■— Erscheint mit Ausnahme ves Montag tügiich früh. se.-oNtvo a. veewoNunsl vn>s ll,NN>Uanka iS» Teievv-I raras, St«»o. vtatotrtban.(ab 31 u-r)>»üs» v»tNiutoriiät zn erblicken ist, müsse mit den schärfsten Maßnahmen gegen wen immer geahndet werden. * Der Herr Oberpräsident B r ü ck n e r, der »och vor ein Paar Tagen so zuversichtlich von der „zweiten Revolution" gesprochen hat und gegen Hitlers WirtschastskurS Sturm gelaufen ist, wird jetzt wohl schön den Mund halten. Er hat zwar seinerzeit erklärt, lieber aus seine Oberpräsidcnten- stelle verzichten zu wollen, aber so weit reicht sein „Sozialismus" wohl doch nicht, um auch eventuell die Jntirnieruikp im Konzenlrationslagcr, wenn nicht noch Schlimmeres zu riskieren! Arlerparagraph hei den Handlungsgehilfen. Der deutsche Handlungsgehilscnvcrband als Berufsverband der deutschen Kausmanngchilscn in der„Angrstclltcnsäulc der Deutschen Arbeitsfront" hat angcordnct, daß bei ncuaufzunchmcn- den und bei den von gleichgeschaltetcn oder auf- aclöstcn Verbänden zu übernehmende» Mitglic- dcrn in jedem Einzclfallc vor der ersten Beitragszahlung folgende Erklärung abgegeben werden muß: „Ich erkläre, arischer Ä b st a m m ll n g zu sein. Weder meine Eltern noch meine Großeltern sind nichtarischer»Herkunft, „Hannes. du Ulst nicht tot!“ Demonstration bei der Einäscherung Stellings. Tie„Prager Presie" meldet: Mittwoch, um halb sechs Uhr nachmittag sand in Berlin die Einäscherung der Leiche des sozialdemokratischen ReichstagSabgeordnete» und Vorstandsmitgliedes der Partei Johannes Stelling statt. Um 7 Uhr wurde der zweite Tote auS der Zer« penschlense, der chcnialjge Reichsbanner- s ü h r e r E s sie r, verbrannt. Als der Sarg mit der Leiche Stellings zur Verbrennung in die Gruft gesenkt wurde, ries jemand von der Galerie:„H a n n e s, d u b i st nicht t o t!" Daraus erhoben sich die übrigen zahlreiche«« Teilnehmer, streckten den rechten Arm mit geballter Faust in die Höhe und riesen: „Freiheit!" Die Polizei schritt nicht ein. Ule Idee hebt! Bremen, 12. Juli.(Wolfs.) Tic geheime Staatspolizei teilt mit: Nach der in den letzten Wochen erfolgten F c st n a h m e s>« hrendcr Kövfc der illegalen kommunistischen Bewegung wurde von marxistischer Seite versucht, durch die Verbreitung von»Hetzschrift« n" unter»den See- und-Hasenarbeitern kommunistische „Wühlarbeit" zu betreiben Auf Grund des scharfen Vorgehens gegen derartige Bestrebungen «st es im Bersolg der weitere» Ermittekuugen nulunehr gelungen, auch hier führende Funktionär« in Hast zu nehmen. Bei Baggerarbci- t c r n in Waller-Fleet wurde ein M a s ch i it c n- gewehr und ein M i l i t ä r g c w ehr sowie ein großer Pack marxistischer Schriften und Propagandamaterial gesunden. Pcsflrordon um Nazl-Dcutsdiland. Mert- gehaßt- kalluestellf! Es ist iiionieiitan nicht voraus,zusehen, wie lange die Londoner weltwirtschaftliche Konferenz beraten und beschließen wird. Das ist aber sicher, daß sic, die 58ste Konferenz seit Kriegsende, die Probleme der Weltwirtschaft ebensowenig lösen wird, wie dies ihren 57 Vorgängerinnen gelungen ist. Allen Anzeichen nach ist auch sicher, daß das einzige, ernste, die ganze europäische Politik beeinflussende Resultat der Konferenz, ein außcrkvnscrcnz» lichcs Geschehnis, der osteuropäische Nichtangriffspakt sein wird. Seit mehr als 100 Jahren kämpfen auf dem europäischen Kontinent Frankreich und Preußen, rcsp. Drulschland für die Hegemonie. Während dieser Zeit kristallisierten sich um diese Staaten die europäischen Pündnissc und wenn auch die Verbündeten einander abläfteu, in dem einen Bund blieb Frankreich, in dem arideren Deutschland tonangebend. So war es in der Zeit der„H eiligen Alliance" gegen die der englische Ministerpräsident Can n ing das Bündnis England, Frankreich und Rußland schuf, so war cs in der Zeit B i s m a r ck's und jo im verhängnisvol- le«r Jahre l 9 l>t. In dieser Zeit hatte das Deutschland des preußischen Junkertums seit Jahrzehnten nnr die kranken Männer Europas(die östcrr. Monarchie und die Türkei) als Verbündete. Das Bündnis mit Italien war nur ein Scheinonndnis, wie die Ereignisse cs auch bewiesen. Ans der anderen Seite war der Grund des Bundes die französisch-russische Freundschaft, diese viel verspottete und angegrifsene illegitime Ehe der „freien R e p u b l i k" und der„z a r i st i- schen Unterdrückung". Uni Rußland gruppierten sich dann, wie die jungen Brüder um den älteren, die ihre Freiheit und Unabhängigkeit erst frisch znrückcrobcrlen jimgei« slawischen, balkanischen Staaten. Dieses System der Bündnisse und Gruppierungen zerfiel nach dem Kriege. Rußland trat aus der deutschfeindlichen Front heraus und verband sich zuerst mit den Deutschen. Auch Italien lockerte die alte lateinische Brn- derverbindnng und näherte sich immer mehr Deutschland. Die ärmsten Erben der Monarchie: D e u t s ch ö st c r r c i ch und Ungarn setzten ihre nach Deutschland blickende Politik fort und fallweise auch England, später sogar immer häufiger, um die Ansprüche des Siegespartners Frankreich zu dämpfen, unterstützte es Deutschland. Dieser Hergang, das ist Deutschlands Erstarkung, Deutschland als Führer eines neuen schlagkräftigeren Bündnisses und die außenpolitische' Schwächung Frankreichs erreichte im Winter llt.'!-!!!k seinen Höhepunkt. Vor einigen Monaten schien es noch so, daß Deutschland mit Unterstützung von England, Italien und Rußland seine alte Position zuriickerobern und int europäischen Orchester, tvie vor dem Kriege, die erste Geige spiele» werde. In dem gleichen Moment aber, als das mörderische und widerliche Hitlerrcgime seinen Einzug hielt, erfolgte der Rückschlag. Daß die zur regierenden Schichte gewordene blinde und wilde Horde den deutschen Staat auf Fahre oder Jahrzehnte znrückwersen müsse, war klar, aber dieses Maß des A klein bleibens und des Allsgcstoßcnscjns hätte niemand erwartet. Tie jetzt zustande gekommenen o st- europäische n A b m a ch u n g e n brachten die vollkommene Absonderung Deutschlands und eine bedeutende Erstarkung von Frankreich und Rußland. Hitler-Deutschland hat England mit seiner kriegerischen Innen- nnd Außenpolitik aufgeschreckt, hat sich das ihm ergebene Deutsch- Österreich mit lerreristischcr Parteipolitik zum Feind gemacht. Mit diesem Feldzug gegen Oesterreich Hat es gleichzeitig auch Italien ©eite 2 Freitag, 14. JuN 1038.. Nr. 182. verstimmt und Hal am Ende auch seinen wichtigsten und ältesten Freund Rußland von sich gestoßen. Zur selben Zeil, da der deutschrussische F r e u n d s ch a s l ü v e r t r a g erneuert wurde, hat A l f r c ö Rosenberg, der Nazi-Außenminister, mit dem größten Feind des Sowjets, Sir Henry D e t e r d i n g verhandelt und H u- g e n b e r g hat sein Memorandum veröffentlicht, in welchem er die Losreißung der russischen Ukraine, deutsch: den Krieg gegen Rußland verlangt. Wer ist noch geblieben? Dio Bereinigten Staaten von Amerika zeigten für Deutschland vordem auch gewisse deutsche Sympathien. Da hat nun die Nazi-Außenpolitik in der letzten Zeit ein Zusammengehen mit Japan(aus innenpolitischem Haß gegen die Sowjets, deren größter östlicher Feind Japan ist) propagiert. Aber Japan ist im Stillen Ozean zugleich der gefährlichste Gegner der USA. Also will Roosevelt jetzt Rußland anerkennen und gleichzeitig wendet er sich von Deutschland ab. Als letzter Mohikaner unter den Freunden Deutschlands verbleibt nur noch Ungarn. Doch auch dieses, trotz heftiger innettpotitischcr Syutpathien, ist bereits unsicher. Der Ministerpräsident G ö nt* bös hat, um seine unüberlegte tind überflüssige Berliner Reise auszugleichen, auch in Wien Hitlers Gegner, Dollfuß besucht! So steht Hitler-Deutschland vereinsamt und die barbarische und dumme Politik hat damit wenigstens etwas Gutes bewirkt. Sie schmiedete einen großen Bund vieler früher miteinander schmollender und in gespanntem Verhältnis lebender Staaten Europas. So erleben wir die Auferstehung der vor 16 Jahren geschiedenen russisch- französischen Ehe. Das französische Gold, welches die Keller der Pariser Banken fast zersprengt, findet seinen Weg in das Werk des Fünfjahrplanes. Die kleineren slawischen Staaten finden wieder den großen Bruder, von der finnischen Bucht bis zur Levante streben die Länder zueinander. R u ß land vergißt Bessarabien und reicht R u m ä n i e n seine Hand. Italien wirft die Frage Adriatischen Meeres und Dalmatien nicht auf und nach eineinhalb Jahrzehnten versöhnt eS sich mit Jugoslawien. Tituleseu, der rumänische Außenminister erklärte stolz, daß durch diese Nichtangriffspakte dreihundert Millionen Menschen politischen Frieden genießen werden. Und ebenso von dreihundert Millionen Menschen spricht Trotzki, indem er ein Bündnis zwischen den Bereinigte» Staaten und den Sowjets empfiehlt. Die Zeit der großen Bündnisse ist anscheinend wieder gekommen, aber weder bei den einen 600 Millionen, noch bei den anderen sind die 6 5 Millionen Deutschen. Diese 65 Millionen Seelen Deutschlands sind infolge der mörderischen Politik ihrer jetzigen Herrschaft aus allen Bündnissen ausgeschlasse Die Männer, die durch die jetzige Herrschaft in Deutschland gemordet, eingekerkert, geächtet, aus dem Lande gesagt wurdett, sie haben in dett letzten 15 Jahren Deutschland durch zähe und ausdauernde Arbeit auf die höchste Stufe gebracht. Jetzt wurde dieses Deutschland wieder attf die niedrigste Stufe zurückgeschleudert, in einer Zeit, wo sein außenpolitischer Gegenpol Frankreich und sein innenpolitischer Geyenpol Rußland triumphiert, Verbündete fittdet. Der deutsche Fasciömus kann leicht int Innern seiner Grenzen triumphieren, wo er schutzlose Gegner zertrampeln und zerstampfen kann. Aber außerhalb seiner Grettzen, wo die ttatkte Gewalt kein Argttmettt ist, dort holt er sich Schlappe auf Schlappe. Noch nie hat eine deutsche Regierung das Ansehen und den Einfluß der deutschen Nation so geschädigt, wie die Der staatenlose. Ter früher in Tschechisch-Teschen angesiedelte Kiwi Rosenfeld, der im Vorjahre Wege« Verbreitung gefälschter Banknoten verurteilt und nach Verbüßung seiner Strafe nach Polen ausgewiesen wurde, wollte Dienstag nach Tesche» zurnrkkehrett, da Polen den ihm ausgestellten gültigen polnischen Paß nicht mehr anerkennt und behauptet, daß Rosenfeld tschechoslowakischer Staatsbürger sei. Als Rosenfeld aus der Brenzbrücke nach Tschechisch-Teschen von den tschechoslowakischen Grenzbeamten aufgehalten wurde, erklärte er, nicht mehr nach Polen zurückkehren zu wollen. Er blieb fast 24 Stunden lang auf der Brücke zwi» scheu den zwei Staaten, bis er gestern vormittags von Gendarmen in das Bezirksgericht in Tschechisch-Teschen abgesührt wurde. Von dem einzelnen Fall, der jetzt die Aufmerksamkeit auf sich gelemt Hot, wollen wir absehen. Wir wollen es denjenigen nicht allzu leicht machen, die sich damit abfinden, daß ent vorbestrafter Betrüger nirgends gern gesehen ist Utü> keinen Anspruch darauf hat, besondere Sympathie zu finden. Es geht gar nicht um den einen Rosenfeld. Das Schicksal, über Nacht ohne Heimat zu sein, droht heute tausenden und tausenden Menschen in allen Staaten, vor allem leider Proletariern. Als durch die Frie- denSverträge die Landkarte Europas grundlegend verändert wurde, standen Ungezählte vor der Entscheidung, für welchen der neuert Staaten sie m optieren hatten. ES war in den damaligen Zeiten nicht einfach, über alle diese Fragen auf denr Laufenden zu sein und vielfach hatten die Betroffenen nicht einmal Kenntnis davon, welche Folgen die Nichtbeachtung der verschiedenen Vor- schriften für sie haben konnte. Wer durch Besitz und Vermögen daran interessiert war, die Staatsbürgerschaft eines bestimmten Landes kur sich zu gewinnen, hat sich viel schneller entschieden, als die Tausenden, die irgendwo ihr Gewerbe oder ihre Arbeitsstelle hatten und fürchten mußten, durch die Option für einen anderen Staat in die Gefahr der Ausweisung zu geraten und existenzlos in ihre Wahlheimat zurückkehren, zu müssen. Nicht intiner waren nationale Motive stark genug, um allein einen Entschluß herbeizuführen. So sehen wir heute noch überall die Staatenlosen, die ihre frühere Staatsbürger- schäft verloren und keine neue erworben haben. Ihr Problem ist ein internationales und nur durch eine von den in Betracht kommenden Staaten gemeinsam getroffene Regelung zu lösen. Wiederholte Versuche, ein internationales Aokommen zu erzielen, blieben bis heute ohne wesentlichen Erfolg. Umso dringender ist eS, daß die Bemühungen, an welchen auch die Tschecho» I slowakei stark interessiert ist, fortgesetzt und zu einem Ende gebracht werden, welches die Un- ' sicherheit von zahllosen Menschen beseitigt. Regierung der Hypernationalisten, der Haken- kreuzler. Noch nie hat der deutsche. Staat auf dem europäischen Schachbrett eine so untergeordnete Rolle gespielt, als unter Hitler, der doch aus dem Glauben an den Staat eine neue Religion schaffen wollte. Der Staat der braunen Pest ist außenpolitisch vollkominen isoliert. In der Zeit der Reaktion, des Barbarismus, des Ekels und Hasses ist dies der einzige Trost für bett denkenden Menschen. Josef NLdaß. ninmmnminmmnn(miiiiiiiniiifnitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin Um das Genter System. Das„P r ü v o Lid u" meldet, daß die Beratungen über die Reorganisierung des Genter Systems am Donnerstag den ganzen Tag über «innerhalb der Regierung wie zwischen ertretern der Koalitionsgewcrkschaften wei- tergingcn. Die Vertreter der Gewerkschaften waren in ständiger Verbindung mit der Regierung. Der Ministerpräsident verhandelte persönlich mit' den Gewerkschaftsvertretern Taycrle, TuLny und Petr. Die Regierung will die definitiven Anträge auf Acnderung des Genter Systems den Gewerkschaften schriftlich überreichen. Heute Freitag haben die politischen Minister diese Frage netterlich auf der Tagesordnung. Es soll aber noch fraglich sein, ob bereits der heutige Mini- stcrrat zu der Vorlage wird abschließend Stellung nehmen können. Nach einer Version ist mit der Einberufung des Ministerrates erst für Dienstag zu rechnen. Drei Kisten Gewehre heim Herrn naron. Klagenfurt, 13. Juli. Gestern nachts wurde auf dem Großgrundbesitz des vor drei Jahren eingewanderten reichsdcutschcn Barons Knesebeck bei Klagenfurt durch die Gendarmerie eine Haussuchung vorgenontme», wobei drei Kisten Gewehre und Munition beschlagnahmt wurden. Es handelt sich um rcichsdeutschc Fabrikate. Kitesebeck, der früher ein Führer der SA. war, ist dem Landesgericht in Klagenfurt eingeliefert worden. Oesterreich bereitet eine Innere Anleihe vor. Men, 13. Juli. Nach Erledigung der letzten Formalitäten betreffend die Lausanner Anleihe an Oesterreich werden jetzt beschleunigt die V o r- bereitungen für eine innere Aule i h e zu Ende geführt werben. Wie die„Wiener Zeitung" meldet, wird die innere Anleihe in der zweiten Oktöbcrhälstc zur Zeichnung aufgelegt werden. Gandhi will nicht nachgeben. Poona, 13. Juli. Gandhi, der vor kurzem nach 21 Tagen sein Fasten aufgab, hielt in einer Versammlung deS altindischen Kongresses am Mittwoch eine große Rede, in der er die Prinzipien der Kampagne des zivilen Ungehorsams verteidigte und erklärte, daß die Kampagne des zivilen Ungehorsams die einzige Waffe sei, mit welcher Indien die Freiheit erreichen könne. In dieser Versammlung sprachen sich, wie bekannt, die meisten Redner für die Einstellung deS zivilen Ungehorsams ans. kucke Rothermere— Hitlers Kronzeuge! Der englische Jude Lord Roth er« mere hat in einem langen Artikel für Hunnen-Deutschland eine Lanze grbrocheit. Und nicht nur die Nazi-Presse, auch unsere deutschdemo- kratische Presse, darunter der Brünne, „Tag e Sb o te", hat das Gcschmnse andachtsvoll ttachgedruckt. Der„Tagesbote" sogar z w e i- m a l, au zwei aufeinanderfolgenden Tagen, mit auffallenden Titeln, an höchst sichtbaren Stellen und ohne Kommentar. Die ganzr Aufmachung zeigt ersichtlich die Befriedigung darüber, daß der braune Bandenführer in der Welt außerhalb des großen deutschen Kerkers einen Verteidiger und Lobredner gefunden hat. Allerdings eben nur den— Rothermere! Wer ist dieser Lord Rothermere? Er ist der Besitzer eines ebenso großen wte übelberüchtigten Zeitungskonzerns in England. Einst war er mit dem nicht minder übelberüchtigten Northcliff einer der giftigsten und stärksten Hetzer gegen Deutsch!und. Die Entstehung der Hitlerbewegung wurde von ihm freudigst begrüßt, er wurde Fürsprecher der Nazis und unverblümt sprach er wiederholt auS, daß seine Propaganda für die SA- und SS-Banden dem Umstand entsprang, daß er in ihtten die kommenden Kolonialsoldaten Englands gegen Sowjetrußland sah. Seiite Zeitungen, die nun eine Kampagne für das Hitlersystem in Deutschland führen, ohne allerdings, daß sie sich für dessen Nachahmung im eigeneit Lande einsehen würden, da sie sich unter der englischen Demokratie Wohler fühlen als unter der Diktatur von Barbaren und Verbrechern, stehen im schärfsten Gegensätze zu der ernsthaften Presse Englands. Dieser geschäftstüchtige und lediglich von Profitinteressen geleitete ZeitunaSjude veröffentlicht in seiner„Daily Mail" einen Aufsatz, in dem er in begeisterten Worten Nazi- Deutschland feiert. Eilt Strom jungen BluteS belebe das Land neu, Hitler ltnd feine Gefolgschaft seien von einer„einfachen und ungeschminkten BaterlandSliebe erfüllt", was Schlechtes über Deutschland erzählt werde, sei ein „l ä r m e n d e r DcrleumdungSfeld- zug", denn man könne nur von„vereinzelten Gewalttaten" sprechen und keine Spur sei davon, daß die Nazi-Herrschaft eine blutige Tyrannei sei. Er habe sich selber davon überzeugt, daß die Sympathie» der überwältigenden Masse der Bevölkerung„auf Seite dieser Organisation wackerer junger Patrioten stehen". Der englische ZeitunaSjude und berüchtigte Deutschenhasser Lord Rothormere als Reklamemacher für den Judenfresser Hitler— eine Groteske, wie sie drastischer kaum vorstellbar ist! Dennoch ist die Nazi-Propaganda über dieses Urteil glücklich, drnckt eS mit Behagen ab und will nicht sehen, daß eS von einem— Juden herrührt! Rothermere und Hitler, sie sind einander würdig! Morgen Unterzeichnung des Viererpa Wes? Paris, 13. Juli. Wie der Berichterstatter des„Petit Papisten" aus Rom meldet, soll der Viererpakt der Großmächte schon SamStag. den 15. Juli, in Rom unterzeichnet werden. Bot- sche.ster de Jouvenel verläßt sein Tätigkeitsfeld bereits Anfang nächster Woche und hat, ebenso wie auch der britische Botschafter, die Vollmacht zur Uuterfertigung des Paktes erhalten. SS Die Sache mit Borfis Kriminalroman von Grete Hartwig Zu mittag war hie Cache allgemeines Gesprächsthema, heftige Meinungen stießen aufeinander, man nahm für und gegen die Todesstrafe Steilung, man konnte die neuen Indizien kaum erwar en. Man debattierte heftig über Lilian als Künstlerin, lobte freimütig das Gute, tadelte nock) schärfer als einst, besprach ihre Toiletten und wollte gleich so etwas geahnt haben, als sie im Somnter debütiert hatte. Man nahm Anlaß, dett Frauen beittt Tl)eater vott neuem ztt mißtrauen und gegen die eigenen ungebärdigett Töchter oder Schtvestern einen tvarnettden F>nger zu heben. Man halte allerlei Vorstellungett von dem Toten, viele bedauerten ihn, da er offenbar das Opfer einer exzentrischen Person geworden war, viele aber sahen darin die gerechte Strafe für einen ' Ausländer, dcr der Weiblichkeit einer fremden Älation nachgestellt hatte. Aber alle waren sich darüber klar, daß die an sich ruhi'ge und eiutöttige Stadt ihre Grettzen gesprengt hatte und für Tage und Wochen den Namen Provinz nicht zur Gänze verdiente. Post, Telephon und Straßenbahn verzeichneten einen Aufschwung in ihrem Betriebe, Skeptiker wurden gesellig, politische Gegensätze vavanken melodisch in spontaner Mitteilsamkeit. Im Stadttheater herrschte große Aufregung. Etwas nach zehn Uhr wurde eine Probe plötzlich abgebrochen, die Beteiligten murrten, begriffen Nicht, waren auch nicht neugierig, deu Grund zu erfahren, tvarett verschlafen, ntüde, verärgert, ambttionslos und mürrisch, standen eine Weile untätig lterum, wurdett erst aufmerksam als sie vernahmen, daß sich tu der Direktionskanzlei irgend etwas abspielte, dachten an Reperiotre- wechsel, an internen Zwist, an Erkrankung irgend eines Hauptdarstellers, an Tratsch uttd Intrigen, bemerkten, daß Lillian fehlte, gingen aber gleich tvieder darüber hinweg. Dann kam die Neuheit wie eine Bombe, Entsetzett. Staunett, Starrheit und Ateinlosigkeit griff UM sich. Jrgettd jemand hatte eS als erster gesagt, gewußt, weitergegeben, jetzt drängten sich viele um irgettd einen, alle um leden. Jin Sekretariat wurden die Zeitungen beinahe zerrissen, ebenso Ist der Portierloge. Friseure, Gardero- bierS, Schneiderinnen, Bühnenarbeiter, Heizer, Diener und Requisiteure wurden von allen Seiten gestoßen. Sie alle kamen erst in zweiter Linie, in erster Linie hatten die Kollegen eilt Recht... „Zeig her! Rasch!" „Wo? Aiir, bitte!" „Oh, die arme Band!" „Uttt Christi willen, des Mordes verdächtig?" „Mir wird übel!" „Wer war es dettn?" „Ein AttSländer, verntutlich Franzose— steht hier." „Im„Weißen Hahn"!" „Seid doch still! Laßt mich doch lesen!" „Sie hat doch einen Bräutigam!" „Kusch!" „Ihr Bräutigam ist doch kein Franzose." „Ihr Bräutigam ist doch der, mit dem die Lo Lu früher gegangen ist." „Aber der Tote?" „Um dreiviertel zehn Uhr! Während wir noch spielten. Gestern aberrd! Interessant!" „Sie hat doch gestern auch gespielt. Das ist doch gar nicht möglich!" „Aber sie war doch schon im zweiten Akt fertig." „Aber, so rasch!" „Hat sie ihn erschossen?" „Nein, vergiftet!" Die Zeitungen wanderten von Hand zu Hand. Aus der Stiege, auf der Bühne, in den Garderoben, in der Kanzlei, überall standen Gruppen. Kein Mensch dachte daran, die Probe fortzusehen. Nüstern und Geschrei lösten einander ab. „Traust du ihr das zu?" „Niemals! So ein ruhiges, liebes, braves Geschöpf!" „Ja,>vie denn?" „Der Mann kann ja auch Selbstmord begangen haben." „In ihrer Gegenwart? Bei einem Soupee im Separee?" „Warum nicht? Vielleicht hat sie ihm den Abschied gegeben." „Vielleicht hat sie eS ihm befohlen! Es gibt Menschen, die geschlechtlich hörig sind." „Wir werden natürlich alle verhört werden." „Alle nicht. Nur die, die mit ihr befreundet waren." „Das arme Mädel!" „Wo sind denn ihre Eltern?" „Die werden furchtbar erschrecken. Stell dir vor: das Kind eine Mörderin!" „Es ist noch nicht erwiesen!" „Verdächtig ist es jedenfalls!" „Wie kannst du so gemein reden, du gehässiger Mensch!" „Dahrscheilich hat sie dich abfahren lassen!" „Mich? DaS kostet mich einen Lacher. Ich fliege überhaupt nicht auf rotblond. Und außerdem war sie mir zu mager." „DaS ist Geschmackssache. Ich bin doch mit ihr in einer Garderobe gesessen. Ich lag« euch, das Mädel hat einen Körper wie ein Modell. Wie ans Elfenbein. Diese Beine und... also einfach fabelhaft!" „Erzähl nur tveiter. Ein Paar Details!" „Du bist ein Schwein!" „Ich kann es einfach nicht fassen. Wir melden uns alle als Entlastungszeugen." „Wir werden warten, bis wir gefragt werden." „Unter Eid?" „Möglich." „Ich bin wahnsinnig aufgeregt. „Gib mir eine Zigarette!^ ,^lch habe jetzt in der Aufregung meine ganze Rolle vergessen." „Schafskopf! Heute wird ja doch nicht mehr geprobt." „Sollen wir fragen, ob wir nach Haufe gehen dürfen?" ,Lst mir ganz egal. Ich gehe nicht nach Hause. Ich konnte jetzt nicht allein fein." „Es geht mir furchtbar nah. Ein Mensch, mit dem nian seit Monaten gemeinsam arbeitet, es ist zum Weinen." ,Me tut mir furchtbar leid!" „Ein so junge» Geschöpf!" „Wie alt'ist sie denn?" „Zweiundzwanzig Jahre!" Einige Damen protestierten erregt. „Ausgeschlossen!" „Sie ist mindestens 28!" „Eine Blondine sieht immer jünger aus." „Das ist ja egal! Sie ist ein entzückendes Mädel." „Wer wird denn ihre Partie am Donnerstag tibcrnehmen?" „Was«cht uns das an! Vielleicht kommt «in Gast." „Wieder Proben. Das ist doch auch unangenehm." „Ihr seid herzlos." „Was heißt herzlos? Das Leben geht doch tveiter. Meinst du, man kann jedes fremde Schicksal bis zur Neige miterleben? Dazu hat nran doch einfach nicht die Kraft." „Du umgibst deine Kaltherzigkeit mit einer sehr dünnen Philosophie." „Mit dir stelle ich mich nicht her!" „Weil du den Kürzeren ziehen würdest." .(Fortsetzung folgt.) Nr. 162. Freitag, 14. Juki ISST S«Ü< S verleMW eure Freiheit! Dem Klagebriese eines Genossen in Nieder« schiessen an einen unserer Parlamentarier ent, nehmen wir folgende bezeichnende Stellen: „Alle sind noch da, die du von deinem Auf, enthalt kennst.„Bloß" sind sie entlassen, auS den Arbeitsstellen verjagt, aus den Gefängnissen vorläufig ent, lassen und der Not preiSgeaeben. Keine Fühlung mit der Partei im Reiche, keine Verbindung mit euch, keine Schrift, keine Zeitung mit sozialdemokratischem Lrchalt, nur auf sich selbst angewiesen mit der Sehnsucht nach Gerechtigkeit und menschlicher Anerkennung. So schleicht ein Tag nach dem andern dahin— fast ohne Hoffnungsschimmer. Die Gewerkschaften sind Zwangsan st alten geworden. Wer nicht am 15. Juli 1933 organisiert ist, verliert sein Recht auf Arbeit und auch auf Unter, slützung. Tarife dürfen nicht geändert, d. h. verbessert werden, trotzdem eine erhebliche Teuerung eingesetzt hat. Kleine Unternehmer halten sich nicht mehr an Tarife und senken bedeutend die Lohnsätze. Diese betragen nun 14 Pfg. für Frauen und 29—25 Pfg. für Männer. Der Unternehmer organisiert sich im Kampfbund für den gewerblichen Mittelstand und schützt sich so gegen For- derungen auf Einhaltung der Tarife. Landwirtschaft und Mittelstand haben die nationale Revolution gemocht und wollen daher deren Nutz- nießer sein aufKosten der Arbeiterschaft. Die Nazipostenjäaer erhalten Stellungen und weche»„Gewerkschaftsführer". Dah solche Zustände deprimierend auf die proletarischen Gemüter brücken, ist erklärlich. Doch macht sich glücklicherweise die Sehnsucht nach Rückkehr zu demokratischen Der- h ä l t n i s s e n auch in anderen Kreisen bemerkbar. Man hört Reden, die nicht zu ungunsten der Demokratie auSgelegt werden können." Der Brief schliesst mit der eindringlichen Mahnung an die tschechoslowakischen Arbeiter: „Verteidigt eure Freiheit!" Darnach wollen wir auch handeln! Ausschnitte ans einer gleichgeschalteten Zeitung „In Deutschland herrscht Ruh« und mustergültige Ordnung." ReichSstatthaltrr v. SPP über de« Sport. Die Preitverteilung zum Gcneral-Von-Epp-Gepäckmarsch am Mittwoch abends im Münchener Löwenbräu, leller war zugleich eine gewaltige nationale Kund- gebung. Stürmisch bejubelt, hielt dabei der Reichs- siotiholter in Bayern, General Ritter v. Epp, rin« Ansprache, in der er, vom Gepäckmarsch überleitend, die allgemeine Bedeutung des Sports beleuchtete. Er sagte u. a.: Alle müssten Sport treiben mit dem grossen Ziel der Wehrhaft! g. machung, solange andere Wege dort, hin nicht möglich sind. Dat sei die höchst« Ausgabe des deutschen Sport«. * vesöngni« für di« Beleidigung der Reichsregierung. Da« Tondergrricht Frankenthal verur. «eilt« am Mittwoch in seiner ersten Sitzung den Arbeiter Friedrich Wieth aus Obrigheim zu einem Monat Gefängnis, da sich der Angeklagte in un. schöner W-isc über dir ReichSregierung und die bayerische Landesregierung ausgesprochen halte. Ter Haftbefehl wurde aufrecht erhalten.— Das Sonder, gericht behandelte ferner gegen sechs Angeklagte, unter denen sich eine Frau befand, wegen Brrteilens kommunislischer Flugblätter. Sämtliche Angeklagte, die zum grossen Teil Mitglieder der KPD. waren, bcsinden sich mit Ausnahme der angeklagten Frau seit 28. Juni in Untersuchungshaft. TaS Gericht erkannte gegen sämtliche Angeklagte aus rin« GcsängniSslrose von drei Monaten, gegen die Frau eine solche von einem Monat. Keine Jude» in der Arbeitsfront. In Kreisen der deutschen Arbeitsfront hat es unliebsames Auf- sehen erregt, dass das Presseorgan des Zentral- v:reinS deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einen Aufruf veröffentlichte, der unter der Ueber. sckrift„Bleibt in d«n BcrusSverbänden" aussorderte, zich den berusSständischen Organisationen anzu- schliessen. In unterrichteten Kreisen wird in diesem Zusammenhang daraus hingewiesen, dass jüdische Arbeitnehmer von allen Organisationen der Ratio, nalsozialisten, also auch von den Verbänden der Deutschen Arbeitsfront, ein- für allemal aus- geschlossen bleiben., Ein« gründlich« Razzia wurde in Giebelstadt vorgenommen. ES wurden auf Befehl der SA.-Führung durch SA.-Leut« die Dorsausgänge beseht, die Telephonleitungen der hiesigen Juden durchschnitten, die Telephone, deren Besitzer der Bayerischen Volksparte! angehören oder ihr nahestehen, durch SA.-Posten überwacht und schliesslich . auch Haussuchungen vorgenommen. Es erfolgten verschiedene Festnahmen.- Die Verhafteten wurden zum Verhör auf di« Festung gebracht. Im Lause der Aktion wurde auch di« Gruft des Freiherrn von Zobel geöffnet, da di« SA..Führung aus Grund einer Anzeige ein Waffenversteck darin vermutete. Es wurde jedoch nichts gesunden. I» Schutzhast genommen wurden sämtliche BDP.-Mitglieder des Bamberger Stadtrot«, soweit si« wieder auS der.Haft entlassen worden waren, terner die BrzirkSräte der BVP. und Pfarrer Stütz- Burgrrbracht. Kassen und Guthaben sämtlicher katholischen Vereine wurden beschlagnahmt. von Roosevelt zur Kriscnbeitämpfung empfohlen. Washington, 13. Juli. Präsident Roosevelt Hai«inen neue« Plan an«gearbeitet, nach welch«« zweck« wirtschaftlicher Erneuerung ei« freiwilliges Abkommen bezüglich der Arbeitszeitverkürzung und der Erhöhung btt Löhne vereinbart werden soll, das vorläufig für alle Industriezweig« Geltung haben soll, solang« diese Frag« nicht legiSlaliv gelöst sein wird. Ali« Industriezweig« werden ersucht, dem neuen Stunden« und Lohnvorschlag beizutreien, der in drei oder vier allgemeine Kategorien zerfallen wird. Präsident Roosevelt will auf diese Weis« mit einem Schlage di« Kaufkraft der Pevöl- kerung heben und auch die Produktion und di« Preise erhöhen. Die Einigung soll aber, wie betont wird,«inen freiwilligen Charakter haben, da die staatliche Exekutive kein Recht habe, der Industrie derartige Massnahmen vorzuschreiben. England gegen produktive Arbcitsioseniürsorge. Angeblich zu kostspielig. London, 13. Juli. Im Wirtschaftsausschuss der Konferenz wendete sich der britische Handelsminister Walter R u n e i m a n kategorisch gegen die Resolution betreffend die öffentlichen Arbeiten mit der Begründung, dass Grohbritan» nien in den letzten Jahren 190.000 Pfund Sterling- für öffentliche Arbeiten auSgcgeben und sestaestellt habe, dah diese Art, die Arbeitslosenfrage zu lösen, sehr kostspielig sei. Der Redner erklärte, daß er sich m keiner Weise in einen eventuellen Beschluss einmengen werde, wenn einige Länder versuchen sollten, diese Art der Lösung der Arbeitslosigkeit zu versuchen. Großbritannien aber werde an der Diskussion über die Politik der öffentlichen internationalen Arbeiten nicht teilnehmen und werde auch anderen Ländern für diesen Zweck keine Mittel gewähren können. Neue Schandtaten der Hunnen: Ein kommuniililcherRelchslaosahgeoriineter ermordet Berlin, 13. Juli. lJusa.) Der frühere kommunistische ReichStagSabaeordnetr Schulz, der seinerzeit durch seinen Rundfunk-Streich(er hatte, wie erinnerich, durch vorübergehende Entführung des sozialdemolratischen Redakteurs Schwarz an dessen Stelle zum PolkSbegehr«« über den Panzerkreuzer-Bau im Berliner Rundfunk gesprochen) bekannt geworden ist, wurde im Polizeigefängnis von Spandau er. mordet. Schulz wurde vor kurzer Zeit festgenom. men und gesund in da« Gefängnis Spandau einaeliefert. Dort wurde er erschlagen. Am 5. Juli fand seine Beisetzung statt, ohne dass in der deutschen Press« ein Wort hierüber veröffentlicht wurde. Frauen als Geiseln. Die Bestrafung unschuldiger Menschen für die Taten anderer ist stets als etwas Abscheuliches von allen Menschen verurteilt worden. In steigendem Maße aber bedient sich das Hitler- Regiinc dieser Methode. Bom Vorstand der So- rialdcmokratischen Partei Deutschlands. Sitz Prag, werden uns dazu folgende absolut verbürgte Fälle milgeteilt: In Pirmaseni wurde die Fran des bayrischen LandtagSabgeordneten Ludwig, der mit knapper Not der DA entkam, die ihn ermorden wollte, und nach Saarbrücken flüchtete, von der SA als Geisel verhaftet. Die Polizei hatte ei» solches Ansinnen abgelehnt. Fran Ludwig wurde kreuz und quer durch die ganze Stadt geführt, um schließlich in» Gefängnis eingeliefert zu werden. Sie ist eine schwerleidcndc Frau, die sich ständig in ärztlicher Behandlung befindet. Sie betreute ihren 68jährigen Bater und ihre» sechsjährige» Sohn. Ter Junge, der seiner Mutter bei der Verhaftung wemend nocklies, wurde da- vongejagt und mußte von Verwandten ausgenommen werden. Di« nationalsozialistische Presse stellt diesen Sachverhalt selbst fest und rühmt sich dessen. In der„Pfälzischen Rundschau" vom 8. Juli wird ausdrücklich mitgeteilt, daß man Frau Ludwig nur in Schutzhaft genommen habe, um auf diese Weise den Landtagsabgeord- neten Ludwig zu zwingen, nach Pirmasens zurückzukehren. In Dresden wurde am 28. Juni die Frau deS Parteisekretär- Kunze von der Polizei verhaftet und in das Polizeipräsidium cingeliefert, obwohl Frau K. erst kürzlich noch einer schweren lebensgefährlichen Operation auS dem Krankenhaust entlassen worden ist. Selbst der Polizeiarzt nnißte Frau K. Schonung verordnen. Alle Proteste gegen die Verhaftung haben bisher nichts genützt. Frau K. wurde ge. sagt, sie werde crstfreigekassen, wenn sich ihr Mann der SA gestellt habe. In einem weiteren Falle wurde die Frau eines Parteisekretärs mit chrem noch nicht vier- jährigem Jungen ebenfalls von der SA verhaftet, nachdem sie vorher wochenlang mit nächtlichen Haussuchungen gequält worden war. Man suchte den Mann und bemächtigte sichdcr Frau und de- Kinde-, weil man den Mann nicht fand. In diesem Frille aber erfolgte nach einigen Stunden die Freilassung, allerdings mit der Androhung, daß man die Fra» in acht Tagen wieder hole, wem: sie nicht inzwischen eingestehe, wo ihr Mann sich aufhalle. lind diese Leute reden von Kultur! Tie Reichsführung der SS hat die Burg Schwalenberg von der Gräfin Friedrich zur Lippe auf die Dauer von 99 Jahren gepachtet, um das Rasscamt der SS nach dort zu verlegen und in der angegliederten ReichSrassenschule lausende Schulungskurse zur Rasseforschuna einzurichten. Der Reichssührer der SS Himnner führte bei einem Empfang dazu in einer An/prache aus, man könne die grossen Zukunftsfragen nicht allein staatlich lösen; es sei von grossem Werte, daß das neue Deutschland wieder die Kultur al- Fundament auch des staat- l I ch e n Sein- hinaestellt habe. Es habe somit einen neuen GesichtSroum gewonnen, der sich— es möge vielleicht lächerlich klingen— über 2 0.0 0 0 b i S 3 0.0 0 0 Jahre a u-» dehnen wird. Tie SS ist aufacbaut auf dir Kenntnis Vom Werte deS BlutrS. Seit Jahren sei ihr bestes Blut gesammelt und so rüste sie sich für den kommenden schweren Kamps mit dem WcltbolschewiSmuS. Deutsche Lehre: Schweizer Selbstschutz. Di« Totalisierung der neudeutskhcn Ber» brecherhcrrschaft auch gegen die bürgerlichen Parteien beginnt bei den mit der antimarzisti- schen Hitlerei ehemals Sympathisierenden" im Ausland Abwehr hervorzurufcn. Sollte einst am „deutschen Wesen die Welt genesen", so ist jetzt am ncudeutschcn Morden die Welt oorsichtig geworden. In der Schweiz ist ei» Umschwung unverkennbar. Solange die Hitlerei nur gegen Marxisten und Juden tobte, erfreute sich ihre Schweizer Filiale so mancher Bürgersynipathic». Als aber auch di« Mittclparteien und sogar die Hugenbergmänncr ausbauwillig glcichgcsch.iltct wurden, änderte sich das Bild. Dieser Tage sollte in dem ruhig-vornehmen Luzern eine Fascistenvcrsaninilung abgehalten werden, aber cS kam nicht dazu, denn die Freisinnig-Temokra- ten, die Anhänger der bürgerlichen Mitte hatten den Saal rechtzeitig vorher besetzt und ließen die Hitlcraffen gar nicht erst zu ihre» Kapriolen kommen. WaS das Bürgertum seinerzeit den Genfer Sozialisten zum schlimmsten Borwurf gemacht und mit wüster Gewalttat vergolten hatte, daS wird nun vom Bürgertum selbst geübt, da es nicht dem Schicksal seiner reichsdeutschen Klassengenossen und bei Herrschest von Bomben- schmeissern, Brandstiftern und Menschenschindern verfallen will. Kosse- ein Opfer der Gleldisdialtung. Berlin, 13. Juli.(Eigenbericht.) Der Zusain. menbruch-eS Mosse-VerlageS ist die direkte Folge der Glcichschallerci. Rach der allgemeinen Gleichschaltung fiel die Auflage-es„Berliner Tageblatt" von 250.000 auf 128.000; als dann bei Messe Kommissare eingesetzt wurden, ging die Auflage a»f 40,000 zurück! Die Verpflichtungen der Firma betragen 6.28 Millionen Mark, wovon allein auf die Dresdner Bank 1.8 Millionen entfalle». Die offene Handelsgesellschaft Rudolf Bloss« weist einen Uebee- schuß von 3 Millionen Mark auf,-er sich bei.Heranziehung-es Privalvcrmögrns-er Gesellschafter auf 8 Millionen erhöht. Trotzdem ist es zwei- felhaft,. ob das„Berliner Tageblatt" weiter geführt tverden kann, eS sei denn, daß das Propa gandaministerium sich entschließt, die Subventionierung-eS Blattes fortzufetzen. Russlsihe Bestellungen iiir 250 Millionen Doller nach Oesferreidi? Wien, 13. Juli. Heute wurden in Wien die österreichisch- sowjelrnssischen handelspolitischen Verhandlungen auf Grund der bereits bekannten Vorschläge wieder ausgenommen, denen zufolge die Russen Maschinen>md Stahl für 250 Millionen Dollar in Bestellung geben sollen. Wahrt Solidarität. Brief aus rronhreirti Als di« Schlamm-Wellen des HitleriSmus ihre trüben Fluten über Deutschland ergossen, alles erdrückend und erstickend, ivaS sich nicht willig dem Wahnsinn einer Massenpsychose einfügt«, die schlimmer Folgen noch z» zeitigen droht als jene, der Deutschland zu Beginn deS Weltkrieges zum Opfer fiel, geschah eS, dass lausende, dir bereit gewesen wären,-en Kampf gegen-en deutschen FasciSinuS aufzunehiuen, knirschend und aemäch- lig das Heimatland verlassen mußten. Schwer war-aS Los, dem sie sich unlcrworsen. Daheim war die Existenz vernichtet. Und was noch bitterer war, alle Hossnnngen, den Kampf mit Aussicht aus baldigen Erfolg zu führen, waren tot. Zwar taten sich die Pforten'des Auslandes gastfreundlich auf, dennoch aber drückte das Gefühl nieder, wie ein Feigling vom Kampfplatz gewichen zu sein und von dem ausländischen Genossen verachtet zn werden. So kamen die wirklichen Emigranten in die Schweiz, so kamen sie nach Frank« reich, in die geistige Metropole der Dell, nach Paris. Mit Hilfe französischer Genossen gelang es schnell, eine Flüchtlingshilsc auszuziehcn, die, finanziell von Partei und Gewerkschaften gestützt, die Möglichkeit sand, den geflüchteten Genossen daS Leben wenigsten» in bescheidenem Maße zu sichern. Darüber hinaus aber waren es die italienischen Genossen, selbst Flüchtlinge und Gäste«incS fremden Landes, die durch sreundschaflliche Hilfe und vorbildliche» Beispiel die Niedergedrückten wieder ausrichteten, ihnen neuen M»t zum Ertragen aller Unbillen und neuen Kampfeswillen gegen den brutalen, geisttötenden Terror des HitleriSmuS in Deutschland«inflößten. Sie waren cs, denen cs eine Selbstverständlichkeit schien, den deutschen Genossen einen Teil der eigenen Büros zur Verfügung zu stellen und sie dabei nicht empfinden zu lassen, daß sie nur als Gäste das-Hans betraten. Sir waren es, die ihre reichen Erfahrungen auS vieljähriger Emigrantenschaft bereitwilligst zur Verfügung stellten. Stet» waren sie mit Rat und Tot zur-Hand, wo eS nottat, Weit über tausend deutsche Flüchtlinge nahmen in den ersten Monaten ihren Weg durch daS m Verfügung gestellte Büro; wovon ein großer Teil bereits Arl^it auf dem Lande fand. Oft Ivar der Andrang so stark, dass vor deutschen Emigranten für die Italiener in ihrem eigenen Büro kaum mehr Platz blieb. Bescheiden saßen sie dann inr Hintergrund irgendwo in einem Winkel, als wären sie» die doch die Gastgeber waren, nur geduldete Gäste. Wenn Zeitungen oder Propagandaschriften von Genossen vertrieben wurden, dann waren sic cS, die sich als erste Abnehmer einsanden und— selbst ost arbeitslos— ihr'Scherflein beitrugen, den deutschen Kameraden zu helfen. Sie auch inarcn es, die sich des Einzelnen annahmen, ihm Ratschläge für den Verkehr mit der Heimat gaben Und durch warmes Mitgefühl vergessen machten, daß man ohne Anhang in fremdem Lande lebt. Sie ließe» uns, die wir noch all zu sehr in der Heimat verwurzelt waren, empfinden, dass wir trotz alledem eine Familie haben, den grossen zielbewussten Kreis der italienischen Emigranten. So gaben sie uns eine zweite Heimat. So wurden si« unS ein leuchtendes Vorbild, den» wir freudig unbegeistert nacheifer» werden, bis die Schicksalsstunde uns und ihnen erlauben wird, in di« Heimat znrückznkehren. Dann aber soll und muss eine Dankespflicht abgetragen werden, ihnen sowohl wir unsere» französischen Brüdern, rin« Dankespflicht, die endlich stall Hass und Missverstehen jene Früchte reisen lassen wird, die man Bölkerversöhnnng und Völkerverbrüderung nennt. Dann wird der Drache Nationalismus aus ewig seinen Geist ausgebcn und ein besseres Zeitalter beginnen als das^ unter dem wir alle jetzt seufzend leiden. Ablösung des SS-Uenker- Kommandos von Wilsede. Hannover. 11. Juli. Im Konzentrations- Lager bei Wilsede in der Lüneburger Heide, in dem, wie wir gemeldet haben, vor einer Woche dreizehn dort internierte SA.-Leute„a u f der Flucht erschossen" worden sind, ist das aus SS.-Leuten bestehende Wachkonnnando abgrlöst und durch ein Detachement der preußischen Schutzpolizei ersetzt worden. Der seinerzeitige Vorfall hatte unter den radikalen Heide- Bewohnern, die großenteils in der SA. organisiert sind, ausserordentliche Empörung her- vorgcrufcn und es war mehrmals zn Tätlich- kc i t e uw i s ch c n d c n B a ue r n u nd d e m W a ch k o m in a n d o gekommen, so dass tagelang den SS.-Lculcn das Verlassen des Lagers unmöglich gemacht wurde und schließlich verboten werden musste. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programme». Samstag; Prag 10.10: Populäre Tanzlieder, 12.03: Schall- platicn. 12.30: Gewerbcfunk, 14.50: Saloiiorchesler, 18.30: Deutsche Sendung: Pleyer: Vorlesung aus eigenen Werken, 20.05: Blas.'apell«, 22.15: Salonorchcstcr.— Brünn 11: Schallplatte», 18.25: De u t t ch r Sendung: Klavierkonzert, 19.25: Die Ehe in der Slowakei, 20.05: Konzert, 20.50: Bunter Abend.— Wien 15.35: Mandolinenkonzert, 18: L«o Slezak, 22: Abendkonzert.— Frankfurt 15.80: Slnndc der Jugend.— BreStau 17.80: Filme der Woche.— Mühlacker 10.40: Franz Schildert.— Leipzig 14.15: llinderstunide.— Berlin 18: Lieder.- Langenberg 17.80: Frauenftunve.—, München 21.30: Konzert des Rundfunkorchesters, T Geile 4 — 1 Freitag, 14. Juli 1933. KL. 1BZ. M Mk In Den MMen n» Wnmn§. Erlebnisse eines bentschen Khemikers unter Indianern. New Aork, 18. Juli.„Associated Preß" verbreitet einen ausführlichen Bericht der in Guayaquil(Ekuador) erscheinenden Zeitung„El T«log«rpho", aus dein hervorgeht, daß der deutsche Chemiker Herrmann Huth in diesen Tagen von einer neunjährigen Wanderung in den Wildnissen de- Amazonas zurllckgrtehrt ist. Herrmann Huth war 1924 al- Mitglied der pha rmazeutischen Expedition von T agesneutgkeiten Dynamit-Erolosion In einem Rlabnoet Schacht. Dienstag abends explodierten aus der Grube Anna» Laura in K1 adno 16 Dynamit. Patronen, welche im Stollen zum Abschutz vor. bereitet waren. Eine Gruppe von Bergleuten, die in der Röhe war, bemerkte rechtzeitig die Gefahr und rettete sich, nur der 41 Jahre alte Rudolf 8asär sand keine Zeit mehr, sich zu decke». Rach der Explosion sanden ihn seine Sta. meraden halb verschüttet unter Kohle und Steinen mit zahlreichen Verletzungen durch die herumsliegenden Felsstiicke und durch Verbrennungen. Er wurde in bedenklichem Zustande in da» Krankenhau» gebracht, doch hofft man, ihn am Leben erhalten zu können. Die Leiche Lörösmarty's von Touristen gefunden? In einer tiefen Schlucht in der Tatra wurde, wie„B. Ö. 2." berichtet, zwischen Felsen und Strinblocken von Touristen ein menschliches Skelett und Reste von Frauen- k l e i d c r n gefunden. Es handelt sich um die Urberreste einer jüngeren Frau, welche bereit- vor einigen Jahren starb oder ermordet wurde. Ta die Leiche Margit Vorös- m a r t y's, die im Jahre 1826 ermordet wurde, bisher nicht gefunden wurde und die wegen dieser Tat Verurteilten— Michalko, Sikorski und Dr. Klcpctab— während des heute noch in Erinnerung stehenden Sensation-Prozesse- vor den Prager Geschworenen den Ort der Tat nicht verrieten, sorscht die Gendarmerie jetzt nach, ob die Leiche nicht agnosziert werden könnte. Eine Vermutung geht auch oahin, daß es sich um den Leichnam der polnischen Studentin Lola Hirsch bandelt, die im Jahre 1928 von einer Reise in die Tatra nicht zurückgekehrt ist. Safto fliegt weiter. New Hort, 13. Juli. Nach einem Funkspruch au- Eartwright auf Labrador waren um 22 Uhr 20 Minuten alle 24 Flugzeuge des italienischen Geschwaders auf das Wasser niedergegangen. Die einzelnen Flugzeuge gingen in Abständen von 10 bis 40 Minuten nieder. Die Flugzeuge kreisten eine Weile über der Stadt und dem Hofen, worauf sie sich glatt auf dem Wasser niederlietzen. D:c Flugstrecke von 1500 Meilen wurde in etwa 12 Stunden absolviert. London, 18. Juli. Da» Flugzeugaeschwa« der Baldo» ist um 14 Uhr 28 Mm. von E art» Wright(Labrador) in Richtung Shediae(N e u. braunschwrig) gestartet. Sbediac, 18. Juli.(Reuters Sämtliche 24 itakieuischen Wasserflugzeuge find in der Bucht von Shediae getanoet. Ai» erste- ging da» Flugzeug mit General Balbo nieder, diesem folgten die übrigen Wasserflugzeuge in Gruppen zu je dreien. Artmkrelch und die Lorbeeren Balbo» Pari-, 13. Juli. Das Luftfahrtministerium teilt mit, datz gegen Ende des Jahres 25_ französische Flugzeuge einen grotzen Rundslug über den französischen Besitzungen in Afrika unternehmen werden. Mattern»-elfer. Chabarowsk, 13. Juli. Lewanowskij, der den amerikanischen Flieger Mattern nach Alaska bringen soll, erklärte, er werde Anadyr, wo Mattern nun weilt, tvahrlcheinlich Freitag erreichen. Ich nehme an, datz ich am 14. Jul, in den späten Abendstunden in Anadyr cintreffen werde, erklärte er, um Mattern meine Dienste anbieten zu können. Ich werde ihn, seine sämtlichen Instrumente und auch die Vorräte mitnehmen. Ich hoffe, daß ich den Flug von Anadyr nach Nome in Alaska in 24 Stunden absolvieren werde. Todesstrafe gegen Entführer beantragt. Washington, 13. Juli. Der Vorsitzende des Rechtsausschusses des Senats Senator A s h u r st unterbreitete Mittwoch im Senat eine dringende Dorloge, derzufolge die Entsührer von Personen zum Tode verurteilt werden sollen. Dieses Gesetz soll eine wirksame Waffe in den Händen der Behörden gegen Entführer sein, die in den Vereinigten Staaten in letzter Zeit stark überhandnehmen. Diese- Gesetz soll auch die erste Phase einer energischen- und allgemeinen Aktion gegen die verbrecherische Unterwelt bedeuten. Der demokratische Senator Copeland, Vorsitzender de- Aus- Dr. Otto Schulze nach de« undurchforschten Gebieten des Amazonenstromes aufgebrocheu. Rach, dem die Wanderer dm Distrikt von Bastaza erreicht hatten, wurden sie von Indianern gefangen genommen. Dr. Schulze wurde getötet, Huth dagegen nach langer Gesängen, schäft von Angehörigen eine- anderen Indianerstamme- gerettet. fchusscs für Bekämpfung des Verbrechertum-, wird sich nach New?)ork begeben, um an Ort und Stelle die Verhältnisse zu untersuchen, worauf er sich nach Chicago begibt. Edgar Hoover, der Vorsitzende der Fahndungsabtrilung im Justiz- mincstcrium, teilte mit, er habe eine eingehende Untersuchung vor allem in zwei Fällen angeordnet, u. zw. im Falle der Entführung O'C on- u e k l S, der in der Stadt Akbany entführt wurde, und im Falle F o c t o r, der aus seiner Wohnung in Chicago verschwand. Chicago, 13. Juli.(Reuter.) Der bekannte Millionär Jakob Factor, der unlängst entsühnt wurde, fand sich heute bei der Polizei ein und teilte mit, datz ihn die Entführer wieder freigelassen hätten. Er lehnte aber jede Mitteilung darüber ab, ob er da- geforderte Wscgcld bezahlt habe... Neue Regengüsse im Ueberfchwemmungsgebiet. Ungvar, 13. Juli, Nach reichlichen Regengüssen führen seit gestern und heute früh die karpathorussischcn Flüsse wiederum Hochwasser. So stieg die Latorica vor MukaLevo um 210 Zentimeter, in MukaLevo um 50 Zentimeter. Tie Theiß ist in Bylok wiederum von 135 auf 210 Zentimeter gestiegen. Im Bezirke Berchovo wütete ein Wolkenbruch, der in den Weingärten großen Schade» anrichtcte und zu Ueberschwcm« niungen in den Gemeinden MoLil, Muiijov, Kvasov und Orcslov führte. Ein Teil der letzteren Gemeinde wurde unter Wasser gesetzt, so daß Militärabtcilungen angcfordert wurden. In Kvasov stürzten zwei Wohngebäude ein. Die nach Ungarn führende Brücke konnte soweit wieder hcrgestellt werden, daß Nahrungsmittel sür die leidende Bevölkerung herangcschafft werden können. * Das Ministerium des Innern hat sür die durch dos Hochwasser betroffene Bevölkerung Karpothoruß. tands öffentliche Sammlungen bewilligt. Geldspenden wollen an taS Londesamt in Ungvar auf dosScheck- kanto ter Postsparkasse Nr. 37.782-55 mit der Bezeichnung„Hilfsaktion sür die durch das Hochwasser betroffene Bevölkerung" gesandt werden. Spenden in Naturalien(Kleider, Lebensmittel usw.) wollen unter der gleichen Bezeichnung an die Direktion der Division des Tschechoslowakischen Roten Kreuze» in MunkaSevo, Komenskäho ul. 72, geleitet werden. Und was ist mit Nürnberg? Das Tsch. P. B. verbreitet folgende Meldung: Prag, 18. Juli. Die deutsche Gesandt- s ch a s t in Prag teilt mit, datz die in einigen Blättern verbreiteten Nachrichten über eine Ausreisesperre auS Deutschland nach der Tschechoslowakei, nach Auskunst der zuständigen Berliner Stellen, nicht den Tatsachen entsprechen und frei erfunden sind. So! Und was ist mit Nürnberg? Wir berichteten— nach der„Arbeiter-Zeitung"—, daß das Paßamt in Nürnberg angewiesen wurde, Ausreisebewilligungen in die Tschechoslowakei zu verweigern und daß dort Hunderte Ansuchende abgewiesen wurden. Ist dadurch das Dementi der Prager deutschen Gesandt- schast auS der Welt geschafft?! Das Theitzhochwasser erreicht die ungarische Tiefebene. Budapest, 13. Juli.(MTJ.) Die lieber. fchweinmunaSgefahr nimmt, wie aus MiSkolz gemeldet wird, im Komitat B o r s o d stündlich zu, weil die großen Wassermassen, welche am Oberlauf der Theiß in Karpathorußland schwere Verwüstungen verursacht haben, erst jetzt do« ungarische Gebiet erreicht haben. Unterhalb von Tokay, von der Einmündung des ebenfalls stark angeschwollenen Bodrog-Flusses bis Bodroa- Alia ist das Wasser aus den Ufern getreten, so daß mehrere Tausend Joch Felder unter Wasser stehen. Die Fluten bringen Men- schenleichcn und Kadaver sowie Hausgcgen stände mit sich. Bei Tisza- Keszi stehen 1500 Katastraljoch unter Wasser. Hier wurde eine Frauenleiche aufgcsischt. An den gefährdeten Stellen wird fieberhaft gearbeitet, Schutzmannschasten werden mit Lastautomobilen an Ort und Stelle gebracht. Die Schutzarbeiten werden durch starke Regenfälle sehr erschwert. Auch im Komitate Szabolcs stieg das Wasser der Theiß und hat an einigen Stellen einen Wasscrstand von 7 Metern erreicht. Im Jnundationsschutzgcbict wurde die Ernte auf 8000 Katastraljoch vernichtet. Am unteren Laufe der Theiß bei Szeged hat sich der Wasserstand seit gestern um 21 Zentimeter erhöht. Infolge des hohen WasserstandcS mutzte der Schiffsverkehr auf der Theiß zwischen Szeged uno Szolnog eingestellt werden. Drei Todesopfer der Berge. Rom, 13. Juli. Die bekannten Alpinisten, die Studenten C r c st i e r und O l l i e t t i, die mit einem F ü h r er die Besteigung des Cervino in der Mont Blanc- Gruppe unternahmen, stürzten während des Abstiege- 800 Meter ab. Alle drei waren auf der Stelle tot. Bitte, der nächste Herr... Auf der Durchreife nach Brüssel hat Professor Piecard in Pari- dem„Quotidien" erklärt, er habe in Amerika sehr interessante Beobachtungen gemacht. Er plane keinen neuenAufstieg in die Stratosphäre, sondern werde seinen Ballon seinem M i t a r b e i t e r zur Verfügung stellen, der seine Arbeit sortsetzen solle. auiiiiiiuininiiiiiiiiiiuuiiiiiiniuiiiiniininiiiiiiunniiiiiiiiiuiiuiiiiniiiiiiiiuniiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiuiiHiniiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiuiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiitnD Polnische Dörfer rebellieren. Wirkungen der Internationalen Agrar-Krise. Aü- Warschau wird gemeldet: In einer ganzen Reihe von Dörfern Galizien- hat eS in den letzte» beiden Wochen schwere, blutige Unruhen gegeben. Die amtlichen polnischen Berichte haben nach und nach z w a n» zigTote und mehrals hundert Ber- letzte zugegeben. Nach genaueren Darstellungen, die in Polen der Zensur verfielen, scheint die Zahl der Opfer noch wesentlich höher zu sein. Die Gegend, in der sich diese Vorgänge abspielten, ist rein polnisch vesiedelt. Die Spannung.zwischen Polen und Ukrainern, die in den letzten Jahren mehrfach zu blutigen Ausbrüchen führte, hat also mit den jetzigen Unruhen nichts zu tun. Die amtlichen Polizeiberichte führen die Revolte der Landbevölkerung gegen Steuereinnehmer, Gut-förster und Polizei, mit der die Kämpfe diesmal begannen, auf die Agitation der illegalen k ommunistischen Partei und der oppositionellen demokratischen Bauernbewegung zurück. Aber diese lakonischen Darstellungen deuten mit keinem Worte an, warum eine solche Agitation hier solche Wirkung tun kann!«. Die furchtbare Not der osteuropäischen Bauernbevölkerung ist ein allzu gefährliche- Thema, als datz die Erörterung darüber von der Regierung des Marschalls Pilsudski freigegebcn werden könnte. Die westlichen Bezirke des ehemaligen österreichischen Kronlande- Galizien sind alter revolutionärer Boden. Noch lebt in der Erinnerung de- polnischen Adels der Schrecken vor mehr als einem Bauernaufstand fort, der dort in vergangenen Jahrhunderten getobt hat. Nirgends m Polen ist der Gegensatz zwischen Groß» und Kleinbesitz auf dem Londe so schroff. Die Dauernfamilien sind kinderreich, da- Erbrecht sieht die freie Teilbarkeit de- Boden- vor. Die Folge ist, daß neben den Riesengütern der Magnaten immer mehr kleine und kleinste Zwergbetriebe unter fünf Hektar, ja vielfach unter zwei Hektar vorhanden sind. Mittlere Besitzgrößen fehlen dagegen in Galizien fast ganz. Der galizische Bauer hat in dem halben Jahrhundert vor dem Weltkrieg unter österreichischer Herrschaft doch etwa- wie die Ansänge einer demokratischen Entwicklung kennen gelernt. Er war immerhin an eine gewisse Rechtsordnung gewöhnt, die ihm ein Gefühl von Menschenwürde und den Willen zur Mitbestimmung de- eigenen Schicksals gab. So empfindet er eS als eine Herausforderung, daß jetzt derselbe Staat, der ihn in der Agrarkrise dem Schicksal schlimmster Verelendung überläßt, trotzdem noch schwere Anforderungen an ihn stellt und ihm sogar in der Borerntezcit, da Kisten und Scheunen leer sind, den Steuereinnehmer in die Hütte schickt. Man muß sich dabei vorstellen, wie e- kn dieser Hütte aussieht. Die Preise für seine Produkte,-le der polnische Bauer in den letzten Jahren erhält, sind so niedrig, daß die Betriebswissenschaftler den durchschnittlichen Ertrag seiner Arbeit nur noch nach Ziffern bemessen, für die man in den Städten de- Landes so gut wie gar nichts kaufen kann. Wäre die strohgedeckte Hütte nicht sein Eigentum, hätte der Bauer nicht etwas Kraut und Kartoffeln eigenen Anbaus, er müßte mit seinen Angehörigen schor» längst zugrunde gegangen fein. WaS Bargeld kostet, ist fstr das polnische Dorf im allgemeinen unerschwinglich geworden. Statt Petroleumlampen brennt man Widder Kienfackeln, statt Kochsalz braucht man Viehsalz, selbst Zündhölzer sind ans dem flachen Londe kaum mehr abzusetzen. Das ländliche GeiwssenschaftSwcsen, zeitweise schon intensiv auSgebaut, liegt heute hilflos dar- ^nieder.!Jst es unter solchen'Umständen ein Wunder, daß die illegale Agitation der Kommunisten unter der verzweifelten und deSorgani- fiertcn Kleinbauernschaft hier und da Fuß faßt? Die angeblichen„revolutionären Aktionen", die die Kommunisten dann örtlich Hervorrufen, bringen ihren Anhängern gewiß auch keine Besserung der Verhältnisse. Sie führen zu polizeilichen uno militärischen Gegenaktionen, blutiger Unlerdrük- kung^der VerzweiflungSausbrüche und neuem Versinken der Bauernschaft in völlige politische Teilnahmslosigkeit. Als Symptom für die furchtbare Spannung in den osteuropäischen Agrarländern aber sollten diese Unruhen nicht übersehen werden. WWWWWMWWWWWNW!MV»iNMNM!!»N»»DWN!N»»V!NWWUWWWWMWMWWWWWMWMMWWWWMMWMW Kurze Leichenrede. Zu MofseS Zusammenbruch. Sie waren demokratisch, trugen breit« Hüte, Da» Feuilleton war forsch und liberal, Und die Gesinnung, von erprobter Güte, War fortschrittlich mit sehr viel Kapital— Sie träumten nacht» von alten Barrikaden. Doch war da» wohl so 90 Jahre her. Der Handelsteil litt darum keinen Schaden, Er hatte die Komplexe längst nicht mehr'. Dann kam brr März— die Tapferen„erwachten", Sie drehten bei um etwa 80 Grad, Und während sie an die Geschäfte dachten. Sprach man von„Umbruch" und von„neuer Saat". Run müssen sie die braunen Segel streichen, Verächtlich sehen wir da» Wrack uns an, Dir Welt ersieht au» diesen Mosse-Leichen, Daß auch Berrat sich gründlich Irren kann! Utz. Ziehung der Klaffenlotterle vom 18. Juli. 138.000 X: 71.256. 20.000 X: 80.862. 10.008 X: 17.174, 69.491. 5.000 X: 21.495, 22.505, 35.455, 36.217, 37.158, 64.054, 73.286. 2.000 X: 1.648, 6,127, 12.550, 15.572, 17.838, 86.355, 41.558, 52.817, 66.558, 68.681, 68.772, 75.276, 76.689, 81.604, 94.431, 97.923. 720 X: 503, 1.421, 4.951, 7.048, 7.623, 8-673, 9.822, 9.923, 10.787, 12.116, 12.481, 13.476, 14.751, 17.289, 19.242, 19.246, 25.210, 26.295, 27-170, 28.877, 80.094, 30.267, 32.105, 32.144, 32.879, 34.218, 36.418, 41.859, 42.404, 42.934, 43.411, 43 054, 44.085, 44.351, 51.494, 53.945, 56.568, 57.371, 59.605, 61.948, 61.526, 64.893, 65.047, 67.525, 71.857, 78.846, 76445, 77.216, 77.824, 78.218, 78223, 79.671, 79.727, 81.041, 81,227, 83.462, 84.095, 85.655, 85.690, 85.722, 85.880, 92.866, 92.884, 94.408, 97.545, 97 782, 97.835, 98.058, 99.101, 101.562, 101.821, 102.246, 103.941, 104.855. — Je ein Viertel des 130.00v-Xvelt ganz natürlich und logisch zu." „Dann, lieber Herr Hanusse», möchte ich Sie bitten, niir zu sagen: wie leben die sechzig Millionen Deutschen so— in 1934? Ich notiere!" (Der Geist schwebt in die Tiefe, aber seine Stinime hör ich klar und deutlich):„Wie ich eben sehe, sind's ihrer nicht mehr so viel. Was der nationale Gebärwille der deutschen Jungfrauen erzielt, macht die ebenso eifrige AwangS-Sterilisierung an Millionen Minderwertigen reichlich wett. Die 00.000 Juden sind nach und nach sanft verhungert. Bier Millionen Marxisten sind mit der Zeit„auf ter Flucht' erschossen worden. Etwa drei Millionen Kriegs- und Friedenskvüppel, alle.Tuberkulosen, Blinde und Taubstumme haben in vorbildlichem deutschen Heroismus den ihnen von Dr. Mann empfohlen Freitod mittels Narkose gewählt, um den „Lebenstüchtigen" nicht im Wege zu stehen" „Ja, ist da» nicht eigentlich gegen die Moral?!' „ Nein. Auch die Moral ist ein rela tiver Begriff. Wo's kein objektive» Recht gibt kann'» auch keine objektive Moral geben."- „Und wa» sagen die. Delegierten des Völkerbundes dazu?" „ Nichts Vormittags konferieren sie, den Kanal. A tempo stimmt die der deutschen Luftflotte dos„Horst- Die Wirkung ist eine unerwartete: den rauhen Germanenkehlen bringt den dicken Rebel In einem sürchterlichen Platzregen zur Entladung! Die enormen Wasserntengen zerschmettern die Tragflächen der Flugzeuge, die auf die untern stürzen, sie mit sich in die Tiefe reißend. DaS grauenvolle Getöse der niederprasselieden Wassermengen verhindert jede Berständlguitg, und in einer knappen halben Stunde liegt Deutschlands Zukunft wieder mal„auf dem Wasser"!— Im Westen: TaS gesamte französische Bombengeschwader hat im Rücken des Stahlhelms eine GiftgaSwand errichtet, die den Stahlhelm zwingt, gegen die Zementmauern des Festungsgürtels anzurennen, wobei der Stahlhelm vollständig zerbeult wird!— Im Osten: SS. und SA. haben sich wie wütende Bulldoggen derart in die zahlreiche» Ostjuden verbissen, daß sie sich lieber mit Knüppeln totschlagen, als die ersehnte Beute fahren lassen!— Süden: Die loyalsten tschechoslowakischen Bürger wie Jung, Knirsch, Kost.'a, Schollich und viele andere haben es endlich bei der, vor den äußersten Mitteln immer noch zurückschreckenden Prager Regierung, durchgesetzt, aus eigene Faust eine Bartholomäusnacht'inszenieren zu dürfen, der die Reichswehr zum Opfer fällt! Ich sehe Frendenfener auf den sudetendeutfchen Bergen auflohen!— Die Frauenbataillone sehen sich dem Anbl'ck der feschen Tetttschmeister-Uirisormen machtlos gegenüber, stecken ihre Taschentüchter aus ihre Bajonette, und werfen sich dem Feind in die Arme! 1938: Ich sehe ein Schriftstück aus dent Ver- handlnngstisch in Potsdam liegen:„Ende des Bierjahrplans." Sotveit Ich losen kann, verliert Deutschland: Rheinland, Saargobiet, Baden. Dann: Ost- und Westpreußen, ganz Oberschlesien. Dann: Schlesien, wendische Lausitz und Havelland" „DaS ist ja schrecklich! Ein armes Land so zu beschneiden!' „ Ja, lieber Unit», Juda hat eben ge siegt, und rächt sich auf feine Weise!" „Uird die Führer?" „ Geduld, ich muß umblättern: Die Feinde lassen Milde walten: Die Führer, von den medizinischen Sachverständigen al» unheilbar geiste-- kraick erklärt, werden zeitlebens in dein riesigen Reichs- Irren- Konzentrationslager interniert; Hitler wird als Blinder betrachtet, und stirbt also den Tod in der Narkose. Sein Schädel muß aber im Moment-es Tode- geöffnet, und da» Gehirn sofort seziert werden, da die Menschheit ein Interesse daran hat, zu erfahren, wie daS Hirn eines Mannes beschaffen ist, das ein ganze- Bolt zugrunde richten konnte.— Haden Sie alles notiert? — Ich schwebe setzt zum Stadion, wo diese humane Hinrichtung In Gegenwart sämtlicher Mediziner und Stunde nicht gchen, würde mit dem Rucksack unnötig auffallen. Zurück zunt Bahnhof. Der Lokalbahnzug ist faft keer. Ich kenne beinahe jede Wendung der Eisenbcch»strecke. Jetzt, wenn die Bimmelbahn um die Hügel herum ist, muß der Blick aus das Gebirge kommen. Nein» die Gipfel sind von Wolken eingehüllt. Aber das ntacht nichts, eS ist ja angenehmes, kühle» Wanderwetter. Kurz vor der Endstation fängt es leise an ztt regne« und bei der Ankunft des Zuges in dem kleinen Ort am Fuße der Berge gießt eS in Strömen. Das ist unangenehm: Grenzbeamten oder SA.-Leuten, die mir auf dem Wege begegnen könnten, wird es Ich zitiere den Geist Hanussens. Amts. „ES muß aber doch bald Krieg geben?" „ Sofort, bitte! Ich muh etwas schweben.— Jetzt seh ich ihn: 1985. Die deutsche Sturnnvelle überschwemmt die Grenzen. Bitte notieren Sie: SS. steht im Korridor, In Wilna, in Posen. Pom ehemaligen Kaiserschloß weht die Fahne mit dem siegreichen Hakenkreuz.— SA. besetzt Warschau, Lodz, Kattvwitz. Die Reichswehr hat dal gesamte sudeiendeutsche Gebiet befehl, und fühlt sich dort wie zu Hause.— Walküren Regimenter stehen in Tirol und Vorarlberg— anscheinend genügend kür die schlappen Oesterreicher. Der Stahlhelm,«ine Mauer von Stahl, steht vor dem französischen Festungsgürtel, dieser Mauer von Zement.— Tie DPFF.(Deutsche Postslugzeugflotte), angeführt von Goering- tteuerbauten- PAFZ.(Polizewbwehrsfug- zeugen), schwebt über dem Kanal, bpmbeubereit, die englische Flotte zu versenken. Einen Moment— ich muß etwa- tiefer herunter— also bitte, notieren Sie weiter: England schickt seinen dicksten Novembernebel in' MM ganze Besatzung Wessel-Lied" an. Der Schall aus nicht sehr einleuchtend erscheinen, wenn ich ihnen auf Fragen erwidere, daß ich einen Ausflug ins Gebirge mache. Außerdem habe ich in der einen Schuhsohle«in Loch und ob der Regenmantel dicht halten wird, ist auch nicht sicher. DaS Postauto fährt zwar auch bis zur Grenze, aber grade das will ich ja vermeiden, eS fährt an mir vorbei. In dem kleinen Dorf begegnet man bei die- em Wetter kaum einem Menschen. Der Fußweg biegt von der Dorfstraße ab, geht am Bach entlang. Wenn ich nur schon im Walde wäre, da ist man etwa» geschützter vor dem Regen. Grade vor einem Fahre bin ich auch hier gewesen. Ich kam vom Urlaub zurück und ging über das Gebirge. Dort auf der Nasenbank habe ich damals gesessen. Es Ivar ein strahlender Sommertag. Weiter. An ein paar Häusern vorbei. Endlich komme ich zum Walde, aber der Weg ist zunächst noch so breit, daß die Bäume keinen Schuh vor dem Regen bieten. Drei Waldarbeiter kommen mir entgegen. Ein kurzer Gruß. Vorbei.— Immer sieht man vor sich nieder auf den Weg, um allzu nasse Stellen möglichst zu vermeiden. Jetzt hebe ich doch den Blick: die Höch- sten Bergkuppen sind einen Augenblick in jagen- Flucht in die Freiheit. In dem nachstehenden Artikel de» deut schen Genossen n” sind ans Rücksicht aus die Geheime Staatspolizei des„Dritten Reiches" einige Aettderungen von un» vor genommen worden. Redaktion. Es hat doch nicht lauter an der WohnungS- tür geklingelt als sonst, aber meine Wirtin, die durch die ständigen Aufregungen ganz nevvö» ist — erst vor wenigen Tagen haben sie einen nahen Verwandten von ihr schuldlos vier Tage lang im Geheimen StaatSvolizeiamt festgehalten— an geblich war eS ein„Mißverständnis"—, geht ängstlich an die Tür und steht vorsichtig durch das Guckloch, ehe sie öffnet. Offenbar erleichtert, denn eS ist mein ihr gut bekannter Freund. Erst wie wir tm Zimmer sind, fällt mir auf, daß er bleich und aufgeregt ist. Vorsichtig schließt er das Fenster und die Balkontür:„Eben habe ich crsahren, daß von der SA. wiederholt nach dir gefragt worden ist. Du mußt sofort weg. Packst die notwendigsten Sachen, kommst mit zu mir, abend» fährst du weg." E» ist so iveit. Wie oft in den letzten Mo naten hat man es sich auSgemalt und hat doch immer noch gehofft und nicht dran alauben, hat den Entschluß, alle Brücken hinter sich abzubre chen, hinausschieben wollen. Wir nehmen eine kleine-Handtasche, unten hinein den Rucksack, dann die allernotweitdigste Wäsche, ein paar Lebens mittel. Sportanzug wird angezogen. Reisefertig. Ehe eS wirklich loSgeht wird noch einmal jeder Schrank, jede» Fach schnell gemeinsam durch gesehen. Zwar: alle Papiere und Bücher, die „Anstoß" erregen könnten, sind seit langetit ver nichtet oder in Sicherheit gebracht. Alle Briefe, die nicht unbedingt aufgehoben werden müssen, sind schon vor Monaten auSgesondert und ver nichtet tvorden. Kein ankommender Bries wurde mehr ausgehoben, kein Schreibmaschinen-Durch- schlag angefertigt. Wir bei»rechen schnell und halblaut, waS mit den einzelnen Zurückbleiben- den Sachen geschehen soll, was nachgeschickt wer den ioll, wenn sich eine Gelegenheit dazu bietet, wohin die anderen Sachen gebracht werden können. Wir verabschieden tut» von meiner guten Wirtin:„Ich muß wieder mal ein paar Tage wo anders schlafen, werde durch Freunde Nachricht geben, mich vielleicht auch mal sehen lassen. Wenn es geht." Ich glaube, die alte Frau ahnt dock), was wirklich los ist, als ich ihr die Hand drücke. Fast fünf Jahre habe ich. bei ihr nicht nur ge- wohnt, sondern wirklich gelebt, in gegenseitigem Vertrauen und Helsen. Da lernt man sich ken nen, attch ohne alles zu sagen. Die Treppe hinunter. Mein Freund sieht durch die HanStürsenster: niemand Verdächtig.'- in der Nähs. Straßentnibek. Er mit dem.Kof fer llnksrum: ich rechtsrum.Zn ber Nähe an einer verabredete» Stelle-treffen'wir»nS wieder. „Von Freund St. muß ich mich aber persön lich verabschieden."—„Das ist doch nicht nötig. ES dauert mit Fahrzeit fast drei Stunden. Du sollst jetzt nicht unnötig auf der Straße gesehen werden. Kannst dich brieflich verabschieden."— „Nein, ich will doch." Schließlich einigen wir »nS. Mein Freund fährt utit den Sachen zu sich noch Haute. Ich steige in die Vorortbahn. Tie Abteile sind voll Menschen, die nach Arbeite- fchluß in ihre Siedlungen zurücksohren. Ter kleine Vorort, halb Billenstraßen, halb dörflich, ist ganz still. Ich gehe durch die grünen Stra- ßen btS zu dem kleinen HauS im Garten. Nie mand öffnet auf mein Klingeln. Die Fenster sind alle fest geschloffen. Ter feine Äelehrtenkopf mit den weißen Haaren und den gütigen Augen erscheint nicht am Fenster. Ich klingle nochmals, heftiger, höre das Klingeln von der hinten liegen den HauStür bis vorn anS Gartentor. Nichts, Ich laufe durch die Straßen. Komme nochmals zurück. Klingle: wieder nichts. Die Zeit drängt. Ich muß zurück zur Stadt. Lieber, verehrter Freund, wann sehen wir uns wieder? Ich komme in die Wohnung nteineS Freun des. Mit ihm zusammen sind die wenigen Sacken schnell im Rucksack verpackt. Spät abends fahren wir zum Bahnhof. Das Auto fährt am Partei- hauS vorbei. Tie Tore sind geschlossen. Polizei. posten mit Karabinern bewachen die Eingänge. Wir selten uns an, drücken uns die Hände. Dann werden wir wieder hineinkommen? Auf dem Bahnsteig Abreisetrubel. Wenige Worte zum Abschied. Der Zug fährt aus der Bahnhofshalle. Er ist stark beseht. Sämtliche Mitreisenden im Abteil tragen daS nationalsozia listische Parteiabzeichen oder lesen mindestens eine nationalsozialistische Zeitung. DaS darf nscht stören. Vielleicht ist man dadurch sogar sicherer vor unliebsamen„Kontrollen". Nach und nach werden meine Mitreisenden müde, hüllen sich in die Mantel, einer verdunkelt die Abteil lampe. Schließlich Blasen sie alle. Ich drücke mich in meine Ecke. Schlafen kann ich nicht. Die Gedanken jagen. Di« letzten Tage in der großen Stadt. Ständige Unsicher heit über di« weitere politische Entwicklung. Ständige Nervenanspannung, ständiges Aufpas- ien auf Plötzlich eintretende Gefahren. Ein Paar Besuche bei Parteigenossen... ' Frühmorgens bin ich in der kleinen Kreis stadt, die meine Geburtsstadt ist. Ich gehe durch di« wohlbekannten Straßen. Menschen kenn« ich hier kaum mehr.- Ich komme an dem Haus« vor bei, in dem ich geboren und ausgewachsen bin, es ist umgebaut, kaum wiederzuerkennen. Auf der andern Seite der Straße ist daS Hauptquartier der Nationalsozialisten— als Kind bin ich mit meinen Eljern ost in dem /Haufe gewesen. Die Eltern schlafen schon lange aus dem Friedhof vor der Stadt, ober dorthin kann tch zu so früher I und abends spielen sie Billard/ Psychiater der Kulturstaate« stattfindet.— Stadion: Bombenvoll! Kein leeres Plätzchen zu sehen. Auf der Plattform, wo sonst geboxt und gerungen wird, der Operationstisch, auf dem der Osaf, mit bereit- rasiertem Kopf, liegt. Ich sehe den Eheschlrurgen» umringt von seilten Assistenten, eine elektrisch: Kreissäge ansetzen mir wird ganz schivach— lassen Sie mir ein Gläschen Sherry übrig. Ich bin gleich oben! Jetzt hobt der Chirurg sorgfältig die Schädeldecke ab, sieht entsetzt in die verbliebene Kopfhälfte— die Assistenten sind bestürzt, zurück- gewichen— dann hobt er das Schädeldach, der Menge sichtbar, hoch, und rüst erregt in den von Scheinwerfern grell beleuchteten Raum: „Der Schädel ist leer!!!" Ein Herr in weißem Wufchellops, anscheinend E i u st e i u, nähert sich dem Chirurgen, Hopf! ihm auf di« Schulter, und In der Totenstille, die an! die Entdeckung gefolgt ist, höre ich seine Worte: „Lieber Professor, das hätte ich Ihnen schon im voraus sagen könne»!" Freudenthal. Zeitgemäße Erinnerungen. Es war am 4. Mai 1873, al- sich einige mutige und aufrechte Männer zusammensandeu, um den Grundstein für unsere heutige Partei- organisation in Freudenthal zu legen. So wurde mitten in einer Umgebung, die aus alle», was foziakdemokratifch tvar, Gift und Gatte spie, an diesem Tage die Gründungsversammlung des Fachveretnes für Manufaktur-, Fabriks- und Handarbeiter abgehalten. Der damalige Ouette- Saal>var mehr als überfüllt, denn zum erstenmal sollte in Freudenthal in einer öffentlichen Versammlung über die Lage der Arbeiterklasse gesprochen werden. Groß waren die Aufgaben und schier unüberwindlich die Hindernisse, die sich der jungen Organisation in den Weg stellten. Vor allem hatten di« Unternehmer die Größe der Gefahr der Arbeiterorganisation erkannt und eine getvaktige Gegenagitation in» Leben gerufen. Wo Spott und Hohn nicht auireichten, da war es die rohe Gewalt und die Rücksichtslosigkeit, womit die tapferen Bekenner des Sozialismus um ihre Existenz gebracht wurden. Biele der damaligen Vertrauensmänner wurden brotlos gemacht, aus den Wohnungen geworfen und damit ein Großteil Anhänger in ungeheure Furcht versetzt. Trotzdem wurde fleißig agitiert, Versammlungen abgehalten und die damaligen Pariei- blätter unter den Anhängern verlaust. Im Jahre 1878 wurde eine Aroeiterkranken- und In valide nkassa geschaffen und al» im Jahre 1890 die Bezirkskrauke nkassa gegründet wurde, war die Mehr^thl der Arbeiter bereit» im eigenen Institute versichert. Dann kam die Periode der Spaltung und der Verfolgung durch die österreichischen Regierungsstellen. Auch in Freudenthal machte eine große Anzahl von Vertrauensmännern die Bekanntschaft mit dem Gefängnis. Auch diese Periode wurde überwunden und als die Parole der Internationale, den 1. Mai zu feiern, herauskam, war großer Jubel auch in Freudenthal und der erste l. Mai wurde im großen Quelle-Saal würdig begangen. Mit der Jahrhundertwende beginnt der Aufschwung der Arbeiterbewegung in allen ihren Teilen: Gründung des Atbeiterradsahrervereines, des Turnvereines, de» GelelligkeitSvercineS, des Vereines Arbeiterheim. der Union der Textilarbeiter und auch des sozialdemokratischen Wahlvereins„Vorwärts". Auch die Frauen- organisation kann auf ihr 25jährigeS Bestehen zurückblicken. Nach verschiedenen Gewerk- fchastSkampsen und den herrlich geführten Wahl- rechtSdemonstratiouen erzielte d!« Bewegung schöne Erfolge bei den ReichSrat- und Gemeindewahlen. Dann kam der furchtbare Weltkrieg, der gewaltige Spuren auch in unserem Vereinsleben zurückgelassen hat. Aber seit dem Jahre 1919 witrde viel nachgeholt und eS kam die Zeit schöner politischer, gewerkschaftlicher nnd genossenschaftlicher Erfolge. Die Arbeiter schlossen sich nun in ihren Fachorganisationen zusammen, die politische Partes erfuhr einen gewaltigen Aufschwung, auch die Genossenschaft hat alle Krisen glänzend überstanden. Die Kindersreunde, die Freidenker, die sozialistische Jugend, die Naturfreunde schufen sich ihre Organisationsstellen, auch der Arbeiter-Fußball-Klub trat ins öffentliche Leben. Alles in allem nicht nur ein herrlicher Kranz von Organisationsstellen, sondern auch eine große Anzahl treuer und überzeugter Vertrauensmänner, welche alle ihre Aufgaben nach» besten Kräften erfüllen. AnS dieser großen Zahl müsse» wir zwei Männer heranSgreifen und besonders erwähnen, weil sie seit den sechzig Jahren aktive Kämpfer in unserer Bewegung sind und am heutigen Tage mit unS zurückblicken können aus die geleistete Arbeit. Genosse AloiS Scharno we ll anS Freudenthal und Genosse AloiS Jahn aus Wockondorf stehen seit der Gründung, also seit sechzig Jahren, in der Bewegung und haben jederzeft ihre ganzen Kräfte restlos in den Dienst der Arbeiterklasse gestellt. Beide» Jubilaren sagen wir Dank für ihre Arbeit und geben ihnen die Versicherung, ihr Werk weiter zu betreuen. Di« Arbeiterschaft von Freudenthal feiert dieses sechzigjlkyrige Jubiläum am 15. und 16. Juli l. I. und veranstaltet einen Arbejtertag mit Gautresfen der Textilarbeiter. ES wird ein würdiger Festtag der schlesischen Arbeiterschaft werden! «Seite 6 Nr. IBS. Freita-, 14. Juki 1988. PRAGER ZEITUNG Der Film Geridtfssaal Wo verkehren vir? Vereinsnadiriditen am Ta-rn der Gültigkeit der Zonntag- kann der Naturfreunde-Tourist die der Schweiz ge» Juni zur Durch. Wetters mußten aus den 2. Juli war überall sehr die- Tat Beweg- rb. Verbreitet die Arbeitern«!!« lung M* Btamifliipir* trfolgl«UI vei Siiitntunt' en a) Für alle Reisenden: Rückfahrkarten vom Wilsonbahn- hos nach Weinberge, Bysehrad, Smichov, Zlichov kosten einheitlich 2 X. Rückfahrkarten voni Wilson bahn-, hos nach Weinberge, Ruslc, KrS, Branik ebenfalls 2 K; doch werden hier auch E i n z c l k a r I c» zu 1 K ausgegebe». Neue ermäßigte Rückfahrkarten nach Hostiviee t X,»ach Jenes 5 K, nach Unho81 6 X, nach Kladno 10 X, nach LedcK über LerSan oder Svötla 48 X, nach t) elakoviee 8 X. Kinder zahle« die Hälfte dieser Fahrpreise. Ermäßigte Fahrkarten(ohne Zwang zur Rückfahrt, aber ebenso ermäßigt zurück) werden für die Stationen an der Strecke bis Jilove und D o b t i 8 ausgegeben.— Näheres durch die Bahn« hofpkakate. bl Für freund e": Rn den rllckfahrkart« ermöhigte Einzrlkart« bis Montag mittag-, bzw. den letzten Tag der Gültigkeit der Rückfahrkarten lösen, nach allen Richtungen und auch für den Schnellzug. Ortsgruppe Prag. Treffpunkt Sonntag, den 16. Juli: 7 Uhr srüh, Endstation Podbaba. Führung: Win- ternitz. Wieder ein Spitzel aus dem Dritten Aeiry verhaftet. Am Dienstag, den 11. d. erschien in einer der Prager Flüchtlingsfürsorgestellen ein älterer Mann und meldete sich als Emigrant an. Ans Befragung erklärte er, er sei der frühere Leiter der Fälscherzentrale am Polizeipräsidium Leipzig, Kriminalkmtnuissär R c u v e l. Bor zwei Jahren sei er pensioniert worden und sei seit der Zeit in Berlin Inhaber einer Detektei. Wie bei allen Spitzeln üblich, siel er durch eine gewisse, Neugierde auf. Nähere Erkundigungen ergaben, daß R c u v c l mit jenen» Kriminal- kommissär Rubel identisch ist, der im Jahre 1928 überführt und mit einer längeren Zuchthausstrafe bestraft tvurde, weil er mit einer internationale»» Ba»»de vor» Taschendieben zusammen gearbeitet hat. Die hiesige Polizei hat diesen ehemaligen Kriininalkoinmissär am Donnerstag, den 13. in Gewahrsam genommen. Die soziale Indikation. DaS fünft« Kind. Prag, 13. Juli. ES ist ein Zeichen der Der Vtoitovf. » der Halle des Staatlichen Instituts für Gesundheitswesen aufgcbahrt worden. Bon den Toten verabschiedete sich in Trauerkundgebunge»» der Direktor des Staatliche»» Instituts für Gesundheitswesen Dr. Bacek, in» Namen des Gesundheitsministers Dr. Spina und des gesamten Ministeriums Ministerialrat Dr. Hrdliöka, naniens der»ncdizi- nischcn Fakultät Prof. Dr. Belich, die die große Bedeutung Dr. Feierabc»»ds für die Wissenschaft hervorhoben. Der Leichenzug bewegte sich sodann vor das Gebäude der serologischen Abteilung und dort nach dem Weinberger Fredhof. An der Leichenfeier nahmen zahlreiche UniversttatSPro- fcssoren. die Vertreter der Ministerien, Abgeordnete und Senatoren und die eugere»» und weitere»» Freunde der Tahingeschicdcnen teil. Beide Angeklagte waren voll g e st ä n d i g. lieber die Motive befragt, schilderte das 38jährige, abgerackerte und abgcschundene Weib, die den Eindruck einer alte»» Frau»nacht, die Lage dieser Familie, die charaklcristifch ist für die Situation des ländlichen Proletariates. Sie hat ihrem Mann schon vier Kinder geboren und das Brot reicht schon für diesen Familienstand nicht aus. Ein fünftes Kind großznzichen war schlechthin ein Ding der Unmöglichkeit. Und als die Frau doch wieder„gesegneten Leibes" war— welch grimmiger Hohn!—, beschlossen die Gatten, der Geburt vorzubcugcn. Was die Hebamme betrifft, die sich zu dem Eingriff hcrbcilicß, so hat in diesen» Fall schm»»tzige Gewinnsucht wohl keine»» Teil an ihrer Handlung. Eher wohl Mitgefühl und Verständnis für die Zwangslage der armen Familie. Die Helserin begnügte sich mit 80 X. Ter Gerichtshof mußte freilich nach dem klaren Sachverhalt die Angeklag- tcn nach 8 144 schuldig erkennen. Tas Urteil lautete für beide aus drei Monate Kerker, aber b e> dingt auf drei Jahre. Auch wurde von der Aberkennung des Wahlrechte« abgesehen, da Nach der Uebcrzcngung dcS Gerichte- keinerlei niedrigen oder unehrenhaften gründe» entspra»»g. Der Weltarbeitersporttag in langte zum großen Teile am 25. sühruug. Infolge des schlechte»» aber verschiede»»« Veranstaltungen verlegt werden. Die Beteiligung stark und die„Arbeitersport-Illustrierte", welche für diesen Tag herauSgegebrn wurde, sand ohne Ausnahme große Beachtung und erwies sich als rin ausgezeichneter Derbesaktor. Prag, 13. Juli. ES ist ein Zeichen der Zeit, daß jene Fälle nach 8 144, denen im Sinne der sozialen Indikation der Strafausschließungsgrund der schweren Notlage zugute käme, in steigendem Maße die Gerichte beschästigen. Längst sind cS nicht mehr nur ledige Mütter, die dir Helferin aussuchcn, um sich deS unerwünschten KindcS zu entlcdigcn, sondern auch verheiratete Frauen, denen der schwere Weg zur Abtreibcrin als letztes Mittel bleibt, weil die Familie bereits in solcher Notlage ist, daß ein FainilienzuwachS einfach untragbar wäre. En solcher Fall wurde heute wieder vor dem Senat Kvapil verhandelt. Die 38jährige Marie B., Frau eines HäuSlerS und TaglöhnerS In einem Dorfe bei Bigiee, hat die Hilfe der Hebamme Marie B i l e k in Anspruch genomn»en. Das Resultat war das übliche: schwere Komplikationen die eine qualvolle Operativ»» notwendig machte» In diesem Fall ist das Opscr deS EingrisseS(„u n- sauber und unfachmännisch" lautet, wie stets in solchen Fällen, das charakteristische ärztliche Gutachten) glücklicherweise noch mit dem Leben davongekommen. Dann mußte freilich die dem Tode Entronnene auf der Anklagebank Platz nehmen und mit ihr- die Helferin, wie es der 8 144 befiehlt! Der Internationale Fachausschuß für Fußball in der SAS8. hielt am 8. Juli In Aussig eilte Sitzung ab, in welcher der Vorsitzende, Genosse Lechner(Wie»») über den Stand der Europamerstevschaftsspiele berichtete. Die Spiele haben überall begeisterte Ausnahme gesunde»» und viel zur Propaganda des Ar« beiterfußballsportes beigetragen. Für die mitteleuropäische Zone»vurden, bedingt durch da« Ans- scheideu von Deutschland, einige kleine Aendernngcn beschlossen. Ungarn trägt seine Spiele n»it Pole»» in, September in Polen ans. Die beiden Begegnungen Tschechoslowakei(Mus) mit Polen, die in- solge Paßschwierigleiten der Pole»» nicht stattsinden konnten,»verden Ende Oktober in der Tschecho- slowakei stattfinden. In» A u g»»st spielt Ungarn mit der T s ch e ch o s l o w a k e i(Atns). Für die Errichtung eine« Internationalen FnßballsekretariatS soll von den Fußballspielern der Internationale ein Sonderbeitrag eingehoben werde»,, doch wird dieser Antrag des Ausschusses zuerst den einzelnen Ländern zur Beratung nnterbreiiet. Mit einem FußbaUvcrband in der Tschechoslowakei sind wegen Spielverkehr und Aufnahme in die SASJ. Verhandlungen geplant. Ter FachauSschitß spricht den deutschen Arbeitersportlern feine Sympathie in ihrem Kampfe aus und hofft, daß die deutschen Fußball- spteler bald wieder an den Spiele»» un» die Europa- »neisterschaft teilnchmen werden können. Nach gutem, alten französischen Muster hat Regisseur Julia n Duv»vier, wie auch schon zu seinen, früheren Tonfilm,„David Gold: das Drehbuch selbst geschrieben; und wieder einmal einen künstlerisch ganz außergewöhnlichen Film ge- schassen, der ideologisch wie. auch formal neue Wege weist». ES gibt in der Geschichte des Film» Marksteine: und DovivterS zwei oben genannte Werke sind wichtigste Moment«, ohne die wir nach einiger Zeit die Frlmenlwicklung wahrscheinlich nicht werden begreifen können. Sein jetzt zu würdigendes Werl heißt„Voll de carolle"; sein Held ist ein kleiner Jung«, der zu spät gekommen ist. Er ist, »vi« in so vielen, vielen bürgerlichen Familien, nichts mehr und nicht« weniger als verspätet. Waruin ihn die Eltern in di« Welt gesetzt habe», da« wissen sie gar nicht mehr; denn zu seiner Zeit »var ihnen ja das Unglück ihrer Eh« schon voll br- mußt geworben, er wurde beiden immer währende Mahnung an die Komödie, die sie Ehe zu nennen gezwungen sind. Der Pater, ein reicher Bauer, leidenschaftlicher Jäger, ein zu ineiischlichein Leben 1 gewordener Baum des französischen Landes, ist Pol- ternd und lieb in einem Atemzug; und die Mutter, verkommen in eigener Frömmigkeit, verlogen in gezwungener Sittlichkeit, unmenschlich in ihrer Pedanterie, Abgöttisch verliebt in ihren ersten Sohn, der faul ist und stiehlt, in ihre Tochter, die da« Nichtstun und Lüge», zum Brevier' ihres Schein dasein erwählt hat; diese beiden Menschen können niemals mehr zu einander finden. Und während der Vater schweigt, wie die Natur, der seine ganze Liebe gehört, tob; sich das Unglück der immer redenden Mutter an jenem kleinen Jungen ans, dessen sra- gende Angen so unbequem werden, dessen Fröhlich, keit den Vater kalt läßt und die Mutter sadistisch reizt. Niemals versteht der Kleine, waruin er mit dielen vier fremden Menschen zu leben gezwungen wird. Die Exposirion dieses echten Dramas zeigt uns das Problem ganz genial: der Junge charakterisiert nämlich in einer Schularbeit die Faniilie als einen Zwang, der fremde Menschen aneinander kettet. Und mit wenigen Worten klärt er den erstaunten Lehrer über das Unglück seines liebelosen Lebens auf, in dem er inimer wieder an die Grenze», anstößt, die ihm von einer fremden Moral, einer unverständlichen Macht gesetzt»verden. Und dieses ewige Anstößen, das einige Drücken, die ehrbaren Verbote mit der Moral des blinb-n Gehorchen«. daS ist daS Thema dcS FilinS, dessen Details sich zu einer erschütternden Kampf-Ode für die Rechte der Kinder gestalte». Die Tragödie der Kleinigkeiten wird uns hier vorgcführt, das Fami» lienleben analysiert; die kleiiten Sadismen der Ehe« leute, di« einander hassen, schleudern den Jungen hin und her; er will sich in einem Kübel Wasser ertränken, da vertreibt ihn di« Mutter, weil er das Wasser boschnrutzt, er revoltiert endlich gegen die Ungerechtigkeiten seiner„.Hüter", siiwet schon den Weg zum Vater. Aber dec wird gerade zum Bürgermeister gewählt und der arnie, kleine Jnnge mit seinen zerschlissenen Hosen, seine» klngei» Augen und dem zerzausten Rothaar ist wieder überflüssig. Da Bei AutobuSsahrten an den gleichen Tagen bekommt er als Einzelperson«ine ermäßigte Rückfahrkarte(drei Tag« Gültigkeit). c) Für N a t u r f r e» n d e- Gr u P pe n: 5 0 Prozent Ermäßigung genießt eine Nalurfreuiide-Toiiristengruppe bei Fahrten über 2 0 0 K i l o in c I e r, wenn drei Personen des gleichen Vereine«(Jugendliche und* Staatsbeamte mit Legitimation inbegriffen) die Reise antrcle»».— Diese Ermäßigung kommt insbesondcrs für Reisen nach M ä h r e n, Slowakei und nach Oesterreich über Oberhaid in Betracht; von Oberhaid—Summeran laufen einige österreichische Relationen, ivelchc die Naturfreunde ausnützen können.(Gmünd hat nur 187 Kilometer.) A n Wochentagen genießen Naturfreunde» Grnppen bei sechs Personen bis 90 Kilometer 33 Prozent; über 100 Kilometer schon bei drei Personen 33 Prozent Ermäßigung.— Für Autobusfahrten auch schon bei drei Personen nist Rückfahrkarte(drei Tage Gültigkeit). Ter Besuch der Randgebirge und der Naturfrcnndchäuser ist den Pragern somit sehr erleichtert. T o u r i st c n s ch n c l l z>i g ins Riesen- gcbirge jeden Samstag um 49 X. Auskünfte durch die Nalurfreunde-Gruppc Prag. eixiillktr. eittftit»»UW»»letz«««.— BnawgosUtAtt JlrtBheut: Dr.«sU ettask, Btag.— Dru«!-Rota* tür grlnmo.-ad«»»dm«, vrä»—»Lr»»ne. «Mt.-®»*?.*•- r«le-r-q>d«ndküU»»«Mfe».Mwvnnrao tasintBl.- vr.»„t-dtngu»,rn: V.I Zußrllun, ,», Haue«der bK Betua Ä ft Pas!«amu'ckiLr w.-.»««rniltdrück U fcZ tztzibistzpt M Mi*t Decketätzpck U MM•* äiqmt« leckt lkeetl(Wick derechlltt, DU Utmi UtcklldaltckckckiH W«eiH»achlaz,— Kückfttüxn» w* Moaupllpi-»«rsalgl„I Str wächst d!« Bevstverflung, er will sich ertränken, rr».- von einem dleinen, geputzten Mädchen zurückgehatren und beschließt sich zu erhängen. Im letzten Moment (sckon ist der Kops in der Schlinge, schon läuten die Glocken) rettet der Baler sein Mnd. Und Hand in Hand wgndern di« beiden einträchtig über di« geliebten Felder; der Vater erzählt von dem Unglück seiner Ehe, von Charakter««/ die das Kind nicht versteht und der Junge fühlt mit«inemmal, daß er nicht allein ist. Und kann nnr eine- fragen:„Hast Du mich lieb?" So wird diese scheinbar so düstere Tragödie, ganz knapp am Kitsch vorbei, zun» Bekenntnis der Menschlichkeit; zum mutigen Wort für die Ethik, die in jedem Menschen zu finden ist, wenn sie geweckt wird So gestalte: D u v i v i e r eine einfache, wohl mehr sentimentale Geschichte, zum tiefsten Erlebnis. Er schildert Menschen, so wie sie sind, er gibt Aspekte in da« Eheproblem des Kleinbürgers, da- er aufrollt. Und hat auch den Akut, neben, der vernichtenden Kritik seiner Anschauung, Positives zu künden: den Glauben an den Menschen. Sein Film ergreift vor allen» durch die grandiose Darstellung des BaterS; wie Harry Baur die Figur unsrer Zeit nahebringt, ist höchst Kunst. Die großen Theaterszenen werden mit geschmackvollen Mitteln gespielt, die JanningSposrn vermieden und ein Mensch gezeigt, der lebensechter nicht gedacht werden kann. Ganz unglaublich in Geste, Sprache und Ausdruck ist Robert L Y n e n als unser jugendlicher.Held: in ihm hat der Film weitaus mehr alS einen zweiten Coogan gewonnen. Auch die Frau Lepic der Catherine F o n t e n«y oder daS Dienstmädchen der Christine Dor sind außerordentlich lebensecht. Die Photographie ist ganz tadellos, die Tonaufnahmen in» Freien überraschend klar. E» gibt Momente, wie etwa di« Hochzeitsspie» lerei der Kinder oder die rasende Fahrt deS Jungen nachhause, die unvergeßlich bleiben. Unvergeßlich wie das ganze Milieu des kleinen französischen Dorfes, seine Atinosphäre und Bürger, die hier unübertrefflich gezeichnet sind. W. Lg. Einzelmltglieder der„Natur- Krktlsches Atter. Bedrohung des Gatten. Prag, 13. Juli. Eine»» tragischen Abschluß fand die zwölfjährige Ehe deS technischen Angestellten Malik durch diese vor dem Senat MareSek abgewickelk« Strafverhandlung gegen die Gattin Amalie wegen gefährlicher Bedrohung des eigenen Gatten. Die Angeklagte befindet sich seit einem Monat kn Untersuchungshaft und die Anklage legi ihr zur Last, ihren Mann am 10. Juni v. I. mit einem Messer bedroht zu haben. Bei der Verhandlung kam zutage, daß die Frau, oie sich in den Wechseljahren befindet,.in letzter Zeit«in heftige- und gereiztes Wesen'an den Tag legte und schon einigemale zu schweren Z w i st i g k e i I e n in der sonst so ruhigen Häuslichkeit Anlaß gegeben hatte. Ain genannten Tage Veranlaßte sie einen derart hestigen Auftritt, daß ihr Mann, der sich eben zu Bett legen wollte, das Schlafzimmer verließ, um sich in der Küche ein Lager zu bereiten. Sie folgte ihm auch dort- hin, wo es zu einem neuerlichen Streit kam. Plötzlich packte sie ein großes Küchenmesser und wollte sich aus ihn stürzen, doch gelang es ihm. sich ihrer zu erwehren. Auf die Vorstellungen des Vorsitzenden hin entschloß sich der Gotte schließlich, sich der Zeugenaussage zu entschlogen. Auch das achtjährige Söhnchen der beiden legte kein Zeugnis gegen die Mutter ab, so daß diese sreigefprochen wurde. Freilich erklärte der Mann, unter keinen Umständen mehr die eheliche Gemeinschaft wieder anfnehmen zu wollen, da er sich vor der Frau fürchte. Die Scheidungsklage ist überreicht und mit der Angeklagten uird ihrer Verwandtschaft ein Abkommen über die vorläufige Unterbringung getroffen, bis das Scheidungsurteil auch formell die Ehe löst. rb. Arbeiter-Handbaltcr radeln in die Welt. Acht- zehn arbeitslose Wiener Handballer, die mehreren Vereinen.angehören, treten demnächst zu Rad eine Wettfpielrei.se durch Oesterreich, durch die Schweiz und nach Saarbrücken an. S'e wollen Spiel« in Linz, Salzburg, Innsbruck, Arbvn, Aarau, Bern, Biel, Basel, Zürich lind Saarbrücken durchführen. Vor der Abreise wollen sie einige Trainingsspiele absolvieren. MrgeriMMW Sport. Polen unterhandelt mit Towjetrußland. Der bürgerliche polnische Verband für Lei» b e s ü b u n g e n hat beschlossen, Verhandlungen wegen der Aufnahme sportlicher Beziehungen mit Sowjet ruhland einzuleiten. Al« erste Veranstaltung soll, im Frühjahr 19&4 ein Fußballändermatch abgehalten werden. Der größte Sportpalast der Welt. Jeff Dick- s o n, der bekannt« und geschäftstüchtige Boxkampfveranstalter, will in L o n d o n einen neuen Sportpalast bauen. Dieser wird den Namen„W e st- m i n star- Stad i o n" tragen und soll in der Hauptsache in den Winlermonaten in Betrieb sein. Es sollen jedoch nicht nur Boxkämpfe veranstaltet werden, sondern auch Radrennen, internationale Eishockey-Wettspiel« und Tennis-Schaukämpf«. Sowohl in bezug aus sein Fassungsvermögen, die Zweck- mäßigkcit seiner Anlage und dei» Komfort der Einrichtung soll dieser neue Londoner Sportpalast alles Bisherige übertreffen Ein Grundstück, direkt an der Themse gelegen, nicht weit von Westminster, ist bereits angekauft. Die Gesäintkosten des Projektes werden auf 80 Millionen Ke veranschlagt. Sport- Spiel- Könienineflel^^^ry^; 9l« Verbreitung unserer Zeitung agitieren» Setzt euch überall für»ufere Parteipresse ein. In vaS Hein» deS Arbeiter- gehört di« Arbeiterpresse. Darum, iüeuosseuu.tüeaossinnen Wran-