Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. Otibattlon u. Strtoallung: Drog □*auMjonta 184 xtitpo-> 28793. 31489.3!a$tr«6an.(ab 31 uyr) 1 33338* voZIlvioamIi 37344 13. Jahrgang. Dienstag, u. Juli 1933 Nr 159. Slvzelprels 70 Heller. ^Einschließlich 5 Heller Porlol Bat im Sadlstenhort. Und ein Beispiel schuftiger Verleumdung. Wie der Goeringsche Reichstagsbrand daS erste Signal zur Manenverhaftung linksstehender Nazigegner war, so das Verbot der SPD daS zweite. Hussa an die Fanghundc. Aw 21. Juls verschleppte man Hunderte sozialistischer Funktionäre in die Gefängnisse. Nun haben sie auch Friedrich Ebert jun., den älteren der beiden Söhne des ersten Reichspräsidenten die den Krieg überlebt haben— zwei sind gefallen— inS Konzentrationslager gesperrt. Das RcichStagsmandät haben sie ihm schon Vorher geraubt, die Existenz als Redakteur ihm, zugleich mit Hunderten anderer, zugleich mit dem großen Saal des Reichstages, vernichtet. Jetzt heften" sie dem WehrloSgcmachten auch noch die Verleumdung irgendwelcher, nicht naher bezeichneten Verfehlungen in der Stadtverwaltung seiner Wohnstadt Brandenburg an, statt offen zu sagen, daß sic sich an dem Rcichsbannerfüh- rer rächen. Da dies aber ein Musterbeispiel von Verleumdung ist, sei hier cm bezeichnender Vorgang eben /aus der Brandenburger Stadtverwaltung in Erinnerung gebracht. Eine Woche nach der Reichstagswahl, am 12. März, wurden dir Gemeindevertretungen neugewählt— gleichfalls nach einem einseitigen antimarxistischen Wahlkampf, da jede marxistische Wahlagitation durch Presse oder Versammlungen unterdrückt war. Dementsprechend fielen die Wahlen a«S und dementsprechend verliefen üierall auch die konstituierenden Sitzungen. In Brandenburg hrendetesi sie ihre äffisch brutale nnd lächerliche Komödie mit.Gesang. Zuerst„Deutschland, Deutschland, über olles, welchen Sang Ebert sei'ncpzcis zur deutschen. Natio.nakhhmne..proklamiert Hai.’ Dabei standen' auch die Sozialdemokraten auf. Als aber danach provokatorisch die Mordhymnc vom Horst Wessel anacstimint wurde, verließen die Sozialdemokraten den Saal. Draußen' stand ein SA-Spalier, daS nun feine schwer genagelten Stiefel den Abstehenden gegen die Beine stieß, Ebert wurde ganz erheblich verletzt. Er suchte dann den alten. Hausarzt seiner Familie auf, um sich ein Attest ausstcllen zu lassen, damit er Strafantrag stellen könnte. Der Arzt, ein Jude, bat Ebert, dach lieber zu einem anderen Arzt zu gehen, denn von ocr Ausstellung eines Ältestes über die' Folgen aufbauwilligcr Tätigkeit mußte der Hausarzt schwere Gefahren für sich febst befürchten!! Selbstverständlich sind die Strolche vom Bandenburger Rathausspalicr gerichtlich oder sonstwie nicht zur Verantwortung gezogen worden. Im Gegenteil, sie und ihresgleichen können fetzt an Ebert im Konzentrationslager ihre Aufbauarbeit fortsetzcn. Der olle ehrliche Hindenburg, der doch noch lebt und sich für die evangelische Kirche und für die astelbischen Junker noch einseht, wird selbstverständlich für den Sohn seines Vorgängers ebensowenig tun wie für den ihm gutbekanntcn Paul Lobe. Die Beiden sind allerdings nicht Mitaliedcr der Neudccker Freundesrunde dieses'Reichspräsidenten— sic verlangen und erwarten keine Sondrrvorrechte. Die Rechnung wird, Herr Generalseldmarschall, einmal generaliter ausgeglichen werden! Die DIHerenzen zwischen SA and Stahlhelm haben bisher nicht aufgehört, wenn auch der Stahlhelm in di« nationalsozialistische Bewegung direkt«ingegliedert wurde. Der neueste Vorfall eines solchen Konfliktes wird heute aus Oldenburg gemeldet: Der dortige Stahlhelmsührer Dr. Jaeobh hatte sich bei verschiedenen Gele- genheitcn im ungünstigen Sinne über di« SA ausgesprochen, was. zur Folg« hatte, daß zwei Nationalsozialisten ihn,in der Wohnung aufsuchte« und verlangten, er/, möge seine Ausdrücke rechtsertigen. Dr. Jacoby, wies beide Besucher aus seiner Wohnung, worauf er verhaftet wurde. Er wird in«in Konzentrationslager gebracht werden. Ausweisung peldisdeutsffier aus Innsbruck. Wie das Wolff-Bürö aus Innsbruck mel'- det, wurden dort drei reichsdeutsche Familien, die seit zehn Jahren in Tirol ansässig sind, wegen nationalsozialistischer; Propaganda ausgewiesen. Sie haben gegen den Ausweisungsbefehl Berufung eingelegt „Ohne uns keine Donaupolitik Gömbös regt bei seinem Wiener Besuch eine mitteleuropäische Konfierenz an. Wien, 10. Juli. Sonntag um drcivicrtcl acht- zchn Uhr ist der ungarische Ministerpräsident Gömbös in Begleitung des Chefs der politi- sch-'n Abteilung des Budapester AußcnamteS A p o r und dem Pressechef des Außenamtcs in Wien cingctrosfcn. Die Gäste wurden vom Bundeskanzler nick) vom Minister Stockingcr ans dem Bahnhof begrüßt und zur ungarischen Gesandtschaft begleitet. Schon um 19 Uhr wurden die Verhandlungen, die teils im Außenministerium aus dem BallhauSplatz, teils in der ungarischen Gesandtschaft geführt wurden, eröffnet. In einer längeren Mitteilung an die Presse erklärte Ministerpräsident Gömbös u. a., daß er in der Absicht nach Oesterreich gekommen sei, mit der österreichischen Regierung Verhandlungen wirtschaftspolitischer Natur zu pflegen, aber auch ander« Fragen zu besprechen, da er der Ansicht sei, daß beide Länder aufeinander angewiesen sind uno in fast allen Fragen in der größten Freundschaft Zusammengehen können. Mit diesen! Schritt verfolge er die Absicht, besonders was die wirtschaftlichen Fragen betrifft, aus der Autarkie hcrauSzukommcn und, wenn auch nicht in großen Zügen, so doch was die beiden Länder und ihre Dimensionen betrifft, Frage« eines' größeren Wirtschaftsgebietes zu bereinigen. Nach Unterstreichung der Notwendigkeit einer Revision der Friedensverträge auf friedlichem Mege erklärte Gömbös weitet: ES ist meine Ueberzrnauug auf Grund der bisherigen Erfahrungen, daß man eventuell «ine europäische, oder besser noch vielleicht eine mitteleuropäische Konferenz einbc« berufen müßte, um jene Fragen in großzügiger Weise frei von einseitiger politischer Einstellung zu besprechen. Denn alle führenden Staatsmänner müssen sich vor Augen halten, daß die Völker selbst den Frieden wünschen. Friede kann aber nur dann fein, wenn Gerechtigkeit herrscht... Ich speziell und auch mein Kollege, der Bundeskanzler Dollsuß, leben in dem Bewußtsein, daß man eigentlich im Schlüsselpunkt der osteuropäischen Politik, mindestens aber in der Do n'a«Politik ohne uns keine Politik machen kann. Wir sind bereit, wenn man mit uns Politik 4 machen will im Sinn« des Friedens. Auf die Frage, ob auf Grund dieser Richtlinien mit der Kleinen Entente Verhandlungen eingelcitct wurden, erklärte Gömbös: „Wir haben mit der Kleinen Entente auch wirtschaftliche Besprechungen eingeleitet und wir stehen aus freundschaftlichem Fuß auf der Grundlage von KompensationSauüglrichrn. Selbstverständlich sind diese Fragen noch nicht ' endgültig geregelt." Ministerpräsident GömböS ist heute mittags mit dem Zug nach Budapest abgereist. In Ab- schiedSwortcn betonte er, er verlaße Wien mit der Genugtuung, daß er gute Arbeit für Ungarn und für Mitteleuropa geleistet habe. In Paris schenkt man der Reise keine große Beaminng. Paris, 10. Juli. Die Wiener Reise des Ministerpräsidenten Gömbös tveckt nur verhältnismäßig geringes Interesse der französischen Presse. In französischen politischen Kreisen nimmt man an, daß Bundeskanzler Dollfuß viel zu v o r s i ch> i g, e i, als daß er in der heutigen Situation, wo Oesterreich von den alliierten Staaten eine Anleihe erwartet, die Verhandlungen auf gefährliche oder gar abenteuerliche Abwege bringe» wollte. Man nimmt an, daß sich die Unterredungen mehr oder minder aus die Frage der praktische» Möglichkeit einer wirt» sthastlichcu Annäherung zwischen den beiden Staaten beschränkt haben. Emstc Parteiopposition gegen Hitler? Gauleiter Brückner fordert Erfüllung aller 25 Programmpunkte Wir haben bereits vor einigen Tagen auf die scharfe Tonart hingewiesen, die der schlesische Naziführer und Obcrpräsident Brückner gegenüber Hitler und dem gemäßigten Flügel anschlägt, die die„soziale" Revolution entschieden ablehnen. Nun meldet das tschechoslowakische Pressebüro aus Berlin, daß Brückner am Sonntag in Glciwitz neuerdings eine Rede gehalten hat, in der sich die Reaktion auf die letzten Hitlcrrcden deutlich widerspiegelte. Brückner erging sich in scharfen Drohungen gegen die overschlcsischen Wirtschaftssührer, die phantastische Einkommen hätten, aber sich mit der Bitte um Lohnkürzungen an ihn weiweten. Er erklärte, er sei für diese Leute nicht zu sprechen. Lieber verzichte er aufden-Oberpräsidenten- P o st c n, ehe er seinen Kampf gegen den internationalen Kapitalismus aufgebe. Im gleichen Tone sprach Brückner gestern auch in B e u t h e n, wo' er im Gegensatz zu den ossiziellen Erklärungen der maßgebenden nationalsozialistischen Persönlichkeiten erklärt hat, die Nationalsozialisten werden nicht eher ruhen, bis alle 25 Programmpunkte derNSDAPersülltsind. 13 SA-Leute„aul der flucht erschossen* 4. Ende Juni ist in der Lüneburger Heid« bei W i l s e d e ein Konzentrationslager für rebellische SA-Leute eingerichtet worden. In dem Lager, das bisher mit etwa zweitausend Kommunisten und Sozialdemokraten belegt war, sind dreizehnhundert SA-Leute untergebracht; die Bewachung liegt in den Händen eines starken Detachements der SS. In diesem Lager sind, wie jetzt erst bekannt wird, m der Nacht vom Sonntag zum Montag voriger Woche dreizehn SA- Leut« angeblich bei Begehung eines gemeinsamen Fluchtversuchs erschossen worden. Die Toten wurden innerhalb des Lagers beigesetzt. Wegen dieser Vorfälle herrscht unter den Internierten außerordentliche Erregung, so daß das Wachkommando der SS hat verstärkt werden müssen. SA-Sturm In Gera und Greiz wegen Meuterei aulgelöst. Die SA-Formatioueu in Gera und Greiz in Thüringen sind wegen Meuterei aufgelöst worden. Die SA-Leute hatten unter ihrer örtlichen Führung verbotene Versammlungen einberufcn, in denen schärfste Kritik an Hitler und.der Thüringer Landesregierung geübt wurde. Zu einem wegen dieser Vorkommnisse vom Reichsstatthalter Sauckrl in Gera angcschtcn General- Appell der SA von Gera und von Greiz, weigerten sich die SA-Leute zu erscheinen; hierauf erfolgte die Auflösung der Formationen. Die örtlichen' Führer der SA und einige angebliche Rädelsführer wurden in Haft genommen. Nach Gera und Greiz wurde je ein Detachement der 22 von 80 bzw. 50 Mann gelegt. rin Mitglied der Reichs leitung der Hltlerpartei verhaftet. In Berliner politischen Kreisen zirkuliert das Gerücht, daß der Reichstagsabgeorducte Major Buch, Mitglied der Rcichsleitung der Hitlcrpartci und Vorsitzender des Untcrsuchungs- und Schlichtungsausschusses der NSDAP,. auf Veranlassung des preußischen Ministerpräsidenten Göring verhaftet, worden ist. Major Buch wird beschuldigt, gegen eine ganze Reihe der engeren Freunde Görings das Verfahren vor dem Parteigerichv wegen krimineller Delikte(drei Fälle von Unterschlagung unter anderem) eröffnet zu haben. SA-Bolschewismus— Hitlers Kamp! dagegen. Mit der bloß äußerlichen Nachahmung der Neben crschcinungcn der bolschewistischen Revolution durch die Aufrichtung der totalen Partcidiktatur, die Vernichtung aller anderen Parteien, den Existenzruin nnd die Einkerkerung aller Widerstrebenden kann der Hitle- rismuS die Massen seiner Mitläufer auf die Dauer ebensowenig befriedigen wie er die Arbeitslosen damit z» sättigen vermag. Noch wichtiger aber ist für die Nazidikta- tur die S t i m m u n g ihrer Terror- a r m e e, der SA. Ihr sind infolge des Verbots des„Roten Frontkämpferbund" und der „Antifa" massenhaft konunnuistisch beeinflußte Arbeiterjungcn zugelaufen. Man darf nämlich bei der Beurteilung der Fascisierung Deutschlands nicht übersehen, daß dieses Volk, besonders in Preußen, seit über zweihundert Jahren zu dem m i l i t a r i st i s ch e st e n Volke der Erde erzogen worden ist. Die Knaben hörten von den Vätern immer wieder, daß doch die Zeit in Kaisers Rock die schönste des Lebens gewesen sei, daß es kein herrlicheres Leben gebe als das des Soldaten; die Schule setzte diese Erziehung fort und der sehr ernste Ernstfall von 1014-18 hat eigentlich nur den Schwcrvcrwundeten und jenen, die schon sozialistisch beeinflußt in den Krieg gezogen waren, den Militarismus einigermaßen ausgetrieben, wobei die unabsehbaren Reihen der Wehrverbiindc wahrlich genug ältere Leute ausweiscn, tue stolz ihre Bcrwuiidotcn- abzeichen zur Schau tragen, was heute zur Erlangung von Stellung und Beförderung nützlich ist. Diesem Volke hat Versailles die allgemeine Wehrpflicht genommen, während sie ringsumher beibehalten wurde. Die Volkssehnsucht nach Uniform, Parademarsch, aber anch nach Gehorchen, denkauüschaltcndeni Mechanismus, ja nach AngcbrüllUvcrden und rücksichtslosen! Schliff drängte nach Erfüllung. Hitler und seine Offiziere und Feldwebel gaben den jungen Deutschen die Gelegenheit, ohne den staatlichen Zwang Soldat zu sein. Wer des Volkes Sehnsucht erfüllt, ist sein H e l d! Wir verstehen den schier unfaßbaren Sa- disinus, der sich an wehrlosen, aber verhaßten Gefangenen anstobt, vielleicht eher, wenn wir uns vergegenwärtigen, daß diese Burschen oftmals ungeheure Gepäckmärsche und sonstige, höchst anstrengende Uebungen machen müssen, deren Schärfe noch durch altpreußische Aus- lesemckhodcn gesteigert wurden, etwa so, daß nach mehrstündiger Schinderei zwar Essen verteilt, aber im gleichen Augenblick kommandiert wurde, das Essen wegzuschütlcn und sich abermals für mehrere Stunden in Marsch zu setzen, natürlich mit Zugaben von Hinwerfen, Sturm auf marsch, marsch etc. Was denkt Ihr, wie sich die Burschen nach solchem Erleben zwar müde, aber seelisch gehoben, zur Volkserlösung berufen und für ihre Führer begeistert fühlten! Freilich, all diesen Mühen war der Lohn verspräche u. Jahrelang hat man das„sozialistische Pferd" geritten, das nach dem offenen Wort des Göbbels aus dem Stall gezogen worden tvar. Nach dem gedruckten Programm soll ztvar die edle, nnbpkümmert um alle ökonomischen Unterschiede gleichgesinnte— und zur Sicherheit doch lieber gleichgeschaltete— Volksgemeinschaft aller Not und vor allem den schreienden Gegensätzen zwischen Volksgenossen ein Ende machen. Aber ost hat daS gesprochene Wort ungleich tiefer sich in der Menschen Geist gesenkt als das geschriebene und schon gar als das rotationsgedruckte, dessen Lebensdauer eben mit dem nächsten Anlassen der Drncktvalzen endet. Gesprochen aber wurde, wie eben unter hoffnungslos Jung-Arbeitslosen gesprochen wird, die nicht schon durch die marxistische Schule gegangen stnd: Den Protzen alles wegnehmen! Seife 2 Dienstag, 11. Juki ISS« Nr. ISS Was braucht der Fabrikant an unserer Arbeit profitieren! Der fährt im Auto und wir tippeln! Der geht in die Bar und wir höchstens in die Kutscherkneipe! Nun sind sie an der Macht, sie beherrschen Staat uird Bolk. Und sind viele Führer auch Offiziere und stammen aus Burger- und Bauerntum— einmal gehört doch bei aller Abgeschlossenheit der Offizier doch auch zu seiner Mannschaft, damit er Führer bleibt»md dann war es auch altpreußische Staats- und Offizierstradition, bei aller Totfciudschaft gegen„die Sozzen" doch gegen das verdammte Geldkapital zu sein, das die Arbeiter vom Lande weg in die Fabriken zieht und das auf Bezahlung seittcr Güter-Hypotheken drängt. Soll schließlich die nationale Revolution dazu gemacht worden sein, daß nur 15.000 marxistische Zeitungsmenschen, ein paar Tausend rot« Politiker und Beamte und immerhin so 'ne halbe Million Juden aus erträglicher oder auch guter Lebenslage ins Elend gestürzt worden sind, sollst aber, in der Bolksgemeinschaft, alles beim Alten bleibt? Aus der selbstverständliche»! Verneinung dieser Gcwissensfrage durch die Naziproleten ergeben sich jene unaufhörlichen„Eingriffe in die Wirtschaft", gegen die der Hitler am 6. Juli seine Reichsstatthalter zu Hilfe gertlfen hat, die zugleich die Gauleiter seiner Partei, also die konnnandierenden Generäle seiner Terrorarniee, oder auch die souveränen Zivilgouverneure der Provinzen sind, die>nan an die Stelle der ehemaligen Bundesländer gesetzt hat. Bezeichnenderweise hat der„Führer" bei dieser Gelegenheit die alleinige Kompetenz des RcichswirtschaftSministers für alle sachlichen und persönlichen Wirtschaftsfragen betont. Nachtigall, ick hör dir trappsen— das war Feders Geschoß! Dieser Progrannn- macher der LlSDAP, überzeugte Anwalt des Privatkapitals und Erfinder deü FedergeldeS, hält dem SA-Bolschewismus das autoritäre Bekenntnis zur Heiligkeit des Eigentums entgegen. Hitler wettert gegen die Reste der Demokratie, die sich in der noch umfassenden Beibehaltung der Mohrheitsenischeidungen äußerten; an ihre Stelle müsse die Verantwortung der Einzelmenschen, aber nur der befähigten, treten. Wenn eine noch so große Proletenmenge ihrer„antikapitalistischen Sehnsucht" tatkräftig folgen wolle, die einst Gregor Strasser, als man noch Opposition war, verkündete— gebieten soll in der Wirtschaft nur der Fabrikant oder des Aktienkapitals bevollmächtigter Generaldirektor und in der Politik nur der O s a s mit seinem engsten Rat von Offizieren, deren gespielte Ehrerbietung dem Gefreiten fchinei- chelt. Man hat doch, zum Wotan, nicht umsonst als Gelber angefangen! Das ist eben der große, fundamentale Unterschied zwischen dein russischen Bolschewismus und seiner äußerlichen deutschen Nazi-Jmiiativn: Die Bolschewik! pfiffen auf das Auslandskapital und»»ahmen lieber jahrelangen Krieg und Weltboykott auf sich und ihr Land, als daß sie, dem Gebot des Weltkapitals folgend, das Jnlandskapital geschont hätten. Die Naziführung dagegen, die alS Kapitalfchutztruppe bezahlt und als Schuh- wehr gegen den vermeintlich drohende»» Bol schewismus die Macht erlangt hat, muß jetzt im Interesse des Weltkapitals gegen»hre eigenen Leute sich»venden. Der Ilbzug von den schon so gedrückten Löhnen uitb Gehältern zu Gunsten der„nationalen Arbeit" wird auch nicht begeisternd wirken! Die Einstellung der deutschen Auslandszahlungen hat nicht nur die Gläubiger im Ausland alariniert, sondern auch schon z»l cinschueidcnden Maßnahme»» geführt. Die Schweiz, deren Kapitalisten Riescnbeträge nach Deutschla»»d geliehen hatten, sah sich veranlaßt, die Auszahlung der i», der Schtveiz liegenden reichsdeutschen Guthaben zu verbieten. Das sind zwar zum großen Teil geflüchtete deutsche Gelder, gegen deren Flucht die Nazis als Opposition ungeheuer getobt haben, aber unter de»» Besitzer»» dieser Gelder si»»d gewiß auch pro»ninente Nazifreu»»d« u»»d sonstige WirtfchaftSgrößen, mit denen man es sich, schon wegen ihrer AuSlandSverbindungen, nicht verderben will. In de»» Ablchicdsworten, die der Vorstand der deutsche» Zentrumspartei an sein« Gefolgschaft richtete, kommt noch einmal, voraussichtlich als politisch aktuelle Formel zun» letztenmal in der deutsche»» Geschichte, das stolze Wort vom ZentrumS-Turm vor. Als ein fester Turm, unerschütterlich und den Augenblick der politische,» Manöverstellung überdauernd, stand das Zentrum sechzig Jahre, zwei Menschenalter, im Kampsscld der deutschen Pol'tik. Nun ist der Turin zerfallen, noch ehe der Feind ihn wirklich beschoß. So wie man die Türme der alten Ritterburgen und die "Stadtmauern verfallen ließ, weil die bloße Trohung des schwergewasfneten Feindes, sic mir Artillerie zu beschießen, die bloße Existenz der -Haubitzen und Mörser schon di« Vernichtung d.r alten Herrlichkeit bedeutete, so hat das Zentrun» nicht erst abgewartet, ob es als Partei und Bewegung dein Anstrum des FasciSmuS standhalten »vürde. Die Tatsache, daß es in Deutschland eine Biertelmillion SA-Banditen, daß eS Konzentrationslager, braune Kasernen und Folterkammern gibt, hat die Auflösung der Zentrumspartei herbeigeführt. Eine stolze Geschichte endet mit dicker rühmlosen Tat. Denn inochten auch di« Ideologien des Zentrums gerade auf der Linken oft als muffig und altcrsfaul erkannt und enipsundcn»ver- den, mochten auch seine Kanrpfmethoden und die mit eine»n geivissen Gcusenstolz zur Schau getragene Charakterlosigkeit im Manövrieren of' abstoßend wirken, das eine mußte man zugeben: da- Zentrum hatte eine imponierende Geschlossenheit in allen entscheidenden Situationen, es hatte auch jenseits der taktischen Unzu- verläffigkeit Grundsätze, zu denen cs a^z zeit stand. Betrachtet man rückblickend das Zentrun» al» eine republikanische, als eine soziale, eine konservative Partei, so wird man jeweils scststel- len muffen, daß cS die republikanisch«, die soziale, die konservative Sache ebenso oft verraten wie gefördert hat. Aber das Zentrum»vor eben nur einer taktischen Notwendigkeit folgend, republikanisch. sozial oder konservativ. Es konnte sich in der volitischen Quadrille bald links bald rechts den Partner suchen. Es war stets eine Frage zweiter Ordnung, welchen Partner cs akzeptierte. Entscheidend»var immer das kathosische In teresse. Der katholischen Sache selbst ists Die deutsche-Industrie sanit dem Handel ist international so stark verflochten, daß die so beliebten„Eingriffe" der SA längst nicht »nehr nur eine innerdeutsche Sache sind. Hitler aber will ja nicht wie— man verzeihe diese gleichzeitige Nennung zweier solchen Namen — Lenin, die Weltrevolution gegen daS Kapital ankurbeln, sondern im Gegenteil: die Weltbefreiung des Kapitalist m»lS vo>» aller»narxistischen Bell n r u h i g u n g und Bedrohung. Die Haltung der Nazileitung zum Kapital u»»d zu den Kapitalist«»» ist die Kapitalfrage dieser Terrorpartei. Die Machtergreifung »st ihr Nhodus, nun muß sic tanzen. Mit dein Eiertanz— Kapitalschutz und sozialistische Agitationsphrasen— geht eS nicht lange. Die klare Entscheidung der Hitler, Feder und Kompagnie für das Kapital und fein ungestörtes Wciterschaffe»» oder auch-raffen bedeutet für immer mehr Naziproleten den Befehl: Links ab— marsch! da« Zentrum nie untreu geworden, die hat e», zuletzt freilich auf sonderbaren Wegen, verfoch- len, von der erste»» Rede, mit der Windthorst Bismarck bis zur letzten, mit der Brüning Hitler entgegentrat. Die Haltung und die Politik des Zentrums waren immer von Politik und Geisteshaltung der österreichischen und später unserer Christlichsozialen auch von den«»» anderer klerikaler Parteien unterschieden. Tas ka»n daher, daß wir»m Zentrum eine typische Minderheitspartei vor uns hatten, mit allen Lastern und Tugenden einer Minorität, die um Selbstbehauptung und bescheidene Vorteile ringt. Anders als die katholischen Partcie»», die alte Privilegien verteidigten oder nach Alleinherrschaft im Maate strebten, hat das Zentrum sich oft genötigt gesehen, nach links zu gehen, revolutionäre Situationen für sich auszunützen. ES vertrat nicht in dem Sinne wie di« österreichischen Christlichsozialen die katholische Kirche und den katholischen KleruS. Es blieb sich fast immer der Verpflichtung bewußt, die katholffche Minderheit in Preußen und im Deutschen Reich gegen die Machtansprüche und Vorrechte der protestantische»» Mehrheit zu verteidigen. Typisch klerikale Forinen hat daS Zentrum nur dort gezeigt, wo es nicht„Zentrum", nicht Partei der Mitte»var, sondern die konservative, stockreaktionäre Staatspartei: in dem katholischen Bayern. Nach dem Sturz der Monarchie führte das ja zur Spaltung des Zentrums. Die bayerische Voltspartei ging seit 1920 eigene Weae. Im alten Preußen herrschten nicht nur politisch die Junker über die Bürger und Proleten, wirtschaftlich die Besitzklaffe über die besitzlose, auch auf dem religiös,kulturellem Gebiet gab es ein Privileg der protestantischen Kirch« gegenüber der katholischen. Unter Hunderten höheren Beamten gab eS kein Dutzend Katholiken. In der Diplomatie»var Katholizismus beinahe als staatsfeindliche Gesinnung verpönt. Dem Fürsten Bülow wurde iinmer wieder vorgeworfen, daß er mi» einer Katholikin verheiratet»var und daß seine Frau Sonntags zur katholischen Messe ging. In der Arme« war man nicht ganz so streng, aber auch da dominierte der staatscrhaltende Prote- stantiSnmS. Nur der Protestant stand dem deut- - 1—'"”TT-rT i m~f' schcn.Herrgott wirklich nah« genug, um eine Rolle in Preilßei» spielen zu können. Das schuf im katholischen Adel und iin Bürgertum Verstimmung, oft Rebellion. Der Arbeiter, soweit er— in» Rheinland und in Schlesien nicht selten— gläubiger Katholik»var, sah seine Kinder im Schulwesen benachteiligt. Die patriotische Gc- schichtSklitterung, die öffentliche Meinung»varen antikatholisch. So saniniclten sich in der Zentrumspartei Unzufrieden« aller sozialen Schichten, von» Fürsten Arenbcrg bis zum polnischen Landarbeiter, von den rheinischen Industriellen bis zun« Mctalldrehcr bei Krupp, vom Prälaten bis zun» Dorfschullehrcr. Bismarck war unklug genug,»diele starke Minderheit durch den Kulturkampf herauszufordern. Er sah i»n Zentrum zeitlebens die Organisation der Reichsfeinde, was nicht einmal für di« siebziger Jahre stimmte. Denn der katholische Hochadel und die westdeutschen Kircheirfürsten standen ztvar dem BiSmarckschen Reich nicht gerade wohlwollend gegenüber, aber sic hatten sich ebe»»so wie der Koma von Bayern, der 1871 dem preußischen Widersacher wohl oder übel die Kaiserkrone anbicten mußte, mit der Lösung von Versailles abgefunden, seit Molt- kcs Siege vor Metz und bei Sedan eine Revision des Prager Friedens von 1866 aus dem Bereich der Realpolitik gerückt hatten. Im Kul- turkampf, der ja auch die Persönlichkeit des unscheinbaren und verwachsenen, aber grundgescheiten und rcdegetvaltigen Windthorst in den Vordergrund rückte, erstarkte daS Zentrum; Bismarck war durch feine Niederlage nicht belehrt worden. Er hat unmittelbar nach ihr den Kanrpf gegen die Sozialdenwkratie ausgenommen, um nach einem weiteren Jahrzehnt auch in ihm zu. erliegen. Als Bismarck das Zentru»»» für feine Schutz- Zollpolitik brauchte, zeigte sich zum erstenmal dw strategische Stärke der Schlüsselstellung des deutschen Katholizismus. Das Zentrum hat sie seither rücksichtslos auSgcnutzt. ES ging mit Hohenlohe und Bülow gegen die Linke und bedachte sich 1906/7 nicht, mit der Linken gegen Bulow zu gehen. E» vertrug alle Koalitionen und ebendarum galt eS als charakter- los. Es hat aber in allen Wandlungen seiner Taktik zähe und zielbcwußt die Position des deut« schcn Katholizismus verteidigt, wobei eS meist zwei Fübrergarnituren aus Lager hatte, deren eine auf der Linken, deren andere auf der Rechten verhandlungsfähig war. Wer sich aber darauf ver- lassen wollte, daß Wirth ein Linker oder daß Marx ein rechter ZentrumSmann fei, der»var auf dem Holzweg. In den«ntsch«ide»»den Stunden war«»» sie all« ZentrumSmänner und nicht» sonst. Auch strategische Vorteile wie die Zentrumsstellung«ine war, haben ihre Zeit. DaS Los deS Zentrums, nicht„optieren" zu kön»»en, zwischen rechts und links laviere»» zu müffen, wurde sein Verhängnis, als nur»och«ine klare, cindeutige Politik Erfolg haben konnte. Tas Zentrum hatte sich 1916 an die Linke«»»geschloffen, um de» deutschen Katholizismus gegen die abenteuerlichen" Pläne der Alldeutschen, dre bescheidenen demokratischen Errungenschaften, von denen er al» Minderheit zehrte, gegen die Diktaturgelüste der Generale zu verteidigen. ES blieb 1919 dieser Politik treu, nicht nur um in der Republik die Ueberniacht des Protestantismus brechen, die Gleichberechtigung der Katholiken sichern zu können(waS in der Weimarer Verfassung auch gelungen war— kein Zufall, daß es nun einen katholischen Präsidenten, katholische Kanzler»»» größerer Zahl, katholisch« Minister in Preußen gab), das Zentrum hatte 1919 auch die Absicht, ein Abgleiten der Republik inS Lager des europäischen Freisinns, eine Entwicklung, wie sie Frankreich zu Begin,» deS Jahrhundert» genom- men hatte, um jeden Preis zu verhindern. Als Das Ende«,« Zentrums O9 Die Sache mit Boms Kriminalroman von Grete Hartwig Da sie es versäumt hatte, sich zu ihre»»! lÄeliebten zu bekennen, ja, da sie seine bloße Existenz verschwiegen hatte, konnte sie nicht plötzlich »nit der tragische» Neuigkeit in srernde, harte Ahnungslosigkeit stürzen. Nein, di« alte Frau sollt« nicht erschreckt wer- den. In ein paar Tage»,»vürde alle» geordnet sein, eine Heilte Operation, die man nach außen hin anders betiteln»vürde, ein kurzer Sanato- riumsaufenthalt, ein paar Tage Betlrul»«, und daS Geschehen« wäre ungeschehen gemacht. Bor- riS hatte alles so klng und umsichtig eingcleitet, daß Hildegard sich nur zu lügen braucht«. Zweimal hatten sie über di« Sack« gesprochen. DaS erstemal, als sie entdeckt hatte,»vie «S un» sie stand, daS»var am Abend in seinem Zimmer, als sie mit großem Appetit ein karges Abendbrot miteinander verzehrten. Still und einfach hatte sie ihm die Sache»nitgeteilt. einfach deshalb,»vc»l sie ihn so gut anging wie sie selbst. Er hatte Messer u»»d Gab.l einen Moment starr von sich gehalten. „WaS»verden wir da machen?" halt« er gefragt. Sie batte bloß gelächelt.„Tu mußt mir sagen, ob du da» Kind zur Welt bringen willst oder nicht. In erster Linie kommt es aus deinen Wunsch an, kleine Mama, alles andere ist dann «»eine Sorge." „Aber", hatte sie geantwortet,„es ist doch verboten." „Dieses Gesetz zu umgehen ist nur eine Geldfrage. Wenn du zil einer Hintertreppenhebamme gehst, dann kannst du. wenn du Glück hast, daran sterben, wenn du Pech hast, kommst du ins Kriminal. Aber die Frauen d«r Besitzenden gehen s gleich neben dem Paragraphen vorbei in irgendein feudales Sanatorium,«in erstklassiger Arzt arbeitet für viel Geld wenige Minuten,>»nd der StaatSantvalt schweigt. Bei der phantastischen Ziffer, die die Statistik, der SchwanaevschaftS- unterbrechungen aufweist, hätte er auch nur zu viel zu tun, wenn er da immer anklagen wollte. Willst du also daS Kind nicht, dann werde ich den für leine Entfernung nötigen Betrag auftreiben. Oder willst du cS haben?" Sic hatte ihn umarmt und an seinem Halse geflüstert:„Es ist dein Kind!" Und er mit dem bezaubernden Lächeln eines FilmlieblingS:„Sollen wir heiraten?" „Verheiratet oder nicht", hatte sie geantwor- tet,„glaubst du, daß»nir die Schande am Herzen liegt? Das kommt erst in zweiter Linie. DaS Glück, unser Kind im Arme zu halten, wird sie reichlich auflviegen. Vielleicht»vird die alte Frau eine zärtliche Großmutter sein. Zärtlicher als Großmutter, denn als Mutter. Aber, Bor- ris. wir sind so arm! Soll das Kind vom ersten Tage an Hunger und Kält« leiden? Soll eS alles an Freude und Fröhlichkeit entbehren,»vaS e» stark und mutig für daS spätere Leben machen soll, wenn unsere Macht, es zu beschützen, gebrochen sein wird? Soll eS mir einmal Vorwerken, uns beiden,»vir hätten cs leichtsinnig in die Welt geletzt? Soll«S in Kanrpf und Sorge groß werden?" Und BorriS:„Du hast zu entscheiden." „Laß mich noch ei»»e Weile nachdenken, lasse mich Sehnsucht gegen Betticht halten, Wunsch gegen Will«, Traum gegen Härt«. Saß mir Zeit! Der Gedanke der Mutterschaft ist mir so neu, daß ich noch nicht ermessen kann, oh er mir Lust oder Leid bedeutet." „Gut", hatte er geantwortet,■„sprechen wi» in ein paar Tagen darüber." Seitdem hatten sie das Thcnta oft flüchtig angeschnitten, ohne es zu klär-:,, ohne die Entscheidung zu fälwn. Sie hatte»» mit dem Gedan- k«n daran getändelt, nicht gelebt. Bis vor drei Tagen, als Borris ihr mit schmal«»», harten Lippen von seiner bevorstehenden Verhaftung erzählt hatte, von seiner Flucht, von der Gefahr, die stündlich näher kam. „Nun bleibt nnS keine Wahl", hatte er gesagt,„wir müffen unsere Bewegungsfreiheit haben. Eh« ich abreis«, tverde ich dir da» Geld übergeben, du»virft dann sofort im Sanatorium „Lueina" daS Nötige veranlaffen. Angst brauchst du keine zu haben, dein Fall wird dort täglich zwanziamaj erledigt. Di« Aerzte sind geschult, ein Fehler ist ansgefchloffe»». Du wirft dort zivei Tage liegen, daS»st im Preise inbegriffen, dann ruhe noch zn-Hause ein paar Tage! Vergiß nicht, vom Saitatorium ein ärztliche- Zeugnis für deinen Chef zu verlangen. Die werden schon wissen »vas sie daraufschreiben müffen, daS gilt dann gleich für dein« Mutter. Ich muß die Möglichkeit haben, dich nach ein paar' Monaten, sobald e» eben möglich ist, nach Rußland kommen zu lassen. In einem hochschwangeren Zustand»st das nicht möglich." Hildegard hatte ihn angcfleht, sich doch jetzt nicht mit der Sorge uin sie zu belasten, sie»verde sich daS Geld selbst zu beschaffen versuchen,' schlimmsten Falles könnte sie auch al» Schwangere reisen, er sollte jetzt nur daran denken, sich selbst in Sicherheit zu bringen. Da hatte Borris sie ernst angeselien und gefragt:'„Und wenn ich erschossen werd«? Wa» wird dann ans dem Kind? Und aus dir?" „Dann will ich cs erst recht!" hatte sie ge- 'chluchzt.„Dann will ich dein Kind, und so ewig st» dein Gedanken an dich, ja mit dir»veiterleben, bis zu meinen» Tod und darüber hinaus»nit deinem Kinde!" Aber Borris»var plötzlich hart geworden, streng.>vi« sie ihn noch nie gesehen hatte.„Nein, Hildegard' Ich»vill cS so! Verstehst du? Versprich mir. daß du mir folg«»»»virft." Und sic halle cs versprochen. Aber jetzt, wie sie alles überdachte, schien ih: diese» Versprechen wie ein Alp. di« kalte, kahle, dunkle Küche wi« ein Gefängnis und di« Möglichkeit von BorriS' Tod wie di« Gewißheit ihres eigenen. Sie erhob sich, um auf di« Bahn zu gehen, nm das Geld in Enrpfang zu nehmen und das letzte Lebewohl zu sagen. ,Hch werde dir da» Geld verschaffen, hatte er gesagt,„und wenn ich einen Mord begehen müßte!" Das Mädchen schauderte, nicht,»veil sie an die mögliche Ausführung seiner Drohung glaubte, sondern, weil der Ernst deS Lebens noch nie so dicht an sie hcrangetreten»var. 12. Kapitel. Das Separe« Nr. 8. Lillian wollte beim Verlassen d«S Theaters an den Portier eine Frage nach dem Tienstmann, der den Brief für sie abgegeben hatte, stellen, unterließ es aber, um nicht di« Aufmerksamkeit der herumstehenden Kollege»» auf sich zu lenken. AlS sie auS dem Tor« trat, hielt sie flüchtig Umschau nach BorriS. Daß er nicht hier»var, überraschte sie weiter nicht, sie würde im Chambre separc« Nr. 3 bald Aufklärung finden. Als daS Auto sie zum Hotel„Weißer Hahn" führte, besah sie sich nochn»als die Tabatiere und bewunderte deren Schönheit. Seltene Steine »varen in sie eingelassen, sie fuhr ein paarmal »nit dem Finger über das Monogramm R. G. Wer»nacht« der geheimnisvolle Besitzer sein? Sic»var in großer Erregung, al» sie di« Drehtür« d«S Restaurants durchschritt. Kellner grüßten, doch sie sah weder nach rechts noch nach links, sondern dnrchlchritt eiligst den Saal. Der altbekannt« Weg zu den inlimeren Räume» führt« über ein paar teppichbelcgte Stufen, dann sah sie die Nr. 3 über der Tür, vor der der grün« Vorhang war. si« schob ihn beiseite und trat rasch und ohne zu klopfen ein. (8o«t«tzung folgt.» WWWWWWWWMs Nr. 15V Dienstag, 11. Juki 1933 Seit« 3 kln AdrlaNlditangrllfspaH? Paris, 9. Juli. Der römische Korrespondent der„M a t i n" meldet, daß bereits vorbereitende diplomatische Ve-Handlungen über die mitteleuropäische Frage begonnen wurden. CS handle sich um die Vereinbarung des sogenannten Adria. NichtangrisfSPakteS zwischen Italien und Jugoslawien auf ähnlicher Basis, wie die letzten Pakte niit Sowjetrußland abgeschlossen wurden. In den acichen Rahmen saue auch die Unterzeichnung des VicrerpakteS und des italienisch-jugoslawischen Paktes sowie der Plan einer R o m r c i s« B e n e die eine konkrete Losung der Tonaufragc einleiten soll. dies erreicht war, engagierte sich das Zentrum 1925 nach rechts. Nach den» Zwischenspiel Her- man Müller, während dessen daS Zentrum nichts ungeschehen ließ, um die Sozialdemokratie zu lahmen, glaubte Brüning 1930 wieder nach rcch:S gehen zu muffen. Eine dunkle Ahnung sozialer und politischer Umwälzungen leitete ihn. Er lah die Reaktion aufsteigen m«d wollte daS wiederholen, was Triberger 1919 mit Erfolg getan hatte: die extrem« Bewegung lahmlegen, indem er sich ihr anschloß. DaS Zentrum selbst sollte so lang: Recht-Politik machen, bis die Gefahr gebannt und bei der Umgestaltung-es Staates ein übrige- an Erfolgen hcrauSgeholt war. Zuerst durchkreuzte Lügenderg diesen Plan,dann im Herbst 1980 Hitler(oder die SPD, die ja dem Kanzler di» Tolerierung beinahe aufdrängte, jedenfalls alles tat, Hitler zu unterbieten). Spatesten- Im S o m- mer 1931 mußte Brüning erkennest, daß er gescheitert war. Aber er hätte die ganze Tradition des Zentrums verleugnen, ein Salto mortale wagen müssen, wenn er sich ent» schloffen hätte, für links oder rechts zu optieren. Er blieb weiter in der Mitte und klammerte sich an die Puppe, die«r selbst aufgestellt hatte, den Reichspräsidenten. Die Stunde sollt« ihm nicht erspart bleiben, da er— wie einst Jnnocenz Hl. von dem Welfenkaiser Otto IV.— von Hindenburg sagen konnte:„Es reut mich, daß ich diesen Menschen gemocht höbe." Mit-em Sturz Brüning- begann di« Kala» strophe de- Zentrum-, Alle Versuche, nach der Inthronisation der Konterrevolution noch für recht- zu optieren, eine schwarzbraune Koalition zustandezubringen, schlugen fehl. Nun spielte nicht mehr daS Zentrum mit den andern, sondern Hit» ler und Schleicher spielten mit dem Zentrum, jener um e- gegen Hugenberg auSzuspiclen, dieser um Hitler zu fesseln. DaS Ende der Tragödie war die Reichstagssitzung in der Krollover, bei der das Zentrum, au- seiner Schlüsselstellung gedrängt, auch nicht die Geste deS Widerstand- wagte, sondern zum erstenmal irr seiner Geschichte einfach Gefolgschaft leistete. Wie in Italien so tritt auch in Deutschland nun die römische Kurie selbst und unmittelbar, olr Vertreter der Katholiken aus. Zur. selben Stund«, da Brüning, Stegcrwald und Kao- die Bühne der Geschichte verlassen, verhandelt Herr von Pa Pen, ein Abtrünniger der Zentrumspartei, in Rom über ein Reich-konkordat mit der römischen Kirche. Der streitbare Katholizismus räumt«ine verlorene Position und sucht sich auf andere Weise mit dem Gegner zu rangieren, ihn kür seine säkulären äiele«mzuspannen. Die katholischen Arbeiter, auern und Kleinbürger Deutschlands aber werden sich nach einem neuen Schutz ihrer ökonomischen Jntereffen umsehen muffen. Sic werden au- dem zerstörten ZentrumS-Turm den Weg zum klassenkämpferischen Sozialismus finden, der allein die deutsche Konterrevolution brechen kann. E. F. Stellings Leime ans einer Sdilenße gezogen... Gelottert und dann ertrankt! Aus Berlin wird die Meldung, daß der sozialdemokratische ReichStag-abgeordnete Stelling an den erlittenen Verletzungen gestorben ist» wird bestätigt. Stelling wurde Sonntag eingeäschert. Sein Tod gehört zu den unerklärlichsten Borsallen der letzten Zeit. Stelling wohnte in einer Kolonie bei Köpenick, wo im Juli, wie erinnerlich, bei einer mitternächtigen Hausdurchsuchung bei dem Gewerkschaft-sekretär Johann SchmauS deffen Sohn drei SA-Leute niederschoß. Am Tage dieser Schreckenstat wurde die Kolonie durchsucht. Dabei drangen erregte Leut« auch in di« Wohnung de» Abg. Stelling«in. ES entspann sich«in Wortwechsel und Stelling macht« den Eindruck«ine» Schwerverletz, t e«, al» er abgesührt wurde. Ein« Zeitlang blieb er verschwunden. Rach etwa einer Woche sand man in der Zerpen-Schleuse in seichtem Wasser eine männliche Leiche, die in einen Sack gehüllt war. Kurz daraus wurden in der Röhe noch zwei Leichen gesunden. Eine dieser drei Leiche» wurde al» der Abg. Stelling identi» siziert. Di« Frau Stellings wurde verständigt, daß sich die Leiche ihre» Manne» im Leichenhau» befinde. Stelling hatte ein« Legitimation in seiner Tasche, die Identifizierung konnte mehr nach dieser Legitimation und der Kleidung erfolgen, da da» Gesicht schwer entstellt war. Im übrigen wird bekannt, daß der verhaftete junge SchmauS, der die drei SA-Leute erschossen hat, gleichfalls sei««« Verletzun- ?««, die er kurz nach der Schreckenstat erlitt, e r- e g e n ist. Sei« B a t e r wurde bekanntlich errängt ausgesunden. Die Mutter de» jungen Schniau« befindet sich in g e i ft i g e r U m« a ch- tung in einer Heilanstalt. Aus der Heimat des Fascismus Von Dr. Vlttorlo Mungioll. Ventile in Kinos und Theatern. Rena Clair hat kürzlich einen Film„UnS die Freiheit" geschrieben, dessen Titel in Rom in „Mir die Freiheit" unigelauft wurde, damit die römischen Kinobesucher nicht auf unerlaubte Gedanken kommen könnten! Bei den Dorstcllun- gen hatte man eine besondere Ueberwachung des Publikum» angeordnet und diejenigen, die allzu stürmisch Beifall klatschten, wurden ohne weitere- verhaftet! Die Mailänder„Seal a" batte im Juni d. I. eine neue Oper„Guido o c t Volke-", die beim letzten Nationolwcttbewerb mit dem ersten Preis an-gezeichnet worden war, inszeniert. DaS von Rossato stammende Libretto enthält mehrere Freiheitsrufe und Andeutungen an die Zeiten, in denen Norditalien in freie Gemeinden emgeteilt war. Selten hatte man in den letzten Jahren einer solchen Begeisterung für eine neue italienische Oper beigewohnt; da- Publikum klatschte immerfort Beifall, die Polizei sah sich in die Unmöglichkeit versetzt, alle Theaterbesucher einzusperrcn oder aufzuzeichnen. So wurde die Oper, gleich nach dem ersten Abend, zurückgezogen und die Vorstellungen auf einige Tage eingestellt: bei der nächsten Äorstel» lung konnte daS Publikum, auf Grund des Libretto-, wahrnehmcn, daß die meisten freiheitlichen Stellen au- dem Overntext herauSgefchnitten worden waren! Solche Vorgänge laffcn darauf schließen, daß die Begeisterung der Italiener für den Fasci». mu» nicht allzu groß ist, während die Angst de» System- mit jedem Tage neue Formen annimmt! nie Presse unter dem rasclsmns. So wie die reich-deutschen Zeitungen heute, dürfen auch die italienischen seit Jahren nur jene Nachrichten veröffentlichen, die au» Rom genehmigt werden. In diesen Tagen beispielsweise hat kein italienische- Blatt über die m a s» s'e»haften Stcrbefälle berichten dürfen, die in ganz Italien durch ein Serum gegen die D i p h t h e r i t i s, das aus dem Institut in Neapel stammt, verursacht wurden. Allein in den Provinzen Udine und Treviso handelt e» sich um einig« Hundert Tote! In Gruaro bei Portogruoro, wo die Opfer besonders zahlreich waren, hat die Bevölkerung nicht nur das Gemeindehaus, sondern auch die Pfarrei gestürmt, weil der Pfarrer, von der Kanzel aus, die Leute zur Impfung ihrer Kinder angespornt hatte. Dadurch, daß keine Zeitung über das Unglück berichten durfte, konnten selbst di« Aerzte nicht davon in Kenntnis und deshalb in die Lage verseht werden, ein Ucbergreifen der Todesfälle zu verhindern. Nene Patrioten. Der König von Italien hat, auf Vorschlag de» Duce, dem Herrn Giuseppe C a st i g l i o n a da» Ehrenkreuz des Ordens der Heiligen Mauritius und LazzaruS wegen seiner hohen industriellen, patriotischen und vhilantropischen Verdienste verliehen. Castigliom war, während deS Kriege-, Großlieferant des österreichischen Heere-, und hat die Flugzeuge gebaut, die Venedig bombardierten! Daraus geht hervor, daß die früheren schlimmsten Feinde Italien» heute die besten Unterstützer und Freunde de» Fascismus sind! Wirtsdialflkhe„Siege“ unter dem rasclsmns. Die Mailänder Wirtschaftszeitung„Di« Sonne" vom 17. Juni mewet, daß die beiden größten Banken Sudtirol» Pleite gegangen sind. E» handelt sich um die„Banca del Trentino e dcll'Alto Adige"(Passiva Lire 277,131.082 gleich etwa lü 485 Millionen) und um die „Banca Jndustriale"(Passiva Lire 76,655.815 gleich kü 134 Millionen 148 Tausend)! nniiHiiinninnniiiiiininiiniiimniniiiinmininininiiiiniiniiiiuuiiiiniiiiiiiininnniinnHiiniiiinininnutiniinininnnnniiniiinniiiiiiniiinininiiniiinninHiiiniiinniniiiiininiininniiiiiiiiiiHiiiiiin SAleberlall im Indianer Grenzgebiet. Aus dem Ta chauer Grenzgebiet erhalten wir die verbürgt« Meldung, daß am 7. Juli nachmittag» zwei uniformierte Hitler-Banditen bei Waiohau» die Grenze überschritten und über Roßhaupt bi» nach Hesselsdorf kamen, wo sie nn OrtSteil Rahmhrücke da» Gasthau- Hufnogel aufsuchten.• Die zwei Burschen ver. trieben sich zunächst die Zeit mit provokativen Fragen an den Wirt, warum er nicht Nationalsozialist sei, bi» der- Zirgeleiarbeiter Georg M a g e r l zum Fenster de» Gasthauses kam und Zigaretten verlangte. Al» ihn die Nazilümmel gewahr wurden, stürzten sic sich mit den Worten: „Schau, wa» der für ein Hemd an hot; da» ist ein Kommunist!" auf den Ahnungslosen und einer der Hitler-Banditen schlug ihn durch zwei Hieb« aus den Kops zu Bode». Der zweite SA-Mann riß dann dem Magert da» Hemd buchstäblich in Fetzen vom Lewe. Dann setzten sich die verrohten Burschen wieder ruhig m» WirtShau» und»«achten erst einen mißglückten Fluchtversuch, als die Gendarmerie bereit» am Tatort erschien und sie verhaftet«. Ossletzkl und FlOhsam Im Zuchthaus Brandenburg Der pazifistische Schriftsteller Offietzki und der mehrere Jahr« in bayrischen Zuchthäusern geschunden« revolutionär« Schriftsteller Erich Mühsam sind au» dem Zuchthaus Sonnenburg in» Zuchthaus Brandenburg'überführt worden, nachdem sie in Sonnenburg Nacht sür Nacht viehisch mißhandelt worden sind. ein sonderbarer Schwärmer. Berlin, 10. Juli. Das Wolf-Büro verbreitet heute einen ausführlichen Brief des bekannten Herausgebers der Londoner„Daily Mail", Loro Rothermere, den er seinem Blatte ,,ou» einem neuen Lande auf der europäischen Landkarte, das Naziland heißt", sendet. In diesem Briefe setzt sich Rothermere für den hitle- rischen Geist und für die jugendlichen Führer der nationalsozialistischen Bewegung ein, vergleicht Hitler mit Mussolini und schildert die Verhältnisse im heutigen Deutschlano in den rosigsten(!) Farben. Boliarstablllslerung erst ab 1035? Paris, 10. Juli. Nach einem Telegramm des New Aork Hcrald" aus New Aork dürfte die Stabilisierung des Dollar» wahrscheinlich auf das Jahr 1935 verschoben werden. Präsident Roosevelt stelle als Porbedinguna für die Stabilisierung eine„vernünftige Preissteigerung^', ferner den Ausgleich des Budgets. Das Budget habe aber am Ende des am 30. Juni abgelaufenen Steuerjahres noch ein Defizit von 1700 Millionen Dollar aufzuweisen, da» am Schluß des laufenden Steuerjahres auf 500 Millionen zurückgeschraubt werden könne. Gegenwehr Oesterreichs gegen den Rundsuuk an» München. Die», 10. Juli. Wie die Wiener Sonn- und MontagSzritung erfährt, hat die österreichische Rundfunkgesellschast in Einvernehmen mit dem Bundeskanzleramt wichtige Beschlüsse gefaßt, die sich mit der Abwehr der Münchener Radioprovokationen besoffen. Bereit» die nächste Münchener Rundfunksendung werde Österreich nicht mehr erreichen. Vorläufig könnten über die Art, in der den Sendungen cuS München entgegengetreten werden soll, noch keine Einzelheiten bekanntgegeben werden, doch stehe cS fest, daß sich die zur Abwehr ergriffenen Maßnahmen alS a u S r e i ch c nd erweisen werden. NazlJlazzta In Wien. Bei einer Razzia der Diener Polizei gegen die Nationalsozialisten wurden Sonntag nacht» nicht weniger al» 1600 Personen angehalten. Die überwiegende Mehrzahl von ihnen wurde nach der Ausweisleistung auf freiem Fuß belasten. Ungefähr 400 Personen mußten den Patrouillen zur nächsten Wachstube Folg« leisten und dort nähere Auskünfte erteilen. Etwa 50 Personen wurden im Polizeiarrest behalten. Bei einigen wurden Werkzeug« gefunden, die auf Sabotageabsichten Hinweisen. Vie neueste Parole: Randierstreih. Auf Befehl au» München propagieren die Nationalsozialisten in einigen österreichischen Provinzstädten den Raucher streik. Kein Angehöriger der Partei darf auf Befehl seiner Partei- lcituna ab Montag, den 10. Juli, weder österreichische Zigarcltcn, noch Zigarren, noch österreichischen Pfeisentabak rauchen. Ole DiHerenzcn in der französischen Partei. Paris, 10. Juli. Einer der leitenden Funktionäre der sozialistischen Partei, der Kassier ihres Klubs und langjähriger Vorstand der Bezirksvertretung von Perpignan, Abg. P a y r a, trat heut« auS der Partei aus, weil sich di« sozialistische Partei in seinem i^zikke für di« Politik deS Generalsekretärs der Partei, Faure, d. i. gegen die Zusammenarbeit mit der Rcgicrung, ausgesprochen hatte, wogegen Payra die gegenteilige Ansicht vertritt. Man nimmt allgemein an, daß die Kongreßverhandlungcn der sozialistischen Partei in den Tagen vom 14. bis 17. Juli, die sich gerade mit der Spaltung in der Partei be- fasten sollen, einen recht stürmischen Pcrlauf nehmen werden. Uothltonninlttur IQr Nlchtangrlllspahte. Pari», 10. Juli. Meldungen der Korrespondenten auS Rom zufolge, soll in allernächster Zeit eine NichtangrisfSkonvention zwischen Sowjetrußland, Oesterreich und Italien abgeschlossen werden. Senat oemeindewahlnovelle erledigt. Donnerstag letzte Sitzung. Prag, 10. Juli. Im Senat, der den bisherige» Dispositionen gemäß Donnerstag in Ferien gehen soll, wurden heut« die vom Abgeordnetenhaus in der Vorwoche verabschiedeten Gesetzentwürfe vorgelcgt und den Ausschüssen zu ihrer Beratung, Frist bi» Mittwoch mittags gegeben. Auch die Zollvcrordnung aus Grundes Ermächtigungsgesetzes wurde bereit» den Ausschüssen— allerdings ohne Frist— zuge- wicsen. Gegen die Verabschiedung deS geänderte» MinistcrvcrantwortlichkeitSgefetzeS machen sich ge- wiffc Widerstände gellend. Man ist in SenatSkrci- sen darüber ungehalten, daß das Parlament an dem seinerzeitigen ScnatSbeschluß.nachdem es ihn üebr acht Jahr« ilegen ilcß, prinzipielle Acndcrun- ge» vorgcnommen hat, ohne sich dabei irgendwie' mit dem Senat ins Einvernehmen zu sehen. ES wird sich morgen im Ausschuß zeigen, ob dies« Unzufriedenheit tatsächlich so weit geht, daß die Vorlage über die Ferien unerledigt liegen bleibt, Im Plenum de« Senat» wurde eine ausführliche Aussprache über die Novelle zur Gemcindcwahlordnung abgeführt, wobei die deutsche Opposition zur Abwechslung wieder einmal getrennt vorging und drei Redner, T i ch i, Kostka und R c y l,„zum Schutze der Demokratie">n die Debatte vorschickte. Ihre Ausführungen veranlaßten den Genossen Dr. Heller, in kurzer Rede auf diese Vorredner einzugchcn. Genosse Dr. Heller erklärle zunächst zu den Ausführungen der Opposition, es sei richtig, daß die Lage unserer Gemeinden lataslropha l und Hilfe dringend notwendig' ist. Di« sonstige Tlcllungnahm« zu den Vorlagen und zu jenen Er- eigniffen, aus denen heraus diese Gesetze«nffiandcn sind, hab« Genosse Nießner schon ausreichend besorgt. Wir können nicht ander» und werden auch weiterhin in unserer sozusagen charitativen Tätigkeit sorisnhrcn, um die Herren Kollegen Mikulieek und Kindl, Böhr und Hilgenreinrr. Tichy und Kostka vor den Segnungen de» Dritten Reiche» zu bewahren!(Z u st i m m u n g.) Im übrigen zeigi sich ja heute schon, daß der Opposition gegen diese» Gesetz, do» wir hier beschließen, nicht gar so ernst gemeint ist. Wenn z. B. Herr Tichy hier verlangt, daß auf Grund de» von ihm so heftig bekämpften Ermächtigungsgesetze- ein Moratorium für di« Gewerbetreibenden ertasten wird, so ist da- rin Widerspruch: man kann nicht erst ein Gesetz bekämpfen und daun aus Grund diese- bekämpften Gesetzes bestimmte Maßnahmen verlangen. Wenn Herr Kollege Kostka meint, daß der heule leider herrschenden Strömung oder Gesinnung eine„wohlwollende Gesinnung" entgegengebracht werden müsse und daß dadurch die Gefahr vermieden werde, daß au- dieser Gesinnung jemand bekämpst wird, so beneide ich ihn um seinen Optimismus insbesondere nach den Erfahrungen, die wir and«r-wo in letzter Zeit schaudernd nriterlcbt haben. Im allgemeinen sind die Herren dort, wo sie wenig oder nicht» dreinzuredeu haben, begeisterte Demokraten; aber dort, wo sie da» Ruder, in der Hand haben, ist ihre Demokratie nicht ganz so hieb» und stichfest! Was die Vorlage selbst betrifft, so konstatiert Dr. Heller zum 8 63, daß die Auflösung der Gemeindevertretung nach erfolgter Nichtbestätigung de- gewählten Bürgermeisters nur in zwei Fällen erfolgen kann, wenn nämlich die Gemeindwertre- tung daraufhin der Aufforderung zur Neuwahl de- Bürgermeister- überhaupt nicht nachiommt oder wenn sie denjenigen, der nicht bestätigt wurde, neuerlich wählt. Wird dagegen jemand anderer gewählt,»er gleichfalls n t ch t di« Bestätigung der AuffichtSbehör» den findet, so wird die Gcmeindevrrlreiung nicht ausgelöst, wohl aber der neue Bürger- meister von der Behörde ernannt. Diese Bestimmungen gellen auch für bereit- bestehende Gemeindevertretungen; auch dies« könne also nur dann aufgelöst werden, wenn ein« Neuwahl an Stelle des nicht bestätigten Bürgermeisters über». Haupt nicht erfolgt oder bei der Neuwahl der Nichtbestätigt« neuerdings gewählt wird. Gewisse Anzeichen der letzten Zeit können vielleicht den Schluß zu lasten, daß hierin nicht volle Klarheit herrscht. Wir legen aber Gewicht daruf, daß, wenn schon dieses Gesetz beschlossen wird, streng nach dem Wortlaut und dem Sinn de» Gesetzes vorgegangen wi rd.-(Beifall.) * Nächste Plenarsitzung Mittwoch um 14 Uhr. Der morgige Tag ist den AuSschußberatun- gen Vorbehalten. Die Polnischen Minister beraten über da« Venter System. Prag, 10. Juli. In der Frage der Aenderung des Genier Systems fanden heute vormittags erneuert Verhandlungen des zuständigen Rcffort- ministerS Gen. Dr. C z e ch mit den Vertretern der Gewerkschaften statt. Nach Meldungen tschechischer Nachmittagsblättcr ist eine völlige Einigung nicht erzielt worden. Für Nachmittags waren die politischen Minister einberufen, um sich mit dem Genter System zu befaffen; die Verhandlungen wurden schließlich nochmals auf morgen vertagt. Seite 4 TkmStag, 11 Au« 1988 Nr. 159 * ♦ | Bunter Wend. tthn Orte -um auf und m i t sich 22 j des das Litwinow- Nobelpreisträger? London, 10. Juli. ,^Daily Expreß" bringt dis Meldung aus Moskau, daß der Volkskommissar für Aeußeres, Litwinow, Heuer für den Frieden«. Nobelpreis vorgeschlageu werden wird. Nach den» selben Informationen, die angsblick aus einer guten Quelle stammen, wird ihm der Nobelpreis für den hervorragenden Anteil am Abschluß des Nichtangriffspaktes verliehen werden. Zwölf Tote bet einer Hochzeit. Batavia, 10. Juli. Bei einem HochzeitSsestc in dem Dorfe Calcmbang wurde einer der Hoch, zcitsgaste Plötzlich vom Wahnsinn ergriffen^ Er tötete 12 Personen, verletzte gleichfalls 12 Personen und verwundete sich schließlich selbst schwer. AN 110 AM M nodl Mlkll MM! Ktne au den Morden beteiligte Frau stellt stch der Brllnuer Polizei. Am verflossenen SamStag kam die sünsundvierzigjährige ehemalige Hausgehilfin Maria Jelinek zur Brünner Polizeidirektion und gab an, daß sie die Mörder des im Oktober 1919 in Brüx ermordeten und beraubten Raritätenhändlers Weinelt kenne. Beim Verhör verwirkelte sich die Frau in Widersprüche und gestand schließlich, daß sie an diesem Mord beteiligt war. Sie diente damals unter falschem Namen bei Weinelt, der Mord wurde von dem bekannten Einbrecher Franz Havelka aus Eger ver« übt. Damals wurde ein gewisser Hampe als des Mordes verdächtig verhaftet, doch mußte er wegen mangelnder Beweise sreigelasien werden. Im Verlaufe des Verhöres gestand die' Jelinek noch einen zweiten Mord. Havelka uno seine Genossen, Rudolf Baienta au» Bodenbach und Ludwig Reimer aus Aussig, töteten im April 1981 in Postitz bei Aussig den Ga st wirt Jodlowetz und dessen Gattin. Jodlowetz war«in bekannter Heh, ler, in dessen Gasthaus sich auch eine Geld fälschungSwerkstäite befand. Die Jelinek diente noch vor kurzer Zeit bei einer BeamtenSfrau in Brüx. Als sie dort von der Polizei, die die Nachforschungen nach den Tätern neuerlich ausgenommen hatte, verhört wurde, witterte sie Gefahr und fuhr über Komotau und Prag nach Brünn, wo sie im Hotel Slavia abstieg. Dann mietete sie ein Zimmer in der Sandstatte und stellte sich schließlich, von Ge« wisscnsbisien gequält, der Polizei, wo sie aber erst jede Schuld von sich abwälzen wollte. Sie wurde dem Brünner KreiSstrasgericht eingeliesert. Nach der Verbrecherband« wird gefälscht, nniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiuiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiniiiiniimiiininimiiiiiiiiiiiiiiiiiiimnimiiiiiiiiiiniiiiiiiiniiiiiiimiiiiiiiiiiiiuiiiiin Sie Ueberlchwemmnnas-Katattrovbe in Karvatborntzland: ULhorod, 9. Juli. Nach weiteren Berichten hat die katastrophale Ucbcrschivcmmung in Kar- pathorußland hauptsächlich im Bezirke Rahovo schwere Schäden angerichtet. Ein Teil der Gemeinde Boi-kova und Luh steht unter Wasser. In Taäcvo stieg die Theiß sieben Meter über das Nornialc. Die Eisenbahn st raßen und die Telephon- und Telcgraphcnvcrbin- dung ist vollkommen unterbrochen, so daß in die betroffenen Orte die Ma:Svcrs.rguug nur mit Saumtieren möglich ist. Man dachte auch an den Transport des Mais über Polen, aber über die angeschwollenen galizischen Flüsse war auch diese Verbindung unterbrochen. Am katastrophalsten ist die Lage in der Gemeinde B h l o k im Bezirke Bcrchovo, wo trotz den getroffenen Maßnahmen die Bevölkerung sich weigerte, die Häuser zu verlassen. Bon 547 Hausern in Bylok sind bloß 80 stehen geblieben. ES wurden zwei Tote sest- gestellt, 50 Personen werden vermißt. Das Wasser steht hier fünf Meter über Normale. ES ist dies der höchste bisher beobachtete Stand, da die. letzte bekannte Ueberschwcmmung bloß 450 Zentimeter über dem Normale betrug. Di« Bevölkerung hat nur das nackte gerettet. Zahlreiche StoatSangestellte ihr ganzes Eigentum eingebvßt. In Schönwetter mit Gewitterneigung. Die mitt- leren und westlichen Teile des Staates waren am Sonntag vorübergehend heiter. In Nordwest, böhmen erreichten die Temperaturen 30 bis 31 Grad Celsius. Der erste Ausläufer der atlantischen Truckdepression brachte in der Nacht darauf in der Wcsthälste Böhmens stellenweise ergiebige Gewitterregen. Die Gewitterfront Hot sich zedoch in den Morgenstunden des Montag aufgelöst. Die allgemeine Luftdruckverteilung läßt warmes Wetter bei Südost- bis Südwestwind und in den Sudctenländcrn zeitweise Gewitterneigung erwarten. Wahrscheinliches Wetter heute: Zcit- weise Gewitterneigung, im allgemeinen jedoch schön, warmer Süoost- bis Südwcstwind. Brandlegungen ohne Ende. SamStag, den 8. Juli brach in Hrdloöezy bei Suchool in Südböhmen ein Brand aus, dem drei Gebäude mit der gesamten Wohnungseinrichtung zum Opfer fielen. Bei der Untersuchung über die EutstehuugSursache dcS Brandes wurde festge- stellt, daß der Brand gelegt wurde. Interessant ist, daß in der Umgebung von Suchdol die Bcrsichcrungsinstitute keine Anmeldungen für neue Brandvcrsichcrungcn a n n e h m e n und die bestehenden langfristigen Verträge entweder kündigen oder das Weiterbestehen derselben nur durch Teilnahme an eventuellen Schäden aufrechtcrhalten. Im heurigen Jahre gab es in dieser Gegend bereits ungefähr 30 Brände. Radfahrversuch« mit dem Leben bezahlt! Auf der RcichSstraßc von Brüx gegen Saaz wurde bei der Ortschaft Tschöppern die 35jähriac Bergarbeitersgattin Marie H e g e n b a r t h, die sich dort im Radfahren übte, von einem Auto erfaßt und derart heftig zu Boden geschleudert, daß sic einen Bruch der Schädelbasis erlitt und kurz darauf starb. Spielendes Kind die Ursache einer Zugsentgleisung. In der Nähe der polnischen Bahnstation Postnow.bei Wilanow entgleiste die Lokomotive und vier Waggons eines Schnellzuges. TaS Unglück wurde dadurch verursacht, weil der Lokomotivführer den Zug plötzlich zum Stehili brachte, da er ein spielendes Kind auf dem Bahngeleise erblickte. Acht Passagiere des Schnellzuges wurden verletzt, darunter vier schwer. Außerdem erlitten der Lokomotivführer und zwei Heizer schwere Verletzungen. Selbstmord eines Proßnitzer Mittelschul- direktors. Der Direktor des Mädchcif-Real- ghmnasiumS in Proßnitz, Karl M a k o ch a, hat SamStag nachts in seiner Wohnung Selbstmord verübt. Er befestigte an dem Haken, auf welchen! der Spiegel hing, einen Strick und legte sich eine Schlinge um den Hals, worauf er einen gut gezielten Schuß gegen seine rechte Schläfe ab- feuerte. Der Strick riß und die Leiche wurde von der Bedienerin früh aus dem Boden liegend gesunden. Makocha hinterließ drei Schreiben, davon lagen zwei am Tisch, eines für seine Tochter und das zweite an Dr. Halär in Proßnitz. Tie Ursache, warum der 58jährige Direktor den Selbstmord verübte, liegt völlig im Dunkeln. Die Leiche Dr. Feierabends gesunden. Au» G o s a u wird gemeloet: Der im Zug« der Bcr- guugSaktion vom Postcnkommando der Gendarmerie in Gosau Sonntag mittags zur Adamek- hütte, bztv. zur Unfallstclle geschickten Ablösungsmannschaft ist cs gelungen, die Leiche des Prager Dozenten Dr. Feierabend im Lawinenschnce zu finde». Der Leichnam wurde nach Gosau gebracht, wo auch der Bruder des Verunglückten, Generaldirektor Dr. Pladislav Feierabend, eingetroffen ist. Die vier Leichen der Verunglückten werden wahrscheinlich in ihre Heimat gebracht werden. Der Papst macht Ausflüge. Wie aus Rom gemeldet wird, hat ter Papst Rom verlassen und sich nach dem etwa 25 Kilometer von Rom entfernten Castelgandolso begeben; abends kehrte er wieder nach dem Vatikan zurück. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Mittwoch. Prag; 11.00 Schallplatten. 13.40 Schallplatten 18.30 Deutsch« Send'ung: Arbciterfunk: Dr. Emil Frankl: Zur Geschichte der demokratischen Idee in Mitteleuropa, Bericht vom Arbeitsmarkt. 10.25 Klarinettenvorträg«. 20.05 Konzert. 21.00 Nüber ägyptisch« Musik. 21.80 Konzert de: OndriSÄ^Quartettes.— Brünn: 10.10 Konzen 17.45 Schallplatte». 1825 Deutsche Sendung: Dr. Strecker: Stromfahrt von Leitmeritz nach Meißen. 19.25 Humoristische Volkslieder.— Wien: 15.30 Jugendstunde. 19.00 Fideles Wien.— Frankfurt: 19.00 OrchesteÄonzert.— Leipzig: 16.00 Für die Jugend. 21.20 Volksmusik.— Berlin: 15.20 Stund« der Frau.— München: 16,00 Kinderstunde. 20.10 Die Bevölkerung, di« in der Nacht auö dem Schlafe alarmiert wurde, wollte die Häuser nicht verlassen und hat stch, größten Teil nur notdürftig bekleidet, Dächer und Bäume geflüchtet wurde hept« vormittags vom Militär KLhnest gerettet. Die Theiß bildet im Bezirke SevluS einen Kilometer breiten See. In die betroffenen wurden weitere Truppen und Gcndarmer'c dirigiert. Der Wasserstand beträgt heute abends in Bylok 430 Zentimeter L. N. Nach Mitteilung der Finanzwach-Patrouillen, die entlang der Theiß Dienst versehen, hoben sic in 2op auf der Theiß schwimmende Leichen beobachtet. Schaden: 16 Millionen Kronen. Urhorod, 10. Juli. Der in der von dem katastrophalen Hochwasser am meisten betroffenen Stadt Bylok angerichtetc Sachschaden wird auf fünf Millionen Kronen, der Schaden an der F e l d c r n t c in der Umgebung des Ortes auf eine Million Kronen geschätzt. DaS Landesamt hat den geschädigten Einwohnern von Pylok 50.000 K als erste Hilfe und aus Landcsmittcln weitere Beträge gewährt. DaS Rot« Kreuz versieht den Ort nut Lebens- Mitteln.- Ter ganze Ort wird wahrscheinlich auf einem erhöhten Platz neu ausgcbaut werden. Der Sanitätsreserent des LandeSamtcs weilt an der Unglücksställe und trifft die nötigen Vorkehrungen,»m dem Ausbruch epidemischer Krankheiten infolge Genusses von schlechtem Trink- Wasser usw. zu verhindern. Das Wasser ist in raschem Sinken. Bisher wurden aus dem Wasser zwei Leichen, eine männliche und ein« weibliche, a u f g c f i s ch t. Tas Hochwasser der Theiß hat u. a. 12.000 Quadratmeter Fichtenholz im Wert von 1,200.000 Kronen f o r t geschwemmt. Der in Karpathorußland durch das Hochwasser angerichtetc Gcsamtschadcn wird auf llllillilllllilllllilllillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllllllllllllllll! Leben hoben „ einer ganzen großen Gemeinde blieb nur ein Teil der Hauptstraße stehen. An Ort und Stelle wurde gestern ein Sonderzug mit dem 10. Bcrehovocr Kavallerie-Regiment, weiter mit Feuerwehren und rcquirierlen Kähnen abgefertigt. Auch ein Teil der lechnilchen Rotte des Munkaser Jnfantcrie-Negiinents wurde dorthin dirigicri. Heute vormittags's! das Wasser im Abfallen, aber an den bctrofsenen. Orten regnet es weiter. Ein Teil der Gemeinden Para und Letovo an der Theiß ist innundicrt. Die B e» Völkerungvon Bylok wurde in Autobussen nach Bcrchovo befördert, wo sic in den Schulen untergebrachl und aus derMilitär-- küche versorgt wird. 2000 Personen sind obdachlos und werden aus staatlichen Mitteln unterhalten. Heute früh ist der Landcovizcpräsidcnl Dr. Jcch. der Stellvertreter des Landeegendarmerie-Kom- mandanlen und zwei icchnische Beamte des Lan- dcsamtcS nach Bylok abgereist. Aus dem Bez'rk Scvluü werde» Uebcrschwemmungen gemeldet aus den Genicindcu: Kralovo a. d. Th., Tetovo, Sasovo. Lern» Ardov. Ecpy,~ Helene, Sirma, Trsnik und Fanüikovo, die größtenteils vom Verkehr gänzlich abgcschnittcn sind. Die Brücke der Staatsstraße Kopana--Rokosiva wurde fortgeschwemmt, so daß die Straßenverbindung unterbrochen ist. Heute vormittags begann das Wasser der Theiß in der Gemeinde Bylok teilweise abzufallen. Das Rote Kreuz hat heute vormittags mit Autobussen 150 Kinder nach Bcrchovo befördert, 250 Personen sind zu ihren Verwandten gefahren. Die übrigen warten ans das Sinken des Wassers, lagern aus den höherliegenden Stellen und auf der Eisenbahnstrecke. Der Anblick der Gemeinde ist lchrecklich. Bon der großen Gemeinde ist nur ein Teil der Straße übr'g geblieben. Die jüdisch« Bevölkerung wird von der südlichen Kul- tuSgemeinde in Bcrchovo ernährt, die cnr- sprechendc Maßnahmen getroffen hat. Mubmrd bei Pobersam. bin Wertsiihrer ermordet und der Lohngelder beraubt. Podersam, 10. Juli. Zwischen 11 und 12 Uhr mittags wurde an der Straßenkreuzung zwischen den Gemeinden Ledau-Lischwitz-Schaab am SamStag, den 8. d. M.,«in Raubmord begangen. Ter Werkführer der neu eröffneten Koalingrube F. Uhl auS Lisch- Witz wurde an dieser Straßenkrenznng ermordet aufgefunden. Es wurden ihm 1500 Ke geraubt. Uhl trug dieses Geld von den Hardtmuthwerken in Poderlam zur Auszahlung für die Arbeiter. Die Leiche Uhls wurde erst Sonntag mittags in einem Kornfeld in der Nähe der oben erwähnten Straßenkreuzung ausgesunden. Line Gerichtskommission und die Fahndungsabteilung der Gendarmerie au» Brüx^haben sich an die Unfallstelle begeben. Die Untersuchung führt Stabskapitän Böhm aus Komotau. Erfurt, 9. Juli. Die RcichSbahndirektion teilt mit: Am Soirntag 15 Uhr 10 Minuten entgleist« vor dem Bahnhof Niedertrebra Ö-Zug 15 Stuttgart—Berlin, vermutlich infolge GleiSverwerfung. Sechs Personenwagen fielen unr und liegen an der Böschung. Bis jetzt sind vier Tote, zwölf schwer Verwundete und acht leicht Verletzter geborgen worden. Die Leichtverletzten setzten ihre Reise mit dem nicht entgleisten Zugtcil fort; die Schwerverletzten wurden dem Krankenhaus in Apolda zugcfÜhrt, Beide Geleise waren gesperrt. Der eingleisige Betrieb ist um 18 Uhr wieder ausgenommen worden. * Die Ursache des Unglücks glaubt man in einer durch oie Hitze verursachten Schienen- Verwerfung suchen zu müssen. Der Zug, der glücklicherweise nur schwach besetzt war, r i ß i n drei Teile. Am stärksten mitgenommen wurden die drei Kissinger Wagen, während die Stuttgarter und der Mergcnthcimcr Wagen vcrhältnis- mäßig gut davonkamen. Als sich das Unglück ereignete, hatte der Zug eine Geschwindigkeit von etwa 100 Stundenkilometern. Wie Fahr gäste behaupten, soll an einigen Stellen die Notbremse gezogen worden sein, die jedoch anscheinend n l ch t i n O r d n u n g war. Feuerwehr, Sanitätskolonnen, Aerzte, SA- und SS-Leute sowie Stahlhelmer aus Apolda und der ganzen Umgebung sind an die.Nnglücksstätt« geeilt und leisten die erste Hilfe., Apolda, 10. Juli. In der Nacht zum Mon- 4ag wurde in den Trümmern des verunglückten D-Zuges Stuttgart—Berlin noch ein Toter in stark verstümmeltem Zustande aufgefundcn, der als der Oberingenicur Goerich aus Leipzig festgestellt wurde. Seine Frau liegt verletzt im Krankenhaus Apolda. Bei der fünften Leiche fand man drei Schuhe. Da dec Körper des Aufgcfundenen stark verstümi mclt war, ist es möglich, daß eS sich um zwei verunglückter Personen handelt. * Coroana, 10. Juli.(Spanien.) Ein aus Madrid kommender S ch n e l l z u g ist unweit der Station CesuraS entgleist. Nach den bisher vorliegenden Meldungen wurden zwei Personen getötet und 47 verletzt. Wirbelsturm- 17 Tote. Mexiko, 9. Juli.(Havas.) Ein schwerer Wirbelsturm hat in der mexikanischen Provinz T a m a u l i p a s ungeheure Verwüstungen angerichtet. Besonders arg wurde die Küste am Golf von-Mexiko heimgesilcht. Bisher wurden 17 Tote geborgen. Einige Dörfer wurden von dem Wirbelsturm zerstört. sechzehn Millionen Kronen geschätzt. Eine Fachkommission wird sich an die vom Hochwasser betroffenen Gebiete begeben' und die Regierung um die Entsendung einer Jntermini- sterialkommission ersucht werden. ES wird auch ein Ortsausschuß für Hilfe an die Betroffene» gebildet werden. j AnRumönlen: hundert Gemeinden unter Wasier. Bukarest, 10. Juli.(AR.) Infolge der starken Regensälle wurde in NordtranSsylvanien eine katastrophale Ueberschwemniung verursacht. An einhundert Gemeinden wurde» unter Wasser gesetzt.. Eine große Anzahl von Häusern wurden beschädigt. Bia jetzt kamen fünf Personen bei dem Hochwasser umS Leben. Drei Gemeinden, die als Bäder und Ausflugsorte bekannt sind, wurden von der Außenwelt abgeschnitten und zirka fünfhundert Besucher dieser Orte leiden Hunger, da die Nahrungsmittelzufuhr unmöglich ist. An den RettungSarbeitcn nimmt auch Militär teil. MWWWMMMMiWMWWWWWWMWiMMWWWM T agesneuigkeiten Eine irrsinnige Mutter ermordet ihr Kind. Mähr.-Ostrau, 9. Juli. Heule früh ereignete i in Tkinec eine Familienlragödie. Die jährige Ottilie Novak, die Frau eines Pflegers im BetricbSkcankenhauS in Konska, zeigte in der letzten Zeit Anzeichen von geistiger Störung. Die Aerzte des BctricbSkrankenhauseS, bei denen sie in Behandlung stand, rieten am SamStag den Verwandten der Novak, die Kinder nicht zu Hause zu lassen, denn eS bestehe die Gefahr, daß die Novak eine unüberlegt« Tat begehen Knnte. Die fünfjährige Gertrud und d'e dreijährige Hilde wurden zu Verwandten geführt, während die OMonatc alte Ern e st i n e zu Hause blieb. Gegen früh schliesen der Mann und die Schwiegermutter der Novak, welche die kranke Fmu behüteten, auS Ucdcrmüdung ei». Die Novak benützte diesen Augenblick, nahm das Kind aus dem Kinderwagen und du r chsch n i t t ihm m i t e i n e in langen K ü ch e n m e s s e r den Hals. Sodann tvars sie den Leichnam aus die Erde. Don dem Vorfall wurde die Gendarmerie verständigt, dir mit der Einwilligung Bezirksgerichtes die Novak nachmittags in Irrenhaus nach Troppau überführte. Hilfe für Maltern. Moskau, 9. Juli.(Taß.) Der Direktor der Zentralverwaltung der„Großen Nordpaffagc" Schmidt erklärte, daß zwei große Wasserflugzeuge, die im nördlickzeu Eismeer erprobt wurden, sich eben auf der Tschuchot-HalbinscI befinden. Eines der Flugzeuge wird vom Piloten Lewanewski geführt und ist bereits in Chabarowsk eiugetrosfen. Tas zweite, von Buchholdt geführte, befindet sich auf dem Wege. Die Flugzeuge erhielten den Auftrag, in Anadyr zu landen und dem amerikanischen Flieger Mattern Hilfe zu leisten. Mit drin ersten Flugzeug fliegen auch erfahrene Mechaniker mit, die die notlvendigen Reparaturen an Matterns Flugzeug vornehmen können. Außerdem wurden aus Wladiwostok vier Schisse nach der Bcringstraße beordert, die ebenfalls den Befehl erhielten, Mattern Hilfe zu leisten. !!MIIttNttIttI!tIIIIItNtIItIt!»tlI!lItI»lItN!III!MI!It!tIlItI!tI!tItIINItttIIiItM>i«iMWiII!l!iIiiI!IiMIIiIiI D-Zug Stuttgart-Berlin entgleist. Fünf Tote, zwölf Schwerverletzte.— 100 üm-Tempo. Notbremsen versagten! Nr. 159 SienStag, 11. Juli 1988 6er, die zum Heime gehören, lagen und sonnten sich die Menschen und freuten sich deS herrlichen Sonnentages. Auch im Planschbecken ging cs recht lustig pl. Am Nachmittage konzertierte mit großem Erfolge das Orchester ocS Gablonzer StadtthcatcrS. Für reichliche und vor allem prcistvcrtc Speise hatte die Hcimver« waltung in anerkennenswerter Weise vorge- sorat. Tas gelungene Fest wird sicher vielen in froher Erinnerung bleiben. F. S. Bries nach der Scheidung Von Erich Kästner. Nun bist du fort. Schon seit Sonnabend abend. Merkwürdig, wenn man so allein« ist und die Erinnerung an Dich begrabend, empfind ich, wie lebendig Du noch bist. Der Kater Pünktchen spielt mit seinem Ball und guckt manchmal, als ob er Dich vermißt. Und Kunz, der Dackel, sucht Dich überall. Wie soll man ihm erklären, wo Du bist? Ich bin allein und trotzdem unzufrieden, ftd) bin allein und doch noch Pessimist. Mein Wunsch hat sich rrfiillt. Wir sind geschieden. Ich wüßte gern, ob Du niir böse b'ist. Die Sache mit Katinka ist zu Ende. Wie eilig unsereins so was vergißt! Nun sitz ich hier und zähle die vier Wände und frag mich, ob auch Du so einsam bist. Erst seit Du fort bist, wurdest Du mir wichtig. Ich sag« das, obwohl er kindisch ist. Erst seit Du fort bist, liebe ich Dich richtig. Und schreibe bald, ob Du gut angekommen bist. SttlerdeutWand gegen Weltpostverein. Ein Konflikt mit dem Saargebiet. Zur größten Wut der Deutschland verwesen- den Terroristen erscheint in Saarbrücken mit außerordentlichem propagandistischen Erfolg neben der„Volksstimmc" jetzt seit einigen.Wochen täglich di«„Deutsche F r e i h e i t". Ihr Haupt. Verbreitungsgebiet ist natürlich das Saargebiet, das dcntschsprechende Elsaß und— Westdeutsch, iand. Eine Anzahl Exemplare gehen auch nach der Tschechoslowakei. Nun weigert sichober die Deutsche Reichspost aus Befehl der Hitlerbande, diese Blätter durchzutranSportiercn. Tamil verletzt die Reichspost flagrant den Welt- Postvertrag der selbstverständlich Len Transit- ländern rein Recht gibt, durchgehende Post zu zensurieren. Zum Schutz ungestörter Postverbindung zwischen Saargebiet und Tschechoslowakei wird di« Regierungskommission des Völkerbundes eine Beschwerde an den Weltpostverein richten. CS bestehen außerdem Verdachtsgründe genug, daß durch Deutschland durchgehende Post von Hillerspionen gelesen und auch unterschlagen wird. ran, und Mode Im Dritten Reich. (DG.) Das nationalsozialistische Totalitätsprinzip erfordert die Gleichschaltung auf allen Gebieten. lieber den Parteien, Gewerkschaften und der Kirche verpißt man nicht, auch scheinbar so abgelegene Gebiete wie Tanz und Mode durch Aufnordung gleichzuschalten. Der Vorstand des Deutschen Tanzlehrerver- bandes hat eine außerordentliche Tagung veranstaltet, über die im gleichgcschaltetcn Nazideutsch verlautbart wurde, sie habe stattgefunden „zwecks Gleichschaltung seiner kulturellen und pädagogischen Bestrebungen im Sinne der nationalen Regierung. In diesem Sinne wollen die Tanzlehrer an den Aufbau deutscher Feste und deutschen Gesellschaftsstils Herangehen. Der neue deutsche Gruppeneinheitstanz „D e u t s ch l a n d e r" wurde bereits vorgeführt. Für die Aufnordung der Mode im Dritten Reich wurde ein deutsches Modeamt geschaffen, dessen Ehrenvorsih Frau Magda Göbbels übernommen hat. Der nächste Winter wird also die nach aufgenordrter Mode gekleideten Nendeutschen bei reinrassigen Festen und Tänzen vereint finden. Zur Gleichschaltung der Baockleidung ist bestimmt worden, daß Männer nrindestens eine Biereckbadehose tragen müssen. Bei den Frauen muß die Vorderseite vom Halse an vollständig bedeckt sein und der Rückenausschnitt darf nicht wesentlich unter das untere Ende der Schulterblätter herab- reichen. Was dann kommt, ist augenscheinlich jüdisch-unsittlich und des nordischen Weibes unwürdig. Tod beim Werbeflug. Die Pressestelle des Deutschen Luftsportverbandes, Landesgruppe Sachsen, thilt mit: Anläßlich des Werbe- t a g e s dxS deutschen Luftsportverbandes, der am Sonntag im ganze» Reich durchgeführt wurde, starteten in Dresden drei Sportmaschinen vormittag um 10 Uhr 15 Min. vom Flugplatz Heller zu cipem Werbeflug über Ostsachsen. Hierbei stürzt« die a» dritter Stelle startend« Maschine unter Führung des Flugzeugführers von Fritsch kurz hinter der Platzgrenze ab, wobei der Bordmonteur Kurt Hart'man» tödlich ver letzt wurde, während der Führer von Fritsch Kopfverletzungen davontrug. Außerdem wurde der SA.-Mann Heinze leicht verletzt. Balbo betet. Nach Meldungen amerikanischer Blätter beteiligte sich das Balbo-Geschwader niit General Balbo an der Spitze an dem Gottesdienste in der Kirche von Reykjavik. Es Ivar- tct günstigere Wetterberichte ab, um seinen Flug von Island aus weiter fortictzen zu können. Ein besonderes Gebet, mit der Bitte um Gelingen des Fluges und für die glückliche Rück«, kehr in die Heimat, wurde gesprochen. Dem Gottesdienste wohnten alle Bewohner Rcjkjavits bei. Nach den bisher vorliegenden Wetterberichten kann der programmäßige Start nach Labrador, einer Erklärung des General« Balbo zufolge, noch nicht stattfinden. Schrecklicher Selbstmord. Im Hause Jakobs- platz 1 in B r ü n n sprang gestern vormittag ein junges Mädchen in selostinörderischer Absicht vom Dache d c S fünfstöckigen H a u- j e s auf das Straßenpflaster. Ihr Zerschmetterter Körper blieb auf der Straße leblos liegen und die hcrbcigcrnfenc freiwillige Rcttungsgescllschaft konnte nur mehr den Tod feststcllen. Der schreckliche Selbstmord erregte großes Aufsehen. Die Ursache der Tat ist unbekannt. Brand. Sonntag nach Mitternacht entstand in einem Haus« in der Neustadl von Nova Beseli, das dem Josef Skoda gehört, ein Feuer, das sich rasch an Sb reitet« und trotz den Bemühungen der Feuertvehr nach und nach auf 16 weitere Bauten Übergriff. Der Schade wird mit einer Viertelmillion Kronen angegeben. Die Drandursach« konnte bisher noch nicht eruiert werden. Ein schweres Motorradungliick ereignete sich Sonntag früh auf der Hamburger Straße bei Kiel. Ein junger Motorradfahrer Claussen Meldorf fuhr mit großer Geschwindigkeit gegen ein Lastauto; der Fahrer wurde auf der Stelle getötet. Die aus dem Soziussitz mit- fahrcude Braut des Fahrers wurde durch die Wucht des Zusammenpralles mehrere Meter weit geschleudert und blieb mit Schädelbrüchen ebenfalls tot liegen.— Ein Autobus, der mit Einwohnern de« Antwerpener Vorortes Ber- chem beseht war, die ein Äutomobilrcnnen besucht Kinobesuchern, denen der aufwühlende Film „Hch bin ein entflohener Ketlcnsträfling" mit seiner naturalistischen Schilderung eines Zwangs- arbeitSlagerS in Georgia ans Herz griff, fiel eS schwer zu glauben, daß derartige unmenschliche Methoden des Strafvollzugs in den Vereinigten Staaten noch möglich sind. Und doch zeigte der Film nicht einmal das ärgste Grauen der Sträflingsarbeit Amerikas und streifte nicht einmal die schändlichste Seite des Problems— die innigen Beziehungen zwischen SträflingSarbeit und privatem Profit. Verläßliche Schätzungen beziffern den Marktwert der Erzeugnisse der SträflingSarbeit in den Bereinigten Staaten für daS Jahr 1930 auf zumindest zehn Millionen Dollar. Es wurde festgestellt, daß große Postversandnntcr- nehmungcn und zahlreiche angesehene Kaufhäuser in gewaltigen Mengen von Sträflingen hergestellt« Schuhe, Besen, Bürsten, Möbel, Overalls, Schürzen und viele andere Waren beziehen und sie unter falscher Herkunstsbezeichnung verkaufen. Solche Erzeugnisse werden gewöhnlich nach dem sogenannten ,,Ko»traktshstein" hcrgcstellt. Eine Privatfirma sichert sich durch Vertrag mit der Gefängnisverwaltung die Arbeitskraft einer bestimmten Zahl von Sträflingen, stellt die Ma- schinen in den Gcfängniswcrkstätten auf und liefert das Rohmaterial. Eine Sesselfabrik, zum Beispiel, konnte sich auf diese Weise für den Betrag von sag« und schreib« acht Cents im Tag di« ArbritSkrast eines vollwertigen Arbeiters zugleich mit seiner Beköstigung, Bekleidung und Behausung, zugleich mit dem FabrikSgebaudr, in dem er arbeiten konnte, zugleich mit Beleuchtung, Beheizung und bewaffneten Aufsehern — wie der amerikanische Sozialpolitiker Julian Leavitt anssührt— sichern. DaS„B e r m i e t u n g s sh st e m" ist womöglich noch schändlicher. Unter seiner Herrschaft wird der Sträfling vollkommen dem Gutdünken des Unternehmers ausgelicfert, der ihn bewacht, verköstigt, diszipliniert und nach Belieben aus- beutet. In mehreren amerikanischen Bundesstaaten verboten, ist dieses System auch heute noch üblich und in Nord- icad Südkarolina, Ar- kansas, Louisiana, Florida und Kentucky für gewisse Kategorien von Sträflingen gesetzlich erlaubt. Alabama verbot die„Vermietung" von Sträflingen im Jahre 1928, nachdem ein Sträfling in einer Großwäscherei bewußt zu Tode verbrüht worden war, weil er die ihm ansgetra- gene Arbeit nicht hatte leisten können. In seinem aiifsehcncrrcgenden Buche„Zwangsarbeit in den Bereinigten Staaten" stellt der amerikanische Schriftsteller Walter Wilson fest, daß 75 bis 90 von hundert aller Disziplinarstrafen in Gefängnissen verhängt werden, weil zu wenig Arbeit geleistet wurde. Der Direktor des Zucht- Hauser von Nashville mußte im Jahre 1931 einer Untersuchungskommission gegenüber zugebcn, daß in seiner Anstalt Leute wiederholt dreißig bis vierzigSchläge mit einem schwe. ren Riemen erhielten, weil sie das ihnen aufgetragcne Arbeitsquantum nicht geleistet hatten.„Wenn die wcihlichen Sträflinge in ihrer Arbeit zurückblicbcn, und alle blieben mehr oder weniger zurück," so berichtet Kate Richards hatten, stieß bei Stavelot auf einer abschüssigen Straße infolge Versagens der Bremsen gegen eine Marler und stürzte um. Zwei Insassen waren sofort tot; ein dritter starb bei der Ankunft im Hospital, wohin auch sieben Berlctzte transportiert wurden. Die»ihrigen Insassen des Wagens konnten mit der Bah» nach Antwerpen zurückkehren. Im Zeichen des Konkordats... Ter Privatdozent an der Breslauer Universität Prof. Max Rauer wurde in Schutzhaft genommen. Professor Rauer war Leiter des inzwischen aufgelösten Friede»SbundeS deutscher Katholiken, Ortsgruppe Brcü- kau. Bei dein katholischen Friedensbund wurde seinerzeit umsangreiches pazifistisches Material gefunden. LindberghS Grönlandslug. Das Ehepaar Lindbergh, daS sich bekanntlich aus einem Fluge nach Grönland befindet, war gezwungen, bei Localand in« Staate Maine zu landen. Die Landung ging glatt von statten. Der Grönlandflug LindberghS erfolgt im Auftrage der Pan American Airways. Es ist der erste größere Flug des Ehepaares Lindbergh seit der Entführung ihres Sohnes. In Grönland wird Oberst Lind« Hergh mit der Expedition der Pan American Airways zusammen arbeiten, die in Grönland Navi- gations- und BcrmessungSarbeiten vornimmt. Kind unterm Auto. In 2c68tin wurde die dreijährige Nlarie Kozlova von einem Personenauto erfaßt. Sie wurde im schwerverletzten Zustand ins Brünner Krankenhaus gebracht, wo sic bald daraus starb. Ertrunken. Der Sonntag-Badctag in Wien hat drei Todesopfer gefordert. In der Löbau ist der sSjähvige taubstumme Schneidergehilfe Heinrich Kallina aus dem 16. Bezirk in einem Donauarm beim Baden ertrunken. Beim Freibaden im Donaukanal ist der 18jährige Jnslrumenlenmacherlehrlinq Otto Mücha aus Favoriten ertrunken, ferner ist in Favoriten denn Baden der 32jährige Steindrucker Johann Nagel ertrunken.— Im Stabwad von Obrowitz(Mähren)«rirank Sonntag ein ettva Lösähriger Manu, dessen Identität bisher nicht feft- gestellt werden konnte. Er dürste beim Baden von Krämpfen befallen worden sein. O'Hare nach einer ausgedehnten Gefängnisenquete, „wurden sie mit unmenschlicher Grausamkeit bestraft— geschlagen, aus Fasten gesetzt, an den Handgelenken aufgehangt. Welche Bezahlung erhalten nun die Sträflinge für ihre Sklavenarbeit? Zehn amerikanische Bundesstaaten'zahlen überhaupt nichts,, andere höchstens 25 Cents im Tag, aber zumeist weniger als 5 Cents. Und die mit der Untersuchung des amerikanischen Gcfängniswcsens betraute Wickersham-Kommission berichtete:„Wo Arbeitslöhne bezahlt werden, werden sic durch das System der Belegung von Sträflingen mit Geldstrafen bei Verletzung der Gefängnisordnung fo gut wie illusorisch gemacht. Im Staate New Aork wurden Gefangene, die 1.5 Cents im Tag verdienten, nachgewiescnermaßen mit Geldstrafen in der Höhe von 5 Dollar belegt." Man kann sich vorstcllcn, daß die Gcfäng- nisvcrwaltungcn sich nicht sehr gerne von fähigen Arbeitern trennen. Rasche Arbeiter sind nicht nnr als solche, sondern airch als anstrc- bcnswerte Beispiele für ihre Mithäftlinge von größtem Wert; wiederholt wurde Gefangenen die Strasent- lassnng aus keinem andern Grund« verweigert, als weil sie in den Werkstätten Hervorragendes geleistet hatten. Die in Amerika verhängte» Zuchthausstrafen sind ja zumeist sogenannte„Rahmcnstrafen", die bei„guter Führung" wesentlich kürzer sind als bei„unbotmäßigkeit" in der Strafanstalt. Die in den„Kcttenlagcrn" des amerikanischen Bundesstaates Georgia üblichen„Arbeitsmethoden" sind durch den Film„Ich bin ein entflohener Kcttensträfling" allgemein bekannt geworden; weniger bekannt dürfte sein, daß Georgia durch ihren Betrieb in vier Jahren fast dreieinhalb Millionen Dolfar verdiente. In Alabama rühmte sich kürzlich ein Distrikt, daß ihm die Ernährung seiner Sträflinge billiger zu stehen konime als di« seiner Maultier«, 55 Cents int Tag für ein Maultier und nur 14.5 Cents für einen Sträfling! Die Aufseher sind nur zu oft brutale und unwissende Gesellen. Oft wird ein weißer Kct- jenstrasling zum Vertrauensmann ernannt, dessen Aufgabe cs ist, seine Mitsträslingc, besonders die schwarze Hautsarbe, zu beaufsichtigen. Neulinge werden ermutigt zu entfliehen, weil die „Vertrauensmänner" eine Geldbelohnnng oder baldige Begnadigung zu erhalten hoffen, wenn sie die Ausbrecher tvicdcr cinfangen oder auf der Flucht erschießen. Im Staate Missisiippl wurden soviclc Sträflinge„auf der Flucht erschossen", daß dem Shstcm der Belohnungen ein Ende bereitet werden mußte. * Das Grauen der sibirischen Sträslingslagcr des Zarenregimes verblaßt vor dem Inferno der graufam-ratlonalisierten„Chain-Gangs" des heu tigen Amerika. Daß kein Sturm' der Entrüstung sie bis'heute-weggefegt hat, liegt wohl daran, daß allzuviele aus ihnen reichlichen Prosit ziehen: die Bundesstaaten, denen die Arbeit der Sträflinge billiger als di« Verwendung von Maultieren zu stehen kommt, die privaten„Kontraktoren" und„Mieter" von SträstingSorbcit, denen die Zuchthäuser Sklaven licsern, di« sie nicht einmal futtern müssen, und die Sheriffs, die höchsten Vcrwaltungsbeamten der„Coun- lics", die nach der Zahl der von ihnen erwirkten Verurteilungen bezahlt werden und so gleichermaßen als Provisionsagenten wirken, überaus interessiert daran, daß cS den Zwangsarbeitslagern nie an Arbeitern mangelt. Leo Korte n. „Klallischee" UnRnn. Bon jeher waren im deutschen Volk« di« klassischen Dichter und d«r«n Schöpfungen beliebt. Bon jeher auch wurde vielfach falsch zitiert, und, was noch schlimmer, auch in«inen blühenden, lustig wirkeiiden Unsinn wurden oftmals tiefempfundene, geiswolle Zitat« umgebogen. Man erinnere sich nur, für tvrlch profan« Situation Goethes stntimen- tales„Ohr naht euch wieder, schwankende Gestalten!" zutveilcn herhallen muß. Oder Schillers„Sei mir gegrüßt, mein Freund(in Wirklichkeit: Berg) mit dem rötlich strahlenden Giebel (bei Schiller: Gipfel)!" Oder die Berüal^tzornung aus dem„Wallenstein" in solgenv« Form: «Denn aus Gemeinheit ist der Mensch gewacht, Und aus Gctvohicheit nimmt er sich'ne Amm«." Ueberhaupt Schiller.„Ehret dir Frauen, sie — webcn und flechten falsch« Zöpfe zwischen die echten..." Das heißt, das war einmal; seit der Bubikopfmode gibts dergleichen nicht mehr. Oder auch:„Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich — nicht noch was Besseres findet." Und wie hat der alte Berliner Posscndichler David Kalisch 2«u m«s friedfertige Worte„Wo man singt, da laß dich ruhig nieder!" umgemünzt in di«„zeitgemäßen" Verse: „Wo man raucht, da kannst du ruhig harren, Böse Menschen haben nie Zigarren" Was aus einzelnen Versen der Schillerschen „Glocke" an Unsinn gemacht worden ist, geht„auf kein« Kuhhaut"(„Er zählt die Häupter seiner Lieben und sieht, es sind statt sechse sieben"). Auch die noch in unseren Tagen entstandene Hauptmannsche „Versunken« Glock«" ist tvegcn ihr«« Rautendelein- motivs auf allerlei scherzhafte, unfugartig« und auch zweideutig« Weise parodi«rl worden. Und was würde der schlagfertig« Spötter Heinrich Hein« gesagt haben, wenn er anno 1918(im letzten KriegSjahr) erfahren hätte, daß man in Deutschland häufig seine elegischen Zeilen: „Anfangs wollt' ich säst verzagen, Und ich glaubt', ich trüg'«S nie; Und ich hab' eS doch getragen, Aber fragt mich nur nicht wie!" auf die infolge der Warrnnot damals in Mod« gekommenen— Papierhemden anwendete? Diesem Hemde konnte man auch di« Zeilen aus d«m„Ritter Toggenburg" von Schiller nachsagen:„Und«in Jahr hat«r's getragen, trug's nicht länger mehr..." Auch das aus F l o t o w S Op«r„Martha" umge- modelte Lied von der„letzten Hose" gehört ebenso hierher wie des Exkaisers bekanntes Wort, das Galgenhumor folgendermaßen zurecht gemacht hatte: „Ich kenn« kein« Parteien mehr; ich kenn« nur noch— Marmelade." Im Volksmund« begegnete man früher ost dem Fragespicl:„Wie hieß der«rftc Dichter?" Antwort: „Nebel." Betveis: In der Bibel heißt es: Dichter Nebel lagerte über der Erde." Ein ähnliches: Schillers„Ring des Polykrates". Welcher Deutsche kommt in diesem Gedichte vor? Antwort: Kraus«..Heißt«S doch:„Ta weichet sich der Gast mit— Kraulen." Auch die in dieser Dichtung enthaltene DerSzeile: „Mein Freund kannst du nicht weiter sein!" ist umgemünzt worden in die ulkige Frage:„Mein Freund, kannst du nicht länger sein?" Diesen Scherz hat sogar Richard Zoozmann in seinem„Zitalenschatz" sestgchalten. Ebenso di« Verzerrung von„Mut zeiget auch der Mameluck"(Kamps mit dem Drachen) In: „Mut zeiget auch der lahme M u ck, Gehorsam ist des Christen Schmuck." Daß sich zuweilen auch die Geschäftswelt klassischer Zitate für ihre Reklamezwccke bemächtigt, ist nicht unbekannt. Tas„Nach Golde drängt, am Gold« hängt doch alles" sieht man gelegentlich in einem Goldwarenfenster. Auch dem Gocthcschen Wort: „Warum stehen Sic davor? Ist nicht Türe da und Tor? Kommen Sie getrost herein, Würden wohl empfangen sein" begegnet man. Noch zugkräftiger erscheint mir aber die geschäftliche Ummünzung der „Erlkönig"-Worlc in folgende Fassung: „Erreicht den Hof mit Müh' und Rot, das nicht mit.... Haferschleim genährte Kind- war tot." Im Weltkriege wurde in Ermangelung von Tabak eine Art Zigarren aus getrocknetem Eichenlaub und Kartoffelkraut hcrgestcllt.„Waldesdust" oder„Deutsche Helden" nannten die Soldaten dieses aus der Heimat kommende Turchhaltezcug mit Vorliebe. Angesichts dieser Marken- zitierte man damals gern die oben erwähnte erste„Erlkönig"-Zcile wie auch die schon erwähnten Worte von dem Gaste, der sich mit Grausen wendet,.. Und nun zum Schluß noch ein Zitat, daS ganz modern klingt: „Wer hebt das Äug' zu Kunigoudcn? Nun ja, Ich spreche von dem Blonden." Tos ist aber diesmal kein Scherz, sondern ein wirkliches Zwiegespräch aus Schillers berühmter Ballade„Der Gang nach dem Eisenhammer". Und Schiller selbst? Er, dessen Aeistesprödukte am häufigsten verballhornt würden, was würde er zu solchem Frcvelspicle sagen? Wir glauben, er würde es mit Laune hlnnehmcn. Finden wir doch in seiner reichen Tichtcrtrnhc auch ein Gedicht, das aufs lustigste mit einem seiner eigenen Dramen, dem„Ton Carlos", umspringt. I. Kliche. IWWVWWWWIMMAWAMMMMmMWMMMMWWWWmWWWM Profit aus Arbeitszwangslagern. Was In Amerika an Sträflingen verdient wird. Seite 8 D'-mStag, 11. Juki 1988 Nr. 189 i»«»»«« remiMG, Geriditssaal Nu Polizeiinfpettor unter Anklage der Veruntreuung. Itttb eine sonderbare Verteidigung. Prag. 10. Juli. Alm 18. Dezember v I. er» stattete der P o l i; c i i n I p e k t o r Fran; 2 lrnad gegen sich sevbst die Anzeige wegen Veruntreuung, deren er sich als Verwalter der Ka- meradschastSkasse, die die Polizisten der Pankrozer Polizerstatio» unter einander gegründet hatten, schuldig machte. In diese Kasse zahlten die Teilhaber monatlich Beiträge ein. Zu Weihnachten wurden dann die ersparten Summen audgezahlt. Am Vorjahr vermochte nun Strnad, der diese Kasse führte, die a>wertrauten Spargelder nicht auszuzah« len. Die Ueberprüfung ergab einen Fehlbetrag von über 1 4.000 Ke und Strnad, der als schwe- rer Alkoholiker bezeichne« wurde und sich bei Erstattung der Selbstanzeige zu der Veruntreuung bekannt hatte, wurde im Frühling d. I. vor dem hiesigen Gericht zu vier Monaten schweren KerkerS verurteilt. Der Verteidiger brachte trotz allem die Nichtig-, keitsbeschwerve ein und das Ober st e Gericht hob tatsächlich das erste Urteil auf mit der Begründung, es sei nichi erwiesen worden, daß der Ange- klagte sich„der Gesetzwidrigkeit seines Handelns bewußt gewesen sei". Die Sache wurde zur neuerlichen Verhandlung zurück- verwiesen und so halte der Senat T i s e k sich hente nochmals mit dieser Angelegenheit zu befassen. Hiebei erfuhr man auch die sonderbare Basis der Verteidigung des verurteilten Polizeiorgans. Er vertrat nämlich den Standpunkt, daß er als bevollmächtigter Verwalter der Kameradschaftskasse das Recht gehabt habe, jedem Mitglied nach Gutdünken Darlehen aus den angesannnelten Spargeldern zu gewahren, also auch sich selbst. Er habe auch anderen Kameraden derartige Darlehen gewährt und, wenn zum Rechnungsabschluß die Kasse nicht stimmte, sich gegen Wechselbürgschaft das sehleitde Geld von Geldinstituten beschafft. Im Vorjahr habe sich der Fehlbetrag nur deshalb nicht decken lassen, weil sich niemand fand, der den Wechsel als Bürge mit unterschreiben wollte. Es handle sich also um keine Veruntreuung, sondern er habe sich das Geld nur in üblicher Weise ausgeliehen. Der Gerichtshof vertagte die Verhandlung zur Ladung einer Reihe von Zeugen, deren Aussagen Klarheit schaffen sollen, ob der Angeklagte im Sinne des Gesetzes schuldig ist oder nicht. In jedem Fall macht eine solche Geb.aruitg mit anvertrautem Geld einen sonderbaren Eindruck, zumal man voll einem Sicherheitsorgan besonders strenge Anschauungen in Geldsachen und hiirsichtlich des Begriffs„Treu und Glauben' erwarten sollte, rh. Um Sv Heller mehr- und es war ein Verbrechen! Billig davongekommen. Prag, 10. Juli. Die 50jährige Anna Cet« uicky, professionelle Ladendiebin, ist bei Gericht eine alte, gute Bekannte(34 Vorstrafen, darunter zwölf Kerkerftrasen bis zu drei Jahren«. Aber bei der heutigen Verhandlung hatte sie unerhörtes Glück. In einem Tuchgeschäft auf der Altstadt hatte sie einen Ballen Stoff geklaut. Sie wurde erwischt und die Anzeige wurde an die SlaatSan- waltijchaft weitergeleitet Diebstahl gilt als Verbrechen, wenn der Wert der gestohlenen Sache 500 Ke übersteigt, wirst wird er als Uebert re- tung mit A r r e st bestraft, während auf das V e t«, brechen schwerer Kerker steht. Der gestohlene Stoff war 18.50 Meter lang und der Geschäfts- mann hatte den Wert eines Meters mit 47 Ks angegeben, demnach 869.50 Ke Gesamtwert. Die Sache kam also als Verbrechen vor das KreiSgerichl(Senat Tifek). Der Gerichtshof machte sich an die Ueberprü- fu-ng der Wertberechnung und stellte nach den Geschäftsbüchern nur einen Wert von 27 Ke per Meter fest. So ergab sich eine Schadensumme von 499.50 lü — also genau um 50 H e lle r we n i ge r, als zur Begehung eines Venbrechens erforderlich ist. Die Angeklagte wurde demnach nur der Uebertre- tung des Diebstahls schuldig erkannt und z» zwei Monaten Arrest verurteilt. Sie kann von Gluck reden, den» andernfalls wäre sie angesichts ihrer Vorstrafen viel ärger weggekommen. Als alte Praktikerin wußte sie ihr Glück auch zu schätze» und nahm die billige Strafe freudig und mit vielen Danksagungen an. rb. Sport* Spiel- KörperpHeae Eine neue internationale Höchstleistung im Kugelstoßen stellte B ä r l u n d(Finnland) mit 15.04 Metern bei einen« Meeting der Arbeitersportler in Turku aus. Sport im Rundfunk. Im Radio-Wien sprechen im Juli folgende Genossen: Am 14. Juli: Alfons Marschalek über„UrlaubSfahrlcn im Faltboot"; am 18. Juli: Albrecht Colerus über„Neue Wege zur Natur"; am 28. Juli: Josef Söllner über„Spiel, Sport und Erholung in der Großstadt". Der Arbeiter-Turn- und Sportverband der freien Stadt Danzig ist aus dem deutschen Ar- beiter-Turn- und Sportverband ausgeschieden und wird in enger Fühlung mit den polnischen Genossen die Verbindung mit der Sasi Herstellen. Die Berliner Arbeitersportvereine sind gleichgeschaltet worden. Diese Gleichschaltung bedeutet die Umstellung der Arbeitersportler unter de»« Naziterror. In einem Mitteilungsblatt ersuchen die Vereine nun den Reichssportkommissär um Rückgabe der Uebungsstätten. Auf die Antwort kann man gespannt sein. NiptNclMr Sport. Der Nordgau des DFL.„straft". Es hat zwar lange gedauert, bis sich die Leitung des Gaues endlich ausraffte, um diese„peinliche" Angelegenheit auS der Welt zu schaffe». Sonntag hatte man sich a>« den grünen Tisch gesetzt und nach langem Beraten ein„Urteil" gesprochen: BSK. Gablonz u««d Warns- dorser FK. erhalten je eine Geldstrafe von 3000 X; ein Warnsdorfer und zwei Reichenberger Funktionäre«vurden lebenslänglich disqualifiziert und gegen zwei Amtswalter(!) der Schiedsrichterverei- nigung(beide voi« Gablonz) sowie Kastner wurde eine„Untersuchung" bei der SchiedSrichterkommission „beantragt". Interessant ist bezüglich dieses„Ur teils" eine Randbemerkung des„Prager MontagS- blalt":„Die Geldstrafe wird sie"— gemeint sind die beiden Klubs—„wohl nicht allzu hart treffen, da, wie wir wissen, für die in Rede stehenden Vorfälle größere Beträge!!) ausgewendet wurden."— ES lebe die„Reinheit" im bürgerliche«« Sport„betrieb"...! Vom Mitropaeup. An« Sonntag schlug in Wien die A u st r i a im ersten Spiel der Vorschlußrunde verdient Juventus mit 3:0(1:0) und in Mailand holte sich die Prager Sparta von Ambrosi«na eine 4:1(4:0)-Niederlage. Sonstige Fußballergebnisse: Karlsbad: KFK. gegen SK. Kladno 4:4(2:8).— A s ch: BAE. Wien gegen DSV. 1:1(1:1).— Komotau: DFK. gegen DFK. Komotau 1:1(1:1).— S a a z: DSV. gegen Ced)ie Sann 2:0(1:0).— Gablonz: BSK. gegen WarnSdorfer FK. 4:2(0:1).— Mähr.» Schönberg: SK- gegen DSV. Troppau 3:0 (1:0).— 3«nit tau: DSV. gegen Viktoria LiLkov 2:1(1:1).— K a s ch a u: BohemianS gegen Török- veS 8:1(5:1). Wieder eine Prügelei im Wild-Westgau. In C h o d a u kam es in der zweiten Halbzeit des „FreundschosIS"-SpieleS Sturm Chodau gegen Sla- via Karlsbad auf dem Spielfeld und im Züsch a u e r r a n m zu Tätlichkeiten, so daß das Match nicht beendet werden konnte. Zwei tschechoslowakische Schwimmrekorde wurden am Sonntag bei einem Meeting in T c p l«tz verbessert. Im 100-Meter-Freistilschwimmen sür Frauen verbesserten Würfel(Teplitz) und Cecherova (Slavia Prag) die bisherige Zeit ans 1:34.4 Min. und Getreuer(Hagibor Prag) erzielte über 800- Meter Freistil mit 3.58.6 Min. einen neue«« Rekord. Neuer Weltrekord im Fraurnfchwimmen. In Antwerpen stellte über 100-Meter-Freistil für Frauen W. den Onden mit 1:06 Min. einen neuen Weltrekord auf. DerJFilnt Gipfelstürmer. Dieser Film muß nicht einmal unter dem Gesichtspunkt gewertet werben, daß sein Regisseur Wenzler zur Zeit intensiv an dein Horst-Wessel- Film arbeitet. Tatsathen allein genügen: man engagierte ben sabelhasten Kletterer Franz Schmied und seinen Partirer Walter Krieger, um die atemberaubende Besteigung der Nordwand des Matterhorns zu silmen. Jeder nur einigermaßen Vernunftbegabte sollte glauben, daß dieses Vorhaben allein genügt, daß die grandiose Natur und das außerordentliche Könnet« der Touristen einen Film ausfüllen können. Ja/ wenn das eben ohne die Filmpshchologie ginge, die in beit Hauptbüchern der Produktion verankert ist! Also müsse«« die Beiden vor allem lieben; und ihre beiden Mädchen müssen mit. Und«venn sie beide im eisigen Schneeslurm fast erfrieren, dann muß das blonde Ding allein zu ihnei« eilen; sie erreicht sie zwar nicht(wohl die einzige Konzession an den gesunden Menschenverstand in diesem Wust von Geschmacklosigkeiten), aber dafür tritt ein reicher Vetter im Auto auf, der so gar nicht zu den beiden arbeitslosen Ingenieuren paßt und>«ns wieder einmal davon überzeugen muß, wie schön doch die Armut ist. Tenn unsere arbeitslosen Intellektuellen machen eben mit selbstgebaulen Vehikel» und reizenden Mädels grandiose Alpentouren und erringen Ruhm lind Erfolg, worauf sogleich ein Amerikaner zur Stelle ist, der sie aus ei««e Riesentournee engagiert: denn die Armen dieser Erde gelangen ja nach Filin- weisheit immer nach oben. Das allein aber genügt nicht: eS gibt zwei Dresdner(von Abele und Schur ich nicht übel gespielt), die in Reitstiefeln eine Tour machen, von der uns die andern übe«, zeugen sollen, daß sie lebensgefährlich sei; dass» gibts aber„Humor" in Schnee uud Eis. Diese„Handlung" erschlägt natürlich den Film; die Dialoge zwischen den jungen Mädchen und den Burschen in der Münchner Dachkammer sind peinlich dumm, besonders«venn die Hausfrau dazwischen redet. Dann überrascht uns Wenzler wieder durch ausgezeichnete Aufnahmen, erstklassige Einstellungen und Bewegungsbilder beim Ausstieg, treffend sitzenden Schnitt und gutes Bildtempo, um wieder in der Atmosphäre des Luxushotels voll- kommen zu versanden. Der Aufstieg selbst ist stellen- Weife außerordentlich geglückt, die Bilder sind absolut überzeugend und gebe«« ein richtiges Bild der außer- gewöhnlichen Leistungen der Kletterer. B e c c c hat eine seiner traditionellen Bergkompositionen beigesteuert, die sich formal nicht vom Filmdurchschnitt abhebt und dem Bildtempo nicht einmal entspricht. W.? Filme in Proper LiditsplelhSasero bis einschließlich 13. Juli. Adria:„Pariser Nächte."— Alfa:„Die Dame vom Maxim."— Berönek:„Und die Sphinx spricht..."— Fänix:„Ter Held der Arena." — Flora:„Hochzeitsreise z>« dritt."— Gaumont: „Durchlaucht amüsiert sich."— Hollywood:„Fräulein Jo-?)o."— Hvözda:„Schwester Angelika."— Julis:„Gipfelstürmer."— Kinema, B.-Th.: Zeitbilder, Grotesken, Report.; halb 3 bis halb 11.— Koruna:„K w a n g o." Kotva:„Die nackte Frau." — Lurerna:„Die nackte Frau."— Metro:„Dai schöne Abenteuer."— Passage:„Gipfelstürmer."— Praha:„Schatten der Unterwelt."— Radio:„Tai Lied einer Nacht."— Skaut:„Die Wirtin„Zur wilde«; Schö««heit".— Svktozor:„Liebeskom- mand o."— Alma:„S e a m p o l o",„Dolly, dai Gassenmädel."— Avion:„Der Bettelstudent."— Favorit:„Ter Glückszylinder."— Kapitol:„Ter WolfSmann",„Strauß-Phantasie."— Konvikt:„Tie Unschuld vom La««de."— Lido:„Und die Sphinx spricht..."— Louvre:„Er, Sie und Hamlet."— Maeeiika:„Der ungetreue Eckehart."— Roxy:„Vergessene Patrioten."— Bälde!:„Hochzeitsreise zu dritt."— Beseda:„K a m e r a d s ch a f t," Der Film der proletarischen Solidarität von Pabst. Die gesperrt gedruckten Filme können empfohlen werden. VERLANGET UEBERALL M SOLO VOLKS MiMtz Bom Träumen. Von Hanns Leo Reich. Träume kommen ja aus dem Bauch, und Träume bedeuten nichts, sagt Franz, die Kanaille, indem er u n mächtig niedersinkt. Hingegen meint der brave Daniel, daß die Träume von Gott kämen... Wie dem auch fei, man scheint sich über das Wesen der Träume«roch immer nicht recht im klaren zu sein. Ja, es gibt sogar sehr gescheite und gelehrte Männer(das«weite bedingt durchaus nicht immer das erste!), die behaupten, das Traumleben müsse dem realen Leben absolut gleichgesetzt(nicht zu verwechseln«N't gleichgeschaltet) werde«« und es wäre im übrigen nach gar nicht ausgemacht,«velches von den beiden das wirkliche ist—. Bewiesen ist jedenfalls, daß sich die Menschheit mit den Träumen intensiver befaßt hat, als nwn gewöhnlich anzunchmen geneigt ist und wenn ich damals in der Schule nicht gerade gefehlt hätte, so könnte ich Ihne«« aus der Geschichte eine Menge Beispiele anfuhren, wie oft sich die Herrscher von ihren Träunien beeinflussen ließen. (Nach ihren Taten zu schließen, scheinen sie mit- nnter ziemlich schlecht geträumt zu habe««.) Die Traumdeuter standen schon in« Altertum in höchstem Ansehen ui«d haben ihre Mach« bis auf diesen Tag ungeschmälert zu«vahreu gewußt. Denken Sie nur ai« die Kunst der lttebentet« Politik, die niemals solche Erfolge hätte zeitigen können, wäre sie nicht durch die hohe Schule der Traum- deutuna gegangen. Und die Zahl der erbaulich (angeblich wahren) Geschichtchen(mit noch angeblicherem pädagogilchem Zweck), die von dem Satz: „Da erschien ihm im Traum...", zehren, ist Legion. Aber auch die vielen Kerzelweiber irrten ratlos u«nher, an jeder Hand einen Schuppe! Träume und hätten keine Möglichkeit»«ehr, eilten Terno zu machen., verböte man,z. B. die wohlwollend sanktionierte««. Traumdeutungsinstitute(auch Lottokollckturen genannt). Glücklicherweise ge-" lingt es dem Staat—«lebst anderen Ausgleichen —, auch den Ausgleich zwischen Wissenschaft und Geschäft herzustellen. Die Meirichen lassen sich eben das Wunder nicht nehmen. Biel eher verzichten sie, wie wiederum die Geschichte, aber leider stets im nachhinein, lehrt, aus ein Paar alberne menschliche Rechte. Vielleicht deshalb,«veil sie auch mit diesen« Glück nicht viel anzusanaen wissen und dem homo sapiens ein Haupttreffer, den er mit Millionen seinesgleichen teilen muß, keine Freude macht. Die Ungläubiger« unter ihnen ober sagen: Träumt ma«r voin- rauschenden Meer, oder von lieblich Plätschernden Wellen, so bedeutet das nichts anderes, als daß man vergessen hat äh, wie sag ich's nreinem Kinde—— auf die „kleine Seite" zu gehen, lind das beliebte Fallen in de«« endlose«« Raum, sowie das Nicht-von-der- Stellc-können, während einem der Verfolger mit einen« riesigen Messer in der.Hand, schon aus die Fersen tritt—, seien untrügliche Zeichen für die Vernachlässigung des Sex Appeals... Das hän- sige Spaziereilgehen in spärlicher Kleidung, z. B. nur«nit Nachthemd und Aktentasche angetan, in belebten Straßen, oder das Erscheine» im Feier, tagSanzug und-Hausschlapfen auf einem Fest, wäre»« hingegen schlagende Beweise für ausgeprägte Mindertvertigkeitskomplere des Träumenden, Und am gesundesten sei überhaupt der traumlose Schlaf—!— Nun, man weiß heute zur Genüge,«vas von der Psychoanalyse, dieser typisch jüdische«« Erfindung, zu halten ist und jener vierte Rufer hatte ganz recht, als er„gegen die seelenzerfasernde Ueberschätzung des Sexnal- lebens, für den Adel der menschlichen Seele" plädierte und— Mensch! Knorke— Kiek mal!— der Flamme die Schriften eines Herr«« Siegmund Freud übergab... (Dabei belauschte ich zwei Berliner. Der eine flüsterte:„Freud— den Namen muß ich schon jelesen ham. Sagen Se mal:-Hat der««ich'n Joethe-Preis bekomm?!" Worauf ihn« der zweite ««ltrüstet erwidert:„Wat denn, wat denn! Wat heest hier Joethe-Preis? Preis von Frankfurt a. M.!" Und der Zweifler beruhigt:„Ach sooo — Frankfurt a. M.! Det iS wat anders. Olle Juoenstadt... Tenn immer rin mit de Klamotten!! Heil Hitler!") Ich persönlich liebe das Träumen viel zu sehr, um eS durch tiefgehende Forschungen seines Zaubers zu beraube». Trotzdem bin ich nicht etwa abergläubisch. Obwohl es mich freut, wenn mir vo«« rauchlosein Feuer träumt, weil dies „Geld" bedeuten soll— der Erfinder dieser Ber- sion scheint der erste Bersicherungsschwindler gewesen zu sein!—, und es mir wahrhaft unbe- haglich ist, fallen mir in« Schlaf die Zähne aus. (Kündigt nämlich eine«iahe Krankheit an! So hat es«nir wenigstens die Frau Steminesberger voin Fünferhaus gesagt und die weiß es aus Erfahrung. Alt genug ist sie dazu—.) Ich liebe das Traumen uni des Träumens«Villen. Schon als Kind verbrachte ich viele Nachmittage in einer Art Dämmerzustand herrlichster Bejchaffenheit und ich muß es gestehen, in nieiriem ganze«« Leben«vor ich kein solcher Held, niemals auch habe ich so wunderbare Taten vollführt(und solche Honorare verdient), ivie«in Traum, dei« ich nach Belieben kommandieren konnte! Legte ich n«ich nieder u««d nahm mir vor, von«h r zu träumen, — siehe! es gelang niir. Manchmal freilich geschah es auch, daß mir anstatt meiner Angebetete«« »«ein Klassenvorstand im speckglänzenden braunen Schwalbeirschwanz erschien, der«nir mit sofortiger Entlassung aus der Schule drohte,«venn «na» mich noch einmal vor der Mädchenbürger- schule warten sehe, denn er wisse es ganz genau und werde de»«r«ächst meinen Herren Eltern davon Mitteilung«nache»! Auch jetzt, die Kriegsmatura liegt«veit hinter mir, stöhne ich initunter leise im Schlaf, weil mich„Schwälbchen" z««r Tafel ruft und angesichts der ganzen Klasse— die Kamcraden sind alle groß und erwachsen, dick, wohlhabend, mit Ringen an den Fingern, aber sie haben merkwür- digerweise noch ihre Jugensgesichter, und sitzen mit ihre«« Ehefrauen in den Klappbänken, meint: „Sie haben geschwätzt", er wippt teuflisch in den Knien,„wahrscheinlich haben Sie mir so viel zu sage««! Nehme«« Sie die Kreide—«voraus besteht Kreide?— Das wissen Sie nicht, lege«« Sie die Kreide wieder hin. Ach, bitte, sagen Sie mir schnell die Formel für Phenolphtalein.. Ich habe natürlich keine Ahnung, denke fiebernd nach, ich habe es doch einmal gewußt, daß «nan das so schnell vergessen kann!, aber«ver konnte ahnen, daß heute Prüfung sein«vürde, ich dachte, ich hätte das alles schon längst hinter mir? — Die Kollege«« lachen, Pisko zeigt auf, er ist Prokurist in ei««e»n Schlachthaus, er weiß es, na ja, er war iinmer schon Vorzugsschüler. Wen«« nur llicht die Frauen da«vären und mein Bub. Der Lausejunge sitzt«»« der ersten Reihe und feixt «nich fortwährend an. Was er sich denkt? Lacht er mich aus? Schließlich bin ich sein Vater, das verbitte ich mir—. „Nuun? Wird's bald?!" fragte Schtvälbchen und lächelte so süß, daß«nir der Angstschweiß ansbricht.„Wenn eS so weiter geht, dann werden Sie nicht durchkommen, Liebster! Wie stellen Sie sich das eigentlich vor?— Unser Vaterland steht in heldenmütigstem Berleidigungs- kampfe gegen die halbe Welt, und Sie wissen nicht die Formel von Phenolphtalein?!... Ich kenne Sie?' brüllte er plötzlich, er liebte diese unvermittelten Uebergänge.„Ihr Durchkommen hängt an einen« Faden! Wenn ich blase, reißt der Faden! Und ich werde.blasen—!!" „Nein!" rufe ich.„Bitte, nicht vor meinem Sohi«...!", aber er bläht schon die Backen auf, seine Augei« funkeln in toller Lust, die feuchten Livpen ziehen sich schrecklich zusammen, rtäher«« sich meinen Wangen—, da wache ich endlich auf. Nebei« mir steht Rustan, unser Hund, hat die Vorderpfoten auf den Bettrand gestützt lind schleckt mir liebevoll das Gesicht ab... Es ist doch etwas Schönes, um das Träumen. i• t• g< I t t?.Sie-frted I'aBb.,—^btftebatteac: Wilhelm N l e k n r r.— Verautwortlichee Redakteur: Dr. EmU Strauß, Vraa.— Druck:„Stota* für Zeitung- und Buchdruck. Vraa.— Für den Druck verantwortlich: Otto Holit, fra^.— Dir Zeuun^marienirankatuL wurde von brr Poft« o. LelearophenbtrrMou mit Srlaft Nr. 13.8WVII/1930 bewilligt.— Bezugüvedmgüngen: Bet Zustellung in- Hou- oder bn Bezug durch die Post monatlich KL 16.—, vierteljLhmch Kd Kl K,—, ganzlLhrta Kl U&—. 2»tevate werde« last Larij billig- berechne«. Bet ölwr-N■ UeeiHaochlog,— Rückstellung dog Kamifkrt-zeH-rfolgz nur bet Ktnseuduug d-r NeMW-i-le»