Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. 9t öattion u. Drneoltung; Drag n,3teM santo ia* Xtttoft.i 16199. 31169. OTa 21 Ujr)>»3696 ♦ ponntttdomi: 375*4 klvzelpreis 70 Heller. Einschließlich 8 Heller Porto) 13. Lahrgang. Donnerstag, 27 Zull 1933 Nr 173. Vie vankrvttcnrc raten ram Streik, die Spalter zur Einheit! Za dem Kommunistischen Schwindel. Der Ksrruplionssaragl um Goering. Sftwaches Dementi der Reichsrefticrnng. Berlin, 25. Juli.„I n p r e ß" meldet: Bei den LieferungSaufträgeu der deutschen Lustflotte haben die Bayerischen Motorenwerke eine Borzugsbehaiidlung erfahren, die— wie auS'rutschnationalen Kreisen mitgeteilt wird — darauf zuriickznsiihren ist, daß Goeriitg von der Firma erhebliche B e st e ch u n g s s u m m e n erkalten hat. Die BMW haben außerdem die Ge- lraenheit wahrgenommen, einige ältere Modelle aozusetzen, um ihre bereits vorhandenen Werkzeugmaschine» anSziiniitzcii. Inzwischen hat sich Herr Goering mehr Bollmachten zugelegt, als sie selbst der a b s o Lu t i- ftische preußische König besaß: Er kann alle Untersuch»ngen, auch bereits eingeleitete, niederschlagen, jede Ausdeckung seiner und seiner Freunde Skandale unmöglich machen und vereinigt heute bereits in seiner Hand mehr Macht als Hitler! Die Reichsrcgicrnng hat der deutschen Presie eine Erklärung zugehen lasten, in der behauptet wird, cs sei unwahr, daß der Rcichsministcr Goering Bcstcchnngsgcsd^r angenommen hat; es sti ferner unwahr, daß Deutschland die Luftäus- riistung in welcher Form auch immer betreibe. Den Zeitungen wird bei Androhung, des Verbots aus unbestimmte Zeit untersagt, über die in dieser Zache im Ausland verbreiteten Meldungen zu berichten; ebenso darf bis ans weiteres das Dementi der Rcichsrcgiernng nicht publiziert werden.- Bei den Junkers- Werken in Dessau und Berlin sind am 2D. Juli durch Beamte der Wi« Heimen Staatspolizei die gesamten Geschäftsbücher und Papiere beschlagnahmt worden; dasselbe erfolgte mit den Privotaktcn des.Professors Funkers. Einige führende Angestellte der Junkers-Werke wurden verhaftet. Umncnsdien. Zenn Kommunisten idr einen SA-Mann erschossen. Berlin, 25. Juli.. Schon vor der Drohung Görings mit Standgericht und Todesstrafe hat die SA. diese barbarisch« Gesinnung praktisch getätigt. In Braunschweig wurde kürzlich ein SA-Mann erschossen aufgesunden. Die Täter waren nicht scstznstellen. Die SA. hat daraufhin wahllos zehn ,Kommuni« st e n" erschossen. Den Angehörigen der Erschossenen ist lediglich mitgeteilt worden, der Erschossene sei mit dem SA.-Mann„gleich, geschaltet" worden. Bon den erschostenen Kommunisten arbeiteten vier im Autowerk Büssing. Ueber die Ermordung dieser Arbeiter herrscht in Braunschweig eine sehr starke Empörung. S.e kommt u. a. auch in dem Beschluß des Büssing- Bctricbco zum Ausdruck, keine G e l d» Beträge für die„ArbeitSsp«nd«"ab» zuführen. Der Beschluß wurde von der Belegschaft einstimmig gesoßt. Aal der flacht erschossen... Landsberg, 26. Juli. Das Eontinachrichten. büro meldet: Die Brüder Etich und Gustav Rudolf auS Tühringshos(Brandenburg! konnten jetzt unter dem Verdacht, vor etwa einem Jahre den Hitler-Jungen Liebsch aus Dechsel ermordet zu haben, sestgcnommcn werden. Sie haben ein umfassendes Geständnis abgelegt. Zwischen LandSberg und Bietz unternahmen sie beide einen Fluchtversuch. Alp sie aus die Haltruse nicht stehen blieben, mochte di« Begleit, Mannschaft Von der Schußwaffe Gebrauch und tötete beide. OömbOs hei Mussolini, Rom, 26. Juli. Der unaaritche Ministerpräsident G ö m b ö S hätte heute• vormittags eine zweistündige Unterredung niit‘ dem Duce. Gömbös empfing im Laufe des Nachmittags a»s der ungarischen Gesandtschaft den Gegenbesuch Mussolmis. Auf der. ungarischen Gesandtschaft fand am heutigen Abend ei» Empfang statt. Jin Laufe des Nachmittags verhandelten die Wir t- schaftSsachverständlgen mit den Ber- tretern der einzelnen Fachrefforts. Nack monatelangcm Ringen zwischen den> bürgerlichen, von den Agrariern geführten Parteien)in> den Sozialisten, geht die Kampagne um das Genter Sy st c m ihreni Ende entgegen. Es ist den Sozialisten gelungen, die Anschläge der Bourgeoisie, die sich eine Sanierung der Staatsfinanzen ausschließlich auf Kosten der Arbeitslosen versprach, abzuwehrcn und zu einem Kompromiß zu gelangen, bei dem wesentliche Forderungen der Gewerkschaften durchgcsrtzt wurden. Man erinnere sich an die Forderungen der bürgerlichen Parteien und ihrer Presse, den Höchstsatz des Staatsbcitrages zum Genter System von 18 auf 10 Ke oder noch tiefer hcruntcrzu- sctzcil. Demgegenüber bleiben 12 und 15 Kü als Höchstsätze bestehen. Tic Kommunisten können sichs nicht verkneifen, auch da noch zu lügen und von 13.50 Höchstbeitrag zu sprechen. Aber auch in zahlreichen anderen Punkten konnten die sozialistischen Minister die bürgerlichen Forde- rungen, hinter denen ja nicht nur die politische Macht der Bourgeoisie, sondern auch die faktische Finanznol der öffentlichen Hand, die Notwendigkeit der Ausbalancierung detz Budgets steht, bedeutend zurück- schrauben. Darüber wird aber in anderem Zu- sammcnhang das nötige zu sagen sein. Zu den Momenten, die den Kamps der «Sozialdemokratie um dir Sicherung der Arbeitslosenunterstützung am meisten erschwert haben, gehörte sicher die demagogische Hetze der K o m m u n i st c n. Solange die Bourgeoisie diesen erbitterten Fanghuno im Rücken.der.Arbeiter-Weiß, kann sic sich ja von vornherein mehr erlauben. Aber im gegebenen Fäll« kam hinzu, daß die Kommunisten ehedem selbst»ach den: Abba» oder der Beseitigung des Genter Systems gerufen, die Arbeiter verwirrt, die Aktion der Lebensmittelkarten in Mißkredit gebracht, sie als Bettclkartcn und den Genossen Ezcch als Hungerminister verschrie» hatten(wobei sie ja genau wissen, daß jeder bürgerliche Minister, den sic in ähnlicher Weise Hunzen würden, längst den Staatsanwalt gegen sic mobilisiert hätte!). Sicher könnte die Arbeiterklaste, wäre sie einig, hätte sie wenigstens in diesem Frühjahr, unter dem Eindruck der deutschen Katastrophe den Weg zur Wiedervereinigung der Bewegung gesunden» nun auf«in anderes Kampfergebnis zurückblickeu. Wir sind die letzten, die nicht den Zusammenhang zwischen der Spaltung der Arbeiterbewegung und den politischen Erfolgen der Besitzklassc erkennen würden. Aber es stellt einen Gipfel der Demagogie dar, wenn dieselben Herrschaften, die erst in de» verwichenen Monaten wieder alles darangescht habe», die Sehnsucht der Arbeiter nach der Einheit und Geschlossenheit zu den schändlichsten, Manöver» zu gebrauchen, und die eine Uebcrbrnckung der tiefen Kluft zwischen der organisierten Arbeiterschaft und den Mitläufern der Marodeure verhindert haben, indem sie eben das Bankrottieren und Marodieren weiter als höchste Maxime im Klasscnkampf Predigten, wenn diese Apparatschik! nun als die Vorkämpfer der sozialen Gesetzgebung und als die F ü h r er einer neuen Einheitsfront auftrctcn wollen. Mit den üblichen Lügen wird das ganze Manöver eingeleitct. Noch am Dienstag bildet es einen Hauptschlagcr der Bankrotteure, daß die Kürzung des Staatsbcitrages schon am 1. August beginnen soll. Inzwischen war längst bekannt, daß ein späterer Termin» der 15. September., in der geplanten Verordnung vorgesehen ist." Mittwoch ist die Lüge nicht mehr zu halten. Was verkünden die Bankrotteure nun? Sic geben zu, daß di« Kürzung am 15. September in Kraft treten soll und schreiben: Maffcnbewegung der Gottwald-Sekte eine ernste Gefährdung der Sozialdemokratie zu sehen, so tvürdc sic am wenigsten nachgeben. Verspräche sich die Bourgeoisie«inen Erfolg von der kommunistischen, ausschließlich gegen die Sozialdemokraten gerichteten Aktion, so hätte sie sicher nicht in ein tragbares Kompromiß gctvilligt, sondern, gestützt ans ihre kommunistl- schen Helfer, ihre Forderungen erhöht. Belastet mit der schtvercn Schuld an dem Zusaminenbruch des Br erat nauerStrcikS, den sie wie die meisten ihrer Aktionen gemeinsam mit den Fascisten geführt haben, kommen die Bankrotteure daher und predigen den Generalstreik. In Balkenlcttern schreien sic wieder einmal eine Aktion aus, von deren Zusammen, brnch sic im voraus überzeugt sind. Tie Arbeiterschaft hat nicht dir geringste Lust, sich, wieder einmal in eine"Niederlage führen zu lasten, damit nachher die„Führer", wie es im Brürer Bcrg- arbciterstreik der Fall war, sich als Provokateure Herausstellen. Di« Arbeiterschast weiß, daß in dem schweren Kamps um die Rettung der Arbeitslosenunter, stützung nur die Sozialdemokratie die Sache der Arbeiter verfochten hat und daß, die Kommunisten,«inst Gegner des Genter Systems, üoffen Abbau sic forderten, alles getan haben, um die Kraft der Arbeiterschaft auch in diesem letzten Kampfe schwachen. Die organisierte Arbeiterschaft weiß aus Erfahrung, daß gerade"im'Kampf'um'das GcUtcr System die Bankrotteure die am wenigsten geeigneten Führer sind!.Hat sich doch' der Kampf der K o m m uNlsten seit Jahren gegen die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft gerichtet. Tie Kommunisten haben vor Jahren schon die Unorganisierten»nd Indifferenten als die wahren Revolutionäre ans- gcrufcn, sie gegen die Organisierten ausgcspiclt und durch die Mobilisation der nnzuvcrlässigstcn, der nicht klassenbcwußtcn, undisziplinierten Arbeiter, oft betriebsfremder und— wie im Kohlcnstreik— von weit hergeholtcr Lcittc (Marktficrantcn und ähnlicher Mitläufer) unter den Terror ihrer wahnwitzigen Niedcrlagenstratc- gie gebeugt. Di« Kommunisten wärrn dir ersten gewesen, die Bourgeoisie auch fernerhin in ihrem Kampf gegen das Genter System zu unterstützen und den organisierten Arbeitern die Nichtorganisierten Massen auf den Hals zu Hetzen. Nein, diese F ii h r u n g i st c r l c d i g t, dieser Schwindel zieht nicht mehr. Wir schreiben diese» Artikel nicht, um der kommunistischen Aktion vorzubeugcn, denn wir wis- sen, daß sic kläglich verkrachen wird wie jede andere vor ihr! Aber an dem Tag«, da die Marodeure der Einheit, die Bankrotteure des Klassenkampfes die Arbeiter aufrufen,„der Bourgeoisie die Kraft und Entschlossenheit des vereinigten Pro. lrtariats" zu zeigen, mutz ausgesprochen werden» daß wir eS nach allen Erfahrungen der letzten Monate satt haben» un« von einem Klüngel gewissenloser Burschen nasführen zu kaffen» daß wir eine Führung durch hundertprozentige Niederlagenstrategen, eine Einigung unter der Aegide der gesährlichstcn Saboteure der Einheit,«ine Aktion auf Kommando der freiwilligen Agents Provokateurs des Klassenfeindes ablehnen, daß wir sie als eine gegen die Jntereffen der Arbeiterkiaff«, für die faktische und moralische Stärkung der Bourgeoisie geführte Sabotage-Aktion erklären! SozialisMß und Mirgeriiffie Rrisenhekämpfano. Nach monatclangcn, mit äußerster Erbitterung geführten Auseinandersetzungen stehen nui» die Umrisse der Neuregelung des Genter Systems fest. Die staatliche Unterstützung soll mit dem Doppelten bis Dreifachen der Or« ganisationsnntcrstütznng bemessen, die Höchstgrenze des Staatsbcitrages mit 12, unter gewissen Voraussetzungen mit 15 Kronen täglich festgesetzt werden. Angesichts des Gcneralan- sturms der bürgerlichen Parteien, deren Begehrlichkeit durch die Siege der Reaktion in den Nachbarstaaten ins Ungcmessene gewachsen ist, angesichts der Schwächung der Arbeiterklasse durch die Taktik der Kommunisten, die auch diesmal wieder der Sozialdemokratie in den Riikien gefallen sind, angesichts des wachsenden Defizits im Staatshaushalt« gewiß ein Ergebnis, das bei aller Härte, die es für die Betroffenen bcdentct, dem zähen Widerstände der sozialistischen Parteien und der Hartnäekigkeit des Fürsorgeministcrs in der Vertretung der Arbeitcrintercsseu das beste Zeugnis ausstclli. Tenn noch immer steht die Arbeitslosensürsorge auch ilach der Neuregelung, die an: 15. Tcptemlwr in Kraft treten soll, weit über dem Nivea u, das sie vor der durch die Wirksamkeit der Sozialdemokratie im Jahre 1030 errungenen Verbesserungen hatte. Nicht der kommunistische Generalstreik, den die im Bluffen geübten Macher vorsichtsweise auf einen Zeitpunkt nach der Entscheidung angeordnet haben, sondern der sozialdemokratische Widerstand und die Abwehr der freien Gewerkschaften haben das Schlimmste z>l verhindern vermocht. Deilnoch ist die bevorstehende Kürzung der Arbeitslvseniitttersttttzttug wahrhaftig Anlaß genug, die bürgerlichen Parteien zur Besinnung zu rufe» und ihnen mit aller Klarheit zu sagen, daß die Krise nicht mit Mittel» bekämpft tverdcn kann, die in ihren Wirkungen zu einer Verschärftlng der Krise führen müssen. Mag die Senkung des Staatsbeitragcs dem Budget eine Entlastung bringen, das Fortwirken der Arbeitslosigkeit, die fortdauernde Schwächung des Konsums muß das Defizit immer aufs neue erzeugen und vergrößern. Nicht Spaririaßnahmen und Einschränknngcn, sondern nur positive, schassende Tätigkeit kann die Krise überwinden Helsen. In einer Reihe von ivohldurchdachtcn Exposes hat Genosse Tr. Ezcch die Notwendigkeit eines planmäßigen Eingreifens des Staates überzeugend dargestcllt. Arbeitsbeschaffung, Organisation des Arbcilsmarktes, Arbcitszcitvcrkürznng waren die Hauptpunkte seines Programms. Tie bürgerlichen Zeitungen haben diese Reden registriert, die bürgerlichen Parteien haben die Vorschläge des Für- sorgcministexs zur Kenntnis genommen, aber das Bürgertum war viel zu sehr mit der Fahndung nach Lebensmittelkarten beschäftigt, die— einige wenige unter vielen tausenden— in unrechte Hände gerieten, als daß cs für eine verantwortungsbewußte Befassung mit de» ernsten Problemen der Wirtschaft zu haben gewesen wäre. Nur die Schaffung von Arbeitsgelegenheiten durch die Arbeitsanlcihe kann als Posilivum verzeichnet werden. Die Kritiker, die über mangelnde sozialistische Initiative den Kopf zu schütteln lieben, haben übersehen, daß damit eine Forderung erfüllt wurde, die von der Sozialdemokratie schon beim, Regie- rnngscintritt erhoben wurde. Aber die produktive Arbcjtslosenfürsorgc, die sich, in den Jahren 1981. und.1982 so gut bewährt Hai, liegt seit Monaten.ganz brach, weil die Bür. gcrlichen.zwar mit der Phrast Herumwerfen: „Ärbeit, nicht Unterstützung", aber keineswegs nach dieser Maxime handeln. Die obligatorische Arbeitsvermittlung, zu deren Regelung das Fnrsorgrininifteriuni bereits vor Jähren eine Gesetzesvorlage ausgcarbeitct Hal, w'ar für das Bürgertum nur ein« Gelegenheit, sein« Diese Verschiebung hat ihre Ursache un. zwei.f.Cil haft in, der Bewegung unter den Massen der Werktätigen.von der die sozialdemokratischen Arbeiter immer stärker erfaßt werde».... Unzweifelhaft wird hier, auf das Verständ. »is der Dümmsten spekuliert. Hätte,.die Bourgeoisie die geringste Hoffnung, in der angeblichen Nur c i n. Generalstreik kann zur Einigung und. zum Sieg' der Arbeiterklaffc führen, der Ge»e ra lstreikl)cr.prole tari schen Gell l g s cha ft de.r'K öm n».» n.isst en gegenüber hren verbrecherischen Führern. cs sei•' denn, daß diese selbst endlich In den. Streik trete» und damit an§ dem Wege, der zur Einheit und zum Sieg der Arbeiterklasse führt und den sic seit dreizehn Jahre» erfolgreich verstellen! Seit, 2 Donnerstag, 27. JuN 1988 Rr. 178 Peinliche Fräse an Juns. Ein Beinrad zur Bildung der sudetendeutsdien AMlonsiront. Roosevelts Appell wirksam. Am ersten rag stimmen 1OOOO Unternehmer zu. Washington, 26. Juli.(Heuler.) Ueber 10.000 Unternehmen haben sich in bindender Form verpflichtet, das Wirtschaftsprogramm des Präsidenten Roosevelt zu unterstützen. H. Johnson, der daS Amt eines Direktors der gesamt« nationalen Erneuerung übernommen hat, meint, daß bis zum 1. September süns bi« sechs Mil« lionen Arbeitslose eingestellt werden können. Im Weißen HanS treffen in großer Menge unter« zeichnete Formulare über die neuen Arbeitszeit« und Lohnbedingungen ein, die an die Industriellen zur Billigung gesandt wordeu waren. „Initiative" im Sabotieren zu beweisen. Dein brennenden Problem der Vierzigstundenwoche ging man mit der Ansrede ans die Noiwen- digkeit einer internationalen Regelung aus dein Wege.« Ter Präsident Roosevelt ist alles andere als ein Sozialist. Aber die amerikanische Regierung sieht ein, daß man den Mut haben muß, mit eingcalterten Vorurteilen, und vor allem mit der falalistischen Tatenlosigkeit zu brechen, wenn dem wirtschaftlichen Unheil gesteuert tverdeir soll, daß man die Kaufkraft heben muß, wenn man Abiatzmögliclfieiten schaffen will. Der heutige„Venkov" lobt Roosevelt über den grünen Klee,»veil er die Preise der agrarischen Produkte gehoben hat, aber er kann sich noch nicht zu der primitiven Erkenntnis durchringcn, daß höhere Preise nur realisierbar sind, tvenn jemand da ist, der sie bezahlen kann, und daß daher Roose« velts Preispolitik nur einen Sinn hat int Zusammenhang mit den Lohnerhöhungen und der Arbeitszeitverkürzung, nur int Zusammenhang mit den Maßnahmen, die neue Konsumenten in den Wirtjchaftüprozeß cingliedern und ihre Konsnmfähigkeit heben sollen. Die tschechoslowakische Wirtschaftspolitik kann in einer Weltkrise keine Wunder wirken. Aber es gibt doch Möglichkeiten, die Krise wenigstens zu niildcrn. Die ArbeitSanleihc kann um zwanzig Prozent mehr fleißige Hände in Belvegung setzen, tvenn wenigstens bei den Arbeiten, die aus ihrem Erträgnis vergeben werden, die Vierzigstundenwoche eingehakten wird. Die Vorlage über die Arbeitsvermittlung ist ausgearbeitet, sie muß beschlossen werden. Ein Gesetz über die Rechtsverbindlichkeit der Kollektivverträge, wofür ebenfalls schon Vorarbeiten geleistet wurde», könnte den« Lohndruck doch gewisse Hemmnisse entgegenstellen. Das Kartcllgeseh ist verabschiedet, und wenn es auch gegen die ursprüngliche Fassung des Genossen Meißner wesentlich abgeschwächt ist) jo muß es doch nicht unwirksam sein, tvenn es entschlossen gehandhabt wird. Die Bürgerlichen haben die Berschlech, terung der Arbeitslosenfürsvrge erzwungen. Aber selbst sic tvcrden begreifen müssen, daß ihre Spartvut nur dann einen Sinn hat, tvenn sie begleitet ist von entschlossene»» Maßnahmen, die den voi» der Krise gepeinigten Massen das Leben zu crleichter»» vermögen. Dre Nationalsozialisten sind gegentvärtig eifrig ben»üht um die Herstellung einer sndeten- dentschen AktionSfroiN, die zunächst die opposi- tionellen deutschen Parteien umfasten soll. Jung meint, daß diese Front unter seiner Führung stünde und daß es ihm im Laufe der Zeit gelingen würde, die angeschlostene»» Parteien„friedlich" gleichznschalten. Tas wäre nicht nur eine absolute Stärkung seiner politischen Position, sondern, wie er hofft, auch eine Entlastung nach der tschechische»» Seite hin: die Lovalitätsbekenntnisse eines Jung, ii» dessen Gefolgschaft sich auch die Chrtstlich- sozialen und die Leute von der ArbeitS- und Wirtschaftsgemeinschaft befänden, würden von den Tschechen wohl freundlicher, gläubiger anfgenom- meu werden als jetzt und man hätte die Platt- form für direkte Verhandlungen mit dem tschechische»» Bürgertum geschaffen. Die stillen Vorbehalte des Herrn J»»ng hätte»» erst später Geltung— zu einer Zeit, ii» der man es wagen könnte, den tschechischen Partner zu betrügen und, mit HitlerS Hilfe, das eigentliche Programi»» der Jung-Partei durchzusehen. Es ist ein T a r n u n g S v e r s u ch größten Stils, eine politische Mimikry, die u» den« Zwecke unternomiuen wird, den Tod- feinden der Denrokratie daS Lebe» bis zu jener Stunde zu verlängern, in der sie es ihr nehmen können. DaS scheint auch die politisch sonst ziemlich ahnungslose und durch Rosche dem Hitler wenig- stenS zeitweise gleichgeschaltet gewesene A r- beitS» und Wirtschastsgen»eil»schäft entdeckt zu haben, die in einer Antwort an das Angebot Imigs einige ihm sehr»»nangenehme Fragen und Bedingungen stellt. Sie weist darauf hin, daß der Verdacht nahe liegt, die Jung-Partei wolle durch ihr neues Unternehmen sich selbst ui»d ihre Mitglieder schützen; eS werde die Aufgabe der Nationalsozialisten sein,»lachzuweisen, daß nicht diese egoistische Neberlegung ihre EinheitSbemühunge»» bestimmt. Auch gelte eS nachzuweisen, daß daS Bekenntnis zur sudetendeutschen Einheit nicht nur ein Lippenbekenntnis ist. Der weitere Hinweis, daß sich die Nationalsozialisten abgewöhnen müßten,„Politiker verbündeter Parteien in r»"»der Weise anzu- greife»» u»»d zi» beschimpfen", istbelangloser; denn daS Aufgeben des Schimpfens hieße für die Nazis daS Aufgeben ihres politischen Daseins, beste»« einziger Inhalt daS Schimpfen, Verleumden»»nd Denunzieren ist. Jntereffant ist der letzte Absatz bet; Antwort, der also lautet» „Dritten«: Ein dauernde« Zusammenarbeiten der deutschen Oppositionsparteien erfordert eine Klärung des Verhältnisses zwischen der sudetendeutsche»» DN2AP und der reich-deutschen N2TAP. Damit, daß per- kündet wird, es handle sich um zwei organisatorisch selbständige Parteien, ist diese Frage nicht auS der Welt geschafft. Wenn sich die DRSAP bei voller Wahrung ihrer organisatorischen Selb- standigkeit zu denselben Grundsätzen bekennt, wie die Hitler-Partei, dann kann keine sudetendeutsche Partei mit ihr zusammenarbeiten. BiSber hat aber kein maßgebender Führer der DRSAP gesagt, daß sich seine. Partei nicht zu Hitlers Grundsätzen bekennt. Die Vermutung spricht viel- mehr für das Gegenteil, da ja Hitlers Programm unter der aktiven Mitwirkung Rudolf Jung« z u st a n d e k a m. Der Führer der sudetendeutscheu Nationalsozialisten hat Hiller und daS Zustandekommen seines Programmes ganz entscheidend beeinflußt, wie man in Conrad.Heiden«„Geschichte des Nationalsozialismus" nachlesen kann. Eine klar« Stellungnahme zur reichsdcutschcn Partei wäre den hiesigen Nationalsozialisten sehr zu empfehlen. ES würde die sudetcndeutsche Oefsentlichkeit auch stark interestlercn,. ob sich Jung« Partei zu dem reaktionär-konservativen Flügel der NSDAP unter der Führung Hitlers und GöringS oder zu dem national-bolschewistischen Flügel bekennt, den die Sturmabteilungen, die SA, darstellen. Auch diese Klärung wird vorgenommen werden müsten, ehe weitere organisatorische Maßnahmen im sudelendeutschen Lager getroffen werden." Diese Anttvort muß Jung um so peinlicher sein, als sie in der bisher gleichgeschaltete»» Verhaltung von HaKenhreiizlern In NUtolshnrg. Weitgehende Verbindungen südmährischer Halenkreuzler mit reichsdeutschen und österreichischen Nationalsozialisten ausgedeckt. Wie die„Lidovö Noviny" aus Lundenburg berichten, gelang es der Gendarmerie am Montag, die Tätigkeit der Halenkreuzler in Nikolsburg weitgehend anfzndecken, deren Organisation »»ich» bloß Südmähren und die Slowakei umfaßt, sonder»» auch>v e i t nach O<; ft c r- reich hiurei ch e. Infolge der Unterdrückung der nationalsozialistische»» Belvegung in Oesterreich kamen zahlreiche Hakcnkrcuzler an« Oesterreich in das Gebiet der Tschechoslowakischen Repnblik, wo sie in der Grenzstadt Nikolsburg sich nicht bloß zu Pläne»» gegen de»» tschechoslowakische»» Staat, sondern auch gegen Oesterreich vereinigte». In Nikolsburg wurde ein Sludentenverein namens„Deutschvöltische Penalverbin- d u n g G o»h i a, N i k o l s b u r g" gegründet. Ter Verein verpflichtete sich zioar auf Grund feiner Statuten, sich jeder politischen Tätigkeit zu enthalten, doch übernahm er insgeheim die Funktionen einer ua i i o na ls ozi a listis chen Organisation. Außerdem wurde ein geheimer Verein„E i m b r i a" gegründet, der sich aber wieder auflöste, um in der „Golhia" auszugehen. Dieser Verein nahn» seine Mitglieder nur unter den größten Borsichtsmaßnah- men auf. Tie Mitglieder muhten einen feierlichen Eid ablegen und wurden einer fogenannlen „B r a n d p r ü f u n g" auf ihre politische Zuverlässigkeit unterzogen. Je nach dein Ergebnis dieser Prüfung wurden ihnen vom Präsidium verschieden« Aufgaben zugelvtesen. Im Zeremoniell des Vereines spielten Waffen und die deutsche Fahne eine bodcu- lende Nolle. Nach der Aufnahme erhielten die Mit- glieder Legitimationen und besondere Kennzeichen mir dein Hakenkreuz. Tiefe Kennzeichen sollten in» schriftlichen Verkehr zur Verhinderung von Mystifikationen dienen. Tie Organisation der„Eimbria" und„Golhia" hatte sehr lebhafte Beziehungen zum Ausland, besonder« mit Deutschland und Oesterreich. „Bohemia" abgedruckt ist und kein Ausweichen gestattet. Doppelt notwendig ist die Anfrage der DAWG schon mit Rücksicht daraus, daß der Brudersinn, der Jung mit Hitler und den Seinen verbindet, sich sogar bei der Beurteilung der Goeringschen Blutgesehe bewährte, gegen die„Ter Tag" beileibe nichts zu sagen iveiß; er lobt und verteidigt sie im Gegenteil. Naiv sind sic allerdings a»»ch, die Herren von der DAWÄ! Da fragen sie de,» Jung noch, ob er zu Goering oder zur national-bolschewistischen Richtung der SA hält(die wahrscheinlich wieder der DAWG nicht gefällt). Freilich hält eS Jung mit Hitler und Goering; noch i»nmer haben sich die Jung-Fascisten dort, wo es Stärkere und Schwächere gibt, auf die Seite deS Stärkeren geschlagen. Wie sollten sie auch nicht, da sich diese doch keines,vcgS auf platonische Aenßcriiugcn ihres Brudersinns beschränken, der sie mit der Brudcrbcwcgung hinter den»veiß- blau- roten Grenzpfählen verbindet! Die Antwort JungS an Bacher wird tatsächlich interessant sein. Nicht lvegen der zu schaffenden organisatorischen Voraussetzungen einer sudelendeutschen bürgerlichen Einheitsfront, sondern wegen der p o l»t i s ch c n M o ra l, um die es hier in erster Linie geht. Und darum gestehen wir, daß auch wir daS Bekenntnis des Herrn Jung mit Spannung erivarten. von wo täglich Briefe an ständig wechselnde Adrel- fen einliefen. Die Gendarmerie führte bei"den Adressaten Haussuchungen durch, wobei ein ganz überraschendes Ergcbuis erzielt worden sein soll. Außer einer Unmenge staatsfeindlicher Druckschriften wurde auch ein Mitgliederverzeichnis l»nd eine ausgedehnte Korrespondenz beschlagnahmt. Tie in NikolSbnrg wohnenden Mitglteder— drei Studenten— wnrden sofort verhaftet und Vie Gendarmeriestationen in den Wohnorten der anderen Mitglieder verständigt; daraufhin wurde auch in Jägerndorf ein Student verhaftet. Im Mitgliederverzcichnis finden sich auch Mitglieder aus Feldsberg, Znaim, Auspitz, Göding, Lundenburg, Saitz, Brünn, Prag, aber auch aus O e st e r r c i ch. Die Untersuchung ist der- reit noch nicht abgeschlossen. Die„Lidovs Noviny" knüpfen bezeichnenderlveise an ihren Bericht die ironische Bemerkung:„Im MitgliedervcrzeichniS waren Namen, wie Novotnv, Hrdina, Novosad, Kovarik usw. eingetragen, die auf ihre arische Abstammung Hinweisen." Hltlerbandtten verletzen das Asenbahnabfommen mit der CftR. Uebersall auf die Sperrwagen Reichenberg— Zittau—Warnsdorf. Die Hunnen haben bei ihrer am Dienstag veranstalteten Razzia auch die Sperrwagen durchsucht, die auf der Strecke Reichenberg— Warnsdorf fahlen und deutsches Gebiet berühren. Diese Sperrwagen sind nach dem Abkommen zwischen der Tschechoslowakei und Deutschland keineswegs den deutschen Polizeibehörden, am allerwenigsten jedoch den SA.-Banditen unterstellt, die den Ueberfall ausführten. Nicht nur der um 11.56 Uhr von Reichenberg obfah- r«nde Zug wurde überfallen, soildern auch der Gegenzug. Wir fragen: Ina« haben unsere Bc- Hörden gegen diese freche Verletzung des Eisenbahnabkommens d u r ch d i c Hunnen u n t e r n o m n» e n? 8« Die Sache mit Boms Kriminalroman von Grefe Hartwig Daß es sich nm ein ganz raffiniert angelegte? Verbrechen l-andclte Ivar ihm feilten Augenblick ziveisellwst. er war überzeug», daß mehr Menschen daran Anteil lmtten, als man gemeinhin bei de» Untersuchnngsbehördc annahm, daß eS etliche Mitwisser gab und Lillian in gemeinster Weise in die Sache hineingezogen worden war, willkommenes Werkzeug weil sie gutmütig, naiv und im Grunde weltfremd»var. Entweder war sie tatiächlich daS Opfer einer Politischen Bande, einer Bande, die das Wissen um Bvrris' l^elwimius vorschob, oder aber... DaS Telephon schrillte, das Detektivbüro »neidete sich unter vereinbartem Namen. Dr. Küuke notierte. „Günther Reif... Adresse... Ich notiere. Sehr gut. Sophie Kandier... sehr gut. Tas weiß ich. Ich habe selbst mit ihr gesprochen. Karl Kandler... BorriS Dobruuow... gewiß! Das ist das Wichtigste. Ich schreibe sofort. Tanke. Abends bin ich zu Hauke. Sie können mich die ganw Nacht hindurch anrufen. Gewiß!" Das mar ivichtig. Er hatte Borris Dobru- nows Moskauer Adresie. Sogleich begab er sich an das kleine Tischchen mit der Schreibmaschine und schrieb. Er berichtete, was vorgesallen»var, schilderte Lilliaus unglückliche Lage, beschrieb bett schrecklichen Verdacht, der aus ihr lastete, und erbat rasch, vielleicht sogar telegraphisch, alle jene Menschen mit Namen zu nennen, die un» Borris' Geheimnis gewußt hatten, bat, mitzuteilen, ob er sÄbst das Separe« Nr. 3 betreten Hobe, in welchen Beziehungen er zu Herrn Renö Gaubier gestalten habe und was er sonst für Lillians Re-j Habilitierung vorzubringen habe. Als Dr. Künke den Brief in den Umschlag schob und verschloß, war ihm etlvaS leichter zu Mute und er konnte sich wieder Persönlichere» Gedanken an seine Klientin hingebeu. Daß sie in einer so bedauernswerten Situa- tion»var, beschwerte ihn lehr,»nd neue Energie, ihr rasch z»» Helsen, floß durch sein Blut. Als daS Mädchen klopfte und ihm ein Telegramm brachte, riß er es hastig auf und las eö in heftiger Erregung. Tatsächlich: eS»var aus Genua. Renö Gaubier war zlvei Tage nach seiner Ermordung in Begleitung einer Dame in Genu« eingetroffeu und hatte sich vier Tage später ans der„Humania" nach Argentinien«ingeschifst. So stand es also! Er»var jetzt den siebenten Tag uuterwegS. Noch»var nichts verloren. Eine Dame? Na ja, eine Dame war geivöhnlich mit im Spiele. Sie konnte ein den» Verbrechen beteiligt sein oder auch nicht. Wer war dieser Renä Gaubier? Borris Dobrunow war in Moskau. So viel stand also kest, daß er mit dem Ermordeten nichts zu tun gehabt hatte. Dr. Klinke wurde wieder durch das Telephon auS seinen Gedanke»» gerissen. Wieder »var es das Detektivbüro. Er horchte geipannt. „In Lillian Bands Garderobekasten fanden Sie nichts? So! Keine Briese, Andenken, Photographien? Nichts! Bei den anderen Damen? Französische Briefe! Ober Marken? In Lo Lus Garderobe? So? DaS interessiert mich. Ja. Schicken Sie mir diese Dinge sofort Per Boten her. Was immer! Das ist egal. Vielleicht finde ich etwas darunter. Das kann mau »licht wisien. Wir können auf allerhand Ueber- raschungen gefaßt sein. Jedenfalls ist eS sonderbar, daß Lo Lu sich ausgerechnet ain Morgen nach den» Mord daS Leben nahm. ES muß in keiilem Zusammenhang stehen, aber eS kann. Gewiß! Per Boten."> Piel Hoffnung hatte Dr. Künke nicht, aber nichts durste unversucht bleiben. Er erwartete den Boten. Jedenfalls mußte der Fetzen Papier, das Stück des französiscknin Briefes, irgend einer Dame des Ensembles gehören. Jedenfalls hatte jemand vor ein paar Tagen in einer Gesellschaft, der er beigewohnt l»atte, geäußert, Lo Lu habe in intimen Beziehimgen zu einem reichen Sliis- lander gestanden. Warum sollte dieser reiche Ausländer nicht ein Franzose,»varnni sollto er nicht— Renü Gaubier sein? Er sprang auf und lief wieder zur Schreibmaschine. An Frau Gaubier, Paris. Er tippte vier oder fünf Zeilen und als er daS Blatt aus der Maschine zog, meldet? das Mädckien den Boten. Er nahm von ihm ein kleines Päckchen entgegen und übergab ihm den eben an Frau Gaubier Verfaßten Brief. „DaS ist sofort ins Französische zu übersehen u,»d expreß abznienden." Der Bot« ging und Dr. Künke riß den Bindfaden des Päckchens auf. Ei»»« kleine Stoffpuppe fiel ihm in die Hand, eine Photographie, ein Kind darstelleild. eine verwelkte Rose, eilt mit Schminke verklebtes Zweimarkstück und drei Briese. Der erste war eine Schneiderrechnung, auf 750 Mark lautend, vom 5. März 1924 datiert, der zweite, ein langes, verschmiertes Geschreibsel aus Köln, unterzeichnet mit Lissy Pohl, offenbar von einer Kollegin, der dritte erlvics sich als ein leeres Kuvert, oa§ ein« französische Marke trug, mit einem Steinpel vom 27. Jul» 1924. Dr. Künke legte den leeren Briefumschlag enttäuscht auS der Hand, griff nochmals nach der Schneiderrechnung, notiert« die Firma, vielleicht wollte er später dort irgeick eine Erkundigung einziehen. Dann las er den Kölner Brief. Biel Interessantes schien er nicht zu enthalten. Bon Rollen war die Rede, von einer Premiere, von einem Thcateragenten, der versprach und nicht hielt, von einer Liebesgeschichte, die nicht klappte, von einer überstandene» Krankheit, von einem bösen Traum, von Schulden, die noch bezahlt werden sollten, von Theatertratsch, von Kleidern, Hüten, Schuhen, von einer Reise und ...halt! Was war das? Ta stand:„...halte Dir nur Deinen Franzosen warm. Tie Männer, die Geld auslassen, die sind heute sehr rar. Laß ihn nicht aus, Deinen Pariser Putzi. Fährst Du wieder nach Paris oder kommt er zu Dir? Gib nur acht, daß Deine Alte Dir nicht den Triumphbogen an den Kopf haut..." Mechanisch las der Rechtsanwalt weiter...„Schreibe bald! Und ausführlich. Alles interessiert mich! Jede Kleinigkeit. Es küßt Dich vielmals Deine treue Lissli Pohl." Und noch einmal las er den Passus über den Franzosen. Dann griff er wieder nach dem Kuvert, das mit Maschine geschrieben war, und prägte seinem Gedächtnis jeden Buchstaben ein. Zu Lo Lu! Nein, zu ihrer Wirtschafterin; denn sic selbst war ja leider tot. Leider, leider, alles wäre anders, wenn sie lebte. Tann säße Lillian sicher nicht in Untersuchungshaft. Bcr- hänguisvoller Zufall! In fieberhafter Eile verschloß er die Papiere im Schreibtisch,»ahm Hut und Mantel nnd verließ das Haus. Die alte Maria war in der Küche beschäftigt, als es läutete. Sic öffnete und betrachtete den eleganten, jungen Herrn mit offensichtlichen» Mißtrauen. Er stellte sich als Leo Feicht vor, behauptete, vor etlichen Jahren mit Lo Lu sehr befreundet gewesen zu sein, durch die Zeitung von ihrem Seibstmord erfahren zu haben und»un hergereist zu sein, um Näheres von ihrem tragischen Ende und ihren letzten Jahren z» erfahren. Er wäre ihr sehr dankbar, wenn sie ihm etwas über die teure Verblichene erzählen wollte, das könnte vielleicht leinen Schmerz über deren Hinkcheiden etwas lindern.(Fortsetzung folgt.) Donnerstag, 27. Juli 1938 MIO * i fr ötn I unSM Aussig, Stadion GelegenIlich des Kongresses findet in Antwerpen unter freiem Himmel vor dem Arsen«! am 30. Juli ein« große international« Kundgebung gegen FasciSmuü und Krieg statt, in der u. a. die Delegierten bet Internationalen Kongresses da» Wort ergreifen werden. Bei dieser Kundgebung ist mit einer gro- ;en Beiciliguug der an Belgien grenzenden Lon- der zu rechnen. Die Teilnehmer auS den Niederlanden werden z. B. in Sonderzügen eintreffen. August zum internationalen GcwcrksdialtskongrcO. Dem 6. Internationalen Gewerkschaftskongreß, der am 30. Juli inAnlwerpen eröffne', wird, geht am 28. und 20. Juli die Internationale Arbeiterin neu-Kon f«- reu; voran, die in Brüssel Im VolkshauS stattfindet. Auf der Tagesordnung steht das Referat von Frau Chevenard(Lyon) über die Frauenarbeit in Krisenzeiten sowie Im Hinblick auf die Folgen der Rationalisierung sowie ein Referat von Frail Barley(Birmingham) über di« Frauenlöhne. An dieser Konferenz nehmen di« Bertre- lcrinnen der aelverkschaftlich organisierten Frauen aller dem Internationalen GetverkschaftSbund angeschlossenen LandcSzentralen teil. Die Eröffnung des Internationalen Gewerkschaftskongresses findet am 80. Juli morgens in A n t w e r p e n im Hippodrom« statt. Tic Eröffnungsrede wird vom Borsitzenden W. M. Citri n«(London) gehalten. C. M e r t c n S, Belgien, wird den Kongreß im Namen der belgischen Gewerkschaften begrüßen; für die Sozialistische Arbeiter-Internationale wird Emile Ba nderde ld e zu Wort« kommen und namens des Jmcr- nationalen Arbeitsamtes wird H. B. Butler! ein« Begrüßungsansprache halten. Tie Sitzungen des Kongresses werden in Brüssel, Palais des Beaux-ArtS, Rue Ravenstein, abgehaltcn. reuertf clecht mit Kommunisten in eitttt bulgarischen Stadt. Sofia, 26. Juli. I» der Stadl Burgas am Schwarzen Meer bemächtigten sich in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch die Kommunisten in der dortigen.Kaserne eines ganzen Wagens mit Gewehren und Munition. Der Diebstahl wurde sehr bald bemerkt und das alarmicric Militär sowie Polizei nahm die Verfolgung der Täter auf. Es entwickelt« sich ein l a n g dauernder Feuerwechsel mit den Kommunisten, der in der Bevölkerung, dir nichts ahnte und nicht wußte, um was eS sich handle, große Erregung hcrvortief. Schließlich ließen die Koinmuinsten den Wagen mit der Beul« aus der offenen Straße stehen und flüchteten. daß die heutige„Germania", das katholische Presseorgan, das dem Einflüsse des Vizekanzlers von Papcn unterliegt, auch nicht die mindeste Erwähnung von dem neuen Reichsgcseh bringt, während di« gesamte übrige Presse über das Tterilisiernngsgesetz eingehend referiert und zum Text desselben umsangreiche Kommentare bringt. Die„Bossischc Zeitung" macht auf die Enzyklika des Papstes Pius Xl. über die christliche Ehe aufmerksam, die sich gegen die Sterilisierung jedweder Art, insbesondere aber gegen die zwailgsmäßigc Sterilisierung wendet und anführt, daß der Staat nicinals ein Recht hierzu hatte und niemals auf derartige Eingriffe wird Anspruch erheben können. Unbeantwortet bleibt vorläufig di« Frag«, ob Vizekanzler Papcn drn Papst über das Sterilisierungsgesetz vor der Unterzeichnung des Konkordats informiert hat. I i. j I Gocriiig hat sein« Blut-Gesetze als gegen di« Kommunisten gerichtet bezeichnet. Nun hat das sächsische Innenministerium durch eine„Äerord- nung zur Bckämpsung von Sabotage-cs natio- nalsozialistischcn Aufbaus" die wahren Absichten enthüllt, die Goering leiteten: von d«n Henkennaßnahmcn der jetzt in Deutschland Regierend«» soll«» auch alle SA-Leute betroffen werd«», die die Einlösung der Hitlerschen Versprechungen fordern! Die Verordnung des sächsischen Innenministeriums lehnt sich nämlich an die Feststellung Hitlers an, daß die Revolution beendet sei und stellt alle„unbefugten Eingriff« in Maßnahmen der Behörden und Aufgaben der Wirtschaft" unter schwere Strafen. Mit Zuchthaus oder Tod soll bestraft tverüen, wer sich unbefugt Polizeiliche Befugnisse anmaßt, Festnahmen und Freiheitsberaubungen durchführt und die Absicht hat, sich des der Freiheit Beraubten a l 8 G c l s e' im politischen Kampf« zu bedienen. Bestrafung hat auch zu gewärtigen, wer sich eigen Blutgesetze gegen die SA Eine Henker-Verordnun? in Sachsen. Das Kastriergesetz wohlweislich erst nach dem Konkordatsahschlufi veröffentlicht Beschwerde Oesterreichs bei le» Großmächlen gegen nie deutsche Flugzeugpropagando. ., London. 26. Juli.(AR.) Die österreichischen Gesandten In London, Paris und Rom haben die Regierungen, bei denen sie akkreditiert sind, aus den Umstand ausnierksam gemacht, a-k m-h»??■'^ C li aw Flugzeuge in großer Menge Uber österreichischem Gebiete von sechs Personen geführt. ES handelt sich durch, wcgs um junge Nationalsozialisten, Von denen der öltest« 22 Jahre zählt. Popens Wiener Blatt— antlliaKenKreuzlerlsdi’ Alle bisherigen Versuche der Wiener Nationalsozialisten, eine Ersatzprcssc für ihre eingestellten Blätter zu schassen, sind an dem Widerstande der Druckereien gescheitert. Auch die zuletzt gegründet«„Abendpressc" erscheint nicht mehr. Das K-Unr-Blatt", das angeblich vom deutschen Vizekanzler Papcn finanziell unter, stützt wird und ansänglich mit den Nationalsozialisten sympathisierte, nimmt in den letzten Tagen eine Front gegen di« Nationalsozialisten ein. e mit gegen die österreichische Regierung gerichtetem Inhalt abwersen.' Die englischen Blätter kommentiere» in scharfer Weise diese von der deutschen Regierung gestatteten Aktionen, welche deutlich ans die Untergrabung der österreichischen llnabhängigkeit gerichtet seien. blark-riiiLplskr vor Salzburgs Toren. In Feldkirch an der Saalach in un ml t. telbarer Nähe der österreichischen Grenze errichtet Deutschland einen neuen großen Flugplatz mit einer Fliegerschule für Piloten der SA. her Weiteste 22 Jahre... Die Untersuchung deS letzten mißlungenen Vombenatlen atcS auf das Haus des nieder österreichischen LandeshauPtniann-SlellvertreterS Sturm in Gnmpoldkirchen hat zur Verhaftung mächtig irgendwo als Kommissär einsetzt oder Leiter wirtschaftlicher Unternehmungen zu behindern versucht oder zu Gewalttätigkeiten gegen Führer der Wirtschaft auffordcrt. Tic Verordnung ficht vor, daß Straftaten, die in der Uniform oder sinter deut Abzeichen der nationalen Verbände begangen werden, gesondert zu behandeln sind. Es werden Sondergcrichte eingesetzt. Die Verordnung gibt nicht nur zu, daß solche Straftaten begangen wurde» und tvcrden, wodurch sie alle„Grcuelmeldungen" bestätigt, sondern bringt auch die Angst der Führer deS Tritten Reiches vor der SA zum Ausdruck. Tenn die ausgezählten Straftaten kann nur ein Angehöriger der nationalen Verbände begehen. Es ist ein Irrtum, zu glauben, daß sich die Verordnung etwa überhaupt gegen das Frstneh- men von Geiseln und gegen die Bedrohung deutscher Staatsbürger wend«!. Sie will nicht einmal die Einzelverbrcchen der SA gegen Marxisten und Juden verhindern, die noch in keinem Fall den Schutz der Behörden sanden, sondern lediglich der SA den Mut nehme», die gleichen Verbrechen etwa gegen Kapitalisten und AmtSsxrsonen zu begehn. Berlin, 26. Juli. Di« Begleitumstände der Veröffentlichung über die Sterilisierung von „Erbkranken" erwecken große Aufmerksamkeit. Di« deutsche ReichSregierung hatte das Gesetz bereits am IT. Juli beschlossen, mit der Veröffentlichung desselben jedoch zeyn Tage gezögert. ES scheint, daß die Erklärung für diese Verzögerung in dem Widerspruch des Vatikans gegen jedwede UnfruchtbarmachungS-Singriffe zu suchen ist. Die Bcrösfcntlichung des Gesetzes über die Sterilisierung unmittelbar nach der Genehmigung derselben durch die ReichSregierung hätte wahr- cheinlich ein e r»st e s Hindernis für den Abschluß des Konkordats zwischen dem Deutschen Reich und dem Vatikan gebildet, doS am 20. Juli unterzeichnet wurde. Die Berechtigung dieser Vermutung scheint der Umstand zu bestätigen, inHonaler Meller-WM Dauersestkartc» sowie Fahrtlegiti- malioncn werden seilens des Verbandes an all« Bezirksleitungen im ö. und 6. Kreise, für Mähren an Genossen K.u i jchera, für den 7. Kreis an Genoss«» Dolcnsky, und zwar sür solche, die sich im letzten Moment meldcn, zur Vcrsiigung gestellt. Wir ersuchen, Bestellungen in der letzten Woche nur dorthin zu leiten. ' DieFestteilung. * Alle Vereine, die zum Sporltag nach Aussig koininen, werden ersucht, alle verfügbaren Sturm- sahnen mitzubringen oder milznschickcn! Eventuell beim Nachbarverein auslcihen. Verbrüderung mit den Henkern Denisdi-SQdllrols. München, 26. Juli. Etwa 410 junge Fasci- sten, geführt von 27 Offizieren, trafen auf einer Rundreise durch Tculschland Mittwoch früh mit dem Sanderzug aus Bozen in München ein. Als der Zug«insuhr, spielte die SA-Kapelle die ita- lienische Nationalhymne. Heute vormittag fand ein Empfang durch den Reichskanzler statt, an dem u. a. auch der Italienische Botschafter in Berlin Ccrmuli teilnahm. Ter italienische Botschafter hielt eilte Ansprache, in der er u. a. betonte, daß die Blüte des FasciSmus hier sei, um der nationalsozialistischen Jugend die Hand zu drücken. Sdiwarz welft-rot ilherlitttelt llahenKrenziahnen. Was einen Nazi-Führer verstimmt. Berlin, 26. Juli. In Stuttgart hat der nationalsozialistische KreiSlciter in einer Br- kanntmachuiig bcanjtäiidei, daß in vielen Slra- ßenzüaeu die alte RcichSilagge schwarz-weiß-rot gegenüber der Hakenkrcuzflagge in einem Maße überwiege, daß der Eindruck politischer Rückständigkeit entstehen könne. Die Ha- kcnkrcuzslagge verdiene den Vorzug, isiril sie das Bekenntnis zur ruhmreichen deutschen D.'rgan- gcnhrit mit dem Bekenntnis zur»: neu n natir- nalit,zialistischen Staate Adr.? HttirrS in glück- Inch.r Weise verbinde. Es wir» all.'» Parteigenossen zur Pflicht gemacht, sich überall:ür ibre Fahne einzusetzen und die Geschäftsleute nach- d r ü ck l i ch st zur Arnderung ihrer Haltung zu veranlassen. Die Ortsgruppenleiter sollen ledou Geschäftsinhaber und Hausbesitzer meldcn, der sich weigert, die Hakenkrenzflagge zu hissen. vle verkramten Festspiele. Anläßlich der Anwesenheit Hitlers in Bayreuth fanden zwischen Hitler und der Familie Wagner Verhandlungen über die Bayreuther Festspiele statt, die sich in große» finanziellen Schwierigkeiten befinden. Tic Regierung hat bereits bedeutende smanzicllc Opfer gebracht, doch dürste weiteren erhebliche Zuschüsse nicht zu vermeiden sein. Offenbar zur Ankurbelung des stockenden Fremdenverkehrs hat Hitler auch angeoronet, daß das Singen des Deutschland- und des Horst-Weskel-Liedeü nach den Aufführungen unterbleiben soll. Man will cü offenbar vermeiden, durch den„Gesang" auch noch die wenigen Fremden abzuschrecken, die überhaupt noch gckonimcn sind. vle Untermenschen. Sittlichkeitverbrecher int Konzentrationslager. Die Hamburger Nationalsadi- itett haben einen Einfall gehabt, der ihrer Üntermenschenaesinnung alle Ehre macht. Laut Verordnung de« Polizeidirektors sollen von jetzt an alle rückfälligen gemeingefährlichen Sittlichkeit-- vcrbrechcr nach der Entlassung au« der Strafhaft in ein Konzentrationslager gebracht werden. Diese satanische Maßnahme geschieht natürlich, um die dort unterge- brachten politische» Schutzhaftge- fangenen zu diffamieren. Der Sadismus der braunen Henker erfindet täglich neue Varianten unmenschlicher Tortur. Hier ist der einzige Punkt, wo den Nazis schöpferische Begabung nicht abgesprochc» werden kann, lieber dos Echo allerdings, daß eine derartige menschenunwürdige Barbarei zwangsläufig bei allen Kulturmenschen auSlöscn muß, sollten sie sich nicht wundern! Barbaren! Der braun« AusrottungSseldzug gegen bas Judentum. Wer erfahren will, wie sich der Pogrom- antisetnitrSmuS konkurrenzneidi- sche r M i t t e l ft ä»d l e r im Dritten Reich der Unmenschlichteil auswirkt,»ruß in die Provinz gehen. Dort kämpfen die Konjunkturbraunen, fern allem Machtbereich der, ach, so „autoritären" Osafs einen wirtschaftlichen Berni ch t u n g S k a m p f gegen daS Judentum b i S aufs Messer. So wurde in diesen Tagen in Münster in Westfalen ein Nazi flugb la t t verbreitet, in dem man unter dem lapidaren Titel:„Nieder mit Juda" die folgenden schölten Sätze lesen konnte:„Deutscher, du standest a» der Front... der Jude mästcte sich in der sicheren E ta pv«. sch ob sich reich in den JnflationS- und ElendSjahren... Als Adolf Hitler Kanrler deS Deutschen Reiches wurde, da setzte auf Betreiben der in Deutschland lebenden Juden der Kampf der gesamten Jndenschaft gegen unsere deutschen Volksgenosse» und Brüder rm Ausland ein. „In Paris, In London, in New Bork wurden von Juden deu tlche Geschäfte demoliert, deutsche Männer und Frauen auf der offenen Straße überfall len und zusammen geschlagen, deutsche Kinder von jüdischen Sadi st en gequält und geschunden..(!!!). Du kannst diesen vom Judentum Verfolgten helfen, wen» du dem Juden In Deutschland tu st, waS die Juden dem Deutschen Im Ausland zufügen. Äechte den Juden gesellschaftlich! Boykottier« den Juden wirtschaftlich! Mach dem Jü- den daS Leben unerträglich!" Wie Deulsthe den deuisdien Arbeitsplatz verteidigen geht wohl am besten ans einer Zuschrift hervor, die von einem deutschen Recken in S a i tz (Mähren) an die Direktion der Staats- be. h» e» in Brünn gerichtet wurde und deren Zweck die Beseitigung deutscher Eisenbahner von ihrer Arbeitsstelle ist. Das Schreiben hat solgenden Wortlaut: Lislo 2823/1—1—»3. Loitz, am 31.3. 1933. An di« StaalSbahudirektlo» in Brünn. Erlaube mir im Interesse der StaatSbahn aus die Zustände auf dem Bahnhose in Loitz aufmerksam zu machen. Ter Slationüvorstond Kunvvsgi oder wie er heißt, ist Mitglied»er Gemeindevertretung der Weichenwärter Franz Hollubct ist Aeinciirderal, der Weichenwächter Größt Johann ist Bürgermei- sler und Bauer, de» östern ist in der Gemeinde Sitzung, alle drei wohnen den Sitzungen bei und Macher im Keller, der Bürgermeister wird ost tagelang zu hause und bei seiner Wirtschaft und im Genlcindeamte gesehen, wird der auch bezahl<1 1 — vielleicht wäre c5 besser, einen dem Verbum I gern nahen arbeitslosen im Dienst« auszunehmef I und dem Herrn Größt Johann, Bürgcrmcist» I und Bauer sein lassen® Wer macht dienst, wenn alle drei bei Sitzungen und der Bürgermeister tagelang, alle Tage zumittag zuhause ist. Nehme an, daß meistens unberufene ungeeignete diesen Dienst vertreten. Erinnere an das furchtbare Eisenbahnunglück D von Saitz im I. 26. falls sich so etwas wieder- H holen sollte, was dann? Außerdem sind die 3 Herren politische Hei-- 1 köpfe, hetzen und verlachen die ärmliche Bauern- V bcvölkcrung in Saitz, was grwiS nicht vom Bor s teil sür die Bahn ist. Im Namen der ganzen Ortsbevölkerung, er-| such« ich die StatSbahndireklion, sich hiefon zu< überzeugen und diese,Mißstände zu bcscili'aen. be for sich ein furchtbares Unglück ereignet. Falls die SlaatSbahndircklion nicht unternimmt, wende ich mich an eine höhere Stelle,«it dem Berichte, daß ich die Anzeige an die Statt- bahndirektion gemacht habe und diese nicht' unternommen hat. Ein Eisenbahner i. R Diese schamlose Denunziatioii gegen nnbescholtene Mensche», die ihre» Dienst pünktlich und ständig versehr», ist nur ein It- tail des Kampfes der Ha kcnkreuzler 1» Saitz gegen Sozialdemokraten. Seit Monaten treiben diese infünie» Burschen eine wüste Hehr zegen die Sozialdemokraten und vor allem gegen )cn sozialdemokratischen Bürgermeister von Saitz Ta sic mit sachlichen Argumenten keinen Bodr» sür ihre politischen Gelüste finden können, ver- I suche» sic cs mit Lügen und mit dem nicdcr- trächtigen Hinweis aus ein schweres Eisenbahn- Unglück, daS weder mit einem Mitglied der Ge> meindcvertretnng noch mit irgendwelche» politischen Vorgängen in Zusammenhang gebracht werde» kann. Mil tvelchcr Gehässigkeit der Kampf der Hitlcrlcnte gegen AridcrSdcnkendc hier geführt wird, geht schon ans der Tatsache hervor, daß dir Bauern, die durchwegs dem FasciSmuS zuneigen, ohnezu wisse», was er bedeutet, beschlossen haben, den Sozialisten im Orte, die von diesen benötigten Fuhren zu verweigern und Bauern die dem Beschluß zuwiderhandeln mit einer Geldstrafe von hundert Kronen zu belegen. Außerdem verpflichten sie sich, Sozialdemokraten keincir Verdienst durch Arbeit zu geben. So sieht der Kampf der Deutschen um den deutschen Arbeitsplatz in Wirklichkeit anS. Trotz alledem werden dir dcutschbürgcrlichcn Zeitungen nach wie vor behaupten, daß die Sozialdemokraten deutsche Angestellte und Arbeiter denunzieren, um sie brotlos zu machen und die deutschen Arbeitsplätze den Tschechen ouslieser». Lette 4 Donnerstag, 27. Juli 1838 Nr. 173 T agesneuigkeiten 15 Bergarbeiter elnyelchlolien. Auckland(Nenseeland), 28. Juli.(Reu. ter.) Im Auszug eines hiesigen Kohlenschachtes ritz da» Seil. Jnsolge dessen sind die 15 in der Grube befindlichen Bergarbeiter ohne alle Ber« bindung mit der Außenwelt. Ob jemand umS Leben kam, ist noch nicht bekannt. Mehrere Bergleute wurden schwer verletzt. Die RettungS. Mannschaften arbeite» angestrengt» um zu den Abgeschnittenen zu gelangen. In der Tatra abgestürzt. Das TairarettungLkorps teilt mit: D.r Prager Touristin Kettnerovn stürzte Dienstag, den 25. Juli von-er Zdiarskü Bidla ab; sie erlitt schwer« Verletzungen, an denen sie starb. Die Verunglückte war die Gattin des Professors Tr. R. Kettncr, Vorstandes des acolo- gisch-palaentologischcn Institutes der Karls- Universität in Prag, der gegenwärtig auf einer Forschungsreise in Amerika weilt. * Die Zdiarsk« Bidla ist der höchste Gipfel des Bergnrasfivs der Zdiarjker Tatra, sie ist 214fe Meter hoch und gilt in den Kreisen der Bergsteiger als schwer bezwingbar. Der Betrug an der Lrüuuer Postsparkasse. Ein Beschuldigter erhängt sich. Brünn, 26. Juli. Auf Grund der in der TageSprcssc veröffentlichten Nachrichten über die Unterschlagung von 75.000 li- in der Brünner Filiale der Postsparkassa anl 14. Juli l. I. haben sich Zeugen gemeldet, die bestätigten, daß der Kanzlerhilfsbedienstetc Heinrich N o v a ö c k aus Brünn und sein Schivager, Franz C h l a d r k, arbeitsloser Wagner, zwei Tage nach dem verübten Betrug, das ist am Sonntag, den 16. Juli bei einem Kaufmann in Lcvötin eine 5000-st'i- Banknote gewechselt haben und am gleichen Tage unverhältnismäßig große Ausgaben machte». Auf Grund dieser Mitteilungen wurden am 24. Inn nachmittags das Ehepaar Novaöek und Chladil wegen begründeten Verdachtes, den Betrug bei der Postsparkassa verübt zu haben, verhaftet. Trotzdem sic die Tat bestreiten sind sie durch den Umstand überführt, daß sie nicht Nachweisen können, die 5000-lü-Banknotr, die sie 8n /.cvötin gewechselt haben, auf ehrliche Weise erwarben. Glaubwürdige Zeugen haben behauptet, in der kritischen Zeit, wo der Betrug verübt wurde, Chladil im Gebäude der Postsparkassa gesehen zu haben. Auch die Handschrift Chladil» stimmt deutlich und auffallend mit der Unterschrift auf dem Scheck überein. Einer der Zeugen hat auch ausgesagt, daß Chladil einige Tage vor dem Betrug sich in einem Papiergeschäfte in Brünn Radicrwasscr gekauft hat. Trotz dieser überführenden Aussagen bestritt Chladil bis z»m letzten Augenblick, die Tat vollbracht zu haben und als er am 25. Juli nachmittags nach dem Verhör in die Zelle in der Polizeidircktion zu- rückgeführt worden war, erhängte er sich in sitzender Stellung an der Zentralheizung. Er hatte dazu ein in Streifen zerrissenes und zu einem Strick zusammcngcdrehtcS Hemd benützt. Trotzdem der Gefängnisaufseher Chladil kurz nach der Tat aus der Schlinge befreite, waren tzse W>edcrbclebungsvcrsuche fruchtlos. TaS Ehepaar Novaöek bestreitet zivar fortgesetzt jedwede Schuld, doch hofft man, in kurzer Zeit die noch fehlenden 14 Fünfiauscndkroncn-Banknoten zu Tage zu fördern. Der Unfall des Brünner Fenerwehrautos Wir haben über das schwere Unglück berichtet, von dem am vergangenen Montag auf der Olmützer Straße bei Brünn ein Auto der Brünner freiwilligen Feuerwehr betroffen wurde. Der Wagen fuhr gegen einen Baum, wobei die sechs Insassen herausgcschleudcrt wurden. Der Oberlehrer Fuchs blieb sofort tot liegen, der Fleischhauer P e t l a ch erlag seinen schweren Versetzungen nach der Einlieferung in das Brünner Unfallspital. Ter Chauffeur Spendier und der Feuerwehrmann(' a ä t a blieben schwer verletzt im Unfallspital. Das Befinden Q'aötas hat sich ein wenig gebessert. Der Zustand Spend- lcrs ist andauernd ernst. Es wird ihm wahrscheinlich ein Bein amputiert werden müssen. Die bei dein Unfall leichter verletzten Fcuerwchr- männer S ch m o l i k und PaiiLck dürften bald aus dem Krankenhause entlassen werden. Eine an der Unfallstclle gewesene Gerichtskommission stellte fest, daß die Ursache der Katastrophe wahrscheinlich in der großen Geschwindigkeit, mit welcher das Auto fuhr, lag. Der schwerverletzte Chauffeur gab zwar an, daß er mit omer 65-Kilometer-Gcschwindigkeit fuhr, doch dürfte dies nicht stimmen, da die Räder des Wagens ausgelaufen waren. D Grubenunglück in der Türkei. Angora, 26. Juli. Bei einer Explosion schlagender Wetter wurden in einem in der Nähe von Songuldak am Schwarzen Meer gelegenen Bergwerk zehn Arbeiter getötet. Die lttauikchen Flieger abgefchssten? Straßburg, 25. Juli. sJnpreß):„La Rcpnbliqne", ein im allgemeinen ernst zu nehmende» Blatt, meldet, wie es versichert, unter Zitierung der JnlandsauSgabe des„Berliner Boerfenkourier", daß das amerikanische Flugzeug der beiden litauischen Flieger, das kurz nachdem e» Soldin überflogen hatte, abgestürzt ist, in Wirklichkeit abgeschossen wurde, weil man„dort annahm, daß eS sich um«in feindlich» Flugzeug handele". Da die Meldung sehr konkret ist, müßte«ine ernsthafte Nachprüfung der Behauptungen in kürzester Zeit möglich sein. * Aus Kowno wird uns geschrieben: Die litauischen Heldenflieger DariuS und GircnaS, die, nach der Ozeanüberqucrung den Tod fanden, hatten, als sie ihren Flug vorbereiteten, keine großen finanziellen Mittel zur Verfügung. Um ihren großen Plan auSführcn zu können, mußten sic im ganzen 5000 Passagiere mit dem Flugzeug befördern. Dieser ihr zäher Fleiß ermöglichte ihnen erst die neue Ucberwindung des Ozeans im Flugzeug, die die Sieger nachher auf dem Festlande mit dem Leben bezahlten. Neuer Segelflugrekord. Aus Warschau wird uns geschrieben: Frl. I i k o r o v o, Pilotin des Lemberger Aeroklubs, hat den Rekord für Frauen im Scgclslug über ebenem Terrain geschlagen. Ihr Segelflugzeug wurde'12 Minuten hindurch von einem Aeroplan geschleppt, dann in der Höhe von 12.000 Metern frcigelasscn und hielt sich drei. Stunden 38 Min. in der Luft, wobei cs ein: Höhe von 1500 Metern erreichte. Berhastuugen in Karpathorußlan!'. I Ur.horod, 26. Juli. Ta» Tschechoslowakische Prcßbüro meldet: Tic Staatsanwaltschaft hat in den letzten Tage» Erhebungen über eine Reibe von Straftaten, die gegen da» Rcpnblikschutz- gesetz verstoßen und die antistaatlich« magyarische Propaganda in Karpathorußland bciresfcn, durchs geführt. Die ULHorodcr Polizeidircktion hat gestern in Mukaöevo zahlreiche Hausdurchsuchungen vorgenommen. Aus Grund der Ergebnisse der Durchsuchungen und des bei dem ehemaligen Redakteur des oppositionellen ungarischen Blattes „Az Oeslako" Aladar Vozary und beim Architek- :en Biro beschlagnahmten Material» wurden diese Personen angchalten und der Polizeidirektion in ÜLhorod überstellt. Aus Grund-er weiteren Erhebungen wurde über die beiden Angehallencn die ordentliche Hast verhängt. Wilhelm, der Stempelbruder... Eine erschütternde Nachricht eilt durch die gleichste.' schalteten Rotationspressen der„nationalen Revolution"! Wilhelm, der könistliche Holzhacker von Doorn, ist gänzlich verarmt. Mit einer Träne der Rühruilst im blauen Junker- ange teilt die„Gcneralvcnvaltunst des preußischen Königshauses" den finanziellen Betriebsunfall des hohen.Herrn mit. Riecht es nicht förmlich nach Obdachlosenasyl und Wohlfahrtsunterstützung, wenn wir aus dem Munde der chremverten Generalverwaltnng erfahren, daß nichtswürdige Untermenschen die unverdiente Prolclarisierung des glorreichen Kricgsvcr- lierers nicht wahr haben wollen'?! Sv werde immer noch behauptet, daß Wilhelm Hohen- zollcrn der reichste Deutsche mit einem Vermögen von 700 Millionen Mark sei. Wie verheerend die Wirtschaftskrise selbst in der besten Gesellschaft wütet, kann man daraus ersehen, daß die Generalverwaltnng fast schluchzend erklärt, daß Wilhelm, der Verelendete, nur mehr über lumpige 70 Millionen Mark, also Balbo unterwegs. Shediae(Nenbraunschwcig), 26. Juli. Das j Balbogcschwader ist um 7 Uhr 40 Min. Ortszeit ! von neuem gestartet. Eines seiner Flugzeuge war gezwungen, in der Nähe der Princc- Edward- Insel auf dem Meere niederzugehen. Tic Insassen sind wohlbehalten. Der Rürkflur; ist schwieriger! Shoalharbour(New Foundland), 26. Juli. (Reuter.) Um die Mittagsstunde ostamerikanischer Zeit erschienen nach und nach 23 Flugzeuge des italienischen Ozeangeschwaders über dem hiesigen Hafen, wo sie glatt landeten. Auf dem 24. Wasserflugzeug, welches gezwungen war, in der Nähe der Insel Prine Edward auf den Meeresspiegel niederzugehen, wird eifrig an der Beseitigung des Motorschadens gearbeitet. Abgestürzt. Sieben Tote. Oeean Eide(Kalifornien), 26. Juli. Aus unbekannter Ursache stürzte hier ein Militärbombenflugzeug ab..Die gesamten ans sieben Mann bestehende Besatzung sand dabei den Tod. * Zwei Tote. Pari», 26. Juli. Ein Verkehrsflugzeug, das an dem Zehn-Etappcnslug„Rund und Frankreich" teilnimmt, stürzte bei Biarritz ab. Die beiden Insassen wurden getötet. annähernd zwei Drittclmilliardon Kronen, verfügt. Mit diesem Bcttclgeld muß der Unglückliche aber noch, so versichert uns die General- verwaltung treuherzig,„17 prinzliche Haushaltungen ernähren". Ein wahrhaft tragisches Schicksal! Aber vielleicht kann Auwi, der hoch dotierte„Brigadechef" im Stabe der braunen Heerscharen, mit einem kleinen Zehrpfennig anshelfen'? Es wäre doch zu traurig, wenn Wilhelm, der Zerschmellerer, mit dem Zylinder in der königlichen Hand schnorren gehen müßte! Wahrscheinliches Welter heute. Schön, sehr warm; nur am Nordostrand des Staates zenweise nock) c was stärkere Bewölkung. Berciteller Anschlag. Aus ULhorod wird uns geschrieben: Der Antodroschkenbesitzer Dezidee Brehm ans Mukaöevo übergab aus dem Polizeikommissariat in Mukaöevo eine ciwä 20 Zentimeter lange und 8 Zentimeter starke mit Schießpulver gefüllte Petarde, die rin unbekannter Mann, der nach Mukaöevo fuhr, int Auto hatte liegen lassen. Nach dem Unbekannten wird gefahndet. Postbeamter dcfraudicrt 17.000 Kronen. In den letzten Tagen hat der 25jährigc Postbeamte Svatopluk 5iedo bei der Postdircklion in Mun- kacs einen Barbelrag von 17.000 K veruntreut. Dienstag wurde festgestellt, daß Kode. nach Südböhmen gefahren ist, wo er sich vor den Sicher- heilSbehörüen verborgen hält. Mittwoch früh wurde Seda von der Gendarmerie in Usilnc bei Budweis stellig gemacht, verhaftet und in die Hast des Budweiser Krcisgerichtcs cingelicfert. Ein Teil des verniitrciilen Geldes wurde bei 8eda noch gefunden. Ein drakonisches Urteil. Ter Oberste Gerichtshof in Moskau verurteilte heute den Kapitän der am 13. Juli ans der Wolga bei JaroSlav gesunkenen Barkasse, Andrejew, zum Tode. Die übrigen zehn Angeklagten erhielten Freiheitsstrafen verschiedene» Ausmaßes. Bei dem Unglück waren«tlva 90 Passagiere ums Leben gckontmcn. Fingierter Einbruch. Im Mai l. I. sührle der 33jährige Gastwirt Katz aus Mähr.-Ostrau an der Versicherungsgesellschaft„Phönix" in Mähr.-Ostrau aus die Weise einen Betrug aus, daß er seine Wohnung gegen Einbruch versichern ließ und dann einen gcwicn Bohuslav Kopkiva aus Mähr.-Ostrau veranlaßte, in seiner Wohnung einen Einbruch zu fingieren. Kopkiva führte den Einbruch durch, worauf Katz die Anzeige bei der Polizei und bei der Berfichcriings- gesellschafl machte und mitteilt«, es seien ihm Sachen im Werte.von 7000 Kronen gestohlen worden. Die Versicherungsgesellschaft zahlte Katz insgesamt nur 2500 Kronen, von welchem Betrage Katz dem Kopkiva 400 Kronen Belohnung zahlte. Die Angelegenheit erfuhren die Behörden und Katz wnrdc verhaftet. Mit dem Auto gegen einen Baum. In der Nacht zum Mittwoch fuhr im Kreise Fischhausen (Ostpreußen) ein mit vier Personen besetzter Kraftwagen in voller Fahrt gegen einen Baum und wurde vollständig zertrümmert. Der Lenker des Wagens, Rittergutsbesitzer Dr. Freiherr von Gimmich war aus der Stelle tot. Von den Mit. fahrenden erlitt«in« junge Frau einen schweren Schädclbruch, zwei weitere Frauen wurden Icickr verletzt. Boykottaktio» in London. In der berühmten Sidneystreet in Whitechapel, wo 1911 zwei Banditen«in« mehrstündige Schlacht gegen ein ganzes Heer von Polizisten und Soldaten geliefert habe», wurde ein Spiclzcugladen angegriffen, da er deutsches Spielzeug verkaufte. Der Leiter des jüdischen Boykotts gegen Deutschland,.Hauptmann Webber, wurde geholt, und nach einer Verhandlung verpflichtete sich der Inhaber des Ladens, ein gewisser Angel, schriftlich, die Waren noch Deutschland zurückzusenden und keine deut- schen Waren mehr zu kaufen, solange die Politik des Hitlcrregimes aufrecht erhallen bleibt. Das größte Dock der Welt. Der englische König hat in feierlicher Weise das größte Dock der Welt eröffnet, welches Schiffe mit einer Äe- somtonnagc von 100.000 Tonnen aufnehmcn kann. Straferhöhungen durch den Obersten Gerichts- Hof. Dem KrciSgericht in Mähr.-Ostrau ist die Entscheidung des Obersten Gerichts in Brünn betreffend die Berufung des Staatsanwalts über das Strafausmaß der Heuer am 3. März in der Affäre La mich erteilten Strafen zugcgangen. Lamich und Buchia veruntreuten beide als Kassiere der Bahnhofskassa in Tschechisch-Tesche» während einer Reihe von Jahren ärarischc Gelder. Als di« Höhe der veruntreuten Gelder rund eine Million XS erreicht hatte, wollten sic im vorigen Jahre gegen Ende April unter Mithilsc einiger Komplizen die Betrügereien durch fingierte Uebersölle maskieren. Das Oberste Gericht in Brünn hat ihnen jetzt die Strafen folgendermaßen erhöht: Lamich von 8Z4 Jahren ans(j Jahre, Bucht«'.von 3 Jahren auf 5 Jahre, Guido WirbitzlF. von 3X Jahren auf 3 Jahre und Bolcslavskz* von 2 Jahren aus 21- Jahre schweren Kerkers, verschärft", bei jedem der Angeklagten durch ein hartes Lager jede» Vicrleljohr. Tie bedingten Strafen des Eiscnbahn- unlerbcamtxn Szepsa(12 Monat«) und der Frau des Uhrmachers Eichner(6 Monate). hat das Oberste Gericht für unbedingt, erklärt. Glasbläsermaschinen stillgelegt. Die Thüringer Regierung Hai'vor einiger Zeit angeordne), die Maschinen in der Glasindustrie stillznlegen und zu in veralteten System des Glasblasen» mit dem Mund überzugehen. Tas Resultat zeigt sich bereits jetzt: die Produktion ist aus ein Sechstel gesunken, dagegen sind dir Krankenhäuser in Sonneberg und Arnstadt überfüllt, da die Glasbläser die ihnen ungewohnt gbwordcnc Arbeit nicht mehr vertragen und leicht erkranken. Billig nach Prag während der Herbstmesse.' TaS tschechoslowakische Eisenbahnministcritim bewillig:« für die Prager Mustcrmess« eine 33pro;«niig« Ermäßigung, welch« für die Fahrt nach Prag vom 3V. August bis 10.-September, sür die Fahrt von Prag vom 3. bis 14. September in Gültigkeit bleibt. Die Ermäßigung wird aus Grund der Alcsselegilimation, weiche bei den Mcssevertretcrn und im Messeamt« zu 20 K6 erhältlich ist, zugestanden. Die ausländischen Messebesuchcr genießen ans den tschechoslowakischen Bahnen 80 Prozent Ermäßigung, die vom 24. August bis 10. September, bczw. vom 3. bis 20. September in Kraft sicht. Eine arische Mustermesse? Im Rohmen der diesjährigen Leipziger Herbstmesse findet auch eine „braune G r o ß m e s s e" statt. Nach einer Forderung des RcichSauSschusses für AuSstcllungS- und Mcsicwcsen sind nur deutsche Waren deutschen Ursprungs zugclasscn und die Firmen oder Geschäftsinhaber dürfen nur arischer. A b st a m- mung sein. Vom Rundfunk Empfehlenswertes auS den Programmen. Freitag. Prag: 10.10 Schollplatten, 11.00 Konzert, 13.40 Schallplatten, 18.80 Deutsche Sendung: Dr. Glaser: Johann Ziila, 19.10 Lieder, 21.20 Aus der„Verkauften Braut".— Brün«: 12.10 Schallplatte», 18.25 Deutsche Sendung, 19.10 Romantik im Liede, 19.45 Der Sonne entgegen.— Wien: 12.00 Mittagskonzert, 18.25 Anno dazumal, 20.40 Abenteuer in Afrika.— Hcilsberg: 16.00 Frauenstunde, 16.80 Rachmittagskonzert.— BreSlau: 15.80 Jugendfunk.— Mühlacker: 23.00 Zum Tanz erklingen die Geigen.— Leipzig: 20.20 Volksmusik.für Bandonion.— Berlin: 17.10 Was-- (erwandern, 21.00 Sinfoniekonzert.— Langenbcrg 15.50 Jugendfunk, 17.30 Feierabendkonzert.--- München 21.50 Liederstunde, RlescnmaHnd Mir Atomzcrtrümmeriiiig. Mit diesem 85 Tonnen schweren Magneten sind jetz die Physiker d«r California.Universität in Berkeley(USA) dabei, das Problem der Atomzertrnmmerung zu lösen. Donnerstag, 27. JuN 1838 AS GROSSE ZIEL AUS 6. August. 4., 5. und sind lind NTER- ATIONALER RBEITER- PORTTAG SIGa.e. Las Talra-Rettungskorps Der Bergführer. Bor etwa 6 Jahren organisierte der Klub der tschsl. Touristen in der Tatra ein Korps !geschulter Bergführer, die auch bei Touristen- Unfällen sowie zu Zeiten der Gefahr die Rettungsaktionen durchfuhren. Das Korps wird regelmäßig durch die jungen Bergbewohner lHoraken) aus dem Cric Stara-Lesna ergänzt. Ter Beruf der Bergführer ist hier erblich. Tas RcttungskorpS zählt seht 22 Personen. Tas Hauptquartier ist in start; Smokovec, sein Kom- mandant ist StabSkapitän i. R. I. Kraus, der seine gegenwärtige Funktion in den Diensten des Klubs der tschsl. Touristen versieht. Die Bergführer sind gründlich geschult und habet» eine strenge theoretische und praktische Prüfung im Bergsteiacwcscn, in der ersten Hilfe bei Unglücksfällen, Rettungsaktionen usw. abzulegen. Die Führer sind in kleineren Gruppen aus die Zentren der Tatratouristik aufgcteilt, haben ihre Abzeichen, eine Legitimation und das erforderliche Tanitatsmaterial. Ihre Arbeit ist, besonders bei ÄettungSarbeiten, sehr schwierig, denn die Unfälle ereignen sich gewöhnlich an schwer zugänglichen Ftcllen. In einer ganzen Reihe von Fällen kann dar Tatra-RcttungSkorPS auf ein sehr erfolg reiches Wirken zurückblickcn. zierte er bald zahlreiche Kampflieder der SA. Bon denen hat das eine „Wenn'S Iudcnblut vom Messer spritzt, Dann geht's noch mal so gut..." eine Weltberühmtheit erlangt durch seine grundtiesc Roheit. TaS Lüderjahnslcbrn Horst Wessel kostete aber mehr Geld, als Pater ihm geben konnte. Damals konnten Der Rationalheld einer Nationallieder. Alle össenllichen Feiern in Deutschland beule nationale und alle nationalen Feiern solche der Nazipartei. Keine dieser Feiern schließt ohne allgemeine Absingung des Horst- Wessel- Liedes. In Kinos ist es ebenso feierlich zu hören wie in Kirchen, in Schulen ebenso wie in Großmütterchenvereinen. ES wird auf Sofakisicn gestickt und ans Bleististhüllcn gedruckt, aus Postkarten verschickt und mit Horst Wessels Bildnis im Rahmen aufgehängt. Tas Lied ist zur aint- lich eingeführtcn Nationalhymne geworden, bei deren Absingung man aufstchcn muß, wenn man nicht zum Krüppel geschlagen werden toill. Wer war Horst Wessel, der Dichter und Held dieses Liedes? Sein Pater war evangelischer Pastor, der dem Jungen eine teure Erziehung geben konnte. Horst besuchte das Ghinnasium und wäre, zehn Jahre später geboren, vielleicht ein brauchbarer Mensch geworden. Aber seine Schülerjahre fielen zum Teil in die Kriegszeit, wo an deutschen Gymnasien der Völkermord als.Heldcnideal verherrlicht wurde. Die Phantasie des Knaben ivurdc frühzeitig blutrünstig angeregt. Auch pflanzten ihm Elternhaus nnd Gymnasium den in Deutschland weit verbreiteten Dünkel ein, daß dem höheren Schüler mühelos alle festen Posten im Staate offenstehcn. Aber als Horst die Schul« verließ, hatte sich die Welt ein bißchen verändert. Deutschland war durch die Besiegung im Kriege ein armes Land geworden, und durch di« Revolution hatten auch die Sozialdemokraten einigen Einfluß aus den Staat bekommen. Sie duldeten es nicht, daß einer Richter oder Ber- lvaltungSbeamter werden konnte, nur iveik er das Privilegium der höheren Schule besaß. Er mußte sich auch um Leistungen bemühen. Horst Wessel aber leistete nichts. Wenigstens nicht auf den Gebieten, wo Leistungen Anstrengung kosten. Er soff, wie so viele Studenten in Deutschland saufen, und seine schon in jungen Jahren blutgeil gemachte Phantasie trieb ihn, sich den Nazis anzuschließen. Sie nahmen ihn gern und machten ihn zu,n Führer eines SA- SturmeS. Sein« reg« Phantasie verklarte das rohe Pondsknechtsleben der SA-Leute poetisch, und da tt auch Lust zum Rcimedrcchseln hatte, fabri- Adrienne Thomas gegen die Hiller-Barharei. ' Adrienne Thomas hat vor einigen Jahren eines der ergreifendsten Kriegsbücher geschrieben: '„Kathrin wird Soldat." Es war ein auswühlen- dc« Bekenntnis zum HiinianiSinus und zur Idee des Friedens, das diese Schriftstellerin mit einem Schlag z»r Weltberühmtheit brachte. 4!ach Jahren des Schweigens ist sie ans der Fremde in ihre lothringische Heimat zurückgekrhrt und schildert(in der soeben erschienenen Niimmer der „Bunten Woche") die Eindrücke ihrer Rückkehr. Diese Schilderung leitet sie mit folgendem feierliche» Protest gegen die Hitler-Barbarei«in: Heute, da ich drangche, diese Eindrücke einer Lothringenreisc zusanimenznstellen, rauchen im Tritten Reich die Scheiterhaufen,„nm den Ungeist der Vergangenheit, den Flammen anzuvcr- tranen." Einer Anklage, die sich aus Argumente stützt, tvic„dünkelhafte Verhunzung der deutschen Sprache" und„demokratisch-jüdische Prägung", hat man kein einziges Wort enlgegcnzustcllcn. Dieser„Ungeist" kann auch auf jegliche Rechtfertigung verzichten. Er ist bereits— gerade über diese Scheiterhaufen— auf dem direktesten Weg in die Geschichte cingcgangen. Nur für uns selbst, für unsere Kriegsgeneration möchte ich scststcllcn, daß er es war, der uns in einem Leben, dessen Phrasen Inflation, Verarmung, Krise, Nationalsozialismus hießen, die Haltung jener persönlichen Tapferkeit gab, die von uns in all diesen Jahren in weil größerem Umfange gefordert tvurde als im Krieg. Bei»ns handelte cs sich nm einen permameiitei' Kanips. Wir hallen nicht Schuh und Unterstand. Uns traf es ini- mer. Vernichtete mühselig Anfgebantes, schwer errungene» Erfolg und viele Existenzen. Nur uns selbst nicht. Wir standen wieder ans, singen— wer weiß noch, zum ivievielte» Male?— von vorn an und tvollten in der Grausamkeit unserer Epoche noch etwas Nalurgewaltiges, den Atem von etwas mitreißend Neuem spüren. Ein Glaube, der in diesen Tagen der totalen Sonnenfinsternis zlvar betäubt, aber nicht erstickt werden konnte. Auch diesmal, das gelobe» wir in dieser Stunde dem„Ungeist", auch diesmal werde» wir aukstchen und uns in Reih und Glied stelle» für die, die jetzt auf den: Felde der Ehre geblieben sind. Tenn das Natnrgewaltige, das»inrcißcnd Neue, an das wir glauben, ist etwa? Uraltes, ist: menschliches Erkenntnisvermögen. Schon einmal, vor genau dreihundert Jahren, schlug seine Stunde auf einem Scheiterhaufen:„Und sie bewegt sich doch!"„Und sic bewegt sich doch!" ruft es in dieser Nacht aller Welt vernehmbar von be.it Holzstößen in die Sonnenfinsternis hinein— „Und sie bewegt sich doch!" trotz Mondschptten— „Und sie bewegt sich doch!" auch für»ns, trotz Exils nennt sich die geschlossene Veranstaltung im Russiger Volkshaus ani TaniStag, den 8. August 1833, an der die namentlich gemeldeten Bcrtretcr aller Arbeitcr-Kulturvercine, die Delegierten der Partei, der sozialdemokratischen Jugend und der Gewerkschaften tcilnchmen. Die tausend Teilnehmer des„Roten Appells" werden besonders aufmerksam gemacht, pünktlich im Saale zu sein. Ab halb 8 Uhr gibt cs kcineir Zutritt mehr. Die Türen sind dann verschlossen. Die Tagesordnung des„Roten Appells" endet mit dem Festspiel„Kamps um Die Erde". Entwurf: Martin Gleisner, Berlin; Ausbau und Gesamtleitung: die sozialdemokratische Bcranstal- tünasgruppe Aussig, unter Leitung der Genossen, Liebreich und Hcitzer. Leiter der Bewegungsgruppen: BundcSturnwart Grasse. Die verbindenden Worte spricht der uns schon bekannte glänzende Rezitator Herr Viktor Flam-Geldern. Prof. Leo Franz leitet Persönlich den choriltischcn Teil,- vorgetragcn durch die Polkssinggemeinde Aussig. Achtung! Vereine, die zunt„Roten Appell" keine besondere Einladung erhalten haben, müsicn die Delegierten sofort anmeldcn.(Für Programme und dergleichen sind Ke 4.— cinzusendcn.) Ein„Röier Appell" soll- der ganze Internationale Arbeitcr-Sporttog sei». Die Veranstaltung ist über den Rahmen ihres Titels bereits hinonSgewachsen und wird zu einer gewaltigen Kundgebung der gesamten sozialistijchen Arbeiterschaft tvcrden. Nochmals: 4., 5,. und 6. August alles nach 9fuffiß zur großen Manifestation! daran gewöhnt. ES handelt sich um einen offenbar cttvaS hirnfchwachcu Paladin des Tritten Reiches. An seiner Haustür prangt ei» Schild mit seinem Namen und darunter stolz: Fähnrich a. T." Ich mußte trotz meiner traurigen Stimmung lachen—»teilt Freund war ja auch„nur" Major der Reserve gcivesen. * Später begleiteten mich meine beiden Lieben ein Stückchen Weges bis zur Straßenbahn. Stand da ein stetnaltes Mütterchen unter der Straßenlaterne. Sprach mit verklärtem Gesicht und aufgehobener Rechten die cxtatischen Worte: „...das Dritte Reich wird sein das Himmelreich auf Erden. A m e n." Ria S. Nazi-Helden machte. Er saß im Zimmer bei seiner Geliebten. Ta trat Ali Heger herein, der ältere Rechte an Lucie zu haben glaubte, denn er war vor Horst Wessel ihr Zuhälter gewesen. Nach cinent Streit mit Horst Wessel schoß er ihn nieder. Ta Ali Heger ein Mitglied des Ringvcr- eins(Berbrechcrklnbs)„Immertrcu" war, hatte» sowohl der Ringvercin, der viele Nazi« in seinen Reihen zählte, als auch die Nazis selbst ein Interesse daran, die Sache zu vertuschen. Ter. an sich unpolitische Zuhälterkollegc Wessels wurde zum Kommunisten gestempelt und die Nachricht verbreitet, ein Kommunist habe den Nazi Horst Wessel erschossen. Das Opfer eines Berussstreites unter Zuhältern wurde zum politischen Märtyrer erhoben. Ganz Deutschland aber singt heute— oder muß cs singen!— als Nationalhymne den Text, den ein Znhälter„gedichtet" hat. Die Melodie allerdings, die das einzig anständige an diesem Liede ist, die hat man den M a r x i st en gestohlen. Es ist die Melodie eines alte» sozialistischen Kampfliedes. 8t. ’ den Kleinen und das Raufen beginnt mit dem - Schimpf: „Du bist ooch so e Marxistenschwein!" Drauf echot ein vielleicht vierjähriger , Knirps:„Die Marxistenschweine, die schleichen . liier alle ood!" Tas war daS Signal sür die , andern und die ganze Meute schlägt auf den i einen los. Zerkratzt und weinend schleicht das arme > Heine„Marxistenfchwcin" davon. So geschehe» am 12. März im Jahre des i Hitlerheils 33.* In einem vollgestopften B« r l i»e r Straßenbahnwagen steht ein schwäch- liches kleines Mädel, ich schätze, etwa vierzchn- jährig. Wahrend sie von der Rückseite eines Briefumschlages die Absenderadressc abliest, sagt sic mit bescheidener, noch kindlicher Stimme: „Bitte,.Herr Schaffner, ich möcht' zum Platz der Republik". Daraufhin ereignet sich folgendes: Ein kräftiger„besserer" Herr drängt sich bis zu den« Mädchen durch, schüttelt das verängstigte Kind hin iind her und belegt es mit Ausdrücken, die ich nicht wiederholen möchte. Mit den weiteren Worten: „Dich, Rotzneel«, Wern wa lehren, daß er jetzt wieder KönigSplatz heißt", stößt er die Kleine iwch lange vor ihrem Ziele vom eben anhaltenden W a a e n h i n u n t e r. So geschehen am 19. März des Jahres im Hitlerheil 33.# Ich lese in einem Kaffeehaus Unter den Linden eine Zeitungsnotiz, ganz klein gedruckt, unten in einem Winkel. Erschüttert erinnere ich mich an mein letztes Zusammentreffen vor«in paar Tagen mit dem Rechtsanwalt Dr. Weiner in Chemnitz. Erstaunt fragte mich der gutmütige, immer lebensfrohe Mann, dessen Aeußeres gar nicht aus den Jude» schließe» ließ, wohin denn meine Reise ginge. Und als ich ihm erzählt hatte, daß ich meineii Wohnplatz aus Sicherheitsgründen hätte verlassen müssen, gezwungen durch die immer bedrohlicher werdenden Anpöbeleicn der Nazis, lächelte er wohlwollend; und als ich ihn gar wissen ließ, daß ich ins Ausland wolle, meint« der große Optimist freundlich tadelnd:„Tas ist wohl übereilt von Ihnen. Ich kenne unsere Landsleute doch, auch aus vier Jahren Schützengraben. Ein Deutscher erschlägt seine« Bruder nicht so einfach nur, weil er Jude oder Sozialist ist." Fast beschämt hatte ich ihm damals die .Hand gereicht und wir schieden mit der Hoffnung aus Wiedersehen in freundlicheren Tagen. Und nun Hai man ihn mit der Kugel im Hinierkops im Walde vor Mittweida ermordet aufgefiinden. Bier Mäitner in, wie berichtet steht,„vermutlich unberechtigt getragener" Uniform hatten ihn aus seiner Kanzlei geholt nud im Auto verschleppt. Armer Freund, du hast deinen schönen Glauben an, den deutschen Menschen mit dem Leben bezahlt. Meinen lieben alten Berliner Bekannten mache ich noch einen kurzen Abschiedsbesuch draußen in B e r l i n- L i ch l e r f c l d e. Es sind lehr liebe Mcirschen,' sie, meine mütterliche Freundin, hatte als Kinderärztin bis vor kurzem eine Säuglingsberatungsstelle geleitet, er war vom ersten bis zum letzten Tag« des Krieges als höherer Offizier an der Front gewesen. Durch dieses Erleben war«r erst mit ganzem Herzen und Verstand Sozialist geworden. ES lag freundlicher Sonnenschein über dem kleinen Garten vor dem.Hause, in dem wir uns niederlicßen. Ta ging ein Gartenfenster im gegenüberliegenden.Hause auf und eine schnarrende Stimnw schnauzte in der forschesten preußischen Offiziersmanier zu uns herüber? „Dreckbande! Saubande! Rote Mistgabelschweine!" Klirr bum! Schon war das Fenster wieder zu. „Der-Held liebt schnellen Rückzug nach seiner edlen Tat", wurde ich aufgeklärt,„die dicS- maligc Probe ist noch gar nichts", mcinlc der .Hausherr.„Gehen>vir hinein.. Zwar wird er jetzt versuchen, uns telephonisch iveiler zu beschimpfen, aber wir heben nicht ab, sind schon ab- des der die Nazis ja noch nicht im Bedarfsfall« die Kassen der Arbeiterschaft plündern. Um das nötige Geld zu beschaffen, ging Horst Wessel den Weg, den nur di« lumpigsten Männer gehen. Er wurde Zu hälter eines MädchenS, das sich Geld durch Preisgabe des Leibes verdiente. I» den Spelun ken um den Bcrliiter Nlcxandcrplatz saß Horst Wessel und wartete, bis seine Geliebte, die Pro stituierte Luci«, ihm die Erträgnisse ihres Be rufes abliescrte. Tann konnte er fressen und saufen Md sich in die Stimmung zum„Dichten" nationalsozialistischer Kampflieder versetzen. Bis dann eines Tages das Perhängnis kam, das ans dem Zuhälter Horst Wessel den toten MMWWWWWWMWWWWVVMlWWWM Illlllllllllllllllllllllllllllii Sittenbilder. vom Anfang des Dritten Reiches. Ich soll Ihnen do» Deutschlaich erzählen? Mir ist heute noch das Herz zu schiver, um darüber zu reden. Nehmen Sie ein paar Tagebuchblätter dafür, die sagen Ihne» olles. ♦ Am 3. März, zwei Tage vor der ReichStagS- wahl, komme ich traurig, aber ohne persönliche Angst in Chemnitz an. Ich bin hier unbekannt, und se i t i ch b l o»d b i n, läßt man mich überhaupt in Ruhe. Ich gehe die paar Schritte bis zur Schillcrstraßc, da erscheint der ganze Platz, auf dem das Opernhaus steht, wie ein brennender Wald, dicht besät die-Häuser mit den roten Synibolen einer blassen Ideenwelt: Eine -Hakcnkreuzfahnc neben, über, unter der andern. Ich bleibe stehen und schaue ringsum. Ta entdecke ich an der Häuserfront der Straße, die mit dem Museum parallel läuft, an einem Fenster im dritten Stock ein« einzige kleine Drei-Pfeil-Fahne inmitten deS Meeres von.Hakenkreuz» und schwarz-wciß-roien Fahnen. Ter heldenhafte De- kenncrmut dieses einen zwingt mir die Tranen in di« Augen, ich zittere für ihtt. Scheu an die Häuserwand gedrückt, schiebt sich auf der andern Seite ein orthodoxer Jude im Kaftan durch di« Dämmerung. Als.ich ein paar Tage später auf deut Rückweg zum Bahnhof wieder diesen Platz überquere, suche ich ängswoll nach dem Fenster des Mutigen. Da sehe ich eS— die Scheiben zertrüm- wert, der mittlere.Holzteil hängt herab— in diesem Zimmer wohnt niemand mehr. Ob der Jude noch über die Straßen schleicht? Ich eile zum Bahnhof, in zehn Minuten fährt mein Zug.. Bor den Toren eines großen Leipziger Ber- kogShauses lärmt und tobt ein Rudel Braunhemden. Es war in der M e s s e w o ch e. In einer RedaktionSstube im dritten Stock des Hintergebäudes langt eben ein telephonischer Anruf ein: Einer der Redakteure wird dringend mm Krankenbett seiner Frau verlangt. Dieser, ein kleiner, älterer Mann, springt bestürzt auf, greift nach Hut und Mantel und sinkt erbleichend in sich zusammen— er hat bemerkt, daß ihm daS Messeabzeichen am Ueberrock fehlt. Er lehnt an der Wand, die gekrampften Fäuste in die Augenhöhlen gepreßt, ein cr- chütterndes Bild. Es ist ihm nun u n m ö g l i ch, an daS Sterbebett seiner Lebensgefährtin zu gelangen, denn auS di c- e m Pcrlagsgebäuvc könnte er nur mit dem huschenden Abzeichen eines unter dem Schuh eines Konsuls stehenden Messe- re mden ungefährdet durch den brüllenden Faseistenhaufen entkommen. So geschehen am 8. März im Jahre des Hitlerheils 1933. Bor mir auf der Mainzer Landstraße in Frankfurt a. M. gehen zwei Männer, der züngere mit einem.Handkoffer, die offenbar ganz einig sind und eifrig, aber leise auf einander einreden. Während ich sie überhole, stelle ich fest, daß di« beiden BaterundSohn sein müssen. Plötzlich saust ein.Haufen SA-L«'t« im scharfen Tempo um di« Ecke, geradewegs auf die beiden zu, packen den Jüngeren, reißen ihn schreiend und prügelnd in ihre Mitte, um ihn abzuführen. Als nun einer der Bande nach dem Aelteren langen will, der in lautloser Angst dem Ucberfall zuge- eh«n hatte, rückt der Bedroht« merklich ab itnd zitternd verleugnet der Dater den eigenen Sohn: „Ich kenn' den«et; ich hab' nix mit em zu schaffe." Wie der Junge in diesem Augenblick seinen Baler anstarrte, werde ich, solange ich lebe, nicht 1 vergessen. So geschehen am 10. März im Jahre deS Hitlerheils 1933.*, In Leipzig.Connewitz sehe ich, wie: ein etwa fünfjähriger Bub sich andern Kindern »gesellen will. Der unbedachten Gewohnheit i eines jungen„Re st sa lkc n"-Dasc i n s entsprechend i ruft er mit srohsckallender Stimme den andern.' zum Gruß„Freundschaft!" Aber da löst sich aus j der Gruppe ein um weniges Aelterer, stürzt auf I i Seite« Lonturslag, 27. Juli 1988 PRAGER ZEITUNG fk Sport- Spiel- Körnerpllene Literatur für Gerichtssaal schul euch heim zur alte«- Dynastie möchlcl Fidcikommißbrot gern kauen. sein, kann man proptze« jetzt vor uns licgeEn nicht verkauft werten wollt die Uhrenzciger rückwärts drehen, glaubt, daö ändere der Zeiten Laus. Kon- von und Marschiert vor Prinzen, die erschüttert weinen. Ihr findet doch nur als Parade statt! ES heißt ja: Was man nicht im Kopse hat,, hat man grrechtcrweise in den Beinen. Aus der Partei Ihr kommt daher und laßt die Seele kochen. Die Seele kocht und die Vernunft erfriert. Ihr liebt das Leben' erst, wenn- ihr marschiert, weil dann gesungen wird und nicht gesprochen. Bemerkungen. Ihr liebt den Haß und wollt die Welt dran messen. Ihr werft dem Tier im Menschen Futter hin, damit cs wächst, das Tier, tief in euch drin! DaS Tier im Menschen soll den Menschen sresse«. Der Prager Gaumrister de» STAK.-Berban, des, Alavia Litkov, trug am Samstaa und Sonntag als Gegenbesuch zwei Spiele in Niederösterreich aus. Samstag verloren die Prager in Berndorf gegen die niedcrostcrreichische Basö-Auswahlmann- Jhr WWWWWWWMW Dreht an der Uhr! Tie Zeit hält niemand ans! Nur eure Uhr wird nicht mehr richtig gehen Wir ihr'- euch träumt, wird Deutschland nicht erwache» Tenn ihr seid dumm und seid nichts auSerwäblt. Die Zeit wird kommen, da man sich erzählt: Mit diesen Leuten war kein Staat zu machen' Schwarze Listen der Kinderlojen. Bei"iner Besprechung im Goebbelschen Ministerium teilte«in Tr. Thomallcr mrdizinischen Pressevertretern nur, es würde drei Monate lang«in intensiver Kamps gegen die Geburtenbeschränkung geführt tverden. Mn werde dabei kinderlos« Ehepaare in den Zeitungen anprangern. Ea bleibt eine Frage offen: Können die Nazi durch Tekrei zu Weg« bringen, daß Ehepaare, die nicht angcprangert sein wollen, vor Maus der drei Monate lebendige Kinder zur Welt bringen? wenig Geburten gemeldet werden. Cs wär« wickti- genau hcrauSzusinden, wie das gemeint ist. Keine antiquarischen Bücher mehr. Ter deutsch« Buchhandel liegt seit dem«Ausbruch der Nation" nn Sterben, da alle anständigen Bücher, von Rechtwegen auf den Scheiterhaufen gehören. Tie gleich' geschalteten Buchhändler, die nicht sterben möchten, fordern seht dar Verbot des Verlaus- antiquarischer Bücher. Tie begründen ihre Forderung damit, daß es sich manchmal um Bücher Handl«, di« auf der schwarzen Liste stehen und imim: um Bücher„einer seht hinter uns liegenden Kultur- «poche". Ohne Prophet zu zcien, daß die Bücher der „Kultnr«poä)e" bestimmt können. und am Re- Un- Jhr möchtet auf den Trümmern Rüben bauen und Kirchen und Kasernen wie noch nie. Ihr und wurde— zu schwerem Kerker von dreieinhalb Jahren und zum Verlust der bürgerlichen Rechte. Ter Verurteilte nahm die Strafe an und hat bereits angelrctcn. der schwcdl« ein wichtige- Tagung i«. und finnische reisen, dort Für Talentierte Präfekten. Mussolini läßt sich täglich die Liste der Geburten vorlegen und macht di« Präfekten dafür v«rantwortlich, trenn zu Hütung und Behandlung, über die Fehler der ftu, kraft des Auges»ich ihr« Korrektur und schlich über die Hygiene te« Auges, das Wirken der AiM. arztes und die Ausgaben der Blindenfürsorge aus, klärt. Man glaub« nicht, daß«in solches„Büchlein" «ine leicht« Ausgabe ist. Aber einem Ayztc, der s, ungeheuer« Ersahrung besitzt und von solcher Lied, zu seinem Fach« beseelt ist, wie K r a u p a, mutzi« dies« Arbeit gelingen. Hoffentlich findet das Aul di« verdient« Massenverbreitung. Der billig« Pi„, von 12 Kronen kann jedensaüs dazu beitragen.- Aruschka. Pflege der Augen.(Verlag der„Hilssslclle deutsche Blinde, zugleich Gesellschaft zur Verhütung der Blindheit", Brünn, Baslcigasse 8, 109 Seiten, 12 KC. Verfasser Tr. Ernst Kraupa.) Wenig Aerztc stehen so ost vor vermeidbarem Schaden, wenige haben so ost Gelegenheit, Unwissen und Leicht- sinn zu beklagen wie der Augenarzt. Alle Menschen schätzen den Wert des guten Augenlichts, aber sehr viele zerstören cs durch falsches, ja unsinniges Verhalten. Deshalb ist" cs sehr dankenswert, wenn«in «rprobier Augenarzt ein volkstümliches Lehrbuch schreibt, rvelches den Laien über den Bau und die Leistungen des Auges, seine Krankheiten, deren Ber- Marlchliellchen Von Erich Kästner. Ihr und di« Dummheit zieht in Viererreihen in die Kaserne» der Vergangenheit. Glaubt nicht, daß wir uns wundern, wenn ihr schnji. Denn was ihr denkt und tut, das ist zum Schreien. Jugendbewegung. «. I..1. Sonntag, den 39. Juli, Wanderung nach Z b r a z l a v(Badegelegenheit). Zusammentreffen nm 7 Uhr srüh an der Endstation der 21- odcr I7cr Linie in HodkoviSky. Kommt alle! schäft 2:7 nnd Sonntag trat«» sie in Wiener« N e u st a d t wiederum einem Team gegenüber, von dem sie ab«r nur mit 0:1 besiegt wurden. Oesterreich« Auswahlmannschaft der Arbeiter« fußballer trägt den Rückkampf in der Europameister- schaft gegen die polnischen Arbeiters»ßballer am 26 Angnst in Warschau aus. Der Arbeiterweltsporttag in Belgien hatte einen guten Erfolg anfzmvciscn. Ä>i zahlreichen Gebieten des Lande« fanden zusammengezogenc sportliche Veranstaltungen und Umzüge statt. Für das Jahr 1931 wird es allerdings notwendig sein, die Propaganda sür diesen Tag und damit für den Arbeitersport anSzubauen und zu verstärken. Der deutschamcrikanische Tnrnerbund gegen Hiller. Der in Elkhart-lake-wiS veriammelt« Kongreß des bürgerlichen dentschamerlkanifchcn Tnrncrbnndes nahm u. a. auch zn den Verhältnissen in Deutschland Stellung. Der Kongreß nahm eine Resolution an, in der's ch a r f gegen die Rede-, Gewissensfreiheit und Presseuntcr- drücknng Stellung genommen wird. Als einedeutschen Turners uinviirdiges Verhalten sah man das Zu-Kreuzc-krieehen der Deutschen Tnrnerschast an. Die Resolution bedauert, daß die Deutsche Tur ncrschast es für notwendig befunden hat, sich den tyrannischen Verfügungen der Hitlcr-Regiernng zu unterwerfen. T«m aufgelösten und zerschlagenen Deutschen Arb«itrr»Tnrn. und Sportbund wurde vollste Sympathie ausgesprochen. Der dcutschamcri. kanische Tnrnerbund war stäud'ger Gast bei den i deutschen Turnfesten.' Di« Resolution ist eine scharf« I Absage an di« Deutsche Tnrnerschast. Durch ihre Symprth:.- für die deutschen Arbeitersportler erhält di« Deutsche Tnrnerschast di« verd'ent« Ohrfeige. Skandinavische Arbeitsgemeinschaft der Arbeitersportier. Große Aktivität in den Nordländern. In Kopenhagen fand vor kurzem eine seren; der Arbelrcrsportvcrbändc 'Norwegen, Dänemark, Schweden Finnland statt. Aus den Berichten der Laiches- Vertreter ging hervor, daß der Arbeitersport im Norden Europas di« besten Fortschritt« gemacht Hai. Besonders in Finnland nnd Norwegen sind große Erfolge verzeichnen. Der norwegische Arbeitersportbund steigert« sein« Mitglicdcrzahl aus 35.090. Der dänische Arbeilersportverüaich Hal ettvaS mehr als 20.000 Mitglieder. Nur der-schwedische Verband könnt« leider durch die vorläufig noch bestehende ablehnende Haltung der sozialdemokratischen Partei, der sozialistische» Arbeiterjugend und der Gewerkschaften kein« nennenswerten. zahlenmäßigen Fortschritte machen. Dennoch hoffe» wir, daß auch in der schwedischen Arbeiterschaft die Erkenntnis reift, daß ein organisierter Arbeiter im bürgerlichen Sportverband nichts zu suchen hat. Die dänischen Arbeitcrsportler betreiben außer Leichtathletik Boxen und besonders das Fußballspiel. Sie veranstalteten vor kurzem ein großes Werbesportfest, an dem sich mehr als zehnta.u send Sportler beteiligten. Ter dänische Verband erhicli ebenso wie der norwegische von den Gewerkschaften und der Arbeiterpartei finanzielle Hilfe. Der dänische Verband erhielt außerdem zum erstenmal einen staatlichen Zuschuß von 5000 Kronen. Tie Konje- ! renz beschloß noch enger« Zusammenarbeit zwischen den vier Verbänden nnd di« Durchführung von skandinavischen Meisterschaften in Fußball, Ringen, Boxen, in der Leichtathletik und in andern Sportarten. Di« Unterstützung scheu Arbeitcrsportler bildet ebenfalls Gebiet der Arbeitsgemeinschaft. Tie schloß auch, daß norwegische, dänische Arbcitersportler, die durch Schweden nach Möglichkeit Wettkämpfe austragen sollen. Schweden wurde«in besonderer Aufruf erlassen, der unter anderm sagt:„Laßt die Bürgerlichen und die Fascisten unter sich Sport betreiben, die Arbeiterjugend' gehört in di« Arbeilersporlbetvegung!" TaS Schicksal der deutschen Anbei tcvsportler beschäftigte ebenfalls die Delegierten. Man beschloß, daß jede sportliche Zusammenarbeit mit NazVeutschland— auch unter dem Deckmantel eines„Dentschcn Ar- beilcrsportvevbandeS"— strikt abgelehnl wird. Die Geschäft« der skandinavischen Arbeitsgemeinschaft führt weiterhin der Sekretär dcS norwegischen Verbandes Rolf Hofmo. Tie nächste Arbeit-gemein- schaslssitzung findet noch in diesem Sommer in Finnland statt. Die braunen Buben in der Schule. Durch die glorreiche Revolution Hitlers ist den Buben das Recht erkämpft worden, vom zehnten Lebensjahre an auch zum Schulunterricht in U n i f o r m zu- erscheinend Welchen ungeheuren Wert diese pädagogische Tal besitz:, berichtet bcgeister: ein Nazilehrer in dem Dresdener„Freiheitskamps". Am 7. Juli erzählt dort Pg. Artur Löffler: „Alle meine Neunjährigen beneiden den Heinz und den Hans, weil diese, bereit» zehnjährig, Jugendunisorm tragen dürfen. Heinz die des Hitler-Jungvolles» Han» die de» Scharnhorft- bundr». Beide find Sitzenbleiber, demnach ein Jahr älter als dir andern. Das gilt sonst wohl al» rin Fleckchen an der Schülereh«, doch die Unifoirm gleicht das aus, ste verschafft sogar höhere Geltung unter den Klaffengenossen." Vielleicht ist auch dieser Bericht ein Neinei Beitrag zu der so schiver zu beantwortenden Frag«: Wieso war cs möglich, daß Hitler zur Macht kam? Solang« solche Lehrer in Teutschland lehren... * Dreieinhalb Jahre KerLr für einen Deserteur. Pilsen, 20. Juli. Ta« DcvisionSgcricht in Pilsen, unter dein Vorsitz seine- Präsidenten Oberstleutnants Dr. Beran, fällte heute über den Soldaten des 10. Kavallerieregiments in Bcrehov Leopold Philipp wegen des Verbrechens der Desertion, des militärischen Verrats, des Diebstahl- und de» Vergehen« der Nichtbeachtung der allgemeinen Dienstvorschriften das Urteil. Philipp, der den Rnf eines disziplinlosen arbeitsscheuen Soldaten hatte, desertierte 7. Feber 1931 während der Ucbungcn seines gimcntS in der Umgebung von Berehovo nach gar», und zwar auf die Weise, daß er mit einem der ihm zur Bewachung anvertrautcn Pferde in das etwa zwei Kilometer entfernte ungarische Staatsgebiet ritt. Aus dem Wege warf er den Karabiner fort. Beim Passieren der Grenze wurde er von einem tschechoslowakischen Finanzausseher angcruscn, der einige Schüsse gegen den flüchtenden Philipp abgab, ohne ihn zu treffen.- In Ungarn wurde Philipp daS ärarischc Pferd mit voller Ausrüstung nnd der Kavallcriesäbel beschlagnahmt. Die unglicischcn Gendarmen nnd Mililärorganc vcr- hörten Philipp, wobei sic ihn über verschiedene, die tschechoslowakische Wehrmacht betreffende Umstände, die im Interesse der Landesverteidigung geheimbleiben sollten, auSsragten; dann wurde Philipp frcigclassen- Der Deserteur trieb sich dann in Ungarn, Oesterreich und Bayern herum. Am 1. Mai meldete er sich freiwillig bei der Gendarmerie in Hohenfurth. Tas Gericht verurteilte Philipp im Sinne der Anklage— mit Ausnahme des letzten TelikieS, von wclchcni er frcigcfprochcn Was jetzt alles auf dem WcnzelSplatz verkauft wird. Wir lesen im„Prüvo Lidu":„In der letzten Zeit ist in Prag ein starker Absatz der antisascistischcn Zeitschriften zn verzeichnen, die von dentschcn Emigranten hcrauSacgcbcn wer. den. Hauptsächlich' die sozialdemokratischen Blätter „Neuer Vorwärts" und„Deutsche Freiheit" werden auch in tschechischen Kreisen stark'gelesen, die sich über das rohe Wüten der Herrscher deS Tritten Reiches, die vor allem dir Arbeiterbewegung blutig verfolgen, informieren wollen. Tiefes starke Interesse für deutsche Zeitungen nnd überhaupt für Meldungen anS Deutschland wollen die hiesige it Hakenkren zler ansnützcn. Sie getrauen'sich sogar, auf dem Wenzelsplatz ihre obskuren Presseerzeugnisse mit dem Zusatz anSzuruscn, daß sie Meldungen anS Deutschland enthalten. So horten wir z. B. das Troppaucr Wochenblatt„di tut Zeit" ansrnfcn, das von dem Führer der.Hakenkreuzler, Abgeordneten I n n g, herausgegeben wird, ein Blatt, das— obwoyl nnsere Hakenkreuzler aus durchsichtigen Gründen jede auch ideologische Verbindung mit Deutschland in Abrede stellen— die Notwendigkeit der brutalen Methoden der Verbrcchcrbandc, die heute Deutsch- land in seine blutigen Fänge schließt, ständig begründet und verteidigt, ein Blatt, daS die hiesige deutsche Emigration ständig beschimpft und von diesen armen Opfern deS HitlrrtcrrorS als von Defraudanten und verdächtigen Abenteurer» schreibt. Die Prager Bevölkerung wendet selbstverständlich alle Sympathien den bedauernswerten Opfern des fascistischen Terrors in Deutschland zu und deshalb wird cs— das sei mit allem Nachdruck gesagt— diese hakcnkreuzlerische Provokation in der-Hauptstadt der demokratischen Republik nicht dulden. Man muß allerdings noch hinzufügcn, daß diese hakenkrcuzlcrische Provokation auf der Spekulation beruht, daß in Prag kaum jemand ihr« in jeder Richtung minderwertigen Presscerzeugnisse kennt." MmMinm m Bulgarien. Bon Georgi P. Stamatov. Ich hatte bis dahin noch nie einer Hinrichtung bcigcwohnt, erstens weil es mich nicht im mindesten danach gelüstete, nnd zweitens, weil die Behörden derlei Tinge ebenso heimlich vollziehen, wie die Verbrechen selbst verübt werden. Eines Tages hatte ich jedoch, als Arzt, dir Pflicht, amtlich festzustellen, daß die Behörden ihre juridische Operation ganz ordnungsgemäß vollzogen hätten. Ich erinnere mich nicht, icmals ein unangenehmeres Gefühl gehabt zu haben, als damals, da ich dem Proknror mitteilte, ich Würde am nächsten Morgen zur angegebenen Zeit im Gefängnis erscheinen. Als ich am nächsten Morgen den Gefängnishof betrat, war schon alles vorbereitet. Mit Gewehren bewaffnete Wachen hatten einen kleinen Ring gebildet, in dessen Milte sich der eben erst; aufgerichtcle Galgen befand. Zwischen zwei Pfosten stand dort ein Weinfaß— einst eine Wonncqurllc, jetzt für den fürchterlichsten Augenblick bestimmt, den ein Mensch erleben kann. Nm den Galgen machte sich ein altes, verhutzeltes Männchen zu schassen, mit solcher Gleichgültigkeit, als gälte cs, eine» Triumphbogen auszurichten. Wie ich erfahren konnte, war das ein Sträfling, der seinerzeit zum Tode verurteilt, dann aber zu lebenslänglichem Kerker begnadigt. wor den war. Vielleicht war es derselbe Prokuror, der damals Himmel und Hölle auf sein-Haupt beschwor, weil er sich an einem Menschenleben vergriffen hatte, und der ihn jetzt seinen Mitmenschen hängen hieß. Ob der begnadigte Verbrecher nun wirklich vom Herzen daran dachte, sein Verbrechen zu sühnen, oder ob er vielleicht an gar nichts dachte,— das ist schwer zu sagen. Zehn Jahre saß er nun schon im Kerker, und vor ihm war— die Ewigkeit. Was sür Gedanken konnten dabei entstehen?— Neben ihm stand der Pope. Seinen Gesichtsausdruck zu beschreiben, ist keine leichte Aufgabe. Nach einiger Zeit wurde das Zeichen gegeben, den Delinquenten herauszuführen. Es erschien ein hochgewachsener, gesunder Bursche, noch ganz jung,— er mochte eben das schöne, aber in diesem Fall furchtbare einund- zwanrigste Lebensjahr erreicht haben... Es folgte die Perlesung des Urteils. Derjenige, der es laS, sprach jedes Wort so aus, alS fei das Leben aller Anwesenden in seiner Hand. Damit waren die weltlichen Obrigkeiten, vorderhand, mit dem Angeklagten fertig; bloß der Henker wartete mit Ungeduld das Ende der Prozedur. Der Pope trat an den Verurteilten heran. „Mein Sohn," begann er,„ein wenig noch, und du wirst dieser Welt den Rücken kehren und ins ewige Leben eingehcn.-Hab keine Angst, mein Sohn, für dich ist noch nicht alles verloren... dort," sagte er mit der Hand nach oben zeigend, „dort.. Ter Unglückliche blickte hinauf und sah den Galgen. „Tort ist der Strick!" flüsterte er, zitternd vor Verzweiflung. Umsonst versuchte ihn der Pope abzulenken — der Bursche hörte nicht auf, zu schreien und sich an die Arme des Popen zu klammern:„Der Strick... der Strick..." Das Grauenhafte seines Schicksals war in diese paar abgerissene Worte gedrängt. Plötzlich ergriffen die beiden Gehilfen des Henkers den Verurteilten. Ter Unglückliche erfaßte das Kleid des Popen. „Der Strick..„ der Strick..." fuhr der Verurteilte fort zu wimmern. Schließlich gelang es, ihn vom Popen los- zureißcn, der ihm fortwährend Trost zusprach... Der Doktor hielt einen Augenblick inne und fuhr dann fort: „Ich habe schon genug Menschen im Leben sterben sehen, habe Minute für Minute das alltägliche Versagen des Organismus verfolgt,— aber ich stand immer vor Menschen, die alle Hilfe der Wissenschaft nicht mehr retten tonnte, und als Arzt sah ich ruhig dem unvermeidlichen Tod mei- nc« Patienten entgegen... Aber dieser Tod da machte mir alle Pulse hämmern. Und das alles spielte sich vor mir, dem Arzt ab, den man doch nur dann ruft, wo es£it helfen gilt!"... Endlich gelang cs, den Delinquenten auf das Faß zu heben, von wo er, mit einem idiotische» Ausdruck in den Augen vergebliche Anstrengungen machte, wieder zu uns zu gelangen. Plötzlich rief der Pro- knror, der neben mir stand, mit feierlicher Stimme:„Seine Majestät schenkt dir dos Leben!" Was sind das für Geschenke, heutzutage, in unserem Jahrhundert,— dachte ich und sah den Pro- kuror vertvundert an.„Schrei hurra,— cs lebe Seine Majestät!" stießen die Wachsoldaten den Verurteilten und riefen selbst, Gott mag wißen warum,„Es lebe Seine Majestät!" Die Henker zogen sich verblüfft zurück, nur schrien sie weder hurra, noch ließen sie wen hoch- jeden; der Verurteilte kniete zur Hälfte auf dem Faß, betrachtete die ihn Umstehenden auch weiterhin mit blödem, sinnlosen Blick und murmelte: „Der Strick... der Strick.-.." Er war nicht mehr fürs Gefängnis, sondern sürs Irrenhaus. „Was heißt das alles?" fragte ich dann den Prokuror. „Ach nichts," antwortete er mit verbindlichem Lächeln,„das Bcgnadigungstelegramm haben wir schon gestern erhalten, aber wir wollten ihn zum Excmpclcin bißchen abschrccken..." „Und wenn er den Verstand verloren hat!?" „Was soll ihm der Verstand," meinte der Prokuror, Indem er sich lächelnd empfahl. Der Doktor hatte seine Erzählung beendet. 'Alle schwiegen. Nach einer Pause sagte endlich einer:„Das heißt,— der Prokuror hat recht: was soll ihm der Verstand?" (Berechtigte ttebcrsctzuna au» dem Bulgarischen.> «b,r: eteofrleb tut- S b i 11• b• 11'■ ti Bilbelm««« tza« k.— v«r,mw»nNcher Rebatteut: Dr. CmU Strauß, Br»,.- Druck: ,Roto* B.-a für grituna. nnb«uchdruck. Rtaa.— gür bta Druck»«roacworNt»! Ottt fcoHL- jzgs,_ Di« Äfi h»,-RMrft iijcnnfarut wurde von der Boll->». lelegropdenoirim»» mu Erlab Nr l3.800/VHrt030 bewilligt.— Bezugdbelungungen; Net Zustellung ins Hau» oder bei Bezug durch di» Post monatlich Ki 16— vterteliÜrlich Ü&* M ich.—, gaanatzztg L4 US.—»— 3b|»wu»ertci Uw Uti| billigst berechnet. Bei oitnaN LüücknUuoaeu istrel-nachiag.—-tüllfteüung oou«anüsrripte» er-olgt mi det Emjeaduag der MmuiaiI« n