13. Jahrgang. Mittwoch, 7. Zunl 1933 Nr. 132. O einen !»» i'iscl'n'stir Mer man würde sagen: Was bedeuten schon diese Tatsachen in der Bilanz des Schicksals, angesichts der Katastrophe, die über den Sozialismus in Deutsch land gekommen ist? Es bleibt, daß das Dritic Reich gesiegt bat, das Deutschland Goethes, Marx' und Einsteins den Bestien ausgeliefert ist, daß alle bürgerlichen Parteien, die sich zur Demokratie bekennen, zunichte getvorden sind, daß das katholische Zentrum, das sich einst vor Bis- Praa, 8. Juni. Mit dem Empfang der bei- dcn deutschen Minister Dr. E z e ch und Doktor Spina hatten die politischen Beratungen beim Präsidenten der Republik am Montag ihren Abschluß g funden. Dienstag vormittag hielten die KoalitionSParteirn interne Beratungen ab, in denen ihre Vertreter in der Regierung über de» bisherigen Stand der Verhandlungen über das Ermächtigungsgesetz referierten und den ansgr- arbeitrten Entwurf zur Diskussion stellten. Am Nachmittag, referierten dann die politischen Minister in ihrem Kollegium über den Standpunkt der einzelnen Parteien. Es stellte sich heraus, daß die Vorlage zwar keineswegs auf ungeteilte Zustimmung stößt, doch konnte man aus Grund der erstatteten Referate seststeUeu, daß eine weiter« Verhandlungsbereitschaft allgemein vorhanden sei, so daß man daran gehen konnte, die Vorlage in ihren Details zu überprüfen. Dabei wurden an dem Entwurf nicht unbedeutende Arndernngen vorgenommen, von denen die Ausschaltung aller politischen Ermächtigungen und die Beschränkung auf rein wirtschaftliche Maßnahmen dir wichtigste darstelltc. Auch scheint Uebereinstimmung darüber zu bestehen, daß alle derartigen Maßnahmen wie bisher koalitt o n» m ii.ß i g, d. h. im Einvernehmen zwischen allen Koalitionsparteien, getroffen werden und das Parlament keinesfalls durch das Ermächtigungsgesetz eo ipso ansgeschaltet werden soll. ES stellte sich aber bald heraus, daß die noch bestehenden Differenzen nicht so rasch überbrückt der ««- IMetr in längerer Audienz bei MM. Verhandlungen Uber die Ermächtigung noch in Schwebe. reite eingebüßt Hobe; cs handle sich um ganz neuen Text, der seitens der Rcichsregierung erst einer sorgfältigen Prüfung unterzogen werden soll, ob sic nach diesen Aendernngen noch ein ausreichendes Interesse an dem Abschluß des Vertrages habe. Tie für Deutschland wichtig, stcn Vcrtragsclementc, wie die Gleichberechtigung, würden angeblich nur ungenügend berücksichtigt. Mussolini hat seine angckiindigte Rede im Senat über den Viercrpakt deshalb neuerdings auf morgen verschoben und nur erklärt, die Verhandlungen hätten eine Phase erreicht, die binnen kurzem in dein einen oder anderen Sinn abschließend sein könne. VlcrcrpaM in neuer Gefahr. Deutschland will die letzte französische Textierung nicht annehmen Paris, 6. Juni. Havas hatte, heute gemel det, daß der Biermächtepakt noch im Laufe des heutigen Tages paraphiert werden soll, allerdings w c n n T c u t s ch l a n d dem Pakt bei- trete. Tie von Frankreich vorgeschlagcnc For- mel stelle bett Pakt in den Rahmen des Völker bundes und getvähre in der Frage der Abrüstung Frankreich volle Genugtuung. Tiefer Paktentwurs ist nach einer Conti- Meldung aus Berlin heute dort tatsächlich ein gegangen. Bon Berliner halbamtlicher Seite wurde jedoch sofort festgestellt, daß der Musso lini-Plan durch die mehrfachen französischen Ab- ändernngen seinen ursprünglichen Charakter be- Für die Tschechoslowakei widmete Gesandter Dr. Osusky umfangreiche und wirkungsvolle Ausführungen dem allgemeinen Minderheitenschutz«. Der norwegische Außenminister Lang« stinrmt dein Bericht« zu und verlangt, daß all« Staaten Maßnahinen ergreifen, di« eine IScr* lctzung internationaler Verpflichtungen vonseiten Nachgeordneter Behörden ausschließen. Aus dies« Ausführungen antwortet« der deupchc Telegierle von Keller, er könne es nicht znlassen, daß an den> gegeben«» Wort« der deutschen Reichsregierung ge- ztvcifelt werde, daß di« Ucbergrifsc der Nachgeordneten Behörden chttgeinacht wurden. Außerdem antwortete von Keller dem Gesandten OsuskF und bedauerte, daß der tschechoslowakisch« Delegier:« den Rahmen der Tagesordtwng nicht eingehaltcn habe. Rach Ansicht des deutschen Delegierten überschreit« alles, was Dr. Osuskv im allgemeinen gesagt habe, den Rahmen der Tagesordnung, die vom Rat behandelt werde. Gesandter Dr. Omskv antwortete, er habe sich absichtlich von der Debatte über den Fall Bernheim ferugehalten in dem Bemühen, daraus direkt eine Lehr« zu ziehen, was die Tagesordnung des Rates absolut nicht verbiete. Niemals sei es überflüssig oder vorzeitig, eine Verteidigung der Gerechtigkeit zu organisieren. Der Bericht wurde dann einmütig angenommen; der italienische und der deutsch« Delegiert« enthielten sich der Stimme. Dem Berichte zufolge lvird Remedur geschaffen werden und der Bölkerbnndsrat wird von der Erledigung der Petition verständigt werden. gegen' sich selbst tödlich gespalten, zur geniein- faincn Biachtlosigkeit verurteilt und ins ge- meinsame Verderben abgestiirzt sind. Tic Wiener„Arbeiterzeitung" hat vor kurzem ergreifend geschrieben, tvas für eitle Partei, die noch vor kurzem die stärkste Partei Deutschlands und die größte Partei der Welt gewesen ist, bedeutet, daß ihr Rüstzeug durch die brutale Getvalt zerschlagen, ihre Lokale geschlossen, ihre Presse außerhalb des Gesetzes gestellt, ihr Eigentum durch die bewaffnete Hand gestohlen und konfisziert wird, diese Zerschlagung aller Mittel der legalen Aktion, aller Möglichkeiten der offenen Arbeit. Müssen wir vielleicht angesichts' dieses Zusammenbruchs verzagen? Denen, die heute fragen, ob diese furchtbar« Zerstörung überhaupt noch wieder gut;u machen ist, und ob man nicht Mindestens Generationen brauchen wird, bis sich das sozialistische Deutschland wiederum erhebt, allen denen werde ich mit der Berufung auf eine einzige Tatsache antworten: Auch wir in Belgien haben den Zcrstö- rungswahn des deutschen Nationalismus kennen gelernt. Die, die hellte unter Hitler tvüten, sind doch dieselben Gewalt- >n c n s ch e n, oder deren S ö h n e, die bei uns in Belgien in den Jahren d e r O k k u p a l i o n 19 11— l!l 1 8 gewütet habe n. Und es soll dabei gesagt werden, daß diejenigen Belgier, die heule den deutschen Sozialisten Passivität vorwerfen und, wie unser Außenminister, soweit gehen, sic der Feigheit zu bezichtigen, sich doch daran erinnern müssen, daß während der vier todbringenden Fahre des Krieges die zivile und waffenlose Bevölkerung Belgiens, den Haß in den Herzen verborgen, auch gezwungen war, unter denc Schwert der Eroberer passiv zu bleiben. Ich war damals, während dieser schweren Prüfung außerhalb des Landes, aus meinem Posten. Bitt kurzen Untcrbrechlingcn erhielt ich Geheimberichte, die mir sagten, daß die Arbeiterpartei, wie auch die anderen Parteien verboten, das Vermögen der Gewerkschaften konfisziert oder vernichtet, daß unsere Zeitungen aufhören zu erscheinen, daß die besten unserer Kämpfer verhaftet, eingekcr- kerl, ausgcwiesen, wenn nicht gar erscl'n'stN sind. Und manchmal, in den schwarzen Stunden des Etsils habe ich mir gesagt, daß der Rest meines Lebens doch nicht ausreichcn wird, um die Stücke von dem zusammcnzu- lesett, tvas früher unser Stolz war. Aber— kaum waren die letzten deutschen Soldaten über die Grenze zurückgezogen, d a n b e r st r ö m t e eine s v z i a l i st i s ch e Welle das Land, die Arbesterschafi richtete sich lvieder ans, und unsere Organisationen, die man schon für immer für zerstört halten konnte, wuchsen zu einem neuen Leben empor, st ä r k e r, zahlreicher u n d n a ch wenigen Monaten auch reicher, als sie je zuvor waren. Diesen Aufstieg in meiner Erinnerung wieder herstellend, stimme ich dem„Temps" zu, daß dieses dunkle Fahr 1933 doch einen Wendepunkt in der Geschichte Europas und werden konnten, um die Vorlage noch heute vor das Parlament zu bringen, lieber die noch schwebenden Differenzen erstattete Ministerprä» dent Malypetr dem Präsidenten der Republik in den Abendstunden einen Bericht. Es handelt sich hier vor allem um die Frage, ob die Ermächtigung lediglich der gegenwärtigen Regierung oder— in diesem Falle für eine noch Giriere Frist als bis zu Jahresende— allgemein leder Regierung gegeben werden soll. Di« Unterredung war, wie amtlich mitgeteilt wird, von längerer Dauer. Ueber ihr Ergebnis wird Malypetr morgen früh dem Ministerrat berichten. Das Parlament tritt schon um l> Uhr neuerdings zusammen. Sollte das Ermächtigungsgesetz bis dahin vorliegen, so wird es sosort dem Ver- sasstlngSauSschuß mit Frist bis abends zugewiesen werden. Da der Senat die Vorlage bereits Donnerstag abends erwartet, würde das Abgeordnetenhaus di« Debatte schon Mittwoch abends eröfs- nen und in einer Nachtsitzung soweit sühren, daß die Abstimmung im Lause des Donnerstag Nachmittag vorgenommen werden könnte. * Im Plenum des Abgeordnetenhauses wurde heute nachmittag lediglich ein Referat über die Vorlage betreffend die Finanzprokuraturen erstattet, dann wurde die Sitzung geschlosien, als feststand, daß ein Warten aus die Ermächtigungsvorloge heute zwecklos wäre. Gens, 8. Juni.. Ter Völkerbund hat heut« vormittags die Petition Bernheims über die Unterdrückung der Juden in Oberschlesien durchberaten. Der Bericht des irischen Delegierten Lester wurde im Sinne des Gutachtens des Sach- vcrständigenausschusies umgeändert, dem zufolge die Petition Bernheim den'Bestimmungen des (Äenstr Abkommens über Oberschlesien entspricht. Ter deutsche Telegierle von Keller erklärte, die deutsche Regierung betrachte die Petition als erledigt, da sie bereits Remedur in Angelegenheit der Uebergrtsse Nachgeordneter Behörden bei der Anwendung der deutschen Reichsgesetze in Oberschlesien versprochen habe. Gesandter von Keller schloß seine Erklärung mit dem Bemerken, daß sich die Mitglieder des Rates, wenn sie sich jetzt aus den Standpunkt des Juristengulachlens stellen, der Tatsache bewußt sein müssen, daß sie sich zugunsten einer Grundsatzes von weittragendex Bedeutung aussprechen. Es sei selbswerständlich, daß man in Zukunst bei allen Beschwerden ganz gleichgültig, gegen wen sie sich richten mögen, nach diesem Grundsätze werde verfahren müssen. Bon allen Ratsmilgliedern stimmte nur der italienische Telegierle Biancheri mit dem Standpunkt.der deutschen Regierung überein, der die Ausführungen Kellers einsach zur Kenntnis nahm und die Meinung aussprach, daß die Petition damit erledigt sei. Massigst erklärt« als Vertreter Frankreichs, die öffentliche Meinung gebe sich nicht mit einer regionalen Lösung der Beschwerde zufrieden, doch müsse sich der Rat genau nach den Rechtsgrundsätzen halten. Deshalb nehme er den dem Rat vorgelegten Bericht an. Der Sozialismus wird siegen! Ist die Internationale tot? Es lebe die Internationale! Von Emil Vnnrfcruelde, Präsident der Soiialislisdten Arbciter-Intemationafe. Die Internationale stirbt, die Inter" nationale ist tot... da« ist das Leitmotiv, das sich seil dem 3. Mär; in der Rechtspresse breit macht. Im Pariser„Temps" vom I. Mai, wenige Tage nach der großen Parade vom l. Mai in Dentschland, der in eine nationali- siische Manifestation umgcfälscht wurde, war zu lesen: „Ta» Hitlersche Experiment, auch wenn es letzten Endes scheitert», wird, wird doch eine liefe, Aenderung in der Politik Hervorrusen: Bereits I marck nicht gebeugt hat, heute schändlich vor durch die Tatsache, die es gezeigt hat,»ui« welcher I Hitler kriecht, daß die proletarischen Parteien Leichtigkeit es die Sozialdemokratie zerschlagen hat, die bisher in der sozialistischen Bewegung Europas führend war. Die Arbeiterpartei Hal in England eine Niederlage erlitten, der Sozialismus ist in Deutschland zugrunde gegangen, er ist auSgeroltet in Rußland und vertrieben aus Italien, und er hat keinen Einfluß in der amerikanischen Demo kratie. Das bleutet einen Weichepunkt in Enbvicklung, auf den die Völker aufmerksam macht werden müssen." Aufmerksam? Wer wird es leugnen? Ja, die Arbeiterpartei hat in Eng land eine Niederlage erlitten, und es war eine große Freude für die Kapitalisten der ganzen West, als die Ebbe der Wählerstim- mung die Mandate der Partei Macdonalds von 288 auf 51 Mandate verminderte und MacDogald selber am Vorabend der Wahl aus seinkr Partei desertierte. Aber die Sach kundigen wissen doch, daß das Gros der Ca- ders der Arbeiterpartei auch 1931 intakt ge blieben ist, und— die Ergebnisse der Nach wahlen beweisen das— wenn cs morgen zu allgemeinen Wahlen in England käme, so würden mehr als 200 Sozialisten in das Par lament einziehcn. lind wie steht es mit anderen Feststel lungen des„Temps"? Welches ist ihr wirk liches Gewicht? Der Sozialismus, oder richtiger zu sagen die sozialistische Demokratie ist ausgerottet in Rußland; aber allerdings auch ganz an dere Dinge, die den Liberalen aus dem „Teinps" sicher sehr lieb sind, sind dort ver nichtet worden und die Anhänger der bürger lichen Ordnung— empfinden sie wirklich eine Befriedigung darüber, daß im sechsten Teil der Welt eine rote Diktatur allen Angriffen Widerstand leistet und ein gctvaltiges Gegen gewicht gegenüber allen nationalistischen Dik taturen in Mitteleuropa bildet? Der Sozialismus ist aus Italien Vertrieben worden, aber das Beispiel Spa niens— zeigt es etwa nicht, daß an dein Tage, als die Diktaturen zusammenbrcchen, es nicht nur Monarchisten und Rcchtspolitikcr sind, die ihre Nachfolger tverden? Der Sozialismus hatte bisher keinen Einfluß auf die amerikanische Demo kratie. Aber der„Temps" hat selber anläß lich der letzten Präsideutschaftskanipagne in Amerika feststellen müssen, daß wenn auch Roosevelt als den» hoffnungsreichsten Gegner Hoovers die Stimmen zufielen, die Herzen waren bereite für den populärsten unter den Kalididaten, den S o z i a l i st c n Norman Thomas. Und ist es ettva eine unwichtige Tatsache, daß andererseits,„innerhalb der Grenzen der europäischen Freiheit," in allen Ländern von West- und Nordwesteuropa, in der Schweiz, in Belgien, in Holland, in den skandinavi schen Ländern, in Frankreich, der Sozialis- miis und eben der internationale Sozialismus sich im A u f st i c g c befindet. Vergessen wir auch O c st e r r e i ch mit dem roten Wien nicht, und die Tschecho slowakei des Präsidenten Masaryk, diese vorgeschobenen Posten der Demokratie und des Sozialismus in Mitteleuropa. etH« 2 Mittwoch, 7. Juni 1«» Str. 182 ein.“ der II III II der i n daß Arbeitern statt Brot— Sakramente, statt Menschenrecht«— da« Jenseits geben. Unsere Aufgabe muß es sein, durchzuhallen, d. h. Demokratie unbedingt z» sichern, man eine Konterrevolution nicht niederwersen nruS, der Demokratie, und der Internationale! In der Zeit, als eS noch revolulionär war, hat das Christentum über seine Berfol- ger gesiegt, und so wird eS auch dem Sozia» lismus ergeheri. Die Stund« der Vergeltung wird kommen! Partei, Gen. L«iß-Oli>rüh plädiert im gleichen Sinn«. Gen. M a n d l e r-Tctschcn, regle Zusammenarbeit der benachbarten Kreise,«in« planmäßige Arbeitsteilung, Pflege der Festkultur und des modernen Kabaretts an. Gen. K r a u S-Fallenau a. E. sagt«, di« Freidenker miißten sich in der Arbeiterbewegung als Pionier« durchsetzen. 4 wahrhaft« T Neudorf und ten lokal« Ue Schlußwo» Bekenntnis Stellungnahme zw, W und betont, daß wir alle Opfer auf»mS nehrnen, um dir Demokratie zu schützen. o_ o__ Der Bundestag erledigte hierauf 28 Anträge müsse sofort"«ine I Der Karlsbader Antrag entfesselt« noch«in« kurze ni l...«.1. I«See ah Sam X. a amaffft X a f a ft« C. f a v setze s, Aenderung der Matritzenfichrung, Aendrrung der Lehrbücher, Richtlinien für Totengedendfeieru, Einführung de« Lebentkundeunterrichts, gegenseitige Delegierungen mit der Partei, Förderung des Heims konfessionsloser Kinder, Propaganda und Schaffung einer Arbeitsgemeinschaft mit der ,,U»i«*.(Eine Sammlung für das Heim ergab 200 Ke.) Nachdem zwei Ausschlüsse bestätigt waren, erfolgten di« Neuwahlen. Gen. Fi st er erstattete di« Borschbägc. Di« Wahlen zeigte» völlige Einmütigkeit. Es wurden gewHlt:, Obmann: Keßler, Sekretär Lebenhart, Eze-: kutivmilglieder: La n gh a nS-Teplitz, Knobl und Hille-Bodenbach, Christen-Aussig und Fistrr- Bodenbach; Kontrolle I h m e Bodenbach, Dieh- Komotau und Barte l-Weiprrt, erweitert« Bundesleitung: Swoboda und Krau--Falkenau a. E. Endis ch-Teplitz, Kuner t-Rumburg, K o u d e l a» Komotau, Renner-Aussig, M a n d l« r-Tetschen, Hoffman n-Trautrnau, Müll« r-Braunau und L e i ß-Olmütz. Damit halt« der Bundestag sein« Aufgabe voll erfüllt. Zum Schluss« dankt« Gen. Keßler allen Mitarbeitern, nicht zuletzt den Subkassieren und forderte zu rastloser Arbeit für den Sozialismus auf. Stürmische Freiheitsrufe beendeten di« prächtige Tagung. e» wissenschaftlichen Sozialismus sd u n er t-Rumburg trat für rin« okrati« ein. Di« Genossen Hanel- rosch e-Falkenau-Kittlitz bchandcl- gxjff« der Geistlichen. Zn seinem telll« Gey. Keßler fest, daß da- u'^ Demokratie auch die m»»^Erm3chtigung-ges«h erübrigt einem von den Delegierten stehend R a ch r«f z» Ehren der verstorbenen glicdcr begrüßte der Borsiheude die Gäste: Abg. Gen. 2 ch w e i ch h a r t für Vorstand und dir Presse, Gen. Lehnert für den 1 Turn- und Sportverband, Gen. Tschernay für' den Arbeiter- Sängerbund, Gen. G ö r l i ch für 1 die Esperantisten, Gen. Hocke für di« Kinder»' freunde und Abstinenten, Gen. Karl Fi st er für die Arbeiter-Radfahrer und Gen. Hliza für dir' Bolktscucrbestai tungskasse. Begrüßungsschreiben waren eingelausen von dem Verband der „Naturfreunde", der tschechischen Jrridenkrr- organflation„Uni«"-Prag, den» Freidenkerbunde, O« st erreich- und der„Flamme" in Karlsbad.- Nach Wahl einer Wahlvorschlags- und Man», datsprüsungskominisfion, sowie Antrag- und Difzi». plinarkommission hielt Gen Schweichhart< namens aller Gastdelegierten eine kurze B eg r ü- i ßungSonsprache, in der angesichts der fasristi-- schen Reaktion auf di« unbedingte Notwendigkeit verwiesen wurde, olle Teile der Arbeiterbewegung aus- innigste zu verbinden und schlagkräftiger zu; machen. 1'■ fi Bunde»srkretär Gen. 2eb«nhart, erstattete i sodann den langkeusbencht über di« verflossene Berbandsperiode. Einleitend bemerkte er, daß geleitet vom deinokratischen Geist, der i im Bunde herrsche, der Derbandstag berufen ist, an einer schicksalsschiveren Zeitwende wichtige Entscheidungen zu trekscn, die Demokratie muß um jeden Preis verteidigt werden. Im wei- teren besprach Redner den lfKSO in Bodenbach abge- balten-n Kongreß der proletarischen Freidenker- international«, di« Loslösung der kommunistisch orirntierten Freidenker, di« zweijährigen Spaltungskämpfe, di« Stellung zur Brüsseler International« und zur kommunistischen Internationale, die ihren Sitz in der Schrveiz hat und die nur eine Filiale in Prag besitzt. Zwischen den beiden Leitungen bestehen jedoch Differenzen. Der Bund hat nach gepflogenen Verhandlungen in Drut-schland und in Wien sich dahin entschieden, unabhängig zu bleiben. Mit Genugtuung hob der Referent hervor, daß der Bund mit der sozialdemokratische« Partei und deren Kulturorganisatiouen auf freundschaftlichem Fuße steh« und sprach den Wunsch aus, daß den prinzipiellen Forderungen der Freidenker erhöhter Nachdruck verliehen werden möge Wohl seien dir WirtschastSfragcn da» Primäre, aber die geistige Schulung der breiten Massen in der Richtung, daß sie der kapitalistisch kirchlichen Beeinflussung entzogen werden, daß der Kampfgeist gcg«>» di« gewaltigen Mächte der Kulturreaktion gestärkt tvrrde, sei nicht minder wichtig In bezug auf die innerorganisatorischen Fragen bemerkte Gen. Lebenhart u. a., daß durch di« Spal- tungsarbeit der Kommunisten und besonders durch die Wirtschaftskrise der Bund litt, daß er aber trotzdem gesund und kräftig dastehe. Die anschließend« Debatte war recht charakteristisch. Als der erste Redner— Hiltner aus Karlsbad für eine antiklerikal« Einheitsfront eintrat,—»vandte»» sich alle anderen der zahlreichen Redner sehr entschieden gegen den kommunistischen— Einhritssrontschwindrt. Gen W e r n e r-Komolan meinte drastisch, es wäre schade nm die Zeit für das k o m m u n i st i s ch e Theater Gen H o r f m a n n Trauicnau erklärt«, die A u g r n a u s w i i ch e r e i der Kommunisten müsse glatt abgelehn»»verdcn Gen Krau--Falkenau a. E besprach da- Verhältnis der sozialdemokratischen Partei zum Bunde und erklärte, di« erstere»ei Sie KantpfbasiS unserer Freidenker Gen. B i»11» c r Beulen wünscht« u. a.. daß die sozial demokratische Presse sich mehr als bisher der Frei dcnkcrbeivegung»vidnic Gen Knobl Bodenbach hob sas mnstergnllige Zusammenarbeiten des Bunde- und der Parte: in seinem Kreisgebiei hervor Gen M a» d l e r-Telichen bktonie ganz bejonders die Wichtigkeit der Mitarbeit der Frauen. Gen. Lei- m e r-Reichcnbcrg schildert« ireflend die DpaltungS- arbeit der dortigen Kommunisten Gen. Dr. F i- s ch e l-Brünn definiert« den vielfach umstrirtenen Begriff des Marxismus, der. eine Wissenschaft» liche Theorie sei, die einzig mögliche, dir zum Ziel, dem Sozialismus iühr« Abg. Gen Schweich- hart ging auf eine Reih« von Wünschen, di«»n der bisherigen Debatte geöußer: wurden, ein. unter- tzrich dir gestellten Forderungen und besprach dir Frage ihrer Durchsetzung, fall- sich in der Frage der Taktik Unklarheiten ergeben,>"7'' Klärung in freundschaftlicher Weise herbeigtsührt werden. Bei aller wiederholt betonten organisatorischen Selbständigkeit bedürf« der Bund die Partei unbedingt als Instrument zur Verwirk l.ichung seiner Forderungen. Al- letzter Debatteredner setzte sich Gen. L a n g-B.-LeiPa für eine stärkere Unterstützung der Freidenkcrbewcgung durch die lokalen Parteiorganisationen«in. In» Schlußwort behandelte Sekretär Genosse Lebenhart die Einladung des kommunistischen Freidenkerverbandes in Prag auf gegenseitige Delegation und bemerkte bei Erörterung der Stellung zur sozialdemokratischen Partei, der Bund soll« kein bloßes Anhängsel sein und müsse organisatorisch unabhängig bleiben,»vas der Freundschaft zur Partei jttwch keinen Abbruch tue. Ausdrücklich unterstrich Redner den Satz, daß ohne Mithilfe der Partei dir Freidenker nichts durchsetzen können. Der Bundestag faßt« schließlich auf Vorschlag Obmannes Gen. Keßler zwei»vichtigc Beschlüsse: angesichts der ungeklärten Verhältnisse Debatte, an der die Genossen Koudela, Keßler, KIum, Mandler, Lei»ner, Weigel u»ch H i t t n e r teilnahmen. Der Letzgenannte erklärte, der Antag sei>n i ß v e r st a n d« n worden, er diene keinen zweideutigen Zwecken und zog ihn schließlich zurück. Die angenommenen Anträge beziehen sich aus Freimarken für Arbeitslos« und Militärpflichtig:, Kircheitaustrittsaktion, Beitragsaufteilung, Propa ganda der Parleipresst, Aufhebung des Kongruage- ninHiiiHiiiiiiiiiiimimiinnnininniimiiiiniii(iiiiniiiinniiiiuiimnuiiiiiniHnnnnnniiiininfflnnmmmnnminiiniiiHunNfflNiiHiHHHflinHnniiii „Der Ruf zum Sa Politische Demagogen singen Di«„Sudetendeutfche Tageszeitung", di« sich gleich nach dem Machtantritt-Zitier- mit dem -yunnentum gleichschaltet« und jedes Verbrechen, das di« Hitler-Banditen gegen di« deutsche Kultur und Lag deutsche Ansehen in der Welt begehen, als nationale Tat preist,»vill dem Herrn Rosche beim Schmieden der antiinarristischen Einheits. ront aller, di« nichts im Kopf haben, den Rang ablaufe». Sie hat ein« Rundfrage bei den Führern der nichtmarxistischen Parte»«» über die demokratischen Schutzgesetz«-und ihre Abwehr veranstaltet und von Schollich angesangcn bi- zu Rosche die Ant worten bekommen, di« sie und wir erwarten durf ten. Sie veröffentlicht sie unter dem schönen Titel: „Der Ruf zum Sammeln." ES ist ein richtiges Chorkonzert vom Antimarxistenkoller erfaßter Demagogen— kein falscher Ton ist zu merken. Endlich hat daS sudetendeutsche Bürgertum die hcißcrschnte Gelegenheit, seinen politischen Ungeist national und sogar ein bißchen„demokratisch" zu weihen. Da bedauert zunächst der S ch o l l i ch, daß „der groß« deutsche Bruhgr", nämlich di« Gemein- chaft der Brandstifter und Großdiebe, di« jetzt das deutsche Volk knechten, i»n Augenblick nicht irgendwie Helsen kann; man müsse sich selbst helfen. Er will den„Stahlhelm fester binden" und näher zu den anderen rücken. Das wird ihm, meint er, Siegesgetvißbeit verschaffen. Ilzm nach marschiert der Jun g. Dem sind die jetzt von der Regierung geplanten Maß nahmen nur solche zum Schutze der Sozialdemo kratie,„deren Niedergang aber durch nichts auf gehalten werden kann,. weil er die natürliche Folge des Untergangs der marxistischen Ide« st"(!), Weshalb sich dann wohl di« Herren so viel Mühe mit seiner endgültigen Vernichtung geb«» und sich im Bewußtsein des Unvermögens, ihn aus eigener Kraft zn besiegen, an die tschechischen Agrarier anhündeln?— Jung hatS entdeckt: es muß dem nationalen Zusammenschluß einer Idee,„also ein gemeinsames Z i c l", zugrundeliegen: die nationale Autonomie. Die will er einerseits„erkämpfen": die Kinder, sie hören es gerne, andererseits verkaufte er sie gerne um ein Linsenaericht an Herrn Vranx, Wenns nur gcgen die Sozialdemokratie ginge. Und während er das hohe Lied von der Autonomie, also der Freiheit, singt, vreist er als daS Wert vollst« an der soviel verlästerten Entwicklung im Deutschen Reich die—„Erziehung zur Ratio n". Si« erfolgt bekanntlich in Konzen trationslagern und in den Prügelziininern der Braunen Häuser; es ist nicht daran;»» zweifeln, daß der Stribrny dereinst dem Jung diese Er- daß_.,... Bund vorläufig von dem Eintritt «in« International« absieht, und noch Anhörung aller Bericht« und der gemachten schlechte»» Erfahrungen das kommuni st ische Einheitsfrontangebot abgelehnt wird. Dies« Anträge wurden mit allen gegen zwei, rrsp. ein« Stimme angenommen. Damit war«» um 1s Uhr nachmittag- die Verhandlungen des ersten Bundestages erschöpft. Nochmft/og» wurde di« Generalversammlung des Vereines„Heim konfessionsloser Kinder" abgehalten, di««inen befriedigen, »en Verlauf nahm. Der Verein zählt 400 Mitglieder und sorgt um 21 Kinder, für di« monattich 610 kV ausgrgeben werden. Di« Leitung wurde mit der jeweiligen BundeSl«itm»g unter Zuziehung des Gen. L ö w-Brünn„gleichgeschaltet". * Am zweiten Verhandlunglag sprach z>müchst Gen. W' ck a B.-Lripa schwungvoll ein Kampfgedicht gegen den FascismuS, worauf namens der Kontrolle Gen. Ihm«-Bodenbach Bericht erstattet« und auf di« günstig« frnanzirll« Gebarung des Bunde» verwies. Die beantragte Entlastung fand einstimmige Annahme. Der Vorsitzende begrüßt« mit besonderer Freude den eben erschienenen Delegierten des Prager Freidenkervrrbandes„U n ie" Gen. Grünzwe ig Rach Einsetzung'eine- Redaktionskomi- t««S, bestehend aus den Genossen Keßler, Letz e n h a r t und K u n« r t hielt Ohmann Genoffe Keßler ein graßangelegtes Referat über das Thema FaseiSmus. Kirch« und Freidenkertum. Einleitend verwies er darauf, daß es zur Zeit in Deutschland keine Freidenkerbcwegung gibt. Die katholische und evangelische Kirche haben mit Hilfe dcS Hakenkreuzfafcismus ihr Ziel erreicht. Redner untersuchte dann die Stellung des Klerika« liSmus in Italien zum Fafcismus. Für die restlos« Ueoerlassung der weltlichen Macht an Mussolini wurde der päpstlichen Kurie di« Schule ausgclie- fert. In Deutschland juchte dl« Romkirch« ihren Einfluß in der Zeit der nationalen„Erneuerung" ebenfalls zu festigen, der durch seine Bluterlässe „berühmte" Göring wurde vom Papst empfangen, aber der Zusammenschluß der evangelischen Sekten und dir Bildung einer Reichskirche war ein Gegenschlag. Rom suchte nun Dollfuß und Oesterreich für ei»» großes katholisches Donaureich als Gegengewicht zu gewinnen, um«inen Druck aus di« Hitlerregierung auszuüben. Auch be> ,,ng| n p« Tschechoslowakei möchte man sehr gern«in« derartige„christliche Ver- . ständigung" an den Sozialisten vornehmen; möchte de» WWWWWWWDi im Chor. ziehung-mittel bereitstellen wird. Dann wirb das sudctcndeutsche Volk den Wunsch JungS erst begreifen: aus den deutschen Ereignissen zu lernen „und für sich die Folgerungen ziehen". Denn „Auch wir Sudetendeutschen kommen um die Nationsbildung nicht herum"— Iveühalb»vir, nicht wahr, Herr Jung, seht vor dem Brang- auf dem Bauch« kriechen? Attch Herr S t e n z l, der, wie uran au» der „Sudetendeutschcn" erfährt, Abgeordneter der Gclverbepartei ist, zieht gegen den„engherzigen ParteiegoiSmuS" zu Felde. Er hat dabei aller» ding- nicht Viel zu verliere»», ebensowenig wi« der Hahnrei-Hanreich, der für den Sudetendeutschen Landbund entdeckt hat, daß der Parlamentarismus, Gott sei Dank, rettungslos verloren ist uwd daß— dunkel ist der Wor« Sinn— jene, die ihn retten wollen, ,^>urch ihre Gewalt« Methoden den parlamentarischen Boden vorbereiten für ein« Gleichschaltung, di« ihnen noch recht unangenehm>verde n kann".— Wenn nämlich der Rosckze»nd der Jung, Arm in Arm»vandclnd ni.o n Hahnrei pflegend, an di« Schalttafeln der Weltgeschichte treten werden. Der Ausweg des Han- reich: man-schaffe endlich eine richtige völkische Abwchrorganifattom Und da» von dolmetschte Begehren nach Autonomie wird, nicht wahr, flugs verwirklicht sein. Die Tschechen warten nämlich mit Sehnsucht darauf, endlich den Leuten angstschlotternd die Aulonomic aus dem Präsentierteller zu bringen, die,»vir Han- reich, das Wachstum d«S nationalen— lies nationalsozialistischen— Gedankens im sudetendcutschen Bolk als erstrebenswert hinstellen. In dem Reigen dieser poliiischcn Kindsköpfe können der Christlichsoziale Luschka und der Dr. Rosche nicht fehlen. Jener erkennt, daß wir als Juoctendeutsche dauernd eine Minderheit sein werden— woraus sich der logische Schluß ergibt, daß man andere Minderheiten verhöhnen uird verraten muß— diescr aber bekennt sich zum ParlamentariSinus, damit der Hanrcich seine Freude hat und lehnt die geplanten Maßnahmen als„undemokratisch" ab. Zwar will, bei Licht beirachiei..«.er von ihnen etwas a»»d«reS: der«ine will sich gleichschalten mit der Demokratie, der andere mit Hitler. Jeder aber preist und liefert durch die Verherrlichung der Hitlerschen Tyrannei die geistigen Waffen zur Vernichtung der Freiheit deS SndetendeutschtumS. Allen ist gemeinsam der Haß gegen die Sozialdemokratie. Neber diesem Haß können sie sogar vergessen, daß sie sonst nicht wissen, tvaS sie wollen. Eine nelmwchr-llodibiirg in Trümmer. Der Donawitz« Betriebsrat wird nationalsozialistisch. Graz, 6. Juni. Bei den Wahlen in den Betriebsrat der Alpine-Montangesellschaft in Donawitz erhielten die Nationalsozialisten elf Mandate, die Christlichsozialen vier Mandate. Die Nationalsozialisten nahmen der Heinrwehrbe-! tricbSorganisation alle ihre Mandate ab. Die Sozialdemokraten hatten nicht kandidiert. rnsarnrnenstOOe In Holstein. Kufstein, 6. Juni. Bor dem hiesigen Hotel „Egger" kam eS gestern abend zu Zusammeu- stößen zwischen Nationalsozialisten und Heim- wehrleuten, die in eine Schlägerei auSartetrn. Dabei trugen die Hochschüler Heinz Müller und der Hilfsarbeiter Hugo Greidcrer erhebliche Verletzungen davon, währeird der nationalsozialistische Gcmeindcrat Egger und der Direktor deS Hotels Gostncr leicht verletzt wurden. Gendarmerie und Polizei»nußten wiederholt eingreifen, u»n die Ordnung aufrcchtzuerhaltcn. Als cs an» späten Abend ru neuerlichen Ausschreitungen kam, räumte Gendarmerie mit gefällten» Bajo i»ett den oberen Stadlplatz, worauf Ruhe eintrat. Tagungen der SPD-rraktlonen Berlin, 6. Juni. Wie BDZ meldet, ist die sozialdemokratische Reichstagsfraktion für kommenden Samstag vormittag zu einer Sitzung in daS Rcichstagsgebäude einberufen worden. Im preußischen Landtag halten die Sozialdemokraten am Freitag, den 9. Juni eine Frak- tionssitzuna ab. Ans der Tagesordnung steht die Stellung der Fraktion zur Gesamtpolitik. Japanisch-amerikanisches Einvernehmen? Tokio, 5. Juni.(Tsch. P.-B.) Wie das auswärtige Amt bekannt gibt, ist eS zwischen Japan und den Vereinigten Staaten zu einer Einigung über verschiedene schwebende grundsätzliche Frage»» der Zollpolitik gekommen. Bon amerikanischer Seite wurde wetteichin erklärt, das Verhältnis zwischen Japan und dem M a n d s ch u k u o entspreche etwa dem Berhält- uis zwischen Großbritannien und den englische,» Dominien. In politischen Kreisen Japans wurde diese Erklärung mit besonderem Interesse anfge»»ommen. Allgemein ist man der Neberzcugung, daß die neue Regierung der Bereinigten Staaten damit auf die von dem früheren Staatssekretär Stimson vertretene Ostasien- politik verzichtet hat. der Welt bedeutet. Vielleicht wird er den An fang einer Epoche einleiten, in der die Kata strophen von gestern durch die noch schrecke sicheren Katastrophen von niorgcn überholt werden, und trotzdem habe ich den unbesieg baren Glaube»» an die Zukunft des SozialiS- 8. Bundestag der Freidenker. freundschaftliches Verhältnis znr Sozialdemokratie. Anlehnung der Kommunistischen ElnheltsfrontmanOver. völlige Geschlossenheit. Unter sehr starker Beteiligung— 153 Delegier- ten— wurde Pfingstsonntag vormiltagS halb 10 Uhr im neurrnovicrten Saale der Bodenbacher „Volk-Halle" der achte Perband-tag des„Bundes proletarischer Freidenker" durch den Obmann Gen. Keßler eröffnet. Er wies darauf hin, daß im Gegensatz zu den umliegenden Ländern, wo der blutige Fascismus herrsch:, wir unseren Bundestag ungehindert abhal- :en können. In dieser schweren Zeit gelte es, wei ter« zum Erfolg führende Schritte zu beraten. Nach angchörten BundeSmit- erschienenen den Partei- rr,. i« Mittwoch, 7. Juni 1938 S«tt« 3 Wie Dollfuß die Verfassung revidieren will... unseren Klerikalen Ins Stammbuch. Wien, 6. Juni.(Eigenbericht.) Die Wiener Montagsbläller hotten gemeldet, dost die Vor- ärbcitcn für die österreichische Äcrfassnngsrcsorm soweit gedicl-cn seien, dost in kürzester Zeit bereits Parkr'vcrhandlunqen stottfinden könnten. Dazu erilärt nun die„ReichSpost", dost derartige Meldungen den Tatsachen weit vorauscilten und d,ist vor dein Spätherbst mit einer Erledigung der Bersossungsreform nicht zu rechnen sei., Tas Blatt macht auch einige Mitteilungen über die geplanten Reformen, die angeblich lies in dad Grundsätzlich« eingrciken und noch kein Voc- bild in einer geltenden Verfassung haben würden: sic seien berufen, dos Mesen des Parlamcn- tarismiiS umzugcstalten. Meritorilch werd« ein erheblich stärkeres Notrecht eingeschaltet werden, als es die biS- berigc Verfassung besitzt; in die Vollmachten dieses Notrechtes sollen sich Bundespräsident und Negierung teilen. Die Funktion der Siänb.kammer. die en Stelle deS iehigen Bundesrates, der anS Län- dervertretcrn besteht, treten soll, wird sich auf die wirtschaftlichen Dinge beziehen, in denen dieser Körperschaft das mastgebende Entscheidungsrecht zusallcn soll, während der Rotionolrat in den übrigen legiSlatorifchen Arbeiten den Vortritt haben soll. Vorläufig keine Anleihe In Frankreich... Paris, 6. Juni. Der Ministerrat befastte sich u. a. mit der Frage der A n l e i h e g e w ä h-' rung an Oe st erreich, die bereits im Dezember v. I. vom französischen Parlamente im Prinzip« bewilligt wurde. Es bleiben noch einige TctailS technischen Charakters aufzuklären. Es scheint jedoch, daß die französische Regierung vorläufig kerne Entscheidung tref- se n, sondern abwarten wird, biS die Londoner DeltwirtschaftSkonfercnz zusammentritt. ...dfllOr ober In Hollen. Rom, 6. Juni. Laut Ucbcreinkommen zwischen dem Ministerpräsidenten Mussolini und dem österreichischen Bundeskanzler Dr. Dollfuß, der heute aus Rom abgcflogen ist, wird in den nächsten Dogen in Italien die österreichische Anleihe zur Zeichnung aufgelegt werden. Hille nur für ein demoliriillsibes Oesierreim. Ein Artikel Leon Blums. Paris, 6. Juni. H e r r i o t schrieb an den sifingstfeiertagen in die„De Peche de Toulouse" einen Artikel, in welchem er die Reg'erung aus- lordert, Oesterreich beschleunigt eine Anleihe zu gewähren. Herriot begründet seine Forderung mit der Feststellung, dost die jey'ge österreichische Negierung den Fajcismus und den Hitlcrismus scharf bekämpfe. Auf diesen Artikel HerriotS erwidert heute Leen Blum im„Populaire", dost die französischen Sozialisten von Oesterreich die bestimmte Versicherung verlangen, die republikanische Verfassung zu respektieren. Blum fordert, dost die französische Regierung bei der österreichischen Negierung auf diplomatischem W ge e nschrciten solle, um eine diesbezügliche feste Zusicherung zu erholten. Konkordot In Oesterreich. Rom, 5. Juni. Dos Konkordat zwischen dem Vatikan und Oesterreich wurde heute abends vom Bundeskanzler Dr. Dollsiist und Kardinol- ftoatSsekretär Pacelli unterzeichnet. Tas Konkordat siebt die Schaffung einer Diözese Innsbruck vor. Weiter wird festgesetzt, daß die kirchliche Trauung auch zivilrechtliche Wirksamkeit hoben soll. Genosse Nicole— sechs Monate Gefängnis. Genosse Nicole, der Führer der Gcnfcr Sozialdemokraten, stand in den letzten Tagen wegen der blutigen Vorfälle vor dem Gericht, die sich am 9. November 1932 in Genf abspiclten. Damals schossen Truppen auf unbewaffnete Teil- Nehmer einer Versammlung, in der Nicole sprach. Die Anklage beschuldigte ihn der Vorbereitung einer Revolte. Aber weder dafür noch für die Behauptung der Anklage, Nicole habe zum Widerstand gegen die Staatsgewalt aufgereizt, hat das lange Zcugcitverhör auch nur den geringsten Beweis geliefert. Freilich hat der Gcnfcr Prozeß auch sehr merkwürdige Beziehungen Nicoles zu Partei fremden und-Gegnern zntage gefördert; diese Beziehungen haben das Einvernehmen zwischen der Organisation Nicoles und der Schweizer Gesamtpartei sehr stark getrübt gcl-abt— für den Prozeß mußten sie trotz den Bemühungen des Staatsanwalts, sie juristisch auszuwerten, belanglos bleiben. Am Dienstag sprach dos Genfer Gefchworc- tiengericht das Urteil über Nicole: Er tvurde, unter Einrechnung von 60 Tagen Untersuchungshaft, zu sechs Monaten Gefängnis und 100 Franken Geldstrafe verurteilt. Die übrigen Angeklagten erhielten Strafen bis zu vier Monaten Gekängn's niit E'nr.'chnnng der Untersuchungshaft sowie Geldbußen von 30 bis 60 Franken. Hiller In Noten: •• in ihrer sichern. feiner Rede von oben Erich Auer im Konzentrationslager. D I I an der der bei» mit der die Namen der Ausgeschlossenen bekanntgeben wollt«, wurde er am Reden durch Vas Absingen der nale" gehindert. lang« sührer lassen lution in der den Ausgeschlossenen, die stürmisch gefeiert wurden, solidarisch erklärte. di« radikalen Teil« der Hitlrrpartei; sie hat in steigendem Matz« auch di« zivile NSDAP ersaßt. Hier sind«S insbesondere di« Bauern, die fordern, datz endlich der Anfang gemacht wird mit dem bekannt«« nationalsozialistischen Agrar-Programm, dos heißt: datz endlich gegen den Groß, grundbrsip vorgegangen wird. Gerade aber aus diesem Gebiet find die Hände deS Reichskanzlers gebunden; er hat sich beim Regierungsantritt feierlich verpflichtet, den Großgrundbesitz nicht anzutaften, und er dürfte sich darüber durchaus den jnn- Ju- süd- mit „Konzcntra- im klaren sein, daß der Reichspräsident ihm sofort Vertraue» und Amt entziehe» würde, weil» er auch nur den leisesten Vorstoß in dieser Richtung unternehmen sollte. Und daß Herr von Hindenburg hierbei der Unterstützung deS geschlossenen Offizierskorps der Reichswehr sich sicher weiß, schwächt die Position dev Reichskanzlers.— Es ist allgemeiner Eindruck in maßgebenden Kreisen Berlins, daß die SchicksalSstnnd« der Regierung Hitlrr schon im Herbst dieses Jahres schlagen wird; wenn an diesem Zeitpunkt die Wirtschaftslage Deutschlands sich nicht entscheidend znm Guten gewendet hoben sollte— und eS sind bisher nur Anzeichen für eine gegenteilige Entwicklung vorhanden!—, dann ist damit zu rechnen, dah die derzeitige Regierung abgelöst werden wird durch eine Diktatur der Generalität, die die letzten Reste der heute noch bestehenden Scheindemokratie beseitigen wird nnd beseitigen muß, um existieren zu können. Mo« spielt mit dem Gedanken, diese Diktatur mit einer monarchischen Spitze zu etablieren,— in der Hoffnung, dadurch erhebliche Kreise der heutigen Hitler- Partei, vor ollem aber die Landbevölkerung gewinnen z» können. Man weiß, daß diese Projekte einen blutigen Machtkampf zwischen Hitler nnd der übrigen Rechten herbeisühren werden; man glaubt aber, daß die innere Zersetzung der NSDAP bis zu dem genannten Zeitpunkt so weit gediehen sein wird, dah der Einsatz der Reichswehr nnd des„Stahlhelm" genügen wird, nm die Entscheidung zugunsten des Feudalismus zu sichern.— „Jnternatio- DaS Singen wurde so fortgesetzt, bis der Stanharten- mit seinem Stab den Saal vcr- lzatte; alSdann wurde eine Reso- mit Einstimmigkeit angenommen, sich die Mitgliederversammlung mit Kobfinek beschuldigt sich selbst. Aktenverlrsung im Brünner Prozeß. Brünn, 6. Juni. Im Prozeß gegen Kobfinek und Genossen vor dem Brünner Staatsgerichis- hof überreichte heute der Verteidiger Gcidls Dr. Pclikän dem Gerichte eine Erklärung des Advokaten Tr. Moravcc in Makarsk«, die vom dortigen Gericht bestätigt ist. Dieser Erklärung zufolge gab K o b s i h c f in Makarsk» bei der Untersuchung an, er sei selbst der Initiator des Ucberfallcs auf die Kaserne in Ndenicc nnd die ganze Aktion sei nur sein Werk. Ter Staatsgcrichtshof setzte heute in nichtöffentlicher Verhandlung die Verlesung der Akten des Prager nnd des Mährisch-Ostraucr Strafgerichtes über die Organisation der Ziina- ken fort. Der Angeklagte Gajda gab hiebei ausführliche Angaben über Entstehung und Zweck dieser Organisation. Ter Angeklagte Kobfinek, dessen mehrtägiger Gcsundheitsnrlaub abgelansen ist, nimmt an der heutigen Verhandlung wieder teil. »ur den 8. Juni, nm 18 Uhr zu einer Sitzung ein- bernfen. Offenbar rechnet man damit, dast zu dieser Zeit bereits ein Beschluß des Abgeordnetenhauses über das Ermächtigungsgesetz vorliegt, der im Druck verteilt und dem Verfassungsausschuß zugewiesen werden kann. Die Tagesordnung dieser Sitzung bilden lediglich zwei Immunitäten und die Wahl des Ständigen Ausschusses. Tschechische Gewerkschaftskongresse zu Psing- strn. In den Pfingstfeicrtagen fanden die Kongresse folgender, der Prager Gewerkschaftskommission angeschlosscnen Verbände statt: des Verbandes der öffentlichen Angestellten, des Verbandes der Lederarbeiter und des Verbandes der Lebensmittelarbeiter. Illi NasenstOber aus Washington. Washington, 6. Juni.(Reuter.) Die Regierung der Vereinigten Staaten hat zwar bei der deutschen Regierung keinen ossiziellen Protest erhaben, hat sie aber Uber die Erregung insormirrt, die durch dir antijüdische Taktik der Nationalsozialisten in den Dereinigten Staaten hervorgerufen wurde. nie niesenplehe im mtlerreldi. Berlin. Tic Gläubigerkonferenz, die gegenwärtig in Berlin versammelt ist, hat scftgestellt, daß Deutschland zwanzig Milliarden Mark dem Ausland schuldet.(Tie staatlichen Verpflichtungen sind in dieser Riesensumme nicht inbcgrifsen.) Allmonatlich hat Deutschland allein an Zinsen hundert Millionen Mark an das Ausland zu zahlen. Es ist klar, daß Deutschland solche Summen nicht anfbrin- gen kann, aber die Gläubiger drängen trotzdem auf die Zahlung. 'Geradezu phantastisch groß ist das Defizit im deutschen Staatsyaushalt: nach oberflächlichen Schätzung gibt der deutsche Staat um anderthalb Milliarden Mark mehr anS als er cinnimmt! lärm in der Kirche. Di« Niederlage Hitlers bei den Kirchcnwahlen. Zu Pfingsten wurde von allen evangelischen Kanzeln Deutschlands die Botschaft des Reichs- bischofs von B o d c l s ch w i n.g h verlesen. In einigen Kirchen kam cs zu Protesten der Anhänger Hitlers. B o d e l f ch w i n g h wurde vor kurzem von den Vertretern der ciuzclnen Kirchcnvcrbände zum Reichsbischof gewählt, trotzdem Hitler den DchrkrciSpsarrer Müller als seinen Vertrauten kandidiert hatte. Dieser Müller ist nun der Führer der nationalsozialistischen Opposition gegen Bodclfchwingh. EL ist übrigens mit einer Abspaltung der hitlertrcurn Gläubigen von der durch BodcschwinghS repräsentierten ReichSkirchc zu rechnen. Role Pfingsten in Mies. Die alte Bcrgstadt MieS stand Psingstseiertagen unleugbar im Zeichen gen sozialistischen Generation. Sozialistische gcnd und die roten Turncrkindcr aus den westböhmischen Bezirken hatten sich zu einem sür MieS imposanten Aufmarsch zuscmmengcfunden. der die Bestürzung der Nazi über die aus diese Weise trefslich gelungene Widerlegung ihrer ewigen Tolcnlieder. über die sozialdemokratische Bewegung wahrlich begreiflich macht. Die Veranstaltung wurde am Samstag mit einem Höhcnfeucr cingeleitet, bei welchem außer anderen Darbietungen Genosse Wank a-Prag einen Appell an die versammelte Arbeiterjugend richtete, noch mehr als bisher Trägerin der sozia-- sistischcn Idee und in gesteigerter Einsatzbereitschaft Verfechterin der proletarischen FreiheitS- kache zu sein- Nach dem Abbrennen des Höhenfeuers bewegte sich ein eindrucksvoller Fackeszug in die Stadt zurück. Der Sonntagmorgen war den Wettkämpfen der Turnerkindcr und der Jugend-Sportgruppen sowie den letzten Fcstprobcn gewidmet. Um halb II Uhr vormittags formierte sich der gut 1200 bis 1400 Personen zählende farbenprächtige Festzug, woraus nach Abzug der Turncrkindcr auf dem Ringvlah eine antisascistischc Kundgebung der Sozialistischen Jugend folgte, aus der nach Eröffnnngsworten des KrcisvertraucnsmanneS Korschinsky Genosse W e i k c r t-Karlsbad über den Kampf der Jugend gegen Kapitalismus und seine fascistischen Trabanten sprach. Die Kundgebung erhielt durch die Teilnahme einer ganz statt»_ lichcn Gruppe tschechischer Gcnosien, für welche" Genosse Korneliu S-Pilscn sprach, ein internationales Gepräge. Unter trotzigen Freiheitsrufen löste sich die Manifestation gegen Mittag ä»s. Die Veranstaltungen am Sonntag-Nachmittag wurden durch den Aufmarsch oller Turnerkinder auf dem Sportplatz cingeleitet, welche nach einer Ansprache des Genossen Halo-Kosolup einen erhebenden Treuschwur zum Sozialismus ablegten. Sodann folgten Vorführungen der Turnerkinder und die internationalen Freiübungen der Turner und Turnerinnen. Auf dem Fcstplatz hielt das gesellige Treiben bis in die Abendstunden an. Der Mieser Aufmarsch der jungen klassen- bewußten Arbeitergeneration war eine prächtige Bekundung der ungebrochenen Lebensart der sozialistischen Bewegung und berechtigt zur festen Zuversicht in die Sicghaftigkcit des sozialistischen Proletariats trotz fascistischcr Hölle— trotz alle dem und alledem! , Wi- Von der politischen Seite sei die Hitlerrcgicrung I die Saarbrücker„Bolksstimmc" meldet, ist der unbesiegbar; besiegen'könne man sic nur durch'alte Führer der bayrischen Sozialdemokratie, Erich wirtschaftliche Maßnahmen, wenn man u c r, trotz seines hohen Alters, vor drei Tagen das Volk zwinge, noch mehr zu hungern als es in das Konzentrationslager in Dachau übcr- bereitS jetzt der Fall fei. führt worden. Erfolgreiche Betriebs- oussdinOwohl. Am 2. Juni fand im Betrieb der Firma I. Pfefferkorn in P a r f ch n i tz bei Trautenan, wo die Nazi eine starke Position haben, die Neuwahl des BA statt. Vom Obcrnazi bis zum letzten Untcrlänfcl wurde mit allen erdenkliche» und ungnalifizicrtcn Mitteln gearbeitet, um „llnion der Textilarbeiter" eine Niederlage zubringcn, ja die Nazis rechneten sogar einem Gewinn von 80 Stimme» auf Kosten „llnion der Textilarbeiter". TicS ist das Ergebnis(vorjährige Zahlen in Klammern):„Union der Textilarbeiter" 172 Stimmen(105), die Liste der Haken« krcuzler 114 Stimmen(108). Daher gewinnen von den Mchrwählcr» die Liste der„llnion der Textilarbeiter" 7 Stimmen und die Nazi 6 Stimmen. Tie Lifte der„llnion der Textilarbeiter" erhielt 4 Mandate, während cs die Nazis Hochburg nur auf 2 Mandate brachten. Dagegen war heute der Angeklagte Barak Verhandlung nicht erschienen. Der Senat wurde gestern für Donnerstag, 8. Juni, nm 18 Uhr zu einer Sitzung ein« Klemperer per sofort entlassen! Berlin, 6. Juni. Der Generalmustkdirek- tor der Berliner StoatSoper Klemperer hat über Erlaß deS Propogondaministerü Doktor Göbbels zu« 30. Juni Kündigung erhalten. ES wurde ihm gleichzeitig mitgeteklt, daß man auf fein« Dienste überhaupt nicht mehr reflektiere, so daß er seines Amtes mit sofortiger Gültigkeit enthoben wird. nie Kehrseite... Münchener Kleinhändler rebellieren bereits gegen Preisdiktat. München, 6. Juni.(Eigenbericht.) Die Maßnahmen der bayrischen Staatsregiernng gegen die Kleinhändler, die gezwungen werden sollen, trotz der ungeheueren Steigerung der Großhandelspreise zu kleinsten Preisen zu verkaufen, haben eine wahre Revolution bei den LcbenSmittclhändlern in München hcrvorgerufen. Nachdem verschiedene Vorsprachcn beim Staats- Minister Wagner erfolglos waren, veranstalteten die Kolonialwaren- und Delikatcsfenhändler vor einigen Tagen eine Versammlung, die sehr bewegt verlief. StaatSministcr Wagner, der gegen Schluß der Versammlung erschien, wurde lebhaften Zurufen wie„Dachau", tionslager" etc. empfangen. Der Slaatsi'ninister sagte in wörtlich: „Deutschland ist heute bankrott bis unten!" Später erklärte er, er wisse, daß der Mittelstand bankrott sei und daß auch die Millionen der Arbeiter dieses Los teilen. Die Meinung, daß die Wirtschaft von der Preisscitc her gerettet werden könne, sei falsch. Tie Lage des Einzelhandels werde nur anders werden, wenn die Händler wieder verkaufen können. Wenn die nationale Negierung erkläre, das; keine Preissteigerung kommen würde, so müsse das befolgt werden. SA singt die„Internationale“. Berlin, 2. Juni. Wie aus einer uns im Original vorliegenden Nachweisung der Ltaböleitnng der LA hervorgeht, sind im Bezirk Berlin-Brandenburg in der Zett vom l. bis 25. Mai d. I. aus den Reihe» der LA 3870 Mann„wegen politischer Unzuverlässigkeit" ausgeschlossen worden.— In Berlin-Neukölln kam _.,P,_ I eS am 26. Mai in einer Mitgliedervcr- Fortschritt der nationalen Revolution".— Die i sammlung der LA zu stürmischen Aus- Unzufriedenheit beschränkt sich indessen nicht aus stritten: als der Standartenführer der DA Die Rebellion der Misditen besinnt Vor einer Generalsdlktotur? Berlin, 2. Jnni. Von einem führenden Ber-1 liner Journalisten, der den Kreisen der ReichS- regierung eng verbunden ist, wird uns heute folgendes mitgcleilt: Die zwangsläufigen Spannungen zwischen! den Tentschnationalen und der Hitlrrpartei, ins« s besondere aber innerhalb der Hitlrrpartei selbst haben sich während der letzten beiden Wochen außerordentlich verschärft; es ist symptomatisch, daß heute die radikale Richtung in der deutschen Außenpolitik mit aller Schärfe von den Partei gängern Hugenberg« vertreten wird, nachdem Herr Hitler unter dem Druck der Notwendigkeiten die Kernpunkte seines Progamms lAnfchluß Deutschösterreichs und Danzigs, Beseitigung der FricdenSvcrtrög«, Aufrüstung) bereit« ausgegeben hot. Da« Entscheidende für di« Entwicklung der deutschen Verhältnisse ist jedoch nicht dieser Kon flikt zwischen den beiden Koalition-Parteien, den Herr Hitler dadurch zu beseitigen gedenkt, daß er die Deutschnationale Partei gegen die Zentrums partei«inzutaufchen sich anschickt; ungleich schwerer wiegen die Spannungen innerhalb der Hitlrrpartei selb ft, di« seit Anfang April, seit der Li quidation dcs„Juden-Boykott«", schon mehrmals geradezu errup« tive Formen angenommen haben. Di« Unzufriedenheit der aktiven Elemente der NSDAP, die Unzufriedenheit vor allem der SA und SS wächst von Tag zu Tag. Dies« Zustände, di« jede DiHiplin zerstören, haben da zu geführt(um nur«in Symptom unter vielen zu nennen), daß di« StabSleitung der SA und SS, vertreten durch den Hauptmann R o e h«, am 80. Mai«ine« Runderlaß an di« ge samten militärischen Formationen herauSzugebrn sich veranlaßt sich, daß e«„nicht Sache der braune« Soldaten des Dritte« Reiches fein dürfe, politische Forderungen aufzustcllen nnd dies« Forderungen, wie eS mehrfach geschehen sei, in ultimativer Form an den obersten Führer ge langen zu lasten". Wer sich an solchen Aktionen beteilig«, so fährt der Runderlaß fort, der„ver stoße gegen di« freiwillig übernommen« Unterordnung, mache sich strafbar nnd gefährde den wirtschaftliche Maßnahmen, wenn bereit- jetzt der Fall sei, Gelte 4 Mittwoch, 7. Juni 1933 Nr. 182 Schwarzer Miagftsonntag in Frankreich. Furchtbare Sugskatastrophe bet Nantes: 15 Lote, 6V Schwerverletzte. Pari«, 5. Juni,(Havas.) Ein Eisenbahnunglück bei Nantes am Pfingstsonntag Hot 15 Menschenleben gefordert. 126 Personen wurden verletzt, hievon 6 v s ch w e r. Die Katastrophe ereignete sich etwa 5 Kilometer von Nantes«ntiernt aus einer Seite«, strecke. Unweit der Unglücksstelle wurde nämlich gestern die Eisenbahnstrecke beschädigt, so daß die Züge über eine nur für Frachtzüge bestimmte Seitenftrecke geführt wurden. Der Lokomotivführer beachtete die Aufforderung zur Verlangsamung der Fahr» nicht und passierte diesen Stremnteil mit einer Geschwindigkeit von 95 Stundenkilometern» wodurch die Katastrophe herbeigesührt wurde. SS handelt sich um einen VergnügungSzug, der au« Anlaß der Feiertage eine Verbindung zwischen Pari- und der K ü st e herstellte. Ans dem Bahnhos in Paris herrschte gestern ein derartiger Andrang, daß auf dieser Strecke drei Züge hintereinander expediert werden mutzten. DaS Unglück ereignete sich bei dem letzten, am schwächsten besetzten Zug. Der Lokomotivführer,' der verhaftet wurde, erklärte, er habe in der Morgendä mm e r u n g vor 5 Uhr früh das WarnungSsignol nicht gesehen und man hätte ihn überdies von der Aenderung der Strecke nicht schriftlich benachrichtigt. Sein Versuch, in letzter Sekunde zu stoppen, hatte die entgegengesetzte Wirkung. Die Maschine sprang au- den Schienen und schlug um. Sämtliche Wagen schoben sich ineinander. Die Bergungsarbeiten waren sehr schwierig. Iubttöllmskongreß des tschechischen venoffenschajtsverbaudes. Wie wir bereits kur; berichteten, wurde vorigen Samstag der JubiläumSkongreß de« Ustrcdnl fvaz äst. drurstev anläßlich seine« snnf- undzwanzigjährigen Bestände« in Prag bei einer Anwesenheit von über 500 Delegierten und an die hundert Gästen eröffnet. Der BrrbondSobmann Genosse L u st i g wies in seiner Eröffnungsrede auf die historische Bedeutung der Tagung hin und begrüßte die erschienenen Delegierten und Gäste. Hierauf wurden die Begrüßungsansprachen der befreundete» ausländischen Genossenschaftsvertreter gehalten. Im Namen des Internationalen Genossenschaftsbunde« sprach Genosse Dr. Renner, der in seiner Rede vornehmlich auf die Kämpfe verwies, die gcgenivärtig die freie GenossenschaftSbewegung in der ganzen'Welt zu bestehen hat. Für die englische Großeinkaufsgesellschaft sprach A i st o», für den Verband der französischen Konsnmgc- nossenschaften C a m i n und für die französische GroheinkaufSgesellschaft B u g u c t. Für die österreichische Genossenschaftsbewegung sprach Genosse Zchmejkal. Für unseren Verband deutscher Wirtschaftsgenossenschaften sprach Gen. Dietl, der insbesondere aus die Notwendigkeit einer entschiedenen Abwehr aller gegnerischen Angriffe verwies. Für die tschechisch.nationalsozialistische Genossenschaftsbewegung sprach der Generalsekretär Fukar. Gen. Kreisky begrüßte die Tagung im Namen der Jntcrefsrnzenlrale der konsnmge- nosscnschaftlichen Verbände. Für die tschechische sozialdemokratische Partei sprach ihr Vorsitzender Genosse Hamp l, für die Gewerkschaftszentrale Genosse Taye rle. Am zweiten Tage de« Kongresses, am Sonntag, ging dieser in die eigentliche Arbeit eilt. ES referierten die Genossen L u st i g und Dr. Has nh über die Tätigkeit des Verbandes während der letzten BerilbtSperiode. Daran schloß sich eine sehr umfangreiche Aussprache. Der Bcr- bandStag mußte sich deS längeren niit den Kommunisten aiiseinandersetzen, welche insbesondere den Ausschluß der Prager„Vöcla" aus dem Verband und die Tatsache, daß die Sowjctgcnosscn- schaften nicht eingeladen worden waren, znm Borwand unsachlicher Diskussionsreden nahmen. Ueher die Ursachen, die zum Ausschluß der Prager„Vöola" geführt hatten, wurde in einem besonderen Bericht eingegangen, sie liegen darin, daß diese Genossenschaft sich zum Exekutivorgan der Kommunistischen Partei gemacht hat und eine dementsprechende Politik verfolgt. Ter sowsetrussische Centrosojus wurde, so klarte Genosse Lustig auf, deshalb nicht eingeladen, weil die russische Genossenschaftspresse die tschechische Gcnosscnschaftsbewrgung seit rund zwei Jahren mit andauernden Angriffen bedenkt. Eine Reihe von Delegierten, unter ihnen einige Frauen, wandten sich mit aller Schärfe gegen die Demagogie de« EinheitSsrontgeschrcies der Konrmuni- sten, das nur den einen Zweck Hot, Verwirrung in die geschlossenen Reihen der Arbeiterschaft zu tragen. Diese Debatten dauerten■ den ganzen Nachmittag über an.— Genosse Modrcräek sprach ausführlich über das wenig erfreuliche Verhältnis zwischen der Prager„Beela" und deni Zcntralverband, daS durch da« unduldsame Vorgehen derKonlmunisten zu dem gegenwärtigen Zustand geführt, hat. Er sprach die Hoffnung au«, daß die bessere Einsicht unter der Mitgliedschaft der ausgeschlossenen Genossenschaften obsiegen werde und daß der Tag kommen werde, wo diejenigen, tvelche die Einheit der Bewegung Erschlagen haben, da« Unverantwortliche und Nutzlose ihres heutigen Tun« einsehen werden. Genosse Lustig erstattete hierauf ein Re- seret'über die wirtschaftliche Lage und ihre Auswirkungen auf die Genossenschaften. Auch hier glaubten die Kommunisten der Sache zu dienen, wenn sie dnrch unsachliche Angriffe auf den Verband die Spannung vergrößerten. Bezeichnend für die Leichtfertigkeit und die Unkenntnis der Dinge war es, daß ein kommunistischer Redner, der slowakische Senator Kelo, in seinen Ausführungen ganz tvider Willen verriet, daß er von der Bewegung und ihrer Geschichte gar nichts wußte, denn ihm war nicht einmal der Name des Genossen Modraäek bekannt. Der von Genossen Vesely erstattete Wahlvorschlag wurde mit großer Mehrheit angenommen. Genosse Kovanda sprach hierauf zu dem von der Regierung beabsichtigten Ermächtigungsgesetz, daS auch die Genossenschaften mit einbezieht. Er lchlug eine Eitischließung vor, die sich gegen die Einbeziehung der Genossenschaften in das Ermächtigungsgesetz wendet; die Entschließung wurde einstimmig angenommen. Nach einem aiifeuernden Schlußwort des Genossen Lustig wurde die Tagung an« Montag mittag geschlossen. Der Sumpf um Horgan. Washington, 5. Juni. fReuter.l Die Untersuchung vor dem Senatsausschuß hat ergeben, daß einige jüngere Gesellschafter des Bankhauses Morgan an Stelle von Taistihmen eine Jah- reSgage von 100.000 Dollar erhielten. Der Reingewinn wurde unter den Mitgliedern der Gesellschaft zu ungleichen Teilen cmfgeteilt, so betrug z. B. der Anteil I. P. MorganS am Reingewinn etwa 24 Prozent, während einige neu beigetretene Gesellschafter Gewinnanteile, bis zu 1 Prozent herab erhielten. Bei Paris: Lokomotivführer und Heizer verbrannt. Paris, 6. Juni. In der Nacht auf heute ereignete sich in der Nähe von Pari« ein dramati- che« Eisenbahnunglück, das zwei Meirschenlehen orderte, aber noch schrecklichere Folgen hätte haben können. Der Lokomotivführer und der Heizer eine« von Paris nach Montereau fahrenden Zuge« sanden aus der Lokomottve den Verbren- nungstod, wahrscheinlich, tveil sie beim Zulegen deS Feuer« von herausschlagenden Flammen erfaßt wurden. Die Leiche des Heizers fiel, schrecklich verstümmelt, auf die Schie- nen und der Zng fuhr mehr al« 5 Kilometer ohne jede Führung. Der ZngS- begleitet, welcher bemerkte, daß etwas Ungewöhnliches vor sich gehe, war geistesgegenwärtig und arbeitete fichzurLokomotive vor. Der Lokomotivführer, der trotz feinen chrecklichen Brandwunde« noch lebte, T agesneuigkeiten Politische Bluttat i» Berit«. Der afghanische Gesandte erschossen. Berlin, 6. Juni.- Der. 88 Jahre alte Afghaner Kemal Syed verlangte heute vormittag im GesandtschaftSgebäude den afghanischen Ge- ändten zu sprechen. Er wurde auch vorgelassen und gab sofort beim Betreten des Zimmers fünf Schüsse auf den Gesandten ab. Lin Schutz traf den Gesandten in die Brust. Der Töter wurde estaenommen. lieber die Gründe seiner Tat ver- veigert er die Aussage. Ter Gesandte war gerade im Begriff, mit einem Bekannten das Haus zu einem Spaziergang zu verlassen, als ihm ani Treppenausgang der 33 Jahre alle Afghane Kemal Sycd entgegentrat, der mit dem Ruf„Für die Freiheit" zwei Schüsse auf den Gesandten abfeuerte. Durch den ersten Schuß wurde der Gesandte in die Brust getroffen und schwer verletzt. Der zweite Schuß traf den Begleiter an der Schulter. Dieser warf sich sofort trotz der Verletzung auf den Täter, gemeinsam mit einem Diener, der den Gesandten in den Mantel helfen wollte. Obwohl der Schütze noch drei weitere Schüsse abgab, konten ihm die Beiden esthalten, bis Polireibcamte hinzukamen. Der Tater ist auf ddr Botschaft von Gesandtschaft«, festlichkeiten her bekannt. Er gehört zu einer Stu- >cntcngruppe, die schon seit' Jahren mit Unterstützung der afghanischen Regierung in Deutschlar« studiert. Die Eröffnung Ver Flughafens Prag-SnSak. Prag, S. Juni. Am 1. Juni startete vom Prager Flugplatz in Äbell ein dreimotoriges Fokkerflugzeug der tscktechojlowakijchen staatlichen Aerolinien zum ersten Fluge auf der direkten Linie Prag—Tuärl an der Küste des Adriatischen Meeres. Das Flugzeug lenk!« der Chefpilot der tschechoslowakischen staatlichen Aerolnuen Karl Brobcncc und der Navigator der tschechoslo- wakischen Aerolinien Leutnant i. R. S o u kn p. Auf dem Fluge nach Brün n flog die Fokker- maschine durchwegs in der Höhe Von 1000 bis 1500 Metern über niedrigen Wolken. Nach dem Start in Brünn landete das Flugzeug nach einer Stunde in Preßburg. Sodann ging es über Agra m, wo um 12 Uhr 30 Min. glatt gelandet wurde. Nach einer izolbstündigen Pause gmg der Flug weiter nach Snöak. Bis Agram ging der Flug verhältnismäßig glatt vonstatten. Sodann war die Sicht ungenügend, weshalb das Flugzeug nach Agram zurückkehren mußte. Am 3. ds. startete das Flugzeug wieder und landete um 17 Uhr 45 Min. glatt in Suöak, von wo Montag, de» 5. Juni, um halb 10 Uhr vormittags der Rück klug erfolgte. Kurz vor 20 Uhr landete dos Flugplatz auf dem Flugplatz in Gbcll. Mit diesem ersten Flug wurde die regelmäßige Flugverbindung Präg— Susak eröffnet. Todessturz eines Kunstfliegers. Budapest, 5. Juni.(MTJ.) In Gyöngyös stürzte am Pfingstlonntag während eines Schaufluges ein Kunstflieger mit seinem Apparat ob. Der Pilot wurde mit schweren Verletzungen ins Spital gebracht, wo er Montag früh starb. "Mattern» Fing-. Moskau, 6. Juni, Der amerikanische Flieger Mattern ist in Moskau gelandet. Heute früh, um zeigte dem Zugbbegleiter wenige Minuten, ehe er starb, durch welche Handgriffe er den Zug anhalten müsse. Der Zug würde kurz vor der Einsahrt in den Bahnhof von Villeneuve zum Halte» gebracht. Wäre der Zug in die Station eingefahren, so wäre es dort wohl zu einem schweren Unglück gekommen. * Schrecklicher Buglfid in Ver Schweiz. . Bern, 5. Juni. Wie au« Ehiggiogna im Levantinatal(Tessins gemeldet wird, sind dort sieben Personen beim Transport von Langholz mit einer Seilbahn durch Starkstrom getötet worden. Da« Drahtseil der Förderanlage war aus unaufgeklärter Ursache mit einer Starkstromleitung in Verbindung gekom- men. Außer den Toten sind noch fünf sch wer Verletzte zu beklagen. Bei drei von ihnen besteht kaum Hoffnung, sie am Leben zu erhalten. 4 Uhr hatte Mattern eine Zwischenlandung in der Nähe von Oslo vovgenvmmen, er hatte die Westküste von Norwegen für die Küste Schottlands gehalten und lwbe wegen eines Gewitters und wegen Nebel» sich längere Zeit niehr nach Norden halten müssen. Deshalb habe er später versucht, einen südlicheren Kurs einzuschlagen. Nach 23stündigem Fluge habe er noch 50 Liter Benzin und 40 Liter Oel gehabt. Der Flieger startete in Moskau, nachdem er sich neun Stunden Erholung gegönnt hatte, in der Richtung nach Swerdlovsk, Novosibirsk, Jrtutsk und Chabarowsk. Diese Strecke mißt 6.950 Kilometer. Dar Grauen ver Arbeitslosigkeit. Graz, 6. Juni. Der arbeitslose Zimmer mannsgeyilfe ÄlfonS- John, dessen Gattin und vierjährige Tochter wurden gestern nachmittags in Gleisdorf bei Graz in einem Obstgarten t o t aufgefnnden. Die drei Leichen tvaren mit einem Draht umschlungen, der über die Starkstromleitung geworfen war. Es liegt einver stündlich er Selb st mord de« Ehepaares vor, das auch das Kind in den Tod mitgenommen hat. * Mit vier Kinder« in de« Tod! RegenSburg, 5. Juni. Die Frau des P o st Helfers Löffler, deren Mann sich in einer Lungenheilstätte befindet, wurde in ihrer Wohnung mit ihren vier Kindern im Alter von IX bis 5 Jahren durch Leuchtgas vergiftet tot aufgefunden. Die Frau scheint die Tat»n einen» Depressionszustand, hervorgerusen durch wirtschaftliche Bedrängnis, begangen zu haben. Ein Beluv-Kraler öffnet sich... Rom, 5. Juni. Unter heftigem Getöse öffnete sich gestern auf den» Vesuv im Süden des Kraters ein neuer, 20 Meter breiter Konüs, aus dem sich Lava mit einer Geschwindigkeit von 10 Meter in der Minute über das umliegende Gebiet des Valle d'Jnferno ergießt. Der Letter des Vesuv-Obser- vatoriums vermutet, daß die Tätigkeit des neuen Kraters mehrere Tage andauern wird. Drei Arbeiter erstickt. ' Mähr^-Ostrau, 6. Juni. In der Dampsziegelei in Karwin erstickten gestern durch Einatmen von Kohlensäure drei Arbeiter, die im Kessel einheizen wollten. Es sind dies Richard Müller, Leo Schmidt und Franz Baier. Den Vorfall untersucht eine Gerichtskommission. Donaudamvier in Brand. Tragischer Tod eine« Helfers in der Rot. Wien, 5. Juni.(AN.) Heute um dreiviertel 4 Uhr früh entstand auf dem Eildampfer„Fran; Schubert", der nächst der Reichsbrücke verankert lag, ein Brand, der, vom Äüchenranm ausgehend, derart rasch sich über das ganze Oberdeck verbreitete, daß die 23 a»t Bord befindlichen Personen, darunter vier Passagiere, durch die Schiffslucken hcräusgcrogen und in Zillen geborgen werden mußten. An den Rettungsarbeiten beteiligte sich mit der Feuerwehr uyd den Schiffsleuten auch Pölizeikommifsär Dr. Johann S ch ö- »»aller, der sich mit seiner Gattin auf dem daneben verankerten Dampfer„Szent Ist- Van" befand. Bei der Bergung eines Passagiers verlor Dr. Schönauer das Gleichgewicht, stürzte auS der Zille in den Donaustrom und ver schwand in den Wellen. Bon dem Eil. dampfcr brannte ein Drittel vollständig aus, der übrige Teil des Schiffes wurde stark befchÄigt. Nach anstrengender Arbeit konnte der Brand um 6 Uhr früh endlich gelöscht werden. Zertrampelt. Kurz nur tvar meine Br- bekanntschast mit dem Zungen Dresdner Parteisekretär Arno Hennig. Ich lernte ihn kennen im Spätherbst 1932, habe aber erst heuer, in der letzten Woche des letzten deut- ichen Wahlkampfes, ein paarmal Gespräche jener Art, die wirkliche Ahnung vom Wesen des Partner« geben, führen können. Und nun erst verstand ich das scheue, ein wenig selbst- pöttische Lächeln, das so oft Hennigs Mund umspielte: es war die Sprache einer ungemein empfindsamen, einer zarten, wahrhaft musi- chen Seele. Hennig, der das Bildungswesen der Dresdner Parteiorganisation leitete, tvar ein schönheitssuchender, kunstbegeisterter Mensch, eine künstlerische Natur. Schauen und Lesen! Das war ihm ein Großteil seines Lebens. Und andere zum Schauen und zum Lesen führen— dos war ein Großteil seiner Arbeit. Im Sozialismus ersehnte, als Sozia- lisnnts erträumte er eine schönere, harmonischere Welt... Zum letzten Male sah ich ihn am 4. März. Da erzählte er voll tiefer Ergriffenheit, daß die Arbeiter einer kleinen Parteisektion, fast durchivegs Arbeitslose, vierundzwanzig Mark für den Mahlsands gebracht hatten. Vom Munde abgesparteS Geld! Opfergeld! Und am Vorabende des Sieges des FasciSniuü war dem Genossen Hennig diese rührende, diese nienschlich so große, so über- ans herrliche Treue und Opferbereitschaft der Arbeiter Bürgschaft des letzten Sieges, des schließlich endgültigen Sieges der Arbeiter. Damals, in diesen letzten Tagen, da der sichtbare Besitz eine» Buches den deutschen Staatsbürger noch nicht zum Staatsfeinde stempelte, la« Arno Hennig viel in MonnnsenS„Römischer Geschichte", trug er die neue schöne Ausgabe deS„Phaidon"-Verlages mit sich herum, um jede Viertelstunde der Straßenbahnsahrt nutzen zu können. Ihm war in den trüben Tagen der tiefsten Erniedrigung des deitischen Geistes das Versenken in eines der größten Werke des deutschen Geistes Trost,— ihm war Studium einer großen Epoche der Vergangenheit Trost— aber nicht genug konnte dieser Trost die empfindsame, die reine, die harmoniensuchende Seele stärken, un» ihr Kraft zum Ertragen des nie für möglich Gehaltenen, des Entsetzlichsten zu gehen. Verhaftet, in Schutzhaft gehalten, freigelassen, neuer Verhaftung gewärtig, Zeuge der Verbrennung der Bücher der Dresdner Volksbuchhandlung, Zeuge der Mißhandlung gesinnungstreuer Arbeiter, van seinen Büchern getrennt, von seiner Arbeit ferngehalten, die tägliche Schändung der Kultur vor Augen, wie sollte eit» Mensch solcher Art noch leben können? Arno Hennig Hot sich erschossen. Er hat sich erschossen, nachdem seine Seele schon zertrampelt tvar von Hitlers brannen Horden, nachdem er nicht mehr der frühere Arno Hennig war. Der war ein Mensch— so wahr, so treu, so edel, so voll Schönheitsfreude, so menschlich, so freiheits- sehnsüchtig, wie sie nur in der sozialistischen Arbeiterbewegung beheimatet sein können. Im barbarisch gewordenen Deutschland ist für sie kein Raum mehr. Viele seiner Art werden fallen. Biele. Arno Hennig war einer von vielen. Nachruf für Crno Hennig— das ist Nachruf für viele, viele der Besten, der Treuesten, der Edelsten. I. H. Hitler und die Slowaken. Die Hunnen haben behauptet, Emil Ludwig habe den Etzel der Gegenwart als„'Slowaken" beschiinpft. Nun hat der Schriftsteller einen» Jour»»alisten gegenüber erklärt, daß es ihm schm» deshalb nicht eingefallen sein lann, Hitler als Slowakenstämmlin« zu bezeichnen, weil er die Slowaken dadurch beleidigt haben würde. Eine solche Beleidigung liege ihm aber fern. Eine Pleite im dritten Reich. Wie der „Deutsche Reichsanzeiger"«meldet, wurde über das Große Schauspielhaus in Berlin der Konkurs verhängt. Vom Rundhink Empfehlenswertes aus den Programmen. Mittwoch. Prag: 6.15: Gymnastik. 11: Klavierkompositionen für Kinder. 13.40: Schallplatten. 14.56: Orchesterkonzert. 18.25: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Lorenz Lössclholz-Wien: Eigene Kurzgeschichten; Bericht vom Arbeit«n»arkt. 20.10: Klavierkonzert. 20.25: Violinkonzert.— Brünn: 17: Frauenstunde. 18.25: Deutsche Sendung: Doktor Wokurek: Krampfzustönde im Kindesalter. 20.16: Klavierkonrposttionen.— München: 21: Altmünchen im Mai.— Leipzig: 15: Cembalomusik. 18.20: Der unbekannte Schubert.— Hamburg: 22.20: Kammermusik.— Königsberg: 22.25: Orchcstcrkonzert.— Breslau: 20: Kammermusik.— Wien: 20.25: Wiener Festwochen, Sinsoniekonzert. 9k 182 Mttw-ch, 7. Juni 1938 jtite 5 Die Vampire von Neuyork. (Eine raffinierte st>erOrevic di« Presse sie nennt, hat, wenn die Angaben richtig stnd, nach allen Regeln der Kolportageromantik gearbeitet: Ahnungslose Menschen wurden versichert und dann gelotet, worauf die Verbrecher die Versicherungssumme erbeuteten. An dieser Organisation sollen nicht nur Berufsverbrecher, sondern auch vier Aerzte beteiligt gewesen sein, die die TodcSscheine ausstellten. Gis» Gangster macht seine Ara« lungenkrank. Di« Polizei kam der Bande durch den plötzlichen Tod einer hübschen jungen Frau Mabel Carlsen auf die Spur, die in zweiter Ehe mit dem berühmten Gangster Tom Marino verheiratet war. Marino hatte seit« Frau ohne deren Dissen versichert. Nach einiger Zeit machte er sie eines Tages betrunken, begoß sie hierauf mit Wasser, nachdem er die Fenster weit gröff- nct hatte und ließ sie so liegen. Di« Frau wurde lungenkrank und st a r b bald darauf. Ein Komplize denunzierte Marino. Ai»f Veranlassung der Versicherungsgesellschaft wurde gegen Marino ein Strafverfahren eingclcitct. vergütete Speisen, daun unter» Lastauto. Ein anderesmal hatte dir Bande einen Mann namens Michael M o llow mit 20.000 Dollar versichert und dann ein« Reihe von Attentaten gegen ihn verübt. Einnral bekam er eine vergiftete Speise vorgesetzt. Ein andermal wurden ihm vergiftete Austern vorgesetzt. Aber auch diesmal wurde er gerettet. Da schritten die Verbrecher zu einem radikalen Mittel. Er ivurdc betrunken gemacht. Dann legte ihn die Bande auf den Fahrdamm und ließ ihn von einen« Lastautoniobil überfahren. Das Gericht hatte seinerzeit den Chauffeur freigesprochen und die Banditen bekamen die Ver- slcherungrsumnic ausgezahlt.— Bisher sind ; wölf Mltgliedcr der Bande gefaßt worden. Die Zahl der Opfer steht noch nicht fest, dürfte aber erheblich sein. aiuiiiinininjiniuiuiiuimtnmiiiHmmnuniiniimmiHnHiiiniiHinniiHiiinniiiiimiHniiHnnmiiiiiiinnniiunMiuiinniiiiiiiHiiiiiaiuHniiiniimniuiuiiinHiiiiiuiiuiiHiuuuinmwiiiiiiiiminiiiniini Das Wetter für heute: Im allgeincinen abnehmende Bewölkung, meist wieder Niederschlage frei, etwas kühler. Denkmalsenthüllung in PUsen. Am Pfingst- sonntag fand in Pilsen unter zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung die Denkmalsenthüllung für zehn Angehörige des ehemaligen 7. Landwehr- rcgimcnts in Pilsen statt(während des Krieges in Rumburg), di« als Hauptschuldige bei dem mißlungenen Aufruhr gegen di« österreichischen Militärbehörde» zum Tod« verurteilt und in .Haida vor 15 Jahren hingerichtel wurden. Das Denkmal ist ein Werk des akademischen Bild- liauers 8 i Pa aus Pilsen. Bei der Frier sprach u. a. Abg. Genosse Vojta B e n r fi. Mit den Slaatshymnen schloß die Frier. Plötzlicher Tod eines RazisührerS. Ter natio- ual sozialistische Standartenführer In«. Mar Seumig ist in seiner Klagenfurter Wohnung im Bette tot aufgefunden worben. Die Leiche wirb zweck- Klärung der Todesursache obduziert werden. Vegi«« des Grazer Prozesse». Am Dienstag begann der Prozeß gegen die Aerzte, welche gegen Bezahlung Sterilisierungen an Männern vorge- nominen hatten. Die verpönten Eingriffe wurden von den Grazer Sekundarärzten Dr. Johann und Dr. Klemens B a r t o s ch e k und mehreren Medizinern auSgefichrt. Dr. Johann Bartoschek ist noch Spanien geflüchtet. Der Prozeß wird läiigcre Zeit dauern. Geht'» auch oh«« Deutschland? Aus Wie» wird gemeldet: Ter Pfingstverkehr hatte in diesem Jahr Rekord.Ziffern zu verzeichnen. Abehr als eine Viertelmillion Wiener haben Samstag die Stadt verlasien. Di« österreichischen Fremdcnvcrkehrsgcbictc waren überfüllt, beson- ders das Salzkammergut, der Wörthersee, Tirol und Kärnten. Besonders auffällig war der Frem- denzustrom au» den N a ch b a r st a a t e n, der, wie die Montagsblätter konstatieren, gewisser- maßen einen demonstrativen Charal- t e r trug: sowohl aus dem italienischen w c ans dem südslawischen Grenzgebiet kamen Autobusse nach Oesterreich, ebenso au» der Schweiz, besonders aber aus der Tschechoslowakei kamen sshlreichc Reisegesellschaften in Aiitobuffen. Ktsseltxplostou aus hoher See. Auf dem in K i e l eingelaufenen norwegischen Dampfer „H ellen" hat sich auf S« eine schwere Kessel- explosiv» ereignet, der zwei Heizer zum Opfer gefallen sind. Gegen Ehrenwort. Einer der bekanntesten 'New Parker Verbrecher, Owney M a d d e n, wird am 1. Juli aus dem Gefängnis Sing-Sing gegen Ehrcuivort entlassen werden. Madden wurde im Jahre 1915 auf 10 bis 20 Jahre Kerker wegen Mordes verurteilt. Als er bereits l 1 Jahre Kerker verbüßt hatte, wurde er gegen Ehrenwort entlassen. Da er jedoch im Juli v. I. sein Ehrenwort brach, wurde er neuerlich eingekerkert. Di« täglichen„Selbstmorde". In Erfurt hat sich vor wenigen Tage» der in-Haft genom niene Notar und Rechtsanwalt Dr. E. Mering angeblich in der Gefängniszelle erhängt. Fabriksbrand. Durch einen Brand wurde in Thorn die große Stärkefabrik der Gesellschaft„Lubon" vernichtet. Die zahlreichen am Brandplatze erschienenen Feuerwehren konnten des Feuers nicht Herr werden. Es verbrannten die gesamten maschinellen Einrichtungen, dar Lager und die Wohngebäude für di« Arbetter. Der Schaden wird aus mehr als«in« Million Zlow geschätzt. Daß der Riescnbrand keine Menschenopfer fordert«, ist darauf zurückzuführen, daß infolge der Feiertage in dem Werk« nicht gearbeitet wurde. Im Zusammen- Hang mit dem Brande wurde der Direktor und zwei iu dieser Fabrik beschäftigte Ingenieure verhaftet, da der Verdacht besteht, daß sie den Brand gelegt haben, um di« hohe Versicherungssumme zu. gewinnen, Der Brand. dauerte sechs Stunden. Es kamen dabei zwei Feuerwehrleute ums Leben, die in bett sich cnttvickclnden Schwefeldäiirpfen erstickten, trotzdem sie mit Gasmasken versehen waren.— SamStag brach tn Beroun in der Kalkbrennerei der Firma Praftav ein Brand aus. Beide Krrisösen der ge- nannteu Firma brannten vollständig nieder.— Bei Lodz ist da« Dorf Givizdaki, das auS 65 Bauernhöfen bestand, vollständig niedergebrannt. 108 Familien sind obdachlos. von der Klassenlotterle. Die Verlosung der Gewinste der ersten Klass« der 29. tschechoslowakischen Klassenlotterie wird am 12. Juni 1933 um 2 Uhr nachmittags Im Ziehungssaal« der Direktion der StaalSlottirien, Prag l, Kozi ul. 4, beginnen und wird am 13. Juni 1933 um 8 Uhr früh forr- ge>etzr werden. Verlost werden tm ganzen 2625 Gewinste im Gesamtbetrag« von 1,067.760 K>-, welche den Spielern ohne Abzug auSgezahlt werden. Bon höheren Gcivinsten werden auSgelost: ein Geivinn zu 120.000 Kf. einer zn 50.000 Ks, drei zu 30.000 Kg, vier zu 10.000 K? usw Die Einschüttung der Nummernröllchen der ersten Klass« findet öffentlich am 12. Juni um 9 Uhr statt. Di« amtlich« Ver- losungSliste wird am 12. Juni 1933 erscheinen. Au'o-Tod in Deutschland. Frankfurt a. M., 5. Juni. Bei dem Motorradrennen„Rund um Schotten", das am Mngstmontag als dritter Lauf zur Deutschen Motorrad-Straßenmcistcrschaft auf einer Rundstrecke im Vogelsberg zum Austrag kam, ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Der Fahrer Mellma n n-.Le nd ri na se n geriet infolge Reifenschadens aus der Bann lind raste in die Zuschaucrmcnge. Ein Zuschauer wurde a e- tötet, sieben schwer verletzt. Der Fahrer selbst blieb unvcrwundet. Pakewalk, 5. Juni. Auf der Chaussee Berlin- Pasewalk ereignete sich ani ersten Pfingsttage ein schweres Verkehrs» nglück, das zwei Todesopfer forderte. Ein Berliner Auto mit fünf Insassen überschlug sich beim Ueberholen zweier Motorradfahrer. Alle fünf Insassen wurden her- ausgcschleudcrt. Zwei Personen kamen ums Leben, zwei wurden schwer verletzt. Einer der Motorradfahrer fuhr eine Frau an und raste dann gegen citteit Baum. Der Fahrer und die Frau mußten sich ins Krankenhaus begeben. Schnellfahrer verursacht schweren Zusammenstoß. Der Führer eines Kraftwagen», oer in überaus schneller Fahrt die Jnvalidenstraße im Norden Berlins entlang fuhr, verlor die Gewalt über seinen Wagen und rammte einen Straßenbahnwagen. Der Kraftwagen geriet in Brand; der Führer des Kraftwagens wurde so schwer verletzt, daß er auf dem W.'ge ins Krankenhaus starb. Von den beiden Mitfahrern des Kraftwagens wurde einer getötet und einer schwer verletzt. Auch der Führer drü Straßenbahnwagens mußte mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Außerdcin erlitten>«och sechs Personen Verletzungen. Bei de» meisten von ihnen handelt es sich um Fußgänger oder Fahrgäste des Straßenbahnwagens. Die Taufendkronennot« auf Kanzleipapirr. Bor den Jglauer Geschworenen hatte sich gestern die 21jährige Näherin Maria Äof aus Oleöna in Mähren wegen des Verbrechens der Geldfäl. schung zu verantworten. Sir wurde zu einen« Jahre Kerker bedingt ans drei Jahre verurteilt. Die 2ak hatte Im April d. I. beim Einkäufen in Neustadt in Mähren mit einer Tausend- kronenbanknote gezahlt, dir rin Verwandter von ihr gefälscht hatte. Er hatte auf gewöhnlichem Kanzleipapirr mittels Wasser- und Pastellfarben dar Falsifikat hergrstellt, da» er dann noch mit Hilfe von Federzeichnungen verbesserte. Noch ein«„unebenbllrtige" Ehe. Der älteste Sohn des ehemaligen spanischen Königs Alfons des Dreizehnten, der 26jährige Jnfant Alphonso, wird Mitte Juni, in Lausanne mit der 27jähri- gen Kubanerin' Fräulein Pedro Edelmira Ocejo die Zivilehe eingehen. Dienstag wurden, auf dem Rathaus in Lausanne ihre Anfgcbote affichiert. Durch seine bürgerliche Ehe verzichtet Alphonso Bourbon auf sämtliche Ansprüche auf den spanischen Thron. Die Ebe wird jedoch, wie es heißt, im EinvcrstäiidniS mit dem ehemaligen König AlphonS XIII. und seiner Gemahlin geschlossen. Hitzewelle in England. Eine Hitzewelle, der bereits eiiiige Menschenleben zum Lpfer gefallen sind, hat ganz England heimgcsucht. Derartig hohe Temperaturen zu den Pfingstfciertagen wurden in England seit 35 Jahre«! nicht mehr verzeichnet. Blutige Zusammenstöße in Indien. Im Fürstentum Alwar(Indien) ist es zu schtveren Zu saininenstößen zwischen Hindus und Mohammedanern gekommen. In dem Torf Salarvur wurden vier Personen getötet und 12 vertvundet. Obwohl Alwar über eigenes Militär verfügt, hat sich die britische Zentralverwaltung veranlaßt gesehen, analo-inoische Truppen in daS Fürstentum zu cnt- senoen. Der Maharadschah von Alwar hat, wie erinnerlich, vor kurzer Zeit das Land verlassen, um sich nach England zu begeben. Gegen seine Verwaltung sind schwere Vorwürfe erhoben worden. Amerikas neue Filme. Eine Betrachtung irr uns verschlossenen Filmwelt. 1. Literarische Themen und Drama» führen. Amerikas Film ist ideologisch nicht sehr originell: die großen Finnen greifen mit Vorliebe zu bekannten Stoffen, deren Bühnen- oder Buchersolg «neu Teil der Vorrrklame überflüssig macht und die darum größeren Kassencrfotg versprechen. Wen» wir die Filmthemen durchgehen, so überrascht uns dir Tatsache, daß gut neun Zehntel nicht Filmoriginale sind. An der Spitze der lctzicn Produktion stehl ein Werk des Regisseurs. Robert Z Leonard:„Seltsames Z>v i s ch« n s p»e l" nach dem Drania von O'Neill, in--Deutschland bekannt durch den Erfolg der Bcrgner, bei uns durch den der Sedlaikova am Prager Natlonallheaier In den Hauptrolle» Rorma Chea re r und Clarke Gable. Der Film wirb sehr gelobt, behandelt ein rein psychologisches Thema einer getäuschten und entsagenden Frau, deren be- wcglcs Leben geschildert wird, und erinnert in der Anlage an die Bergner-Filme Paul E z i n n e r s Noch bedeutsamer soll ein Film de» Regisseurs Frank Lloyd nach dem Drania„K a o a l k a d e" von Noel Coward sein, der thematisch wie auch optisch zu den gewagtesten Kunstezperimentcn der Produktion grhören soll Cecile B de M i l l e hat einen ausgc- Idrochrnen PnblikumSreitzer fabriziert„Im Zeichen des KreuzeS" nach»em bekannten bigotten Theaterstück von Wilson Barret, ein Ausstat tungsfilm, der an die früheren Bibelsilme desselben Regisseurs erinnert. Frank Borzag hat die reizvolle und huniorvollr Novelle Ernst Hemingways verfilmt:„Abschied vom Militär" ist mit Garry Tooper und dem wieder beliebten M c n j o u ein großer Erfolg. John A d o l f i s „König auf Urlaub" und Lloyd Bacons „42. Straße" sind Filme des Alltags, nach gleichnamigen Romanen gedreht. Die direkt für den Film geschriebenen Sujet» stnd zahlenmäßig ganz im Hintergrund; teils rein sensationell(etwa K i n g K o n g, eine unglaubliche Gorillagcschichtc, von Edgar W a I- lacc ausgedacht), teil» sittenprrdigend, zeigen sie, daß auch die amerikanischen Produzenten fast unfähig sind, geistige Arbeit so zu ivürdigen, und sich selbst nur zu einem beschränkten Versuch zu entscheiden. Sie ziehen eben die bereit» sicheren Erfolge vor, sind aber hier in der Auswahl viel vorsichtiger al« die Europäer und wählen in der Rcgizl Stoffe, deren buntes Milieu an und für sich zum Verfilmen geeignet ist. Auch die schon eigentlich überwundene Filmrevue wurde nicht vergessen:„The Kid os S p a i n" letwa„Tas Kind aus Spanien") mit dem bekannten Chansonier Eddie Cantor soll in den Broadwaytheatern gute Geschäfte machen. Für un» Europäer ist die Tatsache am überraschendsten, daß vlc alten und sogar bei uns allgemein bekannten Star» nicht mehr ziehen: man findet noch immer in allen Ehren die Garbo(trotzdem auch sie ein« längere Pause für notwcndg befunden hat), die Dietrich, Bcbü Daniels, Janet Gaynor, Garry Cooper. Mcn- jou, Clive Brook und die Brüder Barrymoore. Daneben gibt cs aber ein« ganze Reihe neuer Namen wie Fay Wray, Benita Hume, Ethel Borrymoore, den jungen Joel McCray, Anny Harding usw., die zeigen, daß sich der amerikanische Film rein äußerlich verjüngt hat Ein Al Jonson, ja sogar Harold Lloyd scheint laiigsam vergessen zu werden. 2. Rückkehr zur Jnternationalität de» Film». Der Film war als stummer ein Mittler der Völker: er hat seine eigene optische Sprache erfunden, hat in sichtbareii und klaren Symbolen zu Schwarzen wie zu Weißen, zu Eskimos wir Feuerländern, zu Bankiers wie Arbeitern gesprochen; Chaplin, Frigo, Bantrost, Murnau und Griffiths waren der ganzen Menschheit bekannt. Den größten Anteil am Wrllumfang des Filins hatte zweifelsohne Amerika, das gerade in den Nachkriegsjahrcn in seinen Filmdokumenten di« größte Pionierarbeit selbst geleistet hatte. Das System der großen Firmen war durchsichtig: nach einer Reihe von Geschäftsfilmen wurde einen« Murnau, Grissith, FairbankS oder Chaplin unbeschränkter Kredit gegeben, um die amerikanische Filmindustrie vor der ganzen Welt als Knlturfaktor zu dokumentieren. Da« hat sich in dem Moment geändert, da die Aktionäre der Elcktrotrustö und ihre Repräsentanten das flimmernde Band zu beherrschen begannen und mit Hilf« des Tone den Fistn ganz neu gestalteten: der Broadway siegte, die New Iork-Hollywooder gesättigte Athmosphärc beherrschte den Film, der damit den Weltmarkt verlor. Die einzelnen Sprachgebiete schlossen sich ab, die europäische Produktion In Joinvllle bei Paris verkrachte,.weil sie von Fremden geführt wurde, die keine Ahnung von den Völkern hatten, deren Filme Neuer Sowjetbevollmächtigter in Prag. Amt- sich wird gemeldet, daß der bisherige vcvollmäch- ligl« Vertreter der Sowjetunion in der Tschecho- stoivakci A. Arosev an eine andere Stelle berufen und daß zu seinem Nachfolger Alexandrow- s k i ernannt wurde. Feuermelder mit Musik. Ein, neues System für einen höchst originellen, automatischen Feneralarm haben die Ingenieure der Western Electric koiistruicrl und in New Bork vorgeführt. Ihre Vorrichtnng entdeckt nicht nllr jeden Feuerherd, sic läßt darüber hinaus sofort eine menschlicyr Stinimc durch starke Lautsprecher ertöne», die beruhigende Warnungen ausspricht, genaue Anweisungen für das Verlassen ocs Gebäudes erteilt. Aus die menschliche Stimme erfolgt dann die Marschmelodie eines starken Orchesters. Diese Musik hat den Zweck, die aufgeregten Gemüter zu beruhigen lind einen reibungslosen Abmarsch aus den gefährdeten Lokalitäten zu ermögliche». Die neue Apparatur bewährte sich bei der New sssorkcr Vorführung ausgezeichnet. Als man ein kleines Feuer anzundetc, gab der Apparat sofort den Feueralarm an die nächste Station der Feuerwehr. Lichtsignale an'der Front des.Gebäudes zeigten der ankomnienden Feuerwehr, in welchem Teil des Hauses daS Feuer angelegt worden war. Die Rotausgänge erstrahlten im grünen Licht und eine ruhige Stimme ließ sich mit folgender Ansprache vernehmen:„Es ist ein Feuer auSgebrochcn, aber es besteht keine unmittelbare Gefahr. Ihr müßt das HauS verlasien. Ihr habt cs ja oft genug geübt und wißt genau, waS ihr zu tun habt. Laßt-eure Hüte und Mäntel hängen. Drängt nicht und folgt den grünen Lichtern." Dann begann, durch mächtige Lautsprecher verstärkt, der Marsch, zu dessen schmetternden Klängen die Insassen ans dem Gebäude marschierten. Volkswirtschaft uni Sozialpolitik Bel öffentlichen Bauten müssen üollektivv ertrage eingehalten werden. Das Organ des Verbandes der Bauarbeiter „Der Bund" macht in seiner letzten Folge auf eine Angclcgeichcit aitsmcrksam, die jetzt angesichts der ArbeitSanlcihe und der dadurch in Angriff genommenen öffentlichen Bauten außerordentlich aktuell ist. Schon in der Verordnung der Regierung vom 17. Dezenibcr 1920 betreffend die Vergebung staatlicher Lieferungen und Arbeiten, heißt es im Paragraph 21, daß jene Unternehmer, die innerhalb oer drei letzten Jahre Nachweisen, wiederholt die gesetzlichen oder vertragsmäßigen Bestimmungen zum Schutze der Arbeiter und Angestellten in gröblicher Weise verletzt haben oder in dcr- sclben Zeit wiederholt die vertragsmäßigen oder ortsüblichen Löhne und Gehalte nicht gezahlt haben, von der Konkurrenz ansznschlicßcn sind. Der Paragraph 34 dieser Verordnung sagt außcr- dcm, daß die vergebende Behörde das Recht der Kontrolle hat, oo im Lohnverhältnis die entsprechenden Kollcktivvcrträgc eingehalten werde». Noch deutlicher spricht der Erlaß des Fürsorgc- ministcriums vom 5. Juni 1930, in dem cs b,ißt: „Der Lohn, der den bei Notstandäarbeiten beschäftigten Arbeitern gezahlt wird, mriß dem gellenden Lohntarif oder den am Ort, wo die Arbeit zu verrichten ist, üblichen Sähen entsprechen." Diese beiden Erlasse werden noch durch den Erlaß des Ministeriums für öffentliche Arbeiten von« 17. März 1933-ergänzt, wonach die Gewährung von Beiträgen aus dein Straßenfonds un die Einhaltung der Kollcktivvcrträgc sowie der Vorschriften zum Schutze der Gesundheit und des Levens der Arbeiter bei der gewerblichen Ausführung von Bauten vom 26. Marz 1931 gebunden ist. Bei allen öffentlichen Bi»Vergebungen muß daher dafür giforgt werden, daß diese B e st i ni in u n g e n den Unternehmern bei der B a n v e r. gäbe zur Pflicht g e m a ch t w e r d c n. gedreht werden sollien. Diesen Fehler Hai Amerikas Film uiit einer ungeheueren Krise büßen müssen: sic scheint jetzt überwunden zu sein, die Stosse werden wieder universell, die Pnbliknmsplattsorm vergrößert sich, di« Themen sind menschlich und nicht mehr rein amerikanisch. Ter amcrikanische Film ist sich wieder dessen bewußt, daß sein englisches Publikum drei Viertel der Welt bewohni, er arbeitet wieder nlit neuen, jungen Kräften, er befreit sich ans der konservativen Schcmatik, er besinnt sich darauf, daß der Film nur als Mittler zwischen den Kulturen der Völker Daseinsberechtigung Hai Gegen die autar- kischen Abschnürungen der europäischen Kleinstaaterei, gegen die Selbstüberschätzung ihre« Kulturen wird der amerikanische Film wieder erfolgreich an- kämpfen, wie vor fünfzehn Jahren Regisseure wie Mamoulian, Llnbitsch, Griffiths werden wieder in Europa cinzichen, befreit von der anglikanischen, verfälschten Verlogenheit ihrer früheren Auftraggeber, die in der letzten Zeil stark nachgegebcn haben. Was der Russcnfilm ideologisch geleistet hat und noch leisten wird, das dürfte zum Teil tvcnigstcns durch technische Feinheiten und Ausstattung von den Anicrikaucru, rein am Erfolg gemessen, in dcu nächsten Monaten nachgcholt werden. Der Film Amerikas ist im Begriffe, die verachtete Jntcrnatloualität des lebenden Lichtbilds neu' zu restaurieren, die Wälle der Sprache durch die Bildsprache neuerlich einzureißen und z>l den Völkern, wenigstens im Kino, einheitlich und verständlich zugleich zu sprechen; was, das werden wir wohl auch noch bei. uns beurteilen können... Walter L u st i g. Seite 6 Mittwoch, 7. Juni 1988 Nr. 182 PRÄSER ZEITUNG Kunst und Wissen Der Film Sport* Spiel* Köroerplleoe Geriditssaal Vereinsnadir lebten Bertramka. Feier am zur für eine an« rb. 8. (3 Bezirisverein Arbeiierfürforg«, Prag. Donnerstag, 8. Juni, 8 Uhr abends, Verein Dentfcher Arbeiter, SmcLka 27, Sitzung. Ganz Or'rud, schlank« drama- der Er- Herr Fisch e r bringt für den Lohengrin'sowohl den heldischen als auch den zarten Timbre mir, erfreut durch die Kultur seines Organs und der Stimmführung, doch mutz neuerlich vor dem stellclUveisen Stotzen der Töne gewarnt werden. Herr H ö l z l i n hat den Wuchs und auch den Slimnrirmfang für den König Heinrich; leider genügt das aber nicht, um di« Färb, losigkeit und Uii«rgiebigl«ii dieser Stimme wett» zumachen Vortrefflich, mit grotzem sympathischen Ton und beispielhafter Musikalität der Hcerrufer des Herrn Hotter, di« Chöre, insbesondere im zwe>- ten Akt, in bester Verfassung wiederum überraschend klangedel die Tenor e. ES wäre iwch hinzuzufügen, datz im Brautgemach die Regie für ein im guten Sinne schleierhaftes Bild gesorgt hatte. Gruppierung und Beleuchiung im letzten Bild durchwegs entsprechend Euvas problemo- tlsch wieder der Schwan, der. unnahbar unseren Schritten, weit drautzen vor Anker gehl, so datz Lohengrin nnr durch«in neues Wunder d«n Kahn besteigen könnt« Auch Vie Geschichte mit der Taub« und Gottfried dem Knaben hängt durch di« Prosizie- rung in der Lust. Jedoch soll und kann mit dielen Bewertungen und auch nicht mit der Frage, warum wiederum G a st regie(wenn auch hochqualifiziert«) da Mordos Regiekunst doch wohl auch mit dem „Lohengrin" fertig geworden wäre, der allgemeinen grotzen Arbeit, den einzelnen Leistungen und der so erzielten ausgezeichneten Gcsamtwirkung ntchis von ihrem anßerordclitlichen Wert« qeiioinnien tverden Dir Aufführung verdient Tank und Anerkennung und viele solche volle Häuser wie am Psingstsonntag. L. G. Alkohol! 28 Messerstich«. Prag, 6. Juni, Ein abschreckender Fall einem Z.ivil Prozeß auch noch zu Ehrende- leidlgungsklagen, wodurch die kuriose Bor« geschichte bekannt wurde. Der Besitzer eines solchen E i n f a m i l i e n« Hauses in der Prager Untgcbung— sein Name sei auf seine Bitte hin verschwiegen— merkte mit Verwunderung und Unwillen, datz in windigen 'Rächten sein Häuschen zitterte und schwankte, wodurch die Nachtruhe der Familie empfindlich gestört wurde. Er ging der Sache nach und stellte fest, datz die Ursache dieses Verdrusses eine alte, hohe und stattliche Pappel sei, die sich ins dem Grunde des Nachbars unweit seines täuschens erhob. Dieser Baum streckte nämlich eine seiner Hauptwnrzeln gerade unterhalb seiner Behausung aus und wenn infolge des Windes der Banmstomin ins Wiegen geriet, über- trug sich dies» Bewegung aus seine Wurzeln und irschütterte die Grundfesten dcü kleinen Hauses. Der Nachbar schlug die Bitte, die Pappel fällen zu lassen, rundweg ab; er sei sehr stolz auf diese« Prachtexemplar und es kümmere Ihn einen blauen Teufel, ob sie anderen Leuten passe oder nicht Als sich der Geplagte solcherart abgcwicscn sah, grist er zur Selbsthilfe. Eine« Nacht« sägte er mit Hilfe eines Freundes heimlich die grotzc Wurzel durch. Seither hatte er feine Ruhe, aber der Pappel bekam die Operation schlecht. Der Baum begann zu siechen und ging schlietzlich ein. Sein Eigentümer kam aus die Ursache des AbsterbenS seiner geliebten Pappel. Die Folge war ein heftiger Aus- Ikitt, der zu E h r c n b c l c i d i g u n g e n führte, über die vor dem Bezirksgericht(GR. Fidrmue) verband/kt wurde. Infolge Unversöhnlichkeit der streitenden Parteien, die keinen Vergleich zulietz, endete die Sache mit 100 Kronen Geldstrafe. Außerdem ha» der Pappelbesitzcr noch Schadenersatzklage beim Zivilgcricht hängig gemacht. ftineerfreunfte H»rag. Rcstfalken, Jungfalken, Rot« Falken. Jeden Mittwoch Spielnachmittag um 1 Uhr aus der Hetzinsel. Bei Regeuwettei in der Holleschowitzer Schul«. Fünf verfluchte Grntlemrn. Der Regisseur dieser recht unterhaltenden und photographisch ausgezeichneten Films ist I u l l e n D u v i v i e r, der Schöpfer von„David Golder". Man hat mit Reiht von seinem außergewöhnlichen Können, seiner starken Persönlichkeit erwartet, daß er sich dem Geschmackdiktat der Tonsilmdiktatorcn nicht beugen werde; dem ist nun leider nicht so, sein letztes Werk leidet an den gewöhnlichen Mängeln der DurchschnittS« unterhaltungsware, die auch in Frankreich nicht wesentlich anders ausfällt als in dem früheren Deutschland. Fünf junge Menschen kommen mit einem marokkanischen Zauberer in Konflikt; er verflucht sie und einer nach dem andern stirbt; durch Schußwaffe, Aeroplan nstv. Im Moment wirklicher Spannung stellt sich nun heraus, daß das alles nur ein groß angelegter Schwindel war, um den Reichsten, Herrn Petersen, auSzuraubcn und um sein Geld zu erleichtern. Der Film hätte also schon seiner Anlage nach alle Voraussetzungen, recht spannend zu werden; leider ist er aber in seiner Durchführung vollkommen mißglückt; anstatt eines tempoerfüllten ReisserS wird uns eine halbfentimcntalc Geschichte geboten, in der C a m i l l a Horn die Hauptrolle znfälll, weil nach der Kalkulation der Filmindustrie ohne die Liebe kein Gell» in die Kassen kommt. Julien Duvivier zeigt sich als großer-Künstler vor a"eni in den ganz einzigartigen Außenaufnahmen auS 'Marokko, die hier wohltuend ausgedehnt sind und in einer wirklich interessanten Jagd hinter dem demaskierten Verbrecher über die flachen Däcker der märchenhaften Stadt gipfeln. Von rein kulturellem Wert sind auch die dokumentarischen Aufnahmen einer mohammedanischen Pron-isivu, des L--he»>>, den marokkanischen Städten. Die Mitwirkcnden sind sämtliche sehr gut, der Ton ist geglückt, nur die krampfhaft orientalische Untermalung will nicht gefallen. Ter Film wird In deutscher Tprackr vorgeführt, was zu seinem Verständnis ziemlich viel beitragen dürfte, wenngleich dem ausgesprochen französisch gesehenen Milieu mehr die Originalsprache entsprechen würde. W. L. Die Paddel als HansfrledensstSrer. oder: Ei«« solid« Behausung. (Bezirksgericht.) Prag, 6. Juni. ES ist bekannt, daß die Einsam i l i e n h ä u s ch c n, durch deren Erwerbung mancher kleine Mann seine Sehnsucht nach einem eigenen Heim zu befriedigen sucht, nicht für Jahrhunderte erbaut sind. Die oft sehr filigrane Konstruktion dieser Behausungen bietet den Witzblättern willkommenen und stereotypen Stoff. Der folgende Fall aber hat sich tatsächlich ereignet und führte nebst Prag, 6. Juni, Ein abschreckender Fall von bestialisierendtt Alkoholwirkung wurde heut« vor dem Senat des OGR. H r a b a verhandelt. Der 50jährige Lokomotivheizer Karl K. war wegen schwerer körperlicher Beschädigung an- gcklagt. Aus nichtigem Anlatz kam cS am IS. Jänner d. I. ztvischen ihm und seinem Kameraden H a v l i k in einem Gasthaus in Klanovice zu einem heftigen Streit. Aus dem Heimweg, den sie gemeinsam antratcn, warf sich der Angeklagte plötzlich auf H a v l i k und schlug ihn mit einem harten Gegen« tand auf den Kops, so datz Havlik zusammenbrach. Doch gelang cS diesem, den Wütenden obzuwehren, worauf dieser plötzlich daS„heulende Elend" bekam und ihn mit Tränen um Verzeihung bat. Aber diese Anwandlung war im Augenblick wieder ver« flogen und machte einem neuen W u t a n f a l l Platz. Der Rasende warf Havlik neuerlich zu Boden, kniete ihm auf dem Rücken und hieb nun wir ein Rasender auf ihn ein, ohne zu achten, wohin er ihn traf, bis Havlik daS Bewußtsein verlor. Erst das Dazwischentreten eines Passanten machte der Mißhandlung ein Ende. Als sich Havlik mit Mühe und Rot heimgcschleppt hatte und sich auszog, merkte er erst mit Schrecken, daß dir vermeintlichen Hiebe in Wirklichkeit Messerstiche gewesen waren. Er war ganz mit Blut überströmt, vier Stichwunden zeigten sich in der Rippcngegend. Die Gendarmen stellten weiter in dem dicken Pelz, den Havlik zu>cine»> Glück damals trug, weiter« siebzehn Stich« fest, in Rock und Weste weitere sieben. Havlik lag längere Zeit im Spital. Zu diesem bestialischen Wüten hat der Alkoholgcnutz einen sonst ruhigen und wohlbeleumundeten Mann aufgcstachclt. Dabei kam ihm nicht einmal die Qualifikation der B o l l t r u n k e n« heil zugute, den» nach der mangelhaften Umschreibung dieses Begriffes durch unser 130jährig«S Strafgesetz lagen deren Voraussetzungen in diesem Fall nicht vor. Der Gerichtshof verurteilte den Ange« i klagten zu vier Monaten schweren Ker» - k e r s. Nur mit Rücksicht auf die E r i st e n z s e i n e r 1 Familie wurde ihm eine dreijährige Be« 1 Währungsfrist zucrkannt. rb. Abonnement 1933134 Di« Plätze für bisherige Abonnenten können nur noch bis Freilaa. ftenst d s.. reserviert bleiben Es wirft daher nm baldige Behebung ge- beten! Tägliche Annahme von Vormerkungen für neueinlreteude Abonnenten. Sonstig« Fus;bollerg«bniss«. Sonntag: B.- B u d w e i S: VSK. gegen öechie Karlin ü: 3(0: 0). — Lehrgang im Al Mittwoch, halb 8 Uhr abends ■2: n d e. Leitung des„Fliegenden Holländer" am Donnerstag, den 8. d. M., zu übcrnehinen(C2). Umtauschrecht für Viertelabonn«nten der Serie C bis Donnerstag 18 Uhr. Eine Mozart-Feier aus der Bertramka(Smichov, Mozartovä 169, Elektrisch« Nr. 9 und 15), veranstaltet die B o l k s a k a d e m i e am 8. d. M. um 17 Uhr. Bei der Aussührung von Mozart- und Beethoven-Kontposilionen werden Mitwirken: die dramatische Abteilung und das Orchester des Musik- Konservatoriums unter Leitung von Prof. Paul Dödckck, die Konzertsängerin Nelly Gaier und der jugendliche Violinvirtuose Georg Straka. Der Rein- gewinn wird für die Renovierung der Bertramka und wohltätige Zwecke verwendet werden. Eintritts- karten bei Urbanek, Truhlaöova, und Bei ungünstiger Witterung findet die 15. d. M. statt. Spielpla« des Reu«» Deutschen Nittwoch, M8 Uhr, .Nathan, d«r Weis«'(Al). Der fliegende Unser Blatt der„Sozialdemokrat" tst in Prag in folgenden Berschleitzstellen zn haben: Bahnhofsbuclihandluns. Wilsonbahnhof, Masaryk- Bahnhof, Donlsbahnhof. BarUk. Trafik. Prag II., TySnov 2. Bnrok Huco. Trafik. Prag I.. jtaromiitiki ni- mbitl 32. Hodrova, Trafik, Smichov, nähr, legll 13. Jciinkova, Trafik. Nusle IL Mostn« domy„Reform?“. Kotyza Jan, Trafik, Smichov, Zborovakä tr. 15. Kranaova A., Trafik, Karlin, Krälovski 14. Krejüllt A., knlhkupectvi. Pras-Lloben. Kralov- sU 1511. Kronpa Jindf., Trafik, Prägt II- RaSinovo nähr, stanek 114. Uwenaohn Karl, Trafik, Prag IL, Nekazanka& Marei Josef, knlhkupectvi, Prag-Buben)!, ul. Dr. Britta 2-1. Monik, Trafik, Prag I., Parlament. Mrdtkova, Trafik, Prag I., Josefskä tr.. stdnok 121. Mräz Jan, Smichov, Badllcki tr. 43. Orbis A.-V., Zultunss verschleiß. Praha XII.. Fo- chova tf. 62. „Prasa". ZcttungsverschlelB, Präs IL. Havliökoro uäm. 23. Sedldk Väclav, Trafik, Dejvlce, Svecova. Skrabkova Anna, Trafik, Dejvlce, Hennerovy tifednlckö domy 280. Strouhal Artur, Trafik, Prag III., Mosteckä 411. Tausslff E., ZoltnngsvcrsehlelB. Präs II» Väclav- skd uäm. 45. Unpcrmann Rudolf, Präs II«, Panskd bei Palasthotel, Üetfedni dSln. knlhkupectvi, Svicon^. Prag II Hybernskd 7. Zemann, Trafik, Präs I, Perlten. Fouzl, ZoitunssvorsehlelD, Prag II., Smeüky 8-N Und bei StrafienvorkMuferns Wonzeisplatz I Mösfek— Masarykbahnhof- Wllwnbahnho' IjWWMWWWWWWW_ Theater«. Mittwoch, M8 Uhr, volkstümlich« Vorstellung: „Nathan, der Weis«'(A1).— Donnerstag, W8 Uhr:„Der fliegende Holländer", Dirigent Steinberg(C2).— Freitag, H8 Uhr: „Verlobung im Trau m"(D1).— Samstag 7 Uhr:„Lohengrin"(A 2).— Sonntag, Uhr: „Figaros Hochzeit" Dirigent Alexander Z« m- linsky(Dl). Spielplan der Kleinen Bühn«. Mittwoch, 8 Uhr. Bankbeamt. II:„Ist Göraldin««in Engel?" — Donnerstag, 8 Uhr:„D a st i m m t w a s n i ch t". — Freitag, 8 Uhr, vvlkstüml. Vorstellung:„Der M u st e r g a t t e".— SamStag, 8 Uhr:„I st Göraldin« ein Engel?"— Sonntag,>48 Uhr. Erstausführung:„Fabian, der Elefant". B.- B u d w«i s: 6SK. gcg. Sparta Kol in: SK. Kladno gegen Karlsbad: KFK. gegen 3.— Teplitz: TFK. gegen > a a z: DSV. gegen Minerva — Ege r: Sportbrüder gegen SpuBC. — Protznitz: SK. gegen SK. Ra- -: 0).— Krakau: Brüssel gegen Kra- ttiimou etegfrlcb 7• ab(1 b• 11e b a 11 e u t: anbei» Rttknbl.— BeraaMoiUlcher ReboUtat: Dr CatU Sttasfc. Bug.— Druck:„Rots* A.«a. füt Bettung, unk Buchdruck.-Qua- gür den Druck»eron»pur>!lch en» Hdilk, lut,_ DU Keiuuutinurlri.iisntatui»urb»»n bei Poft-« lelegtqpbtnbitenlsa srtt Eriatz Rz. 13.BMrvn/lM0 bewilligt— Beiugiubinamtgen: Bel Zustellung tu« Hau» aber bei Bega, durch bi» Lost mauaUtch tu 16.—.»!»»!,»hrUch U SB.—, tzatbjätzri, s«. gangiabit« U US.—,— Ltaserat, MibM last Z*zi(«UUsA tautest, M Mtsua AtaicksRaaesa»rei»a-chI-L— rtücklielluu« bau«aaustrchtea«sfotät aag bei lfia|eubzsg btt Ritaiinmiri-» Elisabeth Rethberg al«„Fidelio". Kammersängerin Elisabeth Rethberg singt in der Festvor- stellung„Fidelio" am 14. Juni die Titelparti«. Dirigent: Egon Pollak. Der„Fliegende Holländer" mit Tteinberg. Ge- neralmusikdirektor Fritz Busch, der Donnerstag die Aufführung des„Fliegenden Holländer" dirigieren ! sollte, hat soeben.stvcgen dringender beruflicher Bor- ! bereitungen zur. Amcrikareise" um Enthebung von t seiner Gastspielverpflichtung und Verschiebung des s Gastspiel« aus den Spätherbst gebeten. Tie Direktion shot infolgedessen Hans Wilhelm Steinberg, den i in Prag noch unvergessen«« ersten Kapellmeist'. ■Ofitrfldwr Sport. Die Masaryk,Spiele, die am Samstag in Prag begannen,, wurden am Montag beendet. Tic Organisation ließ- viel zu wünschen übrig. Die«rsten Plätze besetzten fast durchwegs di« Ausländer und in einigen Disziplinen kamen die heimischen Athleten Überhaupt nicht zur Geltung. Leichtathlet'k-Stars kamen nur aus Polen, di« bis ans di« Weltrekordlerin Walasiesvicz ihr« Konkurrenzen gewannen. Am«r- folgreichslen waren di« Ungarn, während di« Vertreter der Nordstaaten, insbesondere F'-nnlandS, stark enttäuschten. Der Nurmi-Konknrrent, Knsocinsti (Polen), startet« nur über di« 5000-Mcter-Streck«, während er laut Meldung der Veranstalter auch über 10.000 Nieter lausen sollt«. Ob da der Pol«, der angeblich auch ein guter Finanz mann sein soll, oder di« Veranstalt«r, aus Reklamegründcn, die Schuld tragen, ist ebenso unklar, wie das ganze Sporl- gciriebe der Bürgerlichen. Die wichtigsten Ergebnisse sind: Männer: 100 Meter: Nagy(Ungarn) 10.8 Sek.; 200 M«t«r: Frangoudis(Griechenland) 21.8 Sek.; 400 Meter: Strandvoll(Finnland) 50.1 Sek.; 800 Meter: Carson(Rorlvegen) 1:56.8 Min.; 1500 Vieler: Szabo(Ungarn) 4:05.4 Min.; 5000 Meter: Kusoeinski(Polen) 15:07.8 Min.; 10.000 Meter: Kälen(Ungarn) 32:10 Min.; 110 Meter Hürden: MantikaS(Griechenland) 14.8 Sek.; 400 Vieler Hürden: MantikaS 55.6 Sek.; 50 Kilometer Gehen: Ri- Volta(Italien) 4:58:26 Std.; 1X100 Meter: Hoch- schüler-SpV Prag 44 Sek.; 4X400 Meter: Slavia Prag 3:24.6 Min.; Olympische Staffel: Hochschüler- SpBg. Prag l 3:24.8 Min.: Hochsprung: Reinikka (Finnland) 1.85 Meter; Weitsprung: Hosman (Sparta Prag) 6.79 Meter; Dreisprung: Zsusfka (Ungarn) 18.42,4 Meter; Stabhochsprung: Zsusfka 3.80 Meter; Kugelstoßen: Douda(Slavia Prag) 15.23 Meter; DiÄuswersen: Madarasz(Ungarn) 47.5114 Meter; Speerwerfen: Snksy(Finnland) 62.37 Meter; Hammerwerfen: Goiü(Jugoslawien) 44.23 Meter.— Frauen: 100 Meter: 1. Koubek(Hochschüler-SpV. Brünn) 12 Sek., 2 Walasiewicz(Polen); Hochsprung: Ulrich(Snrichov-Prag) 1.43 Meter; Kugelstoßen: Weiß(Polen) 11.22 Meter; Diskuswerfen: Weitz 11.57 Meter; 4X100 Meter: Komb. Staffel Tscheche- slowakei—Polen 52.5 Sek. Der Leichiaihleiik-Länderkamps Polen-Belgien, der in Warschau ausgetragen wurde, endete mit 63: 50-Puiltle.Siege der Polen. DFC. Prag spielt« Sonntag in P r o ß n i tz gegen den dortigen Proflklub und gewann 4:2(4:0). Am Aiontag erzielte er in Brünn gegen Lidenice nur ein Unentschieden von 1:1. Da« Preßburgrr Fußballiurnier war das fuß- ballsportlichc Ereignis der Pfingstfeiertage und Insoweit bemerkenswert, daß die Prager Sparta vom VSK. wie von Hungaria verdient geschlagen wurde. Am SamStag schlug VSK Bratislava die Prager Sparta 2:0(1:0) nick Hungaria Budapest renii» sicrt« mit Raclng Club Paris 2:2(2:0). Sonntag gowann Hungaria mit 3:0(2:0) gegen 0SK. und Sparta fertigte die Pariser mit 5:1(2:1) ab. Montag besiegt« Hungaria mit 4:2(2:2) die Sparta und VSK. schlug Raciirg Club 7:1(4:0). Sieger des Turniers wurde Hungaria vor VSK., Sparta(I) und Racing Club. Slavia Prag schlug am Samstag in Gablonz den DSK. mit 6:3 und mußte sich am Sonntag in Karlsbad gegen KFK. mit einem 2:2(2:1) begnügen Ler erneuerte„Loirengrtu' im Prager Deutschen Theater. Er hat'inge auf sich wart«« lassen, aber Ding brauch! Weil«, lind nun dürfen all«, di« das Märchcnwunder ftie'er ersten wahrhaftigen musildramatischen Scköpfbng immer wieder. erglü hen können und wollen, einer Neuinszenierung und 'Neueinstudierung sich erfreuen, die. wenn auch im Juni, maifestspielmäßig überzeugt und hoffentlich v -'M(lahre hinaus hoher künstlerischer Gewinn biebi.; bishcr Franksurt w M^ Opernhaus, eingeladen, die ES spricht durchaus für das Fi.igerspitzeiigdsühl~•--*—•“’~ und den Blick des Gastregisseurs(Herbert Gras) nnd ftrS Bühnenbildners P i r ch a n wir sür die Qualität der Solisten, insbesondere aber sür daS musikantilchc Wesen des Führers 2zell, datz nicht nur ein« fesselnde und saubere,, im großen bewun dernswerte und im einzelnen iniercssant« Ausfüh- rung zustande kam, so:)ern daß sic sich auch in die Erfordernisse der Mystik und Romantik, der Verbin dung Mischen Äeitseitsweltiichem und. Irdischem schön einordnet«, obzwar doch hiesür ketncsivegs alle Voraussetzungen im Ensembl« gegeben sind. Er zielt wurde das dadurch, datz doch alles und jedes n dieser„Lohengrin". Wiedergabe Diener der Musik blieb, daß alles der Tymphonik, Orchester-Dramatik und-Lyrik verhaftet war, die eben S-zell imi größter Einfühlung in das Werk erstehen ließ; man kann übrigen- ohne Nebcrlrcibung sagen, daß dieser Auf sührung di« sicher« Richtung un- labende Lichtung «indcutig schon durch das erste Vorspiel gegeben war, das schöner kaum vorstellbar ist. Der erste Akt bracht« dann wohl ein« leise Ent täuschung; die Szene wirkte in ihrer puritanischen Einfachheit etwas nüchtern, mit der sichtlich sorg samst erdachten Bewegungsregie wollte cs noch nicht recht natürlich klappen, di« Projizierung des Schwans ergab erst bei dessen Verschwinden ein glaubhaftes Bild, Lohengrin selber ließ schon in der Kostümierung die Vorstellung eines glanz- und wonnevollen, sozusagen überirdischen, ständigen Auf enthalts nicht wach werden und übrigens enttäusch ten in diesem ersten Akt zum großen Teil« di« Sän- gcrleistungcn(auch di«'des Chors). Dafür gab cs mehr als rcichliihe Entschädigung durch einen in jeder Hinsicht mustergültigen zweiten Akt: klarer szenischer Ausbau,«ine in jedem Detail sichere und tadellos funktionierende Regie, adäquate Steigerung der Bewegung und der Farben mit der musikalischen und dramanschen. Entwicklung, Klang schönheit und rhythmische Lebendigkeit im Orchester intb, beginnend mit dem Telramund-Ortrud-Duelt, prachtvolle Sängerleistungen. P r o ha.s k a ist durch Krast und Klangsüll«, durch schauspielerische Persön lichkeit und du ich seinen Vortrag«in mustergültiger Telramund, Frau Thorborg ein« üderrageno« Ortrud, weniger durch zu«rwariende Dämonie und Wildheit als durch ein weibliches Kämpsertum, durch «iire Größe, ja durch ein« teilweise Zurückhaltung, di« von der Ortrudschablon« völlig abweichen und durch di« Macht des Gesangs einer satten, gepsleg- len, weittragenden Altstimme unterstütz! werden, die wiederuni selbst auf den Höhen der Götteranrusung nichts an Glanz und Krast einbüßi; weicherer Ansatz wäre allerdings gelegentlich wünschenswert. ausgezeichnet, insbesondere im Duell mit: die Elia des Fräulein Rohn«, seren edle Kantilen« hier auch dem sonst mangelnden tischen Ausdruck nahe kam; übrigens auch in> schein»ng allen Anforderungen ideal gerecht