Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. R.doNIon n. Dnwalluno- vcog ll,NkM,an!a I»» releov-: 31W9, TtaOtreOatl iab 21 UW: 53830 ♦ ColWdaml: 3J34-» Muzelprcis 70 Heller. cAnschlleßllch 6 Heller Porto) 13. Jahrgang. Gamstag, 10 Juni 1933 Rr 133. Kst„Der l'sg" noch nicht genug? Seine Hetze beginnt von neuem. Tcm„Sxiq" ist es sehr auf die Nerve» gegangen, daß. wir in der letzten Zeit mnviderleg? dcr« Beweise für das nationalsozialistische^ Tcnn il zia ii te ii t n m geliefert staben, Zunächst beschränkte er sich aufs Schimpfen. Tas alberne Wort„Sozialdeininziautcn" mußte zur „Ausschmückung" seiner Schimpfereien hcrhallen; und jetzt hat er cs sogar in seine vicrspalligcn Titelzeilen aufgenoinnicn, hoffend, uns damit zu ärgern. Neuerdings aber fühlt sich„Ter Tag" bemüßigt, sozusagen„Beweise" für die angebliche Dcimnziatiantrnärbeit der Sozialdemokraten zu liefern. Das geschah so, daß er in seiner Ausgabe vom 8. Ium ein Rundschreiben unserer Partei, das der Werbung für die Arbeitsanleihe gewidmet war, mit fälschenden Vermerk»»gen teilweise ab- dnilktc und es als eine„Auffordcrnug zur Denunziation", ja, als vollendete Tenunziation be- zeichnete. Dieses Rundschreiben bringt die Redaktion des„Tag" in Zusammenhang mit den Per. Haftungen in Asch und Markhansen, ja mit allen übrigen im sudetendeutschen Gebiet vorgenommenen Verhaftungen. Diese bodenlose Frechheit, für die die Redaktion des„Tag" ja noch vor Gericht zu büßen haben wird, krönt sic in der Ausgabe des„Tag" vom 9. Juni, in der sie nochmals auf die Aktionstrupps des Herrn Killingcr zu sprechen kommt. Die bisherigen Erwiderungen des„Tag" ans unsere dntzcndfach belegten und mittlerweile durch pme ganze Reihe unwidcrlcgter und unwiderlegbarer Meldungen bewiesenen Zii- sammenarbcit zwischen der TA und den sndeten deutschen Nazis stellt er zu cincm Ragout zusammen, um dann z>i dem Schluß zu kommen, daß von unseren Behauptungen nicht das geringste übrig bleibt. Tic Verhaftungen des TA-Tpihels in Tcplitz-Schönau, die Verhaftungen in G o l d c n st c i n, von denen auch führende Leute aus der n a t i o n a l s o z i a l ist i s ch c n Partei betroffen sind, all die tragischen Ereignisse, in die Hunderte durch den„Tag" verhetzte siioetcndciltsche jugendliche verwickelt sind— sie bedeuten dem„Tag" nichts oder nicht mehr als Hetz material gegen die Sozialdemokratie. Wir erklären nochmals mit allem'Nachdruck: unsere ersten Meldungen über die Zusammenarbeit zwischen der SA und sudetendeutschen Nazis im Gebiet von Nicdercinsicdel sind auch durch den„Tag" nicht widerlegt ivorden. Wir haben die im Bericht aus Niedereinsiedel wiedergegebenen'Namen genannt, weil wir vom„Tag" de.;» nicht weniger als dreimal aufgefordert wurden; er hat trotz unserem Hinweis ans die Gefährdung verführter junger Leute auf feiner Für- dcruug bestanden. Als wir seiucu Wunsch erfüllt hatten, beschwerte sich das feine Blatt über unsere„Dcminziationcn". „Der Tag", der die Dreistigkeit hat, noch immer alle Schustereien, die sich in Deutschland ereignen, zu entschuldigen und zu lobpreisen, „Der Tag", der aus dem Blute unserer gehetzten und gemordeten Brüder journalistisches Kapital schlagt und zur Verstärkung der Be» stialitSten gegen die Sozialdemokraten anfge- rufey hat,„Der Tag", den wir Denunziationen im Einzelnen nachwiesen und noch nachweisen werden, ohne daß er auch nur eine unserer Mitteilungen widerlegen kann— er möge nicht weiter mit der Geduld der sudetendeutschen Arbeiter spielen! WaS eS hierzulande an Verhaftungen junger Sudetendentfckwr gibt, geht ans sein Konto: er hat sich monatelang in Sitlerbegeisternng Überschlagen und sich ärger benommen als selbst der„Völkische Beobachter", er hat den jnngen Leuten die Köpfe verdreht. Wenn er sich nun einbildet, seine Schuld dadurch vergesse» mache» zu können, dasz er uns der Denunziation zeiht, so wird er sich täuschen. Die sudetendeutschen Arbeiter werde» seinen Hintermännern ein Tänzchen ausspielen, daft ihnen Hören nnd Sehen vergehen wird. faschten sind Keine Arbeitervertreter! Erregte Szenen aui der Genfer ArbeitsKonlerenz. Genf, 9. Juni. Bei der Besetzung der Sitze der Arbeitergruppe in den Kommissionen der internationalen Arbeitskonserenz legte der Vorstand zu Beginn der heutigen Sitzung seine Besetzungsvorschläge vor, in denen die italienischen und di« deutschen Arbeilervertre- >er ausgeschlossen waren. Die Vorschläge des Vorstandes wurden von der Mehrheit angenommen. Die Sitzung verlief sehr erregt. Der französische Delegierte Fauhaux wandte sich gegen die deutschen Arbeitervertreter und bezeichnete Dr. Le h als einen Feind, mit dem es nie eine Versöhnung geben könne. Er beschäftigte sich iveiter mit den Verhältnisien in den deutschen Konzentrationslagern und kündigte an, daß er von der Tribüne der Konferenz selbst öffentlich Protest gegen die deutschen Delegierten erheben werde. Er schloß unter großem Beifall mit den Worten: Nie wird der Tag kommen, an dem Sie und die Arbeitergrupp« Zusammenarbeiten können! Stahlhclmcr HUditcn nadi Paris! Wie laniie nodi- und sie fabrizieren„Orcuelmcldungen“! Paris, 9. jiini.(Eig. Trahtmeldung.) Die zahlreichen Pariser Flüchtlingskomitecs waren in den vergangenen Monaten und Wochen an den Besuch von Marxisten aller Grade und Jude» aller sozialen Schichten gewöhnt. S>c haben gc- Holsen, wo^ie nur helfen konnten, so. gering auch die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel waren. Seit kurzer Zeit aber tritt eine neue Kategorie von Flüchtlingen in Paris auf, deren Betreimng einige Verlegenheiten schafft. Es sind Stahlhelmer, die dem Terror von SA und SS nur noch durch eilige Flucht nach Frankreich entgehen konnten, Leute aus den Stahlhelmforinationon Wit weitgehenden Führervollmachteu, ehemalige Offiziere und rechtsstbhcndc Intellektuelle. Genau wie die Marxisten und wie die Znden, die sie vorher cbcuso grimmig bekämpflcu wie die Nationalsozialisten, müssen sie jetzt in der Fremde unter dem schützenden Dach des„Erbfeindes" um Aufnahme und Hilfe bitten. Ihr Ingrimm gegen ihre Verfolger ist teilweise noch großer als derjenige der übrigen Flüchtlinge, da für diese der Razsterror keine Ueberraschung mehr bedeutet. Wie lange noch, und man wird in den nano nalsozialistischen Blättern Hiller- Tcutschlands lese», daß die geflohenen Stahlhclmer Greuel- Meldungen sabrizicrcn! Blutige SA-Razzia. Hamburg, 8. Juni. Nachdem die Kommunisten in Hamburg während der letzten Wochen eine gcsteigcric Aktivität entfallet und läglich ihre Z«:- tunge» und Fliigblätter verbreite! hallen/ wurde in den frül)«il Morgenstunden des 7. Juni in den Arbeilcrvicrleln mit ciiicni Aufgebot voll 2—3000 SA-Leuten eine umfassende Razzia veranstallci. Ganze Straßenzüge wurden abgeriegcl: und die .Häuser wurden von unlen bi» oben durchsucht; hiebei schreckte» die Nationalsozialisten vor. der Anwendung b r u ta l st e r E r P r e s f u u g de» Frauen und K i n d e r n g c g c n ü b e r sticht zurück. Die großangelegtc Aktion, die insgesamt sieben Stunden dauerte, hatte einen völlig negativen Erfolg; eS wurden weder Waffen»och Truk- kereianlagen gefunden, noch konnte Flugblattmaterial beschlagnahmt werden. Von deutscher Freiheit. Als„Freiheitsbewegung des deutschen Volkes" hat der werbende Nationalsozia- lismns sich angepricsen. Führt der herrschende Nationalsozialismus das deutsche Volk der Freiheit entgegen, ist tinn unter seiner Führung das deutsche Volk auf dem Wege zur Freiheit? Nach drei Monaten uneingeschränkter.Herrschaft der diktatorischen Mes- siasse, reich an nationalsozialistischen Taten und an grundsätzlichen Erklärungen verantwortlicher Wortsührer, ist diese Frage nicht bloß berechtigt, sondern sic kann auch schon beantwortet werden. Ist Deutschland inächliger, kraftvoller, .angesehener als vor dem nationalsozialistischen Machtantritt? Nein, Deutschland ist isolierter als je zuvor. Gefürchteter? Ja, das Deutschland Hitlers ist sicher gefürchteter als vorher '— aber man fürchtet es ungefähr so wie einen Störenfried, von dem man Unannehmlichkeiten zu erwarten hat, man betrachtet eS als einen„nnsicheren Kantonisten", man tränt ihm nicht. Und dabei hat doch Hitler in seiner Reichstagsrcdc wirklich so friedcnssäuselnd und so verständignngsbegcistert gesprochen, wie— ja, so weich, wie die„Novemberver- brccher" es nicht getan! Die haben männlicher, würdiger gesprochen. Aber: ihnen hat man 'Glo-l.cn geschenkt! Tenn daß die Sozialdemo kratcn grundsätzlich Gegner des Krieges, grundsätzlich Anhänger der Völkerverständigung sind, wußte alle Welt. Hitler aber hat gerade dieser Einstellung wegen die Sozialdemokraten maßlos beschimpft, er hat, solange er nicht an der Macht war, nnd tausend seiner maulgro- ßcn Agitatoren mit ihm, die Verständigungspolitik beschimpft nnd verhöhnt, er hat in seinem Buche„Mein Kampf" i>z blutrünstigen Worten zur„Abrechnung mit Frankreich" auf- gcriifcn, die„Vernichtung Frankreichs" gefordert! Dem Kanzler Hitler aber soll die Welt glauben, daß er nur an den Frieden denkt und an' nichts als den Frieden? Und sie soll (einen Friedcnswortcn glauben, wenn gleichzeitig an deutschen Universitäten Lehrstühle für Wehrwissenschaft errichtet, alle pazifistischen Bücher verbrannt, alle bekannten Pazifisten eingekerkert werden, die Schuljugend uniformiert nnd schon das Kleinkind militärisch gedrillt wird, wenn in den SA Formationen neben der Reichswehr eine zweite Armee anfgcstelli wird? Deutschland Hai allen moralischen Kredit in der Welt verloren, in einem Vierteljahr, und ist damit völlig vereinsamt, aber wahrlich nicht so, daß cs nun unbekümmert sagen könnte:„Der Starke ist am mächtigsten allein". Denn cs ist— nicht stark. Wahrscheinlich sind die neuen Herren Deutschlands doch klug genug— es gehört ja kein geniales Gehirn dazu, um so klug zu sein — um zu begreifen, daß die Erobcrungsphan tastereicn des sehr mittelmäßigen Schriftstellers Hitler von dem Kanzler Hitler nicht beachtet werden dürfen, soll nicht dessen Herrschaft niit dem Deutschen Reich in einem furchtbaren Ehaos»ntcrgehcn. Wenn Göring nach der Feststellung, daß im Grunde genommen nichts das deutsche uud das französische Volk trenne und an diese Feststellung den Wunsch knüpft, die beiden Staaten mögen miteinander verhandeln, so spricht er gewiß aus, toas notwendig ist. Aber: republikanische Politiker, die ähnlich sprachen, wurden solcher Worte wegen ermordet! Ermordet von Parteigenossen Hitlers nnd Görings! Und Göring soll mau nun mehr Glauben schenken als jenen? Und haben sich s o— als besonders eifrige Betonung der Friedetisgesinnung und der Verständigungsbereitschaft und als Bc- tcuernng derAbrüstungSsehnsucht— die Massen der Nationalsozialisten eine„kraftvolle", eine„nationale" Außenpolitik vorgcstellt? Ach, die nationalsozialistische Gefolgschaft Hai längst auch die eigene Freiheit des Denkens, sie hat das Denken überhaupt aufgcgsben! Sic wagt nicht,.Hillers Taten mit seinen Worten zu vergleichen! Sie wagt sich nicht cinzugestchen, daß die allmähliche Befreiung von mancherlei Härten des Versailler Vertrages, daß die„Befreiung von den Tributlasten" und daß aller Wiedergewinn Deutschlands an Weltgeltung das Werk derer war, die vor ihm regierten— daß sein Werk allein die'Verschlechterung der Stellung Deutsch lands in der Wcli ist! Daß auch das sein Werk ist, daß die Kluft zwischen Deutschland nnd Oesterreich so tief ist und so breit wie nie in den Jahrzehnten seit jcchsilndscchzig! Und ist'unter der Herrschaft der„starken Regierung", dc r c i n; c l n e D e n l s ch c freier geworden? Weder die Arbeiter, noch die Angestellten dürfen sich nach Bclie-- ben organisieren. Es gibt nur noch Zwangsgewerkschaften. Wie hätten die Nichtmarxisten gewütet, wenn ähnlichen Zwang je die Sozialdemokraten versucht hätten! Die Arbeiter dürfen nicht streiken. Die Beamten haben keine Personalvcrtretiingen mehr. Es gibt nichi einmal mehr eine wirkliche Gewcrbesreihcit, sondern die Willkür erpresserischer Kommissare regelt das Geschästslevcn. Es gibt keinerlei Versammlungsfreiheit, gibt keine Freiheit der Kritik. Und cs gibt keine Freiheit der Kunst. Ganz Deutschland ist„glcichgcjchaltet" zu einem ungeheuren Kerker.— Geblieben ist die Freiheit, Skat zu spielen nnd sich beim K e g c l s ch i e b e n z u Vergnügen. Doch muß man auch dabei sich vor unbedachten Worten hüten, weil, wo ihrer drei beisanunen sind, gewiß einer ein nationalsozialistischer Spitzel ist. Das war jahrzehntelang eine der beliebtesten Anklagen gegen die Sozialdemokratie, daß sie„a l l e s g l e i ch m a ch e n" wolle und man im Kampfe gegen sie die Freiheit der Persönlichkeit verteidige. Aber was ist alle der Sozialdemokratie von grundsätzlichen Nichtswissern angedichtete Gleichmacherei gegen die tatsächliche Gleichmacherei im Dritten Reich! Was ist zzegcn die Knechtschaft, in die jetzt jeder Bürger Deutschlands gczwunaen ist, die Dumpfheit des Vormärz, die Oedc and Engheit der Zeit deutscher Kleinstaaterei, die Bevormundung durch das Melkern i.hsrbe Svstem! Es war doch den Großen der klassischen deutschen Dichtung und Philosophie möglich, ins freie Reich des Geistes zu flüchten, nicht nur in einsamen Träumen,—'ne konnten drucken lassen, was im Hitler-Staat niemand zu drucken wagt, und es konnten Worte von deutschen Bühnen gesprochen werden, die heute jeder in zeiner Seele bewahren muß, da doch für jedes nichi dem Gleichschal- tnngsdiktat gcniäßc Wort das Konzentrationslager droht! Ta entblödcn sich die s» d c t c n d e n t- scheu B ü r g e r z e i l n n g e n nicht, gelegentlich zu erzählen, wie gut cs den Insassen der Konzentrationslager gehe— und zetern über„Verleumdung des deutschen Volkes", wenn andere Berichte in unseren Zeitungen die Idyllen zerstören. Tann schreit der snde- tcndcutjlche Kleinbürger-Chor über„G reue l- n a ch r i ch t e n"— und wird sich dabei dessen gar nicht bewußt, daß das allein ein nn- gehcncrlicher, in der ganzen Knlinrwelt Schaudern erweckender Greuel ist, daß Menschen ihrer Gesinnung wegen in Konzentrationslager gesperrt werden! Das zeigt den unheimlichen moralijchru Verfall des überwiegenden Großteils auch des sudetendeutschen Bürgertums und Kleinbürgertums, daß es diese völlige persönliche Versklavung aller, daß es diese Zertrampclnng aller Freiheit, daß ea diese niedrige, erbärmliche Gcsinnungsverfolgnng guthcißt, bejubel'! Warum, warum? Weil die neue Regierung „halt deutsch" ist, weil jede Schurkere'. jeder Ditzbstahl, jeder Mord an Arbeitern, Republikanern und Inden als„deutsche" Tal bezeichnet werden kann(denn das Volk ist.ja Sette 2 SamStag, 10. Juni 1938 Nr. 138 Wehrlos gegen solche Schändung seiner Ehr«!)? Weil„endlich der Klassengegensatz beseitigt und da» deutsche Volk zu einer Einheit zu« sammengeschwcißt ist"? Ja— da« ist der Urquell all de« Iultcl»: die Freude über die N i c de r k n ü p p e l u ng de r Arbeiter! Zwar ist auch der Bürger und Kleinbürger nicht frei, macht nicht-, wenn cs nur der gehaßte Arbeiter nicht ist! Wenn itur „der Klassenkampf aufgehört" hat. Er hat nicht aufgehört— er wird bloss einseitig geführt. Es ist augenblicklich alle Macht bei den Feinden der Arbeiter. Aber die Klassengegensätze? Der adelige Großgrundbesitzer, der an den Butterzöllen profitiert und der Arbeiter, der sich die teuere Margarine nicht mehr kaufen kann,— der Schwerindu- strielle, der von der erhofften Aufrüstung Prcsscdebaftc im Parlament NAdiste Woche sllzunQslrel. Prag, 9. Juni. Da« Abgeordnetenhaus zog heute die Kleine Preßgesetznovelle in Bcrhand- lung, vertagte jedoch nach fünf Rednern die weitere Tevatte auf Dienstag, den 20. ,'s uni, nm 3 Uhr nachmittags. Rcscrenl war Tr. Slransty. Er bcgiitn« bete die Zusammenfassung eines kleinen Teile» de« vorbereiteten Pressegesetze» in der vorliegenden Novelle und die vorläufige Zurückstellung de» übrigen Teilt» mit innerpolitischen Notwendigkeiten. Dir Novelle bringe unztveiselhaft eine gewisse Einschränkung der Presse; der Ausschuß sei daher' zu der Ueberzeugnng gekommen, daß e» für die Presse erträglicher sei, wenn die Gesamtregelung des Presserechtes einer Zeit überlassen bleibe, die nicht so stark wie hcute zur Berücksichtigung politischer Momente gezwungen ist. Die Pressefreiheit dürfe nicht mit Zügellosigkeit verwechselt werden. Namentlich dort, wo die Presse in den Händen p r i v a< t e r Unternehmer ist, ist die Pressefreiheit fein öffentliche» Zuteresse, sondern ein Privilegium der Besitzer der Notation»Maschinen; hier müsse die Pressefreiheit von einer gewissen Berantwortlichkeit begleitet sein; Demokratie ohne DerantwortungS- gcfühl sei nicht denkbar. Ten Reigen der oppositionellen Redner eröffnete wir gestern R a z u«(slowakische Rationalpartei); er befürchtet allerdings weniger vom Inhalt der Vorlage als von der Interpretation in der Präzis. Tivak l2lon>.) führt Klage über die unerträgliche Preßburger Zensur; es vergehe fast kein Tag, an dem der„Slowak" nicht konfisziert- werde. Tie autonomlstischc Bewegung in der Slowakei gewinne aber trotzdem an Boden. Dr. Bacher(AWA.) will wissen, welche politischen Gründe di« Vorlegung der gesamten Pressrreform verhindert haben; er anerkennt, daß da» neue Preßgesetz vom demokratischen Standpunkt ein bedeutender Fortschritt gegenüber dem jetzigen Zustand sei; der springende Punkt jede» Prcssesystema sei jedoch die Zensur. Während der Rede de- GcwerbeparteilerS Pekarck kommt es zu lärmeitden Auseinander, setzungen der Äewcrbepartciler mit den tschechischen Nationalsozialisten, die sich gegen Schluß zu erheblichen Krawallen steigern. Kurze ErnWIgunosdebaHe. . Prag, S. 3 uni. Im Senat wurde hcute gegen Mittag das Ermächtigungsgesetz in der unerwartet kurzen Zeit von einer Stunde angenommen. Der Rescrenl Havelka hob hervor, daß sich die Verhältnisse ständig verschlechtern und die Steuer- erträgnissc sinken. neue Großprofite erhofft und der Arbeiter, der keinerlei Lohnkainpf ntchr führen kanti— sie alle nun eine„Volksgemeinschaft"? Hitler Hai für eine gewisse Zeitspanne die Besitzenden„vom Klassenkampf befreit", und das tvar nur möglich, indem alle Freiheit erstickt lvurde. Aber die Klassengegensätze kann er nicht aufheben, die Klassendiktatur der Besitzenden, deren Vollstreckungsorgan der Nationalsozialismus ist, ntüssen sich ungeheuer verschärfen— und müssen zil einer furchtbaren Explosion führen, zu einer gewaltigen Klassenerhebung! Vor ihr mögen zittern, die Ehre und Freiheit, die alles preisgcgebcn haben, um den Profit zu erhalten. Die deutsche Frei» heit aber wird in diesem Klassenkampf neu geboren werden! In den ersten vier Monaten de» heurigen Jahre» sind di« Staatseinnahmen um mehr ak» Odo Millionen zurllckgegangen, dis Defizit« der stattlichen Unternehmungen haben sich in der. selben Zeit nm mehr al« 300 Millionen vergrößert, so daß da« Gesamtdefizit im ersten Ieihrc-drittel säst«in« Milliarde beträgt. In der Debatte gab Hllgenreiner namens der deutschen Einheitsfront eine auolog« Erklärung ab, wie gestern Dr. Luschka im Parlament; Dr. B u d o y (2low.) vergleicht die gegenwärtige politische Situation mit einem Lustspiel(!) und verliest eine Erklärung seiner Partei, in der Neuwahlen gefordert werden M i k u l i ü c k(Komm.) muß erst durch den Vorsitzenden zur Sache gerufen iverdcn, bevor er seine Ironisch sein sollenden Witzeleien über die Demokratie in unserem politischen Leben bleiben läßt. Tie Vorlage wurde dann in beiden Lesungen unverändert angenommen. Die nächste Sitzung wird auf schriftlichem Wege cinberufen werden. Sicherheit der Einlagen newSdrleftet. Bestimmt« Erklärungen Malhpetrs. Prag, 9. Juni. In der gestrigen Nachtsitzung de« BerfasiungsausschusieS de» Senates hielt Ministerpräsident Malypetr gegen Schluß der Debatte ein Exposä, in dem er— ähnlich wie den fclben Tag Dr. L e r n y im Parlament— gegenüber gewissen Gerüchten, die in der Provinz verbreitet zu sein scheinen, mit aller Entschiedenheit erklärte:* „Die Regierung hat niemals daran ge» dacht und denkt nicht daran, di« Einlagen an» zugreifen oder di« Einleger zum Zeichnen von Anleihen oder zur Zahlung irgendwelcher Abgaben zu zwingen; da» Ermächtigungsgesetz ermächtigt sie keineswegs zur Einführung solcher Abgaben oder Steuern. Ferner ist, war und wird nicht beabsichtigt, das Geschäftsgeheimnis der Geldinstitut« oder di« Vertraulichkeit des Geschäftsverkehrs aufzuheben. All« dies« alarmierenden Meldungen sind glatt« Erfindung««, di« nicht imm«r einem gut«« Wil» len entspringen. Zur Beunruhigung besteht kein Anlaß, zumal auch diese Beunruhigung letzten Endes immer nur dem Beunruhigten schadet." Verschärfung des 8 84 des Schutzgesetzes. Prag, 9- Mai. J>n Parlament wttrde heute ein Regierungsentwurf vorgelegt, der das Gesetz 1 zum Schutze der Republik in einzelnen Punkten novelliert; der Motivenbericht erklärt, daß die bisherigen Erfahrungen mit dem Gesetz gezeigt hätten, daß die Mittel, die es an die Hand gibt, in der außerordentlichen Zeit, die wir erleben, nicht auSreichen. Im Artikel I wird der bisher nur der Regierung, einer Nation oder einer nationalen Minder- Helt zustehende Scttzlh vor„öffentlichen Tchmähun gen in roher oder verletzender Weise" auf die 9t a t i o n a l v c r s a ni m l u n'g oder eine« ihrer Häuser, auf die Parlaments-Präsidien, Ausschüsie und Kommissionen ausgedehnt. Die zweite Ergänzung betrifft di« E i n st e l- lung periodischer Druckschriften nach 8 SS des Dchutzgesetzes, die bisher nur bei Anschlägen gegen die Republik und Gefährdung ihrer Sicherheit, Verrat eines Staats- oder militärischen Geheimnisse-, Aufwiegelung, Aufforderung zu Gewalttaten gegen einzelne Gruppen der Bevölkerung und Gutheißung gewisser Verbreche» nach dem Schuygcsey möglich war. Diese Serie wird nun erweitert aus: Aufreizung zum-Haß gegen einzelne VevölkernngSgruppen, Gründung von antistaatlichen Geheimorganisationen, Verleitung zu einem Militärverbrechen, unerlaubte Anwerbung von Soldaten und unerlaubte Berichterstattung über militärische Bewegungen oder über außerordentliche Vorkehrungen zur Aufrechterhaltung der Ruhe. Außerdem kann, ivenn dies der wirksamer« Schutz der Sicherheit oder der Würde der Republik, ihrer Verfasimrg oder des allgemeinen Frieden» erfordert, die Regierung durch eine vom Präsidenten der Republik zu genehmigende Verordnung aus die Dauer Höch st en« eines Jahres den Umkreis der Straftaten, derentwegen die Zulässigkeit der Einstellung einer periodischen Druckschrift (vom Gericht) ausgesprochen tverden kann, auf folgende Vergehen und Uebertretungen auSdehnen: Beleidigung des Präsidenten der Republik(unter erschwerenden Umständen), Ausreizung zu Gewalttätigkeiten gegen Einzelpersonen wegen ihrer Nationalität, Rasse, Religion usw.,-Schmähung der Republik und der Nationalversammlung, Aufsorderung zur massenweisen Nichterfüllung öffentlich-rechtlicher Erfüllungen, Aufreizung zu einem Verbrechen oder Vergehen, Aufreizung zur massenweisen Begehung von Uebertretungen, Billigung eine» Verbrechen», Verbreitung beunruhigender unwahrer Nachrichten, Behinderung der Ausübung der Rechtsbefugnisse de» Präsidenten, der Regierung oder der Nationalversammlung durch grob« Ungehörigkeit. Unter denselben Voraussetzungen kann di« Einstellung periodischer Druckschriften bei Tagblättern (bei mindesten» fünfmal wöchentlichem Erscheinen) aus drei Monat«, bei Blättern, di« wenigsten» dreimal in der Woche erscheinen auf sechs M o- nate verlängert werden. Die Regierung ist jedoch verpflichtet, eine solche Verordnung sofort der Nationalversammlung vorzulegen und sie auszuheben, fall» die Voraussetzungen nicht mehr vorliegen oder beide Häuser der Nationalversammlung mit qualifizierter Mehrheit si« ablehnen. In den Ständige« Ausschuß werden vom Senat al« Mitglieder, bzw. Ersatzmänner entsendet: Tsche- chische Sozialdemokraten: Dr. Soukup(Ersatz: Dr. Witt); tschechische Nationalsozialisten: Dr. Klon da(Dr. Vesely); BolkSpartei: Dr. Hru- b a n(Dr. Kara S); tschechische Agrarier: D o n a t (Dr. Botto), Nationaldemokraten: Navratil (Ersatz T h o f, Gewerbepartei); Kommunisten: Haken(Nedvöd)? von deutscher Seite wurden entsendet: Genosse Ni« ßnerals Mitglied, S t ö h r (B. d. L.) als Ersatzmann und Hilgenreiner (christlichsozial) al» Ersatzmann für den Slowakisch- Klerikalen Dr. B u d a Y. Koalition und Opposition sind also im Verhältnis ß: 2(im Ersatz 5:8) ver- • treten. Arbeftertum? Ole 1. Nummer der neuen NMl'dewerkschaftszeltung. Ein Kinoprospekt für«inen Nazi-Film oder ein Propagandatraktat für die TA? Beides nicht! Dio Bildbeilagen täuschen! Auf dem Umschlag des weißen Heftes steht in herausfordernden Lettern geschrieben:„A r b e i t e r t u m". Darunter„Blätter für Theorie und Praxis der nationalsozialistischen BetriebSzelleuorganisation, amtliches Organ des ADGB und des AFA- BundcS, Herausgeber: Reinhold Muchow." Herr Muchow stellt sich selbst auf einer Photographie im Innern des Heftes vor. Jeder Zoll ein Römer in voller Kriegsbemalung. Aber sei» Konterfei erfreut uns nicht allein. Eine Galerie bedeutender Zeitgenossen schaut uns mit dem eitlen Blick schlechthin überzeugender Bedeutungslosigkeit an. Da ist beispielsweise vorneweg Herr Dr. Robert Ley, der Mann nut dem ausgefallenen„v". Er wird als Stabsleiter der NSDAP, als Vorsitzender des Preußischen StaatsratcS und auch als— Führer der neuen Arbeitsfront vorgestellt. UnS bleibt nichts erspart: auf der folgenden Seite hören wir, wo» oieser Vorsitzende des.Komitees zum Schutze der deutschen Arbeit" zu berichten weih. Km ADGB hat cs 28 Hauptverbände mit 28 Vorsitzenden, 28 Kartotheken und 28 statistischen Abteilungen gegeben. Also weiß Herr Dr. Leh schon heut«, zwei Wochen, nachdem er mit brutaler Gewalt sich an die Stelle einer in jahrzehntelanger, mühseliger Arbeit mit ihrem Werke ausgewachsenen Fuhrerschicht gesetzt hat, daß achtzig Pro^nt der Verwaltungsmaschinerie abgebaut werden können. Dr. Ley bezeugt damit seine tiefe Unkenntnis vom Wachstum und Werden der deutschen Gewerkschaften. Aber wozu braucht er Kenntnisse, er hat ja andere Methoden zu arbeiten. Er appelliert an die„rauhe, aber gut gemeinte SA-Faust", die zugegriffen habe,„um dte Rechte der Arbeiter zu schuhen". Dr. Ley„garantiert" die Sicherung der Leistungen und, wie«ine Erläuterung dieser Garantie muten die soeben bekannt gewordenen Kabinettsbeschlüsse über die Durchbrechung deü Tarifwesens, die Arbeitsbeschaffung zu Erwerbs- losensätzen nebst heißer Suppenbeilage, die Auf» Hebung der Versicherung für die HauSangesteu- ten und schließlich auch die von ihm selbst gegeben« Ankündigung an, Abstimmungen werde eS im Innern der neuen„Arbeitersäulen" und „Angestelltensäulen", wie nian sich poetisch auS- zudrücken beliebt, nicht mehr geben. Dafür beruft Herr Dr. Ley einen„Arbeitssenat", in dem außer dem früheren, christlichen Gewerkschaftsführer Otte nur„Arbeiter" vom Schlage des Herrn Dr. Ley sitzen. Ihre Hemden sind braun, und ihre Herzen sind gelb. In einem bombastischen Aufruf wenden sie sich an die deutschen Arbeiter und Angestellten. Sie sagen:„Adolf Hitler ist dein Freund." Sie sagen nicht, daß er deshalb den Arbeitern die Gewerkschaft», und DolkShäuser gestohlen hat! Sie sagen:„Adolf Hitler ringt um deine Freiheit": Sie sagen nicht, daß er diese Freiheit bereits in seinem Parteistaate eingesargt hat! Sie sagen:„Adolf Hitler gibt dir Brot." Sie sagen nicht, daß«S klein und trocken sein muß, weil die Agrarier die Zölle schlucken! Aber dann kommt die Dolchstoßlegende. Und die Begründung für die Verhaftung und Mißhandlung der in jahrzehntelanger Arbeit ergrauten Gewerkschaftsführung:„UnS täuscht der schlaue Fuchs nicht. Lieber geben wir ihm«inen letzten Fangschuß, als daß wir jemals wieder dulden würden, daß er sich erhebe... Die Teufelslehre des Juden Mardochai(für solche, Eine Beichte. Von Theodor Pliv>er. (Fortsetzung.) Was sich auch ereignet, auf jeden Fall habt Ihr meinen Beschien nachzukommen!" Dann las er uns den KricgSartikel vor. Wir brauchten gar nicht zuzuyören. Vom Instrnktivnsunterricht wußten wir ja Bescheid: Mittelarrest, strenger Arrest, Festung Zuchthaus, Erschießen und so weiter. Wir denken überhaupt nicht an die entsetzliche Aufgabe, nur an die schwe- ren Strafen, die uns bedrohen. Beim Ausrichten sehe ich di« Gesichter von Jäckel Gleich und die Gesichter der anderen. Erst später wurde mir klar. waS alle diele Gesichter so gleichmäßig ausdrücklen. Es war die Frag«, ob wir nicht vielleicht mißbraucht werden sollten. Unterwegs habe ich diesen Gedanken ganz bestimmt gehabt. Ich iveiß noch, wie ich den Blick deS Leutnants gesucht habe, und das hat mich be- fchivichrigt. Leutnant Steinhäuser wird nicht zulassen, daß wir mißbraucht werden lagt« ich mir. Er tut weiter'nichts al» lein« Pflicht. Und schließlich verteidigst du ja auch hier dein Vaterland. Ja, so dachte ich damals. Wir laden und sickiern und setzen ilNS dann in Mavlch. Auf der Straße kommen wir an Matrosentrupps vorbei. Jeder einzelne iah uns an, da» glaubten wir ivenigstens. In unserer Kolonne herrschte eine gedrückte Stimmung. „Hoffentlich kommt eS zu nichts", sagt Dackel. Das ivar der Moment, als ich den Blick des neben der Kolonne marschierenden Leutnant» aus- sing, und ich gab Jäckel zur Antwort:„Wenn es doch zu etwas kommt, dann verteidigen wir oben auch hier unser Daterland." Der Bremer hinter mir lagt« ganz laut: »Was ander« sich«ingckbrockt haben, da» werden doch wir nicht ouslöffcln, natürlich wird gcschoj- sen." Ich glaubte, daß sonst niemand io gedacht hat wie er. An der^-Hoffnung" kommandierte der Leutnant Halt. Sie kennen doch die„Hoffnung", dieses große Bumjlokal an der Karlstraße. Fünf Straßen stoßen dort zusammen. Vor der„Hofs- nung" batten wir uns also aus, von der Litfaßsäule quer über den Tamm hinüber bis zur anderen.Häuserfront. Em Paar Neugierige sammeln sich an. Unser Leutnant schickt sie)veg. Sie gehen aber nur zur anderen Ecke, dort bleiben sie stehen. AtlS dem Kaiiercasö schauen em Paar Matrosen heraus und vevichwinden wieder. Die vont Hasen heraufsührende Straße macht einen Bogen, und wir können noch immer nichts sehen..- Aber wir hören cs näher kommen, die ailmarschierende Menge singt. Der Leutitant zieht semen Degen und gibt Befehl: „Taschen auf— Pistolen an— vorderes Glied kniet!" Das erste Glied macht einen Schritt vorwärts n>ch kniet nieder, das zweite tritt auf Lücke. Bor- schrtftsmäßig, wie wir es gelernt haben, halten wir die Pistolen gerichtet. ES waren die langen Parabellumpistolen 04, mit langem Lauf und Schulterstück. Plötzlich sind alle Straßenzüge verstopft. ES ist ganz still geworden. Die Menge ist da, sie singt nicht mehr. Ich höre ein Roullcaux krachend herunterfallen. Auf dem Bürgersteig steht der Leutnant. Hinter ihm an der Litfaßsäule klebt ein Plakat. Ich starre die großen Buchstaben an und lose: Zauberkünstler B«l l a ch i n i I Endgültig letzte Vorstellung im Gewerkschaft-Haus Zwischen uns und der Demonstration blieb«iu freier Ramn, und ich glaubte schon, aufatmen zu können. Doch da ging ein Schieben los, die hinten drängtcit nach. Ganz vorn ein Flandernniann und eine junch: Frau; sie war groß und hatte ein schwarzes Kleid an. „So sehen doch keine Verbrecher aus!" sagte ich mir. Langsam kommt der Flandernmann näher. Ich kann doch nicht auf ihn schießen und auf die junge Frau. Um> dann diese Ruf«: „Kameraden!" ruft der Flandernmann. „Brüder!" ruft die Frau. Und gleich hinterher: „Nicht schießen!" „Kommt zu uns!" Dazwischen unser Leutnant: „Zurück, ich habe Befehl, ich lasse feuern..-." „Hochhalten!" flüstert Jäckel mir'n diesem Augenblick zu. „Hochhalten", sage Ich zu meinem rechten Nebenmann, und der gibt es leise weiter. Di« Pistolenläufe heben sich merklich, und ich werde ganz ruhig. Das Gesicht unseres Leutnant» ist grau und verzerrt; man sieht ihm an, daß er denkt wie wir.. „fertig machen!" ruft er und fügt hinzu: „Wenn ich kommandiere, müßt Ihr schießen..." Da wußte ich, daß er sich M't sein.-n Worten nur Mut machen wollte. Auk zwanzig Schritte ist die Demonstration herangekommen.„Feuer!" kommandiert der Leutnant. Ein Höllengeknatter geht bei uns los. Mir«st furchtbar heiß und ich sehe nichts mehr. Ich weiß nur, daß ich eine«» Schuß nach dem andern löse. Nach dem fünften oder sechsten Schuh höre ich auf und frage mich, ob ich auch wirklich hoch gehalten habe. Ich will aufstehen, um dem hinter mir stehenden Bremer eine runter zu hauen. Der knallt immer»wch an meinem Ohr vorbei, ich muß den Kopf wegbiegen. Verdammter Kerl, der schießt mir noch von hinten in den Kopf, denke ich. Alles ist auseinander gerannt. Die Straßen sind nicht weit genug für die vielen Menschen. Die Schaufenster gehen kaputt. Und die Frauen schreien. Dicht vor uns liegt eine und wimmert. Ganz plötzlich hören wir es. Sie stützt sich auf die Arme und kriecht von uns weg. Nur ein Stück, dann bricht sie wieder Ssammen. Ich muß an die junge Frau in dem Warzen Kleid denken; sie ist nirgends mehr zu sehen..." Während der ganzen Zeit habe ich den Besucher nicht unterbrochen. Aber jetzt, wo er auch die eigentliche Tat in viele Einzelheiten und Nebenumstände zerlegt, dabei aber für sein eigenes Verhalten nur unbestimmte Ausdrücke findet, scheint eS mir an der Zeit, einzugreifen. Ich richte die Frage an ihn: „Sie haben also immer hochgeschosien?" „Ich hab« immer hochgeschosien," wiederholt er und blickt mir in die Augen. Ich glaube ihm nicht. Wir schweigen und blicken un» unverwandt an. Und dann bricht eS au» ihm hervor: „DaS ist es ja, um diese Frage habe ich mich immer herumgeloaen. Vierzehn Jahre und jetzt wieder. Und eS ist wahr, ich habe hinein» geschallen!" Da war«in Matrose, deshalb bin ich ja hergekommen, der mit dem schwarzen Wuschelkopf. In ihrem Buch habe ich gelesen, daß er Schorsch hieß und wa» er auf dem Schiff gesagt hat. Uno er hatte ganz recht. Sie schreiben, daß er klein war, aber ich sehe ihn riesengroß, ohne Mühe mit seinem schwarzen Kopf. Er war ohne Waffen, wäre er nur langsam herangekommen und nicht auf un» loSgesprunaen. Mir wurde kalt, ich weiß noch, wie mir die Zähne klapperten.(Schluß folgt.)' Nr. 186 TamStag, 10. Juni 1938 Seite 3 Helft den Opfern des Fascismus! An alle menschlich Fühlenden! An alle freiheitlich Denkenden! An alle Arbeiter und Angestellten! Tie Schreckensherrschaft des Hakenkreuz-FaseiSmuS in Deutschland hat viele tausend Arbeiter und Angestellte, Intellektuelle und kleine Selbständige aus Berns und Lebenssicherheit gerissen»nh ihnen nur die Möglichkeit des langsamen Verhungerns oder eines martervollen Dahinvegetierens in Konzentrationslagern gelassen. Marxi« stische Gesinnung oder Zugehörigkeit zum Judentum, ja selbst der bloße Verdacht republikanischer Ueberzeugung genügte, um Opfer der viehischen Brutalität brauner Horden zu werden. Nicht jähe Aufwallung nationaler Leidenschaften hat zu diesem Terror geführt! Ter Hakenkreuz-Fascismuü hat im Augenblicke seiner Machtübernahme mit der Ausführung seines Programmes erst begonnen! Die Greneltaten werden fortgesetzt, der Terror der Hakenkreuzler wütet mit kalter Grausamkeit weiter! Ein gewaltiger Aufschrei des Entsetzens und der Empörung ist nicht nur aus de» Herren der Arbeiter aufgestiegen, er hat sich erhoben in der ganzen gesitietcn Welt. Tie Zivilisation der Welt wendet sich voll Ekel und Entrüstung gegen die faseistische Barbarei, gegen die Folterung und Zutodemarterung wehrloser Menschen, gegen die Abwürgung aller persönlichen Freiheit, gegen die Niedcrtrampelung der Kultur. Abscheu vor dem Fascismus, Verurteilung seiner blutigen Willkürherrschaft dürfen sich nicht erschöpfen in protestierenden Worten, sie müssen wirksam werden in Talen! Die dringliche Tat, die von der Stund« geboten ist Hilfeleistung für die Opfer des deutschen Fascismus! Biele tausend Arbeiter und Angestellte und Intellektuelle, die den Schergen deS FaseiS- muß zu entrinnen vermochten, sind über die Grenzen deö„Dritten Reiches" geflohen, nm in einem demokratischen Lande, in freier Luft wenigstens vor der täglichen Bedrohung ihres Lebens gesichert zu sein. Viele kamen mit noch blutenden Wunden, die der Fascismus ihneu geschlagen,— kamen mit kaum vernarbte» Malen gransamster Miß» Handlungen, ihre Familien muhten die Flüchtlinge znrllcklassen, ihr« Kleider und ihre Wäsche, ihre ganzen Habseligkeiten. Nichts vermochte» sie zu rette», als das nackte Leben. Nun stehen sie, vertrieben aus der Heimat, der Familie und dem Berns entrissen, vor dem Nichts. Sollen sie nun Opfer des Hungers werden? Nein! Wir sind dessen gewiß: so groß wie der Abscheu aller anständigen Menschen vor dem blutigen Schrcckenöregimcnt der braunen Horden— s o groß wird ihre Hilfsbereitschaft sein! Tie Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei, die Freie» Gewerkschaften die Genossenschaften und die proletarischen Knltnrorganisationen haben erste Hilfe geleistet. Sic haben den deutschen Flüchtlingen über die ärgsten Nöte hin- weggcholfen. Aber noch immer wächst der Strom, der ans der verlorenen Heimat Fluchtenden. Die Arbeiterorganisationen sind außerstande, ihnen allen für die Dauer zu Helsen. So wenden sie sich denn an die Lessentlichkeit mit der Bitte, m i t z u h e l f e n bei der Fürsorge für die Opfer des braunen Terrors. Wir fordern alle Arbeiterorganisationen zu Sammlungen auf. Wir wisse», daß jeder Arbeiter, der nicht arbeitslos ist, gern von seinem bescheidenen Einkommen einen kleinen Beitrag leisten wird. Wir hoffen ober auch, daß unser Rus weit über die Reihen der organisierten Arbeiterschaft hinaus gehört werden wird. Wer mitzufühlen vermag mit den unsäglichen Leiden' der aus Deutschland Vertriebenen, wird gern mithelfen, diese Leiden zn lindern. Wer freiheitlich fühlt und denkt, wird denen, die Opfer der Niederwerfung der deutschen Frei heit, wurden, seine Hilfe nicht versagen! Wer sich der deutschen Kultur, die nun im Dritten Reich keine Heimstätte mehr hat, verbunden fühlt» wird denen, die mit ihr aus Deutschland verjagt wurden, freudig beistehcn! Hilfeleistung für die deutschen Emigranten— das ist zu höchster menschlicher Pflicht geworden. Und ist mehr noch: ist menschliche Ehrenrettung! Denn diese Hilfeleistnng zeigt, daß Achtung vor der Menschenwürde nnd Hochschätzung persönlicher Freiheit, daß deutsche Gesittung nnd deutsche Kultur und die deutsche Geistigkeit nicht erstorben sind, daß sie nur Gefesselte im„Tritte» Reich" oder auö dem braunen Deutschland Verjagte sind, daß nicht das deutsche Volk in Barbarei versunken ist, sondern nur von Barbaren vergewaltigt wurde,— daß gerade wir, durch Sprache und Kultur und Geschichte mit dem deutschen Volk verbunden, seine tiefste Erniedrigung schmerzlich miterleiden nnd deshalb unsere Empörung über das grausige Geschehen jenseits der Grenzen verbinden mit wahrer antisaseistischer Tat, mit der Hilfe für die Opfer des Fascismus! So groß wie der Abschen gegen den Fascismus muß die Hilfsbereitschaft für seine Opfer sein! Nieder mit dem Fascismus! Es lebe die Freiheit! Die Zenlralkommisslon des DeMen fiewerbsdiallsbandes. Der Parteivorsland der DeiMen sozlalitaoMisdien Arbeileraartei * H Wir bitten nm Geld- und Sachspenden tKleider, Wäsche etc.), ferner nm Kostplätzc nnd Freiqnartiere. Geldspenden werden durch die VertranenSlente der unterzeichneten Organisation mit offiziellen Sammellisten eingchobcn, können aber auch ans das Postsparkassenkonto Prag Nr. 45.4 17 sTcutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei) mit dem Vermerk„Fliichtlingshilfc" eingczohlt werden. Sachspenden bitten loir bei den Vezirksorganisationen der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei zn hinterlege», wo auch Kostplätze und Freiquarticre gemeldet inerten können. Athener Polizeipräsident Anstifter des Attentats auf Venizelos. die e« nicht wissen sollten: mit diesem Namen schmückt man die ehrwürdige Gestalt von Karl Marx!), soll elendiglich auf dem Schlachtfelde der nationalsozialistischen Revolution krepieren!" Ist das nicht eine erhabene Sprache? Zeugt sie nicht von hoher Kultur und tiefem Verständnis? Man könnte sich denken, daß auch Herr Doktor Ley, ähnlich wie hoffnungsvolle Jünger der nationalsozialistischen Wissenschaft, die Schrift „lieber den historischen Materialismus" mit dem Bemerken vor dem Autodafä retten wurde: „H i st o r i s ch e Schriften interessieren uns nicht!" Herr Dr. Ley wird stellenweise lyrisch.„Ich bin ein armer Bailernsohn nnd kenne die Not...". Die Not scheint ihn jedenfalls erfin- derisch gemacht zu haben. Denn gehört nicht schon ein gutes Stück Gerissenheit dazu, beim Bankhaus Stein in Köln sich sechzigtau- lend Mark auf Pump zu besorgen und sie dann nicht z u r ü ck z u z a h l e n? Man sieht, Herr Dr. Ley betreibt oie Expropriation der Ey- propriatcurc auf seine Weise— durch Schulden machen. Mit einem Satze nur mag er recht haben:„All, überall Feiertag!" Der Auslandsboykott wird, trotz der kommenden Inflationsspritzen, diese Worte vielleicht schneller als er ahnt, in den gleichgeschalteten Betrieben zur Wirklichkeit werden lassen. Auf dem Bilde von der Lustgarten Kundgebung am 5. Mai sieht ein großer Teil der Versammlungsteilnehmer so aus, als ob er innerlich schon von dieser rosigen Perspektive fest überzeugt ist. Darum schmettert ei» Herr Walter Schumann markige Worte an seine ArbcitSkamera- den:„Würden wir den Arbeiter betrügen, dann gebührte uns die Kugel." Vielleicht ist sic schon gegossen, Herr Schumann! Nach dem bereits charakterisierten Herrn Muchow, der allerhand Gelöbnisse uolcgt, die zur bisherigen Praxis des Nationalsozialismus passen wie die Faust aufs Auge, erscheint Herr Hans B i a l l a S auf dem Plan. Sein Gesicht würde in jeder sogenannten Bonzengalerie einen Ehrenplatz einnehmen dürfen, ja es mnß zur Ehre der deutschen Gewerkschaften aller Richtungen gesagt werden, daß ihre Köpfe neben dem des Herrn BiallaS,(früher Reklamezeichner und Pressechef, lies: Reklamechef für das„Arbeitcr- tum"), sich ausnehmen wie giit gemeißelte Bronzebüsten neben einem verguollenen Gipsschädel. In der Mitte des Heftes ist eine illustrierte Seite über den 1. Mai. Alles in Uniform, keiner in Zivil, zwei Bergleute im Schmucke langer Ordensketten werden bei der Abspeisung vorgeführt, und im übrigen sieht alles, abgesehen von dem fetten Bäuchlein des„Hauptsachgrup- Pculcilcr" Pg. Gien nach Tschindarassa und Bumbum aus. Nachdem noch ein Herr Wolter definiert, daß daS Glück int Herzen und die Sorge für die Seinen Sozialismus sei, ist' der Kops des Lesers genügend umnebelt, um schmutzige Anwürfe gegen den Vorsitzenden der Holzarbeiter T a r- n o w, gegen 2 ch e i d e m a n n und den Hanpt- kassierer der Arbeiterbank Engelhardt widerstandslos über sich ergehen zu lassen. Bon den Gewcrkschaftssührern wird schließlich erklärt, „eine Kaste»lachte sich oben breit, die in Vollere! und Verschwendung s s u ch I die Monierender ü b e l- st e n F i n a n; g a u n e r noch übertraf". Wie verlogen man beim Beweise vorgehl, erhellt aus dem Abdruck zweier Karten auS der einst vorbildlicheil Bnndcsschule der Gewerkschaften in Bernau, wo zwei Proleten ihrer Freude ausdruck geben, gut verköstigt zu werden. Wer Bernau kannte, weiß, daß dort alles andere herrschte denn Böllerei, wohl aber ein vorbildlicher Geist der Wissensbildnng und Gemeinschaftsarbeit. Der neue Leiter der Schule,„Pg." Schrei- t e r, wird allerdings dafür sorgen, daß„nicht »ehr das Fressen die Hauptsache ist". Aus dieser edlen AusdruckSweise kann»lan schon aus den neuen Geist schließen, der hier Einzug halten soll. Tie Schrift endet in Anzeigen für Zahnpasten und Zigaretten.„Regiedrama" heißt die eine Marke,„Bolksdienst" die andere. Gan; symbolisch! Sie reden von„Bolksdienst", aber das Ganze ist doch nur ein Regiedrama! Wann wird das deutsche Volk dieser schmutzigen Schmierenkomödie ein Ende machen? Wann wird aus dem gleichgeschalleteu„Arbei- tertum" wieder eine Arbeiterbewegmig erwachsen? Tann, wenn die Arbeiter merken, daß der Sah, den mit einer Ironie, die sie selber trifft, die Herreir der Gewerkschaftsokkupationsaruicc zitieren, zu Recht besteht:„W o Nazis Einfluß gewinnen, gehen die Tarife zum T e u f c l!" Vaugolns Sdiutztruppc nldii mehr vcriaoiidi! Wien, v. Juni. Der Polizei sollen, wie die Blätter erfahren, bei de» Hausdurchsuchungen bei Mitgliedern der NSDAP, auch ausführliche Listen der Mitglieder des deutschen Soldatenbunde» von ganz Oesterreich in die Hände gefallen fein, so daß die Erhebungen auf alle Landeshauptstädte nnd sonstige Garnisonen ausgedehnt worden seien, in denen sich Ortsgruppe» des Soldatenbundes befinden. Im Zusammenhänge damit glauben einige Blätter zu wissen, daß die Auslosung des deutschen Soldatenbundes beschlossene Sache sei. Die Wiener Polizei nahm heute weitere Durchsuchungen in Wiener Kasernen vor nnd verhaftet« neuerlich eine Reihe von Soldaten und Ilnterossizieren, die in der nationalsozialistischen Bewegung tätig sind. In der Provinz wurden heute neue Durchsuchungen vorgenommen. Athen, 9. Juni. lReuter.) Die sensatio- nale Meldung, wonach gegen den Direktor der Athener Sicherheitspolizei P o l y ch r o n o p» l o ei» Hastbesehl erlassen wurde, wird von der össentlichen Meinung lebhaft kommentiert. Der Hastbesehl wurde bekanntlich im Zilsamnienhaug mit dem Anschlag gegen Venizelos erlassen. Der Ministerpräsident Tsaldaris hatte die Berhastung aller in das Attentat verwickelten Personen ohne Rücksicht darauf angeordnrt, ob sie öffentliche Stellen, nnd seien es auch die höchsten, bekleiden. Der Beamte, der den Haftbefehl unterzeichnet«, verweigert jede Auskunft. Auch gegen zwei weitere Beamte der Athener Polizei wurde unter der gleichen Beschuldigung ein Hastbesehl herans- gegebe». Alle drei Polizeibeamten wurden bereits verhaftet. In Athen herrscht Illuhe. Man nimmt an, daß hinreichende Maßnahmen getrosscn wurden, nm den Versuch eines Staatsumstnrzeü hinton- znhalten. Der Vorsitzende der Regierung Tsaldaris änßerte gegenüber dem Vertreter der hiesigen Presseagentur, daß die Ruhe absolut gesichert sei. ■ Die Führer der Opposition veröffentlichten »ach einer Zusammenkunft bei Venizelos in der Nacht eine Proklamation an ihre Anhänger, in der sie diese aussordern, sich aller Demonstrationen zu enthalten und Ruhe zn bewahren. Ein nettes Sttmmdien! Berlin, 9. Juni. Wie daS Contibureau erfährt, sallen unter den Transserausschub, d. h. den Aufschub der Zins- und Amortisationszahlungen, ausländisch« Kredite von rund 18 bis 16 Milliarden Reichsmark. Ter deutsche Schuldner hat bei vertragsmäßiger Fälligkeit, in Mark zu Gunsten deS ausländischen oder saarländischen Gläubigers an die K o n v e r s i o n S k a s s e für deutsche Auslandsschulden zu zahlen und wird dadurch von seiner Verpflichtung frei. Die Bestimmung gilt nicht für Guthaben, Kredite, Anleihen usw., die nach dem 15. Juli 1931 in daS Inland geflossen sind. Ter ReichswirtschaftSmini- ster kann im Einvernehmen mit dem ReichSbank- direklorium Ausnahmen von diesem Gesetz znlassen. Tontesdiiciit. h. b. In Mitteldeutschland liegt die Hüttenort L a n g e l ü h e i m. Tort wohnte der Postbeamte G r o l e h c n n. Er war als Frontsoldat zur Sozialdemokratie gekommen und wurde nach den« Kriege einer der eifrigsten ehrenamtlichen Funktionäre. Ten Kampf gegen den Fascismus führte er ruhig, und sachlich, aber unermüdlich. Ter Haß gegen ihn wurde von verantwortungslosen Elementen so lange geschürt, bis eine verhetzte Meute jugendlicher Nationalsozialisten über ihn herfiel. Man veranstaltete eines Tages eine Jagd auf ihn, bis man ihn in seine Gewalt bekam. Mit grausamen Mißhandlungen sollte er gezwungen werden, feine lleberzeugung abzuschwören. Als er sich weigerte, das zu tun, schleifte und trat ihn die entmenschte Horde zu Tode. Als der schwerkriegö'beschädigte Genosse unter den grausamen Mißhandlungen zusauunenbrach, hob man ihn hoch und warf ihn so lange mit aller Wucht auf die Erde, bis er im Sterben lag. Trotzdem der Gepeinigte vor seinem Tode einige seiner Mörder namhaft machte, hat man von einem Gerichtsverfahren gegen die Bestien nichts gehört. „Aul 6er fluch!“ erschossen! Karlsruhe, 7. Juni. In der vergangenen Nacht wurden im K an zentral ionslager Heuberg (Wür lein berg) zwei politische.Häftlinge bei einem angeblichen Fluchiv esn>l> erschossen. Tie Rainen der Betreffenden und die näheren Taiumstände find zurzeit noch unbekannt; die Lagerverwalluug verweigert jede Auskunsl. Sine Presiellage des Herrn Dr. Stradal. Freispruch unseres Verantwortlichen Redakteurs. Prag, 9. Juni. In der„Freiheit" erschien am 21. Mai 1933 ein von Gr». Ernst Thön er verfaßter Bericht über eine jüdische Mauisesta- lionsversannnlnuq, welche in Teplitz statigesunden hatte. In diesem Berichte wurde die Haltung der bürgerlichen Presse und der bürgerlichen Oeffeni- lichkeit zu den Ereignissen in Deutschland kritisiect nnd u. a. das Folgende hehauptet: „Jedes kleinste Bürgerrecht wurde in nie dagewesener llngehenerlichkeit mißhandeli— und das gesaiule Bürgertum der abendländische»„Kulturwelt" sah nicht und Hörle nicht und im stolzen Eichenwald seiner Zeilnngen regle sich kein Blatt!!" Der Teplitzer Advolat Tr. Karl Heinrich Sira dal fühlte sich durch diese Beiuerkung in seiner Ehre verletzt und schickte unsereni ver- anlworllichen Redakteur Gen. Dr. Strauß eine Berichtigung, in der er erklärte, dies? Behauptung sei unwahr, iuahr sei dagegen, daß Herr Tr. Slradal in der„Landpost"» in den Zeitungen des WolsverlageS und im„Teplitz Schönauer Anzeiger" verschiedene Art kel veröffentlicht habe, in denen er gegen die in Deutschland vorloniineude Mißachtung der Freiheilsrechte und des Grundsatzes der Gleich lreit vor dem Gesetze protestiert lmt. Tie Berichtigung des Herrn Dr. Slradil wurde nicht veröffentlicht, weit er zur Eiusendung dieser Berichtigung nicht legitimiert War und doch u'chl jeder, der irgendtvo und irgendwann etwas gegen die deutschen Verhältnisse geschrieben haben will, einen Rechtsanspruch darauf hat, daß dies alle Zeil konstatiert werde. Herr Dr. Stradal überreichte daher gegen Gem Dr. Strauß eine Klage, über welckw gestern beim Strakbezirksger chtc in Prag vor dem Bezirksrichter P ernt verhandelt worden ist. Der Vertreter des Herrn Dr. Stradal. Doktor R a d i m s k y. berief sich aus die Aussührungen der Klage, in d.nen iiuter Hinweis darauf, daß Dr. Stradal'm Tepl'tz als Advokat und Schris:- steller tätig ist. versucht Wird, seine Legitimation zn einer solchen Berichtigung zu begründen. Ter Verteidiger des Gen. Tr. Strauß, Gen. Dr. S ch>v e I b verwies auf eine Reihe von Cntscl-eiduugen des Obersten Gerichtes, die den Standvuuki des Klägers als unbegründet erscheinen lassen. Ter Richter iällte hieraus das Urteil, nut w.lchem Gen. Dr. Strauß f r e> g e i P r o ch e n und Herr Dr. Tiradal zum Ersatz der Kost e n v e r u r i e i l, wird. Der Vertreter des Klägers meldete die Berusung an. Seilt 4 Samstag, 10. ft uni 1988 Nr. 188 FriedrichsWen-Mauirrika in SS Stunden. Rekordflug des„Graf Zeppelin". Hamburg, 9. Juni. Tas Luftschiff„Aras Zeppelin" hatte in der Rekordzeit von 85 Stunden nach dem Start in Friedrichshafen Südamerika erreicht. Die Weiterfahrt nach Rio, die dortige Landung und die Rückkehr nach Pernambuko find, wie die Hamburg-Amerika-Linie mitteikt, glänzend verlaufe». In Pernambuko erfolgte die Landung heut« morgen um 5 Uhr m. e. Z. Rach Ergänzung von Betriebsstoff und BetriedSgaS wird der StartnachE uropa heut« um 28 Uhr stattsinden. Die Wetterlage wird vom Seeslugreferat der Deutschen Seewarte günstig beurteilt. utiiiniiininiiim Parlament der'tschechische Genosse Iä 8 a. Die Kundgebung Dr. Rosches, erklärte der Redner, sei von der ganze»» so;ialistisck;en Presse al« unerhört gebrandmarkt worden. Rosche hat im Name»» aller nationalen deutsck)«»» Parteien den tschechischen Agrariern und den tschechischen Nationalsozialisten den gemeinsamen Kampf gegen die Sozialdemokratie in diesem Staate angebotcn. Offenbar sah er das deutsche Beispiel vor sich. Tr. Rojchr sicht aber auf d»c Verhältnisse int tschechischen Lager durch die Brille», der H a k c n k r e u z l c r; die Ercig- nisie ai» den Grenzen Wirten st'doch gerade u m- gekehrt aus die innere»» tjchcchisck)en Verhältnisse. Wie die Loyalität der nationalen deutschen Parteien auSsieht, das bezeugen die antistaatlick)en Flugblätter in den Grenzgebieten, die Verhältnisse in Hultschin, dir Reden Tr. Schollichs in Teutich- land us»v. Tie gesamte tschechische Oessentlichken habe sich zu dem Angebot Rosches sehr reservier» verhalten, ebenso wie sich ganz Europa sehr reserviert gegen die Friedenskundgebungen Hitlers verhalte. Die Politiker aus tschechischer Seite, die gewisse Neigungen zeigen, daü deutsche Beispiel bei uns nachzuahmen. sollten dock) lieber erst die Ergebnisse des DiklaturregiincS in Tcutschland abwarien, das nur vorübergehend sein kann. Razi-Kreiosekretär verhaftet. Im Kicissekre- tariat der deutschen nationalsoziallstischen Partei in Mähr.-Ostrau»vurde Freitag vormittags eine Durchsuchung vorgenoinmen, nach deren Beendigung der Kreissckrctär Albert Smagon verhaftet u»»d in Gerichtshast cingeliescrt wurde. Gegen Smagon»vurde die Strafanzeige au Grund der Paragraphen 2,l4/1 u»»d 17 de« Gesetze- zum Schutze der Republik erstattet. T agesneuigkeiten Den Schwager erschossen. Kladno, 9. Juni. Donnerstag früh hörte der Bergarbeiter jivejear in Bratronice bei Rakov« nik in dein Hause des Landwirtes Franz H o l y einen scharfen Streit und gleich daraus mehrere Schüsse. Er»nachte daraus einige Nachbarn auf- merksam, di« in den Hof eindrange»» und dort den 82jährigen L e p Pele, den Schwager des Holy, mit vier Schußwunden tot auffan- dcn. Ter 41jährige Franz Holy, Vater vo»» sechs Kinder»», erklärte bc» der Gendarmerie, er habe mit seinem Schwager einen Streit gehabt und diesen hierbei nicüergcschollen- Es wurde fcstgc- stellt, daß Pele beide Arme u»»d das G c- i i ch t durchschossen hat soivie eine schwere Schußwunde in der Schläfe auswies. Holy»vurde verhaftet und iit das Pan- krazcr KreiSstrafgericht eingcliescrt. Holy lebte mit seinem Schwager»vcgcn der Auszahlung des Ansgedingü, das Pele auf dem Hof Holyü genoß, ständig in Streitigkeiten. Kine Tongruve stürzt ein und tötet fünf Kinder und«inen Arbeiter. Sofia, 9. Juni. Bei P l e w n a in Nord« bulgarien stürzte«ine tunnelförmig angelegt« Tongrube, in der zwei Arbeiter beschäftigt waren, in dem Augenblick ein, als z e h n i n d« r Rah« spielend,« Kinder den Tunnel be» traten, um den Arbeiten zuzusehen. Trotz der sofort ansgenommcuen Rettungsarbeiten konnten «in Arbeiter und fünf Kinder nur noch als Leichen geborgen werden. All« übrigen wurde« in besorgniserregendem Zustande ins Krankenhaus gebracht. Die Rotter-Mörder kommen mit kleinen Strafen davon... Vaduz, 9. Juni. Im Rotterprozeh wurde am Donnerstag Wend das Urteil verkündet. Der Angeklagte Schadler wurde zu 12 Monaten Ker. krr, Rheinberger zu 9 Monaten, Frommelt zu 8 Monaten und Röckler zu 4 Monaten Kerker verurteilt, wobei die verbüßte Untersuchungshaft in die Straf« eingerechnet wird. Die Entfchädi- gungSaufprllche Fritz RotterS-wurden auf den Zivilrechtsweg verwiesen, wogegen di« Ansprüche der Frau Wolf teilweise gutgeheißen wurden. SchMatastrophe». Kalkutta, 9. Jur»».(Reuter.) Zwei Fracht- schiffe, die sich auf dem Wege nach Kalkutta befände»», sind in schwerem Sturm gekentert- Von den 19 Mann der Besatzung der beiden Schiffe werde» elf vermißt. ES wird bc- sürchtct, daß sie in den Wellen uingekommen sind. Calais, 9. Juni. Der französische Kanaldampfer„Cotc d'Argcnt" stieß mit dem schwedi- schen Tantpfer„Clive" zusammen. Der französische Dampfer, dessen Vordersteven wcggeris- sen»vurde, konnte rnit eigener Kraft in den Hafen zurückkchren. Zwei Matrosen deü schwedische»» Schisses und ein Matrose des französischen Dampfers wurden verletzt. Matter« fetzt seine« Dellflug fort. Moskau, 9. Juni.(Reuter.) Aus Belowo läuft die telephonische Nachricht ein, daß Mattern die Rcparaturarbcitcn an seinem Flugzeug beendet hat und heute früh 4 Uhr ttt Belowo bei Prokopiewsk zum Weitcrslug mach Krasnojarsk aussticg. Von dort ist er vormittags kurz vor 12 Uhr nach Tschita gestartet. Lao lärmlofe Auto. New Jork, 9- Juni. Auf der Brocklyn-Bahn wurde gestern den Vertretern der Presse das ne»re„lärmlofe" Autoniobil vorgcführt, das Superkoinfort-Pneumatikcn aus nichtvulkani- sicrtcnl Kautschuk besitzt; zwischen den einzelnen Bändern der Federung befinden sich Guinmi» Einlagen. Für Versuche mit diescin Wagen wurden eine halbe Million Dollar aufgewendct. Der Wagen überrascht durch seinen vollständig lautlosen Gang nnd durch das vollstäitdig larnilose System der Schnelligkeitsauswechslung. Der zerschlagene Heros. Tatsächlich nicht nur geschlagen, sondern auch Physisch stark ramponiert, um daS schöne Wort vermöbelt nicht zu gebrauchen, hat eine der Höff- »iungen des Dritte»» Reiches das Kampffeld in New 4)ork verlassen. Max S ch n» e l i n g, der deutsche Schwergewichtsboxer, wurde vor 65.000 Zuschauer»» von den» Kälifornicr Max Baer»»ach zehn Runden durch technische»» k. o. besiegt. In andern Zeit«»» wäre dies ein Boxkampf gewesen wie a»»dcrc auch. Widerlich durch die Geschäftstüchtigkeit der Veranstalter, welche die Boxer heute In die Arena schickt wie vor ztveitausend Jahre»» die Sklave»» vorgcführt wurden. Und ebenso widerlich durch die Hysterie der Zuschauer, die an blutenden Rasen und zerdroschene»» Gesichter»» ihre dunklen Instinkte auütoben. Für die Presse Dcutschla»»ds war dieses Boxnwtch auch noch Gelegenheit, die Aufn»erksan»kcit von andern wichtigere»» Dingen abzulenken. In spaltcnlangen Artikel»» wurde»» die Vorbereitungen zu»»» Kampfe geschildert, nichts war zu gering, um nicht berichtet u»»d mit alle»» Finessen auSgvschmuckt z»» werbens Für so ei»»e Sitzung ii» Genf, in welcher Deutschland nntcrlag, bliebe»» dann nur ein paar Zeilen, irge»»dtvo im Ji»ner»r des Blattes versteckt, übrig: die Ehre Deutschland-' lag i>» der Faust Schnielings und sein Sieg»väre, wie früher schon, als nationaler Triumph gefeiert worden.— Die Niederlage wird die Anbeter der Faust jetzt doppelt schwer treffen. Die Petition Bernheim konnte man entstelle»» oder »»»»lügen, aber k. o. ist eben k. o. und tonn von einem ganzen Propaga»»daministeriun« nicht wrgdisp»»tiert werden. Ein geradezu schauderhaftes Pech deü gleichgeschaltete»» deutschen Sports— der alle Marxisten, Republikaner u»»d Juden ausgeschlossen hat — ist es aber, daß Schnielings Besieger ausgerechnet ei»» Jude ist.„Der Jude Bernheiin siegt in Genf!" hat gestern der„Tag" gejammert, der zuin Unterschied von den Nazis in» Reiche die Wahrheit zugcben mußte; heute hätte er einen gleich schönen Titel: „Ter Jude Baer siegt in New Zork!" Hakcnlreuz-Absuhr in Brüssel. Am Diens- tag dieser Woche— so berichtet der Brüsseler „Peuple"— tauchte in den Hauptstraßen der belgische»» Hauptstadt ein Mann aus, der am linken Arm eine Binde mit dem Hake n- kreuz tnig- In» Nu war er von einer Gruppe Menschen umririgt, die ihn äusforderten, das Hitler Abzeichen abzunehmen. Da der Deutsche sich weigerte, gingen die Umstehenden, die von allen Seiten Silkkurs erhalten hatten, eben daran, den» Hillermann eine kleine Belehrung zu erteile»». In diesem Augenblick fuhr eil» Auto- bns»nit etiva zwanzig Schutzleuten vor und brachte dei» Bedrohten unter dein Hohngcschrei der Menge aus die Wachstube. Wäre die Polizei nicht dazwischen getreten, so wäre der Mann— so berichtet der„Pcuplc"— zweifellos von der entpärten Menge gelyncht worden... Professor Eydoux begnadigt. Die sranzo- lischc Presse verzeichnet mit Befriedigung oie Nachricht aus Rom, wonach der italien-sche König den Professor der Technischen Militär- schule Eydoux begnadigte, der int September des Vorjahre« in Jtalie»t verhaftet uno Heuer zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt»vorder» war und zwar wetzen Spionage, da be:»hm' Pläne von Brucken und Straßen u. a. gesunden worden waren. Dem Prof. Eydoux wurde ausnahmsweise gestattet, einig« Tage in Rom zu bleiben und unter Aufsicht die Stadt z»» bcsichtigen. Frauen und Kinder als Geiseln. Dem Geheimen preußischen Staatspolizeiamt ist es bis heute nicht gelungen, das Gros der führenden Funktionäre der kommunistischen Organisationen zu verhafte»» und cimusperren. I»» den letzten Wochen versucht die Pouzei auf einem anderen Wege zu ihrem Ziele zu kommen: Sie verhafte» die Frauen der Funktionäre und wils deren Kiirdcr in Waisenhäuser unterbringcn. In dem Fraucngcfängnis in der Barnim Straße(wo auch Rosa Luxemburg saß) u»»d im Polizciprä. sidium Berlin sitzen zu Dutze»»den solche Frauen, gegen die man keine Anklage erheben kann— es sei die, daß cS der Polizei nicht gelungen ist, ihre Männer zu verhaften. ReichSwehr-Major in der japanischen Arme«. Am 6. Juni traf in Tokio der Major der deutschen RcichSIvchr, Ott, ein. Er will das japa- nischc Heerwesen„studieren"- In der nächsten Zeit begibt sich Ott nach der Mandschure»,' um sich dort„nrit der Lage bckanntzumachcn". Wahrscheinliche« Wetter von heute: Veränderlich, »och immer strichweise Scha»»er oder.Gewitter, untertags etwas wärincr, Wind vorwiegend nordöstliche- Richtung. Vorn Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programme«. Samstag. Prag: 6.00 Gymnastik. 12.10 Schallplatten.>8.25 Deutsche Sendung: Lieder und Rezitationen. 21.00 Bumer Abend aus Mähr.-Ostrau.— Brünn: 17.10 Schallplatte»». 18.23 Deutsch« Sendung: Schlage» lieber. 22.13 Heiteres Nachtkonzert Frauen», Jugend-, Kinderfunk: Leipzig 14.43 K i n- der stunde; Königswustevhausen 15.00 Ainder- bastelstunde; Berlin 15.20 DaS Kinder» zimmer; Mühlhausen 15.80 I u g« n d st u n d e. — Konzerte: Hamburg 20.00 Brahms; Leipz'g 21.15 Chorkonzert.— Opern: Wien 19.25 „D a- R h«i n g o l d" von Wagner; Hiwersum 21.40„M a r l h a" von Flolow. Sonntag. Prag: 6.30: Gymnastik. 9.35: Kammermusik. 13.45: StellungSlosensürsorge. 17.30: Schallplatte». 18.00: Deutsche Sendung: Edwin Janetschek: Borschau auf das Musikprogramm der tschechoslowakischen Sender.— Brünn: 16.00: Militärkonzer«. 18.00: Deutsche Sendung: Konzert. 19.00: Bolkskonzert.— Preßburg: 2000: Die drei Musketiere.— Hörspiele: München 18.00: Die K r e u- zelschreiber von Anzengruber; Hilversuin 19.20: Kästner-Nick: Leben in dieser Zeit.— Konzerte: Hamburg 20.00: Heitere« Konzert; KöniftSwllsterhausen 20.00: Orchrsterkonzrrt; Frankfurt a. M. 20.30: Orchcstcrkonzer«.— Opern: Wien 18.35: Die Walküre, Oper von Wagner. QUiiiiiiiiuiniijiiiiiiiiiniiiiiiiiiimiuiiiiiiHniiiiiiiuiuiiiiiiiiiiiinuiiiimiiHiiuiniuiuuiiiuiiiiuiuuiiunuunniuniiiuuinmiuiuiiiiniimiiHiiiiuiiiiiuiiimiiiumnnnmimiuiiiHiiiiiiimiiimiiiiHiiUHiin Aus dem Lande der lotgemarterle« Seelen und Körper ökWM Skl MMMMM MM MM PW. Folgende Meldung, in dem nüchternen Lapidarstil-es Wolff-Büros, wirkt wieder wie ein Blitzstrahl über und aus dem Tcu:schland HitlerS: München, 9. Juni.(Wolff.) Die sozialdemokratisch« Reichstogsabgeordnete Antonie Pfülf hat sich mit einem Schlafmittel vergiftet. Sie wurde gestern in ihrer Wohnung in der Kalkbachstrahe bewußtlos aufgesunden und in das Schwabmger Krankenhaus gebracht, wo sie noch am gleichen Tag« starb. ♦ Worum Genossin Pfülf Hand an sich gelegt hat, wird in den Ein^lheitcn ebenso vielleicht niemals ganz aufgeklärt lverden, wie cs ft»» Hauptmotiv und in der Wurzel des tragischen Geschehens zu Tag« liegt, trotz oder eben lvcgeii der lakonischen Kürze der Wolffbüromcldung; Genossin Pfülf starb, so wie Ungezählte vor ihr, unter dem Menschen» mordenden Druck des deutschen FascismuS. Wie, durch welche Personen, unter wetchen näheren persönlichen Umständen diese Frau, eine der besten und bekannteste»» unter de»» sozialdemokratischen Führerinnen Deutschlands, in den Tod getrieben wurde, diese wahrhaftig nicht nur kriminelle Frage tritt dennoch zurück vor der Tatsache, daß Genoss»»» Pfülf eben zu jenen gehörte, d i c u n t e r den» Fa sc i Sinu S einfach nicht leben können. Schon Im Mai hatte sie einen Selbstmordversuch uuiernommen— ihr soziales, ihr menschliches, ihr Fraueilherz hat den Anblick des Geschehen» im Reich nicht ertrag«»» können und so hat sie denn noch einnial versucht, Schluß zu»»lachen. Diesmal ist's ihr gelungen... Man muß, u»n den ganzen Umfang der Tragik deutschen Menschentum-, in die das anklogend« Ende der mehr als fünfzigjährigen Genossin Pfülf eingcschlosscu ist, ahnen zu könne»», die andere Tagesmeldung daneben verzeichnen, die von dem Besuch der englischen Flieger bei Herrn Hitler erzählt: die englischen Gäste, denen dieser Reichskanzler seine Bewunderung auSdrürkte, hätten— so sagte er— „ja wohl in diesen Tagen Gelegenheit gehabt, eigene Eindrücke in Deutschland zu gewinnen. Sie hätten sich selbst rin Bild davon »nachen können, daß nicht Terror deutsches Leben beherrsche, sondern daß hier ein Volk sich selb st wieder gefunden habe und daß hier ei»» Geist herrsche, der aus den Idealen einer jungen deutschen Nation geboren sei." An diesen Idealen gehen die wertvollsten deutschen Meusck-en zugrunde; an diesen Idealen sterben die Jankowskis unter Mörderhänden, sterben die H e n i n g S und P s ü l s s in» Freitod; von diesen Idealen können fliegende Gäste weder v»m wolkiger Höhe her,„och im Spritzrcgen einer -Hitler-,Ansprache ein« Vorstellung erhalten! Terror beherrscht nicht deutsche« Leben? Sind etiva der Gräber noch zu wenig? Hat man den englischen Fliegern die K o n z e n t r a t i o n s l a g c r vorgefüyrt, die inrnier noch vermehrt lverden? Wissen diese Herren, daß dort, beispielsweise in Dachau, amFensterkreuzjcdcr Zelle ein Strick h a ng t, damit der„Konzentrierte" sich gefälligst bedienen«löge? Der F a s c i S m u s — das bedeutet für noch Ungezählte das K o m« man do in den Tod, bedeutet Mord und Selbstmord;.Selbstmord enttveder unter den» Druck der Physischen Gewalt oder unter dem Druck der vielleicht noch fürchterlichen inneren Qual bester Menschen, die eben den Tod der Sklaverei vorziehe«! In der ganzen Welt, wo sozialistische Arbei- ter, wo empfindende Menschen leben, wird>»»es i Gebiet einschicot. In einer halben Stund« kann man bei Ärandau unterhalb Katharinaberg aus Sachsen quer durch böhmisches Gebiet wieder nach Sachsen gehen. Stellenweise ist es von der Straße auf böhmischer Seit« über den Grenzbach hinweg bi« zur sächsischen Parallelstraße nur einen Steinwurf weit. Dies« nachbarlich« Nähe hatte in ruhigen Zeiten für beide Seiten ihre Vorteile, erleichtert aber gcgemvärtig auch allerlei Grenzvlänkeleien politischer Gegner und hat di« sächsischen Ratio- nalsozialisten zu ihrem.Handstreich ermutigt, zumal sie sich von Gesinnungsgenossen auf böb. Mischer Seite unterstützt fühlen durften. Die Träger des Adlers mit den hängenden Flügeln hüben halten mit den Hakenkreuzfern drüben enge Verbindung; cs wird sogar gemunkelt, daß einzelne von ihnen drüben heimlich verbotenen i „Dienst" in Hitlers brauner Privatarmee tun.! Während das religiöse Sektenwesen, wie eS im sächsischen Erzgebirge blüht, hüben— vielleicht infolge einer stärkeren Bindekraft des katholischen Bekenntnisses— nicht im gleichen Maste bat aufkommen können, so hat doch der politische Wunderglaube seine Anhänger auch hier gefunden. Sie rekrutieren sich vorwiegend auS dem Kreise der! kleinen selbständigen Existenzen, denen eS freilich schlecht genug geht, um schrankenlosen Ber- sprechungen ein geneigter Ohr zu leihen. Bor allem daS Schlagwort von der„Brechung der Zinsknechtschaft" hat in ihnen die trügerische .Hoffnung erweckt, daß der Nationalsozialismus sie von ihrer privaten Verschuldung erlösen würde, denn auch sie erwarten vom Hakenkreuz vor allem«inen antisemitischen Feldzug gegen ihre jüdischen Gläubiger. Weiter denken nicht— soweit st« überhaupt denken. „'S liegt all’s brach llze." Es sind die kleinen Ekistcnzen, die sich lm Winkel von Bon Brüx führt ein« Straße an den Fuß de« Erzgebirges und steigt dann in großen Kehren zwischen lichtgrünen Buchenwaldhängen durch das Mariental hinauf auf den Kamm. Typische Erzgebirgsdörfer liegen da oben, lockere Streusiedlungen auf den freien Kamm- lächen, lang sich hinriehcndc Reihendörfer in den Talfalten, schmale, schieserblane Gletscker aus Hausern, deren Schieferdächer wie Trümmer- chollcn regellos ineinandergeschoben scheinen. Weit schweift der Blick über dunkle Nadel- wäkder, in deren dichten Pelz da und dort Helle Rodungen elnAeschnitten sind, kleine Oasen mit Katharinaberg und bic Ort« Brandau, GebirgS- verstreuten Häuserreihen. Immer noch, mögen neudorf, Nickelsdorf, Kallich und andere. Aller- nun die harzigen Wälder im Sonne: raus s--»> knistern oder schwer« Regenwolken durch die Wipfelzacken schleifen— immer noch bewahrt di« Einsamkeit der Kammlandschaft ein« Erinnerung an den finsteren Grenzwald, den die Siedler ahrhundertelang scheu gemieden haben. Zwischen zwei Bachtälern, die auf der Kamm- höhe als flache Mulden zwischen grünen Matten ansctzen, sich aber rasch eintiefen und bald sich miteinander vereinigen, schiebt sich vom Kamme her ein Talsporn vor, ein schmaler Stock mit teilen Hängen. Schüsse an der Grenze. Auf seinem Rücken liegt eng um den kleinen Marktplatz gedrängt Katharinaberg, ein böhmische- Städtchen mit anderthalb Tausend Einwohnern. Erzgebirgswanderer kennen eS in seiner land- chaftlich reizvollen Lage, sonst aber war eS unbekannt, bis jetzt plötzlich Revolvcrscküsse jenen „Katharinabergcr GrenzPvischcnsall" hcrbeiführ- teu, der einige Tage di« sudetendeutschcn Zeitun gen in Atem hielt, dann aber bald wieder in Vergessenheit geriet. Sächsische Nationalsozialisten waren in einer Märznacht von Sachsen her über die Grenz« in böhmisches Gebiet eingcdrungen, vermutlich um einen politischen Flüchtling, von. dem sie annah. i Krisenzeit und Kriminaiitiit. Die Kriminalstatistik für 1981. Die in den„M itteiliingen des Statistischen S t a a t S a m t e s" soeben veröffentlichte K r i m i n a l st a t i st i k für d a S Fahr 1981 ist um so mehr geeignet, Interesse zu erwecken, als zu erwarten wäre, daß diese Statistik Zusammenhänge zwischen der herr- WW",".„.m Folgeerscheinungen einerseits und der Entwicklung der Kriminalität anderseits aufzeigen sollte. So vieles Material aber diese Statistik auch zusammenträgt— die Klarlegung dieser Zusammenhänge wird erst durch die Analyse eines umfassenderen und allseitige Bcrgleichs- möglichkeiten bietenden Materials möglickt sein. Schon die im Fahre 1931 erschienene zn- sammenfassende Kriminalstatistik für den Zeitraum 1923-27 betont im Textteil ausdrücklich die durch U e b e r l a st u n g der Gerichte und Anklagebchörden hervorgertifene R ü ck- standsquote. Der Prozentsatz der unerledigten Fälle weist nach dieser Statistik überall eine starke Z u n a h m e ans.(Zn Böhmen 16 Prozent, in Mähren-Schlesien ettvas mehr, im Osten gar über 30 Prozent per 1927). In der gleichen Richtung tveist auch die steigende Ziffer der eingestellten Strafverfahren(in Böhmen von 12.8 Prozent für 1923 aus 18.8 Prozent für 1927, im Osten bis 34.8 Prozent!). Es scheint also sicher, daß angesichts dieser Rückstände ein klares Bild des in Frage stehcttden Zeitraumes auch bet der eben erschienenen Kriminalstatistik nicht geboten werden kann und daß, wie gesagt, eine abschließende 'Kritik einem späteren Zeitpunkt Vorbehalten bleiben muß. Nach Au-Weis der letzten Statistik haben die Staatsanwaltschaften im ganzen Staatsgebiet 149.906 Straffälle behandelt ttnd 29.676 An- klageschriften auSgefcrtigt. Die eingeklag- die t e.n Fälle repräsentieren also nur ein Fünftel der zur Anzeige gebrachten. Sämtliche Kreisgerichte der Republik haben zusammen 72.162 Fälle bearbeitet, wobei 87.168 Urteil« ergingen. Gegenüber dem Fahre 1930 I würde dies eine Zunahme von 6.6 Prozent bedeuten, an sich eine hohe Ziffer, wobei jedoch , die vorertvähnte» Umstände in Rechnung zu ziehen sind. Geringfügig erscheint demgegenüber die Zunahme der„kleinen Kriminalität", nämlich der BezirksgerichtSagenda. die von 816.710 Fallen int Fahre 1930 ans 621.347, also um 0.9 Prozent stieg. Der zweite Teil der Statistik für 1981 bringt sehr interessante Daten über die Orga- de 8 St r a fVollzuges. Die int Staatsgebiet beliefen sich auf 22,532.068 Ke, - der Staatszuschuß hierauf 14,113.732 Kvar, daß Dozent Dr. Lieser, der in seiner Ansprache bei der Schlagcter-Feier die älteren Professoren angegriffen hatte, fristlos entlassen worden war. ist jetzt erneut au-gebrochen. Di« Studenten verhinderten Donnerstag morgens alle Vorlesungen durch wüste Krawalle, so daß die Hochschule erneut geschlossen werden mußte. Der gleichgeschaltete Waldemar BonselS. Nun hat sich auch Waldemar BonselS gleichgeschaltet. Vor kurzem wollt« er sich noch keineswegs zu den Nazis bekennen. Vor kurzem erschien sein Roman „Tage der Kittdheit" im Ullstein-Verlag, darin BonselS ans seine Jugendgespielin Mia Stern und deren Familie, di« einzig« Familie seiner Schleswiger Heimat, ein Loblied singt, das ein flammendes Bekenntnis gegen den Antisemitismus war. Deshalb wurden von den Leipziger Nationalsozialist«» Krawalle gegen eine Bor- Iduna von BonselS angekündigt. BonselS blieb jedoch hart Uttd laS daraufhin gerade das Mia- Stern-Kapitel. Er glaubt« nicht daran, daß die Nationalsozialisten die Macht ergreifen würden. Jetzt muß er daran glauben, und so hat er sich denn mit begeisterten Worten zur Erneuerung des deutschen Volkes unter dem Hakenkreuz bekannt. Blutige Kriegs-Zahlen. Laut einer Mitteilung deS japanischen Kriegsministeriums verlor daS japanische Heer seit Beginn der KriegS- handlungen in der Mandschurei 8897 Tote und über 8483 Bevtvundete. Nach den periodischen Meldungen der japanischen Quellen aller umfassen diese amtlichen Angaben bei w«item nicht alle Verluste des japanischen Heeres. Di« Entwicklung deS Rundfunks. Der Vorsitzende der Union Internationale de Radiodiffusion, Sir Charles Carpendale, erklärte bei der Eröffnung der Luzerner Konferenz, daß im Jahre 1932 in Europa rund 2,000.000 Empfangsgeräte neu angemeldet wurden, was einer Zunahme von etwa 8,000.000 Hörern entspricht. Gegen daS Jahr 1929, das letzte in der Reihe der^fetten" Jahre, ist die Zunahme um fast 2L Millionen großer. « emäß. Am Ende des Programmes wird rutsche Rundfunk von nun an jeden Abend den Ruf eines früheren Nachtwächters ertönen lassen. '■•r il^tdethermometer und ähnliche Dinge her. Für alle Ziveige dieser Kleinindustrie gilt aber auch hier das Ergebnis des Weltkrieges: der Export ist eingeschrumpft, frühere Märkte sind verlorenaegangen— ,,S' liegt all'» brach itze". I Die Arbeiter, die früher in den größeren Betrieben jenseits der Gren^ ihr Brot sanden, müssen sehen, wo sie bleiben, mtd wenn si« nicht hier«inen Unterschlupf in einer kleinen Werkstatt finden, so sind sie arbeitslos. Ander« Er- l diitgS mit einem gewissen Unterschied. Im säch sischen Erzgebirge ist di« Reifendreherei zuhause, bei der auS entsprechend profiliert gedrehten Fichtenholzreifen die tausendfältigen Tiersiguren für Schäfereien,.Hühnerhöfe, Jagden, Menagerien und andere Geschöpie gespalten und dann ge schnitzt, geleimt und bemalt werden. Dieser viel gestaltigen Tierwelt gesellen sich geschnitzte und gedrehte Menschenfiguren, Holzfoldaten, Häuser, Bäume, der vielfältige Bedarf deS Puppenhaus- halt- und der Kinderspielplätze— eine Phantasie. volle bunte Liliputanerwelt von der billigen Massenwar« für die Jahrmarktsbude bis zum ein zelnen Kleinkunstwerk von begabter und geschulter -Hand. Die Reisendrehcrel mit Ihren wiiniaen Er zeugnissen, di« oft genug ihren zierlichen Reiz bittrer Ktnderarbeit verdanken, hat sich in den böhmischen Spielwarenorten nicht eingebürgert. „D e n Bettelsock woll'n m'rn ooch gar nich' weg- nehm', den Leit'» dri'm", sagte«in Katharina- berger Spielwarenmacher in rührender Gene rosität. Hier überwiegt die Herstellung kleinerer Holzwaren wie Federkästen und Nade^häcklen. Schatullen und Dosen, Erzeugnisse der Dreherei und Drechslerei wie hölternes‘Jivb'-'-v-'-'-"’- '^nallbüchsen und Masserspritzen, Keaelspiele und „ y.,| Schachfiguren und ähnliches. Auch Kinderflinten men, daß e? sich'' hier in" einem Grenzgasthaus'"erden hier aemackt. Eitnelne Betrieb« stellen aufhalte, mit Gewalt zurückznholcn. Bet ihrem; Gebrauch-gegenständ« wie die hölzernen Gehäuse Geschleiche um da- Gasthaus waren sie mit.""- x™—»- Katharinabergcr Sozialdemokraten zusammengc-| troffen, die sie mit dem Rufe„Hände bock!" überfielen. Als diese der räubermaßigen Auffor derung nicht sofort Folge leisteten, schossen die Hakcnkreuzler kurzerhand auf sie loS und einer, der Genosse Schmieder, sank von«ittem Schuß in die Brust getroffen zu Boden, worauf die national sozialistischen Räuber spornstreichs über die Grenze entflohen. Der fchwerverwundete Schmieder wurde ins Brüxer Krankenhaus«ingelief«rt— di« Schuß wunde, die er davongetragen hatte, war da- einzig Unbestreitbare an der ganz«» Geschichte. All« anderen Umstände blieben merkwurdigerwe'ke ungeklärt, obwohl die U«b«rfallenen sowohl als auch der Wirt des Grenzgasthauses mancherlei zu erzählen wissen. Aber die Täter waren entkommen und der nächtlich« Grenzwald deckte ihre Spur. Gewisse Kreise lvarcn zudem beflissen, dem Ueber. fall alle Merkmale eine- politischen Gren;- zwischenfall« abzusprechen; eS war«infacher— oder gar für beteiligte.Helfershelfer auf büh- mifäher Seite ungefährlicher?— wenn da» Ereignis eine unaufklärbare nächtliche Schießerei blieb und möglichst bald in Vergessenheit geriet. Politische Verhältnisse. Abgespielt hat sich der Ueberfall nicht oben in der Stadt, sondern unten im OrtStcil„Fm Grund«", der sich talabwärts lang hinzieht. Die... Grenze Ist beiderseits sehr nahe. Sie bildet hier rächten, daß mir nich' ganz verhungern..." Nach dem Kriege haben sich die Kleinbetriebe zu einer Ein- und Verkaufsgenossenschaft zusain- mengeschlossen;„EoS"— Morgenröte ist ihr poetischer Name. Aber«S ist beim Namen geblieben. Kurzsichtiger Egoismus schwächt den Einfluß; die Genossenschaft wird noch zu oft von Ihren eigenen Mitgliedern im Stiche gelassen. ES liefern immer wieder auch Genossenschafter an einzelne Grossisten, und sie unterbieten dabei selber die Preise, nur um den Auftrag zu bekommen. Di« Folge ist:«S lohnt sich immer weniger. Den Vorteil dabei haben nur L‘.- Grossisten. Sie schicken ihre Einkäufer her. die sich die Muster ansehen. Gefällt ihnen etwa ein« Neu heit besonders gut. so legen sie daS Muster einem anderen Erzeuger vor und holen ein noch bil ligere- Angebot heraus. Es gibt zwar einen Musterschutz, der auf Antrag gewährt wird, aber .eS hat nicht viel Ziveck", denn der Schuh ist kur; befristet und seine Erwerbung verursacht Kost«»< >nd Mühe. Also bleibtS, wie es Ist. ES Ist In jedem Hause das gleiche Bild. Holz- und SpielwarenerMgung" steht an sound soviel«» Firmenschildern. ES ist nicht viel da hinter. Zwei, drei.Holzdrehbänke, je eine Band- säge, Kreissäge, Hobelmaschine, Schleifscheibe, ein...■. Holzvorrat, der oft noch nickt bezahlt ist, Sack-"'/"Eton-.-,.... 'laschen und Farbtöpfe, halbfertige und fertige] Kosten der LK.'Ucn.Ge r^t ck tßfl Hwn N° Teile 6 Samstag, 10. Juni 1988 -kr. 185 PBAGEB lElIIMfi. Gerichtssaal Beleidigung der Wehrmacht. Der Absagebrief»ine» Pazifisten. Prag,!«. Juni. Bor dein Vezirksrichter Dr. KalsuS kam Keule ein nicht alltäglicher Fall zur Verhandlung. Der Ziegeteibcjitzcr Joses Fischer war angctlagt der B c l c i d i g u ng der Wehrmacht, begangen durch eine an da» Kommando des 28. Jnsantericrcgimcnics gerichtete Zuschrisl. Bei diesem Regiment hatte Fischer seinerzeit gedient. Aber auch die militärische Erziehung machte au- dem Angeklagten leinen Militaristen. Im Gegenteil. er schickte dem Regimentskommando vor einiger Zeil'einen Entlassungsschein zu und erklärte in-em Begleitschreiben, er betrachte sich nicht mehr a l s M i t g l i c d der Wehrmacht. Diesen seine» Standpunkt begründete der Angeklagte in einem längeren Begleitschreiben, in orssen Inhalt die Militärbehörden die Ucbertrctnng der Beleidigung der Wehrmacht erblickten und gegen-en Absender die Anzeige erstatteten. Es ist eben nicht so einfach, die„Mitgliedschaft" bei -er Wehrmacht niederzulegen und wer sich bei einem solchen Vorhaben allzu offenherzig äußert, kann mit dem 8 491 3t.-ö. in Konslikl kommen, wie cs auch Herrn Fischer prompt geschah. Der Angeklagte hatte sich zu der Verhandlung nicht erst eingestellt, sondern-cm Richter einen Entschnldigungsbries geschickt, in welchem er bemerkt, er würde gerne öffentlich seinen Standpunkt vertreten und über seine Weltanschauung mit dein Richter von Mann zu Mann diskutiere». Aber er sehe ein, daß dies ein aussichtsloses Vorhaben sei, da er dem Richter ja nicht als Mensch dem Mensche», sondern als Angeklagter einem behördlichen Organ gegenübersteht. Er verzichte daher auf alle Berteidi- gungsargumente und erwarte mit Ruhe das Urteil. — Er wurde für schuldig befunden und in ab- scntia zu einem Monat st r e n g e n A r r c st e s verurteilt.—rb. Rosa Rov-, die KlnderhSndlerin. Reue» Verfahren eingestellt.— Hastentlasiung abgelrhnt. Prag, 9. Juni. Vor zwei Jahren wurde die Mastcuse Rosa N o v der zur Last gelegt wurde, vier Kinder, die sie zur Pflege übernommen halte, an unbekannte dritte Personen verschachert zu haben, zu fünf Jahren schweren Kerkers verurteilt. Später wurde ihr ein weiterer Fall von HerauSlockung eines Kindes zugejchriebe». und der Ucbereifer der nachforschcnsrn Organe verfolgte in diesem Fall eine falsche Spur. Ala Kronzeuge trat eine-schwachsinnige auf, die, vermutlich durch schlecht gestellte Fragen der Gendarmen verwirrt, die NovF beschuldigte, ihr beim Verlassen der Gebäranstalt ihr neugeborenes uneheliches Kind abgc- schwatzt zu haben. Auf Grund dieser Aussage wurde die Novy von dem hiesigen Schwurgericht im vorigen Jahr zu einer einjährigen Zusatz- st r a f e verurteilt. Später stellte sich heraus, daß die Aitssage der Schwachsinnigen, die inzwischen einer Irrenanstalt übergeben worden ist, frei erfunden, oder eher suggeriert war. Das Kind wurde in einem Säuglingsheim aufgesnnden. wo es die nnzurech- nungssähige Belastungszeugin selbst abgegeben hatte. Das Ober st e Gericht gab Sem Antrag aus Wiederaufnahme des Verfahrens statt und die StaatSanwaltschasl zog darauf die Anklage zurück, so daß die verhängte Zufatzstrase hinfällig ist.-Der Verteidiger der Rosa Rovz-, seren Schuldkonto noch reich genug belastet bleibt, hat aus die- Die Uniform. Ein Nachtrag zur Schöpfungsgeschichte. Als der liebe Gott nach scchstägigcr, mühe- voller Arbeit das Problem der Welterschaffung glücklich gelöst und die gerichtlich bestellten Sachverständigen das sogenannte Paradies als bewohnbar erklärt hatten, betrachtete er voller Schöpfcrfrcndc sein Werk, tlnd sah— nach dem Alten Testament—„daß cs gilt war". Vielleicht war der alte Herr damals schon ein bißchen kurzsichtig gewesen, als er so restlos mit seinem Werke zusriedcn war, denn" es geschah, daß schon kurze Zeit später eines der zuletzt erschaffenen Geschöpfe im Perwaltungübüro für innere Angelegenheiten erschien und von dem diensthabenden Beamten verlaitgle, er möge es sofort zum lieben Gott führen, damit es eine dringende Beschiverde Vorbringen könne. Der amtsführende Engel machte erst verschiedene Schwierigkeiten, verwies auf die geltende Geschäftsordnung und den üblichcit Instanzenweg, aber der Affe, denn dieser war es, ließ sich nicht abweisen und erreichte es atlch, daß er vor den hohen Herrn geführt wurde. „Hochverehrter lieber Gott," sagte der Besucher zu diesem,„ich koiunir im Ailftrag sämtlicher Mitglied»»- meiner Familie, um über das Geschöpf, das du zuletzt erschaffen hast und„den Menschen" nennst, Beschwerde zu fuhren. Dieser Mensch bildet sich ein, im Paradies der Erste zu sein; er glaubt, uns alle zuni Narren halte» zu können: jedem Tier hat er schon einen Spitz- namen gegeben. Er benimnlt sich weiters noch, sem Anlaß den Antrag auf vorläufige Hast- e n t l a s s u n g gestellt, der(«doch abgclchut wurde, rb Kunst und Wissen Hans Wilhelm Steinberg, der ehemalige Prager, dann Frankfurter Operuchcf und jetzt, wie schon sein Name sagt, aus Deutschland vertrieben, dieser- halb und wegen seiner Beliebtheit beim Prager Publikum Donnerstag im Deutschen Theater alü Gast wieder stürmisch, ja demonstrativ begrüßt, dirigierte da einen„Fliegenden H o l l ä n d e r", der zwar die nunmehr gebändigte, beherrsch^ Leidenschaft des hochbegabte» Dirigenten freudig wiedererkennen ließ, aber im übrigen viel« Einwände provozierte. Im Orchester, insbesondere bei den Streichern, herrschte wenig Klarheit, die Spin- iicriniiell hatten ciiicn sehr unsicheren Tag und selbst der Holländer des Herrn Prohaska, diesmal wenig bekümmert»m Notenwerte und andere Kleinigkeiten, ließ nur an ganz wenigen Stellen (so in den prachtvoll gesungenen Pianos vor dem Duett mit Senta) den großen Sänger erkennen. Senta war Fräulein K o n c h n i, die stimmbegabteste Säitgcrin des Ensembles, die auch in dieser Partie durch die Schlag- und Leuchtkraft ihrer Höhe aushorchen ließ; damit allein aber kann man der schwierigen-Senta-Partie nicht gerecht werden, die doch Stil, Ausdruck, Durchgeistigung und nicht zuletzt eine etwas reifere Gcsaugstechnik verlangt; gerade weil wir die junge Künstlerin schätzen, warnen wir neuerdings davor, mit ihr, die eben noch durchaus keine Wagner-Sängerin ist, weiterhin Experiment« zu machen, die weder ihr ttoch der Bühne nützen können. Erwähnt seien noch der schön gesungene Erik des Herrn Fischer und die Stimmfrische des Steuermanns(Hatte m c r), dessen Kapitän(A n- Versen) dagegen in keiner Weise für sich cinnahm. l. g. Abonnement 1983/34. Ab Montag Ausgabe der Karlen an bisherige Abonnenten, die eine Veränderung der Plätze vornehmen wollen. Vormerkungen für neu« Abonnements täglich. „Figaro" unter Zemlinsky, aut Sonntag; Figaro—Hölzlin, der sich mit dieser Partie vom Prager Publikum verabschiedet. Ten Cherub!» singt zum ersten Male Traut« Rohne, als Gräfin gastiert Cäcilie Reich von der Slaaisopcr Berlin. Spirlplan des Reu«» Deutschen Theaters. SaiilStag 7 Uhr:„L o h e n g r i n"(A 2).— Sonntag, Z48 Uhr:,„Figaros Hochzeit" Dirigent Alexander Zemlinsky(D 1). Spielplan der Kleinen Bühne. Samstag, 8 Uhr: „Äst G6 ra ldi n««in Engel?'— Sonntag. !,8 Uhr, Evstaufführung:„Fabian, der Ele- f a n t". Vereinsnadiriditen Allgemeiner Angestellten-Brrband, Prag II. M o n a t s v e r s a m m l u n g: Hente S a m ü i a g. 10. Juni, um halb 8 Uhr abends, Handwerkerheim, kleiner Saal.— Jugend'Sektion: Teilnahme an der Monatsversammlung.— AuSslu g: Sonn- tag, den 11. Juni, eine lustige Fahrt inü „Blaue". Tressen um Uhr früh, Smichower Bahnhof, Elektrische Nr. 12. Oieisespesen zirka 8 Ku. Musikinstrumente, Badeanzug mitnchmcu. Alle Juitgkollegen und-Kolleginnen sind eingeladen. alü ob er mit uns verwatldt ivärc, kurz, als wäre er ein Affe in verbesserter Auslage. Wir wolle» jedoch»tit ihm nichts zu tun habe», und du mußt dafür sorgen, daß wir uns auch äußerlich von dem Menschen vorteilhafter unterscheiden, als cs jetzt der Fall ist." Der Herr schüttelte' den Kops, als er diese Beschwerde vernäht», da er aber gerade an andere wichtige Dinge zu denken hatte, und er als lieber Gott schwer einem seiner Geschöpfe einen Wtinsch abschlagen konnte, so gab er schließlich dem Affen nnd allen seinen Angehörigen die Erlattbnis, über ihrem Fell noch eine aus rote» »nd grünen Stoffe;» verfertigte>»nd mit blitzenden Knöpfen und Spangen gcschntückte Uniform zil tragen. Das gab einen wunderbaren, komischen Anblick. Aber der Asse war zufrieden u»d auch sehr stolz, hatte er doch vom lieben Gott auch noch den Titel eines Paradiesischen Gartcnoberinspck- torü erhalten. Sich selbst bewundernd, spazierte er überall heritm und machte seinen» Nan»ei» Ehre. So entstand der erste Titel»»nd die erste Uniform. So»vurde das erstemal versucht, über innere Leere und fehlende Geistcsqualitäten mittels eines glänzenden Aeußervi» hinwegzutäuschen. Die Eitelkeit war ihr Urheber gewesen und die Dmnn»hcit hatte dabet Gevatter gestanden. Nun geschah eS aber, daß jene bekannte Apfelbaumgcschichte passierte, in deren Folge den Menschen daS AufenchaltSrccht entzogen wurde. Der Affe hatte die Gelegenheit benützt und eben- Sport- Spiel- MmllM Nazk'Schmellngs Traum zu Sude. Donnerstag abends fand in New Dort der Aus- jcheidungskampf für die Weltmeisterschaft im Schwer^ gewicht der Professionalboxer Wischenden» ehemaligen Weltmeister Max Schmeling und Mac Baer »Amerika) statt und endete mit dein Siege des Amerikaners, der den Deutschen in der 10. Runde so schtver anschlug, daß er zu Bode» mußte und sich bei 9 nur äußerst mühsam ausrichtcn konnte. Schmeling wurde durch Abbruch des Kampfes zugunsten Baers vor dem völligen knock out bowahrt, so daß Baer nur einen technischen k. o. verzeichnen kann. Schmelingü Zeil scheint mit dieser Niederlage besiegelt f^sein. Er, der sich bei seiner Ankunft in New?)ork zu Hitler bekannte und di« Judenverfolgungen in Deutschland wider besseres Wissen in Abrede stellte, hat sich damit saft gang alle Sympathien verscherzt. Noch vor diesem Kampf wurde in der glelchgoschaltcten Presse im Reiche und auch in der, die in Tschechoslowakei«rscheint, zowie im Rundfunk die große Trommel gerührt und fein Gegner in geringschätzender Weise„klein" genwcht. Es hat alles nichts genützt— auch nicht die„Sympathien" des Herrn Hiller. Deutschlands Nazi-Boxer Schmeling wurde von dem Amrrikaner Baer deutsch-jüdischer Abstammung glatt nnd sicher in die Seil« gesetzt und eiltging nur durch dem'Abbruch der sicheren Niederlage. Ein„Trost'' aus dloser Niederlage bleibt ihn ui Form eines schönen Batzen Dollars— die Erringung des Wollmeistertitels, den er wieder holen wollte, wird nicht mähr gelingen. Ein„Heros" vcr-sckpvlndet... Dir Teilnahme dir Tschechoslowakei an der Schach-Olympiade. Die Tschechoslowakei wird zur Schacholympiade in F o l k e st o n c ihre Riege in folgender Ausstellung entsenden: Flohr, Dr. Treybal, Rcjfir, Opoüensky und Dr. Skallkka. Mannschaftskapitän ist Dr. Äaliika. In» Danienturnier nm das Wcllchampionat vertritt die Tschechoslowakei Frl. Vera' Menschik. Ein Mann, der weiß, tvas er seiner Bewegung schuldig ist, muß, nach dem„Allg. Sporlblatt"(Reichen berg), der Schiedsrichter Gebet jein, der bek einem von ihm geleiteten Fußballspiel iu Krawarn «inen Spieler mit d«n Worten:„Blödes Schtvein, hinaus!" vom Spielfeld wies! Eine Blamage bedeutet für den tschechoslowakischen Amateur-Boxverband die nächirägliche Korrektur des mit 10:6 gewonnenen MilropacnptrefsenS gegen Oesterreich in ein Unentschieden von 8:8, da in der Mannschaft der Tschechvjlowakei«In österreichischer Staatsbürger— wie nachträglich festgestellt wurde— niitgekämpft hat! SA. und Deutsch«. Turnerschast. An den; Turnfest der Deutschen..Turnerschast, das in Stuttgart abgehallen wirb,»«erben über Anordnung des Reichs- sportkommisiärs auch SA. Truppen teilnehmen, nnd zwar ans jedem Turnkreis ein SA.-.Sturm. Der militärische Reichssporlkommisiär bezeichnet diese SA.-Stürm« als Ehrenkompagnien! Ob das wirklich rin«„Ehre" ist, mit solchen Rtord-Kolonnen ein« Gemeinschaft zu bildest— das zu beurteilen, überlassen wir jedem anständigen Dienschcn. Wichtiger aber ist, daß sich die Deutsche Turnerschaft nun offen und gänzlich für die militärische„Erziehung"«lnsrtzt, denn diese DA.-Stünne werden aus ihren eigenen Mitgliedern bestohcn! «MAMMMMMIMMMiWWtMMM Unentgeltliche Beratung S» st« nven ver Nkveiterfürsorge finden tevcn Samstag von 8—7 Uhr im Verein deutscher Arbeiter, Smeäkagasse Nr. 21, statt. falls daS göttliche Gebot übertrete»; dafür wurde er kurzerhand dorthin gejagt, wohin schon der Mensch gegangen war. In dem allgenicinen Tumult, der zu dieser Zeit im Paradies herrschte, vergaß man ihn» die schöne Uniform anszuziehen und so gelangte das sichtbare Resultat äffischer Eitelkeit und allerhöchster Gedankenlosigkeit In die Welt. Die Menschen haben dann später diese glänzende und auffallende Form der Kleidung benutzt, wenn sie eine» der Ihren als Träger besonderer Würden und Besitzer umfasiender Machtbefugnisse kennzeichnen lvolltet». Sic haben für diese Bevorzugung die schönsten und wohl- röncndsten Titel erfunden, die ihnen den Schini- »>cr der Gottähnlichkcit gaben. Man kann sagen, daß sie cs in diesem Punkte sehr weit gebracht haben. Aber auch die Asien sind in ihrer Entwicklung nicht stehen geblieben. Auch bei ihnen vererbte sich diese Form der Anszcichnnng, nur haben sich die Bevorzugten ihrer Sippe bemüht, den Menschen ähnlicher zu werden: seit der Vertreibung aus den» Paradies fühlen sic sich ihnen verwandt. Die gesellschaftlichen UnigangSforme», der AnSgezcichncte»» beider Familien haben sich einatidcr in der Fon» stark genähert: in beiden Lagern sind glänzende Fassaden»nb wohltönende Titel zu finden. Und daher kommt cs wohl, daß man manchmal, wenn man sich einen Menschen ausgezeichnetem AeußernS vertrauensvoll nähert, plötzlich erschreckt innehalt und gewahr wird, daß sich unter der glänzenden Schale nur ein ganz gewöhnlicher Affe verborgen hält. Martin Grill. Hagnus Hirschfeld: Sittengeschichte des Weltkriegs (2 Bände) i Organisationsausgabe statt kiö 400— nur K2 140"— Zu beziehen durch die Zentralstelle für das Bll dungs wesen, Prag II., NekAzanka 18. Neutrale„Politik" in» Wiener Profi-Fußball. Ter Vorstand des Professional-Fußbatlveroandes in Wien hat«iiieu Beschluß gefaßt, nach dem in Hin- kunft Spieler nnd Funktionäre„im Dienst", a.'o ailf Plätzen, keine politischen Abzeichen mehr tragen dürfen. Dieser Beschluß gilt auch für die Tätigkeit innerhalb des Verbandes und der Verein«. Aus der Partei Jugendbewegung. Sozialistische Jugend, Prag, Gruppe I. Samstag NachNvandcrung an die Sazawa. Tressen um 1-1.80 U h r, Endstelle der Ller(HotkovlLky).— Sonntag treffen wir uns früh 7 Uhr an der gleichen Endstelle zur Tageswanderung. Ktnde»f»e«nve Drag. Sonntag, den 11. Juni Ausflug l n s Prokopital. Zusammenkunft 9 Uhr vormittags bei der Endstation der 8er»Linir«n Hludokrpy. Unser Blatt der„Sozialdemokrat“ ist in Prag in folgenden Berschleitzstellen zn haben:. Bahnhofabuchhandlung, Wllaonbahnhof, Maaaryk. Bahnhof, Donisbahnhof. Bartdk, Tratlk, Präs 11., Tyfinov 2. Bnrok Hugo, Trafik, Prag I., StaromiatakA ad- msatl 32. üodrova, Trafik, Smicltov, uabr. Ivull 13. Jelinkova, Trafik. Nualo II„ Mo.tnA domy.,Reform?“. Kotyza Jan, Trafik, Smfchov, Zborovakd tr. 15. Krauaova A., Trafik, Karlin, Krdlovukä 14. KrcjSik A., knlhkupootvi, Prag-Llohcn. Kralov- akd 1511. Kroupa Jlndr., Trafik, Präg' II., Ratinovo näbr„ stdnuk N4. LOwoniiohn Karl, Trafik, Prag II., Nckaaanka 8. Klaret Josef, knihkupeetvi. Prag-llubcnc. ul, Dr. Brdfa 24. Afonik, Trafik, Prag I., Parlament. Mrdikova, Trafik, Prag L, Joaofakdth. stdnek 127. Mrdz Jan. Smicbov, Radllckd tr. 43. Orbla A.-G., Zeitung« verschleiß, Praha XII„ Fo- chova tr. 62. „Praga“. ZeltungavonohlolB, Prag II.. HavliGkovo ndm. 23. Scdldk Vdclav, Trafik, Dcjvlce, Svccova. Skrabkova Anna, Trafik, Dojvico. Honnorovy üFcdnlckA domy 284. Strouhal Artnr, Trafik, Prag III., Moaleokd 40. Tansalg E„ ZoltnngavomchlelO. Prag II., Vdelav« akA ndm. 45. Ungermann Nuckalf, Prag II., Panakd bei Paiaat- hoteL Üatfedni dAln. knlbkupcotvi, SvAcen^. Prag II„ llybcrnskd 7. Zemann, Trafik, Prag I., Perätyn. Fond, ZeltungaveraoblcIB, Prag II., SmeCky 8-10. Und bei Strallen Verkäufern: Wenzelaplata— Mftatek— Maaarykbahnhof— Wllaonbahnhof. Die. richtige Brille Optiker Deutsch Prag U„ Prikopy,.Palais Koruna- und Urlaube empfiehlt alle Sor«. len prima Selcliwardn. Schinken. 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