klvzelpreis 70 Heller. ckLtnschlleßlich b Heller Porto, 13. Jahrgang. Freitag, 16 Lunt 1033 Nr 140. Wie man den österreichischen Presseattache in Berlin behandelte! Ohne Beispiel in der Geschichte der Diplomatie. Einberufung von Reserve-Offizieren IM Reiche des„Erledens- Kanzlers“ Hitler. Berlin, 14. Juni. Fiir den 1. Juli sind, wie wir soeben von bestunterrichteier Seite erfahren, 8500 frühere Armeeossiziere und 050 frühere Seeoffiziere zu sechöwöchentlichen Uebunaen im Rahmen der Reichswehr, beziehungsweise der ReichSmarine einberufen worden.— Die Nominierung dieser Offiziere nach m i l i t 8 r t e ch. nischenGesichtsp unkten erfolgte durch die Offiziers-Verbände, in erster Linie den„Rationalverband deutscher Offiziere", de»„Deutschen OfsizierSbund" und den„Marine-OsfizierS. Verein"; Voraussetzung ist, daß jeder der Offiziere Vorkricgüansbildung besitzt und den Krieg wenigstens wahrend zwei Jahren an der Front mitgemacht hat. Die Betreffenden müssen gesund und mindestens garnisondienstfähig sein. Die Prüfung nach p olitische«Gesichtspunkten erfolgte durch die örtlichen Dienststellen der nationalsozialistischen Partei; in erster Linie sollen solche Offizier« ausgewählt werden, die der Hitler- Partei schon vor dem 80. Jänner d. I. angehört oder ihr nahegestanden haben. Offiziere, di« nicht der Hitlerpartei oder der Deutstbnationalen Partei angehören oder nicht nachweislich mit diesen Parteien seit längerer Zeil sympathisieren, sind ausgeschlossen. Die am 1. Juli beginnenden Uebnngen werden sechs Wochen in Anspruch nehmen. Die Offiziere sollen ihrem früheren Rang entsprechend beschäftigt und sortgebiloet werden; ihre Einkleidung, Unterbr'ngung, Verpflegung!und Besoldung erfolgt von TtaatSwegen. Frühere(also kaiserliche) Uniformen- können getragen werben gegen entsprechende Vergütung. AM. 15. August d. I. soll ei» zweiter Kursus siir die.gleiche Anzahl von Offizieren beginnens, dieser zweite.Kursus endet am 1. Oktober. Für diesen zweiten Kursus und für die Zukunft werden bei jedem Reichswehr» und ReichSmarine-Kommando besondere Ausschüsse zur Prüfung der Anwärter gebildet; diese Ausschüsse bestehen aus je einem Vertreter der OsfizierSverbände, der Reichswehr, bzw. der ReichSmarine und einem Bevollmächtigten der nationalsozialistischen Partei. Ein dritter Kursiw ist für daS lausende Jahr vorerst nicht vorgesehen. voriimmder„Kampfring" aufgelöst. Dortmund, 18. Juni. Ter Polizeipräsident hat gestern den d e u t s ch n a t i o n a l c u Kampfring für den Präsidialbezirk Dortmund auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat sowie des Polizeiverwaltungsgesehes aufgelöst. ES wurde festgestellt, daß etwa 75 der neuausgenommenen Kampfringmitalieder noch bis März 1983 zur SPD oder KPD gehörten. Teilweise handelte cs sich sogar um ehemalige Funktionäre der KPD und, so wird behauptet, um solche Leute, die sich noch im Mär; an Ucbersällcn auf SA-Leute beteiligt hatten. Zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung sowie im Interesse der ungehinderten Durchführung der nationalen Revolution hatte dieses Verbot ergehen müssen. Es soll dabei anerkannt werden — heißt es schließlich in dem Polizciberichl— daß die Führung des Kampfringes eine direkte Schuld an den vorhandenen Zuständen nicht trifft., Reldisdellzlt mindestens 5,8 Milliarden Berlin, 14. Juni. In der heutigen„Vos- fischen Zeitung" veröffentlicht der frühere Ministerialdirektor Dr. Brecht vom preußischen Staatsministerium einen detaillierten Artikel über die Finanzlage des Reichs. Brecht erklärt hierbei, daß man dem„sichtbaren" Defizit auch die unsichtbaren Posten hinznfügen müsse, wenn man brauchbare Ergebnisse erhalten wolle; zu diesen unsichtbaren Posten rechnet Brecht in erster Linie die Papenschen Steuergutschein«, di« Schatzscheine, die Staut io» ne n des Reichs für Banken und Industrien und gewisse Kredite für di« Durchführung öffentlicher Arbeiten.- Dann würde sich ergeben, daß das tatsächlich« Defizit nicht, wie der Reichsfinanzmini» ster kürzlich erklärt habe, 1.8 Milliarden Reichsmark, sondern mindestens 3.8 Milliarden Reichs m a r k betrage.— Wir sind ge» spannt, wann mchr Dr. Brecht wegen dieses mutigen Kampfes gegen staatliche Schönfärberei in Schutzhast nehmen wird! Berlin, 15. Juni. Ueber die Umstände, die die gestrig« Festnahme und vorübergehende Inhaftierung des österreichischen Presseattaches Dr. Wasserbaeck begleiteten, konnten erst henie nähere Rachrichten gewonnen werden. Darnach spielten sich die Ereignisse folgendermaßen ab: In der Nacht vom Dienstag aus Mittwoch wurde vor 2 Uhr früh an der Wohnung Dr. WassrrbaeckS geläutet und drei Polizisten sowie drei SA-Mitglieder verlangten Einlaß. Dr. Wasserbaeck lehnte es unter dem Hinweis daraus, daß er die Exterritorialitätsrechte genieße, ab, die Türe zu öffnen. Er fügte hinzu, daß er über den Fall seinen Gesandten sowie die österreichische Regierung telephonisch verständigen werd«. Rach 3 Uhr früh kehrten die Polizisten und die SA- Mitglieder zurück, brachen die Tür« ans und führten Dr. Wasserbaeck auf das Polizeipräsidium. Dort wurde der österreichische Presseattache«inigemale nacheinander einem Verhör unterzogen. Auf die wiederholt« Erklärung Dr. WasserbaeckS, er sei durch das ExterruorialitätSrecht geschützt, antwortete der verhörende Kommissar, daß ihm daS nichts angehe. Dann wurde Dr. Wasserbaeck in eine Zelle Graz, 15. Juni.(AR.) DaS Verstärkeramt des Postamtes in Bruck a. d. Mur bemerkte heut« um 2 Uhr früh Störungen in den Fernleitungen nach Wien. Die sofort vorgenommene Untersuchung führte zur Aufdeckung eines Anschlages aus daS Fernkabel nach Wien und aus daS Be- UrkSkabel Semmering-Mürzzuschlag. Der Anschlag aus die beiden Kabelleitungen wurde ein Kilometer außerhalb der Ortschaft Steinhaus am Semmering ausgesllhrt. An dieser Stelle war ein «in Meter langes und 40 Zentimeter breites Loch bis zu dem einen Meter tief in der Erde liegenden Kabelkanal ausaehoben und die im Kanal eingeschlossenen zwei Kabel mit einem Krampen beschädigt worden. DaS Bezirks- kabel wurde vollständig durchtrennt, vollluv und Großmaul Eine Erklärung des Bundes* Kanzlers London, 15. Juni.(Reuter.) In einem Interview mit einem Vertreter des Reuter Büros erklärte heute der österreichische Bundeskanzler Dr. Dollfuß, die R a l i o n a l s o z i a l i st c n in Oesterreich begingen derzeit Terrorakte, um den Eindruck zu erwecken, als ob die österreichische Regierung nicht Herr der Lage sei. Ter Bundeskanzler bedauerte ferner, daß alle Maßnahmen der Wiener Regierung gegen die R2TAP. Oesterreichs fälschlicherweise als unfreundliche Akte gegen das Deutsche Reich angesehen werden und erklärte, daß die Haltung der österreichischen Regierung gegenüber der NSDAP. Oesterreichs eine Angelegenheit von rein i n n c r ö st e r r e i ch i s ch e>n Interesse sei. Um die gegenwärtige Spannung zn beseitigen, sei guter Wille von beiden Seiten notwendig und bei Oesterreich sei der gute Wille bestimmt vorhanden. und eine Antwort aus Berlin Zu diesen Ausführungen des österreichischen Bundeskanzlers fügt das offizielle Berliner Wolff-Büro hinzu: Die Behauptung der österreichischen Regierung, als ob ihr Vorgehen gegen ihre eigenen Staatsangehörigen in Deutschland als unsreuud- lidKv Akt gehalten werde, gehl fehl. Die deutsche Regierung betrachtet diesen Teil der Maßnahmen der Regierung Dollfuß als eine inneröstercei- chische Angelegenheit. Als eine innerösterrcichische Angelegenheit kann es aber nicht angesehen werden, wen» die österreichische Regierung Reichsdeutschen in Oesterreich das Tragen von Hakenkreuzen verbietet, wenn sie Reichsdeutsche ihrer nationalsozialistischen Parteizugehörigkeit halber verhaftet oder schließlich unter abgrsührt, die er mit fünf anderen zu verschiedene» Strafen verurteilten Häftlingen teilen mußte. Ta sich Dr. Wasserbaeck auSruhrn tvolltc, ersuchte er nm eine Bettdecke. Der Wächter lehnte eS jedoch ab, diesem Wunsche zu entsprechen und erklärte, er könnte eine Decke nur in dem Falle bringen, wenn dies der Arzt verordnen würde, der aber erst am Vormittage komme. Gegen 0 Nhr vormittags wurde Dr. Wasserbaeck in«ine leere Zelle überführt, wo er einschlief. Kurz daraus kam ihn aber der Wächter wecken und teilte ihm mit, daßmanamTage im Gefängnis nicht schlafen dürfe und noch den Vorschriften auf der Bank sitzen müsse. Hierauf kam sich der Wächter noch einige- male überzeugen, ob Dr. Wasserbaeck seiner Weisung Folge leiste. Schließlich wurde der österreichische Presseattache! gegen Mittag neuerlich dem Polizeikommissar vorgesührt und mußt««ine Erklärung unterschreiben, daß« aus di« ExterritorialitatSrrchte verzichte und sich verpflichte, vor seiner Abfahrt auS Deutschland keine öfsenllichr Erklärung abzugeben. das Fernkabel schwer beschädigt Sämtliche Telephonleitungen nach Wien sind g e st ö r t. Im Lause d«S Vormittags konnten einige Adern provisorisch wieder» hergestellt werden. Weitere Terrorakte. Wien, 15. Juni. Die Terrorakte, von denen Wien seil dem ersten Bombenanschlag hcimgcsucht wird, fanden auch in der vergangenen Nacht ihre Fortsetzung. Es wurden insgesamt 34 wettere T c l c p h o n z e l l c n unbrauchbar gemacht, insbesondere im 19., 14., 15. und 5. Bezirk. Im 17. Bezirk wurden einige AuSlagefcnster cinge- schlagen. Bruch des Völkerrechtes den Presseattache der deutschen Gesandtschaft in Wien ins Gefängnis sperrt. Hier liegt, wie heute mittags von Reichsminister Dr. Goebbels den Vertretern der deutschen Presse auseinander gesetzt worden ist, die wahre Ursache des Konfliktes. Ter gute Wille, diesen Konflikt zu beseitigen, den Herr Tollfuß von der deutschen Regierung fordert und als bei ihm vorhanden in Anspruch nimmt, leuchtet aus solchen Handlungen nicht hcrpor. 1142 Nazis In Oestcrreldi verhaltet. Darunter 38? Staatsbeamte. Wie«, 15. Juni. Heute liegen die ersten zu« sammensassrnden Berichte über die durch die Terrorakte der Nationalsozialisten notwendig geworden« Säuberungsaktion im gesamten Bundesgebiet vor. Nach diesen Berichten sind bisher 1142 nationalsozialistische Funktionäre verhaftet und den zuständigen Gerichte» eingeliesert worden. Die abschließenden Berichte auS dem Burgenlande, auS Salzburg und Vorarlberg sind noch ausständig. Die meiste» Verhaftungen erfolgten in Niederösterreich und dann in Steiermark, unter den 1142 Verhafteten befinden sich 387 Staatsbeamte, weiter 81 Bürgermeister, 47 StaatSräte, 111 Gemeinderäte, 214 BczirkSsunk- tionärc, 37 Gendarmeriebeamte, 21 Soldaten und > Unteroffiziere, 7 Richter und 8 Staatsanwälte, 41 Lehrer, 37 Rechtsanwälte, 81 Eisenbahner, 47 Landesbeamte ufw. Im Verlaufe des heutigen Tages wurde» in Bregenz«nd in Dornbirn 2 nationalsozialistische Landtagsabgeordnete zur Polizei vorgeführt und einem Verhör unterzogen, später aber wieder freigelassen. Auf Schloß Hardegg wurde di« dort besindliche SA-Führerschule aufgelöst. Der Schloßbesitzer Gras Johann Hardegg wurde verhaslrt und dem KreiSgerichte in K-ru«uburg überstellt. Neuer Zolltarif. Auf Grund dcü wirtschas tspvli tischen Ermächtigungsgesetzes wird nun als erste Verordnung der Regierung, welche Gesetzeskraft hat, der neue Zolltarif kundgcmacht. Es geschieht dies mit Hilfe einer Regierungsverordnung und nicht auf dem üblichen parlamentarischen Wege deswegen, weil der tschechoslo- waklsche Zolltarif geregelt sein muh, bevor es auf der gegenwärtig in London tagenden Wellwirtschaftskonferenz zn einem internationalen zollpolitischcn Abkommen, bzw. zn einem Zollwaffenstillstand kommt. Die Art, wie heute die zollpolitischcn Fragen geregelt werden, entspricht nicht den Grundsätzen der Sozialdemokratie, welche die zollpolitische Entwicklung der letzten Jahre als verderblich ansieht. Die Nachkriegszeit hat eine noch nie dagcwesene Entwicklung zum H o ch s ch u tz z o l l gesehen, wodurch die Länder wirtschaftlich immer mehr voneinander abgeschlossen werden nnd das allgemeine Preisniveau erhöht wird. Demgegenüber entspricht cü den Interessen des Proletariats, zn einer w c l t w i r t sch a f t l i ch e n A r b e i ts- teilung zu gelangen, bei welcher alle Waren dort erzeugt werden, wo sie am billigsten hergestellt werden können. Das hätte ein allgemeines Sinken des Preisniveaus zur Folge, wobei die Bedürfuissc der Menschen insbesondere der breiten Massen am reichlichsten befriedigt werden könnten. Aber die Sozialdemokratie hat heute nicht die Macht, ihr zollpolitisches Programm durchzusctzcn. Die von der ländlichen und städtisck>cn Bourgeoisie geförderten schutzzöllncrischcn Kräfte sind stärker als jene zollpolitischcn Bestrebungen, die den Interessen der breiten Massen entsprechen. Dazu kommt noch, daß die Tschechoslowakei als einzelner Staat schtver den Ring der hochschnhzöllncrischen Staaten durchbrechen kann. Die gegenwärtige Regierung der Republik ist eine Koalitionsregierung, in der die Sozialdemokratie nicht allein entscheidet, sondern in der immer wieder das Einvernehmen zwischen den bürgerlichen und sozialistischen Parteien der Regierung gesucht werden muh. Die Spure» dieser Zusammenarbeit trägt auch die neue Zollvcrordnung. Tas kommt auch darin zum Ausdruck, dah ursprünglich die Agrarier enorme Forderungen nach Erhöhung der landwirtschaftlichen Zölle gestellt habe,«, dah aber im Laufe des zähen Kampfes, der in den letzten Tagen um jede Position des Zoll- tarifcs geführt tvurdc, eine Herabsetzung der ursprünglich höheren Forderungen der Z o l l i n t c r e jJ e n- t e n durchgesetzt werden konnte, so dah eS sich im allgemeinen nur um mäßige Hinaufsctzung einiger Zollsätze handelt. Bon den etwa littt) Posten des Zolltarife« sind ungefähr ein Viertel, genau 187 Zollsätze geändert worden. Tic Grundsätze, von denen man hiebci ausging, waren, dah kein Zoll von industriellen Rohstoffen erhoben werden dürfe, damit die industrielle Produktion nicht verteuert werde und dah auch die Zölle von Halbfabrikaten sich in mähigcn Grenzen halten, dah der Abschluß von Handelsverträgen nicht verhindert und das Interesse der Konsumenten geschützt werde. Wenn z. B. auch einige Zölle von Nahrungsmitteln.erhöht worden sind, so fällt dies nicht besonders ins Gewicht, so ist zwar der Zoll auf Weizen erhöht worden, aber tatsächlich nur dadurch, dah die bisherigen Gebühren, die dem Getreidesyn- dikat zu entrichten waren, nunmehr in den Zoll eingerechnet werden. Auch an den Vieh, zöllen hat sich nicht viel geändert. Dagegen wurde der Zoll auf Eier inid insbesondere der auf Fett hinaufgcsetzt. Die Erhöhung des Eierzollcs hat keine besondere Bedeutung, weil Eier gcgemvärtig nicht in großen Mengen eingeführt werden und der Margarinezoll, bei dem die Erhöhung beträchtlich ist, kann nicht in Kraft treten, weil er vertraglich gebunden ist. Nebrigens ist beim Wcizenzoll auch nicht an den Schutz der Konsumenten vergessen wor- Anschlag am das Fernkabel nach Wien. Telephonleitungen vom Semmering aus gestört. y I RreiiOfl. 16. Juni 1638 Nr. 140 Lcilk 2 den, indem de slim mt wurde, daß der Zoll her- abgcsetzl wird, lvcnii der Preis des Weizens 176 K übersteigt. Ter Grundsatz des nlcitctt« den Zolles, der einen Ausgleich zwischen den Interessen der Agrarier und der Ksnsumeuten darsiellt, ist also ausrecht erhalten geblieben. Wenn man sich über die Bedeutung einer Neuregelung des Zolltarife« klar iverdcn will, darf man nicht vergesse««, daß von der Höhe der Zölle allein die Preise der Ware«« und die Einfuhrmöglichkeiten nicht abhängen. Wir leben in einer Zeit, wo eine ganze Reihe von Staate««, auch die Tschechoslowakei, die Devisenbewirtschaftung, eingeführt haben, wo also nicht jeder Importeur die Devisen erhält, die er zur Bezahlung«ingefiihrtcr Ware«« braucht. Die Menge der eingeführtei« Waren— und damit auch ihr Preis,— hängt also nicht nur von der Höhe des Zolles, sondern vor allen« von der Menge der Devisen ab, die zlvecks Einfuhr zur Perfügung gestellt«verden. Solange die Zwangsbcwirtschaftung der Devisen audanert,— und das Ende dieser Zwangs- ltzrns, 15. Juni. Die Internationale Arbeit-- lons-neu; ha« heute einen Ausschuß zur Prüfung der Berichte über den Kollcktivvcrtrag in der L a nd w i r»s cha f« gebildet. Die Tschcchoslo- wakei ist mit der Rcgierungsgruppc verirrten, für die Arbeitgeber ist Dr. Bauet im Ausschuß, sein Bcrtreier ist T u b i c k y. Ter Ausschuß zur Prüfung der Anträge hat dem italienischen Arbciterdelcgicrtcn Ra; za einen Platz zugewiesrn, Der Ausschuß für Alters-, Invalid«- I ä I s. und.Hinterlassens chaftS-Ber» s i ch r r u» g hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen. den nationalen gesetzgebenden Körper- schaftc» die Entscheidung darüber zu überlassen, ob Angestellte mit ungewöhnlich hohen Gehältern von den Verpflichtungen der Sozialversicherung befreit werde«« sollen. Von diesen Verpflichtungen sollen«veiler auch die nur zeitweise Beschäftigten, jugendliche Arbeiter, die das festgesetzte Alter noch nicht erreicht haben oder alte Ange st eilte, welche das vorgeschriebrne Alter bereit- überschritten haben sowie Angehörige der Familie des Arbeitgebers befreit werden. Im Ausschuß fürArbeiiSzeilvcrkür- ; u n g beantragte heute der holländische Arbeit- gebcrvcrtrcter, daß die Regierungen der einPlnen Staaten in dem ihnen vorzulcgenden Fragebogen eine» genauen Bericht über die Lage:m Hinblick aus die Arbeitszeitverkürzung erstatten sollen. Die Arbeitgeber verlangen, daß die Regierungen, insbesondere nachstehende Fragen beantworten: Zahl der beschäftigte«« und der beschäftigungslose«« Arbeiter; gegeniväriige wöchentliche Arbeitszeit; Mc. Ihodc«« der Arbeitszeitverkürzung; die Lage in der Saisonindustrie; die landlvirtsthaftlichc Gruppe fordert seiner, daß die Regierungen mit:rilen, welchen Einsluß die Kürzung der Arbeitszeit aus 40 Stunden pro Woche auf die Arbeitslosigkeit anSübcn«vird, wie sie den Arbrilsmarkt beeinflussen wird, und zwar je uack-dein, ob Stun- denlohn oder Stücklohn vorliegt. Die Regierungen 'ollen auch mittcilen, in welchem Maße eilt« Be- «virtschaft ist trotz der Londoner Konferenz noch>«icht abzusehen—, solange verlieren die Zölle ihre«« au«schlaggcbe>«den Einsluß auf die Gcstaltu««g der Preise im Juiaude. Es ist die Aufgabe der Sozialdemokratie, allen Pcrstlchen, die Zollverordi«ung zu irgend welchen, wen«« auch nur augenblickliche«« Preistreibereien auSzunützen, ei«tgege«lznlrcten. Die Regierung hat die Aufgabe, sowohl die augenblickliche«« Börsenspekulationen, in denen versucht wird, die Preise zu steigern, zu verhindern, als auch sonst den Einfluß auf die Preise auSzuüben, de»« ihr das Ernlächtigungsgefctz nunmehr gestattet. Mit den« Ermächtigungsgesetz hat die Regierung die Möglichkeit bekommen, nicht nur den neue«« Zolltarif hcrabzitsctzen, sondern auch di« Preise zu beeinflussen. Dies kann durch ein Kartellgcsetz sowie durch andere Maßnahme«« der politischen Berwaltung geschehen. Hier erwächst der Regierung eine Aufgabe, auf deren Erfüllung die sozialistischen Parteici« in der nächsten Zeit drängen werden. cinflussung der Produktionskosten und der gesamten Volkswirtschaft dcS Staates erfolgen wird, welchen Einfluß die Arbeitszeitverkürzung auf die Sozialversicherungsshstcinc und auf die technische Möglichkeit, die lOstündige Arbeitswoche zur Gel. luiig zu bringen, habe» wird. Mehrere Regierungs- und Arbeitervertreter haben der Arbcitgebergruppe zum V o r w u r f gemacht, daß sic die Verhandlungen durch die Stellungnahme neuer Anträge betref- send neu« Enqueten überflüssigerweis« und absichtlich in die Länge ziehen. Demgegenüber billigte der britische Rcgierungsdele- giert« Leggett eine gründlichere Behandlung des ganzen Problems. Allgemein konstatiert man, daß die Bestre- klingen der Bertreer der landwirtschaftlicher« Gruppe zu dein Stadium zurückkchren, da die Frage der Arbeitszeitverkürzung erst«««geschnitten wurde. Die Arbeitgebergruppe cracktet nämlich die Entscheidung der Konferenz über die Arbeitszeitverkürzung für sie als n i ch t a ü n st i g. Man behauptet, daß, auch wenn die Konvention nicht bald ratifiziert würde, ihr« eventuell« Annahme im Jahre 1934 ein««« großen Erfolg der Arbeiterschaft bedeuten würde. „Der ViererpaM versagt bei der ersten Belastungsprobe“ Paris, 15. Juni. Der sozialdemokratische Führer Leon Blum bedauert im heutigen „Populairc", daß der Viermächtrpakt, der„Pakt der Verständigung und der Zusammenarbeit", bei der ersten Belastungsprobe in Gens versagt«: die vier Großmächte konnten sich über di« Vierzig- Stunden-Woche nicht einigen, so daß Italien und Frankreich dafür, Deutschland uno Großbritannien aber dagegen stimmten. Die französischen Sozialisten würden gewünscht haben, sagte Blum, daß die vier Großmächte in dieser wichtigen Fragen einig sind und der Welt«in leuchtendes Beispiel geben. Brandmarkung Dr. Leys. Gens, 15. Juni. Die Affäre des Staatspräsidenten Dr. Leh stört noch immer di« Verhandlungen der Internationalen Arbeitvkonserenz. Tie Ardeitergruppr nahm einmiilig ein« Resolution an, in der sie die b r l r i d i g e n d e E r• klärnng Dr. Ley« gegenüber den Vertretern der Arbeiterschaft und gegenüber den südamerikanischen Staaten verurteilt. Di« Arbeitergriippe hat vor diesem ihrem Einschreiten die Richtigkeit der Pressemeldungen Uber Leys Aussprüche sich ordentlich beglaubigen kaffen und aus der Zeugenschaft der übrigen bei der Unterredung Ley« zugegen gewesene«« Journalisten entnommen, daß Dr. Ley tatsächlich die Beleidigungen über die Arbeiterschaft und dir südamerikanischrn Staaten vor den deutsche«, Pressevertretern ausgesprochen hat. Die Arbelteraruppe verurteilt in Ihrer Resolution dir niedrigen Beleidigungen Dr. LeyS, die genügend Licht auf di« Sitten und Gebrauche der deutschen Nationalsozialisten werfen. Um in Zukunft jeder Verbindung mit den Vertretern der Hitlrrleute onSznweichen, beschloß die Arbeitergruppe, di« Anwesenheit der deutschen Delegiert en in den Sitzungen der Arbeitrrver- treter nicht weiter zu dulden. Außerdem beschloß die Arbeiteraruppe bei der nächsten Gelegenheit, den Fall nn Plenum der Internationalen Arbeitskonferenz vorzutragen, um so vor der ganzen Konferenz ihrer Erbitterung Ausdruck zu geben und gegen eine derartig« beleidigende Handlungsweise zu protestieren. Heut« nachmittags sprach der belgisch« Delegiert« Mertens für dir Ardeitergruppr vor den Pressevertretern über die Affäre Ley. Er klarte di« Beweggründe auf, di« di« Arbeitrrdrle- gicrten zu diesem Beschluß führten und hob hervor, daß das Verhalten der Arbeiterschaft auf der Internationalen Arbeitskonferenz stets höchst korrekt gewesen sei. Er verurtrUt« u. o. auch di« Tatsache, daß di« Deutschen auf di« ArbeltSkonse. renz für die Arbeiter Leuchner gegen seinen Willen entsandten. Einig« Delegierte versichern, Leuchner sei angedroht worden, er werde neuerlich ins Konzentrationslager gebracht werden, wenn er dl« deutsche Arbeiterschast nicht in Genf vertreten werd«. eine neue Erklärung der ReidistagslraKllon. Berlin, 15. Juni. Wie das Nachrichtenbüro des Vereines deutscher Zcitungsverleger meldet, hielt der sozialdemokratische Partcivorstand eine Sitzung ab, über deren Ergebnis folgender Beschluß mitgeteilt wird: '„Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands mißbilligt ausdrücklich alle vom Auslände ergangenen Im Namen der Partei abgegebene«« Kunogcbungcn und erklärt, daß niemand im AuSlande ein Recht habe, im Namen der Partei zu sprechen. Die Vertreter der Parteiorganisationen iverdcn in de«» nächste»« Tage»» eine reftlofc Klärung der Angelegenheit herbei- führen." * Ein endgültiges Urteil über die AuSeinander- sctzungei« Berlin—Prag wird später nach Abschluß der in der vorstehenden Mcldu»»g angekündigten Konferenz möglich sein. Einstweilc»« begnügen wir uns mit der Feststellung, zu der»vir schon mehrfach Veranlassung gehabt haben, daß- es in Hitlerdcutschlano keine freie, die sorialdemo- tische Auffassung offen bekennende Stellung- nahinc gibt..— Die Redaktion. Die neuen Ledensmittelziille. Prag, 15. Juni. Heute wurde die Regierungsverordnung Nr. 96 mit den» Dalum vo»n 13. Juni in der Gesetzessammlung verlautbart. Von d«n 659 Posten, die der Zolltarif auswcist,»verden 25%, d. s. 166, irgendwie abgciindert. Davon betreffen 50 Zollposten die Landwirtschaft, 150 die Industrie, während 10 Zollposten beide Gruppen tangieren. Zu beinerkei» ist, daß eine Reihe dieser geänderte»» Zollpostci» durch Verträge gebunden ist, die beschlossene Ae«»derung also erst nach Aufhebung der vertraglichen Bindung erfolgen kann. Por- läufig seien nur die wichtigsten Acndcrungcn bei Nahrungsmitteln«ist», angeführt. Von landwirtschaftlich««» Produkten wird bei Weizen«in Mlnlmakzoll von 88 Ks pro«00 Kilo festgesetzt, unter den also der mit 76 K° festgesetzt« VertragSzoll auch im VerhandkilngAvcge nicht ermäßigt»verden darf; der autonome Zoll(gegenüber Staaten, mit denen wir keine«« Handelsvertrag haben) soll 100 lls betrogen. Die übrigen Getreidearten bleiben unverändert. chei Mais wird der autonom« Zoll von 82 auf 60 erhöht, der Vertragszoll von 18 auf 88; hier tritt in Wirklichkeit keme Acnderung«In, weil der SyndikatSzufchlag von 80 Kr. «vegfällt. Der Mehlzoll gleicht dem Weizrnzoll für 250 Kilo einschließlich der Zuschläge. Ochsen 860(260), Stiere 860(260), Kühe 880(240), Jungvieh 900(210). Der Zoll für Geflügel beträgt 160 für lebendes und 850 für geschlachtete-, wird also niigesähr verdoppelt; Wildbret 300(200); Schweine- und Gansfett, roh: bis Ende 1031 150(wie bisher), später 180; sinkt der Pr««S unter 800 llr pro Zentner, dann steigt der Zoll aus 200, bjw. mit Anfang 1985 auf 240. Bei a u s- geschmolzenem Schweine- und Gans- fett ift der Zoll 200(ab 1938 300); fallt der P,ct» unter 1000 1ö pro 100 Kilo, so wird der Zoll auf 300, bzw. 860 erhöht. Der Zoll für K u n st s p e i s e- f c t t wird von 108 aus 215 erhöht. Bei Butter tverden j« nach den« Preis gleitende Zölle«Ingefiihrt. Der Zoll beträgt bei einem Preis von 2300 lls und mehr pro Zentner 210 lü, bei einein Preis voi« 2000 bi« 2300 420, bei einem Preis unter 2000 Ke 630. Für Milch und Sahne, di« bisher zollfrei waren, wird«tn Zoll von 40, bziv. 600««»»geführt. Eier 140(bisher 40), Eigelb 220 (für Industrie zollfrei). Bon landwirtschaftlichen Produkten sind weiters zu erwähnen: Spätkartosfcl 30(bisher zollfrei), Frühkartoffel 260. feine Gemüse 260, Erbsen und Linsen 54(27), Bohnen 80(9), Wick« 36(0), Raps und Oelgewächse 60(0), Rapsöl 250, Lein- und Hanfsamen 40(0), frische» Kraut 80 bi« 60. Holz(bisher zollfrei): Buchen 5, Nadelholz 4, Eichen 8. Hanf bleibt wie bisher zollfrei. Di« Lieferanten von Textilien an den Staat u»ü> öffentliche Aeinter werden fedoch Verhalten,«inen bestimmten Prozentsatz(2 Prozent) der Fakturensunnne dieser Lieferungen, d. s. heuer schätzungsweise 4 Millionen, an einen Fond« abzusühren, au- den« den Flachsprodu« zenten für jede«« verkaufte»« Zentner Flachs 80. bpv. 40 K» auSbczahlt tverden. Ziemlich uanstritten waren die Zölle für k ü n st- f i cf» c Düngemittel, die von der Industrie verteidigt wurden. Ehilesalpeter, der bisher zollfrei wat, wird»nit 36 verzollt; für di« Landw'rtichoft steht ein zollfreies Kontingent von 1000 Waggons zur Verfügung. ToniaSmehl bleibt zollfrei, b«i anderen Ehrmikalien«rsolgt zum Teil ein« Herabsetzung. Eine detaillierte Darstellung behalten wir unS noch vor. Internationale Konferenz über Arbeitszeitverkürzung, üte Unternehmer verschleppen die Verhandlungen. 3 Die Sache mit Borris Kriminalroman von Grete Hartwig All* Rediir vor behalten* llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllHIIIIIIIIII „Na also, Lillian!" „Ja, aber Politik'? Daü sind ja bloß Be- triebsangelcgenhcilen, aber..." „Lillian! Ich habe keine Zeit und, weiß Gott, auch keine Kraft, dir ein Privatkolleg über Politik zu l)alieu. Wie cs jetzt un« mich steht", er sah plötzlich schlaff und verfallen aus,„ist wirklich jedes Wort Zeitvergeudung. Mein Leben liegt zum Teil in deiner.Hand. Sieh zu, was di« damit anfängst. Du bist schließlich ein kluges, erwachsenes Mädchen, dr« wirst»nchtS uuvcrsucht lassen." Er erhob sich und reckte seinen Körper. „Wo ich heute nacht schlafen werde, brauchst du nicht ni wissen." •„Wo wirst du?... Warum? Was l)ast du...?" „Nichts! Keiu Grund zur Sorg«! Aber ich will", er sah ihr fest in die Augen, ,-daß du mit ruhigen« Gewissen verncincn kannst,»venu man dich fragt, ob du»vüßtest,»vo ich mich aufhielt«." „Wer soll mich denn fragen, Borris, wer den»«? Mich?" „Die Polizei, Lillian! Also, sei ganz unbefangen! Sag ruhig, ich sei h«p«t« nachmittag bei dir getvesen, mehr wissest du nicht. Adieu, Lilli— Kino." „BorriS... aber wart«... einen Augenblick, ich... ich, hier, nim«n«in paar Brötchen mit... di« wirst Hunger bekomm««... hast du... oder..."'. Die Tür siel ins Schloß und Lillian toai allein. Ihr rötliches Haar fiel wie ein blutiger Schatten über ihre Stirn«. Eine nahe Uhr schlug sieben. Lillian begriff»richt gleich, dann sprang sie aus. Die Vorstellung begann um 8 Uhr, cs »var höchste Zeit. Handtaschc, Handschul-e,»vo? Ach, zerrissen, ein anderes Paar, schnell, Hut, Mantel, Schlüssel, frisches Taschentuch, Puderdose, ein paar Zigaretten, rasch, rasch!!! Ein Sessel siel um, mag er liegen bleiben! Noch ein paar.Handgriffe,.Haustüre, Stiege,.HauStör, Vorgarten, Straß«! Endlich 7.23 Uhr. „Taxi!" schrie Lillian, welch glücklicher Zufall! Und zu dem fragende»« Chauffeur: „Theater, rasch!" Dan» saß sie an di« welche Polsterung gelehnt und atmcic auf, beinahe fröhlich. Warum auch nicht? Daun erstarb das Lächeln aus ihren« Munde.„Ja, ja, ja", sagt« si«««nwillig und wilde Gedanken fluteten durch Hirn urid Herz? Aber wie denn? Nichts denken, jetzt! Nach der Vorstellung»var Zeit zum Denken u««d.Handeln. Stopp!! D«r Wage»« hielt vor dem lichtdurchfluteten Theater. 2. Kapitel. Vor den« Bühneneingarrg standen ein paar Kollegen. Sie empfingen Lillian mit laute»« Ausrufen: „Ei, si«h dal! Groß« Kollegin!!" „Im Auto! Da sieht man, wo der ivahre Reichtum steckt!" „Nur immer vornehin! Nobel geht di« Welt zugrunde!" Lillian lächelt« flüchtig und lief nach kurzer« Gruße di« Treppe hinauf. Gruß auf Gruß folgte, Bühnenarbeiter, Friseure, Musiker, unbeschäftigte Mitglieder, di« den Weg verstellten, und beschäftigt«, in Kostüm und MaSke kreuzten ihren Weg, b«S sie endlich in ihrer Garderobe stand, di« sie «nit drei anderen Dainen teilt«. „Guten Abend!" Frau Marchner, die Garderobiere, sah mißbilligend aus di« Uhr, „.Halb acht ist vorüber, Fräulein Brand!" Und die drei Damen»m Ehor:„Was ist denn los nnt dir?" „Ja", sagte Lillian, von« Stiegensteigen noch ganz atemlos,„ich habe mich verspätet, aber ich habe Zeit bis zum erste«« Finale." Frau Marchner nahm Hut und Mantel und in we»rig«n Augenblicke«« stand Lillian in.Hemd und Höschen. Wahrend sie Schminke auflegte, setzte die Friseurin ihr die Perücke auf, brannte noch ein paar Löckchen, zupfte und kämmte, bürstete uno lockert«. ES ging alles wie durch Feenhändr. Aber di« Unterhaltung stockte deshalb nicht. „Wo sind denn meine Schuhe?" „Das Bändchen hier muß festgestcckt»verden!" „War schon das zweite Zeick»«»«?" „Wieso denn, cs ist doch noch nicht%8 Uhr." „Hat jemand eine Briefmarke?" „Ach du, mit deinen ewigen Liebesbriefen!" „Brauckist ihn» nicht zu schreiben, er kon«n»t ja doch nicht!" „Der hat schon längst eine andere!" „Diese»« Ton muß ich n«ir wirklich verbitten!" „Wo ist den» mein Dermatograph?" „Du hältst ihn ja ii« der Hand!" „Zweites Zeichen, Himmel,.Herrgott noch, einmal!" „Was sage»« Sic zu dcr Kritik?" „Na ja, mm«»veiß ja, mit wen« der Herr bc- freundet ist." „Mir kann es ja egal sein. Ich bin ja noch «nit einen« blauen Aug« davongekommen!" „Au!I Sie verbrennen mich ja!" „Aber, wieso denn?" „So heiß dürfen Sie das Eise»« eben«ich. verwenden!" „Lillian, bist du still oder schweigst du nur?" witzelte eine der Kolleginnen. „Ach, laß mich doch! Ich habe doch solche Eile!" „Ist dein Bräutigam heute in der Vorstellung?" „Nein, er»var doch in der Premier«!" „Also, ich muß sagen: die wahr« Li«be ist das nicht!" „Aber»vo ist denn mein Kleid? Ich hatte es doch eben in der Hand." „Willst d»« mich die paar Wort« überhören?" „Ach, gib dir gar keine Mühe. Di« zweit« Vorstellung ist immer schlecht." „Das ist wirklich wahr! Woher das nur komme«« n«ag!?" „Was weiß denn ich? Ich bin doch keine Historikerin!" „Hysterikerin! Ha, ha, ha!" „Beruhigen Sie sich,«verte Dame!" „Ach,«Iber dich lach' ich mich tot!" „Na gut, laß dich durchaus nicht aufhalten!" Frau Marchner schien di« einzig Vernünftig« «>« diesen« Chaos aus Betvegung, Wünschen. Eile und verspielter Sachlichkeit. Sie griff zu, wo es not tat, und si« wußte iinnrer ganz genau, welche der vier Damen an« meist«»« da» Recht hatte, irritiert und rücksichtslos zu sein, da» heißt, welch« von ihn«»« jetveils die größte, slhwerste oder verantwortungsreichste Rolle hatte. Wichtigtuerei verfing bei ihr nicht. Sie wußte Bescheid. Heltt« war in erster Linie die Soubrette, die die»veibliche Hauptrolle spielte und in zwsittr Linie Fräulein Band zu be» röcksichtgen. die einig« Einlagen tanzte, mit etlichen raschen Auftritten und unzähligen Umzügen. Nun ertönt« das dritte Klingelzeichen und di« Garderobe leerte sich, nur. Lillian blieb zurück und puderte ihre Beine. Dann dnrchschnitt sie leicht erregt und ir« fröhlicher Gespanntheit dei« Gang, der zur Bühn« führte. Hinter den Kulisse»« herrschte zielsichere Geschäftigkeit. Jeder hatte sein bestimmtes Aust, seinen vorgeschriebruen Platz, seinen automatischen Wirkungskreis. (Fortsetzung folgt.) / Nr. 140 CMt> 8 ftuitaa, 16. 1088 pflichtuug entzieht, mefter nicht z> 88.-«svsllkr!e-. Pioniere und Fliegertruppe. (D. G.)Ehemnip, 18. Juni. Die gleichgeschaltetc Chemnitzer Presse bringt eine amtliche Mittel» lung der Leitung des 22, der besonders auS- erwählten Garde Hitlers, daß am 17. und 18. Juni in uud um Chemnitz eine Propaganda- Uebung der gesamten sächsischen TS(Abschnitt II) stattfilwen soll, an der nach den Angaben 5000 TD-Männer teilnchmcn werden. ES handelt sich bei dieser Uebung um ein« ausgesprochene militärische Monöverübu n g, die sich, wie in den amtlichen Kundgebungen mitgcteilt wird,„auf der Linie Augustusburg—Frankenbcrg —Heimchen" abspielen soll. Wörtlich heißt eS dann in der Veröffentlichung in der Cheninitzer Presse: „Besondere Ausmertsamkeit werden dabei der 22-Reiterfturm, der 22-Pionirrsturm, 22-Flir- grrsturm erregen, so wie der gesamte 22-Nach- rlchtendienst, dessen hervorragende Leistungen allgemein bekannt sind." Ans diesen Mitteilungen von nationalsozia- listischer Seit« geht hervor, daß di« SD heute (D. G.) In einem im sächsischen Vogtland" verbreiteten illegalen Blatt stehl folgender, dir „Selbstmorde" Deutschlands charakterisierender Bericht: In Elsterberg wurde der Vorsitzende der dortigen MlP-ÄrupPe uuinittelbar nach der„Er. oberung" Sachsens durch die Nazis verhaftet u>td so furchtbar mißhandelt, daß er in ein Krankenhaus gebracht werden mußte. Unmittelbar nach seiner Entlassung ans dem Krankenhaus wurde er erttetil verhaftet uitd wieder fürchterlich mißhandelt. Jtt einem tinbewachten Augenblick soll er danil angeblich durch einen Sprung aus dem Fenster Selbstmord begangen haben, Ter„Selbst- Mörder", ein großer, starker, üljähriger Älann, soll sich durch ein Gitterfenster durchgezwäng: haben, durch das sich kaum ein Schuljunge hindurch' zwinge» könnte. Der Genoss« ist also regelrecht ermordet worden. * neulscliland imponiert Schrott... Berlin, 10. Juni, Es ist ausgefallen, daß die deutschen Stahlwerke, di« früher Schrott ab- stießen und exportierten, Im Laufe der letzten vier Monate Schrott in erheblichen Mengen i in portiert haben. Diese Mengen sind größer als der Schrott-Import im ganzen letzten Jahr. Man weiß, daß Schrott ein unerläßliches Produkt für die Herstellung aetvisser Kriegsmaterialien, insbesondere aber für die Herstellung von Munition Ist, schon vollkommen militärisch organisiert und ausgerüstet ist. So wie der Reitersturm mit Pferden aultritt, so tritt der Fliegersturm mit Flugzeugen auf und der Pionicrsturm mit all dem Handwerk zeug, das eine Pionierlruppe zum Kriegführen braucht. All« Waffengattungen sind vertreten, und iminer deutlicher wird, daß di« SD und SA keine Feuerwehr und keine Wach- und Schlich- gcstllschasl ist, sondern eine Truppe, die in steigendem Maße militärisch ausgerüstet und ausgebildet wird, und in der Deutschland neben Rrichs- tvehr und Polizei eine zahlenmäßig große Armee hat, zu 8 M o n a te n Gesä ng- Di« Hitler-Regierung bereitet den|i» i ö toc ru r I cj 11. Heinz Blechschuued, Maler, ÄllrS Kriegs- I mermann, Elcklroiustallaleur, alle aus Chemnitz, Aber ,st an den wegen unbefugter Haussuchung itnd Diebstahl bei einem Juden vor den» Sondergcricht, Blechschnticd überdies tvcgcn besonder» gemeinem u n d ü b l e m Benehmen. A l l e d r e i sind Mitglieder der SA., der eine davon gehört auch zur SS. Blechschmied wurde zu einem Jabr 6 Monaten Gefängnis verurteilt, Strauß zu 5 Monaten, Zintmcrmonn zu-1 Wochen. Worin das gemeine und üble Benehmen bestand, wird in der Zeitung schamhaft verschwiegen. Wahrscheinlich hat man de» armen Juden tolgeprügcli oder l>alblot geprügelt.— Der K o m m n n i st Richard Körner wurde>ve- aen Abhaltung einer nichtöffenllick)«» Sitzung in seiner Wohnung zu 6 Monaten Gefängnis verurteill, 7 Teilnehmer an die- scrSitzungzu jc 3 Monaten Gefäng- n i S. Bcrhaftungen. In Rabenau, Licbou und einer dritten Gemeinde wurden vier Butterhänd- lcr wegen Preiswucher cingespcrrt. Die Politik der Nazi verteuert die Lebensmittel und als Sündenböcke werden Kleingewerbetreibende hinter dos Gitter gbracht. Der Lebenshalltingsindex ist von 116.6 im Monat April auf 118.2 im Monat Mai gestiegen. . Auflösung von Berrinen und Beschlagnahme ihres Vermögens. In der Stadt Olbernhau wurden aufgelöst und da» Vermögen beschlagnahmt: der Arbeiterturnvcrein, die Arbeitersamaritcr, Ar- beitcrwohlfahrt, Arbcitcrgcsangvercin, Bund der Opfer des Krieges und der Arbeit, Verein Kin- derfrcundc, Arbeiterschachbund, Arbeitcrradfahrcr, Ernste Bibclsorsclrcr. Tas Vermögen dieser Vereine betrug 700 Mark. Tas ist ein winziger Ausschnitt aus dem Leben im Dritten Reich. Man vergleiche damit die großtuerischen Versprechungen der Nationalsozialisten und die ganze Armseligkeit dieses politische» Gebildes steht vor uns. österreichisch«» Gesandtschaft, ferner zahlreich« Freund« Dr. WasierbäckS sowie ausländisch« -> zum Abschied«in. Die Reich». Deutsche Krlcgsvorberellungen. RheinMctallwerhe Düsseldorf bauen Luitabwehrgeschütze. Arbeiter werden durch Eid zum Stillschweigen verpflichtet. (D. G.) Von unserem Düsseldorfer Mit arbeiter wird uns geschrieben: In den Rhein-Metallwerken wird seit eini ger Zeit mit Hochdruck gearbeitet. Täglich wer den m diesem Betrieb neue Leute eingestellt. Tag und Nacht wird in diesem Werk geschasst. Nach den von unS gemachten Feststellungen werden dort Luftabwehrgefchützy, produziert. Bon der Betriebsleitung und den behörd lichen Stellen wird alles getan, um diese Geschütz- »oduktion, die Deutschland nach den internatio nalen Abmachungen nicht gestattet ist, geheim- zuhalten. Die Auslese der Einzuftellenden erfolgt nach einem bestimmten System. Jedem Arbeiter, der in den Rhein-Metallwerken nach Arbeit nach ragt, werden die Papier« einbehdllen und er be kommt den Besckzeid, daß er wegen der Einstellung nach einigen Togen Nachricht bekommt. Die Pa- Piere des Arbeiters kommen in dieser Zeit zur Kriminalpolizei, wo genau« Erinittlungen über die Persönlichkeit deS Arbeitsuchenden, insbeson dere über seine politische Einstellung gemacht werden. Vor allem werden nur solche Arbeiter eingestellt, bei denen einwandfrei seststeht, daß sie kein« Marxist«« sind. Di« eingestellten Arbeiter müssen einen Eid ablegen, daß sie über die Vorgänge im Betrieb und die Produktion vollkommenes Still schweigen bewahren. Zu Zeiten wird mitten tn der Arbeitszeit der Betrieb angehalten und die Arbeiter müssen zu einer Betriebsversammlung zusammen kommen, in der der BetriebSführcr in einer kurzen Ansprache die Arbeiter auf den von I« Londoner Wellwlrtsdiafts- Redetornier. London, 16.,Juni.(Reuter.) Der portu giesische Delegiertc bei der WährungS- und WirtlchaftSkonferenz Damatta billigte den Standpunkt, welchen Großbritannien und die Bereinigten Staaten gemäß den gestrigen Dar legungen des britischen Finanzministers Neville' Chamberlain und der Erklärung des Präsiden- j t«n Roosevelt in der Frage der Kriegsschulden\ eingenommen haben. Er bezeichnete die« als glücklichstes Vorzeichen für einen Erfolg der Konferenzarbeiten. Zum Schluffe teilt« er mit,| daß Portugal dem Zollwaffenstillstand> Der chinesische Delegierte, Finanzmini-! »er Sun, erklärte: Wenn sich das Lebensniveau Chinas genügend hebt, werde China den größten K o n f u m m a r k t der Welt darstel- len und so ein entscheidender Faktor für die Wie derherstellung der Prosperität werden. Sun be tonte weiters, ein allfälliger Konferenzerfolg hätte keinen dauernden Wert, wenn nicht gleich zeitig das Abrüstungü- und das Sicher heitsproblem befriedigend gelöst würden. Sodann sprach der kanadische B«r- tr«ter, Ministerpräsident Bennett, welcher die vom britischen Finanzminister Chamberlain empfohlenen Währüngsvorschläge billigte. Ka nada akzeptiere den Zollwafsenstillstand für die Dauer der Konferenz, doch spreche er die Hoff nung auS, daß sich die Konferenz nicht damit zu- friedcn geben Werde, den Zollsrieden bei An dauern der gegenwärtigen Verhältnisse zu pro longieren. Der Vertreter der Türkei, Tevfik Ruchdi Bej, erklärt«: Die Türkei wird Maßnahmen zu einer allmählichen Beseitigung deS Kontingent-, shstemS treffen und stimmt dem Vorschlag eines, wirtschaftlichen NichtangriffpakteS zu. Der Sprecher Mexikos Pani erklärt«, Mexiko ist bereit, sein Währungssystem einem von der Konferenz etwa empfohlenen internatio nalen System anzupassen. ES ist auch entschlos sen, an der Aktion zur Besserung des Preis niveaus mitzuwirken. Der griechische Vertreter MaxzmoS stellt« die Mitarbeit Griechenlands in Aussicht. Wenige Staaten, sagte MaximoS, sind von der .Krise mehr betroffen, als Griechenland, daS kein Mittel zur Wiederherstellung deS Finanzgleichge- wichtcS außeracht gelassen habe. Cs vertrant auf die internationale Solidarität. DaS Konferenzinteresse konzentriert sich setzt auf die Frage, wer Borsihender der Wirt schaftskommission und wer Vorsitzender der Fi nanzkommission werden wird. Schuldenhrade vertagt. London, 16. Juni.(Reuter.) Der britische Finanzministcr Neville Chamberlain schloß seine Rede im Unterhaus mit einem Ueberolick über die Entwicklung der Frage der amerika nischen Schulden. Er verlas eine Erklä- rung des Präsidenten Roosevelt, daß cS klü ger und gerechter sei, alle formalen Schritt« in der Schuldenfrage auf eine spätere Zeit zu verlegen. Die WährungS- uicki Wirt- schastSkonserenz sei inzwischen unter den günstig sten Auspizien eröffnet worden und es sei daher unbedingt erforderlich, daß die Konferenz in den ersten Tagen der schwierigen und voraussichtlich langwierigen Diskussion über die Schuldenfrage ausweiche. Im Interesse der allgemeinen Zu sammenarbeit habe ich, erklärt Roosevelt weiter, als Amtsperson die britischen Darlegungen über die Ratenzahlung zum 15. Juni zur Kenntnis genommen. * Mondon, 15. Juni. Macdonald erklärte heut« nachmittags, daß di« allgrm«in« Aus sprache geschlossen sei. * »Mitt der Tsdiedioslowakei zum wirisdialtlidien WaHenstillstand London, 15. Juni. Die tschechoslowakische Delegation bei der Weltwirtschaftskonserenz hat heut« den Beitritt der Tschechoslowakei zum wirt schaftlichen Waffenstillstand durch folgende Note angemeldct:- „Im Kamen der Regierung der Tfchechoflo- wallfchen Republik hab« ich di« Shr«, Ihnen mit- zuteil««, daß di« Tschechaslowakri der Resolution d«S Komi««-» des Rates für die Organisierung der WrltwirtschastS- und Finanzkonfrrrn» vom IS. Mai 1933 bezüglich des wirtschaftlichen Waffen- stillstandes beitritt. Diese Erklärung wiederholt nur die Billigung der entsprechenden Resolution deS Völkerbundes, dir in der Ratssitzung vom SS. Mai 1931 angenommen wurde. Gegeben vom Vertret« der Tschechoslowakei in der Interpretation, welche dieser Vertreter dem Sinn« und der Tragweite deS vorgeschlagenen wirtschaftlichen WassenftillftandrS gegeben hat. Gizelchnet: Dr. BrneS." Wie Selbstmorde aussehen.| per Geist des Widerstandes ---' lebt. (D.®.) Die Bremer Polizeidirektion teilt iit einer amtlichen Kundmachung mit, daß in Bremen in steigender Menge illegale marxiststch« Jcitun- gen verbreitet werden. Diese Veröffentlichung ist ein Beweis dafür, daß irotz alle» Druckes und Terrors In der deutschen Arbeiterschaft sich die Kräfte regelt, die zum Widerstand gegen die fascisfifche Herrschaft bereit sind. In der Bekannt machung der Polizeidirektion werden verschärfte Strafen für die Verbreitung illegaler Schriften angedroht und es wird bestimmt, daß künftig auch derjenige bis zu einem Jahr Gefängnis be straft wird, der nach Empfang einer illegalen Ze:- tung nicht sofort Anzeige erstattet. All« diese Strafen und Strafandrohungen können nicht hin dern, daß täglich die Zahl derer größer wird, d-e auf dem allein noch möglichen illegalen Weg ver-... suchen, Aufklärung in den Massen zu verbreiten 120,000 Arbeitern 16 bis 17.000 die bisherr« und die Widrrstandsfront zu stärken. gen Löhne behalten werden. luder deutsche Hodisdiüler muß Hakenhreuzler sein! MiÄ Eine haarsträubende politische uoehschul-verordnung In Peutschland. Berlin, 16. Juni. Di« nationalsozigli- tische Bewegung stieß bisher bei einem großen Teil der tzochschuliugend auf grundsätzliches Unverständnis. Diesem„Mangel" ist nunmehr nach der Reinigung der Hochschulen von'Nicht- ariern durch streng« Verordnungen und Bor christen abgeholfen worden, di« es den Studen- en im Wesen unmöglich machen, sich auch weiterhin von der Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten fernzuhalten. Die Fol- gen dieser Praxis zeige» sich bereits äußerlich in einem äroßen Anwachsen der nationalsoztalisti- chen studentrnorgamsationen während der letz ten Wochen. Ea gab nicht selten Fäll«, wo die Zahl der Mitglieder dieser Organisationen aus datz süns-ja sogar noch Mehrfach« gestiegen ist. Ueber die Praxis und di« Ziel« der nationalsozia listischen Bewegung unter der Hochschuljugend gab eine Tagung dr« nationalsozialistischen Stu- dentenverbandrS in Berlin, di« für gestern einbe- rusen war, ein anschauliche« Bild. Der Führer der nationalsozialistischen Studentenschaft Krii« Genossen! ausgesetzt für die Verbreitung unserer Zeitung agitieren» Setzt euch überall für unsere Parteipressr ei», z» vaS Heim veS Arbeiter« gehört vir Arbeiterpresse. Darum, Vewilcn n.(&cao||lnncu UmilwE I Gewerkschaftlicher Erfolg der nordböhmischen Textilarbeiter. Mit Ende Jänner 1983 waren die Lohnteile der Textilarbciterkollcktivverlriige in den Gebieten R c i ch e n b c r g, T a n n w a l d uuv, Friedland abgelaufen, so daß 20.000 Textilarbeiter dieser Gebiete vor der Gefahr der Kündigung der Verträge durch die Uuternehmcr standen. Tatsächlich traten die Unternehmer an die Vertragsgcwcrkschaften mit der Forderung eines Lohnabbaues heran, welche sic mit der schwierigen Lage der Industrie begründeten. Tie Vertrauensmänner der Gewerkschaften nahmen zu diesen Vorschlägen auf mehreren Konferenzen Stcllnng und beschlossen, den Lohnabbau a b z n l c h n c n, worauf'die Unternchmer nach einiger Zeit mit neuen Vorschlägen kamen, durch welche der größte Teil der >n den drei genannten Gebieten beschäftigten Arbeiter nicht mehr betroffen wurde. Es ist ein Verdienst der Gewerkschaften, daß von den rund gen Löhne behalt«» werden. aus Berlin abgereist. Berlin, 16. Juul. Vor der Abreise des österreichischen Presseattaches Dr. Wasserbäck au« Berlin sanden sich auf dem Bahnhof der österreichische Gesandt« Tauschih mit den Beamten der ch t 1 Freunde D politisch ergänzen soll. In dieser Diszi-1Journalisten halten sein, da^ nur derjenige künstig d^m Bahnhof ereignete sich^ kein Zwischenfall an d^m stampf um die nationale Be«^eine Frau„Deutschland erwache!" Oesterreidiisthe Naziidhrer nadi Deutsdiland ahuesdioben. Linz, 16. Juni. Der Führer der SA ger teilt« mit, daß zur Zeit an der D i s z i p l i. narordnung für die Hochschulen gearbeitet wird, welch« doS bisherig« Studenten recht Plinar-Ördnung wird u. a. die Bestimmung ent- regierung war nicht vertrete«. Auf halte» fei», daß nur derjenige künftig dem Bahnhof ereignete sich kein Zwischenfall, wird Hoch sch ul sind«« t bleibe« dürfen, der Nur al« sich der Zug in Bewegung setzte, rief p h h»M D.mhl um huHauaI» 91*. I eine ftttll..® f uf lAffttth r r Vn n m ft!" fr«iuna tätigen Anteil nimmt. Di« Studen tenschaft hab« die Pflicht, die nationalsozialistische Bewegung zu dem revolutionären Ziel zu führen. In Hinkunst werde« die Studenten sämtlich verpflichtet fein, an den Wehrübuu- gen teilzunehmen, und zwar mindesten« sür dir|Oesterreich«, Alfred Biegler, ist in Beglri. Dauer von zwei Semestern. Wer sich dieser Ver- tung von zwei Kriminalbeamten im eigenen Auto pslichtung entzieht, wird zum dritten Se- an die österreichisch« Grenz« gebracht worden, mester nicht zugelassen. Außerdem wer. Desgleichen wurden ans eigenen Wunsch Doktor den nur jene Studenten zu Prüfungen zugelas- Gerhard Weyh, der kommunalpolitisch« sen werden, welche sich darüber ausweisen kön- Referent der NSDAP, und der Adjutant Ha- nen, daß sie wenigsten« drei Vorträge über da« dicht«, Friedrich Steiner, mit dem Linzer reichsdeutsche Grenzgebiet absolviert D-Zug ebenfalls in Begleitung von zwei Kri. haben. I minalbeamteu zur Grenze befördert. Die drei Funktionäre der NSDAP waren im Laus dr« gestrigen Tages aus dem Bundesgebiet auSge- wiefen worden und hatten keinerlei Berufung dagegen eingelegt. Dollfuß zurttdt nach Men. London, 15. Juni. Bundeskanzler Doktor ihnen geleisteten Eid verw-ist, der sie zu unbe-1 ÄVÄÄ dingten, Stillschweigen verpflichtet. IM KmtaA mit den ver- Auch di« übrige Schwerindustri« im West-1 n'}} m lichen Deutschland,> u. a. die Mannesmann- Lichts der herrschenden Scannten Lag- m Werke, die bis zu Hitlers Regierungsantritt bleiben. Sr beabsichti«, morgen sich schlechten Geschäftsgang hatten, ist jetzt voll be- J 1?! AM,cug na“>”“, r* d A tt. f. r ckäit at Kelt ItZt iedenlall« dab her 6,8 Sonntag ,u bleiben gedenke. Im Lauf« WÄegieLngalle BorbereitunMN für einen Sonntag werde er ,n Ä.e n eintreffen, neuen Krieg getroffen werden. Di« Schwer- H dor Navi industriellen>n unserem Gebiet haben wieder ein-1 ttzU» lie-III«e-llZle, Ue-I IniILI. mal Hochkonjunktur und sie sind di« ersten, die die Blick in eine Zeitung des Dritten Rei- Hitler»Regierung schon wegen des Geschästes be- z i g und Grahl sowie der Stellvertreter deS Rcichsbcauftragten für di« deutschen Konsum- aenossenschaften Robert Schloesser erschienen. ueber diese Art der Vertretung hatte«S bereits in der Exekutive eine Aussprache gegeben, nach welcher die nachfolgende wurde: „Die Exekutive Hai Klepzig üb« die fetzige Genossenschaften zur Kenntnis nimmt im Sinn« der Statuten der I. G. B. die Ernennung der deutschen Delegierten zur Kennt nis. Sie behält sich jedoch da« Recht vor, den Eharakter und die D«ränd«ungen, welch« in Deutschland durchgesührt wurden, zu untersuchen, deren Charakter nur auf Grundlage der weiteren, Entwicklung vollkommen geklart werden kann., Rach einer ordentlichen Untersuchung und Ueber-' Prüfung wird diese Frage dem Kongreß zur Be- schlußsassung vorgelegt. Detter« erklärt di« Exe kutive, daß sie festen Willens ist, di« Grundlagen der Demokratie bei den genossenschaftlichen Organisationen zu wahren und protestiert gegen dir Singrisfe des Staates oder einer anderen Autorität, welche dir Frei heit der Bewegung rinschränken, die Recht« vermindern oder die freie Entwicklung unter eigener Kon trolle erschwere«. Di« Exekutive drückt die Hosinung auS, daß die Delegierten ohne Diskussion diesen Beschluß zur Kenntnis nehmen im Inter esse der Konferenz, welch« über wichtig« Fragen zu verhandel« hat." Genosse L u st i g vom Üstkedni svaz erklärt«, baß er mit diesem Majoritätsbeschluß nicht ein verstanden sein könne u»id daß er auf seinem Standpunkte verharre, wonach die reichsdeutsche GenossenschaflSbewegung ihre Handlungs freiheit verloren habe und u n t e r d e m Zwange der Regie ru ng fiel,«. Dieser Erklärung schlossen sich die Vertreter Oesterreichs und Belgiens sowie der Vertreter unseres Ver bandes deutscher Wirkschaftsgenossenschaften, Genosse Dietl, an. Der Vizepräsident P 0 i s« s 0 n versuchte die Meinung der Konferenz auf di« Linie der Erklärung der Exekutive zu brin gen. Hieraus sprach Schloesser. Er hielt eine scharfe, reichlich mit dem vom deutschen Rundfunk gewohnten Vokabular gespickte poli tische Rede. Er besaß die Geschmacklosigkeit, den politischen Umschwung in Deutschland mit der großen französischen Revolution zu vergleichen. Da hagelte es von allen Seiten heftige Zwischen rufe, und insbesondere di« französischen Dele gierten wiesen mit Empörung einen solchen Vergleich zurück. Schloesser glaube weiter die sem Forum«inreden zu sollen, daß der deutsch« Nationalsozialismus zwar antiliberal sei, daß aber einzig und nach den Methoden des italieni schen FascismuS und nach denen des deutschen Nationalsozialismus die Menschheit gesunden werde. Schloesser spielte sich sodann noch als Prophet auf und verkündete, daß viele Staaten diesen Beispielen folgen würden. Der reichs deutsch« Delegierte Klepzig versuchte vergeb lich den schlechten Eindruck, den di« von neu- der,._ wirtschaftlichen Wiederaufbau der Welt und alle Versuche, die Krise zu überwinden, vergeblich sind, wenn nicht der Friede desinitiv gesichert ist, und Der Hetterfeilskommiffar- Miesmacher werd«« nicht geduldet.— Lächle oder du fliegst! Herr Dr. Lippert, früher schimpfgewaltiger Chefredakteur des„Angriff", heut« autokratischer Staatskommissär von Berlin, hat am Donnerstag einen Aufruf erlassen, in dem eS heißt: „Es ist dem Staatskommissär Dr. Lippert zu Ohren gekommen, daß mehrfach städtische Bedienstete, die noch vor nicht allzu langer Zeit linksgerichteten Organisationen angehörten oder mit deren Bestrebungen sympathisierten, innerhalb ihrer Dienststunden und auch im Verkehr mit dem Publikum, nicht daS gerade bei ihnen gebotene Maß an Zurückhaltung erkennen lassen. Insbesondere versuchen einzelne städtische Beamte, Angestellte und Arbeiter immer wieder durch übelwollende Kritik einzelne Maßnah- men, di« Regierung der nationalen Erhebung herabzusehen und damit mittelbar die verantwortlichen Männer der Regierung verächtlich zu machen. Auf Anregung des StaatskommissärS Dr. Lippert hat der Oberbürgermeister nunmehr verfügt, daß gegen all« derartigen Treibereien unnachsichtllch eingeschritten wird. Jede bewußte und gehässige„Miesmacherei" wird künftig als eine verkappte Fortsetzung staatsfeindlicher und marxistischer Propaganda angesehen und entsprechend geahndet werden." Nun also! Der braune Maulkorb wird den knur- renden Magen schon zur Raison bringen! Ein marxistischer„MieSmacher" ist jeder, der sich gegen ; faseistische Lohnsenkung und„autoritäre" LevenS- inittelverteuerung wendet. Ein Miesmacher ist'jeder, der di« endliche ' Erfüllung der bombastischen Bersprechungen des 1„Dritten Reiches" verlangt—! Kurzum, als ' Miesmacher gilt ein jeder, der statt der Phrase ' Leistung und statt marktschreierischer Flaggenparaden Arbeit und Brot verlangt—! Herr Dr. Lippert droht mit dem spanischen Rohr der Konzentrationspädagogik allen Unzufriedenen, die der frevelhaften Ansicht sind, daß ein braunes Hemd allein noch nicht satt macht—! Immer noch unsicher«- Wetter. Donnerstag hat die Gewittertätigkeit etwaS nachgelassen. Das Hochdruckgebiet über dem Norden des Erd- teils ist nzmmehr wenigstens vorübergehend im Zerfall begriffen und infolgedessen dürfte die nordöstliche Luftströmung in Mitteleuropa abflauen und die Luftdruckverteilung hier einen gleichförmigeren Charakter annehmen. Unscheinbar« lokale Strömungen werden voraussichtlich in unseren Gegenden, besonders im Karpathen- Hochkonjunktllr in Deutschland! Im„Berliner Tageblatt" findet man in den letzten Woche,»-, folgendes aufschlußreiche Inserat: Arisch«»der jüdische Herkunft ist für Hunderttausende eine Schicksalsfrage von einschneidendster Bedeutung! Ermittlungen, dem Arier-Gesetz entsprechend(Stammbaum), unter Zuhilfenahme eines umfangreichen Archive- von über 80.000'bereits erteilten Privat-AuAünften führt aus daS seit 28 Jahren tausendfältig bewährte Ermittlung-- Institut„Welt^vetektiv", AuSkunfteiPr«iß, Berlin W 6 p, Tauentzienstr. 8, Tel.: Bavaria 8258 und 5256. Kenntnis»Ott kom'nunistischen Thesen, Partei-1 gesteh E^Uh^U^r^A'au^^a"b d"' Ir 0 wSk abgeflogen und hat seinem Ursprung- “"W 1. und so erschien in den kommunistischen Blättern I Konstituierung dieser vorwärts, und„Internationale" vom Diens- Wo täg, den 18. Juni«ine„Erklärung der sozial-[ c,ncn WJ«»*»«*• D'«v°n20 Schulen uyd demokratischen Delegierten" des in Paris statt- Ha'«delSh°^chuwer«,n beschich« Bersammlung findenden, in Wirklichkeit kommunistischen, der A Oefkentlichkeit aber gegenüber allgemein anti-^ di-^chen^ndelLlehra>rstaIt«nderRq>Ek «-.-- tt..... leine gemeinsam« Vertretung, wie sie die tschechische» I Anstalten seit einem Jahre besitzen. Der Verband * 1 soll di« gemeinsamen Interessen aller Kuratorien den Behörden gegenüber vertreten, vor allem aber an der Förderung und Vereinheitlichung beS fc«ut- ee^mten B fmiuIDie Zusammen- MS?'' arS’S*“ •' 1 I neuen Verbandes ist Bürgermeister P 0 l z l-Aussig, it I sein Stellvertreter Bürgermeisterstellvertr, R u s f y- " I bad, Schriftführer Pros. Dr. Menzel-Äu'sig. Ferner 'gehören dem Ausschuss« an: Bürgermeisterstell^rir. Prof. Becker-Karlsbad, Bürgermeisterstellvertr. Dr. germeister Schott-Bodenbach und Direktor Tallaiche! mkl stellt sidi seinen Mördern. Bon Upton Clos«. Ein vierundsiebzigjähriger Arris, völlig er« Mubt, bat sein Testament gemacht und sein »LodcSgeoicht geschrieben, In dem er seiner grim- miiaen Verachtung für den rücksichtslosen Mill« ltarismnS seine« HeimatSstaateS Japan Ausdruck gibt. Er ist von London nach Japan abaereist und hat dadurch dir-Herausforderung der„Vater- ländischen Blutsbruderschaft", doch nach Hause zu kommen.und für sein« Uebcrzrugung zu sterben, angenommen. Gegen do» über ihn verhängte Todesurteil gibt e« kein Rechtsmittel; denn e« wurde von keinem Gericht gefällt und di« chauvinistischen Militärs, die dieses Todesurteil gefällt haben, können es nicht bei der bloßen Drohung bewenden lallen, wenn sie vom japanischen Volke, da« sie jetzt beherrschen, nicht al» eitle Prahler angesehen werden wollen. Nichts könnte«in grelleres Licht aus di« Hintergrund« des bewaffneten Konflikt» Im Fernen Oskn werfen, der den Weltsrieden bedroht, und au« dein Pazifischen Ozean den gefährlichsten Unruheherd der Welt gemacht hat, als dieser Entschluß de« japanischen Politikers Zukio Ozaki; der sich unerschrocken dem fanatischen Militarismus seines Vaterlandes stellt. Seine Person ist auf« innigste mit der japanischen Eroberungspolitik in China und gegenüber dem Völkerbund verknüpft. Im Jahr« 1814 war Ozaki der Märtyrer des politischen Dramas, das den japanischen Militarismus di« Oberhand über dl« parlamentarische Regierung erlangen ließ.-Heut« bereitet sein« ruhige, völlig unsentimental« Ankündigung, da»«r nach Haufe zurrückkehre, um sich den Mörderdolchen des Militarismus zu stellen, diesem weit gröbere Verlegenheit olS die Miß- billigung de« Völkerbundes oder die organisierte politisch« Opposition in der Heimat. Di« Blutbrüderschaft und di« Reservistenvereinigung Japan» haben Ozaki wissen laffen, daß niemand dl« Dinge aussprechen dürfe, di« er in den letzten zwei Jahren in Amerika und England au»sprach, ohne den Tod zu erwirken. Aber so groß ist sein Einfluß auf da» japanisch« Volk, daß die von«bendiesen Organisationen beherrschten japanischen Zeitungen wahrend drS ganzen Sommers 1982 nicht aufhörten, Ozakis Reden und Artikel abzudrucken, di« auf di« gegen« wärtig herrschende Klasie wie Dolchstiche wirkten. Denn Ozaki ist das nüchtern« Gewissen einer kriegstollen japanischen Nation. Nur zwei bedeutend« Männer de» früher mächtigen japanischen Liberalismus wagen«» noch, ihrer Meinung ungeschminkten Ausdruck zu geben. Der eine ist der noch junge christliche Sozialist und.-.Romanschriftsteller Toyohiko Kagowr japanischen Delegierten, die ihren Idealismus B:n einen Stützpunkt auf Shantung vcr- cherten. Aber zwei Jahre später trat Ozaki wieder aus den Plan und führt« die vielleicht bemerken»- werteste Kampagne eines Einzelgänger» in der Geschichte der Neuzeit. Kreuz und quer bereiste er Japan, hielt oft zehn Reden im Tag und trat überall für den damals neuen Gedanken einer Konferenz zwecks Abrüstung im Pazifischen Ozean ein. Denn damals im Jahr« 199t schienen die fieberhaften Rüstungen Japan» und Amerika» fchnurstrack» zu einem neuen Kriege führen zu wollen. Im Jahre 1921 schien der Gedanke, daß sich Regierungen zusammensetzen sollten, um ubcreinzukommen, wieviel« Schlachtschiffe jeder Staat besitzen dürfe, lächerlich und unsinnig). Und dennoch wurde der Reun-Mächte-Pakt Wirklich, keil, der die territorial« Jntregrität Chinas garantierte und der Diermächtepakt, der dem Rüstungswettbrwerb im Pazifistischen Ozean ein Ende macht«. Aber O^ki» Gegner, di« Nachfolger?)ama- gata», habe.« inzwischen di« Oberhand gewonnen. Sie kümmerte» sich nicht um den Neunmächtepakt und den Diermächievertraa. Sie haben da» größte Heere«- und Flottenbudget in der Geschichte Japan» durchgedrückt. Aukio Ozaki sieht den gefürchteten bewaffneten Zusammenstoß zwischen Japan und Amerika al» unvermeidlich voraus, den zu vermeiden, er den unerschrockensten Kampf seine» Leben» geführt hat. Er sieht die Militarisierung China» voraus— da» Entstehen de» furchtbarsten MilitariSmu» der Welt. Aukio Ozaki mußt« mitansehen, wie sein Gesinnungsgenosse Ki Jnukai, der gleich ihm seit dem Jahr« 1890 bei jeder Wahl fn da» Parlament entsandt wotden war, zuerst ein Mario- nett«n-Ministerpräsid«nt und dann von der Militärclique ermordet wurde. Er kehrt heim, um zu sterben wie sein Gesinnungsgenosse Jnukai starb. Eine« Tage» wird er al» Wegbereiter und.Held«ine» nruen Japans in die Geschichte ei»gehen. Er hat mit einem Gedichte Abschied vom Leben geiiommen und in einem Brief« an sein« Tächter hinzugefügt: „Meine Mutter lehrt« mich, daß man mit einem Lächeln auf den Lippen sterben soll. Ich fürchte nicht den Tod, will aber nicht in einem Siechen- bett« sterben. Ich will einen Tod sterben, der ein« Ähre ist für di« Nachwelt." (Autorisierte Uebersetzung au» dem Englischen.) Herr Kolter träumt von Lull. Bon Gerhart Gleißberg. Der beleibte Herr im aut gebügelten Sporl- angug blieb mitten im Kurhausgarten stehen, holte tief Atem nutz sagte:„DaS war heute nacht sink Jahren das erste Mal, daß es mir wieder votiert ist.".Machen Sie sich darüber keine Gedanken", meint« der bewegliche kleine Herr neben chm.„ES war Ihre erste Nacht hier im Kurhaus, da schläft, jeder ein bißchen unruhig. Unaußerdem— wissen Sie, da gibt«S doch jetzt dieze Psychoanalyse, so eine Art Traumdcuterei, wenn ich rocht unterrichtet bin... also, da Interessieren sich jetzt sogar Professoren und Geheimräte dafür. Sie gingen ein paar Schritte schwelgend zwischen den mächtigen Bäumen d«S Garten», unter denen di« elegantesten Gäste de» weltberühmten Erholungsortes tätlich eine Stunde zu promenieren pflegten, um sich gegenseitig zu bewundern und um dem teuer bezahlten Rat ihrer Acvzte zu folgen. „Wovon haben Sie eigentlich geträumt, wenn ich fragen darf", begann der kleine Herr nach einer Weile wieder.„Ja, deicken Sie", sagt« der Beleibte mit. einem nachsichtigen Lächeln, ,chen- len Sie, Herr Treiber; ich habe von Luft geträumt." „Bon Luft?" wundert« sich Herr Treiber, „Sie wollen wohl sagen, von nichts?" Der Herr im Sportanzug runzelt« ein wenig di« Stirn.„Meinen Sie wirklich, Luft ist nicht»?" Und wen der andere mit den Schul- tern zuckte- um anzudeuten, daß ihm die Frag« weder interessant noch ersprießlich schien, fügte der Beleibte hinzu:„Gestern vor dem Einschlafen kam mir nämlich der Gedanke, daß Luft mehr al» nichts ist.' Aich davon habe ich dann geträumt." Herrn Treiber schien da» Gespräch etwas ' langweilig zu werden. Er war darauf gefaßt, hier beim Erholungsaufenthalt von dem Börsenkönig Koker auch einmal etwas ander» zu hören als feine Meinung über Jahresbilanzen, Dividenden. KurSbeweautlgen, Aktienmajoritäten und AufsichtSvatSbcschlusse. ES hätte ihn nicht gewundert, wenn Herr Koker chm etwa» von seinen Nerven, seinen Aerzten, feinen Freundinnen, vom Essen im Kurhaus oder gar von seiner Familie erzählt hätte. Aber von Luft? Herr Treiber begann sich schon den Börsenkönig daraufhin anzusehen, ob er etwa sonst noch sichtbar« Zeichen vom Nachlassen seiner geistigen Kräfte zeigt«. In die- fcm Fall«, sagte sich Treiber, wären schnelle Ent- schlüssc hinsichtlich der geplanten Fusionen am Platze... Aber Herr Kok«r wollt« sich von seinem Thema nicht trennen. Er überrascht« Herrn Treiber mit der Frage:„Warum sind S« eigentlich dielen Sommer wieder hierher gefahren?" Der kleine Großindustrielle, der fetzt ernstlich für den Verstand seines Freundes m fürchten begann, erwiderte ärgerlich:„Selbstverständlich zur Erholung! Warum fragen Sie?"-Herr Koker blieb stehen.„Weil das hier ein Luftkurort ist. Und Ivenn Luft nichts wäre, dann ivürd« doch niemand hierher fahren." Er hatte die rechte Hand beleh- rend erhoben und sah den kleinen Treiber trium- phierend an. „4ta ja", kickte der«in,„Luft Ist natürlich Luft, und hier im Gebirge ist sie besonders rein und kräftig. Aber ich seh« beim besten Willen «licht ein, warum wir uns darüber unterhalten sollen." Herr Koker blieb noch Immer stehen. „Weil ich von Luft geträumt habe, lieber Trer- ocr, weil Ich im Traume an der Luft hier im Gebirge ein Paar Millionen verdient habe!" „Gehen wir etwa« abseits", schlug Treiber vor und führt« den Börsenkönig zu einer Bank an der äußersten Ecke des Kurhausgarten».„Als ich gestern nachmittag", berichkte Herr Koker, „mit meinem Auto hier oben ankam, da wurde mir«in bißchen seltsam zumute. Ich wußte nicht recht, wa» ich hier eigentlich sollt«. Hier war keine AussichtSratSsttzung, keine Börse, keine Bankdirektion, kein Prozeß, hier waren einfach Leute und Aerzte und Kellner und Luft. Und wegen der Luft find sie alle hier, sagt« ich mir, und die Luft ist gut und außerdem teuer— daß die Preis« hier unverschämt sind, wird Ihne» ja auch schon aufgefallen sein— und al» ich dann abends schlafen ging, da»lachte ich mein Fenster weit auf, und spürt« zum ersten Mal im Leben, wa» Luft für ein« wichtige Sach« ist." „Sie haben schon immer originelle Ideen gehabt", schmeichelte Treiber. „Ja, denken Sie", fiel ihm Koker in» Wort, ,Jba gibt es eine so wichtige Sache wie die Luft — und deinem gehört sie!" Treiber riß vor Staunen den Mund auf. „Da haben Sie wirklich recht", rief er begeistert. „Natürlich habe ich recht", bestätigte Koker gelassen. Der kleine Treiber reckte den.Hals onipor, uin kein einziges Wort;u überhören.„Ich habe geträumt", erzählt« Koker,„daß alle Leute hier am Ort, di« Kommerzknrate und die Kellner, die Zimmermädchen und die Prinzessinnen, zu mir kamen und fragten, ob sie atmen dürsten. Sie waren übrigens auch dabei, Herr Treiber. Und ich habe gesagt: mir gehört die Luft hier, aber gegen Bezahlung dürfen Sie atmen, mein« Herrschaften. Da haoen alle ihr« Geldtasche ge- ;oge>l und gezahlt: pro Kubikmeter eine Mark. Der Kurarzt hatte jedem ein« Bescheinigung ausgestellt, wieviel Luft er in der Woche einzuatmen hat. Und der Besitzer deö Sanatoriums: der zahlte eine Jahrespacht für di« Luftkuren seiner Patienten. Und ganz zum Schluß kam der Kurdirektor. Der wollte mir den Luftbesitz für dl« Kurverwaltung abkausen. Bei der Verhandlung mit ihm bin ich aufgewacht." .Herr Treiber war vor Erregung aufgesprungen.„DaS Ist die größte Jd«e de» Jahrhunderts, Verehrter. Man muß die Luft In Besitz nehmen. Ein totsichere» Geschäft. Denn jeder muß atmen. Tiere und Pflanzen auch, da» macht doppelten Absatz bei Gartnern urrd Landwirten. Und dann di« Flugzeug«, die Segelboote, dk Rotorschiffe, di« Bennlatoren, die Luftdruckbremsen! Und die Stickstoffindustrie!"'Ter kleine Großindustrielle keucht« vor Aufregung. Herr Koker zündete sich ein« dicke Zigarre Magnus Hirschffeid: Sittengeschichte des Weltkriegs (2 Bände) Organisationsausgabe statt Kö 400— nur Ki 140"— Zu beziehen durch die Zentralstelle für das Bildungswesen, Prag II., Nckäzanka 18. Nund um das„Dritte RE... Herr Franz Müller in Berlin W. hat ein Konsitürengeschäft und schwarzes Haar. Tas Konsitürengeschäft ist unbedenklich, aber daS schwarze Haar ist bedenklich. Was nutzt die beste Ueberzeugung, wenn der rassische Schein gegen einen spricht? Und so konnte man denn eine» Tages an Müllers Ladentür einen Jnformationszettel diesen Inhalt» lesen: „Nicht jeder ist Jude, der schwarze» Haar hat! Die» Unternehmen ist rein christlich!" Rechtsanwalt W. in Berlin, ein sehr bekannter Anwalt, ist zwar der Typ eines schneidigen Korpsstudenten, aber der semitische Schuß im Blut ist nicht weazudisputieren. W. steht politisch rechts und war seit jeher ein Arrivierter unter den reaktionär orientierten Anwälten. Bis ihn die„Sturmtage" des März 1933 stark aus den Geleisen warfen, „Wie gehtS Ihnen, Herr Dr.?" wurde er eine» Tages von einem Bekannten gefragt. „Körperlich ausgezeichnet—" erwiderte W. „Ich habe gar,nicht gewußt, au» was für einer gefunden Familie ich stamnie, Herr Kollege! Selbst meine schon lange tote Großmutter>st wieder lebendig geworden—!" Eine christliche Buchhandlung in Deutschland, die zahlreiche jüdische Kunden hat, war durch die Entwicklung der Dinge in ein arges Dilemma gerate». Da kam der Reklamechef auf einen salomonischen Ausweg. Der Ausweg lautete folgendermaßen: „Arisches Geschäft!— Ma» spricht hebräisch!" Mtt. an und sagte: ,Jch deute mir die Sache so. Wir gründen eine Aktiengesellschaft: A.-Ä. für Lustgeschäfte. Wenn die Leute an der Börse hören, daß wir dahinter stecken und worum es sich handelt, werden wir di« Aktien im.Haudumore1)en los. Dann weickren wir uns an die Regierungen in Europa, deren Staaten in Finanznotcn sind. Also an alle Regierungen in Europa. Wir bieten ihnen unser gefaultes Aktienkapital als Anleihe, wenn sie uns den Besitz der Lust in ihren Staaten abtretcn. Und dann geht die Sache toS." Treiber war In Verzuckung geraten:„Bisher gehört« die Luft keinem, jetzt wird sie uns gehören. DaS ist Kapitalbildung— allo eine Patriotisch« Tat für alle Länder der Welt!" „Hören Sie weiter", sagte Koker.^Wir treiben die Luftpreise bis an die Grenze dcS Möglichen. Dann verkaufen wir unser Monopol wieder an die Staaten und zahlen rmsere Aktionäre ans. Und dann warten wir ein Paar Jahre, bis die Staaten wieder in Schwierigkeiten sind und kaufen von unserem Gewinn das Monopol wieder zurück und besitzen«» dann ganz allein." „Wir telegraphieren sofort an die Bank. Wir setzen sofort den Vertrag auf. Wir reifen mit dem nächsten Zug nach Hause." Der Börsenkönig und der Großindustrielle liefen aufgeregt durch den Garten anfs Kurhaus zu. Koker knöpfte sich schon unterwegs semen gut gebügelten Sportanzng auf, nm keine Zejt mit dem umkleiden zu verlieren. „Wann geht der nächste Zug?" fragte Tret- ber den Portier des Kurhauses. „Qn einer Stunde", sagte d«r livrierte Mann mit ausgesucht«! Höflichkeit.„Wollen Sie denn schon abreisen, meine Herren? Die Lust hier ist doch unübertrefflich." „Deshalb reisen wir ja gerade ab", ries Treiber. Al» sie in den Fahrstuhl stiegen, um in ihr« Etage zu fahreii, sagte Treiber zu Koker:„Der Portier hat das sicher nicht versfänden." „Ja", gab.Herr Koker zur Antwort,„diese Leute verstehen meistens nichts. tvaS wir tun—- aber zu spüren bekommen sie es immer." ftteltag. 16. fttttti 1988 teil« 6 A t. J4U PRAGER ZEITUNG Geriditssaal Schnn r", Vereinsnadiriditen Scgiti« Literatur Kunst und Wissen Der Film II Tribüne Soorl• Spiel»KBrnerollece 99 Wo verkehren vir? sind die Soldat«» der großen Arm«, sich sammelt, um weiterzukämpfen, sind die Besiegten von gestern und se, kämpfen für rin« Menschheitsidee für die Gesellschaft von morgen. nicht mehr von So- Freitag, Samstag. Eisen■ Bon Peter M u n k. Zu singen an Straßenecken, in Kaba- rells und Schankställen jenseits der deut- ' scheu Grenzen. Rächt und Rebel, den Hut im Gestcht, Herunter die MaSk«, herunter den Bart, Air wollen nicht länger krepieren. Mr zeigen euch heute, wie Deutschland erwacht. Wir rufen«S laut in die dunkelste Rächt Und spielen, waS die uns soufflieren. Ich bin Gelehrter und ich Prolet. Mich hat man mißhandelt, und mich geschmäht. Zwölf unterwegs, verfolgt und bespien. Zwölf unterwegs durch Europa zirh'n. Und wenn auch für uns die Stund« schlägt. Und die Stunde ist nicht mehr fern, Dan» heben wir uns von der Erde auf, Daun sind wir nicht.Unechte mehr sondern Herr'u Und raumen in Deutschland auf. Dann komm ich aus Zürich, und ich au» Wien, Dann fahr ich nach Frankfurt, und ich nach Berlin. Zwölf unterweg-- die wissen wohin,... Zwölf unterwegs durch Europa zieh'n. Da- sind die Soldaten der großen Armee, Die sich sammelt, um weiterzukämpfen, Da- sind die Sieger von gestern und se, Sie kämpfen für eine Menschheitsidee Und für die Gesellschaft von morgen. Und wenn auch di« Zukunft, und wenn auch der Geist Bon Goethe und Lessing und Herder und Kleist Neber die Grenzen gegangen— Zwölf unterwegs und Millionen zu Hau-, Die wollen nun nicht mehr aus Deutschland rau-. Die ballen die Faust und machen nicht schlapp. Zwölf unterwegs. Wir rechnen ab! Ortsgruppe Prag. Zusaunnrnkunst (> Uhr Bramler Bahnhof, Fahrt in die Stromschnellcn. Führer Zechner, matione»! Monatsscbrlit tQr ArbelterpolltUt and Arbelterkultur. Dio„Tribüne“ unterrichtet den sozialistischen Ver. traoensmaan Ober die aktuellen Probleme des Internationales Sozialismus, der Oekonomle und der Kulturpolitik. Jahresbeznj SO Kd. vlerllhrllcb IO Kd. Elnzelbefte 4 Kd. Bestellungen durch den Vertrauensmann, die SchrlllenabUlltut. W», Volksbuchhandlung oder direkt durch die Verwaltung M Prag IL Nekaxanka U. Der Vertrauensmann liest dl« Man ersieht daraus, daß nicht nur di« Strümpfe und die Kartoffeln, sondern auch die Fußballer in dieser Kriseirzeit billiger geworden sind. Ein erstklassiger Stürmer ist jetzt schon um 10.000 K zu haben, eine Bagatelle, die durch ein einziges Mßballwcttspicl amortisiert werden kann, wobei der Wert de« Spielers außerdem noch dem Verein verbleibt. Alles ist schließlich eine Existenzfrage, sowohl für den Spieler, der für die Tilgung der Auslage, die er dem Verein verursacht hat, auskommen muß, indem er Leute anlockt, wie auch für die Geschaftelhuber des bürgerlichen Sports, der, wie ein einfaches illechcncxempcl besagt, mit Körperkultur längst nichts mehr zu tun hat. Josef Maria Frank:„.steine Angst vor morgen." Ter Roman einer Kameradschaft. Universitas, Deutsche Verlags A.-G., Berlin\V 50. Pappband RM. 3.80, in Leinen RM.-.80. Zwei junge Menschen, Ellen und Äim, 1032 in Berlin, scheinen es gut zu haben. Ellen hat ihr« Stellung als Stenotypistin, Jim, der Werkstudent verdient sein Geld in einer Garage. Die beiden begegnen sich, müssen aber auseinander, ohn« sich gefunden zu haben, und als der Zufall sie wieder zueinander wirft, geht es ihnen nicht mehr gut. Die Arbeitslosigkeit hat auch sie gepackt, slc haben kein Einkommen, sie können beide ihre möblierten Zimmer nicht mehr halten. Doch sie lassen sich nicht unterkriegcn, sie ziehen zusanimen hinaus in die Zellkolonie am Müggelsee und da werden sie ausgenommen in die groß« Kameradschaft der Stempelbrüder, wo sie, dank der Kameradschaft, neu« Lebensmöglichkeilen finden.— Frank gelingt eS zum erstenmal, in diese eigentümliche Welt der Arbeitslosen hin«i»zulcuchlen, die alle äußere Bequemlichkeit verloren haben, die aber«in ganz neues L«bensglück in ihrem einfachen naturmchcn Leben finden. Der erste lebensbejahend«, zukunftsgläubige, optimistisch« Arbeitslosenroman! Die Röt« unserer Zeit werden nicht verkleinert, aber Frank zeigt sentimentalitätSloS, mit erfrischendem Humor, daß der Einzelmensch bereits ein«„Krlscnlösung" gesunden hat: den rettenden Weg in dl« schicksalvcrbindende ! Gemeinschaft Lied der„Zwölf unterwegs" Au» dem Deutschland der braunen Hunnen. Aus den dem Arbeiter Turn und Sportbnnd gehörenden Häusern wurden nunmehr auch di« Bundesvorstands» initgliedcr ans den Wohnungen vertriebe n, die sie durch Ihre Wirksamkeit mit geschaffen haben. — Der Reichssportkommissär betreibt weiterhin energisch die Militarisierung des gesamten deutschen Sports und d^e wehrsportliche Erzieh n n g ZN Kriegszwecken. Ter Weltarbeitersporttag wurde bereits in N o r- wegen und Finn la n d durchgeführt. Än Oslo gab es einen Demonstrationszug von 10.000 Arbeiter- sportlern. Auch in Finnland war die Teilnahme sehr stark, besonders aber in Helslngfors und Turku. Da- Jubiläum-fest der ungarischen Arbeitersportler, das am 17. und 18. Juni in Budapest stattfindct, wir- auch Arbeitersportler auS Oesterreich (Sonderzug aus Wiens, der Tschechoslowakei(DTN.) und Rumänien an den Start bringen, di« das reichhaltige Sportprogramm sehr beleben werden. „Lulu" von Frank Wedekind(autorisierte Bearbeitung von Wedekinds„Erdgeist' und„Büchs« der Pandora" von Otto Falckenberg), Dienstag, Erstaufführung.-Inszenierung: Gel In er a. G. Titelrolle: Rut Jacobsen vom Deutschen Theater Berlin a. G. Diese Inszenierung umfaßt auch eine größer« Anzahl von Wedekind^shansons mit Kompositionen des Dichters. Bühnenbilder nach Entwürfen von Otto R e i g b e r t, Köln, der auch die Bühnenbilder der Münchener Uraufführung entwarf. Projektionen nach Franz Maser«ei und Otto Rcigbert.(A 1.) Wochenspi«lplan de» Neuen Deutschen Theater-. Freitag,%8 Uhr:„Aida", Gastspiel Rethberg— Brauz«ll(D 2).— Samstag, J48 Uhr:„H osein a n n s Söhne", Enscmblkgastspiel B r e s s a r t (A. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. 8 Uhr:„Fabian, der Elefant".— 'r’8 Uhr: Holländer-Revu«:„H ö ch ste bah n", Erstaussnhrnng. 9» Durch Dörfer und Städte und Straßen, Ein Hemd aus dem Leib und im Rucksack den Haß. So haben wir Deutschland verlassen.: Ich bin au« Frankfurt, und ich au« Berlin. Ich wollte nach Zürich- und ich nach Men. Zwölf unterwegs, dir nicht fragen wohin, Zwölf unterwegs durch Europa zieh'». Mr Die Mr Mr Und Mit un» ist die Zukunft, mit uu- ist der Geist Bon Goethe und Lesiing und Herder und Kleist Neber die Grenzen gegangen. Zwöls unterwegs und Millionen zu Haus, Die halten es nicht mehr in Deutschland au-. Die schmeißen den ganzen Krempel hin. Zwölf unterwegs durch Erropa zieh'«. dürfe nicht Geschäft« mit der nationalen Erhebung treiben, man müsic dies« hohen Ideen nur von berufenen Leuten darstellen lassen; und also kam«S zur Gründung der wutschen Filmbank mit einem Kapital von 20 Millionen Mark zwecks Finanzierung des neuen Films. Weder di« Befreiung des Volkes noch die Brechung der Zinsknechtschaft wird den Film beschäftigen: die Verzinsung der Bank und ihres Kapitals ist heute FilindeiitschlandS Hauptproblem und Goebbels, der Reudeuttche, Asphaltbesreite, kann voll- Stolz für folgende Reklamen verantwortlich zeichnen:„Nu r«inma l im Leben', hinreißendes Werk Ncudentschlands, inszeniert vom Juden Neufeld,„Das Lö sage Id", ein Sensationsdrama von Rudolf Klein-Rogge,„Leise flehen meine Liede r", Produktion des Erzariers Rabinowitfch,„Meine Schwester und! ch", Regie Karl Hart l, mit den„Erzfeindvn- Franzosen" Albert Prejean und der Mari« Belle,'„Der Walzerkrleg",--Regte Hitlers Rassenparadeslück Tr. L. Berger. Und die Ufa, stets allen voran(im Judenhinaus» und Marxisten schmeißen wie auch Neuaufbau) kündet eine Reihe von Filmen an, die„in den schönsten Gegenden spielen' und voll„sind von Humor, Musik uird Schönheit". Weil wir bei der Schönheit sind, so seien„D i e 'chöncn Tage von Aranjuez" an erster Stell« genannt, mit jener Brigitte Helm, deren Mitwirkung an„Gilgi, ein« von uns" erwähnt wird, ferner„Der-Stern I e n c i a" von den Juden E i s und Kätscher, Regie ZeiSlcr,„Amor an der~" Regi« Kurt G« rron, den man aus dem Atelier hinausgeworfen hatte,„Die Lieb« des jungen Prinzen" und„Florkan Geyer", von dem uns die Ufa verkündet, daß er nichts, aber auch gar nichts mit dem Drama Hauptmanns gemein haben würde. Und während so Goebbels, der Obcredl«, daS Ausland beruhigt mit der Versicherung, daß auch das Hakenkreuz verdienen muß, eben an Stelle jener Juden und Marxisten, deren Plätze jetzt eingenommen werden, geht die nationale Produktion Weiler, allerdings mit Bankfinanzicrung und sichtlich aufgebaut auf jenen Geldern, di« das gutgläubige Ausland fiir obengenannte Geschäftsfilme zu zahlen hätte:„SA-Mann Brand",„Hi tlerj unge Quex",„Danzig wird national",„Brr- dun, wie es«in Deutscher sieht",„Donau m o n t", ein-Heldenlied aus dem großen Krieg, „Ein Lied geht um die Weil'(nämlich daS Horst-Wcsiellied), das sind die Filmneuigkeite» für den deutschen Hausgebrauch. Diese zu finanzieren, wird daS Ausland und auch der erwachte Deutsche selbst aufgerufen mit Werken, die noch vor wenigen Wochen für Goebbeks'fch« Trommrlsellempslichlichkeit Io unmöglich waren, daß man nicht einmal darüber reden dürste. DaS Filmhakenkreuz ist eben zutiefst ethisch und«del: seine Produkte tverden, auch wenn sie also getarnt ins Ausland kommen sollten, mit der gebühreichen Klarheit gewürdigt werden. Tenn ihr Zweck ist nicht Kmrst, Kultur, oder sei eS auch Geidverdienft, sondern die Finanzierung von„Dou- aumont",„Verdun".... Walter Lustig. Unser Blatt der„Sozialdemokrat“ ist in Prag in folgenden Berschleitzstellen zn hoben: Bahnhokshuehhandlung, Wilsonbahnhof. Masaryk- bahnhof, Denlsbalinhof. BarUk, Trafik, Prag II., Tytnov 2. Barak Hugo, Trafik, Präs I„ ShromiiliU Bi* mSatl 32. Hodrova, Trafik, Smichov. Bibk. legü 13. Jelfnkova, Trafik, N'unle II„ Moatni domy„Re- fortny“. Kotysa Jan, Trafik, Smichov, Zhorovaki tk. In. Kraunova A., Trafik, Karlis, Krilovaki 14, Krojvik A., knlhkupcctvi, Prag-Lieben. Krilov- ■ki 1511. Kronpa JlndL. Trafik, Prag II., Balinovo nibk„ stanok 114. LUwcnaohn Karl, Trafik, Prag II., Nekazanka& Marei Josef, knlhkupoctvi, Prag-Bubenfi, al. Ur. Brifa 34. Monik, Trafik, Prag I., Parlament. Mrdükova, Trafik, Prag I., Josefskä tk„ stinck 127. Mriz Jan, Smfehov, Badlicki tr. 43. Orbis A.-G., ZcItungsverschlolB, Praha XII., Fo- chova tk. 62. „Prags“, ZcltungaversehlcID, fragil- Havlidkovo nim. 23. Sedlik Väclav. Trafik, Dejvlco, Svccova. Skrabkova Anna, Trafik, Delvlce, Hcnnerovy üfcdnluki domy 286. Strouhal Artur, Trafik, Prag III., Moslecki 40. Tausaig E., Zol tu itgs verschleiß. Prag IL, Vaclav* ■ki nim. 45. (Jngormann Rudolf, Prag IL, Panski bei Palast* hoteL Üstrcdni dein, knihkupeetvf, SvBceny, Prag IL, Hybernski 7. Zomann, Trafik. Prag I„ Perlt#n. Fcnzl. ZeitungsverscblolB, Prag IL, Smetky 8-10. Und bei StraBenverkäufern: Wenzolsplals-- Mustek— Masarykbahnhof— WlisonbahnhoL Vie Haftung ver Siiendahn dri Ausflüglertransporten in Lastwagen Di« gebrochen« Plank«.— Eine oberstgerichtlich« Entscheidung. Ein interessanter und gerade in der Zeit der Ausflüge und Erholungssahrtcn aller Art akiueller Schadenersatzprozeß gegen das Eienbahnärar hat dieser Tage durch ober ft gerichtliche Entscheidung sein« Erledigung gesunden, die von grundsätzlicher Bedeutung ist. Bekanntlich werden an Sonn- und Feiertagen auf manchen Strecken A u s f I u g s z ü g c aus L a ft w a g g o n s zusammengestellt. Das Ein-- und Aussteigen der Passagier« erfolgt, da die Lastwagen keine entsprechenden Stufen besitzen, mit Hilfe tine» Steges, einer breiten Planke, die mit einem Ende aus dem Boden auflicgt, so daß die Fahrgäste auf einer schiefen Ebene den Wagen besteigen und verlassen. Im M a i v. I. kehrte ein solcher Aus» flugSztig aus K a r I st e i n nach S m i ch o w zurück, wo die Passagiere in der geschilderten Art aus- waggonierl wurden. Eine junge Frau, Anna Zele n.ka, eine Büroaugestellte, die mit einigen Freundinnen an dem Ausflug leilgenommcn hatte, verließ als ein« der letzten den Waggon. Als sie sich auf dem Steg befand, brach dieser mitten durch und Frau Zelcnka stürzt« auf das Steiirpslaster des Bahnhofes. Sic erlitt durch den Sturz eine schwere Rückgratverletzung, Brüche zwei«' Wlrhel und ein« GelenkSverletzung. Die Verunglückte mußt« fünf Wochen im Krankenhaus liegen und Halle on den Folgen ihrer schmerzhaften Verletzungen länger« Zeit zu leiden. Da die Eiseirbahnverwaltung jeden Schadenersatz ab lehnte, bracht« Frau Zelcnka di« Schadenersatzklage«in, die von Dr. BaS.vertreten wurde. Die Eisenbahn bestritt jede Haftpflicht, da «S sich um keinen schadenersatzpflichtigen Betriebsunfall im Sinn« des Eisenbahn* haftpslichtgcsctzeS handle. Ferner berief sie sich auf die bekannt« Undiszipliniertheil des Publikums, daS bei solchen Anläßen eigenmächtig und ohne auf das Bahnpersonal zu warten, di« Stege auslcg« und beim Aussleigr-.i sich dräng« und raufe. DaS Publikum trag« also en solchen Unfällen s e I b st die Schuld. Die erste Instanz schloß sich dieser Ansicht an und wi«S di« Klage kostenpflichtig ab. Auch das Obergericht alt Be- rusungSinstan; war der gleichen Meinurrg, woran' di« klagende Partei Revision an da» Oberste Gericht einbrachte. Das Oberste Gericht hat die Urteile der beiden unteren-Instanzen aufgehoben und der Klage st a l l* gegeben. In der Begründung wird autgesührl, daß der Unfall durch ein« Im normalen Betrieb ungewöhnliche Vorkehrung verursacht wurde.. Wenn sich di« Bahn einer solchen bediene, übernehme sie auch die Verpflichtung, all« Maßregeln zu treffen, welche die Vcherheit der Fahrgäste gewährleisten und habe eventuell« Folgen zu vertreten. Sie hab« auch mit der bei solchen Anlässen üblichen Nervosität des Publikum- rechnen und auch in dieser Richtung entsprechend vorsorgen müffen. Daß die- nicht in auireichendrr Weis« geschehen sei, beweis« daS Faktum d«S geschehenen Unfalles. Daher sei die Bahn zur Gutmachung des Schadens verpflichtet. rb. Rin&erfreun&e PSrag. Der Kindertag findet nicht am S o n n t a g, den 18. Juni statt, sondern am Sonntag, den 25. Huni aus dem Platz der D. T. I. am Pohorekee. Sonntag, den 18. Juni Tagesausflug nach Zbraslav. Zusainmenkunft um nenn Uhr vormittags bei der Endstation der 21er Linie in Hodkotviv. KINO-PROGRAMM vom 1». Juni bis 32. Juni 1038. n dar tzelm des NaffeabemAen Meilers gehört d. Zeutralorgm. Dentkche» sozlaldemokr. Arbeiterpartei «Sozialdemokrat-— Wao kostet ein erstklassiger FntzballStSrmer? Diese Frage beantwortete vor kurzem ein Berichterstatter einer bürgerlichen Zeitung in einer Betrachtung über die 1:0-Nicderlagc des TFK. in Konwtau wie folgt: ES scheint, daß di« Frage eines schußkrästigcu Stürmers für den Teplitzcr FK. zu einer Existenzfrage sich zuspltzen ivlrd. Uebrigcns verstehe» wir die Handlungsweise der Führung nicht, da sich doch daS Engagement eines s ch u ß k r ä f ti g e n Stürmers in einem einzigen Spiele ganz oder teilweise amortisieren würde. Man braucht sich nur folgendes Rechenexempel zu über- legen: Heut« ist ei.n erstklassiger Stürmer schon um 10.008 Kd zu haben. Ein einziger solcher Stürmer wär« sicher imstande, in Teplitz 500 Leute mehr aus den Platz zu locken, so daß diese Mehreinnahm« schon fast ein« gänzlich« Tilgung dieser Auslage bedeutet und der Wert des Spie- I l« rs überdies dem Verein weiterhin verbleibt. HtireN»,s»er: etstfrM Inl— CbslseSeltsist Silbsla tttehnes.—»esumMusiUches ftebulteurt 9t. EmU ett«'ak. HJrcc Druck: ,S|oW U.<» fit Bettung- un»»uchdruck’Bwa-- güt»eu Druck veraMwottUch: 0«, PttNk, Imi, E Dich SiliuMfmastenfcaittatui wvrtz» bm dar Posta b. relearophendurtiioo«ti Erlöst Nr I3.800/vnfi88o stewilllar.— Vezua-bedmamrse» Vel Zufteüung»nß Hau- ober bei Bezug durch di» Bost monatlich Kd 16.—, vierteljährlich Kl “" Qi^t i i"1»Fj-j 0—1^»"— a‘Hf‘ u-f r-"t""‘irf■“***-•*.■** mi—i*friifrr~t"rr*-US»Kt a-is-hu». s« Verschämtes Hakenkreuz. Einige Worte über den neuen deutschen Films Zu Anfang war das Wort und der Reichstagsbrand; also verlangte Goebbels in procura de» neuen teulschcn Films nach Vernichtung und Ausschaltung so lächerlicher Figuren wie Pabst, Granowski, Trivas ufw., die Darstellung der nationalen Heldentaten(wobei mit dem Reichstagsbrand begonnen wurde, die Fortsetzung hieß„Brennende Erde"). Und so ging die Gleichschaltung weiter, mit klarer Folgerichtigkeit gelangte Deutschlands Film- neues zum„Blutenden Te.u t sch l a n d"(ohne SA-Kaserne und Konzentrationslager, das gehört ins Kapitel Greuelpropoganda) und den„Schwarzen Sturmfahn«n", bei denen die armen Bauern .so lang« stürmen, bis das Bild Hitlers als Kinderschreck über den wehenden Flaggen zu erscheinen beliebt. Wie erstaunt waren die Gleichgeschalteten, wie entsetzt, als die erwachten Deutschen zwar fleißig in Uniform, aber nicht ins Kino gingen; die Werke der nationalen Befreiung sielen durch, besonders in der Provinz und d'e Kasscnrapporte waren entsetzlich schwer zu verdauen. Kinobcsitzer kann mau immer zwingen, national« Hetze zu betreib«»: so lange nämlich die braven Bürger auf den Leim und in die Vorstellungen gehen, man kann di« dickste» Bäuche unter dem nettesten braune» Hemd verbergen, man kann Riemann und Sima, Schicttow und di« Strabowa an der Spitze der Film SA- Grupp« in tausenden Photos zeigen, um alle zu ködern. Aber die nationale Befreiung wird:n ihr Gegenteil verkehrt, wenn sie die Pleil« zur Folge hat. DaS, was man der'„Asphaltproduktion" borge-vorsen hat, daß sie nämlich nur- und immer wieder nach Geld geht, und die typisch deutsche Eigenschaft vom „Gemeinnutz vor Eigennutz" nicht genügend verehrt hat, daS ist jetzt dem Herrn Goebbels In die strammen Glieder gefahren und er hat also eine schmetternde Red« gegen den- nationalen- Film losgelassen: man