Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. a» baitionu. TDtrtoaltung; Or 3315a ♦ BoiHärdamt:57M« SlvzelpreK 70 Heller, ^einschließlich 5 Heller Porioi 13. Jahrgang. Sonntag, 9 Zull 1933 Nr. iss. r Milliarden ArheNsanlclhc. Eine ErhOhnna nodi za erwarten. Die Zeichnungen auf die sünsprozentige Staatliche ArbeitSanleihe erreichten die Höhe von 2.004,502.400 KL. In der abgelaufenen Zeitperiod« vom 80. Juni bis 8. Juli 1038 wurden die bis zum 80. Juni 1083 zwar erfolgten, aber erst nun verarbeiteten Zeichnungen in der Höhe von 217,470.800 KL nachträglich verrechnet und bar eingezahlt, so daß die Summ« der Zeichnungen auf die sünsprozentige Arbeitsanleihe zusammen mit den Zeichnungen der vonangehenden Wochen bei"allen Zeichnungsstcllen den Betrag von 2.004,582.400 KL erreichte. Dieses Ergebnis ist eine angenehme Ueber« raschung und dies um so mehr, als damit noch nicht di« endgültige Verrechnung gegeben ist. Man muß nämlich damit rechnen, daß noch einige weitere Zeichnungen zwar in der Zeichnungsfrist angemeldet, aber bisher noch nicht verarbeitet wurden, so daß dir oben angeführte Gesamtziffer sich noch erhöhen wird. «niiiiiiiinniiiHninuiiiinniniiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin Ebert jun. verhaltet. Berlin, 8. Juli.(C. P.-B.) Der Sohn des ersten Präsidenten der deutschen Republik Fritz Ebert wurde In Brandenburg verhaftet. Einige Monate entging er den Nachforschungen der PolkzeL<,■*''' 1 Pagen sdilleBt Konkordat ab. Berlin, 8. Juli. Nam einer Meldung des Vizekanzlers von Papen aus Rom ist dort das Konkordat zwischen dem Deutschen Reich und dem Vatikan abgeschlossen worden. Die endgültige Unterzeichnung wird in einigen Wochen erfolgen. Hitler hat aus diesem Anlaß einen schwungvoll en Aufruf erlassen, in dem er erklärt, cs scheine ihm genügende Gewähr dafür gegeben, daß sich die Reichsangehörigen dcS römisch-katholischen Bekenntnisses von letzt ab rückhaltlos in den Dienst dcS neuen nationalsozialistischen Staates stellen würden. Er ordne ocshalb an,'daß die Auflösung der katholischen Organisationen, deren die durch das Konkordat anerkannt sind, rückgängig gemacht und alle Zwangsmaßnahmen gegen geistliche und andere Führer dieser Organisationen aufgehoben werden. .* DaS Pariser„I o u r n a l„ verweist demgegenüber auf die ernsten Folgen des Konkordates. Hitler hat vor allem die Auflösung der katholischen Zentrumspartei erreicht, die insbesondere in den letzten Jahren eine sehr beden- lende Rolle in der deutschen Politik zu spielen wußte. Außerdem bedeutet das Konkordat, das stch auf daS ganze Territorium Deutschlands bezieht, eine Art päpstlicher A m n e st i e für di« brutalen Methoden des Hitle- r i s m u s. Die Wahrheit über den Hugblaftabwuri in Berlin. Aus zuverlässiger Quelle in Berlin wird uns mitgeteilt, daß tatsächlich, wie die Hitler- Presse schrieb, Flugblätter über Berlin abge- worsen worden sind. Aber nicht von Flugzeugen aus, sondern Unbekannte haben.dieselben vom Funkt» r m und v o m D ach des W.a r e n- hauses Karstadt abgeworsen. Da die Tater trotz aller Anstrengungen nicht gestellt lverden konnten, wurde von.den Nationalsozialisten das Märchen von den Flugzeugen erfunden, mit dessen Hilfe sie sich für die Errichtung einer starken Luftflotte den Boden bereiten. Arierparodrapii selbst im Blindenverband Berlin, 8. Juli. Der Verband der Blinden im, Deutschen Reiche hat beschlossen," leinen Statuten einen Paragraphen einzufügen, der bestimmt, daß alle Blinden»ich arischer Abstammung von der Mitgliedschaft der Organisation, ausgeschlossen werden. Sozlaldcnrohratisdicr Wahlsieg In Finnland. Nandalszahl von oo aus 88 gesteigert! >> e 1 s i» g s o rs, 8. Juli. Neber die finnischen Rcichotagswahlen liegt ein vorläufiges nichtamtliches Ergebnis vor. Bon 200 Mandaten des Reichstages werden entfallen auf: Sozialdemokraten 88 Litze(bisher 00); 'Agrarpartei 54(bisher 50); Nationale Sammlungspartei und Lappo 32(bisher 42); Schweden 21(bisher 2l); Fortschrittlicher 11(bisher 21). Der Rest entfällt ans Splitterparteien. Das Ergebnis ist eine unerwartete Stärkung der Linken. Das schwache Abschneiden der finnischen Rechten ist aus die Splitterung in zahlreichen Gruppen zürülkzustihren. Am GängelisoiMl dies KapidaHsmusY Das„Sozlalislerungs"prosr$ntyn der NSDAP seht rum Teufel' Berlin, 8. Juli. Die Kristallisierung der Ansichten innerhalb der nationalsozialistischen Bewegung hat in den letzten Tagen, wie sich immer deutlicher zeigt, große Fortschritte gemacht. Die offizielle Parteileitung, die bisher aus taktischen Gründen die Frag« ungeklärt ließ, wie weit das sozialistische'^Programm der nationalsozialistischen Bewegung geht, hat sich jetzt offen ans dje Seite deS gemäßigten Flügels gestellt. Vie Radikalen werden kaltsestellt. Konnte schon aus der samstägigen Kundgebung deS Reichskanzlers Hitler in Reichen» yall die Verurteilung des linken Parteiflügels entnommen werden, so laßt die gestrig« Kundgebung des Kanzlers vor ocn Reichsstatthaltern nicht den geringste» Zweifel mehr darüber, daß die Illusionen deS linken Flügels der nationalsozialistischen Partei von den gegenwärtigen führenden Persönlichkeiten werben enttäuscht ioerden. Außerdem kommt jetzt nach dem kürzlichen ostentativen Ausschluß von vier Anhängern des linken Flügels aus dem wirtschaftspolitischen Amt der nationalsozialistischen Partei und deren Inhaftnahme die Nachricht, daß dieses ganze Amt liquidiert wird. Dies« Forderung soll der neue Wirtschastöminister Dr. Schmitt als Bedingung für die Uebernahme des Portefeuilles gestellt haben. ES kursierten sogar Gerücht«, daß der StaatSkommissär im Wirtschaftsministerium Dr. Wagen er, der gleichzeitig Chef deS wirtschaftspolitischen Amtes der nationalsozialistischen Partei ist, gemeinsam mit seinen vier Mitarbeitern im Konzentrationslager nnter- gebracht wurde; diese Gerüchte erwiesen sich aber als übertrieben. Nachrichten ans gut informierten Kreisen zufolge ist Dr. Wagener in der letzten Zeit nur unter Aussicht g e st e l l t, die Im Wesen nichts anderes bedeutet, als daß er wegen seiner radikalen Ansichten ln Ungnade gefallen ist. Ein anderer Führer der nationalsozialistischen Bewegung, der neue LandwlrtschastSminister Dr. D a r r L, war gezwungen, seine radikalen Forderungen betreffend die Landwirtschaft beträchtlich zu mäßigen. Besonders soll eS Reichspräsident von H i n d«n bürg gewesen sein, der bei der letzten Unterredung mit dem Kanzler Hitler in Neudeck für eine Mäßigung der nationalsozialistischen Forderungen ln den Agrarfragen eingctreten ist. Die Folge davon ist vor allem, daß Minister Darr« die von seinem Borgänger Dr. Hugenberg getroffenen gesetzlichen Maßnahmen nicht mehr grundsätzlich ablehnt, sonder» sich nunmehr mit der Empfehlung begnügt, eS mögen ihm von den untergeordneten Behörden die Punkt« mitgeteilt werden, in welchen sich die Maßnahmen Hugenbcrgü„verbessern" ließen. Gottfried Feder bekehrt sich zum Liberalismus! Schließlich sollen in diesem Zusammenhang nach die Ausführungen angeführt werden, die der langjährige sozialwirtschastliche Theoretiker der NSDAP, und jetzige Staatssekretär im ReichS- wirtschastsmlnisterium Gottfried Feder macht. Zum Unterschied von seinen früheren radikalen Ansichten erklärt jetzt Feder in den programnralischen Ausführungen, in denen er seine Pläne im neuen Amte erläutert, das; er jeden SozialisternngSversuch ablehne, well jedes Sozialisterungsexperiment eine Gefahr in sich birgt nnd so das„schöpferische" Element, d. i. die Persönlichkeit, aus dem Wirtschaftsprozefz ausgeschaltet wird. Ganz im Geiste der liberalen Thorien erklärt der npne. Staatssekretär weiter, dafz die„frpie, /schöpferische nnd verantwortliche Persönlich keit" die Grundlage des gesamten Wirt- schaftsshstemS bildet. Nur als Zusatz zu dieser ljberalistischen Ansicht führt Feder auch die Forderung an, wonach stch„die freie und schöpferische Persönlichkeit" in das höhere Ganze, das di« gesamtstaatliche Wirtschaft repräsentiert, eingliedern müße. * Znr richtigen Beurteilung der Stimmung, die dieser plötzliche Kurswechsel innerhalb der nationalsozialistischen Partei. hervorgerufen hat, fehlen bisher Informationen. Bon srliher her ist bekannt, daß«in großer Teil.der. alten nationalsozialistischen Mitgliedschaft, besonders die Mitglieder der SA, gerade in Fragen sozialwirtschast- licher Ansichten sehr radikal waren. Wahrscheinlich suhlt sich jetzt die offizielle Parteileitung schon stark genug, um eventuelle Unwillenskundgebung in ihren eigene»-Reihen zu überwinde«. Der wahre Sinn des Dritten Reichs. Hitlers„freiwilliger Lohnabbau". Die letzte Tcrrortvellc im Dritten Reich, deren Opfer vor allem die Funktionäre der aufgelösten SPD geworden sind, ist so wenig dem blinden Zufalle entsprungen wie die früheren Terroraktionen. Galt es Ende Feber die Wahlen„vorznbcreiten", im März und bei dem Judenboykott Anfang April die Wähler darüber wegzutäuschen, daß noch immer nichts geschehen war, was nach„Sozialismus" aussah, bei den Bücherverbrennungen und den terroristischen Untaten zu Aufaug Mai der Enttäuschung über den Einjahrcsplan ein zug- kräfligcs Zirkusspiel enlgcgenzuschcn. so zwingen die wachsenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Dritten Reichs im Verein mit der amtlich und offen eingestandenen Liquidierung des nationalsozialistischen Programms die Göring und Hitler von neuem, ihre Bluthunde auf den Sünden bock Marxismus los- zulasscn.- Als die SPD aufgelöst, Hugenberg entfernt, das Zentrum zum Selbstmord gezwun- gen und zahllose staatsgefährliche„Elemente" verhaftet wurden, konnte man eine wirtschaftspolitische Aktion großen Stils vorausahnen. Nun ist sic da. Nicht nur daß Hiller die„Revolution" formell für beendet erklärt, die Absetzung von Wirlschaftsfiihrern verboten und mit dem denkbar stärksten Zynismus erklärt hat, das Programm verpflichte die Regierung zu nichts, insbesondere nicht dazu„wie Narren zu handeln"(wonach das Programm der Nazi also nur für Narren geschrieben war und nur von Narren befolgt lverden könnte!), «licht nur daß die Verwaltung den Junkern übertragen wird, daniit jeder sehe, daß diese „Rcvolntion" Deutschland zum Zustand von anno 1911 zurückgcwälzt hat— setzt nun auch die e r st c g r o ß e Lohnabbau- Aktion des deutschen Fascismus ein. Ganz wie der italienische Fascismus,"een Hitler vor Jahren schon als sein Vorbild erklärt hat, sicht der deutsche„N a t i o n also r i a l i ö in u s" sein Hauptziel doch darin, die Löhne und Gehälter der arbeitenden M c n s ch e n z u kürze n, das Lebensniveau der lohnarbcitenden Klaffe zu senken und so den verzweifelten Versuch zu» machen, die kapitalistische Krise durch gcwalt- same Rückentwicklnng der Wirtschaft zu vorkapitalistischen Zuständen zu bewältigen. Zwri- mal sind in Italien alle Löhne und Gehälter, die der öffentlichen Betriebe und die der privaten Unternehmungen auf dem Verordnungswege gekürzt worden. Ohne daß cs erst?»r- handlungcn und Lohnkämpfe gab, wurden die Bezüge der Arbeitenden auf der ganzen Linie nm 20 Prozent herabgesehi. Diesen Weg beschreitet folgerichtig auch der deutsche FafciS- mus. Slber der deutsche Fascismus, oewitzt durch die Erfahrungen des italienischen, nach wenigen Monaten seiner Herrschaft auch bereits viel gewalttätiger und im Augenblick mächtiger als der italienische es noch Jahre nach der Machtergreifung war, packt es viel geschickter an. Hitler verordnet nicht den zehn- oder zlvanzigprozentigen allgemeinen Lohnabbau, »ein— er appelliert nur an die Arbeiter, Angestellten und Beamten,„f reiwillig" einen Teil ihrer Bezüge zur Sicherung der uatioualen Revolution dein Staate abzuführen. Zuerst, wurde den Arbeitern,'die. ja als „Marxisten", die sic zu vier Fünsiclu" geblieben sind/, unter ivcit stärkerem Terror stehen, so freitndlich wie energisch nahegelegt, dieses Notopfer darzuvringen. Als diese Erpressiing gelungen-war,'trat man mit einem Ukas an die Beamten, die Angehörigen der freien Berufe, und die Rentner hervor.-Der Staatssekretär int RcichSfiitailzministcriuin, Fritz Reinhardt, veröffentlicht in allen Zeitun- Belte 2 Sonntag, 9. Juli 1988 Nr. 168 gen ctncn Aufruf an diese Schichten, in den, er daö Beispiel der bereits freiwillig im Lohn verkürzten Arbeiter lobend erwähnt und zur ehesten Nachahmung auffordert. Die AuS- drncksweise dieses Aufrufes ist eine der köstlichsten Bluten der fascistischen Erpressermoral. Es heißt darin, daß niemand gehalten sei, sich für längere Zeit zu diesem Lohnabzug-jn verpflichten, er sei eine völlig frei willige Sache und der Entschluß könne jederzeit widerrufen werden. Im nächsten«atz aber wird in freundschaftlich drohendem Tone allen, die daS Notopfer noch nicht gezeichnet haben, die schleunige Erfüllung ihrer staatsbürgerlichen Ehrenpflicht eingeschärft. Es ist die Tonart des HundedresseurS, der das Opfer mit Koseworten lockt, die er durch Peitschenknall kräftig unterstreicht: du süßes Biccherl du, du liebes Schnucki, soll Dir das Herrl... und schon hat die geschundene Kreatur einen Hieb gefaßt, daß ihr Hören und Sehen vergeht. Auf solch väterliche Art— denn seit alters lieben sadistische Erzieher auch im Schoße der Familie die aus dem Hinterhalt klatschende Ohrfeige mit ironischen Koseworten anzukündigen— redet Hitlers Staatssekretär den Opfern seiner Finanzkünste zn: Freiwillige vor— wer nicht Vortritt, hat cs sich selbst zuzuschreiben! Für alles tveitere tverden die NSBO im Betriebe und die SA int Konzentrationslager sorgen. Durch die„Freiwilligkeit" des Opfers erzielen die Nazi aber auch, daß es unter Umstan« den höher ausfallen wird, als der Staat cs festfetzen würde, wagte er eine ausdrückliche Verordnung. Zehn Prozent Zwangsabbau nimmt sich sehr unschön aus, zwanzig Prozent freiwillige Kürzung lassen den Staat immer noch als Kavalier erscheinen. Da man denen, die freiwillig nur fünf Prozent gaben, jeweils die als Muster Vorhalten kann, die sich im ersten Anlauf mit fünfzehn Prozent gebunden haben, weil schließlich das Fernbleiben vom Konzentrationslager und das Privileg, nicht ausgepeitscht zu werden, ja auch 9V wert wäre, hat es der Staat in der Hand, die Opfer noch die Summe, um die sie gepönt werden, hinauf- lizitieren zu.lassen. Es wird alles in allem ein gutes Geschäft für die.Unter- nehnter und den Staat werdcn. Daß man nicht an eine zeitliche Begrenzung denkt, beweist die Bestimmung, daß der gezeichnete Betrag von der Steuergrundlage abgezogen wird. Es ist eben eine Lohnkürzung in aller Form. Es kann keinen Zweifel daran geben, daß die Unternehmer an dem Geschäft mltverdienen. Ausdrücklich wird bestimmt, daß der„Arbeitgeber" die gezeichnete Summe vom Lohn„zurück b e h ä l t", um sie später den: Reich abzuliefern. Es wäre doch schäbig und für einen Kavalier wie Hitler untragbar, sollte dem Unternehmer für seine Arbeit nicht eine kleine Bergiitung gewährt werden. Und dann erhält dieser ja nach wie vor die Papenschen Steuerprämien, für die sich das Reich eben an den Lohnabzugssteuern schadlos halten wird. ES erübrigt sich die Frage, tvas geschehen würde, wenn ein demokratischer Staat auch nur annähernd in der Weise vorgehen wollte. Dieselben Leute, die zu den eifrigsten Verfechtern des Dritten Reichs gehörten, haben in demokratischen Staaten die Integrität der Gehälter am leidenschaftlichsten verteidigt. Gegen Hitlers„freiwilligen" ZU'bau werden sie nicht aufmucken. Die Stahlrute der Nationalsadisten ist ein Argument, daS sie besser als jedes andere verstehen. Hitler hat heute die Macht, sein eigenes Pro-j Moskau, 8. Juli.(TASS. Freitag, den 7. Juli, beging der stellvertretende Vorsitzende des VolkSkommtssarcnrates der Sowjetunion und Vorsitzende der Staatsplankommission der ukrainischen Sowjetrepublik, das Mitglied des Zentralkomitees der kommunistischen Partei der Sowjetunion Nikolaj Skrypkin Selbstmord. Ucbcr seinen Tod veröffentlicht die Zentralkontrollkommission der kommunistischen Partei der Sowjetunion folgende Mitteilung: Skrypkin SdilBüsitzunB Int Rodollinam. Prag, 8. Juli. DaS Abgeordnetenhaus hat beute mit der Annahme des Kartellgr- s e h e s und der Borlage über die A u f h e b u n g des E r n ä h r u n g s m i n i st e r i u m s seine Arbeiten beendet und vertagte sich sodann über die Ferien auf unbestimmte Zeit, voraussichtlich bis in den September. In einer kurzen Ansprache an» Schluß dec Sitzung wies Bizcpräsident S t i v i n darauf hin, daß das Parlament m dem Bewußtsein in die Ferien gehr» könne, daß cs an der Lösung vieler schwerer Fragen, die die Weltwirtschaftskrise mit sich brachte, fleißig gearbeitet hat. Seit Beginn des heurigen Jahres haben 52 Plenarsitzungen, 106 AnSschußsitzungcn und 6 Sitzungen von Subkomitees stattgesunden. ES wurden 21 RcgierungSanträge, 8 SenalSbeschlüsse, 18 Initiativanträge, 53 AnSschußberichte, 21 dringend« und AS gewöhnliche Interpellationen sowie 384 Inter- pellationSbeantwortungen aufgelegt; Anfragen im Plenum wurden 128 gestellt und 127 beantwortet. Im Plenum wurden 26 NegierungSvorlagen verabschiedet, unter denen sich 4 Ccnatsbrschlüsse und 3 Initiativanträge befanden, weiters«in SiaatSrechnungSabschluß; außerdem wurden 5 internationale Verträge ratifiziert. * Am Kartellgesetz wurde außer belanglosen Aenderungen in den 88 28 und 38 noch eine Neustilisierung deS§ 39, Abs. 2 durchgesührt. Es wird nunmehr ausdrücklich frstacstellt, daß die Bestimmungen des Gesetzes 44/1983 über die ZinSfußrcgclung u»berührt bleiben und daß, so lange daS Recht der Regierung noch 8 20 dieses Gesetzes(Festsetzung des Zinsfußes) besteht, die Bestimmungen des Kartellgesetzes nicht auf den Zinsfuß von Einlagen oder Krediten angewendet werden können. * Ueber die Aushebung deS Ernährungsministeriums referierte Dr. P a t e j d l. Er erklärte, dos Ministerium sei seinerzeit nach dem Krieg gegründet worden, um die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungstnitteln stcherzustcllen und den Preiswucher zu bekämpfen. Di« Hguptursachc, daß daS Ministerium keine entsprechende Tätigkeit entfalten konnte, tvar daS Fehlen einer genau umschriebenen Kontpetenz und gramm als Narretei bezeichnen und statt des versprochenen Paradieses' den freiwilligen Lohnabbau bescheren zu können. Allerdings leistet er an den Opfern seiner Staatskunst eben damit die denkbar beste revolutionäre Erziehungsarbeit. Für die schamlose DemaS- kierung des Nationalsozialismus könnte man ihm geradezu dankbar sein. ist daS Opfer bürgerlicher nationalistischer Elemente geworden, die unter dem Deckmantel ihrer formcllctt Zugehörigkeit zur kommunistischen Partei sein Vertragen gewannen und seinen Namen für ihre an- 1 i s o w je t i st i s ch e n» a t i o n a l i st i s ch e n Ziele mißbrauchten. In seine Verbindungen verstrickt, beging Skrypnik eine Reihe politischer Fehler. Diese Fehler einsc- hend, fand er nicht den Mut, sie bolschewistisch zu überwinden, sondern griff zum Selbstmord. der Unrsland, daß es namentlich in der ersten Instanz keine direkten Vollzugsorgan« besaß. Daher habe man schon oor zehn Jahren die Aufhebung gefordert. Di« Agenden des Ministeriums werden auf di« Mtmsterien für Finanzen, Inneres, Fürsorge, Gesundheit und aus das Präsidium des MiuisterrateS aufgeteilt. Das Junenministerinnl soll in den ihm zugewiesenen Wuchersachen sein« Entschechungen erst nach Einvernehmen mit dem Fürsorge- Ministerium treffen. Ebenso soll bezüglich deS Konsument«»schütze« daü zuständige Für. sorgeministerium mit dem Jnnenniinisterium zusammenarbeiten, und zwar in der Form, daß eS Fachgutachten und Anträge auSavbeitet; di« Ergeb» nifse der Preiskontrolle sollen beide Ministerien gegenseitig austauschen. Die Regierung versichert, daß die Interessen der Angestellten durch di« Neuregelung nicht lan- gtert werden sollen. DaS Inkrafttreten der Vorlage wird um einen Monat, das ist auf den IS. August, verschoben. Di« Debatte wurde von drei Kommunisten bestritten, die an der bisherigen Tätigkeit des Ministeriums kein gutes Laar ließen, andererseits wieder gegen di« Aufhebung protestierten. Mit gehässiger Kritik und ausfälligen Reden allein ist allerdings nicht viel getan! Die Rede des tschechischen Gewerbeparteile cS I i r a f e k zeigte einen Heidenrespekt vor der Arbeit des Fürsorgeministeriums. Der Redner protestierte nämlich dagegen, daß die Kompetenz des Für- sorgemtnisteriumS so stark erweitert werde, und befürchtet daraus eine neue„Schikanierung der Gewerbetreibenden und Kaufleute". * Für die vom Senat bereits verabschiedeten Vorlagen über die Ladensperre, die Errichtung von Gcwerbegenosienschasten und ihren Verbänden in der Slowakei sowie über den Versicherungsvertrag wurde eine Fristverlängerung um drei Monate beschlossen. krsparungsauMuß vermanent. Der Ersparungsausschuß der Kontrollkom- mission hielt SaniStag eine Sitzung ab, an der auch Innenminister I. Lernt) teilnahm, der dem Ausschuß über die bisherigen Ergebnisse der Verhandlungen der Rcorganisationskommission Mitteilung niachte. Es wurde insbesondere über jene Ergebnisse verhandelt, die die Fragen betreffen, die auch schon im ErsparungSauSschuß durch, beraten wurden. Zugleich wiirde beschlossen, daß der Ersparungsausschuß auch nach B e c n d i- gung derParlameiitsarbeiten tagen wird, um einerseits die Behandlung wci- lerer Anträge auf Vereinfachung und Ersparungen in der Staatsverwaltung fortzusehen und andererseits zu kontrollieren, bis zu welchem Maße sich die bisherigen Vorschläge in der Staatswirtschaft bewähren. Die nächste Sitzung des Ersparungsausschusses findet Donnerstag, den 18. o., statt. Abmachungen über Wechselurlaube im Ostrauer Revier zur Kenntnis genommen. M8hr.-Ostrau, 8. Juli. Im Bolkshauü fand heute eine Konferenz der Mitglieder der Betriebsräte im Ostrau-Karviner Revier und der Ber- lreter der einzelnen Gewcrkschaftsorganisationcn statt. Sekeiär T o p i n k a erstattet« einen auS- führlichcn Bericht über di« Situation und di« Berlwndlungen vom 23. iiiid 27. Juni betreffend die Wechselurlaube. Hierauf wurde nach Referaten der Vertreter der GewerkschaftSorgani- sationen eine Resolution angenommen, in welcher die Abmachungen betreffend die Wechselurlaube, di« am 15. dS. in Gültigkeit treten, z u r K e n ti t il i s g e n o m m e» werden. Weiter» wird in der Resolution gegen die ständige Einfuhr Polnischer Kohle, gegen die beabsichtigte eimeitige Regelung der Kohlenpreife, gegen die Beschäftigung fremder Staatsangehöriaer in den Ostrauer Betrieben und gegen eine Äerschlech- teruna des Gesetzes betreffend die Arbeitslosenunterstützung protestiert. Deutscher Protest gegen die Urteile von Pilse« und Eger. Prag» 8. Juli. Der deutsche Geschäftsträger tu Prag, Gesandtschaftsrat Holzhäuser,, sprach heute in amtlichem Auftrage bei dem Vertreter des AußennlinisterS, Minister Dr. K r o f t a, vor. Die längere Aussprache bezog sich auf die Lage der Reichsdeutschen in der Tschechoslowaki- schen Republik im Zusammenhang mit den jüngsten Pilsner und Egerer Urteilen. Krebs gegen Kaution entlassen. Nach Er- legung der geforderten Kaution von 200.000 K durch den Rechtsanwalt Dr. B r i 11 a n i wurde gestern der nationalsozialistische Abg. Krebs gegen Gelöbnis aus der Untersuchungshaft ent- lassen. Personaländerungen im Gesundheitsministerium. Minister Dr. Spjna betraute leinen KabincttSchef OberscktionSrat MUDr. Jaroslav Hovorka mit der Leitung des Körper- «rziehungSwesenS und der Jugendfürsorge an Stell« deS Ministerialrates MUDr. Johann M a s ä f, der über eigenes Ansuchen in den dauernden Ruhestand versetzt wurde. Wiedcrooinohme des Brester Prozesses Warschau, 8. Juli. Am kommenden Momag findet in Warschau vor dem AppellationSgericht die Berufungsvcrhandlung im sogenannten Brester Prozeß statt. Aus Grund einer Berufungsklage der Verteidiger der in zwei GcrichtSinstan- zen zu mehrjährigen Kerkerstrafen verurteilten ehemaligen Führer der oppositionellen LinkS- und Zentrumsparteien, hat bekanntlich daS Oberste Gericht eine neuerliche Verhandlung vor dem AppellationSgericht vor geändertem Gerichtskollegium angeoronet. nnniiiinni>nnnnmMMiniinnnnninnnmi)iiiininnniiii)nninniiiniiniiinniiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiinniiiiiiiiiiiiiiitiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiimniiiiiiiiiniinnniiiiiiiiiiiniiNniiiiinHiiii Politische Affäre in Moskau. Volkskommissar Skrypkin begeht Selbstmord. Die Sache mit Boms Kriminalroman von Grete Hartwig Sie fröstelte, obwohl ihre Wangen brannten. Ihr Zimmerchen war sehr kalt, sic schlich leise an der Kammer der Mutter vorbei in di« Küche. Dort war der Ofen noch warm, letzte Glut glomm in ihm. Hildegard zog einen SessA an chn heran und stützt di« Ellenbogen auf di« warm« Herdplatte.* Sie hatte noch mindestens«ine Stuiide Zeit. Um halb elf wollte st« möglichst geräuschlos da» Haus verlassen und auf die Bahn gehen. Und dann? Nun liefen die Tränen. Oh, hätte sie mit jemanden sprechen können! So lange Borris bei ihr gewesen war, war alles gut gewesen. Er war stark, groß, gütig. Hilfsbereit war er sogar jetzt noch, wo«r elbst in so großer Bedrängnis war. Er war chön, seine Augen tief und strahlend, sein« Hände cst und sanft, sein Mund süß und weich. Ihr Leben batte mit ihm begonnen und drohte nun durch ihn beschlossen zu werden. Sie war nicht erschrocken, als sie bemerkt«, daß er sie zur Mutter gemacht hatte, ihr Glück lag in seiner Hand und er konnte es formen, wie er es für klug und richtig hielt. Sie liebte ihn und hatte nichts, als diese Liebe. War nicht im Bereiche dieser Lieb« lag, war leer und gleich- G liebte, wie nur ein ganz junges Mädchen lieben kann,, mit Zittern und Zagen, mit hundertprozentiger Hingabe an di« Erfüllung, mit der Ueverschätzung deS Mannes, seiner Macht, seiner Verantwortung. Ihre äußeren und inneren Möglichkeiten lagen eingebettet zwischen seinem Beaeyren und seiner Gnad«, erst, wenn er sie verließ oder frei gab, konnte sie zu dem Muß ihrer eigenen Entwicklung erwachen. Ihre Tag« schwangen auf dem Pendel ihrer Sehnsucht, ihr« Nächte sangen auf der Fülle ihres Herzens. Für sie war ein Kuß ein Schwur, ein Wort ein Vermächtnis, ein Blick Einverständnis. Sie hatte der Vielseitigkeit seiner Lebensbedingungen nicht» entgegen zu sehen, nicht Erfahrung, Ein- teilungSbedurfniS, nicht Rache für ehedem Versäumtes. nicht den Vergleich mit früherem. Sie war nicht verwöhnt und jede feiner Gaben überstieg ihre Hoffnungen, sie war nicht verbittert und feder seiner Wünsch« entflammt« opferlos« Bereitschaft. Sie war einfach jung, sehr jung, und fruchtbare» Land. Sie wollte verehren und war beglückt, daß sie es bei ihm durfte, sie wollte verehrt werden und freute sich, daß ihr« blauen Augen, ihr helles Haar, ihre biegsam« Gestalt, ihre heiteren Reden, ihr roter Mund dazu reichlich Gelegenheit bot. Sie war stolz, daß er die Pausen ihrer Hingabe füllt«, indem er ihrem Wissensdurste, ihrem Lernbedürfnis, ihrer Augen- und Ohrensehnsucht nachkant, sie auf dem Umweg über Literatur, Theater und Politik in sein Leben hineinzog, Erziehungsarbeit an ihr leistet«, di« ein vegetarisches Elternhaus an ihr versäumt hatte, in dem der frühverstorben« Baier sich solchermaßen unter Aufrechterhaltung seiner patriarchalischen Ehre um seine ungeschriebenen Pflichteii gedrückt hatte, und in dem di« Mutter in der Witwentrauer, die ihr gute« Recht war, da» lebendige Leben ihres Kindes, ohne diese» zu fragen, pietätvoll in ihr Opfer einschloß. Selbst nicht zur Erzieherin, zur Kameradin, zur Führerin der Vorwärtsstürmenden Jugend begabt, hatten karg« Mittel sie der Verpflichtung, die Tochter von Befähigten erziehen zu lassen, enthoben. Außerdem war sie fromm teil» aus Ueber- zeugung, teil» auS Bequemlichkeit, die ihr dabei half, große gvsellschaftliche Umwälzungen zu uberseyen, und weder in Bibel noch in Katechismus stand etwas über Pädagogik zu lesen. Deshalb legte sie da».Hauptgewicht aus Gehorsam und sah sich in besonders krassen Fällen sogar gezwungen, chr Kind zu schlagen. Was sie dabei mit zerschlug, wußte sie natürlich nicht und teilte diese Unwissenheit mit Millionen von Müttern der ganzen Erd«. Außerdem hatte auch sie als Kind von ihrer Mutter Schläge bekommen— sie hatte noch acht Geschwister gehabt, wie wäre«S da auch anders möglich gewesen?— und«S hatte ihr auch nichts geschadet. So meint« st«, die von Minderwertigkeitskomplexen, Trotzeinstellungen, Todeswünschen und Affekten, di« sich bis ins Körperlich« steigern, nichts wußte, tvenigstenS in diesem Zuiammeu- hang nicht. DaS Leben war schwer, ihr persönlich winkt« das Jenseits, als Aequivalent, das man ihr seit ihrem sechsten Lebensjahr« ständig versprach uwd«S war ihr innigster Wunsch, daß auch ihr« Tochter sich dieses WtodcrgutrnachungS- institut nicht durch Leichtsinn oder Uebermut verscherzen möge. Für ihr Diesseits wünschte sie ihr«inen braven Mann, der nicht inS Wirtshaus ging«, «inen anständigen Beruf hätte— allo, ein Zirkusreiter kam nicht in Betracht, auch wenn er nicht ins Wirtshaus ging— wenig rauche und selten Karten spiele, sich Kinder Wunsche und sich der Politik enthalt«. Natürlich sollte es kein Jude sein, womöglich auch kein Ausländer und kein Kriegsbeschädigter. Er sollte etwa zehn Jahre älter sein als ihre Tochter und immer einen sauberen Kragen tragen. Und, wenn Hildegard auch nicht daS war, was man ein« gute Partie nennt, so war sie doch «in bildschönes Mädchen, von sanftem Naturell und guten Manieren, hatte eine recht nette Aussteuer— alles mit der Hand gestickt, in Säurn- chen gelegt und geschlungen—, war kerngesund und hatte in ein paar Jahren von einer alten Tante, wann dies« eben starb, etwas Geld zu erwarten. Dann braucht« das Mädel sich auch nicht mehr im Büro zu schinden. In den letzten Wochen war sie immer sehr spät nach-Haris« gekommen. Hildegard seufzt«. Di« Mutter glaubte, sie habe in der letzten Zeit so viel Ueberstunden gehabt. BorriS hatte ihr jedeSmal di« paar Mark gegeben, als Legitimation für zu Harrse. Biel lieber hätte sie der Mutter die Wahrheit gesagt, hätte sie«ingeweiht in daS märchenhaft«, schone, glutvoll«, neue Leben. Aber sie wagte«S nicht. Die Sorgenfalten auf der Stirn« der Mutter standen wie«ine Schranke zwischen ihrer und jener Welt. Sie vertröstet« sich selbst auf spätere Tage, weiiu BorriS in aller Form um ihre-Hand au« halten würde, später, später. Ihr- selbst war nicht bange. Sie war eben so g«rn« seine Geliebt« wie seine Frau. Sie wollt« rhu nur besitze, r, der Titel Ivar ihr egal. Brachte sie ein Opfer, dann tvar ein Opfer schön und leicht. Ein einziges Mal war Angst in chr Herz gekrochen, als die Mutter ihr einen Heiratskandidaten vorschlug, da tvar sie nah« daran gewesen, in die Wahrheit auSzubrrcheit, oder tvenigstenS in Tränen, zur rechten Zeit hatte sic sich aber noch besonnen und hatte die Mutter nur in töchterlichgemessenen Worten daran erinnert, daß sie doch noch io jung ici, also noch viel Zeit habe. Eigentlich begriff sie sich selbst nicht ganz. Urb«rall sprach man von der neuen Zeit, von dem Zerfall der Familie, von der schwindenden Autorität der Alte., vom Rechte der Jungen, von einer gewandelten Moral, vom Abbau altbewährter Vorurteile, BorriS hatte sie in ein neues Wissen gestürzt, daS sie freudig bejahte und sie selbst vermocht« trotzdem nicht die Formel für ihr eigenes Leben zu finden. Jetzt war vieles verdorben. (Fortsetzung folgt.) Nr. 168 Sonntag, S. Juli 1833 Sömbös in Wien. ZoHunlonspläne von Wien aus dementiert. Wir», 8. Juki. Auf Einladung deS Bundeskanzlers Dr. Dollfuß trifft morgen Sonntag abends der ungarische Ministerpräsident Gämbö« zu einem kurzen Besuch in Wien ein. Der Pefter„A z E st" veröffentlicht an lei« tender Steile die Meldung, daß der österreichische Delegierte SektionSches Dr. Schüller in London mitgeteilt habe, daß nach Auffassung der österreichischen Regierung die Schaffung einer österreichisch« ungarischen Zollunion zur Beseitigung der wirtschaft» ltchcn Schwierigkeiten am geeignetsten erscheine. Da« Blatt schreibt weiter, daß sich kompetent« Faktoren in vertraulicher Aussprache bereit« mit der Angelegenheit befaßt haben, und knüpft daran eine Reihe von Folgerungen. Wie die Wiener Politische Korrespondenz zu dieser Meldung au« London erfährt, stellt« Sek. tionschef Dr. Schüller fest, daß diese Nachricht unrichtig ist, daß an den Gerüchten von Verhandlungen und Erklärungen seinerseits über eine österreichisch-ungarische Zollunion kein Wort wahr ist, und daß er mit den ungarischen Vertretern in London nur Fragen der Ditrchsührung de« geltenden Handelsvertrages besprochen habe. Budapest lut geheimnisvoll. Demgegenüber erklärte der ungarische Außenminister Kania, der im Zusammenhang mit der Nachricht über den Plan einer österreichisch-ungarischen Zollunion vont„Pesti Raplo" um eine Aeußerung ersucht wurde, die Durchberatung de« aufgeworfenen Problem« gehöre zusammen mit dem Komplex der anderen Fragen in den Kompetenzbereich der in Wien tätigen ständigen österreichisch- ungarischen gemischten Kommission, deren Ausgabe die Vertiefung dr« Wirtschaftsverkehr« sei. Mehr könne er augenblicklich nicht über den Stand dieser Angelegenheit sagen. Ungarns Gelreldctlüerschüsse werde» von Deutschland ausgenommen? Nach einer Meldung des„Ungarischen Volks- wirt" Hal sich Deutschland bei den kürzlichen Ber- hanülungen im Anschluß an die Gönibös-Reise noch Berlin bereit erklärt, die Einfuhr von ungarischem Obst und Gemüse ohne wert- oder mengenmäßig« Beschränkungen zuzulassen. Auch die Unterbringung der heurigen ungarischen Grtreidküberschuss« in Deutschland könne als gesichert betrachtet werden, und zwar zu den ungari- schc» Jnlandpreisen. Außerdem werde Deutschland auch die vorjährigen ungarischen M ais» Überschüsse ousnehmen. Der ungarische Finanzmiuister wird sich zum Abschluß der Wcizenverhandiuugen aus der Rück- rciie aus Loudon in Berlin aufhaltcn. Vie österreichische Anleihe. Frankreich bleibt zugeknöpft. Paris, 8. Juli. Ter österreichische Finanzminister Burcsch nahm aus seiner Rückreise von London nach Wien in Paris Aufenthalt, wo er bis Montag, den 10. Juli verbleibt. Er wird mit führenden Beamten des französischen Finanzministeriums Beratungen pflegen. In informierten Kreisen wird angenommen, daß die französische Regierung zwar Bereitwilligkeit zeige, ihre Zustimmung dazu zu geben, daß die österreichische Anleihe noch vor den Ferien auf dem französischen Geldmarkt aufgelegt werde, doch wird b e- zweifelt, daß diese Anleihe jetzt Erfolg hätte. ES wurde nämlich soeben die innere französische 2-Milliardcn-Anlcihe ausgeschrieben und die Zahlungen hiesür kommen nur ziemlich schwer zustande. Nach Anstcht der französischen Finanzpolitikcr ist cS also wahrscheinlicher, daß dir Ausschreibung der österreichischen Anleihe auf eine Zeit nach den Ferien verlegt wird. WIllIllllII>>llllllllllll!llllIIllIlllllllllIIlltIllItlIllI!lIlIllIllIlllllllllllIlllltltlIltllIll>Illl>ll>ltll>lll>llllI>l>lIllll>llllIl>llIlllIIllIl>llIllWIIllllllllIllt>IIIlIllIll>l!tlllllll>lllIllllItIllIlllIll>lllIIllllIlllllIl!IWlllll!lll»l> Mit Zangen gefoltert! Eine Tat der braunen Bestien. (P.®.) Die„Denlschc Freiheit" vom 4. Juli veröffentlicht folgende SchrcckenS- bericht: Aus dem FlüchtlingSbureou in S a a t« brücken erschien dieser Tage ein einfacher, ruhiger Mann, Mitte der Dreißiger, Kriegsteilnehmer, beheimatet und bisher wohnhaft in einem Kölner Borort. Er stand dort unter dem Verdacht illegaler Arbeit für feine Partei und sollte Flugblätter verbreitet haben. Ende voriger Woche erschien mitten in der Nacht eine Nazikolonne, holte den Aermsten aus seiner Wohnung und schleppte ihn trotz flehentlicher Bitten der Familie ins Kölner Braune Haus. Dort unterzog ihn zunächst der„Führer" eines strengen BerhörS, und als der Arbeiter alles ihm zur Last gelegte abstritt, zog man ihn nackend aus und die Folter begann! Mittelalterliche Inquisitionen müssen ein Kinderspiel gegen die Qualen gewesen sein, die der Bedauernswerte jetzt auSzustchen hatte! Man schnallte ihn über ein Brett und peitschte ihn mit drei langen Ochsenziemern so lang« durch, bis sein Körper vom Rük- ken bis zu den Kniekehlen eine einzige blutige Masse war! Acht Tage später bot der also Mißhandelte bei seinem Besuch in Saarbrücken noch ein Bild des Jammers und konnte sich nur unter größten Schmerzen bewegen. Aber damit noch nicht genug! Man überschüttete den Gequälten nach der Prügelserie mit kaltem Wasser, damit er ja bei Besinnung blieb und zwickte hierauf mit Zangen Fleuch aus seiner Brust! Auch das genügte den braunen Bestien noch, nicht! Ei» besonders. würdiger Vertreter de« derzeitigen Reichskanzlers nahm sein« brennende Zigarre au« der Schnauze und sengte dem wehrlosen, immer noch gefesselten Opfer einen Kranz rund um den Hais!„Ein Kettchen aus roten Korallen zur Erinnerung/..", so höhnte der braune Sadistenkerl auch noch! Nach dieser furchtbaren Peinigung entließ man das arme Opfer; nicht ohne ihm vorher die Auslage zu machen, am nächsten Tage wieder zu kommen, um ein„Protokoll" zu unterschreiben. Wahrscheinlich hätte er bescheinigen sollen, daß cS keine bessere Behandlung gebe, als in den braunen Ställen des Herrn Reichskanzlers! Man drohte schärfste Strafe bei Nichterscheinen an! In frühester Morgenstunde schleppte sich der Gemarterte unter unsäglichen Schmerzen noch Hause, wo ihn seine Frau versteckte. Prompt erschienen nachmittags die braunen Häscher erneut, um ihr Opfer, dos den« Befehl nicht Folge geleistet hatte, wiederum zu verschleppen. AIS daS Durchsuchen der Wohnung ergebnislos war, hiel- teu sic sich an der Frau schadlos, und verprügelten diese jämmerlich. Der Mißhandelte zog vor, seine Heimat zu verlasicn, wo er den Tod zu erwarten hatte, um draußen von einer Schande zu künden, die Deutschland tief herabwürdigt. Man komme nnS nicht rnit„Grcuclmär- chcn"! Wir haben den Mann und seine Wunden mit eigenen Augen gesehen! Er ist die lebende Bestätigung deS braunen Sadismus! IIt!!tI!t>ttItIttItItIIt!IItIII!t!I!tIttIItIt!IttIItIttIttI!t>t!>ttI!t>ttt!!!I!tIt!Itt>ttIIttI!!I!!!It!ItiI!!tt!titt!tI!Itt!I!!t!tIII!tI!!ItIt!ItIttII!I!IItIttIIt!ItIIt!I!tI!tIt>»ttIttIIttt!tItt!II!tII!tItt!ttIttI!!II!>!tII!ItIt!!!!!IItIt!!!,!tI!!»!Ittlt,!,i vornhenwener und vrandstttter Graz, 8. Juli. In der Nähe der Grazer Schlachtbank wurde gestern durch die Explosion einer Bombe ein Stromleitungsmast beschädigt. In einem anderen Stadtteil wurde durch eine Äombcnexplosion eine Telcphonsprechstelle vernichtet. In Wartburg in Steiermark begossen Mitglieder der ausgelösten nationalsozialistischen Partei die Holzbrücke der Dundcsstroße über die Mürz mit Petroleum und Benzin und st e ck i e n sie in Brand. Das Feuer konnte gelöscht werden, die Brandstifter wurden verhaftet. In Groin in Niederösterrcich wurde der Arbeiter und SA.-Mann Andlinger verhaftet und in das Linzer Landesgericht eingeliefert, da er gemeinsam mit einigen anderen SA.-Leuten, darunter mit dem Sohn eines pensionierten Generals Bombenanschläge gegen einige Wirtschaftsgebäude in Linz plante. In seiner Wohnung wurde eine Menge kompromittier«nden Materials, darunter Instruktionen der SA. mit Anleitungen für SPreugstoffanschlüge beschlagnahmt. Getrennte Konzentrations lager ihr die Mazedonier. Sofia, 8. Juli. Die bulgarische Regierung hat zwei Konzentrationslager errichtet, und zwar eines für die Michajlow-Anhängcr in der Stadt L o w e k(Nordbulgarien), das zweite für die Protogerow-Anhängcr in Nova Zagora (Südostbulgarien). In diesen Lagern werden alle verdächtigen Mazedonier und andere Personen, die der Polizei bei Streife» in die Hände fallen, interniert werden. ISO Millionen Goldrubel. Moskau, 8. Juli. Die in Tokio mit den Vertretern Mandschukuos Verhandlungen führende Sowjetdelcgation hat ein Memorandum veröffentlicht, in denk sie mitteilt, daß Mandschukuo den Sowjets 250 Millionen Goldrubcl, davon 125 Millionen in Waren zum Kauf der Ostchina' bahn mit ihren Aktiven und Passiven zahlen wird. Beiderseits soll eine Konvention unterzeichnet werden, die den freien Transit von Sowjeiwarcn auf der Ostchinabahn und günstige Personentarife für die Sowjekreifenden garantiert. Eine„Schwarze Hand“ in der Tschechoslowakei? Der gestrige„Vcnkov" schreibt unter dem Titel„Ein Kobsinek eingcspcrrt— waS geschieht mit den andern?": MS daS Staatsgericht in Brünn bat Urleit im Faseiftenprozeß fällte, war es klar, daß die Angelegenheit damit nicht erledizt ist, sondern daß er notwendig sein wird, das Problem, welcher tschechoslowakische Fascisten heißt, auch anders zu lösen. Die Hauptperson Kobsinek erhielt sechs Jahre Kerker, mit ihm verschwand aber nur eine der pathologischen Erscheinungen, die unser öiscnrlicheS Leben vergiften und Vis zu einem gewissen Gnade eine ernste Ge. fahr für Ruhe und Ordnung im Staate bedeuten. An einigen Orten hat sich auch«Ine„Schwarze Hand" gebildet, welche Verzeichnisse hervorragender Funktionäre unserer politischen Bewegung und Instruktionen zu ihrer Beseitigung hat. Die schwarzen Listen sind ein beliebter Gegen, stand ihrer Verhandlungen und Seamen und es rst kein Wunder, daß an einigen Stellen auch Leut« angemeldet sind, di« sich zum A e r g st e n hergeben würden. Der„Benkow" schließt mit den Worten: „Der Typ Kobsinek wurde noch nicht unmöglich gemacht. In der Republik bewegt sich immer noch eine ganze Reihe von KobsinekS. Aber auch an sie und ihre Führer wird die Reihe kommen!" Deutsche Studentenschaft aulgelöst. Wie die„Abendzeitung" meldet, erhielt gestern der in Pankratz in Hast befindliche Vorsitzende der Deutschen Studentenschaft IUC. Adolf die behördliche Verständigung, daß diese Organisation, welche die völkischen Studenten der Hochschulen in Prag, Brünn, Pribram und Tetschen-Liebwerd umfaßt, a u s g e l ö st wird. Ium dritten Mal— Mr die Kohemla! Die glcichgcschallete„Bohemia" rückt gestern mit einem ganzen Artikel aus, um den„B und der Deutsche» i. B." und damit sich selber von der Anklage sascistischer Gesinnung rcinzu- Wäschen. Nach beliebtem Sudeten Nazi-Rezept versuchen es die Herren Bacher und Peters weiter, für Hitler-Uudeutschtand und gleichzeitig für zarteste demokratische Behandlung der Antidemo, traten in der Tschechoslowakei Reklame zu machen. Ein ganzer Bandwurm von Redensarten wird loSgelasscn, um den Eindruck aus der Welt zu schassen, den die Gablonzer Rede des Bundes- obmannS hervorrirf. Wer aber nur eine Unze Hirn hat, wird der„B o h e m> a" draufgekom- men sei», daß sie auch jetzt»och geflissentlich die W i c d er g a b e derinkr in» in irrten ^Stelle aus der Rede des Pastors Wehrenfcn- tnio vermeidet. Sie leugnet allerdings nicht, daß diefer Pfaffe den Sudetrndeutfchen den Umsturz im Reiche als Beispiel hinstellte, versucht aber, diese Acußcrung, ohne auch nur auf ihre» Inhalt einzugchen, ohne nur ein Wort davon zu zitieren, als„harmlos" hinzustellcn. Das sind T a l ch e n s p i e l e r k u n st st ü ck c, die, wir sagen eS nochmals, innerhalb der anständigen und seriösen Journalistik verpönt sind. Und in dasselbe Kapitel gehört der Versuch der „Bohemia". das„Di o n t a g S b l a t t" gegen den „Sozialdemokrat" auSzuspielen, nämlich unsere Uebernahme des Berichtes auS dem „Montagsblatt" dadurch in ihrer Wirkung abzu- lchwächen, daß sie, die orehgewandte„Bohemia", darauf hinweist, derselbe„Sozialdemokrat", der jetzt eine Meldung des„Montagsblatt" gläubig hinnimmt, hätte einmal daS„MontagSblatt" vor Gericht gebracht. Wir könnten einfach im der. zeit in der„Bohemia" anSgefchalteten Ton fragen: Wie kommt daS zu dem? Wir wollen aber die„Bohemia" doch sachlich dahin ausklärcn, daß sich nnS das„MontagSblatt" seit den Tagen des Umsturzes im außenpolitischen Teil als das demokratisch gesinniingstiichtigste Prager dcutschc Blatt darstellt, das sich durch seine antisascistischc Haltung mehr als das Verdienst, von uns zitiert zu werden, erworben hat. Sein Bericht erscheint also als ganz zuverlässig. Wenn dagegen die „Bohemia", ohne die bundesobinännisch- sasci- stischc Aeußerung zu zitieren oder in Abrede zu stellen, behauptet, daß ihr„Dr. Peters ei» genügend zuverlässiger Zeuge" sei, so stellen wir fest, daß Herr PeterS für uns aufgchört hat, dies in irgeiw einem Punkte zu sein, sei rS auch nur in Fragen der Zuverlässigkeit deutscher Sprache. Die„Bohemia" ist so außer Rand und Band darüber, daß wir ihr an ihrer Freundschaft für den Bund der Deutschen ihre sascistische Gesinnung neuerdings unerbittlich Nachweisen, daß sie mit Beschimpfungen wie„Leicht- fertigkeit",„Entartung^,„Verlogenheit" und so weiter um sich wirst. Wer schimpfte ist im Unrecht. Wir haben unser Urteil über die jüngste Vergangenheit der„Bohemia", die charakteristischer Weise samt ihren Redakteuren gerade jetzt in Deutschland recht gern gesehen ist, wiederholt ausgesprochen. Dasselbe Blatt, daS nach wie vor kritiklos und liebevoll alle Enunziationcn des „Führers" spaltenlang abdruck!, hat, beispielsweise, nicht einmal eine Zeile Raum übrig sür die Ermordung Stellings. Es sucht dem „Tag" den Rang abzulaufen. Fragt sich, was verachtenswerter ist: die Jun- go S, die jetzt ihre fascistische Begeisterung verleugnen wollen, um im Lande Karriere zu machen, oder die BohemioS, die unter dem Schutze deS verschlissenen DemokratenhuteS die Sudetendeutschen da« fafcistische Unglück lehren. Seite 3 Wilhelm Ellenbogen— fiebrig Sötte.. Tic österreichischen Genosien— und auch wir sndetendeutschcn, die den kleinen großen Mann auch heute noch mit al« den unseren betrachten— wollen es nicht recht glauben, daß Wilhelm Ellenbogen heute seine« siebzigsten Geburtstag friert. Wir sehen ihn vor uns, springlebendig an Geist und Leib, wir erinnern uns seiner vielen prachtvollen VcrsanunlungSrcden und Vorträge auch in der Tschechoslowakei, wir verspüren de» Fcncrgcist, den jugendlichen Idealismus. die unbeirrbare AngrifsSkraft Ellenbogens— und wir sind selbst geneigt, es einfach in Abrede zu stellen, daß Ellenbogen jetzt kalendarisch schon ein ganz Alter sein soll. Mer cS ist so. In den Achtzigerjahrcn ist Ellenbogen als junger Sekundararzt des Wiener Allgemeine» Krankenhauses zur Partei gekommen, fast fünf Jahrzehnte steht und kämpft er in den vordersten Reihen, seit mehr als dreißig Jahren ist er ununterbrochen Abgeordneter des zwanzigsten Wiener GcmeindebczirkcS, der proletarischen Brigittenau, int Reichsrat oder int Nationalrat. Und seit mehr als vierzig Jahren gehört er deut österreichischen Parteivorstand an. Seine Leistung als Führer, Redner, Vortragender und Schriftsteller ist exorbitant, er trägt einen der mit Recht verehrtcsten Namen nicht nur in der österreichischen Sozialdemokratie, sondern auch in der Internationale. Ellenbogen ist eine jener prachtvollen sozialdemokratischen Gestalten, dir die Inkarnation von sozialem nitd ethischem Wollen bilden; ein unerbittlicher, mit schärfster Dialektik, mit grimmigem Humor, mit tiefer Sachkenntnis aus den verschiedensten Gebieten auSgestatteter Feind der kapitalistischen Politik und Wirtschaft, und zugleich eilt Apostel der Schönheit, alles Edlen, einer neuen, dem ganzen Volk gegeben«» Geistigkeit. Ein gründlicher Kenner der italienischen Sprache, deS italienischen Lands und Volks, der italienischen Kunst, wurde er sofort einer der gesürchlesten Sprecher gegen den FasciSmuS, als dieser die Sonne Italiens zu verdunkeln begann. In Ellenbogen bewundern wir aber auch den Pfadfinder der Arbeiterschaft aus ihr fernen Gebieten der Kunst; er gilt als einer der besten Deuter Richard WagnerS, dessen Werk er mit aller Liebe für das Große und Schöne und mit seinem Rüstzeug deS historischen Materialismus, der marxistischen Betrachtungsweise der Arbeiter- schaft erobern half. Heute noch wie eh horcht nicht nur die Arbeiterschaft auf, wenn Ellenbogen daS Wort ergreift, ob im Parlament oder mit der Feder, ob in außenpolitischen, ob In vcr- kchrStcchnischcn, ob in künstlerischen Fragen. Mit dem Proletariat deS Oesterreichs von heute verdankt auch die Arbeiterschaft in den Sudctcnländrrn Wilhelm Ellenbogen unsagbar Viel. Sie darf sich daher mit in die vorderste Reihe der Gratulanten stellen, die dem geliebten Manne heute ein Wort innigen, ehrlichst empfundenen Tankes sagen und den Wunsch ausspre- chen, daß dieser illustrc Kopf, dieses glühende Herz noch lange so wie bisher Fttnkcn sprühen möge, um immer neu daS Feuer deS Sozialismus in Oesterreich und überall größer zu«nt- fachcn., Goldstandard-Länder halten zusammen. Pari«, 8. Juli; Heute traten in den Räu- nicn der Bank von Frankreich unter dem Vorsitze deS GencralgonvcrneurS der Bank Moret die Gonverneitre und Direktoren der EmisiionS- banken jener Staaten zu einer Beratung zusammen, die dem Goldstandard treu geblieben sind. Vertreter waren außer Frankreich noch Belgien, die Tschechoslowakei, Holland, Italien, Polen und die Schweiz, die zusonnnen über mehr als die Hälfte deS gesamten Geldvorrat« der Welt verfugen. Außerdem nahm an den Beratungen der Direktor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich teil. „Die goldene Konferenz", Ivie sie in PartS genannt wird, befaßte sich mit den praktischen Maßnahmen, die die Goldstandardländcr ztt unternehmen gedenken, um der durch die Londoner Konferenz geschaffenen Situation cntgegen- zutrcten. Eine definitive Entscheidung wurde bei den Beratungcit noch nicht getroffen, da die Lage in London noch nicht endgültig geklärt erscheint; doch wurde der grundsätzliche Beschluß gefaßt, daß die Staaten des goldenen Blocks an keine Entscheidung ohne vorherige gemeinsame Beratung herantretcn werden. Die Vertreter der Emissionsbanken der genannten Staaten werden Ende Juli neuerdings in Bafel zusammentreten. IHene Ratschläge aus Washington. Washington, 8. Juli.(Reuter.) Präsident Roosevelt bereitet eine neue Botschaft für die amerikanische Delegation in London vor, in der er ausführlich sein Programm betreffend die Hebung des Niveaus der Weltpreise darlcgen will. Dieses Problem sollte nach Ansicht Roosevelts das unmittelbare Ziel der Verhandlungen der Londoner Weltwirtschaftskonferenz bilden. Dollarstablllsierurg aul der alten Plundrelatlon? Das volkswirtschaftliche Blatt„Commerce" schreibt, nunmehr herrsche die allgemeine An- lchauung vor, daß in dem Augenblicke, wo das Pfund die Parität erreicht haben wird, der Pfundkurs gegenüber dem Dollar wenigstens vorübergehend stabilisiert sein werde, Seite 4 Sonntag, S. IuN 1933 fit. 168 Das LmmklmngM am DaWein. Was der gerettete Führer erzählt. Dem geipordetm Fremd. Nun ist auch Genosse Johanne» 21 c l l i n g in die Reihe der schuldlosen Märtyrer für die große Idee des Sozialismus ciuaerückt. Er wollte es nicht glauben, daß sich Menschen fänden, die chn, den schwer kurzsichtigen, kranken, aber stets arbeitSfrohrn Menschen erschlagen könnten. Nach Auflösung der SPD wurde er verhaftet und zwar nicht sofort erschlagen,:paS vielleicht eine Gnade gewesen wäre, aber derart mißhandelt, daß er nunmehr vor drei Tagen an den Folgen dieser Mißhandlung gestorben ist. Was wußten die Scheraen des blutigen Systems von dem prächtigen Menschen Johannes Stelling! Ein Sozialdemokrat war er, dazu noch ein„Bonze" und acsinnungstreu, das genügte. Also wurde er verhöhnt, gequält, gemordet. Es ist schwer, das alles mitzucrlcbcn. Wie konnte die entmenschte Roheit sich an diesem lieben»- würdigen, jeden Haß verwerfenden, auS dem hoffenden Proletariat cmporgcwachsenen und seine Abkunft stets stolz betonenden Menschen so schwer versündigen? Sein Leben war nur Arbeit. Ehrliche, fleißige, rastlose Arbeit im Dienste der Allgemeinheit und vor allem der leidenden Arbeiterklasse. Als Vorsitzender des Beirates für Kommunalpolitik beim Partcivorstand in Berlin, lernte ich Gcnosien Stelling persönlich näher kennen und schätzen. Er arbeitete mit den Gcnosien Fech- ner und Wolf zusammen, die gegenwärtig vielleicht mit vielen LeidcnSgcnosscn in einem Konzentrationslager über die Kultur des neuen Deutschland Nachdenken. Sein Ziel war die Ausgestaltung der kommunalpolitifchen Kanzlei und der Organisationen zur Schulung und engen Zusammenarbeit der 43.600 sozialdemokratischen Stadt-, Gemeinde-, Provinz- und KrciSvcrtrcter. „Erst dann, wenn diese Zusammenarbeit erfolgt," sagte er in seinem Referat auf der Gemcindevcr- treterkonfercnz in Magdeburg im September 1927,„sind Differenzen zwischen den Gcnosien so gut wie ausgeschlossen." So war Genosse Stelling der geborene sachliche und gewissenhafte Arbeiter auf dem weiten Gebiet der Kmnmunal- vcrwältung, der die Organisation und Zusammenarbeit als wichtigste Voraussetzung für den Erfolg betrachtete. Genösse Johannes Stelling durste jene Welt, die er ersehnt, geahnt und für die er über drei Jahrzehnte alle seine Kräfte cinsehtc, nicht mehr sehen. Er ist gestorben, wo in Deutschland schwarze Wolken das leuchtende Morgenrot einer neuen Zeit neuerlich verdunkeln uitd die Freiheit zur Stäupung und Brandmarkung verurteilt ist. Als ich Genossen Stelling das letzte Mal sprach— cs war nach der Wählerversammlung am 16. September 1931 im Ausiiger Volkshaus— da sagte er im Gespräch halb im Scherz und halb im Ernst:„Weißt du, der Geineindcpolitiker muß zu größeren Opfern bereit sein, als sich für gute Arbeit nur bcmcckcrn zu lassen, er mutz bei schlechtestem Wetter und erst recht vor dem Feind auf dem Posten bleiben!" Du bist auf dem Posten geblieben, lieber Freund Stelling. Und die Wunde, die dein Sterben hinterließ, wird offen bleiben, bis>n Deutschland wieder wahre Kultur und edle Menschlichkeit in Freiheit über die Barbarei triumphiert! Leop. Pölzl. Vom Randiunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Sonntag: Prag: 6.30 Morgengymnastik. 9.15 Polnische Kompositionen. 10.00 Konzert. 17.30 Schallplatten. 18.00 Deutsche Sendung: Reportage aus GraSlitz vom Musikscst. 19.00 Blasmusik. 22.20 Tanzmusik.— Brünn: 10.00 Lieder und Arien. 18.00 Deutsche Sendung: Bunte Stunde 21.00 Abendkonzert.— Wen: 11.25 Tinsonielonzert. 13.10 Dokumente der Zeit. 20.46„Der Bajazzo"«Schallplatten).— Fronksurt: 20.15 Operettenkonzert.— Breslau: 15.10 Kinderfunk 19.20 Den Ische Volkslieder.— Hamburg: 20.00 Heiteres Konzert.— Leipzig: 15.00 Chorkonzert 18.30 Beethoven: Kreutzer-Sonate.— Berlin: 19.30 Mozart.— München: 9.10 Kammermusik. 18.05 Peter Rosegger. Montag. Prag 10.10: SchaUpiatien, 13.10: Schallplatte::, 18.30: Deutsche Sendung: Vergangenheit und ZukunstSaufgabe des Felms, 19.25: Mährisch-slowa- lisch« Lieder, 19.10: Tamburizzenkonzert, 21: Konzert.— Brünn 12.30: MitiagSlonzcrt, 17.45: Schall- Platten, 18.25: Deutsche 2 endun g: Jng. Disom: Di« Brünner Bauausjiellung, 19.25: Jugoslawische Volkslieder.— Wien 15.30: Jugendstunde, 16.35: Rettung auS der Dachslcinsüdwand, 20.55: Alt« Wiener Musik, 22.20: Zigeunermusit.— Breslau 18.20: Violinkonzert.— Leipzig 15: Frauenfunk, 20.05: Orchesterkonzcrt.— Berlin 17.50 Abenteuer und Schicksale, 21.30: Hallo London' München 15.50: Für di« Kleinsten, 20: Sinfoniekonzert. Dienstag. Prag 11: Schallptallen, 12.30: Konzcrt, 14.50: Blasmusik, 18.80: Deutsch« Sendung; 19.40: Harfentonzert.— Brünn: 13.40: Schallplatten, 14.50: Schranimelkonzert, 18.25: Deutsche 2 e n- d u n g: Die Großstadt als Erzieherin.— Wien 15.35: Jugendstunde, 10.85: Wochenende auf den: Wasser, 21: Sinfonieorchester, 22.30: Tanzmusik.— Frankfurt 21: Unterhaltungskonzert.— BreSlau 15.10: Kinderfunk.— Mühlacker 16: Frauenstunde. — Leipzig 20.25: Konzert.— Berlin 18: Die fremde Welt«Australien).— Langenberg 20.45: Sinfoniekonzert.— KönigSwusterhaufen 17.35: Beethoven: »ammermusik. 18: Abschied und Wandern. Wien, 8. Juli. AuS Aosau wird gemeldet: Bergführer Samuel S ch i f f b ä n k c r, der ein-, zige llcbcrlcbcnde des LawinenunglückeS auf dem Dachstein, ist heute nach Gosau hcimgekchrt. Er hat sich von seinen Verletzungen und seelischen Erschütterungen soweit erholt, daß er die Kata- strophc folgendermaßen schildern konnte: „Ich hatte den Auftrag übernommen, die Familie Dr. Feierabend von der Adamekhütte zur Hofpürgclhütte zu führen. Wir waren alle fünf an einem Seil fcstgemacht und gingen in grßeren Abständen hintereinander. Plötzlich brach weit oberhalb von uns— wir befanden I uns beim Nordostgrat der Schneebcrgwand— eine Lawine los und ehe wir uns von unserem! ersten Schreck erholen konnten, hatte sie unsj bereits erfaßt. Dank meiner BergkenntniL gelang eS mir, mich aufrecht zu erhalten, und ich drehte mich, als alles vorüber war, vorsichtig noch meinen Touristen um. Ich sah die Frau Dr. Feierabends und ein« ihrer Töchter von der Lawine erfaßt, aber noch mit einem Teil ihrer Körper auS dem Schnee herauSragcn. Ich macht« T agesneuigkeiten ^affenvergkftuug durch— Kolalschen mit Schlagobers. Pari-, 8. Juli. Aus Orleans wird berichtet, daß dort mehr als 5 0 P e r s o ne n unter BcrgiftungScrsch«inungen nach d«m Genuss« von mit Schlagobers bestrichenen Kolalschen erkrankt seien. Dieses Gebälk hatte ein Orleanscr Zuckerbäcker hcrgestellt. 20 Personen mußten ins Krankenhaus befördert werden- bei zwei von ihnen gibt der Zustand zu Besorgnissen Anlaß. Rew Vorker Bankräuber erbeuten 80.000 Dollar. Rew?)ork, 8. Juli. Auf die Zweigstelle der Corn Exchange Bank am oberen Broadway wurde heute ein sensationeller Raubübcrfall ausgeführt. Fünf Banditen, von denen einer in Uniform war, zwangen die Angestellten der Zweigstelle, sic in die Schalterräume hineinzulassen. Die 15 Angestellten wurden in ein Hin- tcrzimmer gesperrt. Dann raubten die Banditen aus einem Gcldschrank ungefähr 30.000 Dollar und entkamen in einem Auch. Entfallend« Ministerempfänge. Fürsorge- Minister Genosse Dr. Czech und Eisenbahnminister Genosse Bechynö werden Dienstag, den 11., Gesundheitsminister Dr. Spina Mittwoch, den 12. keine Besuche empfangen. Postminister Dr. Franke empfängt ab Montag bis auf Widerruf keine Besuche; auch die Privatkorrespondenz wird nicht erledigt. An die Hopsenpslücker und ihr« Arbeitgeber in Böhmen. Vom„Zemsky ustredni urad prace" in Prag wird amtlich verlautbart: Der Landesbeirat für Angclcgeicheiten der landwirtschaftlichen Arbeiterschaft in Prag hat den Kollektivarbeitsvertrag für di« heurige Hopse«pflücke genehmigt. Der Vertrag hat keine größeren Aenoc- rungen erfahren. Den Akkordgrundsatz wird j«. doch der Landesbeirat wi« alljährlich erst Anfang August, also noch immer rechtzeitig vor dem Beginn der Pflück«, kundmachen. Mit der Zusammenstellung und Anwerbung der Partien wird jedoch sofort begonnen werden, weil«s sich selbst bei dem geringeren Bedarf« von Hopfenpflückern nahezu um zwciei nhalbtausend Partien mit rund 50.000 Pflückern handelt. Alle Parttesührer und Parteiführerinnen werden des. halb ausgcsordert, ihr« Partien in der nächsten BezirkSanstÄt für Arbeitsvermittlung unverzüglich anzumelden. In den Anstalten erhalten sie einen Abdruck d«r Vertragsbedingungen und alle notwendigen Informationen, llebcrall, wo beid« Vertragsparteien im Vorjahre zufrieden waren, wird das Arbeitsamt bestrebt sein, solche Partien wieder an ihre alten Arbeitsstellen zu vermitteln. Anmeldungen der Unternehmer übernimmt der„Zemsky ustfcdni urad prace" bis l ä n g st e n s 2 0. I u l i 19 33. Di« betreffenden Prospekte, Bedingungen und AnmcldungSdrucksorten sind beim„Zemsky ustredni ukad prace" in Prag, odcr bei den Bezirksanstalten der Hopfeubaugebicte sowie in den Verbandskanzleicn der Hopfenbauerorganisa- tioncn in Saaz, Roudnice n. Lab., Auscha und Dauba unentgeltlich«rhältlich. Der obig« Termin für die Einbringung der Anmeldung muß unbedingt cingehaltcn werden, damit die Pslückvr. Paniken sobald als möglich wissen, wovon sie sind, und damit auch die mit der Sicherstellung und Abfertigung einer so großen Anzahl von Pflückerpartien verbundenen Arbeiten rechtzeitig bewältigt werden können. Der Mordüberfall auf eine Feldarbeiterin. Wir haben gestern mitgeteilt, daß in der Nähe der Kleinen Klajdovka bei Brünn die 21jährige Justine V a n d a von einem Unbekannten überfallen wurde. Es entstand zwischen den beiden ein Kampf, in dessen Verlauf der Unbekannte dem Mädchen eine Erdhacke entwand mch ihr damit einige Hiebe versetzte. Hierauf flüchtete er. Das Mädchen wurde in das Brünner Arbeiter- unsallspital gebracht, wo konstatiert wurde, daß mich schnell vom Seil los, um die beiden auS- zugraoen. Bevor ich aber mit den R«ttungSbcit«n beginne» konnte, ging einezwcite Lawin« nieder, die mich auch di«Smal überrascht«. Wir wurden von der Gewalt d«r Schncemasscn hin- untcrgcdrückt und es gelang mir«rst nach unendlicher Müh«, mich aufzurichtcn und herauszuarbeiten. Von Dr. Feierabend und seiner Familie sah ich nun nichts mehr. Ich Ivar auch verletzt, konnte aber noch di« Adamekhütte erreichen und dort Hilf« finden. Ein Engländer, der sich gerade oben befand, stellte sich zur Verfügung und überbrachte di« Meldung von der Katastrophe in«in«r den Verhältnissen entsprechend kurzen Zeit zum Gosenlchmied. Dom Goscnschmied auS wurde die Gendarmerie verständigt, die noch in der Nacht eine RettungSexpcdition zusammenstellte und zur Bergung der Leichen aufstieg." Wie weiter aus Gosau gemeldct wird, wurde die Leiche Dr. Feierabends noch immer nicht gefunden. Die RcttungSexpedition mußt« gestern abeiws ihre Arbeiten einstellen. Man wird wahrscheinlich warten müssen, bis die Sonne die Schne«. und Eismassen weggeschmolzen hat. die Verletzungen tödlich sind. ES ist wahrscheinlich, da der, Täler beim dem Kampf gleichfalls verletzt wurde und nun ärztliche Hilfe aufsuchen wird. Eventuelle Angaben über den Täter sind bei der nächsten Polizciwachstube oder bei der Gcndarmeriestation zu machen. Schönwetter. In den Randgebirgcn entlang der Nordgrenze des Staates werden ziemlich ergiebige Regenfällc verzeichnet(Schneekoppc 23, Alt-SchmeckS 19 Millimeter). Sonst kam es im Westen und im mittleren Teil« des Staates bloß zu Strichregen. Der Luftdruck steigt nun über dem Festland« allgemein an und wird gleichmäßiger, so daß«ine allmähliche Beruhigung des Wetters erwartet werden kann. Wahrscheinliches Wetter heute: Wechselnd bewölkt, im ganzen bereits niederschlagsfrei, mäßig bis ziemlich warm, ruhig. Ganz« Gebiete Ostgaliziens wurden von einer Ueberschwemmung heimgesucht, welche große Verwüstungen anrichtcte. In der Nähe von Stanislau wurden zahlreiche Dörfer unter Wasser gesetzt. Bei Podhaicc sind acht Dörfer von den Hochwasserfluten cingeschlosscn u:ül gänzlich von der Außenwelt abgeschnitten. Sehr bedrohlich gestaltet sich die Lage in der Nähe von S1 r y j, wo die Flüsse Swica und Stryj ebenfalls aus den Ufern getreten sind und weite Strecken unter Wasser fetzten. In den Nachmittagsstunden des Samstag, wird gemeldet, daß auch der Dnjester sein Flußbett verlassen bat und ein ungeheures Gebiet überschwemmte. Die Behörden haben eine umfangreiche Rettungsaktion eingcleitct. AuS einigen Dörfern werden auch Opfer an Menschenleben gemeldet. Vielsagendes Dementi. Aus Chicago wird gemeldct: Die in den letzten Tagen in Amerika verbreitet gewesene Nachricht, daß die in Amerika lebenden I t a I i c u c r, die Feinde des FosciSmuS sind, auf daS Geschwader des italienischen Lusl- sahrtministcrS B a l b o, sobald es am Michigansee ankommt, ein Ha ndg ra na l e na t t e n ta t verüben wollen, wird offiziell dementiert. Radek in Warschau— auch ein Erfolg Hitlers. Die funkelnagelneue polnisch-russische Freundschaft zu festigen und zu vertiefen, daS ist der Zweck der jetzigen Anwesenheit Karl Radeks in Warschau. Er soll dort mit den polnischen Zcitungslcuten in diesem Sinne verhandeln. Welch eine Wendung! Noch vor wenigen Monaten hätte ein so promineu'ter bolschewistischer Propagandist wie Karl Radek nie und nimmer die Einreise. u»id Aufenthaltserlaubnis der Polnischen Regierung erhalten, zumal er selbst ein„ungetreuer Sohn Polens" ist, der sich zu dem bolschewistischen Feind geschlagen hat. Radek stammt aus dem ehemalige» Russisch-Polen. Bor dem Krieg war er in der sozialdemokratischen Presse Deutschlands tätig und machte denr Par- icivorstand heftige Opposition. Während d«S Krieges war er in der Umgebung Lenins und als er Ende 1918 in Berlm austauchte, war er längere Zeit Gefangen«! in Moabit. In Moskau ist er zu dem hohen Amt eines— Rektors der Lenin-Univcrsität für die asiatischen Völker aufgestiegen, daneben schreibt er ständig i» der Sowjetpresse und ist außerdem der Vater unzähliger Witze, auch über den Sowjetstaat und seine Führer. In seinen letzten Artikeln hat er in der schärfsten Weise die Pläne Hitler- Deutschlands auf Expansion nach d«m Osten bekämpft. Dem hat Rod«k es gewiß zu verdanken, daß er auf einmal wieder ein gern gesehener Gast in seinem Geburtslande geworden ist. Neufundland bekommt„Geist". Das N«u- sundländer Parlament hat sich Freitag nach einer dreimonatigen Session vertagt, nachdem es einen Gesetzentwurf augenommcn hotte, durch welchen der heimischen Spirituosendcstillation das Betriebsrecht für 25 Jahre erteilt wird. Dies ist di« er st« SP i r i t u o sc ndc sti l la t i o n in Neu. fundland. Ueberschwemmung in Polen. Wie auS dem Süden der Wojwodschaft Stanislawow ge- meldet wird, sind die Flüsse P r u t h und Dnjester infolge anhaltender Regengüsse über die Ufer getreten. DaS Wasser steht 3.3 Meter hoch; Felder und Dörfer sind überflutet und die Verbindungen unterbrochen. Die Mattern in Sibirien. Notlandung wegen einer Panne. Moskau, 8. Juli(Taß.) Wie wir bereits gestern aus anderer Quelle mitteilten, sind in Moskau tatsächlich Meldungen eingctrofsen, denen JamrS Mattern. Zufolge der amerikanische Flieger Mattern am Flusse Anadyr in der Provinz Kamtschatka m Sibirien, 8600 Werst nördlich von Wladiwostok gelandet s«in soll. Ter Flieger soll v o l l k o m- mcngcsund und heil sein, lieber daS Schicksal MatternS wird weiter bekannt, daß Mattern infolge einer Motorpanne etwa 80 Mellen vom Golf von Anadyr entfernt in einem Wüst en gebiet notlanden mußte. Durch sowjetrussijchc Küstenwächter, die ihn aussanden, wurde ihm die erste Hilfeleistung zuteil. Um seinen Flug fortsetzen zu können, mich Matterns Maschine mit einem ganz neuen Motor auS» gestattet werden. IIIllllllilllllillllllWIllllllllllllilllllWIilillilllllillllllllllllllllllllilllllilllillllllllilllllllllllllllllllllh Vororte von StaniSlawow stehen gleichfalls unter Wasser. Fahrpreisbegünstigungen für Mitglieder d«S Tauristenvercincs„Die Naturfreunde". Nebst vielen anderen Begünstigungen wie Begünstigung in 430 Schutzhäufern und Ferienheimen deS In- und Auslandes, Unfallversicherung für alle Veranstaltungen des Vereines, zwei Zeitschriften, verschicdem Fach-Sektionen, Meisen, Wander- auSkunftei und Urlaubsbcratung genießen di« Mitgli«dcr de« obig«:: Vereines Fahrpreiöbe- günstigungen als Einzclfahrer in Deutsch-Oester- reich und folgende FahvprciSbcgünstigungcn in der Tschechoslowakei: a) Ab 16 Km. Personenzug oder ab 31. Km, Schnellzug bei 6 Personen (Jugend einbezogen) 33 Prozent Ermäßigung, b) Ad 100 Km. bei 8 Personen, sonst wie vorher, 33 Prozent Ermäßigung, c) Ab 200 Km. bei 3 Personen, sonst wie vorher, 50 Prozent Ermäßigung. d) Als Einzelfahrer, bei Geltung der Sonntagsrückfahrkarten, ohne Rücksicht auf die LängL der Strecke für jede Fahrtrichtung 33 Prozent Ermäßigung, c) Bei 6 Jugendlichen oder Kinder(odcr 5 und 1 Erwachsener als Begleiter) bei jeder Kilometerzahl 50 Prozent Ermäßigung. f) Als Einz«liahr«r auf d«n LSD- Autobussen, bei Geltung der Sonntagsrückfahrkarten, ferner an den übrigen Tagen bei 3 Per- sonen eine 25proze::tigc Ermäßigung.— Auskünfte, Anmeldungen und Werbeschriften durch di« Ortsgruppen- und Gauleitungen oder direkt durch die Geschäftsstelle des Touristenvereines „Die Naturfreunde" Aussig a. E., Marktplatz 11. Dl« amtlichen Ziehungslisten über die am I. August resp. auch am 2. August d I. stattfindende Ziehung der StaaIS1 osr zur Unterstützung der Bautätigkeit werden von der Direktion der Staatsschuld in Prag III., Malostransks näm. Nr. 5, ausgegcbcn und können dort gegen Einsendung von 1 K per Stück und des PortobetragcS (Drucksache) durch di« Post bezogen werden. Dort find zu demselben Preise auch die Ziehungslisten der vorigen Ziehungen und die Rcstantenlist« zum Preise .von 3 K ju bekommen. Die Bestellungen können schon vor der Ziehung erfolgen.— Authentisch ist nur die amtliche Ziehungsliste, wogegen die privat auSgegebcnen Listen ost Fehler enthalten und daher die Oefsentlichkeit unrichtig informieren. Die Hakenkreuzflagge auf deutschen Flugzeugen. Wie das BDZ-Büro meldet, haben der ReichSluft- fahrtminifter G o e r i n g und Innenminister Dr. Frick eine Luftfahrt flagge iwerordnung erlassen. Darin wird bestimmt, daß deutsche Lustfahrtzeuge neben den Buchstaben v als weitere Hoheitszeichen die schtvarz-weiß-rotc Flagge und- die Hakenkreuzflagge sichren. Segelflugzeuge, Anhängerflugzcuge und Freiballons sind zur Führung der HoheitS- flaggcn verpflichtet, wenn sie die Reichsgrenzen verlassen. Die amerikanischen EntführungSgeschichten In der Nacht auf Dienstag wurde in tarn Chicagoer .Hotel, in dom die persönlichen Freunde deS amerikanischen Millionärs Factor versammelst sind, der Samstag entführt wurde, bekannt, daß„Jack the Bavber" wahrscheinlich selbst nut. seinen Entführern betreffs seiner Freilassung verhandele. Der ungo wöhnliche persönliche Wagemut deS berüchtigten Spielers Factor ist gut bekannt. Als sein Sohn J«rom« im April 1933 von Gangsters entführt wurde, erklärt« Factor, er Würste viel Geld dafür hergobcn, wenn er an Stell« seines Sohnes gefangen wär«, denn er würde dann, so führte er wörtlich auS, sehr gut wissen, was er in einer solchen Läge zu unternehmen hätte Sein« Freunde sind fest davon ilbevzougt, daß sie ihn alsbald in Freiheit sehen werde«. WMMWWWWWMMW Nr. 158 Sonntag, 8. JuN 1988 Sette 5 Diffamierung der Konkurrenz! Der Anschlag auf die Berliner jüdisch« „Aerzteberatungsstelle". Di« Berliner SA-Aerzt« haben Freitag früh um 6 Uhr 30 jüdische Acrztc aus den Betten geholt und in die Konzentrationshöllen der braunen Machthaber gebracht. In der offiziösen Meldung, die durch alle Blätter ging, standen schauerlich romantische Dinge von einer„geheimen Verbindung" marxistischer, kommunistischer und anarchistischer Aerzte, die sich als„Beratungsstelle für Aerzte" getarnt und in Verbindung mit der Berliner jüdischen Gemeinde eine„Zentralstelle für Zersetzung und Greuelpropagandavrr- brcitung" aufgezogen hätten. Diese grotesken Behauptungen, die sich wie die knalligen Pointen eines Schundromans lesen, sind in Wahrheit bewußte Zwecklüge» zur Diffamierung hungernder Aerzte, die das barbarische Naziregime um Arbeit und Brot gebracht hat. Die„Beratungsstelle für Aerzte", die unter der Obhut der Berliner Mischen Gemeinde fungiert und ungemein segensreiche Arbeit geleistet hat, hat natürlich nicht die leiseste s> o li- tische Tendenz. Sie hat einzig und allein die Aufgabe, junge Aerzte, denen die mittelalterliche „Ariergesehgebung" di« Existenz geraubt hat, in ihrer ärgsten, drängendsten Not beizustehen. Um diese Opfer deS NatioualsozialiSNtuS ganzlich zu vernichten und ihnen jede LebenSmög- lichkeit zu rauben, haben die SA-Aerzte, fair, wie die braunen Helden nun einmal sind, zum„antimarxistischen" Schlag gegen die schon vorher zu 80 Prozent abgewurgte Konkurrenz ausgeholt. Ein wirklich„soziales" System, dessen moralischer„Gehalt" mit dieser Handlung wohl jeden Tiefenrekorü endgültig geschlagen hat. Hochwasser im Theiß-Gebiet. Infolge der ausdauernden Regenfälle der letzten Tage ist in Karpathorußland der Wasserspiegel der Theiß in gefährlichem Ausmaße gestregen. Der Fluß über- schwemmte einen Terl des tschechoslowakischrumänischen GrcnztcrritoriumS. Auf der Eisenbahnstrecke zwischen der rumänischen Station Baciouil Mare und der tschechoslowakischen Station Velky Boökov wurde die Eisenbahn- brücke über die Theiß unter Wasser gesetzt, so daß der Eisenbahnverkehr in diesem Streckenabschnitt vollkommen eingestellt werden mußte. Die Theiß stieg hier um drei Meter über das Normale. Auch der Verkehr auf der Hauptstrecke zwischen der rumärrischcn Station Vale Disaulur und der tschechoslowakischen Station Trebuäany mußte unterbrochen werden, da auch dort die Strecke unter Wasser gesetzt worden ist; auch dort wurde die Eisenbahnbrücke beschädigt. Auf der Strecke Trcbnäany— Iasina ist auf tschechoslowakischem Gebiete rin Teil der Strecke bedroht, so daß aus Sicherheitsgründen der Verkehr nnr bei Tage aufrechterhalten wird. In der Umgebung von Taöevo stieg gestern morgens das Wasserniveau um sechs Meter 60 über das Normal«. Braune Diätenrasser. Bevor di« Haken- kreuzler zur Macht kamen, wurden in Dresden di« Diäten für die Stadtverordneten aus vierzig Mark im Monat herabgesetzt. Nach der Wahl vom 8. März, als die Hunnen auch im Rathause der Stadt Dresden gleichschalteten. setzten sie ihre erste Tat sozusagen durch die Erhöhung der Diäten von vierzig auf sechzig Mark ini Monat. DaS war ihnen aber, di« jahrelang über di« Diätenschinderei der Marxisten gewettert haben, immer noch zu wenig, sie setzten sic nach dem Verbot der SPD. aus hundert Reichsmark hinauf.,., Internationaler AMr-Wtß Partei und Gewerlschast zum 1. Internationalen Sporttag in Ausstg. Die große international« Vcranstoltnng findet auch i» den Kreise» der gewerkschaftliche» und politisck)«» Organisationen reges Interesse und starke Beachtung. Es werde» nicht nur die gewerkschaftlichen und positischen Organisationen der Gebiete Aussig, Teplitz, Bodenbach tcilnehmen,-sondern auch auS weiter entfernten Gebieten ist die solidarische Teilnahme gemeldet. Mit der allseitige» Unterstützung der großen Veranstaltung durch Partei und Gewerkschaft wird unseren Turnern und Sportlern sowie den übrigen Kulturorganisa- tionen, die sich an allen Teilen der Arbeiterbewegung immer gern zur Verfügung stellen, verdienter Tank abgcstattet. Die veranstaltenden Verbände freuen sich, recht viele Partei- und Gewerkschaftsgcnossen am 4., 5. und 6. August in Aussig begrüßen zu können. Die Gestaltung des Festes wird jeden, Ta« freudigen Erlebnisses bringen. Iustizoerbrechen in Hitler-Deutschland. h. b. In Braunschweig wurden der Zimmermann Otto Klages zu zehn, der Hilfsarbeiter Paul Lehdecker z» zwölf und der Schlosser Herbert Hesse zu zwölf Jahren Zuchtl-aus verurteilt. Die Verurteilung erfolgte angeblich wegen gemeinschaftlichen Totschlages, begangen an dem Nazisturmführer Schaffeld. Dabei hat die Beweisaufnahme vor Gericht ganz eindeutig ergeben, daß der Getötet« versuchte, durch eine Aktion seiner von einer anstrengenden Siegesfeier zurücktchrcnden Sturmabteilung zwei andersdenkende Arbeiter in seine Gewalt zu brin- gcir. Daraus hat sich eine Schlägerei uich Schießerei entwickelt, an der sich Schaffeld als Rädels- stihrcr beteiligte. Dabei wurde ein kommunistischer Arbeiter durch einen Rcvolverschuß schwer verletzt und der Nazisturinführer erschossen. In der Braunschiveiger N a z i p r e s s e heißt es über den Erschossenen: ... Und wir alten Knochen am meisten an ihm(Schaffeld) schätzen, er war keck und vep- lvegcn, ein„Landsknecht". Ein Blick in die Vorgeschichte zu diesem Prozeß zeigt mit unbarmherziger Deutlichkeit, w>e abgrundtief das deutsche Volk in einen Zustand barbarischer Rechtlosigkeit versunken ist. Am 17. und 18. Oktober 1931 ließ der Naziminister Klaggcs in Braunschweig, einer Stadt von 150.000 Einwohnern, 70.000 SA-Leute aufmarschieren. Seit diesem Tage rissen in dieser Stadt die Ueberfälle auf Arbeiter, Betriebe und Einzelpersonen nicht wehr ab. Dieser Terror hatte im Laufe weniger Monate eine große Anzahl von Toten und Hnudcrte von Verletzten im Gefolge. Angeregt war dieser Terror in Brannichweig. der sich unter den Äugen des NazipolizciministerS schon anderthalb Jahre vor Hitlers Sieg obfpielte, durch einen gemeinen-Hehartikel im„Angriff" des Herr» Göbbels. Dort wurde eine Reihe von Arbeiterstraßen Braunschweigs als Schlupfwinkel für den marxistischen Mob und das Untermenschentum bezeichnet, die man niederbrennen und ausräuchern müsse! Dieser Aufforderung kamen die SA-Leute mit Freuden nach. IDie warfen nächtlicherweile in diesen Straßen eine große Anzahl von Bomben, um diese Häuser zu vernichten. Daß es sich dabei nicht etwa um harmlose Spielereien handelte,, mag man daraus entnehmen, daß durch eine einzige solcher Bomben weit über dreißig Arbeiterhäuser ernsthaft beschädigt wurden. Die Sprengstücke dieser Bomben gaben an Größe und Gefährlichkeit denen einer 15 Zenrimetergranate nichts nach. Die Annahme, daß es sich bei den Boaiben- attentätcrn um. Nationalsozialisten handelte, ist nicht etwa fiktiv. Die Polizei mußte notgedrungen einige von ihnen festschen. Sie wurden nach dem Siege Hitlers amnestiert, da ihre gemeinen Ciprengstoffverbrechen gegen die Braunschweiger Arbeiterschaft aus„nationale» Gründen" begangen seien. Auch in der Nacht, in der der Sturmfuhrer Schaffeld erschossen wurde, waren ivieder drei Bomben geworfen worden, die die ganz« Stadt in Singst und Aufregung versetzten. Nach diesen Bombenwürfen zog der Sturmführer Schaffeld mit einer starten Naziabteilung an einer Straße vorbei, in der viele Kommunisten wohnen. Dort sah er an der Ecke zwei Leute stehen, von denen einer eine Bierflasche in der Hand hielt. Schaffeld hielt die beiden Männer für Kommunisten und gab seinen Banditen den Befehl, die beiden in ihre Gewalt zu bringen. Die beiden Arbeiter flüchteten tiefer in die Straße hinein, wurden ober von Schaffeld und einigen seiner Spießgesellen überfallen und sollien mitgeschlcift werden. Daraus entwickelte sich dann der Zufam- menstoß, bei dem Schaffeld um das Leben kam. Man bedenk«, daß sich diese Vorgänge in der Nacht zum 1. August 1932 abspielten, also zu einer Zeit, in der die Nationalsozialisten genau so einfache Menschen waren, wie andere Swaßenpassan- ten auch. Das Recht, über Leben und Freiheit ihrer Mitmenschen von sich aus zu verfügen, war ihnen damals noch nicht verliehen. Diesen tatsächlichen Sachverhalt haben der Staatsanwalt und das Gericht bewußt umgelogen, um zu den oben bezeichneten furchtbaren Strafen zu kommen. Cs heißt im Plaidoyer des StaatSanivalteS: ,/Dic Angeklagten berufen sich auf Notwehr, aber lag denn überhaupt ein Angriff vor? Diese Frage ist mit aller Bestimmtheit zu verneinen... Als die Nationalsozialisten von Anwohnern auf die drohende Gefahr aufmerksam wurden, war es ihre Pflicht als Staatsbürger, nach dem Rechten zu scheu, und die beiden Leute festzunehmen. Daher gab der lJturmführcr Schaffeld den Befehl." Da sich also die beiden Arbeiter nicht freiwillig in die Gewalt ihrer von einer Wahlfcier alkoholisierten Gegner begaben, haben sie gemeinschaftlichen Totschlag begangen und mußten, leider, sagte der Staatsanwalt, zu insgesamt vier- unddreißig Jahren Zuchthaus verurteilt werden. Zum Schluß verzichtete dieser edeldenkende-Herr darauf, den Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte zu nehmen, da er das Gefühl habe, daß auch di« Angeklagten deutsche Menschen seien. Schamloser und gem«iner ist wohl selten irgendwo in der Welt die Justiz zum Rache- instrument gegen wehrlose Menfchen gemacht worden wie im Deutschland der Hitlerschen Volksgemeinschaft. Ob den-Herren Juristen nicht manchmal insgeheim vor der kommenden Vergeltung graust? Zwei Fälle aus der Elendszeit. rgenheit hatte, im Laufe dieser wenigen Minuten ii den Besitz der Geldmittel zu konnnen, die dazu otwendig sind, daß ein Mensch al« unbescholten clten darf und als Freiwild der Büttel. Auch der lichter verschloß sich dieser Einsicht nicht und sprach en Angeklagten frei. entwickelt haben. Bei der heutigen Berhandlung weinte er hilflos. Er wurde in Ansehung aller nnldcrndcn Umstände zü drei Tagen Arrest verurteilt, mit Rücksicht auf sein« völlige Unbescholtenheit und tadellosen Leumund bedingt auf ein Jahr. rh. Ein„BaMuud". Manche der kleinen Verhandlungen, wie sie vor dem Bezirksgericht in Prag alltäglich zu Dutzenden abgeführt werden, werfen grelle Streiflichter auf das unsagbare Elend dieser Zeit und auf die Trostlosigkeit der sozialen Zustände. Anklage wegen„Vagabundage"... Dor dem Bezirksrichter enthüllt sich«in sonderbarer Sachverhalt. Der angeklagt«„Landstreicher" ist landwirtschaftlicher Arbeiter, der in Prag wochenlang verzweifelt irgend eine Arbeit gesucht hat. Natürlich vergeblich! Als er, halb verhungert, obdachlos und ohne Heller Geld in der Tasche in einer Nacht im Stadtpark auf einer Sank schlafend vom Auge der Gerechtigkeit erspäht and beanständet wurde, wurde er seinerzeit nach dem Sagabundengesetz angellagt und auch tatsächlich verurteilt. Der„Gerechtigkeit" war also Ncnüge getan. Aber dieser Mann ist«in besonderer Pechvogel und so ereignete sich der solgcndc Vorfall, »er Gegenstand der heutigen Verhandlung war. Als man ihn aus der Strafhaft des BezirkS- zerichtes am Karlsplatz entlassen hatte, wollte ich der arme Teufel zur A r b c i t S b ö r s e begeben, |itr städtischen Arbeitsvermittlung am Sethlehemsplatz, um neuerlich sein Glück zu ver- üchen. Kaum aber hatte er dl« Fahrbahn iiber- chritten, um durch die B r e n t e g a s s e zu seinrm Ziel zu gelangen, wurde er von Detektivs auf- zegriffcn. Alle seine Erklärungen halfen nichts. Er nußte mit aufs Kommissariat, wurde der Polizei- »irektion cingeliefert und befand sich In kürzester Zeit wieder dort, von wo man ihn kaum erst entlassen hatte, nämlich vor dem Bezirksgericht, und! iwar abermals unter Anklage der Sagabundage! Die Logik einer solchen Anklage zu begreifen, reicht der normal« Menschenverstand nicht auS. Wenn lchon Armut, Elend und bitterste Not im Sinne Rauffiandel vor der„Wo". Tie„Burs a" ist di« Arbeltsbörse, die Prager städtische Stellenvermittlung am BethlehemSplatz, vor der Tag für Tag hundert« arbeitsloser Menschen ihre Arbcilslosenlegitimation abstempcln lassen. Arbeit finden ist hier«in Glückssall, der einem guten Treffer in der Lotterie gleichkommt. Man versuche sich vorzustellcn, wie die Stimmung beschaffen ist, die in diesem Milieu der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung herrscht! Jarossav Soukup, ein 24jähriger Uhrmachergehilfe, seit langem arbeitslos, ist angeklagt der llebertretu-ng gegen die körperliche Sicherheit. Ter Angeklagt« ist ein schwächlicher, unterernährter Mensch von tuberkulösem Typus und hinkt auf einem Bein. Er hat einem anderen Arbeitslosen durch einen Hieb gegen das linke ■ Q 5 r eine leicht« Verletzung zugefiigt. Wie sich auS seiner Aussage ergibt, Ist diese Handlung eigentlich nur der Ausbruch einer verzweifelten Wut, die sich in dem armen Menschen seit langem ausgespcichert hat. Man muß es verständlich finden, daß an dem Versammlungsort dieser Verdammten der brutale Selbstbchauptungslrieb in den Vordergrund tritt. Die Lokale sind unzureichend, die Organisation des ParteienverkrhrS mangelhaft. Ter Stärkere schiebt den Schwächeren beiseite, um eher an der Reihe zu sein. Ter Angeklagte behauptet, auf diese Art mehrfach um die Möglichkeit gebracht worden zu sein, einen der wenige» freien Posten, die von Zeit zu Zeil angemeldet werden, zu erhalten. Vielleicht Ist das nur | Einbildung; jedenfalls fühlte er sich als Schwacher und als Krüppel von seinen stärkeren Schicksalsgenossen gewaltsam beiseite gedrängt. So genügte am 27. Juni ein unbedeutender Anlaß, um Ihn in | ein« förmliche Raserei zu versehen. Es ist nur ........... ,.,..v c’ nc,n glücklichen Zufall zu danken, daß die Zchlä- i« kapitalistischen Rechtsordnung nichts anderes'^"';**' c, l'ch zwischen ihm und einem anderen ind als eine Gesetzesübertretung, so kann^bcitslosen entspann, mit einer leichten Ver- wch keinesfalls einleuchtcn, daß der Tatbestand der^ des Letzteren endete,^onft stünde der An- Vagabundage" bei einem Menschen vorllegcn soll, lieklagtc vielleicht wegen eines schweren Verbrechens >°r eben erst aus dem Gefängnis entlassen! Kr-iSg-richtSsena oder gar vor den Gc- ourdc und also auch beim besten Willen keine®e. 1 ungeahnte Kraft und Brutalität Kopfschmerzen, nervösen, rh,»mansch«» und gichtisch«» Schmort«» Hot sich Togal hervorragend bewahrt. Zahlreich« Dank» lchreiben Mer Togal bet veraltete» Leiden, bet bene» kein andere» Mittel half. Togal Ist start Harnsäureldscnd, daktertenlätendl Sin»ersuch Überzeugt l Fragen Sie Ihre» Arzt. In alle» rlpotheken. lSeneralbepot: Brauner« tilpvlheko „Zinn weihen Löwen", Prag II, PKtop, Ith Der SifiOAr Ma» saß gemütlich plaudernd zusammen und suchte sich die Zeit möglichst angenehm zu vertreibe». Plötzlich kam Paul auf eine gute Idee: Jeder möchte doch einmal eine besonders abenteuerliche und unwahrscheinliche Geschichte erzählen. Fritz begann. »Ich weiß nicht, ob Euch die Sache mit meinem neurasthenischen Tiger bekannt ist; sie klingt unwahrscheinlich und ist eben deshalb lvahr. ?lls ich seinerzeit in Indien war, sing ich im Dschungel einen Tiger, der, obwohl völlig ungezähmt, so feige war, daß er zu weinen anfing, wenn ich ihn nur scharf anbucktc. Als ich ihn einmal züchtigen mußte, weil er sich in Gegenwart einer Dame ungebührlich ausgcführt hatte, schluchzte er so unaufhörlich» daß ich ihm tränenstillendc Watte geben mußte. Wenn diesem Tiger ein kleiner Singvogel über de» Weg lief, bekam er stärkstes Herzklopfen und zitterte an allen Gliedern wie Espenlaub—." * „Mir," berichtete Eduard,„ist auf einer Reise mal etwas Merkwürdiges passiert. Bei einem nächtlichen Gang durch eine üoelbclenm- dcte Straße der Stadt O. drangen plötzlich fünfzehn maskierte Männer mit dem Revolver in der Hand auf mich ein. .Hände hoch!' schrien sic. Ich nahm die Hände nicht hoch, sondern sah die fünfzehn Männer mit starrem Blick an. .Wissen Sie eigentlich, mit wem Sic es zu tun haben?' sagte ich liebenswürdig und überreichte den Mannern 15 Visitenkarten. Woraus sic totenbleich wurden und ausrisscn wie Schaflcdcr." „Bor einigen Tagen—" so berichtete als dritter Karl,„war ich in einer nationalsozialistischen Versammlung. Ter Redner sprach überaus sachlich, vermied jede persönliche Beschimpfung und wurde auch den Gegnern in jeder Weise gerecht—." „Hör' auf—!" riefen da die Freunde und lachten so hemmungslos, daß sic in akute Er- stickungsgcfahr gerieten,„wir kapitulieren! D» bist der Sieger! So wie Tu schwindelt keiner— F r ä n z ch e n.. Betriebsausjch sie dürfen Einsicht irr Lohnlisten nehme». Di« Schiedskommission der Belricbsaneichnsse in Prag Hal über die Beschwerde deS Bclricbsausschus- ses der Länderbank gegen di« Leitung der Bank, welche dem Bctrivbsausschuß das Recht, durch cm Mtglied in die Lohn- und Gehalliislen der Bank Einsicht zu nehmen verweigerte, nach mündlichen Verhandlungen folgendermaßen entschieden: Der Beschwerde wird st a t i g c g e v e n. Die Bank ist verpst'chtot, dem LctriebSausschnß die Möglichkeit zu geben, durch ein Mitglied in die Lohn- und Gehaltslisten in Auwescnhe-'. eines Vertreters des Betriebes Einsicht zu nehmen. In den Gründen oer Entscheidung wird angeführt: Bei der Länderbank bestehl c-.n selbständiger Pensionsfonds, welcher unter. Beteiligung der Arbeitnehmervertreter, also des BclriebsauSschusseS, zu verwalten ist. Die Bankleituug verweigert diesem jedoch die Möglichkeit, an der Benvaltnng des Fonds teilzunehmen, obwohl-er Bctriebsausschnß mit der Bank über di« Regelung der Pensionsordnung verhandelt. Ta die Penjionsgrnndlage nach den aktiven Bezügen verrechnet wird, hat der Bclriebsansjchuß Einsicht in die AuszahlungSlssten nehmen wollen, um das Verhältnis der Aktive» zu den Pensionsbezüge« fcstzustellen und hat dabei darauf verwie- en, daß die Pensionsonsprüchc«in Bestandteil des Arbeitsvcrrrages sind, dessen Einhaltung der De- triobsausschuß zu überwachen hat. Gegenüber den Einwänden der Bank hat die Schiedskommission die Auffassung des BetriebsanS- chusses als richtig anerkannt und bestätigt, daß die mit dem Pensionssonds zusammenhängenden Fragen aus das engste mit den wirtschaftlichen und sozial«» Interessen der Angestellten verknüpft sind, o daß«S zu den Pflichten des Betriebsausschusses gehört, sich um sie zu kümmern. Ein Mittel zur Erfüllung dieser Pflicht ist eben auch die Möglichkeit, in die Listen der Gehalts- und Lohnzahlungen Einblick zu nehmen, die— wie es in der Entscheidung tautet— bei ordentlicher Führung derart sein müssen, daß keine Bedenken entstehen können; wenn der BetriobSauSschuß in di« Listen Einsicht nimmt. Genossen! auögesetzt f ü r Sie Verbreitung unserer Zeitung agitieren» Setz» euch überall für unsere Parteipresse «in. In vaS Heim veS Arbeiters gehört Vie venossenu.tSenossinneu DGitLeVt Seit, 6 Sonntag, 9. J«N 1988 Nr. 188 PISTYAN Prager Zeitung In allen Apotheken end Drogerien den 2070 Radiumheilbad • St. joachimsthal* I -07 i Der Film beitersportler statt Die gut aufgemachten Vorsüh- rnngen der Arbeitersportlcr Dornbirns und Salz- lEbtfteöetteec: Wilhelm AltHit. nbt von bet Poft» a. Lelearapheablreis' Meidling brachte SamSIag, den Auch bei dieser Bcr- Mdmnn der Pa. HEGNES* Cie- PILSEN. SIND DIE ALLERBESTEN I aufw. gutbdrgerllche Tajespenslon. warme Sonnenlage. Schlammbäder Im Hause. Empfohlen bei Rheuma. Gicht. Ischias. Ausk.: Badedirektion In Bad der anderen Methode viel davon zu spüren. Wenigstens vorläufig noch nicht. Noch immer siechen die Menschen dahin, obzwar ihnen vielfach mit einer kurze» Kur am Beginn ihrer Krankheit in einem.unserer Bäder geholfen werden könnte, nur deshalb, weil sic die Mittel für den Besuch eines Bades nicht aufbringen. Und doch (ttailgibet: eitgftit» laak-Uk<|tnktieltian alt tttlak Nr 1S.B00/VH/1D3O dewmtgl.- ve,ug«didtnaungen: Bet Zustellung Ins hau» oder del Bezug durch die Pust monatlich Ni 10.—, vlertelfidrlich U Ü.-u HlelNtri« U 06,—, gaiuitttg U WX—.— S«lnmu ErmSstigte Rück alirka ten. Auf allen Berbindungsstreckcn zwischen Prager AbfertigungSstellen Wilsonbahnhof, Weinberge, VySehrad, Smichov und Hluboöep wurde der einheitliche Rücksahrprcis von 2 K eingeführt. Ebcnso zwischen den Abfertigungsstellen Mäsaryk- bahnhof, Bubna, Dejvitz und Bcleslavin. Herabgesetzt wurde der Rückfahrpreis von den höher angeführten Prckgcr AbfertigungSstellen sowie in der Gegenrichtung, in folgender Weise: In die Station Hostiviee auf-1 K, JeneL aus 5 K, UnhoSt aus 8 X, Haltestelle Kladno-Stadt aus 1V X, Station Kladno. mit AntobuSsahrt nach Kladno-Wilsonplatz oder umgekehrt 10 X. Der Rücksahrprcis wurde weiter herabgesetzt: Bon Prag-Wilsonbahnhos nach Leder a. 2. über Leröan oder Prag-Masarykbahnhof über S v v t 1 a a. S. auf 46 K. Prag-Wlsonbahnhof und TcitiSbahnhos-Byfokan nach Lelakovice auf 8 X. Kinder, für welche nach Artikel 11 EBO. der halbe normale Fahrpreis gezahlt wird, werden zum halben ermäßigten Preis befördert. Di« Verwaltung der Drahtseilbahn Johanni S b a d— Schwarzer Berg hat im Einvernehmen mit den AutotrailSporteurcn für die Sommerfaifon kombinierte ermäßigte Fahrkarten von der Station Freiheit-Johannisbad auf den Schwarzen Berg zum Preise von 17 K, für die Fahrt in entgegengesetzter Richtung zum Preise von 11.40 K eingeführt. Diese Fahrkarten werden aus dein Wilsonbahn- hof, Schalter Nr. 18, aiiSgcgeben. Detaillierte Informationen aus den BahnhosSämtern. die Veranstaltungen am 20. Juni durchgcführt. Für diesen Tag waren 13 Veranstaltungen festgesetzt. Leider litten auch diese Veranstaltungen sehr unter der Mißgunst der Witterung. Trotz dcS Wetters haben 30.000 Personen an den einzelnen Festen tcilgcypjnmeu. Der Bezirk seine' Veranstaltung bereits' am 24. Juni, zur Durchführung, anstaltung waren 8000 Festgästc. Bei allen Veranstaltungen haben Redner der Arbcilersportler und der Partei über die Bedeutung deS Wellarbciter- sporttagcS und über die kulturellen Bestrebungen der. Arbeiterklasse gesprochen. Ter Eintritt zu den einzelnen Veranstaltungen war frei. In den österreichischen Bundesländern konnte der Wcltarbclter- sporttag am 18. Juni auch nicht überall zur Gänze durchgcführt werden. Dort, wo dies nicht möglid) war, wurden die Veranstaltungen aus Sonntag, den 25., bzw. Donnerstag, den 20. Juni verschoben und durchgesührt. In Wiener Neustadt wurde der Wcli- arbeitcrsporttag trotz dem sä)lcchtcn Wetter am 18. gefeiert. ES sanden Tenuiswettkämpfc,«laset- tenläuse,' Fußballkämpsc und Borsührungcn der Ar- vrana Hotel Schützenhaus Karlsbad das Helm der Reisenden. in 7\ ®^lß***^ Pauichalkufon modernst eingerichtet ”llerwnool P f K.Rdschl,Chefargl wären auch diese Mittel zu beschaffen, lvenn man in unserer Gesellschaft daran denken würde, Kranken mehr die Gesundung, denn int Krankheitsfälle eine Unterstützung zu gewähren, wenn der Staat seine Hcilfiirsorge nach modernen Grundsätze» ausgestaltcn lvürde. Dann könnte das Wasser unserer Bäder seiner Bestimmung zu- acsührt werden, dann gäbe cS keine Krise in den Bädern und Kurorten mehr. WalMorn Br. Schweinburg '■iiiiiiiiiiiii Zuckmantel, Schlesien, iiiiiiiiiiif Erstklassige, physikalisch-diätetische Heilanstalt für innere, Nerven- und Stoffwechsel-Krankheiten. Mäßige Pauschalkuren. AfUP D44E SOMMERREISE NUR MIT LAKEROL-TABLETTEN. 81» wirken erfrischend und ul», durststillend, schützen ge- “ gen Husten, Heiserkeit und Halsentzw. amplchll: EDUARD KOIIN. MARIENKAD. Schloff Mlramare. 3ntemationiate Jpolfiefte „JHariatfterma‘ JSlaricnbad. Jeder klassenbewußte Arbeiter verkehrt in St. Joachimsthal nur im Hotel„Volkshaus“ Saubere lüemdenz mmer.- Billiaer Miltagstisch. Spanien und einige ÄesangSkunststückchen deS Sängers Mauran; der Rest soll ja nicht von anderer als der Geldwerte gewertet werden. VV. L. Hoheit amüsiert sich. Schon der Titel sagt uns alles, was diesen„Film" charakterisiert; unser Held ist jung und nebenbei(trotz Georg Alexanders Künsten) eben ein Fürst Michael. Dieser weiß, was er dem Film und dem im voraus kalkulierten Publikum schuldig ist: er muß erst die Theaterfifi verführen, um dann, aufgeklärt durch die sorgende Edeltantc, daraus zu kommen, daß für einen Fürsten eben wieder nur die Fürstenkindcr existieren. Und so kommt die Liebe von der Trude Berliner bis auf die blonde Lien D Y c r-, deren Charme bessere Rollen verdienen würde. Nebenbei tritt noch ein gelenker, und lustiger Junge auf, der natürlich wieder einmal von Tibor v. H a l m c y gemimt wird. ES spielt noch Hanns I u n ck e r m a n n, der dem jungen und„leichtsinnigen" Fürsten den Kopf zurcchtsetzt: cs geht eben nichts über die Staudesehre und dies« ist doch gar nichts Böses, weil doch ihre Repräsentanten blond, lieb und nett sind.. Daalles wurde von Conrad W i c n e Inszeniert, der gar nichts mehr auf seine expressionistischen Leistungen im Stummfilm hält und recht gut weiß, waS er den jetzigen Geldgebern zu liefern hat: ohne Einfall, Einstellungen und geistiger Arbeit, wird im gewohnten Stil eine crzreaktionäre Geschichte heruntergehaspelt, die durch GutmannS ganz gute Melodien zu wenig gewinnt. Zumal, wenn man dazu singt, wie in Barcelona geküßt wird und wie Fürsten in Sachen Liebe an Zeitnot leiden; das ist unS nun allerdings bei Georg Alexanders Anblick ganz unverständlich. W. L. ANGLO-CECHOSLOVAKISCHE UND PRAGER CREDITBANK ZENTRALE IN PRAG. AUSLANDS-FILIALEN: Belgrad} Bukarest} London} Sofia. 52 Filialen In der Cechoslovaklschen Republik.:: 7 Exposituren In Prag. burgs mußten am 18. Juni ebenfalls abgesagt werden und wurden am 25. Juni durchgeführt. Der Weltarbeitersporttag war trotz der Mißgunst des Wetters ein voller Erfolg für den internationalen Arbeitersport. bei Karlsbad Einziger Ort Europas, an dem das Radium In Substanz gewonnen wird. Prächtige Lage am HuOe des Kellberg- masslvs In nlchster Nähe von Karlsbad(tägliche Autobusverbindungen). Ganzjährig geöffnet. Hauptsaison vom Mai bis Oktober. Badekur(Trinkkur). Inhalation, Bestrahlung. Auskünfte durch das städtische Kur- und Verkehrsamt St. Joachimsthal(Telephon 45). 2069 NalurtreunSenau» Königshöhe Im‘Isergeblrgo. Seehöhe 850 m. Post Johannesberg bei Oablonz a. N. von der Autobushaltestelle Prledrlchswald (Brettsäge) 30 Mln.- Oeffcntllchc* lclrphonsprcchstelle (Nebenamt von Relcbenberg).— SO Betten. 100 Mnträtzen- lager. D. J. H.. Wannen- ,n. Brausebäder. 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Die Mannschaft Bafö-NiederösterreichS zeigte ein technisch hochstehendes und stark überlegenes Spiel, das gar nicht so im Resultat seinen Ausdruck findet. Ihre besten Leute hatten sie im Mittelläufer Sack und in der linken Sturmscitc. DaS Hintcrtrio sowie die beiden Außcnhals» standen aber diesen nicht nach. Schwach war der Sturmführer und die rechte Angriffsseite, wo speziell der Rcchtsverbindcr sehr viele sichere Torchancen vergab. DaS Basö-Team trat in folgender Aufstellung an: Plachl(Tcrnitz); Franta(Wacker Wiener-Neustadt), , Sardine!(Amateure Brunn); Wangl(Wacker Wiener-Neustadt), Sack(Vorwärts AtzgcrSdorf), 'Boubal(Brunn); BarabaS, Drazan(beide Brunn), Bichler(St. Pölten), Reumann, Kolar lAtzgersdorf); nach dir Pause im Tor: Schulder(St. Pölten). Bor Beginn des Spieles wurden die Niederösterreicher durch einen Funktionär des gastgcbenden! Vereine- herzlich begrüßt und durch Ilcbcrreichung einer Statuette besonders geehrt. Für den Basö dankte in freundlichen Worten Genosse H a f I n e r. Hervorgehoben werden muß die Geschäftigkeit der CIA F, die eiqcnS Vertreter entsandte, um das Spiel auf dem Hagiborplatze ■ unmöglich zu machen, hatten aber mit ihren „Wünschen" keine Gegenliebe gesunden. ES wäre nur zu wünschen, wenn die CsAF ihre Nase in ihre ureigensten Tinge steckt, als sich um Arbeitersportangclegcnheitcn zu bekümmern! Die Tschechen hatten vor der Pause nicht viel zu bestellcn und in der zweiten Halbzeit, nachdem sie mehrere Spieler neu eingestellt hatten, gelang es ihnen, das Spiel teilweise offener z» gestalten; eine Berbesscruug des Ergebnisses gelang jedoch nicht, da die Hintermannschaft der Gäste zu gut war. Im großen ganzen war cs ein sehr faires Spiel, in dem nur zeitweise der Schiedsrichter aus dem Rahmen siel. Während die Gäste durch ihr ruhiges Auftreten aussielcn, ging cs bei den Tschechen nach der Pause besonders laut zu Heute Sonntag spielen die Nicderöstcrreichcr in Tabor. Die Feier des Weltarbcitersporttages in Oesterreich. Di« Feiern wurden für den l8. Juni sest- gcstellt. Für Wien waren an diesen Tagen aus LI Plätzen Veranstaltungen vorgesehen, mußten jedoch infolge des schlechten" Wetters abgesagt iver- den, bzw. frühzeitig abgebrochen werden. ES wurden deshalb, soweit cS die Plahvcrhältnisse zuließen, Der Picador. Ein sranzösischcr Film, der wieder einmal Spanien zeigt, wie es nun einmal in der Kolporlagclitcrolur und manchen ihr entsprechenden Filmen gezeigt wird; wieder einmal sehen wir ein Volk, daS srüh morgens zum Gesang ausstehl, zur Liebe überzeht, den ManneSmut im Stierkampf mißt und abendS wieder mit Gesang sürS Vergnügen sorgt. Dazu gibt c» eine Liebesgeschichte, die unS zeigt, daß auch die Stierkämpser überaus edle Menschen sind. Der junge Mann erringt die holde Schöne und der eifersüchtige Alte opfert sein Leben im edlen Stierkampf für das junge Glück seines Nebenbuhler-. Manches an diesem Film gefällt trotz dieses elenden Librettos: vor allem die gute» Aufnahmen aus MMe Felle« für Mädchen und Knaben, von li bis 20 Jahre» oder schuljährig iui Pensionat Filipinui», Gabel a. A., Adlcrgebirgc. Tschechisch, sranz-, engt. Musik, Sport und Körperpflege. Für Erwachsene Sommerwohnung. Kurbchandlüng und ärztl. Leitung. Ganzj. gcössnet. Prospekte gratis. Radio:„Tal — Skaut:„' — TvStozor: i:„S cainpol o",„Dolly, das Avion:„Der Bettelstudent."— Der AlückSzylinder."— Kapitol:„Ter WolfSmanu",„Strauß-Phantasie."— Konvikt:„Tie Unschuld vom Lande."— Lido:„Und die Sphinx I spricht..."— Louvre:„Er, Sie und Hamlet.":— Macettka:„Ter ungetreue Eckehari."— Roxy:„Ver gessene Patrioten."— Bälde!:„Hochzeitsreise zu dritt."— Beseda:„Kameradschas t," Ter Film der proletarischen Solidarität von Pabst. ♦ Die gesperrt gedruckten Filme können empfohlen werden.- ktillie io Praner UditspielliBnserB bis einschließlich 13. Juli. Adria:„Pariser Nächte."— Alfa:„D i e Dame vom Maxini."— Bersnek:„Und die Sphinx spricht..."— Fönix:„Ter Held der Arena." — Flora:„Hochzeitsreise zu dritt."— Gaumont: „Durchlaucht amüsiert sich."— Hollywood:„Fräulein Do-Ao."— Hvözda:„Schwester Angelika."— Julis:„Gipfelstürmer."— Kinemo, B.-Th.: Zeitbilder, Grotesken, Report.; halb 3 bis halb 11.— Koruna:„K w a n g o."— Kotva:„Tie nackte Frau." — Lueerna:„Tie nackte Frau."— Metro:„Tai schöne Abenteuer."— Passage:„Gipfelstürmer."— Praha:„Schatten der Unterwelt." Lied einer Nacht."— Staut:„Die Wirtin„Zur wildep Schönheit".— Svötozor:„Licbcskom< in a n d o."— Alma Gassenmädel." Favorit:„D 0»1