Erschein« mit Ausnahme des Montag täglich früh. 9t.*tamon n. DnloaUung: Orag ti, TttUjanla ,s* Leieov.s 20795. 31409, TtatOtriOatL(ab 31 U»rj 1 330M* v»ftt manische Demokratie bezeichnen, eine. Demokratie, in der daS Volk nicht selbst Politik rnacht, sondern den Vollzug seiner Politik Männern seines Vertrauens überläßt.-/ Hilgenberg ist nldit einverstanden aber was hlllt es ihm«hon! Berlin, 22. Juni. Zu der Aktiop gegen di« deutschnationalen Kampsstasseln- und Ringe wird nachträglich von einer„dem Reichsminister Dr. Hugenberg nahestehenden Seite" bekanntgegeben, daß sich der Minister di« VerbotSgründe nicht zu eigen machen konnte und daß er diese Auffassung auch schon zum Ausdruck« gebracht ha«. Bekanntlich hat Dr. Hugenberg gestern eine Aus, sprach« mit dem Reichskanzler gehabt. . Es liegt auf der Hand, so schreibt in diesem Zusammenhänge das„Berliner Tageblatt", daß diese Äußerung, die doch als ein Anzeichen dafür zu gelten hat, daß Uber diese weitgrrisenden Maßnahmen starke Meinungsverschiedenheit en nach wie vor bestehen, die bisher noch nicht beseitigt werden konnten. Bayrische Volksportel des.Hochverrates beschuldigt • Wien, 22. Juni. Tie„Reichspost" veröfscnt- licht eine P a r.t c i e. m t l i ch c F e st st c l l u n g zn der Aktion gegen die Funktionäre der Bayrischen Volkspartei, wornach zwischen der österreichischen chicistlichsoziglcn Partei und der Bayrischen Volkspartei seit Monaten infolge der Ereignisse in Deutschland alle Fäden gerissen seien.. ES bestehe weder eine direkte noch eine indirekte Beziehung,. und man. könne heute schon sagen, daß die Suche nach belastendem Matertal in den wichtigsten Aemtern der Bayrischen BolkS- partci ergebnislos verlaufen müsse, weil ein solches nie existiert habe. Bei verschiedenen Stellen der Bayrischen Volkspartei in Reustadt an der Hardt (Pfalz), Landau und Speyer wurden gestern abends Haussuchungen gehalten. In Speyer wurden R.« d a k t e u r Dr. I o e ck l e von der „Rheinischen Volkszeitung", ein O b e r p o st. inspektor und ein Kolönialwaren- händler in Schutzhaft genommen. Die Aktion ist, wie' bereits gemeldet, auf den Verdacht gegründet, dqß führende Persönlichkeiten der Bayrischen-BolkSpartei mit den österreichischen Christlichsozialen und der Heimwehr in i l l e. g a l e r Verbindung stehen. Dor einigen Monaten wnrdc die Verbreitung der„Reichs Po st" in Boyern verboten. Nun wurde daS Verbot ab heute aus daS ganze Reichsgebiet ausgedehnt. Di« Vorgänge der letzten Zeit haben den unumstößlichen Beweis dafür geliefert, daß die Sozialdemokratie Deutschlands vor hoch- und.landeSverräterischen Unternehmungen gegen Deutschland und fein« rechtmäßig« Regierung nicht zurückschreckt. Führende Persönlichkeiten der SPD, wie WelS, Breitscheid, Stamv- ser und Vogel befinden sich seit Wochen in Prag, um von dort au« den Kampf gegen die nationale Regierung in Deutschland zn führen. Wels hat eine Erklärung veröffentlicht, daß sein Austritt aus dem Büro der Zweiten Internationale nur fingiert gewesen sei. Er hat an den Vorstand der Arbeiter grupp« auf der-Internationalen Arbeitskonferenz in Gens«in Telegramm gerichtet, in dem er in verleumderischer Weise di« Arbeiterschaft der übrigen Länder gegen di« nationale deutsche Regierung aufzühctzen versucht-.. Di« erweitert« Parteileitung der SPD hat sich auf der vor einigen Tagen in Berlin abgehaltenen Sitzung lediglich nach außen hin von diesen Leuten, wie Wels und Breitscheid distanziert, es aber bezeichnenderweise unterlassen, diese Personen wegen ihres landesverräterischen Verhaltens wirklich abzuschütteln und aus der Partei auszuschließen. In einer von der Polizei überraschten Ge- heimversammlung sozialdemokratischer Führer in Hamburg ist ebenfalls landcsverröterisches Material gefunden worden. Dies alles zlvingt zu dem Schluß, die SPD als eine staats- und volksfeindliche Partei anzusehen, Berlin, 22. Juni. Der„Zeitungsdienst" teilt folgende Verfügungen deü Führers der Deutschen Arbeits-Front mit: Mit der Bildung der Deutschen Arbeitsfront sollte der Vielfachheit der Arbeitnehmer- und Unternehmerorganisationen aeaenübcrgetrcten werden. Es ist der Wille deü Führer«, daß außer der Deutschen Arbeitsfront keine Organisation mehr existiere. Auch sogenannt« katholische und evangelische Arbeitervereine sind als staatsfeindlich zu betrachten. Es ist allerhöchste Zeit, daß sie verschwinden. Stockholm, 22. Juni.(Eigenbericht.) DaS umfassende ArbeitöbeschassungSprogramm der sozialdemokratischen Regierung ist heute von« Reichstag angenommen worden,-lach zweitägigen Verhandlungen und heißen Diskussionen entschied sich bei der Abstimmung eine große Mehrheit(bl: 49) für die Regierung. Das bereits gemeldete Bündnis der Sozialdemokraten mit der Bauernpartei trat zum erstenmal geschlossen bei der Abstimmung in Funktion. Die RegierungSsront wurde noch verstärkt durch einige Freisinnige und einen Högermonn(Rechtsfront), der gegen seine Partei und für das Regierungsprogramm stimmt«. Schwedens berühmter Dichter Tur« Rerman, der die schwedischen Kommintern-unabhängigen Kommunisten im Reichstag vertritt, stimmte ebenfalls für das Programm der Regierung. die keine andere Behandlung mehr be- ansprnchcn kann, als sie der KPD gegenüber pngewendet worden ist. ' c Der Reichsinnenminister Frick hat daher die Landesregierungen ersucht, aus Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Feber 1933 die notwendigen Maßnahmen gegen die SPD zu treffen. Jnsbesonders sollen sämtliche Mitglieder der SPD, di« heute noch den Volksvertretungen und den Gemeindevertretungen angehören, von feder weiteren Ausübung ihrer Mandate sosort ausgefchlofsen werden. Den Ausgeschlossenen werden selbstverständlich di«.D i ä t e n gesperrt. Der Sozialdeiyokrotie kann auch nicht di« Möglichkeit gewährt' werden, sich in irgendeiner Form-propagandistisch zu betätigen. Versammlungen der SPD sowie ihrer HilsS-Ersatzoraanisationen werden nicht mehr erlaubt werden. Ebenso dürfen sozialdemokratische Zeitung«ne und Zeitschriften nicht mehr herauSgegeben werden. Das Vermögen der SPD und ihrer Hilfs- und Ersotzorganisationen wird, so weit es nicht bereits in Verbindung mit der Auflösung der Parteigewerkschaften sichergestellt worden ist, be. schlagnahmt. Mit dem landeSverräterischen Charakter der SPD ist die weitere Zugehörigkeit von Beamten, Angestellten und Arbeitern, die aus öffentlichen Mitteln Gehälter, Löhne und Ruhegenüsse beziehen, zu dieser Partei selbstverständlich unvereinbar. Alle Dienststellen der christlichen Gewerkschaften und der Angestelltenverbänoe sind m I t R a t i o n a l s o z i a l i st e n zu besetzen. Die Mitglieder des Große» Arbeitükonventes der Deutschen Arbeitsfront Otte, Baltrusch, Brauer und Behrens sowie die bisherigen Führer der christlichen Gewertschastrn(Ztegerwald, Im dusch u. a.) werden von mir aus der Deutschen Ar- beitSsront a u S g e st o ß e n. Sie dürsen keinerlei Amt mehr führen. Irgendwelche Verhandlungen mit diese» Leuten zu führen, wird verboten. Dagegen wurde das von der Regierung geplante ArbeitSlosenversicherungsgesetz durch eine Zufallsmehrheit zn Fall gebracht. Wie aus Re«. giernngSkreisen verlautet, wird diese Zufallsüberraschung, die durch rin Manöver der Freisinnigen herbeigesührt wurde, nicht allzu tragisch genommen gegenüber dem großen AbstimmungS- sieg der Regierung in der Hauptfrage des Ar- beitSbrschassnngsprogrammS. Die sozialdemokratische Regierung und die hinter ihr stehende große Mehrheit des Volkes ist, wie die soeben herausgekommenen Pressrkommentare betonen, bei: festen Urberzeugung, dah das große Arbeitsbe- schassungSprogramm, für das nun der Weg frei ist, den Arbeitslosen Arbeit und Brot geben wird und damit dem ganzen Land di« Stabilisierung der Demokratie. Am loten Punkt Der Kapitalismus schauleit sein eigenes Grab. Binnen einer Woche ist die Weltwlrk- jchaftskvnferenz an dem kritischen Punkt angelangt, der vom ersten Tag an vorauszusehen war: Die Verhandlungen über die amerikanische Währungspolitik, die den Angelpunkt der Konferenz bilden, sind vorläufig gescheitert. Eine Woche lang wnrdc hinter den Ku- lisscn der Konferenz zwischen amerikanischen, englischen nnd französischen Bank- und Roten bankgetvaltigen aufs eifrigste verhandelt, um Amerika von der Durchführung seiner überspannten Jnflationöprojcktc abzubringen. Denn eS war von vornherein klar, daß die Konferenz völlig ergebnislos enden muß, wenn Amerika in diesem Punkte nicht mit sich reden läßt. Eine amerikanische Inflation großen Stils würde ja nicht nur das vorläufige Ende aller Hoffnungen auf Wiederherstellung der internationalen Währungsstabilität bedeuten, sondern anch den Handelskrieg zwischen den Nationen verschärfen, den zu mildern eine der wichtigsten Aufgaben der WcltwirtschaftSkon- renz sein sollte. Um Amerika eine Brücke zu bauen, wurde in den internen Verhandlungen ein Plan ausgearbeitct, wonach die Bereinigten Staaten ihre Währung zunächst noch nicht gegenüber dem Gold stabilisieren sollen, sondern nur gegenüber dem englischen Pfund, das ja selbst gegenwärtig noch keine Goldwährung ist. Wer bei dieser Währnngsgcmeinschaft die Führung erhalten sollte, ist nicht bekannt geworden. Aber offenbar war eS der Sinn dieser Vereinbarungen, zunächst während der Dauer der WeltwirtschaftSkonferenz die Schwankungen des Dollars auf die viel milderen Schwankungen des Pfunds gegenüber dem Gold zu reduzieren und inzwischen auf der Konferenz selbst zu Abmachungen auch mit Frankreich über eine gemeinsame Währungspolitik aller drei Länder zn kommen. Dies scheint der Fcldzugsplan gewesen zu sein. Aber er ist sehr rasch, wenigstens vorläufig, gescheitert. Als die c rstcn Gerüchte über den Inhalt der zwischen den Bankiergetroffenen Vereinbarungen an die Ocffcnt- lichkcit drangen, setzte auf den amerikanischen Börsen schlagartig ein schwerer Sturz der w i ch t i g st c n R o h st o f f p r e i s c ein. In den in den letzten Wochen stark gestiegenen Preisen dieser Waren hatte sich nämlich nicht nur die bisherige amerikanische Geldcnttver- tung widcrgcspicgelt, sondern auch die Spekulation auf eine kräftige Fortsetzung der Geldentwertung. Und diese Spekulation erschien ja auch nach dem Inkrafttreten der amerikanischen Inflationsgesetze, die eine Entwertung des Dollars bis auf 50 Prozent seines Goldwerts vorsehen, verhältnismäßig gefahrlos. Nur diese Spekulation erklärt auch,'narum in Amerika nach dem Verlassen des Goldstandards die Großhandelspreise relativ viel stärker, gestiegen sind, als es seinerzeit in England der Fall war. Nun aber gerieten die Grundlagen der Spekulation, die vorher so sicher erschienen waren, Plötzlich ins Wanken und die Preise begannen zu stürzen. Man kann sich vorstellen, daß die ameri- kanische Geschäftswelt darüber sehr empört wär. Denn man hatte sich doch als für Amerika wichtigstes Ergebnis der Weltwirtschaftskonferenz- eine allgemeine Aktion zur Steigerung der Preise versprochen— und nun lvar das erste' greifbare Resultat der Konferenzverhandlungen ein Preissturz auf den aineri- kanischen Börsen. Deshalb beeilte sich die amerikanische Negierung, uni die Börsenspekulation wieder zu beruhigen, ihre Unterhändler in London restlos zu desavouieren. Und damit ist die Konferenz sehr rasch auf dem toten Punkt angelangt. Ob es in den lvciteren Verhandlungen, die sofort wieder eingesetzt haben, gelingen wird, ihn zu Äerwinden und sich auf neu? Aach die ZtntriimsgcwcrKsdiattcn glclchgcschaltct. Sdiwcdcnregierimg schallt Arbeit! Große Hehrheit llir sozialdemokratisches Regierungsprogramm. Seite 9 streitig, 23; Juni 1988 At. 14« Die HHiwdile als lamm Demokraten, scholltch, Kelhl und Knirsch„protestieren“. Schwere Abfuhr durch unsere Genossen. wirtsdiaitsverhandiungcn Rußland-Amerika? New Hork, 22. Juni. Tic Blätter veröfsent- lichen eine Meldung ans London über die Zu- sammenknnft des Mitgliedes der amerikanischen Teiegation, des Senators James Eou; cnS, mit dem Sowjetdelcaierlcn Baler» Mejlank. Tic Blätter messe» dieser ersten Fühlmignahme einflußreicher Mitglieder beider Delegationen große Bedeutung bei. Kompromißformeln zu einigen, ist die Frage — das heißt aber: die S ch i ck s a l s f r a g e der Konferenz überhaupt. Deshalb dürften die größten Anstrengungen gemacht tvcrden, um eine BcrständigungSbasis zu finden, die die Forderung Frankreichs und der übrigen kontinentalcurvväijchen Länder nach Wiederherstellung der internationalen Wäh< rnngsstabilität mit der Forderung der englischamerikanischen Ländcrgruppe nach lvährungo- poliiischcn Bemühungen um eine Steigerung des allgemeinen Preisniveaus vereinigt. Eine gemeinsame Linie müßte sich finden lassen, wenn die amerikanische Regierung mir den Mnt findet, ihr übersteigerte», konjnnklnrpoli tisch wie weltwirtschaftlich gleich gefährliches Juflationsprogramm prciszngcben. Nm das Maß der Schwierigkeiten, denen sich die Wcltwir schastslonseren; nach dem vorläufigen Srheiicrn der Währnngsverhandlun- gcn gegenübersieht, voll zu machen, ereignete sich noch ein zweiter Betriebsunfall. Tic a m e r i k a n i s ch e Delegation hatte ein Memorandum ausgcarbcitct, das in dem Vorschlag gipfelte, in allen Ländern sämiliche Zölle u in z c h n P r o z c n t z» senke n und einen entsprechenden Abbau der Einfuhr lontingcnlc vorzunchmcn. Diese» Memorandum wurde im lebten Augenblick von der amerikanischen Delegation z ii r ü ckgczvgcn und mau Hörle mctzkwürdigcrwcisc, daß der Delcgatiousvorsitzcndc, der anicrikanischc Staatssekretär(!) Hüll mit diesem Vorschlag nicht die Zttstiminnng seiner Tclcgationskolle- gcn gefunden hatte. Es war ohnehin schon ausgefallen, daß Hüll in seiner Rede ans der Generaldebatte der Konferenz eine scharfe Attacke gegen die internationalen Handclsbc- schräukttttgcn geriiten hatte— eine Stellungnahme, die um so mehr Bcrwundcruug erregen mußte, als ja die Bereinigten Staaten zu den Ländern mit den höchsten Zöllen gehören. Zu den währungspolitischen Schwierigkeiten der Konferenz treten also bereits jetzt auch die h a nd e l s p o l.i t i sch c n. Amerika, das Land mil beinahe den höchsten Handelsbarriercn, wagt es nicht einmal, eine bescheidene allgemeine Zollrednktion um zehn Prozent vorzuschlagen und englische konservative Blätter erklären bereits jetzt,- daß für England mit seinen„niedrigen" Zöllen eine solche Zollrcduktion erst recht nichi in Frage läinc. Wie soll man sich vorstellen, daß diese Konferenz, auf die Millionen Hungernder in aller Well ihre Hoffnungen gesetzt haben<—- die wir gegenüber einer Konferenz kapitatisti- schcr Länder gewiß nicht geteilt haben—, auch nur zu den bescheidensten Ergebnissen führen kann, lvcnn dieserGeist k l e i n l i ch st e n nationalen Egoismus von Anfang an ihre Berhandlungen beherrscht'?| Prag, 22. Juni. Wie vorauszusehen war, wollten die deutschen Oppositionsparteien die Beratung der Novelle zum Besetz über die außerordentlichen Maßnahmen heute im Parlament zu einem großen Theater auSnützen, in dem die Hauptrollen als unentwegte Berteldiger der Demokratie au-gerechnet Hakenkreuzler und Deutschnattonale übernehmen sollten, also Leut«, di« seit Monaten mit direkt sadistischer Freude alle noch so brutalen Terrormaßnahmen der entmenschten Hakenkreuzler in Deutschland in den höchsten Tönen der Begeisterung gutheißcn und verherrlichen. Draußen im Reich können Ihnen die Hitlerhorden gar nicht roh genug auch die letzten Spuren einer einstigen Demokratie niedcrtrampeln, aber wenn In unserin Staate die Demokratie, durch die Erfahrungen in Deutschland gewitzigt, gegen den Import des Hakenkreuzterrors die notwendigsten Schutzmaßnahmen tres- sen will, dann schreien diese Herrschaften empört aus nnd toben vor Wut, daß man ihren demokratische» Beteuerungen und Besten denn doch nicht zu hundert Prozent Glauben schenken will. * Bei der Beratung der Novelle zum 8 34 des Schutzgeschcs, die die Möglichkeit zur zeitweise« Einstellung von Zeitungen erweitert, hatte sich die »genannte deutsche Opposition noch ziemlich ruhig verhalten nnd sich mit einer gemeinsamen Erklärung, die Herr S ch o l l i ch abgab, begnügt. Allerdings gehörte rin guter Magen dazu, um dem Brechreiz zu widerstehen, der einen beim Auftreten des Herrn Schollich als Sprecher ded„su- detcndeutschen Proletariats" überkam. Immerhin verlief diese Tebatte noch ziemlich ruhig. Auch Herr Tr. Ster n, der zum erstcumal seit langer Zeit wieder aus der Rednertribüne erschien, konnte dort die gewohnten Flegeleien gegen die Sozialidrinokraten ablagern, ohne daß ihm jemand besondere Beachtung geschenkt hätte. Erst als der Referent zur Novelle über die außerordentlichen Maßnahme» Dr. Such»» zu Worte kam, begannen die Koimnunt- tcn sich vernehmlich zu machen, ohne jedoch viel aufzustecken. Als erster Oppositionsrcdncr trat dann fcier- lichst Herr K c i b l auf und seine Getreuen gruppierten sich zivischenrufsbereit vor der Ministerbank, und zwar einträchtlich nebeneinander Teutschnationalc und Hakenkreuzler, als ob der gestrige Hanplschlag der Nazibrüder.im. Reich gegen die Hugenbcrg-Formationen gar mchtS anderes als eben wieder ko eine verlogene jüdisch-marxischr Grcuelnachricht wäre. Den Fußtritt möchten wir wirklich sehen, der die Herren Horpynka, Schollich und Genossen von den Herren Fung und Konsorten auch nur einigermaßen distanzieren könnte! Nicht drei Dutzend Nazistiefel bringen diese Leistling zustande! Kcibl bot unter den» Beifall dieser Harzburger Front seine gaiize surislischc Spitzfindigkeit auf, Um nru ja recht viele krasse, wenn auch noch so un- >vahrscheiuliit>e Beispiele für einen eventuellcn möglichen Mißbrauch des Gesetze« turch«ine böswillige Regierung herauszusinden. Er beschwert« sich u. a. über da« Pilsner Urteil und erklärte, man müsse schon langsam da» Vertrauen zu den Gerichten verlieren. Ala einige unserer Genossen nun höflich anfragen, wie das denn eigentlich mit den Gerichten in Deutschland sei, ivird Herr K a l l i» a wild und erklärt, darum handle ei sich hier nicht; aber ums würden sie verantwortlich machen für daS.'ivWs hier geschehe. Im Laufe einer scharfen AiXkHWsdcrsetzling ruft Genüge H e e g c r dem Kallina^tztz, Euch frißt ja der Jung aus! ivoaraus Schollich geistreich repliziert: Und Euch der Jud! Tas gefallt ihm so gut, daß er r» noch einigemale wiederholt. Fung ivill eine neue Variante hiuelnbringcn lind ruft unseren Leuten zu Ich fresse auch S i r a>t s!, worauf ihm Genosse Kaufmann unter schallender Heiterkeit versichert, daß er sich dabei ganz bestiminl den Magen verderbe» würde. Ta- Wvrtegesccht nimmt bald solche Tilnensivnen an, daß der Redner sich kaum mehr verständlich machen kann und der Vorsitzende die Glocke in Bewegung setzt. Tie Harzburger ivcrden langsam rüpelhaft Und machen sich über die geflüchteten Sozial« demokratcn lustig. Gen. He eg er schreit darauf den Jung an: Sie haben schon oft genug ihre Tapferkeit Verleugnet! Schauen Sic sich Ihre Komotaucr Rede und Ihr Ausstger Programm an! Alldeutschland ist verschwunden! Jung übergeht diese Anspielung auf die Revision seines Buches zunächst schweigend, gibt daun aber über weitere dringliche Fragen des Genossen Heeger zu, daß der Staatsanwalt diese Stellen sicher konfisziert hätte... Inzwischen legt Keibl scierlichrn Protest ein gegen die Unterbindung der„k u l t u r e l» le n" Beziehungen mit Hitlcrdcutschland und rempelt zum Schluß noch schnell unsere Rote Wehr an, die„bis auf die Zähne bewaffnet" sei. Tic Lärmszenen steigerten sichst, al» Herr Knirsch eine Vorlesung über. Demokratie zu halten begint nnd salbungsvoll erklärt, die Demokratie könc nur gesichert werden, wenn die Ideale der Temokratlc in die Wirklichkeit um> gesetzt würden... Al» er sich über die Verfolgungen seiner Partei bcschivert, ist die Geduld unserer Genossen erschöpft. Er wird mit einen» Hagel von Zwischenrufen überschüttet, Genosse Grunzner hält ihm empört den Terror der Hitlerbanden In Deutschland vor, der jeder Beschreibung spottet. In.die Enge getrieben, legt Knirsch die demokratische Walze plötzlich aufs EiS und wirft sich unter dcni Beifall der Teutonen zum Sachwalter Hitlerdcutschlands auf: Das alles sei nur „revolutionäre Umwälzung", bis sich die neuen Vcrfafluiigsgrundlagen eingelebt haben werden, ivürde das neue Deutschland direkt ein Musterbild von freiheitlicher Gesetzgebung und Testnnuug sein. Das schlägt denr Faß den Boden auS. G r ü n z n e r schreit erregt: „Ein einziger Kerker ist heute Deutschland!" Jung ivill diesen Hieb parieren und ent- blödct sich nicht, den Genossen Grünzner anzuschreien: „Sie Eisenbahner mit dem angesresiencn Bauch!" Diese beispiellose Gemeinheit, die später auch von bürgerlicher Seite ziemlich allgemein verurteilt wurde, gibt zu wahren Sturm szenen Anlaß. Genosse Heeger fährt in die Höhe: Sie Herr Stoatobahnrat schauen auch nicht gerade schlecht aus! So ordinär sind Sie? Schämen Sie sich! Die Auseindcrsetzungeu mit den Haken- krcuzlern und Horvynkagermanen gehen eine ganze Weile fort. Heeger rnft Jung zu: Sic haben die deutschen Eisenbahner aus I g l a u nach Oesterreich verfuhrt und haben siesi bau im Stich gelassen! Sie haben in Salzburg kandidiert und erst als Sic kein Mandat erhielten, strid Sie zurückgr- kommen' I u n g: Tas ist nicht wahr' Heeger: Das i st wahr! Al« Jung noch nicht schweigen will, ruft Heeger: Sie sind zu den tschcchischbürgerlichen Parteien und sogar zur Kramakpartei bitten u n d betteln gelaufen, als cs>«m Ihre Stellung ging! Jung reagiert darauf nach dem Muster Goebbels mit einigen Schimpfereien, bis Heeger schließlich feststcllt: Sie benehmen sich so ordinär wie ein Schmierenkomödiant der letzten Vorsta-.dtbühne! * Einigermaßen Ruhe trat erst bei dem nach- stcn Redner, dem Gewerbcporteilcr Stenzl, ein, der stürmische Heiterkeit«regte, als er sich nach den schärfsten Ausfällen gegen die Vorlage zum Schluß versprach und erklärte, für die Vorlage stimmen zu wollen. Einem tschechischen Redner gaben diese Hakenkrcuzlertumulte den erwünschten Anlaß, nnr noch eine Verschärfung der Maßnahmen im Grenzgebiet zu verlangen. Später wurde die Debatte auf morgen vormittags vertagt. Die Prcßgesetznovellc ebenso wie die Novelle zu 8 34 wuxden bereits in beiden Lesungen in der AuSschußfassung angenommen. Gctrcltfepfandsdieiiic vom Senat angenommen. Dlllerenzen mit den Tsdiedilsch Klerikalen vereinigt. Prag, 22. Juni. Während gestern bezüg lich der Vorlage über die Getreidcpfandscheinc innerhalb der Koalition noch ziemliche Disfcren- ;en herrschten, die sich soweit steigerten, daß der klerikale Vertreter Krcjöi den Landwirtschaftsausschuß verließ, als die von ihm forrnuliertcn Abänderung-anträge nickt angenommen wurden, kam«S heute zu einer Einigung auf der Basis, daß zivei der AbändcrnngSantrögc noch im Plenum angenommen wurden, während ein weiterer klerikaler Antrag, di« Nationalbank möge verpflichtet werden, die Getreldepfano- schcine zu honorieren, in eine Resolution umgc- wandelt wurde, die die Regierung ausfordert, diese Frage durch einen Vertrag mit der Ratio nakbank zu bereinigen. Di« Debatte im Plenum wurde von acht Red. n«rn bestritten. Der Sprecher der Sozialdeniokroten Genosse Petit! k, aber auch ander« Redner bemängelten an der Vorlage vor allem die juristische Unklarheit. Petkil hegt Zweifel, ob di« Vorlage«inc PreiSstabittsterung wird« erzielen können; die Bor. läge bringe den kleinen Landwirten nicht viel, eher noch«NvaS den Lagerhäusern. R«y l(Tsch. Kterik.) gab ein« gewunden« Erklärung ab, daß feine. Partei den gestrigen Exodus eigentlich gar nicht so böss gemeint habe und keinesfalls habe Obstruktion treiben wollen. Scchl«(Agr.) ist der einzige, der von der Vorlage bestimmt ein« Hilf« für di« Klein- bauern erwartet. Die Sache mit Borris Kriminalroman von Grale Hartwig Diese Frau erzwang Glück und Genuß und eingeschlossen in ihren grcnrenlosen Egoismus, konnte man teilhabcn an allem, was sic sich errang. Ihre Leidenschaft war ein schöner Hafen für ein Herz, das wie seines durch viele nutzlose Stürme gegangen war, für sein Hirn, daS sich am AlltagSkamvf wund gedacht hatte, und für seine Nerven, die schon nicht mehr so gesund waren, wie vor Jahren. Lo Lu konnte man sich anvertrauen, denn sic schillerte stündlich in tausenderlei Farben, und Rast gab cs für sie nur, wenn sie oben ivar. Nnd Lillian? Die an ihn glaubte, während die andere ihm diktierte, die ihn liebt«, wie ein Weib einen Mann liebt, während die andere ihn verbrauchte, die ihn mit heiterer Laune umgab, während die andere ihren Spürsinn immer arbeiten ließ, die das Heim ersehnte, während die andere daö Abenteuer im Blute trug^ die die Ruhe der Jugend zur Schau trug, ivahrend die andere noch möglichst viel erraffen wollte, war denn daran zu zweifeln, daß Lillian verdiente, nicht hintergan- gen zu werden? Und außerdem: Sie hatte doch sein Wort. Er hatte sie gebeten, seine Frau zu werden, sollte er nun plötzlich vor sie hintreten und sagen, er habe es sich ander» überlegt? Nein, mein! Lo Lu hatte gedroht, aber er holte keine Angst, sie hatte... nun gut, gut... er wollte nicht mehr an sie denken.'.. aber es gelang ihm nicht. Als er an feinem Schreibtisch vor- überging, bemerkte er, daß das Höhrrohr abgelegt war. Er hatte cs doch sicher wieder ans- gelegt, als er daran gehindert ivurde, Lillian an- zurusen. Rätselhaft! Er ries seine Wirtschafterin: „Wer hat denn hier zuletzt telephoniert?" „Wieso, Herr Feßler?" „Da scheu Sic doch her! Tas Höhrrohr liegt ja nicht auf der Gabel." „Ach so! Warum sagen Tic das nicht gleich'.? Ich sollte doch ablcgcn." „Wer? Sir?" „Die Dame wollte..." „Die Dame?" „Ja, die Dame, die vor einer halben Stunde fortging, sagt« mir, es handle sich um eine wichtige Unterredung, ich sollte da» Telephon abhängen, und wenn Besuch känre, sollte ich ihn abiveisen. Jede Störung könnte für Sie unangenehme Folgen haben." Max war fassungslos. „Ja, ja. Schon gut," sagte er flüchtig, „War das nicht in Ihrem Auftrage? Ich dachte.. „Ja, ja. Ich hatte e»... momentan vergessen ... richtig...'schon gut!" Tas war Lo Lu. Wenn es um Ihren Willen ging, daun gab cs kelii Zurück. Sie scheute iveder Lüge nock; Gefahr. Ja,das ivar Lo Lu. Maxlegte sachte das Hörrohr auf die Gabel. Er hatte Sehnsucht nach LillianS großen, braunen, gläubigen Augen. Er hatte Sehnsucht nach ihrem rötlichen, weichen Haar. Er halte Sehnsucht nach ihrem mädcheichasten, jungen Körper. Aber gerade um diese Zeit dacht« Lillian nicht an ihn. Mit eiligen Schritten ging sie du:ch die große Halle der.Handelsbank, ging an unzähligen Türen vorbei und fragt« einen livrierten jungen Mann nach einem bestimmten Zimmer. Sie wurde von ihm tveitergeführt, betrat mir ihm einen Lift, gelangte in ein Vorzimmer iaß dann in einem großen Klubfauteuil, in dem sie müde versank, uiid wurde angemeldct. Nach einer Weile trat ein anderer junger Mann zu iqt und sagte: „Der Herr Direktor läßt bitten." Sie erhob sich, folgte Ihm, stand in einem feudalen, Büro, dessen Prunk sie fast bedrückt«, versank in'«inem dicken Teppich, Mei gepolsterte Türen sielen hinter ihr zu und ein.Herr erhob sich hinter einem massiven Schreibtisch, um sic zu begrüßen. „O Fräulein Band, was verschafft mir die Ehre?" Er lud"sie freundlich«in, Platz zu nehmen und zerdrückte den Rest seiner Zigarette. „Ich freue mich, Fräulein Band..." Das Telephon schrillte,„Vcr^ihung... ja? Zürich 11 Komma 8, Madrid 3 Komma 2, New Park... niorgen? Tanke,... so, mein Fräulein, verzeihen Sie die kleine Unterbrechung, ich stehe schon zur Verfügung..." Er zog seine Weste stramm, auS einer Seitentürc kam ein« Beamtin mit etlichen Briesen. Er unterschrieb, ohne hinzusehen, wie Lillian erstaunt feststellte. Er schien auf seinem Notizblock etwas zu suchen. „Und Bombay?" fragte er knapp. Die Beamtin erwiderte demütig:„Wird bei Herrn Direktor Ncubarth ausacfertigt." Er entließ sie mit einer Geste. „Nun, liebes Fräulein Band, ich hoffe, daß wir nicht mehr oft gestört werden. Ich hab« Sie unlängst wieder auf der Bühne bewundert. Es waren«in paar Herren aus Lviidon da und wir gingen für einen Akt ins Theater. Sie werden jeden Tag schöner und ihre Beine sind aller- liebst..." Das Telephon schrillte wteder.— „Verzeihung... ja, Vertragsabschluß... gut... bitte,.." „Herr Direktor," begann Lillian,„Ich hott« ein paar Worte mit Ihnen zu reden..." „So feierlich? Der Rummel wird»i$t mehr lang« dauern." i'stzMU „Es wäre mir aber kehr peinlich, wenn wir unterbrochen werden würden..." „Schon! Sie sollen sehen, wie ich Sie liebe," sagt« er lachend und klingelt«.„Ick bin zehn Minuten für niemanden zu sprechen, befahl er dein eilltretenden Beamten, der sich sogleich wieder lautlos entfernte.„Ist- eS so recht, mein Fräulein? Und genügen zehn Minuten?"> „Ja," sagte Lillian kalt und sah fremd in sein dickeS, lachendes Gesicht.„Zehn Minuten? Gut! Aber dann bleibt mir kein« Zeit, lange höflich und konventionell zu sprechen, sondern.. „Nur heraus mit der neuen Sachlichkeit!" sagte der Alaun vergnügt. Lillian b^riff Nicht, waS ihn eigentlich amüsiert«. „Sachlich? Nein, so will ich nicht sein... sondern.,." Sie war etwas verwirrt. ,^Aerr Direktor! Ich erinnere Sie daran, daß Sie mir einmal Ihr« Hilfe anboten, falls ich einmal in Not käme. Sie sagten damals, wenn.,, dann würden Sie mir helfen... ich... es wird mir schwerer, als ich dacht«... ich habe niemanden, an den ich mich wenden könnte. Sie sind reich... und mächtig und... einflußreich. Sie muffen nämlich wissen, es kann«in Unglück paffteren... wem» ick nicht... das alles kam so plötzlich... meine Elter» dürften das nie erfahren... ich weiß mir wirklich keinen Rat... Glauben Sie nur nicht,-aß es ein« Laune ist... zwei große Bitten... die eine können Sie bestimmt erfülle»» ... das ist ein« Kleinigkeit für Sie... und di« andere.. auch... wem» Sie nur wollen.. „Sic sind erregt und ich werde nicht klug auS Ihnen," sagte Direktor Hamnrer ablehnend. „Ja, dock... Sie werden mich gleich ver- steheir. Ich brauche... ich brauche... in zehn Minuten kann ich Ihnen nicht alles erklären..." „Nur Mut!" sagte die Stiinme hinter dem Schreibtisch. „Geben Sie mir achthundert Mark," sagte das Mädchen heiser. Eine Pause entstand. Lillian hatte Ohrensausen und preßte ihre kalten Hände gegeneinander. „Wenn eS weiter nichts Ist," kam die Antwort etwas gedehnt, aber recht freundlich,.daist wirklich«in seicht erfüllbarer Wuntch. Sie sollen die achthundert Reichsmark haben. Ehe Sie fortgohen, werde ich Ihnen eine Anweisung geben, die ist bei Kasse 4 einzulösen. Ist«S so recht?" (gorlsetzuug solgll Nr. 146 Freitag, 23. Juni 1938 etm b Parole Jungs: Höflich zur DaS tschechoslowakische Organ der deutschen Blutregierung, also der Duxer„Tag", ist Loer daS Mißtrauen, mit dein wir die neueste»» demo- kratischen Bekenntnisse der hiesige»» Nationalsozialisten aufnehmen, in gewaltige Aufregung geraten und klagt herzergreifend über unsere Illoyalität. Denn wir schrieben vor kurzen»:„Demokratische Ueberzeugung wird n»an dem Jung glauben, wenn er gegen die Vergewaltigung der Demokratie, gegei» die brutale Unterdrückung deutscher Volksgenossen dort etwas zu sagen hat, w o seine S t i»n»n e Gewicht habe»» kann, wenn er demokratische Ermahnungen an die Adresse seiner Bruderpartci richtet". Solche Stellungnahme wünschen wir, meint hingegen der„Tag", bloß zu dem Zweck, „damit uns die Herren von»„Sozialdeinokrat" dann wieder„Verbindungen" mit den Nationalsozialisten des Reiches„nachweise»»" können. Nein, ihr Herren, ihr verlockt uns nicht! Mr gestatten den reichsdcutschen Nationalsozialisten keine Einmischung in unsere Verhältnisse und wir haben daher auch kein Recht, uns in ihre Verhältnisse einzu- m en gen." Jetzt also weiß man eS, warum der ,,Taa" zu all dem Grauen und all der Schmach, die sich »n Deutschland abspielen, nicht Protest»?»» hat. Nicht etwa,»veil eS ihm ai» demokrotisch.r Gesinnung gebricht, oder weil er sich Hitlers Mord- banden verbunden fühlt— wer käme jemals auf solche Gedanken! Bloß aus inrernationa- l c r Eourtoisie hat der„Tag" jede Kritik der deutschen Zustände unterdrückt, bloß auS Hö s l i ch ke i l und beileibe nicht aus Gesinnung. Er mischt sich einfach nicht in reichsdcutschc Angelegenheiten, doch er„gestattet" Herrn Hitler und seinen Spießgesellen auch nicht, in tschechoslowakische Dinge hereinzureden. Aber, da fällt uns gerade ein, war»»m hat denn der„Tag" nicht kürzlich protestiert, als Herr Hitler in: Reichstag über de»i Brünner Volkssporiprozeß sprach, warum hat er keil» Wort der Abwehr gcsunden, als deutsche Flüchtlinge vv>» SA-Lenten über die tschechoslowakische Grenze in die Konzentrationslager des teilen» deutschen Vaterlandes zurückgeholt wurden, oder als»>on der Reichsregierung ein Haftbefehl gegen den s u d c- tendeutschen Abgeordneten Laub erlassen wurde, der sich unseres Wissens in Deutschland niemals betätigt hat? Warum ha» er da seine stolze Traditio»» ausgegcbe»» und den reichsdeut- schcn Nationalsozialisten die Einmischung in tsche- Hitler verkündete jüngst der Welt, die Zahl der Selbstmorde sei im demokratischen Deutschland ungeheuer hoch gewesen. Diese Zahl zu senken, wird nui» also Aiufgabe der neuen Männer sein. Daß in den letzten Wochen, daß seit den Braudslifterwahlen im März die Kurve fiebrig i»» die Höhe ging, ist vermutlich auf die berühmten„Irrtümer untergeordneter Instanzen" zurückzuführen. MaS aber soll in Zukunft unternoimnen»verden, un» de»» Lebenswillen der gleichgeschalteten Massen zu stärken? Einige pro- minente Avußerungen lassen hoffnungsvolle Schlüsse zu. Auf einer Führcrlognng der NSDAP, klagte Hitler,;Her Staat sei in diesem Jahr- hundert fast ausschließlich regiert worden nach Maximen, nach denen nian Aktiengesellschaften regiere". Aha! Und das soll nunmehr aufhören? Jawohl, versichert der£ sas, E r werde aus dem Volk„eine Führerschicht herauSziehen, bart wie Stahl". Wenn das Volk in diesem Sinne richtig in seiner politischen Führung erzogen werde, dann werd« eS auch„den sozialen Geist zur Geltung bringen". Ta diese Aeußernngcn, wie die meisten hakenkrcuzlerischcn„stahlharten" Führerreden alle Türen offen-, alle Deutungen zulassen, sieh» man, sich nach einen» Wegweiser un»— und findet ihn alöbald, wenn man von den muntern Rede»», die jede Arbeit der großen Gleichschalter begleiten, zur Arbeit selbst vordringt. Weit aufschlußreicher als die ganze Führertagung, ans der die Worte vo»n„sozialen Geiste" fielen, ist eine kurze Konferenz, die Dr, Klei n, StaatS- kommisfar für das Berliner GefundheitSlvesrn, am 16. Juni der deutschen Presse gewährte. Es wurde da nicht nur verkündet, daß der Etat deü Berliner Gesundheitswesens, der 1930 rund 1*25 Millionen Mark betrug und der für 1933 ursprünglich mit 84' Millionen veranschlagt»vor. „Wege»» der schlechten Finanzlage der Stadt" auf 65 Millionen— also etwa um weitere 23 Pro- zent— gekürzt worden ist, es wurde auch mit schöner Offenheit zugegeben, der Statthalter verlange weitere Einsparungen, ohne daß mai» bisher wisse, a>» welchen Positionen gespart werden könne. Woher,, fragt ma»» sich, stammt dieser seltene Mut zur Wahrheit? Ji» einem Staat, der Millionen und Milliarden für di« braune Arme«, für militärische Spielereien aller Art, für Pro. pagandagetös«, für sogenannt« Rationalseste, für nationalsozialistisch« Parteipaläste und Ministerflüge verpulvert, haben die Diktatoren den Mut, kaltschnäuzig zuzugeben, just auf d e»n G e- biet der Sozialfürsorge, just an beit Bruderpartei l choslowakische Verhältnisse dennoch^gestattet"? Freilich, der„Tag" gehorcht wahrscheinlich auch dabei den Gebote»» internationaler Höflichkeit und wollte die deutsche Reichsregierung und die NSDAP nicht verletzen, da diese ja auch ihm gegenüber seit jeher ein erstaunliches Maß von Entgegenkommen an beit Tag legte. Tenn auch die NSDAP vrotestierte niemals dagegen, wenn der„Tag" etwa die deutsche Sozialdemokratie mit den übelsten Verleumdungen überschüttet«, aktive sozialdemokratische Minister besudelt« und die ganze deutsche Republik beschimpfte. Und der «Tag", der sich sonst beileibe nie in deutsche Verhältnisse«»«mischt, hat dainals von der schweigenden Zustimmung der reichsdeutschen Rationalsoziallsten zu seinen Gemeinheiten den Mut zu immer neuen, auch heute nochnichteingc stellten„Einmischungen" in innerdeutsche Fragen bezogen. Trotzdem möchte er jetzt der Leffentlichkeit»vei»- machen, daß zwischen bei» sudetendeutsche»» und den reichsdeutschen Nationalsozialisten keinerlei Einverständnis besteht. Wie rennt sich aber mit dieser kuriosen Behauptung die Mitteilung deS Parteivorsitzenden Jung, daß die IH. Auflage seines Programmbuches„Der nationale Sozialismus" in» sudetendeutschcn Gebiet in nur wenigen Exemplaren vorhanden ist, weil sie speziell für Deutschland bestimmt war und nur dort verbreitet wurde. Wie Paßt zu den Beteuerungen deS„Tag", nichts mit der NSDAP zu tun zu haben, die Tatsache, daß Herr Jung sowohl der Theoretiker der hiesige»» als auch der reichsdeutschen nationalsozjalistiscken Partei i st? Ter„Tag" wirb unS auf diese Fragen»vie immer gewiß die Anwort schuldig bleiven und statt dessei»»»ach einer neuen feige»» Ausrede suchen, um den Charakter seiner Partei als tschechoslowakischen Hitler-Filiale zu verhüllen. Aber gibt cS bessere Beweise für die Identität der sudetendeutsche»» und der reichsdcutschen Hitlcrei als die gleiche Feigheit, die gleiche Gesinnungslumperei und die gleiche Bestialtiät, die hier durch den Mangel jedes Protestes gegei» die neudcutsche Barbare» nur ihr Bedauern er- tvcist, nicht umnittelbar daran beteiligt zu sein, und de»» Schiner; über Unmöglichkeit, sich mit fliegende»» Fahne»» den» blutige»» Reginic des Ar- bcitermordes und der Unmenschlichkeit gleichschalten zu können! Hilfsbedürftigsten müsse gespart, grfpart, gespart werden? Nun, Dr. Klein ließ die Erklärung auf dem Fuße folgen: er stellte eine grundlegende Aende- rung der Fürsorge in Aussicht, denn „die Versorgung von der Wieg« bl« zur Bahr« widerspreche den nationalsozialistischen Grundsätzen, die viel starker auf eine Erhaltung der gesunden Teil« dr« Volke« an Zahl und Güte gerichtet sei". Jetzt endlich wissen wir Bescheid! Tie Selbstmörder, denen Hitler ein Paar offizielle Krokodilsträne» nachweinte, sind aus dieser chöneu Welt geflüchtet, weil sie„von der Wiege bis zur Bahre" so glänzend versorgt waren, daß ihnen das ganze bißchen Daseinskampf keinen Spaß»nehr machte. Jetzt wird das anders: Erholungsheime für schwächliche Kinder, für Krüppel und Invaliden werden geschlossen, dl« Tuberkulosebehandlung wird eingeschränkt, die Kassenlelstungen werden herabgesetzt, die ärztlich« Betreuung kranker„Volksgenossen" wird verschlechtert werden. Un» den„sozialen Geist" zu stärken, läßt man die Opfer der kapita listischen Weltordnung, damit sic nicht etwa in Versuchung kommen, sich dos Leben zu nehmen, langsam aber sicher eines unnatürlichen TodeS sterben, indeß der„gesunde Teil deS Volkes", auf dellen Erhaltung„die nationalsozialistischen Grundsätze gerichtet sind", in Arbeitsdienstlagern, in untertariflich zahlenden Fabriken, in harter Zwangsarbeit der Entkräftung und Verelendung zugetrieben wird. Ueber einen Abbau der Pflegestätten sür begüterte Kranke ward bis jetzt noch nichts verlautbart. Im Gegenteil! Die deutschen LuyuS- bäder überschlage»» sich in locke»»den Prospekten. S o also ist der Sozialismus n e u d rutsch e r A r t zu verstehen: Fußtritte für die Kranken u»»d Schwachen, Fußtritt für di« Aerm- sten der Armen, deren Dasein von der Ausbeutung vergiftet wurde, Erhalt«»»« des„gesunden VolkSteilS", zu den» nebst den» Recke»» Goebbels sämtliche Jnoustriekapitäne, sämtliche Bank- und Börsenfürsten, gleich welcher Rasse, säintliche Großagrarier, sämtliche zahlkräftige Kapitalisten zu rechnen sind. „Stahlharte" Prinzipien in der Tat! Arbeiter, die ihr in freieren Ländern wohnt, die ihr um eure Rechte noch kämpfen dürst— sehnt ihr euch nach diesem„Sozialismus"? NazlKampl gegen das Unternehmertum Der Sdiein. (D. G.) Münster, 21. Juni. Am 1. Juni wurde der Fabrikant Danz aus Münster auf Veranlassung deS Bezirksleiters der Deutsche»» Arbeitsfront wegen„Gefährdung der Arbeitsstätte, sowie wegei» staatsfeindlicher Aeußerun- gen" in ein Konzentrationslager überführt. Tie Pressestelle der 91SBO in Essen teilt mit, daß der Inhaber der Firma Photo-Brenner wegen wirtschaftlicher Sabotage voi» der politischen Polizei verhaftet wurde. Mit solchen Maßnahmen gegen ei»»zelne Unternehmer»nacht, die ssiSBO Reklame bei den Proletariern. Sie will damit beweisen, wie wirksam sie die Arbeiterrechte gegen Unternehmer vertritt. Tiefe Maßnahmen richte»» sich aber immer nur gegen»teilte und jüdische Unternehmer. Man hat noch nichts davon gehört, daß gegen dir großen Jndustriekonzerne irgend ettvaS unternommen»vurde, die massenhaft Arbeiter brotlos»nache»» und ohne jede Verhandlung durch Senkung der Leistungszulagen dir Löhne herabsetzen. Die Wlrhllchkelt T. G. Berlin, 21. Juni. Nachdem die Nationalsozialisten die Fascisieruitg der Äewerkschasten vorgenommen haben, lassen sie allmählich die vielen schöne»» Phrasen vo>» der Wahrnchinung der Arbeiterinterefscn fallen. Sie glauben sich jetzt schon stark genug, um den Arbeitern ihr wahres Gesicht zu zeigen. I»» Nr. 161 des„Völkischen Beobachters" vom 10. Juni veröffentlicht der von Hitler den deutsche»» Arbeitern aufge- zwungene„Führer" der Deutschei» Arbeitsfront, Herr Dr. Ley, eine»» Artikel über den zukünftigen Zustand im Betriebe. In diesem Artikel heißt es u. a.:„Deshalb wird der ständische Ausbau als erstes dem natürliche»» Führer eines Betriebes, d. h. den» Unternehiner, die voll? Führung wieder in die Hand. gebe»» und damit aber auch die volle Verantwortung aufladcn. Ter Betriebsrat eines Werkes besteht aus Arbeitern, Angestellten und Unter»»eh»ner. Jedoch hat der Betriebsrat nur beratende Stimme. Entscheiden kann allein der Unternehmer..." Eine Haussuchung. Berlin, 22. Juni. Bei der sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Nemitz, die in Köpenick wohnt, wurde heute vormittags eine Haussuchung vorgenoininen, bei der man mehrere Zentner Druckschriften beschlagnahmte, die„verhetzendes" und„aufreizendes" Material enthalten. Frau Nemitz, die 60 Jahre alt ist, ist seil dem Jahre 1920 Mitglied des Reichstages, sie gehört auch den» Vorstand der Sozialdemokratischen Par- tei an. Hugenbern fordert Einberufung des Reldistages? Berlin, 21. Juni. ReichSwirtsehaftSmini- ter Hugenberg, der Führer der Deutschnationalen Partei, hat in einem Schreiben an den ReichStagSprasidentcn Goering die sofortig« Einberufung de» Reichstage« gefordert. Die Verwirrung der innerdeutschen Verhältnisse hab«, so chreibt Hugenberg, einen solchen Grad erreicht, daß er aus einer alsbaldigen Klärung bestehen müsse. Hugenberg erklärt ferner, daß er den Reichspräsidenten von seinem Schritt in Kenntnis gesetzt habe. Der Vorsitzende der Deutschnationalen Partei, Reichsminister Hugenberg, hat heute sämtlich« Unterorganisationen der Deutschnationalen Partei angewiesen, an diejenigen Abgeordneten deS Reichstags, der Landtag« und der komm»»« nalen Körperschaften, die aus der deutschnationalen Liste gewählt, inzwischen aber zur Hitlerpar- tei übergetreten sind, di« befristete Aufforderung zu richten, da» Mandat niederznlegen. SA-Aktion In amtlicher Darstellung. Drei Tot«. Berlin, 22. Juni. Zu einem blutige»» Zwi« schenfall kam e» gestern kurz vor Mitternacht in der Dahlwitzerstraße»»» Köpenick. SA.-Leute hatten in einem-Hause der Straße, die sich i>» einer Siedlung von Familienhänsern befindet, die meist von sozialdemokratischen Gewerkschafts- sekreiäreu und Funktionären bewohnt sind, eine erfolgreiche Haussuchung nach Waffe»» vor- genommen, wobei mehrere Kiste»» mit Pistolen und Munitio»» beschlagnahmt»verden konnten. Als die letzte Kiste die Treppe hinuntertranS- portiert»verden sollte, öffnete sich Plötzlich die Tür und der 23jährige Sohn Anton deS Ge- »verkschaftSsekntärS Schn» aus gab mehrere Schüsse ab, durch die ein Zivilist und zlvei 2A.< Man»» getötet und ein SA.-Mann, darunter der Truppführer lebensgefährlich verletzt»vnrden. Die SA. erlviderte das Feuer. DaS durch SA. verstärkte Uebe»fallkom>nando riegelte das ganze Viertel ab. Ter Täter konnte verhaftet»verden und»vurde inü Polizeipräsidium gebracht. Daris dementiert Verhandlungen über die österreichisch- ungarische Union. Pari«, 22. Juni.(HavaS.s An amtlichen Stelle»»»vird mit größtem Nachdruck erklärt, daß die Meldungen, welche besagen, daß der Vorschlag einer ö st e r r e i ch i s ch. u n g a r i s ch e»» Union den Gegenstand von Verhandlungen zwischen der französischen Regierung und den Repräsentanten der Kleinen Entente bilden, jeder Grundlage entbehren. Die Verhandlungen Uber das Prager Abkommen im Briixer Revier. Die über Anregung der Union der Bergarbeiter am 6. Juni 1933 abgehaltenen Beratungen der Kontrahenten d«S Prager Ueberein» kommenS für das Brüxer Revier haben, wie bereits berichtet wurde, dem Verein für die bergbaulichen Interessen im nordwestlichen Böhmen den Antrag auf Anberaumung'einer Aussprach« über die Verlängerung de« Ueberelntommrn« unterbreitet. Aus Grund diese« Antrages sand am 21. Juni 1938 ein« Besprechung der vertragschließenden Organisationen mit den Vertretern dr« Verein» sür die bergbaulichen Interessen im nordwestlichen Böhmen statt. Die Aussprache hatte einen informativen Charakter und wfrd in den nächsten Tagen fortgesetzt. Für dar Asylrecht der deutschen FlllchMune. Auf die Angriffe aus die deuisihe Emigrantin seitens einiger»fchechllchbiirgerlicher Blätter antwortet das„Pkilvo Lidu" folgendermaßen: Ter Aufenthalt einiger deutssirer Sozialdemokraten auS dem Reiche in Prag ist in der Toin- mersaiso» zu eilten» beliebte», DiskussiouSgegen- stand in den reaktionären Zeitungen geworden. Gegen die Deutschen schreiben die Herren Na- iivnaldentokraten, welche die russisck)en monarchistischen Flüchtlinge mit offenen Armen ausgenommen haben, Flüchtlinge, welche hierher direkt eingeladen wurden, denen Staatsunterstütziingen gegeben, Anstelli^igen verschafft»vnrden und denen die Naiioitaldemokratei» geholfen l>»be>», Zeitungen herauszugeben, und deren Aktionen und deren Hetze gegen Sowjetrußland von ihnen begrüßt »vnrden. Ter Aufenthalt der reichsdeutschen Genossen gefällt auch nicht der klerikalen Presse, die die katholischen Emigranten begrüßt Hal, die auS Frankreich;»» uns nach der Trennung der Kirche von» Staat gekontmen»varen, die den ausländischen Orden geholfen(jeit, sich bei uns anzusiedelt» und einzukausen und di« auch sicherlich künftighin bereit ist, sich mit größter Leidenschaft deS Asylrechtes sür die Jesuiten und Angehörige anderer katholischer Orden anzunehmen, wen»» sie sich zu unS nach ihrer Ausweisung aus Spanien, Mexiko und attderen Ländern«'enden»verden. Die Agrarier haben ja schon daran erinnert, daß sie die Emigration der bulgarischen Agrarier»»ach dem Falle Stambolijschs zu uns führten und unterstützten und möglicherweise werden auch andere Sektionen der agrarischen Internationale bei uns einmal ein Asyl suchen. Der Galgen ist bereit für Torgier und Van der Lubbe. Mit Zustimmung de» Vorstandes der Pariser Anwaltskammer haben sich di« hervorragendsten sranzöstschen Rechtsanwälte, Moro- vtafferi und Campagne al« Verteidiger der Angeklagten in den» bevorstehenden Prozeß wegen deS Reichstagsbrandes zur Verfügung gestellt. Auch Maitre T o r r d S soll diese Absicht haben und englische Attor- ne« mit den» gleichen Plane umgehen. Ob das deutsche Reichsgericht diese Ausländer als Verteidiger zulasten wird, ist eine andere Frage. Kann etwas bezeichnender sein sür die unum- schrantte Beherrschung deS deutschen Lebens durch di« Angst vor dem sadistische»» Terror der Regierungshorden als die Tatsache, daß sich kein einziger deutscher Advokat bereit findet, diese Verteidigung zu übernehmen?! Der Prozeß sott dir Aufklärung deS Reichstagsbrandes und besonders seiner Anstiftung verhindern. Zu diesem Zweck werde»» alle schwebenden Hochvrrratsprozesse gegen Kommunisten miteinander verbunden, so daß viele Dutzende Angeklagte zu vernehmen und zu verurteilen sein werden. Denn daran hat man sieh längst gewöhnt, daß vor den» Reichsgericht angeklagt sein schon auch die Verurteilung bedeutet! Dieses Schicksal soll auch Ern st Torgler bereitet werden, der als einziger kommu- nistischer Abgeordneter mit Ban der Luebb« wegen des Reichstagsbrandes angeklagt wird und mit ihm zusammen gehängt werden soll. Wer Torgler kennt, weiß auch daß dieser kluge und anständige Mensch mit einer Brandstiftung nicht da» Allergeringst« zu tun haben kann, noch dazu am Reichstag, den er liebte und dessen Geschäftsordnung das Feld seiner geradezu sportlichen Betätigung war. Hier wird ein Justizmord von noch nicht dagewesener Niedertracht geplant.' DaS mutz die zivilisierte Welt wissen und dagegen mutz sie empört ihre Stimme erheben! Hart wie Stahl! Sozialpolitik im Dritten Reich. Seite 4 Freitag, SS. Juni 1933 fit. 146 T agesnetiigkeifen N3 den leutc, William Mac In to sh. Macintosh hat j Meldung aus Tunis sind bei dem Versuch der I Bunt« Stunden: geschnitten wurde mit Wirklichkeit ibn unterstützen, kühnsten Träumen noch graust! sind von der Kncchtschast befreit! Tore, der spuk schwärmt hinaus! Dar Motto der nattoualen Erhebung iindet man in der»Hessischen LandcSzetiung" vom 14. ds. Die schlichw Notiz lautet: Nordheim. Durch Gleichschaltung der Bäcker wurde der Brotbacklohn von 12 auf 15 Pfennig pro Laib erhöht. Diese Notiz bedarf keiner Erläuterung. Mit un- libertrefflicher Ausdruckskraft sagt sie, was „Gleichschaltung" jenseits aller Phrasen und Zymbale bedeutet. Dr. tzod-a über aktuelle Aararprodleme. Prag, SS. Juni. Im Ausschuß hielt Minister Dr. res Exposee, in dem er sich Sanas Heinz Ewers. Mit der Feder, die ich so führend geführt, Hat lange vor Hitlers Kunst mein Genie. Blut mit Leichengift angerührt. O deutsche Dichter, das war Phantasie. Impressionismus? Expressionismus? Plagt euer Hirn nicht, zcrquält und zerzaust! Kunst ist nicht mehr Illusionismus, Die neue Sachlichkeit liegt in der Faust! Spart cucrn Geists Geburten zu schlvitzen, Wir wollen Daß eurem Die Geister Oeffnet die Leichen sind lebende Wirklichkeit, Deutschland ein wirkliches TolenhauS. Drum bin ich im Dritten Reich avanciert: Ich bin der SS-Mann der Dichtkunst im Reich. Jetzt wird nicht geträumt und nicht phantasiert, .Habt acht gestanden! Grad richtet euch! .Hand an. die Hosennaht! Jetzt wird pariert! Ich bin der SS-Mann der Dichtkunst im Reich! Ihr deutschen Dichter, auf! Massakriert! Peter Till. Tragödie der Not. Pardubitz, 22. Juni. Heute, um 8 Uhr früh tötete aus den sogenannten Arnoldschen Wiesen zwischen Pardubitz und Cihelna der 28jährige Svatopluk Thomaü Lun da aus Jekov bei Kyjov in Mähren, eine Frau und ein vierjähriges Mädchen, worauf er Selbstmord beging. Bei dem Eintreffen der Gendarmerie gab Lunda noch chwache Lebenszeichen von sich, während Frau und Kind bereits tot waren. Lunda hatte Frau und Kind mit Revolvcrschüsscn getötet, während er selbst ein unbekanntes Gift nahm. Die Nacht hatte die Familie in einem Heuschober zugebracht und hier zwei Briefe geschrieben— einen an die Eltern und einen an Verwandte— in welchen das Ehepaar erklärt, cs scheide frei, willig aus dem Leben und bitte die Gerichts, kommission, von einer Sezierung abzuschen. Bei Luttda konnte bisher sein Beruf noch nicht fest- gestellt werden. An Ort uick Stelle ist eine Gc- richtskommission eingetrofscn. Das Motiv der Bluttat Lundas dürste in drückenden materiellen Verhältnissen und Familienzwistigkciten zu suchen ein. In einem hinterlassenen Briese, der an Verwandte gerichtet ist, wird ein Betrog von 1600 Ke erwähnt, doch wurde bei den Leichen kein Geld gefunden. Ter. Rama der erschossenen Frau konnte bisher nicht ermittelt werden. Man nimmt an, daß es sich um LundaS Geliebte Han» dclt. Lunda selbst war verheiratet. Die Gerichtskommission stellte fest, daß Lunda durch Einnehmen von Cyankali Selbstmord verübt hat. „Sozialdemokratischen Komitees", von dem die Arbeiterbewegung eigentlich ausging. Bei Gründung des„Sozialdemokratischen Komitees" ging man von der Anschauung aus, den in Reichenberg bestehenden und eigentlich doch von Arbeitern gegründeten„Industriellen Bildungsvcrein" für die sozialdemokratische Sache zu gewinnen, das heißt, umzugestalten. Nicht außerhalb, sondern innerhalb des„Industriellen BildungSver- eineS" wollte das„Sozialdemokratische Komitee" für den Sozialismus Propaganda machen. Deshalb war es ganz selbstverständlich, daß diesem Komitee nur Mitglieder des„Industriellen Bil- dungsvereincs" augehörcn konnten. Zweck dieses Komitees war also, im Rahmen des„Jnvu- striellen BildungsvereineS" die Jntercllen der Arbeiterschaft in sozialdemokratischem Sinne zu vertreten. Bon den später in der Arbeiterbewegung bekannt gewordenen Personen gehörten diesem „Sozialdemokratischem Komitee" an die Genossen Joses Krosch, gestorben im LandeSgerichtc zu Prag, Anton Flcdcl, gestorben in Rcichcnberg, Franz Kasper, gestorben in Rosenthal bei Rcichcnberg, Robert Wolleschak, gestorben iil Krtm- mitschau in Sachsen, Wenzel Groß aus Biala, Anton Kahl, gestorben in Bialhstock(Rußland) und— wenn ich mich recht entsinne— Johann Plachetz, der später Direktor der Brünner Webschule wurde, Josef Appell, aus Rcichcnberg, Josef Hannich, Rcichcnberg und noch einige Leute, die aber im Lager der Sozialdemokratie nicht lange verblieben, sondern alsbald wieder in den Bannkreis der bürgerlichen Ideenwelt zurückkehrten. Bei der Konstituierung des„Sozialdemokratischen Komitees" wurde beim ersten Wahlgang isovmat über den Atlantischen Ozean. Southampton, 22. Juni. Diese Tage starb in Queenstown sJrlaud) einer der ältesten See- Entladung einer von einem Eingeborenen gefundenen Granat«, die plötzlich explodierte, fünf Mitglieder der Familie des Eingeborenen getötet worden. Der Wirbelsturm, der Dienstag über Rouen dahinbraust«, hat einen Sachschaden von schätzungsweise 1 Million Franks angerichtet. 20 Personen wurden verletzt. Em sechs Tonnen schwerer Kran wurde ümgelegt. Massenvergiftungen in einem griechischen Regiment. Seit einigen Tagen sind zahlreiche Soldaten der zwei im PiräuS stationierten Rc girncntcr an schweren BergiftungSerschcinungrn erkrankt. Zwei Soldaten sind bereits gcstorbe», viele andere liegen in bedenklichem Zustande in den Lazaretten. Die Vergiftungen sind auf den Genuß von Fleisch-Rationen kranker Tiere zr rückzuführen. Die sowjetrussische Tätigtet in der Arktis. Der Sowjetsektor der Arktis nimmt fast die Hälfte des ganzen Polargebietes ein uns schon daraus läßt sich erklären, daß sich di« Sowjet- gelehrten so«ingehctid mit der Erforschung der Randgebiete im fernen Norden befassen. Zunächst wurden klein« Expeditionen auf Motorsegelbooten bescheidener Größe organisiert. Erst 1029 unternahm der große Eisbrecher ^Krassin" eine Polarfahrt und gleichzeitig mit ihm fuhren die Eisbrecher„Malygin" und„S«do w". Dieser landet« an der Küste des Franz-Joseph-Landcs, wo er die Sowjet, flagg« hißte und«ine ständige radiometc- orologisch« Station in der Stillen Bucht auf der Hcoker-Jnsel errichtet«. Auf der zweiten Expcdition des„Sedow" im Jahre 1930, die von Professor O. I. Schmidt geleitet wurde, sind einige neu« Inseln entdeckt und di« Küste des Nordlanoes erreicht worden. Jedoch erwies sich daS Nordland als unzugänglich und der ursprüngliche Plan, dort«ine ständige Station zu bauen, mußte abgcändert werden. Diese Station wird auf der westlich vom Nordland in einer Entfernung von 60 Kilo- Metern gelegenen Kamencw-Jnsel gebaut. Hier wurden cimgc Leute zum Uc be rw intern zurückgelasscn, die in zwei Jahren eine kolossale Arbeit geleistet haben. Sie führten eine Reihe von Schlittenrxpcditionen durch, auf denen sic ungefähr 3000 Km. zurücklegten und in einer Anzahl von Orten Rescrvcloger einrichtetrn, denen sie Lebensmittel zufiihrten. Sie erforschten drei Inseln des Nordländer und trugen diese auf die geographfikbc Karte ein,- nahmen alle möglichen geologischen und andere Forschungen vor, entdeckten viele, nützliche Minerale und Metalle(darunter Zinn) und sammelten reiches wissenschaftlicher Material. Sagt es in deutscher Sprache... Zu dieser Notiz, die gestern von uns veröffentlicht wurde und auS der hervorging, wie die Naz: zum Kapitalismus stehen, ist nachträg. lich zu bemerken, daß der im„Tag" erschienene Artikel von den Duxer Grubenhundwächtcrn zur Gänze aus der glcichgeschaltcten„Metn1far> beiter- Zeitun g", dem Fachblatt der früher freigewerkschaftlich organisierten Metallarbeiter Deutschlands, Daraus ist zu ersehen, in welchem Geiste die deutschen Arbeiter jetzt von den braunen Hunnen erzogen tvcrden. Die„nationale Arbeite- front" entpuppt sich immer mehr als gelbe Schubtruppc des kapitalistischen Unternehmertums! AGA erwartet dl« tschecho slowakischen Aahlunqsvorschläge. Washington, 22. Juni.(Reuter.) Das Staatsdepartement richtete an Jugoslawien und E st l a n d eine Note, durch welche beiden Regierungen nachdrücklichst in Erinnerung gebracht wird, daß sie die Rate vom 15. Juni nicht bezahlt haben. Rumänien, die Tschechoslowakei und Lettland wurden dahin vcrständ'gt, daß die Vereinigten Staaten gewillt seien, ihre Anträge hinsichtlich einer Revision der Schulden anzuhören. MSHrlsch'schlestsch« Landes- Vertretung. Brünn, 22. Juni.(Eigenbericht.) In der heutigen Sitzung wurden die restlichen Vorlagen des LandcSauSschusseS behandelt. Eine größere Debatte entwickelte sich nur bei der Vorlage, die das Ansuchen des Landes Mähren-Schlesien>rm Zuteilung von 46,155.000 Ile aus der Arbeitsanleihe beinhaltet. Die Abstimmung, über den Rechnungsabschluß des Landes für 1932 und oie andern Vorlagen werden morgen durchgeführt werden. Heute Nachmittag besichtigen die Mitglieder der Landcsvertretung den F r a i- ner Talsperrenbau. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Somrtog. Prag: 6.15 Gymnastik, 11.00: Schallplattcn, 18.25: DeutscheScndung: Joses Hofbauer. AuS eigenen Werken, 10.10: Prof. Weingart:■ Tie tschechische Sprache, 20.20: Boldon-Stundc, 22.15: Bunter Abend aus Mähr.-Ostrau.— Brünn: 12.30: Orchesterkonzert, 17.45: Schallplattcn. 18.25: Deutsche Sendung: Klavierkonzert, 10.25: Bolksblasmusik, 20.20: Balalaika-Solo.- Frauen- Jugend-Kinderfunk: Königswustcrhausen: 14.45 Kinderba st el stunde. Langenbcrg: 15.00 Kindcrstunde. Berlin: 15.20 Für die Iu- gend. Langenbcrg: 16.10 Stunde der Frau. München: 17.45 I u n g m ä dchc n stu n de.--- : Leipzig: 20.00 Bunter Abend. seinen Angaben zufolge den Atlantischen Ozean dreizehnhundert»:«! durchquert und im Laufe von 40 Jahren drei Millionen Seemeilen zurückgrlegt. Entzug des Post-Debit«. Das Ministerium dcS Innern Hot nachfolgenden Blättern daS Post- dcbit entzogen:„Neuer Görlitzer Anze«- g c r",„W! e n c r Neueste Nachrichten" und„R o b o t n i c k« S l o v o"(Erscheinungsort Toronto in Kanada). Internat imrocles Schachmeisterturnier tn Mähr.-Ostrau. Vom 2. bis 12. Juli d. I. findet in M.-Ostrau ein internationales Schachmeisterturnier statt,-öS vom„Mähr.-Ostrauer Schachklub" und vom„Witkowitzer Schachvcrcin" veranstaltet wird. Bisher ist di« Teilnahme folgender Meister gesichert: Canal(Peru), LajoS Steiner(Ungarn), Pirc(Jugoslawien), EliSkascS, Grünscld und Kmoch(Oesterreich), Gilg, Pitschak und Rejsit(0SR.); außerdem wird der jung« Johann FoltyS(Mähr.-Ostrau) dem Turnier« zugezogen. Gleichzeitig mit diesem internationalen Turnier finden einige Turniere des Deutschen Schachverbandrs in der Tschechoslowakei statt. DaS internationale Meisterturnier gehört zu den größten Veranstaltungen, die die Schachwelt in diesem Jahre aufzuweisrn hat. ES wiU) neben der Schacholympiade in Folkestone daS hervorragendste Ereignis fein. Verregnet. Wahrscheinliche« Wetter heute: Im Westen des Staates ziemlich bewölkt, strichweise Regen, mäßig warm; im Osten Neigung zu lokalen Gewittern, warm. Explosion im Brünner Bala-PalaiS. Gestern um 3 Uhr nachmittag entstand im Buffets des Bal a-Palais in der Kmpfengasse in Brün n eine Explosion des im Ventilationskamin über dem Haupttvärmcr angcsammclten Aases. Die Explosion war so heftig, daß die Speisekammer demoliert und der Plafonds im Ausmaß von einem Ouadratmcter teilweise herauSge« rissen wurde. Bei der Explosion wllrden für ungefähr 5000 K Lebensmittel vernichtet. Die Verkäuferinnen Marie 8 u l c und Marie Lcdvina, beide aus Brünn, wurden durch herabfallcndcs Mauerwerk leicht verletzt, Ludmila Prochazka, Kassierin aus Brünn, durch das bc. der Explosion ausströmcndc Gas b c t ä u b i. In der entstandenen Panik wurde Franz K r i st o f, Chauffeur aus Brünn, in daS auf das Stiegenhaus führende Fenster gedrückt, daS er zerschlug uud ans einer Höhe von ungefähr 2 Meter auf den Podest fiel. Durch Glassplitter wurde er an den Händen verletzt. Sämtlichen Verletzten leistete eine Ambulanz der deutschen Rettungsstation die erste Hilfe. Ein« taube Greisin vom Zuge getötet. Mittwoch mittag« um 12 Uhr 13 Minuten riß der von Sedlec noch Kuln« Hora fahrend« Personenzug unweit dcs Bahnhofs der Stadt KutnS Hora ein« 72 Jahr« alte und vollständig taube Greisin zu Boden, als diese di« Bahnstrecke überschreiten wollte. Der Zug ging über die Frau hinweg und die Räder trennten ihr d«n Kops und die link« Hand vom Leibe, sy daß sie augenblicklich tot war. TodeSsturz. Mittwoch nachmittags stürzte die 38jährige Bäuerin AneSka Hrabovü ans Trch bei Pardubitz durch unglücklichen Zufall vom Dachgeschoß herab und blieb mit gebrochener Wirbelsäule tot liegen. Dor spanische Flieger Barbera», der gemeinsam mit dem Flieger C o l l a r t den Versuch unternommen hat, den Atlantik zu überfliegen, ringt mir dem Tode. Collart ist tot. Als Ursache der Katastrophe wird angegeben, daß daS Flugzeug während eines Sturmes gegen einen Felsen stieß. Massentod durch eine Granate. Nach einer landwirtschaftlichen H o d i ii ein länge- ausführlich mit der auch in London eben angeschnittenen Frage der Reduzier nng der Wcizenanbau- fläche befaßte. An diesem Problem sind auch wir indirekt interessiert, de. der Wcizennbcrjchuß von 10 bis 20 Millionen Zcnkncrn jährlich, den di« vier Donau- slaaten aufiveisen, auch auf unseren Mark: preisdrückend wirkt. Er ist jedoch der Auffassung, daß lediglich die Uebersecstaaien wie Kanada und Nord- omerika ihre Anbauflächen cinschränkcn müßten, daß dies aber in Europa, das in Bezug auf Weizen im ganzen passiv sei, nicht durchgcsührr werden sollte. Die Tschechoslowakei, die die Anbaufläche für Weizen gegenüber dem Vorjahr von 835.000 auf 908.000-Hektar gesteigert hat, könne von dem Wei- zcnübersrhuß der Donaustaatrn nur etwa zwei Millionen Zentner ausnehnicn, ebenso viel etwa Oesterreich. Aus Deutschland sei in dieser Hinsicht nicht zu rechnen, da e« mit allen Mitteln auf dir Autarkie hinstrebc und seinen noch vorhandenen Weizcnbedarf eher in der llebcrscc decke, wo seine industriellen Interessen liegen. Es müßten die westeuropäischen Staaten sich dazu verstehen, den Deizenüberfchuß der Donaustaaten zu übernehmen und dafür ihre Einfuhr aus der Hebersee ei-nzuschiänkcn. Bezüglich der Wiederbelebung der Wirtschaft vertritt Hodüa natürlich den Standpunkt, daß der Hebel zuerst bei der Landwirtschaft anzusetzen sei, der man es ermöglichen müsse, ihre Ernte finanziell zu mobilisieren. Die Zeit des wirtschaftlichen Liberalismus sei vorüber, da das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage durch die Spekulation zerstört worden sei. Ter alte liberal« Grundsatz, daß der Staat nicht das Recht habe, sich in die Privatwirtschaft zu mischen, müsse fallen. Zur Regelung der Aus. und Einfuhr seien heute Syndikate notwendig, wobei er freilich nicht behaupten wolle, daß die gegenwärtigen Syndikate vollkommen seien. Der Minister kündigt an, daß er an einer Reform der Syndikate arbeitet; die Syndikate sollen nicht nur das Preis- Interesse unserer Defizitfaktoren(Weizen und Mais) wahren, sondern auch das der Ueberschußsaktorcn (Gerste, Roggen, Hafer und Zuckerrübe). Bon den letztgenannten Früchten würden etwa 150.000 Hektar zu viel angcbaut und man müsie hiesür Ersatz f r ü ch t e suchen. Als Ersatz kommen Futtermittel, Grünzeug, Oelsrüchtr, Flachs sowie gestci- garte Viehzucht in Betracht. Um diese Neuorientierung der Landwirrfchast zu ermöglichen und eine gewisse Rentabilität zu sichern, sei auch der landwirtschaftliche Zolltarif nmgcbant worden. Er soll den Anbau der genannten Ersatzfrüchte sowie Ausbau der Milch- und Biehprodüktion sichern. Noch für die Sommrrscssion kündigt der Minister zwei Vorlagen über die Regelung des Pachtzinses»nd über die Hopfen» fignierung an. Zum Schluß betonte er, daß die Landwirtschaft nur aus die Parität mit der Industrie hinarbcite, aber kein Hindernis für internationale Verträge bilden wolle. Namentlich zum Ausbau der Kleinen Wirt- schaftsentcnte wolle sic mit allen Mitteln einen gangbaren Weg finden. FaskifteN'Urteil am Montag. Brünn, 22. Juni. I» der Strafsache gegen K a b s i n e k und Genossen wird daS Urteil am Montag, den 26. Juni l. I., um zehn Uhr verkündet werden. mein« Wenigkeit zum Obmann gewählt. Ich war — ich entsinne mich noch heute jenes dcnbvür- digen Augenblickes zicyilich genau— über diese Wahl so erschrocken, daß ich für den ersten Moment gar kein Wort zu sagen wußte. Natürlich lehnte ich, da ich mich der Aufgabe nicht gewachsen fühlte, unter HiiNveis, daß ja ältere und tüchtigere Genossen da seien— ich war nämlich der Jüngste unter den Mitgliedern des„Soztal- demokratlschen Komitees"— die Wahl dankend ab und eS wurde Josef Krosch als Obmann und Josef Appell als Obmannstcllvertreter gewählt. Wenn ich heute darüber nachdenke, so finde ich immer noch keinen rechten Erklärungsgrunv für diese meine Wahl zum ersten Obmann oeS „Sozialdemokratischen Komitees"; ich ibciß nicht, waS die Leute auf den Gedanken bringen konnte, mich mit einer so hohen Mission zu betrauen. Ich hatte sozusagen doch gar nichts getan, außer daß ich ihnen einmal eine kleine Abhandlung über die Rechte des Volkes und über die Pflichten veS Staates dem Volke gegenüber voraclcsen hatte. Jene Abhandlung, di« wahrscheinlich gar nicht so schlecht gewesen sein mag, ist mir leider abhanden gekommen.— Doch weiter. Unsere Absicht, im„Industriellen Bildungsvcrein" die Inter essen der Arbeiterschaft in_ sozialdemokratischen. Sinne zu wahren, und zu fördern, ließ sich»ich durchführen. Als die Leitung dieses Vereinet cinsah, was wir vorbereiteten, holte sie zu einem Schlage aus. Nach einer Ausschußsitzung, in vc-. der Opposition mit dem Ausschluß gedroht wurvc, kam es zum Bruche. Es hieß also auf anderen: Boden die Fahne der Sozialdemokratie aufzupflanzen. Mr traten aus dem„Industriellen Bildungsvereine" aus und gingen ans Werk, i.. Me Aasäuge. Bon Josef Hannich. Der heut« Neunzigjährig« erzählt in der Broschüre„Erinnerungen', die seinerzeit im Berlage der„Norttböhneischcn Volksstimme" Warnsdorf erschienen ist, folgendes: Im Sommer 1868 brach in Brünn der erste Streik der Tuchweber aus und dieser Streik wirkte in Rcichcnberg nach. Es geschah das Unerwartete, daß sich die leitenden Kopfe der durchaus in zünftlerischcm Fahrwasser dahiusegelndcn Reichenbcrger Tuchknappenbruderschaft dazu ausrafften, für die strci- kendeu Tuchweber in Brünn eine Sammlung von Werkstatt zu Werkstatt durchzuführen. Diese Sammlung wurde allerdings durch das Eingrei- scn einiger Unternehmer auf halbem Wege vereitelt, nichtsdestoweniger war diese Sammlung der erste und glänzende Beweis für das in der Reichenbcrger Arbeiterschaft vorhandene Solida- ritätsbewußtseiu, daß sich später, als die Verfolgung hereinbrach, so mustergültig bewährt hat. Der Sonimer 1868 brachte auch einem Teil der Arbeiterschaft des Reichenbcrger Kessels einen bedeutenden wirtschaftlichen Erfolg und zwar ganz ohne Kampf. In der Fabrik der Firma Johann Liebicg, die bis dahin mit die allerlängste Arbeitszeit hatte— von 6 Uhr fürh bis 8 Uhr abends einschließlich einer einstündigcn Mittagspause— wurde aus eigenem Antriebe, das heißt, in Rücksicht aus das Erwachen der Arbeiterschaft, die Arbeitszeit auf elf Stunden täglich herovgemindert, u. zw. von 6 Uhr früh bis 6 Uhr abends, mit einer Stunde Mittagspause. In dieses Jahr sollt auch die Gründung des «1. 144 Freitag, 28. Juni 1988 /eite 5 Volkswirtschaft und Sozialpolitik Wavtt Euer Anrecht aul llrlauv/ Au den am meisten gefährdeten Errungenschaften der Arbeiterklasse gehört der U r l o n b. Tausende von Arbeiter», besonders aber Hausgehilfinnen und Lehrlinge, werden mit ihn betrogen. Deshalb ft! kurz der wichtigste Teil des Urlaubsgesehes hier wiedergegeben. Das Ge- ketz vom 3. April 192b, Rr. 67, nach welchem der gezahlte Urlaub für Arbeitnehmer sestgelegt wird,«stimmt im 8 1, daß jeder Arbeitnehmer, der in einem ordentlichen ArbeitSverhaltniS steht, nach einjähriger ununterbrochener Verwendung Anspruch auf einen vom Arbeitgeber bezahlten Urlaub hat. Die Unterbrechung der Beschäftigung von weniger als sechs Wochen verlängert die Wartezeit, ohne ste jedoch zu unterbrechen, vorausgeletzt, daß der betreffende Arbeitnehmer in der Zeit des Arbeit-unterbruchs leine andere Arbeitsstelle innehatte. Nach K 2 des UrlaubSgesetzeS hat der Arbeitnehmer nach einer Arbeitsfrist von einem Jahr sechs Tage, nach zehn Jahren sieben Tage und nach fünfzehn Jahren acht Tage im Jahr Urlaubsanspruch. Für daS Ausmaß und den Anspruch deS Urlaubes ist nach 8 3 der 1. Mai, In der Landwirtschaft der 1. November entscheidend. Lehrlinge haben auf Grund des§ 4, nach einhalbiähriger Beschäftigung in der gleichen Lehrstelle, Anspruch auf einen achttägigen Urlaub. DaS Gesetz findet auf Saisonarbeiter, Land- nnd forstwirtschaftliche Arbeiter, die im Taglohn arbeiten, keine Anwendung, ebenso nicht für Arbeitnehmer, deren Urlaubsanspruch durch ein anderes Gesetz geregelt erscheint. So z. B. für die Bediensteten des Staates oder der im öffentlichen Dienste stehenden Arbeitnehmer deren Urlaubsanspruch besonders geregelt wurde. Der Urlaub ist in der Regel in der Zeit vom 1. Mai bis Ende September zu erteilen. Arbeitnehmer, die wahrend ihre» Urlaubes gegen Entgelt für fremde Personett gearbeitet haben, verlieren für die Heft ihres Urlaube« den Anspruch auf Lohnentschadigung. Eine neue Liste aus den Lande der mticriustiz. h. b Der 81 jährige Seemann Heinrich Jt o d) aus Braunschweig war angeklagt, einem Bekannten ein Hakenkreuzavzeichen gestohlen zu haben. Außerdem warf man ihm vor, eine ganze 2amm- luna politischer Abzeichen besessen zu hoben, lliy S.S.-Mann veisüchte am$ März, dem Koch die Abzeichen abzünehmen. Bel diesem Vorhaben kant «» zu einer kleinen Rempelei, in deren verlaui nicht» weiter passierte, als daß der Nazi unter Zu- rücklastung seiner Dtütze flüchtete. Degen dieser Vorfälle hatte sich Koch setzt vor dem Sondergerichr zu verantwort«»». Da» Urteil lautete aus zwei Jahre Gefängnis. Reim Angeklagte au» Holzminden: Schlosser Karl Marquardt, Zimmermann Fritz Bechtel, Holzarbeiter Albert Z a S k a. Arbeiter August Kromb« rg, Stellmacher Ernst Winner” t haben vor allem die 40 FRISCHER Arbeiterschaft vollste» und vor allem aber basIINZIOIimum All» VOLLMILCH IRZKUOT. seid, Erzieher Ernst B r e» n; Arbeiter Hermann Strome»er, Dachderker Hc-rntann König, Glasmacher August und Fritz Koch hatten sich wegen Teilnahme an einer verbotenen Versammlung zu verantworten. Das Gericht unterstellte al» wahr, daß diese Versammlung, an der nur Mitglieder der betreffenden Organisation teilnahmen, zu deut Zinede einberusen war, um einen Beschluß aus Auslösung de» Vereine» zu fassen. Der Staatsanwalt bezeichnete in seiner Anklagerede die Angeklagten bedauernswerte Leute, die auf die Agitation marxistischer Funktionäre hereingefallen seien Trotzdem beantragte er gegen sie Gefängnisstrafen von fünf und sechs Monaten. Das Gericht verurteilte drei der Angeklagten zu sechs und sechs von ihnen zu drei Monaten Gefängnis. Der 40 Fahre alte Kaufmann Wilhelm K l a- g e i aus Eschershausen wurde beschuldigt, Beleidigungen gegen Adolf Hitler ausgestoßen zu haben. Er wurde zu einem Fahr und scch» Monaten Gefängnis verurteilt. halb hat sich der genannte Verband an da» Finanzministerium mit der Bitte gewandt, die erwähnte Sodawassererzeugung unter den gegebene«» Voraussetzungen von der Abgabe zu befreien. Diesem Ansuchen, das auch das Ministerium für soziale Fürsorge unterstützte, wurde dann vom Finanzministerium tatsächlich entsprochen, so daß erwartet werden kann, daß auch andere Glashütten den wirksamen Kamps i gegen de» Alkohol in ihren Betrieben beginnen. Auch viele andere Betriebe haben ihren Angestellten alkoholfreie Getränke zuin Regiepreis oder zit einem niedrigen Einkaufspreis beschafft. In einem Betriebe zur Einrichtung von Zentralheizungen wurde mit dem Einlauf voi» billigen Sodawasser ein hiesür vom Unternehmen besonder» bezahlter Arbeiter betraut. Zur Bekämpfung de« Aikoholismu« tragen die Molkereien durch die Herabsetzung der Preise frfr Milch und andere Erzengnisse in ihren Berkaussstellen bei, die sie in einer großen Kammgarnwäscherei und in einer Baumwollwarensabrik errichtet haben;. die Berkäuseriinten gehen durch die Werkstätten und bieten die Erzeugnisse an,»m de>» Arbeitern den Kauf zu ermöglichen und den Absatz zu erhöhen. Betriebe, die sich um die Verpsiegitng der Arbeiter kümmern, liefern ihnen in die Speiseräume auch billige Koh» lensäuregetränke, die sich einer großen Beliebtheit erfreuen. Zn diesen Betrieben kam eine Lederfabrik, eine Schuhfabrik und eine Fabrik für Tischwäsche mit ihrer neuen Großkantine, wo man den Ange- slellten eine billige Verpflegung und Erfrischung »nit Ausschluß von jedweden alkoholischen Getränkei» gewährt. Desgleichen hat die Arbeiterkantine einer Zutkerraffinerie den Ausschank von alkoholischen Getränken eingestellt, statt dessen bietet sie verschiedene erfrischende Getränke, insbesondere Milch an. ES überall Di« Ter Pressekorrespondenz de» Arbeiter- Abstinentenbundes(Teplitz Schönau) entnehmen wir: Der eben erschienene umfangreiche Bericht der Gewerbeinspektoren für da» Jahr 1031 bringt u. a. wiederum eine Uebersicht über die Bemühungen, die die Gewerbeinspektoren aufwenden, um die Arbelter- schast wenigsten«»vährend der Arbeit vom Alkoholgenuß ferirzuhalten. Tie Arbeit der Gewerbeinspektoren verdient feiten« der Verständnis, Anerkennung Unterstützung. Die Gewerbeinspektoret» Sicherheit der Arbeit zu beaufsichtigen; aber auch die vollendetesten Schutzmaßnahmen könne»» nicht vollständig das Risiko der Arbeit ansschalten. Ei'» großer Anteil an dem Maße der Sicherheit der Arbeit bleibt immer auch dem Arbeiter Vorbehalten, der durch vorsichtige Arbeit zu bereit Erhöhung beitragen muß. Weil der Genuß von Alkohol nach kurzer vorübergehender Auffrischung der Aerve»» deren Schwächung, ja auch Abstuinpsung, die die unerläßliche Vorsicht herabsetzt, verursacht, kann der Alkoholgenuß eilte ernste Gefährdung nicht nur de« betreffenden Arbeiter», sonder» auch seiner Genossen bei der Arbeit verschuldet» Deshalb widmen die Gewerbeinspektoren nach den Weisungen de« Zen- tralgewerbeinfpektorateo dieser Frage eine erhöhte Aufmerksamkeit und unterstützen die Abstinenzbe- strebungen der'Arbeiterschaft'bei her Ausübung ihre« Dienstes. I« den westlichen Länder« unsere» Staate» wenden sich die Bestrebungen der JnspektianS- beamten gegen da» unmäßige Trinken schwacher alkoholischer Getränke, weil e» hier nur wenige Arbeiter gibt, die Schnapstrinker wäre». Sollten die ertoähnten Bestrebungen' Erfolg haben, dann muß allerdingt für die Arbeiterschaft ein ge- kann allerdings nicht behauptet werd?«, daß ein idealer Zustand erreicht wurde, ältere« Arbeiter laste« schwer van den eingewurzelten Gewohnheiten; insbesondere die in der Hitze bei den Oesen in den Glashütten, Ziegelhütten und Grube»» oder in Steinbrüchen. arbeitende»» Arbeite^ geben dem Bier Inder Mehrzahl-he»» Vorzug, aber die unzureichenden Löhne nötigen sie zu einer wesentliche» Einschränkung diese» Genüsse». Insbesondere zeigen dir Berichte au» der Slowakei, daß noch eine andauernde Erziehungsarbeit notwendig sein wird, damit da» gesamte arbeitende Volk zu der Ueberzeugung kommt, daß man auch ohne alkoholische Getränke ganz gut auskommen kann und daß die Entsagung von alkoholischen Getränken nicht mtr eine Geldersparnis bedeutet, sonder« auch eine Stärkung der körperliche« und geistigen Gesundheit eine» jeden Einzelnen, ja auch der künftigen Generationen. Ein Arbeiter an» Achim bei Bremen wurde t wegen Beleidigung Hiners ebenfalls zu ändert-! halb Jahren Gefängnis verurteilt. Der' Dtahthel-mfÜhrcr Kleinschmidt au» Halle, dir in einer Wirtschaft am Biertisch gesagt hatte:„Wie ich früher gegen die Rote Front gekämpft habe, so werde ich zukünftig gegen die Braune Front kämpfen I" bekam für diese Aenhe- rung vier Monate Gefängni». Die Verurteilung erfolgte auf Grund der„Rowerordnung zur Abwehr feindlicher Angriffe auf Volk und Regierung." Der Matrose R. au» Hamburg wurde Im Besitze eine» kommunistischen Flugblattes betroffen. DaS brachte ihm vor den» Hanseatischen Sonderge- richr vier Monate Gefängni» ein. Da» gleiche Gericht verurteilte einen Schiächtergesellen, der sich seine eigenen Gedanken über den Reichstagsbrand gemacht und leider dabei einem Verräter In die Hä»»de gefallen ist, zu neun Monaten iGefängni». Der Kampf gegen den Alkohol in den Betriehen. Aus dem Berldil der Gewerbeinspektoren für du lukr 1991. funde», erfrischende» alkoholfreie» Ersatzgetränk besorgt werden oder wenigsten» die Gelegenheit zum billigen Einkauf solcher Getränke gegeben werden. Aus diese wirksame Art unterstütze»» einige weitere Betriebe die aikoholgegnerische Tätigkeit. Die Verwaltung einer Glashütte gewährte ihrer Arbeiterschaft unentgeltlich Sodawaster oder Trinstvasser mit Kohlensäure gesättigt, da« al« Getränk sehr erfrischend wirkt. Zum Einkaufspreise verkaufen den Angestellten Sodawasser und Limonade»» eine Seifenfabrik, eine Handschuhsabrik und eine Gasanstalt, in der der Konsum dieser Getränke in» verflossene»» Jahre 82.000 Flaschen betrug. Zn diesen Betrieben gesellt sich eine Kunstseidensabrlk, wo im Jahre 1981 an die 120.000 Flaschen Limonade konsumiert wurden und auch ein Ziegeleiunternehmen, da» für seine Arbeiter in» Sommer eine Limonadenerzeugung eingerichtet hat und einen solchen Ersolg damit erzielte, daß die Arbeiterschaft schon nach kurzer Zeit den alten Brauch, bei der Arbeit Bier zu trinken, aufgab; in der ersten Saison wurden ungefähr 10.000 Flaschen ausgegeben. Nach den sehr guten Erfahrungen in einer großen Fabrik für Preßglas hat der Unternehmerverband der Glasindustriellen ans Anregung de» Gewerbeinspektorate» in Teplitz- Schönau auch seinen übrigen Mitgliederftrmei» empfohlen, de« bei den Lese« arbeitende« Arbeitern Soda- wasser zu verabreichen» da» sie sich durch bloße» Einlasten von Kohlensäure in» Wasser zubereiten können. Zwei weitere Glashütten haben sich darnach dementsprechend eingerichtet, aber die Borschreibung der Aetränkesteuer in einer Bemessung von 8 Heller für 1 Liter diese» schwachen Sodawaster», da» der Arbeiterschaft in offenen Gefäßen zugetragen wird, hat die gute Ab- sicht der Unternehmer ernstlich bedroht, da die Betränkesteuer höher war als der GestehungSprei», für den e» der Arbeiterschaft überlasten wurde. De»- „Lulu“ Die Zusammenfassung der beiden Lulu-Tragödien Frank Wedekind» hat olle» in allem mehr Nachteile al» Vorteile. Die notwendigen Kürzungen bringen den Dialog um manche Feinheit, dichterische Werte gehen verloren, ohne daß dramatische guwüchfen. Denn die Häufung der krasten Szenen, die rasche Folge der Morde und Selbstmorde, steigert keineswegs die Tragik, sondern biegt sie eher int Groteske ob. Da» Publikum hat im Grm»de nach dem vierten Akt„Erdgeist" genug de« Grauen» und nun hebt et von neuem an, um Im dritten Akt der„Büchse der Pandora' das ganze Inferno mit einein giganti. schei». siebenten Höllenring zu krönen. Will man endlich mit der— allerdings sehr spät und in» Rückblick nach vielen Jahren kundgegebenen— Analyse de« Dichter» in der„Büchse der Pandora" nicht eigentlich eine' Tragödie Lulu», sondern di« der Gräfin Geschwitz sehen, so fehlt vollend» der innere dramatische Zusammeichong zwischen den beiden Tragödien. Tatsächlich wird auch keine Ausführung den Bruch wegtäuschen können, der zwischen beiden besteht. Für die Darstellerin der Lulu ist er am schwersten zu überbrücken. Trotz allen», wa» gegen die Zusammenfassung spricht, ist sie aber doch mehr als bloße Laune eine» Regisseurs. Sie stellt den Versuch dar, die Lulu- Tragödien al» einheitliches Ideendrama zu spielen, der übermächtigen Entfaltung de» Natur« wesen»„Weib" lm„Erdgeist" den Abstieg folgen zu lasten, die Bändigung des wilde»» Element« durch die„moralisch" und.geistig" überlegene»» Zuhälter bi» zum symbolischen Lustmord, durch den sich die ganze Mannheit an dem stärkeren Wesen rächt. Kein Dramatiker seit Schiller ha» die Schaubühne in dem Maße wie Frank Wedekind als moralische Anstalt, al» Tribüne des Führers, Richter» und Propheten betrachtet. Darauf kann sich zu ihrer Rechtfertigung jede Bühne berufen, die das Experiment der Vereiuiguitg der Lulu-Dran»en zu einer fiebenaktigen Schauerballade anstellt. Für die hier zur Diskussion stehende Prager Aufführung gibt es darüber hinaus noch die Rech t- f« rt Ig u n g de r Aktualität eine« moralischen und ideellen Dramas wie es„Lulu' in der Monstre- fastyng Otto Falkenberg» ist. Aber da« bedarf einer Erklärung. Aktuell? wird man fragen— wo» ist an den Dramen, die au» der Fin de fidele-Stim- mung der neunziger Jahre geboren wurde, denn heute amw 08 aktuell? Mag fein, daß unsere Cpock>e und ihre Probleme noch von anderer Seite und in anderer Art zu fassen, drainatisch zu gestalten wären. E« ist aber ein Faktum, daß e« neben einigen kindi» schen Versuchen aus der Blütezeit de« Expression!»- mu« nur einige, von dem Theater, von der Dramaturgie, von der Kritik mißverstandene, nicht verstandene ok-er lxwußt abgelehnte Zeltdramen gibt; zu ihnen zählen die Dramen von Karl Krau«. Wa« sich aber programntalifch al« Zeitstück gab, do« war in 99 von>00 Fälle»» ein photographischer Abklatsch der Zeitgeschichte ohne sittliihe Tendenz, naturalistische Technik ohne die Leidenschaft zur Wahrheit, die den Naturalismus um 1890 beseelte, Dramatik Im moralischen Formal der DerfallSära, die der literarischen Revolution u»»d dem Siegeszug des fungen Gerhart Hanptmaitn vorausgegangen war. Wedekind und Strindberg waren die letzten großen Dramatiker, die wir noch Zeitgenossen nennen können, deren Werk die Zeit nicht wie eine aufzuklappende Ansichtskarte al- Panorama spiegelt, sondern die Aeburlsnrehcn und TodeSkrämPse der werdenden und der sterbenden Epoche auf die Bühne bringt. Tarnni ist Wedekind vor allem aktuell. Doch auch>n anderem, engerem Sinne ist er e«. Was sich vor unseren Augen In dieser Zeit abspielt, ist der Triumph eben jener männlichen Erbärmlichkeiten, di« Wedekind nm den Erdgeist Lulu gruppiert hat. Wer Symbole schätzt, die sich wie Buller auf« Brot streichen lassen, wird da» kaum wahr haben wollen Wer dichterische Symbole auch dann versteht, weint sie nichi gerade handgreiflich sind, wird die Moral der Rodrigo Ouast und der Castl Plan! unschwer in der Gesinnung dt« deutschen FalciSmu« wiedererkennen. Der Mann, al» der Tröger der bürgerlichen Gesellschaft(in der sede Frauenemanzipation Komödie und bloße Vermännlichung, also Degeneration der Frau bleiben muß), hat sich, so wie es Wedekind vor mehr al« dreißig Jahren vor- aussah, zum widerlichen Zuhältertyp entwickelt, dessen schäbige Erprcsserpraktiken, dessen. brutale Gewaltmethoden und dessen schmutzige Häudlermoral das Leben in seiner ganzen Tiefe verseuchen. So entmenscht al» diese Mannheit ist, die heute über Deutschland wütet, so krank an Sadismus und Per- versität, konnte sie nur werden,»veil ihr vordem alle Wurzeln, die noch int Erdreich der mütterlichen Natur saßen, äbgesault waren ES Ist die tiefste Tragödie des bürgerlichen Menschen, daß er sich von der Naiur weg und zum Gelde hin entwickelt, daß ihm der Lebensborn versiegt, daß alle« an ihm Lüge wird, Mut zur Feigheit, Geist zum Gauner- tritt, Willen zur stupide»» Tyrannei»verden. Gegen diese Ungeheuer stand Natur in Gestalt det erdnahen Weibe», des„wilden schöne»» Tier»" der Lulutragödie auf. Der Kuppler Schön, der Spießbürger Schwarz, der besitzivütige Goll, der Kavaliersreigen au» dem zweiten Teil sodann— das sind die Marke Mann, die heut« Deutschland erneuert und die Welt an ihrem Wesen krepieren machen will. Darum i st Wedekind aktuell, der aktuellste Dramatiker, der heute»Iber deutsche Bühnen gehen kann. * Der Gastregisteur Julius Gellner hat einen Weg zwischen der Grauenhaftigkeit der sieben Akte Mord und Vernichtung einerseits und der Gefahr der Berwästerung aus der andere»» Seit« gesucht und, so gut da» eben geht, gefunden. Er schiebt zwischen die?lkte Musik und Bildprofeklionen ein. Ein wenig an di« Manier der Dreigroschenoper erinnernd, entsteht so eine dramatisch« Revu« mit Atempausen putschen den beklemmei»den Szenen, ohne daß der Faden ztvischen ihnen abrisse. Auch die Allgemeingültigkeit wird betont, der Private Charakter der tragischen Handlung geschickt negiert. Wem» zwischen Lnlus Flucht und der Szene in Paris Holzschnitte von Masereel auf der Projektionsfläche erscheinen, wenn die Szene überhaupt In den größeren Rahmen«ine» Stadtbildes gestellt wird, so gewinnt di« Vorstellung Raum, daß hier nicht ein Kriminalfall, sondern eine Geßellschaftslragödse großen Stil» agiert wird. Daß die Inszenierung da« nackte Grauen zu mindern vermochte, werden jene Besucher bestätigen können, dl« sich noch der Aufführung in der Kleinen Bühne erinnern, die durch die ungegliedert« Ouantität de» Schreckens niederschmetternd wirkte, statt reinigend und läuternd. On einzelnen Zwischenakten wurden von der Laufbrück« oberhalb der Szene Wedekindsche Chansons gesungen. Auch da» wirkt« auflockernd und wie» zugleich in» Weite de» Symboldramat. An den Leistutrgen jedes einzelnen Schauspieler« merkt« man die Arbeit des Registeurt, de» ersten wirklich di« Szene beherrschende», Regisseurs, den wir »ach vielen Jahren In Prag wieder am Werk sehen. Da« ist kein Jnnendekorateur, der seine Aufgabe darin erschöpft sieht, daß er Zahl und Position der Stühle im S^nenraum bestimmt. Gellner formt dl« Figuren nach seinem Willen und weiß sich dabei die Eigenart und Begabung de» einzelnen Darsteller» zunutze zu machen. Herrn D a l k hat man noch«i«— auch i« einem schönen Nathan nicht— so das Format der Roll« füllend gesehen wie al» Dr. Schön. D'e drei Phasen der Charakterentwicklung: den.Herrenmenschen im ersten und ztveiten Akt, den inneren Zusammenbruch im dritten, den Wahirsinn im letzten, zeichnete er mit volle»,deter Klarheit. Auch als Jack hatte er die Dämonie des rächenden Manne», teilt« er das Untier de« männliche» LnstmörderS dem Tier Lulu scharf gegenüber. RöSnerS Rodrigo übertrifft feine frühere Fastung derselben Gestalt bei»veitenr. HarprechtS Goll war erschreckend echt, Musil- Schwarz vertrüge noch«inen letzten Schliff, war aber immerhin«in gesormter Typus. S i r ö h l i n bringt für den weichen, zwischen Intellekt und Sentiment unglücklich im leeren Raum der Phantasie Hangenden Aiwa alles mit, wa» die Erscheinung glaubhaft macht. An Sprachdentlichkeit ließ er manchmal zu wünschen übrig. Al» Lulu sah man Rut Jacobsen. Eine blonde Lulu, überzeugend im Erdgeist, ost hinreißend in der ki»»dlichen Lasterhaftigkeit, di« dem Idealbild des Dichters nnzweiselhaft ganz nah« kommt. In der „Büchse der Pandora" getvann Rnt Jacobsen erst im Gespräch mit Jack, das dem blutigen End« unmittelbar vorangehl, den kindlichen Ton der Lu>« toieder. Daß raffinier!« Kostüme und im Spiel manche auf Wirkung berechnete Pose zun» Erfolg« mithalfen, macht ihn nicht kleiner. Ein« ganz große Leistung war Renners Schigolch. Er ließ die Verwandtschaft zwischen Dedekind und Shakespeare deutlich werden, so sehr war er«tn realistisches Gespenst, rauchgeborner Schatte»» mit Humor, der als rätselhaftes Wasen des Zwischenreichs über die Szene stelzt, niemals den andern gleich, immer fremdartig und der Uebergang zu Lulu» Sphäre, Padlesak, Richling, Taub, Jantsich, Demel sind lobend zu nennen. Daß den Juden Puntschuh gerade.Herr Stadler spielen muß, ist durch nicht- begründet. Die Geschwitz des Frl. Motz war ein Interessantes Experiment. Die Domen Relchlin, Warnholtz, Molnar(Magelone), Hornig füllte»» die Pariser Szene sinngerecht und zweckentsprechend au». Die Bühnenbilder von Han« Bürge r, die Musik von Frank Pollak verdienen volle» Lob. Der Abend war«In großer Erfolg; er bowiei, daß sich aus dem Schauspiel allerhand mache»» läßt, wenn eine Führung da ist, wie"wir si« jahrelang vergeblich gefordert haben. Emil Franzel. Seit«« Freitag, 28. Avni 1888 ftt. nm PBAOEB»E1TBMO. T» Auszahlung der staatlichen Studienunterstützung«« für den Monat Juni an die Hörer der deutschen Hochschulen in Prag erfolgt ab 22. Juni 1933 in der Kanzlei der Deutschen Studentcnsürsorge, Prag II., Krakovskä 16. Die Au-zahlung an die auf Exkursionen oder in wissenschaftlicher Praxis außerhalb Prags weilenden deutschen Hochschüler erfolgt im Monate Oktober. Tie Zusendung durch die Post ist nicht möglich. Geriditssaal Liebe und Geld. Eine Geschichte vom zerrissenen Hunderter. Prag, 22. Juni. Vor dem Bezirksrichtcr Dr. Beck war die ISjährig« Julie M. der lieber- rreiung des Diebstahls angeklagt. Der Sachverhalt ist einigermaßen Heckel. Der Hauptzeuge, ein nicht viel älterer Kestner, schildert den Hergang folgendermaßen: Er sei an einem freien Tag im Mai in den frühen Abendstun- den in cinein Park spazierengegangrn, wobei ihm die'Angeklagte begegnet« und ihm auf den ersten Blick außerordentlich gefiel. Er sei Ihr nachgegangen und sic habe seine Aufmerksamkeitcn zwar gern, aber doch mit einiger Zurückhaltung ausgenommen. („Hali wie«in anständiges Mädel.") Er sprach sie en, sie gingen spazieren. unterhielten sich immer besser'und besser, wurden sich von Minute zu Minute sympathischer und schließlich endet« di« zusällige Begegnung im Hotel. Als man aufbrach, verlangt« das zurückhaltend« Mädchen mit geschäftlicher Sachlichkeit fünfzig Kronen. Ter Zeuge sei wie aus den Wollen gefallen gewesen Er hab« fest geglaubt, es handle sich hier um Liebe und nicht um Geld. Bis zum letzten Moment habe sich seine Partnerin ganz so benommen„wie. ein anständiges Mädel".(Darauf kam er immer wieder zurück.) Er lehnt« di« Ent- lohnui'.g wiederholt und sehr entschieden ab. Als sie aber aus ihrer Forderung bestand, zog«r sein« Brieflaich« und^igie ihr, daß er nur«inen Hunderter bei sich habe und den werde er ihr nicht gebeir. Das Mädel verlor sein« Ruhe nicht. Sie nahm ihm den Hunderter aus der Hand, zerriß ihn sorgsam in zwei Hälften, gab dem sprachlosen Galan, di« eine zurück, sagt«„Gute Nacht" und ging. Der cnttäuschlr Liebhaber holte die Polizei. Bor Gericht verantwortete sich di« wirklich äußerst netl ausschcnde Angeklagte mit Ruhe und Zichrrhcil. Bon Diebstahl könil« doch keine Rede sein. Sie habe sich nur genommen, war ihr zu- komme. Eiiren Schaden erleid« der Zeuge also nicht. «Bekanntlich löst die Nationalbank Teil« von zerrissenen Aolcn ein.) Uebrigens leb« sie nun einmal von ihrem Gewerbe und wenn sich jeder Kunde darauf ausreden wollte, er habe geglaubt, es Handl« sich um uneigennützig« Liebe, müßte sie bald Hungers sterben. Das Gericht fand tatsächlich dir Schuld der Angeklagten nicht als erwiesen und sprach sie frei. rd- SSdleelrrsnlanerln oder Indianer!«. Ein« sonderbare UrheberrechtSIlag«. Prag, 22. Juni. Der tschechische Weltreisend« A. V. F r i L hat gegen den Verlag„M e l a n t r i ch" bezw. gegen.zkvei Funktionär« dieses Unternehmens eine merkwürdige Klage wegen Verletzung des Urheberrechtes eingebracht, über die heut« unter Vorsitz des OGR. Kryötufek verhandelt wurde. Ter Kläger behauptet, er habe dem Verlag aut dem von seinen Reisen mitgebrachten Photograph!- scheu Material 60 Bilder zum Abdruck überlassen, unter der ausdrücklichen Bedingung, daß dies« lediglich ln dem bei„Melantrich" verlegten Werk von St. K. Neumann„Die Geschichte der Frau" verwendet werden dürsten. Später habe Kläger fest- gestellt, daß eines dieser Bilder— die Photographie einer bolivianischen Indianerin— ohne sein« Zustimmullg und natürlich auch ohne Honorierung in der vom gleichen Verlag heraütgrgebenen Frauenzeitschrift„H v ö z d a" erschienen sei, aber nicht als Bild einer südamerikanischen Eingeborenen, sondern unter der irresührenden Bezeichnung einer„Frau von der Süds««, insel Tahiti". Außerdem habe man das Bild durch Retouchen unkenntlich zu machen Versuchti verschieden« Zieraten hinzugefügt u. dgl. Demgemäß erschienen als Beklag!« die Chefredak- :«urln der„HvLzda", Hana Novak, und der Ber- 'gsbeamte Rudolf Opitz vor Gericht. Zu einer eigentlichen Verhandlung kam es heute icht. Es zeigt«'sich, daß dieser Fall noch in anderer Richtung die Gerichte beschäftigt. Es schweben Zivil- l lagen und Strafanzeigen. Die Versuche, den ganzen Komplex von Ansprüchen und Strafanträgen durch«inen en-bloc-Vergleich aus der. Welt zu scha sen, scheiterten. Di« beklagt« Partei erklärt«, al' der gerichtlichen. Austragung der. gegenwärtigen Strafsache zu bestehen; der Kläger war ebenso hart- nackig. Bei. all.dem ist nicht zu vergessen, daß Friii, nicht allzuweit zu den Kreisen.um Slkibrny hat und daher von vornherein dem Verlag Melantrich kein« sonderlichen Sympathien entgegenbringt. Der vor- läusig noch ganz.ungeklärt« Fall wurde vertagt. rb. Kunst und Wissen Dle Entwicklung des Theaters in Sowletruhland. 'In diesen Tagen wurde die„Woche des Sow j«l. T he a> c r s" abgeschlossen, die von der Gesellschaft„Jnturisi" für ausländische Besucher veranstaltet wurde. Es war die erste Veranstaltung dieser Art in der Sowjetunion. lieber das'Anwachsen des Thcäterwcsens der Sowjetunion in den Jahren nach der Revolution gab ein« Konscrenz der Besucher mit dem Vorsitzenden des„Gewerkschaftsbundes der„Kunitarbeitcr". Bojarski, ein anschauliches Bild. Bojarski gab einig« charakteristische Zahlen an. aus denen bervorgebt daß vor der Revolution in Rußland 1.'»t Berufsihcatcr bestanden; in Volkshäuscrn waren 157 Theaterbühnen, in Klubs 331 Bühnen. Gegenwärtig bestehen in der Sowjetunion 619 Bcriifsthealer, 4150 Klubs mit Theater bühnen. 1020„Häuser der sozialistischen Kultur" (eine neue Klnbari, die ebensalls Thcalerbühnen besitzt) sowie 8000 Torsklubs und über 35.000 Leseballen, in denen von Zeit zu Zeit Schauspieler- Tournees ans den Städten Gastspiele geben. Während im Jahr« 1927 in den Theatern der Sowjetunion 66 Prozent der Plätze verkauft wurden, stieg diese Zisfer in den letzten Jahren auf 95 Prozent und di« größten Bühnen der Hau-ptstädt« In der Tmvjetunion spielen gewöhnlich vor ausverkaüfleü Häusern. K i n d« r- T h e a i e r gibt es• in der Sowjetunion bereits 62. Tie Theater für die nationalen Völkerschasicn der Sowjetunion spielen in über 50 Sprachen. Im Reuen Deutschen Gastspieltheater fand Mittwoch ein von Viktor Barnowsky geleitetes Berliner Ensemble mit„Ich weißetwaS. was du nicht weißt"(Lustspiel von Paul Osborn) sehr begreiflicher Weise ein« Ausnahme von bedeutenderer Kühle, als sie die meisten diesjährigen Juni-Abende atmen. Möglich, daß ein angelsächsisches Publikum sich von den Milieu-Zeichnungen und Jnngfernschaftsproblemen solcher Art „Gesellschastsstückr" unterhalten läßt— uns«rschei- Ktnderfreunde Vrag. Heut« um 6 Uhr abends im„SojioL demokrat" A u« s ch u ßs i tz n n g. nen sie als abgeschmackt. Bei einigen Tiefpunkten der.Handlung", auf di« cinzugehen unS die Laune genommen wurde, glaubte man, die Gefahr lauter Mißfallensäußerungen heranrücken zu fühlen; si« wurde in der Hauptsache nur gebannt durch die große darstellerische Persönlichkeit Rosa Valetti s, einer Art preußisizlerter Hansi Nies«; diese Künstlerin schus mit einer halbhysterischen, ältlichen, urkomisch zerstreuten, von blamablem Unwissen trotzenden, musterhaft vergeßlichen Ehefrau eine lebensvoll« Figur, die«Inen immer vergnügt lächeln, manchmal herzlich lachen ließ. DaS Ist allerhand, in Ansehn dieser blutleeren Koniödie und der übrigen, großleils anämischen Darstellerschaft, innerhalb deren weder der Gall«(Hermann Valentin) noch di« Tochter der Baletti, Lisl, den hanebüchenen Uitfinn der Verwicklungen erträglicher machen konnte. DaS- clbe gilt sür den wiederholt gewürdigten Theodor G r i e g, der sich mit Wärme und vornehmer Reserviertheit opferte.— Tas leere Hans dürfte ja der Direktion ausgefallen sein. Ich weiß etwas, waS sie nicht weiß: das Publikum versteht nicht recht, weshalb ihm in der Fülle der Gastspiele solcher Schmarren vorgesetzt wird. 1 g. Orchefterkonzert der Deutschen Mustkakademi«. Bei diesem Konzert« präsentiert« di« Prager Deutsche Musikakadeniie ihre beste» Talente, uni ihnen vor der Oessentlichkeit das Zeugnis der künstlerischen Reis« zu geben. Tas Programm des Konzertes war dab«i nicht nur mustergültig, sondern auch künstlerisch genußreich. In W. A. Mozarts von blühendem Melodien- und Klangreichtum erfüllten Klavierkonzert in A-Dnr zeigt« sich Gerta Reick als Pianistin von bedenteiidein Können, die sowohl den technischen Anforderungen des schönen Konzertes mit der erforderlichen spielerischen Leichtigkeit gerecht wurde, als auch Mozarts inniganmutig« Tnnsprache stil- und auSdruckSklar zu interpretieren verstand. Als Geiger von Format, der schönen, großen Ton, saubere T«ck)nik und Gefühl besitzt, erwies sich Norbert Hofmann, dem Beethovens wundervoller Violinkonzert als Reiseprüsungsausgabe zugefallen war. Auch einen ausgezeichneten, technisch bedeutenden und vorträgS- festen jungen H a r s« n k ü n st l« r hörte man, den Absolventen. Alfred.Krause, der, D e b u s s y s klangapart« Tänze sür Harfe und Orchester als wirksames-VortragSstück gewählt hatte.-In einer rein solistischen Nummer sür Klavier—der großen H- M oll- S o n a t« von Liszt— hatte Kurt Behr Gelegenheit, vor allem außerordentliches technisches Können und differenziert« Klang, und An- schlagükunst zn zeigen. Daß der begabte Künstler an diesem Abend auch als gewandter Dirigent auf den Plans trat— er dirigierte die Instrumental« Begleitmusik zum Mozart-Konzert—, beweist seine außerordentliche Musikalität. Noch' ein ziselier Absolvent der K a p e l l m e i st e r f ch u l e versuchte sich: Ernst Brabe.c> der di« Begleitmusik zu den Tänzen Debussys rhythmisch wirksam und dynamisch lchän abgetönt besorgte. Dirigent der Begleitmusik zum Diolinlonzert Beethovens war Pros. Franz Langer, der ständig« Leiter der O r ch e st e r- klasse dessen Fürsorge mW Tüchtigkeit«S zu danken ist. daß sich das A l a d e m i e- O r ch e st e r zu einem disziplinierten und klangausgeglichenen Orche- sterkörpcr entwickelt hat, der auch schwierigen Aufgaben vollkommen gewachsen ist. E. J. Wochenspirlpkan des Reuen Deutschen Theaters. Freitag, halb 8 Uhr:„L u l u"(D 2).— Samstag, halb 8 Uhr:„Gasparon c", Gastspiel S kc za k, Stur m(A. A). Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Freitag, 8 Uhr:„Höchste Eisenbahn".— Samstag, 8 Uhr:„H ö ch st e E i s e n b a h n". Svm*Spiel• Körpemlleiie Dle Versumpfung der österreichischen Fußballvrofessionattsmus. Mit Ach und Krach würbe die Wiener Profcfsio- nalsußballmeisterschafl zu Ende geführt. Schon seit Jahren ist man es gewöhnt, daß im letzten Drittel -er Meisterschaft vo» den sogenannten„Uninteressierten", also von jenen Vereinen, die weder di« Meisterschaft gewinnen können noch in Abstiegsgefahr sind, nicht mehr mit voller Kraft gekämpft und ein bischen„largiert" wird. So arg aber wie Heuer ist rS noch nie' getrieben worden. Man dars ohne jede Uebcrtreibung sagen, daß beiläufig ein Dutzend Meisterschaftsspiele der allerletzten Wochen ein völlig irreguläres Resultat gebracht haben. So andauernd„Außen- eitersiege" hat es in der Wiener Fußballmeister- chast noch nie gegeben. Alle dir großen Kanonen waren wie auf Kommando Plötzlich„außer Form", während die Todgeweihten aus den unteren Regionen auf einmal ungeahnte Riesenkräfte entwik- kclten..Zum Glück verteilte sich der Segen so gleichmäßig auf alle Abstiegskandidaten, daß am Ende schließlich doch ein gerechtes Ergebnis herauS- kam; obst eigen muß der Verein, dessen bloße Noch- Existenz schon eine Beleidigung für jeden geordneten Sportbctrieb war. Eine ärgere Karikatur des Berufssportes kann es Wohl nicht mehr gebe», als es dieser Brigittcnauer A C. war, bei dem alles schon verhungert und verpfändet war, nur nicht sein„Eigentumsrecht" an den armen, Son Woche zu Woche um ihren Verdienst geprellten Spielern, und noch zu guter Letzt hätte dieser lebendige Leichnam beinahe noch'die- tragikomische Situation herbei- geführt, als R eprä-ße-nt an t des hochberühmten österreichischen„WundcrsußballS" in' die Kämpfe um den Mitropacup einzilzichcn. Freilich, auch in diesem Fall war schon für eine Schiebung gesorgt: Ter Brigittcnauer'AC. hätte sich die Geschichte— abkau sen lassen! Deutlicher hätte man. den Vcrfallprozeß, in den der österreichische FußballprofessionaliSmuS seit den Tagen der Glanzsiege über die besten Teams der Welt geraten ist, gar nicht dokumentieren können. Nun denkt man über Reformen nach, um der Wiederholung so blamabler Dinge, wie sie das Frühjahr gebracht hat, auS dem Wege zu gehen. Man will die Anzahl der Mitropacupteilnehmer aus drei erhöhen: teilnahmebercchtigt sollen fortan der erste und zweite der Meisterschaft und ferner der Sieger eines Qualifikationsturniers sein, an dem sich der Cupsiegcr und der Dritte, Vierte und Fünfte der Meisterschaft zu beteiligen hätten. Dadurch würde hinwiederum die Cupkonkurrenz beträchtlich entwertet werde», und, um diese nicht allzusehr zu schädigen, müßte man allenfalls dazu übergehen— nach dem System der Tennisturniere —, die vier chanccnreichsten Anwärter des.Cups zu „setzen", so daß das lächerliche Risiko eines Cup- finalcS, wie es Heuer eines gegeben hat, dach wesentlich reduziert würde. Aber welche Reformen immer die-Herren durchführen mögen; dir erschütterte Wirtschaftskraft hat auch die Sportmoral außerordentlich erschüttert. In Zeiten der wirt- schaftlichcn Not fallen Massen von Zuschauern ab. Kommt dazu noch eine Verfälschung des Sportbetriebes, wie sic die Schlußphase der heurigen Meisterschaft zweifellos mit sich gebracht hat, kommt also noch der Zweifel an der Reclli tät des sportlichen Kampfes hinzu, so wird der Wiener Profcssionalfußballsport diesen Schlag nicht so leicht überwinden. Der Film Das Stadeatenhotel« Der französische Film des Regisseurs Tour- j a n s k y ist eine in manche» Details zwar gemil- derte, aber doch ganz klare Kopie echt dcutschstäm- miger Rührstücke über die Schönheiten der bestehenden Gesellschaft und die Gerechtigkeit, mit der etwa das Schwangerschaftsproblem gelöst zu lvcrdc» pflegt. Ma» spricht vor allem(wenn auch fran- zösisch!) im Stil solider Mädchcnsortbildungsschnlrn: daß die Frau leiden und auch sonst noch arbeiten Müsse, daß der Mann, zwar leichtsinnig, aber zum Schluß doch edel und gut sei und daß überhaupt die dienende Stellung der Frau, ihre rettungslose Versklavung gar- nicht einer Gesellschaftsordnung zur Last zu schreiben wäre, die eben in der willen- »uh urteilslosen Unterordnung und Unterdrückung ihr« wesentlichsten Merkmale dokumentiert, sondern SozlalisnsAe Innern!, Kreis Prag. Heute um 8 Uhr abends im Heim der 2. Gruppe(Odboropy d»m) 2 Funktionär-Appell. Programm: 1. Berichte über di« I. Ar. beitsrtappr. 2. Reu« Airsgaprn. Es haben sich sämtliche Funktionär« der Gruppen und i er Kre-slci:ung zu beteiligen. Vorher uni!>7 Uhr: Kreisleitung. Sitzung; um 7 Uhr: Kassier,Be. sprechnng(für sämtliche.Kassiere und Snbkafjiere der Gruppe» und des Kreises). Di« Kreisleitung. sozusagen vom Himmel aus Erden gefallen ist. Um Keses edle Ziel zu erreichen, muß die Milde auch über die Landschaft walten: deshalb singt man erfolgreich im Freien und baut'sich dieses Freie ins 'Atelier, wo cs dann herrliche Momente am ruhigen Weiher mit. einer Frau, einem Geliebte»- und einem deshalb trauernden Kameraden zu photographieren- gibt.. Tas tolle Geschehen dreht sich um eine Werkstudentin, die aber im Kino arbeitet, um tagsüber zu schuften: sic liebt dann urplötzlich einen jener reiche» Jungmannen, von denen uns aus dem deutsche» Film ganz einwandfrei bekannt ist, daß. sic mittellose Mädchen zu ehelichen pflegen und der französische Film ist Insofern freier, als er. wenigstens die Schwängerung vor der Ehe zu behaupten wagt. Ter Regisseur ist leider ganz im Kitsch versunken: seine früheren Werke waren viel bester, nach Prag soll er bald kommen, um einen Film mit dem Mongolen Jnkischosf(bekannt aus„Sturm über Asien") zu drehen. Technisch sehr gut gelungen ist der Filmansang, wo ein Durchschnitt durch dar Studentenheim gezeigt wird. Lisette Lanvin ist in der Hauptrolle etwas farbloS: der deutsche Film hat in der(Karin Hardt eiire glaubhaftere Repräsentantin oben aufgezeigter echt bürgerlicher Sentimentalität). Um sic drehen und raufen sich zwei nette Jungen: Casadesius und Galle. Der Gesamleindruck ist recht dürftig, besonder- wenn man bedenkt, daß hier deutsche- Stndentenidyllc kopiert wurde. Auch die Musik ist bis aus ein Lied schwach. Ter als Beiprogramm laufende Ufa-Fabr- silm von Sanssouci überrascht unS nicht mehr. W. L. V er einstig dir iditen Arbelter-Turn- and Sportverein Prag Kolin-Fahrer, Achtung! Di« Abfahrt nach Kolin erfolgt Sonntag früh um 7 Uhr vom Masarykbahnhof.'Aste Teilnehmer haben p ü n k t- l i ch um X7 Uhr in der Abfahrtshall« gestellt zu sein. Der Fahrpreis(hin und zurück) beträgt 28.50 As. Mc Rückfahrt nach Prag erfolgt um 18.45 Uhr, Ankunft in Prag 80.38 Uhr. Aul zum Kindertag! Der Kindertag findet am Sonntag, den 28. Juni, auf dem Sportplatz der DTJ. Po» hotelec unter dem Mott»„Ein Nachmittag im Zeltlager" statt. Unser« „Roten Falken", die schon am Samstag den Platz beziehen und ein Probezeltlager er- richten, werde« Probe« ihrer Arbeit geb«». Wir trefsen uns aus dem bezeichneten Platz nachmittag» um 143 Uhr. Kinder erhalten ein« Jause. Alle unsere Genossinnen«ad Genossen und Freund« unserer Arbeit sind herzlichst eingelad«». Arbeiterverein Kindersreunde, Ortsgruppe Prag. Wran-Urania-Klno„ tlniiiK«r<«dian>187 UDOTY DU 1*1 (Qen. Wiateeflsn A>a»atfra* Konzert. PRAG■!., I b»,eteofrM<«■*.— Ckafilkatt.It: BlQvIm_ nrccausottlltat Nedukkeur' Dl. Berit vrdH.— Dr»«-. JM«•»r Bettung, und«uchdru-k«tag.—(Jüt»•«»eraMwoMcht Otto V-Itr. u- in jAjss: