kivzelprels 70 Heller. ^Einschließlich 6 Heller Porto) 13. Zahrgano. Freitag, 7 Zull 1933 Nr iss. rcmrllm„irciwilliU“ aufgelöst. Die Funktionäre sollen vcrsdiwindcn! Berlin, 5. Juli. Da» Lonti-Büro meldet: In einer MUteilung de» Zentrum» wird vekanntgegeben, daß sich die Partei im Einvernehmen mit dem Reichskanzler Adolf Hitler heute freiwillig aufgelöst hat. Nach Auflösung der Zentrumspartei gibt e» an Volksvertretungen nur noch e i n c Par« tr!, die NSDAP. Alle übrigen Abgeordneten gelten zur Zeit, sofern sie nicht bereit» al» Hospitanten in die NSDAP-Fraktion ausgenommen sind, als fraktionslos. Wie das VDZ Büro meldet, haben sich bisher im Reichstag Veränderungen auf Ärnnd de» Auflösungsbeschluffes der Zcntrumspar^i noch nicht ergeben. In der Frage de» Ucbcrtrittcü der Abgeordneten in der Nazi-Fraktion sind in Preußen noch Verhandlungen im Gange. Tie verschiedenen Mandats niederlcg n ngcn werden erst in einigen Tagen zu erwarten sein. München, 3. Juli. Der Staatsministcr des Innern Adolf Wagner hat aus Anlaß der Auflösung der bayrischen Volks Partei verfügt, daß sämtliche in Schn»haft befindlichen ehemaligen Funktionäre der bayrischen Volkspartci frei:«lassen sind. Diejenigen Funktionäre, die sich gegen die Gesche verstoßen haben, sind beschleunigt den Gerichten zu überantworten. Allen denen, die bisher im Vordergründe deS politischen Lebens standen, ist allerorts äußerste Zurückhaltung, besser noch Abtreten von der politischen Bühne anzuraten. Die„Arbeiterpartei: Unter zehn neuen Regierungspräsidenten neun Adelige! Berlin, 6. Juli.(Wolff.) Der bisherige kommissarische Oberprösident Prinz Philipp von- esse« i«Kassel wurde^um Ober, Präsidenten der Provinz Hessen-Nassau ernannt, der kommissarisch« Oberprösident Freiherr Ferdinand von Lüninck in Mün. ster in Westfalen zum Oberpräsidenten. der Provinz Westsalen und sein Bruder Freiherr -ermann von Lüninck in Koblenz zum Oberpräsidenten der Rheiuprovinz. Folgend« kommissarisch« Regierungspräsidenten wurden endgültig ernannt: Dr. zur B o n s e n in Köln a. Rh., von M o n b a r t in Kassel, F r e i h e r r v o n Oeynhausen in Minoen, Dr. von Stockhause n in Arn»berg, Z s ch i n ft s ch in Wiesbaden. Der stellvertretende Polizeipräsident von Pfeffer in Kassel wurde endgültig•• bestätigt, ebenso der Vizepräsident de» vberprasidinm» in Königsberg, Dr. von Bethk«. Attentat auf Streicher. Nürnberg, 6. Juli.(Eigenbericht.) Aus der Strecke von Bamberg nach München wurde da» Auto, in dem sich der bekannte Nazisührer Streicher befand, von SA-Leuten beschossen. Nur dem Umstande, daß sich das Auto in rascher Fahrt befand, ist«» zu verdanken, daß die Insassen de» Wagen» unverletzt blieben. Man versucht zwar die Kommunisten für da» Attentat verantwortlich zu machen, doch ist es offene» Geheimnis, daß die Kugeln au» den Revolvern von SA-Männern kamen, die In der Front gegen Streicher stehen. Kommunlslon vom UniversitSts- sludium ausoosdilossen! Berlin, 6. Juli. Wie der Amtliche Preu, ßische Pressedienst mittrilt, hat der preußische Minister für Wissenschaft verfügt, daß alle Studierenden an preußischen Hochschulen, die sich in den letzten Jahren nachweislich im kommunist i s ch e n Sinne betätigt haben, auch ohne Mitglieder der.KPD zu sein, mit sofortiger Wirkung von dem Universitätsstudium auszuschließen sind. Unterhaus verurteilt den HMlerferror. Ernste Worte des»ritlsdien Außenministers. lohannes Stelling ersdUagen! Ein Todesopfer der Nozlbesiien. Aus Deutschland erhalten wir die Nachricht, daß Genosse Johanne» Stelling, Mitglied dr» Parteivorstandes der SPD, den bestialischen Mißhandlungen erlegen ist, denen der schwerkranke Mann nach seiner Verhaftung von de« Schergen der heutigen Machthaber au»gz- setzt worden ist.^Zu den vielen Toten in den Gefängnissen und Konzentrationslagern, die teils „auf der Flucht erschossen", teils in Berzweilüng und Selbstmord' getrieben, teils Opser viehischer Mißhandlungen geworden sind, kommt nun auch dieser ReichStagüabgeordnete, ehemaliger Ministerpräsident in Mecklenburg und ehemalige Gauleiter d«S Reichsbanner» in Groß-Berlin. Die jetzt geknechtete Arbeiterklasse Deutsch- landS wird ihre Todesopfer nicht vergessen. Je größer die Zahl der Gequälten und Gemordeten, desto härter wird ihr Wille werden, sich von dieser Verbrecherherrschast zu befreien! Litwinow hei Panl-Bonconr. Paris, 8. Juli.(Havas.) Außenminister Boncour und der söwjetrussische Volkskom- missär für Auswärtiges Litwinow hatten heute eine Beratung, die dreiviertel Stunden dauerte. In einem nach der Zusammenkunft ausgegebenen Kommuniquec konstatieren beide Minister mit Befriedigung, daß nach der Unterzeichnung dr» RichtangrisfS- Pakte» zwischen Frankreich und der Sowjet«' union beide Länder in zahlreichen Problemen de«, gleichen Standpunkt einnehmen.. Boncour beglückwünschte Litwinow zu den Verdiensten um das Zustandekommen dcit Londoner Konvention über die Definition de» Angreifers. Deuisdiland völlig isoliert! Tic Pariser Presse unterstreicht die Bedeutung des Besuches Litwinows in Paris und weist dabei daraus, hin, daß zum erstenmal seit dcni Betuch Tschitscherins eine, hervorragende Persönlichkeit der Sowjetunion noch Frankreich gekommen ist. Tie Bedeutung dieses Besuches sei angesichts des kürzlichen Ansenthaltes des türkischen Außenministers Tewfik Ruchdy Bey in Paris und der Unterzeichnung der Konvention betres- send die Definition des Angreifer» um so höher cinzuschähen. „Deutschland"— so schreiben die Blätter —„hat infolge seiner agresstven Politik zwei seiner besten Verbündeten, die Türkei und Sowjetrußland, verloren." Dr. Schager, der Falscher des Heini« briefes sechs Monate Kerker. Wien, 6. Juli.(Eigenbericht.) Ter Fälscher des seinerzeit so viel besprochenen HeinlbricfeS, Dr. Schager-Eckartsou, wurde Donnerstag abend wegen Verbrechens der Verleumdung zu sechs Monaten Kerker verurteilt. Protest der Ravag. Wien, 6. Juli. Tic Ravag Hal gegen die Angriffe der Nationalsozialisten aus Oesterreich durch den bayrischen Sender bei der internatio« yalcn Sendegcscllschaft Protest eingcbracht. Dombenexplosionen und deren Opfer. Wien, 6. Juili. In Wiener-Neustadt explodierte gestern nachts unter Laube auf dem Ringplatz ein« zweite Artillericbonrbe. Durch di« Explosion wurden nur einige Fenster zertrüm- inert. In Zusammenhang damit verhaftet« di« Polizei mehrer« Angehörige"des nationalsozialistischen JügeitdvevbanideS. Einer von ihnen Franz Lonezar hat die Tat gestanden. Wien, 6. Juli. Der SA.-Mann.-Wilhelm Resci, der, bei der bekannten Explosion>-m 18. Wiener' Bezirk schwere Brandwunden erhielt, ist heute an. Blutvergiftung gestorben. AuS Krems wird gemeldet, daß in dem dortig«» Krankenhaus der Hilfspolizist Franz Blan- mosev, der bei dem jüngsten.Handgroiiatenan- schlag in KrenrS schwer verletzt wurde, seinen Verletzungen erlegen ist. London, 6. Juli.(Reuter.) Ter Führer der Arbeiterpartei Lansbury sprach gestern in der außenpolitischen Debatte im Unterhaulc über die Situation in Deutschland. Er erklärte, e» sollte ein« Untersuchung hinsichtlich der deutschen Rüstungen eröffnet werden. Die Arbeiteropposition blick« mit großer Sorge auf die Rüstungen seitens der Leute, die heute in'Deutschland die Macht in den Händen haben, denn eine solche Rüstung sei eine große Bedrohung für den Frieden, nicht nur für den europäischen, sondern für den der ganzen Welt. Austen Chc.>nbcrlai n, der nach Lansbury sprach, kritisierte sehr lebhaft die Politik Deutschlands, besonders desicn Außenpolitik. Es müsse gesagt werden, daß Großbritannien tatsächlich schwer in wirklich sreundschastlichen Beziehungen mit einem Staate leben könne, der aus seiner Politik alle Gedanken ausschließt, die die Grundlage der britischen Politik bilden. Jin weiteren Verlauf seiner Rede kritisiert« Ehamberlain in scharfen Worte» den»»neuen Geist, der jetzt in Deutschland Herrsche"!. Wenn Deutschland eine. Revision der Fricdensberträge wünsche, dann müsse es die übrige Welt davonüberzeugen, daß eine vernünftig« Friedensrovi- sion sie- befriedigen werde.' Solang« jede Rede, die jetzt in Deutschland gehalten wird, und.der ganz« Ton der deutschen Propaganda drohend, herausfordernd, gewalttätig u.nd einseitig ist, könne da Deutschland erwarten, daß die Völker, denen cs ständig droht, abrüsten werden? Wenn Deutschland zu seinem früheren Ton zu rückkehren und ein wirkliches Bemühen an den Tag legen würde, seinen Verpflichtungen nachzukommen, wenn cs aufhörcn würde, seinen Nachbarn zu drohen, würde es die Welt davon überzeugen, daß eS mit seiner Forderung nach der Abrüstung der übrigen nur die eigene Sicherheit stärken will, sich aber nicht dadurch eine Position schaffen will, in der es wieder den übrigen Völkern den Fehdehandschuh hinwcrfcn und einen neuen Krieg beginnen könnte. Am Schluß der Debatte erklärte Außenminister Sir John Simon, Deutschland müßte sich besten bewußt werden, daß das, was über die Lag« gewisser deut, scher Minderheiten, gesagt worden sei, der tatsächlich« Ausdruck der Ansicht der gesamten britischen Ration in dieser Sach« sei. „Ich hoffe zuversichtlich", so erklärte Englands Außenminister,„daß di« Zeit kommen wird, wo wir mit gutem Gewissen und aus ganzem Herzen zur Lösung der deutsch«« Probleme beitragen. werden können; doch hiezu wird«S bloß, dann kommen, siinnen, bis wir volle Sicherheit, haben werden, d a ß m a n mit den Minderheiten in Dcut schlau d an st ändig verführ t." Die Debatte endete sodann m't der Erteilung des Vertrauensvotums für die britische Regierung. Hitlers Dränt; nach Osten. Wiederaufleben von Brest-Lltowsk? Fascismus ist Krieg. Manchem herzensguten bürgerlichen Politiker schien diese vom Sozialismus aufgestellte These iibcririe- bcn, schlagtvortartig, jedenfalls voreilig. Tie „Friedcnsrcde" des braunen Kanzlers im Scheinparlament, die eine plumpe Maükic- rung tvar, hat ihr Ziel— den erstickenden Ring der außenpolitischen und moralischen Isolation zu sprengen, wenigstens zu lockern — nicht verfehlt. Nun kam die Ernüchterung. Die programmatische Erklärung Hilgenbergs auf der Wellwirtschaflskonscrenz platzte wie eine Bombe. Und vor allem war die Sowjeldelc- gation üb.rrascht. Es sind kaum zwei Monate verflossen, seitdem die Sowjet rcgicrung in voller Verkennung ihrer moralpolitischen Pflichten gegenüber ihren verfolgten und gemarterten Gesinnungsgenossen in Deutschland und in Verkennung der gesamten außenpolitischen Situation sich beeilte, alü erste einen„Freundschaftsvertrag" mit der Hitlcrrcgicrung abzuschließen. Die Rache dafür kam nnertvartet schnell. Kaum vermochte die Sowjeidiplomatie und die Sowjctprcssc ihre Verlegenheit zu verheimlichen. War aber wirklich das außenpolitische Manifest der Hitlcrregiernng so unerwartet? Denn es handelt sich— trotz den flauen Dementis der deutschen Diplomatie— nicht nm ein persönliches Glaubensbekennmis von Hilgenberg, sondern um einen Versuchsballon der Naziregierung. Hinter Hngenberg stand im selben Augenblick Hitler. ES ist sein Geist, seine Sprache, seine Zielsetzung. Es genügt sein Bilch„Meiil Kampf", das zum Evangelium des„Dritleii Reiches" geworden ist, nachzuschlagen, um die Wurzeln des Memorandums von Hngenberg zu finden. In diesem Memorandum fordert das fascistischc Tentschland einen größeren Spielraum für seine ökonomische nnd Politische Expansion. Im Fascismus feiert der deutsche Imperialismus seine Anserslehung. Er erhebt Anspruch auf die Gleichberechtigung mit den anderen Imperialismen. Er- schwärmt wie einst von einem„Platz unter der Sonne", lind wenn dieser Platz von anderen Völkern bereits besetzt ist— desto schlimmer für die Letzteren! Die auserwählte„blonde Nordrasse" strebt nach der„Weltgeltung". Ter Versailler Frieden wollte Teutschland verstümmeln und als Weltmachl zum langsamen Verwelken verurteilen. Ans dem Umweg des Nationalsozialismus, der das Kind des Versailler Systems ist, kommt der deutsche Jmpc rialisninv wiederum zur Geltung. Er kühlt sich wieder zur Führung in Mitteleuropa berufen. Er fordert die Zurückgabe der abge- trenutcn deutschen Provinzen. Er forciert den gewaltsamen Anschluß„von innen". Jetzt erhebt er in London den Anspruch auf den großen Spielranm in Osteuropa. Drang nach Osten! Die alte Parole, die 1918 in Bre st-Li t olvs k schier zur Wirklichkeit wurde. Was meinte Hilgenberg unter dem Spielraum- in Osteuropa? An erster Stelle die Randstaaten, die Splitter deü alte» zusammengebrochenen russischen Kaisertums, und die Sowjetunion. In einem Atemzuge hat der offizielle Vertreter des fascistischcn Deutschlands vor dein hohen Gremium der Weltwirtschaftskvnferenz die afrikanischen Kolonien und Rußland als ron uuINim, als Niemandsland bezeichnet. Eine größere i§r» niedrigung und Beleidigung des Rappallo- Pärtners ist kaum möglich. Vergessen ist die alte Freundschaft. Vergessen ist die große Dienstleistung der Sotvjct- unioil, die in den Zeiten von Geniia»nd Rap- Pallo das völlig ohnmächtige Deutschland aus dem Ring der Isolation, wenn auch nur zmü Teil, befreite. Lange Zeit hindnrch war die Ostorientierung der Grundpfeiler und der Seite 1 Freitag, 7. Juli 1988 Nr. 186 Drmnmond Botschafter In London. London, 6. Juli. Der ehemalige General- sekretär des Völkerbundes Sir Eric Drummond wurde zum britischen Botschafter in Ro-in er, rnntnt. Der bisherige Botschafter Sir Ronald Graham begibt sich in der näck/sten Zeit in de» Ruhestand. niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiimniniiimimiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiuiiiniiinniniiitmiiiiiiiin Truntpf der deutschen Außenpolitik. Aller Welt war klar, was hinter Rappallo steckte. Die engste Verbindung zwischen der Reichswehr und der Roten Armee war ein offenes Geheimnis. Die Geschichte mit der Verladung der Sowjetgranaten in Hamburg ist noch in Erinnerung aller. Nun scheint die O st o r i e n t i e r u na der deutschen Außenpolitik auf einmal durch den imperialistischen Drang nach Osten abgelöst zu sein. Es ist noch keine Kriegserklä- rttng. Es ist nur ein Versuch einer Neuorien- tierung und zugleich ein Beweis für den abenteuerlichen Charakter der Hitlerschen Außenpolitik. Immerhin ist die Bestürzung und der Alarm der Sowjetpresse nur begreiflich. Oder handelt es sich hier nut ein Erpressungümanö- ver der im Fernen Osten bedrängten und in einen Konflikt mit England geratenen Sowjetunion gegenüber, um diese von der Annäherung an Frankreich abzulenken? Auch diese Variante ist freilich nicht ausgeschlossen. Seht man aber das Memorandum Hugenbergs auf der Weltwirtschaftskonferenz mit der vorherigen Reise des außenpolitischen Beraters und Wortführers Rosenberg in Ber- bindnng, so muß man zttnt Schluß komtnen, daß die Grundlinie der fascistischen Außenpolitik des Dritten Reiches gegen die Sowjct- ttnion zugespiht ist. Die„ideologische" Verhüllung— der„Kampf gegen den Wcltbol- schewismns" und die„Rettung der europäischen Zivilisation"— ist nur eine plunrpe Maskerade. Es hattdclt sich um anderes. ES handelt sich um die Umlenkung der revisionistischen Politik, di« im Westen auf unüberwindliche Widerstande gestoßen ist, in die Ostrichtnng. Die Spielraumansprüche Nazideutschlands sollen auf Kosten der Sowjetunion und der Randstaaten gesättigt werden. Polen soll für die Rückgabe des Korridors in der Ukraine kompensiert werden. Die Mängel des unmöglichen Versailler Vertrags sollen also durch die Wiederauflebung des verruchten Brest-Litowsker Vertrags repariert werden. Werden die Mächte der früheren Entente für diese waghalsigen Pläne zu haben sein? Einst verbuchte Bismarck das revanchelustige Frankreich nach Afrika abzulenken, indem er ihm die Errichtung eines kolonialen Reiches erleichtert hatte. Wird nunmehr Frankreich gewillt sein, dies mißlungene Manöver dem revanchelustigen Deutschland gegenüber zu wiederholen, indem cs den deutsch- fascistischen Drang nach dem Osten unterstützt? Die friedlich« Revision des Versailler Vertrages kattn durch keine abenteuerlichen Manöver auf Kosten Rußlands und anderer osteuropäischen Staaten ersetzt werden. So groß die Versuchung auch ist, müssen die westeuropäischen Demokratien unter dem stärksten Druck der Arbeiterklasse und ihrer Organisationen die Ostpläne des deutschen FasciSmuS aufs entschiedenste verwerfen. Die Sowjctpresse schlägt Alarm. Und nut Recht. Die Gefahr ist groß, wenn auch nicht akut. Wie soll aber Sowjetrußland sich zur Abwehr dieser heranreifendcn Gefahr vorbereiten? Hier ist die rettende Selbstkritik am meisten aut Platze. Es muß fcstgestellt werden, daß gerade die außen- und innenpolitische Schwäche der Sowjetunion den Appetit seiner Nachbarn im Westen wie im Osten weckt und als begehrenswertes Objekt erscheinen läßt. Außenpolitisch hat die Sowjetregierung Pg 6. P. oder der gleichgeschaltet«„Bohemia"-Leitartikler. In der Mittwochnumnier lcitartikclic Herr G. P., also der von uns öfters liebevoll zitierte Abgeordnete Gustav Peters, über Gablonz, allwo bekanntlich am Sonntag der„Bund der Deutschen in Böhmen" in.Hauptversammlung und Festzug seinen fascistischen Charakter zu tarnen nicht einmal bemüht war. Selbstverständlich ist Herr Ä. P. von Gablonz restlos begeistert. Tas Wenige, was ihm an brauner Farbe noch gefehlt hatte, hat er jetzt; nicht nur im Gesicht, nnd bestimmt nicht von der Sonne. Man kann sageiz, daß der G. P. in Gablonz innerlich rum Pg. der Herren Simm, Jung usw. geworden ist. Das wundert n»s nicht weiter. Scho» eher verwunderlich ist cs aber, daß Herr Peters nicht einmal mehr versucht, sich in den Grenzen der anständigen Journalistik zu bewegen. Er hat nämlich die Stirn, in diesem seinen Leitartikel die „ihrer Verantwortung nicht deutsch bewußte deutsche Presse" und den„Sozialdemokrat" wegen der„b ö S w i l l i g e n B c r i ch t e" über Gablonz anzugreifen, ohne seinen Lesern mitzuteilen, was diese„böse" Presse berichtete und was daran falsch 'ci. Deshalb stellen wir nochmals fest, daß laut dem von»ns seinerzeit zitierten Bericht de- Prager„Montagsblatt" der Obmann des Bundes gelegentlicb der Gablonzer Tagung eindeutig den Sudetendeutschen die ,geistige Umstellung" im Reich als Muster hinstellte und daß im Festzug„der Fascistengrutz dominierte". Wir stellen Weiler fest, daß die„B o h e m i a" in ihrem Bericht« und-Herr G. P. in seinem Leitartikel diese Tatsachen u n t c r s ch l n g e n. Tatsachen! Denn bis heute sind wir von keiner Seite dementiert worden. Wenn jene bürgerliche Presse, die Herr G. P. der Unvcrantwortlichkeit zeiht, sich«inen solchen Vorwurf ausgerechnet von der seit Monaten verantwortungslos fascisierenden„Bohemia" ge- sallen läßt, so ist das ihre Sache, Sache dieser Presse. W i r erklären assen, daß wir der«Bohemia" nach der Haltung, die sie seit dem Umsturz in Deutschland«innimmt, jeder Recht absprechen. ein verantwortliches Wort in die sude- tenden'schc Politik dreinzureden. Jedem nicht fascistilch Verkleisterten im sudetendeutschen Volk dreht sich längst der Magen um, wenn er nur von den G. P.'s und F. B.'S hört! Demo'ralle oder Matur? Ein Interview Masaryk». Präsident Masaryk gewährte kürzlich dem amerikanischen Journalisten A. M o w r« r«in Interview, das sich ausführlich mit der Frage seine Position dadurch erschwert, daß sie durch die Komtntern die Kommunistische Partei Deutschlands als Wegbereiterin des Nationalsozialismus fungieren ließ, die die Demokratie systematisch unterwühlt« und die Sozialdemokratie und die freien Getverkschaften als die Hauplfeinde bekämpft hatte. Innenpolitisch wird die Sowjetunion ditrch die Generallinie Stalins geschwächt, die durch die Versuchspolitik die Wirtschaftslage verschlechtert und die Bauernschaft gegen die Sowjetmacht aufwiegelt. Die Neuorientierung der bolschewistischen Politik im Inneren und nach außen ist die Voraussetzung für die Bekämpfung des Fascismus! „Demokratie oder Diktatur" befaßt.- Masaryk erklärte auf die Frage des Journalisten, ob die Gefahr für die demokratischen Ideale ernst sei, unter anderem: Im gegebenen Augenblick ist die demokratische Idee scheinbar tot. Aber, daß dies nicht tatsächlich der Fall ist, beweisen zwei Tatsachen: Di« neuen Führer brauchen alle die Unterstützung des Volkes. Und alle kommen sie ans dem Volke, Hitler, Mussolini, Stalin.... Auch daS ist eine Art Demokratie. Weiter erklärte Masaryk u. a., er glaube im gegebenen Moment an keinen neuen Krieg. DaS sei daS gute Resultat des allgemeinen BankerottS, welcher für einen Großteil der Verwirrung verantwortlich ist. Vielleicht aber sei die gegenwärtige„Reaktion gegen di« Zivilisation" notwendig, um die Mcn- scheu zur Schönheit der Freiheit zurückzuruf« n und sie aufzufordern, der Gewalt zu Gunsten der Zusammenarbeit zu entsagen. Die Demokratie definiert Masaryk als einen Zustand, in den» die menschlichen Wesen einander nicht als Mittel zu persönlichem Vorteil benützen. Demokratie sei daS höchste Ideal der politischen Organisation der Gesellschaft und das Ideal der Humanität; sie verlange von Demokraten aber wenigstens ein wenig Geduld. Wenn die neuen Herrscher, erklärte Masaryk weiter, die grundlegenden menschlichen Bedürfnisse befriedigen können, werden sie an der Macht bleiben. Wenn nicht, wird man si« davon jo gen, daS ist sehr einfach... Aus den Einwand der Journalisten, daß darüber Jahr« und Dekaden vergehen könnten, ließ Masaryk diese Möglichkeit zu. Di« Demokratie werd« aber schließlich doch kommen, weil sie kommen müsse. Die menschlichen Wesen werden sie zum Schluß verlangen. Di« Demokratie sei unabwendbar. Auf die Frage, wi« man si« am raschesten herbeiführen könne, erwidert« Masaryk: Folget Euren Ueberzcugungen! Redet nicht nur Politik, sondern lobt sie auch. Sagt immer di« Wahrheit und stehlt nicht! Und vor allem fürchtet Euch nicht vor dem Tode! Der Schriftsteller Joses KokiSek erlitt einen Schlaganfall und starb Donnerstag, den 6. d., vormittag» in Uvaly. KoLiöek wurde im Jahre 1861 in Zuiant) geboren und erwarb sich als tschechischer Schriftsteller und Pädagoge einen Namen. Er ist der Autor zahlreicher Bucher für di« Jugend und von pädagogischen Fachpubli- kationen. In den Jahren 1v20 bis 1927 leitete er di« literar-pädagogische Abteilung der Staatlichen DerlagSanstalt in Prag. mflcrs Verrat Stürmische Kundgebung der Berliner SA. gegen Hitler. Berlin, 6. Juli. Die gestrige Mitgliedervcr- sammlnng der SA. vom Kreis Berlin-Norden stand völlig unter dem g cradezu verheerenden Eindruck der Sonntagsrede von H i t l e r in B a d R e i ch e n h a l l, die ttachniitkagS durch den „Angriff" verbreitet worden war,— ein« Rede, in der Hitler erklärt hat, daß die nationalsozialistische Revolution beendet sei. Die vorgeseheile Tagesordnung, di« sich auf technisch« Fragen beschränkt«, konnte nicht durchgeführt werden, weil die SA.-Lcutc eine Diskussion über die Hitlerrede erzwangen. Sämtliche Redner ergingen sich in den schwersten Borwürfen gegen di« Parteileitung, der glatter verrat am nationalsozialistischen Programm vorgeworfen wurde; di« Versuche der anwesenden hohen Funktionäre der Partei und der SA., unter anderem d«S Oberführer» Ernst und des preußischen Kommissars Dalucge, die Stimmung zu beschwichtigen und die SA.-Leute von der Annahme einer Resolution abzuhalten, scheiterten an der Dersatumluna, die schließlich mit Einstimmigkeit die sofortige Inangriffnahme des„Sozialistischen VierfahresplaneS" forderte und cine>l Ausschuß ivählte, dem die Ausgabe obliegt, sich unverzüglich mit sämtlichen SA.» Formationen im Reich in Verbindung zu setzei», um eine gemeinsame Aktion„für den Sozialismus" zu erzwingen.— Di« Versammlung ging um Mitternacht auseinander, nachdem bczeichne>rder- wcise dem Oberführer Ernst und dem Kommissar Daluege di« Abgabe einer Erklärung unmöglich gemacht worden war. Dculsdilnnd rostet! New Aork, 6. Juli.„New Dark T« m«S" veröffentlicht«ine Depesche seines Londoner Korrespondenten, in der cs u. a. heißt, der Entschluß Deutschlands, die Rüstungsglcichhcit mit seinen Nachbarn in Wirklichkeit umzusetzen, hat bereits zu Taten geführt. Den aus absolut sicherer Quelle stammenden, in London«inge- gangenen Informationen zufolge zielen die letzten Bemühungen der deutschen Militaristen darauf ab, für Deutschland Luftstreitkräfte zu schaffen. Der Wunsch der nationalsozialistischen Führer nach Schaffung dieser Luftstreitkrafte sei kürzlich zu Tage getreten, als die ungewöhnlich komische Meldung über-«inen„Fluaangrifs aus Berlin" verbreitet wurde, bei welchem geheimnisvolle Flieger Umstürzlerische Flugblätter abwarfen, die über niemand gesehen hat. Ter Rcichskommifsar für das Flugwesen forderte damals die sofortige Beschaffung von Polizei- flugzcugon für Deutschland. Wir haben gewichtige Gründe anzunehmen, daß diese Flugzeuge bereits gebaut worden sind. Andererseits hat das britische Kabinett Nachrichten zufolge, die offiziell nicht bestätigt sind, und allem Anscheine nach niemals tverden bestätigt werden, obwohl ihre Wahrscheinlichkeit nicht in Zweifel zu ziehen ist, dem britischen Ministerium für Flugwesen die Anweisung gegeben, die Ausführung der Bestellungen de» deutschen ReichSwehrmini- steriumS bei englischen Firmen auf dem Bau und die Lieferung von 80 Kriegsflugzeugen der gleichen Gattung, die im Vorjahr an Belgien geliefert wurden, zu verhindern. 19 Die Sache mit Borris Kriminalroman von Grefe Harlwig Er versprach ihr 280 Mark, nachdem sie ihm die Dringlichkeit ihrer Bitte anschaulich gemacht hatte. Sie zögerte, ob sie nicht doch zu Sophie Kandier gehen sollte, bloß um ihr zu sagen, daß Borris auf 370 Mark nun mit Sicher- oeit rechnen könne, unterließ es aber, als sie sich daran erinnerte, daß ihr gestern ein Detektiv zu Max gefolgt war und iyr heute also wahrscheinlich wieder folgen würde. So ließ sie«S also dabei bewenden, BorriS, wie er selbst in Aussicht gestellt hatte, bei Verlassen des Theaters, also nach dem zweiten Akt, m sehen. Für sie war also die Sache, wenn auch nicht zur Genüge, so doch nach Maßgabe des schlechthin Möglichen, erledigt und die Garantie für BorriS' Abreise gab ihr einen Teil ihrer Nervenruhe zurück. Heute abend würde er kommen, sie würde ihm das Geld einhändigen und dann nichts mehr von der Sache wissen. Sie sehnte sich nicht danach, daS Opfer für den Freund nicht bringen zu müssen, sondern sie sehnte sich danach, eS schon vollbracht zu haben, ihm schon geholfen zu haben, ihn in Sicherheit zu wissen und in ihr eigene» Leben zurückkehren zu dürfen, leider um vieles wissender, uni vieles, was sie lieber wieder vergessen hätte und was die Zeit auch hoffentlich wieder verwischen würde. Vor allem mußte dann etchlich ihre Beziehung zu Max in klare Wege geleitet werden. War er ihr heute hart erschienen, beschränkt «nd feige, so würden spatere Eracbnissc mit ihm hisse Depression.in ihren Gefühlen vielleicht tzsieder verschwinden machen. Ihre Liebe war durch diese plötzlichen, neuen und zerstörenden Kenntnisse um ihn nicht vermindert, sondern nur schmerzhaft verschärft. Aber morgen schon sonnte rin neues Leven beginnen, mit neuen Illusionen und neuen Impulsen. Morgen, alle» morgen, während Borris in dem rettenden D-Zug saß, der auch ihn einer neuen Existenz entgegcntragen würde. Als Lillian da» Theater betrat, war ihr erster Weg in die Kanzlei, und nachdem sie daS empfangene Geld in chre Handtasche gesteckt l)att«, ging sie in ihre Garderobe und der Trubel der Vorbereitungen für die Vorstellung umfing sie. Frisieren, Schminken und Ankleiden absor- oierte sie, Plaudereien uyd Witze der Kollcgin- nen fesselten sie, Neuigkeiten, Skandälchen, Berichte über Liebschaften und HasseSbezeugungett in der Kollegenschaft und im Personal deS Hauses amüsierten sie, Briefe von den Eltern, von einem Verehrer ihrer Kunst, von einer Zeitung, die ihr Bild zu bringen wünschte, erfreuten sie, Briefe, die sie beim Portier erhoben hatte und jetzt in der Garderobe nrit etlichen Unterbrechungen la», Debatten über neue Kleider und Hüte zwangen ihr ein Interesse ab, dem sie halb widerwillig Raum gab, und plötzlich lag eine Heiterkeit über ihrem Wesen, die sie in den letzten Tagen schmerzlich vermißt hatte und deren Wiederkehr chr schien wie daS plötzliche Erscheinen der Sonne an einem trüben Tage. Sic dehnte ihren Körper vor dem großen Spiegel tlnd freute sich an ihm. Sie nahm teil an der Unterhaltung, war liebenswürdig, lustig, ja beinahe ausgelassen, sie fühlte sich geborgen, umgeben von soviel Jugend, Uebermnt und selbstverständlicher Keckheit. Da heute, keine Premiere war, sondern die— wie es aus den Programmen hieß— letzte Wiederholung eines revueartig aufgemachten Schauspiels, fehlte auch die Aufregung,>,nd da fast das ganze Schauspiel-, Operetten- und Ballettenscmble beschäftigt war, steigerte sich die Stimmung durch die rein zis- fermäßigc Vielheit der Laune der Mitwirkenden. Als Lillian den Gang zur Bühn« beschritt, traf sie mit Lo Lu zusammen. Nach ein paar Begrü- ßuiigstvortcn bemerkte Lillian, daß sie ein Seidentuch, daS si« für ihren Auftritt brauchte, vergessen hatte. „Nicht zurückgchen!" sagte Lo Lu ui»d drohte mit dem Finger, ,das bedeutet Pech." „Ich bin nicht abergläubisch," meinte die ander« lachend und holte das Tuch. Als sie zurückkam, sah sie, daß Lo Lu auf sie gewartet hatte. „Nun, liebe Band, wann wird denn geheiratet?" „Ilm mich daö zu fragen/ haben Sie aus mich gewartet?" fragte Lillian ein wenig ironisch.„Ick weih es noch nicht." „Ein sehr hübscher Mensch, Ihr Bräutigam!" „O ja!« „O, daß sie ewig grünen bliebe.. „Wie elegisch Sie heute sind!" „Alles auf die Plätze!" rief der Inspizient. Dan» rauschte der Vorhang auf. Lillian tanzte mit Hingabe, freute sich über den Applaus des Publikums und anerkennende Worte der Kollegen. In der Pause scherzte sie mit einem Kollegen, als plötzlich Lo Lu den Arm um ihre Schulter legte ttnd sie mit sich fortzog.„Kommen Sie in meine Garderobe, Band, ich habe Ihnen etwas zu geben." Lillian ging mit Lo Lu und nahm ein dickes Kuvert entgegen.„Was ist das?" fragte sie. „Das hat cm Dienstmann für Sie abgegeben. Er suchte Sie, aber Sie waren gerade aus der Bühne. So habe ich cs entgegengenontmen. Bitte." „Was für ein Dicitstmann?" „Nun, eben ein Diensimann." „Warum hat er es nicht beim Portier abgegeben?" „Ja, liebes Kind das weiß ich doch nicht." „Danke jedenfalls!" „Bitte schön." Lillian ging eiligst in ihre Garderobe und riß den Umschlag des Briefes auf. Eine schöne, bunte, anscheinend sehr kostbare orientalische Tabatiere fiel ihr in die Hand, die sie erstaunt betrachtete,«che sie den dazu gehörigen Brief entfaltete. Sie las:„Kommen Sie womöglich sofort in den„Weißen Hahn", ich erwarte Sie im Separee Nr. 8. Fragen Sie nichts, sondern gehen Sie dirxkt hinein. Dort werde ich Ihnen den Paß übergeben. Geld habe ich nicht, aber beiliegende Tabatiere können Sie zu Geld machen. Ich ertvarte Sie. R. G." R. G.? R. G.? Wer konnte das sein? Mußte das nicht ein Irrtum sein! Weiß Gott, wem dieser Brick zugedacht war! Lillian las den merkwürdigen Brief noch einmal und viele Gedanken schossen durch ihren Kopf. Dann betrat eine Kollegin die Garderobe und Lillian schob rasch die Tabatiere in ihre Handtasche und verbarg bett Bries in ihrer geschlossenen Faust. Sie kannte die Separees im „Weißen Hahn", sic hatte mit Kollegen schon dort soupiert, auch mit Max war sie schon einige Male dort gewesen. Im Geiste tauchte die Türe des Separees Nr. 3 vor ihr auf, sie erinnerte sich, daß ein schwerer, grüner Vorhang die Tür verdeckt« und nur die Nummer freilich. Wer war R. G.? Warum bestellte er sie in das Restaitrant? Warum kam er nicht zum Bühneneingang? Warum gab er den Paß nicht direkt Borris in die Hand? Wie stellte er sich den Ver- kauf der Tabatiere vor, jetzt, so spät am Abend, wenn Borris doch noch heut« nachts wegfahren sollte? Zweifellos ging diese Weisung von Borrw selbst aus, er wollte eben nicht, wie verabredet, ans Theater kommeit, sondern sie wahrscheinlich vor dem„Weißen Hahn" treffen, sobald sie daS Separee verließ. Aber warum halte R. G. ihr den Paß nicht gleich mitgeschickt? (Fortieyung folgt.) I is llWW Vertagung der WeltvirtsAalts- Konferenz unwaMelnlldi. London, K. Juli. In brr Präsidialsitzung der WirtschatSkouscrenz entwickelte sich eine lange Debatte für und Akgcn die Vertilgung. Diese Diskussion zog sich sehr lange hi», und zwar nicht nur infolge der scharfen Disserenze» zwischen den Goldstandard-Ländern und der Anglo« anicrikanischcn und skandinavischen Staatengruppe, sondern euch wegen der MeinungSd'sse- renzcn zwischen den Delegationen»er einzelnen Länder und ihren Zrttelbanken. Die kkandinavi- schen Länder waren gestern abends für keine Vertagung, d? sie befürchteten, dag die neuen unfruchtbaren Debatten den WährungSm'errsscn der Goldstandardländer Abbruch tu.i könntln. heute früh aber herrschte die Ansicht vor, daß cs sich hauptsächlich darum handle, eine Konferenzunterbrechung zu vermeiden. Die geg-'n eine Kon» serenzvertagung gerichtete Opposition nimmt ständig zu. RatdanH der Welzen* Produktion. London, 5. Juli. Nach der vormittägigen Sitzung der Weizen erzeugenden Staaten wurde folgendes Kommunique auSgegeben: Argentinien, Australien, Kanada und die Vereinigten Staaten haben sich grundsätzlich über die zeitweise Rege, lung der Erzeugung und des Handels mit Weizen geeinigt, um bessere Weizenprcis« zu erzielen und die Vorräte an Weizen zu liquidieren, die den Markt überschwemm'«». Die genannten Länder anerkennen aber, daß die Lösung des Weizen- Problems von dem Zusammenwirken der europäischen Staaten abhängt. Die Produzentenländer sollen sich verpflichten, weder die Anbaufläche noch die Produktion zu erweitern. Gleichzeitig sollen sich die Ver- orauchcrländcr verpflichten, die Wrizenzöllc herabzusetzen, sobald die Weizenprcise infolge der restringierten Erzeugung steigen. Weiters unterwerfen sich die vier hauptsächlich Weizen erzeugenden Länder dre Ausfuhrkontrolle und der Kontrolle über die ringrlagerlen heimischen Vorräte. Das Uebcreinkommen wurde bisher zwar noch nicht unterzeichirct, doch hat Australien seine Zustimmung bereits ausgesprochen, so daß mit der Unterzeichnung des Abkommens in naher Zeit gerechnet werden kann. Das definitive Abkommen hängt nunmehr vom Standpunkt der Vcrbraucherländer ab. Razzia aul Hakenkreuzler in Oesterreich. Wien, 5. Juli. Die Polizei hat im Zuisam- menhang mit den in den letzten Tagen sich wiederholenden! Sabotageakten der Nationalspziali« sten umfangreiche Hausdurchsuchungen vorgenommen. Im Nahmen dieser Aktion wurden in den letzten Tagen 500 bis 600 Personen verhaftet, bei einigen von ihnen wurden Waffen, Sprengstoffe, Leitungsdrähte u. a. gefunden. Unter den Verhafteten befinden sich 10 Emigranten, Angehörige der nationalsozialistischen Opposition„Schwarze Front"(Strasser), die mit den Attentaten zwar nichts gemeinsam haben, sedoch der Geheimbündelei verdächtig sind. In Bregenz und Dornbirn in Vorarlberg wurden in den letzten Tagen etwa 300 Nationalsozialisten verhaftet. In Angelegenheit des gestrigen Attentates aus der Strecke zwischen PiamS und Strengen der Arlberg er Bahn wurde noch festgestellt, daß das Attentat gegen den Trisan er Tunnel, den längsten dieser Strecke, gerichtet und mit einer Bombe deutschen Ursprungs verübt worden war. Nr. 188 Freitag, 7. Juli 1933 Seite s I tschechische Krone. Groß ist die Zahl der In- Schlußappell serate, die natürlich durch die Riesenauflage an- DaS Wort\ Auf nationalsozialistische» BezirkStagungen im Mährisch-Ostrouer Geviet hat Jung in den letzten Tagen über die Verhältnisse in Teutsch- land, Oesterreich und in der Tschechoslowakei gesprochen. DaS, was er sagte, ist ein« Demaskierung des schamlosen Betrugs der Hakenkreuzler, des größten Verrates, den eine alleinregierende Partei jemals brgan- gen hat. Der Führer der sudctcndeutschen Nazis bestätigt, daß alle Versprechungen Hitlers Lug« waren und seine heutigen Toten Verbrechen sind, weil er selbst heute daS tut, was er früher als Verbrechen bezeichnet hat. WaS haben die Hakenkreuzler mit ihrem Progranim gemacht?.Herr Feder, sein Schöpfer, hat zwar eben jetzt einen gutbezahlt«« Posten bekommen, wie steht cS aber mit der Verwirklichung der Forderungen, deren Erfüllung von den Nazis seit vierzehn Jahren als Erlösung von allem llebel angepriesen wurden und von unseren Hakenkrcuzlern auch heute noch werden? gezogen werden und die Finanzkraft des Ar> veuerblatteS stärken. Wesen HaiesfötsDcicldltiung wird der frühere Daurische Innenminister verhallet. München, 6. Juli. DaS Wolff-Büro meldet: Die bayrische politische Polizei hat im Auftrage deS Staatsministeriums des Innern den früheren Kultusminister Dr. Goldenbcrger in Schutzhaft genommen und in die Gefangenenanstalt Stadelhcim überführt. Weiters hat die bayrische politische Polizei den früheren Innenminister S ch w c y c r sestgeuomincn. Dr. Schweyer hatte an. den ehemaligen Ministerpräsidenten Dr. Held«inen Bries geschrieben, in dem er sich angeblich in„un- erhörter Weise" über die neu« Regierung und über di« Zustände im Reiche ausließ. Dr. Schweyer wurde zu diesem Briese polizeilich vernommen. Bei der Vernehmung soll er den Reichskanzler Hitler wiederum in grober Weise beleidigt" haben. Dr. Schweyer wird dem Gericht übergeben werden. Oelstlidie an der ültlertront. München, 8. Juli. Die„Vereinigung ehe- maliger bayrischer katholischer Feldgeistlichen" hielt in München ihre Jahresversammlung ab. Dolizeioberpsarrer Schneider erklärte, wenn heut« die Frontsoldaten Wicker an der Spitze d«SStaates marschieren, so marschieren auch tue Frontgeistlichcn mit ihnen. Der katholische Geistliche sei durch seine politisch« Tätigkeit in der Vergangenheit in Mißkredit gekommen. Jeder Katholik müsse selbstverständlich' lOOprozcntig national und christlich sein. Die Versammlung, die ein Bekenntnis zum Führer Adolf Hitler da.r- stellte, genehmigte die Aenderung des VereinS- namenS in„Bereinigung katholischer geistlicher Kriegsteilnehmer". Friedensverträge anerkenne." ihr« Jünger mit sich handeln, wenn ,hie Verhältnisse nun emmal anders liegen!" In Deutschland anerkennen sie den Schmach, frieden, Pfeifen auf Brechung der ZinSknecht- schäft und alle airdern Punkte deS Fedcrschen Programms und begnügen sich mit Posten und Pöstchen, mit dem gestohlenen Arbeitrreigentum und ocr Folterung aller, die sich nicht gleichschalten lassen. In der Tschechoslowakei verzichten sic aus den Ständestaat und entdecken die Vorzüge deS verlästerten ParteiensystcmS, verleugnen ihre Freunde und hoffen, daß man sie für besser halten werde. Wird Herr Jung anders handeln als Hitler? Heute verlangt er national« Autonomie und eine europäische Zoll- und WirtfchaftSgemein- schast. DaS ist wahrhaftig nicht nationalsozialistisches Gedankengut, sondern„entlehnst' wie die rote Farbe der Hakenkreuzfahne. Wird«S bei diesen Forderung«« bleiben, Herr Jung? Heute schon erklären Sie, daß irgend ein anderes Ziel, als diese beiden angeführten, von Ihrer Partei weder gebilligt noch gefördert werden. Den Ständestaat haben Sic ausdrücklich ausgrgcben, die FriedenSvcrträge haben nun wohl auch Sie anerkannt und an die Brechung der Zinsknechtschaft und andere Nebensächlichkeiten des Feder, schcn Programms wecken Sie wohl genau so vergessen haben wie Hitler und dir Seinen. Sie werden sich noch viel mehr„seelisch und geistig erneuern", um koalitions« reis für den Bürgerblock zu werden! Alles verraten! Jung über Hitler.- Sind die Sudetennazi beiser als die HitlerfasdstenT Der große„Führer" der Hakenkreuzler in der Tschechoslowakei hat wieder einmal gcspro- chen. Und wieder ist das, was er sagte, die Ver- neiuung dessen, was er früher gepredigt hat. Das warnende Beispiel der österreichischen Hakenkreuzler, die Angst vor dem Zugriff der tschechoslowakischen Behörden, dem die gewissen lose Agitation der Nationalsozialisten die leicht gläubigen Anhänger ausgesetzt hat, das Bessre- ben, noch vor der Ernüchterung in Deutschland Unterkunft bei nuferem Bürgertum zu finden, treibt die Nazis zu immer neuen Manöver» und Bloßstellungen. Heut« schon ist Jung soweit, Hitler und seiner Partei Verrat an ollem, was st« als das Ziel ihrer Bewegung jahrelang in zehntau senden Versammlungen, in ungezählten Zei. tungsartikeln und Ausrufen verkündet hatten, vorzuwerfen. Wie lange wird es noch dauern, und Herr Inna wird daS Wort von„Hitler, der Primadonna" Wicker ausleben lassen? Herr Jung antwortet: „Die politisch« Entwicklung lehrt«, daß di« Nationalsozialistisch« deutsch« Arbeiterpartei nicht jenes Ziel verfolgt, daS in der Programmschrift Feder» enthalten ist, sondern daß sie von dem Augenblicke an, da ihr Führer?ldols Hitler Reichskanzler wurde, Reichspolitik macht, das heißt, die Weil die„Novemberverbrecher" Deutschland dem Elend des verlorenen Krieges führten Hasse ist pleite. Di« Leserflucht von der gleichgescholteten Mosse-Preffe hat einen so argen Auflageschwund noch sich gezogen, daß nun auch schon die In- greinen wegbleiben. Infolgedessen droht dem nternehmen die Totalpleite, zumal die Hitler» regierung kein Interesse daran hat, diesen Betrieb aufrechtzuerhalten. Am Monat-wechsel konnte die Firma einer größeren Anzahl ihrer Angestellten daS Gehalt nicht mehr ouSzahlrn. Der aleichge- schaltete„Chefredakteur" Vetter— einstmals link-radikal spielend— wurde im Flugzeug nach Paris zu dem auf fünf Jahre(mit 100.000 Mark Jahresbezug) auSgcschaltetcn Verleger Lachmann- Masse um Hilfe geschickt. Lachmann-Mosse bedauert« höflich und Karl Vetter kehrte mit dem nächsten Flugzeug, wenn auch ohne Geld, nach Berlin zurück. Man rechnet bereits mit der E i n st e l l u n g der gesamten Moffe-Presse, der die Gleichschaltung so gar nicht- genützt hat. Daily Hcrald zwei Millionen! Di« größt« Arbeiterzeitung der Welt. Seit der Umgestaltung vor drei Jahren hat der Londoner„Daily Herald" einen ununterbrochenen Aufstieg zu verzeichnen und nun kann «r, unter Mdruck einer notariellen Bescheinigung, bereits melden, daß täglich 2,000.000 Exemplare dieser Zeitung verkauft werden. Die Zahl der Leser kann danach aus mindestens vier Millionen Leser geschätzt werden. In einem Wort an seine Leser betont-das Blatt ganz besonders seinen Charakter als Organ der Arbeiterbewegung, den es nicht versteckt, sondern dem cs vielmehr seinen Riesenerfolg zu danken hat. Mit dem jetzigen Ab- nehmerftand rückt der„Daily Gerald" dem größten englischen Blatt, der konservativen„Daily Mail" immer näher. Erstaunlich ist der niedrige Preis der Zeitung. Die 18 Seiten im großen englischen Format, auf satiniertem Papier, das die prclen Illustrationen ausgezeichnet widergibt, kostet nur einen Penny, nicht einmal eine halbe Duft für SA-Nord. Wenn ein Ausländer dos Opfer ist. In Dresden gelang es der Polizei, eine List« ehemaliger Mitglieder jetzt verbotener linksstehender Organisationen aufzufinden. Darunter waren auch Ausländer, die freilich zum groß- ten Teil schon viele Jahre in Deutschland leben. Sie wurden alle zusammengefangen und zum Teil in der neudeutschen Aufbauweise behandelt. "Daran ist ein polnischer Staatsbürger— natürlich in echt slawischer Tücke— gestorben. Da er eine ganze Familie erhalten hatte, die nun ratlos dasteht, forderte die polnische Regierung einen Schadenersatz von 800.000 Mark und die Hitlerregierung ist bereit- so weit, daß sie 120.000 Mark zahlen will. Die anderer. Verhafteten wurden a u s g e. wiesen. au- — nachdem die Generäle ein sofortige- Friedensangebot auf Gnade utw Ungnade erzwungen hatten— und weil sie sich unter Einsatz ihres Lebens bemühten, die Folgen des Kriege- zu mildern, wurden sie von Hitlers Mördern feige a»S dem Hinterhalt abgcschlachtet. Als es ihnen gelang, die Lasten der Reparationen abzubürden und Deutschland zu einem gleichberechtigten Staat zu machen, drohte ihnen Hitler den Hoch. Verratsprozeß an. Sagen Sir doch, Herr Jung, was müßte jetzt mit Hitler geschehen? Wenn der Führer Hitler sein Programm verraten wnn, darf auch der Führer Jung ein paar Grundsätze aufgcben. Fort mit dem Ständestaat!— so lautet die neueste Parole der Hakenkreuzler! Bei uns— sagt Jung— liegen die Verhältnisse nun einmal ander». In der Tschechoslowakei ist für un» kein Staat zu erobern, e» kommt hier also auch kein Ständestaat in Betracht. Nun, auch wenn Jung uns nicht gesagt hätte, daß der Ständestaat da» Aushänaeschttd der nationalsozialistischen Parteidiktatur ist, hätten wir e» gewußt. Diese Eröffnung ist nicht so überraschend wir die nächst«; Herr Jung verlangt den Parteienstaat t Merkwürdig wandelbar ist doch die nationalsozialistische Weltanschauung! Und wie lassen M tf im MUK KMMlMlM Ml. Aafclsten- GaO Wen. lieber das Konzentrationslager in Breslau haben uns Flüchtlinge, die in den letzten Tagen in der Tschechoslowakei cintrafen, folgenden Bericht gegeben: DaS Lager besteht aus drei Wellblechbaracken mit je 125 Betten; dies« Baracken sind schon von der KriegSzeit her in schrecklicher Erinnerung. Sie sind im Sommer fürchterlich heiß und im Winter ebenso furchtbar kalt. Rings um da» Lagcr ist dichter Stacheldraht gezogen. Fluchtver- juche aus diesem Lager sind unmöglich und jeder, der dies tveiß, kann nun dem lakonischen Sah der Nazi-Nachrichtenstelle„auf der Flucht er schossen", die richtige Deutung gcken. In den Latrinen sind di« ehemaligen Frei heitsabzeichen der SPD. geniakt. Außerdem sind die Latrinen mit schwarz-rot-goldenen Fahnen«»»gestattet... Der TageSverlauf im Breslauer Lager ist folgender: 5.30 Uhr Weckruf, dann Betten »nachen, waschen, turnen. Das Frühstück besteht aus Fettbrot mit schwarzem Kaffee. Noch dem Appell beginnt der eigentliche Arbeit»- d»en st. Die Häftlinge verrichten ihre Ar beiten an d«m Strandbad, das derzeit in Breslau angelegt wird. Bei diesen Arbeiten wecken sie von bewaffneten SA- und SS-Männern bewacht. Um 11.80 Uhr gibt cs MittagSbrot, daS in der Regel aus Graupen, Bohnen und.Haferflocken besteht. Hierauf soll«ine Stunde Mittagsruhe folgen. Die„Bonzen" jedoch oder jene, di« nicht fleißig genug gearbeitet haben, haben nachdem Mittagsbrot zu exerzieren. Während de» Exerzierens ereignen sich di« unmöglichsten faseistisch-sadistischen Grausamkeiten. Nach der sogenannt«» Mittagsruhe wieder Ar beitsdienst, bis 16.30 Uhr. Hierauf Abendbrot, Exerzieren und„staa tsbü rge rli chcr Un terricht". Dieser besteht in der Regel darin, daß die Häftling« mit dem Buche Hitlers „Mein Kampf" cker mit dem Lernen de» „Horst Wessel-LiedeS" traktiert werden. 'f 20 Uhr, um 21 Uhr Nachtruhe. Nachtruhe hat j«doch im Breslauer Lager im Sinne des Wortes keine Bckeutung. In der Regel wird zwei« bis dreimal in der Die bl! Wß RundhinMlsdirilt In deutscher Sprache. Der„Rundfunk", da» Blatt der Arbeiterradiohörer. Der Wunsch der zahlreichen Radiohörer au» Arbeiter- und Angestelltenkreisen,«in« billige und doch ausgezeichnete Funk-Zeitschrift zu erhalten, ist nunmehr erfüllt. Seit dem 1. Juli erscheint in Wien der „R u n d s u n k", welcher auf 18 Seiten großen Format» nicht nur die Programm« aller Sender— unter besonderer Berücksichtigung der Tschechoflowakei— in übersichtlicher Folge bringt, sondern auch fesselnde Beitrage unterhaltender Art und umfangreiche, wertvoll« technische Artikel enthalt. Obwohl da» Blatt auch durch zahlreiche Illustrationen belebt ist, ist sein Preis ein erstaunlich billiger. Die Einzelnummer kostet im verkauf nur ein« Krone, ist also weit billiger al» alle anderen in der Tschechoflowakei bekannten Radiozritungen. Der „Rundfunk", der überallhin rechtzeitig zugestellt werden kann, wird von den Radiofreunden sicher gern ausgenommen werden, da er sie van den gleichgeschaltete»» und bürgerlichen deutschen Blättern unabhängig macht. Die Verwaltung de»„Rundfunk" für die Tschechoslowakei befindet sich in Prag kl-, Nekäzanka 18,3. Woche mit dem„Feueralarm" unterbrochen. Di« diensttuenden Nazi» sagen den Häftlingen, daß diese Uebungcn mit„zur körperlichen Ertüchtigung" gehören. Si« gehen in der Regel so vor sich: Um 1 Uhr nachts brüllt ein Nazimann den Ruf:„Feuer!" in den Saal. Innerhalb einer einzigen Minute hat«in jeder fix und fertig«»gezogen auf dem Hofe zu stehen. Kloppt dieser Alarm nicht, dann wird er so lange wie. verholt, bi» das Musterbeispiel preußischer„Ock- nung" funktioniert. Wenn der Alarm Wicker- holt tverden»nutzte, dann wird anschließend daran noch«ine bis cincinehalbe Stund« exer- ziert. Diese Schikanen bewirken, daß sich die Häftling« überhaupt nur angezogen nieder l e g« n, damit der Feueralarm klappt. Icker Funktionär, der frisch in» Lager einge- ttefert Wick, wird in der Regel in folgender Weise begrüßt:„Na, du rote» Schwein, du verfluchte Bonzcu-Lerge!"(Lcrge ist ein berüchtigte» Breslauer Schimpfwort.) Die erste Arbeit unserer ehemaligen Parteifunktionäre besteht im Konzen- trationSlager darin, daß sie jene Kübel ausleeren müssen, di« über Nacht in den Baracken stehen. Aber noch ander« Schikane»» gibt es, mit de»»en man unsere früheren Funktioiiare bedenkt. So mußt« der Bürgermeister M. und der frühere Polizeipräsident B. mit einem Pa- pkerhelm auf dem Kopfe und einer Hakenkreuzfahne Über der Schulter vor der Gruppe der Inhaftierten marschieren. Ein früherer Häftling wieder mußte einen sei- tiaen Kessel mit kalt«»» Wasser reinigen. Die SA-Banditen gaben erst Ruh«, als dieser arme Mensch das Kunststück, mit kaltem Wasser einen fetten Kessel zu reinigen, fertiggcbrocht hatte. Einen 62 Jahre alten Genossen, der früher Landrat tvar, nahm man das G e- biß und die Brille weg. Nur eine Hoffnung hält all«, di« die furcht, baren Oualen und Martern d«r Hakenkreuz. Hunnen über sich ergehen lassen müssen, aufrecht. Es ist di«2 da» Hoffen auf den Tag der Der. geltung, der kommen wird und muß, trotz alle, dem und alledem. Sette 4 Freitag, 7. Juki 1938 fit. 166 W TskWskl heim Woeennen in MM Rennfahrer Theimer überführt einen Soldaten und einen Arbeiter. A ö n i g g r 8 5. Juli. Heute nachmittags ram eS In Königarätz beim Training für das morgige Automobilrenne» auf dem Großen Platz zu einem tragischen Automobilunfall. Dem Rennfahrer Theimer versagte die Steuerung den Dienst und der Wagen fuhr aus den Gehsteig, wobei der Fliegersoldat Wenzel 81 i• p» n, der Wachtdienst versah, zu Boden geschleudert und getötet wurde. Der Wagen fuhr dann auf die andere Straßenseite, wobei der Arbeiter Alois Kriöensky aus Königgrätz getötet und der Beamte Polak aus Novy Hradcc Kralovö am Kopf und am Fuße verletzt wurde. Der Rennfahrer erlitt ganz geringfügige Verletzungen. Die beiden Getöteten find verheiratet. Ern zweiter Unfall ereignete sich in der Kurve beim Grandhotel, wo sich daS Automobil des Rennfahrers T a gesneuigkeiten Eine Mutter ertrankt im Wahnsinn ihre drei Kinder! Wilna. 5. Juli. An der Ortschaft Jur« ganee brach in einem Bauernhause Feuer auS. Beim Anblick des Brandes erlitt die Bäuerin Jurgowa einen Wahnfinnsanfall und schleuderte ihre zwei kleinen Kinder in den Brunnen, so daß sie ertran» len. Rach der Tat begab sich die Wahnsinnige mit ihrer sechsjährigen Tochter zum benachbarten Fluß, wo sie auch diese ertränkte. Die Jurgowa wurde verhaftet. Lalbas Geschwader in Zsland. London-Derry, 5. Juli. G-'nerol Balbo ist heute mit seinem Flugzeuggeschwader um 13 Uhr in der Richtung Island gestartet. Rejkjavik, 5. Juli. Tas Flugzeuggeschwader Balbos passierte um 16.05 Uhr die Westmanna- Jnfel. Die Ankunft in Rejkajvik erfolgte um 16.55 Uhr. Drei junge Menschen durch ein Feuerwerk getötet. Bautzen, 6. Juli. Auf der Bautzener Schießbleiche ereignete sich bei einem Feuerwerk eine katastrophale Explosion. Als gegen dreiviertel zehn Uhr abend die sogenannten großen Kanonenschläge abgebrannt werden sollten, explodierte plötzlich ein Böllerschuß, der auS einem Eisenrohr bestand, das mit Pulver gefüllt war. Durch die umherfliegenden Eisenstucke wurde einem 18jährigen Mädchen der Hals a u f g e r i s s e n, so daß deren Tod auf der Stelle eintrat. Außerdem wurden ein vierjähriger und ein achtjähriger Schüler so schwer verwundet, daß sie bald nach ihrer Einlieferung ins Stadtkrankenhous verstorben. Sechs Personen wurden weniger schwer verwundet. Bei ihnen besteht keine Lebensgesahr. Der Feuerwerker Schöne aus Sohland, der da- Feuerwerk lieferte und abbrannte, wurde von der Bautzener Polizei in Hast genommen. An Wiener Bostamt von Banditen überfallen. 21.000 Schilling geraubt und im Auto entflohen. W i e n. 6. Juli. Dienstag nachmittags gegen secks Uhr überfiele« drei junge Burschen ein kleines Filialpostamt auf dem Sonnbergplatz, bedrohten mit vorgehaltenenPisto- len die beiden dort beschäftigten Beamtinnen und raubten auS der Geldlade einen Betrag von fast 22.000 Schilling. Dann fuhren sie in einem bereitstehenden Auto davon, ohne eingeholt werden zu können. Der Raub war sehr sorgfältig vorbereitet worden. Kurz vor dem Ileberfall wurde das Postanzt augerufen und der Beamtin Märzbacher der Auftrag erteilt, den Hilfsbeamten au fei»anderes Postamt zu schicken, wofür ihr eine Ersahkrast zur Verfügung gestellt werden sollte. Kurz darauf erschien ein etwa dreißigjähriger Mann, der sich als der angeblich von der Postdirektion geschickte Ersatzhilssbeamte vorstellte. Er trug tatsächlich eine Postlerunisorm. Wenige Minuten später kamen dann zwei andere Burschen, die sofort in den Beamtenraum eindrangen und das Geld raubten. Bewohner des KanseS, in welchem das Postamt untergebracht ist, sagten aus, daß daS Auto, mit welchem die Banditen flüchteten, schon am Samstag und Montag in der Nähe gesehen wurde. Auch das bestätigt, daß der Raub von langer Hand geplant war. 8 Todesopfer eines hauseinftnrzes Kairo, 6. Juli.(Reuter.) In H e l u a n stürzte gestern unter ohrenbetäubendem Lärm ein Wohngebäude ein. Unter den Trümmern wurde eine im Gebäude versammelte okkultistische Gesellschaft begraben. Acht Frauen wurden auf der Stelle getötet, sechs andere F r a u e n wurden schwer verwundet. DaS Haus stürzte eben in dem Augenblick zusainmen, I-.i-.l a überschlug, wobei ASka leicht verletzt wurde. 18 Verwundete bei einem Omnibus- Unglück. Düsseldorf, 5. Juli. Ein sechLachsiger Omnibus, in dem sich ungefähr 45 Frauen des evangelischen Frauenvereines in Walsum befanden, ist heute mittag» a«S bisher noch nicht aufgeklärter Ursache eine Böschung h i n a b g e- stürzt. Bon den Insassen wurden 18 Personen zum Teil schwer verletzt und mußten dem Krankenhaus zugefiihrt werden. 12 weitere Personen wurden leichter verletzt. als die Bereinigung ihre rituellen Zeremonien zwecks Niederschlagung böser Elemente abhielt. Bier Todesurteile in Berlin. Berlin, 6, Juli.(Wolff.) Im Prozeß gegen die Berliner BerkehrSgesellschafträu- b e r wurde heute daü Urteil verkündet: Die An- geklagten Hildebrandt, Hoheisel, Willi Krebs und Achtonhagen wurden wegen gemeinschaftlichen Mordes, begangen in Tateinheit mit gemeinschaftlichem schweren Raltbe mit Todesverfolg, mit dem Tode bestraft. Der Angeklagte Wienka erhielt lebenslängliches Zuchthaus; Höhne sieben Jabre Gefängnis und Max Krebs, der Bruder des Willi Krebs, zehn Jahre Zuchthaus. Der Angeklagte Klann wurde wegen Hehlerei zu vier Jahren Gefängnis und Stach wegen Hehlerei zu sechs Monaten Zuchthaus verurteilt. „Bühnenpräsident" Röhm... Es ist unter dem barbarischen Regime der.Totalität gewiß schon manches scheinbar Unmögliche möglich geworden; aber was jetzt auS München berichtet wird, müßte eigentlich auch die fanatischesten Heilruser der braunen Edelstatisterie zu einem bedenklichen Schütteln des KopfeS veranlassen. — Ernst Röhm, der Cl>es deS Stabes der SA, hat daS Präsidium der deutschen Bühne, Landesverband Bayern, übernommen. Herr Röhm, der genießerische„Bolivianer" mit dem— um unS diskret auszudrücken— ausgeprägten„indivi- duolerotischen" Komplex, als segncitder Protektor der gleichgeschalteten Muse— das ist ein satirischer Vorwurf, wie ihn auch der gewiegteste Dramatiker nicht gerissener erfinden könnte! Man muß diesen Mann mit der niedrigen Stirn und dem stuntpfen Feldwebelgesicht einmal agieren gesehen haben, um die ganze Tragikomik dieses moralischen Zusammenbruchs empfinden zu können. Dieser dekadent-krampfhafte Militär, von dem selbst die engere Garde deS„Führers" instinktiv abzurücken pflegt, wenn er körperlich in Erscheinung tritt, schwebt nun als milder Kulturengel über den verödeten Theaterhäusern Deutschland», an denen gesinnungSeisrige Dilettanten mit dem gesetzlich geprüften Stammbaum die Gesetze der Dramatik schrankenlos notzüchtigen dürfen, wenn mir die kärgliche Pointe der schreibenden KuliS auf die Verherrlichung des Dem Brüsseler„Peuple" entnehmen wir folgenden unzweifelhaften Bericht: Ein auü Deutschland zurückgekehrter Genosse übermittelte Uns ein vom 9. Mai datiertes Dokument, das im vosien Wortlaut wiedergegeben zu werden verdient. Denn es jeißt, bis zu welchem Grade geistiger Niedrigkeit ein großes Volk hinabsinken kann, wenn es durch den FasciSmus fanatisiert wurde; ein Volk, von dem nicht mit Unrecht gilt, daß es die Wissenschaft und den Menschheitsgedanken bereichert hat. Es handelt sich um eine an die^Herren Mitglieder des Prosefsorenkollegiums der Universität Frankfurt" gerichtete Kundmachung. Hier der Text im Wortlaute: UniversitSt Johann Wolfgang Goethe, Frankfurt. Frankfurt, de» Mai 1933. Das Studentenkorp« lädt di« Gesamtheit des Profefforenkollegium» zu der Verbrennung der marxistischen und korruptionistischen Schriften ein, die Mittwoch abend, den 10. Mai auf dem Römerberg stattfinden wird. Die Studenten würden eS im Hinblick auf die große symbolische Bedeutung dieser Zeremonie begrüßen, die Gesamtheit der Profefsorenschast dort zu sehe». Ich lade daher die Kollogen ei», zahlreich daran teilzunehmen. Abmarsch: von der Universität aus den Römerberg Mittwoch abend um 20 Uhr, mit Musik. Die Korporattonen werden in Uniformen daran teilnehme», ebenso die SA-Bataillone. Der Rektor: Krieck. Der Name Goethes auf dem Kopf eines solchen Dokumentes, die ganze militärische Ausregierenden Gummiknüppel» hinausläuft. Das deutsche Tina ter, einst wegweisend und beispielhaft sür die Kunst der ganzen Welt, vegetiert heute unter dem Szepter der Tyrannei. Welch' eine Schändung höchster Tradition, wenn ein Röhm— wirklich, ein Röhm— al»„Bühnenpräsident" figurieren darf. Die ganze Ungcistig- keit de» nationalsozialistischen Mittelalters mani- sestiert sich in der Erncimung eines solchen „Bühnenpräsidenten". Neber ein schwere» Autounglück, das sich in der Rächt zum Donnerstage in Schönborn bei Warnsdorf an der gefährlichen Straßenkreuzung beim„Alten Gericht" ereignete, erhalten wir kurz vor Blattschluß einige, allerdings noch unvollständige Mitteiluitgen. Nach denselben gab cs zwischen einem aus der Richtung Warnsdorf konnnenden Schönlinder Horch- Wagen und einem aus der Richtung Niedergrund kommenden mit Salat beladenem Niedereinsiedler Lastkraftwagen eine Kollision, deren Ursache und Verlauf noch aufzuklärcn sein wird. Das Lastauto ist umgeworfen worden, dabei ist einer mit im Wagen sitzenden Frau der Volant in die linke Bauchseite derart eingedrunoen, daß, um die Unglückliche zu befreien, der Volant abgesägt werden muhte. Soweit die uns gewordenen Mitteilungen, die wir in der nächsten Numprer ergänzen werden. Soldatenselbstmord. Im einem Hotel in Brünn schoß sich heute mittags der 25jährige Soldat des 58. Ärtillerie-Reg. Johann Kable L c k a»ls dem Militärgewehr in die rechte Lungenseite. Er erlag seiner Verletzung kurz nach der Einlieferung in das KrankeichauS. DaS Motiv seiner Verzweiflungstat ist in Unglück- kicher Liebe zu suchen. TranSozeanslug Amerika— Persien. Wie .HavaS aus New fsiork meldet, haben die sranzö- lschen Flieger Rossi und C o d o S alle Bor- bereitungen fiir den TranSozeanflug Amerika— Persien getroffen. Dom S. Wetter. Wahrscheinliches Wetter heute: Bewöllungsabnahme, etwas wärmer, Nordostwind.— Wetteraussichten für morgen: Wechselnd bewölkt und im ganzen wärmer. Fllegertod durch Autounfall. In Paris ist einer der besten französischen Rekordflieger,.Henri R o b i d a, nach einer infolge eines kürzlichen Automobilunsalles notwendig gewordenen Operation im Alter von 30 Jahren gestorben. 2000 englische Marineure in jugoslawischen Hafen. Außer der bereit» in den jugoflawischen Häsen Spalato und Sebenieo vor Anker gegangenen Schiffseinheit der britischen Mittelmeerflotte werden in den jugoflawischen Seehäfen im Sommer dieses Jahres noch wettere 61 Schiffseinheiten der britischen Kriegsmarine mit mehr als 20.000 Seeoffizieren und Matrosen eintreffen. Die Philharmonie in Liverpool ist Mittwoch durch Großfeuer völlig zerstört worden. Katastrophe eine» Sportslugzeugs. lieber dem bekannten Tennisplatz des Blou-Weiß-Klubs in B e r I i n-Grünewald stürzte gestern vormittag ein Sportflugzeug ab. E'ne Insassin wurde getötet, ein Mann schwer verwundet. lieber die Identität der Personen und die Herkunft des Apparates besteht im Augenblick noch keine'Klarheit. Schuieflng und Anny Ondra— Vermählte. Eyvcttmeifter Max Schmeling und Anny Ondra, die iii Prag geborene Filmdiva, wurden gestern vormittags in Chorlottenburg standesamtlich getraut. drucksweise(„Abmarsch"), diese Mischung von UniversitätSprofesioren und Nazibataillonen und und die Unterschrift des Rektors, das alles gibt — so bemerkt dazu der„Peuple"— diesem Dokument seinen ungeheuerlichen Charakter. Und das Blatt fügt hinzu: Selbstverständ- lich wurden von der Universität Frankfurt sowie von den übrigen Hochschulen die Juden entfernt. Einst, im Jahre 1903, hat diese Universität zehn Millionen Mark von einem namhaften Juden, Ellison Speyer, bekommen. Später gab ein anderer Jude, Moritz Oppenheimer, derselben Universität eine Summe von einer Million Mark zur Errichtung einer Lehrkanzel sür theoretische Physik. Seine B ü st e wurde aus dyn Räumen der Universität entfernt. Man erzählt, daß er aus Verzweiflung S e l b st m o rH beging. Das zitierte Blatt verzeichnet weiter, daß zur selben Zeit'Dr. Friedländer, der Chefkonservator des Kaiser-Friedrich-Museums in Berlin, brutal seiner Funktionen entkleidet tvurde, weil er Jude ist. Es gibt wahrscheinlich keinen Menschen aus der Welt, der von der primitiven flämischen Kunst mehr versteht als er. Es waren Juden, die die Museen Berlins am reichlichsten beschenkten. Und so zahlt man es ihnen nun zurück. Und der„Peuple" erhebt folgende Frage: Was taten und was tun die, Intellektuellen der ganzen Welt angesichts einer solchen Orgie von Gewalttaten? Man müßte jenen Deutschen die kalte Schulter zeigen, die alles das hinnehmen, ohne mit der Wimper zu zucken, ohne zu protestieren und die nachher sich auf internationalen Tagungen breitmachen... gugsentgleifung und Verbrechen. Wien, 6. Juli. Unweit von Mank fiihr eine Berschubgarnitur auf ein Hindernis auf, wobei zwei Waggons entgleisten. Kurz daraus hihi eine aus Mauk zur Unfallstelle entsandte Drei- sine auf einen Steinhaufen auf, der von verbrc. cherischer Hand auf da« Geleise gelegt Woche» war. Der StationSvorstand von Mauk Felber wurde in weitem Bogen aus der Draisine schleudert und erlitt beim Sturz in den& schuugSgraben schwere Verletzungen. Schweres Autounglück. Pilsen, 6. Juli. Donnerstag früh fuhr aus der Staatsstraße von Pilsen nach Prag ein Personenauto Typ„Aero", das von dem 19jährigen Studenten der Staatlichen Industrieschule Herbert Wagner aus Asch gelenkt wurde. Hinter dem Pilsner Zentralfriedhof geriet der Wagen ins Schleudern und stieß gegen einen Randstein, wobei Wagner aus dem Auto geschleudert wurde. Er blieb bewußtlos liegen. Bon dem Auto wuche die 26jichrige Elisabeth Jbr aus lljezd bei Pil- scn erfaßt und so schwer am Beine verletzt, daß eS im Pilsner KrankeichauS sofort amputiert werden mußte. Statistik der Untergangs. Die Aushungerung des deutsche» Judentums. Nachdem die Pogromnazis chrer Judenboykott-Attacke voni 1. April die überstürzte Kapitulation folgen lassen mußten, haben sie gelernt, mit stilleren, aber deshalb auch wirksameren Mechoden der jüdischen Konkurrenz an den Hals zu gehen. Man boykottiert nicht mehr mit lärmeichen Propagandagesten, man hungert die „Frenrdrasstgen" systematisch aus. Dieser Abwürgungsprozeß vollzieht sich, gleichsam an der Peripherie des erbarmungslosen Kultur- und RassenkampfeS, den die braune Barbarei entfesselt hat, mit unheimlicher, unfehlbar zerstörender Konsequenz. Ein Blick in die Nr. 5 des natürlich gleichgeschalteten Berliner„Konfektionär" vom 5. Juli, der größten deutschen Fachzeitschrift des Textilhandcls, zeigt daS in ihrer Rnbrik„Konkurse und Insolvenzen" durch die Unbestechlichkeit des statistischen Materials in erschütternder Deutlichkeit. Bon den ilnter„Zahlungsschwierigkeiten" veröfsent- lichten 44 Firmen sind mindestens 23 jüdisch. Sieben„illeu eröffnete Konkurse" werden verzeichnet; die betroffenen Firmen sind sämtlich Misch. Bon den acht Firmen, die in der Rubrik „Neueröffnete Vergleichsverfahren" geführt werden, sind 6 nichtarrsch; von 11 Firmen, die unter„Lauserche Vergleichsverfahren" verzeichnet sind, besitzen nur drei daS staatlich patentierte Rassediplom. Bei den„laufenden Konkursen" schließlich werden 12 Firmen aufgeführt. Sechs von ihnen sind jüdisch. So führen die tapferen Rassekämpfcr der braunen Unzivilisation unbarmherzig den Blok- kadekrieg gegen die jüdische Bevölkerung. Infolge der„Gleichschaltung" ist die Auflage de» berliner Tageblatt" von 120.000 auf weniger als 50.000 gesunken. Vor dem Hun- nenreginient war dieses große Tagblatt sehr stack im Auslande verbreitet. Heute hat eS nicht nur seine ausländischen Abnehmer eingebüßt, sondern auch viele inländische Leser verloren. Das gleiche ist bei der im gleichen Verlag erscheinenden„B e r- liner Volkszeitung" der Fall, Und ebenso sind andere, vor der„Gleichschaltung" weit verbreitete seriös« bürgerliche Zeitungen infolge des Rückganges der Abnehmerzahl schwer bedroht. Aber auch die ausgesprochenen Nazizeitungen gehen in der Auslage stark zurück. Bor allem ist eS bei diesen der Straßenverkauf, der nahezu ganz ausgehört hat. Während aber die Nazipresse aus staatlichen Mitteln finanziell über Waller gehalten wird, stehen andere Verlage vor der Liquidation. DaS„Berliner Tageblatt" sowohl wie die„Berliner Bolkszeitung" und alle anderen im Mosse-Berlag erscheinenden Bfätter sollen eingestellt und auch der Buchverlag sowie der Adreß- bücherverlag sollen nicht weitergeführt werden. Deutschland hat 66.1 Millionen Einwohner. Nach den soeben im statistischen Reichsamt zusammengestellten vorläufigen Ergebnissen der Volkszählung vom 16. Juni 1933 betragt die ortSanwesvnoe Bevölkerung des Deutschen Reiches ohne Saargebiet 65.3 Millionen Einwohner. Zusammen mit rund 800.000 Einwohnern deS Saargebietes, in dem nicht gezählt werden konnte, beziffert sich die Rcichöbevolkerung aus 66.1 Millionen Einwohner. Dieses Ergebnis bleibt um 1.7 Millionen hinter der Einwohnerzahl deS Deutschen Reiches vor dem Weltkriege zurück. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Freitag; Prag: 10.10 Konzert. 12.10 Schallplatien. 18.30 Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Rudolf Storch: Der Arbeitersport in der Tschechoslowakischen Republik und sein« internationalen Beziehungen; Bericht vom Arbeitsmarkt. 1925 Konzert des Salonorchesters. 20.20 Cembalokonzert. 20.45 Violinkonzert.— vrün«: 14.50 Konzert. 17.35 Frauenfunk. 16.25 Deutsche Sendung: SporKericht. 19.35 Bauernblasnmsik. 20.45 Hörspiel.— Wien: 15.30 Frauenstunde. 17.50 Berich- für Reis« uno Fremdenverkehr. 18.30 Musikalisches auS Dänemark. - BreSlau: 14.20 Opernchör«.— Mühlacker: 20.00 „Carmen", Oper von Bizvt.— Leipzig: 21.10 Konzert.— München: 20.00 Mandolinenkonzert.* Ein Sdianaaoknmcnt des mtlerwahns. Der Rektor Oer Universität TranKlurt lud das Professoren Kollegium zur Teilnahme an der Dfidiervcrbrennund ein! «r. IBS Freitag, 7. JuN 1988 Seit« 6 MslvraHe mit Aermel. Don Lorenz Löffelholz. Diese Geschichte hat den Anfang vieler Ge. schichten: ein Brief fiel durch einen Briefkasten. Acht Tage später fuhr der junge Mann, der der Empfänger war, zu einen» Familienfest nach Hause.-Er sah die Seine» nach langer Pause wieder, hatte teil an der Freude. Ein Onkel wollte die Stadt kenne»» lernen. Der junge Mann zeigte alles. Er erklärte die Stadt, die, bespickt mit hohe» Schornsteinen, die jetzt nicht rauchten, alles a»»dere als schön oder gar gesegnet war, nicht ohne Stolz, denn langer Aufenthalt, in der Fremde hatte ihr» zum Lokalpatrioten, sei»» Geburtshaus zum eigentlichen Mittclpu»»kt der Welt gemacht. Er»vußte von allen Gebäuden schönes zu sagen, kannte ihr« Geschichte und Geschichten, nur bei der Schule, die er besucht hatte, schwieg er. Es war ein imposa»»ter Bau, geschmackvoll in de»» Farben, i>» der Form geglückt, wie' eine Festung beherrschte er einen ganzen Stadtabschnitt— aber er war nicht stolz. Als sie wieder zu Hause waren, hatte er die Schule vergessen. Das Fest ging vorüber, die Gäste reisten ab. Nun, sagte er sich, Ware Einsamkeit nach dem Trubel angenehm. Das Gebirge hinter der Stadt lockte. Es war ihm Heimat. Jetzt fuhr er hinauf. In Aue verließ er den Zug. Es war Markttag. Um die Stände drängten sich Hunderte von unterernährt ouSfehenden Männer»»»»nd Frauen mit viel Verlangen und wenig Geld. Die Gemüse»»nd Früchte leuchteten und dufteten, aber den Käufern war eS wichtiger, daß ihnen die Ware nicht z»l knapp zugewogen wurden Sic paßten scharf aus. Der junge Mann ging weiter, daS Muldental hinauf. ÄuS den Fabriken drang kein Laut. In Sofa,«inen« alten Qnalort Augen und Lungen verderbender Heimarbeiter, waren Frauen über Perlenstickereien gebeugt, aber der Gastwirt, bei dem der junge Mann einen Teller Suppe aß, erzählte:„Die Weiberarbcet heert jetzt- aach uff. Und die Mannsei« verdien' schon lange nischt mehr.." So grau war der Eindruck dieses Wa»»dernS. Die Natur war frei, der Mensch unterdrückt. Zudem war der Ta^ wirklich grau, Luft uud Himmel von mcderdrückendcr Melancholie. Aber mit langen Wegarmen, die sich wie Spinnen um di« breiten Bcrgbuckel krallten, holte der AuerS- berg, das Abcnoziel, den jungen Mann trotzdem zu sich heran. So stapfte er vorwärts. Hinter ihm Verklang Hundegebell. Es war einsam. Hin und wieder schrie ein Bauer eincin andern etwas über- Feld. Ein paar Vögel flatterten. Holzwagen holperten mühselig. Bald umsing ihn die Ruhe deö Walde-. Er Hörste nur noch seine Schritte. ' Aber plötzlich war dq wieder jemand, bei einer Krümmung wie von unsichtbarer-Hand auS der Tiefe gereicht: hurrdert Meter vor ihm ein Mensch. Offenbar, keiner von hier, sondern ein Städter. Er lief in derselben Richtung. Der junge Mann wollte ihn überholen. Ging jetzt also schneller. Aber der andere sprach ihn an, wünschte wohl Unterhaltung. Ob sich da- Wetter bessern werde, ob er den Weg kenne. Ob er oft im Gebirge sei. Ter junge Malm antwortet« kaum. Der andere gefiel ihm nicht. Gespräche ohne Sinn mochte er allgemein nicht leiden. Um wieviel weniger jetzt. Der andere redete und redete. Mer sprach er a»»ch inS Leere, so nahm der junge Man«» doch den Klang der Stimme auf— und d»c, schien cs ihm, hatte er doch scho»» einmal gehört Jetzt sah er den Fremden näher an. Uno er erschrak. Er hatte ihn erkannt. — wie ihn auch der aridere erkannt hatte, denn der ließ jetzt seinen Redefluß zur Frage schnellen:„Ueberhaupt, hörensemat, sind Sie nicht, ungefähr in den KriegSjahren, so von Quarta bis Untersekunda, mein Schüler gewesen? Mein Name ist Aermel, Professor Aermel. Sind Sic nicht?"— und der junge Mann hörte sich beim richtigen Namen genannt. Der Tag war ih»n verdorben. Aermel war ihm der Jnbegriss der Bösartigkeit gewesen. Er 'sah jetzt die Schule vor sich, die imposante, schöne, in Farben»»nd Forme»» geglückte, wie ihm klar war, warm»» er nicht stolz auf sie sein konnte—. Man denkt nicht so fein wie man spricht. Man sst in der Wirklichkeit nicht so tapfer wie in der Phantasie. Der junge Mann dachte: Und der Lump geht m»n neben mir. Man müßte ihm «ine herunterhauen. Er hatte den Lehrer gehaßt, wie mau nur einen Mensche»» hasse»» kann. Der da hatte ihm di« Schule verleidet, damit die Jugend, ein gan- zcS' Stück Leben, ein so wichtiges Stück Leben. Alle- stand jetzt vor ihiu: Wie der in einer einzigen, fehlenden, mißlungenen oder nicht ganz treffenden" Antwort eines Schülers eine»» Beweis für dessen moralische und intellektuelle Minder- wertigkeit sah; wie der Aer»nel dann, das Gesicht zu einem frech«»» Grinsen verzogen. daS Notizbuch, so ein kleines schwarzes, herauSzog und den stereotypen Satz fletschte:„Hat schon eine Vier dastehen— wird wohl Ostern nichts werde»» mit der Versetzung!". Und der junge Man»» dachte a»i di« trockene, humorlose Art dieses Unterricht-, die all« Freude am Wissen niit Kenlrnschsägdn vertrieb und daS Leben eher hassen als lieben lehrte, so daß er erst jetzt, als fast Dreißigiähri- ger, begann, die Welt In ihrer Schönheit zu sehe»»——. Wer der andere merkte Nichts Er schwatzte weiter, unentwegt. Während der Nebel wolkig und streifig die Berge cntlangfetzt? und do« Ziel, den AuerSoerggipfel, in ein weißes Meer hüllte Äonntasskreude» eines Ehemannes(mit Kind) oderr Besuch in SchSttbru«« Ai» einem Sonntag standen»vir alle, näm- meine Frau, der vierjährige Peter und ich, zum Ausgehen bereit. Wir wollten nach Grinzing fahre»«, da« nach stundenlanger, aufregender Debatte als Ausflugsziel gewählt wonen war. Da klingelte cs schrill an der Türe und nichts Gutes ahnend, öffnete ich. Ha!— Schwiegermiutcrlein lächelt auf der Schwelle, im Sonntagsstaat, mit Regenschirm, in der Handtasche ein halbes Kilo Zuckerln und sechs verschiedene Medizinfläschchen. „Wohl»» geht ihr?" „Nach Grinzing." „Ich wollte heute eigentlich nach Schön« brunn fahre»«..." „Laß dich nicht aufhalten!" entfuhr es»nei- nen hart aufcinandcrgcbisicnen Zähnen. Meine Fra»» gab mir einen Rippenstoß und sah mich strafend an. Aber rS»vor schon zu spät. Schwie- germütterlein hatte bereits Tränen in den Augen und schluchzte:„Um»»»ich kümmert sich keiner. Weil ich immer so schlecht z»l Euch war, waS? Dor drei Jahren—" „Ja, ich weiß, da hat der Peter Bauchtveh gehabt u»id Du hast ihn gepflegt. Und deswegen soll ich jeden Sonntag—" „HanS, ich bitte Dich—!" flehte meine Frau. „Wenn ihr wieder zu streiten beginnt, gehe ich auf und davon!" „Wer streitet denn? Ich möchte nur gern den Sonntag einmal im Kreise meiner engere»» Familie verbringen. Oder ist«S ein Verbrechen, wenn—" „Ich will auch nach Schönbrunn!!" brüllte der Kleine.„Ich will zu die Tiere! Die Omama soll»litkommru...!" Aber ich beschloß diesmal nicht nachzugeben und so führe»« wir alle vier nach Schönbrunn. In» herrliche»» Park hatten sich die aufgeregten Geinüter bald beruhigt. Sie kan«ei» erst wieder etwas in Wallung, als Peter mit OmamaS Schirm eine Scheibe des Palmenhause» einschlug. Aeußcrlich schimpfte ich mit dem Jungen, aber innerlich freute ich mich diebisch, denn ich hatte vor fünf Minuten gesagt, man solle ihm den Schirm nicht leihen, e» könne ein Malheur passieren. »Aber nein, Peterle gibt schon acht! Peterle iS doch braverlel", batte mir die Schwiegermutter wie immer«vidersprochen. Noch dazu in ihrer verzärtelten Art, wie wenn fie zu einem Idioten spräche. DaS Kind fand an dieser ,,-erle" Sprache maßlofeS Vergnügen, mich machte sie wahnsinnig. Jetzt kam der Aufseher gerannt und verlangte die Bezahlung der Scheibe, die zum Glück nicht sehr groß war. „Wieviel?", fragt« Schwiegermütterlein, die den aufgeregten Wächter nicht verstanden hatte, iildcm sie nach ihrer Börse griff. „Zehn Schillinge»:!«!", wiederholte ich laut und deutlich und wandte mich ab, um durch mein aufreizende« Lächeln die Situation nicht zu verschärfen. Wir begannen unsere»« Rundgong bei den Vögeln. Beim Storch rief Peter:„Schau Papst! Der hat nur e i n Bein!" „Nciir, Liebling, der hat zwei. Er steht nur auf einem." „Warum steht er dann auf einem, wenn er zwei hat?" „Weil—", aber mir fiel momentan nicht» ein. Die Leute um unS lachten. „Wahrscheinlich hat er doch n»»r«in Bein und du weißt eS nur nicht", fuhr Peter altklug fort. Neuerliches Lache» der Besucher. Ich be- zwang ineine Wut und versuchte die AutoritätS- walze einzuschieben: „Wenn dir der Papst etwa» sagt, kannst du eS ihm glauben!" „Aber ich sehe doch nur ein Bein!" schrie der Lausbub plötzlich.„Schau her, die andern haben auch nur eine»!!!"... Zufällig standen sämtliche Störche auf einem Bein. „Dummer Junge", erwiderte ich, riß der Schwiegermutter den Schirm au» der Hand»»nd machte mit ihm gegen das Gitter:„Ksch!". Aber die Beaster rührten sich nicht. ,Kischi Ksch! Ksch!!!" brüllte ich und fuchtelte wie verrückt mit dem Schirr» vor dem Gitter herum. Endlich erhob sich der vorderste Vogel und schritt gravitätisch— auf zwei Beinen— nach rückwärts. „Na, stehst du!" sagte ich triumphierend zu meinen» Sohn.„Was habe ich dir gesagt—?!" „Fünf Schilling Strafe—", brummte eine dumpfe Stimme neben mir. Es schtvang in ihr ei»« zarter Duft vo»»» Rum. Etwas blöde starrte ich der Stiunnr, die unter einer Amt-kappe her« vorkam, ins Antlitz..„Können S' denn net lesen...? Tas Necken der Tiere ist strengstens verboten!" und jedem Blick entzog. Während Wasser in hundert Silberlinien zu Tal gurgelte und spritzte. Während Rege»» rieselte. Während Wind die Bäume packte und zauste. Dem Aermel troff eS au» dem Mund. Ter junge Mann fragte sichl Wäre jetzt nicht die Stunde der Abrechnung gekommen? Doch eS dauerte noch lange, bis er von dem, waS ihn bewegte, etwas über die Lippe»» brachte. ES saß ihm wohl immer noch die Angst, der Respekt i>» den Knochen. Er verwünschte diese Angst, diesen Respekt, aber Angst und Respekt blieben, zu seinen Knochen hatte er keinen Zutritt. Dann ober, der Gipfel war fast erreicht, mußte er doch Farbe bekennen. Denn unvcrmn- „Abrr ich habe doch gar nicht—" „Waas— Sie haben nicht?! I hab doch ganz deutlich gsehgn, wia S' mit dem Schirm da Ksch-.Kisch g'macht hab», daß unser Pepperl (er meinte vermutlich den Storch), ganz erschrok- ken davong'flogn' iS—! Wo er eh herzkrank iS. Also zahl» S', oder zahl» S' net—?!" Genau besah er die fünf Schilling und sagte noch zum Abschied amtlich drohend:„Ich mache Sie aufmerksam, sollte der Pepper! in der nächsten Zeit a n Folge des Schrecken» cingehen, so sind Sie für den entstandene» Schaden selbstverständlich haftbar." Salutierte und entfernte sich würdevoll. Unauffällig bahnt« ich mir einen Weg durch die neugierige Mcnge. Bor dem Affenkäfig fand ich meine Familie»nieder. Sie hatte sich in- vvischen um Tante Mea vermehrt. Diese Tante Mea(möge sie ruhig diese Zeile» lesen!) ist klein und rund wie ein Eidamer Käse, hat rote».Haar, die in zierlich« Sommersprossen übergehen, ein Pferdegebiß, Augen wie ein Frosch und eine Zunge, die sie zu einer furchtbaren Waffe ausgebildet hatte. Obwohl Tante MeaS zweite und auch die dritte Jugend weit hinter ihr liegen, benimmt sie sich auffallend wie ein Backfisch und ist überzeugt, daß alle Männer in sie verliebt sind. Aber Tante Mea ist auch sehr tvohlhabend und wir durften hoffen, später einmal etwas von ihr zu erben.(Zumiudest das HochzeitS- gescheick, da« uns Onkel Harry— Mcas Gatte — vor sechs Jahren zugesagt hatte, bis ihn ein sanfter Tod von scinein Versprechen erlöste.) ES »var deshalb nur selbstverständlich, daß ich Tantchen freudenstrahlend begrüßte, denn in diesen schlechten Zeiten durfte man auch die geringste Zubuße nicht verachten. DaS war ich schon meinem Kinde schuldig. Darum»nunterte ich es jetzt auf:„Na, gib schön der Tante die Hand!" und fo »vanderten wir— ich link», sic recht-, Fra»» und Schwiegermutter rückwärts—, von einem Käfig zum andern. Bei den Giraffen brach Peter in den Jubcl- r»»f auS:„Die schonen Kamele!", die Elefanten entlockten ihm ein: ,Hö, die großen Löwen!"—. wir amüsierten un» köstlich und der Tag schien einen harmonischen AuSklang nehmen zu wollen. Bei den.Haustieren kannte sich der Junge schon besser auS. „Ist das eine Ziege?" fragte er Tante Mea. »Ja, Burschi."„Und die kleine?"„Dar ist eine junge Ziege."„Und die große?"„DaS ist eine alte Ziege", erklärte die Tante, gerührt über soviel Intelligenz. „So wie du??" fragte Peter ahnungslos und blickte Tante Mea fröhlich in dir hervorstehcnden Augen. ErbtantchcnS Antlitz verfärbte sich violett, mir wurde e» schwarz vor den Augen, ich riß Peter zurück und stöhnt«: ,^Bist du dumm?! WaS fällt dir den ein, so unartig zu sein?!" „Aber du sagst doch immer: Tante Mea, diese alte Ziege—", heulte der Bub. „So!", lächelte sic zuckersüß und ich sah dabei deutlich, wie sic mich enterbte.„?lh, das ist ja sehr nett!" „Gelt?!", weinte Peter,„wir haben auch immer furchtbar gelacht und jetzt auf einmal ist Papa bös...." „Schweig! Lausejunge! Sonst kriegst du eine Ohrfeige, daß du—" „Aber.Hans!" eilte ineine Fra»» herbei,„beherrsche dich doch! Ein Kind zn schlagen!" „Na, iS schon dut", tröstete Schwicgcrmüt- tcrlcin,„»»ich weinerle, will Bubi ein D»»zi?" „Nein!!" stampfte der Bengel auf, riß ihr die Tasche au» der.Hand und schleuderte sie in den gegenüberliegenden Käfig, mitten unter die Affen. Die stoben zuerst erschreckt auseinander, stürzten sich dann wie toll darauf, zerfetzten sie, balgten stch kreischend um die Zuckerln, gossen den Inhalt der Medizinfläschchen in den Sand, spielten mit den Stücken Ball— so daß der Käfig im Nu einem irrsinnigen Hexenkessel glich.■- Während sich die Zuschauer vor Lachen bogen, meine Fra» weinte, Peter brüllte, Tante Mea grimmig schaute und die Schwiegermutter mit hilflosem Blick nach dem Tohuwabohu immerzu:„Diese dummen Affen..." murmelt«, flüchtete ich mich in ei»« einsaincs grünes Hänschen an» Wegrand, auf dem„Für Herren" stand. Dort blieb ich, bis es an ineine Türe klopfte und eine alte Stimme höflich fragte:„Entschul- digcu S' scho, gnä Herr, daß ich störe—: Branchen S' no lang... I»nuaß nänrlich znasperrn!" Ich drückte der guten Alten einen Schilling ui die Hand und strebte scheu und unerkannt den« Ausgang zu.Hanns Leo Reich. li fragte Aermel:„Sie denken doch, nicht wahr, 'i an Ihre Schulzeit zurück?" Der lunae Mann antwortete:„Nein." Jetzt fielen die Sähe»vie Steine. „Das ist doch beinahe ungehörig."- „Mir glcichgiiltig. Jedenfalls ist cs wahr." „Ja»vicfo denn nicht?" „Weil Sie»ins nur das Skelett des Lrbeus, abec nie das Leben gezeigt haben; nur das kitschige Abbild der Kirnst, aber nie die Kunst selbst; weil Sie aus der Natur eine« Schulgarten gemacht haben;»veil Sie uuü ei»» Geschichtsbild entwarfen, auf dein nur Könige, nie Völker eine Rolle spielten;»veil Sie uns einen Patriotis- »nuü lehrten, dessen Grundlage nicht die Liebe zur Heimat, sondern die Verehrung von Kaiser und Kanonen bildete..." Immer»nchr hatte»« sich AermclS Augen geweitet. So frech hatte noch keiner seiner Schürer je zu ihm gesprochen. Der Mund stand ihm halb offen, dann quoll eS heraus: „Aber Kunst, das hätten Sic doch in dem Alter gar nicht verstanden. Und daß ich einen vaterländischen Unterricht gab, war doch eine Sekbstvcrständlichkcit. Dafür war Krieg. ES gab ja tit diesen Jahren überhaupt so»venig regelmäßigen Unterricht: Sic hatten Kohlenferien, daun mußten Sic Erntcnothilfc machen, die Vie, len Straßensainmlungen, in« städtischen Kartoffellager in Hilbersdorf tvaren Sie wahrscheinlich auch zur Hilfe. Und»var e» nicht schön, toi« wir auf den Karten in der Klasse entsprechend dem siegreichen Vormarsch der Truppen di« FroM mit Fähnchen abgesteckt haben?" „Aber Sie haben uns gleichzeitig zu Chauvinisten erzogen oder un» doch dazu erziehen wollen, und bei den meisten ist es Ihnen ja auch gelungen." „Ich habe die Richtlinien nicht überschritten. Ich bin Patriot." „DaS sind andere auch." „Die Hauptsache ist, daß Sic in der Schule gelernt hab«»», wissenschaftlich zu dcicken." „Sie haben mit Ünliist gelehrt, wenn Sie nicht grad vom Kriegsschauplatz, den Sie nie gesehen haben, sprachen— wie konnte man da mit Liebe bei der Sache sein!" „Die Unlust kam daher, weil Sie nicht» al» Dummheiten im Kopse hatten." „Aber cs gibt doch noch Lehrer, die ihre Schüler auch außerhalb eine» KriegSthema» zu fesseln vermögen." „Jeder hat eben so seine Art. Ich habe meine. Richtig undankbar finde ich Sie. Vrauch mich aber nicht zu»vundcrn. Mit Ihnen war schon in der Schule nicht viel los. Das habe ich ja immer gesagt, daß aus Ihnen nicht->vird." „Ja, daS haben Sie immer gesagt. Und wa- Sic damit für Minderwertigkeitsgefühle geschaffen haben, da» scheint Ihnen heute noch nicht klar zu sein. Dankbarkeit verlangen Sie! Soll ich Ihnen dafür dankbar sein, daß Sie un» gequält und gehöhnt haben? Daß ich bei Ihnen nicht- lernte? Daß ich Sic al» meinen Feind empfand? Hört denn eine gewisse Gruppe von Lehrern— ich weiß, daß e- auch andere gibt—: hören Sie denn nie auf, die Schuld immer nur bei den Schülern, nie bei sich selbst zn suchen?" „Aber ich sage ja, dafür war Krieg. Da waren unsere Gedanken und Interessen' eben»vo ander-." „Nun, ohne daß ich Sie ohne das Zwischenspiel de- Krieges für einen begnadeten Pädagogen halten köuntc, gebe ich diesen negativen Einfluß gern zu. Mer daun wollen wir das doch auf alle Fälle scsthaltcn:»vicdcr der Krieg!" Entsetzt blickte jetzt Aermel seinen„Schüler" an:„Ach, Sie sind Wohl Pazifist?" Und der junge Mann anttvortete freimütig:„Ja." Da fehlten dem Aermel»vcitere Worte. Hart steckte er den Wandcrstock in die Erde, Stück um Stück. Er sagte gar nichts mehr, dachte nur verächtlich: Wahrscheinlich Jude—. Endlich waren sic auf den« Berggipfel ange- komincn; noch imnier nebelte eS. Im Berghotel, in dem sie beide übernachten wollten, aßen sie zu Abend. Dann schrieb sich der Lehrer in» Gästehuch ein, setzte vor seine»» Namen:-Heil Hitler; trotz alledem!—, steckte sich eine Zigarre an und las die Zeitung. So hatte ihn der lungc Mann früher oft in der Straßenbahn gesehen, sie hatten einen gemeinsamen Schulweg: Lehrer und Schüler,-Herr und Knecht, daS Spicßergcsicht hinter der Zeitung, die Kindcraugen in der lateinischen Grammatik... eS schüttelte ihn. Er wollte ihn jetzt nicht mehr länger sehen, wünschte Gute Nacht, Profisssor Aermel erwiderte den Gruß höflich. Danr» ging der junge Mann hinauf auf sein Zimmer. Es dauerte lange bevor er cinschlafen konnte. Und als daS Oberbewußtsein endlich abgeschaltet war, sand er noch keine Ruhe— sondern federte von einer Seile zur andern und sah im Traum: den Aermel das Katheder- den Aermel hinter dem Katheder dieses schadenfrohe, gemeine Gesicht, daS ihn -"drängte, wie eine Peitsche schlug die Zeitung, die Straßenbahn', das Gesicht, •’pfenbe Soldaten, die Zeitung, das Gesicht— da sprang er auf das Taschenmesser in der Hand stach er auf?lcrmcl ein und sah rot Er mußte»vohl im Schlaf geschrieen haben denn die Tür öffnete sich, Aermel, den er gewccki hatte, stand in» Nachthemd da und fragte, Wae loL sei. Der junge Manu anttvortete schroff:„Ich habe Sie erstochen." Da knallte ein schrilles Lachen über den Flur, Aermel schüttelte sich, so ein guter Witz »var ihm lange nicht erzählt worden, allo so ein Phamast»var dieser Bursche. Ta»»»« schloß er die Tür. Das Lachen war das letzte gewesen, waS dc junge Ma>«>» von seinem Lehrer sah und hörte. Als er am nächsten Marge»« unten am Früh- stückstisch erschien, war Aermel schon über alle Berge. Sri«« 6 Bttltag, 7. 3nH IMS Nr. 158 „Cafard“ Deuisdie Eml^mnilenschfififsaSe. Bon Ellen WIlkinson. „Cafard" ist die höfliche französische Be- zelchnung für ein lästiges kleines Insekt, das einen nicht ruhig dasiben und in Frieden lassen will. In der französischen Fremdenlegion sagt man, wenn einer von einer an den Wahnsinn grenzcndcn Unruhe befallen wird,„II a un cafard". Unter den deutschen Flüchtlingen in Paris ist„Cafard" der technische Ausdruck für jene gefürchtete Emigrantenkrankheit geworden: Unfähigkeit, sich mit irgendetwas ruhig zu beschäftigen, sich zu konzentrieren, Zwang, immer und immer wieder über Dinge der Vergangenheit zu diskutieren. In Pariser CaftS sind für die Emigranten zugleich Segen und Fluch. Hier kann man wenigstens mit seinen Freuden Zusammensein und reden. Aber haben diese endlosen Debatten einen vernünftigen Zweck? Hatte Ruth Fischer im Jahre 1923 recht? Wäre nicht eine Einheitsfront ein Ausweg gewesen? Hätten die Sozialdemokraten am 20. Juli nicht kräftigere» Widerstand leisten sollen? Bereits um 10 Uhr vormittags kommeu sie zusammen. Waü sonst sollten sic tun, außer stundenlang im Hilfskomitee zu warte», das Unterstützungen auSteilt, die für ein Zimmer und ein paar Tassen Kaffe, aber nicht für angemessene Nahrung ausreichen? An unseren Tisch kommt ein deutscher Professor, der an der Spitze eines berühmten Instituts für Wirtschaftsforschung gestanden>var. Jahrelang führte er ein ganz von Arbeit ausgefülltcS Leben, Nun ist die Uhr für ihn stchcngcblicbcn. Er kann nur hcr- umsitzen und versuchen, aus dem Gedächtnis einen Katalog alle jener kostbaren Mannskrivte und seltener Dokumente zusammenznstellen, die die Nazis vor seinen Augen am 12. Mai verbrannt haben. Er hat einen„Cafard". * Diese Cafes sind schlecht für die jungen Leute. Warum kommt ein entwurzelter Schriftsteller weit rascher herunter als irgendein anderer beruflich Tätiger, obwohl er doch noch sein Gehirn, seinen Bleistift und sein Schreihbeft hat? In Montparnassc gibt cS ein Cafü, ununterscheidbar von den üblichen Stuhl- und Tischreihe» auf dem Gehsteig, da« mir das Tor der Hölle zu fein scheint. Jawohl, ich weiß, daß das schrecklich nroralisch und spießbürgerlich klingt. Tiefes Cafü ist der Jagdgrund aller Arten sexual Perverser, die es gibt. Wenn ein junger Literat seine Emi- grantengruppc verläßt, dis für ihn tioch so etwas wie ein Heim bedeutet, und hier gesehen wird, dann sagen seine Freunde bedauernd nicht „II a un cafard", sondern... Und unabänderlich kommt die Antwort.„Was ist da zu machen?" Die französische Regierung hat sich politisch großnlütig erwiesen, indem sie Flüchtlingen mit den nnvollkommenstcn AusweiSpapicrcn den Aufenthalt gestattete; aber da ihre eigenen Arbcitslosenziffcrn von Woche zu Woche steigen, kann sie nicht allzu vielen ArbcitSbewilligungcn gewähren. Alfred A>l f h ä u s c r, der die Gc- wcrkschaftshilfc organisieren soll, ist sich der drohenden Gefahr voll bcwllßt.„Wir müsicn irgendeine positive Arbeit in Gang bringen, irgendeine Arbeitsgemeinschaft, und wäre cS auch nur, um unsere Bedarfsgegenstände selbst hcrzustellen. Wenn wir nur Geld hätten. Wir können doch diese jungen Leute nicht ganz auf den Hund kommen lassen." * Diejenigen halten das Emigranlenleben am besten aus, die an disziplinierte Zusammenarbeit gewöhnt sind. Instinktiv scharen sie sich zu einer Gruppe zusammen. Maas, einer der lustigsten „Onkel" des deutschen Radio, der von einem Ei, einem Brötchen und soviel Kaffee lebt, als er erschwingen kann, entfaltet eine gewaltige Energie, um ein„Theater der dcutsck)cn Emigranten" ins Leben zu rufen. Jemand hat ein Theater für Proben zur Verfügung gestellt. Die Pitoeffs und Gaston Baty haben dem Unternehmen ihren Segen erteilt. Vierzig Darsteller proben bereits die Stücke, die die Nazis in Deutschland verboten haben. Namen wie Rudolf Leonhard, Josef Roth(Verfasser von Romanen wie „Radetzky-Marsch" und früherer Feuilleton-Redakteur der„Frankfurter Zeitung") und Gustav Regler(Verfasser von„Wasser, Brot und Bohnen") stehen auf der Liste der Emigranten- 'Äutoren und Regisseure. Wenn das Untcrnch- mcn Erfolg hat, werden wertvolle junge Deutsche vor dem Grauen des„Cafard" gerettet sein. * Es war lehrreich, im Gegensatz zu den Intellektuellen das Leben der der Arbeiterklasse angehörenden, Flüchtlinge zu beobachten, die kein Geld haben, um nach Paris zu fahren, und sich unweit der Grenze aushalten. Ich reiste ins Saargebiet, wo das Hilfskomitee, dessen Vorsitzender in Paris Professor Einstein und in London Lord Marley ist, arbeitet. Hier war keine Zeit für„Cafard". Diese Arbeiter ans dem Ruhrgebiet, aus Chemnitz, aus Schlesien, lebten in den ersten Tagen von dem Ertrag der Santmlungen unter Arbeitern, die fast so arm waren wie sie selbst. Ich teilte ihr Abendessen, bestehend aus einer Art Salat aus kalten Kartoffeln und Wurst, Nur eine Portion dieser einen Mahlzeit ist erschwinglich, bis aus dem Ausland mehr Geld einlangt. Mit großem, Stolz nahmen sic mich auf einen kurzen Spaziergang in die llnigebnug mit, wo sie in einem Schwcizcrhaus mit großem Garten, das ein Eisenbahnpensionist zur Verfügung gestellt hat, ein Kinderheim cinrichten zu können hoffen. Alle zur llmgestallung nötigen Arbeiten werden von stämmigen, ernsten deutschen Arbeitern verrichtet, die fliehen mußten, weil sie In der sozialdemokratischen oder kommunistischen Partei oder in der pazifistischen Bewegung hcr- vorgctrctcn waren. „Wir können hier mit zweihundcrtfünfzig Kunst und Wissen Sommertheater in der Kleinen Bühne. Allabendlich bemüht sich jetzt, recht mit Erfolg, ein Wiener Kleinkunst''''dstueble von betont u»nordischem Charakter, d... Stunden lang jenen bessere Stimmung beizubringen, die Liber das Wetter, über noch oder ganz mangelnden Urlaub und über dir goldenen Zeitläufte, in denen wir leben, mißvergnügt sind. Herzliches Lachen envirkt vor allem Franz Engel, sowohl als einfallsreicher, amüsanter und sympathischer Conferencier, als auch mit der Darstellung kleiner witziger Szenen und schließlich eines jüdischen Offiziersdieners ans dem alten Oesterreich. Bemerkenswert ist, daß die Truppe neben ihre» Schwänken, Lozzclachs und Schmonzellen auch eine, trotz ihres Titels,„Ter Mann, der lacht" durchaus ernste Szene, ernstestes Theater bringt; Carl Aoldner bietet als der Mann, den Erlebnisse in Schule, Krieg, zivilem Leben und fragiler Liebe auf tragische Weise lachkrank gemacht haben, eine tief« uiid zugleich virtuose Leisluug. Man kann den Wiener Künstlern recht von.Herzen dafür dankbar sein, wie sic mit dieser Szene die Berührung der Extrem« auszeigen; sonst sorgen sie dafür, daß man Tränen lacht; Carl Golduer aber weint Lacher, die Erschütterung und Mitleiden auslösen. Schon um dieser Schauspielers willen lohnt der Besuch des Abends,-an dem aber, im heiteren Teil, noch andere Prächtige Leistungen zu verzeichnen sind. Bor allem Frau Seidner Ist in einem kleinen Einakter, eigentlich einer Solafzenc(„Im Coups"), überwältigend komisch, und Armin Springer, denr Bekanntesten und Beliebtesten, begegnet man immer gerne wieder. 1. p. Mitteilung am Dem PubMum. Wichtig siir jede Frau ist dar gute Aussehen und der natürliche Glanz des Haares. Als besonders wirksam rmpschlen wir Ihnen das Haar- glauz-Schaumppn„Schwarzkopf- Extra".„Haarglanz" erfrischt das Haar und hält cs gesund. 20-19 Ser Kamps mit dem Drachen. Bon Hedwig Erck. Hier also sollte ich nun monatelang, vielleicht sogar Jahre, tvohncn. Eben war die biedere Frau Vanek mit dein ersten Mietzins aus dem Zimmerchen gerollt, das von nun an meins war. Gerollt? Ja, Fran Vanek gleicht einer Kugel, einem Wollknäuel; so rund ist sie und so weich-wollig in ihrem ewigen Strickkleid. Und dies ist nun mein Zimmerchen. Von den vielen, die ich mir vorher angesehen habe, noch das erträglichste. Fast keine gehäkelten Deckchen, keine Heiligenbilder in Buntdruck, keine verschossenen Portieren und verblichenen Seidcngardincn, eine einzige Base mit Papierblumen, nur,— wie soll ich das beschreiben?— also kurz: ein Porzellanschwcinchen gibt cS noch, ans den Hinterfüßen stehend, mit einem rosa Ballcttröckchcn angetan. Das muß weg! Vorsichtig hebe ich es vom Wandbrett herunter, stellte cs auf die Plüschtischdecke. Meine Finger sind ständig. Ich tverde cs nachher gleich Frau Vanek sagen, daß sic da« Tier entfernt... Doch Frau Vanek ist nicht zu Hanse, wie ich gehe. Und anz Abend steht mein Schweinchen, sorgfältig abgestaubt, wieder auf seinem Ehrenplatz. Am nächste» Tag dasselbe Spiel. Nur daß Frau Vanek mich jetzt schon etwas ungnädig anschaut.„Jeden Tag abstanben, das ist doch wohl nicht nölig," meint sic, und bevor ich bescheiden meine Bitte um Entfernung des Untiers äußern kann, ist sic wieder yinausgerollt. Und wie das so geht... ich weiß nicht, ob andere„möblierte Damen" auch im Laufe der Jahre so feige geworden sind wie ich, aber ich kann nun mal Ziinmervermietcrlnnen gegenüber keine Biften mehr äußern, wenn sic das Fwnken für jede« Kind im Monat das AuSlan- geu finden", sagte die ruhige tüchtige Frau, die das Kinderheim leiten wird. Sie stand früher an der Spitze einer großen deutschen Klinik. „Glauben Sir, daß sich in England Leute finden werden, die nns eine Zeitlang drei Pfund im Monat für unsere Kinder senden?" Ick) schaute den Männern zu, die die kleinen, lächerlich billig erstandenen Eiscnbetten weiß lackiertet» und andere notwendige Arbeiten verrichteten. Einer legte für eine Minute den Hain» n»er weg, um sich den Schweiß von der Stirne zu wischen. Sofort ergriff ein anderer Flüchtling, der ihm bei der Arbeit zngeschcn hatte, das Werkzeug. Unverkennbar war seine Freude,»venu auch nur für ein paar Augenblicke eine»« Hammer zu schwingen. In meiner Kehle krampfte sich etwas zusammen... Aber immerhin sagte ich einem Schicksal Dank, daß diese prächtigen Arbeiter, mag ihnen Hunger auch nicht unbe- I könnt sein, wenigstens vor dem Grauen des '„Cafard" bewahrt hat. Spart* Spiel* Körnerpflene Eine Auswahlmannschaft der Arbeiterfußballer Niederösterreichs(Basö) spielt morgen Samstag in Prag auf dem Hagiborplatz beim jüdischen Friedhof gegen den tschechischen Sportklnib Slavia 2iAov. Anstoß nm halb 6 Uhr abends Spielt Handball!— Eine Werbeschrift der Ar- beiterhandballrr Oesterreichs. Ter Arbciterhandball. verband in Dien hat eine mit Bildern auSgestaltetc Broschüre herausgegeben, die den Ztveck hat, für den Handballsport zu werben. Sie zeigt, welchen Wert der Handballsport als Massensport hat. Handball spielen nicht nur Männer. Dieser Sportzweig ist besonders gut geeignet, auch Frauen zu sportlicher Betätigung heraiyuziehen. Um weitere Kreise für diesen Sportzwcig zu gewinnen, wird außerdem noch eine Werbeaktion des Arbciterhanddallverban- des durchgeführt. Ten bei tretenden Vereinen wird die Eildschrei-bcgebnhr erlassen, bekommen Gelegenheit, »nährend vier Wochen nncntgoltlich zu spielen und außerdem wird ihnen der Verband eine»» Trainer zur Verfügung stellen. Diese Mnßnahiiicit sind sicher geoignet, viel« naue Vereine für den Haud- ballsport zu gewinnen. Schweizerisches Arbeiterturnsest 193k. Der Salus führt im Jahre 1931 das 6. Schweizer Ar- beiter-Turn- un-d Sportfest vom 20. bis 22. Juli in Luzern durch. Da sich' all« Sparten und UntciÄevbände daran beteiligen»verden, wird das Fest zu einer gewaltige»» Demonstration für den Arbeitersport in der Schweiz. Die Vorarbeiten wurden bereits in Angriff genommen. Radrennen der österreichischen Arbeiterradfahrer. Das Triestingtal-Rennen über 60 Kilometer gewani» der Wiener Schmaderer-(Straßenbahn) in 1:-1-1.30. — Das Rennen„Rund um den Schneeberg über 105 Kilometer gewann bei den Hauptsahrenr Häfner(Freiheit Wiens in 3:26:55.4; bei den Juniore»» siegt« Heyna kStraßenbahn Wien) in 3:19:55.-1. MrgtrMiar Sport» Hilde Holossly, die bekannte österreichische Eiskunstläuferin, ist in Wie»» erst tkjährig an einer Blinddarmentzündung gestorben. erstemal ungnädig gcivorden sind... ich beschließe, eiire andere Taktik anzuweitden. Aus den Augen»nuß das Porzcllanvich, das mir immer furchtbarer in feiner rosaroten Rundlichkeit vorkommt. Bevor ich morgens das Ziin- »ner verlasse, verschwindet cs ganz hinten in eine Nische hinter dem Ofen. Hoffentlich fragt Fran Banek nicht,>vo es geblieben ist. Nein, Fran Banek fragt nicht. Sic braucht nicht zu fragen. Am Abend steht mci>» Schweinchen»vieocr lustig tanzend ober» auf dem Wandbrett! Nun beginnt ein täglicher Kleinkrieg, ein gegenseitiges llebcrlisten. Aber ich muß gestehen: Fra»» Banek ist mir entschieden überlegen, obwohl meine Verstecke jeden Tag raffinierter anS- acwählt werden, obtvohl ich»»»ich nicht scheue, das Porzellanvich schließlich sogar in jenem stillen Oertchen untcrzubringcn, von dem»»»an in» allgemeinen nicht spricht und noch»veniger schreibt. Frau Vanek braucht diesmal zwei Tage, uin ihren Liebling»viedcrznsindcn und ihn triumphierend wieder ans seinen Ehrenplatz zu stellen.„Lassen Sie doch die Spielerei mit der NiPpcSsjgnr," sagt sic mit leichtem Groll,„ich finde sie ja doch immer wieder." Verflucht sei meine Feigheit, dir mich nun nicht den günstigen Augenblick wahrnchmen und Fra»» Va»»ek das Geständnis mache»» läßt, daß dieses Schweinebicst allmählich anfängt, mir das sonst so gemütliche Zimmerchen verhaßt zu niachcu! Verflucht sei meine Feigheit, die Nlich zehn Minuten später verführt, dieses rosarote Porzcllanvich mit aller Wucht auf den Boden zu schleudern, daß cs in tausend—— nein, tausend Stücke waren es nicht. Es fällt auf den Teppich, bricht sich nur zwei Beine, das Genick»lnd verliert einige Ecken seines Ballett- röckchens.... Aber hin ists doch! mwWWWWmWWWWWMMMMU PBACEB Mime. Unser Blatt der„Sozialdemokrat“ ist in Prag in folgenden Berfchieitzstellen zn haben: Bahnhohbuchhandlunt, Wllionbahnhof, Masaryk- bahnhof, Donlsbahnhof. Bartdk, Trafik, Prag II., TySnov 2. Burok Hugo, Trafik, Prag I„ StaromSstaki nä- mSstl 82. Hodrova, Trafik, Smiohov, niibr. Icgll IX Jolinkova, Trafik, Nuslo II„ Mostno domy..Re- formy“. Kotyza Jan, Trafik, Sinfchov, Zborovakä tf. 15. Krauuova A„ Trafik, Karlin, Krdlovakä 14. KreJSik A., knihkupcctvl, Prag-Lieben, Krälov- skd 1511. Kroupa.llndr., Trafik. Prag II. RaSlnovo nibf. stdnek 114. LDwcniobn Karl, Trafik, Prag II., Nckaianka 8. Marrs Joict, knihkupcctvl, Prag-BubenB, ul. Dr. Brdfa 24. Monlk, Trafik, Prag I., Parlament. MrdSkova,Trafik, Prag!., Joiofakit(. stdnek 127. Mrdz Jan, Smiehov, Radllckd tf. 43. Orbla A.-G., ZcItungsvcrachlelO. Praba XII.. Fo- cliova tf. 62. „Praga“, ZoltungavcrachlolO, Prag II« HavliCkovo ndm. 23. Sodidk Vdclnv. Trafik, Dojvlce, Svccova. Skrabkova Anna, Trafik, Dojvlce, Hcnncrovy üfodnlcki domy 280. Strouhal Artur, Trafik, Prag III., MoatockK 40. Tausslg B., Zcltungaverachlolö. Prag II., Vdclav- ikt»dm. 45. Ungcrmann Rudolf, Prag II„ Panikd bei Palasthotel. Üstrcilni dfiln. knihkupcctvl, Sviccny, Prag II., Hybernskd 7. Zemann, Trafik, Prag I., Perlten. Fensl, ZeltungsvcrachlelB. Prag II„ Smeüky 8-10. Und bei StraBcnvorkMufcrn: Wenxelsplats— MAstek— Alnsarykbahuhof— Wilsonbahnhot. Wran-Urania-Klno® Unzille* deuuenes Kino Prag*. Tel-0420 Geschlossen. WverRehrenwir? | Cale„Conllneniar, Pran. Men] Qasdwilrls^ial*-isj iiDovf Din «Ben. WldheHm Opadrn Konzert.■»»AG Ulk 8«“ naMaaannaRanHBBMai „Mir ist leider etwas Peinliches passiert, liebe Frau Vanek," melde ich kurz darauf mit scheinheiligem Gesicht in der Küche,„mit dem, »nit dein—" „Mit dem Schweinchen?" unterbricht mich Frau Vanek drohend über die Kaffeetasse hinweg: und>vic ich tieftraurig nicke, da— nein, da schimpft sie nicht, da»nacht sie keine Borwürfe, sondern.... sondern vergießt dicke, ehrliche Tränen.„Ich Habs ja immer schon geahnt," seufzt sic tvehniütig,„der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht." Und wie ich reuevoll den Vorschlag mache, ihr den Schaden reichlich z»» ersetzen, da fliessen die Tränen noch dicker und zahlreicher in die große Kaffeetasse.„Das können Sie nie ersetzen, Fräulein," sagt sie kopfschüttelnd,„niemand kann das! Das Schwein war eine Erinnerung an meinen Seligen. Vor scchsunddrcißig Jahren, auf der Kirmes, wo ich ihn kennen gelernt habe, da hat er es beim Preisschießen gewonnen, mein seliger Jaroslav.... ja!" Die Tränen werden zum Bach. Heimlich schleiche ich mich von der Stätte des Verbrechens..--.■■<■■■.. Heimlich schleiche ich auch am Abend wieder in»»teilt Zimmerchen zurück. Jetzt der guten Fran Vanek noch unter die Augen zu treten, ivagc ich nicht. Und doch... ich.bin froh, daß das Viech tot ist. Vorsichtig knipse ich das Licht an, werfe einen- schulobewußt-schädenfrohen Blick a»tf daS Wandbrett, das nuninchr leere— »»ein! Nicht leer! Um Gottesivillen— da steht ja mein Ballcttschwcinchen wieder) sorgfältig zusammengckittet, mit frisch anaemaltem rosarotem Röckchen und grinst mich hämisch an!l ES. war stärker als ich. Und wenn mich heute Freunde besuchen kommen und sich über das„grauenvolle Dingsda" lustig machen, dann bin." ich still, ganz still.... Wer geschlagen ist, soll den Mund halten. v«r»u»u«d,r:«lehrte» I«»».— Ldikrrduti«,»: Mldeli» Nl«du«r— verauiworlNchri Pe&atieur®i. IkmU ettaak, 9ra«.— Druck: ,9lola* für gelt»»,- unt Buchdruck, Pro,.— ga« bla Druck»nantmorillA: Otto fiallL HruA.— XU L«Nuu,i>marI'nIrant»lur u>urd«»»» dir Bost.». Telraruphk/dirutlmi MII ckrlad Jll. 13.BW/VJ1/1930 drwilNut.— BrzugTbkdlngungen: Bei Auftrlluu» tu* Pau*»der bet 9t|ug durch dl« Pusi monatlich lut UI.—. oiertrliildrUch U— |afkjt4»t Ko IN,—,(MiiUrto KO UflU—. Liubrau wtba laut Zatif biUtait berrchutt, 0ti Oltma»‘-M-fr-Hrwn HteituachlaZ,— nückstellun, tu«auuprchuu ccfolat Mt M ckichruduui hi lUtuutaadM,-~