klvzelvreis 70 Heller. ^Einschließlich 6 Heller Porto) Erschein» mi» Ausnahme des Montag täglich früh.- Tt.Oatiion u. TDtrtoallungi Cron u,OteMjenla I»* Teleod-«20793. 3140g, oraaurcaall. ta& 31 Ugt) I 33030* BoM®tOaml: 37344 13. Jahrgang. Gamstag, 3 Juni 1933 Nr 130. Die ersten Empfänge Del Masnrulf. Prag, 2. Juni. Der Präsident der Republik rmpsing heute im Rohmen der Fühlungnahme mit den Führern der Koalitionsparteien über die Möglichkeiten eines Ermächtigungsgesetzes als Vertreter der tschechischen Agrarier den Kammerpräsidenten S t a n L k und den Grneral» selretär Abgeordneten Beran und später für die tschechischen Sozialdemokraten den Genossen Abgeordneten H a m p l. Für morgen sind die übrigen tschechischen Koalitionsparteien geladen, und zwar Doktor Franke für hie Nationalsozialisten, stramsI für dir Klerikalen nnd Dr. HodaL für die Ralionaldcniokraten. Die Besprechungen dürften erst Dienstag abgeschlossen werden. Genosse H a>n p l rcferierle nach dem Empfang dem Klubpräsidinm, das den Genossen B e ch y n L beauftragte, die Stellungnahme der übrigen Koalitionsparieicn zu sondieren; bin dendc Beschlüsse wurden noch nicht gesagt. Bon der Koalition haben sich erst die lsche- chischen Agrarier, die ja die Väter dieses Gedan lens sind, für ein Ermächlignngsgejrtz ausgesprochen, die tschechischen Nationalsozialisten nur bedingungsweise; von den anderen Parteien liegen Beschlüsse noch nicht vor. Verbot der Nazipartei io Österreich? Drohungen Vaugolns- Dollfuß Wien, 2. Juni lAN). Auf einer großen! Kundgebung der christlichsazialen Angestellten und Arbeiter, die unter dem Motto stand:„Ein freies Volk im freien Land", und bei der Heeres Minister V a u g o i n sprach, kam es gestern zu Beginn der Versammlung zu einem Zwischenfall, als plötzlich der Ruf ertönte:„Tränengas!" Gleichzeitig machte sich im Saale ein beißender Geruch bemerkbar. Durch das besonnene Verhalten der Bersamnililngsleilnehmcr konnte jedoch eine Panik verhindert werden. Vaugoin erklärte u. a.:„Bevor noch in diesem Sommer der längste Tag vorüber ist, wird Ordnung sein. Wenn die Herren(Nationalsozialisten) glauben, daß mir nus alles bieten lassen und daß sie in ihren Braunen Häusern hochverräterisches Propagandamaterial, Waffen nnd Munition aufstapeln können, so haben sie sich getäuscht und wir werden mit ihnen schnell fertig werden." In diesem Zusammenhang ist auch die Meldung des„Extrablatt" zu erwähnen, das; das Verbot der österreichischen nationalsozialistischen »legt nochmals nach Dom. Partei, ihrer Sturmabteilungen, der Jugendorganisationen, der Frauenorganisationen, der gesamten nationalsozialistischen Presse, von Versammlungen aller Art und des Tragens von nationalsozialistischen Abzeichen bereits beschlösse ne Sache sei. Die betreffende Notverordnung wird, nach dem„Extrablatt", kurz nach der Rückkehr des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß aus Rom publiziert werde«. Dvllsnß und Justizminister Dr. Schuschnigg sind heute vormittags zur ilntcrschrift des Kon- lordats nach Rom abgcflogen. Ausreiseverbot für grof? deutsche Abgeordnete* Innsbruck, 2. Juni. Wie Abgeordneter Straffner niitieilt, Hai die Regierung den großdeuischen Abgeordneten, die zur Teilnahme an der TaguiM des Vereins für Auslandsdeutschtum (die ursprünglich in Klagenfurt stattfinden sollte!) nach Passau reisen wollten, die AnSrcisebcwilli- gtiug verweigert. -»8 Magere Versprechungen Dr. Schachts. Auslandsmoratorium noch hinausgeschoben. Auch über den Umfang einer derartigen Ermächtigung herrscht noch keineswegs eine einmütige Auffassung. Die Agrarier wollen die Ermächtigung, ziemlich weil ansdehnen und sic nicht nur aus den Zolltarif, sondern auch auf die Preisteaulleruilg und ans Maßnahmen zur Erhaltung des Budgetgleichgewichts änsdehnrn, stehen danül aber.Ziemlich allein. Ebenso ist noch völlig ungewiß, welchen Faktoren eine solche Ermächtigung- anvertrant werden sollte. Nrsprüng lich wollten.d.i.e--tschechischen Agrarier die.Ermächtigung dem Präsidenten der Republik-und dem Ministerpräsidenten geben: heute wollen sic jedoch an die Stelle des Ministerpräsidenten bereits die Gesamtregierung setzens Von Seite der tschechischen Sozialdcmvkralen wird wieder_ die Forderung nach ausreichender parlamentarischer Kontrolle der Ermächtigungsverordnnnge»— rumindcst durch den Ständigen Ausschuß— in den Vordergrund gestellt. Eine einigermaßen verläßliche Uebersicht über die Aussichten einer sulchen Vorlage wird bestenfalls Dienstag Nachmittag möglich sein, an dem das Parlament für 2 llhr zu einer Plenarsitzung einberusen ist. Dir heutige Plenarsitzung des Abgeordnctrn- hauses war nur von kurzer Dauer. Nach einem Nachruf für den verstorbenen Abgeordneten Dr. Kala8 wurde lediglich die Geschäftsordnung des Senats, die sich in einzelnen Punkten von der des Mgeordnetenhauses unlerselieidet, debattenlos an- genommen. In zweiter Lesung wurde die Ge- ichästsordnung des Abgeordnetenhauses und das Giseb über den Schutz der Ehre erledigt. Für die nächste Sitzung am Dienstag, den 6. Juni, um n Uhr nachmi'tags ist die Vorlage über die Finanzprokuraturen vorbereitet. Der Berfassnngsansschuß kam heute in der Spczialdebatte zur Gcmeindewahlnovelle bis zum 8 38; ein Subkomitee zur Beratung der vorge. schlagencn Aendcrungeu soll erst in der nächsten Woche gewählt werden. irrr 6 Millionen Arbeltsanlelhe Prag, 2. Juni. In der abgelaufencn Zeich nungspcriode, vom 27. Mai bis zuui 2. Juni, in die bereits teilweise die Anüwirknngen der Feiertage wie auch das Monatsultimo mit feilten erhöhten Ansprüchen auf den Geldmarkt folleji, wurden auf die Arbeitsanlcihe gezeichnet und bar cingezahlt KL 40,900.500, so daß niit den Zeichnungen der vorangehenden Wochen die Sumnie der Zeichnungen KL 1.553,673.200 beträgt. Die Zeichnungen nach 8 6 des Gesetzes über die Arbeitsanleihe, über die bei. den Zeichnüngs- ftcllen eben verhandelt Wirch, konnten in dieser Periode noch nicht durchgeführt werden, da die Perlängerung der Zeichnungsfrist für diese. Art von Zeichnungen von bett gesetzgebenden Körperschaften zwar bereits genehmigt ist, bisher aber noch nicht verkündet werden konnte, was erst in den nächsten Tagen geschehen wird. Berlin, 2. Juni. Die Berliner Tronoser- tonferenz Hot heute ihre Arbeite» abgeschlossen. Irgend welch« feste Abkommen wurden nicht erzielt, trotzdem scheinen aber die ausländischen Finanzsrnte von den deutschen maßgebenden Stellen einige Zusage» erhalten zu haben. In erster Linie soll RcichSbankpräsidrnt Dr. Schacht von der beabsichtigten unmittelbaren Verkündung eines Moratoriums für die deutschen Auslandszahlungen abgegangen sein. Dr. Schacht soll den Delegierten zngesagt haben, daß Deutschland zu (P. G.) Tie Vorgänge bei der Ucberführung des früheren b a d i s 6; e n Staatspräsidenten Genossen Adam Remucelc in das Polizeipräsidium von Karlsruhe übersteigen alles, was man bisher in einem Kulturstaat erlebt hat. Die Inszenierung der Straßeulund- gebungen kann nur verglichen werden mit den Gewohnheiten asrikanischer Negerstämme, welche ihre Gcfaugenen im Triumph durch ihre Dörfer schleppen. Unter dem Titel „Am Pranger. Desfentl'.che Uebersührung des cheuraliaen badische« Staatspräsidenten Rrmmrle ins Konzeutrationsloger", veröffentlicht der„Völkische Beobachter", München, das Zentratblalt der National„sozialistischen" Partei(Herausgeber Adols Hitler selbst), eine Korrcspondenzmelöung aus Karlsruhe, datiert vom 16. Mai 1933, die wir in ihrem vollen Wortlaut und ohne jede Abänderung nachstehend wieücrgcgeben: „Am Dienstag, wurde» der ehemalige Staatspräsident Minister Dr. h. c. Adam R e m m e l c, zUl-.'tzi Präsident der Teuüchen Koniumeinkausv- genojsenschafl in Hamburg, der vor wenige» Tagen von dort in Karlsruhe aus Ersuchen der Regierung eingclicscrt worden war, ferner der von Remmclc in das.Innenminister eingesetzte Regierungsrat Sten z, der iriiherc badische Staatsrat und Reichvtagsabgeordnete Rechtsanwalt M a r u m, der Redakteur an dem sozialdemokratischen Karlsruher„Volkssreuud", Grüne- b a u m, Polizcikommissar-a...D- Furrer, sowie die. Führer des Reichsbanners-uuü der Eisernen Front in Baden mit anderen SPD.-Mitgliedern von der Eisernen Front in Baden mit anderen SPT.-Mitgliedern von dem im westlichen Stadl- lcil gelegenen Aesäuguis durch eine Reihe von Straßen im offenen Polizeiauto nach dein Polizeipräsidium gebracht, von wo sie dann nach der diesem Moratorium nicht vor der WrltwirtschastS- lonserenz schreiben werde und daß, falls sich doü Moratorium als notwendig erweisen würde, die ausländischen Delegierten vorher verständigt und neuerlich nach Berlin eingeladen werden würden. Demgegenüber sollen die ausländischen Fi- nanzlritte zugesagt haben, daß sie bestrebt sein i werden, Deutschland seine ausländischen Zahlungen zn erleichtern und Schritte unternehmen werden» daß die Tevisenlage Dentschtands nicht noch eine weitere Verschlechterung erfahre. Ttrasanstalt Kieslau, dem jetzigen Konzentrationslager, gebracht wurden. Vor dem Gefängnis halte sich eine riesige Menschenmenge angesammclt, die die Bcrhasieten mit Pjeifen, Pfui und Riederruscu empsingen. Vor dem ersten Polizcikrastwagcn, auf dem die Berhasieien unter starker Bedeckung entblößten Hauptes saßen, schritt eine Zweireihige Ss.- Kolanne üniergesaßt zur Freimachung der Straße. Hinter dem ersten Polizciwagen folgte ein zweiter mit SA.-Vcsctznng. Außerdem war der Zug zu beiden Seiten nnd am Schluß von TA.-Leuten begleitet. Die Polizeiwagen fuhren ganz langsam im Schritt durch eine dichte, oft acht Glieder tiefe Menschenmauer... Ter Zug ging u. a. am Landtagsgebäudc und am Staatsministerium sowie am ehemaligen Getverk- schaftshausc vorbei, wo jedesmal kurz Hall gemacht wurde. Auch spielten unterwegs Kapellen das Müllerlied (Remmelc war früher Müllerknecht). Der Andrang des Publikums war so stark, daß der gesamte Straßenbahn- und Autoverkehr vollkommen tahmgclegt war. Unterwegs wurden verschiedene Rot-Front-Ruscr sofort auf der Stelle Verhaftet und aus den« zweiten Polizeiwagen mit transportiert." Das verösfcnlticht dos ossizicile Drgon der deutschen Reichsregierung. Es ist ein Beweis mehr, in welch gemeiner, unmenschlicher Weise die derzeitigen. Machthaber. Deutschlands jene Männer behandeln, die kein anderes Verbrechen begangen haben; als eine von der hitlerischen „Gcdankeiuvelt" abweichende Auffassung über Politik, und.Welt zu haben.. Grcuelpropaganda? Rein, Tatsachen, tvclche die.Hitlerherrschasi ein- für allemal als ein der elementarsten Zivilisation hohnsprechendes Schandregime in der Weltgeschichte buchen werden. Die Knltarschandc vor Karlsruhe. Dr. Rosche— der„Trommler“. Frech geworden durch die der Geistcsver- lassenheit weiter Volksteile entspringenden Erfolge Hitlers, haben seine sndetendentscheu Nachtreter Staat, Republik und Demokratie den Krieg erklärt. Tie Demokratie, die sie sonst schmähten und bespuckten, erschien ihnen als die Leiter, auf der sic emporznklcttcru hofften, denn sic auszunützen für ihre vor keiner Verdrehung und skrupellosen.Lüge zu- riickschreckenden Demagogie, dazn erschien sie ihnen gut genug. Sie mit ihr selbst und unter Mitwirkung des tschechoslowakischen Fascis- mns abzuwürgen, hätten die Nazis keine Bedenken getragen; die Gegensätze zwischen deutschem und tschechischem Fascismus sind ja nicht so abgrundtief, als sic uralrchem erscheinen mögen. Hitler hat auch keine Bedenken getragen, die Sudtiroler Deutschen seiner Freundschaft mit dem„Katzelmacher" Musso lini aufzuopfern nnd er sclzeut sogar vor Frcundschaftsverträgcu mit den Sowjets nicht zurück, wenn diese seinen Zwecken dienen, obwohl er doch vorher hnndcrtemalc zur Bekämpfung der bolschewistischen Weltgefahr aufgcrnfen halte. Ta erfuhr das hakentreuzlerische Programm eine Störuug. Tie tschechoslvtvakische Demokratie war nicht so morastisch wie die reichsdeutsche und setzte sich gegen den Fascis- mus beider Couleurs energisch zur Wehre. Ten deutschen Fascistrn siel das Herz in die Hosen und sie kamen in arge Bedrängnis. Sic erhobeit eine slciuerweichcnde Jcrcmiade über die„bedrohte Demokratie", die sie vordem mit ihrem Geifer nicht genug bespucken konnten. Da stellten sich ihueu wackere Helfer zur Teile— wer anders als die Deut s ch bürgerlichen, von den C h r i st l i ch s o; i a- i c n angefangcn bis zr> den politischen Anü- gedingern, so sich D e u i s ch d c m v t r a t c n nennen. Auch die G e w e r b c p a r t c i i e r taten mit. Sie alle, denen die Demokratie>ic mehr als ein Fuszsetzen geweseit ist, halsen den Nazis darüber weinen und klagen, daß sich die Demokratie nicht gutwillig nmbringen lassen wolle. Die Demokratie in die Mistliste ,u werfen, wenn sie ihren sozialen und p-Kiti scheu Ncallionsgclüstcn im Wege stand, i>is zu tun haben sie niemals gezögert, aber schier wollte ihr Her; brechen, als sie scheu mußten, daß die Abwehrmasznahmcn, welche die Demokratie zu ihrem Selbstschutz unternahm, auch gegen ihre nach Hillerscheni Muster ringe richtete und vielversprechend aufstrebende Fascistengarde, die deutsche» Nationalsozia- liste», gerichtet waren. Sie konulcn sich vor Jammer über den„Abbau der Demokratie" nicht fassen. Weniger zu Herzen ging ihnen das Treiben der Reaktion in Hitler Deutschland, wo die Geisteskultur mit mittelalterlicher Barbarei„gleichgcschaltet", jeder anders als„national" Gesinnte vogelfrei erklärt wurde, Recht, Gesetz, Moral, Menschlichkeit auf den Schindanger wanderten. Sie schiel t e n nicht, sie schauten— freudiger erregt als je— hinüber ins„deutsche Vaterland" und konnten es nicht erwarten, daß ein ebenso „frischer Wind", wie er aus Konzcntralions lagern und SA-Kasernen dnrch Deutschlands Gaue weht, bald zu uns herüber komme. Der ruitd rnn das Hakenkrcnzlager Herr- schenden Betrübnis ein Ende zu machen, er- stand nun ein Mann, dem cs bisher allerdings allein Vorbehalten blieb, sich für einen prominenten Politiker;» halten, der aber darnach dürstete, daß dies endlich allgemein anerkannt tvcrde. Er hatte herartsgesundett— was freilich auch minder Talentvollen nicht unbekannt geblieben ist— daß auch im Lager der tschechischen Bourgeoisie sich fascistischc Neigungen regen und der Sieg der deutschen Gegenrevolution unverhohlene Stimpathie' gefunden hat. Er-sagte sich: um die Gegen wehr gegen den Hakenkreuzfascismus— die SamStag, bett 8. Juni 1888 «r. liia Sitte 2 tnut ihm und seinesgleichen in eine» Generalangriff auf„das Sudetendeutschtum" uinge- fälscht wird,— zn verhindern, dazu bedarf es nicht nur unfruchtbaren Gejammers, sondern einer T a t. Einige Tage vorher war in der Nazi-Presse ein ähnlicher Gedanke serviert worden, wie er nun Im Kopfe des Herrn Dr. Rosche aus Nixdorf aufkeimte und der folgende Gestalt annahm: Schließen wir uns doch mit den fascistenfreundlichen Elementen im tsrl)«chtlchen Lager zusammen, bieten wir uns ihnen als Partner eine* neu zu bildenden sozialislcnrcinen Regierungskoalition an— mit einem Schlage tvcrden dann die Hasen zu Jägern! Es ist doch nur eine papicrdunne Wand, die uns von dem tschechischen Bürger- lum trennt— jenes Teiles des Bürgertums, das verstehen gelernt hat, daß es wichtiger ist gegen den„Marxismus", also für die Unter» drückung und Entrechtung der deutschen und tschechischen Arbeiterklasse ebenso wie für die Steigerung des Profits durch noch größere Verelendung der Proleten und Zerstörung ihrer sozialpolitischen Errungenschafen zu känrpscn, als wie es die Erhaltung der Demokratie ist! In seiner donnerstägigen Rede im Abge- orditctcnhausc hat dieser Vertreter der deutschdemokratischen Arbcits- und Wirlschasisge- nicinschafi alis seinem Herzen keine Mörder- grill'« gemacht und mit den stärksten Tönen nicht gespart. Auf den Trümniern des Rechts und der Freiheit eröffnet der FascismuS die Aussicht auf den Untergang des deittfchen Volkes, gerade diesen Augenblick aber hält der „Demokrat" Dr. Rosche für geeignet, den Saminclruf an alle tschechischen und deutjck)«n „Antimarxistcn" ertönen zu lassen, eiligst in die Fußstapfen Hitlers zu treten und schon malte er mit lockenden Farben das Bild einer neuen Koalition von den tsckiechijchcn Agrariern bis zu den Hakcnkrcuzlern alle cinschlie- ßcnd, die im Hitler-Terror und in der Hitler- Knechtschaft ein lcuchicudeS, nachahmenswertes Vorbild erblicken. Ter Herr Dr. Rosche, der sich mit seltener Hartnäckigkeit für einen Politiker hält, aber doch nur das enfant tcrrible des sudetendeutschen Bürgertums ist, Hai in seinem kurzen politischen Dasein schon mancherlei Wandlungen mitgemacht. Er war früher Deutschnationaler, war nicht imnier wütender Sozialistenfresser, hat sich vielmehr den Sozialdemokraten angebiedert, wurde dann sozusagen Demokrat und Hai nunmehr seine geistige und politische Gleichschaltung mit dem Hakenkreuz- fascisnius vollzogen. Nicht der Kamps für die „heiligsten Güter der Nation" in geschlossener Front gegen den tschechischen„Erbfeind" ist ihm mehr das wichtigste, sondern die Nicder- ringung des Marxismus. Neiderfüllt blickt er nach Deutschland hin, wo Hiller mtb seine braunen Mordgcscllen das Prvfitmachen durch Niedertrampclung der Gewerkschaften und jeder Gegenwehr der Arbeiterschaft alleii Klas- scngenosscn des demokratischen Ritters at«S Nixdorf leichter zu machen suchen und er srägt sich: warum geschieht das nicht auch hier? Wörtlich:„Es ist ausgeschlossen, daß die Tschechoslowakei für die Sozialdemokratie die Insel der Seligen bleibt!" Vernichtung dieser Insel der Seligen zum Wohle seiner tsck)echische Bürgertum Haber ertviekezr' deren DenFunk tcrnahm und auf den erfolgreichen Widerstand der gesamten denkscheu Arbeiterschaft stießen, waren fast uichlS dagegen. Tenn Papcn verordnete eine Tarifuntcrschreitung bei Neueinstel- lungcn bis zn 12.5 Prozent des Lohne», während Hitler den Tariflohn halbiert, wenn man daS, was in seinem ArbeitSbeschafstingSgcsch als Vergütung vorgesehen ist, noch als Lohn ansehen will. ES ist klar, daß diese„Arbeitsbeschaffung" sich nicht nur gegeit die davon unmittelbar be- gckennzcichnet, daß cS„im Interesse der Arbeitsbeschaffung"— dir nationalsozialistisch» Demagogie ist fürwahr unübertrefflich— eine großzügige Entlastung des Kapitals darstellt. An der Spitze steht die weitgehendste Ent- schitldung der deutschen Landwirtschaft oder besser gesagt, deS Großgrundbesitzes. Außer der Erweiterung des OsthilfefkandalS auf daS ganze zum großen Teil von den Arbeitern aus Mitteln der ErwcrbSloscnbeiträgc direkt finanziert. * Während Brüning noch vorgcbcn mußte, daß er bestrebt sei, die sozialen Härten seiner Maßnahmen„auf alle Schichten zu verteilen", i und zwar, indem er die große Tariflohnsrnkung mit einer— wenn auch unzulänglichen— Preis- senknngSaktion verknüpfte und neben der Schmälerung der Sozialrenten eine Erhöhung der Kapitalsteuer, natürlich in geringfügigem Maße— l„Schirm- Gefallen er den„Marxisten" mit seinem Anbiederungsversuchs. an die tschechischen Macht» Jene seiner Freunde, .Auktion nicht durch eine Prima- donnen-EiSclkcii getrübt ist, sollten ihn darüber aufkRiren. selbst und seiner Fabrikanten-Kollegen, das ist es, wozu Dr. Rosche nach einem„koalitions reiferen Gebilde" das aufntft! In dem Grade seiner Denkfähigkeit ahnt dieser Dr. Rosche gar nicht, was für einen niniuiininininiiiiiinminiiiimiiiiiiinniininiiiniiiiiimniiiimiiiiinitinniiiiiiiiinimiiiiniiiiniiiiiniimiiiiiiiiininniiiuiiknnniiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiHiiHiniiiiiuiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiinniiiiiiiiini Scheine statt Brot* Das neue Gesetz der Hitler-Regierung. Das am Mittwoch von der Hitler-Regie rung verabschiedete Gesetz, das von der aleichgc« schalteten RrichSprcssc als„Groß-Angriff gegen die Arbeitslosigkeit" bezeichnet wird, entblößt die soziale Demagogie des deutschen FasciSmus. Es wäre im Hinouck auf daS furchtbare Elend der deutschen Arbeiterklasse wenigstens etwas, wenn einige hunderttausend Arbeitslose reguläre Be schäftigung bekommen würden. Indes— das ist das Wichtigste— handelt cs sich hier keines- falls um die Beschaffung regulärer Bcschästi- gungsmöglichkeilen, ja, sogar nicht einmal um i troffeuen Arbeitslosen richtet. Entscheidender ist, normale Notstände ikiionen, wie sie in Deutsch-1 daß als logische Folge diese» neuen Gesetzes ein land früher üblich waren. Die PompöS aufgc-' neuer Druck auf die Tariflöhne eintretrn wird, zogen» Arbeitsbeschaffung sicht, kurz gesagt, so Darauf kommt cS der Regierung und den Unteraus, daß dir Arbeitslosen zwar arbeiten müs-' nchmern in erster Linie an. Jo verbirgt sich ,ien, aber keinen Lohn dafür zu beanspruchen; hinter den demagogischen ArbeitSbeschasfuugS- haben. Ausdrücklich wird erklärt, daß" Projekten nichts anderes als eine brutafe AuS- ein Dienst- oder A r b e i t s v e r h ä l t- t beutungSoffensive gegen die Arbeiterschaft, die nis im Jin ne des ArbeitSrechts kür! alle reaktionäre Maßnahmen der Brüning- und die eingesetzten Arbeitslosen nichtsPapcn-Prriodc in den Schatten stellt. Insofern b c st e h t. Die„Entlohnung" geschieht wie folgt:' wirkliche Arbeitsbeschaffung erfolgt, wird diese l. Tic ArbcitSloscnuntcrstühnng, die im Falle——’**!’ 1— o,-‘—*—•*■•» omi* der Arbeitslosigkeit sowieso zusteht, 2, eine warn« Mahlzeit(oder Entgelt) täglich und 3. eine Ber- gütnng von 25 Mark für je vier volle Ar beitswochen in Form voit BedarfSdeckungSschci- ne» zum Erwerb von Kleidung, Wäsche tind Hausgerät. E« ist noNvcndig, die konkrete Auswirkung dieser„Entlohnung" zu beschreiben, da sich in diesen« Punkt des neuen Hitler-Gesetzes der schlimmste reaktioitärc Angriff gegeit die deutsche j l—-,..•■,. Arbeiterklasse auSdrückt: 1 Ter TurchschnittS ah,! vornahm, wird das neue Gesetz deS den heute der deutsche HauptunterstützungS»' h«r» d«^Deutschen Arbeitsfront" gerade dadurch cmpfangcr bekommt, w«rd amtlich auf 500 Mark im Jahre oder etwas über 40 Mark monatlich berechnet gegen jährlich etwa 800 Mark zur Zeit des Hermann-Müller-KabinettS. 2. Selbst wenn man den günstigste«! Fall, und zwar des baren Entgelts für die„warme Mahlzeit" annimmt, so erhielte der Arbeitslose, der sich in der glück- i ui i»i i ui iiviu|i f uii|titj in vti||mu» i lichen Lage befindet, vom 3. Reich Beschäftigung....... bekommen zu haben, nur 25 Pfennig täglich Reichsgebiet und außer der Senkung der Zinsen hierfür ausgczahlt, den,! soviel beträgt der vom für Agrarkredite, bezahlt danach da« Reißaus Rcichsarbeitsniinisteriuin bei ähnlichen Gelegen-’ heilen angcschlr Betrag; monatlich also höchstens 7.50 Mark. 3. Tie Vergütung von 25 Mark für 4 volle(!) Arbeitswochen(also weniger, wenn nur verkürzt gearbeitet wird) hinzugerechnet, »vürdc der„Lohn" alles in allein höchstens einen DurchschnitlSbctrag von monatlich 72.50 Mark erreichen. Dies bedeutet kaum etwas mehr als die Hälfte des Tariflohns, der wöchentlich trotz allen Kürzungen in Deutschland, immerhin noch etwas über 30 Mark beträgt.— Berücksichtigt muß werden, daß der wirkliche Wert der„Ver gütung" geringer ist als 25 Mark. Denn für die Scheine dürfen nicht LebeitSmittel bezogen wer den, sondern ausschließlich Gegenstände, dir heut zutage selbst der tariflich cutlohnte deutsche Ar beiter sich nicht anschaffen kann. Diese Art der„Arbeitsbeschaffung" stellt den., einzigartigen Raubzug auf den Tariflohn dar.> Verlautbarung— bei einem Not« einen Betrog Selbst d»e ArdeitSbeschaffungSmaßnahmen, die al»„f'.. Herr von Papcn im Herbst vorigen Jahres«tn-1 nationalen Arbeit" einzahlen. Wird nun nach jui rtgrnrireoiir, oezay-i uanaoj uu» ju-ioi au» Steuermitteln einen Teil der Zinsen 3 Jahre lang. waS mehrere hundert Millionen Mark verschlingen wird. Während aber die früheren Entschuldungsgcsehc für die Landwirtschaft— wenn auch nur auf dem Papier— auch die Siedlung fördern sollten, ist jetzt von der Siedlung überhaupt nicht mehr die Rede. Die neuen Maßnahmen verhindern geradezu jede Siedlungstätigkeit, die seit Hitlers Regierungsantritt auf den niedrigsten Stand der letzte«« 14 Jahre gesunken ist. Ferner wird, wiederum ,,im Interesse der Arbeitsbeschaffung", eine weitgehende Steueramnestie erlassen. Kapitalisten, die Steuern hinterzogen haben, brauchen sich im 3. Reich nicht zu furchten. Ist ihnen das Fittanzamt trobdcm auf den Fersen, so kann der„Volksgenosse"— so heißt der Steuerdesraudant in der amtlichen „freiwillige Spende zur Förderung der einiger Zeit frstgcstellt, da« der„Jvcndcr" Stcucrit hinterzogen hat, so braucht dieser nur den„Sprndcrschctit" vorznzeigcit und 50 Prozent des hinterzogenen SteucrbetragcS werden prompt erlassen.— Eine weitere Steuerfreiheit wird für Ersatzbeschaffung gewährt. Hat zum Beispiel ein Untcrnchnier eilt Einkommen von 20.000 Mark, und ersetzt seine BctricbSanlagen im Laitfe der nächste«! anderthalb Jahre mn 8000 Mark, so beträgt sein zu versteuerndes Ein. kommen nur noch>2.000 Mark. Die Schtver. Industrie wird schon wissen, wie sic sich ihre notwendigen Neuanlagen aus dem Reichssäckel be. zahlen lassen kann. Das ganze neue Gesetz der Hitler-Regierung erfordert einen Finanzbedarf des Reichs von annähernd 2 Milliarden(allein die Kosten der landwirtschaftlichen Entschuldung werden von Hugenberg selber auf 600 Millionen Mark berechnet), die ausschließlich dein deutschen Kapital zuflicßen werden. Diese horrende Sninnic gibt Hitler seinen Drahtziehern für ihre Mitwirkung an der„nationalen Revolution" als erste Abschlagszahlung. Das andere wird ihnen gewährt in Form von Preiserhöhungen besonder» bei fcbensnotwendigcn Konsumgütern, in Form von Lohnsenkungen>«nd anderen versteckten Zuwendungen(so haben vor einige«« Tagen die Recde- reibesitzer als„BalutaauSglcich" vom Reich 20,000.000 Mark bekomme»«). Diese Geschenke werden gegeben, obwohl der eben erschienene HauShaltSabfchluß für 1932-33 einen Rückgang der Reichscinnahmen um 1.1 Milliarden Mark auSweist. Ein anschaulicheres Beweisstück für den „nationalen Sozialismus" als mit diesem neuen Gesetz konnte Herr Hitler wirklich nicht liefern. Vie zweite Etappe der Investitionen. Prag, 2. Juni. Jin Ministerrat wurde heute der Bericht über die von der Staat»- und Selbst- Verwaltung auf dein Gebiete der Straße», der Eisenbahnen, der Wasserwirtschaft, der Tiefbau» ten u. ä. aus dem Ertrag der Arbeitsanleihe:n zweiter Etappe unlernommeuen Bauten und In- vestitionsarbciten im Gesamtbeträge von rund 553 Millionen K genehmigt. Mit den in der erste»! Etappe bewilligten Investitionen werden so aus der ArbeitSaleihe insgesamt Bauten und Arbeite«« für rund 660 Millionen K unternommen, wozu noch eive Reihe von Investitionen kommt, die zu Lasten der betreffenden Posten des heurigen Budgets durchgeführt werden. Zur Kenntnis genommen wurde der Bericht darüber, wo bereit» mit den Arbeiten tatsächlich begonnen tvurde, und weiter w««rde beschlossen, daß die zuständigen Organe mit der größten Bcschle««nignng um die Aufnahme der Arbeiten überall dort Sorge tragen, wo bisher nicht dazu geschritten werde«« konnte. Allen beteiligten Ressorts wurde gleichzeitig aufgetragen, alle notwendigen Vorbe- reitungen für die Zusammenstellung der in die weitere Gruppe der Investitionen fallenden Anträge zu treffen. Dar Sparausschuß der parlamentarischen Kontrollkommission hat in den letzten Tagen unter Teilnahme des FinanzministerS und der Vertreter des Obersten Rechnungskontrollamtes die Ergebnisse der staatlichen Finanzgebarung nach dem Stande von Ende April d. I. durchberaten. Detaillierte Ziffern«vcrdcn leider nicht bekanntgegeben. SS Nachdruck verboten. UND DAS 20. JAHRHUNDERT W Roman von Rudolf Brunngraber Copyrlglh by 8odetlU«Verlag, Frankfurt am Main 1833 yS Der junge Herr trägt auch eine Hornbrille und la»«ge Haare unter dem breitkrempigen Hut. J»n übrige«! schein« er mit seinem Begleiter ein sehr lebhaftes Gespräch zu führen, denn er bleibt trotz der Unwirtlichkeit des Wetters stehn und sagt, die rechte.Hand mit einer kapriziösen Finger- stcllung vors Gesicht hebend: Ich definiere: das Weset» dieser Welt erkannt habe«« heißt, zu jedem Verbreche» die Berechtigung erivorbe«« haben. Einseitig, entgegnet lein Begicuer. indem er a»» die Drehtür stößt, eniseitig wie alles dramatische Denken. Karl Lakner riecht einen Augenblick Kölnisches Wasser, dann wird die Drehtür von innen herumgestoßen, zivei ältere Herren treten heraus. Während sich der eine den Mantelkragen hochschlägt, lagt er: ES wäre die größte Katastrophe für uniere Wirtschaft würden morgen alle Maschinen von selber gehn. Ich sage es ja. ant- wortet der ztveite wegwerfend: Das Geld ruiniert die Arbeit. All diese Betrachtungen versteht Karl Lokner nicht, er ist lediglich so von Jammer erfüllt, dab er wünscht, irgendeine Gcivalt«nöchie ihn auslö'chcn. Es ist ihm soeben zwe' Sekunden lang brennend heiß gewesen, nun schlägt die Kälte wieder sinnlos auf ihn ein. Es schüttelt ihn von den Schultern bis in die Kn'e. Da langt der eine der beiden älteren Herren in die Tasche und reicht Karl Lakner ein Geldstück hin. Karl Lakner ist überrumpelt und nimntt das Geldstück. Dann wirft er es dem Speicher vor die Füße und stürzt wieder in das Schneetreiben hinaus. Doch er gelangt nicht dazu, sich über den Vorfall besonders zu alterieren. Die Kälte zersägt ih»« so, daß sich das Leiblick)« vor alles drängt. Plötzlich ist es Karl Lakner einfach unbegreislich, daß er auf de»« Wintermantel verzichtet hat. Vielleicht auch packt ih»« die Erinnerung daran deshalb so bestimniend.»veil er am Ende der Wei» und aller Gedanken angelangt gewesen wäre Heut ist die Käthe etepetete, sitigt ein Lautsprecher dröhnend. Karl Lakner rennt die dunkle Nebenstraße wieder hiitauf. Wie er durch das Garteutor stürmt, überfällt ihn die Angst, die Gelegenheit versäum« zu haben. Er läuft fchneller. Dabei hat er den Wind'i»i Rücken,«vas ihm die Einpfinduna verursacht, daß er geschoben tverde. Tas brittgt ihm das Lächerliche, das Demütigende dieser Rückkehr voll zum Bewußtsein. Trotzdem läuft er. tief mit sich uneins, weiter auf das .Haus zu, weil ihn beim Stehnbleiben die Ratlosigkeit sofort wieder verschlinge»« würde. Unter dem Borba»« über der kurzen Treppe n«uß Karl Lakner eine Weile warten. Als ihm gcöfs««et wird, verläßt zugleich se«nand das Haus, ein Mädchen'n Mantes und H«lt. In dein schmalen Ga««g steht eine andere, schimmernd vor Blonb, in einem bunten Ha«iSkleid. Sie sagt zu der Weggebenden: Ich weiß schon. Ph lli. gehen Sie n««r. Karl Lakner ist von der Wärme, her Helligkeit und den« D»«ft der Wohnung benom- men. Er sieht sich einer etwa Achtzehnsährigen aegenüber. die ihn cinigern«aßen unsicher anschaut. Dann steht er in einem großen halbeingerichtetei« Raun«, der ihn wie ein Wartezimmer bei einen» Arzt annnltet. Das Mädchen hebt einen schweren Winterrock aus einem der weißen Spiegelschränke und läßt chn damit allein. Karl Lakner fingert unschlüssig an dem Stoff hemm. Seine jetzige Umgebung ruft ihm das Gespräch mit den« Professor wieder lebendig in Erinnerung. Er beschaut sich scheu u»»d voll Abneigung In einem der Spiegel. Ich schiele wieder? Hier, sagt das Mädchen, das einen Tisch aus Rädern herefnsahrt. Bitte. Maina hat gemeint. Sie möchten auch eine Kleinigkeit essen. Kleinigkeit besteht aus kaltem Schweinebraten, Rindszunge. einer Pastete, Lachsschinken, Käse, Butter, Salat und einer Mehlspeise. Der Tee, sagt das Mädchen, wird gleich fertig sein. Es ist e.twas Warmes. Und sie geht»vieder hinaus. Mit einer Linie in ihrer artigen Ruhe wie eine som- nambule Tänzerin. Karl Lakner beginnt mit den Händen z»! elfen. Aber mit cinenimal weiß er nicht. tvaS er schnieckt. Die Speise«« werden ihm brockig im Mnnb. Sein ganzes Leben steigt wie eine würgende Fl««t herauf. Er ist mit her Linde- ruug für seine Mutter zu spät gekommen^ Er hat die Sprache seiner Geliebten nicht verstanden. Im Weltkrieg hat man ihn zerschossen und nachher hat nian ibn hungern lassen. Er ba« es nicht auf die vier Wänhe gebracht. Sein Freund>var ein Todgeweihter. Und wo sein Leben gut gewesen ist.»var es ein Almosen. Es hebt Karl Lakner langsam aus dem Stuhl. Ich bin, stammelt er, achtnnddrcißig Jahre alt. Die Blonde erscheint in« Türrahmen mit emen« Tablett, sie bringt den Tee. Da stamvft Karl Lakner auf und schreit: ich will nicht! Plötzlich ist er beinmungslos. Er schsägt dem Mädchen das Tablett aus der Hand. Und da hie Erschrvk- kene aufschrest und ihn das völlig verwirrt, re'ßt er sie an den Händen zu Boden. Ich will nicht mehr, ich will nicht mehr! klagt er in der Fassungslosen die ganze Welt an. Den« Mädchen springt die TodeSa««gst ins Hirn. Sie beißt ibn in die Finger, sie schläqt ihm die Fäuste ins Gesicht. es beginnt in all ihren Kkiehern zu wüten. Doch nun ist das eine Körpersache, hie ihre eigenen Fluiden hat. Karl Lakner sieht das volle Bein der Blonden In dem hoch hmausgezoaeiten Seidenstrumps. Zugleich nimmt er das Anheimelnde dex Wohnung auf, die nach guten Kleidern, nach Bad und elektrischer Heizung riecht. Er wird rasend geschlagen, aber er ist seit Jahren nicht so lebendig gewesen. Er sieht den Professor Die«vor sich, mit dem Lächeln und der Kratvatte, und will ih» in seiner Tochter treffen. Er sieht die Hure in« Pelz und den, der ihn beschenken wollte. Er steht seinen ganzen Weg, vom Gitter deS Maria-Josepha-Parks bis unter den CafSeingang. Er will die ganze Welt in dießw Blonden notzüchtigen. Meine Liebe, keucht er, alles«nuß einmal ausgetragen werden. Ihr habt mich gelabt und habt mir in den Bauch getreten und wir bleiben uns nichts schuldig. Die Menschwerdung war der Süudenfall, zuviel Weisheit nimn»t die Befangenheit vor den« Tierkreis und da stehn wir alle gegen alle. Gefährlich in erschüttertem Gc- müte. Es bildet ein Talent sich in der Stille und ein Charakter in dem Sturm der West. DeS Deiniurgen! Heut ist die Käthe etepetete und eS geht in einer anderen Tonart weiter: Stern nach unten, Stein und Feuerschlvamtn. Schließlich verlaflen das Mädchen die Kräfte. Sie bleibt, das weinende Gesicht gegen den Teppich gedreht, in ihrer abgemarterten Stellung siegen. DaS ernüchtert Kars Lakner. Mit einein- mal ist er zerknirscht wie seit seinen Knabenjahren nicht«nebr. Er erhebt sich vom Boden, außerslaitde. den verzagten Blick von der Liegen« den ru lösen. Mein da wirft Ibn der Haß gegen das Weiche und Gerechte und Bejahende in ihm noch einmal herum. Denn das ist das Eigentliche, das ihn ivehrsos macht. Nnd er bat damit bis an das äußerste Ende durchgebalhen. Karl Lakner schaut lodernd die Wände hin Dann rä,«mt er mit einem Tritt den Tisch, der auf Gumnu- rädern gefahren wird, aus dem Weg. Der Tisch kippt gegen die Wand und schüttet klirrend die Gedecke ab. Das ist für Karl Lakner ein Signal. Er vermag eS nicht, sich an einen» Menschen Z«l vergreifen, aber man wird ihn erschlaaen müllen, um z«l verhindern, daß er gegen die Welt wütet. (Fortsetzung folgt.) D 9tr. 180 SamStag, tat 3. Juni 1938 Billige EFalardY m FahrpreisermäBigung Dam Aussig zum Internationalen Sporrag am 4., S., 6. Auanst 1833 DD Auf Mrurrv ver Festlegtttmntto« und des MitglievSbuches ver Arbeiter» tnrner, der Naturfrcxnve, ver Ar» bcitcr-Rav- und Kraftfahrer, erhält jeder Feftteitnehmer in der Zeit vom 1. bis 12. August IVSS eine Fahr» pretSermäftigung von SO Prozent auf allen StaatSbahnlinien fitr Personenzüge, bei Entfernungen über zweihundert Kilometer auch bei Schnellzüge«. Die Reise nach Ansstg kann vom 1. bis v. August angctreten werde». Die Rückreise kann bis 12. August erfolgen. Gewih werden viele hunderte Genossen diese Gelegenheit benützen, Aussig und seine herrliche llmgcbnttg zu besuchen. Näheres durch die AtnS- BundeSkanzlei(Rückporto). Erfolgreiche Betriebs aussdiußwahl bei der Georg Schicht-A^G. iu Aussig. Aussig, 3. Juni. Bei den heutigen Bctriebö- ousschußwahlen in den Schichtwerkeii konnten die freien Gewerkschaften(Fabrikarbciterverband und Internationaler Metallarbeitcrbcrband) trotz der wütenden Agitation der Hakenkrcuzlcr und der mit ihnen gleichgcschalteten Nationalparteilcr nicht allein ihren Besitzstand behaupten, sondern darüber hinaus noch 20 Stiinincn gewinnen. Die Nazi erhalten zwar ein Mandat mehr, das sie aber der verbündeten deutschnationalen Fabri. kantenpartci wrggenonunen haben, die damit ihre Vertretung, im Betriebsausschiiß ganz cinbüßi. Auch die Christlichsozialen sielen Heuer ebenso wie im Vörjahr völlig durch. Auch die niederträchtigsten Lügen und Ver- lcnmdnngcn der Nazi haben die klassenb.wnßie Arbeiterschaft nicht wankend gemacht; sic steht auch weiterhin in ihrer großen Mehrheit zur sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. Nachstehend die Nesultatr(in Klammern die Ergebnisse der vorjährigen Mahl): Beschäftigte... ... 1952 (1900) Wahlberechtigte.-. (1682) gültige Stimmen.. .'.. 1620 (1481) Davon erhielten: Stimnien: Mandate: Freie Gewerkschaften . 889(869) 7(7) Nazi..... . 504(374) 4(3) Nationatscartei.. . 98(121) 0(1) Christlichsoziale.. . 86(44) 0(0) Audi in den Skodawerken ein Irelgewerksdialiltdier Erfolg. Pilsen, 2. Juni. Heule fanden in den Skoda. Werken Wahlen in den ArbeiterbetriebsauSschuß statt, die folgendes Ergebnis hatten: Abgegebene gültige Stimmen: 7082,(im Vorjahre 7157), hievon erhielten: Die Kandidatenliste des frei- gewerkschaftlichen tschechischen Meiallarbeiterver- oandes-1019 Stimmen, 12 Mandate d. i. 65 Prozent Ci. Vi 4492/12), die tschechischen national- sozialistischen Metallarbeiter 1785 Stimmen, 5 Mandate, d. i. 25 Prozent(1698 Stimmen, 4 Mandate), nalionaldcmokraiischc Nationale Vereinigung 127 Stimmen, kein Mandat(nicht kandidiert), Kommunisten 521 Stimnien 1 Mandat, d. i. 7 Prozent(967/2). Las mäbrisür-sd'leMr Landec- buiiget Mr 1834. Brünn, 2. Juni. Ter mährisch-schlesische Lau- desausschnß letzte in seiner heutigen'Sitzung die Veratnngen über den Voranschlag siir das Jahr 1933 fort. Nach Genehmigung des ordentlichen Budgets wurde für das ordentliche Budget für 1931 e il Bedarf von 373 Millionen und eine cben'o hol» Bedeckung scstgeslell«. Gegenüber dem hkiiriaen Jahre wurde der Voranschlag um 20 Millionen herabgesetzt. Tas Jnvest'.t'vnebndge: für 1934 zeigt einen Bedarf von 44.4 Millionen Kronen, die bis ans 2.1 Millonen unbedeckt sind. DicSbemalich wurden die Beratungen noch nicht abgeschlossen. Ter Landesausschnß erledigte außerdem eine Neihe lausender Vcrwaltnngkangelegenbeitcn, vorwiegend Jinanzangelcgenhcilcn der Bezirke und Eenicinden. Weiter« Grenzinspektionen. Landespräsident Dr. Josef S o b o t k a setzte gestern sn Begleitung des LandcSvizepräsidenten Tr. Boos-Waldeck und deS Rcgicrungsratcs Tr. Glanz seine Inspektionsreise fort und beiuch'e die Politischen Bezirke Trautenau und Bran>rau, lvo er die amtlichen Gcbände besichtigte und sich auch bei den Bertrctern der Bevölkerung über die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse iowie über den gegenseitigen Grenzvcrkehr informierte. und ein plumpes klanüver der Antl marxlsten. In der tschechischen Zeitschrift„Pkltom- n o st" war der deutschen Sozialdemokratie der Vorwurf nationalistischer Politik gemacht worden, die sie den Hakenkrenzlern zuliebe treibe. Gegen diesen Borwurf, der nur bösen Willen oder einer völligen Unkenntnis der Sachlage entspringen kann, beides Motiv«, di« der sonst sachlichen und anständigen.Haltung der„Pkltomnost" völlig zu- tviderlaufen, wandte sich in einer dann auch ver- öffcntlichten Zuschrift„im Namen einiger deut- schcr sozialistischer Leser" unser Prager Stadtverordneter Genosse Dr. Schwelo. Das wiederum gibt dem„Tag" Aniah zu einer aufgeregten Sensationsmachc. Unter dem vierspaltigen Titel Ein Geständnis der Sozialdemokratie sucht er den Artikel des Genossen Schwell', der Selbstvbrständlichkeiten und längst bekannte Tat« sacken enthielt, für seine gcgenwärüg« antimarri- stische Kampagne auszuschlachten. Was Genosse ! Schtvelb in der„Peilomnost" geschrieben hat, muht« an dieser Stelle denjenigen tschcchclchen Lesern der Zeitschrift gesagt werden, di« ungenügend oder falsch informiert, tatsächlich glauben konnten, wir l)ätten jemals dem deutschen Natio- naliSmnS Zugeständnisse gemacht. Für einen Ten Ischen ist das, waS Genoss« Schwclb dort „gestanden" hat, nichts Neues. Genosse Schwclb. von dein schlecht unterrichteten an den besser nnterrichteivden tschechischen Demokraten appellce- renü, verwies daraus, daß die deutsche Sozialdemokratie als erste Partei der Republik eine Massenagitation gegen die Hakcnkreuzler betrieben, daß sie den Kampf gegen den Hnnnenfaicismus in 'Deutschland ausgenommen und den von 9iaziS betriebenen Nienichenraub an unseren Grenzen erfolgreich bekämpft hat, indem sie in der Presse di« Namen jener Verbindungsmänner zwischen den hiesigen und den rcichsdentscheu Nazi bekanntgab, die dem verbrecherischen Treiben Vorschub leisteten. Ter„Sozialdemokrat" ichricb Genosse Schwclb des>vei:eren, sei als erstes Blatt des Auslandes mit einem Bcrbot seitens der Nazi» regier»ng im Reich geehrt worden, im Parlament, in der Presse, in der weitesten Qesfentlichkeit habe die deuliche Sozialdemokratie den entschir densten Kamps gegen die Nazi geführt. In diesem Zusammenhang erwähnte Genosse Schwclb nach— was ebenfalls niemandem n n b c k a ir n: sein konnte, am wenigsten den RaziS, die cs bei jeder Gelegenheit hinaustrom- petet haben— daß wir seinerzeit schon die Bildung von„nationalen Einheitsfronten" abczelehni haben. Das also ist das großartige„G«st ä n d n i s" des Genossen Schwell', von dem das Filialblält des Drit.cn Reiche- noch behauptet, er spiele „hinter den Kulissen der Partei" eine große Roll«. Wahr ist natürlich, daß Genoss« Schwelo in der Partei keine andcre Rolle spielt als jene, die öffentlich bekannt und kontrollierbar ist: er ist Stadtverordneter der Partei in Prag, Mitglied der Exekutive der Prager Bezrrl-organisation und in«in«r Reihe konkreter Fälle war er Rechtsberater oder Anwalt proletarischer Srgani. sationen. Eine K u l i s s e n p o l i t i k, wie sie in den Zirkeln jener Parteien getrieben wird, deren letztes Disziplinär m it. t e l der Fememord ist, gibt es in der Sozialdemokratie nicht! Nach dcni ,/Lag" haben wir uns niit der Zuschrift des Genossen Schwell» an die„Prilom. nost" znr„Ankurbelung des Kampfe- gegen den braunen Terror und zur ziclbelvußt«« Zerstörung und Zersetzung der sndetendeutschen Einheitsfront" bekannt. Dazu ist zu sagen: Zum ersten, zur„Ankurbelung des Kampfes gegen den braunen Terror" bekennen wir uns a n s d r ü ck l i ch, haben wir uns längst bekannt, ehe es einem Nazischmock einfiel, die Zuschrift des Genossen Schwclb zum politischen ,/Geständnis" umzulügen. Die„snd e ten deu t s ch c Einher t s s r o n t" konnten wir weder zerstören noch zersetzen, weil es derlei nie gab. Was«S gegeben hat, und was wir immer demaskiert, gestört und aus« schärsste abaclehnt haben, das war jener dummschlaue Versuch des Bauernfangs, der sich sudetendeutsche Einheitsfront nannte und in Wahrheit eben das war, was der„Tag" nach vielem Gekeife und Geschrei als Ziel der sudetendeutschen Politik proklamiert: die„antimarxistisch«, ausbauende, sudetendeutsche Einheitsfront". Dio Einheitsfront der Opfer mir den Mördern ist noch nicht erfunden worden. Die anti» m a r r i st i s ch e Einheitsfront, die Front gegen die deutschen Arbeiter dieses Slaa.es kann dock) unmöglich unter Mitwirkung der dcii:« schen Sozialdemokratie zustandekommcn. Wenn der„Tag" seine Leser siir blöd genug hält, ihnen zugleich unser Verbrechen der Zerstörung solcher Front und sein« Forderung nach Schaffung dieser antimarxistischen Front vorzul)alten, so ist das seine Sache. Wir sehen in dem ganzen aufgeregten(weniger an germanische Sit.cn denn an einen orientalischen Jahrmarkt erinnernden) Gebelfer des„Tag"«in sehr plumpes M a n ö v e r, dazu bestimmt, an demselben Tage, das Herr Dr. Rosche ohne Zweifel im Einverständnis und im Auftrag des Herrn Jung, die berühmte sndetendeutschc Einheitsfront dem tschechischen Fascismus als Bundesgenossen zu osse- rieren, die Oessentlichkcit von diesem Umzall ab- zulenken... tiuiiiniiHiiiniuiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiuiuiiiuiiuiiiiiiiiuinuiuiiiiiiiiiniiiuuuiuiiiiiiiiniiniiiin>iiiuiiiniuiiiiniiiinuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHtiiiiiiiiiiiinniiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiniiniiiii»iiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiuH Die Pensionsversicherungsno veile ausgearbeitet. Soziale Rente für arbeitslose Versicherte nach dem«55. Lebensjahr. Prag, 2. Juni. Amtlich wird gemeldet: Tic Kommission zur Novellierung des PensionSvcr- stchernngsgcsctzes hielt heute ihre Schlußsitzung ab, in der eä zu einer völligen Einigung über die Neuregelung der Altersrente in dem Sinne kam, daß di« unbedingte Altersrente (die nach Erreichung des 65. Lebensjahres bisher ausbczahlt wird, auch wenn der Nentencmpfän- ger noch weiter eine versicherungSpflichtige Be schästig'ing ausübt) aufgehoben und als Ersatz hiefür die sogenannte soziale Rente eingesührt wird, die allen Versicherten, die nach Erreichung deS 55. Lebensjahre-(bei Frauen des 53. Lebensjahres) wenigstens zwölf Monat« ohne Beschäftigung sind, für die Dauer der weiteren Arbeitslosigkeit gebührt. Die bereits fällig gewordenen unbedingten Altersrenten bleiben jedoch gewahrt. Weiters wurde eine neue für die Versicherten günstigere Regelung der gesetzlichen Bestimmungen über daS Höchstausmaß der Jnva- liditälS- und Altersrente angenommen. Tic definitive Stilisierung dieser Bestimmungen führt ein Redaklionskomitee durch, das in den nächsten Tagen den ganzen Entwurf der Novellierung des Pensionsvcrsichcrungsgeschcs zusammen mit dem Motivcnbcricht dem Fürsorgeministcrium übergeben wird. Sämtliche Beschlüsse der Kommission sind einmütig erfolgt. veriMeims Petition rechtsgültig. Vor einer großen Judendehalte In tieni. Genf, 2. Juni. Der Sonderausschuß der juristischen Sachverständigen, der vom Bölker- bundrat mit der Aufgabe betraut wurde, die Rechtsgültigkeit der Petition Franz Bern- Heims über die Unterdrückung der Inden in Oberfchlesten zu überpriifen, anerkannte die voll« Berechtigung dieser Petition. Di« diutfchrn Einwendung«« wurden abgrlrhnt, so daß der BölkerbundSrat den Fall in der nächsten Sitzung erledigen wird, die Dienstag stattfindet. ES wird«ine groß« Debatte über die jll- dische Frage erwartet, der einige Mitglieder in den vorangehenden Ratssitzungen auSgewichen Ware», solange die RechtSgültigkcit der Bernheim-Petition noch nicht voll anerkannt war. Ein Thcologleprolessor suspendiert. Berlin, 2. Juni. Wie der„Amtliche Preußische Pressedienst" mitteili, l>al Kultusminister Rust den ordentlichen Professor an der katholisch- theologischen Fakultät der Universität Breslau, Dr, Altener, mit sofortiger Wirkung, beurlaubt. Vie„Gleichschaltung“ an der Saar. Freigewerkschastlicher Angestelltenverband soll aufgelöst werden. Tie Berliner Nazileitung des Zentralvcr bandes der Angestellten hat„verfügt", daß sich die freigewerkschastlichen Angcstclltcnvraanisa- tion im Saargcbiet anflöse und sich die Mitglieder an die nationalen Verbände anschlicßen sollen. Die saarländischen Mitglieder ZdA scheren sich natürlich einen Pfifferling um die Anordnung der Berliner Nazibonzcn und machen sich selbständig. Tic cnlsprcchendcn Beschlüsse sind bereits gefaßt. Imduscii zu den Nazis Ubergeschwenkt. (D. G.) Ter Führer der christlichen Bergarbeiter, der Zemrumsabgeordnete Jmbusch, der früher immer als ein Beweisstück für die Rot- ivendigkeit der Politischen Zusammenarbeit der Arbeiterschaft mit dem Zentrum aufgeführt tvurdc, hat sich von den Nazis vollkommen gleich- schaltcn lassen»nd macht als Führer in dem sas- cistischen Gewcrkschaftüladcn init. Jnlbusch ist nur einer von vielen, der da beweist, wie wenig Widerstand die Nazis gefniiden haben. Die schnelle Gleichschaltung des Zentrums ist auch ein Beweis dafür, daß die Arbeiterklasse in ihrem Kampf sich aus bürgerliche Parteien nicht verlassen und stützen kann. Seite S Krone erhält man von den zur Erhaltung der Körperkraft und Tem- '® ra'Ur notwendigen Kalorien bei: Die höchste Nährkraft für das wenig* ste Geld bieten also Mehl* und Kartoffelspeisen, zubereitet mit Ceres. Die un Zarismen Gewerksdiallen organisieren den Boykott deuismer Waren. Die ungarischen Gewerkschaften faßten aus ihrer Vollversammlung am 24. Mai nach einem Referat des Genossen Karl Peyer eine Entschließung, in der es zum Schlüsse heißt: „Feder anständige Mensch, welcher die menschliche Freiheit, Glailbeussreiheit und' Kultur schützen will, schließe sich unseren» Protest an, indeu» er erklärt, daß er, solange in Deutschland das die menschlichen Rechte, die Kultur und Lrgani- siernngssreiheit vernichtende Regime hcrrichc, und solange in Deutschland eine Richlung am Ruder ist, welche die Einfuhr der ungarilchen Waren verbietet und dadurch nicht nur die Agrarbevölkerung, sondern auch die ungarische Jndiislrie- arbeiterschast empfindlich schädigt, keine deutsche Ware kaust und jeden vom Kaufe solcher Waren abhält." Vettere Beschränkung der Warenhäuser. Berlin, 2. Juni. Der Leiter des wirtschaftspolitischen Amtes der NSDAP, Dr. Wagelt c r, hat dem Präsidium des Reichsverbandes der Mittel. und Großbetriebe des deutschen Einzelhandels in einem Schreiben mitgcteilt, er sei der Ansicht, daß die lveilcrc Aufrechterhaltung von Handwerksbetrieben in den Mittel- und Großbetrieben des deutschen Einzelhandels(Waren- und Kaufhäuser) den Notwendigkeiten der deutschen Vulkswirlschast widerspreche. Unter diesen Handwerksbetrieben seien n. a. Friseursalons, Werkstätten für Backwaren, Buchbindereien, Aulorcparaturtverkstälten n. dgl. zu verstehen. Dr. Wagcncr bittet das Präsidium des RcichsverbandeS, die Schließung dieser Hand tvcrbsbrtricbc bis spätestens znm 1. Oktober 1933 znr Durchführung bringen zu wollen. Deutschland Unterminiert den Schilling? Wien, 2. Juni. Tie„RcichSPost" konstatiert heute, daß sich in Zürich eine Kontrcminc in Schilling bemerkbar macht. Es liegen Anzeichen vor, daß cs sich um ein systematisches Manöver handelt, das einen politischen Hintergrund hat. Die Schilliugbeträge werden nämlich ausschließlich von r e i ch s d e n t s ch e n Händlern angcbolcn. Die Kvntremine habe sich zum erstenmal etabliert, als Berlin den Frem- denverkehrsboykotl gegen Oesterreich erklärte. In diesem Zusammenhang wurde auch festgestcllt, das; in der letzte» Woche ein Schillingschmnggel von Oesterreich nach Deutschland organisiert worden ist. Tie Schillingnvten wurden hauptsächlich in Automobilen über die österreichischdeutsche Grenze gebracht. Wie daS Blatt weiter berichtet, hat das Finanzministerium den Zoll- behördcn den Auftrag erteilt, daß die Revision an der österreichisch-deutschen Grenze in Hinblick auf diesen Schilling-Schmuggel mit größter Schärfe durchgcführt werde und daß besonderer Augenmerk dem Automobilgrcnzvcrkehr zuzu- wcnden sei. Stile 4 SamStag, den 8. Juni 1988 »r. iso vrsune vlaünose in Her§A kaseme »er Nazi-Arzt:„Der rali ist doch tanz klar meine Herren- akute Lungenentzündung. UWUWWWWWWW1WIWWI»»WW1N»WIWWW»«NNWWW1NWWWUUMUW»WI»IWW1WU»U»W»WWWW!WW1IWUIWWWM An unsere Kolporteure und Abonnenten! I Anläßlich der Pllngstlelertage wird 11. Vertrug im Buchdruckergewerbe am Piingst- riontag nicht gearbeitet./ es entlttlit daher unsere Dienstagausgabe und erscheint unser Blatt erst am niHwodi, den 7. Juni ■ zur gewohnten stunde. Die Verwaltung. Sonderbare„Demokraten". Die reaktionäre Einstellung der deutsch- bürgerlichen Parteien kommt in diesen kritischen Zeiten immer drastischer zum Vorschein. Im Rechts- und Verfassungsausschuß des Abgeordnetenhauses verlangten gestern die Abgeordneten K r u m p c und Zicrhut anläßlich der Beratung der Vorlage über die geänderte Gc- meindewahlreform nicht mehr und nicht weniger als die— Hinaussetzung de S Wahl- al t c r s! Tamil kämen Hundcrttausende Jungwähler um das Wahlrecht. Von tschechischer Seite wandten sich die Abg. Dr. P a t c j d l und Gen. Tr. M a r k o v i c, von deutscher Seite Genosse Schweichhart energisch gegen diesen reaktionären Vorstoß. Ter Letztere bezeichnete ihn als einen gc p la n tr n Ra üb, für den auch die christlichsoziale und landbündlerischc Jugend den Herren Ärumpc und Zierhut keinen Tank sagen werden. Ter bezeichnende Wunsch der beiden Herren Volksvertreter könnte wohl nur dann verwirklicht werden, wenn die Arbeiterschaft in diesem Staate vollständig einstnßlos wäre, wie cS der Herzenswunsch des Fabrikanten Dr. Rosche, der-Hakenkreuzler usw. ist. Tarauf können die Herrschaften allerdings noch lange warten. Angesichts der Tchindluderci, welche die Feinde der Arbeiterschaft mit der Demokratie treiben, ist ihre Entlarvung recht lehrreich. Sie schwärmen theoretisch für Volksherrschast, in Wirklichkeit erstreben sie die kapitalistische— Diktatur! Vom Rundfunk rmpjehlcnswcrtcs aus den Programmen. Samstag, 3. Juui: Prag: 600 Evmnastit. flonurt. 10.10 Konzert. 12.30 Konzert. 16.10 Konzert. 18.25 Deutsch« Sem bung: Aunendstunde mit Musil. 10.25 Bunter Abend. 22.16 Konzert. Brünn: 12.30 Konzert. 16.10 Konzert. 18.25 Deutsch« Sendung: Konzert. 20Ä> Bunter Abend. 22.15 Konzert. Bunte Stunden: 20.05 Langenbcrg: Po l t s w i tz aus. Kdeinland u nb West säten. 20.15 Stock. Holm: Alt« Tanzmusik. 21.20 Beromünster: D o l t i-t ü m l i che r Abend..— Konzert«: 20.0b Hamburg: IlStenkonzert. 20.00 Mühlacker: Werke von silcher. 20.00 Warschau: Leichte Musil. 20.20 Budapest: O p« r«t t e n m u s i k. 21.00 Straßburg: Internationaler Gesangs w«tt- si r e i t. 21.25 München: Melodien von Paul L i n ck e. Sonntag, 4. Juui: Prag: 6.30 Ghmnostik. 7.00 Kurkonzert ans Karlsbad. 8.30 Konzert. O.uO Pros. Dr. Radi: Gesproiliene Worte.' 0.15 Dr. L. Sulit: International« Ilvilisation. 11.00 Konzert. 12.05 DorsblaSmuit. 1.1.15 Portrag »Iürsorge sür stestungslose Jugend.' 15.30 Masarhk. spiele. 18.10: Deutsch« Sendung: Ossenbachstund« 10.00 Schülerkonzert. 10.35 Konzert. 21.20 llulcrhal- tung au» Brünn. 22.20: llntrrlzollnngSkonzert. Brün«: 7.00 Kurlonzert aus Karlsbad. 8.30 Orgelkonzert. 0.00 siel«: Prag. 11.00 Konzert. 12.00 Konzen 15.30. ans tscheck'isckien Opern. 18.00: Deutsch« S e g> d u n g: 10.35 Konzerl. Aktuelles: 2i.:u> Teutschlandsender: Erdssnung der Weltausstellung in Chicago.— In- gendsunk: 13.30 Hamburg. 11210 K>3nigtwusl«rhanse». 13.30 Bretlau.— Hürspiel«: I.1.00 Leipzig: Raimund: .A l p e n t ü n i g und M« n s ch e n s e I n d.'— Konzerte: 11.30 Bachlantalc aus allen dcutsltan Sendern. 10.65 Hilversum. 20.00 BreSiau: Silz les Ische Philharmonie. 20,00 Langcnberg. Teutschlandsender, Warschau: A be n d 1 o n z« r tr. 20.05 Berlin, Hamburg. München: Berliner Philharmonie. 20.15 Mühlacker: O r ch e st c r I o n z e r t. 21.00 BreS- lan: An« Operetten. 21.00 Budapest: Ungarische Volksweisen. Opern, Operetten: 18.30 Riga:.H o I s m a n n 4 Erzählungen'. 18.35 Tallin:.Ai do" 10.00 Teutschlandsender:.L o h r n g r i n'. Esperanto im Rundfunk als Mittel zur Hebung des Fremdenverkehrs. Zur Hebung des Fremdenverkehrs und zur Bekanntmachung der Welt mit den Schönheiten und Tenkwürdigkeiten der verschiedenen Länder, werden im Rundfunk einzelner Staaten regelmäßige Propaganda- und Jnformationsvorträge veranstaltet.'Reben den Weltsprachen wird dabei auch Esperanto verwendet. So sendet die französische Station Tour Eissel m Esperanto jeden Sonntag von 15.15 bis 15.30, Radio Lille P. T. T. ebenfalls Sonntag von 9.30 bis 10.00, Warschau jeden Mittwoch von 22.30 bis 22..70 Uhr usw. Bei uns sendet zeitweise Brünn Propaganda- und JnformationS- vorträge in Esperanto. Der Pariser 120 st^-Sender in Sicht. Tie Arbeiten für die neue staatl-chc 2 ende stelle,Paris P. T. T.. die mit 120 stlV-Antenneleistung auf Welle 477 Meter arbeiten wird, sind in vollem Gange. Tas für Errichtung des Senders nötige Gelände ist bereits angekanst und bcs-ndei sich in Billebonsur-'?)vett< etwa 30.llilomcicr von Paris, auf einem der das Pveite-Tal umrahmenden Hügel. Die Versuchvübertragungen lind für Ende dieses Wahres die regelmäßige Inbetriebnahme für Anfang 1934 vorgesehen. Tagesneuigheiten Lundenburger Förster oo« einem Wilddieb erschossen Der Mörder verhaftet. Lundenburg, 2. Juni. Im Jagdrevier der Jagdgesellschaft in Tvrdonicc bei Lundenburg wütete bereits seit längerer Zeit eine Bande unbekannter Wilddiebe. Der Förster der Jagdgescll- chaft, der 36jährige Cyrill Mnkultk, vcr- olgtc gestern einige Angehörige der Wilddiebbande und holte einen von ihnen etwa 250 Meter vom Dorfe entfernt ein. Als er ihn mit erhobenem Gewehr aufsorderte,. die Waffen zu strecken, wandte sich der Wilddieb um und gab auf ihn zwei Schüsse ab, von denen einer den Förster in den Bauch traf. Mikulik gab seinerseits auf den Wilddieb zwei Schüsse ab und traf ihn wahrscheinlich. Darauf lief er noch etwa hundert Meter weiter zunl Teich, an dessen User er, dicht am Wasser, t o t zu Boden stürzte. Die Kunde hievon verbreitete sich sogleich; die Gendarmerie alarmierte alle benachbarten Stationen. In Mährisch.Neudorf wurde dann ein verdächtiger Mann verhaftet, der bei dein dortigen Arzt Hilfe suchte. Er wies einen leichte» Hüftschuß aus einem Jagdgewehr auf. In dem Verhafteten wurde der im Jahre 1908 in Tvrdonicc geborene Josef Hunkak festgcstellt. Hnnkaß gestand, gegen den Förster zwei Schüsse abgegeben zu haben. Ta Hunkar verletzt war, wurde er von dem Gendarmen, der ihn verhaftet hatte, im Automobil an die Stelle gebracht, wo er mit dem Förster zusammengcstoßcn war. Der Gendarm wollte ihn dort verhören. Hunkar weigerte sich jedoch auszusagcn und wurde sodann in das Spital der Barmherzigen Brüder in Feldsbcrg gebracht. An der Tatstrlle trafen eine Gendar- mcricfahndungSstation ein, die den Mordsall untersuchen. Es wurden auch mehrere Hausdurchsuchungen vorgcnommcn, bei denen zahlreiche Waffen, durchwegs Jagdgewehre, gcftmdcn wurden. GeWechtsverlehrsordimug im Dritten Reich. Berlin, 2. Juni. Das Wolfsbüro meldet: Der dauernd und bedrohlich zunehmende Geburtenrückgang, die Benachteiligung der c r b g e s u n- den Familien, lvie auch die mehr und mehr in Erscheinung tretende R a s s e n m i s ch u n g und Entartung der deutschen Familie erfordern die größte Aufmerksamkeit und Beachtung der Reichsregiernng, um diese Entwicklung durch gesetzlich zu treffenden Maßnahmen aufzuhalten und sowohl quantitativ wie auch qualitativ de n Bc sta nd des B o lkes zu sichern. Zur Unterstützllng bei der Vorbereitung dieser Maßnahmen hat der Reichst«! nister des Innern einen„Sachverständigen- Beirat für die Bevölkerungs- und Raffenpolitik" berufen. Todesurteile in Altona. Altona, 2. Juni. In dem Prozeß vor dem Altonaer Zondirgericht über die blutigen Vorfälle am 17. Juli 1932 wurde heute das Urteil ge sprochen. Das Sondergericht verurteilte vier Angeklagte wegen gemoinsärastliche» Mordes zum Tode, zwei Angeklagte erhielten je 10 Jahre, einer 7 Jahre,' zlvei andere je 5 und einer SVi Jahre Zuchthaus, sämtliche wegen Beihilfe zum vollendeten Mord und wegen Landfriedensbruches und Aufruhr. Drei Angeklagte wurden frcigesprochen. Der»ntobott* al« Flugzeugführer. New Aork, 2. Juni. Heu:« morgens startete in LoS Angeles Kapitän Hawks zu einem Fluge nach New Jork. Sein Apparat ist mit einem sogenannten„R o b o t t" ausgerüstet, der das Flugzeug auch lenkt. Es ist dies ein automatischer Apparat, der ganz selbständig pilotiert. Der „Robott" setz: sich, wenn das Flugzeug eine ge- wisse Höhe erreicht hat, automatisch in Bewegung und erreicht hiebei ein« Durchjchnitlsgejchwindig- krit von 200 Meilen. Ausammeustotz I« der Nordsee. London, 2. Juni.(Reuter.) Der Dampfer „Nelv Jork" ist heute früh im dichten Nebel in der Nordsee unweit der holländischen Küste mit dem esthnischcn Schiss„Polar Stjermen" zu» sammengcstoßcn, welches sank. 10 Mann der Be- satzung des gesunkenen Schiffes wurden gerettet, ein Mann ertrank. Adolf Pohl-Stiftung sür erholungsbedürftige Kinder. In der gestern in Falkenau abgehaltenen Borstandssitzung dcS Untcrvcrbandes Egcr- land des Reichsverbaudes deutscher Krankenvcr- sichcrungsanstalten schilderte der Obmannstcllvcr- lretcr Hammer in einem ergreifenden Nachruf die großen Verdienste, die sich der verstorbene Db» mann Abgeordneter Genosse Pohl um die Ausgestaltung der Krankenversicherung und um den , Untervcrband erworben hat, an dcffen Spitze er durch volle sechzehn Jahre stand.— Der Vorland beschloß einmütig die Schafsiing einer Adolf Pohl-Stiftung in der Höhe von 20.000 Kronen, deren Zinsen zur Unterbringung von erholungsbedürftigen Kindern versicherter Mitglieder in Erholungsheimen verwendet werden soll. Zum Obmann des Untcrvcrbandes wurde Abgeordneter Gcnoffc Katz einstimmig gewählt. Abgeordneter Dr. KalaS gestorben. Freitag, den 2. Juni,>lin 4 Uhr fr ich starb in seiner Wohnung in Prag der"Abgeordnete der republikanischen Partei Dr. Josef Kala8, der Vorsitzende der Fachorganisation der tschechoslowakischen Hausbesitzer, nach längerer schwerer Krankheit. In Böhmen Schönwetter. In Böhmen hcu sich das Wetter in der Donnerstag-Nacht ge- bessert, dagegen ist-in den mittleren und östlichen Teilen des Staate« Eintrübung eingetreten. Der Luftdruckunterschicd zwilchen dem Hochdruckbond über dem Westen Mitteleuropas und der Dapression über Rußland hat sich verstärkt. Der Nordwestwind hat daher namentlich iin K a r p a t h e n- gebiet des Staates stark aufgefrischt. Der Lustzufluß aus höheren Breiten dürfte anhalten. Infolge der Nähe des Hochdruckgebietes dürste das Wetter im Westen des Staates auch weiterhin günstiger bleiben als im Osten.— Wahrscheinliches Wetter heute, Samstag, in der Westhälfte der Republik: Zeitweise ziemlich heiter und untertags etwas wärmer, schwacher bis mäßiger Nordostwind: Osthälftc des Staates: wechselnd bewölkt, ohne erhebliche Niederschläge, mäßig lvarm, frischer Wind aitS nördlich» Richtungen. Ei» Hakenkreuz-Flugzeug in Pro«. Ein Leser unseres Blattes teilt uns niit, daß cs gestern nachmittag« auf dem Flugplatz in Gbell eine begreifliche Aufregung gab, weil dort von Berlin kommend. das r fahrplanmäßige Flugzeug oer Deutschen Lufthansa zum ersten(und hoffentlich zum letzten) Mol mit schwarz, weiß-roten Emblemen und mit dem Hakenkreuz versehen landete. Dies widerspricht den internationalen Vereinbarungen, da kein Verkehrsflugzeug die Flaggen mit sich führen darf. Man ließ von Gbell aus das Flugzeug schließlich unbeanständet nach Wien weiterflicgen, aber jedenfalls wird der Ziw schenfall ein Nachspiel hoben. Die Eröffnung der Drahtseilbahn auf den Jeschken wurde auS technischen Gründen verschoben. Mißglückter Versicherungsbetrug eines Rest, gutbcsitzers. Bor einigen Tagen brannte in der Gemeinde Hrädck in Südböhmcn auf dem Rest- gute des Franz Blnha das Doch des Wohnhauies nieder, wobei auch das Gebäude beschädigt worden war. Bei der Feststellung der Branduriache kam man darauf, daß der Brand gelegt worden war. Der Bruder des Besitzers, Karl Bläl)o, war nach Hrädek gekommen und hatte im Ein- vernehmen mit dem Bruder, der daraus kein Hehl machte, daß auf seinem Besitze Schulden in der Höhe deS doppelten Wertes des Gutes losten. daS Dach und die Balken des Wohngebäudes mit Petroleum begoffen und auf dem Boden ein« Kerze entzündet. Durch den Rauch wurde jedoch ein Knecht geweckt, der die Nachbarn weckte und so ein Ausbreitcn des Brandes verhinderte. Die Brüdr Blüha wurde» verhafte! und in das Kreisgcricht von Budweis cingeliescrt. Einer von ihnen hat bereits seine Schuld gestan den. Das Rcstgut war hoch versichert. Vermißt. Auf dem englischen Tampfcr „Stcnior", der Donnerstag in Hamburg einlirf, haben sich keine Besatzungsmitglirder der gcsun kenen„G u i l f o r d Castle" befunden. Die Iln klarhcit darüber, oh die Kollision mit der„Sten toi" Todesopfer gefordert hat, hält infölgedessen noch an. Drei Besatzunasmitglicder, und zwar der Schisfskoch und zwei Schiffsjungen werden vermißt. Die brasilianische Regierung wird,, um den regelmäßigen Zeppelinverkchr ms der Strecke Friedrichshafen— Rio ie Janeiro sicherzustellcn, der Luftfahrigeiell- schaft einen Kredit von 2000 Conto«(1 Conw Reis ist gleich 1000 Milreis) bei der Brasilianischen Staatsbank eröffnen. DaS Problem des Handelsvertreters behandelt eine diesen Titel tragende Bcrösfentlichung dcü Bundes der Vertreter und Reisenden, Tcplitz-Schönau(Fachgruppe de« Allgemeinen Angcstcllten-BerbandcS Reichender«!, verfaßt von Bertrand Kätscher. Die Broschüre ist von fachmännischer Seite, u. a. von Senator Dr. Carl Heller, Teplitz-Schönau, überaus günstig beurteilt worden und beleuchtet die Lage der Reisenden, Vertreter und Agenten in wirtschaftlicher, arbcits-, sozial- und steuerrcchtlicher Hinsicht von allen Seiten. Der Verfasser hat cs verstanden, in übersichtlicher, umfassender, eindringlicher und überzeugender Form diese wichtigen Fragen einwandfrei und erschöpfend zu behandeln und hat insbesondere auch die umfangreiche Rechtssprechung und Entscheidungsprar!« der zuständigen Gerichte und Behörden mit hrrangczogen. Tic Broschüre ist für jeden Interessenten unentbehr. lich und zum Preise von nur llö 7.50 zu beziehen beim Bund der Vertreter und Reisenden(Fach gruppe deS Allgemeinen Angestelltcn-Berban- des Rcichenbcrg), Tcplitz-Schönau, Eichwaldcr Straße 39. Autobus-Fahrplan. Da» Post und Telegraphen Ministerium hat als selbständigen Teil des ann- lichen Eisenbahn-, Post- und'Danipsschifsahrts-Fahr- planes der Tschechoslowakischen Republik den Fahrplan der st a a t l i ch« n und privaten Auto- >n o b i l st r c ck c n in Böhmen, insgesamt über 800 Linien, herauSgcgeben. Preis eines Exemplares 6 K. Der Fahrplan der staatlichen und privaten Automobllstrecken für Mähre n, Schlesien, die Slowakei und K a r p a t h o r n ß l a n d wird in den nächsten Tagen erscheinen. Preis eines E>M- PlareS 4.50 K. Erhältlich in allen Buchhandlungen oder im Verlag Alois Wiesner, Prag ll., Soukenicka Nr. 9 Inserat 1833. „Siebenfacher Mörder empfiehlt sich." Ich bin«in Führer—, eine braun« Eich«, Mein Führungszeugnis gab mir das Gesicht, Für mein Talent, da spricht so manche Leich«, Gehirnschmalz, Mensch, nein, so was brauch' ich nicht' Ich bin erprobt—, aus allererster Raffe, Im Killen kommt mir Wohl kein Zweiter gleich Und war ich auch der Letzt« in der Klass«, Ich bin der erst« jetzt Im„Dritten Reich". * Ich bin ein Vollbild—, jeder kann cs lesen. Mein Steckbrief spricht für mich—, seht ihn euch an, Wer so als Mörder führend ist gewesen, Der ist für Di« bestimmt der rechte Mann! * Empfehl« mich für all« schweren Fälle, Auf meta Talent kann jeder Häuser bau'», Wer.es nicht tut, der wird gleich auf der Stelle Gleichschaltungshalber krumm und lahm.gehaun' E r n e st i»c ?Ir. 180 Samstag, bett 8. Juni 1088 Seile S Eine Hausgehilfin stirbt. Weil die Dienstgeberin keinen Schuhgurt laufen wollte. Schüsse gegen einen Postwagen. Donnerstag nachmittags schossen i» der Nähe der Siedlung ltiöka(Bezirk Bolovc, Kartzathorußland) zwei unbekannte Täter ans einem Walde heraus mit Mililärlarabinern auf den Postwagen, der von Aolove nach der Gemeinde I;ka neben anderen Postieiidimgeii auch 67.000 1< in bar führte. Durch die schuss.' ivurde niemand verletzt. Der Gen dar- lkr:eoberivachlmeistcr Brom, der den Pvsttvagen begleitete, sprang vom Wagen und verjagte mit Rcvolverschiissen die Angreifer. Nach den Tätern wurden umfangreiche Nachforschungen angrstellt. Motorrad führt in ein Auto. Freitag uni 16 Uhr stieh an einer.Kreuzung in Pardubitz ein Motorrad, ans-em Franz Hejduk und.Hart Binar aus Pardubitz saßen, in voller Fahrt in die Flanke dcS Kraftwagens des JUDr. Josef Bo'iib, Advokaten in Pardubitz. Beide Fahrer wurden schwer verivundct und die Maschine voll- konunen zertrümmert.-Bei der Ueberführung ins Krankenhaus erlag Hejdnk, der einen Schädclbruch erlitte» ha:te. seinen schtveren Berletzuitgen.! Binar geht es verhältnismäßig zufriedenstellend. Oder-Donaukanal. Tie tschechoslowakische Regierung verhandelt mit der deutschen Reichsregierung gegenwärtig über den Bau eines Oder-To naukan als. Hitlers Gehaltsverzicht. Ter-Herr Reichs- lanzlcr Adolf Hitler hat bekanntlich großmütig auf sei» Gehalt verzichtet. Ob auch auf die Aufwande- enlsckiädigung von 140.000 Mark, is, niemals bekannt geworden. Tas Verzicht auf das Gehalt von etiva-'7.000 Mark dürste ihm kaum schwer gefallen iein, da sein Einkommen als schriftsteller em Vielfaches davon beträgt. Es ist in der letzten Seit gewaltig gestiegen, weil d:e Mitglieder der Betriebszellen der Nazis gezivungen werden. d«is Buch„Mein Kamps" zu kaufen. Da von jedem Exemplar mindestens l Mark in die Tasche Adolfs fließen, so schlägt man sein jährl'ches Einkommen mit 500.000 Mark nicht zu gering ein. Der Verzicht Hillers auf lein Gclwlt zwingt ihn also wohl kmun zu einer C nschränlung seiner Lebens- snhrung. Im dichten Nebel stürzte unweit der Stadt Zan Bern' r d i n o(Kalifornien) ein schweres Bombardicrflugzcug ob und wurde vollständg zertrümmert. Drei F l j e g er wurden getötet, vier weitere Personen wnrden verletzt. Verbrechen in Amerika. Sechs Männer, allem Anschein nach ienc Häftlinge, die vor zwei Tagen auS dem Gefängnis in Lansing i.iSgcbro- chcn sind, haben Donnerstag in C h e(f r a(Okla- bonia) eine Kassa a» S g e r a u b r. Tann machten sie sich mit den Revolvern m d>r Fau't den Weg ans Ser Stadt frei. Man'st d.r Meinung, daß;we> Männer und ein Knabe, die vermißt werden, von den Räubern>ir:b cm Wege nach Chella ermordet wurde»- In Hol in wo ob drangen bemassnetc Banditen rn einen Saal, in dem(feppo M a r x, ein berühmter Filinschäuspielcr, einigen Kollegen ein Gastmahl gab. Tie Teilnehmer wurde» zunächst geknebelt. Dann bemächiigteir sich die Räuber alle- vorhandenen Geldes und aller erreichbaren «gegenstände. Das geraubte Gut dürste ins acfaiut eine» Wert von 80.000 Dollar haben. Die Verbrecher eulkamen unerkanni. Vom Expreßzug getötet. Ter Expreßzug Mailand Triest ft'eß in der Station Oriage bei tzenedig aus dem Bahnübergang gegen einen kleinen Logen, wobei drei in dem Wagen befindlich« Prr- smen etwa 100 Meter weit gefchlelst und getötet Alirden. Prag, 2. Juni. Die 30jährige Els« Ohren- stein war heut« vor dem Senat des OGR. Hlou- set angeklagt, als Dicuslgeberin durch Vernach- lässlguiig der pflichtgemäßen Vorsichisinaßrcgeln den Tod ihres Dienstmädchens Rosa Kadlec verschuldet zu haben. Am 3. April d. I. reinigte diose>i« Fenster der im dritten Stock gelegenen Wohnung ihrer Dienstgeber. Ein Sicherheitsgurt, wie er vorgeschriebcn ist, war nicht vorhanden und es war nur ein sehr unvollständiger Ersatz dieser Sicherheitsvorkchrung, daß dl« Dienstgeberin das Mädchen a>n Rock fe st h i«l l, um auf diese Weis« einem Unfall vvrzubeugen. Unglücklicherweise begann mitten in der Sieben das k l« in« Kind der Frau Ohrenstein im Neben- zimmer zu weinen. Sie wollt« sich zunächst n'cht entfernen, ehe das Fenstcrputzcn beendet war. Da aber das Mädchen selbst meinte, sie solle nur ruhig nach dem Kinde sehen, ging sie schließlich in das Kleine medizinisdie Rnndsdiau. Krumme Haltung erblich. Die Erfahrung hat gelehrt, daß viele Familien- cige.niümlichkeiien in ganz erstaunlicher Weis« vererbbar sind. So sind wir gewohnt, bei einem Kind, das wir zum ersten Make sehen, Aehnlichkeit mit den Eltern herauszufinden, ja sogar schon bei einem Säugling. Zu den Faniilienmerkmalen, dle sich naturgemäß erst im Lauf« der Entwicklung deutlicher ausprägen, gehören nicht zuletzt die Körperpropor- lionerl. Mängel sind bei Envachscnen oft durch die Kleidung verdeckt und fallen dann nur einem geübten Auge auf, während sie beim Kind ohne tveilereS ;n beobachten sind. Der Wiener Orthopäde Hayek hat durch Unter- uchiingen der Verwandtschaft von Kindern, di« mit einer fehlerhaften Rückenbikdung behaftet waren, feststellen können, daß die Formen des Rückens— ioweir sic nicht durch Krankheitsvorgänge an der Wirbelsäule bedingt waren— familiärer Art sind und daher hartnäckig vererbt werden. ES handelt sich dabei hauptsächlich um den sogenannten Rundrücken, den hohlrundcn Rücken und di« seitlichrn Verbieg»» grn des Rückens. In manche» Fällen ließen sich be Kindern Rückenfornien wie bei den Ellern und Großeltern fcststellen, so daß die Verwandt!(hast schon durch„Berücksichtigung" der Familienmitglieder erkennbar war. Es ist daher oft verfehlt, wenn Eltern ein Kintz wegen seiner„schlechten Haltung" schelten, londern sie sollten lieber für rechtzeitig« orchopädi- che Behandlung Sorg« tragen. Diese Behandlung muß darauf abzielen, die pri- .»äre Ursache der Rückgratverkrümmung zu beseiti» gen, und zwar ist dies ein« mangelhafte Ausbildung der Dluskulatur des Rückens, Bauches und der Beine. Besonders schädigend wirkt das ungewohnte länger« Sitzen während der ersten Schuljahr«, welches zu einer Uebermüdung der Ausrichtungsmuskeln führt, sinnvolle Gymnastik, Kräftigung der geschwächten Muskeln durch Bewrgungsübungen, Tiefaiemübun. gen und Weckung des richtigen Haltungsgcfühls können das Nebel beheben, wobei ein Geradehalter unterstützend wirkt. Nicht nur aus ästhetischen Gründen ist«ine solche Behandlung erforderlich, sondern di« Rnckcnsckwächlinge wachsen sonst oft zu kümmer- lichen Meirichen heran, die durch ihren flachen Brust korb besonders zu Erkrankungen der Lungen neigen, Asthma und Meeresklima. Tas Asthma gehört zu den Leiden, di« wegen ihrer ganz verschiedenartigen Ursache äußerst schwierig zu behandeln sind. In allen Fällen ist aber«ine Nebenzimmer. Ms sie zürückkam, war das Fenster leer und unten ans dem Pflaster lag die Leiche der unglücklichen Rosa Kadlec. Fran Ohrenstein wurde wegen des Vergehens gegen di« Sicherheit des Lebens angeklagi. Als mildernder Unrstand siel irr die Wagschal«, daß die Bern»glückte selbst Anlaß dazu gegeben hatte, daß sich ihr« Dienstgeberin entfernt«. Als b c l a st« n d aber kam in Betracht, daß nach Zeugen» aussagen die Tot« sich mehrfach darüber beklagt hatte, daß die Angeklagte ihr keinen Schntzguri besorge, obwohl sie einen solchen mehrfach verlangt habe Auch Hal das Mädchen sich geäußert, daß sie vor dem Fenstcrputzcn stets große A n g st habe. ! übergroß« Empfindlichkeit der Schleimhäute in den oberen Lllftivegen vorhanden. Dr. Ludwig Gmelin hat nun kürzlich festgestelli, daß das Nordseeklima durch Sonn«, Wind und Seebad die Nerven, welch« die oberen Luftwege versorgen, besonders günstig be- cinslußt. Natürlich wird es>mmer einer gewißen Zeit bedürfen, ehe man diesen Klimareiz mit seiner vollen Stärke auf den Patienten wirken lassen kann. ES ist Sache des erfahrenen Arztes, genau wie bei Medikamenten, auch diesen Klimareiz zweckmäßig zu dosieren. Zur Berstärkung der Kliinacinflüsse ist cs möglich, den Patienten in leichter Kleidung bei Spiel und Sport Sonne, Wind und Wetter auszusctzen und als letztes Mittel di« Seebäder anzuwenden. In manchen Fällen wird es aber gerade darauf aukom- mcn, durch Liegekuren, Anfenchalt im Windschutz, vermehrt« Kleidung und Fortlassen der Bäder den Klimae'nflnß einstweilen abzuichwöcheii. Am stärk sten ist der Klimareiz naturgemäß im Winter. Der Kurbeginn hat also am besten im Frühjahr zu erfolgen, weil dann ganz von selber die Steigerung erfolgt. Tie gleichmäßige Wärme und die hohe Feuchtigkeit der Nordseelnft rühren vom Golfstrom her. Ter vorherrschende Westwind führt, den Nord- seeinscln die Lnf« des Atlantik zu, über dem Ozean 'äitigt sich die Luft mit Wasserdampf und temperiert sich. Es ist viel zu wenig bekannt, daß die große Wärmequelle des Golfstroms, di« ja das ganze Jahr zur Verfügung stehl,«ine Ausgeglichenheit in den Schwankungen der Wärni« des SeeklimaS hervorruft, die kaum unter dem jährlichen Mitleldurch- schnitt des berühmten Klimas von Meran liegt. Wichtig ist auch der stark« Kochsal^ehalt der Seeluft uttd eben so sehr der erst in den letzten Jahren festgestellte Jodgehalt. Da das Jod ja zu den ältesten Medikamenten bei der Asthmabchandlung zählt, ist einleuchtend daß es auch in der Form der einge- atmetcn Luft von äußerst günst'gen Einfluß ist. Schließlich erivähnk Gmelin noch die besondere Reinheit der Seeluft, die jode Reizung der oberen Luft- tvegc durch artfremde Stoffe auf«in Minimum reduziert. Indirekt« Jodernöhrnng. Wir wisjen seit langem, daß die Jodverarmung des landwirtschaftlich ausgenntzten Bodens in den verschiedenen Gegenden zu Krankheilserscheinungen der Bevölkerung führt, di« ihren Ausdruck in man- gelhcifter Kropflnldnng finden mit allen jenen unangenehmen Begleiterscheinungen wie Kretinismus, Wachst ttinSstörungen, Herzerkraicknngen usw. In diesen kropfbodrohten Gegenden haben die Behörden seil Jahren Maßnahmen getroffen, nm den Nachwuchs zu schützen. Kleinste Jodmengen vermögen dir DaS Gericht erkannt« die Angeklagte schuldig und verurteilt« sie zu zwei Monaten strengen Arrestes unter Znbillignirg des bedingten StrafanfschubcS. rb. oiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin Die größte illustrierte IHocAenschri/t £r«vas— deutscher Mann..." und er biß sich auf die Lippen, als habe er schon zu viel gesagt. Die Schwester sah streng atrü und roch nach Karbvl.„Sie sind der erste Besuch, den wir zu den Kerls da hineinlassen dürfen." „Warum denn? Warum keine Angeborigen?" fragte er. Die Schwester zuckte mit den Achseln, ihre Allgen blickten gefühllos in eine Ecke des Korridors.„Befehl von oben." Ein leiser Schänder überlief den Reporter. Dann öffnete er, gar nicht mehr strotzend von freudiger Kraft, sanft die Tür des Krankenzimmers. Bier Betten waren da. Er erinnerte sich später nur noch an die grelle Weiße der Leincn- occkcn, auf die die Sonne fiel. Denn als er ein»« der Gesichter auch nur flüchtig angesehen harte, Nlußtc er die Augen schließen. Das war ja kein Gesicht mehr. Das war eine formlose Masse! Nur nicht dieses Bild ins Gehirn einpräge»! Nllr das nicht! Jahrelang würde man davon nicht mehr freikoliinicn. In jeder Parade würde vicscr Flcischklumpen vor seinem Geiste auftauchcn, bei jeder Mahlzeit würde er an ihn denken müssen, er würde keine Mädchen mehr küssen könneil, keine Bännic mehr sehen, keinen Himmel— nur dieses Furchtbare! Nur das nicht! Er fühlte deutlich, wie ihm eiskalt wurde. Er taumelte zur Tür zurück, mußte sich an den Pfosten lehnen, nm nicht umzukippen wie ein voller Sack. Und dann hörte er eine Stimme ganz allein durch den Raum wimmern:„Erschießt mich doch! Erschießt mich doch! Erschießt mich doch!" Und eine anoere bildete den Kontrapunkt:„Heil Hitler! Hitler Heil!" Alkes erstarb. Er erwachte am Arm der Schwester, die ihm die Stirn mit Kölnisch Wasser rieb. Er machte sich los.„Lassen Sie mich! Ich muß fortaehen, muß schreiben, sofort, sofort!" Er eilte in die Redaktion und hämmerte in die Maschine:„DaS ist das Erwachen einer Nation??! DaS ist Mittelalter! Das ist Sadismus! DaS ist Folterkammer!— Das will die edelste Rasse der Erde sein? Bestien sind es! Nur mit dem einen Unterschied, daß sie Bestien mit Be- wußtsein find! Und ich sage— denn es gibt nicht nur eine Schweigepflicht, sondern auch eine Redepflicht der Presse— alle Gerüchte, die unter der Oberfläche des Geschehens durch Deutschland laufen, alle Ahnungen, die da« Schlimmste befürchten, cr- fafsen nur den geringsten Teil der Wahrheit! ES ist zehnfach, es ist hundertfach fürchterlicher, al« die flüstern, die noch mit heilem Leib an ihrem Tische sitzen." Aufatmcnd setzte er seinen Namen darunter. Tas mußte sein. Ja. Jetzt war ihm leichter. Er ging hinllvcr ins Zimmer des Chefredak teurs, reichte ihm stumm den Artikel. Der Chef laS. Der Chef räusperte sich erregt, seine Glatze färbte sich rot. Er zog hastig eine Zigarette hervor, fahrig entzündete er em Streichholz.„Sic sind verrückt, Mensch! Ich will diesen Artikel nicht gelesen haben! Ich will Tic nicht ins Unglück bringen!" Er zerriß das Papier ttt lauter kleine Fetzen und verbrannte sie im Aschenbecher. ,,Gut. Ich werde den Artikel noch einmal schreiben," beharrte der Reporter.„In genau derselben Form. Jawohl! DaS innß gesagt lverden. Muß! Wir müsse» den Bau aufgeblasener Lügen zertrümmern! Wir müssen das Volk aufklären über daS, was hier geschieht!" „Schweigen Sie!" kreischte der Chef.„Bedenken Sie doch, alles, was getan wird, ist für Führer und Vaterland und in des Führers Namen!" „Und ich erkläre Ihnen, ich spucke auf Führer und Vaterland! Ich bin ein Mensch, der ein Herz im Leibe hat! Verstehen Sie mich doch!" „Seien Sie still!" Der Chef rang die Hände. „In Deutschland haben die Wände Ohren!" „Und wenn wir schweigen, werden die Steine reden!" sagte der Reporter, schlug sich dabei mit der Faust an die Brust.„Sie tragen die Verantwortung, Herr Chefredakteur! Sie wissen nm alles, und Sie sind stumm«nd lügen und gehen den Mördern um beit Bart!" „Ich entlasse Sie! Hinaus! Hinaus! Sie mit Ihren läppischen Zitaten und ihrem Herzen! Bcr- haften lassen sollt ich Sie!" Der Chef wischte sich de» Schweiß ab.„Im Konzentrationslager werden Sie ende», Sie Ochse. Sie Idealist! Wahrheit, hahaha, Wahrheit..." Aber der Reporter war schon gegangen und hatte die Tür knallend ins Schloß geworfen. Seit« ß Samstag, den 8. Juni 1888 At. 180 PRACER ZEime. Pfingsttressen der sreigewerkschattlichen Angeftellienjugenv in Prag. I» den Pfingsttagen wird die Prager Ocffcntlichleit ein seltenes Schauspiel zu schon bekommen. Tausende blaue Blusen. Tankende frische Buben und Mädelgcsichter:n den Prager Straßen. Die Privatangestelltenjugend, Lehrlinge und Lehrmädchen vom schreib- und Ber- kaufspult aus allen Teile» der Tschcchosl-.waki- 'scheu Republik werden sich mit ihren Genossen und Genossinnen ans Oesterreich in Prag treffen, um hier für ihre Rechte und Forderungen zu demonstrieren, um hier neue Kraft für die Arbeit im Alltag zu schöpfen. Gerade heut, da ivir, von Feinden umlauert, doppelte Kraft für diesen Kampf brauchen, wird die Manifestation der frei« gewerksä-aftlichen Angestelltenjugend in Prag eine weit größere Bedentung haben, als alle ähnlichen Manifestationen in früheren Jahren. Kein Jugendlicher aus einem Büro, kein Lehrling, kein Lehrmädchen, soll daruiit fcrublcibcn. Aber auch alle anderen Jugendlichen, die in unseren Reihen stehen, werden die so ost geübte Solidarität auch diesmal beweisen. Kegen FascismuS, Reaktion und Militarismus, für Sozialismus, Demokratie und Weltfrieden— diesen Zielen will das Jugendtreffen dienen. Für erhöhten Lchrlingsschntz, für Schuh-der arbeitslosen Jugend, für entsprechende Erholungsmöglichkeiten, für Regelung des FortbildungSwescus und für die-10-Stundcu- Wochc manifestiert die sreiaewerkschaftliche Ange- stelltcnjugcnü in Prag und erlvartet die Unterstützung in diesem Kampfe von allen ihren Kameraden. Daruni ans zum Pfingsttressen der freigewerkschaftlichen Angestelltenjugend in Prag! Unsere österreichischen Genossen und Genossinnen heißen wir bei uns herrlichst willkommen und begrüßen sic in proletarischer Solidarität. E. F. Gerichtssaal Und nochmals: Mangelnde Obsorge. Kind ertrunken— Vater angctlagl. Prag, 2. Juni. Gleichzeitig wurde vor dem Senat des OGR. K v a p i l ein anderer Fall nach dem gleichen Paragraphen verhandelt, bei welchem I der Sachvcrhalc freilich ganz anders geartet ist. Der LSjährtg« Arbeiter Johann Stampfer aus R oz- loky bei Pürglitz war angetlagt, durch mangelnde Obsorge den Tod seines 10 Monate alten Söhnchens Miroslav verschuldet zu haben. Er saß mit dem Kinde am Rande des an seinem Häuschen vorbeislicßenden M n h l g r a b c n s, der an dieser Stelle besonders reißend und an d r.e> Meter lief ist. Während er mit seinem Jungen spielt«, rief ihn plötzlich sei» Bruder, der«In- Strecke weit oberhalb mil der Reparatur der Grabenverschalung beschäftigt war,;u sich. Die kurze Zeit, da das Kind sich selbst überlassen blieb, genügte, um das Unheil zu vollenden. Der Kleine ftüryie in das reißende Wasser und als man ihn nach kurzer Zeit heranSzog, war er bereits t o t. Der Gerichtshof hatte Mitleid mit dem bedauernswerten Mann, der den Perlust seines einzigen Kindes bis heute nicht ve»wunden har und bei der Berhairdlnng in Tränen ausbrach, und sprach ihn frei, da nach der Sachlage eher ein unglücklicher Zufall vorlieg«, als«in« strafbare Fahrlässigkeit. rb Aus der Partei Jugendbewegung. S. I. Prag. Gruppe I. Wir beteiligen uns über die Feiertage an dem Gewerkschastssugendlressen der Angestelltenjugend in Prag.— Di« Wandergruppe in die Daubaer Schweiz trisst sich nachmittags i Ub« am Denisbahnhos. Decken mitbringen. Kunst und Wissen Die heimlich« Eh«. In einer recht geglückten Sl-udioaufführung der Prager„Literarischen Bühn c" wurde die erfolgreichste Oper des neapolitanischen Komponisten Cunarosa(18. Jahrhundert) aufgeführt. Sie lnar die LicblingSoper Stendhal«,-er sic über hundertmal gesehen haben soll, sie war der Schlager des Theaters im achtzehnten Jahrhundert von Neapel bis Petersburg, ihr Erfolg har dazu beigetragen, daß nach dem Neapolitanischen Aufstand der zum Tode verurteilt« Komponist begnadigt wurde. Die Bemühungen, di« arienreiche, Humor- und stiiiimungsvolle Mschichtr vom Grafen Robinson, der nm die salsck)« Braut aichält und dann doch noch die richtige heiraten muß, unser«,n Bühnet,- Programm einznrerlcibcn, sind nicht jüngsten Datums: und doch gefällt das an Einfällen über- sprühende, rhythmisch flüssige Wcrkchen durch dte Mannigfaltigkeit des musikalischen Einfalls, die netten Melodien besonder» ter Ensemble». Hier ist alle» Handwerksmäßige der Opcrnsabrikalion des Buffostils vereint, der in sich di« Borstus« zur modernen Silloper birgt. Am besten gefiel.Heinrich Hölzlin als komischrr Gras, besonder» durch sorgfältig« Tongebung und nett gezierte« Spiel sowie der Tenor H a! t« m« r, der seine Arien frisch loslegte Bon den Tebütlantinnen war Grete I u st sehr ansprechend und verspricht Bühncnlalcnt. Ter Dirigent Redner führte das Orchester in solider Art, allerdings etwas uninteressant und eintönig. —wl— „Verkaufte Braul'-gestspiel in Chicago. DaS Ministerium sirr Schulwesen und VolkSkultur Hal mit Zustimmung der Regierung beschlossen, daß für di« Tag« vom 2t. und 25. Juni d. I., an welchen Tagen in Chicago der Kongreß der tschechostowaki«. scheu Sokolu aus den Bereinigten Staaten von Nordamerika stattsinder, zur Aufführung der„Ver- kanflen Braut" von Smetana als Jnt«rpre:«n d«r Hauptrollen entsendet werden: Für di« Rolle der Mareuka Frau Jdeuka Z i k o v», für di« Roll« d«S Jeutk Richard Ku bla. für die Rolle des Kecal Paul L n d i I a r und für die Rolle des Basel Mirko S: ckr k. Die Bovstellung wird unter der Leitung Dr. Stock« im größten AuSstcllungS- thcater Chicago», das*1000 Personen unrfaßt, statt- finden. „Fabian, der Elefant" von Lco Lenz und Ralph Arthur Roberta ist die»ächsle Lnstsplelneuhci« der Kleinen Bühn«. Premiere Sonntag, 11. Juni. Regie: Hölzlin. Durch Urania Schülerkarten zu„Nathan". Für diese ungewöhnlich erfolgreiche Klasjilervnrslellung ist eine größere Anzahl von Schülerkarten zu ermäßigtem Preise an der Uraniatäss« eAsältlich.■' Spielplan de» Reuen Deutschen Theaters. Sonntag, 7 Uhr, neu einstubiert:„Lohengrin" (C 2).— M'ntag, JJ8 Uhr:„I m weißen R ö ß 1" (A. A.).— Dienstag. st>8 Uhr:„N a l h a n, der Weise"(A l).— Mittwoch, l48 Uhr, volkstüml. Vorstellung:„Raub der 2 ab i n« r i n n« n" (A. A.).— Donnerstag,%8 Uhr:„Der fliegend« Holländer', Dirigent: Fritz Busch (C 2).— Freitag, J48 Uhr:„Verlobung i m Trau m"(D 1).— Samötaa, 7 Uhr:„Lohen- grin"(A 2).— Sonntag, 148 Uhr:„Figaros H o ch; e i t", Dirigent: Alexander Z« m l i n S k y (D 1). Spielplan der Kleinen Bühne. Sonntag, 8 Uhr: „D a stimm! was n i ch t".— Montag, 8 Uhr, volkstüml. Bovstellung:„M a d a m« hat A u S- gang".— Dienstag, 8 Uhr, Bankbeamten l:„Da st iminl was n i ch T.— Mittwoch, 8 Uhr, Bankbeamten II:„Ist Güraldin« ein Engel?" — Donnerstag, 8 Uhr:„D a st i m m! w a s n i ch t". — Freitag, 8 Uhr, volkstüml. Vorstellung:„D e r Mustergatte".— SamSlag, 8 Uhr:„Ist Gsraldin««in Engel?"— Sonntag, l--8 Uhr, Erstausführung:„Fabian, d« r E l c f a n t". L-— Ali-g—WC Die Wunichwrlt der Träume Alte und neue Traumdeutung.— Erlebnisse im Schlaf.— Schöpferische Träume. Wir alle führen eine Art Doppelleben. Wir haben ein Leben der Wirklichkeit und ein Leben der Träum«, in denen wir Ding« erleben, die uns sonst serir liegen. Wir führen im Traum Gespräch« mit Menschen, die uns in Wirklichkeit unerreichbar oder längst gestorben sind, wir haben Begegnungen und Schicksale ungewöhnlicher Art. Im Traum kann alles zur Wirklichkeit werden. In alten Zeiten glaubte man, daß der Traum ein Verbindungsglied zu ciircr ander» Welt darftelle. Mait glaubte in ihm dir Stimme der guten Götter zu hören und nahm Traume als eine Vorhersagung von kommenden Ereignissen. Auch heute ist man keineswegs ganz von der Ansicht abgckommcn, daß Träume«n Erfüllung gehen könne». Zu ost hat sich diese Er- fahruug bestätigt, als daß man cs ganz ablcug- ncn könnte. Aber die Wissetlschast glaubt heilte, daß ein Traum, der in„Erfüllung" geht, sich fast iinincr genau zu der gleichen Zeit zuträgt, in der sich die Begebenheit selbst abspielt, so daß der Träumer eine Art von Hellsehen ausübt. Daneben aber spielen die Träume heute eine wichtige Rolle auf dem Forschungsgebiet der Psychoanalyse. Die Traumdeutung hat aber nichts zu tun mit der, die in den Traumbüchern der alten Zeit schlich war: etwa in dc»n großen Acgyptifchen Traumbuch oder in dem„echten Ehaldäischen", im„Cyprianiis" und wie sic olle heißen. Es ist schon oft gesagt ivorden, daß ivir in unscrn Träumen alle so etwas wie Dramatiker und Dichter sind. Bisweilen rollen sich die Erlebnisse eines TraunicS ivirklich wie ein spannender Film vor uns ab. Sicher ist aber, daß unser Wille keinerlei Einfluß aus das Tranmland hat. Der Wille ist vielmehr völlig ausgcschaltct. Der Traum hat seine eigenen Gesetze, er macht mit uns, was ihm gut scheint. Vielfach wird angenvnlinc», daß irgendwelche äußeren Umstände auf den Traum Einfluß haben. Das ist in vielen Fällen richtig. Ein Geräusch in iuisercr Umgebung kann einen Traum hervorrilfcn, in dcni dieses Geräusch di« bestimmende Rolle spielt. Ebenso können die Gedanken, mit denen wir uns tagsüber beschäftigt haben, uns im Traum dann weiter einspinn•««. DaS wird beute so erklärt, daß daü Gedankenleben auch im Schlaf nicht völlig aussetzt, aber, da cs keine Leitung über sich Hal, ungeregelt und zügellos verlänft, so daß eben die Unklarheiten und Unsinnigkeiten des Traumes entstehen. Sehr häufig sind die Träume so lebendig, daß sie einen« auch nach dein Aufwachen vollkommen in Erinnerung sind, ja, jeder Mensch hat Trämne, on die er sich noch««ach viele«« Jahren ganz deutlich rrsttnert. Im allgemeinen wird gesagt, daß ein Der Film Rtemanvslanv. lieber dieses Ideologisch wundervolle, technisch jedoch iilieressant« Werk des jungen Regisseurs T r i v a s(Musil Hauns Eisler)«vurdc an dieser Stell« schon vor über Jahresfrist berichtet: anläßlich der Wiener Ausführung. Heule wirkt das Stück klaren und eindringlichen sozlalistischcu Pazifismus unheimlich aufregend, unheimlich aktuell: noch viel stärker als zu jener Zeit, da di« sascistischc Gefahr noch nicht jo«nachwoll in die Geschicke des deutschen KullnrgcbiclcS ciirgogriffcn hatte. Was uns an diesem Film begeistert: ist vor all«»« di« schlicht« Sprache, die einfache Fabel: ein Deutscher, Franzose, Engländer, ein Schwarzer(ihn spielt der Partner Josephine Baker», Douglas, ganz hinreißend)»ird ein heimatloser taubstummer jüdische: Schneider werd«» im Krieg in einen halbzcrschosscuen Keller verschlag«»: ins Niemandsland, wo kein Offizier Feuer befehlen, kein Gencralstab valer- lätkdijchen Mond heischen darf. In diesem Erdloch wächst der Geist rein menschlicher Kameradschaft heran, der all« Bölter verbrüdert: bis zu jenem Moment, da di« fünf, rin Häuflein' Machtloser, ihre Znslnchtstält« verlassen, inn dem Krieg gemeinsam entgegenzntreten. Dieser Moment ist seit PabstcnS Bcrgarbeiteustück„Kameradschaft' d!« klarste Doku- mentiernng der übernationalen proletarischen Solidarität. Tic berühmteste Szene ist der Moment, do der Deutsch« mit Frau und Kii«d, niedergeschlagen, sein Heini verläßt, um sich lu die Marschkonrpagme eiitzicreiheii und unter den Klängen des Militär- morsches jcu« Begeisterung und jenen Mut schöpft, der dann als heilig in patriotischen Gesängen an« gepriesen wird. T«r Regisseur arbeitet durchaus mit einfachen, treffsicheren Mitteln: manchmal mit zu billigen Effekten(«venu etwa da» deutsche Kind mit einer Erbsenkanone spielt), aber durchwegs jo, daß die Wirkung auf einfache«« Bildern, eiirfache«« Symbolen beruht und allgemein verständlich ist. Bewunder.iL- wert ist sein« Arbeit in der Verschiedenheit der Charakterisierung Frankreichs, Englands, Deutschlands und des Heimatlos«»: am stärksten wird sein« Bildjprach« am Schluß, da man seine echte Begeisterung für da» Menschliche, llvbcrnationcite, Sozial« klar erfühlt. Der Film ist vielleicht der letzte Gruß des setzt in Deutschland verbotenen Geistes, der außerhalb der Operetlenprobiiklion Verminst und wahrhaft internationale Kultur propagiert«: ihn zu sehen, an ihn« Glauben an die Macht und Wahrheit der marristischei« Erkenntnisse zu schöpfen, ist echter Genuß, der die wirklickw Sendung des Film» ols«indrucksicheren Mittlers des Geistes zwischen den Völkern davstellt. Sehr interessant ist die Musik und Tomnoutage von HannS Eisler, der sehr geschickt die Hymne» verarbeitet, moderne Musik komponiert und die Cchlachlenszenen tonlich unternialt. Von den Schanspicüern gefallen am basten Ernst Busch als Deutscher, Sokolof als armer Taubstummer und der ewig beiveglich« NHzer mit" seiner verständlichen Verachtung für die iveißen Brüder, di« sich gegenseitig um nichts zerfleischen! W. Lg. Sport«Solei- MMW Nazi zerschlagen einen Sportverband. Hakoah Wien hält dk«„Treue". Ter bürgerliche Schwimmverba ud in Oester- reist ist selbstverständlich wie alle andern bürgerlichen Sporwevbände„unpolitisch". DaS war aber kein Hindernis, daß die H a k e n k r e n z l e r schon seit Jahre«« innerhalb des bürgerlichen Schwimmsports eine lebhafte Nazipropaganba betrieben, die die andern Mitglieder dieses Verbandes stillschweigend hin- nehlnen mußlen. Dies« Propaganda äußerl« sich zum großen Teil in der Forn«, daß Andersgesinnt« wiederholt beleidigt, bedroht und tätlich angegriffen wurden. Schon ost habe«, einige Berein« ihre» Austritt angekuud'gl, wenn diese Zustände sich nicht ändern sollten. Daraufhin beruhigte» sich die Ha- Mensch um so mehr träumt, je mehr er sich für sein Traumleben interessiert. Es ist nachgcwic- fen, daß Träume«licht immer nur AugcnblickS- erscheinuligen sind, sondern man hat Schlafende beobachtet, die längere Zeit ganz osscnsichtlich träumten und im Traum lächelten oder stöhnten. Wie sie dann crtvachtei«, erzählten sic eine«: Traun«, der ihrem GcsichtSanüdrnck während des Schlafens vollkommen entsprach. Sehr ost ist es vorgekommen, daß Erfinder, Komponisten, Gelehrte, die sich lange mit einer bestimmte«« Aufgabe beschäftigt hatten, aber an einen« Wien Punkt angckomnicn waren, eines Tagei^ durch einen Traun« die Lösung aller Schwierigkeiten fanden. Wem« sie gleich beim Erwachen diese Lösung nicdergeschriebcn, so Ivar ii« dei« meisten Fällen der Weg zum glücklichen Weiterarbeiten geebnet. Sehr oft ist allerdings auch beobachtet ivorden, daß jemand-m T-aum eine ganz außerordentliche Leistung vollbracht m« haben meinte und««och in der Nacht beim Erwachen den Gedanken oder den Vers aufzeich- netc. Im klaren Tageslicht aber war das Erzeugnis des Traums ganz««««verwendbar und weit unter dem Niveau der sonstigen Leistungen des Betreffenden. N««r der Traum hatte cs als etwas Herrliches erscheine«« lasse««. . Sicher ist, daß sehr oft der Traum so viel Freude und Erfüllung peinlicher Wünsche bringt, daß der ganze Tag hinterher von diesen« fre»«ndliche»« Schein überglänzt lvird. M. G kcnkreuzlcr wieder ans einige Zeit. Zu»« ärgste» Ausbrnch des Hakenkreuzgeistes kam es vor kurzem, als die Razisportler bei einen« Meeting i», Wiener Manabad mil Peitschen, Schlagringen»nd Ochsenziemern zum Angriff auf ihre auderLgejinnien 'Sportkollcgen vorgingen. Zwei der größte» Wener bürgerlichen Schwinnnvereine haben nun auf die Gemeinschaft mit dem Halciikreuzgcsludel endgüliig verzichtet. Der T o n r I n g k l u b und der WA C. sind ans den« bürgerlichen Schwlnnnverbaud ausgetreten, der bald nur noch ans dem Ewask und seiner— Halo a h bestehen wirb. Der WAC. hat sich— ebenso wie der Touringklub— zu diesem Schrill entschlossen, weil aus Grund verläßlicher Jn- sormolionen festgeslellt wurde, daß der Ucbersall im Dianabad planmäßig von Funktionären des Verbandes(!) organisiert war. Der Nazi-llrzleher mit der Stahlrut«. AIS bei dem cnvähnlci« Razi-Ueberfall der Schwimmer Steinbach, nur notdürftig bekleidet, in die Vorhalle des Dianabadcs eilte, nm seine Mutter und Schwester in Sicherheit zu bringen, sprang der I i« g e n d w a r t des Verbandes, Jng. Haupt (Ewask), auf ihn los und versetzte ihn« mit einer S t a h l r n t c eine«« Schlag ins Gesicht, das sofort b l n t ü b e r str ö«tt t war. Als dann die Polizei Haupt verhaftet«, erkannte sie In ihm einen bekannten Stänkerer. Also eine richtig« Zierde des bürgerlichen Schtvinnnsports. Der internationale Sportverkehr der Schweizer Arbeitersportler hat durch die Unterdrückung der Ar beitersportbewcgung in Hitler-Deutschland eine starx Einbuße erlitten. Gegenwärtig sind jedoch Verhandln»gen Im Gange, mit den«Übrigen Länder»— insbesondere Frankreich und Belgien— diesen Ausfall wieder wettzuinachen. Ai« den« französische» Buu- dcsfcst wird sich schon ein« große Anzahl Schweizer Arbcitersporwereine beteiligen und außerdem Wirbel diesen« Anlaß auch das Europa-Fußballmeister, schaftsspicl Belgien—Schweiz stattfinden. Mit dein französischen Arbeitevsporwevband werden derzeit Berchandlungcn bezüglich eines Länderkampses der Schwerathleten gepflogen, da die Begegnung mir Deutschland nicht mehr in Frag« kommt. Vereinsnadiriditen © Ortsgruppe Prag. Achtung! Die Abfahrt zur Pfingsttonr findet nicht von« Wilsonbaynhof, sondern vom M a s a- rykbahnhof statt. Treffzeit spätestens 12.80 Uhr mittags, an« 8. Jun« (Samstag). Literatur „Dir Legion marschiert." Als Baiinan be« der sranzosijchen Fremdenlegion. Bon P a o i o Zappa. Ucbertragung ans dem Italienischen. Montaiia-Ber- lag A.-G., Houw-Luzern und Leipzig. Illll Seiten, 8 Knustdrucktafeln, 1 Kartenskizze. 8". Kartonier: RM. 8.—. Ein italienischer Journalist wird Aehiise, Barman, bei einem Marketender, der eine Abteilung der französischen Fremdenlegion in Marokko auf ihrem Marsch«mch dem Süden begleitet. Cr sied« klar und unparteiisch das Leben der Legionäre. Er erfährt mehr, als«nan bisher davon wußte Er zeichnet aus intimer Kenntnis, die«r aus dem Zu- sammeulcbeu mit den Legionären gewonnen hat. lebensvolle, erschütternde Einzelschicksale, aber— und barm unterscheidet sich sein Buch grundlegend von anderen Freindenlogions-Büchern— er verliert darüber nicht den Blick auf das Ganze, die Fremdeu- lcgion als Organisation und politische«« Machtsaktor. DaS der Italiener an Erlebten« und Beab- achlelcm hier niedergelegt hat, das ist ein Bericht, ein männlicher Bericht, der vieles und gerade das Wesentliche neu und ganz anders zeigt, als es bisher geschildert wurde. Und vor allem, er versteht da», was er sah, was nrai« ihn« erzählte, lebendig uns fesselnd wiedcrzugeben. Bilder, auf Kunstdrucktafeln wisdergegoben, vervollständigen das Bild,«in klares, anschauliches Bild: So ist die Legion! Vie richtige Brille Optiker Deutsch Prag ll-, Prikopy, Palais Koruna. Wo-EMar <[ Verslcherungs- Aktien- II II gesellschaft in Wien B |* Direktion Hlr die C, 8. R. in Prag.| j j j General-Ar entschatt Reichen bei g 11 I* empfiehlt steh zum Abschluß von Feuer 1 1 ] i Unfall-, Haftpflicht-, Einbruch-, Auto-, Trans] j II port-, Pferde- und Viehversicherungen zu i, kulanten Preisen. S749 1> (t Bargarantiemittel in der ö.8. R.&6 Millionen m i i Büros: Prag, Narodni tf. 17. |[ Reichenberg, Schfltzeng. Nr. 21.|[ Brünn, Theatersasse Nr. 8, 11 a a l g■ k 11: eiegfrtgb Zc»k.— S»<|itkattear. tBtlbclaa Hl(kni.— Srraerworllichrr Sglafttsv St tat] ettaak. Prag— Druck:.Heia' S.-S für Zk»ung. und Buchdruck. 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