Erschein! mit Ausnahme des Montag täglich früh. St.Oamon u. Btrwaituaa: Brag n,3trMianfa«»♦ ZeitvD.i 20703, 3,«OS. S7oq>ir,»ott. IS» 21 lut), 33030»voklcheaami: 37544 Sttzelprek 70 Heller. ,Einschließlich 8 Heller Porto) 13. Jahrgang. Donnerstag, 2v Juli 1933 Nr 167. Henderson in Prag. Auf seiner Abröstungs-Rundreise durch Europa. Dollfuß lenkt ein? Dr. Ender soll verfassuntfsretorm vorberclten. Wien, 19. Juli.(l s u ng des Pa rl ä m e n» te s, das spätestens im-Herbst zusammentrcten würde, um die letzten außerordentlichen Regie- rungsmoß nahmen anzunehmen und eventuell die provisorische„kleine Berfassungsrevi- sion", di« Dr. Ender angesichls der heutigen außerordentlichen Verhältnisse durchzusetzen trachten wird, durchzuberaten und airzunehmen. Unter allen Umständen wird der Eintritt Enders in die Regierung Dollfuß wenigstens eine teilweise Milderung her Spannung Mischen den Ehristnchsoziäun und der sozlaldemokratischen Opposition, zugleich aber auch ein um. so schärferes Vorgehen der, Regierung gegen die Nationalsozialisten zur. Folge haben. feuergeiedit mit Kommunisten. Rinteln(Hessen-Nassau), 19. Juli. Mindener Kommunisten passierten heute nachts zwei Uhr ans einem Kraftwagen mit Flugblatt-Material und Hetzschriften die Stadt. Wie das Conli-Büro hiezu meldet,, versuchten mehrere Hilfspolizisten und die Stadtpolizei den Wagen bei der Ausfahrt aus Rinteln zu stellen. Tie Kommunisten sprangen sofort ab und setzten den Beamten die Pistolen auf die Brust. Als ein Hilfspolizist einem Kommunisten die Waffe aus der Hand schlug, eröffneten die anderen Koinmunisten das Feuer auf die Polizei, die nun ihrerseits gleichfalls von der Schußwaffe Gebrauch machte. Ter Polizei- haupttvachtmcistcr Menge brach von mehreren Kugeln getroffen, schwer verletzt zusammen. Ein Hilfspolizist wurde leicht, ein Kommunist wurde schwer verletzt. Zahlreiche Personen wurden verhaftet. Antllasclstlsdie Hngsdirlltcn. Görlitz, 19. Juli. In den frühen Morgenstunden des Mittwoch wurden in der ganzen Stadt große Mengen kommunistischer Flugschriften gefunden, die vom Antifascistcn-Bund ausgc- streut worden sind. Ta die Zettel in verschiedenen Gegenden der Stadt gefunden wurden, nimmt man, wie das Conti-Büro meldet, an, daß diese aus einem Flugzeug(?) geworfen worden sind. HltlehZwongsorganlsationcn rar alle VolKssdiölcr! Berlin, 19. Juli. Tne„National-Zcitung" in Esse-n veröffentlicht ein Interview mit Mini» storioilrat Dr. B o ck vom preußischen Kultus- ministevi'um über den-neuen»Geist" in bet Volksschule. Der nationalsozialistische Staat wolle die Volksgemeinschaft aller Deutschen verwirklichen.-Darei käme der Volksschule eine grundlegende Aufgabe, zu.. An erster-Stelle sei die Kenntnis der, nationalsozialistischen und erb b i ol og i s ch e n.(!) Grundlagen des Einzelnen und der Gemeinschaft zu nennen. Künftig würden alle Bolksschüler wie alle Schüler und Schülerinnen vom 8. bis zum 14. Lebensjahr' überhaupt dem„Jungvolk", der Vorstufe der Hitler-Jugend, angehöre». Die entsprechenden gesetzlichen Maßnahmen feien bereits in Vorbereitung. Prag, 19. Juli. Mit dem Berliner Schnell« , ug traf heute um 13 Uhr 40 Minuten der Bor- itzende der Abrüstungskonferenz A. H e nd er» o n in Begleitung des Vorstandes der Abrv- tungSsektion beim Völkerbund Th. Aghnidrö in Prag ein. Aus dem Masarhk-Bahnhos hatten sich zur Begrüßung Hendersons Außenminister Dr. Bene; und der britisch« Gesandte Addison eingesunden. .Henderson ist auf Grund der amtlichen Ermächtigung durch den HauptauSschuh der Genfer Abrüstungskonferenz nach Prag gekommen. Rach seinen Beratungen in London, nach seinen Konferenzen mit den leitenden Staatsmännern in P a r»S, R o m und Berlin ist Henderson nach Prag gekommen, um Dr. Bene; als Gr» neralberichterstatter der Abrüstungskonferenz über dies« seine Beratungen zu informieren und mit ibm den weiteren Fortgang der Arbeiten der Abrüstungskonferenz zu vereinbaren. Henderson hatte mit Dr. Bene; zwei Unterredungen. Die erste gleich nach seinem Eintreffen, die zweite gegen Abend im Außenministerium. In diesen Unterredungen wurde das Abrüstungsproblem»ach der heutigen Lage durchbesprochen. Hitler wollte Generaloberst werden... Berlin, 18. Juli. Durch Indiskretion einer der Reichswehr nahestehenden Persönlichkeit des Berliner politischen LebenS wird erst jetzt bekannt, daß Herr Hitler im Juni dieses Jahres durch Vermittlung des nationalsozialistischen Abgeordneten, Prinzen August Wilhelm von Hohen- rollern, an eine Reihe von höheren Offiziere» der Reichswehr das Ansinnen richten ließ, sich dasür einzusetzen, daß ihm, Hitler, der Rang und die Uniform eines General-Obersten vo>» Reichspräsidenten„in Namen des deutschen Volles und ans Wunsch der Reichswehr" verliehen tverden. Obwohl Prinz August Wilhelm sich mit Energie dieser heiklen Aufgabe unterzog und eine Rundreise quer durch Teiuschlnnd aiistellte, scheiterte der Plan am allgenceinen Widerstand der Generale der Reichswehr, die ablehnten, sich für Hitlers Eitelkeiten;n verwenden, und die von dem neuen„Kollegen" nichts wissen tvollten.— Die Verleihung der Würde eines General-Obersten sollte nach den Wünschen Hillers zum 1. August, zum Jahrestage des Kriegsausbruches, erfolgen. SA-Hann geht lieber nadi Afrika als zurück nadi Deutschland! M v tz, 19. Juli. Gestern hat sich beim französischen Grenzposten in oer Näh« von Apach«in aus Hannover geflüchteter SA-Mann mit der Bitte gestellt, man möge ihn. in die französisch« Fremdenlegion ausnehmen. Er wolle lieber in Afrika sterben, als ins Dritte Reich zuriickkehren. Die französischen Behörden haben, wie es in dieser Meldung weiter heißt, dem Wunsche statt- l gegeben. Henderson wird Donnerstag früh Prag verlassen und nach München reisen, wo er mit dem Reichskanzler Hitler zusammentrifkt. Don München reist Henderson noch nach Paris und nach London. Abgewnnken... «eine Zusammenkunft Daiadiers mit Hitler. Paris, 19. Juli. In Pariser Regierungskreisen zeigt man sich gegenüber der von einem Teile der deutschen Presse dem Vorsitzenden der AbriistungskonsSrenz He«ders o« zngeschrie- denen Anregung einer persönlichen Aussprache des französischen Ministerpräsidenten Da ladt e r mit Hitler überaus zurückhaltend. Die französische Presse vertritt in diesem Zusammenhänge zumeist di« Ansicht, daß«ine Begegnung des deutschen und des französischen Regierungschefs nicht nur verfrüht erscheine, sondern auch kaum genügen dürfte, nm die zwischen den beiden Ländern bestehenden Gegensätze zu beseitigen oder um die Schwierigkeiten der Ab- rustnngssrage, die vielfach technischer Natur sind, mit einem Schlag« zu überwinden. „600.000 Drcuius-raiic In einem land“. Aus cittei großen Londoner Versammlung in Caxton Holl, Westminster, erklärte Captain Sidneh' Herbert, daß— falls Deutschland sich bereit erklären würde, allen Unterdrückten, Sozialisten, Pazifisten und Inden ihre Freiheit wieder zu geben— England an erster Stelle bereit sei, den Deutschen die Hand zur Versöhnung zu reichen.„Bis dahin", so sagte der Redner, „muß Deutschland es sich gefallen lassen, in den Augen der ganzen Well als„moralisch geächtet" dazustehen. Tas Jahr l'.tli!) weise 600,999 Dreh- sus-Fälle in einem einzigen Land ans. Wir leben in Zeiten, in denen die europäische Freiheit so gut wie gestorben, und auch das Gewissen von England eittgeschlafeir fei. Captain Herbert und der bekannte Publizist Hannen Swaffer schlngen vor, daß die Juden Englands sich an die Spitze des Boykotts gegen Deutschland stelle», und daß alle anderen Engländer ihrem Beispiel folgen sollten. Ein Braunes Haus in London. „Daily Herold" meldet, daß deutsche Nationalsozialisten in einem Londoner Hotel in We- stend ein„Braunen Haus" gegründet habe»; es soll ein sogenanntes englisches„.Hauptquartier" der deutschen Nationalsozialisten darstellen. Die Leitung dieses„Hauptquartiers" liegt i» den Händen des Londoner Korrespondenten des ^Völkischen Beobachters" Tr. Th ost. Zweck und Ziel des„Nazistobes" ist es, fascistische Propaganda in England zu machen und dafür zu sorgen, daß Uebersehungen von„Hitler-Literatur" in englischen Buchhandlungen, Universitäten und Schulen verbreitet w/rde». Scheinkampf gegen den österreichischen Fascismus. Fast jede Woche steht der österreichische Bundeskanzler Dollfuß vor dem Mikrophon und sendet eine pathetische Rede in den unheilsschwangeren Aether, in den Senderäumen der Ravag drängen sich vaterländisch Beflissene, aktive Minister, gewesene und kommende utn den Ansager. Das Volk der österreichischen Republik, das Trommelfell der Massen Hai einem wahren Bombardement mit abgestandenen Phrasen und„traditioneller" Musik standzuhalten; täglich erfährt der ahnnngslose Sterbliche, daß ztvei Seelen, ach, in seiner Brust wohnen, eine deutsche und eine jchwarzgelbe(die Herren vom„kriegswirtschaftlichen Ermächtigungskurs nennen dieses Spezifikum dieser Volksseele schlicht und durchsichtig„österreichisch"), täglich wird dem armen Staatsbürger irgendein möglichst unpassender vaterländischer Spruch serviert, zwischen älple- .rischenl Gedudel und hochoffiziellem Gedodel erfährt mau, daß nian eine-Heimat, eine schöne Heimat hat, die des Schützens lvert sei und sich dieses Ziel eine„über den Parteien stehende" Organisation gesteckt hat: die vaterländische Front, in die unverzüglich einzutreten Pflicht jedes ehrlichen Oesterreick)ers sei. Es ist Hochkonjunktur für Beteraiien- und Feuer- wehrseslc mit ihren„traditionellen" Fahnen, Orden und Uniformen, eine Flut von Kitsch, wie ihn nur falsche Sentimentalität und ein gedankenarmer Patriotismus erfinden konnten, braust aus allen Lautsprechern über das Laiid. Patriotismus wie ihn Gegenrevolutionäre verstehen! Ein PatriotiSmilS, der sich nicht scheut, die Arbeiterklasse uiederzuhalten, wie es bisher nur die Reaktion des Vormärz gewagt hat, ein Patriotismus, der seit mehr al« drei Monaten die mühsam erkämpften Freiheitsrechte des Volkes Stück für Stück beseitigt, ein Patriotismus, der das Parlament, die einzige und eigentliche gesetzgebende Körperschaft abgeschaltet, der die oberste Gerichtsinstanz, den Berfassuugsgerichtshof, gesprengt hat, ein Patriotismus, der zugleich die Bank des Herrn Rothschild vor dem Zujainuienbrnch bewahrte, den SozialversichernngSaitgestellten aber die vertraglich gesicherten Bezüge geraubt hat, ein Patriotismus, der die kommunistische Partei, den Schutzbund und die die Freideukerbetvegung verboten, den nationalsozialistischen Mordbren» »er» aber nur die Verein Stätigkeit untersagt hat. Der Patriotismus der Dollfuß uud Genössen, er ist hundertprozentige Reaktion. Ter„Erneuerer Oesterreichs" Dolljuß hat in allen seinen Reden kuudgetau, daß er jener heilige Georg sei, der den marxistischen Drachen erschlagen werde, er hat erst kürzlich in seiner Agitaiionsrede in Graz betont: Ter Geist des KlassenkampseS müsse nicht nur auf gesetzgeberischem Wege, sondern mich„innerlich" überwunden werden, in jedem Industriebetrieb, in jedem Amt, in jeder Werkstatt. Eine neuerliche schtverc Drohung gegen die organisierte Arbeiterschaft, deren Einfluß auf die Gesetzgebung durch cii«e sogcnamtte„Stände- v e r f a s s u n g" vollends beseitigt tverden soll und an deren Vorbereitung die juristischen Heimarbeiter de« Herrn Dollfuß bereits emsig arbeiten. Au Stelle der verfassungsmäßig verankerten Demokratie soll eine Äcdanken-Mumie gesetzt tverden, die man aus der Rumpelkammer der Geschichte hervorgeholt und der mau autoritären Purpur nnigchängt hat. Neue Herausforderungen der ehrlich demokratisch denkenden Arbeiterschaft, neue brutale Rechlabrüche^ die angesichts der politisck-en Hvchspaminng gefährlich welchen können, stehe» bevor. Dollfuß will gegen zwei Fronten k ä m p s c n, die Geschichte wird ihn bald eines Besseren belehren. In seinem Kampf gegen die Feinde der Demokratie, gegen die Nazis, stützt er sich nicht auf die Zekivsriuäustris und Reichswehrgenerale dirigieren Hitler. Sturm um Schacht! Schacht wäre beinahe verhaftet worden. Der Londoner„Daily Herald" berichtet sensationell« Dinge über di« Hintergründe des Gegensatzes im Nazklager. In dem Bericht heißt es: „Hitlers jüngst erfolgte entschiedene Warnung an seine Gefolgschaft, wonach von einer zweiten Revolution keine Rede sein könne, hat einen sensationellen Hintergrund. Revolutionär« Elemente unter den Sturmtruppen hatten bereits beschlossen, den Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht zu verhaften, den sie als den Hauptverantwortlichen für den Verrat der sozialistische» Seite deS Hitler-Programms durch die Nazi-Rrgierung betrachten. Dr. Schacht ist nach wie vor ein entschiedener Gegner einer Jnslationspolitik. Die Jn- slationsgruppe besteht vor allem aus Gottfr. Feder, Magemann, Wagner und Darre. Diese JnslationSgruppe beschuldigt Schacht, daß er den Goldstandard nur auftechterhält im Interesse der Bankiers und Kapitalisten und daß er die soziale Revolution verrat. Tie extremistischen Elemente in der Nazipartei haben deshalb in enger Berbindung mit diesen Männern beschlossen, Hitlers Hände zu binde», indem sie Schacht verhafteten— erst in der letzten Minute wurde ihr Plan entdeckt." Seite 2 Donnerstag, 20. ftiR 1988 Nr. 167 ü Kerze ttgtenDemokraten, ersucht seine Mitstreiter in den Kreisen der c h e in a I i g e n k. U. k. Militärs, dc r k a t h o l>' s ch e n K o n g r c a a t i o n e n, d e S g e h v r s a in e n, schmieg« und b i c g s a in e n B e a m t e n st a n d e s u n d — die Ironie darf nicht fehlen— bei d e in jüdischen U n t e r n e h i» e r t u in, das in seiner— psychologisch ja sehr begreifliche» Angst vor der Naziinvasion— nach Doll fug wie nach einen« rettenden Strick greift. Man macht.Nevokutioneu nicht inik Lavcndelvl, aber ebenso wenig gewinnt inan Kriege mit Jünglingsvereinen und Betschwestern. In dem Kampf des Dollfuß gegen die Nazis steht eine Reaktion gegen die aiidcrc und die Arbeiterschaft kennt nur eine klare Parole: Weder Hitler noch Habsburg! Die Arbeiterschaft ist bereit, den braunen FasciSnius riicderz»ri»ge», der ihr größter Feind ist, aber sie fordert die Sicherung des einzig möglichen K a»r p f b o d e n s, die E c n b e r u s u n g des P a r l a m e n t S. In einer Massen- a d r e s s e an deii Bundespräsidenten wird die Arbeiterschaft ihren Willen bekunden, man wird sehen, wie sich die Regierung zu der Forderung der Massen verhält. Angesichts der Nazigefahr i st esein waghalsiges Spiel, die verläßt i ch c i« R e p» b l i k a n e r i n O e ft e r- reich immer ivicder herauSzufor- d e r n. Kürzlich hat sich der Wiener Zensor ein Kabinettstück geleistet. Man ist in bezug auf die Konfiskationspraxis in Oesterreich schon so manck>eS gewöhnt, aber was sich der rasend gewordene Rotstift gerade in den letzten Tagen geleistet hat, übersteigt wohl alle bisherigen Erfahrungen. Mari har wieder einmal die„Arbeiter-Zeitung" beschlagnah m t. Warum? Weil das Blatt berichtet hat, daß zwei sozialdernokratifche Organe in der Provinz verboten wurden und zu der schlichten Konstatierung eine vollkommen Harm-I lose Bemerkung angefügt Hai. Dann hat sich der Zensor an die Gerichtssaalrubrik gehalten, wo über eine Verhandlung gegen die kom- munistische Redaktriee eines Frauenblattes. wahrheitsgemäß berichtet wurde. Der Bericht war einer Gerichtssaalkorrespondenz entnommen und erschien im gleichen Wortlaut in zahlreichen bürgerlichen Blättern, so auch im Abendblatt der„Neuen Freien Presse" und in der„Allgemeinen Zeitung". Konfisziert wurde der Artikel nur in der „Arbeiter-Zeituirg", tveil der Zensor in dem Bericht die„Gutheißung ungesetzlicher oder unsittlicher Handlungen" sah. Aber damit ist nicht genug. Dem Rotstift fiel auch ein völlig unpolitischer Gerichtssaalbericht zum Opfer, in den« ein Straffall— es handelte sich um eine Anklage wegen versuchten Wilderns— diskutiert und die Frage aufgerollt wurde, ob das bloße Milnehmen eines Gewehres in fremdes Jagdrevier eine Bor- bereitungshandlung darstellt. Solveit ist es also unter dem„Patriotenregime" in Oesterreich gekommen. Diese ungeschminkte Rechtsbeugung, dieses immer Festerschnallen des Maulkorbes, die geradezu asiatische Ausschaltung jeder Kritik wird von der Arbeiterschaft mit Recht als eine b e tv ll ß t e Herausforderung empfunden. Die größte ' Partei des Staates, zwei F ü n f t e I der Gesamtbevölkerung Oesterreichs müssen sich solche Methoden gefallen lassen, während die hochverräterische, zu Getvalttaten auffordernde, allerdings jetzt getarnte Naziprcsse weiterhin Hetzen und schüren darf. Daß die Arbeiterschaft immer mehr das Gefühl verlieren muß, in einem Rechtsstaat zu leben, ist verständlich. Obwohl die Nazis ihre Terrorakte fortsetzen und gar nicht gewillt scheinen, ihre infamen, unteNveltlerischen Praktiken aufzugeben, muß jeder unbefangene Beobachter der RegicrungSpolitik(umso mehr nach dein Besuch Gombös' in Wien) den Eindruck gewinnen, als ob die Regierung auf halbem Wege stehen- Unsere Leser erinnern sich, wie ost wir in den vergangenen Monaten uns veranlaßt sahen, sestzustellen, daß auch die Christlichsozia- l e n hierzulande sich bemühten, den braunen Barbaren im Reiche die Mauer zu machen, Bundesgenossenschaft mit den heimischen Nazis zu halten. Nicht mir haben die Christlichsozialen, so lange es draußen nur gegen die Sozialisten ging, niemals ein Wort der Ablehnung, der Humanität, demokratischer Gesinnung gefunden— nein, sie haben sogar den „Tag" gegen unS zitiert, die„Deutsche Presse" hat aus diesem mit der Mordbagage gleichgeschalteten Blatt die Beschimpfung innerer Partei als eines„Konzentrationslagers toll gewordener Raufbolde und Marktschreier übernommen, bat die Nazis gegen die„rote Terrorhetze" verteidigt. Als dann der braune Dolch sich auch gegen das Zentrum zu wenden begann, hörte man zwar auS der„Deutschen Presse" zuweilen auch andere Töne, und seit dem Beginn des„Helden- zeitalterS" des Herrn Dollfuß fand das christlichsoziale Zentrawrgan immer mehr widerliche Haare in der braunen Suppe. Nichtsdestoweniger: zu einem scharfen Trennungsstrich zwischen sich und den Hitleristen hatte die„Deutsche Presse" auch dann nicht gefunden, vergebens suchte man in ihren Spalten antifascistische, christliche, demokratische Gesinnung angesichts des Entsetzlichen, das sich in Deutschland abspielt. Das mußte festgeftellt werden, ehe wir zitiere», was dieselbe„Deutsche Presse" plötzlich in ihrer gestrigen Nummer schrieb. Man höre: „Was ist das für eine Mentalität, die den Mord verherrlicht, und belohnt; förmlich dazu aneifert? Man kann nur mit Schrecken daran denken, wohin diese unmenschliche Berrohung der politischen Moral in Deutschland noch führen wird. Die ganze Kulturwelt sollt« Frontgegenein so barbarisches Volk machen, das mittelalterliche Blutsttten wieder in Europa! einführen will. Die deutschen Nationalsozialisten haben«S nicht nötig, von erdichteten Greuelmärchen zu sprechen, sie selbst lieferten der Welt Tatsachen, die grauenhaft genug sind." Front der ganzen Kulturwclt gegen ein so barbarisches Volk! bleiben, als ob man es bei einigen Phrasen bctvenden lassen würde, hinter denen man vergeblich Tateit sucht. Nach einigen äußerlichen Krastregungen der„Vaterländischen Front" hat sich erwiesen, daß hinter Dollfuß keinesfalls jene schlagkräftige, überzeugte Masse steht, die man dem Nazigangstertum erfolgreich entgegenstellen könnte. DaS braunhemdige Per- brechertuiii wird in Oesterreich erst dann niedergerungen werden, wenn eö gelingt, d i e Abwehrfront z u verbreitern, ivenn es gelingt, die republikanisch und demokratisch denkende Arbeiterschaft zu gewinnen! o. Dor ein paar Wochen noch hätte die„Deutsche Presse" auf ein solches Wort, wäre es von Sozialdemokraten geprägt worden, sich mit aller Wut«lationalistiswer Demagogie gestützt. Dor kurzem noch— als das„barbarische Doll"'erst bei der Umlegung der Sozialisten angelangt war — distanzierte sich die„Deutsche Presst" so wie die des übrigen sudetendeutschen BurgertumS von den„Greuelmeldu ilgen". Und jetzt? Jetzt überschreibt sie ihre Aburteilung der Barbaren mit„Greuelmäechen" unter AnführungS- und Fragezeichen, und fügt hinzu: „Nein, es sind keine Märchen, die man sich diesmal über Deutschland erzählt. Die osfiziel- len und offiziösen deutschen Nachrichtenbüros verbreiten ja die Geschichten selbst— sozusagen mit Wohlbehagen. Ta ist zunächst der Fall Scheide- mann..."• den die„Deutsche Presse" sodann mit Abscheu schildert; dann geht sie zur Schilderung der Ermordung Schaefers über, den sie mit Recht al- eines unter den vielen„Opfer dieser heimtückischen, menchelmörderilchen Feme" bezeichnet. Und in diesem Tone fährt die„Deutsche Presse" fort, um dann zu dem zitierten Urteil über das „barbarische Dolk" zu gelangen. Die Vehemenz dieses AuSbruchS in der „Deutschen Presse" mag ja ivohl damit zusammenhängen, daß Herr Frick— waS sie in derselben Nummer berichtet— die Taufe tt d- marksperre auch für die reichsdeutschen Katholiken aufrechterhält, die im September i» großen Gruppen zum allgemeinen deutschen Katholikentag«ach Wien fahren wollten; Schmerz und Empörung darüber reißen die„Deutsche Presse" so weit hin, die Herren um Hitler einen „Klüngel maßlos aufgeblasener und ver hetzter Halenkreuzler" zu nennen. Welche Wandluüg im christlichsozialen Lager! Ob sie von Dauer sein wird, steht dahin. Wir kennen unsere Popsp)heimer! Wenn der Wind sich drehen sollte, werden die Christlich- sozialen bestimmt wieder anderswo zu finde» sei». Bis dahi» aber halten ivir ihr Urteil über das„barbarische Volk" fest: über jene«„barbarische Volk", mit dessen Repräsentanten allerdings der Heilige Vater der„Deutschen Presst" ein Konkordat abzuschließeu sich beeilte. Vielleicht beeilt sich jetzt die„Deutsche wuiimiiiiiiimiiminiiniiiiinimtiiiiiniiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiuiiiiiiiiiiiiiuiiiiuiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiuuiiiiiiin „Die ganze Kulturwelt sollte Front gegen ein so barbarisches Volk machen Endlich zur Besinnung gekommen? Schärfste Verurteilung der Nazihunnen durch unsere Christlichsozialen! 30 Die Sache mit Boms Kriminalroman von Grete Hartwig „DaS ist doch selbstverständlich. Ich bin Ihr Verteidiger, ich werde nichts zu Ihrem Schaden unternehmen." „Nicht um mich handelt eS sich.. Und Lillian erzählte, zuerst unter Zög'.rn, dann fließend, genau in allen Details, die Sache mit BorriS. Der Rechtsanwalt saß und stenographierte, stellte markant« Fragen, notierte und nickte ein paar Male heftig mit dem Kops. Ais Lillian erschöpft schwieg, sagte er zart:„Ist Ihne» jetzt nicht leichter?" Der Bann ziviiche» ihnen war gebrochen, der Mann war Lillmn plötzlich unendlich vertrant. „Warum kommt Max nicht zu mir?" lragte sie auebrechend.„Sie müsse» zu ihm gehen. Sie müssen ihm lagen, daß ich unschuldig bin, daß ich das Opfer eines Verhängnisses bin, daß ich doch nicht mehr zurückkonnte, daß BorriS doch n'e mein Geliebter war. Sie niüsstn ihm lagen, daß -ch nun niemanden habe, als ihn und daß er sich jetzt nicht von mir wenden dars. Er toll kommen, ich muß mit ihm sprcck)en, ich..." Die Stimm« versagte ihr. „Quält Sie das so sehr?" fragte Horst ianst. „Es ist häßlich von ihm. Würden Sie eine Mau verlasse», weil st« aus Güt« eine Unvorsichtigkeit begangen hat?" „Nein, Fraulein' Band." „Nicht wahr, das ist niedrig?" „Wir wollen nicht so streng lein. Ich be- greise, daß Sie. durch die Hast natürlich bcion- verS reizbar sind. Beruhigen Sie sich, eS wird sich alles klären." „Glauben Sie, daß er mich noch liebt?" Der Mann lächelte über ihre mädchenhafte Naivität, über ihre Verträumtheit, die nicht einmal von der grausigen Realität des Gefängnisses gebrochen wurde. „Oh, Sie lachen mich aus!" protestierte das Mädchen und wurde sehr rot. „Mein liebes Fraulein..." „Wenn ich nur wüßte, ob Borris' Flucht geglückt ist... dann könnten wir sprechen." „Auch, daß Sie ihm zur Flucht verhelfen wollten, ist strafbar, ich hoffe aber, daß wir des wirklichen Mörders habhaft werden, dann wird man dem wahren Grunde Ihres Besuches im Separe« nicht weiter nachspüren. Und wenn «elbst, so siele Ihre innige Freundschaft zu diesem Borris ins Kalkül, sowie Ihre Unwissenheit Ferner, ist er ja kein gemeiner Verbrecher, sondern ein politischer und der Tatort ist Rumänien. Also, das soll nnS keine Sorgen bereiten. Viel wichtiger ist natürlich die Aufklärung des Ber- brechens. Kann dieser Borris der Mörder sein?" „Nein, das ist ganz ausgeschlossen. Erstens ist er ein so gutherziger Mensch, daß er keiner Fliege etwas zu leide täte, zweitens, welchen Grund hätte er gehabt? Der Fremde wollte ihm ja helfen, er wollte, mir für ih» den Paß geben nitd hatte mir für ihn schon die Tabatiere geschickt, die, zu Geld gemacht, eine recht große Summe ergeben hätte." „Vielleicht hatte dieser Rene Gaubier einen großen Betrag bei sich, man hat ja sonderbarerweise keine Brieftasche bei dem Toten gefunden. Es wäre schon denkbar, daß Borris.. „Ich kann mir das nicht vorstellen." „Eine Version wäre folgende: Borris betritt daS Separee, fragt Gaubier nach Ihnen, erfährt, daß sie noch nicht hier waren, bittet Gaubier um den Paß, um das Reisegeld, dieser bedeutet ihm, er habe die kostbare Tabatiere an Sie geschickt, Borris kann nicht warten, bittet Gaubier um Bargeld, die Tabatiere könnten Sie ihm ja retournieren, Gaubier weigert sich, Geld herzugeben, aus irgendeinem Grunde, es können sich! ja auch plötzlich Differenzen ergeben haben. Borris gibt dem Retter Gift in das Glas, raubt ihm das Geld undf lieht." „Nein," sagte Lillian bestimmt. Der Rechtsanwalt sah sie ziveifelnd an. „Nein," sagte Lillian gereizt.„Weil Sie ihn. nicht kannten, sprechen Sie so. Es ist schrecklich, I wie unbarmherzig Sie ihn verdächtigen." „Aber, liebstes Fräulein Band, so geben Sie mir doch irgendeinen Anhaltspunkt." „Rene Gaubier ist ein Selbstmörder." „Darauf beutet nichts hin. Uebriaens werde ich Erkundigungen bei seiner Frau etnholen." „Er war ja allein. Der Kellner hat auS- gesagt, daß kein Mensch bei ihm war." „Und daS zweite Glas, zur Hälfte auS- getrunken?" Lillian zuckte die Achsel. Sie versank in Nachdenken. „Also, Sie gehen zu Max?" „Gewiß." „Gehen Sie auch zu k.. zu Sophie Kandier. Vielleicht weiß sie etwas über Borris. Vielleicht hat sie Nachricht aus Rußland, falls er schon dort ist, oder vielleicht weiß sie wenigstens, ob und wann er abgereist ist. Gehen Sie ;>t ihr! Ich... ich weiß ihre Adresse nicht mehr, aber... ich hatte sie einst, Borris hatte sie mir aufnotiert... ich glaube Taubgasse oder.., straße oder so ähnlich... „Das läßt sich ja eruieren.. Ist sie eine Kommunistin?" „Das weiß ich nicht. Ich sollte damals das Geld zu ihr bringen, aber ich bekam es doch erst am Abend, deshalb war ich nicht bei Sophie Kandler." „Kandier, Kandler? Ein Mann dieses Presse", ihren Lesern dies« Kleinigkeit näher zu erklären. Denn: „ivas ist daS für ein« Mentalität, di« den Mord(mit einem Konkordat und herzlichen Beziehungen mit himmlischem Frieden und päpstlichem Segen) verherrlicht und belohnt; förmlich dazu aueifert?" „Dio ganze Knlturwelt sollte Front gegen ein so barbarisches Volk machen"— eine Front, in die sich die„Deutsche Prelle" vorübergehend ciureiht, tvähreud Seine Heiligkeit wiederum mehr der anderen Front anzugehoreu scheint... vor Kampf gegen die Wirtschaftsnot. AuS Amerika' kommt eine wichtige Meldung: Die Regierung der Bereinigten Staaten will zur Behebung der Krise eine Verkürzung der Arbeitszeit und eine Erhöhung der Löhne erzwingen. Schon lange haben die Amerikaner festgestellt, daß bei dem heutigen Stand des technischen Fortschrittes auch bei normalem Warenbedarf, di« Arbeitslosigkeit und damit die Krise nicht beseitigt werden kann. Mit ihrer Forderung nach höheren Löhnen, ttm die Kaufkraft zu heben und der Forderung der Arbeitszeitverkürzung, um einen Teil der Arbeitslosen in den Produktionsprozeß wieder einzugliedern, zieht die amerikanische Regierung nur die richtige Folgerung aus den gegebenen wirtschaftlichen Verhältnissen. Dadurch unterscheidet sich die jetzige Regierung der Vereinigten Staaten vorteilhäft von den übrigen kapitalistischen Regierungen. Sie greift damit auch zu dem einzigen Mittel, um di« Wirtschaft vor dem Zusammenbruch zu retten. Denn das Wirtschaftssystem funktioniert nur dann tadellos, wenn zwischen der Warenerzeu- gnug und dem Warenverbrauch Gleichgewicht herrscht. Tas Gleichgewicht ist aber längst gestört. Wir haben eine Ueberproduktion an Waren, hervorgerusen durch technischen Fortschritt und verschärft durch gesunkene Kaufkraft der Bevölkerung. Millionen Menschen hungern und leben in Elend, weil eS„zu viel" Waren und Lebensmittel gibt. Bei dem heutigen Stand der Technik wird das Großteil der Arbeit von der Maschine geschaffen, zu der«» Bedienung ein Teil der Arbeiter genügt. Der andere Teil der Arbeiter ist zur Untätigkeit verurteilt. Die vorhandene Arbeit an alle anstelle», so daß alle Arbeit und Verdienst haben, ist eine Forderung, die nicht nur im Interesse der Arbeiter, sondern auch im Interesse der Gesellschaft und des Staates liegt. Wenn hier Arbeitszeitverkürzung und hohe Löhne verlangt wird, um auS dem wirtschastlichen Elend herauszukommen, bekommen unsere bürgerlichen Parteien Tobsuchtsanfälle und schreie», daß wir die Wirtschaft mit sozialistischen Forderungen zugrunde richten wollen. Jetzt aber greift die Regierung des größten kapitalistischen Staate- zu unserer Forderung, um die Wirtschaft vor dem Zusammenbruch zu retten. Die Frage ist nur, ob die amerikanische Regierung die Energie aufbringen wird, ihr Programm der Arbeitszeitverkürzung und der Mindestlöhne durchzusetzen. Gelingt ihr dies, so kann dos amerikanische Beispiel auch für Europa wohltuend wirken. ^Namens erlitt einen sehr tragischen Betriebsunfall, das ist noch gar nicht so lange her. Ist sie verwandt mit ihm?" „DaS weiß ich doch nicht," sagte Lillian gequält.„Ich kenne diese Frau ja nicht." Lillian nahm eS diesem Manne entschieden übel, daß in seinen Jnteressenkreis noch andere Dinge spielten, als ihr eigenes Leid imd Mißgeschick. Ein ihr selbst fremder Besitzinstinkt umfaßte ihn und sein ihr nicht restloses Gehören erfüllte sie mit Zorn. Er hatte sich voll und ganz auf ihren „Fall" zu konzentrieren, auf diese» mysteriösen Fall, dessen Klärung seinen ganzen Ehrgeiz aufstacheln mußte. Außerdem bezahlte ihn ihr Vater, weit über seine Verhältnisse. Mit einer Bitterkeit, die nie in ihr gewesen war, verlangte sie von diesem Menschen Unmögliches, sie zürnte ihm, weil er cs nicht vermocht hatte, ihre Haftentlassung zn bewirken, und sie zürnte sich, daß sie ihn ungeduldig erwartete, daß sie litt, wenn er ging, daß sie ihm grenzenlos vertraute, trotzdem er sie ständig enttäuschte, sie verabscheute seine Ruhe, seine Distanz, seine Ueberlegenheit in einer Sache, die ihr Leben verbog und zerknitterte. Sie empfand diesen Aerger, weil er kommen und gehen konnte, während ihr die Hände gebunden waren, sie zitterte vor Erregung, weil er jung, hübsch, elegant, reich und soigniert war und alle diese Gaben in einer Welt, die für sie verschlossen war, genießen konnte, in einer Gesellschaft, der sie vor ein paar Tagen auch noch angehört hatte, und in' die sie vielleicht nie mehr rein und makellos, liebenswert und unnahbar zurückkehren konnte. Er mußte sie reinwaschen, er mußte ihre Ehre wieder Herstellen, er mußte, mußte... (Fortsetzung folgt.) Nr. 167 DannerStqg, 20. ftuU 1033 Sette« Wohltun trägt Zinsen: Öfc VJtMfef'Btrcft zu Öicfcnt Schritt getrieben bnbfit. Diese Lohnbewegung hätte einen anderen Au-gang nehmen können und viele Opfer wären der Arbeiterschaft erspart geblieben, wenn dieser Kampf nicht von Kommunisten und National« sozialisten parteipolitisch auSgennht«nd vor allem zu in Schlag gegen die Union oer Textilarbeiter mißbraucht worden wäre. Ob es unter diesen Umständen noch möglich sein wird, gewisse Linderungen fiir die Arbeiter herau»zuholen, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Wie immer sich jedoch die Lage der Arbeiterschaft dieses Betriebes in der nächsten Keil noch gestalten wird, für die schweren Opfer dieses Streike-«nd seinen ungünstigen Ausgang müssen seine Urheber— Kommunisten und Nationalsozialisten— allein und voll verantwortlich gemacht werden. unbekannter Nazl-Neich»tag»abgeordneter Wilhelm Keppler al»„Wirtschaftspolitischer Berater" Hitler» berufen. Dieser unbekannte Herr Keppler ist, wie man jetzt erfährt, dem„Führet von den Herren Thyssen und Krupp wärmsten» empfohlen und von ihn» auch prompt akzeptiert worden. So ist nun ein enger Vertrauensmann Thyssens, der gerade infolge seiner Bedeutungslosigkeit Thyssen blind ergeben ist, der oberste Berater Hitler» in allen Fragen der deutschen Wirtschaft! Herr Thyssen kann auch damit zufrieden sein... Der fcharse Rechtskurs in der deutschen Wirtschaft, der durch Hitlers kürzliche Absage an die„zweite Revolution" und durch die Ernennung des Generaldirektor» Schmitt znm Reich-wirtschaftSminister eingrlcitet wurde, hat nun eine neue Bestätigung gesunden. Der bekannte Industriekapitän Hugo Thyssen, einer der hauptsächlichsten Geldgeber Hitler», der kürz- Herr Thyssen dürste nach dem Exkaiser Wil, Helm der reichste Mann Deutschland» sein; selbstredend stand er seit jeher ans der äußersten Rechten und gehörte immer zu den größten Scharf, Die Aufteilung Her investltlonsorbeltcn. Bisher 266 Millionen fiir die Selbst, Verwaltung. In einem Rundfunkvortrag über da» In« vcstitionsprogramm führte Arbcitenminister Dost a l c k gestern aus, daß von den bisher vergebenen JnvestitionSarbeiten in der Höhe von 1256 Millionen Kronen, die aus der Arbeitsanleihe flüssig gemacht wurden, 266 Millionen auf die ZelbstverwaltungSkör- per entfallen. Don de» aufgebrachten Geldmitteln will das Arbci'iciiministeriunl für sich 810 Millionen verwenden, davon die Hälfte auf Straßcnbauten; für diese soll unter Hinzuziehung der sonstigen verfügbaren Mittel insgesamt zwei Milliarden aufgclvcndet lvcrden. Auf die staatlichen Forste sollen 16, auf die Post 18, auf Bahnen 806 und aus das Landwirtschaft-Ministerium 63 Millionen entfallen. 500 Milliouen sind für Wasserbauten ausgesetzt, für di«, eigene Fonds existieren. machern gegen die Arbeiter. Hitler gegenüber hat er aber immer eine offene Hand gehabt und diese Freigebigkeit hat fetzt nun auch ihre Früchte getragen: Die schdrssten Gegner der Ruhrmagnaten, die sozialdemokratischen Gewerk« ! schäften, sind von den braunen Horden zerschla« ; gen und Herr Thyssen kann nun in seinem Königreich schalten und wallten, wie e» ihm beliebt! Vie Millionen, die müssen seinerzeit zum Ausbon der braunen Banden mtlers aulgewendet hat, hoben sich also gut verzinst... 4.» 5. und 6. August In Aussig. Gegen jede Reaktion, für freie Körperkultur, für die Internationale. Massenaufmarsch, Massensport, Wettkämpfe, proletarische Festhultur. Nehmt alle daran»eilt Eine Mur Thyssens Hillers„wirisMsnollMer Berater“. Wird Herr I u n g, au den wir erst gestern einige unangenehme Fragen richteten, so liebenswürdig sein, uns auch noch die weitere Frage zu beantworten: Wie reimt steh da» mit dem viel gepriesenen nationalen„Sozialismus", daß im venvirkliazCen Dritten Reich ausgerechnet der Schwerfapitalist und Scharfmacher Thyssen den allmächtigen WirtschastSdiktator spielen kann? Uebertriedene Klagen. In heuchlerischer Weise jammert die bürger. l! wenden, wurde er niedergeschrien und am Weiter- I sprechen gewaltsam verhindert. ' So nahmen die Dinge ihren Lauf. Wieder- j holte Versuche der Streikleitung, die unter kom< , inuilistischeckl Einfluß stand, Verhandlungen mit , der Firma anzubahnen, scheiterten an dem Widerstand des Unternehmens. So kam die achte Streik- ' Woche heran, in der die Firma an 500 Arbeiter die schriftliche Anffordening zur Wiederaufnahme der Arbeit richtete. Dieser Umstand wurde hauptsächlich von den Kommunisten al» ein AgitationS- ' mittel für die Fortsetzung des Streike- benützt und als ein Zeichen der Schwäche und beginnen- , der Nachgiebigkeit der Firina au-gelegt. Ja, der { kommunistische Sekretär Wenderlich hatte durch seine eigenartigen Verbindungen au» einer ' ihm„vertrauenswürdigen Ourllc" sogar erfahren, , daß die Betriebsleitung der Firma aus Wien den , Auftrag erhalten hätte, am Montag, den 11. Juli, die Arbeit unter allen Umstanden, wenn es nicht anders geht, zu den alten Bedin- ' a u n g c n aufzunehmen, weil dies die Fertigstellung bi» zum 15. August befristeter Austräge erfordere. Verhandlungen, die durch die Bezirksbehörde in Braunau und das Gewerbeinspektorat in Trautenau für Freitag, den 8. Fuli, angeseht worden waren, änderten an der Situation ledoch nichts, da die Firma an ihnen überhaupt nicht teilnahm. Die anwesenden Unternehmersekretäre gaben nur die Erklärung ab, daß die Firma alle Verhandlungen a b- lehne, solange die Arbeit nicht ausgenommen ist. Trotz nochmaliger Versuche, die Firma an den Verhandlungstisch zu bringen, ging sie von ihrem Standpunkt nicht ab. Daß durch den Ausgang dieser Verhandlungen, auf die ein großer Teil der Arbeiter große Hoffnungen gesetzt hatte, die Stimmung der Arbeiterschaft trotz den fortgesetzten Ermahnungen der Kommunisten, im I WUVIIV 1*1«,> j|*|*>t*'lll IVUtV*, l|l I begreiflich. Um so ungünstiger wirkte es auf die Arbeiterschaft, als der li. Full kam, der Tag, an den» nach den Behauptungen Wenderlichs die Firma den strikten Auftrag habe, unter allen Umständen die Arbeit aufzuuehmen. Die I n- sormation des Herrn Wenderlich erwies sich jedoch, wie alle anderen Prophezeiungen der Kommunisten, als trügerisch. Obwohl bei einer Urabstimmung an diesem Tage sich noch die große Mehrheit der Arbeiter fiir die Fortsetzung de- Streikes in der stillen Hoffnung entschied, die Mitteilung des Herrn Wenderlich, daß die Firma noch im Laufe des Tages alle Arbeiter zu den alten Bedingungen wieder aufnehmen wird, werde in Erfüllung gehen, nahmen am Dienstag unter dem Eindruck der niederschmetternden Tatsache, daß sich die Angaben deS Herrn Wenderlich als falsch erwiesen, etwa 400 Arbeiter bedingungslos die Arbeit auf. Der Streik war damit eigentlich schon zusammengebrochen, woran sich auch dadurch nichts änderte, daß der kommunistische„Vorwärts" am Dienstag noch von einer Niederlage der Firma und ihres Direktors Ghger«nd von einer festen Streikfront in Braunau zu berichten wußte. DaS Ende deS Streikes, der von der Arbeiterschaft mit bewunderungswürdiger Ausdauer geführt wurde und mit schweren Opfern verbunden war, ist zweifellos eine empfindliche Niederlage. Die Arbeiter haben in diesem Kampfe chre Pflicht bis zum letzten Augenblick restlos erstellt. Die Schuld an dieser Niederlage kann daher nicht ihnen beigemessen werden, sonder» jenen, die unter völliger Außerachtlassung der notwendigen Vorsicht und durch eine unrichtige Darstellung der Voraussetzungen äufammenörufö des Streikes bei vei U P« InMiQU Eine lurWare Lehre lSr die Arbeiter. Anfang April überreichten die Unternehmer bemühte, das Unheil van der Arbeitcrschafiabzu des Braunauer BertragsgebieteS der Textil industrie den BertragSgetoerkschaften gleichzeitig mit der Kündigung des LohuvertrageS die For derung nach einem allgemeinen Abbau der Löhne im Ausmaß von 12 Prozent. Die zweimal zwischen den Gewerkschaften und dem Unter nehmen geführten Verhandlungen blieben ergeb nislos und mußten deshalb unterbrochen werden. Die Notlage der Textilarbeiterschaft des Brau- naner Bezirkes, von der ein großer Teil seit langem in Knrzarbeit steht, und die sehr weit- gehcnden Forderungen der Unternehmer bildeten für Kommunisten nnd Nationalsozia« l i st e n den Anlaß, diese Lohnbewegung zu einem parteipolitischen Manöver aus- zuschroten. Noch während die Verhandlungen geführt wurden, riefen die Kommunisten und Nationalsozialisten die Arbeiterfchast der Firma Hermann Pollacks Söhne, der Vereinigten Fär bereien und der Firma Novotny zurArbeitS- niederlegung auf. Die Arbeitsniederlegung bei der Firma Novotny war von kurzer Dauer, da die Firma die Wünsche der Arbeiterschaft rest los erfüllte. Anders war eS bei dem Betriebe der Bereinigten Färbereien, wo der Streik mit einem vollkommenen Mißerfolg endete und die Arbeiter gezwungen wurden, die Arbeit zu den von der Firma gestellten Bedingungen, die auch einen zehnprozentigen Lohnabbau beinhalten, wieder aufzunehmen. Am längsten währte der Streik bei der Firma Pollock, die nach der erstmaligen Arbeitseinstellung durch eine Kundmachung der Arbeiterschaft bekanntgob, daß sie gewillt sei, die alten Löhne vorübergehend noch aufrechtzuhalten, jedoch sei sie außerstande, eine vertragliche und zeitliche Bindung einzugehen. Als auch bei der zweiten Verhandlung von der Firma kein anderes Zugeständnis erzielt werden konnte, legte die,, Arbeiterschaft unter dem Einfluß der Kommu-j streike auSzuharren, nicht gefördert Wurde, ist nisten und Natioilalsozialisten die Arbeit neuer lich nieder, worauf es zu direkten Verhandlungen zwischen dem Betriebsausschuß und der Firma kam, ohne daß sich an dein Standpunkt der Firma etwas änderte. Hierauf wurde der Streik beschluß durch einfaches Händeaufheben ge faßt. Dieser Beschluß, dessen verhängnisvolle Folgen vorauszusehen waren und der gegen den Willen der Union der Textilarbeiter zustande- kam, ist nur aus der Verhetzung eines Teiles der Arbeiterschaft dieses Betriebes durch Kom munisten und Nationalsozialisten erklärlich, die die Arbeiter zum Ausharren aufforderten und erklärten, daß die Fortsetzung des Streikes die Firma zuin Nachgeben zwingen werde. Als in« kritischen Momente ein verantwortungsbewußter Funktionär der Union der Textilarbeiter sich Vier ist Herr Keppler! Thyssen» Ehrgeiz geht aber noch weit über das Rnhrgebiet hinan-, und so hat er einen seiner Getreuen bi» in die engste Umgebung Hitler» al» BertrauenSmann vorgeschoben: Vor einigen Tagen wurde, nachdem der allzu links stehende ReichswirtschaftSkonimifsar Woge n e r a«S dem Wirtschaftspolitischen Amt der NSDAP, in weitem Bogen hinauSgeslogen nnd nur knapp am Konzentrationslager vorbei gerutscht war, in dem seine engsten Mitarbeiter auf persönlichen Befehl Hitler» bereit» seit einigen Wochen brummen, ein in weiten Kreisen Seite 4 Donnerstag, 30. Juli 1933 Nr. 167 Tagesneuigkeiten ■«»■■■MgKareWB IlWBTIiri ll!■ S111|■IWIMtT Fmchtüare Brandkatastropire in Marokko. E a s a b l a n e o, 19. Juli. Eine furchtbare Brandkatostrophe in der Gegend von Petitjean ist gestern abends infolge der vereinten Bemühungen der Feuerwehr, Gendarmerie und der Truppen bewältigt worden, Nach den letzten Nachrichten sind insgesamt 38 Eingeborene in den Flammen ums Leben gekommen, während über 10V mit schweren Brandwunden ins Spital eingeliesert werden mutzten. Es bestätigt sich, das; der Brand, dessen rasche AnSbrei. inng auf den überaus heftigen Lüdw'nd zurück- geführt wird, durb die ErPIosion eines Motorpfluges entstanden ist. 8kn Tiroler Pasiiousthealer elngeAcherl. Erl, 19. Juli. In der vergangenen Nacht brach in dem bekannten Passionslheater Erl in Tirol ein Grotzseuer avS, das das Theaterqebönde vollkommen einäscherte. Aus der We'l des Flugs. Moskau, 19. Juli. Der amcrikanische Welt» fließet P o st, ist um 7 Uhr früh Ortszeit in östlicher Richtung gestartet. Post beabsichtigt, seinen nächsten Aufenthalt in Blagoweschtschensk zu nwchen. Sein Aufenthalt in Irkutsk ist auf Nebel und Regengüsse zurückzuführen. In Irkutsk mußte außerdem die Oel- Zuführung des Apparates Posts repariert werden. Das Befinden Posts war ausgezeichnet, nur klagte er über Ermüdung.- Post wurde durch die ungünstige Wetterlage gezwungen, nachmittags 16 Uhr 80 eine Zwischenlandung in R it ch l o w o vorzunehmen. Die Landung verlief glatt. Trotz seiner großen Ermüdung ist Post entschlossen, sobald ivie möglich nach feinem nur noch 1182 Kilometer entfernten Zielpunkt Chabarowsk wkiterzusliegen. Athen, 19. Juli. Tas Passagier- und P o st f t u g z e u g. das zwischen Athen und der Insel Rhodes verkehrt, ist überfällig. Es hatte vier Mann Besatzung und zwei italienische Fahrgäste an Bord. Chieago, 19. Juli. Tas italienische Ozean- geschwader B a l b o ist heute nach New Jork gestartet und landete in der Hudsonbey, unweit der Insel Manhattan. Auf den Wolkenkratzern von Manhattan ttnd am Flußuser hatten Hunderttausende von Zuschauern Aufstellung genommen, die die italienischen Gäste mit Jubel begrüßten. Sodann gingen die Flugzeuge auf der weiten Wasserfläche des New Zjorker Flughafennieder. Drei Ee'chwrster vor den Augen der Ettern ertrunken. Budapest, 19. Juli.(MTJ.) In der Nähe von Nyiregyhara sind drei Geschwister im Alter von 12, 13 und 15 Jahren beim Baden in der Theiß von den Fluten des angeschwollenen Flusses fortgerissen worden. Alle drei ertranken vor; den Augen der Eltern, die ihre Arbeit auf den am Ufer der Theiß gelegenen Feldern versahen. Trotzki nach Frankreich? Konstantinopel, 19. Juli. Wie aus gut unterrichteter türkischer Quelle verlautet, hat Trotzky von der französischen Negierung die Erlaubnis erhalten, sich dauernd in Frankreich niederzulassen. Die Riagara-Stromfch«eÜe« durchschwömme». Und nachher wegen„Landstreicherei" verhaftet! I Riagarafalls(Ontario), 19. Juli.(Reuter.), Gestern stieg aus amerikanischer Seite direkt unterhalb des weltbekannten Wasserfalles ein vollständig nackter 18jähriger Jüngling in die Nia- gara-Dtromschnellcn ttnd schwamm in der Richtung, gegen daü kanadische llfer. Er wurde einige Male in die Ttromschnellen gerissen, doch gelang es ihm stets, sich herauszuarbeiten. Nach'it.chr als zweieinhalbstttttdigeu Betnuhmtgen gelang es ihm, das kanadische User zu erreichen. Es ist dies der erste Fall, in welchem die Tnrchtchwinnnung der Ntagara-Slromschnellen geglückt ist. Kaum hatte der junge Mann das kanadische Ufer erreicht, wurde er wegen Landstreicherei und unberechtigten Durchschwimmens der Stromschnellen verhaftet. Sonderzüge. Da hat sich in Paris Sonder- bares begeben. Der Andrang zu einem Ferienzug war derart stark, daß eine große Zahl von Reisenden keinen Platz mehr bekam. Was taten sie? Kurzerhand setzten sie sich auf die Schienen vor. die Lokomotive und räumten das Feld nicht eher, bis ein Sonderzug für sie eingelegt wurde. Große Perspektiven eröffnen sich unseren Blicken: zieht-einmal eine Parallele zu diesen„Ausgesperrten", zu diesen Leuten, für die„kein Platz" wär— merkt Ihr schon? Wie«tag es sein, wenn sich die Hunderttausende, die Millionen und Aber- Aillionen aller Länder, einmal vor die großen, Die vom Hochwasser heimgesuchten Landwirte legen eine anerkennenswerte Unverdrossenheit an den. Tag, sie arbeiten, verlieren nicht oie Geduld und bemühen sich zu retten, was noch zu retten ist. Durch diese Tätigkeit des kleinen Landvolkes wird der ursprüngliche Schadensumsang einigermaßen eingeengt. Auch der Ri i n i st e r r a 1 hat sich abermals mit der Hilfsaktion beschäftigt und widmet ollen HilfSmöglichkeiten, mit denen der Staat der betroffenen Bevölkerung die Situation zu überwinden helfen kann, seine Aufmerksamkeit. Nach dem Beschluß des Ministerrates werden für die AuSbesserungS- und Neubouarbeiten die notwendigen Bauholzvorräte aus den staat. lichen Forsten und Gütern zur Verfügung gestellt. Diese Aktion wird unter Benützung des entfallenden Betrages aus dem Erlös der Ar- bectSanleihe d»rck)geführt. Für den Neu- bau der W o h n h ä u s e r arbeiten die staatlichen Bauämter gemeinsam mit Forstpraktikern, die solche Bauten bereits durchgeführt haben, alle notwendigen typisierten Pläne aus, der Bau der Häuser erfolgt unter staatlicher Aufsicht. Die fertiggestellten Baubestandteile der Typenhäuser werden an bestimmten Stellen konzentriert und an Ort und Stelle auf d.m Wasserwege befördert. Auf ähnliche Weise erfolgt die Vorbereitung des Baues und der Bau der hölzernen Wohnhäuser für die staatlichen und anderen öffentlichen Angestellten, die durch das Hochwasser um Obdach und Besitz gekommen find. Tie Re. gierung genehmigt«; die Anträge des Jnnenniini- steriums für das weitere Fortschreiten der Hilfsaktion und beschloß, daß alle Ressorts der Staatsverwaltung, die mit den Hilfsarbeiten zu>un haben, in gegenseitigem Einvernehmen und mit größter Beschleunigung vorgebcn sollen. Braunes EeflWer. Der S. A. Mann sagt, ober vorerst noch mehr für sich: Da haben wir nun die Roten erschlagen. Die Juden vertrieben und straml» konzentriert, Damit, um e« noch höflich zu sagen, Der Geldschrank der Krupp und Thyssen diktiert?! ch waren gute Parteigenossen rüstig bei jedem Rummel dabei, haben en mässe„aus der Flucht erschossen", Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Freitag: Prag: 10.10 Schallplatte». 11.50 Konzert. 18.10 Schallplatten. 18.80 Deutsche Sendung. 19.10 Kompositionen von Paganini. 20.50 Hörspiel. 21.30 Klavierkonzert.— Brünn: 11.00 Konzert. 14.50 Konzert. 17.55 Frauenfunk. 18.25 Deutsche Sendung. 20.00 Konzert.- Wien: 12.00 Mittags- konzert. 17.05 Das Leben auf dem Monde. 19.10 Unterhaltungskonzert. 20.50 Sinsoniekonzert.— Breslau: 16.00 Lieder und Balladen.— Mühlacker: 20.05„Der zerbrochene Krug" von Kleist.— Hamburg: 20.10 Leben in einem Bienenstock.— Leipzig: 31.25 Operellemnusik.— Berlin: 17.10 Volkslieder» Betriebsspionage aufgedeckt worden. Ein Betriebs- f Duette,— München: 21.40 Miniaturen. Die ftaaMGe Hilfe für die Spfer der Ucöcrföjtoemmutig. Tie schwere Hochwasserkatastrophe in Äar-i Projekt für die Errichtung eines mächtigen pathorußland hat ganz außerordentliche Maß» Damme« zum Schutze der Stadt Vylok n.ahmen notwendig gemacht, um so ,'chnell wic> gegen Ueberschwemmungen möglich und in wirksamster Weise der betroffenen! bei den Zentralbehörden ausgearbeitet und durch. Bevölkerung Hilfe angedeihen zu lassen. Das I beraten. Das wasferrechtliche Verfahren wird in Ministerium des Innern und dir diesem unter- t> cn nächsten Tagen durchgeführt, die Arbeiten geordneten Behörden haben sofort eine erste Hilfe größter Beschleunigung vergeben und ausgc- organisiert, wobei die Behörden i» ausgiebiger„ommen werden. Wetter« wird an die Aus- und opfervoller Weise von der Gendarmerie, dem I Besserung der beschädigten Kommunikationen und Rote» Kreuz, den militärischen Formationen, der«BMx„ geschritten. Die Ursache des Brückenein- Finanzwoche, der Feuerwehr, den Kultusgemein- stnrzeS bei BuStina wird behördlich untersucht. Wir Und Wir Damit Herr Thyssen Diktator sei?! * Wir hörten tagaus und tagein die Reden Don Sozialismus und Arbeit und Brot, Jetzt werde« wir in den Hintern getreten Und stehen stramm nach Herrn Thyssens Gebot. * Wir gehen stempeln; das ist da» Ende, Die braunen Bonzen find sein heraus, Und schütteln den Krupp und Thyssen die Hände- Die Revolution? Die ist längst noch nicht a u s!" O nt«. angehöriger der Hauswirischaftsmaschinen-Fabrit in Bekbert wird beschuldigt, das geheime Verfahren für die Zusammensetzung der Bäder zur Verzinnung von houSwirlschastlichen Maschinen an eine auswärtige Firma verraten zu haben. Diese Firma hat dann offenbar das Betriebsgeheimnis weiter verkauft. Man führt nun den außerordentlichen Rückgang de» Ausfuhr von hauswirlschastlichen Maschinen nach Frankreich und noch der Dschechoslotvakei aus den Verrat der Zusaimnensetziing der Berzimiungsbäder zurück, wodurch es den dortigen einheimischen Firmen ermöglicht worden sei, selbst in gleicher Qualität daS bisher von der Velberter Firma angewandte Vorfahren durchzuführen. Weiter soll das Betriebsgeheimnis auch an andere deutsche Firmen verraten worden sein. Stratzenbah.iunglück in Men. Gestern nachmittags ist nächst dem Straßenbahnhof Gudrunstraße im X. Bezirk ein zur Reparatur fahrender Motorwagen in einen bei der Haltestelle stehenden Straßenbahnzng hineingefahren. Ter Beiwagen wurde umgeworfen; zwölf Personen wurden verletzt, darunter drei schwer. Auch auf der Reichsbrücke stieß ein Straßenbahnzng der Linie 25 mit einem Straßenbahnzng der Linie 16 zusammen, wobei vier Personen verletzt wurden. Geometer al» Bcrufsossiziere. Tas Ministerium für nationale Verteidigung beabsichtigt das Borufs- offizierkorps der Artillerie durch Persona« zu ergänzen, welche Hochschulbildung in der Laude?- Vermessungskunde, ausweisen. Ton sich meldenden- Goometern wird der erste Jahrgang der. Militär- akodemie ganz nachgeseheu,..die. Sludionzoii dos zweiten Jahrgangs wird ihnen ans sechs Monate vorkürzt werden. Um die Ausnahme können sich ledige Geometer bewerben, welche die Staatsprüfung mit Erfolg abgelegt haben, da« 30. Lebensjahr nicht überschritten haben, die ReserveoffiziersschuIe irgend- einer Waffengattung absolviert haben und auch den übrigen vorgefchriebenen Bedingungen entsprechen (tschsi. Siaalszugehörigkeit, körperliche Eignung, Kenntnis der Dienstsprache nsw.). Die näheren Informationen tvordon am 22. Inti s. I. im Ber- ordnungsblatte des Ministeriums für nationale Brr- teidigung verlautbart werden. Flucht«ine« gefährlichen Verbrechers. Aus dem Jglauer Krankenhaus fjüchtele Moutag. nachts neuerdings der dort in Behandlung sich befindliche gefährliche Verbrecher Franz M Y ä k o, der sich vor einer Woche im Gefängnis des Kreisgerichtes absichtlich mit einem scharfen Blech den Bauch auf- geschlitzt hatte, um ins Krankenhaus zu gelangen und dort bessere Gelegenheit zur Flucht zu haben. -Schon vor einem Monat hatte Myska einen Finger geopfert, um ins Krankenhaus zu gelangen und von dort siüchlen zu können. Damals wurde er mit Hilfe der Gendarmerie, Polizei und des sich in der Nähe befindlichen Militärs am zweiten Tage wieder eingefangen. Myska, der. die Handelsschule absowieri Hai, war ursprünglich Eisenbahner. Während seiner 34 Lebensjahre Hot er bereits zehn Jahre Kerker abgesessen, er pflegt bei seinen Verhaftungen von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Er ist dadurch bekanut, daß er im Jglauer Gebiet eine Derbrecherbande organisiert hat. Zwei Soldaten ertrunken. Sonntag kamen auf der Militärschwimmschule in 11 n g v a r während des Nachmittags fünf Soldaten in Lebensgefahr. Zwei von ihnen wurden bewußtlos aus dem Wasser gezogen und ein Soldat des Artillerieregiments Nr. 12, Joses Svancer, wurde erst abends als Leiche geborgen. In Munkaez ertrank der Soldat Johann Langer. Brennend« Erdgasfontäne. Unweit der rumänischen Stadt Media« brach vor. etwa einer Woche aus dein alten Krater eines Vulkans eine brennende Methan Gassäule,hervor, die man bisher nicht zu löschen vermochte. Tie brennende Gassäule erreicht eine Höhe von 300 Metern und bietet einen herrlichen Anblick. Tie gesamte Umgebung im Umkreise von etwa 10 Kilometern ist wunderbar beleuchtet, so daß die Stadt MediaS seither keine Nacht kennt. Aus ganz Rumänien strömen Besucher herbei, um diese seltene 9laiur- erscheinung zu beobachten. Stark« Frequenz auf der Jeschken-Drahtfeil- bahn. Wip dos Eilenbahnministerium mitteilt, ersreut sich die kürzlich eröffnete Drahtseilbahn auf den Jeichken einer starken Frequenz. Tie Anzahl der Fahrgäste ist an manchen Tagen so beträchtlich, daß die Trahtseilbahn unuttterbrochen im Betrieb ist. Durchschnittlich wurden bisher täglich 324 Personen befördert, es gab aber auck schon Tage mit mehr als 600 Fahrgästen. Die bisherigen Betriebsergebnisie der Trahtseilbahn, die bekanntlich Eigentum der Siaotöbahnen ist, sind also sehr zufriedenstellend. Journalisten-Risiko. Aus Palma aus der Insel Malorka wird gemeldet: Montag hätte nicht viel gefehlt, und der amerikanische Journalist Theodor Pratt aus New?)ork wäre gelyncht worden, weil er über die Insel Malorka und deren Einwohner u n g ü n st i g geschrieben hatte. Ungefähr 300 Leute rotteten sich rund um seine Villa zusammen und nahmen eine bedrohliche.Haltung ein. Zum Glück für den amerikanischen Journalisten endete die Angelegenheit bloß mit einem Wortgefecht, da die Bürgergarde Pratt zu Hilfe kam. Doch mußte er sofort die Insel verlassen. Ein« Stadt ohne Wirtshaus. In der nördlichsten Stadt der britischen Inseln, Lerwick, gibt eß keine Gastwirtschaft. Seil zehn Jahren ist die Stadt infolge einer Gelneindeabstimmuna„trok» ken" gewowen. Sie hat etwas über 5000 Einwohner; doch kommen im Sommer tausende Fischer aus ganz England und Schottland Heringsfang und mit ihnen taufende schottische Mädchen und Frailen, um die erbeuteten Heringe zum Bersaird Utrecht zu machen. Für vier Monate hat die Stadt eine Bevölkerung von mehr als 20.000 Menschen, die keine Gelegenheit haben, ihren Lohn in eine Schankstätte zu tragen, die aber dafür mehr für Lebensmittel, Kleider und Schuhe ausgeben. Zweitausend neue Kneipen in Fvankreich. Die französische Kammer hat ein Gesetz angenommen, der für die Wiederaufgebaulen Gebiete Nordfrankreichs zweitausend neue Gasthauslizenzen bewilligt. Die Lizenzen werden zu tausend Franken abgegeben. Ein Aerzteblatt: Lien medical, Paris, schreibt dazu„zweitausend neue Kneipen bringen dem Staat zwei Millionen Franken neue Einnahmen ilnd kosten ihn zwan- zig Millionen neue Ausgaben." Betriebsspionage? Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus Essen: In Velbert ist eine umfangreiche i den und den lokalen Korporationen unterstützt I wurden. DaS Ministerium des Innern, das Landesamt, da« Landwirtschastsministerium und das Land Korpathorußland boivilligten die not wendigen finanziellen Mittel. Mit einem be- deutenoem Geldgeschenk trug auch der Präsident der Republik zu dieser Aktion bei. Tie betroffene B e v ö l k e riu n g, die zumeist i h r g a n- ;es Hab und Gut verlor und nur knapp mit dem Lebe» davonka-m, wurde in privaten und öffentlichen Gebäuden unterge bracht und mit der notwendigsten Wäsche, Klei dungsstücken und Lebensmitteln versehen. Für die Kinder der Heimgesuchten wurden besondere Role Kreuz-Heime eingerichtet. DaS Eisenbahnmivisterium hat für die Lcbensmittel- und Kieidersendungen bis zu einem Gewichte von 50.000 Kilogramm einen Tarifnachlaß in der Höhe von 75 Prozent, bei größerem Gewicht bis zu 60 Prozent und bei anderen Sendungen, so z. B. beim Möbeltransport einen Tarifnochlaß von'50 Prozent eingeräumt. Postsendungen für die Betroffenen, adressiert an daS Rote Kreuz in MunkaL und in Bylok, können auch u n b e". zahlt aufgegeben werden. Durch die Presse, Rundfunk und einen Ausruf deS Landesamtes in ULhorod wurden Sammlungen eingeleitel: Pa kete werden an daS tschechoslowakische Rote Kreuz in Munkaö öder Vylok, Geldsendungen an das Landesamt in ULhorod geleitet. Große Fürsorge wird der ungestörte» L e b« n s m i 11 e l z u- fuhr in die betroffenen Gebiete gewidmet. Die Hochwasserkatastrophe, hat in drastischer Weise"den Fehler beleuchtet, der dadurch began gen wurde, daß. Vylok an einer Ueberschwem- mung so ausgesetzten Stelle erbaut wurde. Ta an eine llebersiedlung der Gemeinde nicht ge dacht werden, kann, wurde sofort ein WWWWMWWWWWMWMWWWMWWWWWWMWWWMWWMWWMUWWMIllWWMUMMMllWWWWIMll großen Wirtschaftslokömotiven sehen werden: stop! Neue Züge einsetzen, für uns muß Platz sein! Wir haben ein Rech»darauf! Wie mag es wohl aussehen... Die Besten» nq der Wetterlage hält an. Die Randstörungen der'skandinavischen, Depression veranlassen in unseren Gegenden zwar noch strich. weise stärkere Bewölkung, in den südlichen und östlichen Teilen des Staates ist eS jedoch bereits vorwiegend heiter.. In den allernächsten Tagen ist im ganzen schönes Wetter und allmähliche Erwärmung zu gewärtigen.— Wahrscheinliches Wetter heute: Im ganzen schön und ruhig, morgens iii den Sudetenländern strichweise Tal nebel, untertags fortschreitende Erwär- m u n g. Belgrad nimmt eine» vertriebenen deutschen Gelehrten auf. Der bekannte deutsche Krebs- forscher Professor Blumenthal, dem vom Prosessorenkollegium der Belgrader Universität ein Lehrstuhl angeboten wurde, ist in Belgrad eingeirossen. Prof. Blumenthal wurde— wie bekannt— aus Deutschland ausgewiesen. Ten Blättern zufolge wird Prof. Blumenthal einige Vorlesungen an der Belgrader Universiiäi halten und, falls dies möglich sein wird, das Belgrader Krebsforschungsinstltut umorganisieren. Mord an einer Siebzehnjährigen in Seno- hrab. In der Nähe der Sonimersrische Seno- hrab bei Prag wurde Mittwoch früh um halb 7 Uhr ein 17jähriges Mädchen namens Zdenko Laldova durch drei Revolverschüsse ermordet. Der Mörder, wahrscheinlich der 24jäh- rige Tischler Josef Vavro, mit dem sie eine Bekanntschaft hatte, warf nach dem Mord die Leiche in einen Bach, wo sie jedoch von Passanten, die die Schüsse und einen Aufschrei des Mädchens: „Jesus Maria, Pepi, wa8 machst du!" gehört hatten, alsbald ausgefunden wurde. Der Kopf der Leiche lag unter Wasser. Der Leichnam wies zwei tödliche Schüsse in der Stirn und eine» Schuß in der linken Hüfte auf; ein vierter Schuß .bat wahrscheinlich sein Ziel verfehlt. Die Schüsse sind aus unmittelbarer Nähe abgegeben worden. Auf der andern Seite des Baches wurde ein klei ner Bulkansiberkoffer nist ärmlichen Wäsche stücken gesunden, die der Toten gehörten.— Die Ermordete hatte mit Bavra eine Bekanntschaft, einer Heirat stellten sich jedoch die Eltern des Vavra entgegetl. Bor einer Woche hatte die Kaldova das Elternbaus verlassen und erklärt, sie werde sich einen Posten suchen. Einer Tante gegenüber äußerte, sie sich, daß sie bald heiraten werde. Zuletzt wurden die beiden am- Abend vor her bei einer Tanzmusik gesehen. Die Gendar- ineric nimmt an, daß die Kaida schwanger war und Bavra sich ihrer entledigen wollte. Die Spur des flüchtigen Mörders Ivurde von der Gendar- merre mit einem Polizeihund verfolgt. Die Sieg« der„Raffen". Die Abstimmung, die zur Aufhebung deS Alkoholverbotes in den einzelnen Staaten der Union zur Zeit durch- gefuhrt wird, hat nun auch in Arkansas und Alabama, zwei alten' Hochburgen der Ab stinenzler, zu einem Sieg der„Nassen" geführt. Nr. 187 Donnerstag, LV. JuN 1988 «Seit«'S strafen enthält das Gesetz Mann des der als Beleidigung straf- im neuen Gesetz nicht ent» (Schlichtern oder Friedensrichtern,„smlröl") ein« geführt. Diese Schlichter werden von» Präsidenten des eine Verbilligung des Ehrenschuhes imd die Ver- merduug kleinlicher, aber kostspieliger Ehren- beleidigulrgsprozessc, die leider insbesondere' in proletarische» und kleinbürgerlichen Kreisen nicht selten sind, erwartet. Tas Ehrenschutzgesch hebt schließlich einige der ain»leiste» berücksichtigten Bestimmungen der Pressenovclle aus dem Jähre 1824 auf; so die Einrichtung der„Nennung des Autors", von der die anständige Presse nie Gebrauch gemacht hat und die Bestimmung, wonach das Gericht in einem verurteilenden Erkenntnis den Angeklagten verurteilen kann, zugunsten desjenigen, dellen Ehre nahegctreten wurde, als Entschädigung für die durch die Handlung verursachte Kränkung b'S zu 10.000 Kö zu bezahlen. luiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiHininniHiHHiiiHHiniHniniiiiiiinninuniiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Arnolt Bronnen war tief uitglücklich Sein nationalsozialistisches Herz schlug immer stärker und stärker und er tvollte nicht einsehen, warum er ein seit sechs Monaten überzeugter Nazi, nun plötzlich ein als im Dritten Reiche verachteter Jude sein Lebe» bis zu dem unausbleiblich nahen Tode weiterfristcn soll. Er sann nach Abwchrmaßnahmcn und endlich nach zwei Monaten langem Grübeln hatte er ein« Idee, vor dessen Gemeinheit selbst die Herrn des Tritten Reiches den Hut zogen. Er suchte die zuständigen Stellen auf und gab eine ganz eigenartige, an Gemeinheit unübertreffliche Erklärung ab. Er erklärte eidesstattlich, daß er, wenn auch sein Vater ein Jude ist, dennoch ein reinrassiger Arier sei, denn... Und nnn sprach er ganz nn Sinne von Hunncil- Deütschländ: Seine Mutter hätte seinerzeit die eheliche Treue nicht immer gehalten; sie hätte die Ehe nenn Monate vor seiner Gebnrt mit einem reinrassigen Arier gebrochen Der Sproß dieses Ehebruches sei er— Arnolt Bronnen. Er ist also ein rcinrassiger Arier und als solcher hat er das Recht im Dritten Reich eine Führerstellung cinznnehmen. Nun war der Tatbestand sonnenklar. Hitler und seine Henkersknechte sahen reuinütig rin, daß sic nicht das.Recht hatten, an Arnolt Bronnens Ariertuin zu zweifeln und nahinen ihn wieder in ihrer Mitte auf. Ter Mann, der seine Mutter öffentlich des Ehebruches bezichtigt, um sich dadurch Vorteile zu schaffen, ist entschieden würdig, ein Führer des Drittrn Reiches zu sein. • P a'u I" D i n c r-D e wes. die bei der Ueberfübrnng der zahlreichen politischen Verbannte»»ach Neapel durchsickerten. Unter den Verbannten herrscht die Tuberkulose. Vor uns liegt eine lange Liste mit den Namen der Opfer. Dazu gehören Kriegsinvaliöc und Männer, die während dcS Krieges ausgezeichnet wurden(Sarti, Paulin, Baldazzi), Woditzka, der unter den.Habsburger» wegen irredentiftischer Tä. tigkeit zum Tode verurteilt worden war und— woraus man gefaßt sein mußte— Opfer der Mißhandlungen: Ätarguerit« Zccchi, eine Frau, die vo» den Polizisten geschlagen worden war, Dino Guillonetti, der im Gefängnis in Genua mißhandelt wurde und Pratolongo, der infolge der Mißhandlungen im Gefängnis in Bologna taub wurde. Das sind die letzten Opfer. Gleichzeitig aber erhalten wir Mitteilungen über andere aus früherer Zeit. Im Juli 1932 wurden in Rom drei „Giustlzia e LibertL" verhaftet. Sie wurden durch Schläge auf die Fußsohlen schwer verletzt und ihre b l u t e n o e n F ü ß e sodann in S a l;- wasser getaucht. Minafo Antoine, 88 Jahre alt, wurde in Tripolis als Mi:glicd von„Giustizia c LibertL" verhaftet. Zunächst ließ man ihn einige Tage hungern, dann gab man ihm Rauschgifte, um ihm die Zunge zu lösen, worauf weitere furchtbare Mißhandlungen folgten. Schließlich wurde er nach Rom transportiert. Scitherfehlen alle Nachrichte nüber i h N. In Rom ist der Polizeikommissär Menin- ch i nche r i, der Mann, der die Folterungen leitet. So hat er Dekfini furchtbar mißhandelt, der bei seinem Prozeß im vergangenen Jahr vor dem Sondcrgerichi über die Foltern berichtete, denen ex ausgesetzt war. Natürlich ist Meninchincheri weiter Polizeikommissär. Delfini, der mit Sa» d- sackenauf die B r u st u n d d a s H e r z geschlagen wurde, dem man»i i t c i n e r b renne n de n L a m p c d a s G c s i ch t v e r s e n g t e, IMMMIMMMMMMlMMMMMMMMlMilMMIWWMWMlWVMWWWW M Arnolt Bronnen ein rassenreiner Arier wnrde. Ans der Slitengesdildite des Dritten Deldies. Ponza, ein Eiland zwischen Neapel und Gaeta, war neuerdings der Schauplatz der„Hel dentaten" der Schergen des italienischen FasciS- muS. Vor einiger Zeit wagten eS dieFraue n der auf Ponza Verbannten, sich über die Nachstellun gen der iascistischen Milizsoldalcn zu beschweren. Sie wurde» daraufhin verurteilt und an einen anderen Ort verschickt. Ende Mai sollten die Frauen wieder nach Ponza zurückgeschassf werden. Die Ortsbehörden beschlossen, nm Kundgebungen vorzubeugen, aus diesem Anlaß einige Erschwe rungen der Vorschriften für die Verbannten. So wurde es untersagt, daß mehr als vier Verbannt« in der Straße oder in Seit Schlafstellen, in denen abends die familirnlosen Verbannten in furcht barer Enge cingeschlofscn sind, zusammenkommen, und löste di« Bibliotheken und die kleinen Gcnoss«nschasten aus, die sich die Verbannten geschaffen hatten, um den beschei denen Luxus einiger Bucher und einer etwas besse ren Nahrung genießen zu können. Tas überstieg, selbst wenn man von der Ach tung, die iiian sogar einem Gefangenen schuldet, absieht, di« Vorschriften des Disziplinarreglemeuts. Am 7. Juni beschlossen daher 152 Politische Ver bannte aller Richtungen, gegen die neuen Ver fügungen, die am 10. Juni in Kraft treten sollten, zu demonstrieren. Sir begäben sich vor das fasci- stischc Bureau und warfen dort ihre„Berbannten- Büchcr" nieder. Sie wurden verhaftet, ge fesselt und in der bru talsten Weise behandelt. Am 14.' Juni erschienen sie vor dem Neapler Gericht, das unter verschlossenen Türen tagte. Die Verteidiger wurden erst zwei oder drei Stunden vor der Verhandlung infor miert. Der einzige amtliche Verteidiger, der für alle Angeklagten galt, wurde einen Tag vor der Verhandlung avisiert. Ergebnis: 148 Verurteilungen zu fünf Ma< nateii Gefängnis, 4 Verurteilungen zu elf Mo naten. Die Verurteilten gehören allen mögliche» politischen Richtungen an._ Kommentare wären überflüssig. Dagegen Iist tuberkulös geworden und liegt im Strr- ,'cien hier noch einige Mitteilungen wicdergegeben, I b e n. «MMWmMMWKMMMMWMWmMMAMMVmVWVWVWWMMMWW Das Gcsefz zum Schutz der Ehre. Von Dr. Egon Schwelb. Das Gesetz zum Schutz der Ehre, welches nunmehr von beiden Häusern der Nationalver sammlung angenoiilmen worden ist, gehört sei nem Wesen nach nicht in die Gruppe jener Ge» setze, die, wie die Novelle zum Gesetz über die außerordentliche» Verfügungen, die Novelle zu den Gemeindewahlordnungen, die Arnderung der parlamentarischen Geschäftsordnungen, die dienst rechtliche» Bestimmungen für öffentliche Ange stellte oder die Novelle zum Republikschutzgeseh zum Schutze der Demokratie gegen die Bedrohung durch den Fascismus erlassen worden sind. Das Gesetz zum Schutz der Ehre ist vielmehr schon im Jahre 1930 vom Jnstizminister Dr. Meißner der parlamentarischen Behandlung zugeführt worden und sollte gemeinsam mit dem Entwürfe des PreßgcsetzeS eine Kodifikation des gesamten Preß» rcchlcS und Ehrenschutzrcchtcs auf moderner, frei heitlicher Grundlage bilden. Bon der parlamen- tarischcu Behandlung des allgemeinen Preß- gcschcs ist Abstand genommen worden und eS wurden, wie hier bereits dargestcllt, nur einige Kapitel des Entwurfes"des Preßgesetzes zum sogenannten„kleinen Prcßgcsetz" zusammenge faßt.(Tic Bestimmungen über die Kolportage, über den Schutz der Jugend, ausländische Zeitungen und über den BcrichtigungSzwang.) Das Gesetz über den Schutz der Ehre ist jedoch als ganzes parlamentarisch behandelt und erledigt worden. Ter vorzügliche Entwnrs des Justizmini steriums hat im Zuge der Verhandlungen im Vcrfassungs- und Rcchtsausschuß des Abgeord netenhauses wesentliche Veränderungen erfahren, von denen kaum behauptet werden kann, daß sie den Entwurf verbessert hätten. Trotzdem bringt das Ehrcnschutzgesetz doch in manchen Richtungen immerhin eine gewisse Modernisierung deS bis herigen RechtsziistandeS. Eine Einengung baren Tatbestände ist halten, sondern eher eine gewisse Erweiterung. Eine Milderung der~ gleichfalls nicht. Bemerkenswert ist aber, daß der bisher sogenannte„WahrsckicinlichkeitSbcweis", der nunmehr„Beweis des entschuldbaren Irr tums" heißen wird, erleichtert wird, io daß ge rade aus diesem Gebiet eine erhebliche Entlastting insbesondere der Presse erhofft werden kann, t Kreisgerichts über Vorschlag des BezirkSaus- Bisher genügte der Wahlschein!ikh'eitsb.'weis nur'schusseS ernannt. Von dieser Einrichtung wird Das Angebot. Von Jo Hann» Rösler. „ lich vor drei Tagen an dem Postschalter D des Postamtes 62 In der Lcrchcnfelder Straße in einer frühen Nach- Mittagsstunde. Vor den Postschalter tritt ein Herr. »Zwei Marken zu zehn", verlangt er. Der Beamte nickt löst umftändig zwei Marken vom Bogen und schaut aus „Irre ich mich?" „Wieso?" 1$ nicht Vas Vergnügen mit Herrn Mittclmcier? „Gewiß." Der Beamte nickt freudig: „Wie gehl es,.Herr Mittelmeier? Wie steht das werte Befinden? Alles gesund daheim? Frau und Kinder wohlauf? Was macht das Geschäft?" „Danke." ^Hoffentlich bleibt daS Wetter jetzt schön—" Herr am Schalter wird ungeduldig. „Hoffentlich" sagt er,„kann ich jetzt meine zwei Marken haben?" „Mit Vergnügen." Der Beamte sagt es, gibt aber die Marken nicht aus der Hand. „Sonst noch einen Wunsch?" „Danke, Nein." „Vielleicht ein paar Postkarten?" „Nein." „Marken zu fünf, zwanzig und dreißig?" „Nein. Nein." „Vielleicht Pakctadrefsen gefällig? Zahlkar- tcn? Postanweistmgru?" „Ich brauche wirklich nichts." „Kennen Sic schon unsere neuen Wohltätig- kcilsmarken? Soeben hcrausaekomiiien. Hier sind sie. Wunderschön, nicht wahr? Ter ganz« Satz nur dr«i Mark. Darf ich si« Ihnen dazupacken?" „Ich habe kein Interesse für Marken." Der. Beamte legte den Sah zurück. „Schade. Und wie steht cs mit Telegrammformularen? Noch genüg«,id Vorrat daheim?" Der Herr wird krebsrot im Gesicht. „Geben Sie mir endlich meine Marken und lassen Sie mich ungeschoren!" Der Beamt« lächelt. Keine Kränkung steht in seinem Gesicht. „Bitte sehr— wie der Herr Mittelmeier wünschen— vielleicht ein anderes Mal— hier sind die Marke», zwanzig Pfennig bitte— wenn der Herr sonst noch etwas brauchen—.wollen Sie sich nicht ein Postscheckkonto onlcgcn?" Der Herr ist wütend abgegangen. Die Kollegen umstehen nun staunend den Beamten, „Was heißt das? Was soll das? Warum haben Sir das getan?" Ter Beamte atmet befriedigt aus. „Aus Rache", sagt er. „Aus Rache?" Wieso?" Der Beamte seufzt: „Der Herr ist mein Friseur. Ich lasse mich täglich von ihm rasieren. Und jedesmal läßt er mich nicht früher aufstchen, bevor er mir nicht seinen ganzen Vorrat von Seifen, Kopfwassern, Parfums und Puder angeboten hat." Wer ist Darre? Eine Spottfigur der deutschen Politik! Das hatte sich vor einem Jahre Herr Walter Darre bestimmt nicht träumen lassen, daß er heute Minister sein würde. Und mit Darre viele andere Leute auch nicht! Darre gehört« damals zu den beliebtesten Figuren des allgemeinen Spottes! Wo immer politischer Hohn und Witz laut wurden, fiel auch der Name des heutigen Landwirtschaftsministers. Dabei konnte Darre in normalen Stunden nicht einmal sagen, daß dieser Hohn ihn unverdient getroffen hätte. Denn er ist ja der Begründer jener eigenartigen„Rassetheorie", die überall nur ein lautes Gelächter hervorrief, wo sie besprochen wurde. Di« deutsche Rasse ist verdorben. Walter Darre behauptet, die germanische Rasse sei durch die verschiedensten Blutmischungen derart vermanscht und verdorben, daß die notwendige„Aufnordung", die Züchtung eines neuen, blonden nnd starken Germanengeschlech- tes nur durch drakonische. Zwangsmaßnahmen zu erreichen sei» werde. Da nicht anzunehmen ist, daß der einzelne Mensch freiwillig den Vorschlägen folgen werde, verlangt Darre vom nationalsozialistischen Staat, daß er durch Gesetz verwirkliche, was er phantasiert hat. Und eben diese phantastische» Vorschläge waren es, über die der Politiker ebenso Herzhast lachte wie der Wissenschafter und der Mann des Volkes. Darres„Midgärten". Unter den 60 Millionen des deutschen Volkes meint Darre immerhin einige zehntausend wirkliche Germanen finden zu können. Hitler freilich wird Nicht unter den Auserkorenen sein, auch nicht Göbbels, nicht einmal Darre selber. Mit den wirklichen Germanen will Darre fein großartiges Experiment in Szene setzen. Er schlägt vor, nach eingehender BlutSprü- fung die wenigen echten Germanen in besondere Lager;» bringen, damit sie dort das neue. dann zum Freispruch des Redakteurs, wen» die Absicht offenbar war, vor allem ein öffentliches Interesse zu wahre». Aber auch der wegen Gelingens des Wahrscheinlichkeits beweises Freigefprochcne mußte nach'bisherigem Rechte dem Kläger, der den Prozeß ver loren hatte, die Prozeßkost en ersetzen. TaS wird»nil abgeschafft(in einem solchen Falle wird^eder seine eigenen Kosten zu tragen haben) und überdies wird es zur Straflosigkeit hinrei chend sein, wenn die Anführung der Tatsache, durch die sich der Kläger beleidigt fühlte, über- Haupt im öffentlichen Interesse lag oder die An- führung zur Verteidigung eines wichtigen Pri- vatinteresscs notwendig gewesen ist. Ein großer Teil der bisherigen Beschränkungen in der Zu lassung deS Wahrheiis- und WahrscheinlichkeitS- beweises wird fallen gelassen. In Zukunft kön nen auch solche Tclikte, welche nur über Privat anklage eines Dritten verfolgt werden können, unter Beweis gestellt werden. Ausgeschlossen bleibt der Wahrheitsbeweis— und dies mit Recht— über Tatsachen des Privat- und Fami lienlebens, sofern sie nicht Gegenstand einer öffentlichen Gerichtsverhandlung waren. Bei der Beurteilung des Sinnes und Inhal tes einer Acußerung und bei Entscheidung der Frage, ob der Wahrheitsbeweis oder der Beweis deS entschuldbaren Irrtums gelungen ist, hat das Gericht alle Teile der Aeußerung, nm die eS geht, zu berücksichtigen, auch dann, wenn ein Teil der Aeußerung nicht geklagt ist. Durch diese Bestim mung wird der bei Klägern, die Butter auf dem Kopfe haben, so beliebten Praxis ein Riegel vor geschoben, die darin bestand, daß man sich z. B. auS einem Artikel die Stellen, für die der Wahr heitsbeweis sehr schwer zu führe» ist, aussuchte, dir für deil Kläger„gefährlicheren" Stelle» aber nicht klagte. Auf den Umstand, daß unterge ordnete, an dem Wesen der Beschuldigung nichts ändernde Tatsachen nicht bewiese» worden sind, ist nach dem neuen Gesetz keine Rücksicht zu nehmen. In begrüßenswerter Weise wird das In stitut des„Absehens von der Strafe" sehr erwei tert. In einzelnen Fällen m u ß, in anderen kann das Gericht, selbst wenn cs den Angeklag ten für schuldig findet, von der Be strafung absehen. Dies ist dann der Fall (ein sehr kluger, moderner Gedanke!), wenn der Kläger nur die Feststellung begehrt, daß er zu Unrecht beleidigt worden ist, auf die Bestrafung deS Beleidigers aber verzichtet. Eine Strafe wiro ferner dann nicht verhängt, wenn— bei leichte ren Beleidigungen— der Täter vom Beleidigten provoziert worven ist und schließlich dann, wenn der Beschuldigte eine angemessene Genugtuung geleistet hat. Die Kostenfrage ist in diesen Fällen ,o geregelt, daß die bisher oft übliche Schikanie rung des Angeklagten erschwert oder unmöglich gemacht ist. Bei Beleidigungen, die nicht durch die Presse begangen worden sind, wird ein obligatorisches,|IV uua Schlichtungsverfahren vor besonderen Organen garantiert reine germanische Volk züchten. Ponza— die Insel der Martern Aus einem Konzentrationslager des Urfascismus. Der Arierparagraph des Dritten Reiches ist im Interesse der Rassenreinheit sehr streng. Ist die Mutter Christin, der Vater aber Jude, so ist das aus dieser Ehe hervorgrgangenc Kind ein „Bastard", ein Judcnstämmling, ein verachtenswertes Individuum— mit einem Worte ei» Staatsbürger zweiten Ranges. Aber auch in diesem Falle besteht eine Möglichkeit, daß der Sproß ans einer solchen Mischehe zu einem vollwertigen Bürger avanciere, wenn er nämlich die notwendige Gemeinheit besitzt, die einen jeden echten Nationalsozialisten auszeichnet. Arnolt Brvnuen, der Verfasser einiger schlechten Kriegsroman« ist seit einigen Monaten, seit der Machtübernahme durch Hitler, ein überzeugter Natioualsozialist. Er verstand cs auch im Münchener Brauilcn Haus Fuß zu fassen, ja selbst in Hitlers nähere Umgebung cinzudriugcu und ein Vertrauensmann des Hunnenkönigs zu lverden. Seine Karriere schicii im Dritten Reich gesichert zu sein, aber da passierte ihm ein kleines Unglück. Es kam der berüchtigte Aricrparagraph und di« Aktion zur Ausrottung der Judeustämm- linge machte selbst vor dem Braunen Haiisc nicht halt. Auch Arnolt Bronnens Rasscnreiuhcit wurde einer nähere» Untersuchung uuterzogen, und da kam alles ans Tageslicht. Es stellte sich einwandfrei heraus, daß Arnolt Bronnen mit seinem bürgerlichen Namen Arnold Bron- »er heißt nnd daß er ausMärisch-Ostrau stammt. Seine Familie besteht aus lauter reichen jüdischen S ch u a P s fa b r i ka» te n. Seine Mutter ist allerdings eine Christin. Aber was tuts? Bronnen mußte das Vraune Haus mit Schimpf und Schande verlassen und es drohte ihm dasselbe Schicksal wie dem Wahrsager des Dritten' Reiches Hanusscn-Tteinschucidcr, nämlich ermordet zu werdend Auf tausind germanische Edcljnngfraucn möge man etwa 100 ebenso edle Gcrmanenjüng- linge loslassen— und wenn man dieses Experiment jahrein, jahraus wiederholt, dann bekommt man schließlich einen Stamm von Germanen, wie ihn sich Wotan nicht besser wünschen kann. So nach ein, zwei, drei Generationen wird man schließlich dazu.übergehen können, die Mele» Bastarde tut deutschen Volke von der Fortpflanzung überhaupt miSzuschließen, und man erhält— voila!— das rasscgereinigte, deutsche Gcrmanenvolk. Die schönen ZeugungSanstalten, in denen die germanischen Zuchtbullen auf die germanischen Kühe losgclassen werden, heißt Darre die „Midgärten". Der vorlaute Volksmund freilich sprach von„Mistgärten". Und heute deutscher Minister! Wie schon gesagt: noch vor einem Jahre machte jeder einen faulen Witz, wenn von Herrn Darre gesprochen wurde. Nicht selten so saftig, daß sogar die Wände rot wurde», die sic hörten! Und heute ist der Mann Minister! Veit« 8 Tonnerttafl, 20. J»n 1083 Kt..'67 PRAGER ZEITIWe. Kill Ml WWMWil HOC llklll PlWkl KMW. Vierzehn Angeklagte.— Geheime Verhandlung. Prag, 19. Juli. Morgen beginnt vor dem hiesigen Kroisgcricht ein für drei Tage an- beraumrer Spionageprozcß gegen vierzehn Angeklagte. Gegenstand d.r Anklage ist Verrat militärischer Geheimnisse uns bezieht sich«* lf gewisse Objekte der K r i c g s i n d u st r i c. Die Angeklagten sind K o m m u n i st e ii. An erster Zielte unter den Angeklagten rangiert der 2üjähr>gc Kausmann Rudolf Richter aus F r a n k s u r i a. M. Die anderen elf Angeklagten sind größtenteils tschechische.Kommunisten. Ta das ganze Verfahren inklusive der Verlesung der Anklage' unter Ausschluß der Oeffcntkichkeil italtfindcn wird, kann auch über den Verlauf der Verhandlung nicht berichtet werden. Erst das Urteil ist ösfrnilich und der Berichterstattung zugänglich. Der Fall ist seinerzeit durch die amtlichen Verlautbarungen bekannt geworden und hat großes Aufsehen erregt. Die Unterluchung Hal sich langcrolsvicrzehn Monate hingczogcn. Zwölf der Angeklagten befinden sich seither in Untersuchungshaft. Nach den Berichten der Sickierheitsdchördcn kam die ganze Affäre dadurch ins Rosien, daß am 7. Mai 1932 der erwähnte Rudolf Richter beim Ucberschreiten der Grenze in T e t s ch c n von der Grenzkontrolle beanständet wurde, weil man zwei verschiedene Pässe bei ihm fand, von denen der eine auf den Namen Karl Vank-k gestorben. Tirnstag nachmittag ist der bekannte tschechische Schriftsteller Karl Vanök nach langjähriger Krankheit im verhältnismäßig jugendlichen Aller von 47 Jahren gestorben. Er war vom Jahre 1920 an Redakteur des„Rude Pr»vo" und konnte, dort wohl als der begabteste Journalist gelten. Seine Artikel waren scharf und glänzend pointiert geschrieben und wurden immer aufmerksam gelesen. Bei einer der„Partcisäubernngen" wurde auch Vanek auf den Index gesetzt. Man warf ihm vor, daß er ein verkappter Kleinbürger sei, der mit seinen sozialen Erwägungen das revolutionäre Gewissen des Proletariates einschläscre. 1927 trat er in die Redaktion des„Prazsky Jllustrovany zpravodaj" ein und ein Jahr später holte man ihn in die Redaktion des Abendblattes des„(cikö Tlovo". Tort schrieb er fast täglich seine viel. beachteten Entrcfilcts. Schriftstellerisch ist Panök besonders als Bearbeiter HaSeks hervorgctrctcn, nach dessen Tode er den letzten Band der Abenteuer des braven Soldaten Schwejk hcrausgab. Tic letzten Jahre seines Lebens verbrachte Banäk fast nur Melchior dal Pech bei Frauen. Bon Peter Flint. Melchior und Sebastian knöpfen sich die -Handschuhe zu. Sie haben im Cafe gesessen und stehen jetzt aus dem Kurjürstcndamm._ Ter Nachmittag ist gcmesscn srcnndlich. Tic Sonne hält sich in Grenzen. Und ein kleiner Wind, der sich erhoben Hal, wirkt nicht unsympathisch. Melchior und Sebastian haben sich die-Handschuhe zugeknöpft und wollen gehen. Aber weil sic sich über das Ziel ihrer Wünsche nicht rechtzeitig klar geworden sind, will cs der Zusall, daß sich der eine nach links.und der andere nach rechts hinwendct. Sehr bald merken sic. daß sic sich voneinander entfernen, drehen sich gegenseitig um und lächeln resigniert. Wohin also? Ta werden sie aller Zweifel enthoben. Eine junge Tame geht an ihnen vorüber, deren Anblick Sebastian enthusiasmiert. Die Dame hinterläßt den Dust eines diskreten Parsüms und einen soigniertcn Eindruck. Ihr Schritt wirkt zugleich grazil und schneidig. Ihr Eapc flattert flott. Ihr Hütchen verrät vornehme Heiterkeit. Sebastian saßt Melchior unter und zerrt ihn hinter der Dame her. Melchior weiß, daß in solchen Fällen Sebastian zu widersprechen gänzlich unrätlich ist und gibt nach. „Siehst du. daß öas eine sehr vornehme Person ist? jagt Sebastian leise. „Ich sehe", aniworirt Melchior, bereit, sich allem zu sügrn. „Ich muß sie sosori kcnncnlerncn", sagt Sebastian", aber dn begxcisst, daß sic sich nicht so ohne wcitcrcs anjprcchcn lassen wird." „Ich begreife", anttvoricic Melchior. „Gin", meint Sebastian,„ich bitte dich also, sie anzusprcchen!" „Ich denke gar nicht daran", sagt Melchior, „cs liegt doch ans den Händen, daß das eine Schlittenpariie werden wird." „Melchior!" Sebastians Stimme wird ein wenig böse. Tu sprichst sie an! Und wenn ick dich bitten darf: möglichst ansdringlich! Sie wird sich belästigt suhlen. Du wirst nicht locker lassen. Und dann komme"ch als Fraucnrctter. Begriffen?" Melchior nickt willenlos. „Ra, denn also los!" koinmandicri Sebastian. Beide reichen sich wortlos die Hände. Und Sebastian lagt:„Besten Tank ini voraus. Tu iBogclsingcr lautete. Richter wurde dadurch verdächtig und aus dem Schlafwagen heraus verhaftet. Man fand verschiedene Korrespondenzen und schriftliches Material bei ihm, welches weitere Nachforschungen ermöglichte, die schließlich das ganze Organisaiionsnetz bloßlegtcn. Tie Folge waren dann die weiteren Verhaftungen. Besonders belastendes-Material wurde bei dem Beamten der Lkodawerke, Fran; K a b c l a, vorge- sundcn, der sich um einen Posten in Sowjctruß- sand beworben hatte. Auch bei anderen Angeklagten wurden allerlei verfängliche Papiere gefunden, technische Pläne, Agitationsmaterial, Adressen u. dgl. Die Erhebungen nahmen, wie erwähnt, mehr als vierzehn Monate in Anspruch. Die Anklage lautet bei cif Angeklagten auf das Verbrechen des militärischen Verrates nach 8 6 des Schutzgesehes. Drei Angeklagte haben sich wegen Unterlassung der pflichtgemäßen Anzeige nach 8 12 des gleichen Gesetzes zu verantworten. Unter letzteren befindet sich die 6 2jährige Schneiderin Antonie H o l e k e k aus Wrschowih. Die Verhandlung leitet TGR. Hrab a, die Anklage ver- tritt Staatsanwalt Dr. Oaslavsky. Die Kompliziertheit M Materials hat ntzbst den m i l i t ä r i s ch e;• Sachverständigen auch die Bei- ziehung von T ch r i f t s a ch v e e st ä n d i g e n notwendig gemacht. Die Gutachten der letzteren (Red. Flandcrka und Dir. Tarantik) werden in dem Verfahren eine bedeutende Rolle spielen. noch in Sanatorien und Heilanstalten, bis ihn nun doch die heimtückische Tuberkulose dahinraffte. Tie Kremation findet heute, Donnerstag, um halb 3 Uhr im neuen Krematorium in Ztraschnitz statt. Liebes-Attentat in der Advokatenkanzlii. In die Kanzlei eines Prager Advokaten ans dem Wcnzelsplatz kam Dienstag Nachmittag ein junger Mann, Wenzel K o c i, ließ eine Beamtin, Tanja B o h u s l a v, hcrausrufcn und kur; daraus Hörle man entsetzte Schreie und saizd das junge Mädchen blutüberströmt auf dem Bode». Kock hatte das Mädchen, mit dem ihn eine lange Bekanntschaft verband, mit einem Messer in den Hals gestochen. Tic Verwundung ist erfreulicherweise nicht schwer. Koöj selbst gab bei der Polizei zu Protokoll, daß er eigens nach Prag gekommen sei, um das Mädchen und sich zu töten. Zu dem Vorfall wird weiter gemeldet, daß bei Kock sich seit langem Anzeichen von Geistesstörung bemerkbar machten und daß er eine zeitlang Im Irrenhaus verbrachte und dort erst vor zwei besuchst mich doch morgen? Wenn cs sich treffen sollte, leiste ich dir gern einen Gegendienst." Melchior setzt sich in beschleunigte Gangart, hat die Dame im blauen Cape erreicht, holt noch einmal Lust...:„Mein liebes Kind,, sagt er, „ich würde mich freuen, wenn ich Ihnen so sympathisch wäre wie Sie mir!" Die vornehme Dame sicht ihn mit einem entsetzlichen Blick an. Melchior ist es tief innen sehr elend zumute. Aber schon hört er Sebastians Schritte hinter sich. Also los!„Na, hab dich doch nicht so!— Ich denke bestimmt, daß wir vor Mitternacht noch ganz gute Freunde werden. Denn..." Ta aber bleibt die Tame stehen. Mit einem Ruck. Melchior auch. Er lächelt verführerisch, obwohl ihm bodenlos schlecht ist.„Aber Kindchen", holt er nochmals aus. „Wenn Sie mich nicht augenblicklich in Ruhe lassen, wenn Sie nicht sofort Ihre groben Belästigungen unterlassen", sagt die Dame zornig, obwohl sie große Angst vor dem Menschen hat... Dock da ist auch schon Sebastian an ihrer Seite.„Meine Gnädige", sagt er, und behält den Hui in der.Hand,„ich darf hassen, daß Sie mir mein unerbetenes Eingreifen nicht verübeln. Ich mußte Zeuge sein, wie dieser unverschämte Kerl..." „Mein Herr", sagt Melchior und hebt den Tpazjcrstock in unzweideutiger Weise. „Meine Gnädige", sagt Sebastian mit wundervoll beruhigender Stimme.„Sic entschuldigen mich einen Augenblick!" Tann tritt er mit Melchior beiseite— möglichst weit von ihr fort— und beide brüllen sich leise an.„Los!" sagt Sebastian", jetzt müssen wir Karten tauschen. TaS macht immer Eindruck!" „Ich hab keine mit", sagt Melchior traurig. „Das macht nichts. Gib irgendeinen Wisch, der so ähnlich anssieht." Beide ziehen ihre Bricstaschen. Und die vornehme Tanze erblickt voller Eiilsctzen den unheilvollen Kartenwcchsel. Tann ist Sebastian wieder an ihrer Seite, ruhig und höflich, wie es sich für einen Mann von Welt geziemt. Und Melchior hört noch, wie die vornehme Dame zu seinem Freunde sagt:„Mein Herr, ich Monaten entlassen worden war. Das Mädchen hatte die Verbindung mit ihm gelöst, als die Geistesgestörtheit zum Ausdruck kam. Der Fall ist, obzwar er für das Mädchen vermutlich keine ernsten Folgen haben wird, dennoch sehr traurig; Kock ist der Sohn des bekannten gleichnamigen ehemaligen Direktors der Männerstrofanstalt in B o r y und jetzigen Direktors der Komensky- Erziehungsanstalt in Kaschau. Tr. Kock hat sich in Theorie und Praxis auf dem Gebiete der Strascrziehung einen bedeutenden Namen in der Republik gemacht. Ein AuSslugs-Sonderzug nach Karlsbad und Marienbad wird von der Staatsbahndirektion Prag am 6. August l. I. abgescrligt. Abfahrt von Prag- Masarykbahnhos um 5 Uhr 05, Rückkehr in Prag- Mlsoubahnhos um 23 Uhr. Preis K 123.—. Tarin sind enthalten Fahrtkosten, zwei Rundfahrten mit dem Autocar(in Karlsbad und Marienbad), Frühstück, Mittagesscn, Nachtmahl, Unfallversicherung und Führung. Anmeldungen mit einer Anzahlung von st 20.— beim Kassenschalter Nr. 13 Prag-Masaryk- bahnhos spätestens bis zuck 31. Juli. Dir rrchtiggestrlltcn Wählerverzeichniffc für Groß-Prag liegen vom 24. bis 31. Juli l. I. von 8—14 uud von 16—18 Uhr(an Sonntagen von 8—12 Uhr) für Prag I bis VII im Wählerkataster im Rathaus, für die übrigen Stadtteile in den betreffenden MagislratSämtern auf. Jeder hat das Recht, in die Verzeichnisse Einsicht zu nehmen und sich Abschriften und Auszüge zu machen, soweit er dadurch nicht ander« Personen von der Ausübung desselben Rechtes ausschlicßt. Aus der Partei Bezirksorganisatiou Prag. R.W.— 3.1.3. Ter DTJ.-Turnplatz am Pohorelec^(Schanzen), Icr-Elektrischc, steht uns jeden Montag und Donnerstag zur Verfügung ab 5 Uhr. Jeden Donnerstag Pslichtabend für alle Mitglieder der R.W und S.2 S pünkr- sich 7 Uhr. Sport• Spiel• Köroernneoe Finnische 2tass«lmrist«rschastrn. In Helsinki gelangten die Staffelmeislerschaslcn des TUL. zur Austragung und brachten folgende Ergebnisse: 4X100 Meter: 1. Turun Toverit 44.5 Sek., 2. Hcl- singin Kullcrvo 44.7 Sek. 4.<400 Meter: 1. Turun Toverit 3: 31.7 Min., 2. Helsingin Kullcrvo 3: 38.8 Min. 4X800 Meter: 1. Helsingin Kullcrvo 8:105 Min., 2. Helsingin Kilatovcrit 8:12.6 Min. 4X1500 Meter: 1. Helsingin Kullcrvo 17:02.5 Min., 2. Helsingin Ki'atovcrit 17:01.8 Min. Ti« Meisterschaft über 25 Kilometer gewann Saarinen(Jyvcskylä) in 1:34: 03. In den F r a u c n b c w e r b e n wurden nachstehende Resultate erzielt:'4X100 Meter: l.Tam- stehe lief in Ihrer Schuld. Ich will nicht hoffen, daß Sic meinetwegen..." „Meine Gnädige", sagt Sebastian,„cs Ivar mir eine Ehrc, Sie ans den Händen eines Halunken zu befreien." „So sichst du aus", murmelte Melchior ärgerlich. Und sicht,.wie die beiden einträchtig, und lebhaft sich unterhaltend, verschwinden. Tann geht er aus der anderen Seite davon. Er pfeift leise. TaS wird ein sehr langweiliger Abend werden... Es ist am nächsten Tage. Melchior lind Sebastian knöpfen sich die-Handschuhe zu. Sie kommen aus irgendeinem Fünsuhrtce, Irgendwo.„Unter den Linden". Und das Wetter entspricht dem des Vortages aufs-Haar. Beide überlegen, was zu tun sei.„Also", fängt Melchior wieder an,„die Dame von gestern war sehr nett zu dir?" „Sehr nett", bestätigt Sebastian.„Sagte ich dir schon, daß sic Adrienne heißt?" „Nein", stellt Melchior fest.„Und Witwe ist sic?" „Witwe", bestätigt Sebastian. Witwe mit einer entzückend eingerichteten Wohnung. Weißt du— als ich sic das erste Mal„Adrienne" nannte, mit behender Stimme— da hielt sic mir mit der-Hand den Mund zu und dann..." „Schluß, wenn ich bitten dars", sagt Melchior.„Ich kann so rtwas nicht hören. Und morgen abend sollst du sie wieder besuchen?" „Morgen abend. Es wird herrlich werden! Ach, waS ist das für eine wundervolle Frau. Al- sic mich bat, mich ja nicht mit dir zu duellieren. Scharmant hat sic das gemacht. Sic sagte auch, ich wär« viel zu schade, von so einem Kerl wie von dir nicdergeknallt zu werden. Und dann könnten wir uns ja auch nicht Wiedersehen... Und wie sic dich geschildert hat! Ich war drauf und dran, dich meiner Freundschaft unwürdig zu halten. Tu wärst häßlich, aufdringlich, ungebildet— du solltest dich eigentlich schämen." „Ja, ja", flüsterte Melchior und starrt hinter einer Dame her, die soeben an ihnen vorbeizog.„Sebastian", sogt er dann hastig", sichst du die Dame dort?"„Wieso?" fragt Sebastian, ,sganz reizende Figur, nicht?"„Also los", sagt Melchior eindringlich.„Heute bist du dran. Und möglichst frech! Daran kann cs dir ja nicht peren Sökcnet 54.-3 Sek-, 2. Maariou Py"kivä 54.9 Sek 100 Meter: 1. Saarinen 13.6 Sek. Hoch, sprung: 1. Härma 1.48 Meter(finnische Bestleistung, Weitsprung: 1. Lathinen 4.67 Meter. Speer: I. Laukkanen 33.44 Meter. Diskus: 1. Petterson-Lohs, 27.65 Meter(finnische Bestleistung). Kugel: 1 Aal- tonen 9.07 Meter. 500 Wettkämpfer bei einem KreiS-Tporttag de, schweizerischen Arbcitcrsportler. Am 23. Juli finbet in Langenthal der Einzelturntag des Kreise» III statt, zu welchem sich über 500 Wettkämpfer angi- meldet haben. ES gelangen Einzelwciikämpsc der Kunstturner, Rationalt-urner, Leicktaihlelcn, Ge- räteturnerstinen, Sportlerinnen und der Schwirmn.'r zur Austragung. 4kn der Leichtathletik wird esst- malig der Olympil'chc Zahnt amps durchgefübrü Gleichzeitig werden die Meisterschaften der Schwerathleten stollsntcn. Schwerer Unfall beim Speerwerfen. Aus d-in Wiener Hakoahplatze wurden am Sonntag die Wurst bewerbe der Basö-Leichtalhlctikmeisterschafien au§ae- tragen, do die Anlage hiezu im Stadion noch nicht feriigqsstellt ist. Zur gleichen Zeil spielten bei einem Tor des Platzes Fußballer der jüdischen Studentenschaft. Sie stellten das Spiel auch nicht ein, al» sie von den Anbcitcrsportlcrn gewarnt wurden. Beim Speerwerfen ereignete sich nun ein schwerer Unfall. Ein weiter Wurf traf einen 23jähr:aen Siu deuten in die Wade und durchbohrte sic. Mit einer schweren Fleischwundc brach der junge Mann zusammen und mußte ins Spital gebracht werden. In der Wiener Arbciter-Wasscrballmrisierschast wurde die erste Runde beendet und bat der Bewegung einen vollen Erfolg gebracht Die Meisterschaft wurde in zwei Klassen ausgetragen. In der A-Klasse, die sechs Mannschaften umfaßt, führi d:c erste Mannschaft des ArbeiterichwimmocreineS mit zehn Punkten aus fünf Spielen vor Amalienbad 1 mit sechs Punkten au» fünf Spielen. In der B- Klasi«, in der acht Mannschaften spielen, steht Ama- licnbad 2 mit 14 Puickten aus sieben Spielen an der Spitze, gefolgt von Zentralvcrcin 2 mit 12 Puickten aus sieben Spielen. Die Fernfahrt Graz—Semmering—Graz der Arbeiter-Radfahrer über 211 Kilometer wurde am Sonntag zum sünsteiimale ausgetragcn. Tic im Jahre 1931 ausgestellte Bestlcistung wurde bedeutend unterboten, und zwar gleich von fünf Fahrern. Bei den Hauptsahrern siegt« K. Hamedl(Freiheit, Wien) in 6:51:20 vor Gneist(Meidling) und Höi- ner(Freiheit); bei den Junioren gewann Heyna < Straßenbahn, Wien) in 6:43:25(neue Bestleistung) vor Hof(Leopoldstadt) und Rakilnik(Bruck). Zwecks Neuregelung der Lustbarkeitsabgab« bei Sportvrranstaltuygen bcieiiet di« Wiener La n- dcSreglerung einen Gesehentwurs vor. Diese Aktion ist auf Grund des Einschreiten» des ASkö erfolgt. Einigung der Arbeiter- mit den Turner-Handballern in Oesterreich.' Tie Obmännirkonscrenz de- Ärbeiter-Haudballverbandes..faßte« i n st i m in' i g den Beschluß, sich den österreichischen Arbeiterturncrn anzuschlicßen. Möglicherweise wird schon im Herbst«ine gemeinsam«^»alisikationsmeistärschaft auSgetragen werden.- fehlen. Ich komme sofort hinterher. Bloß ein Glück, daß ich mir heute Bisitciikarlcn cingesteäl habe!" „Na schön", sagt Sebastian und entfernt sich eilig. Schnell har er die Dame eingeholt, zieht den Hut und redet in weitem Bogen:„Also, Sic reizendes Persönchen, wenn Sie glauben sollten, daß Sic mir mit Ihren eutziickcndcn Beinchen entlaufen könnten, so ist das finsterer Aberglaube!" Sie sicht ihn merkwürdig an. Und er fährt fort:„Nein, im Ernst, es wäre eine Sünde, Sie so ungenützt Vorbeigehen zu laffen." Sebastian schaut der Dame frech unter den Hut und redet unverdrossen weiter:„Kommen Sie, soupieren wir irgendwo um die Ecke! Ich weiß da ein ganz reizendes Lokal: man sitzt unbeobachtet und dicht beieinander..." Ta bleibt sic stehen und Sebastian auch. Melchior ist schon an ihrer Seite, reißt den Hut vom Kopse und sagt schneidig:„Meine Gnädige! Entschuldigen Sie, wenn ich cingreise! Aber ich war Zeuge, wie dieser abscheuliche Kerl..." „Mein Herr!" sagt Sebastian und hebt den Spazierstock in unzweideutiger Weise... „Ach ja", bittet die Dame Sebastian", schlagen Sir doch diesem taktlosen Störenfried die Dummheiten aus dem Kleinhirn!" Dann wendet sie sich zu Melchior.„UcbrigenS möchte ich Sie ersuchen, mich nicht weiter zu belästigen. Wer gibt Ihnen eigentlich das Recht, sich in meine intimsten Angelegenheiten zu mischen?" Tann sagt die Dame zu Sebastian:„Warum stehen wir eigentlich noch hier, lieber Freund? Kümmern wir uns doch nicht um diesen Trottel! Wo war das Lokal, von dem Sic mir erzählten?" Sebastian schaut Melchior bedauernd an und zuckt unmcrklich mit den Schultern. Tann sagt er:„Richtig! Kommen Sic, meine Gnädige. Tort rechts um die Ecke! Torotheenstraßc..." Melchior steht allein und sicht, wie die beiden einträchtig, und lebhaft sich unterhaltend, verschwinden. Dann geht er nach der anderen Seit« davon. Heute pfeift er nicht. Er ist traurig, steckt die Visitenkarte», die er schon fix und fertig !n der linken Hand gehalten hatte,, wieder ein und sucht sich dadurch zu zerstreuen, daß er die vorüberfahrenden Autos zählt. Tas wird ein sehr langweiliger Abend werden... daraiea-d«» Slrglrud r- b— Ld«tr«»,Ii,»r: SUtzrl«'11■ t><<•— BerautrvortNcher Reftalttut: Dr. SmU et tank. Prag.— Druck:.Rota- H.-S. für Zettuua. unt Buchdruck, Vraa.— Für de» Druck»eratrtwortllch: Ott» choiu. Di«».— Dt« Z«tt„na»ma«tr-Itoitlatut aiurdr von bi, v,ft. o lrlrgrapdrudirekUa»«II Erlast Dr. 18-800/vn/WSO beulDlgt.— Bllug