Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh.■ R.ftanion u.'Drrtoaltuna; Srag n,TtrMsatita 18 ♦ XrltoQ.■. 20703, 3>«oo, 3to«irtöoli.«ab 31 u.t): J385O ♦ Dolftortfami. 3754-I 13. Jahrgang. Freitag, 28 Lull 1933 Nr. 174 Siozelprels 70 Heller. ^Einschließlich 6 Heller Poriol scrtsriuntz oder Klanifloscs Ende? Vorläufig letzte Sitzung in London.- Skeptische Beurteilung der erzielten Ergebnisse USA plant r Milliarden Dollar-Anleihe. New?)orf, 27. Juli.(Reuter.) Der Washingtoner Vertreter der„New Dort Times" berichtet, die Regierung der Vereinigten Staaten plane den Abschluß einer langfristigen Anleihe von 2000 Millionen Dollar. ES verlautet, daß Präsident Roosevelt in dieser Angelegenheit kam« mende Woche mit Finanzminister Woodin verhandeln wird. Roosevelts Kampagne mit großer Reklame eröffnet. Washington, 27. Juli. Die Kampagne des Präsidenten Roosevelt für Erhöhung der Löhne und Kürzung der Arbeitszeit, die einen ganzen Monat dauern soll, wurde heute eröffnet. Die Aufforderung an die Arbeitgeber wurde heute durch die Presse, den Rundfunk und durch Plakate verkündet. Außerdem wurden zahlreiche persönliche Besuche abgcstattet. In den Parks und auf den Straßenmärkten sprachen Redner kurz zugunsten der neuen Arbeitsordnung. Tic Regierung des Staates New Jork hat in dem Bestreben, bei der Durchführung des Rooseveltprogram» mes mitzuarbeiten, die gesetzgebende Körperschaft dieses Staates ersucht, das Äntitrüstgeseh einzustellen. Di« Gesellschaft für die Erzruguew von Ehevrolet-Automobileu in Detroit gibt bekannt, daß sie ihren 40.000 Arbeitern die Köhn« um 15 Prozent erhöhen wird:— HaMsftes Oonau-Protebtorat ton Mussolini mn nldit«neveodon Paris, 27. Juli. Jnr„Echo de Paris" kam- menliert Pernnax Vie Reife des ungarischen Ministerpräsidenten Gömbös nach Rom in folgender Weise: Auf Grund gewisser Informationen scheint cs, daß Mussolini sich jetzt bemüht, «ine Anna Hern na der fünf Donau- staaten zu bewerkstelligen. Dieses Ereignis sei gewiß erfreulich, ivenn aber Mussolini die Organisation irgend eines Donausystcms und deu Abschluß von Präferenz-Handelsabkommen zwischen den sünf Donauländern von der T e i l- nahm«Italiens an einem derartigen Wirtschaftssystem oder gar von einer Revision der ungarischen Grenzen abhängig ma. chen will, so hat er keinerlei Aussicht auf Erfolg. ES sei möglich, daß früher oder später auch der tschechoslowakisch« Außenminister Dr. B e n«8 zu einem Besuch nach Rom eingeladen werden wird. Dann werde di« itauenische Aktion ihren Höhepunkt erreicht haben. Di« französisch« Regierung könne jedenfalls unter keinen Umständen im Rahmen des Viermächtepaktes irgendwelche Vorschlag« erörtern lassen, die Dr. B«n«8 im Namen der Kleinen Entente ablehnen würde., Gömbös reist in Agrarprodnkten. Handelsminister wird in Rom Wirtschaftsverhandlungen zum Abschluß bringen. Budapest, 27. Juls.(NITI.) Tas Ungarische Telegraphen- Korrespondenz- Büro meldet aus Rom: Ministerpräsident G ö m b ö s hat die Entscheidung getroffen, daß behufs endgültiger Regelung der wirtschaftlichen Bedingungen der römischen Verhandlungen Handelsmiuistcr F a- binyi im Lause der nächsten Woche nach der italienischen.tzguplstadl reise und mit den zuständigen Stellen die Verhandlungen weitcrsühre, die vom Ministerpräsidenten Gömbös angeregt worden sind,' um Ungarns landwirtschaftliche Uebcrschüsse auf dem italienischen, Markte zu plazieren.< Rußland reise üerriots. Paris, 27. Juli. Der Vorsitzende des auswärtigen Ausschusses, H e r r i o t, wind sich am 3. August.in Begleitung des Senators Ier- I i n und des Vizcvorfitzenden des auswärtigen Ausschusses der Krimmer, Abgeordneten Bast i d, von Marseille aus nach Stambul begeben. Die Rückreise dürst« über Polen.erfolgen. .London, 27. Juli. Heut« hat die Weltwirt» fchaftSkonferenz noch eine Plenarsitzung abgehalten, in der die mageren Ergebnisse einzeln« Kommissionen zur Kenntnis genommen und von den Hauvtdelegierten in der Debatte ein« Art Schlußresüme« über Erfolg od« Mißerfolg der Konferenz gezogen wurde. Di« Auffassung, daß die Konferenz wertvolle Vorarbeit geleistet habe und die Vertagung keineswegs schon den Schlußstrich unter die Konferenz überhaupt b«. deute, wurde«igentlich nur von der amerikanischen Delegation so richtig von Herzen vertreten; die Wortführer der anderen Delegationen waren in der Beurteilung der Ergebnisse und noch mehr der Aussichten einer Wiederaufnahme der Konferenz sehr skeptisch. Tas äußere Bild der Sitzung glich fast der Eröffnungssiyuua vor zwei Monaten. Nach der Eröffnung! durch Macdonald erstattete der Finanz- referent Bonnet«inen kurzen Bericht, i» dem er die Schwierigkeiten darlegte, mit denen die Konferenz zu kämpfen gehabt habe. Der amerikanische Delegierte llox hielt in seiner Eigenschaft alt Präsident, des monetären und finanziellen Hauptausschusses eine Rede, in der er u. a. aussührtc, die Konferenz hab« Ergebnisse gezeitigt, die die Rühr gelohnt hätten. ES herrsch« Einigkeit darüber, daß von einem Ausgeben weiterer Bemühungen keine Rede sein Kun«. Er wisse nicht, wann die Konferenz wieder zusammen tret«, aber der Zusammentritt selbst sei,gewiß.' Der holländische Vertreter Eolijn stellte fest, die WeltwirtfchastÄonferenz habe kein en G tu u d, sich zu den Ergebnissen ihrer Arbct zu beglücktvün- scheu. N i ch t c i n einziges Mitglied der Konferenz sei bereit, bejahend die Frage zu beantworten, ob irgendwelche praktische Maßnahmen der- einbart worden seien. Einer wenigen pessimistischen Ansicht gau der italienische Delegierte Jung Ausdruck, der die Auffassung vertrat, daß di« letzten Wochen wichtige Ergebnisse zu Tage gefördert hätten und Aussicht auf einen schließlichen Fortschritt in der Richtung internationaler Zusammenarbeit böten. Der englische Schatzkanzler Neville Ehamberlain verbarg keineswegs seine große Enttäuschung, daß so wenige Fortschritte aus das Ziel hin gemacht worden sind. Die Verhältnisse in den Bereinigten Staaten hätten die Erwägung der Stabilisierung der Währungen oder die Rückkehr zu einem inter- nationalen monetären Standard ausgeschlossen. Er ermahnte jedoch die Delegierten, nicht den Tadel irgend einem bestimmten Lande zuzuschieben, sondern g ü n st i g c r e U m st ä n d« zur Wiederaufnahme der Arbeiten abzuwarten. Reichsbankpräsident Dr. Schacht sagte, es sei leider scslzustcllen, daß die Konferenz nach mehr» wöchigen Arbeiten kaum in einem Punkt des Programms zu einem Uebcrcinkommen geführt hat. ES würde abwegig sein, irgendeinem einzelnen die Schuld für diesen Ausgang der Konferenz zuzuschreiben. Ter Fehler liegt im St)stem. Jin Namen der Kleinen Entente sprach der tschechoslowakische Gesandte Johann Masaryk: lieber das Ergebnis dieser Konferenz wurde, eher privat als össimrlich, allzu p e, s i m i st i s ch gesprochen. Es tvärc unklug zu bestreiten, daß wir alle bis zu einem gewissen Grade dadurch enttäuscht waren, daß cs uns nicht gelang, eine allgc. mein zufriedenstellend« Lösung aller Lieser vielen komplizier:«» Problem« zu finden, deren Lösung die Konferenz sich als Ausgabe gestellt hat. Wir glauben aber doch, daß die Tatsache allein, daß wir heute unsere Position kennen, sehr wichtig für di« zukünftige Gestaltung der Wirljchafls- politik der Völker sein kann und sein sollte. Wir und der Ansicht, daß die Konferenz eine sehr nützliche BorbereitungSarbeit geleistet hat. Der sowjetrussischc Vertreter Botschafter Maisky stellte die Frage:„Was Hal die Konse. cenz getan?" und gab die Antwort darauf: „Absolut nicht»!" Staatssekretär Cordcll Hüll verlas eine Botschaft"des Präsidenten Roosevelt, in welcher Roosevelt hervorhob, daß er die WeltwirtschastSkonserenz nicht.als«inen Fehlschlag ansieht. .In dar Nochmiitagssitzuna hob Hüll mit be- sönberein NachdKiik'hkrvor,"däß e» sich nru um eine Unterbrechung der Arbeiten der Konferenz handele, yicht. aber um ihre Beendigung. Er rufe diese Konferenz' und dje Bölter der ganzen Welt auf, die Beendigung des ruinösen Wettlaufes der Rationen sowohl in'militärischen wie in w i r t sch a s tl i ch c n. R ü stu n g c n zu verlange« Der französische.Delegierte Bonnet erklärte u. a., die Vertreter von 64 Rationen aus allen Teilen de: Welt hätten in den sechs Wachen der Konferenz ihre Ansichten und ihre verschiedenen Gedanken nicht vergeblich einander gegenübergestellt. Tie Lehre für die Zukunft, sei, daß zuerst beschränkte Bcr- einbarungen zwischen Gruppen von Rationen abgeschlossen werden müßten. * Nachdem Bonnet seine Rede beendet hatte, erklärte Macdonald die allgetneine Erörterung für beendet und unterbreitete die Berichte der wirtschaftlichen und der finanziellen Kommission zur Abstimmung, die sämtlich e i n st i m- mig angenommen wurden. Macdonald erklärte hierauf, die Konferenz erhebe sich zu einer Pause und nicht zu einer Beendigung. Frühere Hoffnungen seien nicht zerstört, sondern tt n r verschoben worden. Er sagte den Delegierten Lebewohl in der festen Nrbcrzeugung, daß, bevor viele Monate vergangen sind, er das Vergnügen haben werde, ihnen wieder ein Willkommen zu bieten. Hierauf wurde die Konferenz vor 17 Uhr geschloffen. Hendersons Besuch bei Deutschlands Denher. Einem Artikel der vom Sekretariate der Sozialistischen Arbeiter-Internationale hcrausgegcbcnen„Internationalen Information" entnehmen wir: Eine starke Welle des Haffes und der Berachtnng gegen das Hiilerfche Verbrecher- regiment geht durch Großbrilaniliens Arbeiterschaft. Der Vereinigte Nationalrat der Arbeiterbewegung, der den Gewerkschaftsbund, die Labour Party und deren Par- lamentsfraktion umfaßt, hat Milte Juli ein von tiefster Abscheu gegen die Untaten der Hitlerrcgicrung erfülltes Manifest veröffentlicht, das die Arbeiter zum Boykott deutscher Waren ausrust. Und Harold Laski, der bekannte Professor an der Londoner Universität, schrieb am 15. Juli im„Daily Hcrald": „Unsere Ausgabe ist cs, zunächst dem neuen Teulschland zum Bewußtsein zu bringen, daß, solange ihre Herrscher w i e tolle Hunde handeln, sic wie Parias b c- handelt werden müssen... Fch hasse, daß die englischen Arbeiter sich ihrer alten Tradition beim Umgang mit solchen Leuten erinnern werden, die Haltung ihrer Vorfahren gegenüber dem General H a h n a u muß das Vorbild ihres Verhalten» sein." Die Arbeiter in allen Ländern, die die Gefühle der britischen Arbeiter gegenüber den Hitlcrbanditen teilen, lverdey- daher durch die Nachricht, daß Arth n.r H e n d c r s o n am 20. Juli nach München gekommen ist, um Adolf Hitler zu besuchen, in tiefste' Bestürzung versetzt. Wir wissen, daß-Henderson nicht als Sekretär der Labour Party, sondern als Präsident der Abrüstnugskvllfereuz seine Reise ««iiteruonnuen hat. Wir wissen, daß ihn in dieser Funktion nicht grausen darf vor dem Umgang mit Canaillen aller Art und daß er in diesem Pflichtbewußtsein zu Mussolini und schließlich sogar zu Hitler gereist ist. Wir keriuci« die persönlichen Gefühl« Arthur Hendersons gegenüber den Diltatnrcn, wir tviffen, mit welcher Energie er, zur Zeit als er Bor- sitzeltder der Sozialistischen Arbeiter-Internationale war, gegeit die Verfolgungen in Horthy- Utlgarn, in Pilsndski-Polen und in andern Ländern der Knechtschaft proiestieri hat. Wir wissen, daß alles, was Henderson tut, aus kristallklarem Getvissen cntspriitgt, daß er bei seiner Reise einzig und allein daS Motiv hatte, der Sache des Friedens zu dienet«, aber obwohl wir dies alles wissen, bleibt die tiefe, schmerzliche Erschütterung nicht nur der.»nmittcl- baren Opfer des deutsche» Fascisnius, sondern aller, die sich mit ihnen solidarisch fühlen. Für uns ist es kein Trost, daß die Kommunisten als Beherrscher Sowjetrußlauda noch Acrgcrcs getan haben, daß sie sich über die Gefühle ihrer in den deutschen Kerkert« schmachtenden Genoffen hinweggefetzt und mit dem Hitlcrrcgimeut den Frieden- und Freund- schaftsvcrtrag erneuert haben, daß sic tut Interesse der Handelspolitik Sowjctrußlands ihre Anhänger in allen Ländern davon abhalten, sich ai« der Boykottbetvcgung gegen Hitler- Deutschland zu beteiliget«. Tas, tvas die Komiitunistcn im Interesse der Handelspolitik Sowjctrußlands tun, das glaubt Hcudcrfon tut Interesse dcS Gelingens der Abrüstung tun zi« müssen. Er sieht dabei nicht dc>« Widerspruch, in den er gerät zu bei« elementarsten Gefühlen der Arbeiter aller Läiwer.< Wir habe«« eitlen ähnlichen Fall vor füi«f Jahren erlebt, als Albert Thomas als Direktor des Inieruationalci« Arbeitsamtes nach Ron« zu Mussolini reiste und an dem Kongreß; der fascistischen Gewerkschaftsverfälscher tc«lnahm. Damals wurden die Auseinandersetzungen abgeschlossen mit einer Resolution,' die das Bureau der Sozialistischen Arbeiter-Internationale in seiner Sitzung am Sdifitzengrdbcii ander Rcidisgrcnzcl Die alten Soldaten werden eingezogen. Boi« einem nahe der dänischen Grenze wo llenden Genossen erhalten wir den folgenden Bericht: Deutschland rüstet für den nächsten Krieg. ES wird setzt alles ausgebildet, was nur auSzubilden ist. LL, SA und ArbeitSdienstwilltge werden unter Massen gestellt. Flugzeuge werden in Sülle und Fülle ge baut. Ueberstttnde» über Neberstnnden müssen van den Arbeiter»'gemacht werden. Das Neneste ist nun hier, datz Vie arbeitslosen ehemaligen Kriegsteilnehmer eingezogen werden zum 1 Ban von Unterstünden und Schützengrüben an den Grenzen unp zur Ausbildung von Kanonensntter. ES wurde ans den Arbeltsänttern bekanntgegeben, dasz jeder seine Militür- papiere bei der nächsten Kontrolle! mitznbringen Hütte. Hierauf wurden dann die einzelnen Püffe abgeschrieben. Die erst 1818 eingezogen Ware», wurden nicht berücksichtigt. Alle Gefreiten, Obergefreiten' und Unteroffiziere und solche mit Auszeichnungen wurden besonders vorgezogen. ES- wurde dann bekanntgegeben, das; diejenigen, die hierüber"sprechen wür den, mit hohen FreiheitSftrüsen zu rechnen Hütte«. Am'übrigen steht eS hier für jeden Andersdenkenden schlecht aus. Ihm wird jede Eristenzmüg- lichkeit genommen. Er wird für„volksfeindlich" erklärt. BerbandSvor- sttzende, die ihre Posten«iederlegen, werden wegen Sabotage ins Gefängnis gesteckt. Seit« 2 Freitag, 28. JuN 1988 Adenauer entlassen. Köln, 27. Juli. Wie di« Stadtvertretung Köln mitterlt, ist-er früher« Oberbürgevm«isttr der Stadt Köln, Adenauer, ein Zentrums- mann, auf Grund td§ 4 de» Gesetzes zur Wiederherstellung des BerrrftdeamtentumS, entlassen worden. 4. Juni 1928 in Brüssel unter dem Vorsitz Arthur Hendersons beschloß und in der das Bedauern über das Vorgehen Albert Thomas ausgesprochen wurde. Der Fall ist sicherlich nicht ganz ideniisch. Der Fall Thomas war weit schlimmer, weil sein Auftreten in Rom von den Feinden des Prinzip« der Gctvcrksck-aftsfrcihcit für ihre Zwecke auSgcnutzt werden konnte, während wir alle ausnahmslos überzeugt sind, daß Henderson seinen Besuch in München einzig und allein gemacht hat, um der Lache der Abrüstung und des Friedens, die unser aller Sache ist, zu diene». Der Fall Thomas war weuiger schlimm, weil er sich damals vollständig als Direktor des Internationalen Arbeitsamtes fühlte und seine Beziehungen zur sozialistischen Bewegung auf die Aufrechterhaltung der Parteimitgliedschaft beschränkt>var. Henderson dagegen ist zwar zum Präsideutcu der Ab- rüstungskonfercnz in einer Zeit gewählt worden, als er als Minister von seiner Stelle als Sekretär der Labonr Party beurlaubt war, und die Beurlaubung wurde, als er tatsächlich als Präsident der Abrüstungskonferenz, nicht mehr als Minister, sondern in persönlicher Qualität, zu fungieren begann, erncnert, aber er bleibt trotz dieser formalen Einlastung für die ganze Welt der verantwortliche Führer der britischen Arbeiterpartei. Und wenn, als Albert Thomas Mussolini begrüßte, immerhin vier Jahre seit der Ermordung MatteoitiS verflossen waren, so waren cS keine vierzehn Tag«, seit man den bis z»»r Unkenntlichkeit vcrstümmelteii Leichnam von Johannes Stelling, in einen Sack vernäht au« dem Wasser zog, als Arthur Henderson mit dem für diese Untat Beraniwortlichen zusammentraf. In diesem Deutschland des Grauen«, wo die Barbarei auf die Spitze getrieben wird durch das System, schuldlose Anvertvandte als Gekseln auSzuheben, in diesem Deutschland, das durchbebt ist von den blutigen Schauern des Terrors, von den sinnlosen Massenschlächtereien, wie sie unmittelbar vor HeichersonS Eintreffen in Köpenick und Braunschlveig stattfanden, in diesem Deutschland gibt es für Bertreter der Arbeiterklasse keine Hoffnung auf die Möglichkeit der Bekehrung Hitlers, sondern ist einzig wahr, waS daS Manifest des Bereinigten NationalraicS der Britischen Arbeiterbewegung sagt:„Diese aller Gefühlsregungen bare Tyrannei muß mit anderen Waffen bekämpft werden." Niemand zweifelt an Hendersons gutem Glauben, niemand darf seine Motive, der Abrüstung und den« Frieden zu dienen, in Frage stellen. Aber jeder, der tveiß, was die Arbeiterbewegung Großbritanniens und der ganzen Welt dem Lebenswerk Arthur Hendersons verdankt, wird e« auf da« schmerzlichste empfinden, daß er nun in den tragischen Konflikt gerät, sich mit den unmittelbarsten Gefühlen, di« heute die antifascistische Welt erfüllen, in Widerspruch zu setzen. Produktenbörse verwarnt. Landwirtschastüminlsterium gegen PreiSexzeffe. Der„Benko v" meldet, daß das Landwirt- schaftsministerium an die Prager Produktenbörse eine Warnung gerichtet habe, als sich in orn letzten Tagen Bestrebungen zeigten, daS Beispiel der nordamcrikanischen Börsen nachzumachen und gerade zu Beginn der Ernte eine Panik auf dcnr Getreidemarkt hervorzurufen. Schon in früheren Jahren hätten sich unter den Landwirten Stimmen bemerkbar gemacht, die Börse, wenn sie di« Preise künstlich drücken will, zu schließen. Der ESkompt der Getreidepfandscheine. Weiter berichtet daS Blatt, daß die landwirtschaftlichen GenossenschaftSzentralen mit der Nationalbank die Vereinbarung getroffen haben, daß die Nationalbank die Getreidepfandscheine bei.einer Laufzeit bis zu 92 Tagen bis zum Höchstausmaß von zwei Dritteln des börsr«mäßigen Getreidepreis cS cskonticrt, und zwar zu den für den Wechiel- eSkompt üblichen Sätzen. Bedingung ist, daß der Pfandbrief außer der Unterschrift deS Produ- Siten auch noch die Unterschriften der Genossen- aft und der Genossenschaftszentrale trägt. Auch die Großbanken hätten bereits ihre Bereitwilligkeit zur Fipanzierung der Getreidepfandbriefe erklärt. Drarverordniitiaen im Ermöchtioungsweoe. Ministerpräsident und einige Mitglieder der Regierung werden auch noch in der nächsten Woche mit der Herausgabe einiger Regierungsverordnungen beschäftigt sein, deren Zahl etwa zehn betragen soll. Außer dem Genter System sollen auch noch verschiedene Fragen der landwirtschaftlichen Produktion sowie die Erweiterung der Kreditmöglichkeiten auf Grund des Ermächtigungsgesetze» zu erlassenden Gegenstand dieser Verordnungen sein. Di« landwirtschaftlichen Maßnahmen sollen sich auf die vorläufige Verlängerung der Syndikats, den JnterventwnSfond» und die Verwertung der Einfuhrscheine beziehen. Auch die ange- kündigten Vorlagen über die H o p f e n s i g n te« rung und den Pächterschutz sollen nach dem„Benko v" durch Regierungsverordnung in Kraft gesetzt werden. WaS die K r e d i t e r w e i t e r u n g betrifft, so kommen— wie überdies schon der Ministerpräsident beim letzten Prcfsempfang auS- führte, eine Erweiterung de» WcchseleSkompS, die Benützung von Wechseln als Zahlungsmittel in größerem Umfang sowie die Regelung des Lombards von Wertpapieren in Frage. Nach dem Muster anderer Länder will man eine eigene Akzeptbank errichten, deren Personal- und Sachaufwand jedoch nur unbedeutend wäre. * Die Beratungen über die Sparanträge der Sparkommission, unter denen sich auch der in den letzten Tagen viel diskutierte Antrag auf Auflassung der Prager deutschen Technik befindet, sind bereits anfgenommen worden, ein« Entscheidung darüber ist aber in der nächsten Zeit noch nicht zu erwarten. vom„Bauarbelterftrett" nicht viel zn sehen. Prag' 27. Juli. Ter heutige Versuch der kommunistischen Partei, einen Generalstreik der Prag, 27. Juli. Der heutige Ministerrat fand wegen der tropischen Hitze nicht in Prag, sondern in P ü r g l i tz statt. Mit Beginn der nächsten Woche sollen, wie der agrarische„Benkow" meldet, die Regie rungsberatungen auf kurz« Zeit unter-„ r__.. krochen, keineswegs aber beendet werden. Der.Bauarbeiterschaft hcrbrizuführen, dem sich die vettlebsratswahleu im Roffltzer Bergbaurevier.— Sie Kommunisten verlieren alle Manvale.— Soz aldemoirati'cher Wahlsieg. Im Rossitz-Oslawaner Bergbaurevier finden in diesen Tagen Betriebs- ratSwahlcn statt. Schon jetzt kann gesagt werden, daß die Bergarbeiter mit den Kommunisten für den unglücklich geführten Streik A b- rechnung gehalten haben. Der Streik, der im heurigen Winter ausbrach, wurde von den Kommunisten«rotz seiner Aussichtslosigkeit zwölf Wochen lang geführt. Während dieser Zeit führten die Kommunisten gegen die Sozialdemokratie, die es schließlich verhinderte, daß der Streik, der vollkoulincn zusammenbrach, für die Bergarbeiter katastrophale Folgen hatte, eine wüste Hetze. Die Kommunisten erhielten be> den Wahlen von ihren 17 Mandaten nicht ein einziges. Der Streik und die allgemeinen Wirtschaftsverhältnisfc haben zur Folge, daß im Rossitz-Oslawaner Revier jetzt um 1200 Bergarbeiter weniger beschäftigt sind al» im Jahre 1981, in welchem Jahre die letzten Betriebsrat-Wahlen stattfandcn. Gegen 28 Man- dair aus dem Jahre 1931 werden jetzt nur 18 Mandate beseht. Dieser Tage wählten drei Betriebe, während in der Kokerei, in der drei Mandate besetzt werden, die Wahlen erst am 9. August stattfinden werden. In den Gruben„F e r d i n a n d" und „I u l i u S" in Segen» Gottes, die eine gemeinsame Verwaltung haben, wurden 467 gültige Stimmen abgegeben. Die Sozialdcinv- traten erhielten 2 4 2 S t i m m e n und vier Mandate, die Narodni sdruLeni 118 Stimnien und zwei Mandate, die Bolksparteilcr 63 Stimmen und kein Mandat und die Nationalsozialisten 44 Stimme» und kein Mandat. In der„Liebe- Gottes"-Grüde in Zbe- schau erhielten von 852 gültigen Stimmen: Die Sozialdenrokraten 181 S t i m m e tl und drei Mandate, die Nationalsozialisten 153 Stimmen und ztvei Mandate, die Narodni sdruLeni 18 Stimmen und kein Mandat. In der „K u k l a"-G r u b e wurden 345 gültige Stimmen abgegeben, von denen die Sozialdemokraten 262 Stimmen und drei Mandate, die Üukikanhänger 83 Stimmen und eirr Mandat erhielten. Die Kommunisten versuchien nur in der„JuliuS"-Grube zu kandidieren. Sie erhielten aber nicht die genügende Anzahl von Unterschriften und daher wurde ihre Kandidaten- liste auch nicht anerkannt. Mit diesem Erfolg sicherte sich die Sozialdemokratie für die Betriebs- und Revierratswahlen die absolute Mehrheit. Arbeiterschaft au» den einzelnen Betrieben an- schließen sollte, ist wie nicht ander» zu erwarten war, vollständig gescheit«rt. In Prag, Brünn, Pilsen usw. war Wohl der ganz« kommunistische Funktionärstab auf«, boten, unr ein«„Massenbewegung" zu inszeme- ren, aber di« Massen blieben aus und di« Bau- arbeit«« arbeiteten bi« auf ein paar kleinere Betriebe unbekümmert tveiter. In Brünn z. B. streikten ganze 140 Personen, und da» dürft« schon da» beste Resultat gewesen sein, daß ote Kommunisten überhaupt irgendwo erzielen konnten. Demonstrationszüge an einzelnen Orten, so in Haida, Steinschönau und Bärn, hatten nach amtlichen Schätzungen bestenfalls 68 bis 100 Teilnehmer und wurde» von der Gendarmerie ohne Gewaltanwendung aufgelöst. In der Slowakei kam es nur in Zvolen und in Neusohl zu Demonstrationen, die bald liquidiert wurden. Untersuchung gegen ungarische Nationalpar. teiler. Die gegen zwei führende Mitglieder der ungarischen Nationalpartei au» Munkaez, den Redakteur Bozary und den Architekten Btro nach dem Schutzgefeb geführt« Untersuchung schreitet nach einer Meldung de» Tschechoslowakischen Preßbüros fort. Vertreter der Ungvarcr Polizei begaben sich in die Bezirkt von Mun- kacz, Berehovo und SevljuS, wo auf Grund de» aufgefundenen Aktenmaterials und auf Grund der Aussage« der beiden Angehaltrnen weitere Personen verhört werden. Auf die Polizeidirek- non in Ungvar wurden einige Personen Vödeladen, die nach dem Berhör wieder entlassen wurden. Der Fall hat in der karpatborussischen Ocffentlichkeit große Aufmerksamkeit hervorgerufen. Neuer Handelsvertrag mit Bulgarien. Ausnahmen von der Meistbegünstigung für Agrarverträge. Prag, 27. Juli. Heute wurde im Außenministerium ein Handels- und SchiffahrtSabkom« men zwischen der Tschechoslowakischen Republik und Bulgarien unterzeichnet. ES enthält einen allgemeinen Teil, zolltarifarische Beilagen und»in« Regelung der veterinären Beziehungen. DaS Verfahren mit den Waren bei der Einfuhr beruht auf dem MeistbegünstigungSprin- zip, von welchem Ausnahmen für den Grenwer- kehr, für eine Zollunion und für multilaterale Konventionen sowie für AuSnahmSkonventio- nen flipultert werden, di« rin« der beiden Parteien für Agrarprodukt» mit Irgendeinem der mitteleuropäischen Staaten zweck» Erizelung einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit abschließen würde. Gleichzeitig wurde vereinbar!, daß, wenn sie Tschechoslonratische Republik irgendeinem der Staaten Mitteleuropa» für Weizen und Mai» Sonder» begünstlgnngen gewähren wird, die gewährten Begünstigungen sich eventuell auch auf au« Bulgarien stammende Ware beziehen werden. Die zolltarifa- rische Regelung betreffend di« tschechoslowakischen Warin bezieht sich insbesondere auf folgende Waren: Hopfen, einige chemische und Holz-Produkt«, verschiedene Waren aus Steingut, Porzellan, Glos, Baumwolle, Flachs, Metallen, auf Herrenwäsche und Schuh«. Di« Regelung de» Bewilligungsverfahrens, die gleichzeitig erfolgt ist, gibt die geeignete Möglichkeit zur Erweiterung und Vertiefung des gegenseitigen Warenaustausches. DaS Abkommen wurde den beiden Regierungen sofort zur Genehmigung unterbreitet Sie werden sich über das Datum ihrer Inkraftsetzung einigen. 87 Die Sache mit Borris Kriminalroman von Grefe Hartwig Sein ernstes, trauriges Gesicht, und sein bescheidener, melancholischer Ton schienen auf die mürrische Alte einen günstigen Eindruck zu machen; denn sie führte ihn in den Salon und hieß ihn Platz nehmen.„Wie war Ihr Name?" fragte sie. „Leo Feicht," sagte Dr. Horst Künke mit einer wohlerzogenen Verbeugung.„Ich habe Lo Lu sehr geliebt. Die Nachricht von ihrem Tode hat mich sehr erschüttert. Warum denn? Sagen Sie mir, warum hat sie das getan? Eine schone Frau, vom Erfolg gekrönt, von allen Menschen geliebt." „Den Grund kann ich Ihnen nicht sagen, da ich ihn selbst nicht weih. Sie hatte I» den letzten Tagen Anfälle nervöser und melancholischer Art. Ich war nicht ihre Bertraute, ich war bei ihr bedienstet." „Aber, sie muß Sie doch sehr gerne gehabt haben, da sie Ihnen doch ihr gesamte» Eigentum vermacht hat... da» hat man mir erzählt, fügte er rasch hinzu, ak« er Befremden in den Zügen der Alten la».„Hatte Lo Lu einen Liebeskummer?" „Nicht, daß ich wüßte!" „Oder hatte sie pekuniäre Sorgen?" „Nein! Sie hatte eine große Gage und ihr Vertrag lief noch einige Jahre. Wo haben Sie Lo Lu kennen gelernt?" Dr. Künke geriet einigermaßen in Berlegen- hrit.»Ich... ja... warten Sie einmal... in Karlsbad, da» war, wenn ich mich recht erinnere, 'w Jahre 1918," sagte er auf gut Glück. „Das kann nicht stimmen," sagt« Maria bös«,„sie war erst von Mai bis Juli 1914 in den böhmischen Bädern, und zwar in Marienbad." „So?" rief Leo Feicht erleichtert. ,^Ja, e» kann auch knapp vor Kriegsausbruch gewesen sein. Ich erhielt meine Einberufung erst in den ersten Augusttagen. DaS ist ja heute so lange her, daß..." „Ja. Lange." „Ich habe noch eine große Bitte. Irgendeine Kleinigkeit, die Lo Lu besaß und liebte, einen Gebrauchsgegenstand, ein Buch oder was immer. Ich möchte irgend etwas, worin ich das Andenken an die teure Tote ehren kann. Ich besaß ja einst viele Briefe von ihr, aber sie sind mir im Laufe vieler Reisen und Ueberstedlungen verloren gegangen. Also, irgend etwas, am liebsten... aber ich weiß nicht, ob Sie daS finden werden, ob eS überhaupt noch existiert, am liebsten..." „Etwas Bestimmtes?" fragt« Maria neugierig. „Ja. Es existiert eine Photographie, auf der wir gemeinsam sind, und zwar ist dies eine Ten- nisportie. Lo Lu, noch zwei Herren und ich, olle in weißer Kleidung, das Racket in der Hand. Ach, wenn Sie dieses Bild doch finden und mir schenken würden!" »Ja," sagte Mario zögernd,„ich werde es bei Gelegenheit suchen und wenn Sie in ein paar Tagqn wieder..." „Aber, liebste Frau, da» geht ja eben nicht. Ich muß jo nach Hause fahren." „Ach so? Sie sind nicht von hier?" „Nein, ich lebe in Köln; mein Urlaub läuft ja ab. Lassen Sie mich doch in die Kassette» und Album» schauen, die doch sicher da sind. Wenn wir beide suchen, finden wir c» doch sicher rasch. Ihnen macht es doch keine besondere Mühe und mir wäre e» eine große Freude. Also bitte..." Maria verschwand In das Nebenzimmer, wo Dr. Künke sic mit Schlüsseln klirren, mit Laden lärmen und mit allerhand hanteren hörte, Während er allein war, warf er einen Blick in seine Brieftasche und prägte sich nochmal» die GesichtSzüge Rene GaubierS ein, er besaß da» Bild aus einer Zeitung. Lange Nase, hohe Stirn, Schnurrbart und kleiner Spitzbart, dunkles, schütteres Haupthaar, im ganzen ein sympathisches, ernstes Gesicht... er verbarg da» Bild rasch wieder und nahm eine harmlose Haltung ein, als die Frau wieder eintrat. Sie schleppte zwei große Lederbände und ein» buntbemalte Kaffette. „So!" sagte sie.„Das ist alles, waS ich momentan finden kann. Seyen Sie e» einmal an!" Dr. Künke wendete Blatt um Blatt. Lo Lu auf der Bühn« und Lo Lu im Leben, aus der Straße, zu Hanse, beim Schwimmen, aus der Promenade, in fremden Städten, allein und in Gesellschaft, int Auto und offenbar au» früheren Zeiten in der Equipage, lustig und traurig, in Karncvalkostümc» und in Abendtoilette. Aber kein Bild Rene Gaubiers bemerkte er. Da— er stieß einen Ruf des Erstaunens aus. Ueber einem hübschen Frauenbild stand quer mit lila Tinte:„Meiner Hcrz«nS°Lu von ihrer treuen Liffy Pohl." „Oh!" rief Leo Feicht.„DaS ist ja Lissy Pohl!" Maria sah ihn unruhig an. Kennen Sie denn Lisih Pohl?" „Ja natürlich! Sie ist ja bei un» in Köln am Theater engagiert. Natürlich kenne ich sie." „Sehr gut sogar!" setzte er frech hinzu. ES entging ihm nicht, daß diese Neuigkeit der Alten offenbar nicht sehr angenehm war. Einen Augenblick beschäftigte diese Wahrnehmung seine Gedanken, aber dann wandte er sich niit erneutem Interesse den Photographien zu. Biele Kollegen, Freunde und Frauen sah er da, aber kein Bild vo>t Rene Gaubier. Er wurde kleinmütig. Sollte er doch auf falscher Spur sein? Er legte den Band fort, dann den zweiten, und griff nach der Kaffette. Maria trug die Bände an ihren Platz im Nebenzimmer zurück. Es war >ut, daß sie jetzt nicht anwesend war, sonst hätte le«in grenzenlose» Erstaunen gesehen und ihm eine harmlos« Rolle sicher nicht mehr geglaubt. Er hielt ein Bild in Händen und starrte darauf. Es war der Kopf von Max Feßler. Ja, wie war denn das möglich? ■■ Wie kam die Photographie von LillianS Bräutigam in Lo Lu» Photographenkaffette? Dr. Künke war fassungslos. Ein Zufall? Sollte er die alte Frau fragen? Als sie wieder eintrat, suchte er rasch weiter. Bielleicht fand er doch noch Rene GaubierS Bild. Er zweifelte daran, mechanisch leat« er ein Bild nach dem anderen fort. Seine Gedanken arbeiteten, wie in Tranee. Da! Wieder! Seine Finger krampften sich um den neuen Fund. Sein Mund war trocken. Er sah Lo Lu in einem Garten, wie sie in einem kurze» Bauernkostüm, das ihre schönen Beine freilietz, auf dem Holzgeländer einer Keinen Brücke saß und den Arm um einen jungen Mann gelegt hatte, der an ihrer Seite lehnte und dieser junge Mann war wieder Mar. „Das ist ein schönes Bild von Lo Lu," sagte Dr. Künke heiser.„Wie schön und frisch sie hier aussteht! Das war offenbar In einer Sommerfrische." Maria trat zu Ihm. Sie griff hastig nach dem Bild. „Ich finde das Bild nicht gut," sagte sie rasch.„So hat sie nie auSaesehcn." Dr. Künk» ließ da» Bild nicht aus der Hand. „Wo ist eS denn ausgenommen?" „DaS weiß ich nicht," sagte die Frau barsch. „Geben Sie mir da» Bild!" „Wer ist denn der junge Mann?" fragte Horst mit anscheinend bormloler Hartnäckigkeit. (Joryetzung folgt.) WW Rk. 174 Freltoo, 28. Zull 19M Seite 8 lassen 8is. I^err VisrerKI! Wie cs in Köpenick zuging Ge- hafteten werden ,ch eg e n r e v ol u t i o n är e! Anklage konnte mangels an Beweifen nicht auf- Umtriebe" zur Last gelegt.| recht erhalten werden. i nchr Arbeitslose Im Dritten Reim als Iraner! Am„Renen Dorwär<«" wird an Hand der amtlichen.'fahlen über die beschäftig» len Rrbeitnchmer in Deutschland der Nachweis geliesert, das; gegenwärtig Deutsch« land» Privatwirtschaft nicht weniger, sondern mehr Arbeitslose hat al» im Fahre 1982. Ende Znni 1932 Warrn 12.8 Millionen Arbeitnehmer beschäftigt, Ende Juni 1933 13.1 Millionen, also rund 300.000 mehr als zu der gleichen Zeit des Vorjahres. Da ober mehr al» 700.099 Menschen durch öffentliche Arbeitsbeschaffung. durch Beschäftigung im Arbeitsdienst, al» Landhelser uftv. Beschäftigung erhalten haben, so sind in der Privatwirtschaft in diese» Fahre mindestens 400.000 Menschen weniger beschäftigt als im Vorfahre. An Wirklichkeit ist dies« Zahl noch wesentlich höher, da sowohl die rund 80.000 Inhaftierten, al» auch di« erst in den letzten Wochen aus politischen Gründen Entlassenen, mindesten» 100.000 weder Unterstützung erhalten noch in der ArbettSlosenftatistik erfasst werde». Deutschland habe also mehr Arbeitslose, jedoch wenigrr UnterstützungSempsLnger als im Dor-- fahre. nicht ein,„alte, überlebte Formen", nämlich die Demokratie über Bord zu werfen. Er beschränkt sich auf wirtschaftliche Maßnahmen. DoS ist weil mehr, als Hiller tun will und kann. Unsere Deutschnationalen loben den Diktator Roosevelt, weil eS ihnen angeboren ist, vor jedem„starken Mann" auf den; Bauche zu liegen. Wie wenig sie aber im Grunde gc- nonimen sein Diktieren lieben, geht darau« hervor, daß der Aufsatz in der„Sudetrndeutschen Tageszeitung" den Kernpunkt des Rooseveltschcn Wirtschaftsprogramms: die Arbeitszeitverkürzung bei gleichzeitiger Lohn st ei« gerung, schamhaft verschweigt! Wie könnten sie auch offen davon sprechen, ohne den Schwindel, den sic nnt dieser Lobpreisung Hitlers begehen, sofort aufzuzeigeu! Denn bei uns siud sie gegen Wirtschaftscrmächtigun- gen; nicht etwa deshalb, weil es an einem Diktator gebricht, sondern weil ihnen die Regierung nicht 3m 9atfel)U0: Samstag, den s. August, 9 Ohr ad Dolttdaus. 3m S-ftA«sr Sonntag Stellzett 12 W marschieren auch dle Varlet- u. Sewerkschostsmltgllrver mtt. Am 4., 5. und 6. August alles nach Aussig! » Kopf gehauen. Tann verlor er das B.wußrscin. Bier Mann faßten ihn an und warfen ihn in den Garten. Ich habe Stelling nicht mehr zu sehen bekommen. Darauf wurde der alte Schmaus vorge- führt. Er wurde genau wie Stelling geschlagen, allerdings nicht über den Kopf, dann wurde er Wieder hingesetzt. Später wurde das 19jährige Mädchen hcrangeschlcppt. Mit den Worten:„Du marxistische Hure, du Sau!" Ahr wurden die Kleider vom. Leibe gerissen, daß sie nur Schuhe und Strümpfe anhattc. Dann wurde sie erst über Rücken und Gesäß, daraus nmgcdreht und mit Rohrstöcken über Leib und Brüste geschlagen. Run wurde sie aufgesetzt und bis zum Zusammen- brechen über den Kops geschlagen, wonach man sie hinaustrug." Roch einer Schilderung der eigenen Miß- handlungen heißt cs:„Inzwischen kam meine Frau, die vor Schrecken über mein Aussehen in Schreien ausbrach. Dafür wurde meine Frau selber geschlagen. Sie brach zusammen. Bei den Schlägereien, die unter Leitung dcS Sturmbonnerführers Gcricke aus Köpenick stattfanden, war ich Augenzeuge, wie zwei Fnhaf- tierten die Beine auSeinandcrgerissen und sie auf die Geschlechtsteile geschlagen wurden." Der Zeuge»rennt außerdem den Sturnttrupp- fnhrer Ploenzkc, Uhlenhorst, Eichenallre 17, al»' den Leiter dieser grausamen, mit dem Tode von Johannes Stelling, van Esten und vielen anderen Sozialdemokraten endenden Mißhandlungen. Todesurteil. Bamberg, 27. Juli. Der 22jährige Tienstknrcht Schliefer, der in der Nacht zum 21. Mai den SA.-Mann Diesheier ermordet hatte» ist zum Tode verurteilt worden. Sdiwerlner Arbeitslager der SA M Waffengewalt aalgelösl. Hamburg, 26. Juli. Da« bei Schwerin gelegene Haupt.ArbcitSlager der Mecklenburg« SA ist durch Berordnung de« Reichsstatthalter» Hildebrandt^oegenMeuterei" aufgelöst worden. Die gesamte Belegschaft deS Lag«» in Stark« von etwa dreitausend Mann wurde unter Einsatz mehrerer Hundertschaften der Polizei in de« Wohnbaracken interniert; bei dies« Aktion, die sich während der Rächt und für die Lagerinsassen völlig überraschend vollzog, kam e» z« schweren Zwischenfällen. Zwölf SA-Leute wurden mehr oder minder erheblich verletzt; einig« dreißig wurden verhaftet und abgesührt. Man rechnet damit, daß«in Teil der Beleg« schäft in andere Arbeitslager verschickt werden wird; da» Schweriner Lager soll durch bayrische SA»eubesetzt werden, lieber die Art der„Meuterei" sind Einzelheiten nicht in Erfahrung zu bringen; bekannt ist lediglich, daß die Insasse» des Lager» zum'.^etauS größten Teil proletarische« Kreisen entstammen und ihr« radikal-sozialistische Einstellung niemals verheimlicht haben. kapitalistisch genug ist. Bei uns sind, sic gegen die Arbeitszeitverkürzung und nicht nur für die Herabsetzung der Löhne, sondern auch für die Beseitigung der soziale» Lasten oder, tvie da« der gestrige national„sozialistischc"„Tag" pro- graiiiniatisch genau umschreibt, für„gründliche Reform der gesamten Sozialgesetzgebung und Angleichung der tatsächlichen Tragfähigkeit der Wirtschaft". Es ist schlechtes Teutsch, aber aut lesbar. Sollte sich Hitler unterstehen, ein deutscher Roosevrlt zu werden, dann hätte er eü an« bei Herrn Thyssen! Sollte sich die„Sudctendculschc Tageszeitung" jemals untcrstchcn, über Hitler die Wahrheit zu schreiben, so hätte sic cs aus bei ihm, der ihr an« gewissen Gründen noch näher steht als all« anderen Kapitalistenknechte. Und so wird denn verständlich, warum sie ihren Leitartikel über Roosevelt von der Frau Blaschke schreiben ließ... ijeverßShrle Verleumder! Philipp 2«Heidemann schreibt dem B o r st a n d der Sozialdemokratischen Porter Deutschlands in Prag: „Am 15. Juli wurde von Berlin aus offiziell mitgctrilt, daß auf Veranlassung des Gehermen StaatSpolizciamtcS in Preußen fünf meiner Ber- wandten„verl-oftrt und in«in Konzentrationslager überfiihrt wurden". Al» Grund der Festnahme wurde ein Artikel augrführ!, den ich für die„New 3)vrk Times" geschrieben haben joltte. Schon lange vorher hatte ich, durch Tele- gramme aufmerksam gemacht, frstgcstcllt, daß ich für die„New sstork Times" einen Artikel überhaupt niemals geschrieben habe und daß einmal« für mich besonders belastend zitierter So tz genau da» Gegenteil von dem sagte,>va< ich in einem Artikel für ein schweizerisches Blatt tatsächlich geschrieben hatte. ES konnte sich dem- nach nur um die ohne mein Zutun erfolgte Urber- nähme meines Artikels durch die ,,N.'!). T." handeln und um eine entweder böswillig gefälschte oder tatsächlich irrtümliche Ucbersetzung deS mir so schwer angckrei- beten Satzes. Diesen Tatbestand habe ,ich am 17. Juli der Geheimen Staatspolizei in Berlin mitgeteilt und di« Entlastung-er Geiseln beantragt. Auf jeden Fall bat ich um Angabe der Rainen und des Aut» enthaltcs der Festgenommcnen, damit ich ihnen sofort schreiben könne. Roch bevor ich auf diesen Brief eine Antwort erhalten habe, ist mir am 25. Juli durch einen europäischen Vertreter der„New Aork Times" mi geteilt worden, sein Chefredakteur habe ihm ouS New sssorkgekabelt, er möge mir das ans, richtige Bedauern der Redaktion für alle Ung«, legenheiten aussprechen, dic mir dadurch entstanden seien, daß ein„sonst absolut zuverlässiger Mann der„R. B. T." leider falsch übersetzt habe". CS sei richtig, daß in meinem Original« artikel der Schlußsatz gelautet habe:„Daß dabei nicht an blutigen Krieg gedacht wird, ist sclbstvrrständltch." Tamil ist dic ganze Angelegenheit restlos aufgeklärt, soweit ich in Betracht komme. Genosse Krippner wieder in Freiheit! Au» Brandau wird unS berichtet: Rach 26 Tagen.Haft wurde Genoss« Krippner au» Brandau von den Reichsdeutschen entlasten. Er wurde beschuldigt, Flugschriften gegen Deutsch, land in Deutschland verbreitet zu haben. Di: Natlonalsozlallsflsdie Betriebsräte verhaltet. Berln, 26. Juli. Durch Beamte der heinren Staatspolizei sind heute in den frühesten Morgenstunden angeblich auf Veranlassung de» Führers der„Arbeitsfront", Dr. Leh, die sämtlichen Funktion äre der nationalsozialistischen Be« tri«bszelle«i-Orgonisation de» Kraftwerke» Stra- lau-RuminelSburg und des A. E. G.-WerkcS in Berlin-Schöncivelde verhaftet worden. Den Ber- nisuM iom seine« Pakt Er hat Europa vor dem Krieg gerettet. Pari», 27. Juli. Die Wochenschrift„Les An- naleS" veröffentlicht morgen einen Artikel von Mussolini unter der Ueberschrift:„Genug der Konferenzen". Havas gibt heute einen Auszug au» diesenl Artikel, in dem cS u. a. heißt: „Im Augenblick sind wir Zeugen der Aao- n i e zweier Konferenzen, derjenigen von London und derjenigen von Genf. Man kann behaupten, daß es sich hier um zwei sensationelle Mißerfolge der europäischen Politik handelt. Ohne den Diermächtepakt hätte Europa am Rande desAbgrundeS undam Dor. abend deS Krieges gcstanden. Die Be- dcutung dieses Paktes liegt in der Tatsache, daß der die Bildung sich entgegenstehender Blocks in Europa verhindert und daß er den vier westlichen curoväischen Mächten die Möglichkeit verschafft, ür den Frieden znsammenzuarbeitrn. Der Gc- >anke, daß während zehn Jahren Europa ruhig ein wird, stellt einen Anreiz dar für dic Vcrbes- erung der allgemeinen Lage. Richt 2000 Delegierte werde» in Zukunft mehr um einen Tisch herum berate«, sondern die verantwortlichen Bertreter dervier Mächte, deren Arbeit sorgfältig in den diplomatischen Kanzleien und offiziellen Zusammenkünfte» vorbereitet werde« wird. Drei Saarländer gewaltsam ins Reidi entrann. Homburg(Saar), 25. Juli. In d" Nacht zum Sonntag, gegen 9.30 Uhr, erschien ein Trupp nichtuniformicrter rcichSdeutscher Nationalsozialisten vor einem uieweit der deutschen Zollgrenze, aus saarländische ni Boden gelegenen Hause. Drei Personen, rin gewisser.Hanü Jenne, eine Frau Lutz und deren Sohn Ferdinand, alle drei Kommunisten, wurden gewaltam festgenom- men und über die Grenze geschleppt! Der Aufenthaltsort der Entführten ist bis zur Stunde noch nicht bekannt. Die Untersuchung über die unge- hcuerliche Grenzverletzung ist sofort mit dem nöligen Nachdruck«ingelcitet worden. * Richt aufgeklärt ist sic, so weit„Der Tag" und dic andere bürgerliche Prrstc in Betracht kommt. Sie haben die Verleumdung übernommen! Die Red. I Amerikas Hiller und ■ Frau Biaschke. ■ was die Deutschnationalen ■ mrer Gefolgschaft vorschwefeln. Tic„Sudetcndeutschr Tageszeitung" ist nicht ■ nur das Organ der Deutschnationalen, sondern I„och immer.glcichgcschaltet. Wo und toann sic W sann, sührt sie wahre Kunftstückc an Mastdarm- ■ Akrobatik auf; das Objekt ist immer der Freund V Hugcnbcrgs, Herr Hitler. W In der Ausgabe vom 27. Juli hat diescS W Maine Naziblätt sogar— an leitender Stelle! I— die Stirn, die Wirtschaftsmaßnohmcn des n amerikanischen Präsidenten zum Anlaß zu nch- ■ mm, Roosevelt mit dem Schimpfnamen„Amcri- I los Hiller" zu belegen. Roosevelt hat nach der Darstellung der„Su- ■ dklrndculschrn Tageszeitung" gewissermaßen eine n geistige Anleihe bei dcm Hunnenkönig gemacht, ■ alt er sein WirtschaftSprogrämm zusammenstcllte. I TaS sei auch ganz erklärlich, denn dic Hanptauf- I gabt Hitler» und Roosevelts sei rS,„Millionen W darbender und hunacrndcr DolkSgenossen wieder d in den Arbeitsprozeß rinzugliedrr»." Ta gelte cS, h alte und überlebte Formen über Bord zu werfen I und den Staat noch neuen Ideen anfzubauen. I Tic industrielle Planwirtschaft Roosevelts wolle h sowohl den bodenlosen Konkurrenzkampf, al» auch n dir Überproduktion ei»dämmen, der keine ähn- I licht Zunahme der Kaufkraft grgenüberstehc. Er I jri gewillt, mit den beherrschenden Stellungen I dcr Zndustriemagnaten oufzuräumcn. Das ist alles richtig; Roosevelt hat da» ge- e sogt und ist schon daran gegangen» seinen Worten d dir Tat folgen zu lassen. Allerdings sind seine > Ideen nicht neu: dic Herabsetzung dcr Arbeitszeit n üi gleichzeitiger Erhöhung der Ähne, die einzige | Möglichkeit zur Hebung der Kaufkraft und Be- ■ kämpfung der Arbeitslosigkeit, wurde schon vor n Roosevelt von Dutzenden sozialdemokratischen I WttschastSprogrammen verhandelt. Geheimnisvoll, undurchsichtig ist aber dcr j Zusammenhang, den diese Maßnahmen mit I dcm Wirtschaft-Programm Hitlers haben sollen. Soweit wir unterrichtet sind, hat die Prima- I domra dcS Nationalsozialismus vor der Macht« I Übernahme zwar versprochen, di« Arbeitslosigkeit I in ganz kurzer Zeit zu beseitigen und darüber I hinaus den„deutschen Sozialismus" zu verwirk- | lichen, es ist aber außer der Ankündigung eines I AirrjahrSplanr» ohne Inhalt und außer dcr I Aufforderung am 1. Mai, di« Häuser anzustrci- ch«n, nichts geschehe», wo» zur Ankurbelung der I Dirtschaft beitragen könnte, geschweige denn dem I MrtschaftSprogramm Roosevelts auch nur cnt- I sttnt ähnelte. Wenn Roosevelt die Löhne erhöhen will, I so hat Hiller durch den Bruch dcS TarisrechtcS I lind das„freiwillige" Notopfer, da» ave Arbeit I ttr und Angestellten leisten müssen, die Kaufkraft I der Masten gesenkt. Roosevelt will die Ar» I britSzert verkürzen; im Dritten Reich kann kein« Rede davon sein. Roosevelt will die Fndustriemagnaten auS ihren be- ! herrfchenden Stellungen werfen, Hitler aber hat sie soeben in diesen Stellungen nicht nurbestötigt, sondern sie mrt außer ordentlichen Vollmachten ausgc- stottet, Roosevelt will di« Profitwirt schaft rindammen, Hiller ober hat ihre Heiligkeit verkündet. Wenn etwa» richtig ist an der Behauptung, dic Rooseveltschcn Ideen seien notionalsozialistt- sches Gedankengut, so muß doch gesagt werden, daß cs sich um jene nationalsozialistischen Programmforderungen handelt, die in der Zeit der Propaganda aus dem sozialdemokratischen Programm abgcschrieben und in der Zeit der Machtausübung schmählich verraten wurden. Denn das unterscheidet Roosevelt von Hitler, daß er seine Versprechungen wahr macht, während Hiller jene, die an sie erinnern, in Konzentrationslager stecken läßt. Der nationalsozialistische Wirtschaftskurs, der noch der„Sudetrndeutschen Tageszeitung" dem Programm Roosevelt» gleicht wie ein Ei dem andern— er ist daü gerade Gegenteil planmäßiger Wirtschaftsführung. Die Herren Kapitalisten in der„Sudetrndeutschen Tageszeitung" loben Roosevelt, der ihnen hier zu ihrer Freude nicht befehlen kann, damit sie einen Strahl seines Ruhmes auf den Mann lenken können, der zwar Hugenberg verraten hat, sich sonst aber als der bravste Kapitale st enknecht erwiesen hat: aus eben jenen Hitler, der d>« deutsche Wirtschaft vergeblich neu aufbauen will, nachdem er sie zerstört hat. Rach der„Sudetendeutschen Tageszeitung" bemühen sich nrlr Hitler, Mussolini und neuer«' dings auch Roosevelt um die Beseitigung dcr Ar-| beitSlosigkc'it. Alle drei haben Ermächtigungen.| Dem Mussolini haben sie bis jetzt nichts genutzt, l Herrn Hitler werden sie nichts nützen. Und auch an! Roosevelt freut sie im Grunde nur, daß er ein« I Ermächtigung hat. Ihm fällt allerdings 1 1. Mertmlionaler ArbeitersMllag, Aussig am 4., 5. und 6. August Bor fünf Wochen sind in dem Berliner Borort Köpenick grausamste Mißhandlungen durch dir SA begangen worden, bei denen der Gcwerk- schaftsangcstellle SchmauS, dcr ReichStagS- abgcorducte Stelling, der ReichSbannerführcr von Essen und noch weitere etwa zwölf Personen ermordet wurden. Ter„Reue Vorwärts" m Karlsbad veröffentlicht jetzt eine erschütternde Schildcniiig eines Arbeiters, dessen Körper eben- fall» noch heute sichtbare Spuren dcr^ damals erlittenen grausamen Mißhanolungen trägt: „Gegen 2 oder halb 3 Uhr nachts wurde aus dcm Keller dcr alte GewerffchaftSsekretär SchmauS und rin zweiter Mann gebracht, der so zerschlagen war, daß ich ihn nicht erkennen konnte. Der Mund war ihm cingcrissen, die Haare waren ihm abac- schoren, im Kopf befanden sich mehrere blutens« Löcher. Das ganze Gesicht war blau verschwollen. Der Truppfuhrrr trat nun vor, hielt eine An- spräche für die toten SA-Leute und erklärte:„Herr Ministerpräsident Stelling bitte!"; darauf erhob sich neben mir der Mann, den ich wegen seiner schweren Verletzungen nicht tvieder erkennen konnte. Es war dcr Genosse Johannes Stelling. Der Unglückliche, der sich kaum noch bewegen konnte, wurde aufaefordert, die Hosen herunterzulasten. Dann wuroc er über den Tisch gelegt und mit einer anderthalb Meter langen und 2 bis 3 Zentimeter breiten Lotte geschlagen. Weiter« Schläge wurden mit Schleppsäbel. Rohrstöcken und dünnen Baumasten auf Oberschenkel, Gefäß und Rücken geführt. Während Stellings Schmerzensschreie in ein Wimmern übergingen, wurde er mit denselben Werkzeugen über den '»MSV Sette 4 T agesneuigkeiten Die vaskriegvorberettungeu. London, 26. Juli.(Insa.) Der englische Schriftsteller Beverley Nichols hat soeben «in Buch, betitelt„Ery Havoe", hcrauSgegcben, daS sensationelle Enthüllungen der blutigen RüstungSinternationale für den kommenden Gist- gaSkrieg enthält. Beverley beschreibt die Arten der neuesten Giftgase und ihre Wirkungen. Beverley erklärt, daß 36 Flugzeug« genügen würden, um innerhalb 3 Stunden in der Weltstadt London srdeS Lebewesen mit dem fürchterlichen Lewisit. Ga» auszurotten. Kürzliche Lust-Manöver haben ergeben, daß von 250 Flugzeugen nicht weniger al» 237 die intensivsten Abwehrsperrseuer durch, fliegen konnten und nur 13 in die Lichtkegel, die den Abschuh bedeutet hätten, gerieten. Die Pro. duktionSsähigkeit an Giftgas wurde in der letzten Zeit auherordentlich gesteigert. So soll ein« amerikanische Fabrik in der Lag« sein, allein 860 Tonnen Aistga« im Tag zu sabrizieren. Di« Ameri. kaner haben ein besonder» gefährliche» flüssig«» GaS erfunden. Drei Tropfe« davon auf die Kleider eines Menschen genügen, diesen zu töten. Erdbeben in der Türkei. Ankara, 27. Juli. In der Gegend von Tschivril sind fünf neue heftig« Erdflöhe verzeichnet worden. 43 Häuser wurden zerstört. Schadenfeuer in Rordböhmeu. Au» T c t s ch e n wird uns geschrieben: In Markersdorf brach Mittwoch auf dem An- wesen des Klcinlandwirtes und Versicherungsagenten Franz Fieber aus unbekannter Ursache ein Feuer auS. In kurzer Zeit standen die Scheune und das einstöckige aus Hol; gebaute Wohnhaus in Flammen. Es gelang lediglich, das Bich und einen kleinen Teil des Wohnungsinven» tars zu retten.— In Freudenberg ist eine vor einem Jahre neu erbaute Scheune abgebrannt. Maffeuvergistung durch Alkohol. 11 Personen tot, 2 erblindet. Philadelphia, 27. Juli. Mittwoch sind hier ein« ganze Reihe von Personen nach dem Genuß von Alkohol, den die Alkoholschmugglrr aus der nächsten Nachbarschaft in der Stadt Philadelphia verkauft hatten, unter schweren Dergistungs- erscheinungen erkrankt. Bis zum Abend sind elf Personen gestorben und zwei Personen erblindet. Man erwartet weitere Todesfälle. Die Aerzte untersuchen die Bcrgistungsursachc. Die Alkohol» schmuggler bezeichneten ihr Getränk al» ,^uppe" und verkauften cS zu 25 CcntS pro Pint. Pier Männer wurden verhaftet. Sie gestanden, Alkohol verkauft zu haben. (Anmerkung der Redaktion: Tas Symptom de» Erblindens weist darauf hin,' daß es sich offensichtlich um Spirituosen handelt, die aus i^m billigen Methylalkohol, der stark giftig ist. herge- stcllt würden.) Das Wolff-Büro verlautbart... Berlin, 27. Juli. Taü Wolfs-Büro meldet: Heute nachts haben auf dem Tempelhofer Feld unbekannte Täter die ,Hindenburg-Eiche" etwa in der Höhe von einem Meter abgesägt. Die Kriminalpolizei hat die Nachforschringen noch den Tatern sofort oufgenommen. Der städt. Parkwächter stellte aus seinem stündlichen Rundgang um 2 Uhr 30 fest, daß die. Eiche abgesägt war, während sie vor einer Stunde noch vollkommen unbeschädigt stand. Die Täter, die bisher noch nicht ermittelt werden konnten, müssen den 2 Meter hohen, mit Stacheldrabt gesicherten(!) Zaun überklettert haben, um zu der Eiche zu gelangen. Ter Zaun wies Spuren der Uebcr- steigung aus, während da« Tor vollkommen unbeschädigt war. Das Wolffbüro verlautbart um 18 Uhr in seinem Zirkularrundfunk kür die reichsdeutschrn Blätter: Die Meldung„Schändung der Hindenburg-Eiche" wird zurückgezogen. Auf Anordnung des Geheimen Staatspol-zciamte» darf über diese Angelegenheit nichts veröffentlicht werden. Levralrauke brechen aus. Bukarest, 28. Juli. Aus dem Lepralager in Tichilcsti entwichen am Mittwoch sieben Leprakranke. Sie kamen in das Städtchen Jsacra, dort verursachte das Erscheinen der durch die Krankbeit stark entstellten Leute eine Panik. Die Kaufleute ließen die Rolläden herunter unb die Pas. santen flüchteten entsetzt. Erst am Abend gelang es, die halb betrunkenen Kranken nach dem Lager zurückzuschaffcn. Dir Polizei untersucht, in welche Gastwirtschaften die Leprakranken während ihres Besuches eingekehrt sind. Slue-audgrauate exvlodiert. Zwei Tote, vier Verletzte: Budapest, 27. Juli.(MTJ.) Bei militärischen Hebungen in der Nähe von Miskolcz explodierte eine scharf geladene Handarangte vorzeitig. Ein Oberleutnant und ein Unteroffizier wurden getötet. Bier Soldaten erlitten leichtere Verletzungen. Freitag, 28. Jufi 1988 Bemerkungen. Bänke für Jndenkinder. Mathilde Wibaut ver- öfienilicht in einer Frauenzeitschrift rin« Reportag« ouS Deutschland, in der sie berichtet, daß an vielen Orten in Deutschland in den Park« Bänke mit der Inschrift„Bänke für Judenkinder" zu finden sind. Immerhin zeugt e« von Großmut, daß Judenkinder im Dritten Reich noch anderSwo sitzen dürsen al» in Konzentrationslagern und Gefängnissen. * Die Frau im Dritten Reich. Eine Betrachtung in der größten Hamburger Zeitung über di« Frau von heute stellt das Ideal des Dritten Reicher auf. Die Frau von gestern, daS ist der„sportlich« Typus, schmäle, schwanke Frau mit Bubenkopf, die Mten- mappe unter dem Arm", aber di« Frau von heute, ist di« Frau„wieder mit Rüschen und Bändern und mütterlichen blonden Haarknoten im Nacken."■ UnS scheint daS eher die Frau von vorgestern zu sein — wie daS ganze Tritte Reich etwa» Vorgestriges ist. * Da» Dritte Reich geht betteln. Um Var- Wechslungen zu vermeiden, weisen wir noch darauf hin, daß diese„Adolf-Hitler»Tprnde der deutschen Wirtschaft" nicht identisch ist mit der„Freiwilligenspende zur Förderung der nationale« Arbeit"(wt- beitSspendeugesetz vom 1. Juni 1933). Sir ist auch nicht identisch mit der„Stiftung für die Opfer der nationalen Arbeit", zu der.Herr Reichskanzler im Anschluß an den Feiertag der nationalen Arbeit" aufgerusen hat.(AuS einem Rundschreiben der„Be rufsgenossenschaft für den Einzelhandel".) Hier hat der Nazigeist ober wirklich schöpferisch gewirkt. ♦ NSDAP. Ja, sa! Die einen lesen daS so: Narionalsozialistische-Teutschc-Arbeiter-Partei. In Deutschland hat man dafür bereits ein« viel bessere LeSärt. Sie heißt? Na, suchst du auch ein Pöstchen? * SUßheil! Ter Präsident d«4 deutschen Kondi- torenbundeS, Funke-Kaiser, rühmte di« Verdienste ter Dresdner Innung und des sächsischen Verbautes. Er brachte auk sie ein dreifache» Süß-Heil auS.(Bericht der„Dresdener Nachrichten".) ES wird nicht lange dauern, bis auch diese Milch sauer geworden ist. * Die 30.00» Jahre de« Herrn Himmler. Dir Rcichssührung der SS hat von ter Gräfin Lipp« eine romqntische Burg gepachtet, um hier für 99 Jahre daS Rafscamt der SS zu etablieren. Ter Reichsführer ter SS hielt im Rat- Haus de» kleinen OrteS eine Ansprache, in der er bemerkte, so lächerlich da- klingen könnte, er, Himmler sei fest davon überzeugt, daß von nun ab ein neuer„Geschichtsraum" begonnen Hobe, der sich Uber SO- bi» 30.000 Jahre ouSdehnrn werde. In der SS fei feit Jahren da» beste Blut gesammelt und das werde nicht nur so lange Vorhalten, sondern die ganze Welt erobern. Sonst heißt es. daß Lächerlichkeit tötet. Solche Lächerlichkeit aber wird Herrn Himmler vielleicht doch der. Nachwelt erhalten— weuigften» auf ein paar hundert Jahr«! Rotte»ffntführer fast straflos. Konstanz, 27. Juli. Am Mittwoch standen die Teilnehmer an der am 5. April 1933 versuchten Entführung der Gebrüder Rotter, alias Schahs in Liechtenstein wegen Freiheitsberaubung und versuchter Nötigung vor der Strafkammer des Landgerichtes Konstanz. DaS Urteil lautet: Die Angeklagten Witt, Wieser, Lehmann und Görtz werden zu ie drei Monaten Gefängnis verurteilt; der Angeklagte Trom. Meter wird f r e i g c s p.r o.ch.e n.' Die- Kosten, soweit sic-den Freispruch betreffen, trägt die Staatskasse...'- Heute Weiterflug Balbo» , Shoalharbour(Neufundland), 27.' Just. (Reuter.) Luslfohrtsminister Balbo. erklärte, sem Flugzeuggeschwader werd« am.. 28.--Juli i» Shoalharbour starten und die sogenannte Nordroute über Irland nach Italien einschkagen., Achtung! Hochspannung!-Daspreußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst ürid Volksbildung— es heißt unverzeihlicherweise noch immer so— hat einen„Runderlaß", herausgegeben, nach hem an den. Umve'rsitäts- und Alodemiebibliotheken„marxistische und jüdische Werke" nur unter besonderen Vorsichtsmaßregeln aüsgegeben Meriden.sollen! Den Gesuchstellern soll erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet werden. Das wird, lustig werden, wenn die scharfschießenden Agenten der.geheimen Staatspolizei die-lernbegierigen Dekadenten, die schamlos genug sind, auf. einen Marx-.oder Wassermannband zu spekulieren, ins Kreuzverhör nehmen. Man wird zu der verfemten Literatur wahrscheinlich■'• Nur• näch pflichtgemäßer Einnahme zahlreicher Mengen von Rizinusöl gelangen. Jsolier'handschuhe und Desinfektionsmittel, werden die. verhängnisvollen Folgen so suspekter Literatur mildern müssen und am Schluß kann man den Delinquenten ja, um eine Uebertragung der gefährlichen Krankheit zu verhüten, ümbringen. Die" verbleibende Masse der gleichgeschalteten Akademiker aber wird, nach intensivstem Genuß erzbrauner Rasselcktürc, so ausreichend verblödet sein, daß sie genüget' präpariert ist, die höchsten Posten des Dritten Reiches mit dem beabsichtigten Erfolg zu bekleiden! 32 Grad im Schatten zeigte gestern das Thermometer in Prag. Eine so hohe Temperatur wurde schon seit' Jahren' nicht gemessen. Die Gluthitze wirkte lähmend; das sonst brausende Leben der Großstadt wickelte sich müde und schleppend ab. Zu Mittag schien die Stadt wie ausgestorben, wer halbwegs konnte, hatte sich in das keineswegs erfrischende Moldauwasser gerettet. Die Wcttermacher verheißen' ein Anhalten der schönen Wrtterung. Also ist noch mit einem Steigen der Temperaturen zu rechnen. Das ist, trotz dem Schlechtweiter der letzten Wochen, nicht sehr beglückend. Pari»: 37 Grad Eelsiu» im Schatten! Seit zwei Tagen ist Paris von einer geradezu tropischen Hitzewelle helmgesucht. Am Donnerstag zeigte das Thermometer im Innern der Stadt Temperaturen bis zu 37 Grad im Schatten und über 49 Grad in der Sonne. Vor dem Eingang in die Pariser Schwimmbäder stehen von den frühen Morgenstunden angefangen Hunderte von" Menschen Schlange. Längst der Seine sind zahlreiche Strandbäder improvisiert worden, wo Tausende von Parisern nach Arbeitsschlpß Abkühlung suchen. In- den-großen Warenhäusern von Paris konnte kein einziger Badeanzug mehr aufgetrieben werden. Die Frauen im Dritten Reich. Aus Antrag der NSDAP, hat die'Stadt' Mettmann bestossen, sämtlichen bei. der Stadtverwaltung und bei der Sparkasse beschäftigten Frauen zu kündigen. Ein Schwarzsender nimmt Abschied. Der Schwarzsender in T e v e n t e r in Holland, der trotz aller Bemühungen der Polizei nicht entdeckt werden konnte uttb eine Zeit lang das Tagesgespräch in Holland bildete, hat seine Ueber- tragungen jetzt endgültig eingestellt. In einer Mfchiedsrede teilte der Ansager den Hörern mit, daß der Rückgang der Einnahmen Grund für die BetriebSeinstellung ist und schilderte eingehend, Wie es gelungen sei, die Polizei ständig an der Nase, herumzuführen. Seitdem die Polizei daraus verzichtete, den Sender ausfindig zu machen, War das- Interesse an den Urbcrtragungcn stark gesunken.-. Auch dir Schlangen lieben Rodiotonzmusik. Das mordäfrikanische Radio hat seinen Hörern eine ebenso interessante wie originelle Sendung beschert.' Die Schlangenbeschwörerin Astoya hat vor'dem Mikrophon ihre geheimnisvolle Kunst der Welt offenbart. Sie erzählte, daß die Phytonschlange in. Senegal. sich daran gewöhnt Hot,'auf ihrem Lager einzuschlafen und wie sie sich sogleich vvn lihrem Lager wieder erhebt,' sobald ihre Herrin, ihrer kleinen Flöte geheimnisvolle Tchre entlockt Nun hat aber das Radio die Flöte ersetzt utü> die Schlangenbeschwörerin versichert, daß ihre Liobkingsschlangc sogleich rhythmische Bewegungen vollführt, wenn sie das Radio auf London einstellt-und. der Lautsprecher Jazzmusik wieder- gibt,,'.■:: Selbstmörder wird gesunden. Aus Jglau wird uns.- geschrieben: Bei Blizkov im Bezirk BelkeMezirici wurde am Mittwoch, den 26.d»., in-den Feldern die bereits stark in Verwesung übcrgegangene Leiche eines jungen Mannes gesunden, der mit Lysol Selbstmord verübt hatte. Die. Flasche mit einem Rest dieser Flüssigkeit wurde unweit der Leiche gesunden. Die Gendarmerie stellte fest: daß es sich um den 19jährigen Johann' D o 8,c k, Sohn eines Arbeiters, aus der Hulä-Mühle bsi.Jglau lxmdelt, der seit dem 20. Juli pormjßt würde. Die. Ursache des Selbstmordes ist'bisbe.r unbekannt -'.-Juden, werden ausgehungert. Wie der„Neue Vorwärts"^mitteilt, hat die nationalsozialistische Bereinigung der Rechtsanwälte an alle arischen Anwälte ein.vertrauliche» Rundschreiben gerichtet, in- dem sic dazu auffordert, Feststellungen zu treffen darüber, welche Leute in Deutschland sich überhaupt noch von nichtarischen Anwälten vertreten ließen. Alle diese Fälle, gleichzeitig, ob cs sich um-prozessuale Angelegenheiten, oder sonstige Rechtsgeschäfte handelt, sollen auf das genaueste festgestellt werden. Man will auf diese Weise auch den formal zugelassenen jüdischen Rechtsanwälten, also den-alten, die seit mehr als 20 Jahren tätig sind,.'und den Frontkämpfern, jede Betätigung unmöglich machen. Es ist ein richtiger Aushun- gerUngsfeldzug, in dessen Beute sich die nationalistischen RcchsSanwältc teilen wollen. Ein jugöflawischcr Soldat mordet in Oesterreich.-' Auf der Riegcrsdorfcr Alm, nächst dem Wurzisnpaß, wurde zwanzig Schritt von der jugoslawischen Grenze entfernt ein fünfundzwanzig- bis dreißigjähriger Mann von einem jugoslawischen Soldaten erschossen. Nach der Aussage eines-Hirten soll der Posten den Mann angc- rüfen und um seine Papiere gefragt haben. Dieser erwiderte,.cs gehe den. Soldaten gar nichts an, was' er' tue, und näherte sich dem Posten auf vier Schritt, worauf dieser ihn durch einen Schuß nicderstreckt«. Der Erschoßene soll Schmid heißet» und wollte auS Jugoslawien nach Oesterreich flüchten. Rieftnbrand an der Mosel. In der Nacht zum Donnerstag brach in dem Hause des Winzers Kieren-in Graach an der Mosel Feuer aus. DäS Haus und fünf andere Wohnhäuser wurden dü'rchdie^Flammen vernichtet, da die große Trockcicheit die schnelle Ausbreitung des Brandes sehr'begünstigte. Acht Familien sind obdachlos geworden. Der Viehbestand konnte gerettet werden. .„Pharao Hitler."„Daily Herald" meldet, daß einflußreiche jüdische Organisationen sich an mehrere europäische Regierungen, aber auch an „... aber mit Vergnügen werde ich Sic I Schwimmen lehren— ich muß nur erst meiner Frau beibringcn, wie man fünf Minuten unter Wasser bleibt!" niiiNiiiiiiiiiiiliiiitiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiHiiiHiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiimiiiiiiiiitiiiiiiiiiiitiimimmtitiiiununa Argentinien, Brasilien, die Türkei und Persun gewandt haben, um die Unterbringung der jüdischen Opfer des Hitler-Terrors zu erleichtern. Man rechnet auf„400.000 Opfer des Pharao Hitler", Ter australische Berteidigungsministcr George Pearce hat mitgctcilt, daß er sich durch, aus für eine große jüdische Kolonie in Nord. Australien einfctzcn werde, auch die türkische Regierung soll bereit sein, eine große Anzahl jüdischer Intellektueller auszunehmen. Die persische Regierung hat Interesse für jüdische Tech, nikcr und Ingenieure. Auch von einem Projekt, in Südfrantreich und Marokko jüdische Siedbni» gen anznlegen, wird gesprochen. Der Expreßzug Pari«—Bordeaux ist Tön- nerstag nachmittags 40 Kilometer hinter Angou- leme entgleist. Zehn Reisende wurden mehr oder minder schwer verletzt. Die Bahnstrecke ist verschüttet, so daß der Zugsverkchr umgeleitct werden muß. Die Ursache des Unglücks ist zur Stunde noch nicht bekannt. Der Stadtrat nach dem Führcrprinzip. Im Stadtrat von Hildburghausen hat der thüringische Landtagspräsident, der im Privatberus Schulmeister ist, als Vorsitzender der nationalsozialistischen Fraktion die programmatische Erklärung abgegeben, daß der Stadtrat von Hildburghausen den Parlamentscharakter ablchnl: Er wird nicht mehr debattieren, nicht mehr wählen und nicht mehr abstimmcn. Will jemand einen Antrag einbringen, so soll er ihn Vorträgen, dann entscheidet der Fraktionsvorsihendc der NSDAP, endgültig darüber, ob er angenommen wird.— Kann man das nicht auch telephonisch erledigen? Die SchmetterlingSwolk«. Die Bewohner von Nordkalifornicn wollten eines schönen Tages ihren Augen nicht trauen. Plötzlich schwebte enie orangcrotc Wolke am Himmel Heron, senkte sich aus die Wasserfläche des Tahoesecs herab und verweilte dort- einige--Zeit-.- Plötzlich erhob sich diese W.y/sfe wieder und entschwebte gegen das Sierra-Nevada-Gebirge, um dort die Bewohner neuerdings in Staunen, Bewunderung und Entzücken zu versehen. Manchmal schien diese ein« große Wolke in viele kleine Wölkchen zu zerflat« tern. Dann vereinigten sich diese kleinen Wölkchen wieder zu einer einheitlichen Masse. Die orangcrotc Wolke bestand aus Tausenden und aber Tausenden von Schmetterlingen, die vom Süden aus das nördliche Gebirge Luwanderten. Diese Art van Schmetterlingen wechselt alle sieben bis acht Jahre ihre Futterplätze. Die kleinen bunten Flieger flogen nun wieder einmal in das Gebirge, um sichs dort an wildem .Flieder und anderen aromatischen Blumen Wohl 'fein zu lassen. Hitlermädchen sollen nicht marschieren. Beim Tag der Hitlerjugend erklärte der Führer von Schirach, das Marschieren sei eigentlich keine frauliche Eigenschaft, die Mädchen hätten mütterlich zu sein. Bon einem katastrophal«« Brande wurde die Gemeinde Simirky in der Brchovina(Karpatho- rnßland) heimgcsucht. Es verbrannten sechs Wohngebäude, vier Ställe, zwei Scheunen, vier Heuschober; außerdem wurden zwei Wohngebäude schwer beschädigt. Die ganze Gemeind«, deren Gebäude durchwegs ans Holz sind, wurde nur durch die aus. 'opfernde Arbeit der Feuerwehr und der Einwohnerschaft vor dem Untergang gerettet- Ein kleines Kind erlitt Brandwunden. Vom Rundfunk Radio Toulouse, sendet wieder. DaS offizielle französische Amtsblatt veröffentlicht ein Dekret, wonach die Radiogescllschaft von Toulouse die Sendungen mit dem neuen Sender von St. Aignan wieder aufnehmen darf. Damit werden die Scn- dnngen der südfranzösischen Station, die sich großer Beliebtheit erfreuen, regelmäßig wieder zu hören sein.- Empfehlenswertes aus den Programmen. Samstag. Prag: 11.00 Schallplatten, 14.50 Nachmittags- konzert, 18.10 Schallplatten, 18.30 Deutsche Sendung; Zehn Minuten Aktuelles, 19.10 Frauentypen, 19.25 Blasmusik, 22.15 Aus der Filmwelt. 7- Brünn: 12.30 Mittagskonzert, 17.45 Stu- denienwanderungen in den Ferien, 20.00 Deu. tsche Sendung. 22.00 Bunter Abend.-- Men: 15.15 Chorvorträge, 18.25 Der Mond im Lied, 19.15 „Fidelio"-, Oper von Beethoven.— Franffurt: 15.30'Stunde der Jugend.— HeUsberg: 20.05 Festkonzert. Breslau: 20.45 Deutsche Ouvertüren.— Mühlacker: 15.10 Zitherkonzert, 15.30 Stunde der Jugend. Leipzig: 14.45 Kinderstunde, 18.30 Liedcrzyklur. Berlin: 17.30 Hinter den Kulissen des Films. Langenberg: 20.00 Heiterer Abend,— München: 17.45 Stunde der Jugend, 21.00 Zitherkonzert. Är. 174 Fr«!lag, 38. Juki 1933 - Sette S Einige Fragen an Ole Noziregiernng! „Gewiß, Herr Professor," versichert unser Kollege,„zuerst war e» un- ja unheimlich: aber daS hat sich gegeben. Nur einer der Kranken... ja, der ist furchtbar ganz furchtbar, Herr Professor." ■„so?" Die farblosen Augenbrauen des Chefärzte» heben sich und seine vergnügten Aeugle in werben kugelrund vor Staunen,„sooo? Welcher denn?"„Willen Sie, dieser entsetzliche, schwarzhaarig« Bursche, der da vorn in der Mitte saß..." „WH" „Wissen Sie, Herr Professor— der Mann ist kein leichter Fall. Der ist gefährlich— bestimmt!" Der weißhaarige Professor legt beschwörend den Finger auf den Mund. Aber unser Kollege fährt fort:„Fortwährend hat er, ohne da» Gesicht auch nur zu verziehen, auf die Bühne ge- starrt... unheimlich... direkt, wenn ich so sagen darf, dämonisch!" „Aber um GotteSwille, pflst!" unterbricht ihn der Arzt,„nit so laut! Das is doch mein Assistenzarzt— da oben am Tisch sitzt er doch >md macht hem kleine Fräulein Marti den Hof..." Hedwig Erck. Was der Lrrk sagt Hexenschuß. Der„Hexenschuß", auch„Drachenschuß" genannt, ist ein allgemein bekanntes Leiden. Der Nanic deutet schon auf die Plötzlichkeit des Auftretens hin; eben ging cs einem noch recht gut, da setzt man sich z. B. auf das Bett, und im Moment, wo man sich wieder aufrichtcn will, kann man sich wegen heftigster Schinerzen In der Gegend von Kreuz und Lenden einfach nicht mehr rühren. Man weiß auch nicht: hat diesen Schmerz eine ungeschickte Bewegung ausgelöst, oder Ist er eine Folge plötzlicher starker Abkühlung und Erkältung?— Genau so wenig wie der Betroffen«, weiß der Mediziner ganz genau über die Ent- tehung dieser Schmerzen Bescheid: ES gibt Leute, die bei feder Einwirkung von Zugluft auf den Nacken einen„steifen Hals" bekommen, aber andererseits ist jedem Arzte bekannt, daß viele Patienten auS der körperlich schwer arbeitenden Bevölkerung auf Grund von Muskelzerrungen durch Heben, Trage», kurz, eine äußerliche Zerrung der Muskeln, die gleichen Beschwerden aufweisen, Im allgemeinen werden- sowohl der Heyen- chuß wie der steife Hals zu den rheumatischen Erkrankungen gerechnet.. ES handelt sich um dem MnSkelrheumatiSmnS nahestehende Erscheinungen Eine MuSkrlgruppe, manchmal sogar nur ein ßnglify wolen. Mein Freund Wilhelm tvill nach Amerika auswandcrn. Warum er aus Europa weg will? Er hat Gründe. Also lernt er Englisch. Mehr al» 1000 Worte. Aber: es fehlt ihm an Konversation. Was tut man in solch einem Falle? Man sucht Anschluß an englischsprechende Mitmensen. Wilhelm aber ist ein Feind aller Gesellschaften. Nun gab ihm vor einiger Zeit ein Bekannter einen Tip.„Wenn Sic in keinen Klub und keine» Zirkel gehen wollen, um Ihre englischen Sprachkcnntnisse durch Konversation zu vergrößern, dann gehen Sie ganz einfach in da» Hosen- !nöpfegeschäft in der Wassergasse. Im Schaufenster dieses kleinen Ladens werden Sie eine cng- ische Flagge und eine Ankündigung„English spoken" sehen. Also machen Sie dort öfter Ein- !äusc, suchen Sie lauge in den Ihnen vorgelegten Knöpfen und sprechen Sie tvährend dieser Zeit mit dem Verkäufer englisch. Jeden Tag eine halbe Stunde. Das kostet Sie fast nichts, denn Hosenknöpfe sind sehr billig." Mein Freund war von der Idee begeistert. Er begann sofort mit den Lektionen. Täglich kaufte er mindestens' ein Dutzend Hosenknopfe. Blaue, grüne, rote, violette, kleine, mittlere, große. Ja sogar Untcrhosenknöpfe. Er hatte in einer Wohnung in kurzer Zeit ein reich sortiertes Lager und seine englifehcn Sprachkenntnisse Ivurdcir immer größer. Eures Tages fragte er den Ladenbesitzer:„Kommen denn zu Ihnen gar so viel englischsprcchcndc Kunden, daß Sie eine spezielle Ankündigung ins Schaufenster hängen mußten, die Ihre Englischkenntnissc knndmach- tcn? Ter Ladenbesitzer antwortete: DaS hat einen besonderen Grund. Ich will nämlich meinen kleinen, schlechtgeherrdcn Laden verkaufen und nach Amerika auSwandern, wo ich Verwandte habe. Meirre englischen Sprachkcnntnisse waren aber sehr gering und so kam ich auf den Gedan- ken, sie mit Hilfe meiner Kunden zu erweitern. Seil dem Tage, da ich die Ankündigung„English. Polen" im Schaufenster habe, hatte ich Gelegenheit zur Konversation, lind-nm ehrlich zu sein, Sie, Sie waren nicht nur meine beste Kund- chaft, sondern bei Ihne», habe ich auch ani meisten gelernt. r. p. Muskel, sind befallen. Fieber tritt nur ganz selten auf, uiid eine Analogie zum"Gelenkrheumatismus (bei dem stet» fast all« Gelenke gleichmäßig von hef'iglten Schmerzen befallen werden) besteht nicht. Den» die Aehnlichkeit beider Erkrankungen besteht glücklicherweise nur in der BelrxgungS- hemnning und dem Schmerz. Niemals, jedoch wird, was besonders wichtig ist, daS Herz angegriffen wie bei und nach Gelenkrheumatismus. Es gibt für diese Erkrankung einzelner Mnskclgruppen prädestinierte Menschen. Statt an irgendeiner Forni der Erkältung wie Schnupfen oder Katarrh leiden sic unter den geschilderten oder aber auch unter RhenmaliSmu» der Brustmuskeln(Jntercostalneuralgie), die dadurch besonders unangenehm sind, daß sie beiin Atmen, Husten usw. furchtbar schmerzen. Vielfach findet man auch KopsrhcumatiSmuS; die Schmerzen unterscheiden sich von anderen Kopfschmerzen dadurch, daß jede Verschiebung der Kopfhaut unangenehm ist und oft auch die Seiten deS Gesichts die Empfindung verursachen, als seien sie wund. DaS einzig« Gute ist, daß die geschilderten Beschwerden meist bereits nach wenigen Tagen, häufig sogar innerhalb 24,bis 48 Stunden zu beseitigen sind. Allerdings besteht die Neigung zu Rückfällen. Durch sofortige» Einnehmen von Salizylpräparaten— ganz gleich, ob man Aspirin, Salipyrin, Gelonida antineuralgica usw. nimmt — bessern sich die Schmerzen meist schon inner-, halb einiger Stunden. Die Salizylpräparate wirken eigentlich all« sehr gut; meist wissen die Betroffenen aus eigenr« Erfahrung, welche» der vielen Präparat« ihnen am sichersten und schnellsten hilft. Da» ist individuell ganz verschieden, und wir stellen immer wieder fest, daß die Patienten sich die Mittel am besten selbst anSsuchrn. Irgendwelche Nebenwirkungen, wie Magenstörungcn(Drucken usw.), lassen sich leicht beseitigen, wenn man nach dem Cinnehnien der Tabletten etwas Natron in Wasser gelöst trinkt. 'Sehr angenehm wird ost trockene Wärme wie das Auflegen heißer, trockener Tücher empfunden. Andere bevorzugen wieder heiße Breiumschläge, Heizkissen usw. Auch Einreibungen mit Kampferspiritus, den vielen angcbolencn Salbe» und Oelen gegen rheumatische Schmerzen Haien guten Erfolg, weil sie die Haut örtlich reizen und zur gesteigerten Blntfülle des erkrankten Gewebe» führen, die sich unter Brcnnschmerz, Wärmeempfindung und Rötung angenehm auswirkt. Schwitz- und Badekuren helfen in solchen Fällen besonders nachhaltcnd, wo immer wieder Rückfälle an gewissen MttSkelgruppen auftretcn, Kicfcrnadcl- bäoer, heiße Sandbäder, Salzbäder und Moorbäder könuen zu Hans und in Badeorten wie Wiesbaden, Baden-Baden, Teplitz und Warmbrunn u. a. erfolgreich genommen werden. Nicht außrracht lassen darf man gewisse diätetische Gesichtspunkte. Besonders müssen übermäßig genährte Patienten, dir reichlich Alkohol trinken, nun weniger essen und reichlich MuSkelbcwcgung haben. Alkoholgcnuß soll nach Möglichkeit eingeschränkt werde». In de» Fällen, wo die Konstitution des Patienten besonder» zu berücksichtigen ist, muß auf jeden Fall der Rat deS ArrteS eingcholt Werden, benn nur mit einer wirklich durchgreifenden Behandlung ist der Erkrankung auf di' Dauer bcizukommen. Dr. Heß. (Fitoaa feHßvterig. In einem Irrcuhau» fälli ein Insasse seinen Acrzten durch sein vollkommen normale» Be« nehmen auf. „Wissen Sie, daß Sie in einem Irrenhaus sind?" wird er gefragt. „Ja, ich weiß eü" starrt er traurig in die Luft. „Wie ist cS denn gekommen" fragt der Arzt vorsichtig. -„Verwicklungen In der Familie haben mich hicrhergebracht.— Sehen Sie, ich heiratete eine Witwe mit einer erwachsenen Tochter. Mein Later heiratete die Tochter meiner Frau. Daburch wurde meine Frau die Schwiegermutter ihres Schwiegervaters, meine Stieftochter wurde meine Stiefmutter. mein Vater mein Schwiegersohn.— Meine Stiefmutter bekam einen Sohn, der also mein Stiefbruder war, aber er war auch der Enkel meiner Frau. Er war also der Großvater seine» Stiefbruder». Als meine Frau einen Jungen bekam, war der auch der Schtvager meines Vater»(als Bruder meiner Frau). Meine Stieftochter ist aber auch zugleich die Großmutter ihres Bruders, denn der ist ja der Sohn ihres Stiefsohne». Da ich aber der Stiefvater meines Vater» bin, ist mein Sohn der Stiefbruder meine» Later», zugleich aber auch der Sohn meiner Großmutter, da ja meine Frau die Schwiegertochter ihrer Tochter ist. Ich bin der Stiefvater meiner Stiefmutter, mein Vater und seine Frau sind meine Stiefkinder. Mein Vater und mein Sohn sind Brüder. Meine Frau ist meine Großmutter, weil sie ja di« Mutter meiner Stiefmutter ist— ich bin ein Neffe meine» Vater» und gleichzeitig mein eigener Großvater." Der Arzt begab sich in di« Behandlung seines Assistenzarztes. Im Zusammenhang mit dem am 25. Juli verkündeten Gesetze„zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" und mit den beabsichtigten Maßnahmen zur„Entmanntung gemeingefährlicher 2rxualvcrbr>cä)«r" niöchte man auch«ttvas über die zukünftige Anwendung dieser Bestimmurrgen höre». Die Tatsache z. B., daß der preußische Innenminister Herman» Wilhelm Goering im Stockholmer JrrenyauS unter der Nummer 291 und noch im Jahre 1928 in der Klinik Kahle in Köln a. Rh. als Schwermorphinist interniert tvar, und daß er in diesen Anstalten mehrmals in di« Gummi« zelle ei»gesperrt werden mußt«, beweist, daß cs sich in diesem Falle um«inen Kranken bandelt, dessen Nachwuchs mir«rbbelastet sein würde. Wird man daher auch Herrn Goering entmannen? Ein kastrierter Innenminister wäre ja eine aufsehenerregende Spezialität, wie sie sich nur daS Dritte Reich leisten kann und di« als ... Sehenswürdigkeit für den jetzt erlahmten Fremdenverkehr sehr empfehlenswert wäre! Uivd wie steht es mit-em Stabschef Röhm? Di«ser Ober-Nazi, der den weiblichen Verkehr ablchnt, was eine Suxualonomalie bcdoutet, müßte ohne weiteres al» ,,gemeingefährlich" betrachtet werden. Röhm, der jetzt auf schwarze» Iüz^lingSmaterial verzichten und sich mit tveißem, echt teutschem(wie eS in der SA. und SS. vorhanden ist) abfinden muß, bedeutet eine ständige Gefahr für das„echte Germanentum", ociu'ine homosexuell« Zukunst entgegenleuchtet! Die rcichsbcutschen Gerichte hatten sich in der Vergangenheit unzähligem«!« mit Sexualverbrechern zu beschäftigen, die sonderbarer Weis« meisten» der'Führung und Unterführung der braunen Horden angehörten. Hier ein« kleine Auswahl, di« auf Vollständigkeit keinen Anspruch erhebt: Frey Georg, Stuttgart, wurde am 3. Jänner 1932>l. o. wegen widernatürlicher Unzucht(§ 175) zu einem Jahr, zehn Monaten Zuchthaus ver. urteilt; Engel Karl, Stargard in Bommern, wurde 1922 tvegen schweren Sittlichkeitsverbrechens zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt; al» führender Nazibonze wurde er 1930«rneut wegen Sitt. lichkeiisverbrechen», begangen an s«Vn«r eigenen achtjährigen Tochter, verhajtet. Göbel Hardt Konrad, Jesberg bei Fritzlar, ein Jahr Gefängnis wegen Sittlichkeitüvcrbrcchc» an einigen minderjährigen Mädchen. Held Hermann, Hofgeismar, Jugendführer >er NSDAP., im Feher 1932. wegen gcfchlecht. lichen Mißbrauches von über hundert Kindern und Jugendlichen verhaftet. Heßberger Klemen», Führer des Jun-sturm» der NSDAP, in Hall« an der Saale, anderthalb Jahre Zuchthaus im Jättuer 1932 wegen mehrfachen StttttchkeitSvrrbrechen» an der ihm änver- trattlton Jugend, ein Knabe erkrankte so schzver, daß man ihn ins K ranken ha»ü nnterbringcn mußte! Holtz Emtl, Studienrätin Brandenburg und Reichstagsmitglied, am 6. März 1931 sechs Monate Gcfäiygnis tvegen sechsfache» Sittlich« kettsverbrechen». Laß Max, Rothmühl, am 8. Jänner 1932 vier Jahre Zuchthaus wegen Sittlick>kcitsv«r. brechens und Blutschande, begangen an seinen eigenen 19«, 11« uno 15jährigen Töchtern; letzter« erhielt«in Kind von ihrem eigenen Vater! Lehmann Kurt, Ri«sa a. d. Eloe, sieben Monate Gefängnis im Dezember 1931 wegen S i t t l i ch k«i t s v« r b r e ch« n ü. Münchmeyer Ludwig, Pfarrer und Reich». tag»mitgli«d, von dem das Schöffengericht Emden in seinem Urteil vom 7. Mai 1920 feststellt«, daß er„wiederholt an Frauen sich h«rang«macht habe" und sie sich„teil» unter Ausübung«ine» unzulänglichen Druckes, teil» indem er sich als reicher Kaufmann ausgab" gefügig machen wollt«. Ranschoff Ludwig, Führer der Jugendgruppe der NSDAP, in München, sechs Monat« Gefängnis km Dezember 1031 weg«» Sittlich« koitsverbrrch««» in fünf Fällen an den ihm an« vertrauten Jungen. Schneider Karl, Heddernheim, im März 1931 verhaftet, weil er sich tvährend der Tauer von anderthalb Jahren fortlaufend an seiner 14jährigen Stieftochter vergangen hatte. WaS soll nnt dieser auserlesenen„Führer". Kategorie geschehen? Wird man auch sie kastrier««? Oder sind sie für die moralisch«„Erneuerung" de» Volke» unentbehrlich? Eine Regierung, die sich selbst achtet, müßte doch damit beginnen, daß sic vor ollem aus den e i g c n t li Reihen de» Mist auSkehrt und, rvenn e- notwendig ist, auch vor den allerhöchsten Osafs nicht Halt macht. Ein alt«S römische» Sprichwort aber heißt:„talio pater, talis kiiino"(wie der Vater, so der Sohn); und wir befürchten ernstlich, daß, da die Bat«r der deutschen Bewegung, Hitler und Göring, wie übrig««» ihr römischer GeisteSgroßvater Musso lini, gemeingefährlich« Psychopaten und Urheber de»„Entmannungsgesetzcs" sind, sie nicht gewillt sein werden, sich und d«e„faseistische ehrwürdige Famili«" den logisch«» Schlußfolgerungen ihrer- Gesetzgeber«! zu-» unterziehen!. Dr. B. M. Strohhalm wie ein Lorgnon und klatscht ab und zu." „Klatscht i« jut," lacht der Komiker,„se tippt jenz etepetete mit de Fingerspitzen uffe- nander wie de Jräfinncn in de Operette." Bom Zuschauerraum her dröhne» die ersten Lachsalven. Szenenapplau-. Der unhciinbiche Druck weicht allmählich... „Det Jeschäft is richtig!" Vorhang. Pause. In den Garderoben summt«» durcheinan der wie in einem Bienenstock. Erna MortiS Lachen überklingt alles. Um sie hat sich ein gan- er Kreis gebildet und begleitet ihre Privatvor- tellung nut sachverständigen Konimentaren— je kopiert die„Gräfin" mit dem Strohhalm. Vergessen ist der unheimliche Ort, an dem wir weilen. Bi» plötzlich wieder auS der Herrengar. dcrobe ein furchtbarer Schrei berüberklingt. Alle» eilt hinüber; nur Erna Marti verkriecht sich er bleichend hinter einigen Garderobestncken— das Lachen bleibt ihr in der Kehle stecken. Drüben hat unser Bonvivant, sonst ein außerordentlich ruhiger, fast stiller Mensch,«ine Art TobsuchtS- anfall oekommen. Ihn hat jetzt di« ganz«, drük- kcndc Atmosphäre gepackt und reißt an seinen Nerven. Wie irr schreit er:„Ich tret« nicht mehr auf! Ich geh' nicht mehr rauS,- wenn der Kerl nicht entfernt wird! Der Kerl in der ersten Reihe — der ist ja unheimlich... unheimlich...!" Dann weint und schluchzt er plötzlich wie ein kleines Kind. Erst allmählich beruhigt er sich, nachdem ihm fast alle Kollegen bestätigt haben, daß auch ihnen„dieser schwarze Kerl" unheim lich sei. „Nich eenmal hat er jelacht," sagt der Komi ker,„wenn alle andern jequietscht Ham vor Lachen, dann hat er da jeseffen und immer mit so unheimliche schwarze Oogen ruffjeglippscht... dabei hat er'n Iesichte jemacht, al» wenn er Spinne» jcfrcssen hätte. MenschcnSkinder, und det nennt sich nu Lustspiel!" schließt er philo- ophisch. „Nee— aber Irrenhaus!" ruft der Bonvi vant böse. Er ist nun wieder gaiu ruhig. „Zweiter Akt!" Und da» Spiel geht tveiter. Ohne Zwischenfall. Lauter, unbeherrschter ist das Gelachter de» Publikums al» sonst, schnel ler werden di« Pointen ausgenommen und be klatscht, nervöser, gestraffter, ist die Leistung der Schausvieler. Und doch, atmet alles erleichtert\ auf, wie wir nach der Vorstellung, als Gäste im Speisesaal der Anstalt sitzen. „Na, wie Hobe Ihne unsere Patient« ge- i alle?" fragt der Chefarzt unseren Bonvivant, f „iS daS nit e dankbare» Auditorium?" I Wer will wissen, wo die Grenze Ist? Di« erst« Freude über die sonderbar« Einladung war abgeflaut und hatte einer nervösen Neugierde Platz gemacht, besonder» unter dem Damenpersonal... Da lag nun der große, graue Gebäudekom« plex vor unS. Langsam senkte sich der Abend nieder und ließ die hohen, kahlen Mauern noch unheimlicher, noch kahler erscheinen. Der Chauffeur sah lächelnd zu, wie di« dreiundzwanzig Menschen ihre Koffer und Köfferchen zusammen« rafften und hinter dem gewaltigen Eisentor ver» schwanden, ehe er mit seinem Autobu» davonrattert«. Erna Morti, unsere Naive, schmiegte sich zitternd an mich:„Du, ich bin ja so schrecklich aufgeregt..." „Unsinn, Kinder!" rief unser dicker Komiker unnatürlich laut, als wir in langem Zug au da» hell erleuchtete Verwaltungsgebäude der Nervenheilanstalt züstapften,„Unsinn, det Je- chäft i» richtig!" In der Vorhalle kam un» der Chefarzt entgegen, ein kleiner, weißhaariger Herr mit rosigen Löckchen und vergnügt zwinkernden, wasserblauen Aeuglein:„Ah— unsere Künstler!" Er rieb sich die Hände.„Na, ich hoff', es wird Ihne bei»US gefalle." Kräftige Hande griffen nach unseren Koffern, kräftig« Hände finster dreinschauender Männer. Sind c» Wärter? Oder gar—? lieber den schlecht erleuchteten Hof hinweg werden wir zu einer eisernen Treppe geführt, bi« an einen Neubau angeklebt ist, und zu einer schmalen Eisentür hinaufführt. Irgendjemand stolpert. Das Eisen klappert. Gellend lacht Erna Morti auf— hysterisch. Beruhigende Männerstimmen. Still«. Plötzlich ein hohes, schrilles Kichern. Um di« Ecke blickt— man sieht nur sein tveißlicheS, flaches Gesicht— ein Mann.„Hi-hi-hi...!" lieber meinen Rücken läuft' ein« Gansehaut. Erna Morti kreischt entsetzt auf. „Schnell, schnell!" schreit irgendeiner unserer Kollegen,„schnell! Das ist ja furchtbar!" Und drängend und polternd zwängt sich alles durch das eiserne Pförtchen. ,Hi«r iS die Garderob' für»dic Herrn," zeigt unser Führer,„und die Dam« bitte hier'nein." Zwei freundliche, Helle Räume. Schnell sind die Lchminkgeräte auSgevackt. Erregtes Geflüster. Lb und zu hebt jemand lauschend den Kopf, wenn von Ferne her ein unbestimmtes Geräusch herüberklingt. Erna Morti schüttelt sich zot Schaudern, als sich plötzlich ein langgezogenes.Heulen wie von einem Tier hören läßt und bricht gleich darauf in hysterische» Gelächter ans, al» dieses Veheul in heiseren Gesang übergeht. Mizzl Reisinger» Hände zittern.„Diese Rößlwirlin werd' «ch mein Leb'tage net vergessen," seufzt sie,„narrisch, total narrrsch..." „Wir fangen an, Herrschaften!" ruft der Inspizient in di« Garderoben,„bitte, wer zu tun hat, auf di« Bühne. Auftritte ansehen; ist alles «in bissel sehr eng hier." Der Vorhang geht auf. „WaS macht da» Publikum?" Die ersten, die poy der Buhne kommen, werden mit dieser Frag« überfallen. „Rix i»; gar nix," behauptet einer. „Nie so'n jnte» Publikum jehabt," behauptet der Komiker,.„jede'Pointe sitzt!" „Also endlich mal'n Publikum, da» über dich net weint," stichelt der Liebhaber. ,Habt ihr gesehen— in der zweiten Reihe recht», di« Alte?" fragt der Bonvivant,„die mit dem altmodischen, schivarzen Seidenkleid und dem hochgeschlossenen Kragen? Die hält einen L-itr 6 Freitag, 28. Juli 1S3S Kt. 174 Prager Zeitung. Kommunistische Gtrsikparole nicht befolgt. Auf ollen Prager Bauten wurde gestern wie gewöhnlich gearbeitet. Tic von den Kommunist«»« auSgegebene lSreikparolc wurde nirgends befolg«, auch ist es nirgends in der Stadt zu Zwischenfällen gekommen. Aus der Partei ■umMaBHUL'.3Mraaww» Jugendbewegung. Z. I. 1. Tonnlag, Sen 30. Juli, Wanderung nach ZbrazIav(Badegelegenhein. Zusammen- treffen um 7 Uhr früh an der Endstation der 21- oder 17er-Linie in Hodloviily. Kommt alle! - MMIM Aufgelöst— aber Mitgliedsbeitrögc werden noch verlangt! Die deutsche Aibcilcrsporlt«wcgui«g wurde bekanntlich aufgelöst und verboten, den Ber- eincn und Berbiindcn das Vermögen beschlagnahmt, das heißt gestohlen.-Jetzt verlangt der für den Arbeiter-Turn- und Tporlbund eingesetzt«„Treuhänder" Wiedels(Leipzig) von den aufgelösten Vereinen die Bezahlung der Buudesbeiträge für dar zweite Vierteljahr und macht die früheren Funktionäre für Sie Eiichalliing der Bezahlung verantwortlich! Dieser Pg. Wiebel» ist nämlich ein„Rrchls"a>»valt und Hai nach seinen eigenen Mitteilungen bereits über 1*1.000 Mark von den aufgelösten Vereinen „einkassicrt". Ein Bild von dem Aufschwung der Arbeiter* Tischtrnniobewegnng in Oesterreich vcrichasst folgende Aufstellung: Im letzten Jahr halt« der Per- band mn 63 Prozent mehr Verein«, um 71 Prozent mehr'Meisterschaft»- und Cupspiele, um 80 Prozent mehr Mitglieder, um 100 Prozent mehr Mannschas ten, nm 150 Prozent mehr Freundschaftsspiele und um 160 Prozent>n«hr Nennungen zu Einzelbewerben als im vorigen Jahr. Er hat den seit zehn Jahren bestehenden bürgerlichen Verband im zweiten Jahre seines Bestandes bereits überholt. An seiner Meisterschaft haben imi 25 Prozent mehr Mannschaften teilgenommen als an den Mislcrschasten der Bürgerlichen- In der kommenden Saison, die in« Herbst beginnt, plant der Verband eine erhöhte Propaganda ln Wien, in Sen Bundesländern und auch im Auslaich. Bom belgischen Arbeitersport. Die diesjährige Leichtathletik saison zeitigt« schon einig« ganz ansprechende Erfolge. Zu erwähnen wären hier die Ergebnisse über: 100 Meter: Berweycn(Antwerpen) 112 Sek 1500 Meter: Bandermcielen 4:27 Min., Kugelstoßen: Sandemant 12.39 Meter, 4 X200 Meter: SASVA. Antwerpen 1:37 Min., Schwedenstaffel: SASVA. Antwerpen 3:53 Min.— Bei den Schwimm-Meistevschaften, die in Tournai abgohalten wurden, wurden auch einig« recht gut« Resultat« erzielt: 4X100 Meter Brust: Antwerpen 5:51 Min., 100 Meter Freistil: Gielen 1:10 Min., 100 Meter Rücken: Drießcns 1:26 Min.. 3X100 Meter-Stafett«: Antiverpcn 4:13 Min.— Am 13. August findet ein internationaler Schwimmwctt- kamps zwischen Belgien nn-d Holland in Antwerpen statt. Mrg«rili Kräfte verbraucht. Das Grauen kicherte in ihrem Denken, wenn sic nachts auf Posten von den rotgclb fiebernden Flammen des Artilleriekampfs gequält wurden, und der Pfahl und das lote Pferd wurde» lebendig und huschten dunkel und gefahrdrohend hin«nid her... Das Granen schlürfte bang durch ihren Schlaf und folterte ihn mit fürchterlichen Träumen— vH, wie verzweifelt sic manchnial aufstöhntcn, wie ihre Hände sich tvehrcn wollen gegen die Zerstörungen des Traums... HeranSsordrrnd unvermittelt begann Bolny in einer Nacht z>i singen:„Musketier seiu'S lust'ge Brüder, haben'»—" „Mensch, du bist wohl verrückt geworden?!" faucht« ihn Brockmann an. „Was, wegen eurem Tominyschadcl soll ich etiva nicht fingen?! Ihr seid verrückt! Gan; im Ernst: Ihr werdet verrückt, alle miteinander. Ich sehe da vollkommen objektiv. Ter sogenannte Cafard oder Drahtverhauwahnsinn. Und wißt ihr, warum ihr verrückt werden müßt? Ich kann euch das ganz genau erklären: An euch rächen sich jetzt die Menschen, die ihr umgcbracht habt, der Schädel hat euch zum Bewußtsein gebracht, daß ihr Mörder seid. Mörder!— bört ihr? Ich, ich habe nie einen Mensche»« umgebracht, mich stört der Schädel»dicht. Mich nicht!... Du, Brockmann, du bist doch strenggläubiger Katholik, nicht? Weißt du, wer gesagt hat: Du sollst nicht taten? Weißt du, wer ge- sag hat: Du sollst Gott»nchr gehorchen denn den Menschen? Kannst d)> dich besinnen, danmls am San, wie du auf dem jungen Russen knietest und ihm nrit den» Spate»« den Kopf zerschlugst? Ja, ich habe das gesehen! Du! Brockinann! Wenn di« vor deinen» Gott stehe» wirst! Du wirst—" „Abhacken müßte, man den verdaminlen Schädel nnd über Bord schmeißen, dann wäre gleich Ruhe!" meint« Syhre. „Abhacken! Nein, das hilft euch nichts, ibr könnt ih»« doch nicht vergessen. Immer,»»»»»»«er! An unsere Posroezleher! Der heutigen Nummer liegt ein Erlagschei« zur Bezahlung der BezngSgebühr bei. Wir mach«, besonders daraus aufmerksam, daß die Einzahlung unter demselben Namen geleistet wert», muß, unter welchem der Versand der Zeitungen erfolgt. Die BezngSgebühr ist am Kops de» Blatte» ersichtlich und ist stet» im vorhinein zu ent, richten. Der Abonnementbeitrag muß spiitesl««» bi» zum 15. eine» seden Monate» in unserem Besitze sein. Mir ersuchen 8ie, die» zu berück, sichtigen, damit keine Unterbrechung in der Zu- jtellung de» Blatte» eintritt. wird er in euren« Hirn sitze»« und euch quälen, quälen, bis ihr verrückt seid. Denkt ihr etwa, ich habe euch nicht beobachtet, wie ihr sartgc- schlichen seid,-wenn ihr dachtet, die anderen schliefen alle? Ich habe nickst geschlafen! Fort- aoschlichcn zu dem ernwndcte»» Engländer-> habt ihr euch viellc-icht eingebildet, ihr könntet wiedergutmachcn, wenn-ihr ihm Sie.Haare kämmt?!.Habt ihr—" „Und ich hacke ihn doch ab! Waller, gib mir deinen Spaten, meiner ist»richt geschliffen!" versucht« Brockmann sich zu wehren und hastete mit der Erlösung versprechenden Masse ins Dunkel. „Es geht nicht..." aviuseltc er, wie ihn die Kameraden im Morgendämmern bei Sem Schädel wiedcrtrafen. Wolny sagte:„Brockmann, der jung« Russe am San..." Im Unterstand«sing Brockinann dann an zu beten. Er hielt einen Roseirkran; in der Hand und murmelte inonoton vor sich hin. Dann und wann-verstanden die anderen:„... jetzt nnd in der Stunde»niscreS Absterben»..." Dann kam ein Angriffsbefehl. Die Gruppe geriet übrigens in eine-zu kurz gelegte Salve deutscher Granaten, die nur Wolny und einen anderen übrig ließ. In einem Lazarett für Nervenkranke schnitt sich Wolny einige Tage später die Pulsadern durch. Bruno Bogel. n das Selm des Nasienbewuhten Meilers gehört d. Zenlralorgan. Deutschen koziaivcmokr. Arbelterparlkl „Sozialdemokrat"— Wran-Urania-Klno einziges deutliches Sinn oral«. c»i*0.129 Geschlossen. WMMM | Cate„Conlinental“, Prag, firaben] □Hutter«Meße. Die Tage verrinnen in cin'önigem Gleichmaß. Wie immer holt die alte Weckeruhr um fünf Uhr morgens Mutter Thiele aus dem Schlaf, hart und schrill schlägt sic an, läutet einen neuen Arbeitstag ein, der genau jo hart sein" wird wie der Klang der Uhr, io eintönig wie das Ticken der Uhr, Tag wie alle andern, leit zehn, zwanzig und wohl noch mehr Jahren. Heute bei der Frau Kommerzienrat»vird cs wieder Kohl zum Mittag geben, aber dafür«st morgen die kleine Lchncidcrsfrau an der Reibe Sie kocht immer besonders gni, wenn ihre Waschfrau da ist, hat ein Herz, die kleine Frau. Ei»» Herz, wie»venigc. Bei dem Doktor wird sie wohl auch nicht mehr lange zu tun haben. Zehn Jahre hat der Mann jetzt seine Praxis gelzab: und hat geschuftet und geschuftet. Oh ja, sic versteht schon,»vaS daheißt, die Mutter Thiele. Sic hat ihn ja oft genug abgehetzt nach Hause kommen jclien, hat auch oft genug von den Nachbar» gehört, über ihn. War ja io beliebt, der Dr. Levi. Bei der Klabuschke nebenan hat er selbst die 50 Pfennig für den Krankenschein gegeben, ha« vier Wochen lang Tag für Tag und Nacht für Nach» nach dem Kind gesehen, hat ihm Essen gebrach», ichöne leckere Sachen, hat daS Kind richtig wieder hoch- gcpappcll. Tas»var»«'och ein Arzt, ei» M eU sch war daS, ei»« gu'cr. herzensguter Mcnsch. Na ja. jetzt haben sic ih»n seine Praxis genonimen. Ist ja'n Jud', hat mit dran glauben»nüsfcn. Soll die zarte Frau' jetzt die Wasche allein besorgen? Wird sie eben für 15 Pfennig die Stunde hinachen, Mutter Thiele, oder für noch»vcnigcr. Und die Klabuschke von nebenan will beim Ausbesser»« und bei»»« Ausräumen etwas»nithclfen. Muß alles gehen. Müssen zusammenstehen, alle zusamnienstehen. Wenn sie nur erst über den Jungen, über ihren Karl Gewißheit hätte... Zwischen die vielen kleinen Fältchen des zerfurchten Gesichts hat sich wieder die steile, senkrechte Falte geschoben, als wollte sic die Stirn in zwei.Halsten teilen. Und müde schleppt sich Mutter Thiele l»ei»i, bleiern lchwer»verder« die Füße jetzt itnmer am Abend. War doch irühec nicht, ist wohl die Unruhe, das quälende, immer und ewig peinigende, zermürbende Ungewisse. Tas die Abende zerreißt- und zcrniarter:, diese schrecklichen, laugen Abende.'.. „Sind schon wieder bei Dir jcwcse»«" komm» ihr die Klabuschke aufgeregt auf der Treppe entgegen.„Wat woll'»« sc denn>»»» ejentlich noch? Det— det" dann sieht sie unruhig un ängstlich um sich— ,^>et klcen« Vieh mit den Schieloojen, wceßk Du,-et AaS, war ooch wieder bei!" Es scheint Mutter Thiele uicht»»«ehr anzufechten. Ein wenig blasser ist sic vielleicht geworden, die Augen haben wieder-iescii unbestimmbaren Glanz, von dein die kleine Else Klabuschke sagt:„Mutter Thiel« kuckt immer lveg, wenn sc eine»» anknckt, so kmnisch kuckt se jetzt"— aber -an»« geht sic stumm»«ach oben, die Klabuschke schlürft hinterher. In der Küche sitzen sic sich eine ganze Zeit lang wortlos gegenüber, ab und;»» wischt Mutter Thiel« mit dem Schürzcnende über de>« weißgescheuerten Tisch, als gäbe es etwas wcgzu» wischei« da. Dani« geht sie plötzlich in die Stube und kommt mit cinciik Bild in-er Hand zurück. Ei»«em Bild von Ebert. Hing nun jahrelang in der Stube. Vorsichtig löst sic cs aus dcn« Rahnicu und beide Frauen scheu dann die- Flammen danach greifen, wende»« sich ab. „Wenn se diesmal»lischt finden, würden se'S ja doch zcrtrampcln. Da soll'» se'S jar nicht erst in de dreckigen Pfoten kriegen." ES klingel:. Die Fra»ien sel»en sich einen Augenblick lang an. da rafft'sich Mutter Thiele auf und geht zur Tür. Aber statt der S.A. stürzt KlabuschkcS Franz in die Küche.„Mutter Thiele", flüstert er atemlos, ,J« haben ihn jar nich, dcn Karl. Ick hab'n jeichn, heut nachmittag. Du, Mutter Thiele, Hörste denn»ich: ick hab'n jcjehn. Teilten Karl, unsern Karl. Du!" Und dann erzählt er, das Gesicht strahlt, wie Karl damals entkommen ist. Nachdem sie ihn':S der Wohnung geholt haben, vor den Augen der Mutter mit Fußtritten die Treppe heruntergestoßen habe», ist unten, gleich in einer der Nebenstraßen, ein Knirps„hingcfallen". Natürlich Absicht! Und direkt vor die Füße des S.A.- Maunes, der den Karl fest hat. Der ist natürlich gestolpert und schon haben«in paar andere Jungens mitten in der S.A.-Gruppe eine ivüste Keilerei angefangen. Dabei ist dann der.Karl entwischt nnd in eilten Torgang rein. Und sie haben ihn nicht gekriegt! Deshalb auch die dauernden Haussllchungen noch nachher. Und Dtntter Thiele lwt geglaubt, sie gelten ihrem Jüngste», dem Willi. „ Denn sind se ja beide noch heil, die Jungs", sagt Mutter Thiele leise. Und es klingt etwas in dieser Stimme, neue Hoffnung vielleicht, Freude»vohl in erster Linie, daß der Junge de»« braunen Bestien entkommen ist. „Ten Willi finden sc nich"— dabei grinst die Klabuschke schadenfroh in sich hinein—„na, und der Karl wird sich schon z»» helfen wissen. Denn sind s« ja beide noch heil!" Die Klabuschke ist aufgestandcn. Schon an der Tür. macht sic nochmal Kehrt.„K••« man nachher rüber, kannst mit Radio hören", sagt sie, „ist nicht so einsam wie hier. Und wo se»in doch beide—— mußt mal uff andere Gedanken kommen." Mutter Thiele nickt. Und daun streicht sie in plötzlicher Aufwallung dem Franz übcr'ß Haar.' G o r g a. ft*•‘“**•’*•? 4 L»««»’ Stlbtl« ftltkntc.- verdNIworlUchrr Jlebaheut: Dr. ItoU«iaa.- Druck:»Sota-«.•». für Seltuna. UN» Buchdruck. Dru»- IW, den Druck u-r-ulwurlUck,- c»,° V-Iik. ““*■—"urde der Poft.«. ZgniagbentiuMm all gilak 9)i 13.SOU/VJ». 1930 bemiuigt.— 8,iun«Mtn(|unnen: 8(1 Zuftelluu, in» huu«»der»ei iBuug d.itch dir JJoj, monatlich Ki 16.-. uiericltShrNch Ki Ö-i »»i-l-chci» M»».—,»autiadil» U«» Anbraie»erden tarn lrng iillUrb dercchurt, Del«laten®al4al.» Ui.llnachlatz,— JtüdptUurq) MU Mauuslriptea erfolgt am bei Iticheuduu»»cr Relauraaxlta.**