Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. 9t.-DatUou u. Detoaltuna; 8ragH,9trtAtanto ta* ZtltsO.: 3679S, staftg.Otafttrrtott.(al31 U$r)i MM» MWÄ (be chMllMN M-lterpachj i 6 Siuzelpreir 70 Heller. iEZnfchlkeßllch 6 Hell« Porto) 13. Jahrgang. Donnerstag, 22 Lunt 1933 Rr. 143. MIMionale Wehr- und luoendverbfinde aoMittt! Sonderaktion Serien den rheinischen Stahlhelm und die Bäurische Volkspartei. Fascistische Erziehung. Von Dr. vittorlo Mungloll. Berlin, 21. Juni. Die politische Polizei hat heute im ganzen Reichsgebiet einen vernichtenden Schlag gegen sämtliche Wehrverbändc der dentschnationalen Partei, die in dem sogenannten„Äompfrina der Deutschnationalen Front" zusammengeschlossen waren, sowie gegen die im Bismarckbund zusammengeschlossenen Jugendorganisationen der Deutschnationalen geführt, indem sie bei den Funktionären' überall Hanüsuchungen durchführte, dort angeblich„belastendes Material" darüber sand, daß in den letzten Monaten Marxisten haufenweise als Mitglieder ausgenommen worden seien, und daraufhin sofort ein Verbot aller dieser deutschnationalen Wehrsormationen erließ und ihre Geschäftsräume und Heime schloß und ihr Vermögen beschlagnahmte. Wenn auch in den offiziellen Erklärungen jede Angrissvabsicht gegen die deutschnationale Partei geleugnet wird, so kann man sich doch schon aus der Tatsache, daß in der Berliner Geschäftsstelle der deutschnationalen Partei von der politischen Polizei überraschend eine Haussuchung durchgesührt und im Zuge dieser Aktionen ein Verwandter Hugen» b e r g s, der Chefredakteur einer deutschnationale» Zeitung, ein deutschnationaler Reichs, tagsabgeordneter und allein in Berlin weit über hundert deutschnationale Staffelführer verhaftet wurden, ein Bild davon machen, was die RaziS beabsichtigen Parallel damit ging eine Sonderaktion gegen den Stahlhelm im ganzen Rheinland, wo feine sämtlichen Ortsgruppen verboten wurden. Auch hier wurde die angebliche Ueberfrrm» dung durch neue Mitglieder aus Kommunisten kreisen znm Borwand der Verbote genommen. In Bayern wurde wieder eine Sonderaktion gegen die bayrische Volküpartei durchgeführt, bei deren Funktionären überall im ganzen Land ebenfalls Hausdurchsuchungen vorgenommen wurden. Dir Nazi sind also im Begriff, allen anderen bürgerlichen Parteien den Kragen umzudrehen, und fangen mit der Auflösung der Wehrsormationen an. Wenn auch dir Beschuldigungen gegen dir deutschnationale Kampffront absichtlich stark übertrieben sein dürften, um dieses unerhörte Einschreiten gegen ihre engsten Verbündeten zu rechtfertigen, so ist dies andererseits ein sicheres Zeichen dafür, wie ft a r k bereits auch in rechtsradikalen Kreisen, die. noch vor wenigen Monaten selbst mit besten Kräften dazu brigetragrn haben, di« Regierung der„nällöNalen Revolution" in den Sattel zu heben, dir Unzufriedenheit mit dem schrankenlosen Naziterror bereits geworden ist. Jedenfalls zeigen die Aktionen gegen di« Rechte, daß die Herren um Hitler nur noch im verschärften Terror gegen alles, was nicht hundertprozentig zu. ihnen steht, einen Ausweg sehen. Die Aktion gegen den„Kampfring" wurde qeute früh im ganzen Reichsgebiet einheitlich durchgesührt. Alle deutschnationalen Wehrformationen einschließlich der im Biömarckbund zn» sammengeschlosfenen Jugendgruppen der Deutschnationalen Partekvfvurdrn in ganz Deutschland ansgelöst und Verbots«. Das Verbot wird damit„begründet", daß nach den angestelltcn Erhebungen„kommunistische und sonstige staatsfeindliche Elemente" in größtem.Umfang Aufnahme in die Formationen des Kampfringes gefunden hatten. Diese Kampfring« hätten somit eine erhebliche Gefahr sür die Sicherheit des 2taa> te- und der Bevölkerung gebildet, n>est)alb nach einer amtlichen Auslassung die Auflösung„zur Abwehr der von diesen zersetzenden Organisationen für die öffentliche Sicherheit und den inneren Frieden drohenden Gefahren" notwendig gewesen sei. AuS ollen Teilen des Reiches treffen Meldungen«in, daß Polizei im Verein mit 2A.»Leu ten in-den ersten Morgenstunden in den Geschäftsräume« und bei führenden Mitgliedern dieser Organisationen Hausdurchsuchungen vornahm, bei denen angeblich stark belastendes Material gefunden wurde. Sämtliche vorhandenen Waffen und Uniformen sowie dir Mitgliederlisten wurden beschlagnahmt., Nach einer Meldung aus Stuttgart erstreckt« sich die Aktion auch gegen die deutschnationalen Betriebs ze Neuorganisationen die gleichfalls der Auflösung verfielen; ihr Vermögen wurde beschlagnahmt. Daß die Aktion nicht überall glatt verlausen ist, beweist ein« Meldung aus Frankfurt a. O., daß dort Widerstand geleistet wurde und eS zu Tätlichkeiten gekommen ist. Ein Mitglied des KampsringrS, der Arbeiter Korsing, der angeblich erst im Feber aus der kommunistischen Partei ausgetreten ist, wurde dabei erschossen. In der Rheinprovinz wurden sogar sämtliche Ortsgruppen des Stahlhelm aufgelöst, seine Geschäftsstellen und Heime„vorläufig" geschlossen und die BermögenSwerte sichergestellt. In einer offiziellen Erklärung de» Regierungspräsidenten heißt eS, durch diese Maßnahmen solle nur der Stahlhelm von allen in letzter Zeit cingedrungcnen marxistischen und sonstigen staatsfeindlichen Elementen gesäubert werden, um die wertvollen alten Krästc des Bundes nach ihrer Befreiung von schlechter politischer Füh rung der eigentlichen Aufgabe des Stahlhelm als eines unpolitischen Wehrvcrbandcs zu erhalten". Zü diesem Zwecke sollen alle nach dem März d. I. neu gegründeten Ortsgruppen aufgelöst und die übrigen Gnippen hinsichtlich ihrer Führung und ihres Mitgliederbestandes einer sorgfältigen Säuberung unterzogen werden. In Berlin wurde heut« vormittags vou der politischen Geheimpolizei unvermutet eine Haussuchung in den Räumen der Geschäftsstelle der deutschnationalen Volks- Partei gegenüber dem ReichStagSgebäude vorgenommen, die zur Zeit noch andauert. Im Verlaus der Aktion gegen die deutschnationalen Kampsstassel sind allein in Berlin am Vormittag schon weit über 100 deutschnationale Kampsstasfelsührer festgenommen worden. Unter den fesigenommenen Führern befindet sich u. a. der Chesredakteur Hugenberg, ein Verwandter des Reichsministers Hugenberg, und der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Timm. Ferner, wurden mehrer« hundert Kommunisten, die die Uniform der Kampfstaffrln getragen haben sollen, der Staatspolizei überstellt. Auch das Tragen der grünen Uniformen der Kampfringe und der Abzeichen wurde verboten. Das Contibüro berichtet zu diesen Maßnahmen, daß sie sich als notwendig erwiesen hätten, nachdem sestgestellt worden sei, daß stellenweise 60 bis 70 Prozeüt der Mitglieder sich ans Kommnuisten und Marxisten zusammcnsctzcn. Namentlich die Sozialdemokraten hätten in. vielen Orten öffentlich erklärt, sie müßten in eine nationale Organisation gehen,»m dopt zersetzend zu wirke» und um in die Polizei- und Pärteimäßnahmcn Einblick zu bekommen.. Gleichzeitig wird erklärt,. die Aktion richte, sich keinesfalls gegen die Deutschnationale Front, sondern lediglich gegen die Kampsricgc, und zwar aus Sicherheitsgründen. Ebenso wenig richte sich, die Aktion etwa gegen den Stahlhelm, über dessen Zusammenarbeit mit der NSDAP, gegenwärtig Erwägungen zwischen dem Ncichskanzlcr nnd dem ReichSarbeitsminisler Seldte im Gange seien. Seldte l)at als erster BilndeSführcr des Stahlhelm«inen Ausruf erlassen, in dem er die Notwendigkeit der heutigen Aktion gegen die Kainpfricge, deren Vorhandensein und Zwecki auch dem Stahlhelm stets„unverständlich" gc- tvescn sei, im Sinne der nationalsozialistischen Ttaatsidee gegen jede Reaktion anerkennt. Er befehle darum, daß der Stahlhelm jetzt und zukünftig zu Adolf Hitler und in der Front der nationalsozialistischen Revolution stehe.(Am letzten Sonntag hatte Seldte in einer Rede in Fehrbellin in einer ähnlichen Wendung neben Hitler noch Hindenburg genannt, denen beiden der Stahlhelm die Treue halten müsse; heute ist nur mehr von Hitler allem die Rede!) Aktion gegen die Bavrisdie Volkspartei. Zu gleicher Zeit wurden auch in ganz Bayern bei den Führern der bayrischen Volkspartei HanS- suchungen vorgenvmmen. Die bayrische politisch« Polizei teilt darüber folgende» mit:' „In letzter Zeit haben sich die Verdacht», Momente, daß führende Persönlichkeiten der Bayrischen Volk-Partei in Zusammenhang st ehe« m>t den letzten Ereignisse« in O e st r r r e i ch, insbesondere mit dem vor wenigen Tagen dort erfolgten Verbot der NSDAP, so verdichtet, daß e» dringend notwendig erscheint, die Verbindung zwischen der Bayrischen Volkspartei und den Christltchsozialen sowie der Heimatwchr in Oesterreich restlos fest, zustellen. Di« Bayrische politische Polizei hat daher heute eine einheitliche Aktion gegen die Funktionär« der Bayrischen VolkSpartri In ganz Bayern eingelcitet nnd bei ihnen sowie in den wichtigste« Büros der Partei«in« Snchung nach betastendem Material vorgenommen, unter anderem auch die Räum« der Fraktion der Bayrischen Volk-Partei im Landtage, de» ,-Bayrischen Kurier" und de» Wirtschastsbeirate» durchsucht. Da» beschlagnahmte Material wird zur Zeit noch gesichtet. In Einzelsällen, bei denen Wider st and erfolgte oder Verdunkelungsgefahr besteht, mußt« zu Festnahmen geschirtten werd«». Sdiwere Aussihreitnnnen wegen„StahiheinT-Verbot. Düsseldorf, 20. Juni. In Düsseldorf, wo gestern durch Bersügung de» Regierungspräsidenten der„Stahlhelm" verboten und ausgelöst worden ist, kam eS wahrend der Rocht zu bknti- gen Zusammenstößen zwischen SA.-Leuten und Angehörigen de» Stahlhelm; in der Nähe de» „Braunen Hause»" entstand eine Schießerei, bei welcher zwei Nationalsozialisten nnd«in Stahlhelmer getötet und elf Akann schwer verletzt wur. den. Di« Polizei, die sich die ganze Nacht hindurch in Alarmbereitschaft befand, mußte mehrsach mit blanker Waffe einschreiten; ein von Stahlhelmern vorbereiteter Sturm aus das Hitlerhau» konnte nur mit Mühe abgrwehrt werden. Insgesamt sollen über 000 Stahlhelmer verhaftet worden sein. Nur SA bleibt Braunschweig, 21. Juni. Ter braunschwci- qischc Minister des Innern Hai mit sofortiger Wirkung sämtliche in-Braunschweig bestehenden Gemeinde-, Bezirks- und Ortsgruppen des Jungdeutschen Orden, des Wchrwolf, des Tannenberg- öundcs aufgelöst. Tic Wiedererrichtung der Grup- pcn ist verboten. Hilgenberg wird noch empfangen. Berlin, 21. Juni. Reichsminister Dr. Hu- gcnberg wurde heute abends nm 19 Uhr vom Reichskanzler Adolf Hitler zu einer Aussprache empfangen. ReldiskaniiilrinalUhrnr Bismarck von SA zur Polizei geführt. Berlin, 21. Juniestimintcn, von Regierung und Kirche feftgcstellten Bahnen gehalten und in der bedingungslosen ?lkzeptierung der Tatbestände geformt wird. Ein italienischer Knabe, ein italienischer Hochschüler beschäftigt sich— im allgemeinen— nicht mit politischen Fragen, noch überhaupt niit solchen, die eine unabhängige, geistige Ein» stcllung oder die Ausübung kritischer Eigenschaften erfordern.„Mussolini denkt'für alle" — das ist die Formel, di« in die jungen italienischen Gehirne jahrein, jahraus cingehämmert wird. Der Katechismus der„Balilla"'— das sind militärisch organisierte Kinder im, Alter von 8 bis 14 Jahren, die mit Getvehr, Pistole und Dolch bewaffnet, unter dem Befehl von Offizieren stehen— preist die Gewalt, verneint Recht und Gesetz, regt zum Haß gegen alles Fremdländische an und lehrt ihnen, Mussolini, den Papst und den König als uü abänderlich- Naturgesetze, die das Ausland ihnen neidet und mißgönnt, zir ehren!-Jedes Schulkind muß obligatorisch den„Balilla" k Sette 2 Donnerstag, 22. Juni 1SS»> angchören; 14jährig, avancieren sie in die „Avanguardtsti", atrs denen dann die fasci- stische Miliz»nd daS Herr hervorgehen. Diese jahrelang fortgesetzte Vergewaltigung der jungen Gehirne bewirkt, daß diese stumpf werden und in sich keinen Gedanken anfnehmcn können, der nicht dem FasciSmus und dessen Disziplin verknüpft erscheint. Amtlich wurde im Oktober vorigen Jahres bckanntgegcben, daß über zlvci Millionen Kinder, Knaben und Mädchen, zu den vormilitärischen Formationen der„Balilla" und „Avanguardistt", der„Piccole Jtalianc" und „Giovani Jtalianc" angehören. Das heißt, j daß, ohne die Hnndcrttausendc von jungen Leuten, die in den letzten zehn Jahren in die fascistiiche Miliz übertraten, zu berechnen— die Miliz zählt heute eine Million ztvcihun- dertfünfzigtatisend Mann und hat zehnjährige Dienstpflicht—, über ztvci Millionen junge Gehirne von Kindheit an systematisch vergiftet werden und geistig vcrkiinnncrn; die tragische Bcdcntuttg dieses Vorganges tritt ganz besonders hervor, wenn man bedenkt, daß die Zchul- jugend die Zukunft eines jeden Volkes in sich zn tragen hat! Ter Mängel an jedem idealen Schwung, einem Schwung, wie er nur auf dent Boden der Demokratie oder des Sozialismus, im geistigen Kampf zwischen Gegensätzen politischer und kultureller Natur möglich ist, spiegelt sich deutlich in, Kulturleben des heutigen Italien wieder. In der Malerei und Bildhauerei, in der Schriftstcllcrci, in der Journalistik besitzt die italienische Jugend hentc keinen einzigen hervorragenden Kopf. Man darf sogar behaupten, daß.Kunst und Schriftstellerci fast gänzlich anf Speichelleckerei des bestehenden politisck)en Systems aufgebaut sind. Vor vier Jahren erhielt auf der„Biennale" Ausstellung von Venedig den ersten Preis ein junger„Maler", der, zusammen nnt weiteren dreihundert, sich zum Ziel seiner Kunst die Darstellung Mussolinis, dessen Person wirklich nichts künstlerisches an sich hat, anf der Leinwand gesetzt hatte. Das Bild bestand nur aus Hunderten in all« Richtungen blickenden Augen, und hatte z>« bedeuten, daß Mussolini alles sicht und alles bewacht. In der lehren„Biennale" wurde ein„Maler" aus Triest prämiiert, der Mussolini in der Rüstung eines mittelalterlichen Ritters, der kriegerisch ein gezogenes Schwert in seiner Faust schwingt, dargestellt hatte! Nicht anders sieht es auf dem Gebiete der Musik aus. Man ist heute in Italien, nach einigen unglücklichen Versuchen fascistischcr und futuristischer Musik, zu den alten Opern und Konzcrtstük- ken zurückgekehrt. Dasselbe gilt auch für die Schriftstellerei; Gioacchino Sforzano, der„Die hundert Tage" geschrieben hat, aber auf den Ruhm dieses Theaterstückes zu Gunsten seines Herrn und Gebieters Mussolini verzichtete, gehört noch zu der alten Generation, ist nur in der Verkrümmung seines Geistes„ein Sohn der Gegenwart" geworden... Vielleicht geschah es, um sich das Recht zum Vegetieren im eigenen Lande zu bewahren, und nicht, wie der Philosoph Benedetta Croce iit seiner süditalienischen Verbannung langsam abzusterben, oder wie Mario Mariani und viele andere im Auslaiid jene geistige Schaffungsfrcihcit suchen zu müssen, die in Italien nicht mehr besteht und auch in Deutschland bestimmt vcr schwiiiden wird. Die Folgen der fascistischen Erziehung auf die geistige Entwicklung der hcrantvachsen- Herr Jung hat in seiner Komotauer Rede di« Demokratie Masaryks mit der Hitlers verglichen und gesagt, in Hitler verkörpere sich wahrhaft demokratisches Wollen, denn er stütze sich aus die Mehrheit des Volkes. Und dann hat er, die„Demokratie" Hitlers lobend, jene Masaryks kritisiert. Seine Rede ließ crkcmtcn, daß er sich nach den deutschen Zuständen sehnt. Hitler- Demokratie, die Herrn Jung so gut gefällt, ist also beschissen: Nm ihrer Besinnung oder Konsesflosin Wille« werden deutsche Volksgenossen in Konzentrationslager gesteckt, dort körperlich und seelisch mißhandelt und schließlich„aus der Flucht" erschossen; alle Zeitungen, die nicht gleicher Meinung sind wie die Hunnen, sind verboten; jede offene Meinungsäußerung wird mit Zuchthaus bestraft; für jede Beleidigung der LA und S2 gibt es Kerker; tausend« deutscher Arbeiter werdrn in der Demokratie Hitlers von den SA-Schergen blutig geschlagen und mit Rhizinusöl gespeist; fiir Marxisten und Juden gibt rS keinen Arbeitsplatz. DaS u>ck> einiges andere mehr macht die „Demokratie" des HunnrnführeS Hitler auS. Rach dieser Demokratie Hot.Herr Jung Sehnsucht! Die Gewerkschaften zur drohenden Verschlechterung der Arbeitslosen«. sürsorge. Am Montag, den 19. Juni d. I. sand in Reichenbcrg eine von der ZcntralgewerkschaftS- kommission einberufene Konseren; von Vertretern aller Verbände der Deutschen Gewcrkschaftsbun- des statt, die sich mit dem drohenden Abbau der Arbeitslosensürsorge befaßte. Von den Funktionären der Zentralgewerk- schaftSkoinmission wurde über die bisherigen Bemühungen zur Abwehr der geplanten Verschlechterungen ausführlich berichtet uns insbesondere der rastlosen und schwierigen Arbeit, welche in dieser Beziehung der Minister für soziale Fürsorge mit den anderen sozialistischen Vertretern in der Regierung verrichtet, anerkennend gedacht. In der Aussprache nahmen die Vertreter aller Verbände gegen die von den bürgerlichen Parteien und ihren Vertretern beabsichtigten Ber- schlcchterungen, welche die Arbeitslosensürsorge in unerträglicher Weise hcrabfctzcn würden, schärf- stenS Stellung. Di« Beratungen wurden mit der einmütigen Bestimmung von Richtlinien für den weiteren Vorgang, der im engsten Einvernehmen mit den Gewerkschaften des Ldborovs sruteni LeskosiovcnskS erfolgt, abgeschlossen. den Jugend^ müßten, ernstlich von all denjenigen überlegt tverdrn, di« der wahnwitzigen Demagogie der Fascistenführer zujubcln und diesen BolksbetörerN die Zukunft ihrer Kinder preisgeben wollen! Nun ist auch Herr V i e r e r b l, der politische Redakteur des„Tag", zur„Ehrenrettung" der Hitlerdentokraiic ausgerückt. In einem von ihm geschriebenen Aussatz, der auch sonst vor ungeheuerlichen Lügen und Entstellungen strotzt, heißt cS: „Tic 2PD müßte also gerade jetzt, trotz der Verfolgung ihrer Führer, den stärksten Zulauf haben, denn sie hat zweifelsohne in diesen Tagen den stärksten Druck ausznhalten, der je auf sie ansgcübt wird, wie wir cs bei den sudetcndcutschcn Nationalsozialisten erleben, in deren Reihen, trotz den scharfen Maßnahmen der Regierung, di« sich von denen der Reichsregicrung der SPD gegenüber nicht wesentlich unterscheiden, täglich hunderte Volksgenossen ointreten." Die Maßnahmen gegen die SPD unterscheiden sich also„nicht wesentlich" von denen, die unsere Regierung gegen die Nazis ergriff? Man höre aus, den Kerlen j,t predigen, die daS Lügen ja doch nicht lassen können. Man schaffe Konzentrationslager, die„im wesentlichen" denen ähneln, in denen die Führer der SPD, die Remmele, Mirrendorfs, Zimmer, K u h n t u. a. gefangen gehalten werden tind stecke die I u n g und B i e r e r b l hinein! Die sudetendcutschen Arbeiter würden es gern übernehmen, sie so;u„nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft" zu erziehen, daß sie bereuten, sich mit der KonzentrationSlagerdemokratie des Hunnenkönigs Hitler gleichgeschaltet zn haben. Eine Antwort an Herrn Schoklich. Wir haben an den Herrn Abgeordneten Schollich bereits zweimal die Frage gerichtet, waS ihm wohl für ctit Schicksal blühen würde, wenn er nicht Staatsbeamter, Bürgermeister und Abgeordneter in der Tschechoslowakei, sondern sozialdemokratischer Funktionär in Deutschland wäre? Dem Herrn Dr. Schollich fällt es nicht ein, auf csne klare Frage eine klare Antwort zu geben. Einen ganzen Artikel braucht er, um unserer Anfrage ansznwcichen. Wir wollen ihm daher die Antwort geben, vor der er sich so scheut: er würde in Dentschland nicht nur als sozialdemokratischer Funktionär mißhandelt und in ein Konzentrationslager gebracht werden, sondern er würde auch als D e u t sch n a ti ona ler im Dritten Reich hinter Schloß und Riegel gesetzt werden. Wenn er un- das nicht glauben sollte, empfehlen wir ihm die Lektüre der heutigen Tageszeitungen. Di« Liga kür Mensch««rechte:«in« Filiale der kommunistischen Partei. Wer den„Aufruf", deS von Herrn Dr. Bill redigierten Organs der Liga für Menschenrechte liest, wird bemerken, daß in der letzten Zeit von Nummer zu Nunnncr die Poleinikcn gegen die Sozialdemokratie an Umfang gewinnen. In der vorletzten Nummer wurde eine Rede in einer Prager Versammlung der tschechischen Sozialdemokratie in böswilliger Weise kritisiert, waS mit den Menschenrechten und mit den Aufgaben der Liga nicht daS geringste zu tun hat. In der neuesten Folge Nr. 145 rasdstenmord hi Palästina. Dr. Arlosorosf von einem jüdischen Fascisten ermordet. London, 21. Juni,(Eigeirbericht.) ES steht nunmehr fest, daß der Führer der sozialistischen Partei Palästinas, Dr. Ehaim Arlosorosf, von einem jüdischen Fascisten ermordet worden ist. Auf Grund der Aussage der Frau Dr. Arioso- ross wurde nämlich in Tel Awiw das Mitilüv der revisionistischen(fascistischen) Partei Abraham Kasti im.Hause des Chefredakteurs des revisionistischen BlatteS Abi Achim Mer verhaftet. Bet Kasti wurde ein vorbereiteter Auslandspaß gefunden, mit welchem er flüchten wollte. Die Verhaftung hat in Palästina das allergrößte Aufsehen erregt und ist nicht nur-ein Beweis für die von Tag zu Tag sich verschärfen- deu Klassengegensätze im Lande, sondern auch dafür, daß die jüdischen Fascisten sich derselben Methoden bedienen, wie die Fascisten der üörigen Nationen. dieses BlatteS sind gleich zwei Artikel über die SPD, ohne daß man wüßte, warum die Liga kür Menschenrechte sich um die Verhältnisse in der SPD so sehr bekümmert. Aufgabe der Liga für Menschenrechte ist die Verteidigung der Men- scheurechte und da gibt eS heilte in der Welt genug zu tun; es gibt auch genug Stofs, das Blatt der Liga für Menschenrechte— wenn sein Erscheinen für.Herrn Dr. Bist schon unbedingt notwendig Ist— zu füllen. Es ist einfach so, daß Herr Dr. Bill die Liga für Menschenrechte und ihr Blatt zur Befriedigung seiner Eitelkeit miß- braucht. Die sozialdemokratische Partei hat dem Wirken deS Dr. Bill in ihren Reihen seinerzeit ein Ende bereitet und daS kann Herr Dr. All nicht verwinden. Die Liga für Menschenrechte ist aber unseres Erachtens nach nicht dazu da, die persönlichen Rachebedürfnisse und die Eitelkeit des Herrn Dr. Bill zu befriedigen. Tut sic rS dennoch, dann muß sie es sich gefallen losten als Filiale der kommunistischen Partei betrachtet zu werden, weil sie anscheinend keilte anderen Sorgen hat, als den Kamps gegen die Sozialdemokratie zu führen. D«r LandeSauSschuß für Böhmen erledigte in seiner gestrigen Slhung außer laufenden Angelegenheiten 199 Gemcilldebudgcts, bewilligte 92 Gemeinden die Dinhebung verschiedener Abgaben und Gebühren und genehmigte den Beschluß der Prager Zentralvrrtrctung über den Abschluß einer Kommunalanlcihe von 6.3 Millionen Ks zum Bau von Kindergärten. „D«r Gegenangriff" ein in Prag crjchemcn- deS Blatt, das vorgcolich zum Kampfe gegen den FasciSmuS gegründet wurde, hat entdeckt, daß die in der Tschechoslowakei wirkenden sozialdemokratischen Parteien die gleiche ,Zerrater- politik" betreiben.wie die SPD., deren Kritik., und Bekämpfung der„Gegenangriff" zuvörderst., dient.— Den der KPD. nicht sehr fernstehenden Herren und Damen um den„Gegenangriff" ist zu sagen, daß sie und ihr« Partei oas Recht ver- nnrkt haben, über die SPD. zu richten; gehören sie doch zu den Hauptschuldigen an der Katastrophe der deutschen Arbeiterklasse! Die Haltung unserer und unserer tschechischen Bru- dcrhartei, zu der der„Gegenangriff" etwa das- selbe zu sagen hat. wie seinerzeit die verräterische„Rote Fahne" zur Haltung der SPD., ist, sehr verehrte„linke" Skrioifaxe, u. a. auch dopt gut, Blättern vom Schlage des„G c- genanarifs" das Erscheinen zu ermöglichen. Befolgten wir seine Ratschläge, so würde ihm daS Schicksal seiner. Vorgängerin, der„Roten Fahne" kaum erspart bleioen. Die Besserwisser, die allo gegen oen„FasciSmus" kämpfen, würde gut daran tun, zu schweigen. Schafft für fang und Viererbl Konzentrationslager! Sic haben Sehnsucht nach der Behandlung, die unsere Genossen im Dritten Reich erfahren! Die Sadie mit Boms Kriminalroman von Greta Hartwig Lo schwieg und nestelte in ihrer Tasche. Sic zog eine Zigarette hervor und Max beeilte sich, ihr Feuer zu geben. Im Schein des aufflackern- den Zündholzes sah einer in des anderen ernstes Gesicht. Von der schönen, raffinierten Frau war jeder Zug billiger Koketterie abgefallen, sie blies langsam den Rauch von sich. Aber auch dieser Ernst, diese vornehme Distanz konnte letzten Endes Raffinement sein. Vielleicht kam Max ein solcher Verdacht, denn er schritt plötzlich zum Lichtschalter und der flammende Leuchter zerriß die Stim- nlung. Lo fuhr zusammen, bedeckte die Auge» mit der.Hand und versucht« den Faden des Gesprächs wieder zu finden. „Nun?" fragte Mar.„Glaubst du, du kannst < mein Leben biegen, wie du es willst? Glaubst du, du kannst mich wegwerfen, tvenn es dir paßt, und ?mich wieder nehmen, wenn cs dich dazu treibt? Dein Bekenntnis ist ein sehr offenherziges, ich 'achte deinen Mut. Gut, du hast dein Leben auf LuxuS eingestellt und mich verlassen weil..." „Gewiß," fiel ihm Lo ins Wort,„damals warst du arm, aber heute? Heute bist du reich!" Der Mann erbleichte.„Wie meinst du..." stammelte er.„WaS soll das? Reich? Wie kannst du?" Di« Frau, erstaunt, ihn so fassungslos zu sehen, machte rasck ein paar Schritte auf ihn zu und legte die Hand aus seinen An». „Ich wollte dich nicht beleidigen, mein Lieber. Aber jetzt ist ebett der Grund für unsere Trennung aus der Welt geschafft. Du hast Geld und ich liebe dich! Was will ich mehr? Und du? Willst du an dem dummen, jungen Ding feschalteu, wenn du die Möglichkeit hast, mit mir zu leben?" So deutlich, wie ihre letzten Worte, war auch ihre Haltung unb ihr Blick. Wie ein gieriges Tier stand sie vor ihin, es schien, als sollte ein regelrechter Kampf beginnen. „So nicht!" sagte Max ernst und verweisend. Er wollte weiter« Attacken im Keime ersticken, denn er kannte diese Frau zil gut, um nicht zu ivissen, welchen Redeschwall, Träncnguß und waS für Drohungen sie jetzt als letzte Argmnente von 'ich geben würde. Er erstailnte darum, als Lo sich abwandt« und schwieg. Es wäre ihm jetzt ein Leichtes gewesen, dir Unterredung zu beenden, Lo zu bitten, ihn zu verlassen u>ld nie mehr aufzusuchen, die Zwecklosigkeit ihres Besuches zu betonen und ihr ruhig »nd höflich, fremd und sachlich in den Mantel zu helfen llnd ihr die AuSgangStür zu öffnen. Di« Frau stand noch immer abgewandt und wie in Gedanken. Er sah ihre schlanke, feine Gestalt, den bräunlichen HalS und die schönen, festen Schullern. Sie stand so still, daß ihn ihr Anblick seltsam bctvrgte. Er trat zu ihr und hob ihr dar Kinn hoch. „Nun?" Sie sah ihn fest an. „Ich lasse dich nicht," sagte sie seltsam kalt. „Eher töte ich mich— und dich! Hast du mich verstanden?" Max wollte lächeln, aber er war gebannt, wie der Bogel vor dent Blick der Schlange. „Ich gehe," sithr die Frau fort.„Mache deine Rechnung mit dieser... dieser... Lillian Brand." „Und... wenn ich nicht reich wär«, Lo, wenn ich arm wäre, oder... wenn ich über Nacht wieder arm werden würde, wenn... ich meinen Posten verlieren würde..." „Mein Freund kommt in den nächsten Tagen," sagte die Frau ruhig,„bis dahin möchte ich deine Antwort. Ja oder nein! Aber bedenk, was dich ein Nein kostet. Ich sehe, daß du jetzt außerstand« bist, mir zu antworten." „So 81,!" Ich habe..." „Komm erst mit dir ins Reine! Leb Wohl!" 6. Kapitel, Direktor Hammer. Lillian hatts nach dem Mittagessen stzhn- süchtig auf Maxcus tclephonischc» Anruf gewartet. Nachdem sie ihre Zeit damit verbracht hatte, ihre Blume» zu begießen, mit der Hausfrau eine Rechnung ins reine zu bringen, ein Paar Kleinigkeiten z» nähen, ein paar Seiten in einem Buche zu lesen, das ihr gestern noch spannend vorkam, sie aber heute unendlich langweilte, einen Brief zu beginnen und wieder zu zerreißen und die Fingernägel frisch zu lackieren, raffte sie sich endlich auf lind begann sich anzukleiocn, um Max kurz entschlossen einen Besuch zu machen. Sicher war er böse, und er hatte ja auch Grund dazu. Sie wollte zu ihm gehen, und alles wäre wieder gut. Das Blut schoß ihr in die Wangen bei dem Gedanken, bei ihm zu sein, ihn zu sprechen^ ihn zu küssen, ihn ... da stopfte es an der Ture. „Ein Brief, Fräulein Band, per Bote!" „Ja!" Lillian nahm den Brief.„Wo ist der Bote?" „Schon fort!" Lillians Herz stopfte. Bon Mar? Warum nicht per Telephon? Etwas Schreckliches? Der Abschied? Nein, nein, cs war nicht seine Schrift. Sie riß den Umschlag auf und las. „Heute nacht Haussuchung bei mir. Ich rufe dich morgen sieben Uhr früh an, um zu erfahren, was du erreicht hast!" Kein« Anrede, keine Unterschrift, die Schriftzüge beinahe unleserlich, mit Bleistift, verschwommen; hatte er geweint, hatte er im Freien, im Regen geschrieben, wo war er? Lillian zerknüllte den Brief und ging erregt im Zimmer auf und ab. Die Erregung, di« Hast, die Angst, die er atmete, hatte sich ihr ntitgeteilt, und doch blieb ein Borwurf in ihr. Ein Vorwurf gegen BorriS, der Immer Im entscheidenden Moment ihr Privatleben zerstörte. ES war ja selbstverständlich, daß sie nun nicht IZU Max gehen konnte, sie hatte am Abend wie- der Vorstellnng, cS blieben ihr wenige Stunden, ! jetzt mußte sie handeln, morgen, ganz zeitig, .mußte sie ja Bescheid geben, also rasch, aber wohin, wohin...? Max wenigstens anruken, ja, daS dauerte doch nur«in Paar Minuten. Sic stürzte an den Apparat, rief die Nummer, wartete. „Die Nummer meldet sich nicht," sagte das Frä,«lein lakonisch. Lillian stand konsterniert. „Aber wieso? Ist das eine Störung?" „Nein. Die Nummer meldet sich nicht." „Bitte, geben Sie starkes Signal!" bat Al- lian mit zitternden Lippen. Es war vergeblich. Ja, war denn alles verhext? Sie ging m ihr Zimmer zurück und kämpfte mit den Tränen. Nur nicht schwach werden, di« Nacht gehörte ja ihr. Sie konnte ja nach der Vorstellung zu ihm. Aber jetzt, aber jetzt! Und plötzlich, ganz Plötzlich wußte sie einen Ausweg. Einen Ausweg? Wenigsteps einen Weg. Nachdem Ä Lu gegangen war, kehrt« Max nachdenstich in sein Arbeitszimmer zurück. Der Raum war noch erfüllt von dem Duft, den sein Besuch hierhergetragen hatte, ein Parfüm, das sinnverwirrend in der Luft lag. Seine Gedanken arbeiteten. Vergangenheit uno Gegenwart vermissten sich, die Zukunft war dunkel. Seine Gefühle waren ip Aufruhr. Wie kam es, daß diese Frau, di« er viele Monate nicht gesehen hatte, sein Leben zu bestimmen wagte, und wie kam eS, daß er ihr nicht die Tür« wies? Er hatte sie sehr geliebt, aber das war lange her. Er hatte gelitten, als sie von ihm ging, aber das war heute vorbei. Und trotzdem- irgend ettvaS war entzündet in ihm, neu entflammt durch ihr« Kraft und ihren klaretl Wunsch nach seinem Besitze. Es hatte gewiß einen ebenso großen Reiz, von einer Frau besessen zu wer««, wie e,ne Frau zu besitzen. DM*»* MU Rr. ISS D-mnerStag, 22. Juni ISSd Leite 8 Wir fragen die Reichsregierung! Kennt sie die Greuel im„Schutz“haftlager Königstein? Die Reichsregierung ist noch immer damit beschäftigt, Greuelmeldungen zu widerlegen;>S ist begreiflich, daß ihr diese Tätigkeit viel zu schaffen macht, handelt eü"sich doch um einen Kampf aegen die Wahrheit, dessen Aussichtslosigkeit außerhalb der ReichSgrenzen schon gründlich offenbar wurde. In den lebten Togen ließ die ReichSregie- runa daS Walfische Telegraphcnbürö über oen deutsch«» Rundfunk einen Bericht des„S o- zialdcmokrat" über die.Häufung der Todesfälle in den Konzentrationslagern„widerlegen". Die ReichSregierung behauptete, es fei nicht richtig, daß sich die Zahl der Todesfälle in den Lagern hau e und sich schon auf 270 belaufe. ES handle sich nm„typische Lügenmel- düngen der bereits in der ganzen Welt sattsam bekannten Prager Lügenfobrik". ES seien lediglich einige Kommunisten bei„Fluchtversuchen" erschossen worden. Die Verdächtigung, daß die Gefangenen vergiftet würden, sei ein niederträchtiges, echt marxistische» Unterfangen. Schließlich wurde im Rundstrnk de» Herrn Goebbels mttgeteilt: ES fei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß vor längerer Zeit eine größere Zeitung in Schlesien«in« Einladung an alle Pressevertreter der Dschekoslotvakei gerichtet hatte, um verschiedene Konzentrationslager in Deutschland zu besichtigen., Der größte Teil ist dieser Einladung gesolgt und hat sich von dem einwandfreien Zustand der Konzentrationslager und der tadellosen Behandlung der Gefangenen überzeugen können, worüber bekanntlich in der Press« eingehend berichtet wurde. Bezeichnend ist, daß die Vertreter der sozial- denwkralischen Press« diese Einladung ohne Begründung ablehntrn. Der verdacht liegt sehr nah«, daß die Ablehnung erfolgt«, um di« Wahrheit nicht zu sehen und di« Welt weiterhin, wie bisher, mit »erlog«.«cn Greuelm«ldung«n zu versorgen. Dazu haben wir zu sagen, daß wir die „Görliher Zeitung", die un» die Einladung auf dem Wege über die Reichenberger Kanzlei der Deutschen Nationalpartei übermittelt hatte, zweimal auffordern ließen, un» eine Einladung der ReichSregierung unter Erfüll,«na der von un» gestellten Bedingungen zu verschaffen. Eine Antwort ist b«l unS nie einartrossen! DaS nimmt unö nicht Wunder angesichts der Tatsache, daß der ReichSregierung eine Besichtigung der Konzenträtjon-laacr nur nach einem. 6c- stimmten Schema, nicht oder eine gründliche Prüfung erwünscht ist. ES ist seltsam, daß die Reichsregierung zwar die Zahl der von uns mitgeteiltcn Todesfälle bestreitet, selb st aber keine Zahl nennt. Roch seltsamer ist eS, daß sie von den„Erschießungen auf der fllucht" spricht, obzwar doch hundertfach Quälereien wehrloser Gefangener und Selbstmordversuche und zahlreiche Erschie- ßungen von Nichtkommunisten bekannt sind. Wir nennen nur die RechtSanwalte Goldmann, Benario und Kohn, die, ohne Kommunisten zu sein,„auf der Flucht" erschossen wurden.(Die Schüsse gegen sie waren von vorn abgegeben!)— Wir nennen den Fall deS Arbeiters K u m p e r t aus Heidenau, der in Königstein zu Tode gequält wurde, den Fall Eckst ei n-BreSlau, den Fall R a u d i c 8« Berlin und könnten die Liste noch sortsehen.— WaS ist das überhaupt für eine Gesinnung, die die Verantwortlichen sich schon beruhigen läßt, wenn sie erkennen, e» handle sich bei den Er- schossenen„nur" um Kommunisten? ES ist elende Barbarengesinnung! Hatten die in Deutschland Herrschenden, also vor allem di« Mitglieder der Reichsregierung, menschlich«» Gefühl, dann sorgten sie überhaupt dafür, daß mit der Schande der Konzentrationslager ausgeräumt wird. Denn ebenso ungeheuerlich wi« da», wa» in den Lagern geschieht, ist die Tatsache ihr«» Bessande».< die Tatsache, daß im Deutschland von heute Menschen um ihrer Gesinnung oder Konfession willen ärger al» Zuchthäusler gehalten und von den höchsten Stellen de» Reich» Tag um Tag verhöhnt werden. Die BeruhIgungSversuche der ReichSregie- runa können vor allem da» deutsche Volk selbst nicht überzeugen, daß durch tausende illegale Zeitungen und durch die Erzählungen der Opfer die- Wahrheit erfährt Die Wahrheit dringt auch — wirksamer als die Abwehrpropaganda der Schuldigen, die das gesamte deutsche Volk n,it Schmach und Schande bedecke««— über die Grenzen und sieht so auS: In Königstein a. d. Elb« war ein Lager von„Schutz"hastlingen, in da» die SA und die SS wahllos Leute geschleppt hatte, die ihr nicht gefielen. Die Gefangener« wurde«« mit Stahlrute»«, Gummiknüppeln und anderer« Gegen st ander« bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen, mit Füßen getreten und durch rreu« Marter«« wieder zur Besinnung gebracht. Ein Familienvater au» tzetdenau wurde so zugerichtet, daß er starb. Wir teilen der Reichsregierung, wenn sie es Noch nicht wissen sollte, mit, daß in Königstein Häftling« gezwungen wurden, da» blutig geschlagene Gesäß ihrer Leidensgefährtin abzuleck«u; daß man Hästling« zwang, or«i Stunden lang da» Gesicht über den frischen K o t von SA-Leuten zu halten; daß angetrunken« SA-Leute di« Häftlinge nacht» weckten und sie unter wüsten Dro- ?ungen zwangen, gebrauchte Prä« ervatlve auSzulecken; daß einem Junado-Mann«in solche» Präservativ in dir Tasche gesteckt und er dann wegen„solcher Schweinereien" bestrast wurde; daß die Häftlinge zitterten, wenn sie de» Rächt» den Gesang ihrer angetrunkenen und über die Elbe sehenden Peiniger hörten, well sie wußten, daß sie da» Opfer sadistischer Orgien würden; daß di« Häftlinge gezwungen wurden, in Gegenwart ihrer Peiniger zu onanieren und man von ihnen verlangte, widernatürlichen Geschlechtsverkehr mit ihren LeidrnSgenossen zu vollziehen; daß di« Häftlinge auf allen Pieren kriechen mußten und daß man sie dabei auf Füße, Hande und in die Hoden trat; daß man di« Häftling« zwang, aufeinander zu reiten,„Lokomotive zu „fahren" und sie dabei mit Tiernamen aller Art belegte; daß man den Häftlingen Geld stahl und sie zwang, zuzuaeben, daß sie Falschgeld gehabt hätte«; daß man den Häftlinge» die Haar« zur Hälfte schor oder ihnen zum Spaß ei» Hakenkreuz in» Haar schnitt; daß man den Mißhandelten ärztlich« Hilf« versagt« und sie sich völlig lrlbst überließ; oaß man di« Häftlinge„strafweise" in feucht« und kalt« Kellergelasse warf und ihnen jede Schlaf» und Sitzgelegenheit verweigerte; daß man alle Gefangenen zwang, bei ihrer Entlassung zu bestätigen, e» sei ihnen nicht» geschehen. Dies alle» geschah unter Leitung der SA- Führer B i e n e r i-Königstein und F u h r- in a n n-Goillcuba. Sie wurden, als do» Lager in Königstein aufgelöst wurde, nicht etwa bestraft, sondern lediglich versetzt. Was in Königstein geschah ist so furchtbar, daß sich die S e l b st m o r d v e r s u ch c, die in allen Lagern in großer Zahl unternommen werden, von selbst erklären. Unbeschreiblich sind die seelischen Peinigungen, von denc>««a auch die große Oeffentliqkeit bei der Verhaftung und' Zurschaustellung der Abgeordneten Mieren- d o r f f und N e m m e l c erfuhr. Die Konzentrationslager, in denen solcherart wehrlose Männer— und Frauen!— zu „nützlichen Gliedern de» neuen Deutschland" erzogen werde«« sollen, dienen offenbar ausschließlich den sadistischen Gelüsten der SA. Wie ander» kann die Reichsregierung den Bestand der Lager rechtfertigen? Wir übernehmen für da» über Königstein Bericht« dir voll« Verantwortung. Die Reich», regierung äußer« sich nun! Sßldtß vßrsMßrt den Stahlhelm an Hiller! Berlin, 21. fluni. Die Reich-pressestelle der NSDAP teilt mit: fln einer heute stattgefunde- nen Beratung zwischen dem Reichskanzler, dem Reichsarbeitsminister, dem ReichSwehrniinister und dem Vizekanzler von Papen wurde Folgende» vereinbart: Zur Sicherung der Schlagkraft der Nationalsozialistischen Revolution gliedert sich der Stahl- Helm, Bund der Frontsoldaten, in die nationalsozialistische Bewegung in folgender Weise: a) Der Kcrnstahlhelm bleibt wie zuvor der, Führung de» Bundcsführer» unterstellt, b) Der BundeSführcr verbietet von jetzt ab den Mitgliedern de» Kernstahlhelms jede andere Parteizugehörigkeit al» die zur NSDAP, c) Der Führer der NSDAP Adolf Hitler gibt so die Mitgliedschaft des Stahlhelm» zur NSDAP frei d) Ter flungstahlhelm tritt neben SA und SS und wird dem obersten SA-Führer unterstellt. Der Scharnhorst wird in die Hitlerjugend eingegliedert. e) Ter flungstahlhelmführcr von Morozewicz tritt zum Stabe des obersten SA-Führers. immin)>iKnm»wnmHwiiniuniinminuiiflnmniiiiimiimiminiiiiiiiiiitnniiiiiiHiiniiiniiiiinnmiiiniifiiiiiiiiuiiiinnmiii(initntniiiiiimmiiii(nnniniiiNininiiminnnninniininiiiiiiiniiiiiiiiiiiin ChrlstUdisoslalc landtagsabgcordnctc lehnen Zusammenarbeit mit Nationalsozialisten ab. Wien, 21. fluni.(Eigenbericht.) fln« Nic- derösterreichischcn Landtag sollie heule vormittag eine Sitzung der Landesregierung stattfinden doch mußte die Sitzung sofort wieder unterbrochen werden, weil sich die Christlichsozialen weigerten mit dem nationalsozialistische» LandcSrat Leopold zusammenzusitzen. fln einer daraus ein- berufenen Sitzung gaben die christlichsozialcn Larwesvertretcr r>.n: Ei klärung ab, in der p.» rum Ausdruck brachten, daß sie mit.Hakenkreuzlern jede Zusammenarbeit avlehnen. Di« Sozialdemokraten erhoben gegen die Aberkennung der Mandate der Nationalsozialisten aus Grund der Krieg»notverordnung vcrjassungsrechtlichc Be- denken. Tarnung der öslerreidiisdien Nazi-Presse. Trotzdem ifolportageverbot gegen ein Abendblatt. Wien, 21. fluni. Tas verbot des Tragen» von Parteiabzeichen, das gestern zum erstenmal in Geltung trat, wurde lehr streng gehandhabt. Im großen und ganzen ist da« Hakenkreuz au» dem Wiener Straßenbild verschwunden. Rur einzelne Hakenkreuzler trugen noch da» Abzeichen; wo sie aber von Wachleuten bemerkt wurden, wurden st« angehalt«» und aus di« Kommissariat« gebracht. Insgesamt wurden so etwa hundert Person««« v«rhaft«t. Als Ersatz sür das Haienkreuz tragen die Nationalsozialisten vereinzelt Kornblumen oder schwarz-weiß-rot« Bänder im Knopfloch. Die hakenkreuzlerische„Teutschösterreichische Tageszeitung" ist heute wieder erschienen. Allerdings sind sämtliche Untertitel und Bezeichnungen, die aus«ine Verbindung mit der verbotene«« NSDAP Hinweis«,« sännen, beseitigt worden. Ebenso fungieren als Verantwortlicher Herausgeber und Redakteur vollständig unbekannte Personen. Dieselbe Tarnung hat auch daS nationalsozialistische Abendblatt„N a ch t p o st" vorgenommen. Trotzdem wurde dev« Blatt ans Grund der letzten Pressenotverordnung mit sofortiger Wirkung die Kolportage durch Straßenverköufer, ZeitungSver. schleiße und Austräger entzogen. Ta» Blatt darf nur noch durch die Post zugestellt werden und muß In einer am gleichen Nachmittag abgehal» tenen Sitzung de» niederösterreichischen Partei- Vorstände» und des Klub» der svzialdemokrati- schen LandtagSabgeordneten wurde festgestell«, daß gegen die Abwehr der Feinde der Republik die schärfsten Mittel in Ailweiidung gebracht werden müssen, daß aber zur Aberkennung der Mandate der Nationalsozialisten daS Krieasnot- verordnungSgesetz nicht in Anwendung gebracht werden dürfe. Hingegen seien die Sozialdemokraten bereit, üb:r e.n.' notwendige BersassungS- äi-derung zu v:r handeln. Für die zeilw^il'g.' Ab. erkennung der Mandate könne ein Gesetz mit stw.'drittel- M'.h.'hei« im Landtag bei^lrss.n werden. dafür den doppelten Tarif entrichten. Ta» verbat gilt bi» zum 19. September. Bis zum selben Tag wurde auch die Verbreitung de» völkischen Beobachter»" vom Bundeskanzleramt für ganz Oesterreich verboten. KII. Wall stellt aas dem Grabe Wien, 21. fluni. Der ehemalige ReichsratS- abgeordnetc Karl Hermann Wolff«vird ab morgen in Wien ein«»eueS Blatt unter dem Titel „Nei«e Wiener Tageszeitung" hcrausgeben. SA-Attentäter verhaltet. Klagenfurt, 21. Juni. Das„Kärntner Tagblatt" teilt mit, daß im Zusammenhang mit den Ermittlungen über das Sprengstofsattentat au die Wohnung des Landesratcs Leer in Klagenfurt ein DA.-Führcr, namenS Eduard Baumgartner au» Zigguls bei Klagenfurt, verhaftet worden sei, in dessen Wohnung sieben vollständig adjustierte Handgranaleii vorgefunden wurden. Ein Mittäter nird noch gesuch:. Belebung der österreichischen Rohstahlprodukllon. Wien, 21. fluni. Im Monat Mai l. I. war die Rohstahlproouktion Oesterreichs bi» zu 32.5 Prozent ihrer Kapazität auSgenützt, wa» eine wesentliche Belebung nicht nur gegenüber dem Bor. monat, sondern auch gegenüber allen Monaten des Vorjahres darstellt. Europ&isdie SonderaRtlon in der Frage der wahningsslamiisierang? London, 21. fluni.„Daily Telegraph" chreibt: Sollt« Amerika auch weiterhin ein« Politik der Isolierung betreib««, dann wird«» vielleicht Maßnahmen zur Stabilisierung der euro- »äischen Währungen vereinbart werd««. Es werde » dieser Beziehung für bedeutungsvoll gehalten, daß gestern ein« Zusammenkunft europäischer Bankier» in der Bant von England stattg«fun, den hab«. Internationale Regelung der Weltproduktion. Pari», 21. fluni. Die Pariser Blatter bekunden Zufriedenheit mit den Meldungen ihrer Londoner Berichterstatter, daß zahlreiche Staaten ihre Zustimmung zum französischen Antrag auf eine internationale Regelung und Aufteilung der Weltproduktion geäußert haben. Ein Sonderkomitee beim Wirtschaftsausschuß der Konferenz studiert den ranzösischen Antrag in allen seinen Einzelheiten, flm ursprünglichen französische!« Antrag war eine Regelung der Deltproduktion nur für Getreide, Wein, Holz und Kohle Vvrgeschlagen. Neber Ersuchen zahlreicher Staaten kamen noch Kupfer, Baumwolle, Silber, Tabak, Vieh und Kaffee Hinz««. Bonnet: Verbrauch steigern London, 21. fluni. Die Arbeiten der Weltwirtschaftskonferenz wurden heute in der Wirt- schaftSkominission und in den beiden SubkomitceS der Währungskommission fortgesetzt. Die Vorschläge, die Schatzkanzler Neville Chamberlain im ersten dieser beiden Unterkomitees gemacht hat, wurden von zahlreichen Delegierten, dar- nntcr auch vom französischen Finanzminister Bonnet unterstützt, der verlangte, daß diese An- träge einem besonderen Subkomitee mit der Weisung zugewiesen werden, ehesten» definitive Empfehlungen vorzulegen. Bonnet fügte hinzu, daß e» zwar notwendig sei, die Erzeugung zu organisieren, daß aber auch gleichzeitig versucht werden müsse, den Verbrauch zu ste i g e r n und dadurch dem schrecklichen Paradoxon ein Ende zu bereiten, daß die Menschen Hunger» sterben, obwohl alle» in reichlicher Meiige vorhanden ist. Stabilisierung der Zucker- Produktion London, 21. fluni. Der neue Währung? Unterausschuß ha« heute die Debatte über die Resolution Chamberlains eröffnet, während sich der zweite Unterausschuß mit dem Studium der amerikanischen Resolution, betreffend die Gold- und Silberfrage befaßt. Tie kubanische Delegation legte dem Präsidium der WirtschaftSkonfe. renz bedeutungsvolle Anträge, betreffend ein internationales Uebereinkommen hinsichtlich oer Stabilisierung der Zuckerproduktion vor. Nach dieseni Ilebereinkoinmen>vür den sich die Signatarstaatcn verpflichten, innerhalb von zehn flehren keine neuen Zuckerrassi- derien zu errichten und den derzeitigen Ertrag der Raffinerien nicht zu erhöhen. Angst vor der Niederlage. Gens, 21. Juni. Heute vormittag» habe«« die noch in Genf verbliebenen Mitglieder der deutschen Telegation namen» der deutschen Regierung die Vollmacht der deutschen Vertreter auf der Arbeitskonferenz«viderrufen. E» wird behauptet, daß die Deutschen diese Maßnahme getroffen haben, um weiteren Verhandlungen «Iber die Affäre Dr. Leys znvorzukoimnen. Wenn die deutsche Regierung die Mandate ihrer Vertreter auf der Arbeitskonferenz nicht widerrufen würde, käme e» bei der Abstim- mnng über die Gültigkeit der Vollmachten zu neuen Manifestationen gegen Dr. Ley und die Abstimmung würde für die Deutschen äußerst ungünstig ausfallen. Auer in Freiheit. Genosse Erhard Auer, der alte Führer der SPD. in Bayern ist au» dem Konzentrationslager in Dachau wieder entlassen worden, allerdings>«ur wegen seines Alters und feiner schwe- ren Krankheit, tvegen der er nach seiner Verhaftung zunächst iiiü Spital des Zuchthause» S t a d e l h e i n« gebracht worden war. Alle sozialdemokratischen Stadträtc Münchens aber sind auch weiter im Konzentrationslager, obwohl der flnnenininister und— was viel mehr ist— der Nazigauleitcr Wagner ausdrücklich erklärt hatten, Sozialdemokraten wurden nicht ins Konzentrationslager gesperrt werden. Vertrauensvotum ihr die neue spanische Regierung. Die Geistliche» verschwinde» au» den Schulen! Madrid, 21. fluni. Die neue Regierung A; a n a Hat Hinsichtlich des Agrargesetzes und de» Gesetzentwurfes, durch den die geistlichen Lehrer in ganz Spanier« durch weltliche ersetzt werden sollen, die Vertrauensfrage gestellt. 189 Abgeordneten stimmten. für die Regierung,>«ur sechs gegen sie. Die Radikalen enthielten sich der Stimme. Seite 4 Donnerstag, 28. Juni iwr. orr. i«q Der Deutsche Kulturverband legt über das Arbeitsjahr 1932 nun der OeffentUchkeit seinen Bericht vor. Die Zahl der Ortsgruppen betrug Ende Dezember v. I. 3045. Der Rückgang der Einnahmen ans der Organisation des Verbände- beläuft sich auf 329.600 K. Die aufgebrachte Summe der Gaue, Dczirksverbändc und Ortsgruppen belief sich 1932 auf 5.4 Millionen. Der Rest der benötigten 7.5 Millionen setzt sich aus Legaten» Sllbventioncn, Erträgen der Berkaufs- abteiluua usw. zusammen. Zu Beginn des Jahres 1932 besaß der Verband 29 eigene Schulen mit vierzig Klassen. Mit Jahresschluß 1932 wurde der häusliche Privatunterricht in sechzehn Orten ganzjährig und in zwei Orten während der Wintermonate mit insgesamt 29 Lehrkräften erteilt. Ter Deutsche Kulturvcrband sorgt in insgesamt.52 Orten mit 72 Lehrkräften für den deutschen Unterricht durch Erhaltung von Privatschulen, Bcistcllung von Lehrern, bczw. Erhaltung des häuslichen Privatunterrichtes. Mit Beginn des Jahres 1933 besaß der Deutsche Kulturverband 105 eigene Kindergärten mit 111 Abteilungen. Der Verband besitzt weiters eine Anzahl TagcShcimstätten, unterstützt Schulen, Kindergär- tcn und Heimstätten sowie Studenten; schließlich gewährt er Subventionen und Darlehen für Bau- und Wiedrrherstellungsarbeitcn an Schulen und Kindergärten. Die Urhoroder Einbrecher. In der Nacht auf gestern wurde wiedcruni die Kasse in der Kanzlei des städtischen KinoS in Uihorod erbrochen. In der Kaffe befand sich jedoch kein Geld. Die Täter hinterließen am Tatort einen Handschuh. Arbeitertod im Tunnel. Mittwoch früh stieß zwischen Radomir und Doupnitza(Bulgarien) ein mit Oberbau-Arbeitern besetzter Zug im Tunnel auf einen Waggon. Fünf Arbeiter wlirden bei dem Zusammenstoß getötet und 13 schwer verletzt. Haleukreu-Wafferzeichen aus Briefmarken. Nach dem Aufbrauch der Vorräte des alten Freimarkenpapiers soll für die deutschen Briefmarken neueü Papier mit dem Hakenkreuz-Wasserzeichen angescrtigt werden. 842.1 m 270.8 m 293.5 m 263.6 m m neue Welle 470.2 m 326:4 m 298.8'm MH» .. 269.1m Alle tschechoslowakischen Wellen(mit Ausnahme der Kaschoucr, die mit der Station Qrgn in Algier gemeinsam ist) sind sogenannt« e x I lu- s i v c Wellen, auf denen allein di« betreffend« Station aussenden kann, was einen großen Er- folg darstellt, wenn man in Betracht zieht, daß z. B. England nur eine einzige exklusive Welle hat. Hinsichtlich der exklusiven Wellen steht die Tschechoslowakei an drilier Stell«. Vom Rundfunk Lle neue Wellenverleiluug. Auf der Rundfunkkonferenz in Luzern entbrannte ein heißer Kampf um die Zuteilung der sogenannten Trag wellen, auf denen die einzelnen Stationen ihre Programme in die Welt senden. Der Kampf cnbctc schließlich mit dem Abschluß einer Konvention, welche von 27 Staaten unterzeichnet, von sechs Staaten jedoch(darunter Polen, Ungarn, Schweden und der Türkei) abgelchnt wurde. Die neue Konvention tritt am 15. Jänner 1934 in Kraft und damit wird der bisherige auf der Prager Konferenz vom Jahre 1929 vereinbarte Stand außer Kraft gesetzt. Für sehr viele Staaten bedeutet die neue Verteilung der Wellenlängen eine große Verschlechterung ihres Rundfunkwesens. Die Tschechoslowakei hat ihre bisherigen Positionen voll gewahrt und sogar noch eme Besserung erzielt. Sie erhielt eine neu«Welle für die Slowakei, 765 m— 392 kHz, auf der sie tagsüber mit eitler Sendeencrgic bis 30 kW, in der Nacht bis zu 15 kW senden kann. Außerdem erhielt die Tschechoslowakei noch das Recht auf eine gemeinsame Well«. Di« Station in StraÄtice erhielt die Welle 249.2 w—1204 kHz. Durch d-rc Luzerner Beschlüsse treten fotzende Acnderungen ein: Prag anstatt bisher.. Brünn anstatt bisher. Pveßburg anstatt bisher Kaschau anstatt bisher M.-Ostrau anstatt bisher Empfehlenswertes ans de« Programmen. Freitag. Prag: 6.00 Gymnastik. 11.00 Schallplatten. 14.60 Konzert. 18.25 Deutsch« Sendung: Prof. Engländer: Aktuelle Währungsfragen. 19.65 Theater aus dem Ausstellung-Platz im Jahre 1807. 22.80 Zeitgenössische Musik.— Brünn: 18.40 Schallplatten. 18.25 Deutsch« Sendung.— Spiü und Sport; Berlin 16.16: Frauensport.— Frauen-, Jugend-, Kinderfunk: München 15.00: Stund« der Frau; Breslau 15.80: Jugendfunk; Men 15.80: Jugendstunde; München 16.10: Erziehuntzs- funk.— Konzert«: Leipzig 20.15: Lieder aus dem Erzgebirge; Mühlhausen 21.00: Volksmusik; München 21.10: Abendkonzert., Das Pulverfaß Danzig. Was tut der Völkerbund T Für die Schaltung der Brünner technischen Hochschule. Die Vertreter aller deutschen Parteien in ocr mährisch-schlesischen Landesvertrctung haben heute beim Vizepräsidenten Böhm in Angelegenheit der drohenden Auflassung der Brünner deutschen Technik Vorgesprächen. Tic Abordnung hat die Ansicht der Deutschen dieses Landes zum Ausdruck gebracht und sich gegen die Auflassung einer deutschen Hochschule überhaupt, insbesondere aber gegen die Auslassung der Brünner deutschen Technik ausgesprochen. Es wurde vor allem aus die hohe kulturelle Bedeutung gerade dieser deutschen Hochschule hingcwicscn und auch auf wirtschaftliche'Nachteile aufmerksam gemacht, die eine Auflassung dieser Schule für die Stadt Brünn und das ganze Land Mähren-Schlesien hätte. Hcrvorgchobcn wurde, daß die zu erwartenden Ersparnisse kaum sehr bedeutend sein könnten und jedenfalls in keinem Verhältnis zu den kulturellen und wirtschaftlichen Schäden stünden, die mit der Auflösung verbunden wären. Vizepräsident Böhm versprach, diese Bedenken und Wünsche der Deutschen des Landes Mähren-Schlesien der Regierung zur Kenntnis zu bringen und nachdrücklich zu vertreten. Mährisch-schlesische Landesvertretung Brünn, 21. Juni. In der mährisch.schlesischen Landesvertrctung wurde heute die Debatte über den Rechnungsabschluß für das Jahr 1932 fortgesetzt. Tic Redner der einzelnen Fraktionen befaßten sich mit den durchgeführtcn Streichungen am vorjährigen Voranschläge. Der deutsche Landbündler Röttcl kam dus eine von unscrm Genossen Dr. Morgenstern bei der letzten Tagung vorgcbrachtcn Beschwerde über die Verhältnisse auf dem Bcrsuchsgutc in Mähr.-Trübau zu sprechen und gab aus einem Bericht des L. R. Theimer Stilproben zum besten, die wohl nicht die vorgcbrachtcn Beschwerden entkräften, dafür ober davon Zeugnis oblegen, wie man Berichte nicht versoffen soll. In der Debatte nahm Gc- noffc Dr. Morgen st crn zu diesen Angelegenheiten Stellung und wies darauf hm, daß in dem Bericht zugegeben werden muß, daß man weder den Kollektivvcrtrag noch die Bcrtroucnsmännrr der Arbeiter anerkannte und daß bei der durchgeführten llcbcrprüsung der beanständeten Bcr- hältniffe die Arbeiter nicht zugezogen und gehört wurden. Ganz abgesehen von dem Ton, in vcm der Bericht gehalten ist, muß die Art und Weise, in den Kommissionen Erhcbungch durchführen, abgezeigt werden. Wir können uns deshalb mit diesem Bericht nicht zufrieden geben und welsen die gegen die Arbeiterschaft gerichteten Angriffe zurück. Nach einer Replik des tschechischen Agrariers Z a v a d i l i k, der sich mit dem landwirtschaftlichen Schulwesen des Landes beschäftigte, kam Genosse Schuster zu Wort, der zu den Methoden, die bei der Streichung am Voranschläge des Vorjahres angewendet wurden, Stellung nahm. Nach der Verlesung eines Schreibens des Landesvertreters Bota, der an den Beratungen nicht teilnahm, war die Debatte über den Rechnungsabschluß abgeschlossen. Mor-, gen werden die Beratungen über die weiteren Vorlagen fortgesetzt werden. Sie Seilen Snder« sich und die Kommunist«« mit ihnen! „Die Kohlenbaron« beabsichtigen die Cinfüh» ,rung unbezahlter Wechselurlaubc, wie sic mit Hilfe der reformistischen Bonzen im Ostrauer Revier cingeführt wurden. Die nordwestböhmi- ichen Bergarbeiter aber nehmen keinerlei Vereinbarung an, die ihnen eine Verschlechterung bringen würde. Sie lehnen die Wechselurlaube ab, die dauerndes Elend und dauernden Hunger in di« Bergarbcitcrfamilicn tragen." (Wenzel Nosck in einem Artikel in der »Internationale" vom 10. Dezember 1932.) „Auf Initiative der roten Gewerkschaften wurden der Dircktorenkonfercnz die Forderungen der Ostrauer Bergarbeiter vorgelegt. In erster Reihe wird die Einführung von Wcchselurlauben verlangt, damit die Bergarbeiter in der Zeit, wo sie aussetzen müssen, Arbeitslosenunterstützung beziehen können... Auf der Beratung der Vertreter aller Gewerkschaslsorganisationen forderten die Vertreter des Jndustrievcrbandcs der Bergarbeiter ein rasches Vorgehen..." (Dieselbe Internationale" v. 13. Juni 1933.) WaS also einmal Verrat an den Lebensintcresfcn der Bergarbeiter war, ist jetzt zu einer kommunisti- schen Forderung geworden! Brasilianische Märchenerziihlunaen. In der Sao Paolo erscheinenden„Deutschen Zeitung" ist kürzlich ein Artikel über„Nationalsozialismus und Sudetcndcutschtum" erschienen. In dem sclbswcrständlich gleichgcschaltctcm Blatt wird erzählt, daß in der Tschechoslowakei„unaufhörlich" Abgeordnete, Studenten und alle anderen Deutschen, die verdächtig lind, Anhänger dcS Nationalsozialismus zu sein, verhaftet werde». Schließlich wird sogar folgende Behauptung ausgestellt: „Im Prager Parlament wird schon Stimmung für den Ausschluß aller deutschen Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokraten gemacht." Wir fügen hinzu, daß unseres Wissens die deutschnationalen und christlichsozialen Abgeordneten bereits die Uebcrsiedlung nach Brasilien erwägen und im Urwald eine Zeitung hcrausgeben wollen. Dir Asse« warten schon darauf. Man schreibt der I. I. u. a.: Danzig soll künftig unter dem Kommando des deutschen Reichskanzlers stehen. Eine Naziregierung schickt sich an, ihr Amt anzutreten, um die Befehle Adolf Hitler« auSzusühren. Danzig soll ein neues Expcriuieiitierseld für den Foscisnlus werden. Bis zur endgültigen Neubildung der Regierung dürfte sich das Leben in Danzig äußerlich noch in verhältnismäßig ruhigen Bahnen abspielcn. Was aber wird unter einer Nazi-Regierung das Schicksal der Danziger friedliebenden und verfassungstreuen Vevölkc- ning sein? Danzig ist mit Zündstoff geladen. Die SA- und SIZ Truppen. die unter dem Kommando von reichsdcutschcn Nationalsozialisten stehen, haben seit einiger Zeit erhebliche Verstärkungen aus dem Reich erhalten. Berliner, oftprcußische und bayrische SA sind in Danzig kaserniert. Alle sind bewaffnet. In den Reihen der Nationalsozialisten sind Listen im Umlauf, in denen die Namen sozialdemokratischer und kommunistischer Funktionäre verzeichnet sind, gegen die Trrror- maßnabmen vorgcnommen oder zum mindesten durch Polizei und Gerichte hinter Schloß und Riegel gebracht werden sollen. Schutzlos fühlen sie sich dem nationalsozialistischen Terror ausgc- licsert, wenn nicht von außen her Gegenmaßnah- Tagesneuigkeiten Auto-Unglüü in Mähren. Brünn, 21. Juni. Gestern nachmittags ereignete sich bei Pohokclicc ein großes Automobilunglück, und zwar an einer Stelle, an der sich bereits mehrere Unfälle ereignet haben. Ein vom Eigentümer Wenzel Vrbka aus Brünn selbst gelenktes Lastauto, das mit eisernen Oesen und eisernen Kassen schwer beladen war, riß in einer Kurve währe ich schneller Fahrt einige Straßenrandsteine um und fuhr in den Straßengraben. Ter Monteur Fran; K o c m a n n aus Auspitz bei Brünn war ans der Stelle t o t. Der reichsdeutsche Staatsangehörige Karl Demel, welcher unterwegs von dem Autobcsitzer mitgenommen worden war, erlitt schwere Verletzungen und wurde in das Krankenhaus nach Brünn gebracht. Dort mußte ihm bas linke Bein oberhalb des Kniegelenks amputiert werden. Tos rechte Bein ist ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Sein Zustand ist sehr ernst. Die Angelegenheit wird untersucht. Militarprozeß in Pilsen. Pilsen, 21. Juni. Bor dem hiesigen Divi- sionSgericht begann heute die Verhandlung gegen den Oberleutnant Z. L. S. I. Ingenieur W. VrSesky, den Rottmcister des Flugdepots Z. L. S. I. Rudolf Perutka und den Kapitän des technischen Depots Z. L. S. I. Jng. I. Lid und den Rottmcister des Fliegerregimentcs 2 Josef Sädlo, von denen die 59 Seiten umfassende Anklageschrist des Chefs der Militärprokuratur Obersten Kudrna den Jng. Vrkesky des Verbrechens der Veruntreuung im Amte, der Ucbcrtre- tung, der Mitschuld am Diebstahl, dcS Verbrechens des Mißbrauches der Amtsgewalt, der Uebertrctung der Veruntreuung, der Ucbertre- tung der Nichtachtung der allgemeinen Dienstvorschriften, den Rottmcister Perutka des Verbrechens der Mitschuld an der Veruntreuung, der Uebertrctung der Subordinationsverlctzung, des Verbrechens des Betruges, des Verbrechens der Borschublcistung und der Uebertrctung des Diebstahls, den Kapitän Jng. Lid des Verbrechens des Mißbrauches der Amtsgewalt und den Rottmcister Sädlo des Verbrechens des Diebstahles beschuldigt. Selbstmordversuch einer bedeutenden Münchener Professors im GesSnguis- Dem Brüsseler„Peuple" wird aus München gemeldet: Professor August L. Mayer, früher Direktor der Münchener Pinakothek, versucht« in der Gefangenschaft Selbstmord, indem er sich die Kehl« d u r ch s ch n i t t und die Schlagader öffnet«. Professor Mayer, der jüdischer Herkunft ist, wird in ganz Europa al» einer der größten Autoritöten aus dem Gebiet« der spanischen Maler«; angesehen. Er war bald nach dem Sieg d«S nationalsozialistisch«» Umsturzes in München verhaftet wouen, und man nimmt nun an, daß er durch die Haft und die ständigen Verhöre, denen er seit drei Monaten unterworfen war, zur Verzweiflung getrieben wurde. Sein Zustand ist sehr ernst. Dynamtt'Fascisten in San Marino. Rom, 21. Juni.„Popolo di Roma" berichtet auS der Republik San Marino, daß dort Vorbereitungen für weitverzweigte Dynamitattentate aufgedeckt worden sind, die bereits seit zwei Monaten betrieben wurden und gegen führende Persönlichkeiten gerichtet waren. Me seit dem Jähre 1632 bestehende Republik sollte durch diese Attentate vollständig verwüstet werden. ES handelt sich um ausgewanderte Fascisten, die das Regi- ment deS Landes an sich reißen wollten. Die men getroffen werde». Die Danziger Bevölkerung seht immer noch ihre Hoffnung auf den Völkerbund, der int Statut der Freien Stadt Danzig den Schuh der Danziger Verfassung und die Sicherung von Ruhe und Ordnung im Gebier der Freien Stadt Danzig übernommen hat. Auch die Nationalsozialisten wissen, daß sie :hre Politik in Danzig im Scheinwerferlicht der Welt werden machen müssen. Deshalb geben sic jetzt vor ihrer RcgirrungSübernahme in der Oefsentlichkeit eine Erklärung nach der andern ab, in der sic ihre Legalität und Vcrsaffungs.- treue beteuern. Aber diese Beteuerungen sind genau so zu brtverten wie ihr Versprechen, mit Polen in Frieden zu leben und die Rechte Polens und der polnischen Minderheit in Danzig zu achten. Sie haben solche Erklärungeit schon dcS öfteren iu die Welt hinaus geschrien, und doch haben sie gleichzeitig täglich Bestimmungen der Verfassung und der Gesetze verletzt, llcbcrsällc auf Andersdenkende, Juden und Polen, gemacht, Arbeiter ans der Straße verprügelt und Arbeiterwohnungen demoliert. Die Tätigkeit der Nationalsozialisten in Danzig hat seit ihrem Bestehen nicht« anderes als Unruhe, Bluttaten und immer neue schwere Zwischenfalle mit dem Nachbarstaat Polen hcrbeigeführt, ohne den Danzig wirtschaftlich nicht existieren kann. Organisatoren der Verschwörung wurden verhaftet. Spielend in den Tod. An Abraumhalden— beim Tannenzapfensammeln. Köln, 21. Juni. Nach einer Blättermeldung attS Kalscheuren(Rheinprovinz) wurden gestern abend sechs Kinder, die an den Abraumhalden einer Grube in Berrenrath spielten, verschüttet. Zwei davon konnten nur als Leichen geborgen werden, die vier anderen Kinder sind anscheinend unverletzt. Kowno, 21. Juni. In einem Wäldchen bei Kowtto fanden, wie das„Memcler Dampsboot" meldet, drei Kinder eines Landwirtes, ein Mädchen und zwei Knaben im Alter von 7 bis 12 Jahren beim Tannen zapfe«sammeln eine anscheinend aus der Kriegszeit stammende Granate, an der sie ahnungslos herumhantierten. Plötzlich explodierte das Geschoß. Die drei Geschwister wurden buchstäblich in Stücke gerissen. Deutscher Chorgesang 1933. Einen kleinen, aber charakteristischen Beitrag zur Beurteilung der„nationalen Erhebung" in Deutschland stellt folgender Brief dar: Deutscher Ch o rsä ngerv« rba nd und Tänzer-Bund(E. B.) M a n nhei m. Mannheim, den 12. Juni 1988. Mex/St. Herrn Ferdinand Deutsch, Redakteur der„Gewerkschaftlichen Rundschau", Teplitz-Schönau. Anbei bringen wir zum Ausdruck, daß wir unS jede weiter« Belästigung durch Zusendung Ihres Käseblattes verbieten. Sic scheinen von der Uuwvälzung, die sich im Deutschen Reich vollzogen Hai, wenig Kenntnis zu haben oder haben zu wollen, sonst würden Sie nicht die D r e i st i g k e i t besitzen, das oben betitelte Blatt uns noch zuzusenden. Ich bedauere, daß es Ihnen nicht möglich war, persönlich mir diese Zeitung anSzuhändigen, um Ihnen die gebührende Lektion verabreichen zu können. Der 2. BerbandSvorsitzendc: L. von Maycrhofer. Nach diesem Brief zu schließen, liegt jetzt das gewerkschaftliche Schicksal der deutschen Chorsänger und Tänzer in kulturvollsten Händen. Arme Chorsänger, die sich einen solchen„Herrn von" als zlvciten Vorsitzenden müssen gefallen lassen. Hoffentlich findet sich bald einer, der ihm die gebührende Lektion erteilt! Keine Abgabe bei Amtshandlungen für die Prüfung von Vereinsstatuten. In seinem Erkenntnis vom 10. Mai 1933, Zahl 4225/33, hat sich das Oberste BerwaltungÄericht mit der Frage beschäftigt, ob die Einhcbung einer Abgabe von Amtshandlungen für die„Prüfung von VcrcinSstatuten" zulässig sei. Das Oberste Berwaltungsgericht entschied, daß eine solche Abgabe nicht verlangt werden könne, wenn cs sich um die Prüfung der Statuten eines Vereines nach dem Vercinsgcsctze vom Jähre 1867(nicht nach dem Patente vom Jahre 1852) handelt. Der Abgabe von Amtshandlungen könnte lediglich die Erledigung einer Anzeige über die Errichtung eines Vereines unterworfen werden, wenn sic übcic ausdrückliches Ansuchen vor Ablauf der gesetzlichen vierwöchigen Frist zu dem Zwecke erfolgt wäre, um dem Vereine die BercinStätigkeit noch vor Ablauf dieser Frist zu ermöglichen. DaS Wetter wird für heute also vorausgesagt: In Böhmen wechselnd bewölkt, keine bedeutenden Niederschläge, mäßig warm, Südwcstwind; in den mittleren und namentlich in den östlichen Teilen deS Staates im ganzen schön, tagsüber ziemlich warm. 24. und 25. dunl IN Karlsbad. Kreistreffen der Arbeiter-Radfahrer Westböhmens. Sportliche WettkMmpfa Im StraBenrennen, Kunstfahren und Radball. Notortahrer! Aul nach Karlsbad! Nr. 145 Donnerstag, 22. Juni 19SF Seite 8 tfERLANCET UEBERALl Inländisches Erzeugnis. dir Der Präsident der 9taw$, Exminister Heinl. Bei der feierlichen Eröffnung des Fragt Herr Don sudelendeutscher-erbergrarbett. Dom Verband für deutsche Jugendherberge» wird unS geschrieben: In der Zeit größter wirtschaftlicher Not und schärfster politischer Spannung hielt der Verband siir deutsche Jugendherbergen, Aussig, seine diesjährige Hauptversammlung am l8. Juni in Warnsdorf ab. Angesicht« dieser Umstände muß e» erfreulich erscheinen, daß diese Tagung dem regsten Interesse aller Richtungen und Kreise unsere« Volke« begegnete und daß der Besuch außerordentlich stark war. Die Vertreter aller sudetendrulschen Heimatgaue hatten sich zu den Beratungen eingefundcn. Schon die Arbeit«rnndc, die am Vortage in der Warn«- dorsrr Jugendherberge über die praktische Herberg-- arbeit zu beraten hatte, nahm einen angeregten und sehr fruchtbaren Verlauf. Der großangelegte Werbeabend, den der Gau Nordböhmen im HcrbergSver- bande veranstaltete, war gut besucht uno in seinen Darbietungen sicher auch geeignet, der-- HcrbergSgc- donken weiterzutragen. Die eigentliche ArvellStagung am Sonntag nahm einen außerordentlich lebhaften Verlauf. Der Tätigkeitsbericht bot ein gute« Bild der mannigfaltigen und ersprießlichen Arbeit, die der Verband im Dienst« der sudetendeutschen Herberg-- fache leistet. Diesem Berichte war zu entnehmen, daß die Gaue und Ortsgruppen de« Verbandes sehr rege Arbeit leisten und daß e« dieser Arbeit zu verdanken ist, wenn die Mitgliederzahl im Berichtsjahre 1982 ganz erheblich gestiegen ist, so daß die Zahl seiner jugendlichen und erwachsenen Mitglieder 77721 beträgt, während dir Zahl der körperschaftlichen Mitglieder bereits die Zahl 476 erlangt hat. Wir gewannen im Berichtsjahre acht neue, zum Teil vorbildliche Herbergen, unter denen das Eigenheim in Ramsau, die Großjugendhcrbcrg« in Rei- chcnbcrg und das Eigenheim in Warnsdorf sowie die Jugendherberge in Eger und Klein-Jser besonders genannt zu werden verdienen. Dir Zahl der Jugendherbergen im sudetendrulschen Gebiete beträgt 245 mit 5471 Schlafstellen. Nicht verwunderlich wird eü dagegen erscheinen, daß der Herbrrgsbcsuch infolge der schweren wirtschaftlichen Krise einen Rückgang aufwcist. An den Tätigkeitsbericht schloß sich eine zweistündige Aussprache über bedeutungsvolle Fragen an, die vielfach einschneidende Maßnahmen für die ganze zukünftige Gestaltung der sudetendeulschcn HerbergSarbeit im Gefolge hatten. Mit geringen Aenderungcn wurden Vorstand und Verwaltungsausschuß einstimmig wieder gewählt. Die-HerbergSarbeit der reichsdeutschcn Organisation wurde Ausgangspunkt für die Errichtung ähnlicher Verbände in vielen europäischen Staaten, die sich Im Herbst 1982 zu einer größeren internationalen Tagung in Amsterdam znsammenfandcn, um hier gemeinsame Grundlagen und Richtlinien für ein Her- bergSneh zu entwerfen, das allmählich die meisten Staaten Europa« Überspannen soll. In alle» Auseinandersetzungen dieser Tagnnq bat lich der leite Wilke aller Mitarbeiter gezesqt, daS siidetendentsche HerbergSwerk aiif seiner ükcrvarwilichen Grundlage zu erhalten und e« auch fernerhin als gemeinsame sudetendeutsche BolsSsache aufzubauen und zu betreuen UH UU| V V If IH V II I«vvlllll l/Ql OIC auf Mähren-Schlesien 22.96 Prozent, auf Plätze gleichgejchaltet. die Slowakei 5.9 Prozent und auf K a r p a- ner ruft aus: ,,.s'' thorußland 1.21 Pi.“■•—--- men« ist im Laufe der zehn Jahre in geringfügi ger Abnahme, der Anteil Mähren« flieg v~ 0.64 Prozent. Auffallend ist di« starke Zunahme in Karpathorußland. Dr. Bg. Gescheiterte Ehen. Aus der Bhescheldungsstatistlk der isit. Im Jahre 1931 wurden in der Tschcchoslo-1 Gründen klar. Die« bestätigen auch die statistischen watci insgesamt 11.145 Ehen geschieden, ge- Zahlen, wobei aber zur Vermeidung von Jrrtü- t r e n n t u n d f ü r u n g ü l t l g erklärt; da« be- mern auch dcrooheProzentsatzdcr rinder deutet 75.4 aus 10.000 Einwohner, Wenn losen und Einkindehen an der Gesamtzahl zu man die Statistik des Jahrzehntes 1922 bis 1931 berücksichtigen ist. überblickt, so zeigt das c r st c I a h r des erfaßten"*■ Zeitraumes(1922) eine Rrkordzisfer, nämlich 79.7(pro 10.000 Einwohner), dann fällt die statistische Kurve, zunächst sehr schloss, dann in mäßigerem Tempo und erreicht ihr M i n i m u m i m I a h r c 1926. In diesem Jahr entfallen auf 10.000 Einwohner nur 64.6 aufgelöste Ehen. Von da an steigt deren Zahl wieder ununterbrochen bis zur eingangs genannten Ziffer von 75.4 per 1931. Bemerkenswert ist, daß im Verlauf dieser 10 Jahre die Scheidungen(bei denen die Ehe als solche bestehen bleibt) und die Trcn- n n n g e n(welche die vollständige Auflösung de« nun Die SteNenjRgd. WaS hab ich nicht alle- schon probiert; jeden Morgen die Arbeit- Annoncen studiert. Ich stehe um süns Uhr aus, um der erste zu sein^ aber nie bin ich allein. Ich notiere schnell und laufe im Trab auch die rntscrntesten Stellen ob. Freilich, mein Acnßcres ist nicht mehr repräsentativ, die Absätze sind schics. und jung bin ich auch nicht mehr; mit leerem Magen fällt Haltung schwer. Wenn ich Adrcflen zu schreiben bekäme, ich machte e« billig. Wenn man mich wo al« Fußgeher nähme, sich liefe willig. iJch war einmal Büroches in erster Firma s nnd sah dazumal bcflcrc Zeit; I meine Frau stammt aus gutem Hau« und heißt Irma,, geht e« ihr schlecht und da« tut mir leid, wertvollen Sachen sind im Pfandhaus verfallen, .Halsabschneider haben uns längst in den Krallen. Zum Glück gibt das WohlsahrlSamt auch Kohlen und Holz, damit unser Hunger nicht friert. Früher hätten wir uns der milden Gaben geniert, aber Rot kennt keinen Stolz. Die Buben sollten aus- Gvmnasium gehn— das ist nun ans. Ich weiß nur eines bestimmt, wir sehn un« nicht mehr hinan»... Neulich fuhr mein Abbandirektor vorbei, er lehnte im Auto in molligen Polsterkiflrn. Zwischen ihm und mir steht mein christlich Gewissen und schließlich— die Polizei! Julius Zerfaß. Von der„Oesterreidiisdien Front?* Da» deutsche Beispiel, wenn auch variiert, nachahmeud, grüßen die Hcimwehrmannen fortab, den kleinen Finger der linken-Hand erhebend: Ä|W Seine letzte Reise nach Rom hat Dollfuß, begoß Dienstag im Keller ihre Kleider mit B e n- z i n und zündete sic an. Sie wurde mit töd-1 lichcn Brandwunden dem LandeSkrankcnhcns in s Brünn cingcliefert. Diebstahl„in Großen". In den W i t k o- witzcr Eisenwerken wurde in der letzten Zeit viel C i s c n m a t c r i a l(Träger usw.) gestohlen, und zwar in einer solchen Menge, daß die Täter die Dicbsbente mittels Fuhrwerken manchmal auch mit L a st a u t o s fortsührten. Der Wert der gestohlenen Materialien übersteigt 10.000 Kronen. Zwei der Täter wurden von der SichcrheitSwache am 17. d. früh in Zahkeh u. O. angehalten, als sie mit einem einspännigen Wagen 1260 Kilogramm»Eisenträger fortführten, die sie in der Nacht auf den 17. d. M. auf dem Fabrikshof der Firma RütgerS in Zabreh entwendet, hatten, und als der 28jährige Peter T e l i 5 e k und der 20jährige Friedrich Springer, beide in Marienberg wohnhaft, stchergestcllt. Die Polizei forschte auch einen druten Täter, den 28jährigen Anton Kubiäek, gleichfalls in Marienberg wohnhaft, au«. Alle drei Burschen, die unter der Last der Beweise gestanden, wurden in die Hast der Polizeidirektion in Mähr..Ostrau eingeliefert. Das gestohlene Eisen verkauften die Diebe selbst oder unter Mithilfe weiterer Hclfcrshelser verschiede>t«n Zwischenhändlern, die sie jedoch nicht verraten wollen. Erbe» Gesucht. Es werden die Erben nach dem in der letzten Zeit in Amerika verstorbenen Jan (John) Jindöich, geboren im Jahre 1878 in der Tschechoslowakei, gesucht. Jindbich hinterließ mehr al« 18.000 amerikanische Dollar«. Jene Angehörigen Jindfich«, die Ansprüche auf diese Erbschaft erheben, sollen, schriftlich, bei JUDr. Viktor Polai-ek, Advokaten in Prag U-, Skolska Rr. S, Aloisic Zweig in der Plotni»litt in B r ü n n neiden. Unter den geschiedenen(bezw. getrennte») Ehegatten nimmt bei Männern dre Alters klasse zwischen 30 und 34 Jahren weitaus den ersten Platz ein, bei Frauen das Jahr- f ü n f i zwischen 25 und 29. Auch die fol gende Altersgruppe(30—34) hält sich saft auf der gleichen Höhr. WaS den Altersunterschied zwischen Eheaatten anlangt, so spielt die ses Moment sicherlich eine Rolle, doch können die au-gewiesrnen Zahlen an sich kein verläßliches Bild bieten. Uin in diesem Punkte klar zu sehen, müßte der Anteil der einzelnen AlierSuntcr- schieds-Gruvpen an der Gesamtziffrr bekannt sein. (Z. B.: Welcher Prozentsatz entfällt auf Ehen mit iMHiMts*)fI♦«»r/iit»»tnrHam 1R CVaAvassUX Q'h«. ausgewiescnen schieden in Anbrtvacht der verhältnismäßigen Seltenheit solcher Ehen al« ungünstig zu be- Irachictt sind. Die Schuldfrage. Wenn die Lösung der Ehe nicht im Einver ständnis geschieht, erhebt sich die Frag« nach den ScheidungS-, bezw. Trcnnunasgrün- d c n und damit auch nach der ursächlichen Beran- lasiung. AlS häufigster Scheidung-- und I,,Dollfutz,"c'riv äch"se! TrennungSarund figuriert„Mißhandlung"! Seine letzte Reise«vu|U|)l (vorwiegend von Seiten des Mannes, fast eben I wie iw Wien erzählt wird, auf einer Brieftaube Große Aufregung im österreichischen Mini-, '. Herr Feh verlang' Zarteres Vorgehen M„"1, Die Land ein« große Rolle. Nicht sehr be- s bullüminister opponieren. Ta reißt Dollfuß die Güterwagen auf der Fahrt kn Flammen.! Die Gencraldirektion der österreichischen Bmr I dcsbahnen teilt mit: In der Nacht vom 20. auf 1 den 21. ds. geriet beim Guterzug Nr. 384 wäh-' rend der Fahrt zwischen den Bahnhöfen Lam-< bach und Wels ein an vierter Stelle hinter der j Lokomotive eingereihter Güterwagen, der mit 1 Papierwaren und Stahlflaschen, die Kohlen- säure und Sauerstoff enthielten, beladen>var, ouS vorläufig noch unbekannter Ursache in Brand. Nach der Ankunft des Güterzuges am Bahnhof Wels wurde der Güterwagen sofort auSgereiht. Während des Brandes explodierten die Stahlflasch en, so daß die städtische Feuerwehr erst nach 40 Minuten mit der Löschaktion einsctzen konnte. Der Magen samt Inhalt brannte bis auf die Eisenbestandteile nieder. Die zahlreichen Explosionen erregten in der Stadt Wels und Umgebung großes Aussehen. Durch den Luftdruck infolge der Explosionen wurden in den Bahnhofsgebäuden und in der Umgebung zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert. Es wurde niemand verletzt. Die Erhebungen über die Ursache des Brandes sind ringcleitet worden. Die dänische Regierung will di« Schulpflicht verlängern. Der sozialdemokratische Unterrichts- ministcr Dänemarks Borabjerg kündigte dieser Tags an, daß die dänische Regierung Schul- resormplänc auSarbciten werde, die auch eine Erhöhung d«S schulpflichtigen Alters auf 15 Jahre vorsehen sollen. Dieser Vorschlag findet die Unterstützung der dänischen Gewerkschaften und tvürde zweifellos die Arbeitslosigkeit sowohl bei den jugendlichen Arbeitern als auch bei den Lehrern erleichtern. Die Regierung hat schon jetzt ein achtes Schuljahr eingcführt, daS jedoch noch ' nicht obligatorisch ist. Blitzschlag im Elektrizitätswerk. Während eines furchtbaren Gewitters am DienSiog abend schlug der Blitz in einen Transformator des Elek- trizitäswerkes von Akoes bei Oslo und zündete. Rund. 150 Tonnen Oel gerieten in Brand. Eine Reihe von Vororten von Oslo sind stromlos. Die norwegische Großrundfunkstation in AkocS wurde ebenfalls außer Betrieb gesetzt. DaS Trans- formarore»Werk selbst ist völlig vernichtetworden. Während des Brandes hörte man fortwährend gewaltige Explosionen. Der Schaden dürfte ungefähr eineinhalb Millionen Kronen betragen. Oie Freude an schönen weißen Zähnen ist oft größer als die Sorge um die Gesunderhaltung der Zähne. Erhalten Sie sich beides: Schöne und gesunde Zähne, indem Sie morgens und abends die unüber** treffliche Chlorodont-Zahnpaste benutzen. Tube KC 4.-, grosse Tube K8 6.. Ehebande» bedeuten) eine ganz verschiedene Ent- einem Altersunterschied von 15 Jahren?) Im- nncklungstendcnz zeigen. Dir Zahl der. ersteren merhin laßt sich sogen, daß die ausgcwicsi.—.. steigt(für 1931 sind es um 242 mehr als im!M/en bei Ehen mit hohen Altersunier- Jahre 1922) die Ziffer der letzteren sinkt(dir■ analoge Abnahme gegenüber 1922 beträgt 315). Di« Zahl der nicht einverständlichen Scheidungen zeigt eine starke Zunahme (1922 etwa ein Drittel, 1981 nahezu die Hälfte) gegenüber den einverständlichen. Bei nicht cinverstandlichen Scheidungen und Trennungen geht der Anstoß zur Lösung der ehelichen Gemein schaft in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle von der Frau aus. Aus den Zifsernkolonuen des statistischen Material.lassen sich verschiedene '■ kritische Mömente drs Ehrleben« herauSIesen! Betrachten wir die geschiedenen und getrennten Ehen auf die Zahl der von den Gat ten gemeinsam verlebten Jahre, also auf die Dauer der Ehe hin, so»eigt sich ein starkes Ansteigen der Ziffern im dritten und vierten E h e j a h r. In diesen Zeitpunkt scheinen die schwersten Krisen der Ehegemcinschafi zu lallen. Dann sinken die Zah len ständig(bei den Scheidungen unterschrei ten sie sogar die Ziffer für das erste Ehejahr). Aber dieser Abstieg hält nicht an. Eine plötzliche starke Zu nah m c zeigt sich für das zehnte und I wennU und um elfte Ehejahr, wo die statistischen Ziffern einen“' neuen Höhepunkt erreichen. Erst von da sinken sie stetig ab. 1931 wurden geschieden: im ersten Ehcjahr 278 Ehen, im dritten Ehejahr 452, im neunten nur 254, im zehnten dagegen 306. Daß kinderlose oder Einkindeheu eher zur Lösung kommen, als Mehrkinderehen ist ails sozialen, wirtschaftlichen und gefühlsmäßigen niiiiiiHiuiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiuiiiuiiuiiiiimiiiiiuiiiiitiiiiiininiininniiitminiiniiminminiiiiniiiiinnniiniiiiiiiiiiiiiiiiHiHitiiniininiiniinnnmiiuiumiuuiiiiiiiiiHiiiuiiuuiiuiiiiiuHi Dänischer Reisebohkott gegen Deutschland. Ter Sekretär der Kopenhagener Sektion des gro- ßen dänischen ArbciterbildungSverbandes, Jb K o l b j o r n, teilt im„Socialocmokraten" mit, daß die für dieses Jahr vorgesehenen Ferien reisen zum ersten Mal Deutschland nicht berüh ren werden. Die Gaststätten, die die dänischen Arbeiter bisher auf ihren Reisen benützten, sind von den Nazis besetzt worden, Führer, die dir dänischen Arbeiter durch Galerien und Museen führten, sind in Schuhhast. Die nach vielen Hun- i dcrten zählenden Reisegesellschaften de« dänischen Arbeitcrbildungsverbandes werden daher künftig I statt nach Mntschland nach anderen nordischen , Ländern und nach Großbritannien reisen. Roch zwei Tote. Zwei der bei dem Flug zeugunglück in Nancy am letzten Sonn tag verletzten Personen sind Dienstag gestorben. Damit erhöht sich die Zahl der Todesopfer auf fünf.(Wie erinnerlich, war bei einer öffent lichen Flngvcranstaltung ein Militärflugzeug gegen einen Schupfen gerannt, tvobri der Ben zintank explodierte.) Ein Wirbelsturm suchte Dienstag die fran zösische Stadt Rouen heim und richtete in wenigen Minuten großen Schaden an. Zahl reiche Dächer ivurden abgcdcckt und viele P e r- s o n e n durch Dachziegel und Holzsplitter v e r- letzt, drei davon schwer. Ein Test der elektri schen Leitungen wurden zerstört. Di« Lebensmüden. Dienstag mittags wurden auf der Strecke zwischen den Stationen Lun- denburg und Podivin von dem Eisen bahnzug Nr. 313 der Bettler Josef SevLik mit seinem siebenjährigen Sohne Josef auS Lanötorf erfaßt und g c- tötet. Es handelt sich uin Selbstmord.— so haust« aber berde r sc i t,g). Dann folgt: zurnckgeleg« „Zerrüttung d, r Ehe", wobei die Zahlen Groß« ebenfalls zum Nacht« II drS Mannes sprechen. Bei sterrat. Trennungen spielt die„Unüberwindliche gegen die Konkurrenz, das Hakenkreuz. Abneiaung" vine große Rolle. Nicht sehr be- bunüminister opponieren. D:... deutend ist da« Ueberwiegen de« männlichen Geduld. Er springt auf einen Stuhl und— hau, Verschulden« bei„BerlassendeSGat- mit der Faust auf den Tisch. ten" und noch geringer beim Scheidungsgrund Der Präsident der Ravag, Exminister Heini, de« Ehebruches.(In 226 Fällen von Trcn-1,st sehr groß. Bei der feierlichen Eröffnung des nungcn war der Gatte schuldig, in 212 Fällen die neuen Senders am Bisambcrg begrüßt ihn.Herr Frau). Die anderen Scheidung«gründe trete» I Dollfuß mit hocheryobcner Rechter. 2 zahlenmäßig gegenüber den genannten in den Heinl:„Gebrauchen Sie auch schon den Fascisten- Hintcrgrund. grüß. Exzellenz?" Worauf Dollfuß erwidert: Bon der Gesamtzahl der geschiedenen, ge-I„Aber wo denken's denn hin,-Herr Kollega. Ich trennten und ungültig erklärten Ehen entfallen lvollt' Ihnen doch bloß die-Hand geben." ini.Jahre 1931 auf Böhmen 70.96 Prozent,| Berlin hat die Namen seiner Straßen und -~ Der Straßenbahnschass- e i 5.9 Prozent und aus K a r p a-1 ner ruslaus:„Hiilrrplatz!" Ein jüdischer Fahr d 1.21 Prozent. Ter Anteil Böh-Igast:„Amen!" !!>1>n«fahr« in norinnfilAt. Während einer Festaufsühruno des ,,Schla- umsgctcr" von Johst am Berliner Schauspielhaus wurde ein Logenschließer unter dem Verdacht des Marxismus in Schutzliaft genommen. Er hatte den unter den Festgästen weilenden„Bolkskanz- ler" gefragt:„Programm gefällig?" Der'Wiener Psychiater Prof. Püvl demonstriert seinen Hörern einen Fall von Paranoia. Der Patient, in guter Stimmung, läßt eine begeisterte Rede gegen den Marxismus und die Juden von Stapel. Tic im Hörsaal sicher zufällig anwclenden Nazistudentcn brcen in stürmischen Beifall ans. Als Pöhl erstaunt aufblickt, verstummen sie. Er aber muntert sic auf:„Meine Herren, legen Sie sich keinen Zivang auf, Sic sind in einer Irrenanstalt." Pöhl verläßt die Klinik. Ans der Straß« grüßt ihn ein Nazistudent„.Heil Hiller!" Darauf der große Psychiater:„Erstens sind wir nicht per Du, zweitens ist das nach dem heutigen Stand der Wissenschaft kaum möglich." Sprach- und ging weiter. Bette 6 Donnerstag, 22. Just 1288 Nr. 146 PHAMR ZtITIMC, dar Kind unter einem Borwand fort. Abends fand Die klalchreibuugeu in die deutschen Schulen. Deutsche Eltern, lasset Eure Kinder nur in die deutschen Schulen von Groß-Prag einschreiben! 28. oder 30. Juni, Anmeldungen von heute täglich bei den Direktionen. In Groß-Präg bestehen folgende deutsche Bolls- und Bürgerschulen: A. Deutsche staatliche Minderheitsschulen: Prag I., Fleilchmarlt tMasnäi 1000: a) Volksschule für Knaben und Mädchen, b) Knaben- bürgerschule. c) Mädchenbürgerschule, mit gemeinsamem 4. Jahrgang.— Prag II., WladiSlawgasse: Volksschule für Knaben und Mädchen.— Prag VII., Hollefchowitz. Sitnäcltrtjä 1t: Volksschule für Knaben und Mädchen.— Prag X., Karolinenthal, Hovliöek- gasse 8: al Volksschule für Knaben und Mädchen, d) Bürgerschule für Knaben und Mädchen.— Prag XII., Weinberge: a) Mährische Gasse iMorav- skö) 3: Volksschule für Knaben und Mädchen, bl Sladkovskygafse lSladlovsköho) 2: Bürgerschule für Knaben und Mädchen.— Prag XVI., Smichow, -Ztefanikgasse 57: Volksschule für Knaben und Mädchen.— Prag III., Karntelilergasse 13: Uebitngs- schule der staatlichen Lehrerbildungsanstalt. O e f f e n t lichkeits a,-s,S ÄA B x x B. Deutsche Privatschulen mit üef« fe n l l ich ke i t S re ch t: Schulen des Deutschen Kulturveroaitdes: Prag VIII., Lieben, Primatorgasse 212: Volksschule für Knaben und Mädchen. Prag XIII., Wrschowitz, Palaekystraße 21: Volksschule für Knaben und Mädchen.— Prag II., Gerbergasfe »l tzauloderdci Begu, durch dl«, Potz., mgnaNtch, U»iirlcktitzmch U MÜM U Mm mwlEM Kl iMm- MM»Mm IM KM HM MM M HMM- MMm mb BmmAM« rMtt w« M MUM Im KttenmnlW.