13. Jahrgang. Mittwoch, 28 Lunt 1933 Nr 149. Nazispitzel in Prag. Die Nachricht von einer angeblichen Berte. ?ung des Parteivorstandes der SPD. noch Prag at osfenbar die Polizei des Dritten Reiches «tnigermaßen in Ausregung verseht, und eS ist daher seit mehreren Tagen«ine bedeutende Zunahme der Spitzeltätigkeit in Prag festzustellen. So hat insbesondere ein bekannter Berliner Polizeispitzel Paul T., der vorzugsweise in kommunistischen Kreisen zu„arbeiten" pflegte, Prag ausgesucht. Man hat ihm aus Borsichtsgründen unrichtige Angaben in die Hände gespielt. Jn- Öen hat aber die Polizei ihr Augenmerk auf eigenartigen Besucher gelenkt, seiner weiteren Praxis dürste damit Wohl«in Riegel vorgeschoben sein. DaS gleiche gilt von zwei jungen Leuten, di« in der FlüchtlingSsürsorae erschienen und sich durch Geldspenden und Zigarettenvertellung ein« zustthren suchten. Recherchen haben ergeben, daß sie eS lediglich aus Auskundschaftungen abgesehen hatten, ja mit der Absicht hier aufgetaucht sind, Provokationen herbeizusühren, die eventuell den Emigranten daS Leben hier politisch erschweren könnten. Die deutschen Emigranten sind politisch zu geschult, um aus solches Anreißertum Hereinzufallen, aber trotzdem scheint eine össentliche Warnung vor derartigen unsauberen Elementen dringend am Platze zu. sein. Das(hrisllidie GewrMaffsorgan gestohlen! Berlin, 27. Ci uni. Die Tageszeitung„Ter I Deutsche", früher das Organ LiegerwaldS, drS Führers der christlichen Gewerkschaften, wird ab 1. Fuli 1933 als Zentralblatt der-deutschen Arbeitsfront unter der- LeräüSgeborschaft deS FührerS der deutschen Arbeitsfront, Dr: L e y, erscheinen.•. Auch stahlheimüeider werden enteignen Nach einer Meldung des Zeitungsdienstes bat der Führer der deutschen Arbeitsfront eine Anordnung cxlassen, in der ans Grund der Unterstellung des Stahlhelms unter dem Führer der NSDAP Adolf Hitler die Uebcrnahinc der Stahlhelm< Selbsthilfe durch die Stellen der NSDAP angeordnet und die Einordnung der Stahlhelm-Selbsthilfe in die deutsche Arbeitsfront befohlen wird. Anrufung des Msgerinoles durch den Berliner Oberkirchenrat. Berlin, 27. Juni. Ter des Amtes enthobene ehemalige Oberkirchenrat in Berlin hat wegen der vom preußischen Kultusminister und seinen Kommissaren getroffenen Anordnungen für die evangelischen Kirchen der altprcutzischcn Union Klage beim Staatsgcrichtshos für das Deutsche Reich in Leipzig cingcreicht. Die„Frankfurter Zeitung" meldet, daß trotz dem Ucbereinkommcn, Vas zwischen dem Bischof ron Spcher und dem Delegierten der nationalsozialistischen Partei erzielt wurde, heule neuerdings zwei Priester in der Pfalz verhaftet wurden. Audi die Mandate der Staatspartei erloschen. Berlin, 27. Juni. Wie das BDZ-Büro meldet, werden durch die Annullierung der sozialdemokratischen RcichstagSmandate auch die Mandate der S t a a t s p a r t e i in Mitleidenschaft gezogen, da die Staatsparteilcr im Reichstag und Preußenlandtag infolge des getroffenen Wahlab- kommens ans Grund sozialdemokratischer Wahlvorschläge gewählt wurden. Die drei StelatSpar- tciler im preußischen Landtag haben bereits die Verständigung erhalten, daß ihre Mandate erloschen sind. Die fünf staatspartcilichen Reichs« tagsabgeordneten werden- zweifellos- dasselbe Schicksal teilen. 150 Gemeihdeanoestellte müssen< Hakenkriuzlern Een! Ludwigshafen,. 27. Juni. Ter Bürgcrmei. ster und sein Stellvertreter wurden ihrer Aemter enthoben und in Schutzhaft, genommen. Der Führer- der nationalsozialistischen Lokalorganisation beschloß, 180 Gemcindcaugestclltcn zu kündigen, die durch Nationalsozialisten ersetzt werden sollen. Lin wohlverdientes Schicksal: Demission Hu$enber$s Entscheidung des Reichspräsidenten noch nicht gefallen. Seel in, 27. Juni. Wie Vas Konti> Büro»iclvct, hat der deutschnationale Reichöwirtschaftöminister Dr. Hugenberg heute nachmittag dem ReichsprSsideuteu sein RttcktrittSgefuch überreicht. Die Entscheidung des ReichSprSstdenten, der auf seinem Gut in Neudeck weilt, ist erst für morgen zu erwarten. Staatssekretär Meiszuer wird heute abends zum Bortrag beim Reichspräsidenten nach Renveck fahren. Wie da» Eonti-Büro weiter meldet, steht die Selbstauslösung de« Deutschnationalen Front, wie die deutschnationale Partei in der letzten Zeit hieft, unmittelbar bevor. Offenbar will Sugenberg der Schande zuvorkommen, sich seine Partei von denselben Karzburgcr Bundesgenossen verbieten zu lasten, die er in unglaublicher Verblendung in den letzttzn Jännertagen selbst in den Sattel gehoben hat. Eine Abordnung des engeren Parteivorstande» der deutschnationalen Front sprach abend» in der Reichskanzlei vor, um über die Frage der Auflösung der deutschnationalcn Front mit führenden Persönlichkeiten der NSDAP. Fühlung zu nehmen. 8eld5taaad§adgs«Mgcadcrgpancl vle Mandate der kNNrer gerettet! Berlin, 27. Juni.(Conti.) Die Reichs« Pressestelle der NSDAP teilt gegen Mitternacht mit: „In vollem Einvernehmen mit dem Reichskanzler und in Erkenntnis der Tatsache, daß der Parteienstaat überwunden ist, hat die Deutschnationale Front heute ihr« Auslösung beschlossen. Sie wird bei den nötigen Maßnahmen zur Abwicklung nicht behindert werden. Die ehemaligen Angehörigen der Deutschnationalen Front werden vom Reichskanzler als volle und gleichberechtigte Mitkämpfer des nationalen Deutschland anerkannt und vor jeder Kränkung und Zurücksetzung beschützt; das gilt insbesondere für alle Beamten und Angcestlltrn. Die wegen politischer Vergehen in Hast besindlichen ehemaligen Mitglieder der Deutschnationalen Front werden unverzüglich in Freiheit gesetzt und unterliegen keinerlei nachträglicher Verfolgung. Die Fraktionen des Reichstages und der Landtage der NSDAP, und der bisherigen Deutschnationalen Front sichern eine einheitliche Stellungnahme durch Abordnung von einem oder mehreren Mitgliedern der ehemaligen Deutschnationalen Front in die Borstände der Fraktionen der NSDAP.(Reichstag und preußischer Landtag je zwei). Sinngemäß wird in den gemeindlichen Selbstverwaltungskörpern Verfahren. Vorstehendes ist vom Herrn Reichskanzler unterzeichnet sowie von den Herren von Winter» feldt, Freiherrn von Frehtag-Loring- Hoven und Dr. Poensaen als Vertreter der vormaligen Deutschnationalen Front." Abrüstungskonferenz bis Oktober vertag!. Went 27. Juni. In einer kurzen Sitzung des Büros der Abrüstungskonferenz wurde be- schlossen, daß in der am Donnerstag stattsinden- den Sitzung des Hauptausschusses der Konserenz- vorsitzende Henderson den Antrag aus Vertagung der Beratungen deS-Hauptausschusses bis zum 16. Oktober stellen wird. Bis zu dieser Zeit würde der Vorsitzende der Abrüstungskonferenz zu Verhandlungen mit den Delegationsführern über die den englischen Abrüstungtzplan betreffenden Hauptprobleme beauftragt werden, über die weder in London noch in Paris etwas Bestimmtes vereinbart werden Im Büro der Konferenz machte außer dem deutschen Botschafter Nadolny niemand Einwendungen. gegen eine Vertagung; es ist demnach wahrscheinlich, daß der Antrag Hendersons im HauptauSschusse günstig ausgenommen werde» wird. Im Bedarfsfälle wird im Juli oder während der Völkerbundsversammlung eine Sitzung des Büros der Abrüstungskonferenz einberufen werden. In privaten Unterredungen mit den Delegierten sprach sich der Vorsitzende der Abrüstunas- lonferenz Henderson sehr pessimistisch über die Aussichten eines günstigen Abschlusses der Abrüstungsberatungen aus. konnte. Maulkorb tiir die preuBisdten Beamten. Jede Kritik als„Miesmacherei“ verboten/ Denunziantentum Plldit! Berlin, 27. Juni. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst initteilt, hat der preußische Ministerpräsident Göring an die Nachgeordneten Behörden- seines Amtsbereiches folgenden Runderlaß gerichtet: „Es ist beobachtet worden, daß Beamte, Angestellte und Arbeiter in der Unterhaltung . mit änderen Personen, Aeußerungen bekunden, di« geeignet sind, Unzufriedenheit über die von der-nationalen Regierung getroffenen Maßnahme» zu erzeugen und Mißtrauen unter die Bevölkerung zu säen. ES handelt sich um Per-• soneu, die man mit dem Ausdruck„M ies, s machet tresfend kennzeichne« kann." Ich ordne allen Beamten, Angestellten und Arbei- terp an, daß künftig in derartigen Methoden eine Fortsetzung der utarxistischen Hetze erblickt wird. Miesmacher sind daher als verkappte Marxisten anzusehen, dir sich aus diese Weise noch immer im marxistischen Sinn« betätigen. Ich ersuche alle, denen Personal- dienstaussichtpslichten obliegen,- aus diese, Fälle genau zu achte» u»d mir sofort die betreff«nden Person«n unverzüglich namhaft zu machen. Ein Unterlassen dieser Anzeigen werde ich als ein« betonte Solidaritätserklarnng mit solchen Hetzern betrachten müssen. Zwangsarbeit gegen Arbeitsmangel l Es scheint wirklich, daß unseren Reaktiv- nären jeder dumme Einfall gerade gut genug ist, um mit ihm ihre„Politik" zu machen. Anders könnte man das Vorgehen der Zentrale der Handels- und Gewerbckammern gar nicht verstehen, die eben dem Mnisterium für soziale Fürsorge ihr Gutachten über die Nobel- lisierüng der Arbcitülosenfürsorgc übermittelt haben und dort neben mancherlei anderen Liebenswürdigkeiten die Einführung der Arbeitspflicht als Gegenleistung für die ausbczahlte Unterstützung fordern. Schon die Forderung an sich ist eine unerhörte V.'leidigung der Arbeiterklasse und kann gar nicht scharf genug zurückgewiesen werden. Bedeutet sie doch nicht mehr und nicht weniger als die Unterstellung, daß der Großteil, wenn nicht alle Arbeitslosen arbeitsscheue Elemente seien, die man zur Arbeit erst zwingen müsse. Nicht deshalb gibt cs jo viele Arbeitslose in der Welt, weil die von den Handelskammern verteidigte und gestützte kapitalistische Wirtschaftsordnung vollständig versagt und aus der Weltwirtschaft ein Chaos gemacht hat, sondern deshalb, weil diese Arbeitslosen nicht arbeiten wollen! Man weiß wirklich nicht, was man da mehr bewundern soll, ob die Unverfrorenheit oder die Naivität, mit der hier ein paar satte Unternchmersnndiei der Oessent- lichkcit Sayd in die Augen streuen wollen. Jeder, der" sich" einigermaßen im Arbeiterlcben auSkennt, weiß, wie sehnsüchtig so ein Familienvater nach Arbeit sucht, wie er sich die Beine ablänft, um irgendwo auch nur eine Gelegenheitsarbeit zu finden. Esgibtkcine Arbeit und sogar die Saisonarbeiter werden imnter spärlicher. Und diesen Zustand soll nach Ansicht der Handelskammerzentrale, also einer halboffiziellen Körperschaft, wo doch immerhin ernste Menschen sitzen, die ettvaS von der Volkswirtschaft verstehen sollten, die Arbeitspflicht beseitigen. Könnte uns vielleicht einer der Herren Doktoren sagen, wie er den» mit der Arbeitspflicht das vorhandene Arbeit»- gnantum auch nur nm ein Jota vergrößern will? Die Kammerzenlrake sagt, daß die Arbeitslosen össentliche Arbeiten leisten sollen. Nun wird es den Herren vielleicht doch nicht ganz entgangen sein, daß es gerade die Vertreter der Arbeiterschaft in der Regierung,'M Parlament und in den Sclbftverwaltiingskör- pern sind, die am.Misten nach der Beschaffung von'Arbeitsgelegenheiten rufen. Wie c.ft haben wir in unserer Presse die verheerenden Wirkungen der Gemeindeftnanzgesctze beklagt, welche die Investitionstätigkeit der Selbstverwaltung nahezu vollständig gedrosselt haben! Wie lange haben unsere Vertreter tut Parlament nach der Arbeitsanleihe gerufen, um so die notwendigen Mittel für öffentliche Jnve- stitivnsarbeiten zu gewinnen! Wäre es den Herren von der Kammerzentrale gar so ernst mit den öffentlichen Arbeiten, so hätten sie zum mindesten auf ihre Mitglieder einen größeren Einfluß ansüben müssen, daß sie sich etwas mehr an der Zeichnung der Arbeits- anleihc beteiligt hätten. Sv, wie die Dinge heute liegen, ist es gerade der katastrophale Geldmangel, der die Vergabe öffentlicher Arbeiten hemmt. Jin „Prüvo lidn" hat dieser Tage Abg, Genosse Jng. N e L a s auf diese Schwierigkeiten hinge- wiesen und besonders dargetan,- daß ein Betrag von 60 Millionen Kronen genügen würde, um den Gesuchen von 6000 Gemeinden zu entsprechen,-die beim Ministerium für soziale'Fürsorge um Beiträge zur produktiven Arbcitsloscnfürsorgc eingebracht wurden. Nicht einmal, diese 60 Millivnen Kronen aber stehen 'ur Verfügung! Womit also soll die viel wci lergehende Arbeitspflicht finanziert werden'? Glauben die Herren von der Kammerzenträle SeHe 3 Mittwoch, 28. Juni 1988 -de. 149 I -er- im ersten Jahresdrittel. ausgesührt. Sie bc- und Ztraßenrcpara- i»i Bau und in der Wasserstraßen»sw. bisher irgendwo ein den und Nrstringicrung bclrisst auch den Bahuerhaltungs- dienst und auch die Zentrale. Keine Neuaufnahmen- vermehrte Pensionierungen. Insgesamt hatten die Ltaatvbahnea Ende Oktober de» vorsahre» 134.756 aktive Ungestillte. Zur Verringerung dieser sür die heutigen Berkehrsver- hältnisse zu hohen Zahl Hai die Bahnverwaltung verschiedene Wege vingvschlagcn. Bor allein werden die Personalabgäiig« durch Todesfälle, Pensionierung ete. nicht erseht und keine neuen Angestrll» t«n ausgenommen. Weiters werden ausgedehnte Pensionierungen vorgenoinmen und neuestens auch Angestellte in anderen staat- lichcn Tie n st zweigen untergebracht. Die Im Jahre iE begonnenen Pensionierungen umfassen Leute mit voller Pensionsberechtigung und Ueberdiener, wobei dir Altersgrenze allmählich herabgesetzt wird. Auch Angestellte mit geringer LcistungSsähigkeit sowie jene Angestellten, deren weiteres Verbleiben im Dienst wegen aktiver Beteiligung an staatsfeindlichen Bestrebungen unerwünscht ist, sollen pensioniert werden. BIS Ende deS Jahres dürft« durch diese Pen- j fionieruugrn einschließlich deS natürlichen Abganges der Personalstand nm etwa 12.000 Personen reduziert werden. DaS bedeutet«ine Ersparnis von rund 48 Millionen auS der Differenz zwischen den Aktiv- und den PensionSdezügen. Heuer dürft« allerdings nur etwa 21 Million« erspart werden. Die etaatSbahndirektionen wurden weiters ermächtigt, ohne Rücksicht auf daß Alter jene Angestellten zu pensionieren, die ohne KriegSjahre Anspruch auf voll« Pension haben, bezw. fene entbehrlichen Angestellten in den zeitlichen Ruhestand zu schicken, die diesen Anspruch erst nach Einrechnung der Krieg-- sahre haben. Danach werden Wetter« 2400 Angestellte pension-reif. Etwa 1228 Angestellte wurde« bisher von den IinonzbkhSrden übernommen, di« unter Personalmangel leiden. Man rechnet damit, daß sich diese Zahl bi- End« de» Jahre- auf 1800 erhöhen wird. ' Eisenbahnminister Genosse ”', V in der gestrigen Sitzung deS Der« kchrsaüsjchusses ein ausführliches Referat. ' finanzielle Entwicklung der Bahnen gehl denmach auch Heuer weiter; erst in deo letzten Wochen kam cs zu einer mäßigen Besserung, von der man noch nicht weiß, ob sie anhalten wird. Aegeuüber 1932 sind die Einnahmen in de« ersten vier Monaten d«S heurigen Jahres von 912.7 auf 765.8 Millionen zurückgegauge«, also um 146.9 Millionen oder 16.99 Prozent. Die Ausgaben könnt« in derseld« Zeit nur um 127 Millionen herabgesetzt werden. Der Betriebsverlust betrögt sür dieselbe Zeit rund 436 Millionen, d. i. um 62 Millionen mehr al- in selbe« Zeit deS Vorjahres. Ter BerkchrSapparat, der im Jahre 192V Transport von 76 Millionen Tonnen Ware 271 Millionen Fahrgäste bewältigte, ist heute, wo diese Ziffern aus 43 Millionen Tonnen und 213 Millionen gleisende gesunken ist, bei weitem nicht vollständig ausgenützt. Zur Erzielung von Ersparungen in den Sachautgabm wurde im neuen Fahrplan die Zahl der ZugSkilometer im Motorbetrieb von 9 aus 14 Millionen erhöht. Trotz der Ausgestaltung de- Fahrplanes gelang«S auf diese Weise, etwa 8 Millionen Kronen in den Betriebsausgaben einzufparen; bei Dampfbetrieb hätten sich die Mehrkosten aus mindestens 3V Millionen belaufen. Bon dem Mesamtstand von 4247 Lokomotiven wurden 715 Maschinen älteren Typs auS dem Dienst gezogen; durch die Ausschaltung dieser weniger wirtschaftlichen Typen dürsten jährlich etwa 10 Millionen erspart werden. Im BerkchrSdienst wurde der Stand deS Lta< tiouS- und FahrpcrsonalS im letzten Halbjahr um fast 2400 Personen herabgesetzt. Fast 700 Lokomotivführer und Anwärter werden Im Heizdienst verwendet, während 500 Heizer in den Heizhäusern Dienst mach««. In den Werkstätten wurde die Zahl des Personals im Borjahr um 1000, im heurigen ' Jahre bisher um 700 Angestellte verringert. Die Tic ungünstige Polizisten oder sonstigen Vertretern der Obrigkeit auf die Straßen zu stellen und sie nun „arbeiten" zu lassen? Der wird da« notwendige Material, das notwendige Werkzeug beistellen? Im günstigsten stalle muß man damit rechnen, daß die Kosten der Arbei; mindestens das Doppelte der Lohnsnmme, in manchen Fällen aber noch tvcit mehr betragen. Wenn also heute die Kosten derArbcitslosenfürsorgc eine Milliarde fährlich ansmachen, so würde die Durchführung der Arbeitspflicht diese Kosten nm mindestens eine weitere Milliarde, eher aber um eineinhalb Milliarden steigern. Mochte di« Kammerzentrale vielleicht dem Finanzminister und der parlamentarischen Sparkommission raten, wo sie diese Riese n s n m m e h e r n e h inc n sollen, do es sich ja überhaup; um keine produktiven Arbeiten handeln kann, die etwa eine Verzinsung und Amortisierung ermöglichen wurden? In Deutschland hat man die Arbeitspflicht bekannt lich cingeführt, teil« au« denselben Motiven, wie sie ans dem albernen und nndnrchfnhr. baren Vorschlag der Kammerzentrale hervorgehen, nämlich aus purem Haß gegen die Arbeiter, teils auch aus militaristischen Gründen, und die vernünftigen deutschen Volkswirtschas- 1er geht schon heute daS Grausen an. Denn wenn man die Leute auch fast umsonst arbeiten läßt, so sind doch die Kosten derart enorme, daß sich jeder fragt, wie man sie bezahlen soll. Hiiler-Dentschland hat bereit« auf diese Frage eine Antwort gegeben, inden« es für eine Milliarde Mark Schahscheine heransgab, was man wohl al« wenig verhüllte Form einer Inflation bezeichnen kann. Sollten etwa die Herren von der Kammerzentrale auch so envas wünschen, um die Arbeiter doppelt betrügen zu können? Sehen wir nun aber doch den Fall, daß es auf irgendeinem Weg gelingt, diese Zwango- arbcii zu finanzieren. Was wird die Folge sein? Können sich damit die wirtschaftlichen Verhältnisse auch nur im geringsten bessern? Die öffentlichen Arbeiten werden in der Regel in den Sommermonaten stehen in Straßenbautcn turen, in Meliorationen, Erhaltung verschiedener Ist bei diesen Arbeiten Mangel an Arbeitern zu beklagen gewesen? Wer die Verhältnisse kennt, der wird wissen, daß das nicht der Fall war und daß es sehr oft zwischen den Arbeitern erbitterte Kämpfe selbst um diese schäbigen Arbeitsplätze gibt, daß man vielfach über„Protek ion" klagt, wenn der oder jener eine solche Arbeit bekommt. Führt man nun die Arbeitspflicht ein, so werden selbst diese seltenen Arbeitsstellen ausgcschaltet und der A r b e i t S m a r k t erfährt eine weitere Verschärfung! Ist das etwa das Ziel der„iveitblik- kcndcn" Wirtschaftspolitik der Zentrale der Handelskammern? Liegt das im Sinne der Beschlüsse der Internationalen-Handelskammern, liegt das im Sinne der Absichten der Internationalen Arbeitskonferenz oder der WeitwirtschaftSkonferenz? Nein, das alle« kann nicht der Sinn einer solchen Maßnahme sein. Und da wir die Her- vor Kampf der Staatsbahnen gegen das Defizit. 486 Millionen Betriebsabgang Neber di« finanzielle Situation der Staats-> bahnen erstattete Eisenbahnminister Genosse B« ch y n ä in der gestrigen Sitzung des Ver wirklich ernstlich, daß eS genügt, ein paar>rcn. doch nicht für dümmer halten wollen als hundert Arbeitslose unter Aufsicht von einigen sie sind, so bleibt nur noch eine einzige Cr- ----- m- j-*'-*--- klärnng: sie bezwecken mit ihrem Antrag nicht mehr und nicht weniger al» einen Generalangriff auf die Löhne und die vertraglich gesicherten Arbeitsbedingungen! Denn«» ist wohl anzunehmen, daß man den Arbeitsdienstpflichtigen ebenso wie in Deutschland keineswegs den vertraglich festgelegten Lohn, sondern eben einen „Notstandslohn" zahlen würde, den dann irgendein reaktionärer Bezirkshauptmann festlegen würde. Dian sieht das heute schon in Deutschland, wo durch die militärisch aufgezogene Arbeitspflicht die vertraglichen Rechte der Arbeiter auf kaltem Wege beseitigt tverdcn. So wird aus den bayrischen Arbeitsdienstlagern gemeldet, daß dort die Leute bis zu zehn Stunden arbeiten müsien,(daneben noch zwei bis drei Stunden militärischen und„Wehrsportübungen" zu obliegen haben) und daß sic an private Unternehmer vermietet werden, wie das bei un- mit den Skraflingcn geschieht. Dieser Gefahrenrist sich die Arbeiterschaft nur zu gin bewnßt^und deshalb hat sich die ArbeitSdirnstpflicht dort, wo die Arbeiter mit- »»entscheiden hatten, noch nirgends durchsetzen können. In Oesterreich zum Beispiel sind kaum ein paar hundert Menschen an ihr beteiligt und die Kosten übersteigen hier bciwcitem den praktischen Erfolg. Ebenso wenig konnte man diese moderne Form der Sklaverei und der vollständigen Entrechtung der Arbeiterklasse in' anderen Ländern mit einer freien Arbeiterbewegung erzwingen. Eben deshalb ist cs aber notwendig, allen solchen unüberlegten Plänen der Scharfmacher schon von vorneherein mit aller Energie ent- gegcnzutreten und sic im Keime zu ersticken. Sie sind u n d u r ch s ü h r b a r und cs bedeutet daher nur eine überflüssige Provokä- lion der Arbeiterschaft. I. B. Die Ersparnis betrogt jährlich etwa 22 Million««, Heuer freilich nur 13 Millionen KB. Außer diesen Sparmaßnahmen, die den Angestellten beträchtlich« Opfer auferlegen, sucht die Bahnverwaltung im Personen- wie im Aüterverlehr durch geeignete Maßnahmen die Benützung der Bahnen zu sördsrn. HIeher gehört di« Durchrechnung der Tarif« ab 1. November 1932, und die neue» Exporttarise, die den Anfang einer allgemeinen Tarifresorm bedeuten. Den Personenverkehr sucht man durch Motorisierung, Verdichtung deS Verkehrs und Erhöhung der Schnelligkeit der Züge zu fördern. Eine neue Steigerung der Frequenz erwartet man von den ki>rrlich elngeführten Fahrtbegünstigungen sür den Touristenverkehr. Mit den Lrganisationen der Frächter sind Verhandlungen über eine wirksame Zusammenarbeit mit de» Bahnen Im Zuge. Die Ersetzung des Schicnenbctricbs auf schwach frequentierten Strecken durch Autobusie wird vorbereitet. 'Abschließend bat der Minister, sich immer oor'Augen zu halt.-n, daß nur eine Besserung der gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse ein« grunosählichc Wendung d«r Situation der Bahnen herbeiführcn kann. Der Welthandel ist im Vorjahre gegenüber dem Jahre 1929 auf 85 Prozent zurückgegangen,' etwa ein Drittel des gesamten Warenumsatzes steht in irgend einer Beziehung mit der Eisenbahn. Daraus sei am besten zu ersehen, wie sich die Schrumpfung des.Handels auf di« Wirtschaft der Bahnen au-wirken muß! Verhandlungen im Kohlenbergbau. Teplih-Schönau, 27. Juni.(Eigenbericht.) Die am 21. Juni 1988 anberaumtc Besprechung der Dcrtragskontrahenten der Prager Vereinbarung mit den Vertretern des Vereines für bergbauliche Interessen wurde heute fortgesetzt. Nach längerer Au-sprache gaben am Schlüsse der Verhandlungen über Verlange» der Arbciterver- treter die Vertreter der Bcrgbauunternehmungen die Zusage, die von ihnen in der Aussprache bekannt gegebenen Forderungen in der nächsten Zeit den Vertragskontrahenten schriftlich zugehen zu lassen. Die Bcrgbaubesitzcr verpflichten sich, oaS derzeit bestehende Uebereinkommen auch über den 80. Juni 1933 hinaus in dem heutigen Ausmaße auf die Dauer der Verhandlungen jedoch bis spätestens 14. Juli 1933 weiter aufrecht zu erhalten. Dringend« Ausgaben sür da» Gesundheitsministerium. Der sozialpolitische Ausschuß deS Senats führte gestern die Debatte über daS bereits einige Zeit zurückliegende Exposee des Gesundheit«Ministers Dr. Spina ab. Als erster Redner erklärte Genosse Dr. H o l i t s ch e r, daß das Ministerium sehr Wohl«ine größere Tätigkeit hätte entfalten können. ES wäre möglich gewesen, notwendige Gesetze zu schaffen, ohne die Staatskassa zu belasten. So warten di« interessierten Kreise auf daS neue Apotheker-Gesetz, ebenso wie auf die gesetzliche Neuregelung der Zahntechnikerpraxis und der Honorare der Primarärzte. Das längst angckündigte Gesetz gegen die Massagesalons ist immer noch nicht vorgelegt worden, und so kann cs geschehen, daß z. B. daS heutige„P r a g e r T a ab k a t t" nicht weniger als 39 Inserate von Massagesalons bringt. Schließlich beschäftigte sich Genosse Dr. Höllischer mit den Ausführungen des Ministers, soweit sie den JoachimSthaler Bergbau betreffen, und setzte auS, daß oaS Exposee in dieser Beziehung die Ver- hältnisse in Joachimsthal allzu optimistisch darstellt«. Die Maßnahmen, welche getroffen wurden, sind— allerdings mehr durch Schuld deS Ministeriums für öffentliche Arbeiten— unzulänglich. 12 Die Sache mit Boms Kriminalroman von Grote Hartwig „Willst du nicht hören..." fragte der andere lächelnd. „Doch. Bitte! Bon wem?" „Karl Kandler? Wer ist das?" ,^tarl Kandler war der Bruder meiner Braut." Leise fügte Günther hinzu:„Er ist tot." Und sein Helles Gesicht wurde um einen Schatten dunkler. „Tot?" fragte BorriS verwirrt und tausend Kombinationen zuckten durch sein Hirn.„Ach so", fuhr er fort, um irgendetwas zu sagen,„Deine Braut... Sophie heißt Kandler, das wußte ich nicht, du hast immer nnr per Sophie von ihr gesprochen... also ihr Bruder sagst du... er ist also tot... sein Paß also... ist er..." Borris dachte nicht an Gunthers Braut Sophie, auch nicht daran, wie sie mit dem Zunamen hieß, auch nicht, daß ihr Bruder tot war und sie wahrscheinlich um ihn trauerte, auch nicht, wie. wann und warum er gestorben tvar, er dachte nur an den Paß, an den Paß, an den Paß!! Er drückte die Hände an seine hämmernden Schläfen. „Ist der Paß gültig?" fragte er atemlos. „Der Paß ist gültig und... er enthÄt ein russisches Visum." Ein« kleine Pause entstand und di« beiden Männer umarmten einander. Einen Augenblick standen sie Herz an Herz und Tr«ue und Leid klopften ineinander. Dann fühlt« Borris plötzlich eine Müdigkeit und ließ sich schwer aus einen Sess«l fallen. „Karl Kandler arbeitet« in der Textilfabrik i in Wörsdorf... ein tüchtiger Kerl... er sollte [ mit einer Delegation nach Rußland... dortige > Betriebe kennrnlernen... er war schon deshalb zur Mitreise auSerfthen, weil«r Russisch sprach, noch von seiner Kriegsgefangenschaft her... alles»var in Ordnung; zwei Tage vor der Abfahrt hatte er einen Betriebsunfall... dann wurde ihm das Bein amputiert... aber«S war schon zu spät... er starb in d«r vorigen Woche, am Donnerstag...«r war erst neun- undzwanzig Jahr« alt... unter feinen Papieren muß der Paß sein, Sophie sucht ihn, wenn alle- gut geht, kannst du ihn morgen haben... und wenn du morgen auch daS Reisegeld bekommst, kannst du fahren." „Ja, dann könnt« ich fahren." „Wann hast du denn nach Moskau geschrieben?" „Bor vier Tag«n. Aber ich erwarte nicht nur von dort Gold, ich hab« hier ein« Freundin, eine Jugendfreundin, Lillian Band, habe ich dir ni« von ihr erzählt?" „Ist sie nicht am Theater?" --Ja, st« ist seit«in paar Monaten hier engagiert. Ich habe Ihr mein« Lag««rflärt und sie wird bestimmt all« Hebel in Bewegung fetzen, um mir die Summe, die ich brauch«, zu verschaffen."„Ist sie deine Geliebte?" „Nein. Ich sagt« dir doch, si« ist m«ine Jugendfreundin, wir lernten«Inander kennen, als wir beide zehn Jahr« alt waren. Ich war einig« Sommer bei Verwandten im Gebirge, wo auch sic mit ihren Eltern war. Wir hatten uns sehr gern, auch Ihre Eltern erwiesen mir diel LielxS. Ich war auch während det Kriege» ein Jahr lang in einem Internat ihrer Vaterstadt. Wir lernten miteinander, gingen Eislauf«», Tanzen und TcnniSspielen. Uno als ich nach dem Jahr wcgfichr, bli«b«n wir bis jetzt in brieflichem Kontakte. So steht es um Lillian und mich." „War«S nicht doch unvorsichtia, daß du ihr von deinem Fluchtplan gesprochen hast? Wenn sic nun.. awammm ,,DaS ist völlig ausgeschlossen. WaS sälli dir ei«?" „Ich zivciflr daran, daß eine Frau ein Geheimnis wahren kann." „DaS kommt hier gar nicht in Frag«." „Ja, weim si» deine Geliebt« wäre!..." „Im Gegenteil! Ein« Freundschaft ist doch verläßlicher als eine Liebschaft. Und Lillian! Du kennst si« eben nicht.— Außerdem dankt si« mir sehr viel." Borris dacht« einen Moment nach, dann schüttelte er den Kopf.„Nein, nein! Si« wird morgen das Geld einhändigen und alles ist gut." „Hat sic so viel Geld?" „Nein. Si« hat cs nicht. Ihr« Gag« dürfte gerade ihre Bedürfnisse decken. Aber... au wirst' mir doch zugeoen, daß eine so hübsche Frau Verehrer hat, von denen sie bekommen kann, WaS si« verlangt. Außerdem hat sie einen Freund oder Bräutigam, der, wie ich höre, sehr «ich sein soll. Ich werd« sie morgen früh an- rufcn und alles Näher« erfahren. Ich zweifle, wie gesagt, nicht an d«m Gelingen." „Ja, dieses elende Geld", seufzte Güncher. „Ja", lacht« Borris auf, JH« cS nicht brau chen, haben cS." „Schlafft du heute wieder bei mir?" „Nein, bei Bobbtz. Erstens will ich di« Spur hinter mir verwischen und zweitens will ich wissen, ob er meinen Brief heut! nachmittag bei Lilian abgegeben hat." Borris ging znm Ofen und setzte sein Der- uichtungswerk fort. Günther sah ihm zu. Beide Freunde schwiegen. 8. Kapitel. Da» Geständnis. Als Lillian die Handelsbank verließ, zeigt« di« große, silberweiße Uhr in der Halle zwanzig Minuten nach vier. Lilian verglich sie mechanisch mit ihrer Armbanduhr, schlug di« Stulpe des-Handschuhs wieder darüber, schritt an den: lässig grüßenden Portier vorbei und stand auf der Straße. Leichte Nebol begannen sich niedcr- zusticken, daS Licht des NamnittagS war fahl, Lillian fühlt«, daß ihre Wang«« brannten. Schmach erfüllte ihr Herz, das Erlebnis der letzten Viertelstunde brannte in ihrer Seel«. So also sah die Wirklichkeit aus, wenn man sie zu durchleben gezwungen war! Sie wollt« gar nicht daran denken, denn noch war nichts- verloren! Noch blieb ihr ein Weg, der Weg, den sie gleich vinschlagen hätte sollen, der Weg zu Max, zu dem Manne, denn sie liebt« und dem sie vertrauen durfte. Er war der Nächst«, ihr zu helfen, und er würde Ihr Helsen. Es war ein Fehler von ihr gewesen, sich überhaupt auf dieses abenteuer- liche Experiment einzulassen. Kein Wunder, daß es fchtgeschlagen war. Nun Ivar si« jedenfalls um«in« Erfahrung reicher. Bitter war dieses neue Wissen, aber lehrreich. Sie tvar jung unb mußt« lernen. Direktor.Hammer war jedenfalls«in brutalcr Lehrmeister. Sie tvar mit Hoffnung«» zu ihm gekommen. Sie hatte zwar in Erwägung gezogen, von ihm«ine Ablehnung ihrer Bitte zu erfahren, aber keine Demütigung. War«r dcim noch nie einer Frau begegnet, die sich nicht verkauft«? Aber in ihre ehrliche Empörung schlich sich ein schrecklicher und erregender Gedanke: Hatte sie nicht am Ende ihr Ziel bis zuletzt verfolgen müssen? -Hätte sie nicht um ihrer Freundschaft willen, trotz-er Erniedrigung, das Geld nehmen müssen? Hätte sie diesem sadistischen Despoten auf seinen höhnischen Antrag hin, letzten Endes ohne Gegenleistung das Geld anzunchmen, nicht antworten müssen:„Ja, Herr! Ich nehme die achthundert Mark, denn cS steht mehr auf dem Spiel« als mein Stolz und Ihr Uebermut. Buchen Sie es, wie Sic wollen! Denken Sie von mir, was sic wollen! Ich habe ein Wort gegeben und Sie sind.Mittel für meinen Zweck. (Foriittzung lolgl.). Nr. 149 Mittwoch, 28. Juni 1933 Stile S Der Geist des Aakenkreuzes. Der Teplitzer„Freiheit" wurde ein Brief eiugefchirtt, der, gleich dem an den Genossen Fürstenau, die Früchte der Jungschen ErziehnngSarbeit erkennen laßt: „La« Mast ist voll Ihr roten Prehkana» 11 c n ihr Hetz- und LUgenfchelme, täglich tut ihr in euer Asphaltpresse die nationale Erhebung in Deutschland begeifern»nd die wahren Tatsachen absichtlich verdrehen au» purer Rachsucht, daß Suren Schweinen im Reich Braun. Grzflnski, 2eve, ring kurz und gut allen Obergaonern und Nntrrgaunrrn da» Bolt nicht mehr auSpres- sen und bestehlen können und Ihr auf Kosten de» darbenden Bolle» ein Prasser- und Schlemmerleben führen könnt. Könnt Ihr Spitzbuben die» abstreite» Sure roten Genossen Lehrer waren allen von Schlage der I u d e»s a u H i r s ch s e l d der offen unter Billigung und Förderung der roten Machthaber in den Schulen Vortröge abhielt die 10 12- söhrigen Kinder beiderlei Geschlechte» zum gegenseitigen Geschlechtsverkehr aufsorderte. Biel zu gelinde ist mit diesem Back die S. A. Verfahren Hirschseld hätte und mit ihm die anderen Verführer Kinderschänder und Verderber alle diese rote« Lehrer und Lehrerinnen nicht bloß entfernt aus den Schulen sondern ersäuft erdenkt und erschossen in Masse werden... Käme doch bald die Stunde und der Tag der Abrechnung auch bei uns. Sure roten Lehrer stnd genau so wie ihre GesinnungS- genossen im Reich Ware». Moral hob, Ihr überhaupt keine feder weih dah bei So,Hindern keine Altersgrenzen keine Schranken gibt Ihr wollt und fordert direkt die freie Liebe unter Kinder«. Moral und Sitte ist euch überhaupt euch versauten Bestie» ein leerer Begriff Sure Moral und Sittlichkeit ist dir der Sa«. Sozi- linder sind wie ihre Hurenelter« ganz versaut... Aber die Nationalsozialisten werden dafür sorgen, dah euch euer verdiente» Schicksal bald ereilt. Unsere nationalfozialistischen Lehrer denunziert ihr aus alle Art und Weise wollt sie vom Amt bringen damit die Sozilehrer und Sozilehrerinnen diese Hurenkerle und Huren unsere Kinder ganz verderben könnten. Eurer Genosse Derer die rote Sau soll verrelen und die roten Säue sämtlich. Ihr Hurenbrut könnt ihr ein Mort da« ich geschrieben widerlege« nein ihr werdet in eurem Inner« wie eine wilde Sau wüten beschämt aber schweige« bald sür immer. Ihr Säue verfluchte» bald ereilt euch euer Schicksal Lügengesindel Mordbande wir werde« euch bald massakrieren Ihr sollt zehnfache« Tode» sterbe« nicht nur einfach zusammeugehauen werden zu Tode gemartert sollt ihr Hurengesindel aber auch Sure Hureubanlerte Sure Bälge werde« wir derselbe Schicksal bereiten. Der Brief schließt mit folgenden Worten: „Harret der Stunde und dem Tage der Rache er kommt langsam aber sicher. Ein Halen- kreuzler." ES ist daS ursprünglichste, unverfälschte Rülpsen der deutschen Seele, das sich in diesem Schriftstück offenbart. Abgeordnetenhaus. Prag, 27. Juni. Das Abgeordnetenhaus hat heute nach längerer Debatte die Novelle zur Gemeindewahlordnung unverändert in der Ausschußfassung angenommen. Die Debatte wurde wieder ausschließlich von oppositionellen Rednern bestritten. Auf deutscher Seite erging sich Herr Krumpe in etlichen Ausfällen gegen die Sozialdemokratie; gleichzeitig ober machte er aus dem Wunsche seiner Partei, die„Dielwählerei" obzuschaffen, da» Wahlalter hinaufzusetzen etc. kein Geheimnis. Weitere deutsche Redner waren Dr. H a s s a l d und Eckert. Der Kommunist dtötka sprach sogar in Fortsetzungen; als er nach Ablauf der Redezeit vom Borsitzenden gemahnt wurde zu schließen, meldete er sich nochmals zum Wort. Zum Schluß der Debatte reagierte der tschechische Nationalsozialist David auf die kürzliche Behauptung oeS Herrn Knirsch, daß sich die Lausitzer Serben unter dem neuen Regime wohl fühlen, und erklärte es Unter starkem Beifall arff tschechischer Seite für eine Schande, wie man dies kleine Volk von 150.ÜÜV Seelen brutal unterdrücke. * Auf der Tagesordnung der morgigen Sitzung stehen die Getreidepfandbriefe. Wahrscheinlich wird auch- die Dien st Pragmatik vorgelegt werden, die heute vom Ministerrat genehmigt wurde. Sin neues Abkommen f8r das Ostrauer Revier. Möhr.-Ostrau, 27, Juni. Bei der heutigen i« Revierbergamt in Mähr.-Ostrau slaltgekun» denen Sitzung des aus Vertretern der Bergoou- unternehmer und der Arbeiterorganisationen zu- samnwngesetztcn engere» Ausschusses wurde der Entwurf eines Abkommens auf Einführung von Wechselurlauben im Bergbau im Ostrau-Kar- winaer Revier vereinbart. Dieser Entwurf, der noch der endgültigen Genehmigung bedarf, Ist nach den Grundsätzen der Prager Abmachung vom 8. April 1932 ausgearbeitet und bedeutet in bestimmter Richtung gegenüber dem vorjährigen Stand eine Besserung in der Krankender- jicherung der auf Wechselurlaub geschickten Arbeiter. ES ist irunmehr wahrscheinlich, daß di« Wechselurlaube am 15. Juli d. I. wieder eingeführt werden. 9ta)iterror in Friedland. MÄ Sie und SA-Tiere untereinander. Ein furchtbar mißhandelter SA>Mann stellt sich der tschechoslowakischen Gendarmerie, „Es gibt keine Greuel in Deutschland", so lügt der Psychovath Göring nnd die hiesige deutschnationale Presse wie jene der Nazi überbieten sich täglich in der„Antigrenelpropaganda". Die Wahrheit aber siegt und jeder Tag bringt neue Beweise der abgrundtiefen Berti e r t h e i t der B e st i e n, die der gegenwärtige Kanzler Deutschlands seine Kameraden nennt. Die Opfer der SA-Tiere sind längst nicht mehr die„Marxisten" alleine, eS gesellten sich zu ihnen Zentrumsleute, Volksparteiler, Deutschnationale und nunmehr auch Nationalso- z i a l i st e n und SA-Männer. Der nachstehend geschilderte Vorfall ist hundertprozentig authentisch und der Herr Gesandte K o ch kann, wenn er Lust dazu hat, dazu Äellung nehmen: Montag, den 26. Juni stellte sich der Gendarmerie in Niedergrund a. E., Bezirk Tetschen a. QL, ein Mann namen» Bock und bat, ihn einem tschechoslowakischen Gericht zu überstellen. Er gab an, aus Saaz zu sein und seit einem Jahre in der SA im benachbarten Sachsen Dienst getan zu haben. Er tvurde dem Gerichte in Tetschen übergeben, wo er seine Angaben folgendermaßen wiederholte und ergänzte: Dor einem Jahre trat er in die TA ein und macht« dort via in die jüngst« Zeit Dienst. Er wurde daun verdächtigt, Spitzeldienste sür die Tschechoslowakei zu leisten. Dor einigen Tagen wurde er sestgenommen und von seinen SA-Kameraden furchtbar geprügelt. Fast bewußtlos wurde er eingesperrt und schließlich gelang es ibn zu flüchten, Da er sich am Leben bedroht suhlte, nahm er seinen Weg in di« Tschechoslowakei, obwohl er weiß, daß er hier wegen seiner Dienstzeit in der SA. eine längere Kerker st rase zu gewärtigen hat. Bvck trug unter dem braune» Schandhemd der SA. furchtbare Spuren über st an- dener Mißhandlungen. Seine Rückseite bildet vom Rücken bi» in die Kniegelenke eine einzige blutunterlaufene blau-schwarze Masse. Er ist glücklich, den Bestien Hitler» entronnen zu sein und will lieber in«in tschechoslowakische» Gefängnis, al» im„be- lreiten Deutschland" den SA^Banditen zemal» wieder in die Hände fallen. * Und nun Herr Gesandter, können wieder mit der Dementiersvritze auSrücken sagen: ,,E» gibt keine Greuel!" In der Nacht vom Sonntag aus Montag überfielen in Friedland eine Horde von ungefähr 2V Nationalsozialisten vier sozialdemokratische Jungarbeiter. Die Genossen befanden sich auf dem Heimwege aus einem Gasthaus, als auf dem einsamen Weg der Uebersall geschah, welcher allen Anzeichen nach planmäßig dnrchge- sührt wurde. Zwei Genossen wurden ver- letzt, einem wurden die Kleider buchstäblich vom Leibe gerissen. Die Täter wurden erkannt. * Im Friedländer Bezirk sind die Nazi deshalb so frech, weil sie sich des besonderen Wohlwollens der Behörde erfreuen. Ihre im April verbotene Jngendversammlung konnte unter einer Tarnung ungehindert abgehalte» werden. Ihr Maiumzng konnte ungehindert stattfinden, obivohl er polizeilich nicht genreldet war, während der sozialdemokratische Umzug, der UeherfoU auf GogiaWemotraten. wegen eilte« Versehens nicht gemeldet war, von der Gendarmerie aufgelöst wurde und ein Genosse obendrein b e st r a s t wurde. Auf dem Marktplatz in Friedland haben die Nazis allabendlich Ihre Zusammenkunft, sie sperren förmlich die Straßen der Ostseite ab. Wer in diese Gassen gelangen will, muß sich geradezu durch die Naziflegel hindurchzwäugen, die jeden Sozialdemokraten anstäukern. Arbeiter, die ein sozialdemokratisches Abzeichen tragen, sind stets in Gefahr, von der Nazimeute überfallen z» werden. Diese Zustände sind nur möglich, weil die städtische Polizei einer national gleichgeschalteten Stadtverwaltung untersteht und beioe Augen zudrückt, und weil sich die Nazi de» besonderen Wohlwollen» höherer Beamten erfreuen. E» wäre Zeit, daß dem unerträglichen Terror der Faseisten In Friedland energisch zu Leibe gegangen würde. ., i Nachrich tenbüro verbreitete Meldung über das Erscheinen von Fliegern über Berlin wird vom größeren Teil der ausländischen Presse bezweifelt. Der Pariser„Temps" glaubt, daß die Nachricht erfunden ist und keinen anderen Zweck hat, al» einen Feldzug zuguusten der Schaffung einer i deutschen Lustslotte einzuleiten. Der Berliner Berichterstatter des ,,Journal" hat aus dem Aleran- derplatz in Berlin, wo die Flugblätter niedergefallen sein sojlen, Erkundigungen eingezogen, aber keinen Menschen gesunden, der die Flugzeuge oder die abgeworfenen Zettel gesehen hätte. Ti« Londoner Blätter außer» sich ähnlich nnd sagen, daß die deutsche Berichterstattung in letzter Zeit, namentlich seit dem Brande des Reichstags«, aebändes au die Leichtgläubigkeit der offiziellen Meinung der Welt gar zu hohe Ansprüche stellt und der„Netv Ehroniele" vertveist daraus, daß gerade zur Zeit der augeblichen Uebersliegung Berlins alle ausländischen Pressevertreter- bet einer Regieruugskonferen; versammelt waren, so daß kein ausländischer Korrespondent die Flugzeuge sehen konnte. Aus der anderen Seite wird eine zweite Version verbreitet. Ter Berliner Berichterstatter der „Arbeiterzeitung" glaubt, daß es Göring, der den Reichstag in Brand hat stecken lasten, auch nicht darauf ankommen wird, ein paar Flugblätter abwerfen zu lasten, wenn er Militärflugzeuge bauen kann. Auch der„Petit Parifien" hat aus München stammende Meldungen, die besagen, daß der Flug über Berlin von der nationalsozialistischen Regierung selbst veranstaltet worden sei, um die Berechtigung deS Bestehens dieser Luftflotte nach« zuweisen. Tie Nationalsozialisten hatten in Mün- 1 cheu zwei Fluggeschwader gebildet, wovon da« eine ans nationalsozialistischen Freiwilligen und da» andere aus ehemaligen Kriegsfliegern besteht. Welche auch von diese» beiden Versionen richtig ist, ob die Nachricht von der Reichsregierung erfunden ist oder ob Göring den Flug selbst arrangiert hat, jedenfalls ist das Urteil über die Regierung Hitler fertig, daß sich kein Regierungssystem so lügnerischer Methoden bedient hat, wie daS de» Dritten Reiche». Frauenfeld verlier! die tmmuniiäl. Wien, 27. Juni. Ter fozioldemokraliiche Klub der Wiener LandtagSabgeordneten hat sich heute mit der Frage der Nazimandate im Wiener Landtag befaßt. ES wurde beschlosten, angesichts der Terroraktionen der letzten Zeit nun auch den Wiener LandtagSabgeordneten der Nazi» die Mandate abzuerkennen. Damit wird der Führer der österreichischen Hokenkreuzler Frauenfeld sein« Immunität einbüßen. Nazi-Bombenlabrik in Wien explodiert. Die Polizei sacht die Hintermänner. Wien, 27. Juni. Heute abends wurde in Währing durch einen tragischen Unglucksfall eine geheime Bombenfabrik der Nationalsozialisten entdeckt. Gegen 8 Uhr abends wurde in Währing eine furchtbare Detonation gehört. Die Nachschau ergab, daß in einer Parterrewohnung ein Zimmer vollständig in Trümmer gelegt war. Zwei junge Burschen wurden an der EyPlosionSstelle mit schlve- ren Verletzungen aufgefunden, ein dritter, der unverletzt geblieben war, versuchte zu flüchten, wurde aber von der Polizei verhaftet. Die Erhebungen ergaben, daß die drei jungen Burschen Hakenkreuzler sind, die damit beschäftigt waren, eine Bombe zu adjustieren. Durch ungeschicktes Hantieren explodierte Ein neuer Streich der Hunnen. Sondersteuern von„Schulz“' Hdftimaen. Berlin. Unter den zahlreichen sonderbare« Maßnahmen de» neuen Regime» in Deutschland verdient«in« in Württemberg«ingeführt« Neuheit Beachtung. Die dortigen nationalsozialistischen RegierungSkreis« sind auf den Gedanken gekommen, daß von den Steuerzahlern nicht ver- iangt werden kann, daß sie die Kosten sür di« Gefangenen oder sür die in Hast befindlichen Personen, deren Zahl in de« letzten Wochen sehr groß ist, tragen. Es wurde deshalb entschieden, baß di« verhaftete« Personen, wenn sie vermögend sind, nicht nur di« Kosten ihrer Hast trage« sollen, sondern auch sür di« mit»er Haft vermögensloser Personen verbundenen Kosten auszukommen haben. Infolgedessen wurden den in Württemberg in„Schutz"-Hast besindliche» Vermögenden Personen,— e» handelt sich ausschließlich nm sogenannte staatsfeindliche Elemente— in den letzte« Tagen in di« Zehnlausende gehende Zahlungsaufträge zugestellt. Der Gesamtbetrag, der aus dies« Weis« hereingebracht werden soll,»«trägt etwa rin« Million Ke. Zcntrnmsllllirer verlassen Deutschland. Der bekannte Führer der christlichen Gewerkschaftsbewegung. Peter I m b u s ch und der frühere Kölner ObeMrgermeister Dr. Adenauer, ehemaliger Präsident des preußischen StaatSratS, haben da» deutsche Reichsgebiet verlassen und sind, wie wir erfahren, in Saarbrücken eingetroffen. der verwendete Sprengstoff und richtete schwere Verwüstungen an. Die Polizei hat sofort fieberhafte Nachforschungen eingeleitet. Die ersten Zeugen, die am Tatort einvernommen wurden, haben durch Ihre Aussagen den Verdacht erweckt, daß sich hier eine regelrechte Bombenfabrik der Nezi» befand, di« schon seit Wochen das Material für die Terroraktionen geliefert hot. Man bemüht sich nun, die Hintermänner dieser Bombenfabrik auszusinden, da kein Zweifel besteht, daß die drei jungen Burschen nicht au» eigener Initiative gehandelt haben. Eine Spur soll darauf hindeuten, daß Verbindungen zwischen dieser Wiener Bombenfobrik und Deutschland bestehen. Deutschland Ist Kein Zuchthaus! Der„Neue Vorwärts", dessen zweite Nummer eben erschienen ist, schreibt u. a.: In ausländischen Zeitungen hat man in der letzte« Zeit ost gelesen, daß da» Deutschland vo« heut««in Zuchthaus ist. Diese» Bild ist falsch. Ein Zuchthaus ist ein Organ eines Rechtsstaat», in dem jeder seine Pflichten und Rechte hat. Der Zuchthäusler weiß, warum er in das Zuchthaus gekommen ist und wann er wieder herauSkommt; er weiß auch— dazu braucht er «ur di« AnstaltSvorschrlften zu lese«— wie er sich zu verhalten hat, wenn er sich vor weiteren Unannehmlichkeiten bewahren will. Nein, iver sich an daS Bild vom Zuchthaus hält, der wird sich ein« ganz falsche Vorstellung machen von dem, was in Deutschland vorgeht. M fordern die Leibeioensibali... h. b. Vor einigen Tagen fand in dem gleichgeschalteten Stadtpärlament der guten Stadt Seesen am Harz eine Sitzung statt. Es wurde dort vorgeschlagen, an die brannschweigische Regierung den Antrag zu stellen, für den Freistaat Braunschweig«in neues Landesgesetz zu erlasse». Diese» Gesetz soll den Gemeindebehörden das Recht geben, von den Einwohnern Hand- und Spann- dienste zu Verla»gen. Mit Hilfe der Bestimmungen dieses Gesetzes sollen noch im Lause dieses Sommer» die Einwohner zum kostenlosen Fortschassen von Steinen au» den Steinbrüchen nach den Arbeitslagern des Arbeitsdienstes gezwungen werden. Nationalsozialistische Gschastelhuberei in der Bauberatung. Die deutschen Bürgermeister- und Gemeindeämter erhielten in den letzten Tagen eine Verständigung, daß in Bodenbach eine„Bou- beratungSstelle für SeibstverwaltungSkörper" errichtet wurde, und eine Einladung zu Borträgen, die für heute. Mittwoch nachmittag im Hotel Töpfer in Bodenbach angesetzt wurden. Tie Einladung selbst ist von niemandem aezeich- n e t und eS geht nur au» der Art der Ausmachung und den Vortragenden hervor, daß e» sich um eilte nationalsozialistische Gschaftelhube- rei handelt. Es soll vor allem von den Huren Wenzel Wandal auS Aussig und Karl Spira au» Rosenthal bei Reichenberg das„Bauen ohne Geld" propagiert werden. Die wirkliche Absicht dieser Gründung hOcml aber zu sein, der„Deutschen Hauptstelle für Wohnung»- und Siedlung»- fürsorge in der Tschechoslowakischen Republik" Konkurrenz zu machen. Die Deutsche Hauptstelle wurde im Einvernehmen mit deni Verband der deutschen SelbswerwallungSkörper gegründet, wird von diesem auch subventioniert und ist auch die BauberotungSstelle der SelbstverwaltungSkör- per. Was die Herren in Bodenbach errichtet haben, liegt in der Linie der Zerstörung»- und Berwirrungsabsichten der deutschen Nationalsozialisten und der deutschen Nationolpartei. Die deutschen Gemeinden haben gor keine Ursache, diese neue Bauberatungsstelle und ihre Veranstaltungen zu unterstützen! Der BersassungsauSschuß de» Senats verhandelte gestern das kleine Preßgesetz, das Gesetz zur Ergänzung deS Gesetze» zum Schuhe der Republik und da» Gesetz über die außerordentlichen Maßnahmen, An-er eGneraldebatte nahmen eine ganze Reihe von Rednern teil. Genosse Dr. Heller wie» die Angriffe des kommunistischen Redners auf die sozialistischen Parteien zurück, indem er eS als die dringendste Ausgabe bezeichnete, den FaseiSmuS abzuwehren. Die Erfahrungen in Deutschland zeigen, daß dem Faseitniu» nur mit drakonischen Mitteln begegnet werden kann. Der FaseiSmuS wird den Sieg deS Sozialismus nicht verhindern; aber er kann ihn verzögern, und, wie die Ereignisse in Deutschland beweisen, di« Opfer, welche die Arbeiterschaft treffen, gewaltig vermehren. Da die Kommunisten ihren Kampf ausschließlich gegen die sozialistischen Parteien führten, sei die Stellung der Letzteren we'eni» lich erschwert, die Gefahr deS Sieges de» FaseiSmuS wesentlich vergrößert. Nm so energischer müssen die sozialistischen Parteien den Kampf führen. Sie feien sich dessen bewußt, daß diese Gesetze sich einmal gegen sie kehren können. Es werde dann Sache der Arbeiterschaft und der sozialistischen Parteien sein, alle solchen Versuche abzuwehren. Derzeit aber fei der Kanrpf gegen den FaseiSmuS int Interesse der Arbeiterschaft unsere wichtigste Ausgabe. AuS diesen Gründen tverde der Redner für die Vorlagen stimmen. Sei«» 4 Mittwoch, 28. Juni 103h Nr. 14» mit U t f) o r o b, 27. Juni. In den letzten Tage« -en, wenn sic die einzige ist nnd nwn bei den sin- noch de» parken Reaensällen die Flüsse Buchern sitzen kann, wahrend andere Kinder im anaeschwollen. Die Nebenflüsse der Th-iS, Nach kurzem Kampf entrissen sie ihn» die Tasche und entkamen mit dem Auto. Da- unbeständige Wetter hält mit unter» normalen Temperaturen im ganzen Staatsgebiete an. Besonders ungünstig ist daS Wetter im äußersten Oftcn des Staates, wo weiter Urteil im Egerer Militörflieger-Proseb. Gefängnis und Thargenverlust beider Offiziere und eines Rottmeisters. Pilsen, 27. Juni. In dem Prozess«egen Gerade wenn cS in der Schule Pech gehabt hat, braucht eS ja am dringendsten die verständnisvolle Hilfe der Eltern. Es ist sicher nicht leicht, hier die recht« Mitte zu finden: einerseits dem Kinde die Ilebcrschätzung der Zeugnisnoten zu nehmen, woraus oft genug die Kindcrtragödien eNvachsen, andererseits ihm aber doch auch die Bedeutung erfolgreichen Lernen- fürs zukünftige Leben klarzumachen. ES ist schwer, ober nur wenn e- gelingt, wird daS Zeugnis so wirken, wie es ja gemeint ist: richtunggebend und anfeuernd. Und ungezählte überflüssige Kiirdertränen werden nicht geweint, quälende Komplexe-er Schulangst werden gelöst und das gute, feste Vertrauen zwischen Kind und Eltern wird begründet tvcrden fürs ganze Leben. Die spanischen Flieger tot aufgefunden. Mexiko, 27. Juni.(Reuter.) Zwei Arbeiter hgben der /Britischen Naphia-Gcfellichafi mitgeteilt,'-aß sie-ic vermißten spanischen Ojcon< flieger Barbcran und C o l I a r t hundert Meilen westlich von der Insel Carmen in der Campcchä-Bci tot ausgcfunden haben. de« ... im Bezirke SrvljuS- Das Wasser in' den Bächen deugniffe. Von Paul Fürst'e nau. Heute werden Tausende von Kindern klopfendem Herzen ihr« Schulzeugnisse empfangen, werden Tausende von Eltern erwartungsvoll, fröhlich oder beklommen, diese Bogen in die Hand nehmen, das Urteil über ihr Kind daraus zu lesen. Einem Schulniannc, der selbst schon viele hundert„Noten" geschrieben hat, seien ein paar Worte der Betrachtung über dies« Einrichtung unserer Kultur gestattet. Unsere Schulzeugnisse mit ihrem starre« Notensystem sind das Erbstück einer Zeil, die in dem Irrglauben lebte, man könne die unendlich« Vielfältigkeit der Charaktere und Begabungen auf einen Nenner bringen und Höher» oder Minderwertigkeit nach eineni und dcnisclbcn Maßstab abschätzen. Tab«i kann bestenfalls, vollkommenste Sachlichkeit des beurteilenden Lehrers und Aus- schaltuiw aller andere» Fehlerquellen(gesundheitliches Befinden des Schülers usw.) vorausgesetzt, di« objektive Leistung bezeichnet werde»; jeder Lehrer bildet sich einen Klasscn-urchjchnitt, der nicht all« Jahre gleich hock; zu liegen kommt, und erwägt dann, wie nah oder wie fern nach oben oder untenhin jeder'Schüler diesem Leistungsdurchschnitt gekommen ist. Tas besagt aber gar nichts über die tatsächliche Arbeit des Schülers. Dem leichtaussassenden Kind oder dcm mit einem willigen Gedächtnis begabten macht cS gar keine Mühe, sich über den« Durchschnitt zu halten, währen- ein Kind mit langsamerem, aber dafür gründlicherem Aufsassen schon sehr fleißig seiii muß, um nur im Durchschnitt zu bleiben. Infolgedessen erzähl«» unS di« ZengniSnot«« auch nichts von der Wesensart des Schülers: der begabte Leichtsinnige kann obenan glänzen, der Schwerfällig« mnß sich mit eiserner Energie und Zähigkeit zum Mittelwert hinankämpsen. Ebensowenig kommt die Einwirkung der sozialen Umwelt deS Schülers zum Ausdruck, obzwar gerade sic sckhr stark ist. Tenn«S lernt sich ganz anders, wenn man sein eigenes Arbeitszimmer und womöglich Unterstützung durch.Hauslehrer oder schulgebildctr Eltern hat, als wenn man in einem Raum mit vielen anderen zusammen irgendwo in einem Winkclchcn arbeiten soll. Und wieviel mehr Kraft kann der Schularbeit getvidmet wer- sie eitvaS entwendet hätten. Bei der daktyloskopische» Untersuchung stellte cS sich heraus, daß, die Fingerabdrücke-er Verhafteten mit-en Fin- gcrabdrnckcn der Täter übrreinstimmen, die am 7. Mai d. I. in die Wohnung des Ingenieurs Ferdinand Adler in Mährisch-Ostrau cingcbrochen waren, wo Sachen im Werte von 37.750 Ke entwendet wurden. Weiter wurden-ic Bcr- hafleten von den Politeiorganen überführt, daß sie am 5. Juni die Wohnung des Ingenieurs Alfred Barber in Mähr.-Qftra» auSgeraubi hatten, wo Schmucksachen, Kleider und Wäsche im Werte von 44.180 Kö. gestohlen wurden. Außerdem wurden sie noch zweier weiterer Einbrüche überführt. ES wurden zahlreiche Wertgegenstände des ch I a g- nahm t, die aus diesen Einbrüchen herrühren. Es wurde auch ein Hehler verhaftet, nämlich Robert Schuster aus Muglinov, der die gestohlene» Sachen kaufte. Man erwartet, daß wcitrre Hehler verhaftet werden. Haushalt helfen oder sogar eine Beisteuer zu»>; Familieneinkommen hinzuvcrdienen müssen. Bon alledem erzählen di« schlichten, kühlen Zahlen auf. dem Zeugnis nichts. Besonders leicht kann die Note a»S„Betragen" irresührcn. Tenn in dem landläufigen Schulbetrirb haben die sanften, stille», nach» giobiacn, oder die Phlegmatischen, ja glcichgülti- gen Kinder di« beste Bctragcnnote zu erwarten; selbst der liebedienerisch« Streber wird sich wohlgefällig zu benehmen wissen: das lebhafte, arbeitsfroh«, heitere Kind aber, und das tatkräftige, selbstbewußte, selbst-«lckende wird durch sein ganzes Wesen immer wieder gegen die Schulordnung verstoßen und sich nicht einwandfrei „betragen". Der Lehrer,-er 50, ja 70 Kinder m einer Klasse stillsitzend und aufmerksain erhalten soll, kann gar nicht anders, als diese „Störenfriede" unliebsam zu bemerken und jene braven Lämmlcin anSznzcichnen. Tic Fehler des Systems und der Organisation zwingen ihn zu dem Fehler gegen die ErzirhiingSkunst. Dies alles müßt ihr, lieb« Ellern, bedenken, wenn jetzt eure Kinder mit dem Zeugnis vor euch stehe». Ihr kennt sic ja nnd könnt zu den« Urteil des Schulzeugnisses alles das hinzufügen, was ich angedeutct lnibc. und erst aus solck-er Ueberlegung dürft ihr daS Endnrteil über Art und Arbeit eurer Kinder zielen. Tann werdet ihr auch die richtige Art finde», Lob oder Tadel des Zeugnisses anszulprechcn. Nicht jede schlechte Note bedeutet Faulheit, nicht jede gute besonderen Fleiß,— wie leicht ist durch ungerechtes oder harte-'Schelten das Kind entmutigt, wie leicht wird es durch übermäßiges Lob eingebildet, überheblich und dann erst r«cht nachlässig.' Immer . muß euer letztes Ziel bleiben, dem kleinen Schüler zu weiterer Arbeit, zu unablässigem Streben Lust und Mut zu machen. Und niemals darf es so weit kommen, daß das Kind sich fürchtet, mit dem Zeugnis vor seine Eltern zn treten,, auch wjnn die Noten noch so schlimm ausgefallen sind. Ein feine« Kleeblatt. Veeyafinns dreier»tyiverer GtnVreMer in SNttyrtfM-Dftran Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Donnerstag. Prag: 6.00 Gymnastik. 0.35 Schallplatten. 10.85 Lieder von Schubert. 18.00 Deutsche Sendung: Passionsspiel« in Höritz. 20.10 Brahms Liebcstval» zcr. 22.15 Unterhaltungskonzert.— Brllnn: 10.85 Jugoslawische Lieder. 18.00 Deutsch« Sendung: Schrammelkonzert mit Gesang. 10.45 Tschechisch« HumorcSk«. 20.40 Fröhliche^ Äugend.— Frauen-, Äugend», Kinderfunk: Köuigswusterhauien 14.45: K i nderstu nd«, 15.10: Äugend st un de; Mühlhausen 15.20: Für di« Jugend; Leipzig 18.30: Hygienefunk.— Konzert«: Hamburg 20.00 Bolrsliederabend; KöttigSwusterhau» sen 20.05 Orchesterkouzert. i urteilt. Kapitän Jng. 2 i d wurde zum ver- l»st der KavitänScharg« und zu einem Monat Gefängnis beim Gefängnisaufseher 'verurteilt. Rottmeister S« dlo wurde ssreigesprochen. Die Bcrurteilung 2ibö und Perutkas wurde bedingt ausgesprochen. Mährisch-Ostrau, 27. Juni. Sonntag, den 25. d. M., nachmi tags wnrdc dcr Pvlizciüirckkion in Mährisch-Ostrau geincl-ct,-aß in Sic Woh nung des polnischen K o n s u l S Tr. Karol Ripa in Mährisch Ostrau, die sich im neuen Rathaus befindet,««gebrochen wurde. ES wurde festgestcllt,-aß die Wohnung gewaltsam geöffnet wurde. Ter Inhalt dcr Schubladen und des Kastens war durcheinander geworfen. Ob etwas entwendet wurde, konnte nicht festgestellt werden, da Konsul Tr. Ripa nich: in Mährisch-Ostrau weilt. Tic sofort aufgcnommenc Untersuchung ergab, daß-aS Tic» st Mädchen-e- Konsuls von einer unbckannleu Frau aus der Stadt her- auSgelockt wurde, worauf dcr 22jährige JaroSlau» Ja»da ans Karmin,-er mehrfach vorbestrafte polnische Staatsangehörige Leopold N o s e k und Fran; P o p i e l c k au». Mährisch- Ostrau in die Wohnung einbrachcn. Sie wurden bereits Montag vormicags verhaftet. Des Ein bruchs wurden sic überführt, doch leugnen sic, daß iniiHiniiUfnuaniHiHiiHiiuiiiiiHniiiininiiHiiuiiiiniiiuiiiiiiHiiiniiiiniiiHiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiNiiiiiiiiiiiminininiiiifliiHmfflimuiinHniHitiiiniiiiHninuuHffliiiNmiiiimiiiiiiiHiiuniiiinn die aus Rumänien kommen, sind aus den Ufern getreten und überraschten die Kreise Tat ovo und Rachov durch ihr Hochwasser im östliche« Teile Karpathornßland». Auch di« Zuflüsse der Rereknira und Terebla sind in diesen beiden Kreisen rasch gestiegen. Die Gemeinden Hruliov, Nirni Apüa, BuStinsky Handal, NereSniee und alle Gemeinden entlang der Terebla und der untere Teil Talevoü wurden teilweise über« chwemmt. Di« Ernt« in den genannten Gemeinden wurde von den Flute« weggeschwemmt. In der Gemeinde Rerekiniee und Handalska Bnütina find einige Häuser infolge Unterspülung eingestürzt. Die Be» w o h n e r dieser Häuser wurden rechtzeitig delogiert. Auch der untere Teil der Gemeinde Akna Szlatina wurde von der Ueberfchwemmung heimgesucht. Im nördlichen Teil KarpathorußlandS ist das Wasser um 262 Zentimeter über den normalen Wasirrstand gestiegen. Gestern nachts regnet« eS noch ausgiebig, erst gegen Morgen hört« der Rege« auf. Di« Straßenverbkn- dnng mit dem östlichen Teil KarpathorußlandS ist durch di« Ueberfchwemmung der Staatsstraße zwischen Taäevo und Tcrcüva, wo ein Teil der Brücke über den Fluß Terebla überschwemmt ist, unterbrochen. Auch ist der Verkehr aus der Staatsstraße Takevo—Buütina und auf der Schmalspurbahn Rereliniee—Tereöva unterbunden. In di« bedrohten Gebiete wurde eine technische Bereitschaft des 45. Ehufter Infanterie- Regiment«» entsandt. Auch der Ehuster Kreis wurde in kasta- strophaler Weife von dem Hochwasser betroffen. In Ehust wurde die Beamtenkoloni« > unter Wasser gesetzt. Die Betonbrücke über den Fluß Terebla oberhalb Rahovo wurde ! fortgeschwemmt. Da» RotariatSamt in . B h l o k, im Kreise SevluS, meldet, daß die Theis Der Hauptangeklagte, Oberleutnant Jng. W. B r L c c ky wurde des Verbrechen» der Veruntreuung, de» Vergehen» der Teilnahme am Diebstahl, de» Verbrechen» de» Mißbrauches der Amtsgewalt und des Vergeh««- der Nicht beachtung der allgemeinen Dienstvorschriften schuldig erkannt und zur Entlassung ohne Charge und zu schwerem Kerker in der Dauer von sechs Monaten unbedingt verurteilt. Gleich. zeitig wurde aus Verlust de» Wahlrechte» erkannt. Der Angeklagte Rudolf P e r u t k a wurde de» Vergehen» der Veruntreuung nnd de» Ver gehen» der Subordinationsverletzung schuldig erkannt und zum V e r l u st d e r R o t t. mei st er, Charge sowie zu zwei Mona ten Gefängnis beim Gefängnisaufseher ver. lleberschwemmunss in KarpathorWand. viele Gemeinden unter Wasser- vernichtete Ernte— unterbrochene Verbindungen. wri Drittel der Gemeind« Übertu t e t Hobe. Das Hau» der Zollstation ist vollkommen unter Wasser gesetzt. Di« nach Rumänien und Ungarn führenden Straßen sind ebenfalls überschwemmt. Vormittag» wurde in Bylok aus der Theis 385 Zentimeter über dem Normalstand gemessen, also ein Wasserstand, dir 70 Zentimeter von dem bisher beobachteten Höchte« Wasserstand entfernt ist. Heute nachmittags wird der Höchststand des Jahres 1925 erwartet. In Tökovo steht die Theis nur 40 Zentimeter unter dem höchsten bis jetzt beobachteten Wasserstande. Ta es heute zu regnen aufhörte, sollen di« am höchsten gelegenen Zuflüsse. Der Fluß B e r z a v a ist in einer Breite von vier K l l o m e t e rn aus den Ufern getreten. reichlich Regen gefallen ist. In K a r v a t h v- rußland silch-ie Flüsse.teilweise au» -en-en Usern getreten. Eine wesentliche Besserung ist noch nicht zu erwarten. Für heute Mitttvoch wird vorausgesagt: Unbeständig, veränderlich und im ganzen ziemlich bewölkt, zeitweise R e g c n n c i- gung, stellenweise Gewitter, mäßig kühl, frischer Wind aus nordwestlichen Richtungen. Ein mit sechs Personen besetztes MUitärslug- zeug stürzte, wie aus Barcelona gemeldet wird, über dem Meere ab. Ein Torpedo konnte zwei Unteroffiziere retten. Das Flugzeug ist ge- funken, und die vier Insassen, darunter zwei-Hauptleute der spanischen Marine, konnten noch nicht austzcfundcn werden. Sic dürsten e r. t r il n k« n sein. Acht Jahre Kerker für einen ehemaligen Minister. T c y m u t a s ch, der ehemalige Minister des königlichen HofeS in Teheran, der eoen ein« dreilährigc Kerkcrl-aft wegen Amtsmiß- braucheS verbüßt, wurde zu einer weiteren Kerkerhaft von stuf Jahren uitd zu einer Geldstrafe von 9000 Pfund Sterling und 200.000 Rial verurteilt. Bodenverschiebung«» in der Lyoner Borstadl Caltuire zwangen 24 Familien ihre Wohnungen zu verlassen. Verzweifelte. Montag früh stürzte sich die zwanzigjährige Ehefrau Marie M. ht selbstmörderischer Absicht mit ihrem sechs- monatigen Söhnchen Vladimir bei den Witkowitzcr Werken in die Ostravira. Sie wurde von Wächtern aus dem Wasser gezogen ungerettet, ihr Söhnchen dagegen kam in den Fluten u nt. Die M. gab in hinterlassenen Briefen an, daß zerrüttete Familien- Verhältnisse sie zu dieser Verzweiflungstat getrieben hätten. Der Leichnam des Kindes wurde in die Totenhallc und die M. zwecks Einvernahme auf die Polizeidircktion überführt.— In der Nacht auf Sonntag erschoß sich dcr 45 Jahre alte Arbeiter der Witkowitzcr Eisenwerke Jal-ann D o m b r o v s k h in Schlesisch-Ostrau. Sein Leichnam wurde in die Totenhalle transportiert. Zu dem Selbstmorde hat er sich schon längere Zeit vorbereitet. Politik der Guillotine in Bulgarien. Aus Sofia tvird berichtet: In dcm Gesetz gegen die politischen Morde wurden einige wichtige Aendc- rungen vorgcnommcn. Bor allem tvcrden die gefällten Todesurteile gemäß diesem Gesetze nicht »nchr dem Zaren zur Bestätigung vorgclcgt werden. Dir Todes st rase ist auch für m inderjährige politische Mörder vorgesehen. Für Ent» sichrer ist eine Strafe von 15 fahren Kerkers festgcjrtzt. Kehrt der Entführer innerhalb eines Jahres nicht zurück, wird er zum Tode verurteilt. Alle diejenigen, die gemäß dem Gesetz für politische Morde verurteilt wurden, können zur Amnestie worgcschlagen werden, sobald sie Min»- destcnS drei Viertel ihrer Straf« verbüße haben. Ein betrügerischer GerichtSbeamter. In Komo- tau wurde DicnStag der 83jährige Gerichtsoffiziant Karl M a s ch c k wegen Mißbrauches der Amtsgewalt verhaftet und dcm Kometaucr Bezirksgericht cingclicfert. Maschek wird beschuldigt, Betrügereien verübt und BcftechungSgelder entgegengenommen zu hoben. Eine mißratene RobbinerStochter. Unweit' von Lemberg demolierte die Tochter eines Rabbiners nach einem Streit mit ihrem Vater in der Nacht die Einrichtung dcr Synagoge, zerriß die heiligen Bücher und entfloh unter Mitnahme wertvoller Gegenstände. Der Wunderrabbi der Stadt Belz ordnete hieraus den Juden drei Tage Buße an. Di« Jeschkeu-Schwebebohn i« Betrieb. Gestern wurde die neue Schwebebahn auf den Jeschken feierlich dem öffentlichen Betrieb übergeben. Die Bahn ist 1182 Meter lang, hat in der Mitte zwei 20 und 26 Meter hohe Stützen und überwindet einen Höhenunterschied von 400 Metern. Die untere Station der Bahn ist in Ober-Hanichen, die obere auf dcm Gipfel des Jcschken in 1010 Meter Höhe über dcm Meeresspiegel. Der Betrieb wird von zwei Wagen' besorgt, die außer dem Führer noch 30 Fahrgäste sasscn. Die Wagen fahren mit einer Geschwindigkeit von 5 Metern in dcr Sekünde, so daß eine Fahrt mit dcm Ein- und Aussteigen sechs Minuten dauert. Die Stundcnlcistungsföhigkcit dcr Bahn beträgt demnach 300 Personen in beiden Richtungen., Ein Kind vom Autobus getötet. Dienstag nachmittags wurde vor dem Rosjitzer Bahnhof in Brünn der achtjährig Sohn eines Schlossers, Karl Ritter, getötet. Wie scstgcstellt wurde, sprairg der Knabe bei dcr Abfahrt eines Autobusses unbemerk: auf daS Hintere Trittbrett des Wagens auf und juhr so mit, ohne^daß der Chauffeur den Knaben bemerkt hatte. Später wollte der Junge während dcr Fahrt abspringen. Er sprang jedoch direkt unter das Hinterrad des Autobusses, das ihm den Kopf »«rmalmtc. Die Verfolgung der SPD'Füyrer In CottbuS wurde der Chefredakteur der Sozialdemokratischen„Märkischen VolkSstiiiinic", Genoss« Kurt Wegener, verhaftet. Wegener war einer der jüngeren Journalisten in dcr Partei.— In-er Lausitz wurden alle Funktionäre der SPD verhaftet, soweit sic sich nicht>n Sicherheit bringen konnten. Unter den Verhafteten befindet sich der Parteivorsitzende Genosse Matuschke, die beide» Rcichsbanneriührcr Rätzel und Köchel, der Arbcitcrsckrctär Tichickeri sowie 'der Kassier der Partei Genosse Äerstbcrgcr. Dieser list in Mähren gebürtig und seit einigen Jahren in Deutschland naturalisiert. Auto-Ueberfall auf einen Bankier, zwei Offiziere und zwei Röttmeister'des Flieger- j Paris, 27. Juni. Gestern abends überfiele» regimentrs in Cger, der dieser Tage in Pilsen auf der Straße unbekannte in einem Auto hcran- vor dem Divisionsgericht stattfand und fünf Tag« fahrende Täter einen Pariser Bankier, der dauerte, wurde heute mittag das Urteil verkündet. l 20.000 Franken in dcr Aktenwsche trug. Tagesneuigkeiten Ern Todesopfer des Hakenkreuzes. Bei einer„Gelände-Ucbung" in Haida verunglückt. Di« bei den Hakenkreuzlern so beliebten !„Gelände-Uebnngen", die von den Nazi als „sportliche Hebungen" bezeichnet werden, in Wahrheit aber militärischen Hebungen verdammt i ähnlich sehen, haben in Haida einem jungen Mann dos Leben gekostet. Bei einer solchen„Aeliinde-Ucbung" der Haidacr Nazi in der Nähe der sogenannten „Rabeusteine" bestieg der 23jährige Zimmermaler Otto Zettlitz einen hohen Baum, offenbar als BeovachiungSposten. Zettlitz stürzt« au- großer Höh« ab. In bewußtlosem Zustande wurde er in da» Krankenhaus in Haida gebracht, wo er am Sonntag, den 25. d. M., ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu habe», gestorben ist. Di« Nazi, denen der schreckliche Vorfall über, au» peinlich ist und die ihnen gleichgeschaltete deutschnational« Presse, berichten zlvar über den UnglückSfall, verschweigen aber, welcher Art die „sportliche Uebung" gewesen ist, die oem jungen Mann da» Leben kostete. Gestern ging über Urhorod und Umgebung ein Wolkenbruch nieder. Di« Wasserfluten überschwemmte« unteren Teil der Gemeind« Vclky Rakovec Bystry und Bukovinsty stieg zweieinhalb Meter über den Normalstand. Dir Mehrzahl der bedrohten Hänser mußte geräumt werde«. DaS Wasser schwemmte sämtliche Brücken kort, so oaß die Gemeinde Velky Rakover isoliert wurde. Bei Jriiava wurde die Staatsstraße beschädigt. Dir bedrohte Bevölkerung dieser Gemeinde konnte sich noch rechtzeitig reiten, obzwar die Leute vondenFkutentnihren Wohnungen überrascht wurden. Aus BuHtina im Bezirk Taöevo wird gemeldet, daß die erst im vorigen Jahre mit einem Aufwand von 3 Millionen Kronen errichtete moderne Betonbrücke über den Terebla-Fluß unter. Gült wurde und e t n st S r z t e. Siner der Brückenpfeiler konnte dem Wasserdruck nicht standhalten, gab nach und verschwand schließlich in den Wellen. Zwei Brückenpfeiler stürzten nach. Di« Bezirke Taöevo und Rahovo im Osten Kar» pathorutzlandS find vom Verkehr abgrschnitten. Nr. 149 Mittwoch, 28. Juni 1988 Seite 5 nd Rocht scharf betvacht sen. die amtliche Nachricht> ins; i Ge Miß Auf il t 1 ( lebenden noch zu i lj t i j die ihn einmal sprechen daß über dar Befinden ihr z» erfahren ist. im Pollzeigeiängnis«Ine der be be- Beamte» politische üblichen l I i > I < l i ti l sehr sich be« sich S» wie c i i I I I I 1 I H «t M !i (1 i 4 I C i wie Blinddarm, oder Lungenentzündung, kommt, geht r«tliiiig,lvs zugrnndc! Eine- Tage- wurden mir von einem einig« Fragen in bezug auf meine künsdige Tätigkeit vorgelegt, und nachdem ich den Nevers»nlcrzcichnei hatte, daß ich mich seder wel» irren Belällgmig enthalte, wurde ich entlassen. Mein Paß wurde«inbehalten, außerdem muß ich mich regelmäßig auf dem Polizeirevier melden. Daß man freigelassen wird. Ist Glück«. und Z n s a l t S s a che. da di« Behörde völlig systemlos vorgcht. Die Unsicherheit, nicht zu wissen, wie lang« diese„Tchutzhasi" dauern wird, ist das Schlimmst«. »Verbrecher, die ihr« genaue Zeit abznsitzcu hatten, wurdrii von uns direkt beneidet. Eingaben um Brrnehmung wurden überhaupt nicht beantwortet. Ein einpges Mal In den reichlich zwei Monate» meiner„Schutzhaft" konnte icki meine Frau zehn Minnten lang unter Anstich« iprrchen. Anwälte erhalten nie Sprecherlaubnis. D'c meisten der Fnhastierten fühlen ijch wußi als revolutionäre Kämpfer und lassen durch keilten Terror und keine Schikane beugen, stärkt sie das Bewußlseii daß in Dentschlond Im Auslande an tansend Stellen in proletarische! Solidarität für ihr« Befreiung gearbeitet wird. alle zehn Tage empfangen werden, Bücher nicht« marxistischen Inhalt- ebenfalls. Tinte, Federn, Papier, Zigaretten, Rasierklingen ujw. konnte man in der Kantine kaufen, Zeitungen konnte man abonnieren. Brief« konnten zweimal wöchentlich geschrieben werden, brauchten aber 5 bis 1 1 Tage, um den Adressaten zu erreichen. Die Bricszeirsiir, dir sonst von der Abloilung I vorgenoinmen wnrde, befand sich während des April im Horst-Wessel-Ha i> S; hier wurden sehr viel««in- und ausgehend« Bries« ganz unpolitischen Inhalts von den Nazis willkürlich vernichtet. Morgens hatten wir oin« halbe Stunde Gänsemarsch im Hof; Sprechen war dabei verboten. De Behandlung war allgemein preußisch- rauh, aber selten provozierend Die Zellen sind klein, etwa 3X2.5 Meter; da« Inventar dürftig und alt. Als Toilette«in Stoingulkübcl mit Teckel, der von Strafgefangenen geleert wird. An frischem Wasser war Mangel. Unerträglich war die Wanzenplage; nach der zweiten Nacht hatte ich etwa 7Ü Stiche. Hände, Arm«, Hals schwollen derart an, daß ich ärztliche Hilf« in Anspruch nehmen mußt«, Aus meine»Bcschtverdc hin wurde die Zeile«ntwanzt, was immerhin eine beträchtliche Dezimierung, aber leider keineswegs di« Vernichtung des Ungeziefers bedeutete. Bei meiner Einlieferung in Moabit herrschte große Ueberfüllung, so daß in vielen Zellen zwei Mann lagen. Nach Aussagen von Wachtmeistern mir und anderen gegenüber war der Andrang zeitweise so groß, daß noch Ende April Neuangekommene an die 2 A.- K a s«r n e n w e I t e r g«- geben wurden, obwohl di« dortigen Mißhand- lnngcn allgemein bekannt waren! Bon Prügeleien im GesängniS selbst— bei politischen Gesang«neu— hckbe ich nur einmal gehört. Ein Kommunist, der nach süns Tagen Hungerstreik«inen Selbstmordversuch machte, wurde in den Keller geschleppt und von Wachtmeistern mit Gummiknüppeln und Fußtritten bearbeitet. Wunde» in seinem Gesicht sah ich selbst. Die folgende Nacht wurden leine Hände an eine« lange Eisenstange gefesselt und die Zelle jede halbe Stunde kontrolliert. Die Ursache von siirchterlichen Schreien, die wir zweimal nachts hörten, konnten wir nicht rrsahren. Mißhandlungen krimineller Gefangener find mchi selten. Keine ärztliche Hilfe in Plötzenfee. Eines Tage» wurde ich plötzlich ins Strafgefängnis Plöhensee transportiert. Die hygienischen Verhältnisse sind hier besser:«in, allerdings veraltetes und verrostetes WC.; neuer Slrohstnk und Bettwäsche; kein Ungeziefer; halbstündiger Spaziergang in einem schönen großen Hof. Trotzdem hätte ich wegen der sehr strengen Behandlung in Plötzensee meinen Wanzcnkaslen in Moabit vorgezogen. Die Fenster, vösiig aus Milchglas, find so hoch, daß man auf Tisch und Stuhl steigen muß, um nur hinaus- i blicken zu können. Doch ist dies streng verboten; i wer zweimal dabei erwischt wird, bekommt sofort i einen Tag Arrest. Ebenso iver im Hof Zweimal beim > Sprechen envischt wird. Als Arrest dient eine eng." .Kellerzelle, die kiiustl'ch verdunkelt ist, ohne Pvitsche, ohne Sitzgelegenheit; Nahrung: Wasser und Brot in ! geringen Mengen; geschlasen wird aus dem bloßen Steinboden mit einer dünnen Decke. Mein« Zell« mußte ich mit einem anderen teilen, der, mangel« einer weiteren Bettstelle, seinen Slrohsack aus den Zemenlboden legen mußte. Tags» . über aus dem Strohsack zu sitze» oder zu liegen ist , verboten. Singen und Pfeifen ist verboten. Rasier- ' klingen, Zahnpasta(!), e'genr Büchereis!) sind ver- ' boten Ei»« Zeitung darf abonniert werden. Die i Gefängnisbüchcrei ist natürlich ohne jeden Nireau. ! Das Essen, von gleicher„Onalität" wie In Moabit, > ist viel schlechter zubcreitei, manchmal ungenießbar. ! Lebcnsmittekpakete dürfen wöchentlich empfangen > werden. Gebadet wird all« zivei bis drei Wochen. ' Die Badezellen liegen lies unten im Keller; An- > und Auskleiden«rsolgi in einem eiskalten Korridor, i so daß ichivere Erkältungen fast nnvernleidlich sind, i Ter Boden dort ist so schmutzig, daß man sich in i der Zelle nochmals di« Füße waschen muß. dioscs„Bad' habe ich für die Zukunft verzichtet. Der Mangel an rascher ärztlicher Hilf« ist schUmm. Nur jeden zweiten Tag kann man ’ beim Arzt melden lassen. Abführmittel nud ander« ' kleine Medikament« bekommt man nur in kleinsten ; Mengen und frühestens nach einer Woche! Mein ' Zellengenosse litt an einer schivercn inneren Krankheit, die durch das schlechte Essen verschlimmert ' wurde. Verordnet wurde ihm«ine Stunde Bettruhe, und obivohl er sich täglich in Krämpsen'n and, erreichte er es erst»ach acht Tage», daß der Arzt i ihn überhaupt einmal oberslächl'ch untersuchte! Wer , Krankheiten, di« raichen ärztlichen Zugriff erfordern, hier be« Ein Genosse, der neun Wochen in deutscher„Schutzhaft" verbracht hat, stellt uns die folgeichen Aufzeichnungen zur Verfügung. Nach einer ergebnislosen Haussuchung durch zwei Beamt« der Politisch«« Polizei wurde ich von diesen Beamten«.usgesordert, ihnen zu«>ner„Vernehmung" nach dem Polizeipräsidium am Alexander- platz zn folgen. In der Abteilung I wurde mir. ohne jede Vernehm»«,), mitgeteilt, daß ich mich in Schutzhaft besäiche Sofort wurde Ich InS Polizel- gefängttis(im Ciogeschoß, eingelief«.. A.s Ich m.ck. in der Aiinahmeslelle aus ein« Bank setzen wollte, wurde ich angebrülli, das; Ich mich damit strafbar mache. Al« ich dem Befehl, den Inhalt meiner Taschen ouszulceren, nachgekommen war, warf der (uniformierte) Beami« mein Taschentuch und meine Handschuh vom Tisch mit der Bemerkung:„Du bolschewistische Tau, wenn das noch einmal vorkommI, hau ich dir«in« in die Fresse!" Dazu die entsprechende Handbewegung. Ein längst verfallenes tschechisches Visum in meinem Paß veranlaßte ihn zu dem Ausspruch: „Da haben wir» ja— ein tschechischer Spion! Verkauft sein Vaterland um ein Butterbrot! Biel zu gut stich wir mit den Kerlen; an dir Wand müßt« man sie stellen!" Auch anderen Beamten stellte er mich als„Spion" vor. Unter allerlei Schmähreden mußte ich auf eine Bank steigen und mein« Kleider echs bis sieben Minuten lang durchsuchen lassen. 8r gibt dem Arsch eine gesunde Gesichtsfarbe! Dann wurde Ich in«inen„Saal" geführt: ein dunkle-, überheizte-, luftloses, pferdestallähnllches Loch, wo etwa 23 Inhaftierte, meist Kommunisten, auf Holzpritichen lagen. Auch ganz Unpolitische waren hier, die auf Grund von Denunziationen verhaftet worden waren; so ein 7ljährig«r Professor, ein Weißrusse, der 1017 vor den Sowjets geflohen war, üdische Kaufleute usw. Abends kamen wir In«inen anderen Raum, in dem sich u. a. feit zwölf Tagen acht Kommunisten befanden, die In verschiedenen SA.-Kasernen mißhandelt worden waren. Sie waren von Nazihorden überfallen uich in das SA.-.Heim Friesenstraß« geschleppt worden. Dort wurden sie auf dem Dach, boden zusammengepfercht, dann di« Treppen hinabgestoßen unter danerichcn Kolbenschlägen von mit Karabinern vcrs«henen uniformierten Schutzpolizisten, di« die Trepp« dicht besitzt hielten. Aus dem Hof angelangt, wurde» sic gezwungen, ihre Schuh, riemcn zu lösen, auf dem durch den vorhergegangen'en Regen völlig morastig gewordenen Platz nach SA.-! Kommandos zu marschieren, so daß die Schuhe stecken blieben(die meisten mußten auch im Alex noch bar- fuß gehen, weil sie keine Schuhe erhalten konnten!). Frei- und Kriechiibungcn schlossen sich an— alles im Morast— unter ständiger» erzwungener Ab- singung von Hitler-Liedern. Dann mußten si« wilder auk den Boden, wo di« eigentl'chcn M i ß h a n d- lnngcn begannen, mit Stahlrnten. Gummiknüppeln, Karabinern, Stöcken usw. Di« Gefangenen wurden nackt ausgezogen, bewußtlos geschlagen, dann in Badewannen mit eiskaltem Wasser gesteckt, damst si« wieder zu sich kämen, und die Prozedur wiederholt« sich oft viermal hint«r«inander. Etwa jede zureite Stunde, auch die Nacht hiichurch, wurden sie geschlagen; in den kurzen Pausen seht« die moralische Mißhandlung«in: so wurden hinter spanischen Wänden von den Nazis Karabiner geladen, Namen von Gefangenen geflüstert, die am nächste» Morgen erschossen iverden sollten; vom Keller her hörte man dauernd Schüsse und Tchre'e, deren Ursache unaufgeklärt blieb. Sämtlichen Ge- saugenen wurden d!c Kopfhaare streifen- weise herauSgcschnitten Hakenkreuze«!n- gekchnilic» nud in».aiiilen Fällen das Haar mitsamt der Kopfhaut ausgerissen. Erst am zweiten Tag erhielten sie Nahrung. Auch d'cfer Tag verging unter Freiübungen, Mißhandlungen und„Per. hören". Di« Freiübungen eriolgten unter ständiger Absingung von Naziliedcrn oder Herlagen von Parolen: so mußte bei Kniebeugen ans d'< Frag«' „Wozu dient dir Kniebeuge?" stundenlang geanl- wartet werden:„Die Kniebeuge stählt die Bauch, musteln. fördert den Haannuchs und gibt dem Arich ein« gesunde Gesichtsfarbe!' Manche SA.- Führer ließen sich die Stiesel lecken! Di« ,»Verhöre" bestanden darin, daß«in„Gerichtshof" von drei SA.-Führern versuchte Adressen von marxistische» Funktionäre» zu erpressen; kchwie gen die Verhafteten, so wurden sie t.ach den Iradi- . tionellcn Methoden der Nazi-Hnqu'sltion fürchterlich i und lange geprügelt. Trotz diesem unerhörten Terror stiniirit diesmal ausnahmsweise. Nur daß ver- gossen wurde, hinziizusilgcn, daß dieselben Leut«, die den unterirdischen Gang benutzten,»in zu entwischen, ihn auch benutzt hatten, um auS dem Goeringschen Haus« nach dem Reichstag zu gelangen. 8. Gibt tt neben all diesen Indizienbeweisen nicht noch«Inen besonders beweiskräftigen? Ja- wohl. Es ist da- Analagon zum Judcnbvykott. So wie alle Welt tveiß, daß die Bernichtung der Juden seit 14 Jahren gepredigt, von vornherein beschlossene Sache>var— so wie keinem Menschen unzweifelhaft ist, daß zu dieser Tatsack)« nachträglich«ine Begründung konstruiert werden mußte—, so wie«S Hitler niemals gelingen wird, zu beweisen, daß dl«„Grcnelpropaganda" In ihren ersten Anfängen von Juden ansgegangen sei..., genau jo liegt der Zusammenhang zwischen Vernichtung de»„Marxismus" nnd Reichstagsbrand. Die Absicht, die Marxisten mit „Stumpf und Stiel" auszurotten, war bechlos- '. Der Grund dazu war der von de» Nazis nszenierte Reichstagsbrand. etwa- andere-, etivas ganz Besondere» auSge- dacht. 8. Noch«in absolut eindeutiger Beweis für di« Schuld der Nazi». Lubbe soll bei seiner Verhaftung erklärt haben, er stünde mit d«n Kommunisten und Sozialdemokraten in Verbindung. Nicht« entlarvt den ganzen Schwindel besser, als diese angeblich« Aeußerutig. Selbst die Dümm- ten unter den Nazisührer» wissen, welcher Antagonismus zwischen den beiden Linksparteien besteht, und daß diese angeblich« Behauptung des Lubbc eine tolle Lüge ist. 7. Wo sind die Mitbeteiligten des Lubbe? Mitwisser sind zum Teile beseitigt(Hannsien, Bell), andere,„sichere" Leute lebe». Sie sind, wie sogar amtlicherscitS höckist unvorsichtiger weise zugegeben wurde, durch den nnt« rirdi- chen Gang, der den Reichstag mit der Goeringschen Wohnung verbin det, entwichen. Und keiner hatL gesehen. Keiner? Keiner! Obgleich GocringS Behausung wie begreiflich, Tag und Nacht scharf bewacht wird. Jedenfalls— k""~" iiiitniiiiniinniniinnniiiiniiiniiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiniiiiinmiiiiiiniiiiiiiiininiiiihiiiiiniiiiiiiiiiiiiiniiniininiiiiiiiiuiiiiiin sind durch solche Folterungen nicht allzu viele Adressen bekannt geworden—«in schöner Beweis für die Standhaftigkeit der meisten proletarischen fangen«» 8« Särge emgeschlossen... Am Abend des drillen Tages wurden di« handelten auf den Hof getrieben, mußten„Deutsch- land über alles" singen, bi« man«in« Rede hielt und ihnen mitteilt«, daß ihr Leben, da« sic eigentlich verwirkt hätten, ihnen großmütig geichenkl sei! Daraus wurden sic nach dem Polizeipräsidium ge bracht. Dorthin kamen allerdings nur di«„leichten" Fäll«, die schwere» kamen in di« Krankenhäuser; so halt« da« StaalSkrankctihous im März bi« zu 80»Ausnahmen aus den SA. Kaser, neu. Die„leichten" sahen schlimm genug aut: alle mil auSgerisjencn oder abgeschnittenen Haaren, teilweise mit auSgeschlagenrn Zähnen, manchnial offenen »Wunden(für die es hier kaum ärztliche Hits« gab) und di« Körper aller mit»Wundmalen in allen Farben dicht bedeckt. Dal«! befanden sich diese Leute schon zwölf Tage hier: wie mußten sie erst vorher ausgeschen haben! Da Ich so durch die handgreiflichen Spuren »Mißhandlungen die Wahrheit ihrer Aussagen wiesen sah, bestehl nicht der geringste Anlaß zu zweifeln, was dies« Genossen über die Mißhandlung anderer noch auSsagten. In der SA.-Kaserne General.Pape-Straße(auch von dort Gckomm«>»e sprach ich) wurden d!e Mißhandelten ost stundenlang in Särge«ingelchlossrn und durch di« Sargcckcn mit blinden Patronen beschossen; schließlich gab,,man-den so Eingesperrtrn einen Revolver und den Rat, sich zu erschießen; drückten die Verjweifek- ten io», so merkten sie, daß der Revolver nicht geladen war. Oder sie wurden in einen Kellerraum geführt, mußten stundenlang mil dem Gesicht gegen die Wand stehen, ivährcnd hinter ihrem Rücken Karabiner geladen und Kommando« zur Exekution gegeben wurden. Nachdem sie genügend gepeinigt worden waren, wurden manche in Kammern ge- stoßen, in denen am Feusterkreuz«in Strick hing. Ein Sozialdemokrat, der in der PapeStraß« war, erzählte mir, daß er ebenfalls in«in« solch« Kammer geworfen worden sei, in der«in Erhängter »och am Strick hing! Erst nach drei Stunden wurde«r wieder herauSgelassen! lleberall war es beliebt, Tote siutidenlang zwilchen d'e noch Opfer zu lege», um di« secli'chcn Oualen verstärke»! In zahlreichen Fällen wurden»Wunden mit Spiritus übergossen!—»Wieviel« zu Tode Gemarterte oder in den Tod Getriebene allein auf das l Konto dieser SA. Kasernen kommen, läßt sich auch heut« uock) nicht überblicken; doch muß für»Berlin mit einer Mindestzahl von 230 bis 800 gerechnet werden. Die»Verschleppten blieben meist drei bis vier Tage in den SA-Kasernen und wurden dann ins »Polizeipräsidium, bzw. Krankenhaus übcrgesiihrt. Doch sah ich in Plötzense« einen Mann, der vier »Wochen in der General Pape-Liraßc gewesen war, wo er jeden zweiten Tag mißhandelt wnrde. Seine Gesichtshaut war etgelb und mit zahlreichen Schorfstellen bedeckt. Er lagt«, daß die Kasern«»Pape- Straß« gegen den Willen der SA von Polizisten mit geladener»Waffe, allerdings ohne Gcwaltanwen- düng, geräumt worden lei: aber wie ich tveiß, wurde'chon»lach e>ni-».«n Tagen der Betrieb wieder vor« ansgeuommen und ein kommunistischer Funkiionär z. B N'ird dort se't acht Wochen gefangen gehalten Seine Mutter, durfte, ist so verängstigt, ihres SohneS nichts von Als Lager dient««ns 2 Zentimeter dicke Filzmatte>n't Wachstuchüberzug, dazu ein« Wolldecke; da die Pritschen überfüllt ’ waren, mußte Ich mil andern auf dein Ze men t- bodcn schlafen. Tas Esfcn war sehr minder- wertig Debcnsm'ttel von Angehörigen durften cmp- ■ fangen werden: da aber Brief« nach draußen mindesten» lech« Tage brauchten, tonnten nur wenige ' sich Nahrung bringen lallen Ein alles»Wasferklolett i mitten im Raum anfgebant nnd nur auf zwei Seilen von lchmalem Tuch bedeckt, mußte für dl« ganze»Beleg'chaft, zeitzvelse t0»Mann, ansre'chcn , Hier saßen die Revolntlonöre von 1848. Von hier ans kam ich nach einigen Tagen in das Zellengesängni»»Moabit, wo ich sieben Woche» In Einzelhaft blieb. T'eseS Gefängnis ist ein völlig veralteter Ban. dessen Schließung seit langem lxab- sichtig« war; hier saßen schon die Renolnlionär.» von 1848! Dz» Essen war h'er elwad besser, aber natürlich auch minderwertig. Lebensmitlelpakei« dursten Na» Reichstagsbrand. Zum bevorstehenden Prozeß gegen den „Brandstifter". j E» ist anzunehmen, daß eines der nächstsäl- i ligen und bereit» angekündigten Fest«, nämlich 1 di« öffentlich« Verhandlung gegen den angeblichen ReichstagSbrandstister van der Lubbc niemals stattfinden wird. Nach den bisherigen Erfahrungen mit der' neudeutschen Regierung ist es notwendig, besonders daraus hinzuweisen, daß der dringende Verdacht besteht, sie werde den angeblichen Brand-' stister noch vor der Verhandlung in jene große Versenkung fallen lassen, von wo cs keilte Wie» 1 derkehr gibt. ES ist anznnehmen, daß Lubbe, zerknirscht über sein« eigene Verworfenheit, eines TagcS„sich selbst richten" und am Feusterkreuz aufhängen wird. ES kann aber auch sein, daß«r durch die lange-Haft ziemlich geschwächt, gelegentlich au» dem Fenster„fällt", falls er eS nicht vorzieht, zu entfliehen, um sich dann„auf der Flucht erschießen" zu lasten.• Die Verhandlung wird nie stattsinden. Schon darum nicht, weil ja bei dieser Gelegenheit zutage käme, daß einige der von den Nasi« beschuldigten Marxisten inzwischen„an kombinierter Nierenbecken» und Lungenentzündung" verstorben sind. Da aber bei Hitler alles möglich ist uns er genau tveiß, daß„sein" Volk Ihm zur Zeit noch auf jede» Leim knecht, ist e« sogar möAich, daß sich dieser Bankrotteur sogar aus diese Komödie einläßt und seine, in der Tat ausgezeichneten Regisseure bereit» angewiesen hat, da» Schauspiel in Szene zu setzen. Daß es nicht- weiter al- eine niederträchtig«, unverschämte Theater«! sein kann, weiß di« ganze Welt. Denn solange die Goering. Helldors und Genossen noch in ihren Aemtern sitzen, kann und wird eS niemals zu einer Verurteilung der wirklich Schuldigen kommen. Wer zweifelt daran, daß dies« Herren, denen jede» Verbrechen zuzutrauen Ist(Goering brüstete sich sogar in öffentlicher Rede, daß er sich hüten werde, seine Polizei zum Schutze der Juden, al» deren„Garde" zu degradieren), mit Hilfe der ihnen zur Derfügnng stehenden technischen Mitteln in der Lage sind, jeden„Beweis", den di« Welt von ihnen fordert, selbst zu fabrizieren! Jeder Photograph, jeder Drucker weiß da Bescheid... Und da st« überdies all« Parteistempel und Briefpapiere gestohlen haben, kann man sich vorstellen, wie„vollendet ihr Material im Falle einer VcrhandlungSkomödie wäre und wie „überzeugend"«S aus da« gläubige Volk tvirken würde. NichtaberaufdaSAuSland. Für alle Fäll« dürfte e» aber aut sein, sich einig« Tatsachen in» Gedächtnis zurückzurufen, um bei dem Mangel an direkten Beweisen, durch indirekt« Beweise, di« wahren Auftraggeber des Lubbe zu entlarven. Diesem Zweck« diene folgende Untersuchung. 1. Bestand überhaupt«in Interesse für die Kommunisten, den Reichstag in Brand zu stecken? Nicht da» geringste. Vor der ReichüiagSwahl stehend, tvaren sie eine» ungeheueren Stimmenzuwachse» sicher. Durch eine derartige„Propaganda der Tat" konnten sie nichts gewinnet»— nur verlieren. S. Bestand aber für di« Nazi» ein Interesse, es zu tu«? Ein sehr lebhaftes. Tenn sür sie war e» eine Lebensnotwendigkeit, die KPD. durch eine möglichst sensationelle, einzigartige Tat„für immer" zu diffamieren, auSzuschalten, zu„erledigen". 8. Warum konnte« die Nazi»«In« derartige faustdick« Lüg« riskier«»? Weil sie seit Jahren planmäßig vorgearbeitet hatten. Diese Maul- Wurfarbeit, die darauf abzielte, den Kommunisten jede» Tag irgendeinen kleinen, netten Mord in die Schuhe zu schieben, reichte bi» in die letzten Tage. So verbreiteten di«en Studentenschaft" versah der vom demokratischen Staat bezahlte Professor Nicolä mit einem freundlichen l!Selcit» wort und wünschte ihr größte Verbreitung. 4. Ten sozialistischen Studenten verbot Herr Nicolü im Jahre 1932 die Ankündigung der l. Mai-Demonstration. Daß-er 1. Mai Staatsfeiertag ist, weiß der Rektor virsteicht nicht. 3. Gegen Hakcnkreuzstudentcn, die auf offener Straße deutsche nnd tschechische sozialistischc Jungarbeiter und Studenten über falle».sie bekohl und schließlich tätlich angegriffen hatten, zcrl« sich der Herr' Nicola vorzugehen. An» /nend hält er die betätigte Rauflust der Nazi- JöcHtcn für da- richtige akademische Betragen. / 6. Hingegen hielt er das Verhalten der ' sozialistischen Studenten, die sich gemcin'am mit ihren nichlstudcntischcn und tschechischen tNmoflen gegen den feigen Uebcrfast zur Wehr setzten, für unakademisch. Er leitete gegen einige, auch gegen solche, die nachweisbar an dem Zusammenstoß überhaupt nicht beteiligt waren, ein Disziplinarverfahren ein, um sic in ihrer Existenz schtvcr zu schädigen. 7. Ter„Freien Bereinigung sozialistischer Akademiker" ließ er die Plakaticruna ihrer Veranstaltungen an der Universität verbieten. 8. Einer Gruppe freigctvcrkschastlich organisierter Studenten ließ er durch seinen akadcmi» scheit Senat die akademische Atlerkennuirg versagen. Ihre Ziele widersprächen den akademi- schcn Brä»6)cn. Frei« Gewerkschaften sind un- politische Körperschaften, aber sic bekennen sich stets zur Temokratie, was freilich Herr Nicols als Verstoß gegen akademi'chcn Brauch und Sitte cmpfiudeit mag. 9. Gegen dir Nazistndenten. die vor einiger Zeit während der Vorlesung des Prof. F. X. Weiß gegen diesen und die Berufung des großen Staatsr<Ä)tlerS Kelten in lärmender Weise demonstrierten, wurde nicht eiugcschrittcn. Allem Anschein nach ist der Rektor der Ansicht, daß die Krawastisten in solcher Ausübung akademischer Bräilche und Sitten nicht gestört werden dürfen. AuS diesen Tatbeständen geht hervor: 1. daß Ihr« bisherige Magnifizenz mit den fascistischcn. antidemokralischen nnd repiiblikfeiud- lichen Studentenorganiiationen offen kooperiert, 2. daß er bestrebt ist, die Tätigkeit der ein» . zigen wirklich demokratischen Studentcnorganisa- , tion, der„Freien Vereinigung sozialistiicher Akademiker" zu behindern, insbesondere ihre AgitationSfrcihcit zu unterbinden, 3. daß Ihre bisherige Magnifizenz aiische-. nend in einer Front mit der deutschen„natio- ' nalen Opposition" steht, die astes daran setzt, um ! di« Bestrebungen d«r demokratischen Kräfte dieses Landes, den von den Hunnen vertriebenen Gc» lehrten in Prag«ine Wirkungsstätte zu schaffen, zu durchkreuzen. Die Kooperation der Hochschulbehörden>n:t den sascistiskl)«n Organisationen und Führern d«r Studenten schafft«inen Zustand, deii die demo« kratischcu Elemente dieses Landes nicht dulden sollten. Die tich«ch os low a k i sch« Je- ■ mokratie ha k ein Lebciisintcresse an der Nicherri ngu^ng des, Hoch» sch u l fa s c i s in n S. Unter der glorreichen i Führung des-Herrn Nicolo drängt der deutsche s|. akademische Fascismus zu einer Kraftprobe mit der Demokratie, versucht er di« Gleichschaltung an hitlerdeutschcu Zuständen. Die tschechoslowakische Deniokratic kann er auf diese Kraftprobe ruhig ankommen lassen, wen» sie ihre Kraft nur einigermaßen amvendet, kann die Niederlage des akademischen HakenkreuzlertumS gar nicht zweifelhaft sein. Nicht nur di« sozialistiiche Partei, aste denen Demokratie mehr bedeutet als ein leeres Wort, müssen für die W i« d e r h e r st e l l u n g der AgitatioiiSfrciheit der einzigen wirklich demokratischen Studenten- » r g a n i s a t i o n aus den deutsch«» Hochschulen, der„Freien Bereinigung s o z i a l i st!« scher A k a d r m i k c r" kämpfen. Gerade gegen dies« rührige Organisation richtet sich der ganze Haß der Hochschnlfascistcn. Unbeachtet bleiben die vollkommen untätigen kommunistischen Studenten, ungeschoren die dem HochschulfasciSinus treu ergebenen, von niemanden ernst genommenen Liberalen.— Die demokratischen Kräfte dieses Lande- müssen alles daran setzen, um di« AgitationSfrcihcit gerade dieser Gruppe wiederherzustellen und d i e A g i I a t i o n d er antidemokratischen Organisationen zu erschweren, nein, sic gänzlich u n m ö g l i ch z u ni a ch e n. Zeigt die Demokratie den Herren die stärke Hand, dann iverden diese sehr schnell zusammenklappen. Aber damit kann sich die Demokratie nicht zufriedeii geben. Eine G l« i ch s ch a l- t ii n g der einzigen deutschen Univer- sitätdicscSL-'ndcs istaufdi« Dauer nur zu verm den, wenn alle, die g l e i ch s ch a l t c n wollen, a u S g e s ch a l- t c l werden. KuratoriumSsihung und Hauptversammlung der Urania. Am 26. Juni sanden diese Sitzungen unter Vorsitz von.Hofrat R z a ch statt. Der Direktor Dr. Frankl legte den Tätigkeitsbericht über das Arbcitsjahr 1932/33 vor, aus dem hervorzuhrbcn ist: Einzclvorträgc fanden 78 (im Borjahr 64) statt mit einer Besucherzahl von 13.705(11.371) Personen. Die Volkshochschule besuchten 7806(9179) Personen. 129(118) Knlturfilm-Borführungcn wiesen eine Besucherzahl von 8889(12.872) Personen aus. Tas Schulkino hatte wie im.Borjahr 24 Vorstcstungen mit 7800 Personen. Ferner sind z» erwähnen: 1 Photo-»nd I Radio Ausstellung mit 180, bzw. 1300 Besuchern, 5(4) Gcsestschaftsreisen mit 370 (334) Teilnehmern, 130(186) Veranstaltungen des We.ndcrbundes„Kosmos" mit 1800(1930) Teilnehmern, 180(210) Veranstaltungen der Vortrags Organisation in der Provinz(Kulturfilm-Verleih, Gastvorträgc u. a.) mit 46.000 (sil.050) Besuchern^-— Schon auS diesen Zisfern ist ersichtlich, daß die kulturelle Tätigkeit der Urania trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten aus der gleichen Höhe gegenüber dem Vorjahr geblieben ist. Ten größten Teil der Beratungen nahm begreiflicherweise die Aussprache über das neue Haus ein, das im-Herbst zeitgerecht eröffnet wird. Nach einem ausführlichen Referat des Direktors über den augenblicklichen Stand der Bauarbcitcn gibt Hofrat W r i n h u b c r als Mitglied des Bau Ausschusses nähere Aufklärungen. Weiters spricht u. a. Direktor A r n st c i n und Dr. Artur Steiner, lieber Antrag des Direktors wurde beschlossen, behufs Beschaffung des für die Inneneinrichtung und Ausgestaltung noch nötigen Kapitals von 250.000 bis 300.000 Kronen eine Sammelaktion durchzusühren, die in den Monaten September und Oktober stattsindcn wird.— Ins Kuratorium wurde Dozent Dr. D o c r c l l kooptiert. Der Verein wird von nun an den Titel führen: V o l ksb i l du ngs- haus„Urania" in Prag. Geriditssaal Prostitution im Maflagesalou urtettsmiißig festgestellt. Eine Kundschaft de«„Prager Tagblatt"! Prag, 27. Juni..Heute wurde vor dem Senat des OGR. MareLek ein Prozeß verhandelt, der dadurch bemerkenswert ist, daß da- Urteil die in den sogenannten Ma s sagesa l on s betriebene Prostitution in einem charakteristischen und typischen Fall ausdrücklich seslftelli. Augeklagt war nicht die Unternehmerin, sondern eine Masseuse, und zwar dcS Verbrechens der falschen Zeugenaussage. Die Frau Unternehmerin ist seinerzeit vor dem Bezirksgericht ivegen Kuppelei belangt worden— da- Resultat ist unS nicht bekannt— und die heule angeklagte Marie L c r v« n h hatte als Zeugin ihre Chefin in derart unglaubwürdiger Art „reinzuwaschen" versucht, daß daraus«in« neue Anklage wurde Bei der heutigen Verhandlung entrollte sich der schmutzig« Hintergrund der Sache von neuem. Di« 28 Jahre alte L'eiveuy war im Massagesalon „Clkünka"(„Zigcnncriy') in der Roiengafs« angestestt, dessen Inhaberin eine gewisse Anastasia Nvväk ist Diese- Unternehmen ist ein« der st ä n d i g« n I u s e r a! e n k u u d I ch a f l d« S „Prager T a g b l a t t". Bezeichnend.sagt die Anklageschrift von der Angeklagten, sie sei„ohne Beruf, i m übrigen Mas s.e u s.e". Am 20. Dezember v. 0. stellte eine Razzia' allerlei bedenkliche Sachen in dem feinen Betrieb der Fran Novük fest. In diesem Punkt« der Verhandlung wurde indessen die Oeffcntlichkcit ausgeschlossen und so entziehen sich diel« Details der Berichterstattung. Kurz— die Masseuse(«rveny, die bei dieser Aktion eine bedeutende Rolle spielt, hat bei der polizeilichen Vernehmung allerhand auS- geplaudert. Bei der Verhandlung vor dem Bezirksgericht aber verleugnete sie als Zeugin alle ihre früheren Aussagen. Niemals sei in diesem„Salon" Prostitution betrieben worden, niemals habe die Chefin sie dazu angehaltcn und alle ihre ursprünglichen belastendcn Aussagen beruhten nur auf falscher P.rotokollleru ng durch den vernehmenden Polizeibeamten. Nun liegen aber in diesem Punkte einwandfreie Beweise vor. Es war offenkundig, daß di« Zeugin lüge und so wurde sic wegen falscher ZcngcnauSsage augeklagt. Sie verharrte auf dem einmal«ingenom menen Standpunkt zugunsten der Chefin. Ter Gerichtshof hielt sich aber an die erwiesenen Tatsachen, fand die Angeklagte der wissentlichen falschen Zeugenaussage schuldig und verurteilt« sie zu drei Monaten Kerker, bedingt auf drei Jahr«- rb Mitteilungen aus dem Publikum. Von der Aussig» Handelsakademie. Die Einschreibungen in die vicrklafsige Handelsakademie und in die zwciklassigen Handelsschulen für Knaben und Mädchen erfolgen vom 28. bis 30. Juni. Die'Aufnahmsprüfungen finden am 30. Juni um halb!) Uhr für die Handelsakademie und um halb 10 Uhr für die Handelsschulen statt. Einschreibungen in den AbitnricnienkurS haben bis 2. September unter Vorlage des Reifezeugnisses zu erfolgen. Auch schriftliche'Anmeldungen sind zulässig. Prospekte und Auskünfte durch die Direktion der Anstalt. 8n vier Wochen 70.088 Kt verspielt. Eine verlorene Existenz. Prag, 87. Juni. Vor dem Senat des OGR H r a b a war der 80jährig« gewesen« Kontrollor der „Landwirtschaftlichen K ra nke nvr rs i. ch« r u ngs a n sta 1 t" in Schlan Joses Hajny des Verbrechens der Veruntreuung und des Betruges angeklagt. Er hatte ursprünglich das Recht, Versicherungsbeiträge persönlich zu ka ssi«ren, bis man endlich im Juni v. I. diese Funktion doch unvereinbar mit sciner Eigenschaft als Kontrollor sand und ihm das Inkasso entzog. Nichtsdestoweniger fuhr Hajni) fort, Beiträge einzukassicren, ohne daß er sie abgeführi hätte. -Später wurden neun derartiger Fäll« aufgedeckt, in denen er sich bctrügcrischerweisc uni etwa 3000 Ke bereichert hatte. Daneben beging er ein« Reihe anderer Betrügereien. Als«r durch volle vier Wochen nicht Im Amt« erschienen war, wurde er am 30. Jänner d. I. fristlos entlassen. Inzwischen hatte er sich auch von seiner. Frau entfernt und trieb sich ohne Wohnsitz und'Heim in den Gasthäusern der Schlauer Gegend herum, wo er als bekannte. Persönlichkeit Kredit hatte. Uebcrall blieb er schuldig und hoffte, sich durch irrsinniges Hasardspiel zu retten. Das gelang ihm freilich nicht. Äm Gegenteil, er verspielte in diesen vier Wochen nicht weniger als 70.000 lle. Nun steht er vollkommen hilflos da. Als seine Unter- schlagnngcn und Schwindeleien hcrauSkamen, deck:« seine Verwandtschaft zwar den Schaden, aber da dies erst na ch der Erstattung der Anzeige geschah, konnte die gerichtliche Verfolgung nicht mehr ab gNvendct werden. Es wurde nur mit Rücksicht auf die SchadenSgutmachung, die ihm als mildernder Umstand zugute kam, nur zu drei Monaten schweren und verschärften Kerkers ver- urteilt. Die Straf« ist unbedingt. rb. Ktnderfreunve JSrog. Der Kindertag» Nachmittag entfällt wegen der Ferien. Kunst und Wissen Operettengastspiele. Zwei junge und entschieden talentierte Damen gastierten vorgestern abend in der Kleinen Bühne in Benatzkys Operette„Mein« Schwester und ich' als erste b;w. zweite Opercttcnsoubrette: Fr. Liesl Steiner- Ander g a st vom Äufsiger Stadttheater gefiel vor allem durch die dezent« und vornehme'Art ihres -Spieles; auch stimmlich vermochte sie zu überzeugen, da sie kultiviert singt, ohne auszutragen. Nur die unerläßlichen tanzkünstlcrijckien Fähigkeiten, deren«ine erst« Opercttensonbrett« nicht entraten kann, würde sic noch zu erweisen haben. Echtes Thcaterbkut besitzt Frl. Hein(Köln), das sich in sprühendem Temperament»nd routiniertem Spiel äußert«. Auch beachtliche Stimmittel besitzt die junge Künstlerin, wenn diese auch nicht Immer nobel genug verwendet weiden, sowie tänzerisch« Begabung, die freilich bei weitem nicht an Fee von Reichl t nS vollendet leichte Tanzkunst herai>reichi, die zu ersetzen die Debütantin berufen wäre. Ucberhaupt Ist Frl. .Hein mehr der wild« Racker als der süße Fratz u>ld müßt« den Ton ihrer Darstellung wesentlich verseinern, wenn sie Fee Rcichlin vergessen machen soll. E. J. Wochenspielplan des Reuen Deutsche» Theaters. Mittwoch, 7 Uhr:„Loh eng rin"(A. A.).— Donnerstag, Uhr:„Das Land des An unsere Postbezieher! Du heutigen Nummer liegt ei« Erlagschein zur Bezahlung der BezugSgebllhr bei. Wir mache» besonders darauf aufmerksam, daß die Einzahlung unter demselben Namen geleistet werd«« muß, unter welchem der versand der Zeitungen erfolgt. Die Lezugsgrdühr ist am Kops des Blattes ersichtlich nnd ist stets im vorhinein zu entrichten. Der Abonnementbeitrag muß spätestens bi» zum 15. eines jeden Monate» t« unsere« Besitze sein. Wir ersuchen Sir, die» zu berücksichtigen, damit keine Unterbrechung in der Zustellung des Blatte» etntritt. Dt« Verwaltung. Lächelns'(B 2).— Freitag, 8 Uhr: Holländer- Revue:„Höchste E i s c u b a h n"(A. A).— Ende der Spielzeit. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch, 8 Uhr:„H ö ch st« Eisenbahn'.— Donnerstag, 8 Uhr:„Höchste Eisenbahn".— Freitag: Geschlossen!— End« der Spielzeit. Sport« Spiel- KBroefpliege A2R. Graslitz wiederum Fußballmeister de» 6. Kreise». Am Sonntag fand in Mcierhäfen das Entscheidungsspiel um die KrciSmeisterschaft im Fußball dcS 8. Kreises zwischen A2R. Graslitz und FR. Chotteschau statt. Die GraSlitzcr gewannen mit 6:0(1:0) und haben infolge ihrer wirklich anSgezeichnetc» Leistung den Titel verdient errungen. Was Graslitz an Ballbehandlung, genauen Zuspiel und Postierung voraus hatte, fehlte bei den Chotieschaucrn, die sehr ausoPferungSvoll spielten, aber durch. ihre nncntschlossencn Stürmer um den «inen oder anderen Erfolg, den zu erzielen di« Möglichkeit vorhaiidcn war, kamen. Ihr bester Mann Ivar der Tormann. Wiener Arbeitersußball. In der Liga sind nur noch Spiele, die die Abstiegskandidaten auszutragen haben und tvurdc am Sonntag der erst« im Ama• teursportklub ermittelt. Ob Zcntralverein oder Meidling den Begleiter abgeben werden, wird in den nächsten Tagen entschieden. Ostbahn Simmering gewann gegen Amateurjportklnb 2:1(2:1), ist aber gleichfalls noch vom Abstieg bedroht.— Erste Klass«: Hochstädt gegen Nußdors 5:3(2:1).— F re u n d s cha f t s s p i e le: Gaswerk gegen Helfort 5: i(3:2), Rord-Wicn gegen Red Star 2:1 (1:0), Auto gegen Floridsdorf 4:1(2:0), Colum- bia gegen Dona.u-Jndujtricaiigeftell.tc 6:1(3: 0), Germänia-Ankerbrötfabrik gegen Moravia 7:0, Rn dolfshügcl gegen Liesing 2:1(1:0). In der Handballmeisterschast der Wiener Arbeiterturner führt unangefochten Ttaölau, das bisher auS 21 Spielen 37 Punkte herauSholte, gefolgt von Nord-Wien(20— 30). Ter frühere Meister Ottakring liegt am vierten Platz(20— 24). Stad- lau hatte diesmal Ottakring zum Gegner und gewann erst nach Kampf knapp 5:3(2:3); Straßenbahn gegen Margareten 8:7, Nord-Wien gegen Döbling 13:3, Fünfhaus gegen Hetzendorf 9:9.— In der zweiten Klaffe gab es folgende Resultate: Währing gegen Floridsdorf 5:5, Hernals gegen Alsergrund 7: 6. Göc gegen Wieden 9:5. Ein« neue Askö-Bestleistung im Diskuswerfen erzielte am Sonntag bei eineni Meeting in Wien C o u s a 1(ASB.) mit 39.27 Metern. Vereinsnadiriditen Bezirk-Verein„Arbeiterfürsorge", Prag. Heute Mittwoch, den 28. Juni, 7 Uhr abends kurze, aber wichtige Ausschußsitzung im„Verein deutscher Arbeiter", SmeLkagasse 27. Es werden keine schriftlichen Einladungen verschickt. Bezirksorganisation Prag der Deutschen Sozialdem. Arbeiterpartei Freitag, den 30. Juni, um 8 Uhr ahenöS im großen Saale des GcwerkschaftSha useS, Prag 1. Parteiverfammlung in welcher Genosse Dr. E«ü Strauß über „Die politische Situation und das Ermächtigungsgesetz" spricht.— Erwarten. Teilnahme aller Mit- glieder Dl« PezirkSvertretung. Aussigen Handelsakademie. Akademie: AusnahmSprüfungen 30. Juni, 1. September,%9 Uhr früh. Zwettlassige Handelsschule für Knaben. Zweiklassigr Handelsschule für Mädchen. AufnahniSprüfungen 30. Juni, 1. September, vormittags^10 Uhr. Abitnricntenknrs für Maturanten: Anmeldungen bis 2. September. 2060 Weitere Auskünfte erteilt die Direktion. ttoaiatbtt: Siegsrieb Taub- Ldrlerboktoor: Silheim ftitkatt.— Verantwortlicher Nedoklerrr: Dr. Eartl Strauß, Bro-.— Druck:-Rota' A.«L. für Zeitung, und Buchdruck, Vraa.— Für den Druck verantworUich: Otto üoltk. iraß.— Di» Ze>-tt'-morteitironkatui wurde van bei voft» a. Leiearaphenbirenio» am ckrlak Nr' 13.81XJ/V 114930 dewlllial.— Bezugsbedingungen: Bet Zustellung IN» Hau» ober bei Bezug durch dir Voll monatlich Kf 16.-, vierteljährlich Kft S-n. ,. tUtjMua m, ,«ntitzU, L»!<-»— gasiran MiMa lau Xati| tUUeb diiichiu, Bat alt«« HtalckaUaaa« Uullaachtad,— Kückpeüllil, 00» Vianu|ltl*u*<«folgt aui d«t tf latent ung tu HcwutmaU«,•~