Liste diesen besonder» hervorheben: erhalt ein Kandidat, der auf der Liste so weit rückwart» lieht, dah er nicht mehr gewählt würde, mindesten» Io viele solcher Vorzug»ftimmen, al» die Äahlzohl beträgt, so rückt er an die Stelle de» letzten Kandidaten vor, der sonst noch nach seiner Ordnungszahl aus der Kandidatenliste gewählt worden wär«. Haben mehrere rückwärtige Kandidaten genügend solcher Vorzugsstimmen erholten, so rücken sie sämtlich an die Stelle der zuletzt gewählten.Kandidaten vor; nur der Listenführer darf niemals aus dies« Weis« ver« drängt werden. Dadurch wird dem Wohler ein« gewisse AuSwohl innerhalb der Kandidatenliste ermöglicht, die Gefahr einer„Köpfung" der Kandidatenliste durch ein paar(eventuell aut ander«« Lagern tu diesen: Zweck eigen» abkommandierlen) Wähler jedoch verhindert. Erhalten mehr Kandidaten Vor- zugsstimmen, al» hinter dem Listenführer überhaupt Mandate zu besetzen sind, so entscheidet die Höhere Anzahl dieser erhaltenen DorzugSslimmen. Die Bestätigung deräewöhlten Bor- steher, die bi»her nur bei Städten mit eigenem Statut vorgenommen wurde, wird aus alle Vorsteher ohne Rücksicht aus di« Gröhe der Gemeind« ausgedehnt. Die Bestätigung von Bürgermeistern am Sitze der politischen Bezirktverwaktung nimmt da» Innenministerium vor, bei kleineren Gemeinden da« LandeSamt. Auch die bereit» amtieren, den Vor st eher müssen bestätigt werden. Wird die Wohl nicht bestätigt, so kann der Be- treffend« durch drei Jahre weder zum Bürgermeister noch zum Stellvertreter gewählt werden. Die Gemeindevertretung muh dann in einer neuen Sitzung, die die-Aufsicht»bebörve einberuft,«in« Neuwahl de» Vorsteher» und seiner Stellvertreter vornehmen. Wird die Wahl von der Gemeindevertretung nicht vorgenommen, oder wieder der nicht bestätig» Vorsteher, bzw. ein anderer, dessen Karrenzfrist noch nicht abgelaufen ist, oder jemand gewählt, der von der zuständigen Aufsichtsbehörde nicht rechtSaültjh bestätigt werden wird, so erlischt auch di« Gültigkeit der Wohl der Gemeindevertretung. Die Aufsichtsbehörde setzt bi» jur Durchführung der Neuwahl der gongen Gemeindevertretung ein« BerwaltungSkom- mission«in und schreibt„zum geeigneten Zeitpunkt" di« Neuwahlen au». Der Berufung gegen die Nicht« bestätigung durch da» LandeSamt sicht aufschiebende Wirkung zu. stur Prag, die Städte mit eigenem Statut, bzw. mit Magistrat bleiben die bi»« hrriaen Bestimmungen in Kraft. Die brSheriaen Gemeindevorsteher bleiben im Amt, insolonge ihre Bestätigung nicht mit endgültiger Kraft abgelehnt wurde. vor neue Ehrenschatz. Gen. Sch weichhart Aber die preßgesetzlichen Bestimmungen. Im Plenum be» Haus«» wurde di« Gesetze». Vorlage über den Schutz der Ehre verhandelt, die vom DerfassungsauSschuß, wie der Mo- tivenbericht detailliert autführt, ziemlichen Aen- dcrungen auch grundsätzlickjer Natur unterworfen wurde. Die Borlage Ivar ursprünglich al» ein Teil der Neugestaltung unserer ganzen Presse, gesctzgcbung gedacht; nunmehr soll neben ihr nut noch die sogenannte kleine Presse Novelle gemacht werden, die lediglich die Vorschriften über die Kolportage, den Schutz der Inge nd, die ausländischen Zeitungen urib Presseberichtigungrn enthält. Die übrigen Teile der beavsichtigten Pressegesetznovelle werden einstweilen zurückgestellt werden. Dies« keine Pressenovellc wurde heut« nach dem Plenum im DerfassungSauSschuß bi» auf die $ 2 und 3, über die erst noch innerhalb der Koalition eine Einigung gesucht werden soll, bereits abgestimMk.'"- Der Berichterstatter Dr. Strauskh betonte im Plenum die rechtliche wie di« politische Bedeutung der Vorlage, die einen neuen Schritt zur Unifizierung einer weiteren Parti« deti Strafrecht«» barstell«. Die Vorlage soll aber auch den Unglück- seligen Zustand ändern, in den die öffentliche Kritik seit der Novell« de» Jahre» 1Ü24 verfallen ist. Rach dieser Novelle war jede Kritik durch Strafsank« tionen bedroht, auch dort, wo dem Journalisten «in unverschuldeter Irrtum, ja selbst ein Irrtum unterlief, den der Kritisierte selbst verschuldet hat. Die neue Pressegesetzgebung macht c» sich jur Aufgabe, die Freiheit der Press« mit der Verantwortlichkeit der Presse zu verknüpfen, «ine sachliche Kritik zu ermöglichen und ehrabschnei- berische und destruktive Hetze zu unterbinden. In der. Debatte besprach Genosse sthwcidihari in eingehender Weise vor allem die Auswirkungen der Vorlage aus die Presse. Ti« heutige Vorlage soll vor allem die verhängnisvollen Wirkungen der Pressenovelle vom Jahre 1924 obschwächen, denn damals ist man über da» notwendige Maß de» EhrenschutzcS weit hinaus gegangen; di« Leidtragenden diese» Übereifers waren di« Redakteure und di« Zeitungen, die gegen leichtfertige und mutwillige Pressestegen geradezu schutzlos waren. Jede» scharf« Wort der Kritik, jede noch so harmlose Satire, jede Karikatur konnte geklagt werden und wurde auch gcklagt. Oft regnet« es Massenklagen und namentlich die Arbeiterpresse wurde dadurch aus da» schwerste geschädigt. All diesen Auswüchsen und Ungerechtigkeiten sucht nun die Vorlage, dank der Initiative de» Justlzinlnister», entgegcnzutreten. Die Vorlage unterscheidet nicht mehr zwischen „Ehrverletzung" und„Ehrenbeleidigung", sondern zwischen den Delikten der Beleidigung, der üblen Nachrede und der Verleumdung die genau definiert werden. Dies« Delikte sind Uebertretungen und nur dann, wenn sie in der Presse begangen werdrn, Vergehen. Di« Auslegung de»»en«» Gesetzes sollt, nicht «llzu kleinlich und engherzig sein, denn fetze« im politischen Litzen, stehende Mensch»ntz sich et, gewiss«» von ironischer und satirisch« Kritik gefallt» lasse» untz darf sich auch den einer Karikatur nicht fürchten! Bei böswilliger Kritik sind di« Strafen oller, kingi ziemlich scharf, so bei Pressedelikten Arrest von «chl Tagen bis zu einem Jahr und Geldstrafen von WO. bis 10.000 K. Don besonderer Bcheutung sind d'e Aenderungen hinsichtlich de» Wahrheitsbeweises und M» Wahr scheinlichkeitkbe weise». Bisher lüften all« geklagten Behauptungen voll bewiesen werden, um Straffreiheit zu bewirken. Jetzt genügt e», wenn die fragliche Behauptung im Wesen al» wahr nachgewiasen erscheint. Auch hat do» Gericht nunmehr die Inkriminierte Behauptung in ihrer Gänze zu überprüfen und entsprechend zu berücksichtigen, fall» nur ein Teil davon eingeklagt ist. Bisher wurde die Sache vielfach so praktiziert, dah au» einem langen Artikel nur einige nebensächliche Stellen heraudgegriffen wurden, um danrit vor Gericht einen Erfolg zu erzielen, während di« unangenehmen Wahrheiten einfach übergangen wurden. Beim WahvfcheiickichkeitSbewei» ging der Redakteur bither nur straffrei au», wenn vorwiegend ein öffentliche» Änteresie dorlag, da» di« beanständete Notiz rechtfertigle; jetzt sollen auch wichtige privat« Interessen berücksichtigt werden. Damit ist wesentlich auch d>« Frage de» sogenannten entschuldbaren Irrtum»' verbessert, der unter Umständen einen Freispruch ermöglicht, ohne dah der Angeklagte die Kosten ersetzen mühte. Die Bestimmung, dah von einer Straf« abgesehen werden kann, wird aus jene Fälle erweitert, wo vom Angeklagten ein« angemessene Genugtuung angeboten wurde. Dies muß geschehen, wenn di« Genugtuung fristgerecht geleistet wurde, und kann geschehen, wenn sie bis zur Hauptverchandlung angeboten wird. Wichtig ist auch, dah bei Abstandnahme von Strafen auch die Pflicht zum Kostenersatz durch den Geklagten aufgehoben werden kann. Dadurch werden leichtfertig« Klagen wegen jeder Kleinigkeit verhindert, da nun der Kläger«tn größere» Risiko hat. Di« berüchtigten Geldbuhen an den Kläger, die bi» zu 10.000 kl gingen, sind aufgehoben, ebenso die Ranchaftmochung de» Autor» der inkrimimerten Notiz, di« direkt der Denunziation Vorschub leistet«. Ein weiterer Fortschritt ist di« Verbesserung der Möglichkeit von Gegenklagen, die jetzt noch 1ä Tag« nach Vereinbarung de» Ausgleiche» oder Abschluß bet B«wei»verfohren» eingereicht werden können. Bei Freispruch infolge«Ine» entschuldbaren Irrtum» und dergleichen erhält andereneit» der Kläger eine gewisse Genugtuung durch den obligatorischen Ausspruch im Urteil, daß der Wahrheitsbeweis nicht gckungen ist. Genosi« Schweichhart knüpft an sein« AuSführun-' gen den dringenden Wunsch, da» Justizministerium möge e» ermöglichen, beim Pressegericht d a» B e r- fahren zu beschleunigen. Bisher dauert e» in vielen Fällen Jahr«, bevor ein Urteil gefällt werden kann. Böen» von reaktionären Parteien hierzulande Klagen über mangelnde Pressefreiheit und über di« Prisieverhältnlsse überhaupt geführt werbe«, so muß man hervorhetzen, daß dies« Parteien gar ketne Ursache haben, sich in dieser Richtung zu beklagen. Si« hab«« Betfall geklatscht, al» tn Deutschland die Deutschnattanalen untz tzi« Haleukreuzler di« freiheitlich« Presi« vollkom««» unterdrückt nutz tz!« sozialdemokratischen untz kommunistischen Druckereien gestohlen Hatzen, als die Herausgeber untz Retzakteure eingesperrt, mihhantzelt, ja«rurordet wurden. Diese Parteien Hatz«, durchaus kein»malische« Recht, sich hier besonder« auszuregen! Da» vorliegend« Gesetz ist vielmehr«tu Beweis dafür, daß die jetzig« Regierung bemüht ist, die Preffefrage möglichst objektiv zu erledige».(Beifall.) Der Regierungsentwurs über de« Versicherungsvertrag, der bereit» vom Senat mit gewissen Aenderungen angenommen worden ist, soll im Ab» geordneten staus weitere Aenderungen erfahren, zu deren Textierung gestern vom DersossungSauS- fchuß ein Subkomitee eingesetzt wurde. Die Vorlage wird also neuerdings an den Senat zurück- gehen müssen. 100.000 Marl Windung iür einen Mzi-8ewerlschaft»0onzen Vie Gleichschaltung als LombengeschSit. Di« Korruptionsschwindler rund um Hitler verdächtigen jeden Gewerkschaftsangestellten, der ein paar hundert Mark Monatsgehalt hatte— 300 Mark Höchsteinkommen im Monat waren für einen„Bonzen" schon selten geworden—, de» Raub» an Arbeitergroschen. Gab aber ein fre:- gewerkschaftlicher Verband gar einem älteren Angestellten, der ein Menschenalter der Äenrerk- schaft gedient hatte, die gesetzlich vorgeschriebenen sechs Monatsgehälter al» Abfindung, so erhob sich erst recht ein große» Geschrei. Wie steht e» aber in der nationalen Front? Jetzt wird bekannt, daß der Führer de» Deutschnationalen Hand. lungSgehilsenverbande», Bechlh,«in Jahres« gehalt von 32.000 Mark hatte. Al» er gelegentlich der Äleichschaltturg zu- rückgelre'en wurde, gewährten ihm die National, sozialisten eine Abfindungssumme von 100.000 Mark. Führende Mitglieder de» Verbände- sind zahlreiche nationalsozialistische Abgeordnete, darunter der frül-er« Vizepräsident de» Reichstage» Stöhr. So wird der Führer eines Verbandes zum reichen Mann gemacht aus den Beiträgen einer Angestelltenschicht» di« unter Gehaltsabbau und Stellenlosigkeit besonder» zu leiden hat. Keine Zeitung de» Tritten Reickfes darf diesen Skandal bringen. Möglich, daß man diese Meldung abzuleugnen versucht. Deshalb bleibt die Tatsache der.hunderttausend Mark Abfindung dennoch tvahr. Die unterdrndning der luden in Obersdilesien. Deutschland im VölKerbundrat isoliert Genf, 30. Mai.(Tsch. P.-B.) Der Völker- bundrat behandelte heut« die Bernheim-Petition über die Unterdrückung der Juden in Oberschlesien. Nach schwierrgen Verhandlungen hin- ter den Kulissen lehnte die deutsche Regierung den vom irischen Delegierten L e st e r anSgear- beiteten Bericht ab. Trotzdem erstattete Lester im Rat« den Bericht, in welchem er hervorhob, daß bereit» beim Lesen der neuen Reichsgesetze offensichtlich sei, daß deren Geltendmachung in Oberschlesten mit den Bestimmungen de» dritten Teile» deSGenserMinderheiten- abkommen» unvereinbar ist. Der deutsch« Delegierte von Keller erklärte hierauf, di« Berliner Regierung könne den Bericht über die Bernheim-Petition nicht a n- nehmen. Zur Begründung führte von Keller insbesondere an, daß Bernheim weder durch ein Familienband noch sonst wie an Oberschlesien gebunden sei. Der Rat wollte sich aus den angeführten Gründen nicht mit dieser Angelegenheit befassen. Bon Keller forderte, daß der Rat die Erklärung der deutschen Regierung zur Kenntnis nehm« und di« Petition für erledigt betrachte. Berichterstatter Lester schlug hierauf vor, daß die ganze Angelegenheit ein Ausschuß von juristischen Experten durchberate und nach vierzehn Tagen dem Rate Bericht e rstatte. Der britische Delegierte Eden nahm diesen Antrag an, machte jedoch in betonter Form darauf aufmerksam, daß die Annahme nicht bedeute, als wurde die britische Delegation mit den Ansichten de» deutschen Delegierten übereinstimmen.' Im Namen der französischen Delegation forderte Paul-Boneour, daß die Frist für oie juristische Ueberprüfung der Petition abgekürzt werde. In einer langen und erfolgreichen Rede betont« Paul-Boneour, der Völkerbund dürft« nicht sein Interesse für die Rechte der über soviele Staaten zerstreuten Rassen verlieren. Im übrigen habe Deutschland selbst a mmeisten die Die geheimen Rastungen Deutschlands. Paris, 30. Mai. Ein Teil der heutigen Pariser Morgenpresse veröffentlicht Einzelheiten über den Stand der deutschen geheimen Rüstungen. Unter anderem wird erklärt, daß seit Jahren schon gewisse Fabriken in Holland und in der Schweiz, die in enger Verbindung mit Krupp und ähnlichen deutschen Werken stehen, für die deutsche Reichswehr modernste« Kriegsmaterial anfertigen. Große Depot» für diese» Material seien an der holländischen und der schweizerischen Grenz« auf außerdeutschem Gebiet angelegt; von dort könnt« da« Material im Bedarfsfälle ohne Zeitverlust auf deutsche» Territorium gebracht weiden. Weiter wird auf Grund genauester Unterlagen erklärt, daß in den betreffenden holländischen und schweizerischen Fabriken, die sich ausschließlich mit der Herstellung von Kriegsmaterial beschäftigen, deutsche Direktoren und deutsche Ingenieur« nach den Anweisungen der deutschen Rüstungsindustrie arbeiten. Was ist mit Schleicher? Berlin, 30, Mai.(Wolfs.) Don zuständiger Stell« wird mitgeteilt, daß di« Meldung verschie. dener ausländischer Zeitungen über die angeblich« Verhaftung General» v. Schleicher» frei erfunden ist.(Das Dementi ist unklar. Schleicher braucht nicht verhaftet zu sein, aber e» kann ihm verboten worden sein, einem bestimmten Ort zu verlassen. D. Red.). Jinnplrind junger Deutschnationaler aulgelöst. Hamburg, 80. Mai.(Tsch. P.-B.) Der Kampfring junger Dentschnationaler ist auf Grund der Verordnung de» Reichspräsidenten vom 88. Feber 1088 am Montag mit sofortiger Mrkupg verboten und definitiv aufgelöst worden. Aufnahme de» Minderheitenschutzes in die Frie- den-vertröge verlangt. Ter polnische Delegierte R a c z y n s k i sprach seine Zustimmung zu der Ansicht de» britischen Delegierten au» und mochte aufmerksam, die deutsclzen Delegierten hätten selbst inimer im Bölkerbundrate im weitestmöglichen Maße die Minderheitenverträge geltend gemacht, wovon jedoch heute von Keller Abstand nehme. Für die Tschechoslowakei sprach der Pariser Gesandte Dr. Osusky, der erklärte, für einen Staat zu sprechen, der im Regime der Minder- heitenvertrage lebt. In diesem Sinne könnte er den Standpunkt der Regierung darlegen oder mi» dem Falle die Belehrung ziehen. Aus der heutigen Debatte geht hervor, daß die zivilisierte Gemeinschaft der Völker— wie es die unsrige ist— niemals das Interesse für Fragen der Gerechtigkeit verlieren kann, und zwar nicht nur für Fragen der internationalen Gerechtigkeit, sondern der Gerechtigkeit im iveilesten Sinne de» Wortes. Dr. Osusky stimmt mit dem britische» Delegierten überein»nd schließt sich dem Wunsche Paul- Boneour» an, wonach die Frist sür die Durchberatung der Bernheim-Petition verkürzt werden solle. Ter deutsche Telegierte von Keller erklärte, dem Völkerbund« seien bereit» so viel Minderheiten- Petitionen unterbreitet worden, llüenn bei deren Erledigung in dem gleichen Maße SiNn für'Gerechtigkeit zum Ausdruck gekommen wäre, wie dies heute geschehe, würde der Völkerbund nicht so häufig einer Kritik, insbe- sonderS was die Minderheitenfrage betrifft, unterzogen werden. Der Berichterstatter Lester stimmte den Ausführungen de» deutschen Vertreter» nicht zu. Hierauf wurde der Antrag de» Berichterstatter» auf Kürzung der dem Sachverständigen- Ausschuß zur Ueberprüfung des Falles einruräuinen- den Frist angenommen, und zwar in der Form, daß der Rat sofort Zusammentritt, sobald der Bericht der Sachverständigen fertiggestellt ist. Goldstandard aulgegeben Washington, 30. Mai.(Wolfs.) Das Repräsentantenhaus hat die Gesetzesvorlage über di« offizielle Aufgabe des Goldstandard» mit 283 gegen 57 Stimmen angenommen. Hamburger Gewcritschalts innrer schalten sich gleich. Hamburg, 30. Mai.(Tsch. P.-B.) Tie bereits vor einiger Zeil angekündigte Spaltung in der sozialdemokratischen Fraktion der-Hamburger Bürgerschaft ist nunmehr vollzogen worden. Die Abgeordneten Ehrenteit, Schotte und A m l u n g, die führende Stellungen in den Freien Gewerkschaften einnahmen, sind aus der Fraktion ausgeschieden. Sie werden zunächst der Bürgerschaft al» Fraktionslose weiter angehören. Man vermutet, daß die noch in der sozialdemokratischen Fraktion verbliebenen Gewerkschaftler demnächst den gleichen Schritt tun werden. Senat. , Prag.: JO. Mai. Ter Senat genehmigte heute nach einer von fünf OppositionSrednern mit nicht inuner fachlichen Argumenten bestrittenen Debatte die beiden Vorlagen über die Aenderung der Geschäftsordnung im Einklang mit den vom Parlament beschlossenen Aenderun- gen. Lediglich in den dem autonomen Beschluß de» Senates freigestelletn Aenderungen wurde die Bestimmung ausgelassen, daß zur Perhandlungsfähigkeit de» Senate» die Anwesenheit einer bestimmten Zahl von Senatoren (gedacht waren 15) erforderlich sei: der Motiven- oericht begründet dies damit, daß die Präsenz in den Plenarsitzungen de» Senat» bisher immer ausreichend war. Auch die Fristverlängerung für die Arbeitsanleihe(noch 8 6) wurde genehmigt. Tie nächste Sitzung ist für Donnerstag, den 1. Juni. um 10 Uhr vormittags anberaumt. Tagesordnung: Assanie- rungSgcsetz, zweite Lesungen, Immunität««. Stile 4 Mittwoch, 31. rd 1388. Är. 127. Die Arbeitsdienstpflicht Militarisierung der Jugend Denkmal-Entwurf für an der Demokratie verdienende und um den FasriSmus verdiente Professoren und Oberlehrer. Dos Zemenlhartcll. Das Evidcnzbüro der mährischen und slowakischen Zementfabriken teilt mit, daß die Ber- Handlungen über die Bildung eines gesamtstaatlichen Kartells gescheitert sind, In Brünn finden derzeit Verhandlungen über die Bildung eines Rumpfkartellcs statt. Dies würde ein sinken der Zcmentprcise zur Folge haben. Brünner Fascistenprozeß. Tag der Psychiater. Brünn, 30. Mai.(Tsch. P.-B.) Ter heutigen Verhandlung vor dem Siaatsgerichtshof in Brünn wohnten wiederum die psychiatrischen Experten Dr. P a p i r n l k und Dr. I e l i n e k bei, nm die Zengenanssagen über den Geisteszustand des Angeklagten llvira entgegenzunehmen und über den Gesuildheilszustaiid des Angeklagten Kobsinek Bericht zu erstatten. Zu Beginn der Verhandlung verlas der Gerichtsvorsitzende Dr. VoLickx ein Schreiben des PrimariuS Tr. I. C' a f r I auS Mähr.-Ostrau, der Uvira bereits 27 Jahre kennt, Ter Zeuge schreib, u. a., er habe beobachtet, daß Uvira von dem Gedanken geradezu verfolgt werde, Unrecht erlitten und keine hinreichende Genugtuung er. halten zu haben. Ter Zeuge Professor Dr. Adolf E. Ba 8 ek kennt Uvira sehr gut bereits von seiner Studentenzeit. Er kann nicht aus eigener Erfahrung bestätigen, ,Zeuge irgendeines Anfalles Uviras gewesen zu sein. Tie Zeugin Eugenie Baiikovä kenn! Uvira sehr gut seit dem Jahre 1928. Irgendeine krankhafte Abweichung in seinem Geisteszustand hat sie nicht bemerkt. Die Zetigin Anna Uvirovn, die Frau des Angeklagten, sagt aus, daß ihr Mann au Anfällen litt, die sich so steigerten, daß er im Zähre 1928 zur Beobachtung in das 2t. Anna-Krankenhaus kam. Bei den Anfällen verfiel er in Bewußtlosigkeit, schlug um sich und blutete auS Mund und Nase. Nach dem Anfall habe Uvira irregesprochcn und die Personen verlvechselt. Ten letzten Anfall hatte er gerade Samstag, den 21. Jänner. Auch habe Uvira kchufig an Kopfschmerzen gelitten. Tie beiden psychiatrischen Experten Tr. Papirnik und Dr. Jelinek begaben sich dann in einen Siebenraum, um noch während der Verhandlung den Gesundheitszustand des Angeklagten Kobsinek zu unlersumd anderen religiösen Einrichtungen mit Erfolg bewerkstelligt worden, bat aber bedauerlicher Meise größeren Umfang nicht erreicht. Da setzte noch zur Regierungszeit DrüningS und sicherlich hervorgerufen durch die zunehmende Radikalisierung der erwerbslosen Jugend die Propaganda für einen„Freiwilligen Arbeitsdienst ein. Die Gewerkschaften nahmen zuerst gegen ihn Stellung, da sie— gewiß mit Recht— befürchteten, daß diese, nur mit Bekleidung, Wohnung, Verpflegung und geringem Taschengeld bezahlte, nicht unter den Tarifbedingungen stehende Arbeit die Erwerbsmöglichkeit für freie, organisierte und tariftreua'Arbeiter noch weiter einschränken werde. Gewisse Zusicherungen haben dann die Gewerkschaften zu einer Mlderung ihrer.Haltung veranlaßt. Der„MlD", wie der Freiwillige Arbeitsdienst benamst wurde, trat ins Leben. Nach einigen» Schwanken beteiligte sich auch das Reichsbanner Schwär,z-R ot-Gold an der Errichtung und dem Betrieb der aus öffentlichen Mitteln geförderten Arbeitslager, deren Jnsaffen mi Flußrcguliernngen, Wegebauten u. dgl. ni. beschäftigt wurden. Schon unter der ersten Regierung der»autoritären Staatsfüh- runq", dem Kabinett v. Papen-Gayl geriet der FAD mehr und mehr unter die Leitung des Ttahlhelms und der Hitlerpartei. Dementsprechend nahm das militärische Exzerzie- r e n immer größeren Raun» ein, die uniformierten Arbeitstrupps marschierten unter dem Gesang der rechtsradikalen Parteilieder, es erfolgten Hinoüswürse solcher Kameraden, die als Sozialdemokraten oder gar Kommunisten erkannt oder auch nur verdächtig wurden. Man kann sich vorstellen, wie das olles unter der jetzigen Regierung weiterentwickelt worden ist. Von Reichs- Tagesneuigkeiten Born Schalten- DaS Dritte Reich ward eingeschaltet: Recht und Gesetz sind auSgeschaltet, Die Wirtschaft wurde falschgeschaltet, Die Presse aber gleichgeschaltet, Der Reichstag wurde kurzgeschaltet, Die Länder wurde,» umgeschaltet Vernunft und Wahrheit abgeschaltet Verbrecher jedoch hochgeschqltet und Raub und Mord sind angeschaltet. A. W. Einbrecher verhaftet. Mähr^-Ostrau, 29. Mai. Bei dem Goldarbeiter L. Münz in Neu-Oderberg untersuchten uniformierte Wachleute einen Juwelenkauf. In diesem Augenblicke kam ein Mann mit einer Aktentasche in das Geschäft. Als er die Wachleute sah, warf er die Aktentasche fort und floh. In der Aktentasche waren Juwelen. Der Flüchtende wurde von Polizeiwachleuten und Publ»- kum verfolgt, wobei er etwa 20 Revolverschüsie abfeuevte, ohne jemand zu treffen. Später konnte der Unbekannte auf dem Boden eines Hauses ausgeforscht werden. Die Polizei stellte in ihm den gefährlichen Einbrecher Franz Nesvatba fest. Die »n der Aktentasche vorgefundenen Juwelen im Werte von 22.000 K stammten von einem Einbruch bei Dr. 6akrt in Mähr.-Ostrau. In der Aktentasche fand man auch einen Barbetrag von 4300 K. Gleichzeitig mit Nesvatba wurden der Goldarbeiter Münz und der Gastwirt Lisker verhaftet, die von dem Einbrecher die gestohlenen Sachen zu kaufen pflegten. Wahrscheinliches Wetter Mittwoch, de« 3t. Mai. Böhmen: Wetter zeitweise unsicher, lokale Gewltterneigung, sonst rin ganzen schön, untertags mäßig warm, geringe Luftbewegung. Einbruch in das Polizeikommifsariat in Chrudim. Dienstag gegen Früh drangen unbekannte Täter durch das Hoffenster, dessen Gitter sie herausgebrochen hatten, in die Räumlichkeit des PolizeikommissarioteS in Chrudim ein und bohrtet» die.Kasse an. aus der sie fast 4000 K entwenr.uen. Da die Räumlichkeit ziemlich äbge- 1 legen ist, konnten sie»mgestört arbeite«. Mau bonnerlagern, deren Zahl nie erheblich war, ist keine Rede mehr. Nun wird die Arbeitsdienst pflicht eingeführt. Alle, die am 1. Jänner 1934 bereits 19 Jahre alt sind, tverden dienen müssen, sofern sie nicht bei der ärztlikhen Untersuchung ausgeschie- den werden oder etwa in den noch bevorstehen, den Ausführilngsbestiinmungen Kategorien derjenige»» bezeichnet werden, die der„nationalen Ehre" der Teilnahme nicht würdig seien. Die Gleichschaltung dürfte wohl auch hier zur Einführung des Arierparagraphen mit Rasseprüfunq führen. Woher die Mittel zur Bestreitung der Arbeitsdienstpflicht genommen werden sollen, ist noch nicht bekanntgegeben. Eine offene Berineh- rung des Notenumlaufs bei der jetzt nur P Prozent betragenden Golddeckung würde natürlich den schon eingetretenen Kursverlust der Reichsmark im Ausland zur WährungSkatastrophe steigern. Die Silberpresse freilich kann gewiß>»och mehr hergeben als die sechs Milliarden, die sie nach glaubhaften Angabe»» bereits geliefert hat. Aber Silbergeld ist Binnenwährung, denit außer den Banknoten eines nicht inflatorische»» Landes werden nur feine Goldmünze»», aber keinerlei sonstiges Metallgeld im Ausland ge- wechfeltz Es ist gewiß kein Zufall und nicht bloße Ausnutzung verstehender Räume, daß die Zentrale des FAD Groß-Berlin in jenen großen, roten Backsteingebäuden an der General Pape-Straße am Rande des Tcmpelhofer Feldes untergebracht ist,»vorin sich früher die Landivehr-Bezirksko»nm» a n d o s und das Eisenbahnregiment befanden. Dort nickten alljährlich und iin Weltkrieg noch viel öfter die Rekruten, Rcsevvistcn und Landstürmer ein, dort traten während des Weltkrieges auch fünfnial die k. u. k. Musterungskommissionen für die in Berlin und Provinz Brandenburg lebenden Staatsbürger der verflos- senen.Habsburgermonarchie zusammen. Dort l)at man jüngst eines der düstere»».Hofgebäude dicht n»it Stacheldraht umzogen, dort stellen Posten in dunkler Uniform und dort befindet sich auch eines der fürchterlichsten Mißhand- lungslokale der SA, jener Leute, die der Reichskanzler v. Pape»„aufbauivillige Elemente" genannt hat. Schon werden im Reiche junge Erwerbsloje zum„Freiwill'gen Arbeitsdienst" einberu- f e»» und ihnen für den Fall des Nichterscheinens der Verlust der W o hl fa h r l s Unterst ü h u n g anqedroht. Was dieser Arbeitsdienst in Wirklichkeit ist, das werden so manche seiner Teilnehmer bald, erkennen; sie werden sich an Baterworte erin- nern, die in so vielen reichsdeutschen Familien stets vor den Söhnen erflungen sind und die begeistert schwärmten von der Zeit im bunten Rock öder in Kaisers Rock als der schönsten Zeit deS Lebens! wurde erst auf sie aufmerksam, als sie die Flucht ergriffen, doch gelang es ihnen zu entkommen Es handelt sich»vahrscheinlich um zivei Täter. Blllstze Uebernachtungsgelegenheiten in Karlsbad-Fischern. Nackwem der Weltkurort Karlsbad zu Pfingsten das Ausflugsziel vieler Genossinnen und Genossen sein dürfte, halten wir eS fuc angezeigt, wegen billiger und guter Uebernachtung auf die Naturfreundeherberge und auf das soz. Jugendheim, beide im Vorort Fischern, aufmerksam zu machen. Di« Naturfreundeheiberge mit sieben Betten befindet sich in nächster Nahe des Oberen Bahnhofes(Kinderschutzamt), das Jugendheim mit 20 Betten und 20 Strohsacklagern in der Volkswohlkolonie nächst der Keramfachschule. Sofern« mehrere Personen in Frage kommen, ist bei beiden vorherige Anmeldung erwünscht. Auskünfte werden durch die Naturfreunde-OrtS- gruppe,.Haus„VolkSiville", gerne erteilt. Toteütakel der Arbeiterbewegung. Der Vorsitzende des dänischen Unterhauses, Genosie Gerhard Nielsen, ist in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai gestorben. Er war ein Bauernsohn, der daS Gewerbe deS Zimmermanns erlernte. Seit 1905 arbeitete er an der sozialdemokratischen Preffe mit. Dem Parlament gehörte er seit 1918 an und wurde als Nachfolger P. H..Hansens i»n Jahre 1932 Vorsitzender des Unterhauses.— In Wien starb der Genosie.Hugo Schulz, lange Zeit hindurch Redakteur der„Arbeiterzeitung", nn Alter von 62 Jahren. Mißglückte Brückeuverschiebung. Zwischen Germcrsoorf und Hainichen(bei Chemnitz) ist Dienstag mittags eine Eiscnbahnbrucke in die Stricgis gestürzt. Sechs Personen wurden verletzt; sie mutzten in ein Krankenhaus gebracht werden. Die Fundamente der Brücke über dem Fluß waren seit einiger Zeit reparaturbedürftig. Um die Arbeiten zu ermöglichen, mutzte die Brücke verschoben tverden. Hiebei rutschte sie von iürer Unterlage u n d st ü r z t e in den Fluh. Die auf der Brücke stehenden sechs Arbeiter wurden tn die Tiefe gerissen. Drei von ihnen sind schwer, die drei anderen leichter verletzt. Selbst de« Spanier« zu spanisch. Am Frei- tag lief in den spanischen.Hafen Sevilla der deutsche Dampfer„Klio" ein, um dort feine Ladurm zu löschen. Da der Dampfer aber di« Hakemreuzfahne führte, erklärten die.Hafenarbeiter de» Streik fiir dieses Schiff und lehnten eS ab, die Entladung vorzunehmen. Um die Hafen- <3utli IS Sonntag Kindertag arbeiter zu versöhnen, kam der Kapitän des Tampscr die spanische Fahne, aber nicht die der Hakenkreuzflagge die spanischen Farben zu hisien; fei eS aus Versehen oder sei eS mit Willen, jedenfalls flatterte alsbald auf dem deutschen Dampfer di spanische'Fahne, aber nicht die der spanischen Republik, sondern des des frühere»» spannchen Königreiches! Der Erfolg war-in ungeheuerer Aufruhr im-Hafen von Sevilla; die Hafenarbeiter ginge»» mit Gelvalt vor, die Fahne verschwand unv zahlreiche Mitglieder der deut- schen Besatzung wurden schwer verletzt. Die De- monstranten forderten eine Erflärung des deui- schen Konsuls und deS deutschen Kapitäns, die sich für den angeblichen Irrtum entschuldigten. Der Dampfer„Mlio" aber zog vor, Unverricht-, ter Dinge mit seiner ganze»» Ladung wieder in See zu gehen. Die Liebestragödie in Tschernowitz. Ter Kutscher Ernst Oswald, der, wie wir gestern berichteten, einen Mordversuch an feiner Geliebten unternahm, wurde gestern früh in einem Felde bei Tschernowitz lebensgefährlich verletz» ausgesttnden. Er hatte sich iiiit einem Revolver einen'Schuß in die rechte Schläfe beigcbrach». Oswald, der noch immer nicht vernehmungsfäbig ist, wurde dem Komotauer Krankenhaus ein- geliefert. Verhaftung einer Räuberbande. In Micha- lovee(Slowakei) verhaftete die Gendarmerie eine fünfgliedrige Räuberbande, die den Schrecken der ganzen Umgebung bildete und nicht weniger als 116 Diebstähle verübte. An der Spitze der Bande standen die beiden Frauen Marie Deliman und Anna Basil aus Topolany. Kinder verunglückt. In Panilova bei RoSi- nava(Slowakei) lief der fünfjährige Knabe Joies D o b c 8 einem mit großer Schnelligkeit fahrenden Auto der Firma Schwarz in den We». Obwohl der Chauffeur sofort bremste, konnte dar Unglück nicht mehr verhindert werden. Ter Knabe wurde aus der Stelle getötet.— In Ztitnik bei Ry»n. Sobotä stürzte in einem Host-' der eineinhglbjährige Sohn des Johann Petr beim Spiesen mit anderen Kindern in die Jauchengrube. Er wurde zwar sofort herausgezogen und in das Krankenhaus gebracht, wo es jedoch nicht gesang, ihn am Leben zu erhalten. — In Velky Folkmar bei Göllnitz wurde das dreijährige Töchterchen des Landivirtes Andrej Sykora im Mühlbach ertränkt ausgesun• den. Das Mädchen wollte wahrscheinlich über den schmalen Steg gehen und fiel hiebei ins Wasser- wo es ertrank.— Auf dem Hofe des LäNdwirics Paul Byrostek bei Buzire in der Nähe von Ka- schau spielte das 20 Monate alt« Kind der Elisabeth Byrostkova. Plötzlich näherte sich daS Kind einem mit Wasicr gestillten Schafs, siel mit dem Kopf voran hinein und ertrank. Bombenerplosion in Kairo. In der Nacktt aus den 30. Mai explodierte vor der Residenz deS ehemaligen Ministerpräsidenten Mohammed Pascha Ahinud eine Bombe. Die Explosion rich- tete keinen Schaden an. Lawinenunglück. Nach Meldung des Münche ner Wehrkreiskommandos hat sich bei den zur Zeit im(karmischer Alpengebiet übenden .Hochgebirgstruppen der 7. bayrischen Tiv'sion am 29. Mai ein Unglück ereignet. Ein.' Patrouille der ersten Kompanie des 7. bayr'kcken Pionierbataillons München»vurdc im Abstieg von der Alpspihs von einer Laivjnc teilwei'e erfaßt. Bei der großen Geschwindigkeit de» Lawine konnten sich nur wenige Leute retten Zwei Pioniere fanden den Tod. Der Führer der Patrouille sowie ein Gefreiter wurden schwer, ein Oberpionier mittelschwer, ein Gefreiter kirfv. verletzt. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Donnerstag: Prag; 6.00 Gymnastik. 11.00 Schallplatten. 18.2'» Deutsche Sendung: Dr. Moucha: Nene Bücher. 20.35 OrchasteÄonzert.— Brünn: 16.1v Konzert. 18.25 Deutsche Sendung: Jugendstunde. 19.40„Sttll, der Vater kommt", Lustspiel. — Münihen: 21.00.^Bajazzo" von Leoncavallo.- Leipzig: 91.00 BoNSinulsilk.— Königsberg: 16.6» Orchesterkonzert.— Frankfurt: 22.30 ZeitgenüHMc deutsche Meister des Liedes.— Wie«: 10.55 Orchester- konzert. 19.40 Borträge auf zwei Klavieren. 20.2-' .Othello."_ Die heutige Prager deutsche Sendung. 1825 Deutsche Sendung: Jakob Wassermann liest aus eigen«» Werken.— Arbeiterfunk: Hein rich Hoffmann, Prag: Sozialismus und Mittelstand.— Arbeit smartU.— Deutsche Presienachrichte». Wt 127. Mittwoch, 81. Mai lfi8k Seite S Der Vertrauensmann IlMt«• Tribüne Monatsschrih Mr Arbeit er polltlk und Artetterkaltor. Dl«„TrlMM" tniertlcbtsi In mlllMicMl V«r- HMtunuD Ob*f 41« aktuell» Problem« 4m lnt*naUoa«tM tznUIim«». d«r Oekonomls ood 4er KnltarvollUk. hkeileni• K4. vitrllhrllcb I* Kl, Elnielhette 4 IU. Butelloniro lerch dee VirtrMtumm, 41« SehriimtbtellM- ml Volk»bocbh«ndlaet 3d«r direkt durch 41« Verwett!»» Pirat II- Nekaxaak« Ul Irr einzige Theatergast. Von Elia» Kemp. fllllf der Szene ist nur eine Theaterkasse zu sehen, in der die Kassierin sitzt und herzzerreißend gähnt. Jtr Portier kontmt herbcigescklendert, stellt sich vor der Kasse aus und fragt): Der Partie r: Wetten, daß? Die Kassierin: Daß wieder keiner kommt? Bin ich verrückt? Soll ich mein ganze» Schalt verwetten? Pariser: Peden Sie doch nicht! Mci- «en Sic, wir wissen nicht, daß Sie seit Tagen iämtliche Billett», weil sie so hübsch bunt sind, an d!« Firma Rathansohn zu Schleuderpreisen verlausen, damit die daraus Konsetti machen? Meinen Sic, wir-sind über diese Korruptionen nicht orientiert? Kassierin: Sie, mein Herr, sollten übrr- baupt schweigen! Wo» machen denn Sie mit ihren Programmheften? Portier: Und tvaö machen die andern? Di« Friseure, die ihre Schminken verkaufen, weil Li« Schauspieler sich einfach auf die Bühne setzen, Zigaretten rauchen und Bridge spielen? Di« Souffleuse, die seit Tagen zu Hau» liegt und heiser ist. weil sie da» Flüstern verlernt hat? Kassierin: Was wir alle machen? Wir helfen den Diersahresplan erfüllen! Dir vermehren da- Defizit der Regierung! Portier: Pst, nicht so laut! Wenn uns Loch jemand hört! Kassierin: Un» hören? Wer soll unS hören? Die Garderobiere vielleicht, di« von dcr ssharaklerheldin das Morphium geklaut hat und süß und sanft schlummert? Oder gar das Publikum? DaS Publikum hat Besseres zu tun, al» in» Theater zu gehen! DaS Publikum geht fchla- srn! Ganz Deutschland schläft, wenn nicht gerade geschossen wird. Portier: Heiliger dldols! WaS sehen meine arisch-blauen Augen? (Sin mittelgroßer, unheimlich auSsehender Herr Len Hut in» Gesicht gezogen, den Kragen hoch- geschlagen, dunkle Brille, hat leise die große Tür geöffnet, die zum Borraum führt, und schleicht zur Kasse.) Der Herr: Fräulein, kann ich Sie einen Moment persönlich sprechen? Die Kassierin(tvnloS): Einen Augenblick. Ich möchte nur noch mein« Mutter benachrichtigen. Ich möchte ihr'» schonend beibringen, di« alte Frau erschrickt so leicht. Und dann, sicher. lieber fremder Herr— werden Sie mich zur Polizei oder Gott behüte^ in eine SA-Kaserne bringen? Ter Herr: Ihre Angst ist nicht würdig einer deutschen Frau! Lasten Sie sich das gesagt kein. Die Kassierin: Gut. Gut, gut, gut. Was»vollen Sie mm eigentlich? Der Herr: Ra, was glauben Sie— wozu steh ich an einer Theaterkasse? Portier: Och, da gibt- die verschiedensten Gründe. Zum Beispiel um mit der Dame da zu flirt««. Oder um dem Portier eine Zigarette anzubieten. Oder überhaupt— eben um so da- zusteben. DerHerr:Ro— und um ein Billett zu kaufen etwa nicht? An dir Möglichkeit l>aben Die wohl gar nicht gedacht? Portier: B—b—billett?... Kassierin: Mein Herr, Sie sind verrückt. Verzeihung, aber Si« sind verrückt. Portier: Sie wollen ins Theater gehen? Zu so einem Stück? Moment— ich hole nur den Theaterarzt.(Ab.) Der Herr: Da» ist aber geradezu empö- reich! Immerhin ist da» ein Stück, da» der Herr Minister Goebbels(er nimmt Habt-Acht-Stellung ein) als im höchsten Maß« voll-bildend erklärt hat! Ein Stück, von dem er iogt«, di« ganz« Ration müßte e» gesehen haben! Ka Hierin: Sie düvftn da» dem Minister nicht so übel nehmen. Sie wissen, Minister haben manchmal ihr« Launen. Minister— Der Herr: Schweigen Sie! Sic sind nicht wert, Kassierin einer deutschen Bühne zu sein! Sie sind ein« dekadente, zersetzende Person! Ich werde nicht mehr mit Ihnen sprechen— geben Die mir ein Billett! Kassierin: Um Gotte» willen! Ein Billett— em richtige» Billett! Gegen Geld? (Der Thcaierarzt, der Feueüvehnnann. dcr Direktor, der Held, der sich ccken in höchster Eile einen Bart anklebt, di« Diva, die dabei ist, ihr Kostüm auszuziehen und das zum Spiel gehörige Dirndl kleid hinter sich herschleppt, eilen in höchster Bestürmung heran!) Durcheinander: Wo ist der Wahnsinnige? Haben Sie schon die Polizei verständigt? Menn er wild wird! Wer wagt es, RilterSmann oder Knopp, ihn festzuhalten? (Sie schleichen sich in komischer Pantomime an ihn Heron, schließlich erfaßt der Arzt vorsichtig den Arm des Herrn und zählt den Pul».) Der Arzt: Puls regelmäßig.(Er schaut dem völlig verdutzten.Herrn unter di« Augenlider.) Richt übermäßig gelb. Ein Gla» Master, bitte! Brom bitte! Aspirin bitte! Rizinu» bitt«! (Zu dem Portier, der eben aufgetauckt ist:) Gehen Sie doch schon! Lausen Sie schon! Si« sehen doch, der Arme bedarf dringendst der Pfleg«! Der Herr: Ich verbitte mir— (Alle fahren erschrocken zurück.) Der Direktor: Um Gotte» Willen, seid lieb uitd nett zu ihm! Wenn so einer gereizt wird, beißt er vielleicht! Die Diva; Schnucki, lei brav, hör zu, Niarum willst du durchaus in» Theater? E» ist draußen doch auch ganz schön. Es ist wirklich hübsch draußen. Die Stern« scheinen und der Mond, so«ine hübsche Landschaft hat Berlin— Dcr Held: Mann, ich sag« dir, weiche von dieser Stätte!(Zu den andern:) Ich werde ihn hypnotisieren!— Mann, laste ab von deinem Wahnsinn! Denke jetzt an— an— an Bratkartoffeln mit Apfelgelc«, ganz stark denken an Bratkartoffeln mit Äpfclgele«, Apfelgelee, Apfel- gelee— Der Herr: Ich weiß gar nicht, was Si« von mir wollen! Brn ich in einem Tollhaus oder im Theater? Ich will ein Billett! Ein Billett will ich! Der Feuerwehrmann: Do» ist immer so, in der Instruktion haben wir gelernt: De» öfteren Pflegt zu geschehen, daß die Vom Wahnsinn Befallnen all« Welt für verrückt, sich selber hingegen für einzig und allein normal halten. Dos ist so ein Fall. Wir werden ihn binden müssen. DerDirektor: Rein, Im Gegenteil, man muß nett zu solchen Leuten sein, ganz rührend nett und lieb. Fräulein, kommen Sie mal heraus aus der Kaste, vielleicht bemühen Sic sich einmal. Die Kassierin: Aber, Kleiner, warum willst du denn ein Billett? Willst du damit pie- len? Soll Mmnmi dir ein anderes Schnitzel sehenken? Willst du ein drüne» oder rote» Schnitzel haben? Au» Papierchen oder au» Hölzchen? Will du ein klein Pferdchen haben, Hoppe-Hoppe-Pferdchen? Der Herr(zum Artzt): Herr Doktor, Sie sind doch Akademiker. Sagen Sie, wo bin ich hier? Der Direktor: Er cmvacht! Er fragt schon, wo er ist! Er gibt zu, daß er sich geirrt hat! Antworten Ei«, Doktor, Doktorcheir, antworten Sie! Ich werde Si« zum Grus der RSBO Vorschlägen, wenn Sie un» retten! Der A rz t: Iewiß Akademiker.(Er verbeugt sich.) Herr Kommilitone wollen wisten, wo Sie sich befinden. Sic befinden sich im Borraum de» Schiller-Theater» zu Berlin an der-Havel. Der Herr: Man spielt hier den„Hias", wenn ich richtig orientiert bin? Der Direktor: Spielen— Spielen ist zu viel gesagt. Wr wachen über der Ehre des Deutschen Theaters, Heck! Der Herr: Ja— und waorum bekomm ich kein Billett? Ich will da» Billett sogar bezahlen! Die Diva: Weil Sie, mein Herr, das einzige Publikum wären! Der Held: Weil Sie, mein-Herr, sich irren, wenn Sic sich cinbilden. wir spielten vor dem- blöden Idioten, der in di« von diesem Regime gestatteten Stücke geht! Der Herr: Aber wenn ich eine Karte kaufen will? Wo ich sogar ein Anrecht auf Freikarte hätte?(Er nimmt die Brille und den Hut ab, schlägt den Kragen herunter.) Unerkannt wollt« ich mich unter» Volk mischen, da» meine geniale Dichtung bejubelt, unerkannt wollte ich von hinnen gehn, mich daran freuen, daß ich m«in Scherflcin beigetragen hält zum Erwachen Deutschlands—— meine Damen und.Herren — ich bin der Dichter!(Er schluchzt.) Ich bin dcr Dichter, womit hab ich da» verdient! (Alle umstehen chn höchst betroffen.) Die Diva: Da» ist allerdings peinlich. Wollen Sie Eau de Cologne? Wollen Sie in mein« Garderobe kommen? Dielleicht kann ich Sje tröst«» Der Dichter(immer noch schluchzend): Oh— oh— alles kapuut. Mein Stuck kaputt, da» deutsche Her; kaputt, das deutsche Theater kaputt— Der Direktor: Und Pleite! Der Dichter: Aber ich weiß, wer dran schuld ist! Ich weiß, wer dran schul- stt! Ich werd» dem Führer sagen! Schuld find— Alle: Wer ist schuld? Der Dichter: die Juden! Alle: Bravo! Bravo! Die Juden! S«hr richtig! Bravo! Die Schweine! Bmvo! Geriditssaal Her„Kapellmeister uns Minder Musiker— Berufsverbrecher au« Not. Prag, 30. Mal. Der 28jährige, fast ganz erblindete ehemalige Musiker Rudolf Duckte, der heut«, geführt von seiner Lebensgefährtin, ans der Anklagebank vor dem Senat des OGN. Toman Platz nahm, zählt zu denen, die gründlich unter die Räder gekommen sind. Er ist beschäftig nng». und obdachlos und hat aus feiner verzweifelten materiellen Lage ohne Skrupel die äußersten Konsequenzen gezogen. Fast vier Jahre lang lebte er ausschließlich von Schwindeleien aller Art, bald hier, bald dort austauchend und mit großer Gewandtheit Gell» herauslockend, wo immer sich eine Gelegenheit bot. Ob«S in einer vernünftig orga- nisterten Gesellschaft notwendig wäre, daß ein zweifellos hochbegabter Mensch zum Berufsverbrecher wird, soll hier nicht erörtert werben. Sicherlich aber muß di« Mitschuld der herrschenden Ordnung an solchen Fällen in Rechnung gezogen werden, ehe man den Stab über solch« Schuldige bricht. Die Anklage führt 37 Fälle von betrügerischer HeranSlocknng verschiedener- Gcllbeträge an, nebft verschiedenen Veruntreuungen und Unterschlagungen. Im Jahve 1920 begann der Angeklagte sein« Laufbahn, indem er den Pfarrer fiimSif der Weinberger tscl-echoflowakischen Kirchengemcinde um Unterstützung anging, unter der Vorspiegelung, er sei ein Franzose mit Namen Egon Bilognv und während seiner Studien am hiesigen Konservatorium erkrankt. Nun wolle er in di«.Heimat zurück und habe kein Reisegeld. Der Pfarrer gav ihm— einen alten Rock. Als er wiederkam, erhielt er zwar zehn Kronen, doch ließ Ihn der Pfarrer durch den Kirchendiener verfolgen und der Angeklagte wäre um ein Haar schon damals verhaftet worden. In den verschiedensten Städten de' Staates, von Proßnitz bis Klatt au, touchier auf und erschwindelte unter allerlei Vorwänden Geldbeträge von 100 K anstoärts. Meist trat er al? Kapellmeister oder Orchestermltglicr der Oper und der Philharmonie in Sofia auf und verlangte Darlehen, da er momentan in Verlegenheit sei. Ober er gab vor, daß er ans Bulgarien ausgewiesen sei und bat nm Beschäftigung durch Musikunterricht oder N o t e n a lisch reiben. Dann ließ er sich Vorschüsse an»- zahlen und verschwand auf Nimmerwiedersehen Außer Geld lockt« er auch Empfehlung», schreiben heraus, die ihm an anderen Orten sein Auftreten erleichterten. Ueberall trat er mit größter Sicherheit auf und macht« den besten Eindruck. Selbst baS Pol i ze io mt Tabor glaubte im Jahr« 1930 seiner Angabe,«r sei als Kapellmeister an einer Oper in Deutschland beschäftigt gewesen und ohne Schuld anSgcwiesen worden. DaS Poltzeimnt streckte ihm sogar 50 K für die Reise nach seinem angeblichen HcimotSort Proßnitz vor, die «S natürlich ni« znrückbekam. Daneben hat er bei verschiedenen Firmen, für di« er als Vertreter arbeitete, Waren unterschlagen, Bestellungen fingiert und Provision erschwindelt. Einem Pardnbitzer Kunstfreund lockte er ein Ge- mälde im Wert von 1000 X heraus und verkaufte e» sofort für 800 X einem Fabrikanten in Tinisch: Erst am 30. Rtwcmber v. 2. konnte er verhaftet werben.— DaS Gericht nahm Rücksicht aus den körperlichen Zustand und di« Notlage des nahezu Blinden und verurteilte ihn zu der Mlndeststrafc von fünf Monaten schweren Kerker». Ohne dies« Milderungsgrünbe wären ihm wohl mindestens zwei Jahr« sicher gewesen. rb. Kleine Erinnerungen. Em kleine- Heftchen in grauem Umichlag. Lcrgilbt sind die Ränder, zergrisfcn. Zerschlissen ist da» unscheinbare Kleid d«S Büchleins, ein Kleid, daS nie ein prunkendes gewesen, auch damals nicht, als«S buchhandlungsneu war. ,ß> t u r m." So heißt das Büchlein. Erschienen ist es im (fahre 1886 im VerlagS-Magazin(I. Schabib) tn Zürich. Auch das wird auf dem Umschl-ig mitgeteilt. Richt aber der Name des Verfassers. Ich habe das graue Heftchen hervorgesucht, alt ich vom Tode des Dichters John Henry Mackay erfahren hatte.„Sturm"— das waren die ersten Gedichte Mackays, dcr so lang« ein treuer Kampfgefährte der Arbeiter und zugleich ein revolutionärer Einzelgänger war, dessen wcil- hinhallcnde Gesänge so viele Proletarier auf- gcruttclt und doch kaum einen für die anarch'sti- schen Theorien des Dichters gewonnen haben. O, wir lasen MackayS flammende Gedichte klopfenden Herzens, sic rissen uns hoch, sie begeisterten uns,— wir lasen seine„Anarchisten", aber wir wurden keine Anarchisten. MackahS Gedicht« haben unzähligen Sozialdemokraten Kraft und AükunsiSglauben geschenkt, haben, mit den Dichtungen de» jungen Karl Henckell, ganze Genera- iionen junger Arbeiter begeistert. In einem kleinen Raum in einem Kellergeschoß iahen wir beisammen, stöbernd in den Schätzen der Bibliothek de« ArbeiterbildungSver- eines,' di« in einem großen Schrank unteracbrachi war. Zu den geliebtcsten Büchern gehörte di« von Henckell herau-gegeben-- Sammlung.Buch der Freiheit", heut« längst vergriffen, kaum noch gekannt, und in dieser schönen Anthologie revolutionärer Dichtungen hatten wir den. Namen Mackay gesunden. Wir. die Jungen, batten ihn hort gesunden. Bielen Alte» war er wohlvertraut. Und jo wie die Alten ihn liebten, so lernten auch wir den Dichter lieben. Den entstammten und darum entflammenden den begeisterten und darum begeisternden Dichter der «Evolution, Zärtlich fast streichen die Finger über die gelbbraun gewordenen Seiten des zerlesen«» Heftchens. Bleibt da» Auge an einem Ders haften, so spricht das Gedächtnis ihn mit. Und zugleich meide ich gewahr, wie gegenwärtig wieder manches der Gedicht« geworden ist, die damals in eine Zukunft wiesen, die heute schon Vergangenheit ist: „Und als die Ersten sind wir auserlesen, Die ersten Blöcke aus dem Weg zu räumen." Erster Stolz erfüllte unS damals, als wir zum ersten Male diese Worte lasen. Des Dichters Botschaft war uns Befehl. Blöcke mit aus dem Wege zu räumen, Blöcke, die den Weg zur Freiheit versperrten,— dos war die PionieraÄcit, zu der des Dichters Worte uns riefen. Rufen sie nicht wieder die Pioniere? „Sic müssen sich allem entgegen, was ivahr und frei sich nennt, stemmen"— o, wir wußten, wer sie waren, die allen» Zukünftigen sich ent- gegenstelltcn, wir wußten, daß es für sie keine Wahl gab, keinen anderen Weg! Sie hatten ine Macht, sie konnten unS Blöcke in den Weg werfen, si« stemmten sich uns und den Ideen, die in unS lebten, entgegen— aber mit dem Dichter fühlten wir eS, mit ihm jauchzten wir:„Heil uns: die Zukunft ist unser!— Fluch ihnen; sei ihnen die Stunde!" Als Machay diese Worte schrieb, e» war noch zur Zeit d«S Sozialistengesetzes, da stand man „am Scheidepfahle, wo sich zwei Wege gewendet: der eine wies in die Ferne, der ander« ist bald geendet". Und wieder steh«» wir am Scheidepfahle! Stehen an einem, von den» die Pfade abpveigen in die Vergangenheit und in die Zukunft. Daß Millionen in die Vergangenheit taumeln, daß anderen Millionen der Weg in die Zukunft verrammelt wird— darf es uns beirren? Wissen wir eS nicht, trotz alledem: die Zukunft ist unser!? Wir wußten es damals, wir, di« Jugeird einer jungen Klasse! Und wir hoben«in Stück Zukunft mitgestaltet. Ja, eS ging vieles, eS ging in manchen Ländern alle- verloren, was diese Jugend der Jahrhundertwende und waS Junge schon vor ihr erkämpft. Aber: jung geblieben ist unsere Klasse, und geblieben ist ihr die große Ausgabe, und so w-< wir damals, wir Jungen in den ersten Jahren des jungen Jahrhunderts, inbrünstig mit dem Dichter auSriefen:„Kehre wieder über di« Berge, Mutter der Freiheit, Revolution!", so rufen eS sehnsüchtig, rufen cs gläubig wieder Millionen Geknechteter... Weiter blättert die suchende Hand in dem grauen Büchlein.»Zwischen den Zeiten" heißt eine Godichtrekhe, die wilden Fluch deS empörten Dichter» gegen die Justizmörder an den Chikagoer Anarchisten(1887) schieudert. Vor wenigen Jahren, als Saeco und Vanzctti ermordet wurden, haben andere Dichter ihr« Stimmen erhoben. Mackay, alt und müde geworden, schwieg damals. Längst mochte er von Zweifeln an der Kraft deS Dichteavortes erfaßt worden fein. Der Einsam« wußte vielleicht gar nicht, wie stank sein Wort gewirkt hatte. Richt den Mord Ijnlte«S zu ver- yindcrn vermocht. Lesen die Justizmörder Gedichte? Vermögen ungestümste, loderndste Dichterwort« eines Klassenrichters Gemüt zu wandeln? Aber viele Zukunftskämpfer haben sie erweckt, in viele tauseick» Herzen Begeisterung gegossen. Manches der viädichte in der Gruppe„Weltanschauung" hält vor strenger kritischer Prüfung nicht stand. In manchem erdrückt di« Theorie di«.Kuilst. Mackays anarchistische„Programm"- Gedichte, in denen er über die„Gesetze", die „Grenzen", den„Atheismus" spricht, lassen kalt, sie packten uns auch damals nicht. Wie aber hat die große Dichtung„Am AuSgang de» Jahrhunderts" zu uns gesprochen! Und wie in jenen Togen, do unsere Zeitungen io oft beichlognahntt wurden, das troihge Gedicht: „Ihr könnt da« Wort verbieten— Ihr tötet nicht den Geist!" Dafür, daß Mackay uns so viel Begeisterung gegeben— denn was wäre.unsere Jugend ohne dies« Begeisterung gewesen?— daß er uns mit KamPfeSfrende und Kämpfcrstolz erfüllt.— daß er unS diesen himmelhoch'!legenden Zukunftsglauben geschenkt— dafür werden viele, die sich nicht nur die Erinnerung an ihre Jugend bewahrt haben, sondern auch die Begeisterung für ihre Jugendideale, die ja gleich sind den großen ewigen Menschheit-idealen, dem Dichter dankbar iein über das Grab binouS. Und vielleicht hat mancher bei der Nachricht von seinem Tode sich an daS kleine graue Hcst erinnert uicd cs hcrvorgoholt, um sinnend tarnt zu blättern. Und blättert er es durch, dann verlveilcn seine Blicke vielleicht auch auf den letzten Seiten, die Schriften des„Verlags-Magazins, das den „Sturm" herausgab, ankündigen. Uno er sicht angekündigt:„Studenten-Tagebuch" oon Otto Erich— das war Otto Erich.Harlleben,— und „Buch der Zeit" von Arno Holz,— und Bcb-ls später unter anderem Titel berühmt gcwvrd.-> lichc Germanisierttng des tschechoslowakischen Rundfunks" zngchen und der„E x p r c s" wird ihn mit balkendicken Lettern, vierspaltig ausgemacht, seinen Lesern mit einem von nattonaltftischcm Pathos geschwellten Kommentar vorsehcn. Unser Berichterstatter hatte — von befreundeter Seite aufmerksam gemacht—- Gelegenheit, mit eigenen Augen zu sehen, wie die Unterschriften für derartige„flammende Proteste" aufgebracht werden. Herr S t r i b t it y und Konsorten wissen genau, was für eine Rolle im Leben des Prager Kleinbürgers der„Vycep" spielt, der Bierschank, das„Bcißl", wo sich diese Kreise znsammcnfindcn. Es scheint, daß diese Lokale und Lokälchcn systc- matisch von sasciftischen und Halbfascistischen Agenten bearbeitet werden. Unter diesen Agenten sind überaus armselige Gestalten; regelrechte Hausierer mit nationalistischen„Gütcrii" aller Art. In einem Aitstädler„Vyirvp" konnte ich— dank freundschaftlicher Anleitung eine recht eindrucksvolle Szene dieser Art beobachten. Die Gäste sind fast ausschließlich Handwerker und Gewerbetreibende, unter denen Slribrny neuerlich die heftigste Propaganda enifaltet. Glicht genug an allerlei Flugblättern, die er ihnen ins Haus schickt, läßt er sie nun auch in ihrem Eide- rado, dem geliebten„Vyeep" ourch seine Sendboten bearbeiten. In dickem Fall war es ein magerer, hungrig aussehcnder Jüngling, der aber im Besitz einer schrill durchdringenden Stimme und der eigentümlich kollernden und sprudelnden Bcredsantkeit der Markschreier war. Als ich eintrat, bearbeitete er eben die versammelten Stamtngästc. Der Inhatl der Suada war einfach: an der Krise und dem schlechten Geschäftsgang ist die Regierung schuld, hauptsächlich die Sozi; das tschechtsche Volk braucht eine nationale Führung; die Gcwcrvctreibcnden sollen sich unter dem Banner des integralen Nationalismus santmeln usw. Als aber die verführerisch in der Luft ge- schwettkten Beitrittserklärungen unbegehrt blieben, legte der Agent eine neue Walze aus. Jeder tschechisch Fühlende müsse„auf- schreien", weil man im Prager Rundfunk l n i ch t s anderes zu hören be ko mntc, als den Minister Spina und anderes„deutsches Geplapper"(lcutlnninn).(Tie deutsche Sendung bildet maximal ein Achtzehntel der Sendezeit! A. d. Red.) Nach einem tollen Durcheinander i von„deutscher Erbfeind"—„Zizla"—„Hussiten- tinit"„Nationaler Staat" kam der Haüptcffekt. Der Marktschreier begann mit großer Schaustellung etwas zu schreiben, offenbar darauf erpicht, nach dem Inhalt gefragt zu werden. Da sich aber niemand dafür interessierte, begann er unbcfragt mit bescheidenem Stolz zu erklären, er habe soeben ein„P r o t c st m a n i f e st" a u s- g e s e fcj". Gegen daS„Deutscheln"(nömönnl) und„Schweizer u"(Svcjcareni) im Rundfunk. Dann lud er die Gäste zur Unterschrift ein. Das Ergebnis war mager. Bon 14 Anwesenden unterschrieb einer, vermutlich in vorherigem Einverständnis. Biclleicht hat sich das Bürschlein die Sache selbst verdorben, als es sich zu der Behauptung verflieg, cs würde seinen Apparat„in kleine Stücke zerschlagen, weim es nicht besser lvürde", obzwar er 6000 K gekostet habe. Zuerst lachten die Bürger aber dann waren sie erbost darüber, daß der armselig au hende Bursche ihnen solche Bären ausbinden wollte. Nach seinem?lbgang behauptete einer der Gäste, daß der Agitator nach der Zahl der z u st andc gc b ra ch t c n Unterschriften oder Beitrittserklärungen bc- z a h l t werde. Also ein regelrechter Hausier- handcl mit politischer Ware. Mit den kleinen Schächern, die den Detailvcrschlciß besorgen, ist nicht zu rechten. Das U n t e r n c h ni e n, dem sie dienen, der internationale H y p e r n a- t i onaliümu s, ist allerorten von gleicher Häßlichkeit, Verlogenheit und Bestialität, welcher Zunge immer er sich bedienen mag. Bg. Kunst und Wissen Prager Konzertsaal. Auch in der zweiten Maihälftc gab es, allen Blüten- und lockenden Naturwundern zum Trotz, künstlerische Ereignisse in Menge in den Prager Konzcrtsälen. Sinsoniekonzerle, Kammer- >n u s i k a b c n d e und S o l i st c n k o»z e r t c waren hiebei gleichwertig vertreten. Unter den letzteren war das große Ereignis ein Konzcrlabend des weltberühmten spanischen Ccllovirtuascu.Pabl^ E a s a l s, jenes unerreichten Meisters auf seinem Instrumente, der höchste technische Vollkommenheit mit vollendetster Vortragskultur und Ausdrucksgröße zu einheitlichster Kunstschönheit verbindet. In Ioh. Seb. Bachs 6-moll-Suite und Anton D v o f ü k s U-moll-Konzcrt offenbarte er alle Wunder seines edlen und stilreinen Ccllospieles, in den kleineren Konzertstücken des letzten Programmabschnittes auch die unerhörten Wunder seiner Virtuosität. In dem Prager Pianisten Otto Schul- h o s hatte der Konzertgcber einen musiergiltigett Begleiter, der sogar den Ersatz der Instrumentalbegleitung vergessen machte.— Der tschechische Verein zur Errichtung eines Dvofäk- Denkmals in Prag hatte ein großes Festkonzert veranstaltet, um einen entsprechenden Denkmal fonds zu schaffen. Aber cs ist bezeichnend siir das Kunstintcrcssc dcü Publikums, daß cs für ein künstlerisch so bedeutendes und für den musikalischen Rus Prag» so wichtiges Kcmzcrt, dessen materieller Ertrag der Ehrung eines der größten tschechischen Musiker diente, weniger Verständnis und Teilnahme cntgcgenbrachtc als neulich für daS Sen sationskonzcrt des polnischen Startenors Kiepura und den Tanzmusikabcnd Johann Strauß'. DaS Programm des Festkonzertes war natürlich ausschließlich Anton D v o s- ü k und seiner Tonkunst gewidmet; es cnchielt die„Husitischc Ouvertüre", das festlich-rauschcnde„T e deu m" für Soli, Chor und Orchester und die Sinfonie„Aus der neuen Welt", das form- und klangschöne Erinnerungsbild des Meisters an seine amerikanischen Kunstjahrc. Die hervorragendsten tschechischen Knnstkrästc hatten sich für diese musikfestlichc Aufführung zur Verfügung gestellt: das Orchester der Tschechischen Philharmonie, der Gesangverein „H l a h o l". Zdenka Z i k o v a von der Wiener StaatSopcr, Joh. Konstantin von der Prager Tschechischen StaatSoper und— als Dirigent Wenzel T a l i ch, der einstige künstlerische Führer der Tschechischen Philharmonie, der nach längerer Tätigkeit im Norden wieder nach Prag znrückgekchrt ist. Unter seiner temperamentvollen und energischen Ttabsiihrung waren alle Mitwirkeuden begeistert ihren Aufgaben hingegcbcn und ermöglichten eine wirklich festlich-glänzende Konzcrtansfiihrung, deren Beifallsstürme in erster Linie dem wieder gewonnenen Dirigenten T a l i ch galten.— In einem Konzerte des R a V i o j o n r u a l c s stellte sich ein neuer, junger tschechischer Dirigent vor, Robert Brock, der an Werken tschechischer Autoren(Smetanas o-dur-Ouvertüre, DvofiikS .,Othcllo"-Borspiel, Bit. NoväkS„Serenade" und Leo I a n ü L e k s ,,Blanik"-Balladc) nicht nur Umsicht.in der musikalischen Leitung, sondern auch rhythmisches und dynamisches Feingefühl in der tcrpretation erkennen ließ. Eine neue, künstlerisch hochbedcutende K mermusikvereinigung lernte man in dem Lütticher Streichquartett(„Ouatuor de Liöge"). kennen, das erstmals in Prag konzertierte. Die vier Instrumentalisten dieses Streichquartettes (H. Koch, I. Beck, I. R o g i st e r und dessen Gattin Lydia Rogister-Schor) zeichnen sich nicht nur durch vollendete technische Meisterschaft auf ihren Instrumenten und präzisestes Zusammenspiel aus, sondern auch durch Stilgefühl, Ausdrucküecht-1 heil und Temperament im Vortrag. Vorbildlich schön und gediegen war auch ihr Programm, das, mit einem klassischen Quartett von einem romantischen Streichquartett 2ch ummit* und mit Paul Streichquartett Opus 22, diente. Man auSgczcichnetcn Künstler» gern wieder Im Konzertsaal begegnen.— Auch zwei neue Gesangs-! k ü n st l e r traten erstmals vor die Prager Konzert- össentlichkeit: der russische Tenor Dimitrij 2mir- n o w und seine Frau, die S o p r a n i st i n Lydia T m i r n o w> M a l c c w. Beide sind Repräsentanten der italienischen GesangSschulc, beide huldigen vor allem dem Operngesang, wie ihr Programm bewies, das vorwiegend aus Opcrnarien und Opernduetten zusammengesetzt war. Vollkommenheit der Gesangskultur im vartraqsäsihetisrhon Sinne ließen beide aber vermissen. Als umsichtiger Klavierbegleiter bewährte sich der Olmützer Operiirhes Adolf Geller.— Als Pionier des tschechischen Liedes hatte sich in einem eigenen Liederabend der bekannte tschechische Tenor T.§ i nt e f betätigt, der al« Gast in einer Veranstaltung des rührigen Prager Vereines zur Pflege des tschechischen Liedes sang und der in Fr. G. Fischer eine ganz ausgezeichnete Begleiterin am Flügel hatte. Das Prager Tschechische S t a a t S k o n s e r- vatorium hatte zwei, seiner musterhaften! öffentlichen M u s i k a b c n d e der solistischen! Instrumental- und Vokalmusik gewidmet.— Was sonst an Konzerten dieser und jener Art geboten wurde, entzog sich entweder anderweitiger Ver-1 pflichtungen wegen unserer kritischen Betrachtung! oder war dieser nicht wert. E- J. i „Musil um Susi", Bernhard G r ü n s letzte Operette, wurde am Montag als volkstümliche V o r st«ll n n g mit vier Gästen gegeben. Hiezu ist zweierlei zu bemerken: als volkstümliche Vorstellungen sind modern« Operetten nicht ganz am Platze und als wohlfeile Thcaterveranstaltungen rechtfertigen sie kaum den Geldaustvand für vier Gäste. Unter diesen war die ur-nurblonde Erika von T h e l l m a n n eine entzückende Uoberraschung, denn d!e vom Film komntende Künstlerin zeigt« nicht nur eine reizende Erscheinung, sondern auch ungewöhn- !ich viel Charme in der Tavstellung, bedeutende Kunst in der wechselnden Mimik und reizvollen, aber immer dezenten Point'erung und lebhaftes, di« Szene mit Tonncirch.sin erfüllendes Temperament. Leider hat sie als Sängerin nicht das gleiche groß« Talent; vor ollem die Unausgeglichenheit ihrer Stimme ins dynamischen Sinne stört einpfindlich. Bon ihren beiden Wiener Partnern, Walter Rilla und Ludwig Donath, die ebenfalls beide voni Film kommen, ist namentlich der zuerstgenannte als nobler und dezente- Schauspieler und— vorzüglicher Get- aer zu loben. Leider haben auch sic beide nicht eben die besten Singstintmen von der Natur erhalten und behelfen sich niehr durch Deklamation als durch Gesang. Musikalischer Leiter der Aufführung war als vierter Gast der K o in p o n i st selbst, der seinem Werke als vor allem rhythmisch fürsorglicher Mittler diente. E. J. L. Löwenthal, bekannter Kapellmeister und Komponist, welcher jetzt aus Deutschland ausgewiesen wurde, wird am 31. d. M. in der Park-Restau» ration„Perkutov"(Hluboeepy, Elektrisch« Nr. 8) das Prager Philharmonisck)« Orchester als Gast dirigieren. Anfang um 5 Uhr nachmittags. Sport• Spiel»KflFBerpüefle Europa-Meisterschaft der Arbeitersußballer: Oesterreich schlügt Polen 8:1(3:8). Am Montag fand in Wien das Europa-Meisterschaftsspiel beider Verbände statt, nachdem am SamS- tag der Regen einen Strich durch di« Rechnung gemacht hatte. Die Oesterreicher hatten, diesmal einen guten Tag und siegten verdient, doch ist di« TrefjerauSbeut« zu hoch ausgefallen und wären zwei Tor« durch den polnischen Hüter leicht zu halten gewesen. Die Polen stellten ein« sehr schnell« und körperlich starke Elf ins Feld, die sich aber zum Großteil nur auif di« Verteidigung beschränken mußt«. Nur nach der Paus« gaben sie durch zwanzig Minuten den Ocsterreichcrn einen gleichivcrtigcn tswgner ab. Zudem hatte Pole» kurz nach Beginn das Pech, seinen Tormann Slovlk durch Verletzung lHandverstauchung) zu verlieren; an seine Stelle trat Stoll. Bei den Ocsterreichcrn hatte die Verteidigung nicht allzu schwere Arbeit zu verrichten, da der polnische Sturm zu durchsichtig spielte. Sonst wär« nur noch das Jnnentrio zu erwähnen, in dem Foreith der beste Stürmer war und allein drei'Tor« schoß, Schiedsrichter Genosse Fisch(Budapast) hatte bei dem überaus fairen Spiel nicht vicl zu tun. Ais Rahmenprogramm fanden folgend« Wettkämpfe statt: Fußball: Wiener Jugcndteam gegen Kindersreunde-Els 3:1(1:0s; Frauen-Tram des Arbeiterhandballverbandes gegen Frauen-Tcam der Turner 9:2(8:1); Männerhandball: Red Star gegen Danubia 12:9(5:3). Ncstfalkcn, Zungfalken, Rote Fallen. geben Mittwoch SpielnachmUtag um 4 Uhr auf der Hetzinsel. Bei Regenwetter in der Holleschowitzer Schul«. ASB. Mcierhösen 1 a gegen Nord-Wien 1 a iBasä-Liga) 1:3(1:0). Die Wiener, die bereits a». ein fehlerloscs Ganzes. Das Nepiltat bosagt in diesen! Fall« gar nichts,«s kann für dieses Spiel kein Gradmesser sein. Die Wiener waren zumeist im Angriff und nur dem ungeheuren Eifer der öalf- reihc und der Verteidigung sowie der noch besseren Torniannsleistung ist cs gubzufchreiben. daß ein jiir Mcierhösen so schmeichelhaftes Resultat herauskain. Schiedsrichter Genoss« I l t i s Falkenau gut. Fußball-Länderkampf N.edcröstcrrejch gegen Wien- Polen komb. 3:2(1:0). 2n dem am Sonntag in W i ener.N«nstadt auSgetragencn Länderspiel zeigte das kombiniert« Team zuerist weniger Kombination als gute Einzelleistungen. Die Polen stellten für dieses Match nur ihr« vier Ersatzspieler zur Verfügung. Den Angriff führte der Pol« Czo- p'k, der viel Spielverständnis zeigte und auch ein Tor erzielte. In der Halfreihe gefiel der polnisch« Mittelläufer Komander, der taktisch sehr klug und aufopfernd spielte, während fein Genosie Wienkow- ski als Seitcichakf erst nach der Pauk« mit ei:r guten Leistung auistvartete. Im Tor sing Stoll (Polen) mit viel Geschick, aber riskant. Die Niederösterreicher waren vor der Paus« besser und schufen eine Reihe gefährlicher Situationen und haben den Sieg verdient. Ähr« basten Leut« hatten sie im Mittelläufer und in der Verteidigung. 4900 Zu- ichauer. Aus der Partei Jugenvbewegung. Matteotti-Kamerodschast Jungfalle»: Freitag Pflichtveranstaltung, Monatsvepammlung bei gutem Wetter aus der Hctzinsel, bei schlechtem Wetter;m Verein deutscher Arbeiter. Mitzubringen sind Mit- glicdsbeiträge, Legitimationen und Anmeldungen sür di« Pfingstsc.iertage und das Sommerlager. Pfingst- fahrt nach Propren insgesamt 35 K. Vereinsnadiriditen Singgemeinde. Freitag, den 2. Juni, AuS» sch u ß s i tz u» g,'-8 Uhr im Probcnlokale. Der Fitm Amerikanische Filme weiter ansgeschaltet. Die Verhandlungen der heimischen Produktion und Kinobesitzer mit den Vertretern der amerikanischen Konzern« Fox-Paramount-Metro und United- Artists wurden am Montag als ergebnislos abgebrochen, der Generalbevollmächtigte des Hayr- KotycrnS Me Canty ist bcreits nach Parts abgereist. Unser« Kinos werden weiter auf amerikanische Filme verzichten müssen und unter. der Programmisere weiter leiden. Di« Anierikaner verlangten Vertretung in der Devisenkomnnssion, welch« von der heimischen Produktion entscheidend breinflußt wird, damit über di« Einfuhr nicht ausschließlich die Konkurrenz entscheide; daran sind im-wesentlichen die Verhandlungen gescheitert, was vom Swndpuukt der Kinos und des Publikums zu bedauern ist. In dieser Frage kann noch nicht di« letzte Entscheidung gefallen sein: die Existenz von 2909 Kinos steht hier den materiellen Interessen der Prager Produzenten gegenüber, die natürlich Interesse am Ausscheiden der Konkurrenz haben. Und in otesem Punkt muß maßgebend sein ,waS für das Publikum wichtiger ist: ungenügende Filme heimischer Produktion oder technisch interessante Werke der Amerika»:!. Ole Gegenwartsausgaben der jungen Parteigeneration. Genoss« Rudolf Hübner spricht zu diesem Thema am Mittwoch, den 31. Rai, in einer Versammlung der S. I. I im Heim, Fiignerovo mtin. 4. Begin« 8 Uhr. Die jungen Genossinnen und Genosten dei Partei, des Turnvereines und der übrigen KulturorgaNisatione» sind herzlichst willkommen. ttllllüit: euoftitt lall- Ld«I«»0»l!ru: SM>«Ic» Aldatt— UnaittwolUIcher Metatttut: Dr.»MU 011 a«ft, Pro«— Druck!.Sota*«..« für ÄeUana-»Sb«ahörüch tltag.— gü, Druck»icaonookllich: vlt» poiu, kM.— LI»»,»>->,,»M0iI>n,i0i>Iaiv> sutt' 00« tni•fioft. x T«1o< Urlatz St. UJ00/V1II1SS0 bewmyu.— Se,,^Ib«t>ML>m,«»: Vit Zuftkltung Im-«>!» oder bä«quu durch bl, Bon«weatllA Ke 16.—,-itlioiutzrtich U ü.—, W»t«tzti4 tu 06.-,«a-ilthn, U UH.—,- JnfecaU MtMa Uu r«ij bUUell otteiuet, Bti iftUM UiMhüMMM Wreisunchlatz,— SuckgcL-a,»,»«nustryn« erfolgt nt bli NUYcnbu», der kletennner'eib. Samstag abends ankamen, trugen Sonntag das erst« Spiel ihrer fünf Spiele umfassenden Pfingstturnce B e c t h o v e n. I in Mcierhösen aus. Bor Spielbeginn hielten Genosst von Robert t H o l I ck-Karlsbad für die Partei, Genoss« Muck Hi n tze m i I h St für die Kreisspiclleitung und Genoss« Obmann wird den F r i I s ch l a sür den Sportverein selbst.die Best r.ü ßungSausp rachen. Jin Namen der Wiener sprach der Reiseleiter Genosse KoNmann. 509 erschienene Zuschauer sahen ein Spiel, das sie sicher- sich befriedigt«. Di« Wiener hielten, was man sich von ihnen versprach. Nicht behagen konnte ihnen der weiche Boden. Sie stellten eine ausgesprochene junge Elf und doch jeder ein ganzer Fußballer, zusammen