Rvzelprels 70 Heller, csinschließlich k Heller Porto» (— Erscheint mit Ausnahme de« Montag tügiich früh. MWoNtoau.»«lWaNl«ll: vmg U.NU^zanIo IS» r-Uvd.: 2»7S,. 314»s. BaQttttalt.(aS 31 u»r) i sMM ♦PoM<®Mowt:375M 13. Jahrgang. Samstag, 24 Juni. 1933 Rr 147. Deutsche Geheimrüstungen. Massenherstellung verbotener Waffen. Aus Berlin wird uns geschrieben: Kaum war die Hitlcrrcgicrunq ani Ruder, als bereits im Fcbcr d. Z. der neugejchafstne Luftfahrtminister— cs ist der Göring— 50 Millionen'Start den Bayerischen Motorenwerken, BMW, zur Herstellung von Serien-Flugzeugmotoren .zuweudetL. Auch die Großfirmen Rohrdach, Hentzschel und Söbne-Äasscl und Argns-Berlin- Reiniekendorf erhielten große Aufträge. Uebrrall wurde die Arbeilerzabl vermehrt, zum Teil sogar neue Fabrikat!,'nsgebäude errichtet, strengste Gc- heimhaltung ist überall vorgefchriebeii und wird rigoros überwacht. Be: Hentzschel wird u. a. nach dem neuen Patent»Dassel 85" gearbeitet, bei Argus ein neuartiger Einsitzer tzergcst.llt. Die deutsche BcrkehrSsliegerei bat neben ihren im Betrieb stehenden Maschinen eine große Anzahl in Reserve, die natürlich sofort in Dienst gestellt werden können. sic alle können leicht und rasch in Kriegsslugzeuge umgewandelk werden. Tie„Ausstattung" mit Maschinengewehren und Bomben ist vorbereitet. Die Bestandteile der neuen Sericnfiugzongc werden gesondert ausb.'wahrt, um die starke Vermehrung des deutschen Flugzcngbestandttz nicht erkennbar zu machen; die Zustnumensetzung kann im geeigneten Moment„klaglos" besorgt werden. Ein« ganze Reihe neuer Fliegerschulen sind unter lrannlosen iitguien inr Betrieb, t wie Verkehrs- und' Pülizeifkiegerschulen,- Flugsport- der SA usw. Tie Flugplätze von' Siaaken-Bcrlin, Böglingen-Wurttemb., Würzburg-Franken dienen diesen Zwecken. Je nach dem AuSsoll der Neuser Beratungen sollen früher oder später acht neue Staffeln zu acht Flugzeugen ausgestellt werden. Der Polizeimajor Angcrstcin,. zuletzt in Magdeburg. ist zum Insv.'ktor dieses„Luftschutzes" im preußischen Fnnenmiliisterium ernannt worden. Minister ist do Göring. Aber ztvische» ihm und seinen Leuten, dem fudenstämmigen Staaisickretär Milch und sonstigen Kricgsfliegern und den Leuten im Reichswehrministcrium bestehen große Schwierigkeiten, da jeder Teil den ganzen Luftschutz^ allein beherrschen will. Tie Offiziere inr RWM sind empört über die jetzt auch ihnen vorgesetzten Nazi-Kommissare. die sic respektlos als „Hitlerjungcn" bezeichnen. Begreiflich, das; die, Offiziere mit ihrer Bildung und ihren Verdiensten schwer darunter leiden, sich diesen Schlüsseln ohne Erfahrung unterorduen zu sollen. Fm RWM ist General a. T. Wülberg, zuletzt in Breslau, als Leiter der Luftschutzabtrilung im Trnppeuomt eingesetzt, zugleich auch für die Verbindung mit den Wehrvcrbänden. Tasür ist ja seinerzeit schon vorgearbeitet worden, als die Gruppen d'r Hitler- armee am Sitz der Reichswehrdivisionen errichtet und die„Standarten"(Regimenter) mit den Nummern der ehemals in der gleichen Garnison liegenden kaiserlichen Truppenteile verletzen wurden. Tah die verbotenen Stammrollen längst wieder da sind, versteht sich am Rande. Warum batte man sonst;. B.«in bestimmtes Gebäude des ehemaligen Landwehr-Bezirkskommandos in der General Pape-Straße in Berlin-Schöneberg am Rand des Tempelhofer Feldes plötzlich mit Stacheldraht umgebe» und durch eigene Wachen in der Holbuniform des „Freiwilligen Arbeitsdienstes" noch besonders gesichert, waS doch an den zahlreichen sonstigen Prügelhöllen der Naziverbrccher in Berlin nicht geschehen ist'?! Die bloße Tatsache, daß in jenen Gebäuden heut«, gemäß der beliebten Kontinuität die Zentrale des Arbeitsdienstes untergebracht'ist, reicht.zur Erklärung solch strenger Geheimhaltung nicht aus. Wohl nach dem auch sonst gern, befolgten russischen Borbild,, niird'jetzt' in Deutschland«in«; FluariistnngSprgragauda getrieben, die man vermutlich von dtzr Sökvjeteinrichtllng /.Ossoaviachim"! abgcguckt hat. Auf einem großen Lastauto kömmt da ein Flugzeug ins Dorf gefahren üyd wird den stch ansammclnden Leuten fachmännisch erklärt und als. bester, Luftschutz empfohlen. Tie öffentlichen Sammlungen„freiwilliger" Spendei: zum Ausbgu der Luftflotte werden gewiß eine Mr nächsten Veranstaltungen sein, mit denen man das Volk vom Nachdenken über die Segnungen der Hitlerhcrrschaft ablenkt. Zur Erleichterung von Dementis geben wir auch die genaue Bezeichnung des schon ertvähnten neuartigen Einsitzers an: HD 7513 fs. Wir sügen »och hinzu, daß deutsch« Kricgsflicger auch in Italien ausgebildet werden. Hcrriot hat zwar bei der RatisizicrungSdebatte des franko-niffischen FreundschaftSvcrtragS in der Kammer zu Paris gemeint, gewisse deutsch-mssffche Unternehmungen würden jetzt liquidiert werden— aber einstweilen werden sic sowohl im Moskauer Militärbezirk wie in Torba, Gouvernement Woronesch, noch fortgeführt, an letzterem Ort besonders als Gist- gaSfabrik. Zwar hat Sowjetrußland den Antikomnmni- stcnlcrror, die Haussuchung in seinen Handels Vertretungen in Deutschland mit der Zurückziehung von Aufträgen an die Maschiuenfirmcn Stock Berlin Marieufeldc beantwortet, aber das groß' optische Werk von Göritz in Berlin-Friede nau stellt gerade jetzt riesige Abhörgeräte zur rechtzeitigen 2kvisicrung nahender Flugzeuge her — für Rußland, gewiß, aber nicht nur für Rußland. Es wird also intensiv an dem Ausbau der deutschen Fliegerei gearbeitet, nicht weniger.aber auch an der Schaffung einer schweren Artillerie. Das geschieht nicht nur in Rußland, sondern auch bei Beau f or t in L a n dskr o na, Schwede n, wo die In Zentimeter-Haubitze he»gestellt wird, die sich, im letzten Kricgsjähr als ganz besonders leistungsfähig erwiesen haben soll. Ter Bochumer Verein liefert schwere Granaten, Mau<- ser in Oberndorf am Neckar Infanteriewaffen Deidisdeutsdie llahenKreuzler an den Bombenanschlägen beteiligt. Wien, 22. Juni. Neber die Teilnahme reichsdeutscher Nationalsozialisten an den letzten B o m- b c n a n s ch l ä g c n in Wien erfährt die„Reichspost": Es tvarcn drei rcichsdeutschc Nationalsozialisten, die an den Vorbereitungen der Anschläge teilgenommen hatten. Der eine nennt sich, Kapitänleutnant von Kraus, der andere Hauptmann von B i ch c l/der,dritte reichsdeutsche Nationalsozialist war früher. in Wien Führer einer SA-Standarte. Sein Ngme wird im Interesse, der'Untersuchung noch gehcimge- halten. Die drei reichsdeutschen NatlovalsozialisteU trafen die Auswahl der Attentäter. schwererer Art, wie Maschinengewehr«, Maschi- »enpistglen. Besonders umfassend ist ober die Tätigkeit desRheinmetall-Konzernsin Düsseldorf, der auch an Krupp-Essen, sowie an Hia Sidcrius in Holland sowie an den Werken in Solothurn, Schweiz, und Steher, Oesterreich. stark intercffiert ist. Ta wird z. B. das aus- gezcichmtc leichte Maschinengewehr 2—200 hergestellt, eine Konstruktion des Oesterreichers Stange, von der sein armes Vaterland gleich 1000 Stück, Ungarn aber, das kein« Arbeitslosew unterstühung kennt, sogar 3000 Stück bestellt und gekauft hat. Der Solothurner Betrieb, der u. a. schwere Maschinengewehre berstellt, soll jetzt, wie überhaupt die Betriebe im Auslände, nach Deutschland verpflanzt werden, zumal dort die Sozialisten und Pazifisten, aber sogar der Pastor öffentlich in der Kirche Protest erhoben haben. Mit Rhcinmetoll krängt schließlich auch die Patro- nenfabrik des-Herrn Mandl in Hirtenberg, Oesterreich, zusammen, die durch die gewaltige italienisch-ungarische Wafsenschiebung bekannt geworden ist. Man glaube übrigens ja nicht, daß die seinerzeit beschlagnahmten Waffen wirklich nach Italien zurückgcschickt worden feien, wie das England und Frankreich gefordert haben, und ihnen zngesaqt worden ist. Um mm auch noch die Tanks zu erwähnen, so werden solch« in der Fabrik von Vollmer in Biberach, Württemberg, herge- stellt, ü. zw. nach den Plänen des Bruders Vollmer in Berlin. Es wird also mit aller Kraft gerüstet und damit auch die Marine nicht vernachlässigt werde, erhält ste einen besonderen Flughafen in Röchlin. Wie weiters festgestellt werden konnte, sind die Genannten mit einem Minerva-Automobil, welches Berliner Kennzeichen trug, nach Oesterreich gekommen. Nationalsnslallstisdie Orohangeo. Der geflüchtet« Landesleiter Proksch erläßt einen Aufruf an seine Parteigenossen, der pon schwersten Beschimpfungen der Regierung strotzt. Es wird darin der Regierung die geistige Urheberschaft an den Attentaten zugeschriebcn, gleichzeitig jedoch davon gesprochen, daß cs sich nm Taten, junger, gereizter Fanatiker handle, Die Partei-werd« nunmehr illegal arbeiten und kenne dieser Regierung gegenüber kein«'Rücksicht mchr. 81» Schlag ins Wasser und das Ende einer Illusion. Nach den gegen die Deutschnationalen, die Deutsche Bolkspartci und die Bayrische Dolkspartei vom Hitler-Fascismus geführten Schlägen ist eingelreten, tvas keinen Augenblick mehr zweifelhaft erscheinen konnte: die Regierung hat die Sozialdemokratische Partei, das heißt, das bedeutilngslosc Rahmetigcbildc, das noch von ihr vorhanden tvar, verboten, hat ihre Mandate in allen Bertrctungskörpern für ungültig erklärt und jede Art ihrer Tätigkeit untersagt, wobei die Regierung nicht unterließ der SPD das ehrende Zeugnis auszustellen, sie sei als„staatsfeindlich" und„landesverräterisch" anzusehen. Die Entlvicklung Deutschlands zum reinen Parteistaat macht rasende Fortschritte und wird in kürzester Frist vollzogen« Tatsache jein. Was sic beflügelt, ist weniger das Kraflbe- wußtseii» der Beherrscher Deutschlands, als die Angst. Es ist die Angst un> den Herrschaftsverlust, der sic dazu treibt, gegenüber allem, auch gegenüber den bürgerlichen Parteien den. letzten Rest von Duldung fallen zu lassen und sich die alleinige Macht zu sichern. Schon die Tatsache der Ohnmacht, einen Weg ans der Krise heranSzufindcn und auch>mr einen kleinen Teil ihrer Bcrheißnngen zu erfüllen, ließ es als selbstverständlich erscheinen, daß die Ratlosigkeit dyc Hunnen'Regierung zur Ber- hinder'nng des Erwachens der betrogenen Massen kein anderes Mittel wissen tverde, als die Steigerung des Terrors. Alle Methoden der Unterdrück»itg jeder anderer als der Meinung der Gottsöbersten vermögen doch die steigende Unzufriedenheit im Volke, nicht zuletzt auch in weiten Kreisen des Bürgertums, zu verhindern. Leicht kann in dieser Zeit, wo die Wirtschaft das Denken und Fühlen der Massen bestimmt, das Fundament der neuen Herrschaft ins Wanken geraten. Daztt kommt, daß der Machtkampf zwischen der historischen und der Hitler-Reaktion noch keineswegs abgeschlossen ist. Das Borgehcit gegen die Kampforganisa- tion der Deutschnationalcn, die Eingliederung des Stahlhelms in die nationalsozialistische Partei, das olles bctveist, wie wenig sicher sich die Nazi-Usurpatoren fühlen. Es ist wahrscheinlich nur eine Frage von Tagen, daß auch das Zentrum wird daran glauben müssen. Man geht nicht fehl in der Annahme, daü eine Zeitlang die Absicht bestand, die SPD aus dekorativen Gründen ihr Schattendasein fortsühren zu lasten. Tie gegen die Auslandsrevolution auszttspieleu, lvar gewiß kein übler Plan. Der Zwang aber, sich aller, auch der im deutschnationalcn und Zentrums Lager noch vorhandenen Widerstandskräfte zu entledigen, hat dem Spiel ein Ende gemacht. Da Hitler ausholt, um seine deutschnationalcn .Helfer abzuschütteln und den Zentrum den Garaus zu machen, mußte er zwangsläufig auch den listigen Plan, die SPD gegen die sozialdemokratische Auslandsrevolution auszuspielen, aufgcben. Praktisch gcn>ertct ist das Verbot der SPD ein Schlag ins Wasser, dcnir er ändert nicht das allergeringste an den seit dem Siege des Hitler-Fascismus bestehenden Verhältnissen. Formell bestand die Partei noch, doch sie tvar ein Gcneralstab ohne Armee. In dem n»ir geduldeten Reichstag, indem jede, auch zahmste Gegenänßerung durch die schußbereiten SA-Revolver verhindert wird, ist jetzt und solange als der Hitler-Fascismus herrscht, jede Betätigung einer sozialistischen Partei unmöglich geworden. Hätten die Vertreter der SPD im Reichstag oder in irgend einer der anderen Vertretungskörperschaften es gewagt, ihr Stummsein aufznaeben, so wären sie ebenso nach mittelalierlicher Folterart von den braunen Henkersknechten Hitlers behandelt worden, wie es so manchem anderen ihrer Genossen geschehen ist. Die alte Form der SPD war Wien, 23. Juni.(Eigenbericht.) Der Nieberösterreichische Landtag hat heute aus Antrag des christlichsozialeu Landeshauptmanns Reiter mit de« stimmen der Sozialdemokraten und Ehristlichsozialen in Abwesenheit der Nationalsozialisten e i n st i m m i g ein verfastungSändernde« Gesetz beschlossen, nach dem sämtliche nationalsozialistische Mandate in allen»iederöster- reichischen Bertrctungskörpern und in allen Bertretunaskörpern, die durch den Riederösterreichischen Landtag beschickt werden, sofort erlöschen. Der Sozialdemokrat P e tz» e k begründete die Stellungnahme der Sozialdemokratie damit, daß in Mitteleuropa ganz außerordentliche Zustände herrschen. Hitler- deutschland führe Krieg gegen Oesterreich. Die sozialdemokratische Partei wolle die Unabhängigkeit Oesterreich» beschützen. Sie habe gar keinen Anlaß, die Nationalsozialisten, die in Deutschlan d Sozialdemokraten mißhandeln und ermorden, zu schützen. Die Sozialdemokraten haben von Anfang an die Auftastung vertreten, daß die außerordentlichen Maßregelt» im Kampfe gegen die Nationalsozialisten nur aus versastungsmäßigem Wege durchgeführt werden dürfen. Die Christlichsozialen haben sich im Niederösterreichischen Landtage nun dieser Auftastung angeschlosten. Bor der Abstimmung sprach der Christlichsozial« Dr. C z e r m a k. Er erklärte, daß Oesterreich sich nicht das Schicksal Bayerns werde bereiten lassen. DaS Landesversassungsgesetz wurde schon heute im Landesgesetzblatt oerlaut- bart und trägt di« Unterschrift des christl ichsozialen LandtagSpräsidrnten Fischer, des Landesha»»ptmann«s Reiter und de» fozialdemokratislchen Landeshauptmann- Stellvertreters Helmer. Äl'U« Jt Samstag. 24. Juni 1038 fit. 147 längst'ausgelöscht, das Vertrauen der Massen zu ihr erschüttert und diese« Vertrauen neu zu gewinnen, wieder ihre Führerin zu werden n»d ihre Verbundenheit>»i her sanalistischen Internationale zu rechtfertigen, wäre nie gelungen, im Gegenteil, der Weiterbestand de» kraftlosen Schaltengebilte« der SPD halte nur«ine weitere Mißkrodi iernng der Partei und eine Lähnntug der wirklichen Abwehr- kräfte des Sozialismus bewirkt. Nicht« darf jedem, der die Genossen kennt, die der Meinung waren. es wäre eine zeitweilige Angleichung an die gegebenen Machtvcrhällnijjc dem Bestreben nach einem Neuaufbau der Partei und ihrer Organisationen zuträglicher als der offene und rücksichtslose Kampf, ferner liegen, al» ihnen, die doch Nteist langjährige, verdiente Vcnrauciisniän- ner der Partei sind, zuzumuten, Begnemlich- keit oder Furcht habe ihre von der gesamten Internationale abrveichende Auffassung be- stimnit. Es tvar sicher nur eine Illusion, der sie sich in der Hoffnung, dem Wiederaufbau der Partei zu dienen Hingaben, aber auch Illusionen können iin höchsten Masse gefährlich tverdcn. Die Absicht des Zichtotstellens und den ersten Sturm über sich Hinwegrasen zu lassen» um später wieder vorzutaften und langsam die Fundamente eines neuen Baues zu legen, war eine solche Illusion, denn waS die erste und oberste Aufgabe bleiben muß, das ist, das erschütterte Vertrauen der Arbeiterschaft zurückzugewinnen, sie mit neuem KampseSmut zu erfüllen, eine Aufgabe, die am allerschlechtesten durch Anpassung und passive Duldung jemals erreicht werden kann, sondern nur durch die Umstellung und Neu- formiening der proletarischen Kampffront, durch die Stärkung der geistigen Widerstandskraft der in ihrem Glauben an die Sieghaftig- keit deS Sozialismus erschütterten Blassen. Die Illusion, die sich verhängnisvoll auszuwirken drohte, ist zerschellt und daruit ist der Weg zur einheitlichen Mobilisierung aller proletarischen Klassenkräfte von außen her freigemachi. Das Verbot der SPD ist nichts tveiter als ein fornreller Akt und die Auslöschung einer Organisationsform, die nur dem Scheine nach mehr existierte. Als Brutalität gedacht, bewirkt es doch, daß erst jetzt der VerjüngungS- und Umstellungsprozeß, der Wiederaufbau der zerstörten deutschen Arbeiterbewegung möglich geworden ist. Aeußerlich die Arbeiterbewegung auszutilgen, ihr Eigentum zu stehlen, ihre Führer einzukerkern und landesflüchtig zu machen, konnte dem FasciSmus vorläufig gelingen, doch er wird des Sieges nicht froh werden. Er hat der Arbeiterklasse die legalen Mittel zu seiner Bekämpfung entrissen, wohlan, der Kampf wird mit illegalen Mitteln und bis zur gnadenlosen Entscheidungsschlacht fortgeführt werden! Ueber die Schwere dieses Kampfes gibt sich niemand einer Täuschung hin, er wird viel an Opfern fordern, aber der endliche AuSgang des Ringens gegen das entmenschte System, da« Deutschland« unglückliche« Volk in seinen blutbefleckten, diebischen Pranken hält, ist nicht ungewiß. Verboten, verfemt, verfolgt, drangsaliert, unterdrückt— alle Bluthunde de« FaseismuS werden dennoch den SiegeSzug de» Sozialismus nicht aufzuhalten vermögen! Der Kampf* um die Arbeitslosenunterstützung. Beratungen des Odborove sdruzeni. Fl Ter Zentralrat des„Odborove sdrutieni Üeskoslvvenskc" hat ain Donnerstag, den 23. Juni, einaebend über die geplanten Zleuderungen Ser I Arbeitslosenunterstützung verbandelt. In der Debatte wurde festgestellt, daß die Nachrichten der Tagespreise entweder unvollständig sind oder die Wirklichkeit verzeichnen. Bon antorativer Stelle wurde den Vertretern der genannten t^werkschaftszentrale versichert, daß die Nachrichten, wonach die Beratungen in der besonderen ministeriellen Kommis- sion bereit- fertig sind, nicht den Tatsachen entspreck-en, und dargelegt, daß oo nicht die Absicht sei, ohne vorherige Verhandlungen mit den Gewerkschaftsorgan''sationcn neue Grundsätze der Arbeitslosenunterstützung aufnistellen. Den Gc- werk'chaftSzenlralen wurde abermals durch den Vorsitzenden der Negierung die Zusicherung gegeben. dar d°e Anträge den Gewerkschastsorgani- satio''-n vergelegt werden. Die Gewerkschaften müssen die Verantwortung für eine Regelung ablehnen, durch welche ans ihre begründeten sachlichen Anträge und Einwendungen nicht RiiWcht genommen würde. Neben dem Staat und den Gemeinden waren es bisher nur die Gewerkschaften, welche weitgehende Opfer gebracht haben. Wer das übersieht, bedroht nicht nur die Arbeitslosen, sondern auch den Staat, denn es nimmt den Glauben an die gerechte Lösung gemeinsamer Aufgaben Der Demonstratio-streik der Buchdrucker i st eine ernste Warnung.. Der Zentralgcwcrksck-aftSeat fordert die Mitgliederverbände, ihre Mitglieder und die Ge- werkschaftSräte auf. unrichtige Insormat onen, ivetche aus dunklen Absichten h-raus oder aus Sensationslüsternheit verbreitet werden, unbeach- tot zu lassen und die Aktion der Zentrale zu unterstützen. Der Zentralrat erinnert ferner alle ver- antwortlichen Faktoren daran, daß die Dermeh- rung der Arbeitsgelegenheit der sicherste Weg zur Herabsetzung der Kosten der Arbeit-losenunter- stützllng ist. Lbgeorcknelenlians. Prag, 23. Juni. DoS Parlament erledigt« heute die Novell« zum Gesetz über di« außeror- -entlichen Maßnahmen, nachdem noch vorher Dr. Luschka(Christlichsoz.), Dr. P e 1 e t» (AWG) und Juran(Komm.) zu Worte ge- kommen waren. Die beiden deutschen Redner waren, gemessen an den gestrigen Harzburger Rednern, sichtlich bemüht, gar zu drastische Uebertreibungen zu unter« orücken und sich auch in ihrer Kritik in hakbweg» zu rechtfertigenden Grenzen zu halten, aber auch bei ihnen macht das Bekenntnis zur Demokratie leinen wahrhaften Eindruck, solange sie, bezw. ihre Parteien, sich nicht zu einem ernsthaften öffentlichen Abrücken von dem Hakenkreuzdeutschland und seinen bisherigen Anbetern entschließen können. Ein wahrer Demokrat muß gerade in die- s e r Zeit einen Aaren Trennungsstrich zwischen sich und den Anbetern de» fafeistischen Faustrechtes ziehen. Dann hätte auch der schwunghafte Appell de» Herrn Dr. Peter» an da» tschechische Volt etwa» mehr Aussicht, auf fruchtbaren Boden zu fallen. Es hilft jedoch nicht», mit Paläcky-Zitaten-an die einsichtigen Leute im anderen Lager.zu appellieren, wenn man sonst mit den extremsten fafeistischen Parteien im deutschen Lager ein Herz und ein« Seele ist und erst recht tn der eigenen Presse dem FaseismuS in seiner Reinsckultur eine Verbeugung nach der anderen Seite macht. Do» Charakterbild eine» wahren Demokraten müßte schon etwa» einheitlicher und geschlossener sein! In seinem Schlußwort dämpfte der Referent Dr. Suchy wenigsten» die krassesten Uebertrei- biingen der Herren Knirsch und Keibl und erklärte u. a., wenn ein deutscher Redner prophezeit habe, daß die Novelle, im deutschen Gebiet sofort in Wirksamkeit treten werde, so spreche au» ihm offensichtlich daSschlecht« Gewis- f e n. Die Novelle werde sicher erst dann ange- wendet werden, wenn«in« Bedrohung der öffentlichen Ruhe nach den ersten beiden Paragraphen deS Gesetze» tatsächlich vorliege. Da» Gesetz solle es nur ermöglichen, auf alle Fülle vorbereitet zu sein. Tann gab e» ein heitere- Zwischenspiel, al« da» Ansuchen de» Nationalsozialisten Tama behandelt wurde, dem Gewerbeparteiler Ostry wegen einer vor kurzem im Parlinnent gefallenen Beschimpfung eine Rüge zu erteilen. Beide Parteien, die zu Worte kamen, nahmen diese Kontroverse etwa» zu stark von der pathetischen Seite, Ter Beklagte warnte vor einem Präjudiz; Auseinandersetzungen seien unvermeidlich, sonst müßte da» Parlament zu einen Bet so al werden, irr Beleidigte wieder spielte die Rolle de» Gekränkten allzu drastisch. Do» Ende vom Lied war doch eine Rüge an den Beleidiger. * Gemelndewflhlnovelle in Verhandlung. Schließlich erstattete noch der tschechische Genosse Dr. Mareö ein ausführliche» Referat über die Novell« zur Gemeindewahlordnung. Er wie» u. a. darauf hin, daß eine sech-jährig« Mandatsdauer auch in vielen anderen Staaten üblich sei. Die erste Milderung de» strengen Listenwahlrechte» durch die Möglichkeit der BorzugSstimme für'-«inen besonderen Kandidaten bezeichnete, der Re- formt als einen Anfang, einen Versuch: es werde interessant sein, festzustellen, wie unsere Oeffent- lichkcit darauf reagieren wird. Die Einführung einer bestimmten Zahl von Unterschriften für Rekurse gegen die Wahl soll unsachliche Gründe und Querulantentum auSschalten. Wa» die Bestätigung der Bürgermeister betrisst, so wäre«kn« solch« Maßnahme in ruhigen Zeiten vielleicht nicht notwendig; irgend eine Entwürdigung der Selbswerwaltung könne man jedoch darin nicht erblicken. Die Entwicklung in der letzten Zeit habe ober gezeigt, daß gewisse Maßnahmen in dieser Richtung am Platze leien. Die Debatte über die Novelle wird in der nächsten Sitzung(Dien-tag, den 27., 11 Uhr vormittag») eröffnet werden. Bi» zu diesem Tage läuft auch die Frist für di« Ausschüsse zur Beratung der Getreidepsandbrief«. 10 Die Sache mit Borris Kriminalroman von Grete Hartwig Lillian sank tiefer in ihren Sessel, erlöst, befreit und erschöpft. Wie leicht niiü schön hatte sich diese Sach« cibaewickclt, di« ihr lo viel Kopfzerbrechen verursacht hatte! Wie groß war ihre Angst vor dieser Unterredung gewesen und wie reibungslos hatte sie sich abgewickelt. Wie gut waren doch eigentlich die Menschen und wie lehr hatte man unrecht, ihn.-,, m't Mißtrauen zu begegnen! Nun tvar ihr leicht und wohl zu Sinn u>td mit innigem Gekühle dacht« fl« an VorriS. Hier saß der Retter vor ihr und nun, da er ihr Güte und Hilfe bew'es nun konnte sie ihm auch ohne Scheu ihr« zweite Vitt« vortragen. Di« Bitte nm den falschen Paß für ihren Freund. Direktor Hammer harte duck; sicher Beziehungen zu Konsulaten, zu Behörden, zur Polizei. Er brauchte doch sicher nur zu bitten, vielleicht sogar nur zu befehlen und einflußreiche Persönlichkelten stünden ihn« mit Vergnügen zur Verfügung. Sicher, sicher, würde er ihr helfen. Er war gut,«r würde es tilii!! „O, Herr Direktor, Sie sind gütig! Ich hatte "cht, mich an Sie zu wenden!" „Schon gut, schon gut, mein Kind!" JGJi« soll ich Ihnen danken?" Ihr Gegenüber lachte breit und behäbig. „Wie Die mir danken lollen mein Kind? Da» ist doch ganz einfach." Lillian iah neugierig zu Ihm aus und lieh dl« Augen nicht von ihm, al- er letzt ausstand und langsam auf si« zukam. Er kam ganz nahe und beugte sich über sie. So blieben sie einen Moment Aug im Auge, aber Lillian ahnte noch N'cht seine nächsten Worte, sie erwartet« sie nur gespannt, aber ohne bestimmt« Vorstellung. Erst als er seinen Arm- um ihre Schultern legte, ivurde ihr bang« und sie schob ihn! anft zurück. Sein Lachen war verstummt und sein fette» Gesicht war merkwürdig ernst. „Wie Sie mir danken sollen?" kragte«r leise und merkwürdig klanglo».„Da» ist doch klar! Oder kamen Sie mit anderen Absichten her? Ich freue mich, daß Sie gekommen sind. Gerade zu mir, und e« gibt doch sicher noch andere Männer, di« für eine schöne Frau den lächerlichen Betrag von achthundert Mark ri»k!eren. Alles weitere ist doch nun selbstverständlich. Sie werden meine Geliebte sein. Das ist Dank genug." Lillian erhob sich nicht empört, nicht rasch, ilicht heftig, sonder» langsam, mit einem wunde» Gesühl in den Beinen. Der Mann, dessen Augen sie verschlangen, zog sie an sick>. sie hörte leinen raschen Atem, si« suhlt« starke Arme und den harten Griff schwerer-Hände, einen feiten Bauch, an dein sie lehnt«, st« sah Lippen, die bebten, und spärliches Haar, da» feucht auf der rvtcn Stirn lag. Ihr« Augen suchten die Tür«, dcu telephonischen Apparat, die Klingel, aber'hre Gedanke«« erfaßten diese theatralischen Möglich« keilen nur träge, si« wurde erst wach, al» k«in Mund ganz nah« bei ihrem tvar, enttvanü sich ihm jäh und trat rasch zurück. „Nein," sagt« sie laut. „Wie?" fragt« er und zog die West« wieder stramm. „Nein. nein. So war«» nicht gemeint, Herr Direktor. Sie... Sie irren sich! SI« mißverstehen mich. So nicht!" „Wie denn?" fragt« er gedehnt.„Si« komm«« zu mir, Si« verlangen Gew, SI« verfügen über mich und wollen mcht meine Geliebt« werden? Sie kommen al» Fremd«, verlangen mein« Hilf« und wollen al» Fremde wieder gehen? Haben Sie es so gemeint?" .„Ich muß sagen... nicht in dies«» Worten ... aber r.. ungefähr so," „Liebes Kind. Sie sind jung und neigen naturgemäß zu einer romantischen Lebensauffassung, da» nehme ich Ihnen Weiler nicht übel. Aber ich bin cinundfünfzig Jahre alt, ich bitt Geschäftsmann, ich kenne«tur Tatsachen, meine Lccktüre sind nicht Kinder- und Hausniärchen, sondern Kurszettel, mein Verkehr sind nicht verträumte Künstler, sondern verbissene Konkurren- ten. mein Alltag ist nicht bekränzt«nit Blumen, sondern hart konturiert«nit sachlichem Muß, mein Lebensabend ist nicht stiller Genuß, sondern Kamvk bi» zum letzte» Atemzuge: wo andere Aienschen eine Pause machen, habe ich Sitzungen, wo andere Menschen sich erholen, nehme ich Berichte entgegen, wo ander« Menschen ein Privatleben habe», bin ich auf dem Quivive. Sie habe«« inich offenbar unterschätzt. Sie hielten mich für irgend'ein««« reichen Mann, der vielleicht einer gütigen Geste fähig ist. DaS bin ich nicht. Ich bin «in Großkapitalist, nicht au» Zufall, nicht von Geburt, nicht aus Sehnsucht, sondern auö Überzeugung. Das verpflichtet! Mein gesamter iceli- scher Apparat ist darauf eingestellt. Ich verschleudere nichts, weder Geld,«toch Zeit, noch Gefühl. Daß Sie mir gefallen, verpflichtet mich; Ihnen den Ihnen gebührenden Platz In meinem Lüben einzuräumen. Wenn Sie diese» ablehncn, habe ich Ihnen kein weitere» Offert zu machen. Für Probleme ist dl« Zeit zu ernst, da« heißt, für persönlich« Probleme!! Wirtschaftskrisen, leimender Bürgerkrieg, aufstrebendes Proletariat, zu erobernde Absatzgebiete, der nächste Krieg, dasind unsere Sorgen. Mein Privatleben verbraucht sich daran restlos, wo soll ich da noch den Höfling spielen? Sie suchte«« in mir den Kavalier, den Frauenverehrer» de» Troubadour, dei« Pagen, den Ritter Toggeuburg. Mein liebe» Kjnd, Sie kamen zu spät zu mir. Um hundert bi» zweihundert Iah« zu spät. Heute dominiert die Leistung'. Wo war Ihre?" „Ich wär« nicht zu Jh««n gekommen," sagte Lillian bedrückt,„wenn Sie mir nicht selbst Ihr« Ilm das Budget Mir 1934. Mechanische Herabsetzung genügt nicht. Ver- waltuugSresorm unerläßlich. Prag, 23. Juni. Der Vorsitzende der Spac- kornmission Dr. 6 e r n y erstattete heute vem Plenum der Kommission ein ausführliche» Referat über die bisherigen Arbeiten de».engeren Sparauofchuffe», der«n verhältnismäßig kurzer Zeit schon 38 Sitzungen abgehallen hat. Zunächst hat der Ausschuß wie dvreil» bekannt/ bas Budget für do» laufende Jahr 1938 um 851)7 Millionen herabgesetzt, wovon 122 Millionen auf die eigentlich« Staatsverwaltung und 228 Millionen auf dieStaatsbetriebe entfallen. Größere Reduz:«, rungen wurden in folgeirden Ressort» vorgeiwm- men: MinijterratSPräsidium 1.2 Millionen, Steutz«. re» 4.8, Verteidigung 16.9, Inne«» 1.8, Justiz 12, Schul« 7.4, Landwirtschaft 5.6, Handel 0.9, Lestern liche Arbeiten 21.6, sozial« Fürsorge 6.8, BolkSrr- nährung 1.0, Gesundheit 1.6 Millionen. Bei den Staatsbetrieben wurden folgende grötzer« Kürzungen vorgenoinnren: Tabakregie 50.4 Millionen, Post 21.1, Bahnen 39.1, StaatSforst« 4.5, StaatS- grubsn 105.2, militärisch« Unternehmungen 2.0, Staatsdruckereien, Amtsblätter und Preßbüro 1.4 Millionen. Die Regierung hat angeordnet, daß diese vorgefchtagenen Kürzungen tatsächlich durch geführt weäen müssen. Ja der zweiten Etappe wurden verschiedene Sparanträge au» Kreisen der Bevölkerung und der KummisfionSuntglieder behandelt, in der dritten die Vergebung von Lieferungen au» dar Arbeitsankeihe; hier habe der Aulschuß sich bemüht, wenigsten» annähernd da» Vergevungsversahren zu studieren und di« entsprechende Kontwlle durchzuführen, in der ter Ausschuß das Hauptgebiet seiner Tätigkeit erblickt. Derzeit befaßt sich der Sparau-schuß mit der Zusammenstellung de» Budget» für ISS». Hier werd« man nicht mehr damit auSkommea, die einzelnen Poste« weiter herabzusetzen; diese Herabsetzung habe ihre Grenzen«ad man werde daher Quellen der Staatseinnahmen für ISS» anderweitig suchen müsse«. Snsgab« de« Ausschusses sei e», da» Budget neuerlich genau durchzustudieren. um neu« EinnahmSqueUen dort zu suchen, wo sie noch gesund«» werd«« können. E» wird notwendig sein, tiefer in di« Administrativ« rinzu- greife», sich mit ihrer Reform zu befasse» und di« öffentlich« Verwaltung zu vereinfach«» und zn verbilligen. Dies« Ausgabe müsse geineinsam mit der von der Regierung ernannten OetonomisiermrgSkommis- sion durchgefichrt werden. Der Ausschuh Wick» sich dabei nicht nur mit dem Budget selbst, sondern auch mit der gesamten Wirtschaft»- und Finanzsituation de» Staates befassen. In der Debatte sprachen ein Kommunist, ein' Slowokischklertkaler und der Deutschnatio- nakc' Kallina. Der Referent behielt' sich da» Schlußwort für die nächste Sitzung vor. D«r gestrige Ministerrat beschloß u. a. ein Hopfensignierungsgesetz, da» Dr. HodLa kürzlich schon angekündigt hot, und genehmigte eine Regierungsverordnung über di« Abschätzung von Immobilien im ExekutionSverfahren sowie ver« schiedenc Zollmaßnahmen, darunter auch solch«, die aus die Ermöglichung von Kompenia- tion»geschäft«n mit Ungarn für da» zweite Halbjahr 1932 axialen. Für karpäthorus- fische Fragen wurde«in eigene» Ministerkomitee gebildet. Ferner wurde u. a. ein außerordentlicher Kredit zur Unterstützung der Arbeitslosen und der notleidenden Tschechoslowake» im Ausland« bewilligt. Hilf« angeboten hätten. Ich Wußte nicht, daß Ihr Antrag di« Bedingung bereit» enthielt." „Weil Sie nur di« Logik Ihrer Schönheit kennen. Die ist aber durchaus Standpunktsache. Seit dem Kriege, also seit 1914, haben di« Frauen doch keine„Verehrer" mehr, wenigsten» kein«, die älter al« zwanzig Jahr« sind. Die Altersgrenze für das Recht zu schwärmen, ist heute um zehn Jahre zurückverschob«». Auch di« Unberührtheit der Frau ist im Werte fast auf Null gesunken. Man heiratet heut« die tüchtige Frau, man macht die charmante zu seiner Geliebten. Di« Frau«» erkämpfen sich täglich neu« Rechte und wissen dann nicht» damit anzufangen. Die physiologische Benachteiligung der Frau ließe sich zahlenmäßig auswerten, statt dessen suchen sich die Frautn noch immer durch eine GemütSübcrlastung des Mannes schadlos zu halten. Rache statt Recht! Für das Mafchinenzeitalter ein recht läppischer Ausgleich. Muß ich Ihnen da» alle» erst lagen? Sentimentalität notiert nicht mehr auf dem Weltmarkt brauchbare Gcsühle. Auch der psychisch« Verkehr zwischen den Menschen bleibt voti den technischen Errungenschaften nicht unberührt, Sie aber ziehe» die Postkutsche vor, da«S doch schon Flugzeug« gibt." „Ihre Offenheit ist mehr als peinlich." .„Weil wir gewohnt sind, alle» Natürliche, olles Klare psychologisch zu überbauen. Ich lehne es ab, eine billige Mark« zu tragen, auf die Gefahr hin, daß Sie mich verachten." „Verachten? Sie gehören einer anderen Welt an und deshalb bebaute ich, zu Ihnen gekommen zu'sein.'*.- „Ich bedaNre, daß Sie mich-ablehnen. Sonst nicht».-" „Wir tverden einander nie verstehen." Fortsetzung folgte Nr. 147 Bma«te& 74. Amii 1088 Prcssccmplang bei Otto Wels. Die Aufgaben der sozialdemokratischen Emigration. Löbe verhaftet. Berlin, 28. Juni. Wie das Polizeipräsidium mitteilt, wurde der ehemalige ReichStagSprasident Paul L'6 b e heute verhaftet. Dole Elugzeuge aber Berlin! Berlin, 23. Juni. Das dem Wolff« schon Bureau angeschlossene Conti-Nachrichten- Büro meldet um 22 llhr 28 Minuten unter dem Titel:„Rote Fliegerpest über B« r l i n": Heute Nachmittag erschienen über Berlin ausländische Flugzeug« von einem in Deutschland unbekannten Typ und warfen über dem Regierungsviertel und im Osten Flugblätter mit einem die Reichsregierung beschimpfenden Text ab. Da die benachrichtigte Luftpolizei, heißt es in der Meldung weiter, eigene Appa« rate nicht zur Verfügung hatte und die sonst auf dem Flughafen vorhandenen Sportslugzeuge di« Schnelligkeit der ausgetauchten ausländischen Flugzeug« nicht erreichten, konnten diese unerkannt entkommen. Kommunisten für einen uenen Streit im Brljxer Revier. Wie wir brreitS berichtet haben, finden gegenwärtig zwischen den koalierten Verbände»! der Bergarbeiter und den Grubenbesitzern Verhandlungen bciresfend die Verlängerung des sogenannten Prager Abkommens statt.— Da« Bestreben der Verbände geht dahin, den Bergarbeitern den Schuh vor Entlassungen, den ihnen das von de» Kommunisten seinerzeit verlästerte Abkommen gewährt, auch weiterhin zu erhalten. Die Kommunisten»vollen nun die Verhandlungen dazu benähen, um die Bergarbeiter dcS nordwestböhmischen Bergrrvieres in einen ne»»rn Streitputsch zu treiben. Ihre Pläne hat ihr Funktionär K a r a s i a t in einer am 3. Juni in Bilin stattfindenden vertraulichen Funktionärkonferenz mitgeteilt, über die dem„Glückauf", dem Blatte der Union der Bergarbeiter, bcrich- tet worden ist. In dieser Konferenz hat Kara- fiat wörtlich Folgendes ausgcsichrt: „Wir müssen unbedingt solche Forderungen ausstellen, von denen wir wissen, daß sie unersüllbor sind. Diese Forderungen werden wir den koalierten Bergarbeiterverbänden Union und Sva; schicken mit dem Auftrag, sie bet de» Unternehmern durch, zu sehen. Für den Fall, dah sich dir koalierten Brrbönde weigrrn sollten, unseren Austrag durch, zusühreu. werden wir mit dem Streik«insrhen, und zroor.solle der Streik diesmal am„Francisei- schacht" in Ladowih ausbrechen. Der StreikauS« . druch muh aus’ dem Bezirke Dux kommen, denn für den Brüxer Bezirk ist uns nicht bange, dort find dir Bergarbeiter viel leichter für den Streik zu gewinnen(!) als hier unten." Die Bergarbeiter»verdcn dem Herrn Kara- fiat für die Lüftung des Geheimnisses dankbar sein. Sie»vissen nun, daß die kommunistische Parteiführung die Bergarbeiter ucuerlicy in eine»» Streikputsch hineintreibcn»vill. Die Frist zur Erlangung der Steuerbegünstigung nach den 7— 11 des Gesetzes über die Arbeitsanleihc soll bis lö. November 1933 verlängert werden. Der Ministerrat hat gestern bereits einen diesbezüglichen Gcsehentivurf geneh- migt. Während die Zcichnungsfrist sonst Ende Juni abläust, können Steuerschuldner noch bis 18. November gegen teilweise Zeichnung von Arbeitüanlcihe und Barzahsung ihre Steuerriick- stände unter den vorgesehenen Nachlässen ab-, tragen. Optimismus in London. London, 28. Juni.(AR.1 Tic Arbeit der beiden Hauptausschüssc-er Weltlvirtschasts. und Währungskonfcrcn; ruht nun bei einer Reil»« van Unterausschüssen, von denen zahlreiche hcu'e Ge« heimsitznngcu abhalten. Die vier Tnbkonimilsio- nen des Wirtschaftsausschusses befassen sich 1. mit >-»r Handelspolitik, 2. mit der Koordinierung von Produktion und Absatz, 8. mit den direkten und indirekten Unterstützung(Prämien) und Zuschüi» sen, besonders für die-Handelsflotte, und 4. mit dein Markenschutz. Die Währung«, und Wirt- sehaftskomnkission hat zwei Unterabteilungen, von denen sich die eine mit der Prüfiurg der unmit- telbareir Maßnahmen für die finanzielle Rekonstruktion und die andere mit den ständigen Maß- nahmcn zur Wiederherstellung des internationalen Währungsstandards befaß:. Die letztgenannte Unterabteilung zerfällt wieder in zwei Subkommissionen. von denen sich die eine mit der Silber- svage und die andere mit technischen Fragen befaßt. Der gegenwärtige ruhige Ablauf der Arbeiten der Wirtschaftskvnferenz kontrastiert auffallend»nit der Nervosität, die sich zu Beginn dieser Woche in Konfercnzkreisen zeigte. H h m a n S erklärte heut«, daß eine Vertagung der Konferenz wegen eines eventuellen Stok- kens in keiner Wen« in Frage komme. .Der Sowscivertrcter Litwinow war heute samt Gemahlin Gast bei eine»»» von Macdonald »n der Downinastreet gegebenen Mittagessen. Ter tschechoslowakische Außenminister Tr. HeneS und Gemahlin befände»! sich unter den Geladenen. In Kreisen der Sotvjctdelegation äußert inan große Befriedigung über die amerikanische Resolution in Angelegenheit der Zollmauern und de» Embargo. Prag, 23. Juni. Hellte empfingen die führen- l den Mitglieder des Vorstands der SPD. die Vertreter der Prager und der ausländischen Press«, um ihnen über die Absichten der sozial- demokratischen Emigration und über die Lage im Reiche Aufschluß zu geben. nie Emigration Keine außenpolitische oelohr. Genosse Otto Wels führte einleitend aus, daß der unmittelbare Anlaß zu dem Presse- empfang die in verschiedenen Blättern geäußert« Befürchtung gewesen sei, daß die Emigration das gastgebend« Land in außenpolitische Schwierigkeiten bringen werde und daß die Zahl der Emigranten in der Tschechoslowakei heute ettva 18.000 bis 20.000 betrage. Was die Zahl der Emigranten betrifft, ist zu sagen, daß eS sich mrr um wenige Hundert handelt. Der .Hauptstrom der Einigrantion ergoß sich nach Frankreich, das den gelernten Arbeitern auch die Möglichkeit der Beschäftigung bieten will. ES wurden Befürchtungen geäußert, daß sich in der sozialdemokratischen Einigration kommunistische Bestrebungen verbergen. Diese Befürchtungen sind unberechtigt. Noch heute f»"chrt die kommunistischc Presse denHauptkamps gegen uns. Auch di« Befürchtungen, daß wir das gastgebende Land in außenpolitische Konflikte bringen werden, sind grundlos, denn wir sind fest entschlossen, di« Gesetz« des Lande«, da« un« Gastfreundschaft gewahrt, zu achten. Konspirative Arbeiten etwa von der Art, wie sie di« Na ti o- nalsozialisten in Oesterreich treiben, »verden wir nicht leisten. Unser Ziel ist die Wiederherstellung der Freiheit in Deutschland. Di« neuen Formen unseres Kampfes sind uns aufge- zwungcn. Zum Verbot der SPD. Zu dem Verbot der SPD. gab Genosse Wels die folgende Erklärung ab: Das Verbot der Sozialdemokratischen Partei, d. h. ihre völlig rechtswidrige und getvaltsame Unterdrückung kommt nicht mehr überraschend. Seit Tagen wußte man, dah die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Deutschland« und dir Spannungen innerhalb der nationalsozialistischen Bewegung so stark geworden sind, dah die gewaltsame Unterdrückung aller politischen Parteien al« Ablenkungsmanöver in Aussicht genommen toar. Mit der getvaltsame» Entfernung der am S. und 12. März diese« Jahres rechtmäßig gewählten sozialdemokratischen Volksvertretern out den öffentlichen Körperschaft«» ist der letzte Schein demokratische Legalität vernichtet. 12 Millionen arbeitender und tvahlberechtigter Menschen sind ohne jede Vertretung. Die Zerstörung aller Einrichtungen der demokratischen Republik, deS Reichstag«, der Landtage, der Gemeindevertretungen, die Vernichtung aller VolkSrechte zugunsten einer verbrecherischen Parteiherrschaft ist damit vollendet. Von den heutigen Machthabern Deutschland« verfolgt» beschimpft und verleugnet zu»verden, ist für aufrechte Menschen nur ein« Ehr«. Kein Verbot kann die sozialdemokratische Partei töten. Sie lebt und ste regt sich kräftiger al« zuvor. Jetzt ist klare Bahn für die Arbeit in neuen Formen und mit neuem Geiste geschaffen. Die taktischen Differenzen zwischen Berlin und Prag sind durch das Eingreifen der rohen Gewalt erledigt. Unser erbitterter rücksichtsloser Kampf, der von glühendster Leidenschaft für da« Hohr Ziel der Befreiung Deutschlands von dem Joche des zur Zeit regierenden Verbrechertum« erfüllt ist, findet nun keinerlei Hemmungen mehr. Er wird innerhalb der brutsch«» Grenzen ein millionenfaches Eche finden, das Ende der Ber- brccherherrfchaft beschleunigen und do« deutsche Volk vor dem Untergang bewahren. W»e leichtfertig die B e g r ü n d u»: g des Verbotes der SPD.»st, geht daraus hervor, daß in ihr behauptet>vird, auch Brcitschcid weile in Prag. Breitscheid»var jedoch und ist nicht hier. Keiner der Spitzel, die herübergeschickt wurden, einschließlich des Herrn Diehls, hat ihn gesehen. Deine lande Erist Ittr nitier. Wir sind uns dessen bcivußt, daß wir nicht nur u»n das Geschick Deutschlands, sonder»» um B u d a p e st, 22. Juni. Da« ungarische Telegraphen-Korrespondenz-Büro teilt mit: In der ausländischen Presse sind in de»» letzten Tagen aussehenerregende Mitteilungen über eine Habsburger- Restauration, über «ine österreichisch-ungarische Personalunion und über ähnliche Dinge erschienen. Demgegenüber wird an kompetenten ungarischen Stellen aus die letzte Parlamentsrede de« Ministerpräsidenten GSmbös verwiesen, worin er erklärt, daß die KönigSsrage nicht aktuell, dirPersonalunionaber un. erwünscht sei. In maßgebenden politischen Kreisen wird daraus verwiesen, daß diese Aufsas- funa des Ministerpräsidenten von der öffentlichen Meinung des ganzen Landes geteilt wird. Eben au» diesen Gründen werden die im AnSlande auftouchende»» sensationellen Meld»»ngen in das Land der Märchen verwiesen. das Europa- kämpfe»». Der Sturz peS fascistisch.'n Regiine«, da« mit starken inneren Spannungen zu kämpsen ha», ist nur eine Frag« der Zeit. Wir stellen die Frist nicht gar zu lang. Bi« dahin brauchen wir eine Stimme in der Welt, die das andere Deutschland vertritt, jene» Deutschland, das sich nach dem Kriege wieder die Ächtung und Freundschaft der Welt erobert hatte. nie Dolle der Reichswehr. Auf eine Frage nach der Rolle der Reichswehr erklärte Genosse Stampfer u. a.: Die Reichswehr bleibt eine Sphinx. Sie ist in der heutigem Form entstanden aus der Abneigung der Arbeiter nach dem Kriege, Militärdienst zu le:- sie«. Es haben sich infolgedessen in ihr die rechts- gerichtete» Elemente gesainmrlt. Bisher hat sie immer dem Reichspräsidenten gehorch». Es ist auch Henle anzunehmen, daß sie seinem Kommando gehorche»» würde. So komme»» wir von der Frage der Reichswehr zu den» Problein der Reicht- Präsidentschaft. Diese« Gebiet ist noch dmrkler und »»»durchsichtiger. Was in Geist und Seele Hindenburgs vorgeht, kam» niemand sagen, der nicht den mehr oder weniger beneidensiverten Vorzug hat, in seiner Nähe zu leben. Wie dieser Mann, den erst im Vorjahre, IS Millionen deutscher Menschen wie- derwahlten, dazu kommt, dos Ungeheuerliche zu dulden, ist kamn zu erklären. Auf einen Zwischenruf:„Es hat Leute gegeben, die dies voraussagten!" bemerkte Stampfer, daß auch die SPD. sich der Gefahren bewußt war, die»nit der Wiederwahl Hindenburgs ver- bunden gewesen sind. Aber die Kommunisten hatten den Weg zu einer andere» aussicht-reichen Kandidatur durch die Aufstellung ihrer Zählkandidaten verlegt, sonst wär« Hindenburg schon vor acht Jahren nicht gewählt worden. Wenn die Wahl Hindenburgs«in Fehler war, so haben ihn die Kommunisten geradezu erzwungen. Ob das jüngere Offizierskorps, da« nationalsozialistisch verseucht war, noch immer von Hitler begeistert ist,»vciß man nicht, die höheren Offiizere waren und sind entschiedene Gegner des Nationalsozialismus. Die Reichswehr kann für eine Entwicklung der Rückkehr zu Ordnung und Gesetz immer noch einen Faktor bilden. Sodann beantwortete Stampfer die Frage nach der Rolle der bürgerlichen Gegenkräfte gegen dei» Fasci-niu-, deren Aussichten man nicht optimistisly beurteilen dürfe. Die Kapitalisten und Großgrundbesitzer haben übrigens keinen Grund, sich über die Nationalsozialisten zu beklagen. Niemals war die Stellung des Allbeit» gobcr« so unbestritten,' wie im Dritten Reich«. Katholizismus und rasclsmns. lieber das Verhältnis des FascismuS zu den Katholiken erklärte Genosse Dr. Hertz, daß Brüning von der seinerzeitigen Unterredung mit Hitler durchaus in d«r Uebcrzeugung wegging, cs»iiiissc mit scharfen Maßnahmen gegen das Zentrum gcrcch»»«t werden. Sie sind mittler« weile schon erfolgt. Tic Fascisten verfolgen gc- geir die Katholiken gcna>» dieselbe Taktik Ivie ae- gei» die Arbeiterparteien. Es ist für diese Taktik kennzeichnend, daß sie erst aus Teilaktio- n e n Gesamtaktionen entwickelt. Ma>» darf überzeugt sei»», daß di« katholischen Parteien vollkommen lahmgelegt werden. Genosse Stampfer gab noch Aufschlüsse über die Verhältnisse int monarchistische»» Lager, die völlig ungeklärt find, da ein ernster Thronanwärter fehlt. Ein neuer Kämpfer rar die deutsche Freiheit. Seit dem 21. Juni erscheint in Saarbrücken ein Tagblatt der SPD„Deiltschc Freiheit". Welche Aufgaben das Blatt sich setz», geht aus folgender Stelle deS Leitaufsatzes hervor: Di« Geschlagene» von heute werden die Sieger von morgen sein. In Reser unerschütterlichen Zuversicht, dl« gestützt wird von der besten Erkenntnis der lrastvollstcn und seinsteu Geister und di« hervorgeht auS den tiesften Erfahrungen der menschlichen Geschichte, gehen wir im felsenfesten Glaube« mit der sieghaften Ide« deS demokratischen Sozialismus an da« Werk der„Tentfchen Freiheit": Di« Ueberwindung de« FasriSmu«! Wir begrüßen das neue Blatt, das etne große historische Attfgabc;u erfüllen hat, auf das herzlichste! Die gestrige deutliche Erklärung französischer amtlicher Kreise, daß sich die französische Regierung zu keiner Politik gegen die Interesse»» der Kleinen Entente»»» Mitteleuropa hergcben»vürdc, hat in der Pariser Presse zu vollkoinmener Beruhigung geführt. Der sozialistische„P o p u laire" schreibt in Fettdruck: Der Habsburger Fränz Joseph hat den Weltkrieg entfesselt. Durch Intrige» Mussolinis, Dollfuß u. a. soll die Tvnastic der Habsburger wieder eingesetzt und Otto Habsburg ht Oesterreich und Ungarn auf den Thron gesetzt»verden. „Populaire" billigt namens der französischen Sozialisten den Standpunkt der Kleine»» Entente und warnt energisch die französische Regierung, sich an einer derartigen monarchistischen Bewegung und an dieser Kriegs- I- drohung mitschuldig zu machen. Sonntag— keine Zeitungen! Am Sa«»tag wird in den Zeitungsdruckereien nicht gearbeitet. Die Buchdrucker streike«, um damit ihrem Protest gegen di« von den bürgerlichen Parteien gefordert« Herabsetzung der Arbeitslosenunterstützung Ausdruck zu geben. Wir machen daher alte unsere Leser daraus ausmerksam, daß di« Sonntagsnum« «er entfällt. Ein Patriarch.*) Josef Hannlch 90 Jähret Daß wir dieses Tages gede»»ken können, erfüllt uns alle mit Freude: Heute vollende: einer von de»» ganz Alten, einer der Begründer der deutschen Arbeiterbewegung Böhmens,! einer, der schon in den heute fast sagenhaften sechziger Jahren des verga»»gene>» Jahrhun» I dertS das Banner der Sozialde»»»okratie entfaltet hat, unser alter, lieber Josef Hannich sein 90. Lebensjahr. Man kann eS kaum glauben, daß noch«in Mann l«bt, der unmittelbar unter den Auswirkungen der Agitation Lassalles in Deutschland zu Klassen- bewußtsein und Erfasse»» der geschichtlichen Aufgabe der Arbeiterklasse gekommen ist. Mit Verehrung gedenken alle, die noch Josef Hannich ii» der Arbeiterbewegung am Werke gesehen haben, heute des Alten,— und den Jungen, die ihn nicht kennen, sei wenigsten«- kurz erzählt, wer Hannich ist. Josef Hannich wurde am 23. Juni 1843 als Sohn eines Schneidermeisters it» Rosenthal bei Reichcnbcrg geboren. Seine Jugend war traurig und durstig, denn den Vater verlor er noch als K!»»d und die vcrwitivete Mutter hatte für sechs Kinder zu sorgen. Er wurde Weber und schon als Lehrbursch hatte er einet» unbändigen Wissensdrang, der ihn zum Buche>»nd ins Theater sowie zum Studium fremder Sprachen trieb. Bereits in der ersten Hälfte der sechziger Jahre, als zwanzigjähriger Mensch, interessiere, er sich für die Arbeiterbewegung und 1806 schon bekleidete er seine erste Funktion. In den siebziger Jahren sehen wir ihi» in den vordersten Kampfreihcn der Reichenberger Arbeiterbewegung. Innige Freundschaft verband ihn niit Josef Schiller, dessen Schtvestcr er zur Frau nahm. 1878 wird er durch das Vertrauen der Reichenberger Arbeiter zum Redakteur des„Arbeiterfreund" gewählt. Als dann die Verfolgungen der Arbetterbewegung einsetzten, wurde auch er an» 30. Juni 1882 verhaftet, nach Prag eingeliefert und hier a»»l Vortage des Weihnachtsabends 1882 zu drei Monaten Kerker verurteilt. Da»»»» kehrte er wieder zum Webstuhl zurück, bis er 1886 zum „Bolksfrcu»»d" nach Brünn bcr»»fen wurde, wo er bis 1891 gewirkt hat. In diesen» Jahre übernahn» er die Redaktion des„Nordböh- mischen BolkSboten" in Steiuschönan. Einer der schönsten Tage seines Lebens war, als er 1897 im Wahlkreise Reichenberg mit einer Bierfünftel-Mehrheit z»nn Abgeordnete»» gewählt wurde, ein Mandat, das er auch 1901 für die Partei gesichert hat: er war damals der ei»»zige in Böhmen getvählte sozialdemokratische Abgeordnete. 1906 legte er sei»» Mandat nieder u»»d übersiedelte nach Wien. Ein Atigenlciden erschwerte ihm seither seine politisck)c Tätigkeit. 1907 wurde er abermals, uitd zwar im Wahlkreis Runiburg, zum dlbgeordncten gewählt, 1911 unterlag er bei de»» Wahlen und zog sich von» politischen Leben zurück. Seitdem lebt er zurückgezogen bei seinen Kindern i»t Wien. Äir habe»» Josef Hannich viele Jahre nicht gesehen, aber das eine wolle»«»vir ihm heute sagen, wir haben ihn niemals vergessen und die Saat, die er gesät, das, was er uns gelehrt, wird niemals nntergchen. Die Liebe deü deutschböhmischeu Proletariats»tmhegt den Patriarchen der Arbeiterb-wegung an diesem seltenen Tage, wie er nur wenigen Menschen gegönnt ist. Josef Hannich, wir grüßen Dich heute,»vir schütteln ergriffen Deine Rechte,»vir haben Dich in den viele»» Jahren, da Du nicht mehr unter uns arbeiten und kämpfe»» kannst,»»ich» vergessen, in den Jahre»», da eine Welt sich verändert hat. Unsere Freundschaft und unsere Siebe, unsere Dankbarkeit und unsere Verehrung seien der Lohn, den Du heute a»i Deinem neunzigsten Geburtstage als schönstes Geschenk empfängst. 1*) Dieser Aufsatz ist durch«in Versehen der Druckerei gsstevn nicht erschienen. Absage an Mussolini. Seit« 4 ttattltag, 94. Jnnk 1988 Ar. 147 Herr Gesandter, unterrichten Sie Ihre Regierung? Sic huschen vor dem Völkerbund! „Wahrung btt verfasinngömäßigen Rechte"— kl Danzig. Danzig, 23. Juni.(Wolfs-Büro.) Ter Tau« ziger Senat-Präsident gab heute In seiner Regier rungSerklärung im Danziger BolkStag u. a. ein starke» Bekenntnis zu einer Politik de» Friedens und der Verfassungstreue, der Achtung vor jedem fremden Volkstum und der unbedingten Wahrung der verfassungsmäßigen Rechte aller Staatsbürger und der vom Völkerbund geschützten Verfassung al- der Garantie deS Friedens, Er sagte weiter, der Senat werde bereit sein, eine Bereinigung der Danzig»polnisrl)cn Streitfragen durch»»mit. telbare Verhandlungen zu versuchen. Um die notwendigen Maßnahmen reibungslos und mit Beschleunigung durchführen zu können, lege der Senat dem Volkstag«in e infachcS Ermächtigungsgesetz vor. Ingend-Trloiiie zerllattern. Alle JHOnOOnde aulgeiOsL Berlin, 22. Juni, Der Jugendfiihrer Baldur von Schivach Hot angeordnet: Der Jungdeutsche Bund mit seinen Unter, und Teil» ovganisationen ist mit Wirkung vom 17. Juni aufgelöst. Mit dem Grohdeunchen Bund sind aufgelöst: Freischar, Junge Nation, Deutsche Freischar, Deutscher Pfad, s i n d e r b u n d, die G e u s e n, Ringgemeinschaft deutscher Pfadfinder, Ring deutscher Pfad, sinderaaue, deutsche» Pfadfinder, torp», Frerschor evangelischer Pfad, sinder. Der ReichSauSschuß der deutschen Jugendverbande wird mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Die bisherigen Aufgaben de» Reichs» ouSschufseS werden in die erweiterten Aufgaben der Jugendführung de» Deutschen Reiche- über, nommen.— Sämtliche Jugendorganisationen Deutschland- sind dem Jugendsührer der Deut, schen Reiche- zu melden. Jugeitdorganisätionen, die diese Meldung bis zum, 1s. Juli nicht oder nur unvollständig vollzogen haben, gelten als aufgelöst. Van der Lohnes Verteidiger. Berlin, 21, Juni. DaS Wolfsbüro meldet: Die ausländische Presse beschästigt sich mit der Frage der Verteidigung im Strafverfahren gegen die ReichStagSbrandstister. Don zuständiger Stelle wird daraus hingewiesen, daß selbstverständlich auch in der Strafsache gegen die Reichstagsbrand» stifter noch den gesetzlichen Vorschriften der Para- graphen 137 ff der Strafprozeßordnung verfahren wird. Die Erörterung über die Wohl oder Bestellung einet Verteidiger- findet ausschließlich Ävischen dem Beschuldigten und dem Gericht statt. Für außenstehende Personen siebt da- Gesetz kein Recht vor, sich mit eigenen Anträgen an da- Ge. richt zu wenden. StahlhcUnlhhrcr in Sdralzhalt Kottbu»(Brandenburg), 22. Juni, Bei einer polizeilichen Durchsuchung de» hiesigen Arbeitslager- des Stahlhelm- wurden zwölf Militärgewehre und mehrere Militärseitengewehre. beschlagnahmt. Ter Führer deS Lagers wurde in Sckutzhaft genommen. Auch das Stahlhelmheint und die Geschäftsstelle wurden durch SA besetzt und die Führer in Schutzhaft genommen. Ta- Lager wurde polizeilich geschlossen. Die Durchsuchung de» Lager- erfolgte, weil sich marxistische Elemente eingeschlichen hatten. rosdsttschc Grtthcrschändung. Stet» geleugnet, nun selbst geübt.. In den Jahren vor der Machterschleichung haben reich-deutsche Aufbauwillige über 140 jüdische Friedhöfe durch Umstürzen und Besudeln der Grabsteine geschän det. So oft es ging, haben sie die Täterschaft geleugnet, nur ist sie leider in zahlreichen Fällen von noch nicht gleichgeschalteten Gerichte» festgestellt worden. Indessen hatte die NSDAP al» solche mit den Graberschändnngen selbstverständlich ebeiisotvenig zu tun wie mit den zahllosen Arbeiter morden und den ; unzähligen Bombenanschläge», seinerzeit , in Mecklenburg und Schlesien ebensowenig wie jetzt in Wien! Da muß e« doch geradezu als ein bedauerlicher Betriebsunfall bezeichnet werden, daß die Hitlerpartei im Stadtrat München soeben hat beschließen lassen, die Grabsteine für Kurt Ei-ner und Gustav Landauer entfernen ; und die Gräber selbst al»„erloschen" eineben zu lassen. Künftig soll kein Mensch mehr erkennen, wo diese zwei edlen Opfer neuteutscher Mordlust beerdigt sind. Kurt Ei-ner, einer der feinsten und gebildetsten Geister der wilhelminischen Zeit, der ' al» bayerischer Ministerpräsident von dem Gra. sen Arco» Valley aus offener Straße abge- . schossen wurde— und Landauer, der hochgr- ftnnte Menschenfreund und Idealist, geschlachtet .. von der Ordnungsarmee, die da» rote München niederwarf und Hunderte Menschen mordete. ' Dor dem Zuchthaus Stadelheim haben die Mord- knechte den wehrlosen Gefangenen gekillt. ReudeutschcS Recht geschieht den beiden To- iK;ten— warum waren sie auch Sozialisten und < Pazifisten! Der Herr Gesandte Dr. Koch hat, als wir über die Hunnengreuel zu berichten begannen, eifrigst interveniert, um die Schreib- tveise der sozialdemokratischen Presse zu än dern. Da» fruchtete nichts, woraus er seine Bemühungen einstellte. Er hätte freilich nach wie vor die Pflicht gehabt, itnsere Angaben zu widerlegen; wir haben unS selbst erbötig gemacht, nachgewiesene Unwahrheiten zu berichtigen. Der Herr Gesandte hat diese» Anerbieten nicht angenommen, nicht annehmen können, tveil nicht» zu berichtigen war: wir haben uns immer auf die Wiedergabe von T a t sa ch e n beschränkt. Nun hat aber die Reichsregierung durch den deutschen Rundfunk einen heftigen Angriff gegen uns gerichtet, der darauf schließen läßt, daß sie entweder bewußt lügt— das tut sie übrigens des öfteren, wie insbesondere die österreichischen Hörer feststellen können—, oder von der einst auf den guten Ruf der Hunitenregierung so eifrig bedacht gewesenen Prager Gesandtschaft nicht unterrichtet wird. Sonst hätte e» nicht Vorkommen können, daß die ReichSregieruna behauptet, wir hätten un» zu der Einladung auf Besichtigung der Konzentrationslager nicht geäußert, während wir doch am 23. April in aller Oeffentlichkelt dem Herrn Gesandten vorschlugen, eine Besichtigung zu ermöglichen. ,Wir sind, wenn e» der Herr Gesandte wünscht, gerne bereit, ihm die Arbeit dadurch zu erleichtern, daß wir seinen Chef», den Konzentrationslager- Demokraten, ein Freiexemplar zusenden, auf daß sie wenigstens nicht mit einer mehrwöchigen Verspätung lugen müssen. WaS aber die Konzentrationslasser betrifft, so haben wir heute neue» Material: die Reichsregierung wage, zu dementieren! MC es Im Konzentrationslager zugeht! Berlin, 22. Juni.(Info.) Einem Brief aus dem Konzentrationslager Börnicke entneh- mett wir: Das Lager liegt an der Bahn Rauen—Kremmen mitten«m Walde. E» ist eine ehemalige Zementfabrik. Zur Zeit sind etwa80Gefangene dort. Im Schlafraum, einem schupfenähn- lichen kalten Zementgebäude, dient als Unterlage nur etwa» Stroh, auf da» sich die Insassen in ihren Kleidern, ohne Decke und Wäsche, legen müssen. Ta» Essen ist unzureichend und schlecht. Die Gefangenen müssen entweder im Lager schwere Arbeiten leisten oder sie iverden an Un terneh>ne r „a« S g e l i e h e n". Das Arbeitstempo wird durch Antreiben oder Schläge ständ!g gesteigert. Z»lr Aufrechterhaltung von„Zucht" und „Ordnung" mußte ein Lagerinsässe(Schuhmacher) Nilpferd peitschen anfertigen. Am 28. Mai wurde der polnische Arbeiter Michael N a ch o b- s k i au- Ranen, Berknerstraße 20, bei einer der viehischen Mißhandlungen totgeschlagen. Trotzdem die Insassen sein« Schreie anhören mußten, wurde am andern Tag erzählt, er wäre rin Brief Loches. Er kann seine Meinung nicht unbeeinträchtigt äußer«. Die soeben in Saarbrücken erscheinende „Freiheit" hat an Paul Loebe einen Brief gerichtet, in dem sie den ehemaligen ReichStag»- irästdenten ersucht, an dem Blatte mitzuarbeiten. Paul Loebe antwortet« wie folgt: Berlin RW. 7, den ö. Juni 1933 Verehrte Genossen! Eurem Wunsche kann ich unter den obwaltenden Umstände» nicht entsprechen. Weder»ach der einen, noch nach der andern Richtung würde ich im gegenwärtigen Augenblick meine Meinung zur politischen Situation uneinbetrachtigt äußern können, und an Halbheiten könnte auch Euch nicht- gelegen sein. Deshalb werdet Ihr bi- ans weitere» auf meine Mitarbeit verzichten müssen.. Mit freundlichen Grüßen Loebe, «ne bedeutungsvolle Entscheidung. Wien, 23. Juni. Der Verfassungsgerichtshof hat in der Rechtssache de- Lande- und der Ge- ineilwe Wien gegen den Bund wegcn 19.6 Millionen Schilling beschlossen, von-onttswegeu in die Ueberprüfung der G e s c tz m a ßi g k e i t der Verordnung vom 23. Mai>983 be ressend Abänderung der Zusammensetzung des Verfassung-, gerichtshoses einzugelstn und dalxr da» Verfahren in der obigen Angelegenheit zu unterbrechen. an„-Herzschlag" gestorben. Die blutbesudelten Sachen de» Erschlagenen wurden in der Röhe de» Lagers v e r b r a n n t. An« 30. Ma! wurde der 50 Jahre alte O. Sander aus Falkensee zuerst im Walde gezwungen, sich auf- und nicderzuwer- fen, dann stellte man ihn auf einen Sandhügel und feuerte«ine Anzahl Schüsse auf seinen Kops hinweg und schließlich wltrde er in der Wacht» sttlbe auSgc zogen und derart verprügelt, daß er mehrcrentale in Ohnmacht fiel. Orsien sadisllsdier Blutgier. London, 13. Juni.(D. K.-P.) Der bulgarische Arzt Dr. Anghelinow schildert in einer Artikelserie im„Manchester Guardian" die gräßlichen Folterungen in Berliner Nazikerkern. Dr. Änghe. linow. der seit zehn Jahren in Deutschland lebt und an verschiedenen Berliner Krankenanstalten al« Assistent tätig war, wurde unter dem Verdacht verhaftet, daß er«in Mitglied der rusiischen Tscheka sei. Da er jede politische Wirksamkeit in Abrede stellt«, wurde er solange mit Lederpeitschen und Stahlruten geschlagen, bis er die gestellten Fragen mit einem„Ja" beantwortet«. Wenn er das Bewußtsein verlor, wurde er gelobt und aufneue unbarmherzig geprügelt. Ein Nazi, der al»„Kriminalkommissär" angesprochen wurde, bedrohte ihn mit Erschießen, wenn er nicht gesteh«,«in kommunistischer Verschwörer zu sein, ueberdie- wollt« man dem bulgarischen Arzt die Namen seiner„Mitverschwörer" entreißen. Eine Trau nudit gepeitscht. Dr. Anghelinow erzählte von einer Kommunistin, di« in die Nazikasernc cingcliefert wurde, weil sie einen zu den Nazi übergegangenen Kommunisten Verräter und Lump genannt hatte. Die Frau wurde von einem Dutzend Brann. Hemden splitternackt«»»gezogen und mit Peitschen und Ttqchlruten bearbeitet, bi» ihr Körper«in blutiger Klumpen Fleisch war. Ei« junger Bursch« wurde dabei betreten, wie er«ine« Handkoffer de« kommunistischen Reich«, tagbabgeordneten Kippenberger zum Bahnhof trug. Der bulgarisch« Arzt lag«in« Nacht «eben de« Bursch«« auf dem Steinboden der Folterkammer und sagt, daß da» Gesicht de» jungen Mann«», von den Hieben mit der Stahl, rut« vollständig zerfleischt,«in« unkenntliche Mass« war. neu nitler! mit der Stahlrute! Al» ein Häftling namens Schulz gebracht wurde, schreibt Dr. Anghelinow, stürzt« sich di« ganze Rotte von Hitstr^Aardisten auf den Mann. ,,T« war ein« Szene, die ich nur al» eine Orgie sadistischer Blutgier bezeichnen kann." D!« Folterknechte schlugen besinnungslos atff den Gefangenen«in und schrien dabei wie besessen:„Heil Hitler!" Rach dreitägigen grausamen Folterungen, denen seine Gattin zuschen mußt«, wurde der bulgarische Arzt in da» Spital in der Scharn» horststraße übergefübrt, Weik er dem Tode nahe war. Nachdem er drei Tage dort gelegen war, kam ein Zivilkommissär mit einer-Hakenkreuz» armbinde und teilte Dr. Anghelinow mit, daß er frei sei, e» habe sich kein strafbarer Tatbestand gegen ihn ergeben. Er brachte ihn int Auto in seine Wohnung. Dort fragte er, mit einem Blick auf da« besammeru-wcrte Aeußere de» Bulgaren, I bedauernd:„.Hat man Sie geschlagen?" Und als Dr. Anghelinow bejahte, meinte er:„Ach, w i e -itter-Veutschlaud rüstet. In den jüngsten Tagen erhielten di« er» tvachsenen männlichen Arbeitslosen in Deutschland von Amts ivegcn Erhebungsbogen mit der Aufforderung, sic den Tatsachen ent« sprechend zugestellt und an bestimmten AmtS» stcllen abzugebcn. Diese amtlichen Erhebung-» bögen haben folgenden Wortlaut: Nam«... Abt.... Rr.... Vorname,.. Geb.-Tag... Ber.-Gr.... Sind Sie Ange- höriger einer not. Dehrverbandes?(ja od. nein) ... Seit wann?... Welcher Verband?(2. A., TS, Ttahlhelni,-Nyffhäuser, MilitärverelnSbund oder ähnliche)... Welche Formationen?(z. B. Stand. 100 B)... Sind Tie Kriegsteilnehmer? ... a) Fronttompser?(Ja oder nein)..- b) Etappe?(ja oder nein)... Haben Sie im Baltikum, in Öberschlesien oder gegen Tpartakisten gekämpft?(ja oder nein)... Sind Sie Kriegsbeschädigter?(ja oder nein)... Wieviel... Sind Sie Im Besitz de» Verwundetenabzeichen»? (ja oder nein),.. Obig« Angaben sind unbedingt durch Ausweis« zu belegen!(Militärpaß, Personalausweis oder sonst amtliche Unterlage»).— Gewissenhaft au-füllen!! Betr. Ihre bevorzugte Vermittlung!! Angeblich sollen dies« Bogen als Grundlage für den Arbeitsdienst dienen. Aber die gestellten Fragen lassenunschwer erkennen, daß eS sich um ein« neu«, nur schlecht getarnt« förmliche Mu- sternna zum Zwecke der Einreihung in militärische Formationen handelt. „Ei» Muller der varlamegtartlche» Kretinismus". Trotzt! über de» Pariser »A«tifaseiste»"»ttongr«tz. Di« kommunistischen Blätter haben d«S langen und des breiten über die Pariser Kommunistentagung, di« sich„Antifafeisten-Kongreß" nannte, geschrieben und di« besoitdere Bedeutung hervorgehoben, welche dieser Tagung Im Kampfe gegen den FaseiSmuS zukommt. Man höre nun, was Trotzki, von dem doch niemand behaupten wird, daß er für den Fasei-mu» etwa» übrig habe, über den Kongreß sagt. Wir entnehmen diese Aeußerung einem Artikel Trotzki» in der Zeitschrift„Unser Wort", Jahrgang 1, Nummer 7: Die ,/lNtifaseiftische Bewegung in Oesterreich", schreibt die„Praivda" vom 28, Mai, „wachst mit jedent Tag«.(!) Im ganzen Land sind trotz der Sabotage der Führer der österreichischen Sozialdemokratie breite Vorbereitun» gen für den antifaseistffchen Europäischen Arbeiterkongreß im Gang."(Bon un» unterstrichen — L. T!) Aufs.Haar so ist in Deutschland die antifascistische Bewegung„mit jedem Tage gewachsen", um am o. März plötzlich unbekannt wohin zu verschwinden. Diese Leut« haben nicht nur nicht» verstanden, sie wechselten nicht ein'mal die Schablonen ihres Optimismus. Das sind keine Revolutionäre, s o n d e r n P f a f f e n, die am Bette jede» Sterbenden ein und dieselben Formeln tröstellder Lügen wiederholen. Worin äußert sich jedoch die antifaseistische Bewegung eigentlich? Und ivamm ging ste selbst schweigend an dem Verbot der Kompartei vorüber? Sie war zu sehr beschäftigt— diese„mit jedem Tag wachsende" Bewegung— mit anderen, höheren Aufgaben: der Vorbereitung de» Bar- bussekongresse» in Paris. Da- ist e i n M u st e r de» parlamentarischen Kretini»- m u s, zur Aufklärung für die Allerückständiasten! Man muß nicht denken, daß zu parlamentarischem Kretini-muü etwa«in Parlament nötig fei; e- genügt dazu im allgemeinen e i n e b« s ch u tz t e, vom Kampfschauplah ferne Tribüne, auf der man heuchlerische Reden halten, sich mit leeren Formeln spreizen und für 24 Stunden „Bündinsse" schließen skann mit Journalisten, Touristen, Pazifisten, gekränkten Radikalen, Te- nören und Baritonen... Ist nicht klar, daß mit der prahlerischen Berufung aus den Paristr Kongreß die„Prawda" vollständig dessen wahre Bedeutung enthüllt: die Aufmerksamkeit von der Wirklichkeit auf eine Fiktion zu lenken, von der Eroberung der Massen auf ein Spiel mit dem Parlamentarismus, von unversöhnlichen Klafsenzusammenstäßen auf die Zusammenarbeit mit„Einzelgängern", vom Mener Pflaster auf einen schicken Saal in einem vornehmen Pariser Viertel, vom Bürgerkrieg aus«ine leere Hebung in Beredsamkeit. Oder ander-: von den Methoden des Bolschewismus auf den parlamentarischen Kretinismus. Mierendorf wurde mißhandelt! Aus Deutschland wird uns geschrieben: Vor einigen Tagen dementierte die hessische Regierung auf da» energischeste eine Schweizer Meldung über Mißhandlungen de« verhaftete« sozialdemokratischen Abgeordneten Dr. Mierendorf. Inzwischen ist erwiese», daß die hessische Regierung bewußt gelogen hat. Mierendorf wurde nach seiner Verhaftung ins Polizeipräsidium von Frankfurt am Main eingeliefert Da sich hcrauSstellte, daß nichts gegen ihn vorlag, sollt« er auf ausdrückliche Anordnung deS nationalsozialistischen Polizeipräsidenten enthaftet werden. Die SS, die das erfuhr, drang mit einem Rollkommando in das Polizeipräsidium ein, entriß Mierendorf den Polizeihe- amten, die ihn schützen wollten, und entführte ihn nach Darmstadt. Schon auf dem Wege wurde er schwer mißhandelt. In Darmstadt schleppten ihn die SS-Leute durch die Straßen, wobei sie die Menge aufhetzten, mit Mierendorf „abzurechnen". Die Folge war, daß der krieg»- beschädigte Mann durch einige Straßenzüge Spießruten laufen mußte. Er wurde geprügelt, mit Stein en beworfen undde- spuckt. Solvohl der hessische Ministerpräsident als auch der Polizeipräsident von Darmstadt wurden von diesen Vorfälle» sofort verständigt. Sie weigerten srch aber, gegen die unmenschlichen Vorfälle einzuschreiten. Arbeiter, die Mierendors zu Hilf« eilen wollten, wurden von der SS mißhandelt und mit dem Konzentrationslager bedroht. Mierendorf wurde in einem fürchterlichen Zustand zur Polizei ge- . bracht, und dann ins Konzentrationslager eingeliefert. Tas Ganze Hot sich nicht iit den Märztagen, int Sturm und Drang der„nationalen Revolution", sondern vor kaum einer Woche abgespielt! Ole Zwangsgewerhsdiulien. (D. G.) Der Druck, mit dem die Arbeiter m die saseisierten Gewerkschaften gezwungen werden, wird von Tag zu Tag stärker. Der jetzt von Fascistcn geleitete„Grundstein", das Organ des Bauarbeiterverbandes, schreibt in Nr. 22: „Unorganisierte Arbeiter werde eS künftig nicht mehr geben. Jeder muß gewerkschaftlich oraani- fiert sein. Es sei denn, er stelle sich außerhalb der Nation. Wer nicht gewerkschaftlich organisiert ist, soll künftig nicht mehr Staatsbürger sein." Nr. 147 Samstag, 24. Juni 1088 etil« 5 Da» Radsportprogramm ist äußerst reichhaltig. Bor all«m ist daS Straßenrennen anzuführen, das über di« Streck« Schreckenstein, Altstadt, Tetschen, Bodenbach, Lulau, Königswalde, Arbesau mit dem Ziel Aussig-Stadion führt. Das Badkunst fahren wird besonders Interessieren, weil di« besten Fahrer um die F« st m e i st e r s ch a f t känipfen wer» den. Ferner finden Radballturniar« int Zweier» und Dreier-Radball uni die Feit« Meisterschaft sowie«in Sechser-Rasenrad- boll(I. gegen II. Kreis) statt. Auch di« Motorradfahrer iverdcn mit einem Achter-Motorrad- reigen austreten. Die verschiedenen Radsportverbändc werden also wesentlich an der Ausgestaltung des FestprogrommeS teilhaben. La» Kartellgefeh fettiggestellt. Die Vorarbeiten zum Kgrtellgesetz sind in der Expertenkommission so weit gediehen, daß Montag die letzte Redigierung der ouSgearbeiteten Vorlage erfolge» und das Elaborat dann an die Negierung wcitcrgeleitct werden ioll. In» Par lanient dürfte die Vorlage erst in der übernächsten Woche kommen. Ueber die Grundsätze der Vorlage verlautet, daß die Kartellverträge r e g i st r i« r t, also da- durch'auch prinzipiell anerlannt werden sollen: ihre Einhaltung kann erzwungen werden. ES wird eine eigene interministerielle Kommission ge bildet, bei der sich jeder beschweren kann, der sich durch die Preis- oder KontingentSvcrein- barungen der Kartelle geschädigt suhlt. Bei jeder Beschwerde führt diese Kommission ein Verfahren durch, für dessen Dauer die angefochtenen Verein- barunaen ruhen. Zn diesem Stadium Ist auch ein E i« g r c i f e n. d. h. eine Anrufung der Regier.ung möglich, b: e dann durch Verordnungen in die Kartellbedingnngen eingreifen kann. Ein Rekurs gegen die Entscheidung der Kommisson geht an eigene K a r t e l l g e r i ch t e, die bei einzelnen Kreisgerichten errichtet werden sollen. Der bevollmächtigt« Vertreter der 11SSR in Prag. Sergej Sergejewitsch Aleran- drowski. überreichte am 18. Juni l. I. dem Vertreter des Außenministers, Gesandten Dr. Krofta, sei» Beglaubigungsschreiben. Vom Rundfunk Empsehicnowcrtes auS den Programmen. Sonntag: Prag: 6.80 Gymnastik 8.SO Alte Musik auf alten Instrumenten. 9.85 Literarische Stunde. 17.15 Schallptanen. 18.00 Deutsch« Sendung: Pros. KrauS: Uebersicht über daS Musikprogramm, Faune, Oper von Flotow 1912 DaS Gäßchen unserer Jugend. 21.00 Orchesterkonzert. 22 20 Populäre tschechische Tanzlieder.— Brün«: 11.00 Konzert. 1730 Slowakische Volkslieder. 18.00 Deutsche Sendung: Flöirnstunde, musikaliiches Hörspiel. — Mähr.-Ostrau: 1200 Populäres Orchesterkonzcrt. 19.00 Äichtr Orchcstermusik.— Frauen», Äugend», Kinderfunk: KönigSwusterhausen 14.00: Jugendstunde; München 14.50: Für die Kinder, 19.35 Schul« und Erziehung.— Konzert«: Berlin 20.45; Heiteres Konzert.— Opern: Wien 20.00: Drei arm« Teufel. Montag: Prag: 6.00 Gymnastik. 11.00 Schallplatten. 18.25 Deutsche Sendung: Bruch-Hölz: Ein Kapitel au- dem Leben eines Kleinkindes. 20.22 Kinderlieber. 20.55 Sazophonkonzerl.— Brün«: 17.85 Ju- gendstunde. 18.22 Deutsche Sendung: Französisch. 19.10 Bunt« Stunde. 20.52 Es brennt, Hör- szene.— Mähr.-Ostrau: 10.10 Blasmusik. 14.20 Or- chesterkonzert. 18.30 Deutsche Sendung: Die Erlebnisse einer Schlesierin in USA. 21.10 Doppelkonzerte von Mozart.— Spiel und Sport: Wien 15.20: Unfallverhütung beim. Schwimmen.— Frauen», Jugend-, Kinderfunk: Königswusterhau- sen 15.00: Jugendhostclstund«; München 15.00: Stunde der Hausfrau; Berlin 15.45: Sportjugendstunde; BreSlau 18.00: Kinderfunk.— Konzerte: Breslau 20.00: Aus Operetten. Dienstag: Prag: 8.00 Gymnastik. 10.10 Deutscher Schulfunk. 12.10 Schallplatte«. 18.15 Dr. Char- vat: Russische Aktualitäten. 18.28 Deutsche Sendung: Jugendstunde mit Musik. 19.80„Dir Teu- selswanb", Oper von Smetana.— Brün«: 14.50 Orchesterkonzert. 17.85 Pfadfinderstunde. 18.25 Deutsche Sendung: Berufsberatung für Eltern und Töchter.— Spiel und Sport: Wien 15.20: Bergsteigen als Volkssport.—'Frauen», Jugend», Kinderfunk: Langenberg 15.00: Kinderstunde; München 15.00: Stunde der Hausfrau; Wien 15.80: Jugendstunde; Berlin 15.45: Sportjugendstunde; Mühlbausen 18.00: Frauenstund«.— Konzert«: BreSlau 2t.15: Konzert der Schlesischen Philharmonie..— Optrn: Wien 19.35:„Margarethe" von Gounod. Militärflugzeug in Flammen. Beobachter durch Fallschirm-Absprunr,, Pilot nach der Landung gerettet. .... V* 0 0' 28. Juni.(MRO.) In den heutigen Mittagsstunden geriet der Aeroplan de« militärischen FluaüvunaSplatze»„A—82--2" mit einem 500 PS Skoda-Motor während eines DienstslugeS von Prostöjov nach Königgrätz in Brand. In dem Flugzeug saßen Oberstlent» nant-Feldpilot Georg D r 8 a t a und StabSknpitän-Beobachter Gustav B e r n n«k, beide vom FlugubungSplatz in Prostöjov. Der Beobachter, Stabskavitän Berünek bediente sich, als d«r Brand entstand, de« Fallschirme», der sich richtig öffnete, und landete mit dem Fallschirm auf der Eisenbahnstreckc bei der Bölohradska Dudina nördlich von Pardubitz. Der Unfall hatte für ihn nur einig« leicht« Abschürfungen zur Folg«. Der Pilot Oberstleutnant DrSata ging mit dem brennenden Flugzeug im Gelände der Bölohradskä Dudina nieder. Rach der Landung sprang er au» dem Flugzeug. Da» Flugzeug verbrannte vollständig. Oberstleutnant DrSata erlitt Verbrennungen zweiten Grade» und wurde sogleich in da» Militärkrankrnhau» nach Pardubitz geschafft, wo er sich in Behandlung befindet. Dir Einzelheiten dr» Unfalls und fein« Ursachen untersucht «in« Militärkommtssion de» Fliegerregimentr» Rr. 4 au» Königgrätz, dir vom Rationalvertei- dlgungSministerium sogleich an di« UnfallSstelle entsandt wurde. T agesneuigkeiten Verhaftung des Rechtskonsulenten der Böhm, llnlonvank. Am 19. Juni wurde der Rechtskonsulent der Böhm. Unionbank in Prag Dr. Karl Stiaßny zum Verhör voraeladen und danach in Hast genommen. Die Ursache dieser Verhaftung ist Verdacht wegen Teilnahme an einer Bestechung und Hinterlegung verheimlichter und unversteuerter Gewinne in der Schweiz. Diese Verhaftung muh um so mehr Aussehen erregen als erst vor ganz kurzer Zeit der Direktor der Filiale Königinhos derselben Bank, Otto Sinek, verhastct wurde. Der veruazte Professor in der„Reichenberger Zeitung". Unter der großen Anzahl von Leibärzten, die über dos leibliche Wohl des Sonnenkönigs zu wachen hatten, bekleideten einige das beson- oerr Ehrenamt, jeden Morgen die allerhöchsten Exkremente S. M. sorgsältigst zu untersuchen, und diele Herren, die gut bezahlt wurde», standen in hohem Ansehen und bestem Geruch. Was damals diese.Herren von AmtSiveaen tun muß- ten, besorgen heute sehr gelahrte Herren— zum Teil mit Professorentitrl behaftet— aus purer Liebe zur Sache. Da hat vor einige» Tagen ein Professor RamentutnichtSzursachc in der früher d.-utschdemokratischen, jetzt gleichgeschalteten „Rcichenberger Zeitung" unter dem Titel„Ge- genrcvolution" einen Artikel geschrieben, der auch ungefähr derselben Ausgabe sich unterzieht: die unverdauten Speisereste großer Männer zu untersuchen. Allerdings tut er dies sozusagen nach der„psychologischen" Seite hin. Da ist der Knthaufen in der Porzcllanschüssel des großen Adolf— mit höchstem Eifer eilen gewisse Herren Professoren herbei, legen den Haufen sein säuberlich auf den Cxpcrimentiertisch und erklären ibn für ungemein kompliziert. Er muß für die Masse mundgerecht, muß analysiert werden. Sic stochern mit ihren Pinzetten in der braimen Masse herum, fiscyrn einzelne Partikelchen heraus, versetzen sie mit den Chemikalien ihrer Phantasie und vergrößern alles unter dem Ültramikroskop. Und siehe da: für die Gel-rhrten kommen gaiiz andere Dinge heraus, als sich die Weisheit der Reichenbcrgcr Zeitunaslcscr hat träumen lassen. Nämlich der Professor schreibt: „WaS i mnr«r auch im Heid) ge- schicht(also auch alle bisherigen und komnun- dcn Scheußlichkeiten der braunen Hunnen) muß zu der alles beschattenden Tatsache auSgrrichtet werden, daß sich dort der letzte Aki einer gewaltigen(wäre nicht bester: gewalttätigen?) Auseinandersetzung vollzieht!" Also, waS der Normalmensch bei dem Rohling, der sich nrit seinem Nachbar„auseinandersetzt". indem er ihm mit dem Maaskrug den Schädel einhaut, eine bodenlose Gemeinheit nennt, gilt für den Hitlrrschen Ueoermenschen als eine„alles überschattende Tatsache!" Verstehst du das, lieber Leser der demokratischen„Reichenberger Zeitung?" Doch weiter: Die Erpressungen an Zeitungen, Verbänden, die Diebstähle an den Vermögen und Häusern der Gewerkschaften, die ange- drohtc Sterilisierung ganzer Äenschengruppcn, die Brotlosmachung.zehntauscnder Menschen, die AutodaföS berühmter Geisteswcrke, arrangiert von alkoholisierten Corpsstudenten, angeführt von einem Reichsminister und servilen,»m ihre Kollegicngelder bangenden Professoren, diele ganze bösartige Hanswurstrade ebenso wie alle in: Namen des neuen deutschen Rechtes verübten Bestialitäten, das siird nach der Analyse des Professors in der„Rcichenberger Zeitung" „... Akt«, der«: Sinn nur deshalb nicht wahrgenommen wird, weil sie von grifteSgeschichtlichen Hintergrund losgelöst werden!" Die(das sind di« nichtnationaljozialisti» scheu Kritiker!) sehen nur Gewalt und nicht di« treibenden Kräfte.. Diese farbenblinden Kritiker! Sie sehen nicht das Heroische Hitlers, die Vornehmheit GörmgS, die Nächstenliebe Goebbels, die Unschuld de» Götterknabcn Röhm, die Ritterlichkeit oeS Fememörders Heines.— alle diese„treibenden Kräfte" wollen sie nicht sehen, üe sehen nur d:e tausende Gefolterter und Gemoroerter, die 30.000 Gefangenen, die tausende jüdischer Parias, das zu einem Sklavenvolk ohne Gleichen degradierte deutsche Volk! In ihrer Voreingenommenheit wollen sie in ihren„guten Hirten" nur tollwütige Bluthunde sehen! Da versteht cs der Ge- währSinann der Rcichenberger Nazi- Tante besser: „Tie(ja, es sind schlimm« Buben!) sollen nur abschließende Werturteile, wo ausschließlich daS Einsetzen eines TranSsorwationSakte« registriert werden darf!" Und die böse Kritik will vartout nicht warten, bis die„Transformation" unter Revolverschüssen und Stahlrutrnhieben sich vollzogen hat! BtS auS den braunen Bestien sich die arischen Pdelinae hcraustranssorunert haben! Wenn du, lieber Leser, jetzt noch nicht weißt, was die Ausgabe einer deutschdemokratischen Zeitung ist, dann kann dir nicht geholfen werden! Lorkr sitzende Knaeln... Urhorod, 22. Juni. Am 19. Juni spät abends schritt eine viergliedrige rumänische Patrouille der militärischen Grenzwache in Crdrck wegen des starken Anschwellrnü des Flusses Tur das tschechoslowakische Grenzgebiet in der Nähe der Gemeinde Frrtrsalnias im Bezirke Sevljuü ab. Al» die Wache dem Landwirt Georg K a I iii n it n, einem tschechoslowakischen Staatsangehörigen, der in einer Einöde im Gebiet der Gemeinde Fcrtesalmas wohnt, begegnete, lötete sie ihn durch einen Schuß aus einem Militärge- >vchr, da sie ihn auf Gründ einer anonymen Anzeige für den H r h l r r von Schniuggel- aut hielt. Der Vorfall hat in der Gegend große Aufregung hcrvorgcrnfen. Kalmann hinter- l ä ß t sieben Kinder im Alter von 1 bis 12 Jahren. Die Untersuchung des Vorfalles leitet der GcndarmeriebezirkSkommandant; eine Gerichtskommission hat sich an Ort und Stelle eingesunden. 200 000 BSume entwurzelt. Oslo, 23. Juni. Ein furchtbarer Zyklon und eine Wasserhose rasten am Donnerstag obends über den Wäldern nördl'ch von Oslo. -Ungefähr 200.000 Bäume wurden herauSgerissen. Ein Osloer Blatt schätzt den Schaden aus 100.000 bi» 200.000. Kronen. GewerkfchattssekretSr Schmaus— tot. Wolff-Büro meldet Selbstmord. Berlin, 22. Juni. Da» Wölfisch« Büro mrldet, daß der 53jährige Gewerkschaftssekretär Schmaus, in besten Hau» sich der blutige Vorfall in Köpenick abgespiclt hatte, heut« mittag« in einem Geräteschuppen erhängt ausgesunden wurde. Anscheinend hab« SchmauS aus Furcht vor den Folgen des Uebersalle» Selbstmord verübt. Schnee in Italien. Rom, 23. Juni. Ueber ganz Italien, beson- ders über den Norden des Landes ist ein schweres Unwetter niedergcgangen. das bei Jntra in der Provinz Novara Erdrutschungen und in der ganzen Provinz Novara»ind am Lago Maggiore Ueberschwcnimungen verursachte. Im Distrikt Savona und in der Provinz Brescia gingen schwere Wolkenbrüche nieder, in Biella in der Provinz Novara sind sogar Schneeverwehungen eingetretcn. In der Provinz Cuneo und im Distrikt. Tortona siel-Hagel. Am Barcse-Sce wurde ein Fischregen infolge des Sturmwctlers beobachtet. Tas Unwetter hat allenthalben großen Schaden angerichtet. Ei« Lote» im Mellor. Düsseldorf, 23. Juni.. Im Keller seiner Wohnung wurde gestern obends der Uhrmacher Eduard CabuS kot aufgefunden. Die Leiche wies mehrere Schußverlehyngrn auf. Die Ermittlungen der Kinminalpolizei sind noch im Gange.' Die»ermißt«« spanische« Ozeauslieier. Merieo City, 23. Juni.(Reuter.) Ueber das Schicksal der spanischen Transozeanflieger Calla r t.und B o r b e r a n ist man noch immer im unklaren. Die bisherigen von Indianern stammenden Nachrichten wurden von 32 Militärflugzeugen nachgcprüsl, die an den angegebenen Orten Nachforschungen anstellten, doch konnten keine Spuren gefunden werden. Die Suche nach den Vermißten wird fortgesetzt. Masoryk wieder in Prag. Ter Präsident der Republik ist Freitag, den 23. Juni, nachmittags aus Karlsbad nach Prag zurückgctehxt. Die Besiattlmg Klara Zettins. Moskau, 23. Juni.(Daß.) Gestern wurde die verstorbene kommunistische Führerin Klara Zetkin beigesetzt. 300.000 Arbeiter und Arbeiterinnen gaben ihr da» letzte Geleite. Nach der Einäscherung wurde die Urne in einer Planer des Kreml e i n g e m a n r r t. Den Trauerfeierlichkciten wohnten auf einer Tribüne Stalin, Molotow, Kalinin, Woroschilow und ander« Führer der Kommunistischen Partei der Sowjetunion sowie Vertreter der Komintern und kommunistischen Partei verschiedener Länder bei. Trauerreden, in denen da» Leben und die Tätigkeit der verstorbenen deutschen Kommunistin ge- schildert wurde, hielten Vertreter der kommunistischen Parte! Frankreich«, Deutschlands, Japans, und Molotow für das Zentralkomitee der kommunistischen Partei der Sowjetunion. Anton Bäba-Pilsrn gestorben. Wie wir der „Zukunft" entnehmen, ist Dienstag, den 20. d«. der Sekretär de« Pilsener BergbaurevierratS, Genosse Büba im Pilsener Krematorium den Flammen übergeben worden. Ein Gehirnschlag riß den in vollem Manne-alter stehenden Genossen mitten au» seiner Arbeit. Genosse Bäba war ursprünglich Beamter der Union der Bergarbeiter und wurde, nachdem das Gesetz über die Revierräte der Bergarbeiter verwirklicht wurde, Sekretär de» RcvierratS in Pilsen. Sein Ableben bedeutet für die Bergarbeiter des dortigen Revieres einen schweren Verlust. Im-Krematorium widmete unter anderem auch Genosse Schaffarsch dem Verblichenen Worte de» Tanke». „Mäßig kühl". Unter dem Einfluß von Truckstörung, die gestern über Deutschland lag. dürste der allgemeine Wettercharakter unbeständig bleiben. Wahr sch einlicheS Wetter heute:— Unbeständig, Neigung zu Schauern, in den Sudctenländern mäßig kühl, auch im Osten Abkühlung, W! n d aus westlichen Richtungen. Selbstmord auf den Schienen. Donnerstag früh verübte der Kaufmann und Marktfahrcr Maximilian 8 m o l k a an» K u t 1 e n b e r g Selbstmord dadurch, daß er sich vor einen fahrenden Eisenbahnzug warf. Der Führer de» Zuge» au- Zruö konnte den Zug nicht mehr rechtzeitig rum Stehen bringen, so daß der Körper de» Unglücklichen in Stücke gerissen wurde. Die Ursache der Verzweiflungstat ist unbekannt und Gegenstand einer Untersuchung. Bei Abbrucharbriten in einem alten Fabrikgebäude in Stettin stürzte aus bisher nicht geklärter Ursache eine Mauer de» Gebände» zusammen und begrub fünf Arbeiter unter sich. Einer von den Arbeitern wurde sofort getötet, die übrigen vier Leute erlitten so schwere Verletzungen, daß sie unverzüglich in daS Krankenhaus eingcliefert werden mußten. Pornographen. Die Gendarmerie in Pardubitz hat am Donnerstag den Erzeuger und den Verbreiter pornographischer Photographien und Schriften festgestrllt, die mit Hufe von Jnsr- roten in großer Menge verkauft wurden. ES sind die Buchbinder Wenzel Bachmann aus Taöicc und Josef Z i k a aus Moravany, die sich diese» Geschäft im Großen eingerichtet und viele Tausend Kronen daran verdient haben. Die Er- zeugungSeinrichtungen und viel fertiges Material wurden beschlagnahmt und Bachmann verhaftet. Hitzwell« in Amerika. Den letzten au» Amerika einactroffenen Meldungen zufolge herrschen dort so hohe Temperaturen, daß im Mittelwesten 37 Menschen infolge der Hitze n m s Leben kamen.' Die drei(?) von der Tankstelle. Wie die Gcndarmeriestativn in Horni PoLernice mittcilt, wurde in der Nacht vom 20. aus den 21. Juni von unbekannten Tätern die Benzintank- st a t i o n zwischen Hloubötin und Chvaly anS- geraubt. Die Diebe entwendeten fünf volle Benzinsässer im Werte von 4000 Ke im Gewichte von 1100 Kg. Die Benzinbarrels waren mit der eingepreßten Firma„K. Krnta" und mit den Nummern 9054, 8063, 7789, 8080’«nd 7631 versehen. Bor dem Ankauf wird gewarnt. Für die Ermittlung der Täter wurde eine Belohnung anSgesetzt. Der Bestohlene war nicht versichert. Der Flugtag in Aussig winde wegen»»günstigen Weiters auf Sonntag. de» 25. d verschoben. Er wird aus dem Flugplatz Prirsten bei Karb'tz veranstaltet werden. Das Programm wird in unge- lürztem Umfang abgewickcll.werden: vormittags 9—10 Uhr Ankunst der Flugzeuge,.12,Uhr Propa- gandaflng über der Stadt. Der Nachmittag wird nm 15 Uhr mit einem Borirag eröffnet weiden. Sodann folgen Borsührungen von Start und Landung, Gruppcnslug, Ziellanduug, Falllchirmabwurf, Flüge des Publikums u. ä. Nach Beendigung des Programms Start der Aeroplane znni Flug nah Prag., Ermäßigte Rückfahrkarten während der Feier tag«. I» der Zeit zwischen dem Feiertag am f. Juni und Sonntag, den 9. Juli kd:e Feiertag« am 5. und 8. Juli eingeschlosien) werden die ermäßigten Rückfahrkarten für die Hinrejs« von Miiiwvch. den 28. Juni, bis Sonntag, den 9 Juli, und für die Rückfahrt von Mittwoch, den 28. Juni, bis Mouiag. den 10. Juli, Geltung haben:'die Riick- sahri muß bi» Montag, den 10. Juli, ,12 Uhr mittag« angetreten werden. Die Rückfahrkarten werden demnach 4K bis 121/, Tage gelten, so daß Gelegenheit zu größeren Ausflügen gegeben ist. Dir Freie Schul« der politischen Wissenschaften in Prag. Die deutsche Ausgabe der wichtigsten Be- stimnlungen über das Studium an der Freien Schule der politischen Wissenschaften in Prag ist gegen Bor- einsendung des Betrages von 8 lls in Marken?om Obmann der deutschen Hörervereitiigung an iüesec Schule sind. jur. Karl Voigt in Hohenclbe zu bez'ehen. Seite 8 SamStag, 24. Juni 1HB8 Nr. 147 I Das Fräulein zählte, schrieb etwas aus und gab ihm den Brief wieder.„Es stimmt schon bist daS der den vorzüglicher Hochachtung ergebener Brausewetter, Pasewalker Allee 18»." Stationsvorsteher faltete den Bries zu- und wollte ihn zurülkgcbcn. Aber der der„„. Fräulein genau und schien sich zu freuen. Tann wickelte er die Blumen aus dem Papier und zählte: „Sieben— acht— acht Ioldatenbluinen hab ich gekauft." Die Schwester strich chm den Kragen glatt und sagte:„Willst du deine Mutter sehen?" Der kleine Junge nickte. Sie gingen den Korridor entlang und durch eine Tür, auf der eine Fünf stand. Er blieb im Zimmer stehen und hielt den Strauß auf dem Rücken. Zwo: Betten sah er, und in jedem lag eine Fran. Sie schliefen, und > sagte betrachtete das kleiner Gürtler. Heb den Zettel gut auf." Er steckte ihn in die Tasche uns fragte:„Wer du denn?" „Ich bin die Schwester." „Die Schwester vom Doktor?" „Nein. Bon den Kranken." „Auch von meiner Murter?" „Frerlich." „Da bist du ja eine Tante von mir." „Gewiß, daS bin ich." „Und ich hab nichts davon gewußt", kleine Junge, trat näher, t.i. sich her Sonne zu, verzog das Gesicht und nieste niese nur, wenn ich in die Sonne Der Stationsvorsteher trat hinzu und sagte: .Komm, jetzt setze ich dich in die Straßenbahn." Ter kleine Junge nickte und srogtc:„Host du -„j.J...?* „Freilich! Genau so«inen kleinen Jungen!" „Genau so einen! Wie heißt er denn?" „Arno." „Arno? Grünwalds Arno heißt auch so. Aber man kann doch die Lokomotive auw Ich heiß« Fritz. Rudi auch noch. Mer nur selten. -“ Ta rammt die Straßenbcchn. „Nein, das ist nicht die richtige." „Die fährt nicht zu meiner Mutter?" „Nein. Wir müssen über di« Straße." Der' Stationsvorsteher ging mit Fritz über die Straße. Und dann kam auch schon die richtige Straßen-. bahn. Er hob den Jungen hinauf und sagte dem' Schaffner:„Tas ist der Fritz aus Breitenbach. Er will in hie Klmik von Dr. Brausewrtter, Pasewalker Allee, Dort liegt feine Mama." „Wird besorgt", nrcintc der Schaffner und nahm ihn bei der Hand. „Paß gut auf dein Geld auf!" mahnte der Stationsvorsteher,„uitd grüß dein« Mutter schön von mir und gute Besserung." Fritz beugte sich vor, nahm die Mühe höflich ab und rief, während die Bahn loSfuhr: „Besten Tank noch! Uich grüß du deinen ArnS von mir!" Die Fahrt war lang. Der kleine Junge putzte sich erst ei>näl die Nase. Er tat es so gründlich, daß alle Fahrgäste die Prozedur interessiert verfolgten. Dann zahlte er sein Geld. Er legte Schein für Schein auf sein linkes Knie und fragte, als er damit fertig war, seinen Nachbarn, einen jungen Mann, der angelegentlich zusah: „Wieviel ist das?" „245 Mark." „.Hast du dich nicht verrechnet?" „Nein." „Die kriegt der Doktor. Soviel Geld, was? Mein Vater war gestern noch bei allen Bekannten und hat cs besorgt. Börner hat nichts gegeben. Börner ist geizig.„Fritz stand auf, steckte sein Geld tief in die Hosentasche, behielt die Hand drin und erläuterte:„Da müßt ihr mächtig aufpasscn. Manchmal bat man ein Loch in der Tasche und weiß cS nicht, und hups, ist das Geld weg. Ach ja!" Er seufzte und ging int Wagen spazieren. Eine dicke Dame hielt ihm ein Stuck Schokolade entgegen. Er schüttelte den.Kopf und sagte: „Nein, nein. Da kriegt der Anzug Flecke. Und wenn meine Mutter das sieht, ärgert sie sich. Sch ich überhaupt ordentlich aus?" Er drehte sich ein paarmal um sich selber. Die Leute nickten und lachten. Der Schaffner rief draußen:„Fritz, setz dich anständig hin!" Der kleine Junge kletterte also wieder auf seinen Sitz, gab dem jungen Mann den Blumenstrauß zum Halten, schaute zum Fenster hinaus und meinte nach einer Weile:„So ein Rummel bei euch!". „Wje wahr doch ein Kindermund spricht!" bemerkte eine nervös zwinkernde Dame. „Immer steht man mit einen! Bein int Grabe." Fritz musterte angelegentlich die Füße . der Personen und wandte sich schließlich, durch- 'aus enttäuscht, der Straße wieder zu.„Breiten- Bahnsteig 8 hatte sich geleert. Vorsteher musterte gcwvhnhcitSmö aonS und blieb uberr_,_,....... stehen. Die Lokomotive war nicht allein. Ein kleiner Junge marschierte an ihr entlang, drehte sich um, marschierte ebenso langsam zurück, stellte imm v“ li a v* sich dann mit durchgedrücktrn Knien vor dem auch kleine Kinder?' Beamten auf und sagte:„Ich messe." „Kannst du denn schon zählen?" „Na längst. Der sie malen will, braucht I hundert Meter Papier." r------- kleiner zeichnen." Der kleine Junge schüttelte den Kops, sah sich um und fragte:„Wobnst du hier? Rein? Bei uns in Breitenbäch wohnt er im Bahnhof. Und zwölf blaue Kaninchen bat er! Hast du auch zwölf?" „Nein", sagte der Stationsvorsteher,„aber wo willst du eigentlich hin?" „Meine Muitcr besuchen. Es weiß keiner. Vater denkt, ich dir in der Schule. Bitte, gib mir mal deine Mütze. Ich hab gern welche auf, die mir zu groß sind.„Ter kleine Junge blickte dem Mann ins Gesicht. Weil darin von einem Mützcntausch nicht das mindeste zu lesen stand, ließ er das Thema sollen, schob seine Hand zwi schen die des anderen, zog ihn durch die Sperre und die Treppe hinab und zum Portal hinaus. Hier begann sich der Stationsvorsteher aus seinen Dienst, blieb stehen und fragte:„Waruni holt dich deine Mutter nicht ab?" „Sie ist krank uitd wohnt bei einem Doktor." „WaS fehlt ihr denn?" „Ein Gewächs hat sic. Das hat er aber ab geschnitten. Ob er mir'S zeigt? Was denkst du?" Der Stationsvorsteher schien dergleichen nicht zu wissen. Ter kleine Junge holle einen Zettel aus der Tasche, hielt ihn in dir Höhe und sagte: „Du darfst es lesen. „Geehrter Herr Gürtler! Es wurde die höchste Zeit, daß dir Opera tion bei Ihrer Frau vorgenommcn wurde. Sie befindet sich, den Umständen angcmesien wohl und wird, wenn kein« Komplikationen eintreten, in 14 Tagen nach Breitenbäch zurückkebren kön nen. Ich darf Sie bitten, unigehend die Kosten der Operation, die 250 Mark betragen, beglei chen zu wolle». Mit diesem Preis hoffe ich Ihren Einkommen-Verhältnissen weitgehend cntgrgcn- arkommen zu sein. Mit'~""• Ihr Dr. Der sammen kleine Junge war nicht da. Ter stand bei einer Blumenfrau und hielt ein buntes Paket Geld in der Hand.„Das ist für das Gewächs", sagte er zu der erstaunte»» Frau,„meine Mutter hat eins, und da will ich ihr einen Strauß hinbringen.— Komische Blu men hast du! Die gibt's ja gar nicht.— Oh, das sind Soldatenblumcn! Die gibl's. Als wir noch unsere» Garten hatten, standen solche drin. Ich möchte einmal Soldatenblunien." Die Frau wickelte den Strauß ein, gab ihn» Geld zurück uiid nieste. „Prost!" rief der kleine Junge,„prost, meine Dame!" Er sah in den Himmel, drehte bach ist viel kleiner", erzählte er zum Fenster hinaus,„tausendmal kleiner". Er zog den jungen Mann, der die Blumen hielt, am Ohr und sagte:^„Du mußt mich mal besuchen. Da mache» wir Spaß. Vielleicht ist in Liebenwcrda gerade Jahrmarkt. Tu lachst dich schief! Und dann essen wir bei uns zu Mittag.— Was ißt du denn an, liebsten?" „Hanimelfleisch mit grünen Bohnen", sagte der junge Monn und wurde, rat. »Ich Makkaroni mit Schinken. Mer macht nichts. Meine Mutter kocht..." kleine Junge schwieg und baumelt« mit Füßen. „Nein, wie süß er erzählt", rief die dicke Dame mit der Schokolade.„Unterhalte uns doch weiter, Fritzchen!" Der kleine Junge schien es nicht zu hören. Er nahm dem jungen Mann die Blumen aus der Hand und senkte den Kopf über die Blumen, obwohl er genau wußte, daß Sol- datcnblumen nicht duften. „Pasewalker Allee!" ries der Schaffner und klingelte.„Fritz auSstcigen!" Ter kleine Junge rutschte vom Sitz, machte eine Verbeugung und sagte:„Gute Besserung!" Da lachten alle, und die dicke Schokoladendamc patschte sich vor Wonne aus die Knie.— Der Schaffner hob den Jungen auS dem Wagen und zeigte ihm das HauS von Doktor Brausewettcr. Dann fuhr die Straßenbahn weiter.„Gute Besserung!" nickte die nervöse zwinkernde Frau,„wir wahr doch ein Kindermund spricht". „Seine Mutter liegt drüben in der Klinik", sagte der Schaffner und zeigte mit dem Daumen über den Rücken. Der kleine Junge klingelte, strich sich die Schuhe sauber und holte das Geld aus der Tasche. Als die Tür geöffnet wurde, hielt er das Bündel weit von sich mtb sagte:„Hier bring ich das Geld. Für daü Gewächs von Frau Gürtler." „Komm nur herein!" sagte ein Fräulein und nahm ihn bei der Hand. Sic gingen auf weichen Läufern und traten in ein helles, stilles Zimmers „Es stimmt nicht ganz", erklärte der kleine Junge.„Ich habe die Fahrt davon bezahlt und die Blumen auch. Und hier ist der Zettel." Er legte daS Geld und den Brief auf den Tisch. Ein kleiner Aunse unterwegs. Bon Erich Kästner. “4 Der Station-, j sich der Sonne z__, gewohnheitsmäßig die Wag- ebenfalls.„Ich niese. überrascht de» der Lokomottvc gucke", erklärte er freundlich. Arthur Zimier- Redakteur des„Andrin“. Seit dem Anfang diese- Juni 1933 zeichnet Artur Z i ck l e r verantwortlich für den innenpolitischen Teil de- Goebbelfchen„Angriff", wie auch, was besonder« interessant ist, für dir Wchrbeilage dieses Blattes. Zickler ist durchaus gerade. seinen Weg gegangen. Nach dem Umsturz schrieb er für so- zialdemokratische Blätter. Im Jahre de- Ruhrkriege- vollzog er seinen Uebergang in da- Lager von Stinnes und Hugenderg. hatten gelbe schmale Gesichter. Langsim blickte der kleine Junge von einer zur andern. Dann drehte er sich zur Schwester um und zeigte auf da- Bett am Fenster. Sie nickte. Er hob sich auf di« Zehenspitzen, ging vorsichtig hinüber, setzte sich auf die Stnblranre und sah seiner schlafenden Mutter in« Gesicht. Die Augenhöhlen schimmerten schwarzbraun, als wäre c« gar keine Hani. Die Schläfen lagen eingesunken, und viele violette Aederchen zogen durch die blasie Stirn. Der Mund stand offen, und der Atem ging schnell und doch mühsam; und obwohl die Augen geschlossen waren, meinte man, ihren müden und ängstlichen Blick zu spüren....! Der kleine Junge lächelte hilflos zu den» schlafenden Gesicht hinüber, legte die Soldatenblumen behutsam auf die Bettdecke und siihr streichelnd mit den Händen durch die Luft. Dann lief er an der Schwester vorbei, schnell aus dem Zimmer. Sie folgte ihm. „Erst hab ich sic gar nicht erkannt", sagte er draußen flüsternd zu dem Fräul'in.„Bleibt ihr Gesicht nun immer so?" „Aber nein! In vierzehn Tagen steht sic wieder auf m»d sieht genau so wie srüher aus. Und tvenu dl» gut folgst, wird sie ganz gesund." „Ich hab ihr immer gefolgt. Du mußt ihr sagen, daß ich da tvar und kein bißchen geweint habe. Und di« Blumen hätte ich mitgebracht. Und der Vater läßt grüßen. Alls Wiedersehen!" „Ich richte alle- aus. Aber du bleibst jetzt noch hier, mein Kind. Ich hole dir Kaffee und Kuchen, und dann gebe ich dir das Fahrgeld. Du kannst doch nicht nach Breitenbäch laus'»!" „Ganz richtig gefund wird sie wieder, ja?" „Bestimmt." „Wenn ich bei ihr bleiben könnte, bis sie gesund ist! Sie dürfte es nicht wissen. Und bloß, wenn sie schläft, guckte ich ins Zimmer. ES geht nicht. Ich weiß schon." Die Schwester brachte den kleinen Jungen ins Wartezimmer zurück, legte ihm Albe» recht und ging in die Küche. Als sie zurückkam, war die Tür verriegelt, und sie hörte den kleinen Jungen weinen. Es klang ganz leise und ganz vcrzweiselt. Sie blieb unschlüssig stehen und bekam feuchte Augen., Da ging xiu Herr im weiße» Mantel vorbei und fragte:„Was ist denn hier los?" „Der kleine Gürtler a»S Breitenbäch ist heimlich gekommen, Herr Doktor." „Hat er sie gesehen?" „Ja, sie fchuef." „Er soll noch gierblciben. Die Frau hat ein verteufelt schwaches Herz. Vielleicht.." Tcr Arzt schwieg. Und beide hörten daS unablässige leise Weinen. Dann gab sich Doktor Bransewetter einen Ruck,»lickte der Schwester zu und ging weiter.' Der Melur hat gebislrn. Von Erna Büsing. Sie waren jung, sie waren schön, sie waren unternehinungslustia und sie zogen hinaus in di« weite Welt. Di« Verwandten und unter ihnen namentlich die älteren Tanten, waren entsetzt über ein so junges Ehepaar. Aber die Beiden sagten: ,Zung gefreit hat nie gereut", und lachten hell ins Leben hinein. Ihre Arbeit tvar lustig, sie zogen mit einem Affentheater von Ort zu Ort. Sie machten gute Geschäfte. In di« kleinen Städte, in denen man früher nur Ticrbuden gesehen hatte, kamen sic jetzt mit einem regelrechten Theater. Sie reisten mit richtigen bunten Kulissen und vielen Kostümkoffern, und ihr« Affen spielten aus Neigung. Immer waren die beiden zwischen ihren Zöglingen, immer waren sie fröhlich und aufgeräumten Sinnes: denn der Affe ist gerade kein mißmutig stimmendes Tier. Selbst wenn der Affe einmal böse ist, gleicht sein Zorn nur einer schnell vorüberhuschenden Gewitterwolke. Wenn nur der große NhesuS nicht gewesen wäre! Er war der beste und der talentierteste Arbeiter, aber er war ein unleidlicher Bursche. Er biß nicht auS Spielerei, er biß mit Bedacht. Jeder Fremde tvar durch ihn gefährdet. Sie zogen durch Wäscheleinen eine Ab» fperrung-grenze um seinen Käfig und falls ein neugieriges Kind sie einmal überschritt, Prallte es sogleich erschreckt zurück, weil der RhesuS sofort zum Angriff vorging. Beide getvahrten mehr alS einmal die Bösartigkeit dieses Charakter-, sie sahen sie mit besorgten Augen. Doch fürchteten sie nie für sich selbst. Sie räumten ihm all« Aergernisse auS dem Weg, sie waren immer lieb und schmeichlerisch gut zu ihm, er war ihr vor- züglichster Schauspieler, er war ihr schwierigster Zögling, und darum ihnen ihr liebstes Kind. Der Glücksstern stand hell über ihrem kleinen Theater. Eine Filmgesellschaft hatte sie für mehrere Kurzsilm« engagiert. DaS bedeutet« nicht nur Verdienst. daS bedeutete auch eine Bombenreklame. Die Berträgc waren bereits unter» schrieben, der Mann war gerade ins Atelier ge gangen, um sich die Kulissen anzusehen, in denen er mit seinen Affen spielen sollte. Die Frau trällerte ein Liedchen vor sich hin, machte die Käfige rein, fütterte die Tier« und gab einigen di« Freiheit. Nur dem Rhesus nicht; für sie allein tvar«r zu schtver zu beobachten. Als ste den Schieber zu feinem Käsig geöffnet hatte, um ihm beruhigend eine Frucht zu geben, entwischte er blitzschnell, sprang auf sie z»i und zerfleischte ihr daS Gesicht. Erst tvar sie starr vor Schreck und der Schrei blieb ihr in der Kehle stecken. Tann gellten ihre Hilferufe. Ein Bursche kam, lockt« den Affen in den Käfig und schleppt« die Frau zum nächsten Arzt. Der sagt:„Sofort ins Krankenhaus". Sie wand sich in Schmerzen, sic fieberte. Man war höflich>ind freundlich zu ihr, man tot ihr gern jeden Gefallen, nur einen Spiegel gab man ihr nicht, trotz ihrer flehenden und dringlichen Bitten. Dem Mann schwebt« innner der Borwurf:„Warum warst Du so unvorsichtig!" auf den Lippen, doch drängt« er ihn jcdeSmal zurück, wenn er das verbundene Gesicht der Frau sah. Im Filmatelier nahm die Arbeit ihren Gang. Der Regisseur hatte sofort eine junge, schöne Dame bei der Ha»»d, die er freudig als Ersatz vorschlug, da sic schon ziemlich lange auf den versprochenen Aufstieg wartete. „Es ist erfreulicherweise jemand eingesprungen, ich kann arbeiten", sagte der Manu zu der Frau. Eifersucht und Schinerz Packten sie. Der Mann kain seltener, manch« Besuchszeit wurde vcrsäuint und obwohl die Frau keinen Borwur erhob, knurrt« er:„Was willst Du denn, ich muß arbeiten. Tas Leben g«ht weiter und Deine Krankheit kostet Geld." Dann Verließ der Mann di« Stadt, er zog weiter, immer weiter. Ihr Unterhalt wurde Pünktlich bezahlt, aber seine Briefe kamen recht spärlich. Die Frau verfluchte den Rhesus, die Frau flehte zu der Mutter Maria, die Frau lag Nächte hindurch schlaflos und mühte sich ab, einen Plan zu ergrübe!». Darauf wurde sie von W«in- kränipsen geschüttelt und dann lag sic bleiern müde wach und kam sich vor wie«ine taube Nuß. Endlich wurde sic entlassen. Müde fuhr die Frau an den Ort, wo das Affentheater stand. Der Mann arbeitete, ihm hals ein bildschönes Weib. Die Frau hatte iinmer ein Pagcnkostüm getragen, diese Assistentin jedoch trug bloß«in ünkclndcs Lendontllch, einen funkelnden Büstenhalter und funkelnde Schuhe, di« die Schönheit der Fuße ahnen ließen und den untadelig«»» Wuchs der Beine hervorhob. Die Assistentin lächelte ins Publikum, si« lachte den Mann an und er sah ihr tief in die Augen. Als der Vorhang sich schloß und der Mann unerivartct seiner Frau gegenüber stand, sagte er erschreckt:„Ja, was willst Du denn, Tu kannst doch nicht wieder aüftreten," Die Frau antwortete überhaupt nicht, sie wußte, welche Nummer jetzt kam, mechanisch griff sie nach einem Spitzenhöschen, zog c- einem kleinen Affen über die strampelnden Beine und machte ihn dadurch zur M«nschenfrau. Der Mann und die Assistentin arbeiteten und di« Frau eilte davon. Sic lief weit, tvcit, ziellos, planlos, bis sie an einem Graben stch«n blieb. Regcnwasser hätte ihn groß und tief werden■ lassen. Schmutzig war das Wasser, klebrig das Erdreich, di« Bäume waren nass«, schwarze Schattenrisse. Di« Frau wußte, sic würde ein End« machen. Da kam eine Bäuerin des Weges. Sie halt« auf befehlendem Wunsch der Familie einen ungeliebten Mann geheiratet. Sie hatte zwei Kinder mit ihm gehabt und di« tvaren gestorben. Nun sah sie keine hell«» Farben mehr im Leben. Tief«illgekapsclt trirg sie ihr Leid. Es hatte sie nicht bitter gemacht, cs hatte sie zum Verstehen erzogen. Sie sah in das entstellte Gesicht der Fran, doch sah sic kaum die Narben, sie sah tief in die verziveifcstcn Augen. Di« Bäuerin sagte: „Wir haben Arbeit und Brot für Sie im HauS." Die Frau nickt« und ging hinter der Bäuerin drein, wie«in auSgespanntcs, heimkehrendcs, müdes Pferd hinter seinem Kutscher. Di« Frau arbeitet«, man konnte sie gut gebrauch«« auf-em Hof, und die Jahre verginge»». Sie brachten keine Abwechslung, nur an schönen Sonntagen, wenn-er Bauer sich müd« auf seinem Sofa räkelt«, gingen die Bäuerin und di« Frau über Land. Sobald sic nach ein«»» tüchtigen Marsch in«ins-er nächste»» Dörfer kamen, fühlten sie sich ein wenig frei. Fernhin am Horizont standen ein paar Kirchtürm« und Fabrikschornsteine, und die Bäuerin ahnte etwas von der Größe der Welt. Di« Frauen sprachen kaum miteinander, sie tuschelten alle Gedanken, die auf diesen Wanderungen so wild auf sie stürzten, leise in sich hinein. Nach Jahren hatte ein Mann nach der Frau gefragt und al- er kam, saß«ine ver- miilnint« Gestalt mit bleichem, schmcrzverzogencm Gesicht auf dem Sofa, auf dem sich sonst Sonn- tagS der Bauer räkelte. ES tvar ihr Mann, wer sollte rS sonst sein. Er begrüßt« sie kaum,«r fragte nur:„Wolle»» wir daS Leben wieder von Neuem beginnen?" Es sprach Leid, eS sprach Trotz au» diesen Worten. Ein leises Abwehren stand in ihren Zügen. Er sah eS und sagte;„Wir sind kein ungleiches Paar mehr", und er zeigte sein« rechte Hand, die infolge'schwerer Bißwunden verkrüppelt tvar. „Ein großer Rhesus hat gebissen", daS tvar seine Erklärung. Die Fra»» war gleich im Bilde. Sachlich dachte sie:„Ach, ja, ein RhesuS! Si« sind meistens unzuverlässig und si« werde»» immer böse im Alter." Er hatte Geld, sie halt« harte Fäuste, di« daS Arbeiten gewöhnt»varen. Die Beiden gründeten, ein paar Wegstunden entfernt,«ine Hühnerfarm. A» schön«» Sonntage» komint die Bäuerin zu ihnen zu Besuch. Der Bauer räkelt sich nach wie vor auf dem Sofa, doch sagt er:„Die Frau muß ettvas vom Leben haben", und gibt dann dem Großknecht den Befehl zum Anspannen. „Kücken sind genau so possierlich wie Affen", sagt der Mann,, und die Frau spricht ihm diese Wort« nach,>v«ll si« wohl«in absonderlicher Trost sein sollen. Im ganzen Dorf kann man daruhige Paar gut leiden. Di« Mütter alternder Töchter sagen:„Alt gefreit, hat nie g«r«ut, man sichtS doch an den Beiden." Die verraten nämlich nicht, daß si« bald-«.silberne Hochzeit feiern. Nr. 147 Sam»tag, 24. ftnni 1088 L o r i e n t(Frank- 1715 mit AuSnahm« ter Bebru Volkswirtschaft und Sozialpolitik PISTYAN dc- Kunst und Wissen GeriAtssaal Qualität wird wieder verlangt. Aber seitentsprfcchend billig. Die neue Elida 7 Blumeu-Seife befriedigt höchste Ansprüche: Üppiger, weicher Schaum— erstaunlich kosmetische Wir* kung. Ihr Duft aus 7 edlen Blüten schmeichelt jeder Frau... an* Dr. Der Um ließ I weniger al- 350 Personen und ihrer Familien ist PRAGER ZEITUNG. -ie Subventlons^chwlerlglelten der Prager Deutschen Lheaterr. Ter Deutsche Theaterverein Prag ersucht und Aufnahme einer Mitteilung, die im wesentlichen Bon der Nussiger Handelsakademie. Di« Ein* schreibungen in die vierklassige Handelsakademie und in die zweiklassigen Handelsschulen für Knaben und Mädchen erfolgen vom 28. bi- 30. Juni. Die Auf» nahmSprüfutigen finden am 8V. Juni um halbv Uhr für dir Handelsakademie und um halb 10 Uhr für die Handelsschulen statt. Einschreibungen in den Abiturientenkurs haben bis 2. September unter Vorlage d«S Reifezeugnisses zu erfolgen Auch schriftliche Anmeldungen sind zulässig. Prospekte und Auskünfte durch die Direktion der Anstalt. um besagt: Wie kürzlich aus der Generalversammlung des Teutschcn TheatervereincS niitgeteilt wurde, befindet sich die Prager Deutsche Bühne in einer überaus kritischen Situation: Das Land Böhmen hat, wie bereits berichtet wurde, die Subvention, di« bisher ILüO.OOO Kf betrug, schon für das Jahr 1983 um rund 800.000 Kr gekürzt und es dem Theater* verein anheimgestellt, für da« kommende Jahr um «ine Subventionierung anzüsuchen. Die Staats» subvention betrug ebenfalls 1,850.000 Ms jährlich. Unt dies« Subvention wurde bereits im Sommer 1982 augesucht. Bisher ist«Ine Erledigung diese» sich auf das Jahr 1033 beziehende Gesuch nicht erfolgt, so daß zunächst die finanziell« Lage des Theaters für die im September 1888 beginnende Spielzeit vollkommen im Dunkeln liegt. Di« eigenen Mittel des Vereines sind vollständig erschöpft. Der Theaterverein und di« Theaterdirektion haben nichts unversucht gelassen, um«ine Klärung herbeizu- iührcn und bei sämtlichen In Betracht kommenden Stellen Vorgesprächen. Di« bei diesen Anlässen ge- der Kleinen Bühn«. SamS* „Höchste Eisen- „Höchst« Eisen» ,Mein« Schwester in Barcelona „Spezzia" Schauspielen Shakespeare. Abschied Lächeln S" „Suln"(B 1).— 2m weißen RößI" l?l. A.). „Loh eng rin"(R. A-).— Uhr:„TaS Land dr» — Freitag, 8 Uhr: Holländer- Eisenbahn"(A. A.).— Hohe Bekanntschafteu. Betrügereien einer Bilderhändlerin. Prag, 28. Juni. Di« 14jährige Postangeslelltens- gattin Paula Kraus, die heut« vor dem Senat de« OGR. Kvapil des mehrfachen schweren B«' irugez angetlagt war, betrieb als Neben« No erb«inen G e m S l d« h a n d e l. Sie vermittelte Käufe. Der- käuf« und Tauschgeschäfte von Bildern oller Art, kaufte- auch ab' und zu auf eigene Rechnung und verdient« eine unglaublich« Menge Geld- aller- ding«, wie sich später herauSslellte, nicht durch den reellen Betrieb ihres Bilderhandels, sondern durch eine Reihe von Betrügereien, zu denen dieser Handel nur di« geeignet« Staffage bildet«. Als gut« Menschenkennerin operierte sie meist mit ihren„hohen Beziehungen" und eS . gelang ihr in erstaunlicher Weise, den Leuten Sand äußerten Auffassungen gaben zn der begrnndelen Annahme Anlaß, daß die Subveniioncn im bisherigen Ausmaß oder allensallr mit einer maß gen Kürzung würden ausgezahlt werden. D es hol den Verein bestimmt, di« Verträge für da» Lpieljahr 1933/34 abzuschließen. Zu der größten Ueberraschung des Vereinet erhielt er im April vom LandcSaus- schuß Böhmen die Mitteilung, daß das Land zwar sein« im Jahr« 1927 vertraglich übernommene Verpflichtung, die sich bis Ende August 1933 erstreckt, erfüllen werde, darüber hinan- für den Rest de» Jahres nur 100.000 Ke zu bezahlen bereit sei. Bezüglich weiterer Unterstützung des Lande» habe sich der Verein, wie erwähnt, im Wog« eines Geinchc» an das Land zu wenden. DaS Spielsahr 1931/85, für das die Verträge im Lauf« der ersten Monate 1931 abzuschließen sein werden, hängt vollständig in der Luft. Wie aber auch schon die Verpflichtungen des I Theaters in der bevorstehenden Spelzeil erfüllt I werden sollen, ist ungewiß. Diese Frage bildet eine I Quelle schwerster Sorgen. Das Schicksal von nicht 15 Preisklassen enthalten die Individuellen Pauschalkuren Stegen Rheuma. Gicht. Ischias. Frauenleiden. Sperial- M Prospekte: Badedi- Jl rektion nicht erlahmen. Ohne eine entsprechende Subven- t!on, die unter die bisher gewährten, keineswegs voll zureichenden Beträge, nicht hcrabsinken dürfte, ist aber keine Möglichkeit gegeben, das Theater weiter- znführen. Matinse der Opern- und Schauspiel- klassen der M u s i k a k a d e m i e Sonntag, den 25. Juni, Szene» aus Opern von Ponchielli, Offenbach, Smetana, Humperdinck und Mozart und aus Schauspielen von HofmannSIHal, D. Frank und Wieder schufELl DA Qvas der t^eit entspricht in di« Augen zu streuen. 2m Oktober 1981 kam i« zu dem vermögenden Flrejchermristrr Alois M. und erzählt« ihm, daß sie mit dem General direktor der Livnobank Dr. Preiß in engsten Geschäftsverbindungen stehe und von ihm beauftragt sei, das Gemälde des bekannten Malei» M i n a r i f„Fidlovokka" zu kaufen. ES werd« ein Riesengeschäft werden und der Fleischer könne nichts Schlaueres tun, als die Sache zu finanzieren Dafür werde der Herr Generaldirektor den Sohn des Fleischers in der Livnodank alt Diener stellen. Die Sache schien glaubwürdig, denn Preiß gilt als Kunstkenner und-sammler. Flciither zahlte tatsächlich 42.L00 Kl den Schwindel nicht zutage kommen zu lassen, sich die Angeklagte ihn etwas kosten. Sie gab Holm-1 mit der Beantwortung dieser Frag« verknüpft, ganz lich dem Sohn deS Fleischers monatlich 600 Kr und abgesehen von der großen kulturellen Bedeutung, redete ihm zu, seine Eltern im Glauben zu lasten, I die der Aufrechterhaltung des Theaterbetr'ebeS in er habe den Dienerposten In der Dank tatsächlich I Prag sür da- Prager und darüber hinaus für daS erhalten,.„um feine Eltern nicht zu beunruhigen" I gesamt« Sudetcndeutschtum zukommt. Der suug« Monn ließ sich bereden und schwieg I Der Theaterverein und di« Direktion werden in sieben Monat« lang, in welcher Zeit er sein«!ihren Bemühungen, den Theaterbetrieb zu sichern, Rente von der Angeklagten bezog. Erft als diese Zuwendungen aufhörten, kam der Schwindel an- Licht... t Eine Freundin- namens Bohumils Koutuh versucht« sie unter allerlei Vorspiegelungen zu einer „Geschäftsverbindung' von 9000 Ks zu bereden. Diese Sache mißglückt«, desto bester aber gelang«S der Angeklagten bei einem gewissen Denzel N« r a d, dem sie zunächst unter Berufung auf ihr«„hohen Beziehungen" ein Bild im Wert« von 1500 Kr her auslock:«, unter dem Versprechen, cS für 2800 Kr an den Mann zu bringen. Obwohl«r nicht einen Heller von dem Verkaufspreis zu sehen bekam, war er doch vertrauensvoll genug, ihr noch 8000 in bar auSzuhändigen, die ihr angeblich gerode fehlten, um ein Bild für 60.000 Kr anznkaufen. Nicht genug, gab er ihr noch weiter« 2000 Kr, als sie einmal vor gab, in„vorübergehenden" Geldnöten zu sein, da sie all« Kapitalien In Bildern investiert habe. Aber das alle- war noch nicht genug. Noch«in viertes mal kam die Angeklagte zu Nerad und verlangte neuerlich Geld zum Ankauf eines Bildes. Diesmal behauptet« sie, von dem Präsidenten der Z u ck e r k o m m i s s i o n Dr. H a r t nt a» n Auf trag bekommen zn haben. Und wieder wirkte der klingend« Name oer angeblichen einflußreichen Auf traggeber» derart, daß der Angrgangen«, der momentan kein Geld bei sich hatte, der Krau» fünf Aktien der Braniker EiSwerk« im Wert« von 1950 KL übergab, di« sie sogleich versetzte. Der Gesamtschaden beträgt bei Nerad 9500 lü. Nach dnrchgesührtcr Verhandlung wurde die Angeklagte zu sieben Monaten schweren Kerker» verurteilt.■ rb. Ein Monstre-Konzert auf der Hetzinsel am 27. Juni. DaS angekündigte Monstre-Konzert im Winter^Stadion, da» von 150 Musikern unter Leitung der Berliner Kapellmeister Gutlmann und Salier veranstaltet wird, findet endgültig am 27. dS. statt. DaS Programm wirb in der TageSpreste veröffentlicht werden. Humanität und Arbeiterschutz in einer Großselcherei mit Etzraum(„Jid«lna") in Prag-Weinberg«. Die Frauen, von denen alle kurze Zeit ein« zusammenklappt, welche, von acht Stunden auswärts, di« fetten Steinflleßen, di« Unmasten Eßgeschirr, den ganzen Tag waschen müsten, haben kein« andere Ausgußmöglichkeit d«S Spülichts, als im— Keller, wo die Kübel, Butten entleert werden müssen— in hochgelegenem, für den Betrieb nnfachgemäß an- gelegtem Abfluß. DaS Tempo des Arbeitens ist Laufschritt. Von Hitze in Kält«, Kält« in Hitz«, trepp- auf, treppab, den ganzen Tag. Und da der— schließlich— GafthauSbetrieb den Achtstundentag nur auf dem Papier kennt, di« Forderung nach Bezahlung von Ueberstunden mit Entlastung.geahndet' wird, so ergibt sich die Sklaverei von selbst, von der k«in« .Inspektion etwaS aus eigener Anschauung wissen kann. Für jene stet» mehr al» achtstündige Arbeit gibt es: Esten, täglich X Kilo Ware, 70 Ke wöcheni- lich, DaS Este« darf tung-losen Jaus«— nicht mit nach Hause genommen werden! Die abgehetzten» von Jett- und Unratduft in den vevschiedenen Räumen verekelten, verschwitzten Frauen haben innerhalb dieser Umwelt und Umstände keinen Appetit. Also esten sie ein paar Bisten oder gar nicht» und klappen zusammen. K. B. Di« Staatlich« Kunstgewerbeschule in Prag hat om Freitag, den 28. d. M., vormittag» ein« A u».- stellung der Arbeiten ihrer Fachabteilungen au» den Jahren 1931—38 eröffnet, denen eine Sammlung der Arbeiten au» der tschechoslowakischen Ausstellung in London im Jahr« 1981 angcschlosten ist. Die Ausstellung befindet sich in Prag 1., Smetanovo »üm. 18(gegenüber dem aPrlamrntSgebände), und ist zugänglich am 24. d. M. von 9—18 Uhr und am 25.(Sonntag) von 9—18 Uhr. Verlegung einiger Abteilungen des Landesamte» in Prag. Die Abteilung 9 de» Lande Samtes(Ma- triken, Namensänderungen, Legitimation von Kindern, Eheschließungen, Ruhegenüffe, Versorgungsgenüsse) und Abteilung 18 de» LandeSamteS(Ünfast- vevsicherung, Krankenversicherung) wurden nach Smichov, Botanika ENo. 1504, verlegt, Telephonnummer 41.448. Di« Abteilung 50 des LandeSamteS (technisch« Agenda, die sich aus der Durchführung deS Gesetzes Nr. 50/31 Slg. d. G. ergeben, insoweit sie von der ehemaligen Kommission für di« Kana'.i- siernng der Moldau und Elbe erledigt wurden) wurde in daS Gebäude des LandeSamteS in Prag Il„„Na poklLnim prüvu" Nr. 1, neu(unterhalb Emau»), Telephon Nr. 40.182 und 42.090, verlegt. Deutsche Minderheitsvolksschule in Prag I.. Masns 18. Einschreibungen am 28. uud 30. Juni. Groß«, licht«, hygienische Schulräume, geringe Schülerzahl, individueller Unterricht. Widerslaad der Hafenarbeiter gegen die HaRenKreuztiagge. In einer Reihe von Häfen in verschiedenen Ländern weigern sich die Hafenarbeiter spontan, deutsche Schiffe,, von denen die Hakenkreuzflagge weht, zu löfchen. Für diese Kategorie von Arbeitern,, unter denen sehr-große Arbeitslosigkeit herrscht,, bedeutet das Anlaufen eine- Schiffes ein willkommenes Stück Brot. Sie wollten aber diese» Stück Brot nicht an« Abscheu gegen das Symbol der Gewalttaten, der geistigen Knech tung und Beraubung de» klassenbewußtcn Proletariat« in Deutschland. Für diese» solidarische Vorgehen in einer großen Anzahl Häfen, das ganz selbständig, ohne irgend einen vorherigen Aufruf dazu erfolgte, ist keine besondere Heraus- forverung von deutscher Seite notwendig. Wie richtig aber die gegen die Hakenkreuzflagge protestierenden Hafenarbeiter den provozierenden Charakter dieses Syinbolcs im Mast herausfüh- len, wird einem klar, wenn man bedenkt, welche Bedeutung deutscherseits dem brigelegt wird. So schreibt da» deutsche Rcederorgan„Hansa" in Hamburg vom 29. April d. ft. über da» Mit- führen oer Flagge folgende»:„Schiffahrt ist Soldatendienst, Ehrendienst an fremden Küsten, wo jede» Schiff unter dieser Flagge al» Vorposten Dienst tut." Hier fofgt ein ganz gewiß recht unvollkommene» Verzeichnis: am 10. Mai wurde in Antwerpen (Belgien) da» Löschen de»„Watussi" verweigert; am 16. Mai wurde in Sund-vall (Schweden) das Löschen de»„Piteo" vertveigert; om 16. Mai wurde in Gothenburg (Schweden) das Löschen des Tampsschifse»„Gonzenheim" verweigert; om 22. Mai wurde (Spanien) das Löschen deS Schiffes Vertveigert; am 28. Mai wurde in ,. fc reich), ein mit Holz beladene» Schiff zu löschen verweigert; am 30. M a i wurde in Gdingen(Polen) da» Dampfschiff„Svlt" von einer Menschenmenge bestürmt uud die mitgeführtr Hakenkreuzflagge heruntergcrissen; am 2. ftnni wurde in Groningen (Holland) verweigert, ein mit Holz beladenes Schiff zu löschen, soiange nicht die Hakenkreuzflagge heruntergeholi ist; am 16. Mai kam in Zaandam(Holland) mit einer Holzladung der Dampfer.„Er- neta L. M. Ruß" an. Aus die Forderung des Publikum» und der Hafenarbeiter wurde di« Hakenkreuzflagge hernntergeholt.' Auch in Dünkirchen unb andern Häfen wurden Proteste erhoben. Wir teilen die Freude, welche, überall, auch in der kommunistischen. Presse, tvrgcn des Bet- holten« der Arbeiter zum Ausdrück konimt. Bt» jetzt vermissen wir aber noch Berichte aus Leningrad und Odessa über ein Vorgehen der Hafenarbeiter gegen die Hakenkreuzflagge. von HosmannSlhal, D. Frank Karten 4—20 Kr. Sonja Scheuchen:„Tas Land (B2) am Donnerstag. Abschied Fe« von Reichlin:„H ö ch st e Eisenbahn!" am Freitag. Aboiinemeiil aufgehoben. Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theater». Samstag,)43 Uhr:„G a s p a r o II e", Gastipiel Bohnen, Slezak, Sturm.— Sonntag,'$8 Ähr: „Gasparon’«’, Gastspiel Bohnen, Slezak, Sturm (A. A.).— Montag,%8 Uhr: Dienstag,^8 Uhr:„* — Mittwoch, 7 Uhr: Donnerstag,!48 Lächeln«'(B 2). Revue;„Höchst« Ende der Spielzeit. Wochenspielplan tag, 8 Uhr: Holländer-Revue: bahn".— Sonntag, 8 Uhr: bahn".— Montag, 8 Uhr:„ r und i ch", volkstümlich« Vorstellung.— DienStag, %8 Uhr:„A chlun g, frisch g c st r i ch e n!" Gastspiel Barnowikh mit Rosa Baletti.— Mittwoch, 8 Uhr:„Höchft« Eisenbahn'.— Donnerstag, 8 Uhr:„Höchste Eisenbahn".— Freitag- Geschlossen!— Ende der Spielzeit. Md dleWewzrltvttMmg erst«ach dem Sasümmeadmch verSelMiMast elngefülirt? Nach zahllosen gründlichen Erhebungen und praktischen Versuchen in vielen Ländern und ftn- dustrien, die all« unter Beweis stellten, daß die ArbeitLzeitvcrkürzung durchgesührt werden und damit für Arbeitslose Beschäftigung geschaffen werden kann, erklärt« die Arbeitgebergruppe zu Beginn der Internationalen ArbeitSkonferenz (JAK), sie sei der Ansicht,„daß die Arbeitszeitverkürzung nicht als Heilmittel für die Arbeitslosigkeit oder die Milderung der gegenwärtigen Krise in Betracht komme." In Einzelausführungen sahen sich allerdings Nnterttehmervertreter doch zur Feststellung veranlaßt, daß die Arbeitszeitverkürzung die Krise bis zu einem gewissen Grade eingrenzen könnte. Diese Tatsache genügt jedoch nicht. Daß vielleicht ins« gesamt„nur" einige Millionen der jetzt im Elend ttbendxn Arbeiter auf diese Weis« wieder in Be- schäftigung kommen könnten, kann die Arbeitgeber nicht dazu bewegen, sich den mit der Verkürzung vielleicht verbundenen Mülhen der Umorganisierung zu unterziehen. Da es dabei nicht gleich von Anfang an in klingender Münze zu verdienen gibt, interessiert sie der Fall nicht. Wenn sich die JAK schließlich doch zur Feststellung auffchwang, daß„die Frage der' 40 Stun- denwoche Gegenstand einer Konvention werden soll", so wurde diese Erkenntnis dadurch zunichte gemacht, daß die Frage der Dringlichkeit, d. h. d«S sofortigen Abschlusses einer Konvention, verneint wurde. Die Cache geht ihren normalen bürokratischen Weg, al» ob die Welt in fchönster Hochkonjunktur leben würde. Im Hinblick auf die dabei vielleicht später entstehenden Verantwortungen sei nachstehend aufgeführt' welche Länder— abgesehen von der ganzen Arbeitgebergruppe— gegen die Dring- lfchkeitsfrage gestimmt haben: Großbritannien, Deutschland, Japan, Belgien, Südafrika, Argentinien, Oesterreich(das zudem gerade in den letz- . ten Tagen sogar sein Achtstundentag-Gesetz verschlechtert hatl), Brasilien. Estland, Finnland, Ungarn, Indien, Lettland. Luxemburg, Nikaragua, Norwegen, Niederlande, Polen, Portugal, Rumänien, Schweiz und Venezuela. Dafür stimmten: Australien, Bulgarien, Kolumbien, Kuba, Dänemark, Spanien, Frankreich. Guatemala Irland, Italien, Mexiko, Schweden und die Tscheche- Seite 8. EamStag, 24. Imri 1988 Ar. 1 .Flüssiges Obst.- Die von Jug. Ernst Kuli k. Professor der höh. landw. Landesschule in Neu Ditschein, gelci- tete Arbeitsstelle für gärungslosc Früchtcvcr- Wertung, Neu-Titschei'n, Lteinbergsttäße 89, hielt dort dieser Tage eine Arbeitstagung ab, zu der 89 Teilnehmer, darunter auch Vertreter des Arbeiter- AbstinentcnbundcS und des Zentralverbandcs der deutschen Kleinbauern und Häusler sich einge- funden hatten. Professor Kulik berichtete über die Fortschritte der Sühmostbewegung in allen Ländern, und deren Bedeutung snr die Volksgesundheit wie für den Obst- und Weinbau. Handelt cs sich doch hier um n a t u r r c i n c, u n v c r göre n e O b st s ä s t e—„F l ü s s i g c S O b st" im waren Sinne des Wortes.— deren Wert seit langem in der Schwei;, in Deutschland, in letzter Zeit auch in Frankreich, Italien und Jugoslawien anerkannt wird. Neber die Bedeutung des Süßmoste- für Kranke, sprach als Vertreter der Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundheit Dr. Hubert P r e i b s ch Brunn, über die Bedeutung der Absatzsteigerung des Süßmostes für nnscrn Obstbau, Obstbauinspektor Gerhard K ü h n Aussig, der die Verwendbarkeit des Fallobstes und des minderwertigen Obstes, von dem wir im Elbtal mehr als genug haben, für die Süßmostrrzeugung hervorhob. Die Erzeugung des Apfelsüßmostes ist gerade für den klcinbänerlichen Haushalt von größter Wichtigkeit. Direktor Götzl von der Landcswcinbauschule in Znaim, behandelte Stenerfragen. Erleichterung beim Flaschenverkauf usw. Sehr wichtig wäre die Einrichtung von Lohnmostcreirn, damit wären der Verbreitung dcS Apfel- und Traubensüßmostes die Wege geebnet. ISnori- Spiel• Könierollene Statt«uslanbsreilk— Werbefabri siir den Arbeitersußballlport. Der nun zum dritten Male Wiener Meister geworden« Arbeitersportklub Gaswerk 2 t 35 ci( sollte Heuer im Spmmer in Deutsch land und Holland spielen. Degen der Unterdrük- kiing des deutschen Arbeitersport» durch die Nazi muß die Reis« nun unterbleiben. Die Leitung Gaswerk» bat sich daher entschlossen, die Meistermannschaft in-der Sommerpause auf«in« 14tagige Wett- spiel reise durch di« österreichischen Bundesländer zu schicken. Pom polnischen Arbeitersport. Der Weltarbei- teosporttäg wird in allen Bezirken entsprechend gefeiert werden. Am 15. und 16. Juli findet in Kat- towitz«.in internationale»'Sportfest statt, zu welchem die Verbände in den Nachbarländern ihr Erscheinen zugcsagl haben. In den. Monaten Juni bis August finden 16 verschiedene Lehrknrsc statt, in welchen di« Funktionäre In technischer und organisatorisch«« Beziehung geschult werden. Zur Zeit'sind in allen Bezirken die Fußba llmeistenschaftsspiel« und in Schlesien auch die um die Handballmaisterschaft Im Gange. Der belgisch« Arbeitersport befiitdrt sich derzeit in guter Aufwärtsentwicklung und weist folgenden Stand an Sportlern aus: 5432 Turner, 5988 Fußballer, 123 Schlvinlnier, 854 Athleten, 360 Radfahrer und 1312 spielen Balle-Pelote(eine 9lrt Handball). Also insgesamt 14.069 aktive Sportler. Der Bundestag des amerikanischen Arbeiter" sporwerbandes— Wörter- Gvmnastie and Sport Alliance— findet am 26. und 27. August statt, ans dem insbesondere die Berband-statuten einer.Aende- rung unterzogen werden sollen. Der Weltarbeiter- sporttag wird am 25. Fun! In Camp Elsinore abgehalten. Der New Parker Zentrawerein arbeitet derzeit am Ausbau einer eigenen Schwimmbahn. MrgerlMiar Sport. Die Juden müssen aus der Deutschen Turnerschaft heraus. Dr. Neuendorff, der neue Führer der Deutsch«,, Turnerschaft und begeisterter Hitleria- ner, hat verfügt, daß alle Juden, auch dl« Front- kämpser und di«„25proz«niig«n". di« Deutsche Tur- nerschaft zu verlassen haben. Die Inden haben durch ihr Geld di« Deutsche Turnerschaft aufgepapprlt— nun können sie gehen... Oesterreichs Razi-Lchwimmverband mußte auf Befehl der Bundesregierung den für Sonntag in Ludwigsburg geplanten Wasserballänderkampf mit Deutschland a b f a g c n. Bom Mitropacup. In Budapest schlug am Donnerstag Juventus im ersten Spiel« den ungarischen Meister Ujpest sicher mit 4:2(2:0). Neuer Weltrekord über 3000 Meter. In Helsinki lies dieser Tage der finnische Leichlathlet Le- thinen 3000 Meter in 8:19.5 Min. und unterbot damit Nurmis Weltrekord, der, 8:30^ betrug. Aus der Partei Auftcnvbewcgung. L. I. ll. und Freie Bereinigung. Heute Abfahrt unserer Spantenexpedition. Zusammentreffen 201- Uhr vor dem Wilsondenkmal. Vereinsnadiriditen AröcMcr-lorn- int Sportverein Prafl Koiin-Fahrer, Achtung! Di« A lrf a h r l noch Kotin erfolgt Sonntag früh um 7 Uhr vom Mäsarykbahnhos. All« Teilnehmer haben P ü n k I- l i ch u,n X7 Uhr in der Abfahrtshalle gestellt zu sein. Der Fahrpreis lhin und zurück) beträgt für die aktiven Mitglieder 15 li«, für die übrige Mitgliedschaft 28.50 llr. Die Rückfahrt nach Prag wird um 18.45 Uhr angetreten, Ankunst in Prag um 20.88 Uhr. Mim in Pnonr UffitspltlMustri bis einschließlich Donnerstag, den 29. Juni. Wran-Urania:„Acht Mädel» in einem Boot." - Adria:„Das Smaragdkollier."— Alfa:„Di« Dam« vom Maxim."— Bersnrk:„Ich will nicht wissen, wer du bist."— gönix:„Niemandsland."— Flora:„Im Namen des Gesetzes.'— Gaumont:-,„Die Fledermau»."— Hollywood:„Ihre Durchlaucht di« Wäscherin."— Hvc-zda:„DaS Ämaragdkollier."— Juliti:„Vergessene Patrioten." — Kiuema, B.-Th.: Zeitbilder, Grotesk«, Reportage. H8—'/-ll.— Koruna:„Der Ueberfall in der Teufelsschlucht.'— Kowa: Lustspiel« und Altuali- täten.— Lucerna: Lustspiel« und Aktualitäten.— Metro:„Sludenten-Hotel."— Passage:„Ein Mädel mit Temperamenl."— Praha:„Der Ueberfall in der Teufelsschlucht."— Radio:„Der geheimnisvoll« Jäger."— Staut:„Der geheimnisvolle Jäger."— Lvstozor:„Gloria."— Alma:„Die singende Stadt." — Avion: Lpernredou!«."— Paskal:„Der Hexer." — Favorit:„Ein Mädel wie du."— Kapitol: „Schatten Londoner Nächte."— Konvikt:„Kamps um di« Mandschurei."—„Dassan.'— Lido:„Ein Walzertraum."— Louvr«:„Der geheimnisvolle Jäger."— Maeeska:„Die eiserne Maske."— Roxy: „Die Dam« und ihr Chauffeur."— Baldek:„Im Nomen des Gesetze».'— Belvedere:„Die Mädchen vom Montparnasse."— Beseda:„Ronny."— Carlton:„Ein Mädel wie du."— Illusion:„Der träumende Mu nd."— Sport,Smichov:„Da» O P« r n- P h a n t o m."— U Besvodu:„Schuberts FxWiitgSirzum.' L«l rum Kindertag t Der Kindertag findet am Tonnka 25. Juni, auf dem Sportplatz der DTS. horel«e unter dem Motto„Ein 9 mittag im Zeltlager" statt. 1 „Roten Falken", di« schon am SamSta Platz beziehen und«in Probezeltlag« richten, werd«» Proben ihrer Arbeit Wir treffen uns auf dem bezeichneten nachmittags um'-3 Uhr. Kinder er ein« Jaus«. Alle unsere Genossinnen Genosse» und Freund« unserer Arbeii herzlichst eingelad«». Arbeiterverein Kindersreunde, Ortsgruppe Prag. Unser Blatt der„Sozlaldetnokri ist in Prag in folgenden Berfchleitzstellen zu haben: Bihehotabuohliudlenr, Wllsonbahnhof, Mm dadudok, Donl.bahnhof- BartAk, Trafik, Prag II., Tylnov 1 Bnrok Heio, Trafik. Prag I„ StaromBatsk msatl 32. Hodrova, Trafik, Smichov, albt. Iifll-13. Jelinkova, Trafik. Nnsle II„ Mostno domy formy”. Kotyza Jan, Trafik, Smichov, Zborovaki I Kransova A., Trafik, Karlin, Krllovikl 14. Krejiik A„ knlhknpectvi, Prag-Lieben, Kl ■kl 1511. Kronpa Jlndf.. Trafik, Prag II., Ralinovo lUnek 114. Mffouohn Karl, Trafik, Prag II., Nekasai Marei Josef, knlhknpeotvi, Prag-Bubeni, n Briifa 24. Monik, Trafik, Prag I„ Parlament. Mriifkova, Trafik, Praxi., JoMhkl lt„ lllu Mric Jan, Smichov, Radllckä tf. 43. Orbla A.-V., ZeltnnffaversehlelB, Praha XII ehova tf. 62. „Praga", ZcltnngsverachlelB, Prag II.. Havli nSm. 23. SedlAk Vlclav, Trafik, Dejvlca, Svecova. Skrabkova Anna, Trafik, Dojvtee, Henn dfednlekl domy 280. Strouhal Artnr, Trafik, Prag III.. Mosteei Tantals EL, ZoltnngsverschlelQ. Prag II., Vi ■kl nim. 45. Untermann Rudolf, Prag IL, Panskl bei P Botel. OiUedni dtln. knlhknpectvi, Svüccn#. Pro Hybernaki 7. Zcmann, Trafik, Prag I., Perlten. Fanal, ZeltnrnreveraohlelB, Prag II., SmeEks Und bei StraBenverklnfern: Wenxel.pla MAatek— Masnrykbahnhof— Wllsonbal Die richtige Bril Optiker Deutsch Prag 11., PHkopy, Palais Koruna Jreundschaftshöhe 2060 Selchwaren dar Pa. heqneb* d*. PU SIND DIE ALLERBESTEN.1 Drei Fragen für den Urlaub. Radiumheilbad • St. Joachimsthal schönster Ausflugsort von Mlbrlscb-ScbOoberg. Vorzügliche Speisen und Getränke! Ausschank Hannsdorlcr Biere. Verein Arbcltcrhclm. Hotel Junit rreiwoidou in Schlesien gegenüber dem Bahnhof, schöne Fremdenzimmer, vorzügliche Verpflegung. Telephon Nr. 19.— Menü Kd 8.— bis 10.»-. 2046 Der Besitzer RUDOLF JUNG. Wwtoriiiffl Br. Schweinhurg ">11111111111» Zuckmantel, Schlesien, miiiiiw Erstklassige, physlknltsch-di&tetlscbe Heilanstalt für innere, Nerven- und Stoffwechsel-Krankheiten. MäUlge Pauschalkuren Der Urlaub bringt vor den Freuden und der gesundheitlichen"Stärkung Sorgen. Ter nm- Wichtige Mensch läßt di« Entscheidung über die Anwendung der Urlaubstage oder Wochen nicht bis zu dem Morgen, da er für eine kurze Zeit von einer Bevufspsllcht entbunden wird, sondern ast nionatelang vorher beschäftig! er sich mit dem Urlaubsproblem, um Gewinn für sich und womöglich, die Seinen aus dieser sozialen Evrungen» chast der schaffenden Menschheit zu erzielen. Drei Fragen hat er da vor allem zu prüsen und der Beantwortung zuzuführen, um zu einem für ihn befriedigenden Resultat zu kommen. Erstens, ivelches Ziel will ich mit dem Urlaub erreichen, zweitens, mit welchen Mitteln, u>id drittens auf welchem Fleck der Erde. Der kranke Mensch kann vom Arzt beraten werden, wohin er zu gehen hat, um das Ziel eines Urlaubes, die Wiederherstellung seiner Ge- ündhoit zu erlangen. Ihm wird vielfach auch die zuständige Knurkenversicherungsanstalt di« zweite Frage lösen helfen. Er liat keine allzu große Freiheit in der Auswahl des Ortes. Er geht mit einer Gelenks- oder rheumatischen Erkrankung nach Teplitz oder in ein slowakisches Bad, er findet seinen Platz in einem ErholungS- beim oder seinen Aufenthalt. in einer billigen Pension dieser Kurorte. Er geht bei einer Herz, erkranlung oder der Herzgefäß« nach Franzensbad und wird auch hier, we>m er kein Krösus ist, gut und billig unteraebracht, genau so wie er gut und verhältnismäßig billig untergsbracht werden kann, wenn er sich einer Kur in Marien- bad oder FoachimSthal unterziehen muß. Auch Karlsbad, dieses Wunder für die Leber-, Nieren-, Gallen- und. Zuckerkranken, öffnet heut« jeden« Kranken— also auch wenn er koin amerikanischer Multimillionär ist,— seine Pforten zu den Quellen. Wer krank ist, muß also den Arzt über die Wahl deS UrlaubSorteS entscheiden lassen und zur finanziellen Hilfe di« sozialen Einrichtungen m Anspruch nehmen, soweit ihm daS möglich gemacht wird. Dann wjrd der Urlaub zu einem Segen für ihn werden. Der Gesunde ober hat zu untersuchen: habe ich einer Krankheit vorzubeugen? und je nach dem Ausfall der Antwort auf diese Frage wählt er feinen Aufenthaltsort für die Urlaubst««. Keinem Menschen-wird es schaden, die westboh- mischen Bäder zu besuchen, ohne eigentlich krank zu sein. Im Gegenteil, für den Gesunden sind sie wertvoll in mehrfacher Deziehuug, weil sie Erholung, Schönheit und mannigfache Zerstreuung bringen. Di« Zielsetzung kann also«Ine sehr weite sein. Sie dient der körperlichen Stärkung, der geistigen Weitung und Freude sowie sie Genuß verschafft. Bloibt nur noch die Geldfrage, die schließlich auch die Auswahl des OrteS ungemein leicht macht. Wer ivenig hat, wiich sich geiiau so wie der, welcher mehr hat, in einem der vorhin genannten Kurort« zurechtfinden, auch wenn er auf Komfort und besondere Bequemlichkeit verzichten muß. Je früher der Plan für den Urlaub fertiggestellt wird, um so mehr be-[ steht Aussicht, gut und billig unterzukommen., Wer die Regelung seiner Urlaubspläne bis zum> letzten Augenblick vor der Abreise läßt, handelt- unklug und muß oft büßen. Wer aber rechtzeitig! für die ziveckniäßige Zusammenstellung seines Urlaubsplanes sorgt, wird auch mit wenig Geld -viel genießen und gewinneti können. Hennen Sie des Böbmerwaldes rauschenden H^hvald. düsteren Berg« seen. sagenumwobenen Burgen?— Besuchen Sie unsl Auskünfte: Deutscher BSbmerwaldbuud. B.-Budwcis. Ur- zerstraBe 9(Fremdeuverkehrsabteilung). 3032 Billige nuren an den helSen. hochrad. Ther Banal TepllUg-Elgllttmid umburg PauKhalkuMn nwdMMt•inoorkM*! M PtMtaschlChefarrf Aussig« Handelsakademie. Akademie: AufnohmSprüfungen 80. Juni, 1. tember,%0 Uhr früh.. Zwriklassige Handelsschule für Knaben. Zvriklassige Handelsschule für MLdchei AufnohmSprüfungen 80.-Juni, 1. Sept« vormittags X10 Uhr. Abitnrienteukurs für Maturanten: Anmeld bis 2. September.. 206 Weitere Auskünfte erteilt di« Dir« Jeder klasseubewußte Arbeiter verkehrt in 8t. Joachimstbal nur im Hotel„Volkshaus“ Saubere Fremdenzlmmer.- Billiger MiHagstiscb. bei Karlsbad einziger Ort Europas, an dem das Radium in. 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