1— Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh.- St.boMoo u. DtlwoUuva. BraiOfStMiatlo la• Ulirtti MM ri«a», NoldiredaN. ja» Ul u-r)! MaMi8aHf4tilMliHM Nr 144. 13 Jahrgang. Mittwoch, 21 Lunt 1933 blozelvrels 70 Heller. 'Einschließlich B Heller Parin' Der zweite Täter, ebenfalls SA-Mann, gcHttditet. Wien, 20. Juni.(Eigenbericht.) Den Nachforschungen der Behörden ist eS gelungen, den Handgranatenanschlag auf die Kremser Hilfspolizei restlos auszullären und auch den Haupttäter zu verhaften. Es Ist dies dei 22jährige arbeitslose Handelsangestellte Herbert Mosel. Er leugnete zunächst, konnte aber leicht überführt werden, da er selbst verwundet ist und in seinem Körper Granatsplitter gesunden wurden. Er gestand hierauf, die Hand, granaten geworfen zu haben, und gab an, daß er«inen Komplizen, den 21jährigen Fleisch. Hauergehilfen Adolf Weich sei da um, hatte. Bride Täter sind SA-Männer, Mosel ist Sturmscharkiihrer im Kremser Pionierfturm der Nazi. Weichselbaum ist gefliichtet und konnte bis jetzt nicht verhaftet werden. Mosel hat einen Bruder, der Wehrmann in dem in Krems stationierten Infanterieregiment ist. Mosel will di« Handgranaten von diesem Bruder erhalten haben. Klara zetüin gestorben. Moskau, 20. Juni.(uwlfs.) Die deutsch« Kommunistin Klara Zetkin ist heut« noch, mittag im Alter von 76 Jahren in dem Erho« lungsheim ArchingelSkoj« in der Näh« von MoS. kau gestorben. Sie lebt« mit kurzer Unterbrechung seit Juni 1032 in diesem Heim. * Klara Zetkin, geb. Eigner, wurde am 2. Juli 1357 in Wiederan in Sachsen geboren. Sie wurde Lehrerin, gab aber, sozialistischen Anschau, ungcn ziincigend, diesen Berns bald ans und ging nach Paris. Dort lebte sie zusammen mit dem russischen Sozialisten Cffip Zetkin, bis dieser Ende der Mer Jahre starb. Mit ihren zwei Löhnen kehrte sie dann nach Deutschland zurück, wo ihr der Fall des Sozialisten, gesetzes bald in Stuttgart eine Tätigkeit crössnete, indem ihr von H. Dich und der sozialdemokratischen Partei die Leitung! de» FrauenorganS der Partei „Tic Gleichheit" übertragen wurde. Ein Menschenalter hindurch, bis tvlö, oblag sie dieser Aufgabe. In Stuttgart heiratete sic IMS den wohlhabenden Kunstmaler Zundel. Frau Z., der die sozialistische Frauenbewegung in Deutschland znm wesentlichen Teil ihre Ersolgc verdankt, hat auch in der Partei selbst stciS eine große Nolle gespielt. r)hr großes Wissen und ihre glänzende Rcdcgabe haben ihr auf den sozialistischen Parteitagen erheblichen Einfluß verschafft. Seit 1892 trat sie wohl aus jeder sozialistischen Partcitagung hervor. In der Organisation der sozialdemokratischen Partei gehörte Frau Zetkin seit 1895 ununterbrochen der Kontrollkojumission an; sie nahm auch an vielen internationalen Kongressen, ost als Ucbersehcrin, teil. Bon 1916—lÖ19 redigierte sie die Frauenbeilage, der„Leipziger PolkSzcitung".' Gegen Ende des Krieget wurde sie in Lchuhhasl genommen. Als sich während des Krieges die U.2.P. bildete, ging sie in dieses Lager mit hinüber, wurde auch als Unabhängige nach der Revolution in die württem- bergische LandcSvcrsammlung gewählt, wo sic aber bald noch weiter links, zu den Kommunisten, abschwenkte. Dfisselflorler Stahlhelm verboten. Furchtbare Verletzungen der Opler. Die Verletzungen der Opfer des Attentats sind furchtbar. Einem Verletzten wurde die Brust aufgerissen, bei anderen besteht die Gefahr, daß sie zeitlebens Krüppel bleiben werden. Einem Verletzten wird ein Bein amputiert werden müssen. Die Erregung Uber das Attentat ist in Krems ungeheuer. Di« BertranenSleutr der Sofort nach dem Beschluß des MinisterrateS übcr die behördliche Auslösung der nationalsozialistischen Partei und deriSA fand sich noch in der Nacht, die Polizei in allen bisher unbesetzten nationalsozialistischen Büros und Räumlichkeiten ein, sckloß diese ab und versiegelte sie. Auch die Redaktionen der Wiener nationalsozialistischen Nazi wagten sich heute kaum aus di« Straß«. Auch unter den Wehrfeuten herrscht groß« Aufregung. Unter ihnen dürfte ein starker Stimmungsumschwung eintret««, denn eS ist bekannt, daß gerade in dieser Garnison die Nazi Anhänger hatten. Der Führer der niederöster- reichischen Nazi, Landesrat Leopold, gehört selbst als Hauptmann dieser Garnison an. Bisher sind in Krems zwanzig Nationalsozialisten unter dem schwerwiegenden Verdacht der Mitschuld an dem Attentat verhaftet worden. Organe„Deutschösterreichisch« Tageszeitung", „Nachtpost" und„Kampfruf" wurden noch wahrend der Nacht polizeilich besetzt. Sämtlichen genannten Blättern wurde das amtliche Per» b o t zugestellt, so daß heute früh keines mehr erschien. Von dem Verbot der Nazipartel ist auch der sogenannte steirische Heimatschutz, der unter Führung Dr. P j r i e m e r S steht, betrossen. Dieser Heimatschntz hat sich bekanntlich vor einiger Zeit den Nazi« angeschlossen. Die Kanzlriränme, die Redaktion und die Druk. kerei drS dieser Gruppe gehörenden HeimatschutzblatteS in Graz wurde heute von Polizei und Gendarmerie besetzt. Ruhige Aufnahme des NSDAP-lcrhotcs. DaS Verbot der Nazipartei in Oesterreich ist überall mit Ruh« ausgenommen worden. Kuh dem Strgßenbilh von Wien und auch der österreichischen Provinzstädt« ist da« Hakenkreuz zur- Gänze verschwuuden. Die„Deutsch-österreichische Tageszeitung", da» Hauptorga« der Nazi, ist nicht erschienen. Dagegen haben die Nazi heut« zum erstenmal ein neue« Blatt heranSgebracht, das sie„Die klein« Tagespost" nennen. Düsseldors, 20. Juni. Der Regierungspräsident hat gestern für den Gesamtbcreich dos Re- gierungSbezirkcSDüsseldorf den Stahlhelm in seiner bisherigen OrganisatiouS- form verboten. In der Begründung wird darauf hingewiesen, daß in der letzten Zeit vielfach politisch unzuverlässige Elemente al» Mitglieder in den Stahlhelm ausgenommen worden sind. Betont wird, daß sich da« Verbot in keiner Weise gegen den alten Bestand de» Stahlhelms richte. Es bezwecke lediglich, den Srohlhelin van den Mißbräuchen der letzten Monate zu säubern>lnd in neuer Form der Mitarbeit an den Ausgaben de« nationalen Staats wieder nutzbar zu machen. Recklinghausen, 20. Juni. Der Polizeipräsident in Recklinghausen hat heiUe der deutschnationalen Betricbszellenorganisation KrciSverband Gelsenkirchen/ini Interesse der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung jede weitere WerbungS- und Organisationstätigkeit untersagt. Neue RiJtMrins Drohung des Ministers von Neurath. Berlin, 19. Juni. Der Führer der deutschen Delegation in London, Reichsaußenminister von Neurath, hat in einem an den Reichspräsidenten und den Reichskanzler gerichteten Telegramm schärfsten Protest, dagegen eingelegt, daß„unverantwortliche Stellen anscheinend unter Billigung des Herrn Reichskanzlers die von ihm, Neurath, verfolgte Außenpolitik des Reiches gefährden,, wie dies im Falle des Besuchs des ungarischen Regierungschefs geschehen sei". Neurath erklärt, daß er erst durch die Zeitungen von diesem Besuche erfahren habe, und.fährt fort, daß er„nur dann die Verantwortung. für. die Außenpolitik des Reiches ,'tragen, könne,. wenn für alle Zukunft sichcrgestellt sei, daß lösche Eigenmächtigkeiten unterbleiben." Ter ReichSaußenminisscic ersucht, daß unmittel- bar nach seiner Rückkehr aus London ein Kabinettsrat unter Vorsitz des Herrn Reichspräsiden, ten stottfindet, in welchem„diese Frage und ihre notwendigen Ki'Nscqucuzen endgültig geklärt", werden. Audi die Mandate Die unmittelbare Wirkung des Verbotes der politischen Betätigung der nationalsozialistischen Partei«»streckt sich, wie di«„Neue Freie Presse" berichtet, auch auf die Auslösung der Parteiorganisationen, aus tue Unterbindung jeglichen Verkehres in den BereiuSlokalita- ten, aus die Unterlassung der Verwendung von Papier und Stempel mit Parteiausdrucken und. auf das Tragen von Parteiabzeichen. Die Parte i p r e s s e muß, wenn ihr weiteres Erscheinen überhaupt in Frage kommt, sich vollkommen umstellen und darf weder hinsichtlich der nach dem Pressegesetz vorgeschriebenen Angaben über Eigentümer, Herausgeber und Druckort noch auch im Neue Anschläge Di« Gencraldirektion der österreichischen BundeSbohnentc ilt mit: Montag; wischen der 19. und der 20. Abendstunde wurde auf der Strecke L! c s i n g—K allcnlcutgeben zwischen de» Stationen Pcrchloldsdors und Rodaun ein Bahnfrevel versucht.■ Bisher unbekannt gebliebene Täter beabsichtigten, durch Sprengung de» Bahnkörper zu beschädigen, um eine schwere Eisenbahnkatastrophe herbeizusühren. Allem Anschein nach handelt cs sich um einen unüberlegten Streich von jungen Leuten. Der hiebei entstandene Schaden ist bloß unbedeutend In Eisen kappet(Kärnten) explodierte Montag nachmittags in der Nähe des Hauses eines Heimatschützlcrs ei» Sprengstosskörpcr, doch wurde durch die Explosion kein Schaden an-i gerichtet. Abends wurde an einer anderen Stelle Her Stadt ein Sprengkörper gesunden. Gleichzeitig wurden sämtliche Drähte der. Fernsprech- leitung Eisenkappel—Miklautühos durchschnitten. In Villach haben. unbekannte Täter gegen di« Wohnunasfcnster eines SturmschärlerS (christlichsozial) mehrere Schüsse abgegeben. Kur; darauf wurde der Sturmscharler selbst an einer wenig frequentierten Stratzenstelle durch mehrere' werden anerkannt. Inhalt der Aussatze die Beziehung zur Partei erkennen lassen. Eine weitere Frage, di« aber im gestrigen Ministerrat noch nicht entschied«» worden ist, betrifft die Mandate der nationalsozialistischen Abgeordneten in den Landtagen und im Bundrürat. Nach Auffassung maß- geoender Stellen könne» diese Mandate, da sie eine portripolitische Tätigkeit im verbotenen Sinne ermöglichen, annulliert werden. Die verfassungsrechtliche Frage soll noch geklärt werden.— Sämtliche Garnisonen Oesterreichs sowie die Polizei sind seit gestern Abend in Alarmbereitschaft. Revolverschüssc überfallen, die jedoch ihr Ziel verfehlten. In r-nigen anderen Orten in Otu>r- kärnten wurden tue Fcrnspr«chl«itungen durch. Die Großdentsdien schwenken ab? Wien, 20. Juni. Die großdeutschc Partei beschloß heute, ans drr sogenannten„Kampfvcr- ciiiigung" mit den Nationalsozialisten, die sie vor einigen Monaten geschlossen hatte, auszutretcn. Die Großdeutschen stimmen angeblich mit den Methoden, welche die Nationalsozialisten in der letzten Zeit anwenden, nicht' üoereinl In Wirklichkeit lösen sich die Großdeutschc» von de» Nationalsozialisten deswegen los, um den« Verbot ihrer Partei nnd der Auflösung ihrer Organisationen zu entgehen.,■,... Geheimsender in Oesterreich. Dien, 20. Juni. Sonntag nachmittags wurde zn Langenlois im Wege des Rundfunks die Funkmeldung verbreitet, Bundeskanzler Dri Dollfuß sei erschossen worden. Die Bevölkerung war über diese Nachricht begreiflicherweise äußerst erregt. Die Meldung stammt von einem geheimen Sender, dessen Tätigkeit alsbald stillgc- legt werden wird. Getrübte Illusionen. Zinn erstcmnole seit dem Siege der Konterrevolution in Deutschland hat gegen das dortige fascistische Regime ein offizielles so- wjetrusfisclM Organ cnergisclze Töne gefunden. Die„Prawda" erklärt, Towjctrußland habe die„fasciftischen Scherze" satt, spricht von einer„abenteuerlichen Politik des deutschen Fascismus" und versteigt sich zu gar nicht mehr verhüllten Drohungen. Wie nut Mussolini tvar Sowjetrußland auch mit Hunnen- Deutschland bemüht, von» ersten Augenblicke an freundschaftliche Beziehungen zu pflegen. Keine Verständigung, kein gemeinsamer ehrlicher Kampf gegen den fasciftischen Würger der Arbeiterklasse, aber Nichtangriffspakt und Frcundschaftsverträge mit den kapitalistischen >md fasciftischen Regierungen. Russische Kriegsschiffe waren wiederholt in Italien zu Besuch, wilrden dort fetiert nnd erst jüngst rief«in Gegenbesuch italienischer Schiffe in Batum das Helle Entzücken der Sowjetregicrung und aller huirdcrtprozcntigcn Bolschewiken wach. Die.KPD., die größte Sektion der Kommunistischen Internationale, hat der Hakcnkrcuz- fascismus mit SA-Stiefeln brutal zertreten, ihre parlamentarischen Vertreter wurden in Gefängnisse und Konzentrationslager gepfercht, zahllose kommunistische Arbeiter wurden für ihre Treue und Anhänglichkeit zu Sowjetruß- lalid von Hitlers braunen Bluthunden bestialisch gefoltert oder„auf der Flucht" erschossen — macht nichts: noch erschollen aus den Fol- terkammern der Braunen Häuser die Schmer- zensschrcic der gemarterten Kommunisten und Sozialdemokraten und schon saß Herr Litwinow mit dem Auslandsminister der Hitler- Regierung am behaglichen Frühstückstijch, um den russisch-deutschen Freundschaftsvcrtrag zu erneuern. Was indessen in Deutschland geschah, all das Rasen der bra»mcn Mordbestie, in Rußland ditrfle cs nicht einmal des Säuseln einer Empörung Hervorrufen, damit die neu- bcgriindctc Freundschaft keine Trübung erfahre. Gute Beziehungen zu Hitler erschienen den Moskauer Diktatoren wichtiger als die Anbahnung einer gemcinsamen Kampffront mit der sozialdemokratischen Arbeiterschaft. Verteidigung SowjctrnßlandS durch eine einige 'Arbeiterklasse erschien ihnen für nicht», ihre Politik lief ausschließlich darauf hinaus, sich das Wohlwollen der fasciftischen Henker des deutschen Proletariats zu sichern... Doch nun auf einmal klingen aus Moskau scharfe Töne und Drohworte hinüber zu den fasciftischen Frc''en. Hugenberg, dcr Minister der Hirlcrrcgiernng, hat der Welt- wirtschastskonscrenz eine Denkschrift überreicht, in der die Rückgabe der ehemals deutschen Kolonien an Deutschlaitd verlangt wird. Hu- gcnbergü Hoffnung, daß die Weltmächte just dem zum Militarismus und Banditismus erwachten Deutschland dieses Verlangen zu erfüllen sich beeilen würden, scheint aber gering gctvescn zu sein, darmn schlug er gleich einen anderen Weg vor, auf dem Deutschland zu Auöbeutungs- und Ausplünderungsgebicten für seinen dahinsterbcndeu Kapitalismus gelangen könnte, ohne daß die durch den Krieg herbeigcftihrten Besitzrechtc der anderen kapitalistischen Staaten gestört zu werden brauchten. In nicht mißzuvcrstchendcr Weise schlug er der Weltwirtschaftskonferenz den Krieg mit der Sowjetunion znr Gewinnung von„Siedlungsgebieten" für den deutschen Kapitalismus vor, wodurch der deutschen Technik neue Betäti- gungsgebicte geschaffen werden würden. Die Weltlvirtschaftskonfercnz hat Hugcnbergs Denkschrift nicht cirrmal für wert gcftlnden, sie in Verhandlung zu ziehen lind zur Kenntnis zu nehmen und die deutsche Gesamtregierung hat sich beeilt, van ihr abzurücken, aber die „Prawda" hat recht, wenn sie schreibt, Hugenberg habe lediglich ailsgeplaudert, wovon die gegenwärtigen'.Machthaber Deutschlands, träume«, wonach sie sttebeu und was zu ihdem ts«u« 2 Mittwoch, 21. Juni 1988 Nr. 144 Programm sschöri. Nur schad«, daß die Towjet- regierung dies alles nicht schon vor Abschluß ihres Frcnndschaftsvcrtragcs mit Hitler gewußt zu hoben scheint und zu einem Stück Papier mehr Zutrauen hegte, als zur Macht und Kraft einer geschlossenen, auch für den Schutz und die Integrier Sowjetrußlands eintretenden Kampffront der internationalen Arbeiterklasse, die zu schaffen i»i eigenen Wollen der bolschrwististhen Machthaber gelegen wäre! Ter Hitler-FascismuS hat den Arbeitslosen und den» seiner Prolctarisicrung entgegengehenden Mittelstand Rettung, Brot und Arbeit verheißen, er hat sich darauf beschränken ntüsscn, unter Verdrängung einiger hunderttausende noch in Amt und Arbeit Stehender Pfründen für eine Anzahl seiner Anhänger zu schaffe»»; die Gesetze der Wirtschaft aufzuheben, den toikrankcn Kapitalismus zu bcle- beit und die Arbeitslosigkeit zu beseitigen, ist er ebenso wenig imstande wie jede andere Re- gierungSform. Zu dem Elend großer Massen hat er nur noch die Unterjochung, die geistige und politische Sklaverei des deutschen Volkes hinzugcfiigt. Er muß das wirkliche Erwachen des Volkes aus seinem Opiumrausch befürchten und darum sticht er, gepeitscht vvu der Angst vor der Katastrophe, die der zi»sani»nenbrechcn- den Wirtschaft droht, nach einem Ausweg. Hugenberg hat wahrhaftig die geheimsten Gedanken der braunen Diebs- und Mordgesellen verraten, als er mit den» Plan einer militärischen Jnlcrvcntion in Sowjetrußland herausrückte. Umwandlung»veiter Teile des russischen Reiches in eine Kolonie für den deutschen Kapitalismus, das wäre so nach den Herzenswünschen der Hitler-Regiening, die dann einfach Millionen der unter Arbeitsdienstpflicht stehenden Arbeitslosen dorthin ab- schicbcir und seiner Kapitalistenklasse neue Profitmöglichkeiten geben könnte! Herr Stalin, dessen oberste Sorge es war, bei Hitler um gütige Duldung seiner Geschäftsbeziehungen zu flehen, anstatt sich an die Spitze der Boykottbewegung gegen die deutsche Barbarei zu stellen, kann schon jetzt di« Wahrnehmung machen, auf welch schwachen Füßen seine Freundschaft mit dem braunen Mordregime begründet ist und wie hinkend dessen Frieden mit Sowjetrußland ist, das in einer einheitlichen oder doch»venigstenS einigen Arbeiterklasse ganz andere Garantien fiir seine Sicherheit fände, als sie papierene Freund- schaftsvcrträge mit den braunen Ehrenmännern zu sichern vermögen. Dennoch zweifeln wir nicht, daß die kommunistische Presse, die auf der Moskauer Gewalthaber Geheiß beflissen jede ihre Trottcleien und Berrätere»en verteidigt, in dem geschlossenen Bündnis Hitler- Stalin die einzig richtige und wirksame Gewähr für den Schutz Sowjetrußlands erblik- ken wird. Wer von Sowjetrubeln und Illusionen lebt, der findet es in der Ordnung, daß Hitler als vertragSwürdigcr Partner, die Sozialdemokratie dagegen als„Verräter"- Partei angesehen wird, gegen di« anzurennen Werktags- und Sonntagsarbcit bleibe»! muß. Die Sache mit Borns Kriminalroman von Greta Hartwig Max Feßler wollte eben Lillian anrufen,«IS eS an feiner Tür klingelte. Er legte das Hörrohr zögernd nieder und wartete, wen ihm seine Wirtschafterin melden würde. Da klopfte eS auch schon. „Eine Dame ist draußen." „WaS für eine Dame? Was will sie?" fragte er und blitzartig schoß es ihm durch den Kopf, daß die Dame Lillian sein könnte. „Sie hat ihren Namen nicht gesagt." „Führen Sie sie in»nein Arbeitszimmer! Ich komme sofort!" Er goß etwas Ea»l de Cologne auf sein Taschentuch, warf einen Blick in den Spiegel und wischte«in Stäubchen von seinem Anzug. Zwei- fellos war es Lillian. Also doch! Er lächelt« zufrieden. Dann ging er rasch und elastisch in daS » angrenzende Zimmer. Aber— di« Dame>var nicht Lillian. Er starrt« sie an. „Du?" stainmelte er.„Du bist eS?" „Jawohl, ich bi»» es, wie du stehst," sagte Lo Lu. „Ich sehe, daß du erstaunt bist. Ist dir mein ‘ Besuch vielleicht unangenehm?" Ein kalte» Lächeln verschärfte ihre Gesichtszüge.„Aber war« um soll man einem guten, alten Freunde nicht j einmal einen Besuch machen?! Willst du mir ?. nicht Platz anbieten?" „WaS willst du?" fragte Max etwa» gefaßt, L aber noch immer unsicher. Herr Karq macht„AutzenpoM". Herr Kara, der mit dem Demokraten Fung und dem Fascisten Goerina gleichgeschaltete Publizist der fudetendriitschcn Nazi- und Bürger- prcsse. hat«ine Philippika gegen das Verbot reich-deutscher Zeitungen losgelassen. Darin hat er nickt etwa ein Wort gegen das Vorgehen der deutschen Rcichsrcgierung gegen tschcchostowakischc Blätter gesunden, sondern„nachgcwiesen", daß die ReichSregierung infolge der Schreibweise der sudetendeutsche»» und tschechischen Blätter mit dem Verbot vorangehen mußte. Er hat trotz der hundertfach bewiesenen Meldungen, die wir über die Gräueltaten der Hunnen verbreiteten, noch immer die Frechheit, unS„wüste publizistische Ausschreitungen" nachzusogen, für die un- hätte die tschechostoivakische Regierung bestrafen oder zur Ordnung rufe»! sollen. Karg tut besorgt um die tschechoslowaki- sche Außenpolitik, die nach seiner Meinung eini- gcn sozialdemokratischen und jüdische» Emigranten und unseren parteipolitischen Bcdürfnistrn dienstbar gemacht wird. Die Nazi-Kerle sind also trotz ihrem demokratischen Bekenntnis noch immer dafür, über dir Schnrkentatcn ihrer Bruderbcwegung den Mantel des Vergessens zu hängen, die Opfer ihrtr Hunnen-Bruder zu verhöhnen und ihnen das in die Asylländer gerettete Leben streitig zu machen. Kein Dort haben sie zu den auch von ihnen nicht abgeleugneten und von Goebbels und Hitler zugegebenen Grausamkeiten zu sagen; nur gegen d i c Presse richtet sich ihr Ka»npf, die di« Wahrheit über Hitlcrdeutschland verbreitet hat. Schon da» allein genügte, um die„Besorgnisse" der.Herrn Karg um die tschechoslowakische Außenpolitik richtig zu kcnnzcichucn. Aber„Ter Tag" ohrfeigt sich selbst, indem er in der gleichen Nummer«ne Unterredung mit dein früheren „Presseettachs" bei der Wiener Gefandtschaft, Herrn Habicht, wiederaibt, in der die-österreichische Regierung w ü st beschimpft und bedroht wird. „Der Tag" könnte sich des Verbots der reichsdeutschen Zeitungen doch eigentlich freuen. Er erscheint nun hierzulande als das einzige amtliche Hitlerorgan und wird Konjunktur haben. Für die deutschen Migranten seht sich die„Novä Toba", daS Pilsener Tagblatt der tschechischen Sozialdemokratie, ein. DaS Blatt schreibt: „Auch zu unS hat sich ein Teil der deutschen Emigranten geflüchtet, ES leben nun unter unS Leute, welche o»S vor. kurz«»»» der Stolz der'deutschen Kultur waren, Künstler, Schriftsteller, Gelehrte. Sie sind unS für unsere GastsreunHchaft dankbar und werden daran nie vergessen. Wenn unsere deutsche Universität nicht vom Geiste des Hakenkreuzes beherrscht wäre, könnte sie einigen deutsche»» Wissenschaftler»» Zuflucht sein und weder sie noch die deutsche Jugend würden dabei ettvas verlieren. Auch wir würde»« dabei nichts verlieren. Auch führende Leut« der deutsche»» Sozialdemokratie»veilen bei uns und geben schließlich in Karlsbad ihr Blatt heraus. Aber o Wunder: dieselben Leute bei uns, welch« die russische Emigration stür»nisch begrüßt haben, protestieren nun stürmisch gegen di« deutsche Emigralion. Die Leute und Gruppen, welche Pläne mit der Zoren-Einigration schmiedeten, und sie in unser« Verhältnisse in einer Zeit hineinzogen, da. unser Staat erst mühevoll ,Lch möchte aus deinem Mund hören, ob es wahr»ft, daß du Lillian Band heiraten willst." Max schwieg und betrachtet« die Frau, die ihm einst pah« gestanden hatte und die er lange nicht vergessen hatte können. Jetzt war sie ih»n eine Frenrde, er hatte sie viele Monate nicht gesehen und trotzdcn« ging ein Hauch alter Ber- lraulichkcit von ihr zu»hm. Aber st«»var in Abwehrstellung. „Antworte, Max! Sie hat eS mir nämlich selbst erzählt. ES war nicht schwer, dieses dumme Ding auszuhorchen." „Ja,"»»nterbrach Max ärgerlich,„sie hat mir gestern von dir erzählt. Sie sagte mir auch, daß du dich dauernd nach»nir erkundigtest. Ich Wunsche aber nicht, daß Lillian durch d»ch erfährt, was zwischen uns beiden war. So viel Delikatesse und Diskretion kann ich doch tvohl von dir verlangen!" „Gewiß!" spöttelte Lo Lu. ,^sch werde ihr nichts von dir erzählen. Viel wichtiger ist mir, WaS sie von dir erzählt. Auch ich»ege Wert dar- a»»f, daß meine ehemaligen Beziehungen zu dir nicht in aller Mund sind. Mein Freund wär« nicht sehr erfreut, wem« sie ihn» zu Ohren kämen, ^ch bin also schon int eigenen Interesse diskret. Also beruhig« dich!" Nach einer Pause fuhr sie fort:„Sie scheint dich sehr gern zu haben!! Aber das interessiert mich nicht. Mich interessiert nur, wie weit du an ihr interessiert bist. Klipp und klar, mein Lieber, damit du es gleich weißt: Flirten kannst du, so viel du willst, aber heiraten wirst du sie nicht! Verstanden?" Sie nahm den Hut ab und strich sich mit dem Kamm durch ihr glattes, schtvarzes Haar. ,Hch verstehe nicht, wie du dazu kommst, heute noch Rechte an mich geltend zu machen?" „Rechte? Es gibt ebe»» Rechte, die nie erlöschen. Ich glaube, wir beide haben einander so sehr geliebt..." ansgebaut wurde, protestieren nun gegen di« Ge- Währung de» Ashlrechte» und einer gewissen Br- wcgungSfreihcit-er Führung der deutschen Sozialdemokratie... Wenn es etwas Neues und Interessantes an den heutigere stürmischen Zeitungsprotesten gibt, ist eS die TlWche, daß unsere größten sogenannten Patrioten voll Befürchtungen sind, Hitler möge sich nicht auf un» ärgern,»veil wir-er Führung der dcutschen Sozialdemokratie und-er dcutschen Demokratie überhaupt Asylrecht gewähren." „Sagt er tu deutscher Sprache— dann verstehen wir uns"! ruft der Duxer„Tag", um gleich darauf z>» beweisen, daß die Versuche der Nationalsozialisten, die deutsche Sprache zu gebrauchen, nur zur Erschwerung de» Verstehens beitragen könne»». Also: Koinmuniste», Sozialdemokraten und Nationalsozialisten gebrauche»» immer wieder das Wort Kapitalismus un- verfluche»» ihn alle drei und dennoch habe»» sie drei verschiedene Farben und marschieren getrennt, obwohl sie all« denselben Feind haben. Dieser ganz« Jammer, der das Herz eines Goebbels-Anbeters rühren könnt«, komn»t nurdavon her, weil all« das Fremdwort.Kapitalismus" gebaruchen, „Aber das Fremdwort vernebelt und ver- »oirrt das Denken, verwirrt die Begriffe und darum können sie sich nicht verstehen, die eines Blutes sind und einen Feind haben und ein Schicksal". Warum also, fragt„Der Tag", sagen wir nicht da» deutsch« Wort für Kapitalismus? Kapitalismus ist Enteignung. Kapitalismus ist Auflösung alles Besitze» zugunsten de» Zinse». Kapitalwirtschaft ist EntcignungSwirtschaft. „Sagen wir es so in Versammlungen und ihr werdet sehen, daß au» denen, die sich.befehdeten, Menschen werden, die sich verstehen." Warum dann die Nationalsozialisten ihre Gegner in Konzentrationslager sperren, verprügeln und in den Tod treiben, tve»»n sie eS doch viel einfacher hätten und«» bloß„so in den Versannn- lungen sagen" müßten, ist nicht recht zu verstehen. Wohl aber legt der Gebrauch der den Nationalsozialiste»« ungewohntcn deutschen Sprach« klar, daß sie den Kapitalismus nicht begreifen oder nicht begreifen wollen. Kapitalismus ist Enteignung, jawohl, Enteignung der Arbeit, aber nicht Enteignung des Besitze», sondern A n- eignung, Aneignung fremder Arbeit durch den Besitz. Und der Ruf nach der„EigentumSwirt- schaft", die an Stelle der Enteignung-Wirtschaft gesetzt werd«»» soll, ist Verneblung de» Demens und Verwirrung der Begriffe, wenn di« National- kozialisten— vorsichtigerweise— nicht sagen, waS für Eigentum sie meir««»». Denn«S bandelt sich bei dem Gegensatz von aKpitaliSmus und Sozialismus nicht um Eigentum oder Nicht- cigentun», sondern un» Privateigentum oder Gemei»»eigentum. Kapitalismus ist nicht Enteignungswirtschaft, sondern Eigentums- wirtschaft, aber P r i v a teigentumSwirtschaft. Und wenn die Nationalsozialisten rufen„Her»nit der CigentumSwirtschaft", so wissen st« nicht, WaS sie sagen, oder sie wisse»» eS nur zu gut. Denn sie mögen eS in noch so schlechtem Deutsch lagen, wir verstehen sie: Sie wolle»» die Privateigentum-Wirtschaft, die Erhaltung des Privateigentums an Priüuktion-mitteln„als Grundlage der Kultur", wie Herr Hitler c» sagt, und toi« die Kapitalisten eS»»leine». Darum heißt ihr„Heil dem Nationalsozialismus" in eine verstandl'che Sprach« übersetzt nichts a»»dcrcs als:„H e i l dem Kapitalismus!" „DaS ist lange her und ist heute eben vorbei!" „Trotzdeni: daß wir cirrander nie völlig gleichgültig jein können! Oder willst du vielleicht vchauptcn, daß du mich je vergessen könntest?" „Liebe Lo... ich»miß wirklich nicht, wohin unser«: Aussprache führen soll. Du hast mich so überrumpelt, daß ich eigentlich noch«in wenig konfus bin. Ich will nur eines feststellen: ich habe unsere Beziehungen nicht gelöst damals, ich habe aber auch keinen Grund, sie— heute— wieder aufzunehmen." Lo Lu schwieg eine Weile u»»d sah Max traumverloren an. Ihre großen, schönen, schwarzen Allgcn verloren eine»» Augenblick dei» Ausdruck von Energie, Tyrannei und abgründiger Kraft, der ihnci» sonst in»»etvoh»ite und spannten eine Brücke über das Vergangene. „Ich liebe dich, Max," sagt« sie leise. Max erhob sich u»»d ging schweigend im Zimmer auf und ab. Eine Erregung hämmert« in seinen Nerve»», die er nicht in Worte lleidcn wollte oder konirte. Er hörte, wie Lo weitersprach, hört« eS neugierig und beklommen, obwohl eS Dinge waren, die er wußte, lange und genau wußte. Hiib die Frau, aus ihren» Berufe gewohnt, Wort und Geste,-Haltumg und Blick, Gefühl und Oekonomic, Fluidum und Pause wirken zu lassen, hielt den Zuhörer in Bann u»»d die Abenddämmerung, die saiift näher kam, hals ihr dabei. Sie fühlte, daß Max hinter ihrem Sessel stand und daß ihre Nähe ihn gefangen nahm. „Ja, ich ging fort von dir. Ich ließ dich allein und ich weiß, daß ich dir damit wehtat. Glaubst du, daß cs mir leicht wurde? Aber, ei mußte sein! Das Lebe»» ist unbarmherzig und der Existenzkampf zwang mich, den Luxus eines Gefühls aufzugeben. Du»varst arm und ich brauchte Toiletten, Schmuck und sorgsame Pflege meines Körpers. Eine Frau, die bei der Bühne Abgeordnetenhaus. Prag, 20. Jun». Der verfassungsrechtliche Ausschuß dc» Abgeordnetenhauses hat heute zwei Vorlage»» für das Plcn»im fertiggestellt. Bei der Novelle zum$34 des SchuhgcfctzcS(Einteilung von Zeitschriften)»vurde der noch strittige Artikel IV, der da» Inkrafttreten der Vorlage behandelt,- in der RegierungSsaffung angenommen und Dr. Stransky zum Referenten fu» da» Plenum bestimmt. WeiterS wurde die Novelle zur Gemeindewahlordnung in der vom Subkomitee vorbereitete»» Fassung genehmigt. Dagegen konnten die Plenarverhandlungen deS Abgeordnetenhauses über die P resse ge. sctznovcllc heute wieder nicht zu Ende ge- führt werden, da über di« Formulierung deS Kolportagerechtes, bezw.»Verbote» in den Kirchen noch immer keine e»»dgültige Einigung erzielt werden konnte. Die fortgesetzte Debatte beschränkte sich daher auf«inen ungarischen Redner und auf großsprecherische Ergüsse deS Kom- munistcn Ko Peery; dann wurde die Debatte neueroingS unterbrochen. Bei den folgenden Immunitäten wurde Knirsch wegen einer vor längerer Zeit bei einer Äarzgefallemnfeier des Sudetendeutschen HeimatbunbeS in Nürnberg gehaltenen Rede au-geliefert. Knirsch verteidigt« sich damit, daß niemals ein Verbot der Teilnahme an dieser Bereinigung kundgemacht worden sei, und protestiert gegen die AuSliefenmg, die einer Verfolgung bcr Gesinnung glcichkomm«. Der Referent Dr. S u ch y berief sich in seinem Schlußwort auf die dein JmmunitätSausschnß untcrbrciictcn Beweisstücke, aus dene»» sehr klar hervorgche, welchen Charakter diele Organisation besitze. Auch die von reichSoeutschen Zeitungen veröffentlichte Rede deS Abgeordneten Knirsch sei vo»» solcher Art gewesen, daß sie dessen Strafverfolgung wegen Vergehen- nach§ 14 de- SchnhgesehcS rechtfertige. Der Kommunist Hruöka»vurde wegen der Gründung von antifascistischen Aktionsausschüssen ausgeliefert; u. a. wird ihm auch zum Vorwurf gemacht, daß er im Büro dieser Organisation di« Anbringung von Karikaturen gestattet habe, di« den Präsidenten der Republik lächerlich machen sollten. Der Referent Moudry stellte sich auf den Standpunkt, daß di« Immunität zu illegaler Betätigung in tvelcher Form immer nicht mißbraucht werden dürfe. Dagegen wurde die AuS- lieferung des Kommunisten Kubas wegen Verbrechen- nach Paragraph 15 des Schutzgeietzc» abgelehnt. Nächste Sitzung Donn«rStag 11 Uhr. Tagesordnung: Pressenovell«, außerordentliche Maßnahmen uns Paragraph 34. Setretdevfandbrtese dem Senat vorgelegt. Prag, 20. Juni. Im Senat wurde heute die Regierungsvorlage über die Getreidepfandschcine, über die wir bereit- kurz referiert haben, im Druck verteilt und dem volkswirtschaftlichen Ausschuß zugewiesen. Die Vorlage kommt bereits auf die Tagesordnung der nächsten Sih>»»»grn am TonnerStag, 10 Uhr Vormillags. Im Plenum wurde ein Zusatzprotokoll zum deutschen-Handelsvertrag angenommen, das ungewisse Vorteile bei der Ausfuhr von Schotter, Holzwaren und gewissen Papiersorten bringt und vorläufig ein Monatskontingcnt von 500 Kilo für Perlmutterknöpfe einraumt. Genosse Modraäek sprach hiebei über die Aussichten der Hitlerbcwcgung und setzte« sich für daS uneingeschränkte Asylrecht der deutsche»» Emi- ist, deren sorglos-heiteres Gesicht, deren spannkräftiger, elastischer Körper, deren gepflegte, quasi molodischcn Hände, deren reine, von unterdrücktem Schluchzen nicht gebrochene Stimme, deren gebieterische Haltuiw sozusagen Betriebskapital ist, kann nicht proletarisch leben. Ich liebte dich, aber die Entbehrungen an deiner Seite nagten an »»einem Gefühl und ich bebte dem Retter ent- gegen. Dann tarn et. Er hüllte mich in Samt und Seide, mein Alltag»vurde hell, meine Kar- riere nahm einen sprunghaften Aufschwung, ich konnte jede neue Roll« mit der Ueberraschung prunkvoller Aufmachung Würzen, meine Gag« wurde erhöht,»nein Sclbstbewußtscin wuchs mit jedem Ring, mit jedem Armband, mit jedem Gegenstand, der meinen Besitzstand vergrößerte." Sie macht« eine Paus« und fuhr dann in frivole»» Tone fort:„Mein Freund hatte wiick- lich keine Ahnung von meiner Vergangenheit. Mein Gott! Der Mam» will eben gern der Erste sein. Warum sollte ich ihm diese Illusion stören? Ick spielte die Unschuldige und ließ ihr» den Triumph deS Siegers. War»»»»» auch nicht? Ihr» war eS lieber so>»nd mir war es egal. Er hielt sich für mci»»e erste Liebe und feine Verpflichtungen gegen mich wuchsen dabei. Ich mußte an meine Zukunft denken. Ich bin auch nicht mehr die Jüngste." Sie wurde wieder ernst.„Ich kann ohne LuxuS nicht leben! Ich kann es einfach nicht, ich gebe cs offen zu. Ist es ein Verbrechen? Es ist wahr, ich habe mich verkauft, ich habe dich dabei zum Opfer gebracht. Ich hatte di« Wahl zwilchen einem entbehrungsreichen Leben, in dem mein-Herz sprach, und einem genußreichen, in dem mein-Herz schwieg. Ich mußt« mich entscheiden, und ich entschied mich.. Ich»var gegen mich härter als gegen dich, glaube mir!" (Fortsetzung folgt.) Nr. 144 Mittwoch, 21. Juni 1988 Seite 8 Trofltener Anschluß Danzigs an Deutschland? dar Stubenmädchen die nach Passau. Schwiegermutter den wehrlosen Die Freundeshand aus Deutschland. GOmbös über seine Berliner Reise Budapest, 20. Juni.(DlTJ.) Ministcrprä- ident Gömbös erklärte heute im Parlament, er habe eine Pflicht erfüllt, indem er Berlin besuchte, wohin er vom Reichskanzler Hitler eingeladen worden sei. Nach Berlin führten ihn wirtschaftliche Absichten, da der unmittelbare Kontakt der Regierungschefs die Erledigung der WirlschaftSfragrn erleichtere: dann wollte er sich politisch über das deutsche Spstrm und über die außenpolitische Stellungnahme Deutschlands orientieren. Die Berliner Reise habe das gute Verhältnis zu Oesterreich nicht gestört, um so weniger, als auch in der österreichischen Frage seine Auffassung mit der des deutschen Kanzlers übcreiustimme. Die Unabhängigkeit Oesterreichs sei nicht nur eine deutsche, sondern auch eine italienische, ja, eine europäische Frage. Während Ungarn in Italien ein starker freund gekichert sei und aus Deutschland ihm die F r r u n d e s- Hand daracboten werde, wandle die Regierung unbedinat den Weg der ungarischen Realpolitik. Dieser Weg schließe es nicht aus, daß die ungarische Regierung auch anderen Mächten wann immer zur Verfügung stehe, falls diese Mächte eine Gcstc machen wollen,' die mit Dank ausgenommen werden kann. Sdiwere Explosion auf dem Trappen* Übungsplatz Grafenwöhr. München, 19. Juni. Auf dem Truppen- übungSplatz Grafenwöhr bei Nürnberg, aus welchem seit einiger Zeit unbekannte Versuch« angestellt werden und der Im weiten Umkreis durch ReichSwehr-KommandoS abgesperrt ist, hat sich am Sonntag vormittag eine schwere Explosion ereignet. Sieben Ingenieure lvurden buchstäblich zerrissen, dreiundzwanzig Personen mehr oder minder schlver verletzt. Uebrr die Zusammenhänge der Explosion wird von der Behörde streng. und de jure- Anerkennung'Sowjetruhlands not-1 steS Stillschweigen bewahrt; die Opfer der Kata- “''", strophr sind beschlagnahmt worden. schlossenen Verbände und Firmen aussordern, mitt, allen ihnen zur Verfügung stehenden' Mitteln diese Sammlung zu unter-l stützen. Auch die nicht vcrbandsmäßig organi-| siertcn Unternehmungen sollen von der Werbung I erfaßt werden und sich an der Spende beteiligen. Also nicht mehr im geheimen, ganz offen, I im Einvernehmen mitd«m«Führer", der alle weiteren Sammlungen verbieten wird,! sobald der Goldstrom zu fließen beginnt, werdenI die Krupp und Kirdorfs, die arischen und jüdischen WirtschastSführcr, die Bankherren und Industrie-l gewaltigen di« Kassen der Nazivarteifüllen, ihrer Partei, die vollbrachte, was keiner Macht vorher! gelungen ist: Di« Knechtung der Arbeiter-! Klass« Deutschlands, die Möglichkeit des un-I gehinderten Lohnraube- und größter Ausbeutung unter dem Deckmantel des„nationalen Interesses". Dies« Schandleistung verdient ihren kapitalistischen Lohn vollauf! Die neue-Derfaffung" Deutschlands. In einem„Die Rechtsgrundlagen der neuen deutschen Verfassung" betitelten Artikel der „Prager Juristischen Zeitschrift" tritt Dr. Paul Hartmann dem Versuch des deutschen Steats- rcchtlerS, Prof. Carl S ch m i t t, entgegen, den Nachweis zu führen, daß das Ermächtigungsge- Schlünl I u,| b baiitii die verfassungsäiidcrnden Gesetze MrI der Hitlcrregicrnng aus einer rechtlichen Grund- ’| läge beruhen. .| Als die drei Rechtsgrundlagen des Ermäch- Haaren und schleppten sie trotz verzweifelter fuhrt Schmttan^.di- natio- Gegenwehr bei den Haaren au- dem Zimmer,«^e Revo ntion, 2. das Staatsnotrecht und 8. "’ v" den Artikel 76 der Weimarer Verfassung. Dr. nunmehr in folgender Richtung zu operieren: wirtschaftlich, gesetzlich und kulturell erfolgt di« völlige Gleichschaltung Dänzigö mit dem Deut schen Reich.Staatsrechtlich aber wird ein gegen, fcitiger Austausch von RegierungSmitgliedern der art vollzogen, daß der zukünftige Regierungschef von Danzig gleichzeitig als Reichsminister ohne Portefeuille in di« deutsch« Reichüregierung über- nommen wird und«in« von d«r deutschen ReichS- regierung ernannte Persönlichkeit in di« Danziger Regierung«intritt., ,, Hiermit hofft man, die Einheitlichkeit der I Er hat aber nnmerhin den Beweis geliefert, wie politischen Linie ztvischen Berlin und Danzig''~ gesichert zu haben. Wie weit allerdings der Völkerbund und tvi« weit das an dieser Frage am meisten interessiert« Polen bereit sein werden, diese bewußte Demonstration gegen die bestehen den Verträge tatenlos hinzunchmen, ist eine An gelegenheit, deren Beantwortung den Berliner Herren nicht alleine überlasicn bleiben wird. Massenaufkönle der Young-Anleihe durrh Deutsthe Reldisbank! Paris, 19. Juni. Sc'........* Konferenz werden an der Pariser und Londoner gewählten kommunistischen Abgeordneten nicht Börse Maffenauskäufe der Aonng-Anleihe durch durch einen Pers as s u n g ü b r u ch Beauftragte der Deutschen Rcichsbank beobachtet. Diese Käufe, die offenbar den Zweck einer Knrs- stütznng verfolgen, haben in den letzten Tagen! einen außerordentlichen Umfang angenommen, da die Unsicherheit der Lage und das geringe Vertrauen zur deutschen Finanz- und WährungS- volitik zahlreiches Material hervorgelockt haben; Die Tatfache außerdem, daß Hohe Kanfordcrs„ä tont Prix" vorlicgrn, konnte auf die Dauer nicht unbekannt bleiben.— In Pariser Finanzkrcisen steht man diesem Manöver sehr skeptisch gegen über; man ist sich darüber im klaren, daß der Kurs der?)c>nng-Anleihe ins Uferlose sinken wird, sobald der Rcichsbank der Atem auSgchen wird, und daß dieser Zeitpunkt in bedrohliche Nähe gerückt ist, bedarf keines besonderen Nach weises. Keine Anerkennung Rußlands durch die Schweiz. Bern, 20. Juni. f2DA.) Der Nationalrat Hal mit einer überwiegenden Mehrheit einen kommunistischen Antrag abgelehnt, der verlangte, daß der Bundesrat unverzüglich die zur de facto- ! wendigen Maßnahmen ergreife. Die staatliche Investitionstätigkeit. Minister Dostalek über die dritte Etappe der Arbeitsanleihe. Im BerkehrSauSschuß des Abgeordnetenhauses referierte am Dienstag Minister Dostalek Über die vom Arbcitenministcrium in diefcm Jahr(bis Ende Mai) vergebenen, bezw. vorbereiteten öffentlichen Bauten, di« insgesamt einen Aufwand von 2,1.1 Millionen str repräsentieren; davon entfallen allerdings rund 150 Millionen auf den Straßenfonds. Bei diesen Arbeiten finden 21.340 Arbeiter direkt und 14.473 Arbeiter indirekt Beschäftigung. AuS dem Erträgnis der A r b e i t S a n- leihe sollen in der dritten Etappe Arbeiten im Betrage von 166.7 Millionen Ku vergeben werden. Davon entfallen 92.5 Millionen auf was- serwirtschaftliche Bauten, 15 für den Bau und 49.2 Millionen für die Erhaltung von Staatsstraßen sowie 10 Millionen für Flugplätze eie. In der anschließenden Debatte verlangten mehrere sozialdemokratische Redner, daß bei den JnvestitionSarbciten daraus gesehen werde, daß möglichst viele Arbeiter Beschäftigung finden und daß beim Straßenbau die Firmen daran gehindert werden, nachträglich durch Entlassungen und Lohnkürzungen ihren Gewinn zu vergrößern. Auch die Herausgabe einer BcrgcbungSordnung jur Staatülieferungcn wurde erneut verlangt. Berlin, 19. Juni. Di« Berliner Verhandlungen zwischen der ReichSrcgicrung und den Danziger Nationalsozialisten, die, ohn« die absolut« Stimmenmehrheit errungen zu haben, dennoch über die Majorität der Mandate int neuen Parlament verfüge», sind beendet. Bekanntlich reichten die Pläne der Hitlerleuie ursprünglich sehr weit; man war entschlossen, die Bereinigung TanzigS mit dem Deutichen Reiche S proklamieren, und das letzte Wahlresultat Ile diesem Gedanken einen außerordentlichen Auftrieb gegeben. Inzwischen scheint man sich aber in Berlin und in Danzig davon überzeugt zu haben, daß dieses Verfahren neue und unab- jehbarc Belastungen bringen würde— ganz abgesehen von der hohen Wahrscheinlichkeit, daß Polen hierauf mit einer militärischen Intervention antworten würde. Um diesen offenen Konflikten wenigstens zunächst auS dem Wege zu gehen, gedenkt man Ans der SudclKüdie der AlZ. Die Herren von der„Roten Fahne", die schon in Berlin alles besser wußten als die SPD. und den Kamps gegen Hitler ausschließlich führten, daß sie di« SPD mit Dreck bewarfen, fetzen nun in Prag teils im„Gegenangriff", teils in der„AJZ" ihr trauriges.Handwerk fort. Der „Gegenangriff" hat letzten Samütag entdeckt, daß die sozialdemokratischen Parteien in d«r Tschechoslowakei offenen Verrat treiben und sich schon in den Bahnen der Hitlcrpolitik befinden und die „AJZ" leistet sich in ihrer neuesten Ausgabe dieses Stückchen: „Arbeit-konserenz in Genf. Herr Ley, der Vertreter dcü Dritten Reichs, hatte bei dieser Konferenz die Unverfrorenheit, aus scharfe Angriffe, welche der französische Sozialist Jouhaux gegen ihn richtete, die in den Zuchthäusern, Gefängnissen und Konzentrationslagern Schmachtenden als Verbrecher und Brandstifter zu'bezeichnen. Er forderte die ausländischen Gruppen zu einer Besichtigung auf. Man wird sich in Genf wohlweislich hüten, diese Einladung anzunehmen, denn man weiß dort: Brandstisler und Verbrecher fände man nur unter den Wächtern, nicht unter den Bewachten— und daS wäre den Herren peinlich." Mit dem Schlußsatz will man andeuten, daß den Genossen Jouhaux und seinen Freunden aus der Arbcitskonscrenz di« Entdeckung der wirklichen Reichstagsbrandstister peinlich wäre; man will ausdrücken, daß sie nur zum Schein gegen Ley kämpfen, in Wirklichkeit aber hinter ihm stünden. Und man bedient sich zur Wiedergabe dieser niederträchtigen Andeutungen sogar einer Wendung aus dem„Sozialdemokrat", der vor wenigen Togen in einer Aussordcrung an Jouhaux, die Einladung Leys anzunehmen, von den Wächtern in den Konzentrationslagern sprach. Di« Herren, di« ihr« kostbare.Haut rechtzeitig noch Prag in Sicherheit brachten— lange bevor die Führer der SPD. an Emigration dachten!—, verdanken eS der Sozialdemokratie, daß sie überhaupt noch Drucklverke herauSgeben können. Sie verdanken es der Tatsache, daß die sozialdemokratischen Arbeiter die Befolgung der kommunistischen Bankerottpolitik ablehnen, die in erster Linie an dem Unglück der deutschen Ar- beiterklossc schuld ist. granten in der Tschechoslowaken ein, da- sich auch auf die Herausgabe von Zeitschriften beziehen müsse. Außer dieser Vorlage wurde noch ein Abkommen mit Polen über gewisse Grenzwcge im Gebiet Dunajcc genehmigt und dem Abgeordnetenhaus die erbetenen Fristverlängerungen gewährt. EkziehmigssrSchte der Jvns'Demokrate«. Ein Drohbrief an den Genossen Fürstenau, jährigen Raten, und zwar bis zum 1ö. Juni,! Die nationalsozialistischen und deutschnatio- !^N'st"'wudem MoNv AKn?K Blätter behaupten, die Verhaftungen junger ganzen Summe, insbesondere bei kleineren Be- Nazi» seien auf Denunziationen der Sozioldemo- trägen, ist im Interesse der Vereinfachung der kratcn zurückzuführen. Die Nazi» seien brave, Verwaltung dringend erwünscht." I„legale" Leute, denen bitter Unrecht geschehe. In dem Rundschreiben heißt es weiter, daß diel Wie aber der Geist dieser Helden beschaffen beiden unterzeichneten Verbände die ihnen ange- u.„igt ein Bries, den Genosie Fürstenau dieser Tage erhalten hat. Wir geben ihn genau wieder: Poststempel Gablonz a. 51.. 15. VI. 33. Gablonz 1983. Herr Professor Paul gilrstenau. Ihr« Stellungnahnie zu einem deutschen Sender für die t-'echostovakal, im„Nordböhmischen Volksboten" war sehr Interessant. Lasten Sie sich Ihre Studiengelder wiedergeben und gehen Sie ins k'echischc zu Bauern und führen dir Senkgruben au», wenn der verstand nicht weiter langt. Und wir hören sich den Deutsch- landsrnder an, und Si« können sich ruhig den Prager anhören für Ihn genügt er vollkommen. Denn wir Sie dort schreiben da» Deutschland unter dem Hitler in da» 17. Jahrhundert zurückversetzt wurde, so gehören 8ie noch weiter vor Christi Geburt zurück. Ich bin zwar kein Profrstor war blo» Bürgerschüler, ober Gott gab mir mehr verstand wie Ihnen. Aber daß ein« kann Ich Ihnen sagen wir werden uns Ihr« Adresse gut merken, auch bei un» kommt dir Abrechnung. Sprechen Si« ja nicht mehr von Deutschland wrn« Sie doch nicht« verstehen und auch nicht» wissen davon. Bleiben Sie so ein Schas wir Sie setzt find da» genügt für Sie, ober die Hand weg von Deutschland. Dir» Ihnen vorläufig nur in» S t a m m b u ch! I Spater werdeu wir Ihne» Deutsch lernen! I Selbstverständlich hat der Schreiber seinen j Namen in echt deutscher Tapferkeit verschwiegen. I es in den Köpfen der Jnng-Nazis äuSsicht. Die Erzichnngstätigkcit dcü„Tag" und der druisch- l nationalen Blätter beginnt zu wirken; das Ergeb- , nis sind solche Haßcrgüsse und andere Äleichschal- . tungSbcmühungcn, die das Einschreiten der Be- . Hörden verursachen. ' I Dem Brief an den Genossen Fürstenau, der I von den unschuldigen Schäfchen des Jung ine IDeutsehlektion mit Gummiknüppeln und Stahl- I rutrn in Aussicht gestellt bekomm», ging eine Hetz- | notij des„Gablonzer Tagblatts" voraus,-.in der ! Fürstenau den Gleichgrschaltctcn denunziert | wurde. I» mehreren tschechische» bürgerlichen Blättern wurde dieser Tage darüber berichtet, daß die sozialdemokratische Partei Deutschlands in der Tschechoslowakei ein Organ hcransgibt und es wurde daran die Befürchtung geknüpft, daß sich die SPD in die innerpoutischen Verhältnisse des Landes hincinmischen wolle. So schreiben auch die„Nürodni Lisch" in ihrer Sonntags- minimer, daß die Tätigkeit der deutschen sozialdemokratischen Emigranten in der Tschechoslowakei keinen Einfluß ans die Politischen Vcziehnn- gcn der Tschechoslowakei zu Deutschland haben dürfe. Das Verhältnis zn Deutschland müsse die Tschechoslowakei selbst sich cinrichten und es dür- sen die Emigranten keinen Einfluß daraus haben. — Dazu ist zu bemerken, daß rö den Funktio- -lären der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, die als Flüchtlinge in der Tschechoslowakei weile», nicht im g-ringstcn cinsällt, sich in die inncrpolitischen Verhältnisse der Tschecho- slowakei einzumischen. Wenn in den Rrdaktio- uen der tschechischen bürgerlichen Presse der „Nene Vorwärts" gelesen wurde, dann wird man aus dem Inhalt dieser Zeitung erkennen, daß der SPD nichts ferner liegt, als sich uiu die innerpolitischen Verhältnisse der Tschechoslowakei z» bekümmern. London, 16. Juni. Die„Time S", das größte konservative Blatt Englands, melden aus München: Vorgestern ztvischen 3 und 4 Uhr morgens drangen fünf Nazi in die Wohnung des Landtagsabgcord- neten Dr. Schlögl, Mitglied der Bayrischen Volks Partei, in Landshut ein. Schlögl und seine Gattin waren abwesend, im Hause weilte nur ein Stubenmädchen. Alles demoliere I Dir SA. Männer plünderten die Wohnung des Abgeordneten vollständig aus und verwüst e t e n die Einrichtung. Dann verlangten sie von der Hausgehilfin, sie möge sagen, wo sich Schlögl aushalle. Als das Stubenmädchen die Auskunft verweigerte, schlugen dir 5kozi da« Rädchen mit i h r r n Gummiknütteln und Stahlruten so lang« aus dr« Kopf, bi» p««stand, daß Schlögl mit seiner Frau nach Passau zum Besuch der Mutter seiner Frau gefahren sei. Die SA. Banditen requirierten das Auto Van den Hakenhrenzleni halbtot geschlagen l Die Nazloüenslve denen die Daurische VolKspartel. der Zeitung der Bayrischen Volkspartei und fuh- ren mit dem geraubten Wagen’“*| Dort suchten sic do« Haus der Schlögls auf und fielen Über Abgeordneten her. Halbtot geschlagen! Die Nazi schlugen mit einem mit Kiesel steinen angefüllten Gummischlouch auf den Kopf Dr. Schlögls ein. Als Frau Dr. C und ihre Mutter entsetzt um Hilfe zn schreien begannen, packten die Nazi di« beiden Frauen a n d e n Gegenwehr bei den Haaren au»'dem'Zimmer. Dann schlugen sie weiter mit dem Gummi-1Ha r I m a n n iveist nim nach, daß diese'Theorie schlauch aus Dr. Schlögl los, bi« der Abgeord- vom juristischen Standpunkt au« nicht haltbar ist, ncte dos Bewußtsein verlor und vhn-I^xjs pjx nationolc Revolution zwar die tatsäch- mächtig zusammenbrach. Hierauf setzten sic sich flb„ ni* t bic rechtliche Basis des Ermöch- ajt das gestohlene Auto und fuhren davon. I ijgungsgcsehes sein konnte, während das söge» Schlögl wurde mit schweren Verletzun-„^„ntc Staatsnotrecht nirgends als Satz des gen am Kopf in das Passauer Spital gebracht.| positiven Rechtes nachweisbar ist. Wenn Schmitt drittens behauptet, daß das Ermächtigungsgesetz gemäß den verfassungsmäßigen Vorschriften auf Grund des Artikels 76 der Verfassung zustaiidc- gekommen sei, so widerspricht dcni die Tatsache, daß die dort geforderte Zweidrittelmehrheit nicht ■eil Beginn der Londoner| erreicht worden wäre, wenn man die ordentlich ) su der Teilnahme an der RcichstagSsitzung verhindert hätte. Schließlich führt Tr. Hartmann den Bc- ivcis, daß Prof. Schmitt jetzt seinen eignen in seiner„Vcrsassmigslchrc" enthaltenen Ansichten über die Grenzen der nach Artikel 76 der Verfassung möglichen Verfassungsänderungen widerspricht. Verdienter kapitalistischer lohn. Die GroDhouraeolsle sammelt lür Hitler! Der Reichsverband der Deutschen Industrie sowie die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeber- verbände hat ein in der jüdischen„Frankfurter Zeitung" veröffentlichtes Rundschreiben erlassen, in dem zu einer zentralen Samnrlung für die Adols-Hitler-Spendc der deutschen Wirtschaft. aufgerufen wird. Ein Kuratorium, an dessen Spitz« der Eisenkönig Krupp steht, wird die Sammlung leiten und sic der Nazipartei direkt abführen,„um di« zahlreichen Einzelsammlungcn der verschiedensten Stellen und Verbände der NSDAP, abzulösen". Biele Millionen tverdcn cs sein, die nun an Dirnenlohn der „merkwürdigen" sozialistischen Arbeiterpartei Adolf HitlerS znstießcn werden: „Die Wirtschaftszweige haben sich ver pflichtet, innerhalb eine« Jahre», und zivar in der Zeit vom 1. Juni 1933 bi» zum 31. Mai 1934, einen bestimmten Betrog aufzubrin- gen und die gesammelten Gelder an da» Konsor tium abzuführen. Die Höhe des von den einzelnen Unternehmungen zu leistenden Beitrag« errechnet sich wie solgt: Ter Jahresbeitrag betrögt im allgemeinen 5 vom Tausend der Jahres- lohn- und-gchaltSsumme des Jahres 1932, ober nicht unter RM. 8.—. In verein zelten Jndustricgruppen mit besonder» niedrigem Lohiianleil werden zum Ausgleich höhere Um lagesätze erhoben. Die Zahlungen sollen in viertel- Seite 4 Mittwoch, 21. Juni 1888 Jlt. 144 W m« WW heim WMN In her Slomolti. Siu Schwerverwundeter, zwei Leichtverletzte. Preßburg, 20. Juni. Heute um 18 Uhr kam es beim Scharfschießen der 2/54 Bat» terie aus der Artillerieschießstätte in Plaveekö Podhradi beim Lade» eines Granat» schrappnels zu einem Unglück. Bei dem geöffneten Verschluß der Kanone führte der Ladende in die Geschoßkammer ein Granatschrappnell ein und half sich dabei mit dem Lader. Im selben Augenblick explodierte das Echrappnell und traf den Soldaten Franz K u n e am rechten Fuß, am linken Schenkel, der linken Hand und an der Brust. Weiter wurden der Gefreite Gerhardt Palme an der rechten Hand, der Soldat Walter Feix, der sich zur Zeit aus Wafsenübung befindet, am rechten Fuß und an der Hand verletzt. Die Verletzung des Kune ist schwer; die übrigen wurden bloß leicht verwundet. Die Verletzten wurden nach der ersten Hilfeleistung ins Divifionsspital IX in Preßburg gebracht, wo fle einer Operation unterzogen worden sind. Die Ursache des Unglücks untersucht eine Kommission deS militärtechnischen und LustsahrtS- Institutes vom Ministerium sür nationale Verteidigung. luuiiiiiiHiiHniiiHiiiuiiiiiiniiiiiniiimiiHiiiiiiiiiiiiiniiiiiHiiiiiiuiiiuuiiHiiiiiiitiiiiHnitimiiniiiiiiuiuiiiiiiniiiitiiiiiiiuimitiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiniiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiuniiniiiiiiiiiiiuiiin 9er Rechnungsabschluß für das Jahr 1932 vor der mShrisch-schlefischeu Laudesverlreluug. Brünn, 20. Juni.(Eigenbericht.) Die mährisch-schlesische Landesvertretung trat heute zu ihrer neunzehnten Tagung zusammen, um den Rechnungsabschluß sür das Jahr 1832 und eine Reihe anderer Vorlagen, darunter die Aufforderung von 46 Mill. XL aus der Arbeitsanleihe, zu verabschieden. Tie Tagung wurde durch Landesvizepräsident Böhm mit einer Ansprache eröffnet, in der er diewichtigsten Zahlen de« Rechnungsabschlusses wiederholte. Im Voranschlag für 1932 war für Ausgaben ein Betrag von 411,121.278 Ke eingestellt, dem Einnahmen in der Höhe von 411,124.053 Ks gegenüberstanden. Der Ueberschuß war demnach mit 2775 Kk veranschlagt. Tatsächlich wurden die Ausgaben aber laut Rechnungsabschluß auf 377,584.334 Ke registriert, denen Einnahmen in der Höhe von 378,327.108 Ke entgegengestellt werden konnten, so daß ein tatsächlicher Ueberschuß von 742.773 Ke erzielt werden konnte. Nach dem Landesvizepräsidenten gab der Finanzreferent, Prof. D r o b n h, nähere Erklärungen zum Rechnungsabschluß, worauf die Debatte abgeführt wurde, in der sür unsere Partei Genosse Tr. Morgenstern zu Worte kam. Er führte u. o. aus: Ter Rechnungsabschluß bietet so ziemlich in allen Kapiteln ein wahrheitsgetreues, darum aber leider sehr trauriges Bild. Vor ollem fallen die großen Einnohmerückgänge und die starke Drosselung der Ausgaben auf. Sehr schmerzlich wird die Verringerung der persönlichen Ausgaben und die Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen empfunden. In den Landeskrankenanstalten werden Ersparungen bei Arzneien, Wäsche etc. gemacht, die sich außerordentlich schädigend auswirken.' In allen Anstalten wird der Stand der Wärter verringert und die Subventionen für Spitäler wurden von einem Viertel aus 200.000 Ks herabgesetzt, die Zuschüsse an die Landesvereine zur Bekämpfung der Tuberkulose wurden stark verringert, die Jnvesttitionen sür Spitäler wurden zwar beschlossen, aber nicht durchgeführt. Selbst bei den Aernisien der Armen, bei Blinden und Taubstummen machte das Sparsystem nicht halt. Auch Straßen- und Schulbau-Subventionen wurden bedeutend verkürzt. Namentlich in den deutschen Gebieten bestehen alte, baufällige Schulgebäude, die in keiner Weise mehr ihrem Zwecke entsprechen können. Dies ist umso verurteilenSwerler, als z. B. bei landwirtschaftlichen Schulen diese Sparmaßnahmen durchaus nicht in gleicher Weise gehandhabt werden. Genosse Morgenstern kam sodann auf die katastrophale finanzielle Situation zu sprechen, in der sich die Gemeinden befinden und betonte, daß die Fehler des Finanzgesetze» niemals wieder gut ge- , macht wurden. Eine Reform der Gemeindesinanzen wäre hoch an dex Zeit. Bei der Vergebung der öffentlichen Arbeiten haben wir immer wieder die Forderung erhoben, daß bei den Notstandsarbeiten vor allem einheimische Arbeiter herangezogen werden und daß auch die Kollektivverträge streng eingehalten werden. Tie Behörden müßten hier mit gutem Beispiel vorangehen.(Unsere Fraktion brachte auch einen diesbezüglichen Resolutionsantrag ein.) Genosse Morgenstern wies weiter darauf hin, in welch außerordentlich schlechtem Zustand sich die Straßen im Mohr.-Schönberger Gebiet besinden. Er wurden dort wohl einige Millionen für Straßenbauten aufgewendet, doch kann dieser Betrag ruhig al» vergeudet betrachtet werden, da die Straßen wegen Verwendung schlechten Materials bald wieder unbrauchbar wurden. Während nun auf der einen Seite unangebrachte ErsparungSmoßnahmen getroffen werden, wird andererseits das Geld her- auSgeworfen. Ein Kapitel für sich ist in dieser Beziehung die Landesviehversicherung, deren ganzer Aufbau verfehlt war. Nach der Rede des Agrariers Dvorak und des Klerikalen Dr. Hora'öek, beschäftigte sich der tschechische Genosse Prof. Plapük mit dem Rechnungsabschluß. Er wies aus die Hypertrophie im agrarischen Hoch- und Fachschulwesen hin und beniängelte, daß van den gewählten Kommissionen des Landes einzelne fast nie einberufen werden, so daß den Mitgliedern jede Möglichkeit der Mitarbeit benommen ist. Eingehend beschäftigte er sich ntit den Fragen der Laudessubven- lionen für die Theater und begründete den von der Schul- und.Kulturkommission einstimmig beschlossenen Resolutionsantrag. Bor einer Regierungserklärung über Ar» beiiSzeilverkürznng. Im subkomitee zur Verhandlung der Anträge auf Arbeitszeitverkürzung wurde gestern noch einer Erklärung des Vertreters des FürlargeministeriumS — die anderen Ressorts hatten ihre Interesselosigkeit wieder durch Absenz bewiesen!— und nach längerer Debatte beschlossen, die Regierung zu ersuchen, in der nächsten Sitzung des Subkomitees eine g r n n d s ä lt l i ch e Meinungsäußerung über die Lösung der Frage der Arbeitszeitverkürzung abzugeben. Tschechoslowakisches Forstsyndikat. Nach Beendigung der notwendigen Vorarbeiten hat am 19. Juni 1933 die Gründung des tschechoslowakischen Forstsyndikates stattgefunden, zu dem sich die tschechoslowakischen StaatSforste, der überwiegende Teil der privaten Großwaldbesitze und ein Großteil der Kommunalwälder zusammenge- schlossen he.ben. Zum Vorsitzenden des Ausschusses wurde Franz Anton Thun-Hohenstein, zum ersten Borsitzenden-Stellvertreter Generaldirektor Dr. Jng. Karl 8iman und zum zweiten Bor- sttzenoen-Stellvertreter Forstrat Leopold Anger gewählt. Tagesneuigkeiten Fünl Blinde bei einemAutounsall getötet. Freudenstadt(Württemberg), 20. Juni. Auf der Chaussee bei Freudenstadt ereignete sich gestern abend ein furchtbares Autounglück, dem fünf Personen zum Opfer fielen. Die Blinden, die im Kloster Heiligenbronn«ntergebracht find, machten in Begleitung von Schwestern einen Autoausflug. Aus dem Rückwege geriet das mit 11 Personen besetzte Lastauto aus der Fahr» bahn und stürzte die sehr steile Böschung hinunter. Das Auto überschlug sich und begrub die Insassen unter sich. Fünf Personen, v i e r M 8 n» ner und ein Mädchen, sämtlich Blinde, wur» den sofort getötet. Ein Schwerverletzter und mehrere Leichtverletzte wurden ins Krankenhaus gebracht. Aue Frau von einer Frau erschlagen. U/.horod, 20. Juni. Die gestern verhaftete, nach Doböina in der Slowakei zuständige Julie Krausova hat in später Nacht unter der Last des Beweismaterials, insbesondere noch Auffindung ihrer blutbefleckten K1 eider, die sie int Wirtschaftsschrank versteckt hatte, und nach Auffindung der Ha cke mit verbranntem Stiel im Ofen, gestanden, die Eisenbahnersgattin Karoliüe Pechova aus SpiLsia Nova Des ermordet zu haben. Als die Pechova mit dem Schnellzug nach ULhorod kam, um die bei ihrem geschiedenen Mann Wenzel Pecha, der früher mit der Krausova in gemeinsamem.Haushalt geleut hatte, ihr gehörenden Sachen fortzuschaffen, gerieten die beiden Frauen beim Einpacken in Streit. Hiebei ver- «hle die Pechova der Krausova einen Schlag. Die Krausova ergriff eine-Hacke und versetzte damit der Pechova einige Schläge auf den Kopf. Bier Schläge waren tödlich. Hierauf verstopfte sie mit einem aus einem-Handtuch hergestellten Knebel den Mund, krach aus dem Fenster heraus und irrte in den Straßen umher, bis sie am späten Nachmittag auf dem Bahnhos zur Anzeige brachte, daß ein Mord geschehen sei. Zuerst behauptete sie, daß die Tat ein unbekannter Manu vollbracht habe, später stellte sie bei ihrem Geständnis diese Behauptung in Llb» rede. Die Mörderin wurde heute in die Hast der Staatsanwaltschaft eingeliefert. Auf der Suche nach Matter«. New Hork, 20. Juni. Die amerikanischen Blätter melden aus Moskau, daß die Flugbehörden in Chabarowsk und in Kamtschatka die Suche nach dem vermißten amerikanischen Weltflieger Mattern angeordnet haben. Erdbeben in Japan. Tokio, 20. Juni. In Mittel- und Südjapan witrden gestern starke Erderschütterungen verspürt, die etwa zwei Minuten andauerten. An einigen Stellen stürzte da- Erdreich ein. Die Bevölkerung hat größtenteiss ihre Behausungen verlassen. Auf dem Fluge nach MexNo. Havanna, 20. Juni.(Reuter.) Die zwei spanische» Flieger Barbera» und Collar!, die von Sevilla kommend, auf der Insel Cuba landeten, haben heute ihren Flug noch Mexiko fortgesetzt. Der Vertretertag der Deutschen LandeSkom- Mission für Kinderschuh Illid Jugendfürsorge in Böhmen, dem sich anläßlich des 25jährige» Bestandes eine Festversammlung anschließt, findet ant 24. Juni in P r a g statt. Ein Ueberblick über die Entwicklung der Deutschen Landeskommission wird aufzeigen, wie diese sich seit dem Jahre 1908 auf dem Gebiet des Kinderschuhes in sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Fragen zu einer Organisation ausgebaut hat, die sich nicht nur in der Sorge um das gefährdete Kind betätigt, sondern in bewußter und planmäßiger Arbeit dessen körperliche, geistige und moralische Entwicklung vom ersten Augenblick seiner Existenz an bis zu seinem Eintritt in das Alter der Se.lbstiurdigkeit I zu sichern bestrebt ist. Dem Bertretertage. der Deutschen Landeskommission für Kinderschuh und Jugendfürsorge geht am 23. Juni ein F r a u e n- tag voraus. Einbruch in Kuttenberg. Aus Kutten- b e r g wird uns geschrieben: In der Nacht auf den 18. Juni drangen unbekannte Täter durch den .Keller in das Konferenzzimmer und die Direk- tianSkanzlei des hiesigen StaatSrealgymnysiums ein. Si« warfen alle Schriftstücke in den Schub laden der Tische durcheinander und entwendeten eine tragbare iSchroibmaschine Marke„Olympia" im Werte von 2600 Kronen sowie ein Bier« lampcn-Empsangsgerät„Tclesunieu" int Werte von 2800 Kronen.— In der gleickwn Nacht wurde ein Einbruch in die Filiale der landwirtschaftlichen Genossenschaft in Zbraslaviee im Bezirk.Kuttenberg verübt, wo eine eiserne Kasse in der Kanzlei erbrochen und aus ihr 3000 K Bargeld entwendet wurden. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Die Gendarmerie hat die Nachforschungen nach deni Täter aufgenontmen. Die Arbeitsauleihe. Der Unterstühungsfonds der Krankenkasse der Staatsbahnen Hot im ganzen den Betrag von einer Million X für die Arbeitsanleihe gezeichnet. Eine neue Elbebrücke. Sonntag wird in Königgrätz in feierlicher Weise die neue Brücke über die Elbe eröffnet werden, die den Nainen Tyru-Brückc führen wird. Mit dem Bau wurde in der Hälfte des Monates August 1932 begonnen. ES wurde beschleunigt in drei Schichten gearbeitet, so daß zu Weihnachten 1932 die erste Arbeitsetappe beendet wurde und vom Hauptbogen wurde nach der AnSbetonierung in sechs Wochen bereits das Gerüst entfernt. Bei dem Brückenbau wurden täglich durchschnittlich hundert Personen während der ganzen Bauzeit beschäftigt, zeitweise auch dreihundert Personen an einem Tage. DaS leidige Wetter. Unter dem Einfluß von Druckstörungen, die vom Ozean her Vordringen, bleibt der allgemeine Wettercharakter bei uns veränderlich bei überwiegend westlicher Luftbewegung.— Wahrscheinliches Wetter heute: Noch immer veränderlich, stellenweise Schauer, Temperatur wenig verändert, West- bis Südwestwind. Die Hochwassergefahr in Karpathorußland ist geschwunden. Gestern waren bereits sämtliche Flüsse. im Sinken begriffen. In der Gemeinde Rjapid untersucht eine Kommission die durch den Bruch der Wehr des Bystrybaches verursachten Schäden. Die Kommission Hot angeordnet, daß die unterwaschenen Hauser, denen der Einsturz droht, niedergerissen werden. Den betrossenen Einwohnern wurde aus dem Fonds für Clementarkatastrophen eine N o t h i I f c gewährt. Auch der Bach Koropee im Bezirk Mun- kaa hat einige Zigeunerhütten fortge» tragen. Menschenopfer sind nicht zu beklagen. Ein Transatlantik-Flug. Aus Springfield(Massachussetts) wird berichtet: Der bekannte Flieger Russell Boardman, der zusammen mit John Poland den Weltrekord im > W e i t.f l u g e innehatte, bereitet sich auf einen Transallantikslug nach Rom vor. Russell Boardman beabsichtigt, am 24. Juli dS. I. in New Aork zu starten. Der Raubübersall vor dem Charlottenburger Rathaus. Bor dem Schwurgericht in Berlin begann gestern der große Prozeß gegen ncunAn- geklagte wegen 13 schwerer Raubübersälle in Tateinheit mit Mord. Im Mittelpunkt deS Prozesses steht der Raubüberfall aus einen Geld- tran Sport im Teplcmbcr 1931 vor dem Charlottenburger Rathaus. Bei diesem Raubüberfall wurde der Oberinspektor Meier tödlich verletzt. Die Räuber erbeuteten 40.000 Mark. Sturm über England. Montag nachmittags wütete über Großbritannien ein schwerer Sturm, der den Großteil des Landes heimsuchte. Au" dem Territorium der Stadt London selbst wurden drei Personen durch Blitzschlag getötet. Zahlreiche andere Personen erlitten Verletzungen. Die AnmeldungSsrist sür die Deutsche Staatsgewerbeschule in Reichenberg endet sür di« höhere Gewerbeschule mit 28. Juni 1033, AujnahmS» Prüfungen in dir e r st e n Jahrgänge finden nur am 30. Juni um 8 Uhr statt. Für folgende Abteilungen werde» noch Anmeldungen bis 10. Juli entgc gengencmmen: 1. Jahrgang Werkmeisterschule mech.-techn. Richtung, Deutsche Drogist e n f a ch s ch u 1 e und Meisterschuk sür Tischler. Für daS Spezialsemester sür Heizung, Lüftung und sanitär« Anlagen, in welches Absolventen der niech.-techn. Abteilung der höheren Gewerbeschule al« ordentlich« Hörer ausgenommen werden können, läuft die AnmeldungSsrist erst mit 1. August 1933 ab. Von der Flugpost. Die Flugpost nach Südamerika(via Aeropoftale), die aus der Tschechoslowakei am Freitag, den 9. Juni 1933 abging, wurde in Rio d« Janeiro am Samstag, den 17. d. um 6 Uhr, In Buenos Aires am Sonntag, den 18. d. um 7 Uhr und in Santiago de Chile am Sonntag, den 18. d. um 19 Uhr eingehändlgl. Die Flugpost via Aeropostale, die Südamerika am 12. Jun! 1903 verlassen hatte, tras am 19. d. in der Tschechoslowakei ein. Der Mann mit den 9,999.999 Vorgängern. Ein Ereignis, das in der Geschichte der Seeohrt bisher einzig dosteht, konnte in diesen Tagen an Bord des LloydschnelldamPferS„Bremen" gefeiert werden: der zehnmillionste Fahrgast im Bremen—New Rork-Dienst des Norddeutschen Lloyd wurde befördert. Es ist der ame- rikanifche Musikstudent James Ferguson aus Boston, der nach zwenäbrigem Aufenthalt in Deutschland in seine Heimat zurückkehrt. Ter Glückliche erhielt eine Ehrenkarte für eine Reise von Amerika nach Deutschland und zurück und außerdem ein goweneS Zigarettenetui mit einer Widmung. Stipendien. Das Ministerium sür Unterricht und VoUSaufllärung schreibt in der Voraussetzung, daß die spanische Regierung auch für dos Schuljahr 1933/34 ein Stipendium sür tschechoslowakische Staatsbürger zum Studium an der Universität in Madrid zur Verfügung stellen wird, einen Konkurs auf dieses Stipendium aüS; ferner unter der Voraussetzung, daß die deutsche Reichs, regierung auch sür das Schuljahr 1933/34 in« bisherigen reziproken Stipendien erneuert, ein Konkurs jür diese mit einer Frisistellung bis 10. Juli l I. aus. Di« Gesuche sind bei den Dekanaten der Hochschulen«inznbringen, wo auch oll« näheren Informationen erteilt werden; weiter einen Konkurs auf Stipendien der Stiftung Alexander von Hum> boldS, für Stipendium-Plätze des königl. r u m ä n i- chen Unterrichtsministeriums an den rumänischen Hochschulen aus. Die dänische Regierung hoi für das Studienjahr 1933/34 ein Stipendium sür jenen tschfl. Staatsangehörigen errichiet, der an der Uni. vevjität in Kopenhagen die dänische Sprache, Literatur oder dänische Geschichte,«yeniuell die voM wirtschaftlichen und rechtlichen Berhästnisse-. Dänemarks stüdieren wollte.'Das Stipendium beträgt 1800 dänische Kronen für zehn Monat«.— Nähere KoNkurLbcdingungen an den Rektoraten der sich!!. Universitäten, bzw. dem Dekanat der Handelshochschule an der tschechischen Technischen Hochschule'in Prag. Gesuche sind bi» 10. Juli l. I. beim Dekan«! der betreffenden Fakultät vorzulegen. D. I. H.-Jugrndfahrt Ino Salzkammergut. Ter Verband für deutsche Jugendherbergen veranstaltet in der Zeit vom 29.Jnli bis 13. August 1933 eine lätägige Wanderfahrt von Prag nach Wien, ins Gesäuse, an die steirischen und österreichischen Seen, nach Sahburg, Berchtesgaden und Linz. Als Teilnehmer sind Jugendliche beider Geschlechier von 15 bis 20 Jahren zugelassen. Sammelort ist Prag In die Kosten find einbezogen: Alle Fahrten, Nächtigungen und volle reichliche Verpflegung. Tic Reisekosten betragen für Teilnehmer bis 18 Jahr« 710 Ke, bis 20 Jahren 730 Ks. Einzelpaß erforderlich. Reiseplan und näher« Bedingungen sind einzuholen beim Verbände für D. I. H., Aussig, gegen Einsendung von 2 KS in Marken. Die ersten Opfer giftiger Pilze. Aus D o m- bovar(Ungarn) wird gemeldet: In der Gemeinde Berzencze erkrankten ein Landwirt und dessen Tochter nach dem Berzehren von selbst gesammelten Pilzen unter schweren BergiftungS- erscheinungen. Trotz sofortiger ärztlicher Hilfe find beide bald darauf verschieden. 50.000 Dollar sind zu verdienen. Die Wright Whirlwind Corporation hat einen Preis von 50.000 Dollar sür denjenigen Flieger ausgesetzt, der unter Benutzung eines Motorsystems der Wright Whirlwind Coporation ohne Zwischenlandung um die Erde fliegt. Die beste» Lang? streckemlieaer halten dieses Projekt keinesfalls für phantastisch, sondern glauben, daß man in 800 Stunden unter normalen Umständen diese Aufgabe lösen kann. Es liegt fchon eine Liste von zwölf Fliegern vor, die diesen Nonstop- Flug ausführen wollen'. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen, Donnerstag. Prag: 6.00 Gymnastik. 10.10 Konzert. 14 SO Blasmusik. 18.30 Deutsch« Sendung aus M.- Ostrau. 22.25 Konzert aus M.-Ostrau.— Brüutu 18.30 Deutsche Sendung aus M.-Ostrau.,-- Möhr.-Ostrau: 10.10 Blasmusik. 12.80 Orchesterkonzert. 14^0 Blasnmsik. 18.80 DeusscheSenduiig: Dr. V. Haas: Das tschechoslowakische Arbeiterrecht mit Zitierungen gesetzlicher Bestimmungen. 22.25 Jazzmusik.— Frauen-, Jugend-, Kinderfunk: Kö- nigSwufterhausen 14.46: Kinder stunde; Berlin 16.20 Für die Jugend; Leidig 18.00: Hygie Nik.— Konzerte: KönigSwusterhausen 20.00: Or chefterkonzert; Berlin 20.40: Konzert für Saxophon und Orchester; BreÄau 21.10: Das deutsche Biolm kon^rt, Nr. 144 Der deutfrhe< ®ine Charakterstudii Bon i 1871(nach dem Sie-« über Frankreich): „Immer her mit den französischen Milliarden!" »Aus, Freund«, laßt die Dividenden steigen!" 1900: „Fest steht und treu die Wacht am Rhein!" „Mein Vaterland muß größer sein!" 1914: „Hier werden noch Kriegserklärungen ange. nommenl" ,Lmmer fest« druff!" „Jeder Stoß ein Franzos, jeder Tritt ein Brit, loder Schuß ein Ruß, jeder Klaps«in Japs." 1916: „Wir müssen Belgien, Nordfrankreich, die * Ukraine und das Baltikum annektieren." „Die italienischen Hunde sind Verräter! Mussolini ist vo« Frankreich bestochen worden!" „Gott straf« England(indem er uns die englischen Kolonien gibt)!" 1916: „Durchhalten und schleichl>and«ln."„Die hohen Kriegskosten? Die müssen nach unserem Sieg« di« Fein« bezahlen." 1917: „Erlauben Sie mal: Ich bin-HeereSlieferant und als solcher unabkömmlich. Darum kann ich leider nicht Im Schützengraben kämpfen. Gott sei es geklagt!" 1918: ,,Wissen Sie nicht, wo man seinen Eintritt In di« Sozialdemokratisch« Partei vollziehen kann? WaS heißt hier Bourgeois? Ich hab« cs immer gesagt, daß e« so kommen würde. Denken Sie doch: die ganze Welt gegen uns, und wir ohne Lebensmittel,.ohne Soldaten, ohne Munition... Und dann dieser Wilhelm und der Ludendorff: uns so feig« im Stich zu lassen." Da sind die Arbeiterführer doch ander« Kerle!" 1919: „Wie bitte? Eine rot« oder schwarz-rot-golden« Fahne soll ich herauihängen? „Ja, lieber Genoss«, das ist nun solch« Sache. Man ist ja zwar sozusagen schon immer Republikaner und Sozialist««wesen, aber so öffentlich mit einer Fahne kann ich das nicht machen. Denn schließlich ist man doch Geschäftsmann und muß Rücksicht auf Hitz Kundschaft' nehmen, nicht wahr? Aber warten Sie, ich werde Ihnen 50 Pfennig für das Partcinotopser geben. Hat der Ar. beiter Geld, so hat eS di« ganze Welt. So ähnlich sagte doch unser großer Karl Marx, nicht? Meinen Namen in die Sammelliste setzen? Um J«fu willen, wo denken Sie hin? Machen Sie ein Kreuz in die Rubrik, Genoss«. Man brüstet sich doch nicht gern mit seinen Opfern!" 1920(im März beim Kapp-Putsch): Wer hat denn nun eigentlich gesiegt? Kapp und Lüttivitz oder die Ebertrcgierung? Mutter pah doch«inen Augenblick auf den Laden. Ich will mal eben für all« Fäll« die schwarz-weiß-rote Fahne aus der Rumpelkammer holen!" Fünf Tag« später: „Ich habe es ja gleich gesagt. Dieser Putsch war ja geradezu«in Verbrechen am gan^n Volke. Hoffentlich wird den Putschbrüdern die starke republikanische Faust gezeigt, damit ihnen ihre reaktionären Gelüste ein. für allemal vergehen!" 1921: ,Hm Grunde genommen ist es doch gut, daß wir nun wieder ein« ordentliche Regierung mit Mittwoch, 21. Spte-vttrser. die viele»»stiftet. ). B. Bürgerlichen haben. Mit den Sozis ist«S nicht das Richtige. Da werden die Arbeiter zu an. spruchsvoll!" 1922: „Endlich stark« Töne gegen die Ententemächte. Wir werde»» es ihnen schon zeig«»». Dieser Wahn- sinn mit den Ann«ktio»»en und Reparation«« hort auf. Da hätten wir doch 1918 weiterkämpfen sollen bi- zum endgültigen Siege. Leider kam ja damals der Dolchstoß in den Rücken der kämpfenden Front." 1928(im Juli): „WaS wünschen Sie? Lebensmittel woll«n Sic kauf«»»? Nein, das tut mir wirklich furchtbar leid. Ich liefere nur gegen Sachwerte. Sie haben Hunger? DaS sagen Sie mir?.Habe i ch etwa die Revolution gemacht, hä? Bin ich vielleicht Schuld an der Inflation? Wende»» Sie sich a»» Ihre Tattleracscllcn und Gastwirte, die sich an- »naßcn, Minister zu spicken. Die haben Schuld. Ich habe cs immer gesagt: Schuster, bleib bei Deinem Leisten! Leben Sie tvohl, Herr!" 1923(iin August): „Jawohl, Herr Direktor, der Dollar kostet eine Million Mark." „Fräulein, schreibe»» Sie mal: Herrn Rentner Seltenfröhlich, Hierselbst. Sehr geehrter Herr! Am 1!?. September dieses Jahre« werde ich das mir am 1. Januar 1918 gewährte und als Hypothek auf mein Grundstück eingetragene Darlehen in Höhe von (Mark 40.000.—(vierzigtausend) nebst den vereinbarten Zinsen für dat lausende Jahr ai» Sie zurückzahlcn. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener R e e ll, Geschäftsmann." 1924: „Ja, lieber Freund, wer lcidet wohl heitte keine Not? Erst hat man tausend Mark bei der Kriegsanleihe verloren, und nun kam dieser Schwi»»del mit der Stabilisierung, nicht wahr? Die verfluchten Roten haben uns schön hin- eingeritten und sich selber die Taschen gefüllt. Na, daS hört ja nun auf. Ein« stark« RechtS- regierung wird un- alle retten!" 1928: „Diese dauernd steigenden Löhne und die hohen Unterstützungen iverdei» un- noch vollend- zu'Grunde' richt«,i,.Herr Nachbar. Dazu di« unerhörten Lasten auS dem Versailler Vertrag. Und tvcn» haben wir diesen Vertrag zu verdanken? Nur der sozialistischen Internationale, mein Bester. Diese ganz« Brut muß zum Teufel gejagt werden. Wir müssen wieder national denken. Früher war alle- viel besser. Aber damals batte Deutschland auch eine herrliche Regierung mit Wilhelm II. an der Spitze und ein stolzes Heer. Wer hat unser Kaiserreich gestürzt und damit dieses große Elend über unser Volk gebracht? Nur der Marxismus!" 1980: „In» Bertrauen gesagt: Ich wähle Hitler. Gott sei dank hat man genügend politische Schulung genossen, um zu begreifen, daß un- die braunen Bataillone die Befreiung bringen werden." 1981: „Haben Sic scho»» gehört, wie kräftig es vorangeht? In Berlin beginnt da- Aufräumen. Schon krache»» die Scheiben der jüdischen Geschäfte. Ihm! 1988 Die Juden sind es, in deren Auftrage dies Marxisten unser«dl«- nordische- Volk vernichlci» t wollten. Mitgcfangcn, mitaehangen! Ja, ja, Berehrtester: SA. marschiert n»it ruhig f«st«m Schritt!" 1982(«rster Wahlgang der Rcichüpräsi- dente»»>vahk. „Hitler oder Hindenburg, da- ist hier di«! Hrage. Ach was, ich»vähl« Hitler. Nur so kan»,. Deutschland sittlich erneuert werden. Die deut- Ich«»» Arbeiter werden schon so vernünftig sein, Unserem alten Feldherr» Hindenburg eine»» Achtungserfolg zu verschaffen. Sie zweifeln daran? Aber Ich bitt« Sie: Die Treue ist das Mark der Ehre!" 1982(zweiter Wahlgang der Reichspräsi- dentcnwahl. „Was sagen Si«? Wer Hitler wähl», ist für eine neue Inflation? Na— und wenn schon? Ich habe in den letzten Jahren 25.000 Reichsmark Schulden mache»» müssen. Zur«! Söhne aus der Universität, eine Tochter auSstcuern, und das alles ein bißchen standcsgemäß, das r«ißt ins Geld, verstehen Sie. Meinen Si« etwa, ich möchte deswegen Pleite inachen?" 1982(Dezember): „Heil»»nserem Führer Adolf Hitler! Er Ist gottbegnadet und hat sich ganz von unten heraufgearbeitet. Denken Sie doch nur: Bom einfachen Handarbeiter zum Führer de- Volke- der Denker und Dichter. Gott fei gepriesen, eS geschehen noch Zeichen und Wunder'" (1988(im Februar): „Nun»nögen sie sich gefälligst vorsehen, die .Herren Engländer, Franzosen und Amerikaner. Jetzt wird erst mal der Versailler Vertrag umgehend jerrijfcn. Ob wir dazu stark genug sind? Erlauben Sie mal. Seite an Zeile mit Mussolini u»id dem glorreichen italienischen Volke? Was kann uni da passieren? Und wenn die lächerlichen Tcsterreicher nicht artig sind. dann werden wir«S ihnen zeigen. Die haben wohl schon ganz vergessen, daß sie schon einmal von den ruhmvoll.» Heeren Italienmächtig geschüttelt worden sind? UebrigenS könnt« »nan eS Mussolini garnicht verdenken, daß«r sich »vährend dcS Weltkrieges trotz des Dreibundver- tragcS für die Beteiligung am Krieg« gegen di« Mittelmächte einsetzt«. 1983(im März): „Junger Mann, wie sehen Si« d«nn auS? DaS ist ja furchtbar. Sind Si« unt«r di« Räuber gefallen? Was für Bestien haben Si« denn so unmenschlich grausam mißhandelt?■ Wer? SA.-Leüt« mit Peitschen und Knüp- Pelt»?' Tu lieber Himmel, do haben Sie sicher selber Schuld. Wo gehobelt wird, da fallen auch Spän«. Außerdem ist dar garnicht so schlimm." 1983(im April): „Heil Hitler!.Heil Hitler!! Heil Hitler!!!" 1933(im Mai): „Haben Sie die herrliche Friedensrcd« unsere- Volk-kanzlerS gehört? DaS war wirklich ein« Erbauung, mein Lieber. Die Welt kann keinen Krieg gebrauchen. Und sämtliche Staaten müßte»« freundschaftlich initeinonder arbeiten. Auch die Polen und Franzosen sollen alles behalten, was sie durch die Verträge bekomnie»» haben. DaS ist wahre Berständigungspolitik, Herr, ich darf doch Parteigenosse zu Ihnen sägen? Wann hätte man wohl solche klugen, herrlichen und versöhnlichen Worte von einem Staatsmann« gehört?" 1988(im Juni): „Und dann, ganz unter un- gesagt, lieber Herr Kolleg«: Mir hängen die vielen Feiern schon zum Halse heraus... - Seite b Ich bin zwar sozusagen ein hundertprozen- ig überzeugter Nationalsozialist, aber... Und dann diese ewige Bettelei, Sie machen ich keinen Begriff. Gestern»varen acht Partei- enossen hier zum Geldsammeln. Einer kommt ür SA. Hosen, einer für S2.»Schult«rriemen, iner für den nächsten Geburtviag Hitler-, einer ammelt daS Geld zu einen» Lautsvrccher für den Minister Göbbels, ein anderer für ein« Mok- rhiumspritze, die Göring geschenkt»»»erden soll ifw., usw. Aber Pssst, mein Lieber, vorsichtig. Da kommt der kleine Maier. Er ist Gruppen- ührer bei der Hitlerjugend. Ergebenster Diener,-Herr Maier. Ach, feie»» Sie so freundlich und lasten Sie mir aus Ihrer Zeugmcisterei doch bitte eine recht große Fahne >usend«n. Schwarz-weiß-rot? Nein,'.Hakenkreuz natürlich. Jawohl, Herr Meier, 20 Mark kann si« ruhig kosten. Heil Hitler." Liebe auf der Flucht. Als ich noch viel jünger war alS heute, hatte n»an mich überall gern! Eininal tippelte ich im Spessart. Es»var schon weit im Spätherbst, )urch die dunklen Wälder Pfiffs der Wind. Ter Tag schlich griesgrämig der frühen Nacht in die Arme. Verzeih, lieber Leser, meine melancholische Sprache, aber ich bin aus dem ein wenig sentimental-fröhlichen München und wenn ich jetzt »nieder an das Erlebnis denke,»vird mir fchwach ums Herz. Abend»var es scho»» und ich hatte noch kein Dach übern» Kopf. Ta war mitten im Wald ein Wirtshaus und auf gut Glück ging ich hinein. Alte Holzhauer faßen um eine»»»nächtige»» Tisch. Tie Pfeifen qualmten. Erst betrachteten »nich die verwitterten Patriarchen de» Waldes mißtrauisch, aber allinählich, als ich selbst austaute und auf der WirtSzither oberbayrische Landler und Schnadahüpst begleitete, wurde»» auch sie »varm. Da wurde noch ein Fäßchen angcstochen, der Wirt,«in alter Holzhauer, fetzte mir auch Wurst und Brot vor die Nase und ich brauchte nichts zu berappen. So wurde«S rasch um Mitternacht. Wo soll ich schlafen? Darum brauchst du dich nicht;»» kümmern, sagte der von schwerer Arbeit knorrig und bucklig gewordene Wirt. Er schnupfte uno treuherzig fuhr er fort: Du sollst bei uns eiiz warmes Bett haben,»vie du eS vielleicht schon lange nicht mehr gehabt haft.' "Ich»var gerührt von so viel Liebe bet fremden Menschen. Ja, ich bin beinah erschrocken, alS der Wirt im eisgrauen Bart mir jungen Burschen versicherte, er wecke seine Alte auf. die schon lange schlafe. Ich wollte noch ablvchrcnd erwidern, aber eS half nichts. Schon war er verschwunden. Als er wieder ka»n, zog er hinter sich sein altes, von Arbeit verhutzelte- Weibchen. Sixt, sagte er, da- ist ein achter Münchner! Aber die Alte sank müde in einen Stuhl, sah vor Schlaf nicht aus den Augen und murmelte nur: In, ja, ja, ja... So Freund, wandt« sich der alte, brave Christ an mich, so Freund, jetzt geh mit mir! So, jetzt leg dich da hinein! und er deutete auf da- eben verlassene»varmr Bett feiner Alten. Da drinn iS schö warm, da friert» di nöt! Damit ließ er mich allein und machte hinter mir die Türe zu. DaS»var zuviel der Liebe! Ich öffnete dat kleine Fenster meiner Kam»ner und vielt zwei Stunden Ztviesprache mit dem Vollmond, den ich noch nie so groß»»nd so boShast in einer No- Vembcrnacht grinsen fah. E. Kirchpsening. Mrsiiige der Liebe. Das ist ein grauer Tag gewesen, als wir uns daS erstemal sahen. U>ch es war gar nicht ettva Frühling und di« Sonn« schien auch nicht, di« Straßenbäume»varen noch grau und ungewaschen, da eS lange nicht geregnet hatte. Di« Gartner in den Stadtanlagen btachten den Sträuchern und Hecken die Begriffe von Mod« und Kultur bei, Und wir versprachen uns, am kommenden Sonntag auSzufljegen. Ich bracht« dir Trcibhausrosen und Kuchen mit uno wir freuten uns auf den Weg, den wir gehen würden. Der Wind spielte mit deinem blonden Kraushaar. Hinter einem.Haselkätzchenstrauch küßt- ich deine roten Lippe»» und sagte Annamirl. Und da war plötzlich der Him>n«l ganz blau wie auf einem Madonnenbild, und»nan konnte weit hindurch und das verloren« Paradies sehen, in dem hinter«inen» Rosenzaun die schönste»» Edelblumen blühten. Und am Eingang saß eil» Engel und spielte mit den Glocken der Magnolien- blüten. In dieser Richtung gingen wir rüstig imme» zu, dr« Blicke hinter den halbgeöffneten Fensterläden unserer Augenlider, uno wir merkten aa» nicht, daß wir einen Berg vor un- hatten, biß die Straße steil wurde... ,„Dieser Berg wird u»»S Dinge sehe»» laste»» die»vir In der Eber« nicht schauen können" sprach Ich. i Du nicktest mrd schrittest immet tapfer mii Don Zeit zu Zeit'-küßtest du mir di« Augen uni agtest:„Ich sehe durch sie in alle Fernen." Dann ätztest du meine Hand und sprachst leise:„Unser Lebe»» wird auftvärts gehen." „Ja," antwortete Ich mit einem Blick auf unser Ziel.„Wir dürfen nicht die Straße neh- inen, di« ii» alle Weg« und Gasten mündet gleich einen» Spinngetvebc. Wir werden de»» Pfad der Entdeck»»»» ivandern." Am Wege lud uns ein Gasthaus eist, in dem gespielt und getanzt wmde, und wir gingen hinein. Du naschtest an den» Kuchen, gabst mir zu- weilei»»inter spitzbübischem Necken«in Stückchen und wir tranken aus blanken Gläsern goldsonnigen Wein. Durch ein kleines Fensterstück sahen wir in der Dämnlerung daS Geflimmer der Stern«, die immerzu Reigen tanzten, immer in» Kreislauf wie nilser Blut, wie das Wasser, daS zwischen Himmel und Erde wandert. Ich aber flüsterte,»vährcird unsere Kelch« ein«»» Hellen Klingklang zitterten:„Wir werden iinmer vorwärts gehen und nie den Schatten Hciinweh hinter uns acht«»». De»»n wir suche» Neuland!" Und auf einem mondhellen Umweg kam«»» wir zu einer Station, von wo un- ein« Bahn zu» Stadt brach'«. . ch Es»var«in sonniger Tag, die Kastanie» blühten un- der Goldregen war wie ein wirk , licher Rege»» von Gold. Wir»varen so glücklich weil wir der Freiheit frönten. . Ich hatte dir ein Buch milgebracht, kn deir viel vmn Alltag und der Sonn« stand, und al! > wir die ersten Feldwege erreichten, Pflückte iö dir Heckenkirschen und Geißblatt, di« du zum Strauß« bandest. Wir setzten uns an einen Acker, rand und schauten einem Ainselpaarc zu, das sein Nest zusammentrug und sich schalkhaft neckte. „Sieh di« Vögel, sie sind frei und glücklich die Welt ist ihr Feld, und sie sorgen sich nich darum, wo und wie sie wobnen. Aber wir sind arm und doppelt arn»,»veil wir nicht so einfach glücklich sei»« können. Un- unsere Freiheit ist immer nur ein Sonntag-au-flug,«in vorübergehen-«- Stehenbleiben der Uhr„Sorge". Wenn wir einen Berg ge»»on»m«n haben, kommt gleich wieder ein anderer, und wieder einer. Statt aufwärts geht es iinmer wieder talwärts m»d Hein« wärtS. Wir leben ständig zwische»» Ebbe unt Flut." Auf einem Berg erblickte»» wir ein Herren Haus und in Gedanke»» sahen wir in seinem grü ne»» Gartenkranz eine zart«»veißgekleidcte Fra» In ei»»er Hängewatt« und milchbackige Kinder, du sich Blume»» auf den Platz streuten, auf dein si< Ringelreihe»» tanzten. DaS sind Menschen, die u>»sere schtvcre» Berge nicht zu nehmen brauchen, um auf der Höh zu sein. Aber ihre Höhen sind nicht unser Ziel unsere Höhen nicht daS ihre. Die Wolke, die de Sonn« näher ist als der Baum und diesen ver dunkelt, ist sie nicht vergänglicher? Unwillkürlich umgingen wir den Berg uni »»»änderten straßenwärts. Da begegnete uns ei» Handwerksbursche, der auf der Brandsohle lic und fang. Er trug in seinen Augen das Glüi von fünf Erdteilen". Sein"Stock war aü- Indien ; fein Rauchtabak auS Amerika, fein verschtistene | Anzug Im Urstoff aus Australien, die Houtfärb aus dem gelobten Lande und da- trocken« Brot, da- er nebenbei verzehrte, auS Europa. Der wandert auf der Höhe! sagten wir und an diesem Tag« sprachen wir nicht nwbr von unS. * Wir wollten schon innner hoch hinaus. Uird nun sind wir oben. Wir wohnen in einer Dachstube und nicht in einem Luftschloß und haben einen Mitbewohner, dem wir das Flüggewerden lehr«»» wollen. Oft»viegst du ihn auf deinen schlanken Arme»» und läßt ihn an unseren Topfpflanzen riechen, hebst ihn hinaus zum Licht«, daß ihn die Sonn« segne. Die grauen Dächer sind im Sommer wie das»vellenwogende Meer, im Winter wie ein weißes Hügelfcld, und deine Gedanken sind Möven, die kühne Kreise schwingen und immer wieder zu»n Strand« zurückkehret». Ich bin unser Leuchtt»»rmwächt«r und meine , Augen sind da- Licht, da- dein« Möven lockt. Ich spiele mit ihne»» und fliege im Lichte der Blicke »veit über di« Meerbcrqe. Sie sind ein« Brücke zu unseren tanzenden Sternen. Wir brauchen die Straße»» u»»d Wege nicht ,. n»ehr, es sei denn zum Brotverdienei». Utifcc : Herz ist das gesucht« Parodie-. Auf deinen-Händen trägst du unseren Kolumbus, der das Neuland sicher entdecken wird, da- wir unserem At» ) kanten„Seele" eingezeichnet. Kömpäß wird i unsere Liebe sein.., f In un- muß c- immer Sommer bl«rh«»i, k daiiiit wir durch die offene»» Fenster unserer Seele ,' daS La»id' unserer" HoffnuugSausflüge schaue»» r können. ,. I. Zcrfa^, e—- v' Site 6 Mittwoch,!N. F«tt im» Nr. 114 WWWWWW ZEITUNG. Genossen! ausgesetzt für! Sie Dervreituag unsere« Zeitung agitieren- Setzt euch überall für unsere Parteipresse eia. In vaS Heim ve» Arbeiter- gehört bi« Arbeiterpresse. Darum, tÜenotseuu.tLeuassinueu Volkswirtschaft und Sozialpolitik WeilmWe oeoen MüttlMeil. Es ist gewiß sehr erfreulick) zu losen, daß bisher 1617 Millionen Kronen an Arbeitsanleihe gezeichnet wurden. Aber wenn man den Zweck, für den diese Anleihe bestimmt ist, kennt, wenn man weiß, daß von der Höhe der Arbeitsanleihe die Cristen; lausender braver Menschen und ihrer Familien abhängt, dann scheint das Ergebnis, das in einem Zeitraum von drei Monaten erreicht wurde, immer noch zu gering. Muhten doch um diesen Betrag an ArbcitS» anleihc aufzuweiscn große Erleichterungen für rückständige Steuerzahler in AilSsicht gestellt werden, mußte man doch außerdem andere günstige Zahlungsbedingungen für die Anleihe gewahren und nicht zuletzt mit einer bei uns bisher unbekannten Methode der Propaganda einsetzen, bevor dieses Resultat erzielt wurde. Bei genauer Ertvägung über die Aufnahme der Arbcitsanleihc bei der Bevölkerung kommt man daraus, daß sich bei der Zeichnung große Hemmungen anSwirkten, ohne die der Erfolg der Anleihe beslimmt ganz anders gctvcsen wäre. Da war in der Hauptsache das Schlagwort: die Arbeitsanleihe bat die gleiche Eigenschaft wie die Kriegsanleihe, sie kommt nämlich nicht wieder. Damit sagte man» daß die Arbcitsanleihe später nicht eingclöst werden wird. Ja cs wurde sogar behauptet, daß in einen« Prager Kabarett ein ähnlicher Schlager über die Arbcitsanleihe gesungen und— trauriger Weise— viel belacht worden sei. So oberflächlich derartige Behauptungen auch sind, sic werden doch gern weiter gegeben. Wie kann denn«in vernünftiger Mensch die Arbcitsanleihc mit der Kriegsanleihe vergleichen! Kriegsanleihe diente der Vernichtung von Werten, sie ging also nicht nur selbst in einem ganz unproduktiven Arbeitsprozeß auf, indem sie zur Erzeugung von Kriegsmaterial verwendet wurde, sondern sie war außerdem noch dazu bestimmt vorhandenes Gnt zu zerstören. Das Geld also, das in Kriegsanleihe angelegt nnrrde, war schlecht angelegt rind doch wie ganz anders hat n«an seinerzeit diese Anleihe propagiert, mit wclchctt Mitteln zwang man arme Teufel zu zeichnen?! Die Arbcitsanleihe aber wird zu hundert Prozent dem wirtschaftlichen Aufbau zugcführt. Was mit ihrer Hilfe geschaffen wird, bleibt dauernd erhalten. Es werden neue Werte geschaffen. Kein Heller der Anleihe geht verloren. Aber außerdem werden Hungernde Arbeit und Brot bekommen, der Warenabsatz wird gesteigert werden, hunderte von Millionen Kronen werden die ausgelaugte Wirtschaft unseres Staates neu durchbluten und bezruchtrn. Das müßte man allerorts beachten und wie viel mehr müßte deshalb überall für den Erfolg der Zeichnung von Ar- beitsanlcihe eingetreten werden. Wenn dies nicht von allen Stellen aus geschieht, so nur deshalb, weil die meisten Menschen über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise nur jammern und wehklagen, nicht aber über den wirksamen Kampf gegen dieselbe nachzudenkcn pflegen. Besonders jene, die bei den» Propagandafeldzua um bre Kriegsanleihe so große Sunden auf sich geladen haben, hätten jetzt Gelegenheit ihre Schuld wieder zu sühnen. Wo sind übrigens auch die Kanzelprediger, die im Namen Gottes de» Krieg in der Kirche verherrlicht haben und damit die Kriegsanleihe propagierten, die jetzt oussprcchen wurden, daß die Unterstützung der ÄrbeitSanleihe- aktion cmcm Werk der Nächstenliebe gleichkommt. Wer cS fertigbringt den Wert der Arbcitsanleihe ru bezweifeln, wer die Anleihe mißkreditiert schädigt die Aktion zur Verminderung der Arbeitslosigkeit und der Not. Arbeitsanleihe ist Brot für Hungeriide, ist Schutz für die heute>wch Satten. Das zweite Argument gegen die Zeichnung von Arbeitsanleihe, das liur im deutsche» Gebiet« zur Geltung kam, war der Hinweis auf die Verwendung der Anleihe. Bei der Bewilligung von Darlehen aus dem Ertrage der Arbeitsatileche werde doch an das deutsche Gebiet vergessen, sagt man.. Vielleicht wird den Deutschen nicht soviel gegeben werden als sie erhofsen. Bei der nationalen Kurzsichtigkeit, die vielfach beiden entscheidenden Stellen des Staates fcstgestellt werden kann, muß man leider mit Enttäuschungen rechnen. Aber wenn man im vorhinein»liesmacht, dann gibt man gerade diesen unde>nokratischen Bürokraten die Handhabe, um das deutsche Gebiet schlecht zu behandeln. Nur wer im Rechte ist, kann auf dieses Recht auch pochen. Wer nicht mit aller Energie für die Arbcitsanleihe eingetreten ist, kann auch nicht nrit aller Energie fordern. Uebri- aenS sei festgcstcllt, daß bisher schon ganz ansehnliche Betrage aus der Arbcitsanleihe in deutsche Bezirke und auch Gemciilden geflossen sind. Zu wenig allerdings, aber die Aktion ist noch lange nicht abgeschlossen unb deshalb sein endgültiges Urteil über die Verwendung der Anleihe unmöglich. Vorläufig ist es Pflicht aller ernster Menschen, denen das Wohl unserer Wirtschaft und der Menschen am Herzen liegt, für die Arbeitsanleihe , zu werben. Baugenossenschaft der Bankbeamten. Heut«, 23. ordentliche Vollversammlung der Baugenossenschaft für Bank, und Sparkasscnbcamtc, 20 Uhr im McsscpalaiS, Parterre-Restaurant. Vom Leihamt in Prag wird bekam«tgegoben: lieber zahlreich« Anfragen wird mitgctcilt, saß die Versteigerung verfallener Pfänder und Schmuckstück« vom Juni 1032 mit dem 23. Juni 1933 um 9 Uhr früh beginnt. Rach dieser Versteigerung erfolgt der Verkauf der verfallenen Fährnisse, gleichfalls vom Monat« Juni 1932. Geriditssaal Spiel als Geschäft Zweierlei Hasardeur«. Prag, 20 Juni. Elf Angeklagte erschien«!« heute unter der Anklage des verbotenen Hasardspiels vor den« BeziokSrichtcr Dr. Beck. Ein« recht gemischt« Gesellschaft Ist«S, die da von den Detektivs in einer Altstädte« Privatpension ausgchobcn wurde. Unter den Angeklagten sind deutlich die zwei Kategorien zu«r- kennen: die vom Spielteufel besessenen Passt onS- spie le r und die von den Karten lebenden Berufsspieler. Die erster«» rekrutieren sich aus den verschiedensten Gesellschaftskreisen, vor allem auS denen der Besitzenden, denn die Befriedigung der Spielleldenschast kostet— ganz abgesehen von den eventuellen Verlusten— immerhin einen«richt »««beträchtlichen Regiebeitrag zugunsten der geschäfts- nchtigcu Veranstalter solcher Spielpartien. Was aber die Berufsspieler betrifft, so sind das größtenteils höchst armselige Existenzen; in diesem Fall durchwegs beschäftigungslose Agenten, die auf diese Weise ihren Lebensunterhalt zu erwerben suchen. Es gibt versteckt« Kaffeehäuser In der Altstadt, wo dies« ProfesiionalS den lieben langen Tag um den Spieltisch sitzen— meist nicht zu dem Zweck, um sich gegenseitig Geld abzunehmen, denn keiner von ihnen hat viel In der Tasche, sondern ozusagcn zu Zwecken d«S Trainings. Richtig geht cS erst los, wenn sie einen passionierten Hasardeur nrit entsprechend gefüllter Geldtasche finden. Gelingt cs ihnen, sich mit den Arrangeuren privater Spielgesellschaften, wie in vorliegendem Fall, Ins Einvernehmen zn sehen, so ist die Gelegenheit zu einem größeren„Fischzug" gegeben. Natürlich verfügt auch ein solcher inrprovisierter Spielklnb über einen Sicherheits- und Alarm dien st»ich so sande«« auch in diesem Fall die un« 2 Uhr früh in den Spielraum«lndrtngcnden Detektivs die Spieler keineswegs. in voller Tätigkeit, sondern als harmlos plaudernde Tischgesellschaft vor. Natürlich stellten all« entrüstet jedes Hasardspiel in Abrede. Die Detektivs erkannten aber unter den Anwesenden den bekannten Berufsspieler Alfons Bojtöch und die sofort vorgenom- niene T a s ch c n v i s i t a t i o n förderte außer einem kompletten Kartenspiel auch noch«inen ganz beträchtlichen Geldbetrag— offenbar Gewinste— zutage. Angesichts dieser Tatsache erkannte der Richter den Berufsspieler für schuldig und verurteilte ihn zn 200 Ka Geldstrafe. Hinsichtlich der anderen «var ein SchnldbetveiS nicht z>« erbringen und so endet« die Sache für sic mit einem Freispruch. • rb. Aberglauben. Die kalbend« Kuh und der ungefällig« Rachbar. Prag, 20. Juni. Daß nicht nur der Glaube, sondern auch der Aberglaube allerhand vermag, bc- weist der Fall des Landwirts Bckhumil F o u s e k, der heut« vor dem ersten Straffenat unter Anklage der schweren Körperverletzung Platz nahm. Im Mai d. I. kalbte«ine Kuh des Au- g«klagte». Rach einem lies eingewurzelten Aberglauben muß dem werfenden Tier zu Beginn des Gebnrtsaktes ein Stück Brot ins Maul geschoben und zu«n Verschlucken gebracht wende»«. AlS der Bauer mitten in der Nacht in den Stall gerufen wurde und zur Brotbüchse eilte, sah er u«it Schrecken, daß das Brot zufälligerweise am Abe««d vorher a u J gegangen war. Er schickte zu seinem Nachbar Franz Davide! und ließ um ein Stückchen Brot bitten. Der Nachbar sicht mit dem Angeklagten»ich« auf gutem Fi«ß. Er schickte also auch nicht das erbetene Brot, sondern jagt« di« Magd, die ihn« dir Botschaft bracht«, mit einer unftätigcn Aufforderung voir seinem Hof. Schon das brachte den Angeklagte» furchtbar ans. Als cs nun' aber das Mißgeschick wollt«, daß die.Kuh tatsächlich«ine Fehlgeburt erlitt, da kannte sei«« Grinrm kein« Grenzen mchr Er lief spornstreichs zum Nachbar und beschuldigt« ihn, daß er an dem Malheur di« Schuld trage. Hätte er nur«ine Krume Brot geschickt, so wäre di« Sach« sicher ganz glätt vonstatten gegangen ES kam zu einem Streit und schließlich zu Tätlichkeiten, wobei der bärenstarke Angeklagte seinen Gegner bös znrichlcte. Da beide Parteien eine Meng« Bewetsanträg; vorbrachten und Zeugen namhaft machten, wurde di« Berhandlnng schließlich vertagt. rb- || dar Selm des Naffeabemchren|| || JttMets gehört d. Zevkralorgan.|| II»n Deeikch« soilaldtmokr. Arbeiterpartei BH ■I—»Sozialdemokrat*— II Kunst und Wissen „Lohengrtn.'(Neues TeurscheS Theater.) Di« Bassistennot an den Operntheatern scheint viel größer zu sein a!S der Mange, an guten Tcnöve». Borgestern gastiert« abermals ein Bassist mit An»! stellmigSaibsichtcn u nd-- negativem Erfolg. Er sang den König Heinrich, heißt-Oskar K ä I«i« ä n und konnirt von der Budapester Staotsoper. Rein stimmlicher Material rst bei diesem Sänger genug vorhanden, allerdings nur in der Höhe und Mitkelloge, wo manche volle Töne sogar dnrch Farbe, Volumen und Kraft imponieren. Aber die Tiefenloge der Stimm« ist«««alt und farblos,— und ihr« Kultur läßt ebenso Vic! zu wünschen iibrig wie deS Sängers jo gor nicht repräsentativ« äußere Erscheinung und seine bescheidene schauspielerische Begabung. Auch mit der deutschen Sprache steht-Herr Külmän auf Kriegsfuß, wie etliche Dextverstöße zeigten. Der voll- wertige seriöse Bassist, den wir dringend brauchen, ist er nicht.— Als Ortrud härt« man bei dieser, im übrigen musikalischen nervösen„Lohcugrin" Ausführung zum«rstemimle Fr. Lydia Kindermann, deren schön« und große, ausgeglichene und gepflegte Stimme ii« dieser Parti« ebenso zur Geltung kam wie ihr intelligentes, mehr auf den intriganten als wilden Charakter Ortruds eingehendes Spiel. Ruhiger« Tongebung würde di« gesangliche Leistung der Künstlerin noch wesentlich fördern E. I. Abonnement 1938/31. Ausgabe der vorgemerk- tcn Karten für ueueintretcnd« Abonnenten ab heute. Heute volkstümlich« Vorstellung: Gastspiel der Berlin» Barnowsky-Bühnen:„Ich weiß etwa-, was Du nicht weißt" mit Rosa Balett« und-Hermann Valentin in den-Hauptrollen. Zahlreich« A>«fragen aus Abonnentenkreisen, di« chr Jnleresie an dem Baletti-Gastfpiel betonen, veranlassen die Direktion, auch nüt Rücksicht auf den bevorstehenden?lblauf der Spielzeit, Gutschein« für das heutige Baletti^astspiel gültig zu machen,»m deren Einlösung möglichst an der Vormittagskasse gebeten wird. Eine Wiederholung dieser Vorstellung findet nicht statt. ES wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß dir Gutscheine nur bis 30. Juni k. I. gelten. Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theaters. Mittwoch, halb 6 Uhr:„Ich weiß etwas, was Du nicht weißt", Gastspiel Barnowsky, Ensemble mit Rosa Paletti, Herniani« Valentin (A. A.).— Donnerstag, halb 8 Uhr:„Don Giovanni"(A. A.).— Freitag, halb 8 Uhr:„Luku" (D. 2).— Samttag. halb 8 Uhr:„Gasparone", Gastspiel 2 l«z a k, Sturm(A. A.). Wochenspielplan der Kleinen Bühn«, Mittwoch, 8 Uhr:„Fabian, der Elesän l".— DonuerSlaz, 8 Uhr:„Höchste Eis«nbah n".— Freitag, 8 Uhr: „Höchste Eisenbahn".— Samstag, 8 Uhr: „Höchste Eisenbahn". Aiki- Ml' Kflroenfflm sie KW. gut tle Srtelterigteraotlegale. lieber das Verhältnis der Arbeitersport- international« zur Sozialistischen Arbeiter-Internationale finden in den nächsten Tagen Verhandlungen in Zürich statt. Sie weiden für di« Nrbe!tevsportiilt«rnatio«iale vor ihrem Präsidenten Dr. Julius Deutsch Wien) geführt. Di« dritte Arbeiterolympiade. Das Zentralkomitee des Arbciterst« zwanzig Läufern über«ine Strecke von 250 Kilometern gebracht worden. Der Deltorbelterfporttag der Wiener Arbeitersportler, der Sonntag angesctzt war, fiel dem Herr- schevden Regenwetier zum Opfer. »ärgerlicher Sport. Rein LlMHviel Lesterrelch—LeiMüra. Der bürgerliche Fußballverbond Oesterreichs hat den Länderkanrps gegen Deutschland, der am Sonn- tag in Frankfurt staitfindcn sollte, mit Rücksicht aus die politische Lage abgesagt. Die öster- r«ichislh«n Berbandsmachcr wollten vor dor Absage erst di«„Meinung" DollfußenS«inholen, wurden aber nicht vorgelasscn. * Der Deutsch« Rudervcrband hat die Teilnahme an dem am 24. Juni in Wien stattsindendcn Drei-Städte-Achter abgesagt.. Gleichzeitig wurden drei Rudervereine, di« am gleich««« Tage an der Wiener Regatta teilnehmen»vollten, mit Startverbot belegt, daS ohne Zweifel ebenfalls politische Hintergründe hat. Schwer« Bestrafung d«« Teplitzer FK. In der montägigen Sitzung der wurde u. a. folgendes in Sachen des Teplitzer FK. beschlossen: Der Spieler Pospihal wird aus 16 Wochen gesperrt. Der Teplitzer FK. hat ein« Straf« von 2000 K« zu erlegen und fein« Tätigkeit wird auf l 4 Tage cIn gaste klt. Di« Strafe wurde deshalb verhängt, weil der TFK. Im Spartasplcl nrit Pospihal antrat, trotzdem dieser mit einer Sperre belögt war. Pleite«ine» Boxers. Aus New Pork wird berichtet, daß der Boxer E a r n e r a den Kontors angemeldet hat. Er hat Schulden in- der Höh« von 60.000 Dollar, denen nur 1000 Dollar an Aktiven gegenübe rstehen.. Eine ausgezeichnet« Leistung vollbrachte dieser Tag« der finnische Weltrekordler im Speerwerfen, Matti Järvinen, in dem«r den Spe«r 76.10 Meter weit warf. Nachdem sich der Fimre in großer Form befindet, ist«S nicht unwahrscheinlich, daß er sein« Voraussage, den Speer 80 Meter weit zu werfen, erfüllen ka«m. Vereinsnadiriditen ArMicr-nn- im SMrtfcnüi Prag Kölln-Fahrer, Achtung! Die Abfahrt nach Kolin erfolgt Sonntag früh um 7 Uhr vom Masarytbahnhof. Alle Teilnehmer haben Pünktlich nm Uhr in der Abfahrtshalle gestellt zu sein. Der Fahrpreis(hin und zurück) beträgt 28.60 b'r. Die Rückfahrt nach Prag erfolgt um 18.45 Uhr. Ankunft in Prag 20.38 Uhr. Verfluchte Menschen. Nach den bisherigen polnischen Filnren ist diese- Werk des Regisieurs Leiter eins ganz seltene künstlerische Tat, di« an gut« russische Spitzen- leistungcn heranreicht. Auch hier finden wir dagesunde Prinzip, ungehobelte, ungebildet« Menschen in ihren tierischen Momenten zu zeigen, die Kraft echtesten Lebens und Kampfes darzustellen und zu allem nicht Schauspieler heranzuziehcn, di« im Film trotz größten Könnens«rien«als Natur vollkomnren ««setzen werden. Wir sehen hier(wie in„Niemandsland") Soldaten, di« im Krieg(hier Gefangenenlager) zusammengäkommen sind: und diesem Schrecken wollen.sie nrit vereirrter Kraft entrinnen:«in Franzose, zwei Deutsch«, ein Tscheche, «in Amerikaner, zwei Ungarn, drei Russen,«in Pole und ein österreichischer Kadett ziehen durch di« herrlichen Urwälder Pol«si«nS. Sie kämpfen um jeden Bisien Brot, gejagt und verfolgt von den roten Soldaten, sie sind zwischen de« Fronten de« Kläfscn- kanrpfes, des entsetzlichsten Bürgerkriegs, des Kamp- scS aller gegen all«, sic wollen nach Polen entkommen. Uaber rin« Grenze, di« noch schärfer be- wacht wird, als daS Lager selbst. Und in dieser Stimmung der Verzweiflung,sbk»iuoun,cu: Bei Zuft-llun- la» Huu, oscr bei equ, durch tu pjft aoauülch U tl—,«tttttlfÜwik Kl ff.—> MM u Nm amiiM Kl«U-.* MaM MM« IM Ml kW«» taNM- 9* ftMe wIMMMB|wU«ÄI«ta- toÜMuue m» SUMWHmi kMn rat mT«Mateai ka KMMeMte..