Erschein« ml« Ausnahme des Montag«ügitch früh. «.Sanio» o. Derwalluaii! 8rag n,nefdianfa ta* Ztitot.: M195. anaa 3Tatbtrtban. iah 21 uj«> ssfiaa* Donin Unterschied von der Gesamthe11 ihrer Parteigenossen, Verbindungen mit den'Hunnen für ehrenrührig halten. Tie Mitteilungen über Philipp und Müller nahmen jedoch, in unserem Bericht nur einen untergeordneten Platz ein und hatten auch untergeordnete Bedeutung. Wir haben vielmehr, vom„Tag" wiederholt dazu ausgesordert, damals eine Reihe von Namen genannt, deren Träger mit der SA entweder in Verbindung stehen oder in ihr Dienst machen. Wir haben nachgewiesen, daß ein Sudetendentscher, der früher Ange, höriger der Jüng-Partei war, I» Sebnitz Befehle der SA unterzeichnet. Wir haben in der glciehen Ausgabe berichtet über die Verhaftung eines SA-Mannes in Teplib-Schöiian und haben seither wiederholt aus die Spitzeltätigkeit hingrwiesrn, die amtliche deutsch: Stetten auf tschechoslowakischem Boden leisten: erst vor kurzem nannten wir lviederun« de» Namen eines sich in Prag-rushaltenden Nazispitzels, wie wir auch genaue Angaben Uber den Aufenthalt des Polizeirates Diehls, des Oberhalunken der Geheimen Staatspolizei, mitteilten. Und es ist bekannt, daß in den SA-Kaserne» an der Grenze Verzeichnisse jener Sudetendeutschen hänge», die drüben mißliebig und beim Ueberschreiten her Grenze sofort zu verhaften sind. Es ist atls sicher anznnehmen, daß die Führer per SA diese Verzeichnisse nicht selbst zusammrnstelken, sondern dabei auf die Hilfe ihrer Freunde hinter den ble»'-weiß-rot«n Grenzpfählen angewiesen waren! Erft am 11. Juni, teilten wir dem„Tag" mit," daß in Letschen ein Mann verhastet wurde, den man als Spitzel der Dresdener Polizeidirektion entlarvte. Er trug ei« Schriftstück mit, au- dem hcrvorging, daß er sich, wenn er G«ld benötigen sollte, an die Gliederungen der sudet«ndeu tschen Nazipartei wenden möge. Unsere Anfrage an den„Tag", woher die Dresdner Polizeldirektion das Recht leitet, ihren Spitzeln solche Ratschläge zu er. teilen und wie sie erfahren hat, daß die Gliederungen der Fung-Partei in Not besindlichen Spitzeln brisprmgen, blieb unbeantwortet.„Der Tag" hat übrigens auch nicht Notiz genommen von der Teplitzer Verhaftung ulld den von uns wiederholt nachgewiesenen Denn», ziationen sndetendeutschrr Sozialdemokraten und Kommunisten an die Hunnen. All dies, das Unbestreitbare, wiederholt Bewiesene glaubt„Der Tag" mit vierspaltigen Reißer-Titeln zudecken zu könne». Diese Titel beschriften den dürf.'igstrn Erfolg, der in einer so hochpolitischen Angelegenheit jemals erreicht wurde. Denn die übrigen Angaben unserer Mit. teilungen vom 2V. April, die das Entscheidende über die Spiheltätigkeit der Killinger-Leut« ans Paragraph 8 des Gesetzes bestimmt, daß derjenige zum Sterilisationsantrag berechtigt ist, der unsruchtbar gemacht werden soll. Bei dieser Bestimmung sei man zunächst davon auSgegangen, daß derjenige, dessen Un- fruchtbarmachnng zugunsten der Volksgesundheit notwendig sei, in vielen Fällen selbst die nötig« Einsicht ausbringen werde, nm den Antrag aus Sterilisierung zu stellen. 3)t er, was ja häufig Vorkommen wird, geschäftsunfähig oder wegen Geistesschwäche entmündigt oder hat er das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet, so ist der gesetzliche Vertreter antragsbcrcchtigt. Die Entgegennahme des'Antrages erfolgt durch das E r b g e s u n d h« i t S g e r i ch t, das zur- Durchführung des Gesetzes neu geschaffen wird und aus einem Amtsrichter als Bor- sitzenden, einem beamteten, Arzt und einem weiteren für das Teutschc Reich approbierten Arzt besteht, der mit der ErbgcsundheitSlehr« „besonders vertraut" ist. Tie Entscheidung über den Antrag ist einem Kollegium Vorbehalten, das mit Stimmenmehrheit über Annahme oder Ablehnung beschließt. Im 8 9 ist die Möglichkeit einer Beschwerde gegeben, die aufschiebende Wirkung Hal. Tie Entscheidung über die Beschwerde erfolgt durch«ine zweite Instanz, und zwar das tschechoslowakischem Boden enthalten, konnten nicht widerlegt werden, obzwar„Der Tag" doch gedroht hatte, jede einzelne unrichtige Feststellung zu klagen. Herr Philipp und Herr Müller sind also zwar in der DNMtP organisiert, aber Ehrenmänner. Tas haben wir ihnen heute beschein,igt und die Ocfjentlichkeit wird es glauben. Aber tuen» sich„Der Tag" cinbildet, er könne, indem er an den Tinge» vorbcircdet und unbeweisbare Nebensächlichkeiten mit redaktionellem Kohl und rotfärbigen Titeln garniert, über die Tatsache hinwcgkommen, daß die Jung-Partei ein geistiger Anhängsel ihrer hunnischen Bruderbewegung ist Und daß diese ihre Spitzel in alle Welt cnjendct, so irrt er. Es wurde gespitzelt und wird gespitzelt! Und cs gab Spitzel, die Empfehlungen a» die sudetcndeutjchc Nazipartci bei sich trugen. Ob sie nun klüger geworden sind, wissen wir nicht. Wir aber und mit uns die denkende sude- teiidrntschc Oesfentlichkeit sind nicht dumm genug, die Drehs und Ausreden der Nazis nur deshalb zu glauben, weil sic unter Scnsationstiteln erscheinen. Erbgesundhcits o b c r g c r i ch l, Lessen Entscheidung endgültig ist. 8 11 bestimmt, daß die Sterilisationen.nur von einem staatlich hierfür besonders zügelns- senen Arzt und nur in ausdrücklich dafür bestimmten Krankenanstalten auSgeführt werden darf. Wichtig ist der§ 12, nach dem die Iteri- lifiernng auch gegen den Willen des unfruchtbar zu Machenden ouszuführen i v Entsprechende Maßnahmen und eventuelles' Eingreifen der Polizeibehördrn sind äußersten Falles vorgesehen. Zur Vermeidung von Fehlentschs'd-ungrn ist schließlich in d«m Gesetz vorgesehen, daß das Erbg-rsnndheitsgiricht das Verfahren(vor oder nach der Kastrierung?!) wicder- aufnehmen kann, wenn sich „Nn'ftande ergeben, di«' ein« nochmalige'Prüfung d«s Sachverhaltes erfordern". Die Aufwendung für das gerichtlich« Verfahren trägt die Staalskas'e. Krankenkasse und Fürsorgeverband sind mit den Aufwendungen für den ärztlichen Eingvisf zu belasten. Das Gesetz soll am 1. sfänuer 1081'n Kraft trcicn. Zn dem gleiche» Termin soll übrigens anch ein Gesetz erlassen tvcrden, das die Schwangelber Fascismus.; Dollfuß hat, gestützt auf das berüchtigte} „kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz", eine! neue Novelle znm M i e t c n g c s e y erlassen,! das für die Mieter einige Verschlechterungen t bringt, und hat damit den.Hausherren, die i sich ja immer als die radikalsten Marxisten»! frcsser gebärdeten, ein gegebenes Versprechen teilweise eingclöst. Die Regierung hätte gerne> energischer zugcgriffcn, wüßte sic nicht, daß! hinter dem Mieterschutz auch tausende ihrer Wähler sichen, für die der Schutz des Heims 1 die fundamentalste Voraussetzung ihrer Existenz darstcllt. Zugleich wurden die Erzeugnisse der T a b a k r e g i c, die ohnehin vor einigen Monaten eine Preissteigerung erfuhren, verteuert, en« Maßnahme, die wieder nur den Konsumenten trifft, ohne daß sie das Budget nur einigermaßen nachhaltig beeinflussen tvürde. Zn gleicher Zeit hat die Regierung Maßnahmen gegen die sozialdemokratische Presse getroffen, der Grazer„Arbeiter» will c" darf nicht mehr kolportiert und durch Austräger zngestellt, sondern nur durch die Post versendet werden. Roch hat sich die Regierung mit ihren Notverordnungen nicht an die Acndernng der Bestimmungen des ArbeitSlosenver- s i ch e r u n g s g c s e tz c s hcrangemacht. Aber die bürgerliche Presse wußte bereits davon zu berichten, daß man sich im Lager der„Patrioten" mit di«sein Plane trägt, daß man den Opfern der MrlschastSkrr'se, die immer mehr int Elend versinken, neuerlich den Brotkorb höher hängen will. Das Defizit in der Arbcitsloscnfürsorge soll auf Kosten der Erwerbslosen beseitigt werden. Erst kürzlich sind cnkpfindliche Verschlechterungen dnrchgcführt, tausend« Arbeitslose zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr ausgesteuert worden, auch die Notstandsunlcrsltttzttng wurde ff'ir Zehntansende empfindlich verkürzt, in einer Zeit, da die finanzielle Lage der Gemeinden, vor allem der Zndustricgemciildcil, infolge der steigenden Ausgaben für soziale Zwecke und der immer geringer werdenden Steuereinnahmen, eine trostlose ist. Durch die seit vielen Monaten betriebene Ansstcnerungspraxis tvcrden die Erwerbslosen zwangsläufig dem Bettel oberantwortet. Nun soll die Armee des Elends neuerlich erheblich vermehrt werden, eine gefährliche Maßnahme in dieser Zeit, da gewissenlose Demagogen die Verzweiflung der Massen für ihre dunklen national-„sozialen" Zwecke nutzen. Wieder Hal die österreichische Sozialdemokratie angesichts dieser Pläne warnend ihre Stimme erhoben, hat oir das Gewissen der Herrschenden appelliert, die Rechte der Arbeitslosen, die u»t das nackt« Leben bangen, unangetastet zu lassen, da jeder weitere Eingriff die Katastrophe hörbeiführen könnte. Sie hat daran erinnert, daß nur durch eine großzügige Ziivestitionspolitik dem Nebel abgeholfen werden könne, nur dilrch die Schaf- f u n g v o n Arbeit produktive Fürsorge geleistet werden könne und nur mit der Hebung der Konsumkraft der Piaffen dem Gewerbe und Handel, aber auch dem Staat selbst— durch reichlicheres Entfließen der Steuern— geholfen werden könne. Die Regierung hat verschiedene Investitionen versprochen, aber nur einen geringen Teil der vorgesehenen Arbeiten durchführen fassen. Und nun soll durch eine Notverordnung betvirkt werdet«, oaß bei diese«« Unternehmungen der sogenannte „freiwillige Arbeitsdienst" in Aktion tritt. Das Ministerium für soziale Verwaltung soll eine Verfügung erlassen, nach der allen jenen Arbeitslosen, die sich weigern, eine Zuweisung zum freiwilligen Arbeitsdienst an- zunehmenz die Unterstützung entzogen werden. Tamil wurde die„Freiwilligkeit" dieses Dienstes faktisch aufgehoben werden. Äl>cr in diesem freiwilligen Arbeitsdienst steckt noch eine andere eminente. Gefahr. Schon jetzt werden die wenigen Arbeiten zu kollektivvertraglichen Löh« ; w a n g s>v e> s e Entmannung gemeingefährlicher S c x u a l v c r b rech c r regelt. Oie neueste Provokation: SA-Wehrkreis Linz. Wien, 25. Juli. Bei der neuesten Reorganisation der SA- und SS-Truppe».in Deutschland wurde nach den Meldungen der ausländischen Blätter auch«ine territoriale Gliederung durchgeführt. Hiebei wurden nebst den sieben reichsdeutschen Obergrüppen, resp. Wehrkreisen, auch eine achte Obergruppe geschaffen, und zwar die Overgruppe Linz, wahrscheinlich als oberste SA-Stelle fiijc ganz Oesterreich. Diese Meldungen bedürfen, wie die„Reichspöst" schreibt, einer raschen Aufklärung, da die SA-Truppen heute■ nirfjt mehr eine Parieigar«, sondern eine staa tliche Organisation des■ Deutschen Reiches. sind. Zuchtwahl inj Dritten Reich: Kastrierung„Erbkranker“ »Freiwillig“, aber auch gegen den Willen des Opfers Berlin, 25. Juli. Tas Conti-Büro meldet: Das hente verkündete Gesetz„zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" bestimmt, daß Erbkranke durch chirurgischen Eingriss nnfruchtbar gemacht, d. h. st e r i 1 i s i e r t werden können; diese Sterilisation kann auch an solchen Personen vorgenommen werden, die an schwerem Alkoholismuo leiden. Seife S Mittwoch, 26. Juli 1988 Nr. 172 NflssenvcnSNfunüen in einer Berliner SA-Kaserne. Berlin, 24. Juli. 3 it j ine r_SA-Kaferne in Berlin-Charlotte»,bnrg stnd'nach^em'Genntz oos Mittagmahls am Sonntag etwa hundert Mann unter schweren BergiftungSerscheinungen erkrankt. 22 SA-Leute sind bereits gestorben; weitere drei, tzig besinden sich noch in Lebensgefahr. Man vermutet ein Attentat. Die Kaserne wurde durch Polizei besetzt und versiegelt; das gesamte Küchenpersonal ivurde verhaftet. Die Ermittlungen nach dem, bezw. den Tätern haben bisher nichts ergeben; in den Kreisen der SA behailptet sich das Gerücht, daß es sich uin einen Anschlag der SS handelt. Die Polizei lehnt jedoch ob, die Untersuchung in dieser Richtung zu betreiben. neu, die die Wirtschaftskrise noch zuläßt, namentlich im Baugewerbe, in dem allein 15.000 Arbeiter feiern, im freiwilligen Arbeitsdienst durchgeführt, der zwar trotz aller Propagandareden seines lzeimatjchntzierischen Organisators noch immer an chronischer Schwindsucht leidet, aber überall da eingefetzt wird, wo es noch)— und es ist nicht biel— Arbeit gibt. Ter freiwillige Arbeitsdienst bringt ernste, schlvere Befahren in arbeitsrechtlicher Beziehung mit sich, Gefahren, die die Lebensrechte der Arbeiterschaft treffen. Auch gegen diese allmähliche Untergrabung des Arbeitsrechtes hat die Partei heftig Protest eingelegt. Darüber hinaus aber erklärte es die Sozialdemokratie für untragbar, daß über solche Lebensfragen der Arbeiterschaft durch Noi- v e r o r d n u»l g e n entschieden wird, ohne die gesetzlichen Vertreter der Arbeiter und Angestelltenschaft zu befragen, die im Parlament, in den Arbeiterkainmern und den Gewerkschaften dafür zu sorget» haben, daß die Rechte der Arbeiter und Angestellkc«r gctvahrt bleibeir. Die Partei hat neuerlich in einer Kundgebung die Wiederher st ellung der versa s s u n g s>u ä ß i g e n G e s e h g e b u n g durch das Parlament gefordert. Die parlamentlose Zeit hat vielen, die den anti- demokratischeil Phrasen folgten und meimen, die Tenrokratie sei eine überwundene Form des staatlichen und öffentlichen Lebens, diese Zeit der stältdigen Offensive des Tollfußschen „Patriotismus" hat vielen, die schmollend und zürnend abseits standen, die Angen geöffnet, die nun erkannt haben, wohin es führt, wenn Regierungen ohne Kontrolle der Volksvertretung über die Massen hinweg Verordnungen diktieren, n u n w i s s c n s i c, w c»» d c» S Parlament für sie bedeutet! Inzwischen haben sich im Lager der Christlichsozialen, der stärksten Regierungspartei, Diitge abgespielt, die eine» lebhafte» Nachhall in der Oeffentlichkeit gefunden haben. I»» der Partei des Regierungschef», der in feilten Werberedei» für die„Vaterländische Front" wiederhol, betont hat, man kenne keinen konsessio»»ellen oder Rassenhaß, der auch die Juden— natürlich nach einem gewisse»» Prozeiujatz, das»var er feinen Wähler» schuldig— in seine Hilfspolizei und seine„Ostmär kischen Sturnlscharen" eingeladen hat, dieselbe Partei oder vielmehr ein ansehnlicher Teil dieser Partei, der„Oesterreichische Bauern- burid", forderte in fernem Organ„Der Ba»»ernbündler" einen sörmlichen numerus clausus, die„Zurückdrängung des jüdischen Einflusses in verschiedenen Branchen und Berufen auf jenes Maß, das dem jüdischen Anteil an der VorkriegsbevölkerungSzahl im Gebiete des heutigen Oesterreich entspricht". Vor allem forderte»» die christlichsoziale»» Bauern eine„B e r u f S r a l i o n i e r ir n g" bei Rechtsanwälte»», Aerzte»» und a»»derei» Jntelligenzberufen. Also eine u n verhüllte antisem irische Forde ri» ng, die in» krasse»» Gegensatz z»» de>» bisherigen Auslassnnge»» der Regierung steht, besonders des Kanzlers Dollfuh, der allerdings wiederholt entgleiste u»»d von»„jüdischen" Marxis- n»us sprach. Die Christlichsoziale» würden— darüber kann kein Zweifel sein— diesem Atavismus und den rassische»» Instinkte»» ihrer Laridtvöhler gerne Rechnung tragen, würden sie damit nicht der Förderung der jüdischen Unternehmer verlustig gehen. Das„Neuig- keitsblatt", in den» der Abgeordnete K u n- s ch a k für die Hausmeister und Kleinbürger Politik in Luegerschem Sinne»nacht und daü als Organ einer Gruppe der Christlichsozialen gilt, nimmt für die antiseiniiischei» Auslassungen des Bauernbundes offen Partei und dort ineldete sich auch der ehemalige Minister der Christlichsoziale»» S ch n» i tz zu»»» Wort, der vor dein AntiseinitiSinuS eine Verbeugung machte. Ria»» sieht noch nicht deutlich durch das Gestrüpp der offiziellen Willensregu»»gen, aber es scheint sich da ein merkwürdiges Bestreben I geltend zu macl)en. Man erkennt leicht, daß sich im Lagers der Christlichsozialen Strömungen bemerkbar j machen, die darauf hinzielen, den» Antisemi- tiSlnuS Geltung;»» verschaffen aus der Er- »vägung heraus, daß damit den» Rational' Washington, 2S. Juli. Mit einer Rund» sunkansprache leitete Präsident Roosevelt gestern abends seine» Feldzug ein, durch den er die Industrie mobil machen will, um ein sofortiges steigen der Löhne bei gleichzeitiger Herabsetzung der Arbeitszeit im ganzen Lande zustande zu bringen. Der Präsident sagte u. a.: Wenn alle Arbeitgeber in jeder gleichartigen Branche sich auf die Festsetzung der gleichen angemessene»» Lohne»u»d der gleichen angemessene»» Arbeitszeit für ihre Angestellte» ewigen würden, dann wurden höhere Löhne und kürzere Arbeitszeit den Arbeitgeber nicht schädigen. Es sei nicht möglich, einen allgemeinen Wohlstand ;»» erreichen,»vem» nur eine Hälfte der Bürger in» privilegierten Wohlstand lebt. Dir Annahme eines einheitlichen Lohn- tarises, mit dem die 85-Ttunden-Woche und der Minimallohn van 14 Dollar für Handarbeiter und die 40-Ttunden-Woch« und ein - fozialismus ein wichtiges AgitalionSthcma ent- wundci» wird. Hat ja Dollfuß wiederholt „Neuerungen" durchgeführt, die absolut aus der hakenkrcitzlcrischen Methodik herstamm« tcn: die antidemokratische, antiparla»ne»»tarische Tendcirz, die Idee des FührcrtumS, die uner- bittliche Verfolgung des Marxismus, der Ar« beitsdimst, der He»»»iatfim»»»el, der Haß gegen die Sozialversicherung, die Ausschaltung jeder Kritik u»»d nun der Antisemitismus; das si»»d alles Bestandteile der na»io»»alsoualistischen i Ideologie, der ein schwarzgelbes Mäntelchen umgehängt wurde. UebrigenS lassen cs die„Patrioten" an j unverhnlltei» Stzmpathiebeweisen für die„glorreiche österreichische Vergangenheit" nicht fehlet». Die Wiedereinführung der vorsintflutlich anmutcnden altösterreichischen Uniformen, die Pflege der k. u. k. Marschmusik, die Her- s Vorkehrung der„alte»» Tradition" bei jeder i Gelegenheit, die ewige Ableierung der Bundcs- j Hymne mit der ominösen„Gott-crhalte"-Musik, das beweist,»vie ivarn» das Herz der„Oester« I reichischen Front" für Habsburgs„ruhmreiche" I Sendung schlägt. Nun wurde die schwarz- gelbe Flagge, bereit Anblick bei nun« | bestens achtzig Prozent der Oesterreicher Brech- j reiz und Empörung auslöst, wieder in ihre I„alte»» Rechte" eingesetzt u»»d wird bei jeden» i Anlaß wieder zn sehen sein, außerdem soll nach i einer Meldung der„Linzer Pall" das alte I doppelköpfige Biest der Monarchie auf beut Wappen des republikanischen Oesterreich prange»». Oesterreich soll langsa»»» in die schwarzgelbe Mentalität hineinschlittern. Begreiflich, daß die österreichische Arbeiterschaft und mit ihr alle ehrliche»» Republikaner einer Regierung, die diese Dinge fördert und systematisch unterstützt, dem größten Miß- trauen begegnet nnd der Ruf nach Herstellung verfassungsmäßiger Z»»stände immer lauter wird. Minimallohn von 15 Dollar fllr di« Büroangestellten«ingesührt wird, werd« das Rod d«r Wirtschaft in Schtvung versetz«», und zwar s o» fort nnd nicht, wie einig« meinten, erst nach sechs Monaten. Wenn aber eine größere Gruppe von Arbeitgebern auS Unentschlossenheit herau» dies« groß« Gelegenheit versäumen sollte, würde die» bedeuten, daß ein weiterer verzweifelter Winter bevorstehe: und das dürfe nicht geschehen. Der Plan habe die Billigung von Vertretern der Arbeiterschaft, der Industrie und de» AohlfahrtSdienste» gesunde«. Ter Präsident teilte mit, daß olle Arbeitgeber, die sich ai» die Richtlinien halte»» würden, ein Abzeichen erhalten sollen mit der In- schris»„W»r haben das Unsrig« getan". Diese Abzeichen sollen an sichtbarer Stelle getragen»verden, um die Teilnahmslosen zu beschämen. Auch»verde im Postamt jeder Stadt«ine Ehrentafel mit dem Namen aller.Helfer angebracht»verden. Menschenraub Im Saargcblct. Protest an den Völkerbund Saarbrücken, SS. Juli. Dia saarländische RegierungSkonnnissi.il hat bei der deutschen Reichsreglerung u»»d dein» Völkerbund ge- gelt die Entführung von drei Personen Protest erhoben, von denen zwei französischer National!- töt»varen. Die drei Entführten wurden am 22. Juli abends unweit von-Homburg von Personen, di« auS den» Deutschen Reich gekommen »varen, a»»S den» Saargebiet verschleppt. Bisher hat die Untersuchung diese« Falles zur V e rhas- tung eines der Täter geführt. Wie die Sffeuttichleit irre geführt wird. Di« Kommunisten erzählen in ihren Blät- tern von einer neuen Schlechtigkeit der Sozial- demokraten. Danach hat Dr. Czech bereits die Weisung gegeben, die sogenannte Brotaktion aus Ersparungügründen einzustellen, Tie deutschbür- aerliche Presse wiederum versucht aus der gleichen Presse nationalistisches Kapital zu schlagen und berichtet von einer Einstellung-der Brotaktion im deutschen Gebiete, obwohl sie»veiß, daß gerade Tr. Czech alle Fürsorgeaktionen so leitet, daß die deutschen Gebiete ihren gerechten Anteil erhalten, wofür er auch vo»« Herrn Kaha»»«k und den „Narodni Lisch" nahezu täglich beschimpft wird. Alle diese Kritiker sind darüber informiert oder könnten, wen»» sie ihre»» journalistische»» Berus ernst nehmen, darüber informiert sein, daß für die Brolaktion von vornherein 1200 Waggons Roggen zur Berfügm»g standen, die nun verbraucht sind. Es hat sich al« von allem Anfang an nur»»»»» eine einmalige Aktion gehandelt, die nicht eingestellt»vird, sondern beendet ist. Mehr verteile»» als ihm zur Verfügung gestellt»vurde, kain» Dr. Czech nicht. Die Pressemeute wendet sich aber nicht etwa gegen die bürgerliche Mehrheit i»» der Regierung,»veil sie nicht größere Mittel für die Arbeitslosenhilfe zur Verfügung stellt, sondern greift Dr. Czech an. Bewilligt aber die Regierung irgend welche Mittel, so höhnen die Kommunisten über die Geringfügigkeit der Aktion, die Bürgerliche»» aber»verseil dem Dr. Czech vor, daß er staatliche Mittel vergeude. Dagegen kant» n»an nicht« machen, denn das oberste Gesetz aller nichtsozialdemokratischer Presse ist: D»< Sozialdemokratie ist unter-allen Umständen an allem schul d! Wo bitte? Im Brünner„Tagesbote" medi« tiert Herr Dr. W o r l, e z e k, vor kurzem»och Prager Korrespondent des kaseistischen„Berliner Tageblatt" des Herr» Göbbels— vielleicht ist «r e» a»»ch heut« noch!— über sudetendeutsche Politik. Also, wie geht das zu? In der sudetendeutsche» Politik jedenfalls sehr wirr, nämltch: Hier ringen AgrarismuS, Klerikalisnnis, Liberalismus, Marxismus und zahlreiche andere Jdeenrichtungen um die politisch« Führung und um Sie politische Macht. Herr Worliezek möge uns doch verraten, w o u»»d tvann, bei welcher Gelegenheit und»»» welcher Form der Liberal»smus u»n die politische Führung im Suiwtendeutschen und um die politische Macht ringt. Das würde unS sehr interessieren,»veil»vir noch nie etwas davon bemerkt habe»» und nur itnutet wieder sehen, daß sich die spärliche»» Bertrerer des weiland Liberalismus den Faseisten an die Rockschösse zu hängen versuche»» und auf jedes noch so bescheidene Eigenleben verzichte»». Roosevelts Rezept gegen die Krise: Arbeitszeitverkürzung und Lohnerhöhung. Riindfunltappell an die Einsicht der Unternehmer. tu*--!-1-' F.l—J—- 85 Die Sache mit Boms Kriminalroman von Grote Hartwig „ES muß auch durchaus nicht»vahr lein. Das»var der Grund. warum»ch es Ihne»» nicht sagte. Ich»vollte erst klar sehen. Er ist in diese Sache venvickclt. aber eS kann sich noch immer seine Unschuld Herausstellen: Das wird sich bald erweisen. Sein einziger, nachiveislicher Fehler ist, daß er seine Urlaubssrist nicht ei»»gehal»«»» hat. Es wird sich bald alles klären." „Wissen 2>e. daß der Untersuchungsrichter ihn für meinen.itomplicen hält?" Horst zuckle die Achsel.„Damit will er„Sie nur ei»»schüchlern oder zn irgendeine»»» Gestand, niü zwingen. Das lagt er nicht im Ernst." „Aber, wo ist Max?" ,,Quälen Sie sich dorh nicht üaniit! Wen»» er»virklich aktiv au dieser Defraudation beteiligt wäre, läge Ihnen denn dann noch an ihn»? Und wenn er Sie fallen läßt weil ein Verdacht ans Ihnen ruht... mit einen» Worte: wollen Sie ihr» denn»virklich»veiterlieben? Ich habe de»» Eindruck, daß Ihr Gefühl ermüdet, vielleicht sogar dahit» ist. Sie glaube»» n»»r, zu irgendeiner Treue verpflichtet zu sei»». Lassen Sie ihn, ich bitte Sie! Verbohren Sie sich nicht aus faisck-er Hiebesromantik in eine lot Sache. Ich beschwöre «Sie!'' ,,-Herr Doktor", sagte Lillian hart,„ich muß S»e in die Grenze»» Ihrer Befugnisse»Zurilckivei- sen. Ich glaube, daß Sie es gut»ne»»«»», aber Nleine Herzensangelegenheiten süid doch wirklich Meine Privatsache. Ehe seine Schuld nicht erwiesen ist, oder ehe ich nicht»veiß, daß er mich tm Stich« läßt, bin ich sein« Braut und denke hatte Die- «-»e Ge- noch weniger. Eü gibt ja noch andere Männer, die mit R. nr»d mit G. beginnen." „Die Unterschrift in der Bank zeigt dieselben Schriftzüge»vie der kleine Abriß des Briefes, der in den Strafakten liegt. Lassen Sie mich nur uiachen! Ich habe»neine eigene Kombination. Ich glaube, sie wird zu»»» Ziele führen." „Sie glauben!" rief Lillian spöttisch— zweifelnd. „Vertrauen Sie mir nicht?" „Doch... aber..." „Borris ist am Abend des Mordes um 23 Uhr abgereist. Es ist also nicht ausgeschlossen, daß er in» Separee»var. Zeitlich kollidiert dies nicht. Aber er kani» es nicht gewesen sein, der an» nächste»» Morgen das Geld behob; dem» da tvar er schon auf der Fahrt." „Wieso? Und der Paß? Und das Geld? Woher wissen Sie da» überhaupt?" „Bon Sophie Kandler." „Sie»var«»» bei ihr?" „Wie Sie eS wünschten." „U»ch?" „lieber das Geld»veiß sie nichts. Es ist dawohl»nöglich, daß Borris das Geld Rens "'' c halt« int,,_ ein Mann diese» Namen» im Grand'hotel abstieg imd nicht mehr wiederkam. besagt noch nichts. Daß die Wäsche, der Mant-l und die Tabatiere des Toten die Buchstaben R. G. trugeit, besagt.Räuber und Mörder ist derjenige, der das Geld nicht dara»», dies« Verpflichlu»»g zu lösen. Gott sei Dank, es gibt noch-Herzen, die lzalten, waS sie einmal versprachen n»»d meines ist von dieser Ar». Sie habe»»»vahrscheinlich noch nie mit einer richtigen Frau zu tun geljabt. Aber es ist hier nicht der Ort, meitschlich« Dinge zu bereinigen. Wie lange»vird den»» meine Hast noch danern?" „Nicht mehr lange, hoffe ich. Es ist nämlich clwaS sehr Merkwürdiges passiert. Daü gibt de»» Schatte»» einer Spur." „Nun?" „Renö Gaubier hat an» Morgen»»ach seiner Ermordung..."- „Nach seiner Ermondung?" fiel Lillian«in. „Ja, nach seiner Ermordung, in der Rot»al- Bank a»»s citten Travellerscheck,»vaS er flüssig mache» konnte, also ei» Veruiögc», behoben." Lillian sah zu Boden.„Das verstehe ich nicht!" sagte sie leis«. „Nenö Gaubier, der Tote, legitimierte sich »»!» seinen» Reisepaß, unterschrieb ordnungsgemäß, nah»» das Geld und entfernte sich." „Ich verstehe daS nicht!" „Tas war der Mörder; Ihm aus die Spur zu kominen,»st die nLchst« Aufgabe." „Ja, stimmte beim das Paßbild mit seinem Gesicht? Bei so großen Beträgen sieht ma>» sich doch die Leut« an." „Allerdings! Der Mann sah aus wie die Paßphotographie Re»»« GanbierS. Schnurrbar», lange Nase, alles da. Ein« offenbar glänze»»de Maske, Ein offenbar geriebener, routinierter Verbrecher." „Nein." „Sie glaube» eS nicht?" „Nein. Ich glaube viel«her, daß der Tote Separee gar nicht Rens Gaubier war. Daß her>,... Gaubier abgenommen bat. De»» Paß aber Borris vo»» Sophie Kandler." „Wieso?" „Ihr vor kurzen» verstorbener Bruder ei,»en gültigen Paß mit russischem Visum, sen Paß hat sie Borris geschenkt," „Seine Geliebte?" „N«in. Sie kennt BorriS nur flüchtig, ist Komnninistin, ei» imponierend kluge» lchöps. eine Arbeiterin." „Aber, Borr>S»vollte sich doch un» 9.30 Uhr da» Geld beim Bühneneingang holen. Warum erwartete er mich nicht dort? Warum zog er es vor. ein«»» Menschen zu berauben?" „Er»vor es nicht. Fräulein Band! Tert behob. Wie gesagt, lass«»» Sie mir kurze Zeit um meine Kombination zu Ende zu führen." Lilliar» seufzt«. „Kopf hoch!" sagte der Rechtsanwalt. Da» Mädchen wi»»kte müde ab. Als sie allein »var, versank sie wieder in Grübeleien. DaS Theater stand vor ihrem geistigen Auge, di« faszi- nierende Atmosphäre der Kulissenwelt, Tanz und Taumel, Rausch und Künstlertum. Noch einmal fiebernd im Rampeiüicht stehen, noch einmal,«in»»»al nur! Alles in ihr flehte um Leben, un» i h r Leben. 20. Die Photographie. Dr. Horst Künke saß in seinen» Arbeitszim- mer und stöbert« in Notizen, Akten nnd Aufzeichnungen. Sein großer Schreibtisch, an den» einige Laden offen standen, war bedeckt mit Papieren, die er ordnete, sichtet«, studierte, in denen er her- nmwühlte nud voi» de»»«»» er manche immer wie- der las. Dann versank er in Nachde»»k«n. Er l»att« den Fall vo»» verschiede»»«»» Seit«»» angefaßt, manch« interessante Details erfahren, aber vieles schie»» ihm nun noch verworrener und ein« gerade Linie war nicht zu erkennen. Und er mutzte die Sache entwirren, koste«8, was immer. Dieses Mädchen»var unschuldig und er mußte alles aufbieten, un» ihr zur Wiederherstel- lu»»g ihrer Ehre, zu verhelfen. Er hatte e» ihrem Vater versprochen, ehe er sie noch kannte, jetzt, seit er sie geseheu und gesprochen hatte, war es ihn» ielbstverständlichste Pfsichi. Rasch mußte gearbeitet»verden, deshalb hatte er sich auch mit «i»»«n» Detektivbüro in Verbindung gesetzt, von den»«r ailch tatsächlich beinahe jede Stunde telephonisch neue Nachrichien erhielt. (Fskljetzung io»»».- Nr. 172 Der Naftonalsndlsmus in voller Ahiion.* Erpressung an Genüssen Wnrdi In bet Prager Emigration lebt anch der Genosse W o r ch, ehemals Bürgermeister von Langewiesen In Thüringen. Worch hatte seinerzeit versuehl, die republikanischen Behörden durch Aufgebot von NeichSbailner gegen den Staats- streich der Nazi zu sicher». Ta« ist selbstverständlich für da« neue Regime der Anlag, Worch mit unerbittlichem Hag zu verfolgen. Ta Man ihn selbst nicht mehr erreichen kanit, hat man nun seine F r a u und seine Tochter in „S ch u tz h a f t" genommen, da« heisst unbekannten Foltern und hundertfachen Qualen, vielleicht dem sicheren Tode ausgeliesert. In der Begründung— die Scherge» de« Blntgoring leisten sich tatsächlich hie und da dc» LuxilS, ihre Bestialitäten zu„begründen"!— heisst e«, die Verhaftung erfolge al« Repressalie gegen die Grenelpropaganda, die Worch getrieben habe. Auch sei er ein H a u p I s ü h r e r des K o in in u n i s m n s in Thüringen gewesen. Worch ist in Wahrheit niemals Kommunist gewesen und hat im übrigen hier keinerlei Greuel- nachrichten verbreitet, sondern überhaupt leine Mitteilungen an irgendwen ergehen lassen. Für die Hunnen ist es natürlich völlig irrelevant, ob ihre Begründung stimmt oder nicht. Sie wollen Rache üben und wo sie dies nicht an den unmittelbaren Objekten ihres Hasses können, nehmen sie als schamlose Erpresser, die sie sind, Geiseln fest, lassen sie ihre Wut an Menschen aus, die niemals Politisch tätig waren. In ein besonderes Kapitel gehört ja die dreckige Verlogenheit, mit der die Nationalsozialisten immer dann, wenn sie neue Greuel begehen, ihre Entrüstung über die „Greuel m ä r ch e n" zum Ausdruck bringen. Diese Art zu lügen, die man anS den deutschen GeneralstabSberichten der KriegSzeit so gut kennt, ist tatsächlich eine Preussische, also neu- hunnische Spezialität. Im selben Augenblick, da Göring in oller Oesfenllichkeil z» tausend- fachen neuen Greueln anssorderte, verkündete er, daß eben diese anch zur Bestrafung für die Verbreitung von Greuelmärche» verhängt würden. Genau so in diesem Falle. Man wirst Worch vor, er habe gelogen, daß eS Greuel gebe, also verhaftet man seine Angehörigen, damit jedermann sehe, wie fern von allen Greueln der Hunnenstaat ist! ES ist eine altpreußische Tradition. Friedrich Wilhelm 7. pflegte seine Untertanen auf der Straße zu prügeln. Als einmal ein Berliner Bürger, der des König« ansichtig ward,' rasch entfliehen wollte, lies Se. Majestät dem Unglücklichen nach, drosch mit dem Stock aus ihn ein und schrie: Lieben sollt ihr mich, lieben, nicht fürchten! Auch Göring foltert, weil man behauptet, daß er ein Schinder sei. Krach um natda. Palastrevolution im„Deutschen Modeamt". Ta Mogda, die millionenschwere Gattin des braunen Reichsreklame-Einseisers Tr. Goebbels, durch einen unverzeihlichen Regiefehler des nationalsozialistischen ReichSversorgungsainlS zu Beginn der nationalsozialistischen Gegenrevolution kein Pöstchen erhallen hatte, korrigierte der treusorgende Gatte diesen Irrtum der„aufbrechenden Nation" und schuf, sanft belächelt von allen Fachleuten, das„Deutsche Modea>» t". Diese kuriole Institution, die in ihren bombastischen Ankündigungen eine„revolutionierende Umwälzung des Kleides des deutschen Menschen" versprach, hielt vor einigen Wochen in Berlin einen„Arbeitsabend" ab, der als heiteres Intermezzo den blutigen Ernst der braunen Terrorproxis angenehm unterbrach. Frau Magda propagierte an diesem Abend, von heiliger urväterlicher Inspiration ergriffen, eine Art „Mode", wie sie höchstens in geschlossenen Anstalten und Psychiatrischen Kliniken geduldet werden kann. Ter munteren Tame schwebte so etwas wie ein r unenverzierteS Nacht. Hemd vor, mit dem die art-, blut- und bodenverwurzelte Nationalsozialistin jegliche Konkurrenz glatt k. o. schlagen sollte. Man registrierte die fröhlichen Scherze der nationalsozialistischen Modeschöpferin nicht ohne Sinn für Stil in der Wihecke und so ist, im weiteren Verlauf dieser tragikomischen„ErneuerungS"aktion Frau Magda aus ihrem originellen Modeamt hercrnsgeflogen. DaS Modeamt aber liegt bereits in den kehlen Zügen. Die runenverzierten Nachthemden werden', Wotan seis geklagt, weiter eine Privat- liebhaberei der Frau Magda Goebbels bleibe» müssen., Vor der letzten Vollsitzung In London. London, 25. Juli.(Reuter.) Tas Büro der Weltwirtschaftskonferenz hat heute den Bericht, der Donnerstag der Vollversammlung vorgelegt werden soll, gebilligt. Nach der heutigen Entschließung des Büros der Weltwirtschaftskonferenz erachtet man die Zukunft der Konferenz als sehr unsicher. Dke Vertagung der Konferenz wird sich wahrscheinlich einige Monate lang hinziehen uzrd solange dauern, bis sich die Geldlage bessert. Inzwischen werden aus Wunsch des Büros der Konferenz nur einige Sektionen und Gruppen ihre Arbeiten fortsetzen. A Mittwoch, SS. Juki 103L Seite 8 Aus Angst vor Gegenaktionen: General-Razzia im ganzen Reichsgebiet. Lebhafte Tätigkeit„staatsfeindlicher“ Elemente amtlich zugegeben! Berlin, 26. Juli. Aus Anordnung des geheimen Staatspolizeiamte» wurden am Dien«, tag Mittag ab 12 Uhr im ganzen Reichsgebiet sämtliche Haupt- und Nebenlinie» der Reichsbahn sowie die gesamten DurchgangSstraßen für de» Kraftverkehr einer eingehenden P e r s o. neu- und 2 u ch k o n t ro l l e unterzogen. Wie das WTB. erfährt, wurde» zahlreiche steckbrieflich gesuchte Personen sestaenommen und an zahlreichen Stellen bet der Einsichtnahme in die Gepäcksstücke i ll tga leS Schr lft e n Mater i a l vorgesunden. Ferner erfolgte die Fest« »ahme, beziehungsweise Feststellung verschiedener Personen, die teil« unbefugt Schnßwassen führten, teil« ohne Führerschein am Steuer von Kraftwagen saßen. i Zur Durchführung der Fahndungsaktion wurden sämtliche Polizeiorgane einschließlich der Hilfspolizei, teilweise auch SA. und SS. heran- gezogen. Die Durchsuchung der Eisenbahnzüge war im ganzen Reichsgebiet spätestens um 12 Uhr. 40 beendet. Die in ihrem Umfang erstmalig so groß durchgesührte Fahndungsaktion geschah, wie es im amtlichen Stil heißt,„um»unmehr mit aller Macht den kommnnistischen und anderen staatsseindlichen Umtrieben, die sich überall im Reiche noch bemerkbar mache n, Einhalt zu gebieten. Immer noch betvegen sich im Auftrag staatsfeindlicher Organisationen Kuriere durch daS Land. Im Interesse der Allgemeinheit war daher die Fahndungsaktion notwendig". Der widerstand wachst! In Äreslau«Scheitnig hat die Geheime Staatspolizei angeblich erst nach einem Feuergefecht eine b e io a s f n e t e Klebekolonne der KPD sestgenommen, die mit der Terror- gruppe des Rote» Frontkämpferbundes identisch sein soll. Eine große Anzahl von Personen wurde in Haft genommen, die Hersteller der zum Aufkleben bestiminten Flugblätter und die Ge- Heimdruckerei wurden ermittelt. Nördlich von Berlin wurden von der Polizei an verschiedenen Seen Zeltstädte durchsucht; dabei wurden nach einer amtlichen Meldung Was. sen und fertige Klischees für eine neue Ausgabe der„Roten Fahne" gefunden. In Stuttgart wurden rund zweihundert Personen in Schutzhast genommen. Angeblich hätten die Linkskreise beabsichtigt, das kommende deutsche Turnfest zu einer besonderen intensiven illegialen Tätigkeit zu benützen. Tie Polizei will viele„verbotene Schriften" beschlagnahmt haben. Vorbereitung des neuen Krieges, fieberhafte deutsche Rüstungen. Berlin, 26. Juli. Auf dem Schießplatz Moppen, der im Besitz von Krupp ist, wurde» Versuche mit 42 Zentimeter Mörsern angestellt, aus dem Schießplatz I ü t/ r b o g wurden schwere Jeldhaubttzen, hergestellt von Rheinmetall, ausprobiert. * Paris. G. London setzt im Journal seine Enthüllungen über die deutschen Rüstungen fort. Er meldet, daß Tanks von den Linke-Hofsmann- werken, Breslau und von Daimler-Benz gebaut werden. Die Wasfenfabrit Mauser liefert moderne Schußwaffen, die bei Polke in Magdeburg aufgestockt werden. Rheinmetall hat sich auf die Kanonenfabrikation geworfen. Tie.Minenwerfer werden in Eisenach erzeugt. Pintsch in Fürstenwalde fabriziert Gasapparate. Munition wird bei dem getarnten Werk Polke in Magdeburg und bei den Deutschen Werke» in Spandau erzeugt. Außerdem werden Waffen und Munition aus des'Ausland eingesührt, so aus der Schweiz, Holland, Schweden und sogar aus Litauen. Eine ganze Reihe großer Fabriken kann von heute aus morgen auf hvchgesteigerte ÄistgaSsabrikation umgestellt werden, beispielsweise: Chemische Fabrik von Heyden, Radebeul-Tresden(flüchtige, unsichtbare, leichte Gase bisher unbekannter Zusammensetzung); Billwarder in-Hamburg- Bill- brock(Arsenikgase); Schering-Kahlbaum(Chlor, gase); Gehe& Co., Dresden(Phosphorgase) ganz abgesehen von den Großwerlk» der IG-Farbe», die vollkommen vorbereitet sind aus die Äistgait- sabrike.tion.. MU« Zusammenstöße zwischen Reichswehr und SA. Bel antisemitischen Ausschreitungen In Nürnberg. Nürnberg, 23. Juli. Die Demonstrationen und die Gewaltakte gegen jüdische Geschäfte und gegen jüdische Passoulen auf de» Straßenbahnen nehmen ihren Fortgang; am Samstag nachmittag sind nationalsozialistisch.' Trupps in zahlreichen Fällen in die Privatwohnungen jüdischer Familie» eiugedrungen, hoben die Einrichtungen demoliert und die Insassen verhaftet. Es handelt sich hierbei ohne Ausnahme um Personen, die politisch niemals hervorgetreten sind. Tas Standortkonimando der Reichswehr hat den Reichsslatthalter für Bayern, General von Epp, die Reichsregierung und den Reichspräsidenten telegraphisch von den Borsälle» unterrichtet und dringend um Abhilfe gebeten; nach einer anderen Meldung, sür die eine Bestätigung jedoch bisher nicht zu erlangen gewesen ist, hat dos Reichswehrkommando die Verhängung des militärischen Au 8 n c h m e zu st a n d e s für Nürnberg gefordert. Tatsächlich aber durchziehen seit dem gestrigen Abend zahlreiche Patrouillen der Reichswehr, ausgerüstet mit Stahlhelm, Gewehren nnd Handgranaten, die Hauptstraßen Nürnbergs und FürthS; hierbei kam es in Fürth zu einem blutigen Zusammen stoß zwischen einer Abteilung der Reichswehr nnd demonstrierenden Nationalsozialisten, bei der daS Militär, in Notwehr gebracht, vo» der Schußwaffe Gebrauch zu machen gezwungen war. Fünf Nationalsozialisten wurden verletzt, darunter zwei schwer. Ter bayrische Innenminister hat durch Po. lizeifunk ein Verbot an«die gesamte Preffe in Bayern erlassen, über die Nürnberger Vorgänge zu berichten. Neue SA-Revolte. BreSlau, 22. Juli. In G l« i w i tz bestehen seil der bekannten Hitler-Rede in Bad Reichenhall schwere Konflikte zwischen der meist aus proletarischen! Milieu stammenden SA und der SS. In einer gemeinsamen Mitgliederversammlung hatte die SA eine scharfe Resolution gegen den neu en Kurs der Regierung und sür einen entschiedenen Sozialismus eingebracht; die Abstimmung über diese Resolution aber hatte'die SS verhindert und die Versammlung tvurde unter Einsatz eines Kommandos der Schutzpolizei vorzeitig ausgelöst. Bor einigen Tagen wurde der SA bekannt, daß sie entwaffnet und in ein schlesisches Arbeitslager abtransportiert werden solle; diese Nachricht veranlaßte die SA, die starke Kräfte von außerhalb berbeigezogen hatte, sich mit einem G e w v l t st r e: ch in den Besitz des Standquartiers nnd des dort sich befindlichen Waffenlagers der SS zu setzen. Die anwesenden SS-Leute wurden verhaftet, das Haus in den Verteidigungszustand gebracht. Bisher lehnen die SA-Leute jede Verhandlung mit dem aus BreSlau eingetroffenen Beauftragten des schlesischen Oberführers Heine ab. England läßt deutsdie Polizeillugzeuge nidit zu. Schone amtliche Absage an Herrn Goerlng. London, Ski. Juli.(AR.) Die britische Regierung hat dem preußischen Ministerpräsidenten und Reichsluftfahrtminister Goerlng, der kürzlich dem englischen Attache, für Flugwesen mitteilte, daß' die österreichische Regierung einige englische Flugzeuge vom Typ der Militärflugzeuge für Polizeizwecke angekauft hab«, und die Möglichkeit erwähnte, daß auch Deutschland bereit wäre, Flugzeuge der gleichen Type und sür den gleichen Zweck anzukause«, geantwortet, daß Flugzeuge von der bezeichneten Type an Oesterreich nicht geliesert wurden und daß die britische Regierung nicht beabsichtige,«in« Verletzung deS Pariser Flngabkom« mens auS dem Jahr« 1926 stillschweigend zu dulden, aus Grund dessen 50 Mitglieder der deutschen Polizei die Bewilligung zur Ausbildung im Flugwesen erhielten, keineswegs aber zur Ausübung ihrer Dienstpflichten mit Flugzeugen oder zur Anschaffung von Flugzeugen. Hngzeug-PropagaiMla i wird fortgesetzt! Bregenz, 26. Juli. Heule nachmittags erschien über den Vorarlberger Städten nn Orten Bludenz, Feldkirch, Rantweil, Dornbir' und Bregenz ein deutsches Flugzeug mit der Kennzeichen l) 4885, auf den Tragflächen schwär; weißrot gestrichen. Das Flugzeug warf Flugzet^ ab, die Schmähungen gegen die österreichiftM. J Regierung enthalten. Einer der Flngzettel ist de» p Abdruck einer Rede, die Dr. Habicht irp 4 Münchener Rundsunk vor kurzem gehalten half. Die Vorarlberger Landesregierung erstattet z bei der Grenzpolizei in Lindau dir Anzeige, da, r ein deutsches Flugzeug ohne Bewilligung di,\ österreichische Grenze überflogen habe, und legt! Protest ein. Dir deutsche Grenzpolizei in Lindais versprach, diesen Protest weiterzuleiten. Die österreichische Gesandtschaft in Lerkft erhielt den Austrag, auch in diesem Falle geg« diese BölkerrechtSverlehung entschieden VerwaV rung einzulrgen. ( n. di' ion :n!t Juli Lia diese Kampffront^?,', Einwirkung deS sozwlistischdn^r* Nazl-Drudterel geschlossen. Tie Druckerei„Lesterreichische Truck- und BerlagSanstalt" im Wiener VIII. Bezirk, in der die großdeutschen und zum großen Teil auch nationalsozialistischen Blatter gedruckt wurden, ist Montag behördlich geschlossen worden. 200 Angestellte sind dadurch brotlos geworden. Das großdeutsche Haupt-Organ„Wiener Neueste Nachrichten" ist heule in der Druckerei der Firm-' Waldheim u. Eberl, der Wiener Filiale 88» UllsteinhauseS, erschienen. Von den eingestellten nationalsozialistischen Blättern ist heule kein einziges erschienen, doch wurde in einer Winkeldruckerei im VII. Bezirk das neue Abendblatt„Ä b e n d p r e s s e" gedruckt, ein Ersatzblatt sür die eingestellte„Wiener Abendzeitung". Außerdem treffen die Nationalsozialisten Vorbereitungen zur Ausgabe neuer Zeitungen, nnd zwar in der Druckerei Faber in K r e m S sowie auch auf ungarischem Boden in O e d e n b» r g. „Tendenzmeldungen“. Wien, 25. Juli.(AN.I In der ausländischen!| Presse sind in den letzten Tagen Tendenzmeldun-z I gen erschienen, die dahin gehen, als ob die| Lage des I udenlu m S in Oesterreich i gefährdet wäre, wobei gewisie Parallelen mit den Vorgängen im Deutschen Reiche gezogen wurden. Temgegenüber wird der Amtlichen Nachrichtenstelle von maßgebender Seite erklärt, daßW^ diese Meldungen in keiner Weise den Tatsachen v* entsprechen, da die Inden in Testerreich aus? Grund der österreichischen Bersassung aus allen? Gebieten sich vollster Gleichberechtigung erfreuen, nnd da an eine Aenderung der sür die Behänd» t lung konfessioneller Fragen in Oesterreich gelten- I J der Bestimmungen in keiner Weise gedacht ist.W Wailenlundc bei Nazis. J Klagenfurt, 25. Juli. Bei der gestrigen; Wafsensuche bei zahlreichen Nalionalsozialistp^kl wurden in Spittal an der Trau und in-. Dreißenburg je ein Maschinengewehr sowie zahlreiche Bajonette und andere Massen beschlag- nahmt. Nordische Staaten Segen den' Nationalsozialismus. ,. zu Ter Beschluß des schwedischen Reichs-u. tagS betreffend Unisormverbot tritt nach einer gestern erfolgte» Mehrheitsentschließung bereits h. am ersten August in Krasl. Tie Ursache zu dieserM Beschleunigung liegt in dem provozierenden Auftreten der schwedischen Nationalsozialisten, die nach deutschen Direktiven ihre unisormierten Trupps auch in Schtveden aufzuziehen beginnen. Es kam bereits mehrfach zu Zusammenstößen zwischen diesen Trupps und der sehr zurückhaltenden schwedischen Arbeiterschaft, die sich jetzt zusammen mit großkn Teilen deS Bürgertums entschlossen zur Wehr setzt gegen diesen Import ans Deutschland. Reichstag und Regierung haben sich»ttnmehr ebenfalls in!’* gegen den FaseiSmnS gestellt J Unter der C’.‘, Wahlsieges in Finnland hat sich die finnische Regierung nun auch zu entschiedenem Vorgehen gegen die Nationalsozialisten enlschlvssen. Der Reichstag ist hier noch weiter gegangene als in Schweden nnd hat durch Gesetz mit sofortiger Wirkung die Mitgliedschaft der militärischen Organisationen und anderen Zusammenschlüssen verboten, die als Ztveck„die Einwirkung auf Staatspolitische Angelegenheiten" verfolgen. Ebenso wird die Gründung solcher Bereinigungen verboten. Tas ist ein entscheidender Schlag gegen die zwei oder drei Nazi-Richtungen in Finnland, die nunmehr verboten und aufgelöst sind. So werden sich gerade die nordischen Staate» in schärfster Welse gegen die national» sozialistische Welle, die hier im Norden trotz ihrer „nordisch-germanischen" Ideologie ans heftige Ablehnung stößt. Gösta NilS.- 300 spanische Putschisten In Schutzhalt Madrid, 25. Juli. Ministerpräsident Azana bezeichnete die Umstnrzbewegung, die die Regierung aufgedeckt zu haben erklärt, als eine rein zivile; Mililärpersonen seien daran nicht beteiligt. Nach in- Paris vorliegenden Meldungen sollen bisher nicht weniger als 500 Personen In Haft, bzw. in Schutzhast genommen worden fei». braunen 1 bei Tas i zwischen der Gemeind« und Ihren 64.000 Angestellten und 15.000 Pcnsio- ' GchaltS- Prozenl Mittwoch, 26. Juki IstU Untersuchung eine» Brückeneinsturzes. Der Minister für öffentliche Arbeiten hat ungeordnet, dich die Ursache» des Einsturzes der Brücke über den Tcrcbla-Fluß in Karpathorußland, der bei dem kürzlichen Hochwasser erfolgte, durch eine Sonderkommission untersucht werde, mit deren Leitung der Minister den Ministerialrat Jng. Adolf JanvuZek betraut hat. Die Kommission wird diese Woche mit ihren Arbeiten beginnen, da ein früherer Arbeitsbeginn infolge des hohen Wasserstandes des Flusses Terebla nicht möglich gewesen ist. Einer, der nicht sterben konnte. Ein Mann, dem cs trotz siebenfacher Anstrengungen nicht möglich war, sich aus der Welt zu schaffen, ist von der Polizei des bosnischen Ortes Banjaluka verhaftet worden. Tiefer Unglückliche wurde wegen verschiedener Betrügereien gesucht und wollte sich dem Arm der irdischen Gerechtigkeit entziehen. Er kletterte daher aus das Dach des Zuges, in dem er sich auf seiner Flucht befand. Als er einen Tunnel erreichte, da zeigte sich, das sein Kopf unter der Tunneldecke gerade hindurchging und er unversehrt blieb. Er kletterte also wieder in sein Knpec zurück, setzte sich einen Revolver an den Kops und drückte ab. Aber— in seiner Aufregung hatte er vergessen, den Revolver zu laden. Run wollte er es mit dem Hängen versuchen. Er befestigte einen Strick um seine» Hals, knüpfte ihn fest an das Gepäcksnetz und sprang von seinem Ditz herunter. TaS Gepäcknetz brach ab. Run trank er eine Flasche aus, die mit einem Opiat gefüllt war, schnitt sich mit seinem Taschenmesser die Pulsadern auf und sprang dann aus dem Fenster Zuges. Doch der Sturz wnrde gedämmt, in das er hineinfiel; die waren nicht lies genug, um ein Folge zu haben, und das Opiat GeüaltslvrzungS'A^ommen bei der Wiener Gemeind«. Wien, 25. Juli. Ter Wiener Gemeindcrat hat in seiner gestrigen Sitzung einem Abkommen zngestimmt, das t'."'.'. nisten abgeschlossen wurde und eine resp. Pensionskürzung von rund 4 Vorsicht. des fahrenden durch Dickicht Schnittwunden Verbluten zur erwies sich als nicht giftig. Er wurde, in lebendem Zustand aufgesunden, nach dem Krankenhaus gebracht und dort wieder ganz hergcstellt. Als die Polizei erschien, um ihn zu verhaften, entfloh er au.« seinem House und stürzte sich in den nahe gelegenen Fluß. Aber die Beamte» zogen ihn heraus und brachten ibn in Sicherheit: ins Gefängnis. Der Brünner Scheckbetrug aufgeklärt? Am 11. Juli wurde in der Filiale des Postscheckamtes in Brünn ein Scheck der Filiale der Mährischen Bank in.Hultschin auf 75»000 fe, der a u s den Ne b r r b r i n g e r lautete, anstandslos ausgezahlt. Erst durch die Reklamation der Bank- filialc kam man darauf, das; der Scheck ursprünglich zur Auszah I u n g an die Bank lautete; der betreffende Ttcmpelaufdruck wurde jedoch aus cheinischein Wege entfernt und der Scheck aus denUeberbringer umgeschric- ben. Die Polizei vermutete den Betrüger unter den Angestellten des Postscheckamtes. Tie diesbezüglichen Nachforschungen wareit auch von Erfolg begleitet. Es wurde fichcrgeftellt, daß m einer Gemeinde bei Brünn ein,großes Gastmahl veranstaltet wurde und daß der Gastgeber, ein Angestellter des Postscheckamtes, mit einer 5000- Kronen-Note zahlte. Ter Angestellte würde verhaftet und mir einigen seiner Kollegen einem strengen Verhör unterzogen, dessen Ergebnis int Interesse der weiteren Untersuchung noch geheim gehalten wird. Schundromane und Wirklichkeit. In Szar- v a s(Ungarns hat sich unter Einfluß von Detektivromanen und Filmen eine jugendliche Einbrecher- und Räuberbande gebildet. Tie Mitglieder der Bande, die durchwegs aus zrhn- b i s zwölfjährigen Knaben bestand, und den noch der für Anhalt und Braunschweig„angesichts der sich häufenden Fälle von Tierquälerei die Behörden veranlaßt, ans das schärfste gegen Ticrquälcr vorzugchcn." In Fällen„besonders roher Tierquälerei sind die Schinder sofort in ein Konzentrationslager zu stecken", heißt es in der amtlichen Verlautbarung der tierliebenden und m e n s ch e n h a s s c n d c n Barbaren. Widerwärtiger als das mittelalterliche Treiben des Nationalsadismus, unsauberer als seine subalterne Verlegenheit im Kampf um die Erhaltung der erschlichenen Machtpositionen, schlimmer als die tierische Brutalität der ausgehal.'ericn Hooligans von der SA ist der deutsche Fascismus dann, tvenn er sentimental wird. Welch,ein Zynismus, angesichts der noch frischen Gräber seiner Opfer in ein tränenreiches Plaidoyer für die verfolgte und mißhandelte Tierlvelt auszubrechen! Bestialität undSentimen« t a l i t ä t wohnen oft eng zusammen, niemals aber waren sie ungenießbarer vereinigt, als in jenem traurigen braunen„ReichSstotthal- ter", der, auf einem Berg von Leichen residierend, die Hunde und Katzen an seine schützende Männerbrust nimmt! Wahrscheinliches Wetter heut«: Wechselnd bewölkt, zeitweise ziemlich heiter, namentlich in den südlichen Teilen des Staates. Allmähliche Erwärmung. Mit gleichen Mitteln heimzahlen! Wir erhalten folgende Zuschrift: Lieber„Sozialdemokrat!^ Biele Genossen können sich mit der vro> pagierten„abgrundtiefen Verachtung" alö Maßnahme gegen die Anonymen und Nichtanonymen, die im Nazi-„Tag" und sonstwo alle Menschlich- keilsgefühle besudeln und Verleumdung. Feigheit und tierischen Sadismus zu ihrem Lebenszwecke machen, nur bedingt einverstanden erklären. Wenn cs auch stimmt, daß m normalen Zeiten die Demokratie die Meinungsfreiheit aller zu respektieren hat, so sicht cs doch anders aus, wenn verbrecherische Elemente, wie die Fascisten aller Länder, die öffentliche Meinung vergiften wollen und auch aus diesem Lande ein Irren- und Zuchthaus wie Deutschland und Italien zu machen anstreben. Dann müssen eben gegen diese sür die Gesamtheit gemeingefährlichen Elemente dieselben Mittel in Anwendung gebracht werden, die ihre Busenfreunde im Reich und in Musfolinicn gegen ihre friedliebenden Mitbürger gebrauchen! Das Gesetz der Bcrgeltung als solches ist nicht nur im Alten Testament seslgesrtzt, cs ist auch menschlich vollkommen logisch, wenn auch im Gegensatz zur christlichen Lehre, deren Vertreter auf Erden, der Papst gerade... das Gegenteil macht, im selben Augenblick, in dem ein ganzes Volk von einer im Blutrausch sich wälzenden Bcrbrecherbandc angcsallcn wird. Aber im Falle dieses Landes, wo die Nationalsozialisten glücklicher Weise noch nicht zu befehlen haben, muß dafür vorarsorgt werden, daß 's auch in Zukunft so bleibe. Und zu diesem Zweck genügt die Verachtung nicht. Man kann ! uns Italienern die Praxis und Erfahrung im Wesen des Fascismus und seiner Troger nicht absprcchen; die Gegenwehr muß von der Bevölkerung selbst ausgehrn und praktisch den Gegnern eines friwlichen, gleichberechtigten Zu- saiumcnlebens de« Geist der scigcn Bestialität aus dem Leibe treiben! Nur dieses Mittel kann erfolgreich sein! Mit ozialistischem Gruß Tein Dr. B i t t o r i o M u n g i o l i. Der Tod am Schachbrett. Tiefer Tage wurde im Haag das Schachturnier um die Meisterschaft von Holland zu Ende gespielt. In der vorletzten Runde ereignete sich ein tragischer Vorfall. Dr. Olland, der zu den besten hollän- dischcn Schachspielern gehört,, spielte gegen Mamming. Gerade in deni Augenblick, als er eine Figur gewann und damit einen sichtlichen Bor- Icil erzielte, wurde er am Schachbrett vom Herzschlag getroffen und starb im Laufe weniger Sekunden. Dr. Olland war 66 Jahre alt. Knapp vor dem Ziel verunglückt. Das Ehepaar Mollisvn, ..das am Samstag von Wales zu einem Atlantik- slug gestartet und auch glücklich über den Ozcan hinüvcrgekommen war, ist am Montag früh auf dem Flughafen von Bridge Port kurz vor New Dort notgclandet. Bei der Landung ereignete sich ein Unglücksfall; die Maschine überschlug sich und begrub das Ehepaar nnler seinen Trümmern. Sofort herbcigccilte Heiser konnten den Piloten und seine Gattin retten. Glücklicherweise haben sic sich keine ernsthaften Verletzungen zugczogcn. Tie Mollisons können den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, das erste Wcpaar zu sein, das den Ozean in der Ostwcst- richtung überquert hat. Tic waren insgesamt 39 Stunden in der Luft, davon 20 Stunden über dem Atlantik. -«ldlgung für die Mollisons. New Hork, 25. Juli. Tas Flugzeug, welches das Ehepaar Mollifon von Bridge Port nach New Nork zu bringen hatte, ist gestern aus dem Flugplätze von Floyd-Bennct um 18 Uhr 5 Minuten ostaincrikaiiischcr Zeit eingetrossen. Tausende von Zuschauern, die von 150 Polizisten nur mit Mühe zurückgeholtcn werden konnten, bereiteten dem erfolgreichen Flicgrrpnar seiner Landung begeisterte Huldigungen. D Ehepaar fuhr im Auto nach New?)ork. bis zwölfjährigen drangen unter anderem in ein Kino ein raubten den Projeklionsapparat sowie Inhalt der Büsettkasse. Dann Plünderten sie kleinere Geschäfte. Sämtliche Mitglieder Bande wurden sestgenommen. Di« 1s. Reichenberger Mehr findet vom 12. bis 18. August 1933 stall. Sic umsaßl 21 Warengruppen, darunter in erster Reihe Textilerzeugnisse, ferner Glas, Porzellan, Tpiclwaren usw. Eine besondere Sehenswürdigkeit wird die große Ausstellung„Tic Frau und das Kind" darstellen. Et« aitiUiOttenfc&afe wird gevorgen. In der Nähe der westfriesischen Insel Tcrfchevina liegt das Wrack des im Jahre 1799 untcr- geaangenrn englischen Schiffes„Lutin e", in dessen Innern sich ein unermeßlicher Goldschatz befinden soll. Der deutsche Ingenieur Beckers will sich mit diesem kegelförmigen Stahlturm zu dem gesunkenen Schiff hinablassen und den Goldschatz heben, Seelenvolle Sadisten... Die Untermenschen des Dritten Totenreiches, Experten für alle Arten von Sadismus, Meister rrn Prügeln, Demütigen, Foltern und Aus- fxitschen wehrloser politischer Gefangener, kurzum menscheusresfende Borncandertaler, die versehentlich in die Bügelfalte und den steifen Kragen des 20. Jahrhunderts hineingerutschl find, haben über Nacht so etwas wie Seele bekommen. Wie die Preßg'rammophone der .^braunen Fronvygte mii treuherzigem Augen- aufjchlag vnttetlen, hat der Reichsstasthalter Aus Len Fl Men ver Theiß gerettet. Heldentat zweier Gendarmeriebeamter. Uk.horod, 25. Juli. Bei Taöcvo rctlelc der K Gendarmericwachtmcistcr B. Tiava unter eigener MLebensgesahr den ertrinkenden B. Popovic, den 8'er in bereits bewusstlosem Zustand ans den k Fluten der Theiß hcrauszog. Mil Hilfe des k Gendarmeriefähnrichs Freiberger zog er weiter j; aus der Theiß den ertrinkenden Beamten des I Bezirksgcrichies Joses Kovac und den Ehausfrur -Frrl7kz».Bciicdek. Tic Erlrinkcnden Ovaren gute v', Schwimmer, wurden aber von den Strudeln des i Flusses hinabgezogcn. Etwa eine Stunde vorher » ertrank an der gleichen Stelle Ladislav Avafan s aus Taüevo, der cbcnsalls ein qulcr Schivimmer ij war. Seine Leiche würde vom Wasser fort* i gespült. Balbo aus dem Rückflug. 9Uto Aork, 25. Juli. Balbo ist mit seinem •: Geschwader um 9 Uhr 1 Minute ostamerikanischer ±~3cit zum Rückflug gestartet. Tie erste Etappe ist nShediac in Rcubraunschwcig. Um 20 Uhr 56 Greenwicher Zeit ging das | Flugzeug Balbos in 2 h e d i a c(Ncu-Braun- r schweig! nieder; 21 weitere Flugzcnge folgten in j kurzen Abständen. Ein Flngzcug mußte wegen Bruchs der Oelleitung in Rock land not L landen; ein zweites Flugzeug war in T t. I o h n Sgezwungen niedcrzngehen, nm neuen BctricbS- toff aufzunehmen. Beide Maschinen tverden As dem Geschwader in kurzer Zeit nach Thcdiac I nachfliegcn. Rr. 172 Der Touri ft«»Verein„Di« Naturfreund«", Sitz Aussig, beteiligt sich beim l. Internationalen Arbeit-er-Sporttag in Aussig. Tas Festprogramm und sonstige Weisungen gehen ^cn Ortsgruppen und Gauen in den nächsten Tagen zu. Im Anschluß an die Festtage worden zwei Halb- tagsautflügc nach Schrcckenstein, bezw. Lumpe-Park und weiiere acht TageSlouren mit dem Ziel: Milleschauer, bezw. Muckenberg, Nollenüorf. Ruin« Kamaik, HerrnSkrctschen, Dyssacr Schneeberg etc. durchgeführt. Die Naturfreunde erwarten eine starke Beteiligung seitens ihrer Mitglieder. Anmeldungen, Auskünfte, Fest karten und Quartiere durch die Geschäftsstelle des TouristenvcrcineS„D i c Naturfreunde", Aussig, M a r k t p l. 11. Hund Dollfuß. Ter„hervorragende" Tiroler Jurist Dr. Pronther wurde zu einer Geldstrafe von 1000 Schilling und zu einem Monat Gefängnis verurteilt, weil er seinen Hund„Dollsüß" getauft hatte. Vom Rundfunk Sas veraltete Raüioseietz Ter Volksschullehrer I. wollte den Kindern seiner Schule, von welchen bestimmt die meisten noch kein Radio gehört hatten, eine freudige Ucberraschung bereiten. Er bcabsichliglr. auS eigenen Mitteln für die von ihm geleitete Schule ein Empfangsgerät anzufchaffen. Zn diesem Zwecke schrieb er einer konzessionierten Radio- sirma um die probeweise Zusendung eines Radioapparates, den er in» Falle des Entsprechens kaufen würde. Die Firma kam seinem Ersuchen berestwilligst nach und sandte ihm das gewünschte Empfangsgerät. In Unkenntnis der schweren Bestimmungen des veralteten RadivgeseheS unterließ er ober, Bur der Uebcrnahme des'Apparates die vorgeschriebene Anmeldung beim zuständigen" Postamle zu machen, d. h. die Einbringung deS Ansuchens uni die"nötige Konzession für den Rnndsunkempfang. Er"packle den ringrlanglen Apparat aus, montierte die Leitungen, schloß ihn an und ließ, bei fieberhafter Erwartung der Kinder, den Rundfunk los. Ter Apparat funktionierte tadellos, der Empfang war ausgezeichnet, die Freude in der kleinen hanakischen TorsvolkSschulr groß. Roch am selben Tage schrieb er der Firma, daß er mit dem Apparat zufrieden sei und' ihn behalte. Die Anmeldung des Empfangsgerätes beim zuständigen Postamt« wollte er am n ä ch> st c n Tage vollziehen. Bevor jedoch der Lehrer seiner gesetzlichen Pflicht als Besitzer(Verwahrers eines Rundfunk: apparatcs nachkommen konnte, erschienen bei ihm zwei Gendarmen in voller Tienstansrüstung nnd nahmen mit ihm ein Protokoll auf mit dem Bedeuten, daß sic gegen ihn die Strafanzeige wegen Uebrrtretung des RadivgesetzeS erstatten m ü s s c n. Alles Aufklären, olle Belcurrungen, auch die schriftlichen Beweise, daß es ihm fernlag„schwarz ;u hören", halsen ihm, dem praktischen Förderer des R u n d s u n k S, nichts. Tic Gendarmerie erhob gegen ihn die strafgerichtlichc Anzeige, der Einzelrichter deS KrciSgerichlcs in Olmiitz verurteilte ihn zu drei Tagen Arrest, zwar bedingt, und zum Verl u st deS Appralcs. ES>n n ß I e(so wurde dem Ana.'- klagten erklärt) mit Rücksicht aus die drakonischen Bestimmungen deS unhaltbaren Radioge- setzcs eine Verurteilung erfolgen; ein Freispruch war angeblich unmöglich. Den vom Gerichte bc- schlagnahintcn Radioapparat im Werte von Ke 2000.— mußte er der betreffenden Firma selbstverständlich bezahlen. ■ TaS alte Radwgcseh hat schon gar vielen Förderern des Rundfunkrs unangenehme Ueber- raschungen' gebracht. Deshalb lei Vorsicht empfohlen auch allen jenen, die den Schulrundfunk praktisch fordern wollen. Empfehlenswertes aus den Programmen. Donu«rStag. Prag 11: Schallplatte», 17.15: Schallplatten, 18.30: Deutsche Sendung: Neue Bücher, 19.10: Chorliederstunde, 20.25: Konzert.— Brünn: 10.10: Radio-Schrammel, 12.30: Konzert, 18.25: Deutsche Sendung.— Pretzburg 12.30: Mit- tagSkonzcrt, 21.80: Violinkonzert.— Wien 15.30: Kinderstunde, 17: Frauenftundc, 19: Sinfoniekon> zert.— Frankfurt 15.80: Stunde der Jugend.— HeilSberg 20.35: Orchesterkonzert.— Breslau 16.80: Kinderfunk.— Mühlacker 2.15: Kammermusik.- Hamburg 20.10: Die beiden Schützen, Oper jpon Lortzing.— Leipzig 14.80: Volksmusik, 20: Alte un» neue Tänze.— Berlin: 15.50: Gitarremusik, 17.50'- Bulgarische Volkslieder. -K. 17S Sette 5 Mittwoch, LS. IuN 1938 Max Schmelings Trauung. Das Brautpaar beim Verlassen der Kirche. Am Samstag fand in der alten Dorfkirchc zu Saarow die kirchliche Trauung deS populären Boxers Max Schmcling mit Anny Onora statt. MHDHDiiininiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiniiiiiiiniiiiiiuiiiHnii Der Rat des Internationalen Institutes für Erzierrungsjragen in Genf hielt dieser Tage seine vierte Session ab. An de» Arbeiten des Rates nahmen anher de» Mitglieder» des Büros des Institutes Vertreter von 16 Staaten teil. Die Tschechoslowakei»»«! durch den Direktor des tschsl. Pressedienstes in Eens R. Kepl vertreten. Der Rat vcrlrandelte über folgende Fragen^ Einfluh der Budgetersparungen auf das pädagogisck»« Gebiet, Verlängerung des obligaten Schulbesuches,.Selfgovernment", Zutritt zu den Mittelschulen, Arbeiten nach Gruppen, Vorbe- rcitung der Lehrer sür Mittelschulen, Zusammen- sedung und Organisation der höheren Erziehung-- räle. Das Jahrbuch des Internationalen Instituts für ErzichungSsragen bringt diesmal detaillierte Gerichte der Schulministerien über dir pädagogische Tätigkeit von Sö Staaten. Der Rat beriet ferner die Enquete über verheiratete Lehrerinnen. Diese unter der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit sehr aktuelle Frage gewann die Äiifincrksainkcit von 43Staa1«», die aus den diesbezüglichen Fragebogen antwortete». Ueber die Berichte der einzelnen Staaten entspann sich eine sehr rege Dbalte.' Tas internationale Institut sür Erziehungsfragen begegnet einem tvachsende» Interesse der Staaten und internationalen Fachinstitute, da seine bisherige Arbeit unerwartet positive Ergeb- niste gezeitigt hat. Obwohl dieses Institut mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, wird dieser Grundfehler durch die Opfersrcudigkeit seiner Mitarbeiter bis zu einem bedeutenden Maste beseitigt, so dast das Institut bei dem fühlbaren Geldmangel doch prosperiert. Die internationale Lösung der wichtigsten Schul- und Erziehungsfragen wird immer öfters'angestrebt, da die Ergeb- nisse der Enqueten in einer grosteu Anzahl von Staaten die Erreichung des Zieles erleichtern, rind zwar ohne dast unangenehme und teure Erfahrungen gemacht werden müstten. Im Internationalen Institut für Erzichungssragen arbeitet der Vertreter des tschechoslowakischen Unterrichtsministeriums Dr. Heller. Brennspirituö aus glimmend« Spahn«. Der 13jährige Sohn des Fabrikarbeiters Willibald Ionko in Jglau machte im Küchenofe» Feuer, und da das hiezu verwendete Holz nicht recht sangen wollte, schüttete der Junge, der allein zu Hause war, etwas BrcnnspirituS auf das glimmende Holz. In diesem Augenblick explodierte die Flasche und die brennende Flüstigkcit ergoh sich über das Gesicht, den Kopf, den HalS und die Schultern des erschrockenen Burschen. Ans die Schreie desselben eilten Nachbarn herbei und löschten die brennenden Kleider. Der Knabe erlitt Brandwunde» ersten und zweite» Grades. Der Salzsäuremagen. Ter italienische Artist Carlo Valoini, der dieser Tage in London Mistral, dürfte der einzige Mensch sein, der über einen„S a I z s ä u r r m a g c u" verfügt. Baldin! behauptet,, eine» säure-immunen Magen zu hoben, der es ihni erlaubt, ganz anschitlichc Mengen verdünnter Salzsäure zu sich zu nehmen. Durch jahrelange Ucbung hat sich Baldini diese Unempfindlichkeit anerzogen. Die Mediziner haben den Fall begutachtet und allerdings festgestellt, daß der Artist von Natur bereits eine sehr geeignete Konstitution aufwcise. Kürzlich wurde Daldini von einem Varicteedircktor airgc- klagt,„gepantscht", das hcistt allzu viel Wasser der Säure zugefügi zu haben. Infolgedessen sei der Direktor empfindlich blamiert worden. Der Richter wies die Klage jedoch mit der Begründung ab, man könne cs keineui Menschen zutrauen, Gift aus Kommando zu sich zu nehmen, vielmehr wolle man die Gcsundheitsbchördc zum Eingreifen veranlassen. Stadion für 100.000 Sportler. Der Pariser Gemeinderat hat den Borentwurf für die Organisation der Internationalen Ansstrllung Paris 1987, angenommen. Die Ausstellung nnrd im Herzen von Paris an beiden Usern der Seine, und zwar in der Höhe des Trocadero und auf dem Marsseld, errichtet werden, zu welchem Zweck die militärischen BcrpslcgSmagazine demoliert werden sollen. Ferner wurde ein Antrag angenommen, der die französische Regierung auffordert, sür die im September 1987 in Paris stattfindcudc Ausstellung ein riesiges Sportstadion zu bauen, das für lkcbungen von 100.000 Sportlern berechnet sein soll. Eine sonderbare Hotelordnung. Warna ist seit jeher Bulgariens bedeutendster-Hasen am Schwarzen Meer. Ucberdies hat cS sich feit wenigeir Jähren zu eiucm komfortablen Seebad entwickelt. Mit durchaus berechtigtem Stolz wird es von den Bulgaren als die„Königin des Schwarzen Meeres" bezeichnet. Die wunderbare Schönheit und die geschützte Lage dieses Seebades rechtfertigt vollauf diesen Beinamen u>id übt von Jähr zu Jahr eine größere Anziehungskraft auf die Fremden aus, deren Ansprüchen gerecht zu werden sich natürlich sowohl die Bevölkerung als auch die Verwaltung der Stadt alle Mühe geben. Bor allem natürlich die Eigvu- tümer der diirck-aus nach europäischem Muster geführten Restaurationen und Hotels. Tenn ansonsten ist es in dieser Stadt ziemlich orientalisch. Tiefer starke orientalische Einschlag, der sich am augerrsälligsten in dein bunten Treiben der Märkte, und neben vielen» anderen in dein Zigeuner, und Türkrnviertel geltend macht, tritt dem Fremden auch entgegen, wenn er sich die Mühe nimmt, im Hotelzimmer die an der,Tür angebrachte H o t c l o r d n n n g zu lesen. Sie ist von der Bereinigung der Hotelicre Warnas beschlossen worden, daher in allen dortige»» Hotels gleichlautend. Die ersten vier Bestimmungen dieser Hotelordnung enthalte»» nichts, was von den üblichen Bestimmungen dieicr Art abivcichen würde. Aber dann heißt cS: 5. Wird ein Bett von 2 Personen eingenommen. so ist dafür ein Zuschlag von 50 Prozent zu zahlen. Also gewissermaßen eine„LustbarkeitSstcuer", die der Hotelbesitzer einl-ebt. Sie bietet aber immerhin di« Möglichkeit, die Hälfte der Kosten si'^r das zweite Bett zu ersparen.— Es folgen dann wieder einige Bcstimnrungen allgemeiner Art. Aber dann heißt eS: 11. Die Hotelgäste tverden gebeten, nbör Unordentlichkeit seitens der Bcoiensteten bei dem Hotelbesitzer Klage zu führen, jedoch sind sie»richt berechtigt, die Bediensteten zu beleidige» oder eigenhändig zu mißhan- dein. Das ist allo schon echt orientalisch! Tenn in Mittel- und Westeuropa ist eine solch« Bitte an die Hotelgäste wohl überflüssig. Aber in Warna steigen ja nicht nur Fremd« aus Mittel- und Westeuropa ab und ko mag dieses Ersuchen an die Hotelgäste feine Berechtigung haben.— Weiter heißt cs kur; u»»d bündig: 15. Alle Gäste müsten biS 24 Uhr(Mit- teniacht) im Hotel sein. Nach dieser Stunde wird das Hotcltor abgeschlossen. Wer also dann noch draußen ist, der muß eben draußen bleiben! Iknd da»»»» kommt die setzte drakonische Bestimmung: 16. Dicke Hot«lordnui»g ist für alle Hotelgäste verbindlich. Diejenigen, die sie nicht befolge»». werde»» daS Hotel verlassen müssen und werden in keine»« a»»deren Hotel Aufnahme finden. Warna, 15. April 1982. Stampiglie der Hotelier-Bereinigung. Unterschrift des BorsteherS. Sie führen also ei»» str«»»ges Regin»«, die Hotelbesitzer von Marita. Und;»lm Schluß ,»vch eine bulgarische Besonderheit, die nicht von den Hotelbesitzern, sondern von« Gckctz vorgeschricben wird: In den Hotel« gibt es keine Siubcmnädchen, sondern nur männliche Bedienung. Ties wegen, der Sittlichkeit,»veil die Bulgaren sehr heißblütig sind. Bulgarische Preiswunder. Ter Fremde erlebt, wie überall, so auch in Bulgarien leine PreiSwnnder. Bulgarisches Rosenöl hat Weltruf, und so jemand»»ach Bulgarien gereist ist, will er natürlich nnter anderen Dingen auch Rolcnöl kaufen, nm cs'Angehörigen, Freunden und Bekannten zu schenke»». Also fragte ich in gilt drei Dutzend Geschäften nach dem Prelle dieieS Oel« und erhielt ebeilloviclr-'ber voneiriander sehr verschiedene Auskünfte. Ter niedrigste Preis, der mir genannt wurde ivar 80 Lewa für ein Gramm, der höchste war 70 Lewa sür daS qseickic Ouantum.„Ist«S auch wirklich echt?" fragte ich,»veil mir gesagt worden war. dast dieses Oel auch a»»S Pflanzen erzeugt werde die mit Rosen nicht die geringste Aehn- lichkeit haben. Natürlich sei daS Oel echt, tagte jeder Ladeninhaber und war bereit, dies mit jedem Eid zu beschwören. Sagte ick» dann, dast ich in anderen Geschäften die gleiche Versicherung aber abweichende Bresse genannt erhallen hätte, bekam ich die Auskunft, dast eS sich doch nur»>» minderwertige Surrogate, aber nicht um„echtes, reines, bulgarisches. Rotenöl" handeln könne. Jeder Inhaber der dr«' Dutzend Läden lägt« dies. Um also ganz gewiß zu sein, kein minderwertiges Lin Elefant macht«Ine Radium!»»». Ein interessantes Experintent wird augenblicklich bei einem»in Tierpark von Los Angeles befind lichen E l c f a n l c»» gesetzteren Alters durch- geführt. Uw die Kräfte des Tieres, das schon etwas an Altersschwäche leidet, aufzusrischen, beschloß dir Zoovcrwaltnng, den Elefanten ci»»e R a d i u in k u r machen zu lasten. Seitdem»vird jeden Morgei» dem Trinkivasscr deS Tieres eine Portio»» radiumhaltigcr Salze zugrseht, und cs wird berichtet, daß die Kur dem Elefauteu ausgezeichnet bekommt. Rosenöl gekauft zu l)aben, habe ich überhaupt keines gekauft. * Als der Friseur seine Arbeit an mir beendet hatte nnd ich ihn nm»»«ine Schuldigkeit fragte, sagte er, allerdings arrf bulgarisch:„Zwanzig Leiva." Und da ich etwas verwundert drcinae- schant habe» mochte,»veil mir dieser Betrag für das bloße Rasieren Loch etwas zu hoch vorkam, schrieb der Friseur auf eineu Zettel die Zähl 20 auf. Ich zahlte und ging. Eine Woche später suchte ich ihn wieder auf, ließ mir Bart und Haar schneiden und>var darauf gefaßt, diesmal den doppelte»» Preis bezahlen zu.müssen. Aber zu meiner Ueberraschung malte derselbe Man»» wieder eine„20" auf einen Zettel. Sowohl in» Hafen als auch beim Badestrand schaukeln Ruder-, Segel- und Motorboote, deren Führer darauf warten, daß man sie für eine Bootfahrt äusnehm«. Wir wollten zu viert voin Hafen aus nach dem vier Kilonieter gegenüber liegende»» Lenchtturm von Galata hinüber und fragte»» einen der Bootführcr, was er dafür verlange. 200 Leiva, sagte er, obwohl die behördlich festgesetzte Taxe pro Person(Hin- und Rückfahrt) 120 Leiva ist. So viel boten wir ihm nun. Wir feilschten mit ihm; er ermäßigte sein Verlangen auf 100, 180 und so fort, bis er auf 150 Lewa beharrte. Billiger könne er nicht. Wir drehten de»» Spieß um und boten ihn» i»»»r 80 Lewa, also weniger als die Taxe. Und da er sich dei» Verdienst doch nicht entgehen lassen wollte, wir aber Miene zum Fortgehen machten, packte er einen von uns n»»d führte ihn sit einer Tafel, auf der die behördlich festgesetzte Taxe angeschlagen war, die wie gesagt in diesem Falle einschließlich der Wartezeit anigcgenüberlicqenden Ufer, 120 Leiva ausmachte. Mit der Wartezeit, die wir zum Besuch deS Dorfes Galata nützten, dauerte der Ausflug knappe vier Stunden. Tags darauf»volllen»vir vom Badestrand aus eine einstündigc Ruücrbootfahrt unternehmen. Einer wie der andere Bootführer verlangte aber für die Stunde 70 Lewa. Diesmal zerschlug sich der-Handel, obwohl der Mann sich schließlich erbvtig»nachte, nm die-Hälfte des anfangs geforderten Betrages zu fahren. Dergleichen Preiswuuder erlebt man dort stündlich. Das»nacht d»c Nähe des Orients. Also muß man feilschen nnd„handeln". Und sie lasten gern« mit sich„handeln": die Bootführcr. die Kellner, die Geschäftsleute, alle! Dies lei zil Nutz und Frommen des Lesers ausdrücklich binzugefügt. Geschminkter Eisenbahnbetrieb. Bulgarien ist ein sehr schönes, ober verarmtes Land. Ter im Jähre 1012 aiiSgebrvchene Bal- ka,»krieg, dem ein Jahr später der zweite solgte, und doiiu gor der Weltkrieg haben dos Land ,-ar a»g mitgenomincn. Aber das arme Land verbirgt feine Not vor den Fremden; Ter„Bäder Expreß", der joden Millivoch und Samstag zwischen Nustschuk und Warna verkehrt, dient eigens zur Beförderung der Frem- hen, die mit den Exprcß-Tampfcrn der Donau- -a-iiipstchiffohrtsgesellschost ankomnieii. Ton»!: divfe Fremden nicht iehcu, wie es ansonstcn'n Bulgarien»virklich aussieht, wir- die Armut unter eil» wenig Schminke»-erborgen, so gut es geht. Blnniett nnd Fäctzerpalmcn schmücken Bahnsteige der Stationen, die der Bäder-Expreß durchfährt, nnd der Stationsvorstanü steckt in einer makellosen Uniform. Bequeme, wciß- laktierte Korbsessel stebcn einladend aus den rein gefegten Bahnsteigen, lind die Schaffner des Bäderzuges sind„wie aus einem Schachterl gezogen": in tadelloser Unisorm, mit Weister Mütze und Lach'chul-en. „DaS ist nur so. wenn der Expreß fahrt", erklärt mir ein mitfahrender Bulgare im gebrochenen Deutsch.„Ist der Expreß weg, dann werden die Blumen nnd Fächerpalmen und die Korbsessel, auf die sich kein Einheimischer setzen darf, ins Magazin znrückgebracht. Der Stativnsvor stand" zieht'eine schöne Uniform aus und die alte, geflickte wieder an. Seine schöne Uniform muß er sich selber kaufen. Und den Gelialt bekommen die Beamten ratenweise und viele Monate in» nachhinein. Und die Schaffner, die mit dein Expreß fahren, inüssen sich aucki selber Vie Uniform kaufen. Wer eS ii'ckn kann, wird nicht eingeieilt»nm Schnellzug. Er most Dienst machen beim Personenztig oder beim Güterzug." So sprach der Bulgare und gab mir nvcki über so mancherlei Aufschluß. Einige Tage nach her bin ich aus derselben Strecke ein Stück mit dem Prrsonenzug gefahren. Und latlächlikh waren die Stationen ohne Blumeii' und Palmenschniiick auch die schönen Korbsessel fehlten und die Stationsvorsteher und Schaffner staken in abgetragenen geflickten Unifornicu. Es ist ein sck'üues, aber armes Land dieses Bulgaren! Stolz verbirg» es sein« Armut vor den Fremden, die cL im Bäder-Expreß durcheilen, Heinrich H o l e k. Namen mahnen' Ein holländischer Mitarbeiter schreibt uns: Mendes, da Eosta, Cologo de Moiitero, Lopes Evrdoso, Lopes Dia;— wo begegnet inan diesen klangvollen Namen? An de'»» Haustüren, von Am» tcrdcun sind sic zu lesen. Sie erinnern daran, daß es vor mehr als 400 Jahren einmal eine Jndenaustreibnng aus Portugal, gegeben hat und daß cs die Holländer waren, die die vertriebenen Jiideil ausnahmen.(Ein Nachkomme dieser portuaicsischcii Flüchtlinge wär»». a..der berühmte Philosoph Spinoza.) Nun, das sind feststehende Dinge. Warum wird daran erinnert?— Weil sie ein Prüfstein ür die Richtigkeit- gewisser Theorien abgeben. Wenn nämlich die nationalsozialistische Lehre recht hat, so müssen die Portugiesen infolge ihrer Selbstreinigung vom jüdische»» Gift seit 1600 mächtig emporgeblüht sein, während die Holländer, die sich leichtfertig selber mit diesen» blnt- augerischen Parasttcnvolk infizierten.-sicherlich elend verkam«»»...? Und so war es in Wirklichkeit: Portugals das sich um 1500 mit Spanien in dei» Besitz der Scehcrrschast und der Kolonie»» teilte— eS war u. a. seit Vasco da Gania im Besitz von Vorder- und Hinterindie»»—, stürzte im folgenden Jahrhundert von der stolzen Höhe und sank zu einem der zurückgebliebensten Länder»» Europas herab. Tic Niederlande erlebten dagegen in» lß. nnd 17. Jahrhundert eine ungeahnt« Blüte als Kultur-,-Handels- und Seenalkon, und wenn sie auch gegen England die Scehcrrschast nicht aus die Tauer behaupten konnten, so blieben sie doch eines der reichten und..oiertesten Länder der Welt, ei»» Land, so wohlhabend, daß es jetzt den Bankrott seines deutschen Schuldners' erlebt, der ihm zirka 2.Milliarden schuldet, ohne daß dadurch eine Panik oder ernstliche Zahluugsslockuug in Holland entstchl! . Portugal ohne, Holland mit Juden. Ist diese Entwicklung rein zufällig? Mau schlage den soeben erschienene»» 14. Band des„Großen Brockhaus", des wegen seiner Objektivität allgemein anerkannlei» deutschen Konservatiöns- kons, auf. Tort liest man unter„Portugal" folgendes: „Tein jpliiiischeil Königspaar zu Gefallen, vertrieb er(König Emanuel I. von Portugal) in den Jahre»» 1-195 97 die Juden und die. nach den» Fall Granadas ins Land gekommene Maure»» oder ließ sic zwangslvcise taufen. Damit ober beraubte er Portugal der slcistlgsteu und n'iri- schaftstiichtigstcn Volksteilc. Tie Glouzzcit Portugals»rüg überhaupt schon den Keim des Berfa lies in sich." Das paßt wahrlich schlecht zu Hitlers Theorie, daß die Juden cs sind, die den Verfall ihrer Wirtsvölkcr hcrbciführon.— Wird nni» übrigens auch der„Große BrorkhauS" auf den Scheiterhaufen der deutschen Büch-erinquisiloreii wandern? Joe.: Karriere in Mussolinis Ter italienische Koloniaimiuister General Emilio T c Bono ist, nach den letzten Nachrichten, zu»' Aruieckomiuoudanteu eruauut»norden. Interessant nnd sür jeden„Razikrieger" nachahmenswert, ist dix„iascistische Karriere" dieses Mannes. Während des Weltkrieges wurde er wegen Unfähigkeit abgrbaul; als aber 19.19 der FasetS- inuß entstand, meldete er sich als einer der ersten und wurde, nach der Machtergreifung, zum Senator und Präsidenten der gesamten Polizei Italiens ernannt. Als solcher spielte er eine besonders hervorragende Rolle, als der Sozialistenführer Giacomo Matlcoili auf Befehl Mussolinis «cmordek wurde. Er nahm die Mörder in feiiteil unmittelbaren Schutz und bemühte sich, die Spuren des Mordes aus der Welt zu schaffen, indein er i». a. den Handkoffer, der die blutbefleckte Wäsche nnd Kleidung MaltcottiS enthielt, in seinem Amtsraum verbrannte! Deswegen und unter der Beschuldigung der Mittäterschaft»nußte De Bono vor dem Hohen Gerichtshof des Senates sich dere.ntwortcu, wurde jedoch- wegen„ungenügender Beweise" freigesprochen. Diese Formel ist unter der fascistischcn Herrschaft und gegenüber einem hohen Würdenträger des Shstcins vielsagend: aus dem Urteil, das vom Präsidenten des Hohen Gerichtshofes, General Z u p p e l l I abgc- faßl»vnrdc, ging deutlich hervor, dast die Schuld De Bonos voll bewiesen war, dast aber die Senatoren sich gefürchtet hatten, ihn zu verurteilen! Die Regierung ernannte ihn sodann, als Belohnung, zum Gouverneur der Kolonie Lybien nud ihm, wie dem Trnppenführer General Gra- z i n»»i kommt das Verdienst zu, in zwei Jahren die Kolonie auf fafeiftischer Art„befriedigt" zu haben. Von 240.000 einheimischen Bewohnern wurden achlzigtausend, also ei,» gutes Drittel, darunter Frauen, Kinder nnd Greife ans grausamste Art»»»»gebracht, teils durch Dezimierung, lells durch Verschleppung in Konzentrationslager nnd Berhungernng. Dieses Kapitel der fascisti- scheii Politik steht vielleicht einzig da in der Kolönialgcschichle»iioderncr Zei»! - Zum Kvloiiialministrr ernannt, erhält heute Te Bono die höchste Belohnung sür sciiie vielfache» Verbrechen i»i Dienste der sascistijchen sogenannten„Idee", und der Fascisnins beweist neuerdings, daß e»- überall, ob in Italien oder i» Tentschlaiid. da» Gleiche ist: Ein„vineulnm scclcriS", ein Berbreckierbündnis. dessen einzige ausbaucndc„Idee" in der Besetzung der höchsten Siaolsstellcn besteht! iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiniiiiiiniiitiiiiiiiii(iiii((fiii(Hiif(nin(inninmffiiiiniifimiiiiiKfiii((ifiiinimiii»i{ii(iiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiim Bulgarisches Allerlei. MtMoN.-ft.?f«N SM«« Aus der Partei Beztrksorganifatton Prag. R. E. I. S. Alle Mitglieder am Donnerstag, den 27. dS., am Platz auf dem Pohofelec pünktlich, um 7 Uhr gestellt! Ausgabe der Legitimationen. Der Film Anter bet schwarzen Sturmsahne. Die setzt auS» eventuell gleichgeschalteten Produzenten mehr oder wenige: deutscher Zunge haben unS nmncr vorgcworfeu, daß wir zu Unrecht neben ihren Dreh» auch ihre Hauptbücher in den Kreis unserer indiskreten Betrachtungen gezogen haben; und daß wir also unsrer„rein kulturellen" Ausgabe nicht gerecht wurden. Denn tvaS geht eS denn schon den Kinobesucher an, wievicle von seinen Eintrittgroschen in die Taschen jener gleiten, deren einzige Beziehung zur Kunst und Kultur der Kunden alphabetisch geordnete Bilder- oder Reklaniebücher sogenannter Mm-Aübeiicr sind. Dieser Stellungnahme können wir bei Betrachtung des Filmncu- v rutschen leicht rntraten; das Karriercnproblem Tippmamscl—Generaldirektor mit Herz, oder Hand- schuhmachertn—Russenzar, eventuell Wäschcrmädel— Herzig von Bademündc oder gar Postadjunkt—Gene- ralSdirrkwrlöchterche» ist unaktuell geworden, seit Deutschland den ossiziellen Genieinnutz vor den Eigennutz dadurch gestellt har, daß e« durch«ine Filmbank die Kalkulationen des Kassenerfolges überflüssig machte. Natürlich will der staatliche Rangier- bahnhof des Filmgeldes ein Entgelt: und so wendet er sich im ersten Werk an die Bauern, dem Grundpfeiler jedes ncuanfzubaurnden Staates. Die Hartkopf sind seit vierhundert Jahren Besitzer des StahlhofS; Herrmann heiratet, wir sich das schon schick:, als echt deutscher Mann rin armes Nordmädchen und muß eine Hypothek aufnehmen. Dir Zinsen(sic warten ja auch noch" heute auf. die Brechung) drücken und Lebcirbcrg zahlt für das Korn natürlich nur Schundpreis«. MS Annamari: erkrankt, da kauft Herrnlann eine Dreschmaschine. Und gibt rür die Zinsen einen Wechsel, der in fremde Hände toimnt. Die SiedlungSkoinmission ist ebenso har! wir Lebcubcrg und die Versteigerung naht.„Bonzen" haben kein Herz für deutsche Not, also rotten sich die Bauern zujammeu und vertreiben mir und ohne Trutzned von der schwarzen Not den Exekutor. Ter kommt aber wieder, und da vor- her Annamari-: stirbt, zündet Herrmann seinen Hof an. Denn niemals darf ein echter deutscher Hof in FeindcShand fallen. Finster ziehen die Bauern an der Braudsl'ätle vorüber; Herrmann hat sie vor der Revolte bewahrt, man zieht den Hut, singt trotzig und schon erscheint Hitler als Männcrschrcck und erzählt das Wort von der Befreiung des deutschen Bauern. Das ist der fascistische Film; er kämpft gegen dar„System", ohne zu sagen, was er darunter versteht. Er zeigt die Not der Unterdrücke», so als ob er für sie etwas zu tun bereit wäre, er läßt die vom Kapital auSgcbcuteten kämpfen, aufstehcn(nur im Film natürlich), er sagt aber gleich hinterher, daß der Opfertod in den Flammen besser sei als Widerstand, er läßt seine Schützlinge singen und stürmen und niemals kann man entdecken, woruni gekänepst wird. Die Zinsen bleiben bestehen, Hitlers Förderer waren jene Günstlinge der SiedlungSgesellschaften, die jetzt als volksfremd dastehen müssen. Und niemand gcht den wahren Ausbeutern an den Leib; besser an den Geldsack. So steht also der fascistische Film da: verlogen, wie sein noch nicht gleichgeschal- telcr Borgänger; einzig bestrebt, al< erstrebenswert darzustcllcn, war nur den Machthabern als annehmbar erscheint; zu bluffen und zu betrügen, nieder- zuhalten und raffiniert geistig zu vergewaltigen. Hersteller dieses ersten Films ist natürlich ein„Bortrupp"; Regie Rolf Sonjevski-Jamrowski, der sogar vor der UFA entlassen werden mußte. Und die Technik? Auch hier ein« Kopie der Russen. DaS ist neuer deutscher Filmgeist! Walter Lustig. Soori- Spiel- Rörtfenffleae Wiener Arbeitersußball. Am Sonntag wurden eine Reihe von Freundschaftsspielen auSgetragen, von denen die wichtigsten waren: Nord-Wien gegen Floridsdorf 7:1(1: 1), Favorltcner AC. gegen Neutral 3:0(1:0), Landstraße« Sportfreuiäe gegen Moravia 1:1(1:1), Mephisto gegen FC. 33-Stra- ßenbahn 1:3(3:2), Feuerwehr gegen Phönizia 4:1(2:1), Germania-Aiikerbrotfabrik gegen Leo- poldSdorf 6:2, Hochstödi gegen GuntramSdorf 5:3 Helfort gegen Hocking 3:0(l: 0).— Zcntralvcrein weilte Samstag und Sonntag in Linz nnd schlug am ersten Tag Admira, den oberösterreichischen Meister, 8:2(2:0) und tagSdaranf eine Städieniainnchaft 6:2(2:1). Radrennen der österreichischen Arbeiterradfahrer. Die Ferirsahrt„Rund um Wien" über 110 Kilometer bracht« onjge.zeichnelc Zeiten bei allen Teilnehmern. Bei den Hanptsahrern siegte Hamed! (Freiheit, Wien) in 1:07:17, bei den Junioren Weidinger i Leopold stobt, Wien) in 1:08: 30 nnd bei den Senioren Toisel(St. Pölten) In 1:22:17.2. — Die Bergmeislerschaft von Riede r>- öfter re ich, die erstmal- ans der neue» Bergstraße aus die Hohe Wand vom Kreis Wiener-Neustadt veranstaltet wurde und über drei. Kilometer führte, wurde von Albin lRudolf-heiin; Wien) in 11:28 gewonnen. Hondball-Are>sm:ister de» 17. Inrnkreise» in Oesterreich wurde, wie«vwartct, der letzte Bundesmeister des deutschen Arbcilrr-Tnrn- und Sportbundes S t ad l a u- W i« n. der im Entscheidungsspiel Neunkirchen mit 12:7(8:1) schlug. So sicher aber, wie das Resultat besagt, gewann Stadlan nicht, denn feine Verteidigung zeigte diesmal ein schwache» Spiel.— Dia Faustballmeistevschast dieses Kreisesiel an Berndorf, da- Meidling mit Glück auSschal- lelc.— Die Rasfballmeislerschast brachte kein« Enr- scheidung, da die beiden Finalisten, AtzgcrSdors und Mistelbach 6:6(3:0) spielten, so daß rin Nachspiel erforderlich ist, daS aber erst bei den Ende August staltsindcndcn österreichischen Meisterschaften ausge tragen werden wird. Eine schöne Leistung im Stemmen vollbracht« bet einem Turnier des AK. Achilles Wien-der Ar- lniiteralhlet Auer(Hvllriegrl, Wien), der bei einem Körpergewicht von 85 Kilogramm im beidarmig Reißen 00 Kilograinm und im freien Stoßen 125 Kilogramm erzielte. DaS Turnier gewann der veranstaltete Verein mit einer Relativleislung von 1375.5 Kilogramm. UrgwüclMr Sport. Unter falscher Flagge. Bor kurzem spielt« in der Tschechoslowakei der W'ener Fußballklub Sparta, jedoch nicht unter seinem, sondern unter dem Namen Brigittenaner AC. Der Verein hatte so zahlreiche Abmachungen abgeschlossen, daß er innerhalb von 11 Tagen zwölf Spiele auszutragen gehabt hält«. Aus der Reise des„Eupsinalisten Brigitlenauer AC." kam cS zu Zcchichulden. Raufereien und Nichteinhaltung von Spielen. Ter wirkliche BAC. verlangt nun vom Oesterreichischen Fnßballbnnd«ine entsprechende Sühne für den Namcnsmlßbranch. Die Makkablade, die olympischen Spiele der jüdischen Sportler, die Anfang August in C z c r n o w i tz(Polcnl vor sich gehen sollte, wurde, wie eine 'Wiener Meldung besagt, von der dortigen Polizeidirektion verboten, da eine judcnfeiudliche Partei in Flugblättern gegen dioic Veranstaltung in nicht mißznvcrslehender Weis«„Stimmung" machte. Außerdem soll man einem Attentat-plan gegen den Vorsitzenden der Makkabi-Weltorganisation auf die Spur gekommen sein.— Die Makkabiade soll nach noch nicht bestätigten Meldungen»ach Prag v e r. Zu immer verführerischen Lockungen muß der Kanrpf um den Kunden seine Zuflucht nehmen, wenn er in einer Zeit der Massenverarmung neuen Kanfreiz schassen will und nirgendwo wird dieser Kamps mit verbissenerer Hartnäckigkeit und mit marktschreierischeren Methoden geführt als in den Bereinigten Staaten. Ti« Inseratenteile der amerikanischen Zeitungen sind in erheblichem Maß« mit Ankündigungen von Okkasion-Verkäufen au-gesüllt, die„die billigsten Preise in der Geschichte Amerika-', |„2cidcnslrümpfc.zum Preise von Baumwollstrümp- scn",„Pelzmäntel von 850 aus 72.95 Dollar herab- gesetzt" und andere„nie wiederkehrende Gelegen- heilSkäufe" versprechen. In vielen Fällen scheint es in der Tat völlig unerklärlich, wie in Anbetracht der noch immer beträchtlich hohen Arbeitslöhne Amerikas der Fabrikant bei solchen Preisen aus seine Rechnung kommen kann. Die Ergebisse einer vom amerikanischen Arbeitsamt grme'nsam mit der Verbraucher-Liga dnrchge- führtcn Untersuchung bieten eine Erklärung, deren Bcrössentlichung selbst in den für derlei Ding« einigermaßen abgehärteten Vereinigten Staaten erschütternd nnd aufwühlend wirkten. Dreierlei Erscheinungsformen stehen nach diesem Bericht im ursächlichen Zusammenhang mit den erstaunlichen Tiefpreisen vieler Okkasion-Verkäufe: das W'ederanfblü- hcn der berüchtigten„Sweatshops" mit ihrer rücksicht-losen Ausnützung menschlicher Arbeitskraft zu Kulilöhncn, die Wa» de r i nd n st r ie n und die sogenannten„ZI g e u n e r f a b r i k« n". Kenn-^ichnend für das Wesen des Sweatshops' ist eine große Werkställe in MassachnsetiS, in der nach dem offiziellen Bericht Mädchen Näharbeit gegen einen Stücklohn leisteten, der etwa e i n e m Cent für di« Arbeitsstunde entsprach. Aller amerikanischer Puritanismus bewahrte diese Mädchen nicht davor, daß sie auf ihre Forderung nach Lohn- crhöhung die Antwort erhielten:„Warum gcht ihr des Abends nicht auf die Straße? Ihr seid hübsch genug, uni euch einen Nebenverdienst zu verschaffen." Und kn Pennsylvanien fand das Unlcrsuchnng-komi- tc« Frauen, die zwölf bi- vierzehn Stunden des Tag- gegen wahre Hungerlöhne arbeiteten, ein« Fabrik, die zum größten Teil Kinder beschäftigte und Arbeiterinnen, die siebzig Cents die Woche verdienten. Und derlei„Arbeitsbedingungen" waren durchaus nicht auf Pennsylvanien und Massachusels beschränkt... Der amerikanische Bundesstaat Connecticut kennt so gut wie keine Arbeiterchutzgesetze. Dies machten sich New Aorkcr Konfektion-firmen zunutze. Sie ließen Kleidungsstücke in New shork maschinell znschneidcn, brachten die Halbfabrikat« des Nachts in Autos nach Connecticut, wo sie in derart aller Hygiene spottenden Betrieben und zu so geringen Löhnen sertiqgestellt wurden, wie sic in New Pork unmöglich wären. Eine Spezialität Connecticuts bilden auch die sogenannten„Zigeunerfabrilcn". Unter einer Fabrik stellt man sich gewöhnlich einen soliden Sleinbau mit niet- und nagelfest befestigten Maschinen vor. Aber Hyänen der Wirtschaftskrise setzten eines Tages eine Fabrik in Betrieb, die zwei Wochen hindurch Tag und Nacht arbeitete und eines Tages wieder verschwand. Eines schönen Tages mietet ein Frein- Skr. 172 sen. Dia deutschbürgerliche Presse war daniutnd obendrein streberhaft und durch und durch geldgierig. Ist er wirklich der tüchtige Hitlerianer? Ja, nach außen hin. lind nach innen? Als die erste SA- Reserve ausgchobcn wurde— jedes NSDAP- Mitglied muß sich zur SA-Reserve melden- meuterte er zum ersten Male vor sich hin. Fetzt traf es seine Person! So hatte er nicht gewettet! Schön, den Partcibeitrag und die anderen vielen s „Opsergaben" bezahlte er gern und mit ganzem- Herzen, aber er nahm dabei an, daß er damit! auch die braunen Soldaten seines Osafs bezahlte.. Daß er selbst einmal— ganz in logischer Folge' seines Beitritts zur NSDAP— mitmarschieren j und mitcxcrzieren mußte, wollte ihm gar nicht: in den Kops. So schimpfte er in seinen vier Wänden, und die Frau schimpfte auch, denn der Mann ist die ganze Woche für die Partei unterwegs. Ja, wenn das Gehalt— wie man! annahm— gestiegen wäre! Gerade umgekehrt• ist cs gekommen! Diese neue» Abgaben und so!! „Tas wird alles noch", tröstete mein Wirt seine: Frau.„Man niuß Geduld und Vertrauen i haben!" Er selbst glaubt aber nicht mchr recht!i Ich bin stolz, meinen redlichen Teil zu dieser Glaubenserschütterung bcigetragen zu! haben. Was mich besonders erfreut, ist, daß ich! meinen Wirt mit seiner eigenen Presse schlagen nnd aufmerken lassen konnte... Ta brachte der „Freihcitskampf"— der jetzt in der gestohlenen Druckerei der Dresdner„Volkszeitung? gedruckt wird— in einer Nummer drei Notizen über die Konsumvereine. Die oberste Wirtschastsstellc der Parteileitung gab amtlich bekannt, der Kamps gegen die Konsumvereine sei mit allen Mitteln und mit aller Schärfe wciterzusührc», zumal da sich die Konsumvereine durch die„marxistische Mißwirtschaft" nicht mehr lange halten könnten. Weiter unten wurde von einer Versammlung des„Kainpfbundes des getverblichen Mittelstandes"(eine Naziorganisation) berichtet, in der der Kommissar der. Nazi für die Konsumvereine auS- führte:„Tie Konsumgenossenschaften sind als Preisregulantcn heute notwendiger denn je; ihr Bestehen schadet dem getverblichen Mittelstände in keiner Weise, ihr Wegfällen aber ruiniert viele kleine Existenzen." Uno auf der letzten Seite brachten die Konsumgenossenschaften ein Mußinserat:„Arbeiter! Nachdem die Konsumvereine nntcr nationalsozialistischer Leitimg stehen, siird die Spargroschen nicht gefährdet! Haltet der Genossenschaft die Trenc!" Mein Wirt fand in diesen Notizen keinen Widerspruch. Merklich nachdenklicher wurde er einige Tage später: In einer NSDAP-Bersammluna wurde gesagt, daß bald alle Lebensmittel billiger würden, allerdings müßten vorerst im Interesse der Bauernschaft die Butter- und Fcttprcisc erhöht werde».„Was ist das für ein grober Unfug, zu sagen, die Lebensmittel werden billiger, zuvor aber müssen die Preise steigen?", schimpfte mein Wirt. Es sollte noch besser kommen. Eines Tages ist er aufgeregt.„Hier steht cs schwarz auf weiß: die Volksfürsorge(ich hatte ihn vor Jahren für diese Versicherung der Werktätigen gewonnen) steht vor dem Zusammenbruch. Tie Bonzen haben sie heruntergcwirtschaftct!" Er wünschte ein Eilschreiben an den Vorstand>>r Versicherung, abmeldcn wollte er sich. Ich versicherte ihm, daß die Sache Wohl nicht so schlimm sei, wie sie dar- gestellt wird, vielleicht sei überhaupt nichts Wahres daran.„Tann werde ich in der nächsten Parteivcrsammlung aufmuckcn!" Er hat nicht aufgcmuckt— weil er nicht aufmuckcn darf!—, obwohl schon nächsten Tages die Meldung über den bevorstehenden Bankrott der Bolksfürsorgc widerrufen wurde:„Es hat sich nach nochmaliger Prüfung herausgcstcllt, daß sich die genossenschaftliche Versicherung„Volksfürsorge" in geordneten und sicheren Verhältnissen befindet. Da nunmehr die Borstandsämter in Händen von Nationalsozialisten sind, ist kein Grund zu Beunruhigungen mehr vorhanden!" Ich könnte dieser Dinge noch viele anführen. Jedenfalls, mcincni Wirt gebt cs wie so vielen Nazis jetzt: nach innen hin sind sic wankelmütig geworden, nach außen hin allerdings schwören sie noch aus Hitler und seine Garde; sic schwören, weil sie schwören zu müssen glauben! Dieser Weg meines Wirtes ist kein Einzelfall. Er verkörpert das Schicksal des politischen Spießers, und es ist zn gsauben, daß diese Leute bei geschickter Behandlung einst zu formen, sind zn Klassenkämpfrrn. Sie, die bisher Indifferenten. sind mitgcrissen in den politischen Strudel. Sie werden die braune Enttäuschung überstehen und. nach einer Zeit lethargischen AuSruhens, von neuem Politisch tätig sein wollen. Aufgabe aller Antisascisten und Sozialisten ist, diese Leute als Plattform zn benützen. Ihre Unzufriedenheit muß gesteigert werden,, bis sic eines Tages bcn Mut finden,-alles offen hcrauSzusagcn. Sind sic soweit, dann können wir mit ihnen rechnen,-unt der Tag unserer Abrechnung ist nicht mchr fern Ab Rechner, E t q«• g< b c’c Cttgfttei Zaib.—£bett«ba(teBV. Oildeim W itfc Bit-— LeroatworrUcher Redakteur: Dr. Earll 6tcssb, Prag.— Druck: JRota* L.«G. für Zeitung« und Luchdruck, Vraa.— Für den Druck verontworlltch: Otw HoliL, trag.— Ditz Zrtiunqtzmarlrnlronkaru, wurde von de, Poft« a. relegropdendirekitoB am Erlab Jh ISMXwn-wso bewilligt- BetzugLvedlngungen: Lei Zustellung in- Houtz oder der- Bezug durch dir Bost monatlich. Kt 16.—. vierteljährlich U 48.—> tzntbzatzrtg IU 86,—, ganZährtg Kl— Znlevau«erden laut Larlf billigst berechnet. Lei btmu NeeiHnachlag.— Rückstellung von dRanufhibUB erfolgt nur bet Etchendung de»«ekourmorte».