13. Jahrgang. SaMStag, 29 Juli 1933 Nr. 173. NvzMels 7V Heller. Einschließlich 5 Heller Porto) Srschelni mil Ausnahme des Montag täglich früh. StrSaNloo o. Dettoollua» vea» ll,N,f«»antl>»a ch reiev».- raroo, r««oo. XatbtrtbaH.«ad 21 uot) 1 ssftM ♦ Do|l|<&t1/ die er aus den Inseln errichtet habe, nähere Weisungen aus Rom einholen. Di« Zeitung„Eslia" betont, daß die Inseln zweifellos griechisch sind und,in regelmäßigen Zeitabständen von einigen griechischen Fischer- Familien bewohnt werden. Nach einer Meldung aus Rom hat die Landung keinerlei politische Bedeutung. Man ist dort der Ansicht, daß die Zugehörigkeit dieser Inseln m Griechenland oder zu Italien niemals ausdrücklich festgelegt worden ist. Die Landung einiger Italiener sei-nur aus wissenschaftlichen Gründen erfolgt. Bestien m Menschengestalt! Sie lassen tausende Kommunisten straiwelse hungern, well Nazis die Ulndenhurg-Eldie ahgesdmitten haben Masscnauszud der deutschen Juden. Berlin, 28. Juli.(Wolff.) Di« Pressestelle im Staatsministerium teilt mit: Bekanntlich wurde die am Tag« der Nationalen Arbeit auf dem Tempelhofer Feld gepflanzte Hindenburg-Eiche in der Nacht zum 27. Juli von Kommunisten zerstört. Das Geheime Staatspolizeiamt hat als Gegenmaßnahme angeordnet, daß sämtlichen kommunistischen Schutzhäftlingen für drei Tage die Mittaasmahlzeit rntzoaen wird. Den Schutzhäftlingen ist diese Maftnahuu übten Frevel zu eröffnen. Dieses Vorgehen zeigt wieder, einmal dir geradezu orientalisch anmutcnde Perversität der Herren Goering und Eo. Wie wir gestern melde tcn, hat daS Wolffbüro die Meldung von dem Baumfrevel durch Rundfunk selbst wieder stornieren lassen, offenbar deshalb, weil man daraufkam, daß die Tat nicht von Kommunisten, sondern von Nazis selbst verübt wurde, und damit also nicht viel anzufangen war. Erst spät nachts — vermutlich, als schon ersichtlich war, daß die Auslandspresse sowohl die Meldung tvie dir srhr bezeichnende Stornierung trotzdem bringt— gab das Wolff-Büro eine eingehendere Schilderung der Tat heraus. im Hinblick auf den der Hindenburg-Eiche ver- Man hat sich also doch endgültig für die Lesart entschlossen, daß Kommunisten die Täter sind, und um dieser Lr art den nötigen Nachdruck zu verleihen, läßt man Tausende von Schuhhäftlinge», die absolut nichts dafür können, drei Tage hungern. Soll um rin Regime, das derartige Perversitäten gegen hilflose, ohnedies schon genug ge> marterte Menschen erfindet, nicht wirklich die ganze zivilisierte Welt einen lückenlosen Pestkov- don ziehen? her„ncvolutlonsschiitr wird abgebaut. Die NSBO muß alle Kommissare aus Konzernen, AKtlengesellsdialten usw. ahheruleni Berlin, 28. Juli. Die SiSBO(nationalsozialistische Betriebszellenorganisation) ver- Lssentlicht folgend, Erklärung: Besondere Umstände zwingen die NSBO-L«itung, alle Beauftragten der NSBO für Konzerne, Aktiengesellschaften usw. znrückzuziehen. Keiner hat daher das Recht, sich künftig als NSBO» Beauftragter für Betriebe ufw. zu bezeichnen. Zurückgezogen sind die Ausweise der bisherigen NSPO-Beanftragten Träger für di« EPA-Betriebe und von Kienitz für den Karstadt-Konzern. (DG) In den Kreisen der NSBO hat auch eine Anordnung des Amtes für Soztalpoiltik große Erregung ausgelöst, nach der allen Gruppen und Stellen der NSBO verboten wird, Veröffentlichungen über wirtschaftliche, sozialpolitische oder arbeiterrechtlich« Fragen in der Tages- oder Fachpresse vorzunehcken, die nicht vorher der Führung der Deutschen Arbeitsfront zur Genehmigung vorgelegen haben. Vorzensur über die NSBO Paßt vielen NSBO-OrtS- aruppen nicht, weil ihnen dadurch jede Möglichkeit zur Wahrnehmung von Arbeiterinteressen genommen wird. Verschärft wird dieser Zustand noch dadurch, daß in der gleichen Anordnung alle» NSBO» Stellen verboten wird,. ohne Zustimmung und Vollmacht des Treuhänders der Arbeit Tarifverträge abzuschließen oder zu ändern. Damit wird, da zu alldem auch jeder Streikversuch als„Störung des WirtschastSsriedenS" mit Konzentrationslager bedroht ist, der NSBO jede wirkliche Funktion genommen und die ganze nationalsozialistischen BetriebSor. ganisation behält alS einzige Aufgabe nur noch die Bespitzelung der Arbeitskollege n im Betrieb«. Da aber jede Aeußerung von Unzufriedenheit mit drakonischen Strafen belegt wird, findet die gegenwärtig überall spürbare Gärung in der NSBO keinen äußeren Ausdruck. Mißerfolg Oer großen Pollzel-nazzla In Berlin. Berlin, 27. Juli. Tic vorgestern im ganzen Reich unter Mobilisierung von über hunderttausend Polizeitruppen, Hilfspolizei, SA und SS durchgesührte Aktion gegen die„Illegalen" hat in Berlin, wo man geglaubt hat, rund z w an- zigtausend Mann einsehen zu müsse», einen vollendeten Mißerfolg gebracht. Es wurden zwar einige hundert Personen sestgenommen, verbotenes Material aber sand man nur in einem einzigen Falle bei der Durchsuchung eines Kraftwagens; es handelte sich um ein Paar Exemplare der„Roten F a h n e" und der Saarbrückener „Deutschs Freiheit". Ter Besitzer des Kraftwagens wurde verhaftet, konnte sich jedoch auf dem Polizeipräsidium als Mitglied der— Nationalsozialistischen Partei und Rittergutsbesitzer in Pommern legitimieren. Er wurde daraus wieder freigelassen; er behauptet, die Zeitungen lediglich zu seiner Information mitgcnoinmen zu haben. Vorzeittg verraten? In Polizeikreise« nimmt man an, daß di« Aktion vorzeitig verraten worden ist und die Gegner des Systems imstande waren, Gegenmaßnahmen zu treffen. Und da weder di« Polizeitruppen,«och Hilfspolizei, SA oder SS vorher über den Zewck der Aktion unterrichtet worden waren, man vielmehr in der Absicht, jeden Verdacht abzulenken, für ein« angebliche- Felddienstübung antreten ließ, ist man zur Annahme gezwungen, daß die Verräter entweder im Ministerium deSHerrn Goering oder in der obere« Betuutchtschaft der Geheimen Staatspolizei zu suchen sind. Andere Stellen waren in den Plan nicht eingeweiht. Tatsache ist jedenfalls, daß die Aktion in allen ihren Einzelheiten bereit» in den frühesten Morgenstunden den maßgebenden Personen, gegen die sie sich richten sollt«, bekannt war und eine Ueberrafchung somit nicht gebracht hat. Furditbare Bluttaten In Braunschweig. W. Braunschweig, 27. Juli. In den letzten Wochen wurden hier— außer den schon gemeldeten zehn„Glcichschaltungsmorden"— auf viehische Weise von den braunen Horden zehn blühende Menschenleben vernichtet^ Zwei von ihnen wurde» buchstäblich zu Tode geprügelt, und zwar der frühere Rcichsbannerobinann Otto R 0 s e, ein junger Mensch von 22 Jahren, über den dann die Lügenineldnng verbreitet wurde, er habe Selbstmord begangen, und der 19jährige Benno Ehlers. Ehlers gehörte einein jüdischen Jngendbund au und beging das Verbrechen, mit 14 anderen jüdischen Jüngling:» einen Gepäckmarsch zu veranstalten; die andern 14 sind noch in Haft. Otto Rose mußte daran glaube», weil er vor eineinhalb Jahren in der Nottvehr einen Nazi erschossen hatte. Sechs andere von den zehn wurden aus dem dritten Stock des ehemaligen Volksfreundhanscs geschmissen,. nachdem sie vorher fürchterlich verprügelt worden, waren. Zwei andere sind freiwillig gesprungen, und zwar einer ans dem Bolksfreundchaus, in dem die SS-haust, und einer aus dem Gebäude her Ortskrankenkasse, der Kaserne der SA. Von diesen acht Menschen sind bis. heute.erst-die.Namen von dreien bekannt, und zwar die beiden Kommunisten Karl W 0 lk und Erich Sch'elpmann und der Sozialdenw- krät^Hermann Basse,. Sekretär des Eisenbah- - nerverbandes. Es wird uns geschrieben: Das Hitlerregime über das Deutsch« Reich hat viel« Juden dieses Landes zum glatten Hungertod verurteilt. Ans allen öffentlichen und immer mehr auch ans allen privaten Stellungen verjagt, vom Hochschulstudium jo gut wie ausgeschlossen, auch in den höheren Schulen auf lächerlich geringen Schülcranteil eingeschränkt, im Gejchästsleben boykottiert, demnächst auch staatsrechtlich degradiert, die Kinder in vielen Schulen von Lehrern und ihnen folgenden, häuslich cinsprecheird vor- bereiteten Schülern gehässig verfolgt, da vom Besuch öffentlicher Bäder, dort von der Teilnahme an öffentlichen Sportfesten ausgeschlossen und in ständiger Gefahr a la Streicher- Nürnberg Plötzlich verhaftet, mit umgchängten Hohnplakatcn durch die Straßen geprügelt, über und über bespuckt in ein Konzentrationslager geworfen zu werden, falls nicht der Aufbauwille der Stahlruteit, Knüppel, Latten und Peitschen ait ihnen praktiziert wird— das ist heute das Leben der Juden in Deutschland. Selbst die wenigen Reichen, deren Besitz di« antimarxistische Hitlerei nicht antastet, riskieren, als Privatmenschen ebenso behandelt zu tvcrdcn wie ihre ärmeren Stamniesgcnosscn. So ist in den Berztveifelndcn der Entschluß gereift, davonzugrhen. Tic meisten dieser Jndcnfaniitien wohnen seit Jahrhuirdcrten in Deutschland. Seit den letzten großen Judenverfolgungen sind cs ja 500 bis 800 Jahre. Damals hat der Polcnkönig"Kasimir der Große, vielleicht seiner jüdischen Geliebten Esther zuliebe, den überlebenden deutschen Iriden Sicherheit nird Erwerbsfreihcit in seinem weiten und noch dünnbesiedelten Laitde geboten. Mit ihrer mittelhochdcntschen Sprache zogen die Juden, die der leutschcn Massenschlächterei entronnen waren, nach Polen. Mittelhochdeutsch ist bis auf den heutigen Tag die Hauptsubstanz jenes ostjüdischen Jargons, den man seit Jahren auch bei uns, noch anglo-anierikanischcm Gebrauch„Diddish" schreibt, der freilich mit hebräischen und slawischen Worten stark gemischt ik,, der at"-r diese verhaßten und verfolgirn Ostjudeit zu Pionieren des Deutschtum« gemacht bat bis tief hinein in die Ukraine und noch weiter. Co maitche Deutsche sind int Kriege ans Schwarze Meer, an den Kaukasus und nach Palästina gekommen W.na schon längst kein Mensch mehr da war, mit dem der„Nemec" — den Stummen nennt der Slawe von alierS- her den Deutschen, der mit ihm nicht reden kann— sich verständigen konnte, dann holte man irgendwoher einen kaftantragenden, paijcs- behängtcn Inden und siehe da, der konnte ganz gut dolmetschen. Wenn seit einigcit Jahrzehnten Ostjudcn wieder nach Deutschland gekommen siitd, so sind sic eigentlich nur in die Heimat ihrer Vorväter znrückgckchrt. Biele wurden ja auch von den Militärbehörden der Zctttralmächte im Weltkrieg itach Westen evacuirt und teilweise auch zur Arbeit in Fabriken, Bergwerke» und in der Landwirtschaft gezwungen, tun die eigenen Landeskindcr zu ersetzen, die in den Schützengräben lagen oder auch bereits auf den Masscnfriedhöfen. Nicht wenige Ostjudcn sind auch unter dein Druck der Jttdenverfolgnngcn im zarischeu Rußlaird, dann durch die Weißgardisten sowie der Aufrichtung des Bolschewismus und der tiefen Armut Polens, das unter dem Welt« krieg furchtbar gelitten und in wenigen Jahren dreimal die Pernichtung der Währung und allen Bargcldbesitzeü dtirchgeniachi hat, nach Deutschlattd gewaitdert. Auch die Desertion aus Polen und Rumänien hat eine gewisse Rolle gespielt. Die notorischen Gauner und TascheMebe darunter fallen zahlenmäßig nicht ecttt s Auch die Frau ließ von dem Bild nicht ob, „Ich welk cs nicht!" stieß sie hervor. »Bitte, schenke« Ti« mir das Bild," bat Leo yelcht. »Nein!" schrie Maria. Dr. Künke war nicht erstaunt über Ihre Heftigkeit, er. halt« st« eher erwartet, „Warum nicht? Sic haben Nlir doch ein Bild versprochen! Sie haben mir doch deshalb die Album- gezeigt." Er schmollt« wie ein Fllmlieb- lina,„Bitte! Wozu brauchen Tie da« Bildchen? Schenken Sie c« mir!" „Nicmalsi" war die heftige Antwort, und da- Bild zerriß, heftig von den beiden Kämpfen« den hin und her gezogen, „Sie habe» mich um diese«,,. dieses ver« fluchte Tennitbild gebeten und ich war guimiilig genug, hier.., dies.., Ihnen diese Sachen zu Ben, Hätte Ich gewußt, daß Sie hier verum« üsfeln wollen... dann, dann hätte ich..." Sie nahm Bilder und Kassette heftig an sich, Dr, Künke erhob sich. „Herr Feist oder Feicht..." . sagte Dr. Künke.„Ich emp fehle mich!" „Adio!" Er wußte, daß ihm di« Krau kein« keiner Kragen beantworten werd». Er braucht« auch keine Fragen zu stell«». Für« erste wußte er genug. Schon bei der kür«, warf er leicht hin:„Lo Lu« L«>ch« ist noch immer nicht geborgen?" »Nein!" »Könnte nicht auch—--- Mord vorliegen?" »8 Die Sache mit Bonis Kriminalroman von Greta Hartwig A«. M Mi» „Tie hat doch einen Abschiedsbries hinter» lassen," triumphierte die Alte. „Die Schrift wär« noch zu untersuchen..." Er versank in Gedanken—„zu prüfen, zu per« gleichen... da« geschah nicht, so vlel ich weiß..." „Herr! Ich habe keine Zelts" Die Aufforderung sich zu verabschieden, ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Leo Feicht, alias Dr. Horst Künke, sah an der Frau vorbei und meinte halblaut:„Und Tie sind Universalerbin, merlwürdig!" Al» Maria erbleichte, ging er gelosten. LI, Hildegard Ist glücklich. Hildegard la« den Brief wieder und immer wieder, st« sachte und weinte und küßte ihn, Sonne stand über ihrem Leben. Kraft und Freude durchströmte sie, tiefes Glück überschwemmte ihr Sein. Stach diese« vielen schweren Tagen und Nächten konnte sie diese süß« Erlösung raum fassen. BorriS lebte, sein» Flucht war geglückt, sein» Freunde in Moskau hatte» ihn ltebr«ich oufg»« non,men, Rumänien konnte ihm nicht» mehr anhaben. Er war gesund, voll srohen Mute», di« Partei hatte»hm einen Platz IN«iner Zeitung »«gewiesen, er schrieb Artikel in russischer, deut, scher und französischer Sprache, er durfte arbei« ten und war zufrieden, seine durch Haß und Verfolgung brachgeleaten Energien waren nun für B«st«re» fett, all nur da» nackte Leben zu retten,«r hatte«inen Posten, Geld, Kleider, Nahrung, Wohnung, Arbeit, Freunde und— nur st« fehlt« zu seinem vollen Glück. St« möge kommens ivh, Hildegard hält» laut aufjubeln mögen. Ein neues, groß»», schöne», reich,» Leben winkte ihr, herrlicher, wirklicher, berauschender, als Ne es sich je geträumt hatte. Sie durfte alle» hinter sich lasten, da» ärmliche Heim, das öde Büro, die armselige Kindheit, die schwatzhaften Nachbarn, alle, alles, was sie nicderhlelt, wa» sie eincngt« und Ihren Willen brach. Sie durfte in ein fremde» Land, m das Uebermaß neuer Eindrücke und durfte all dies an der Teile ihres Geliebten erleben, si» durste ihm bet Tage bei der Arbeit Helsen und nach den» Arbeitstag an seinem Herzen ruhen. Ti« las noch einmal den Teil de« Briese», der von ihrer Reis« sprach.. inzwischen ordne Deine Papiere, Pah, Visum ustv. Sollte irgend«in« Bescheinigung für ein» Behörde nötig sein, so werd, ich sie Dir hier besorgen und senden. In den nächsten lagen schicke ich da» Reisegeld und gena» Instruktionen wegen Ab- fährt, Umsteigen, Ankunft." Hildegard träumte seinen Worten nach. Dann fiel ihr Auge aus eine ander« Briefsteile. „... ich hoffe, daß die bewußte Sache schon längst erledigt lst und Du nun körperlich wieder ganz in Ordnung bist. Hossentlick hast Du Dich geschont und da» Beit nicht zu früh verlassen, so baß Du wieder bet volle» Kräfte» bist." Die bewußte Sache! Oh, eS war rin Glück, daß die Sache nicht so glatt gelaufen war. Ein paar Tag« Berschiebung und nun hatte alles ein andere» Gesicht. Wie wunderbar! Sie war mit dem Attest, das ihr der„liebe, ältere Herr" gegeben hatte, tn» Sanatorium ge- komm«» und ihr« Operation war au» Gründen, di« man ihr nicht weiter klarlegte, auf drei Tage »oben worden. Und untsrbess,'» war der gekommen und der warf alle» um Der Vater ve» Kindes lebt«, er rief sie zu sich, er würde st« heiraten, si» würden herrlich miteinander leben, si» hatten Geld, Arbeit und ein Heim, warum sollt« da« Kind nicht leben? Sie W« sich frisch und munter, sie konnte auch so Samstag, 29. Full IBM Nr. 175 Großartige Geschenke aus„trclwllllgen" spenden, Dresden, 27. Juli. Wie die RSK, mitteilt, hat der Sächsische Gcnwiudebeanitendund in Dresden anläßlich des Gauparteiiage» in Leivjig dem Reichsstatthalter Mutschmann drei großzügige Spenden überreicht: 1. Schenkuüg einer auf fünf Sportslugzeugen bestehende,, F l U g j k U g st a s f k l, die eine großzügige Förderung des Luftsportes ermöglicht. 8, Stiftung einer SA- und SS-SachskN« hilf«, die jährlich 35.000 RM. zur Unterstützung uiwerschuldet tn Not geratener„verdienter Po« litischer Soldaten der deutschen Erhebung" au» den Sturmabteilungen und Schutzstaffeln der NSDAP zur Verfügung stellt. 3, Eins Spend» zur Förderung der nationa« len Arbeit. Zeder der 27.000 Mitglieder des Buntzes stimmt einer Ablieferung von ein Prv- wit seine» Gehalte» zur„Förderung der uatio. nalen Arbeit" zu. ins Gewicht. Jin übrigen: geschoben haben in der Nachkriegszeit wahrhaftig nicht nur Juden. Denn nun zehn- und bald hundertiou« sende Juden zur Auswanderung aus Deutschland rüsten, so ist da» mit den großen vorkriegsmäßigen Auswanderungen slowakischer und balkanischer Kleinbauern nach Amerika nicht zu vergleichen. Wahl verließe» auch die ihr ft«fiit, aber was für ein«! Die Juden tn Deutschland dagegen haben immerhin tn auskömmlichen Verhältnissen gelebt. Diesen Menschen, besonders den alleren von ihnen, muß der Entschluß furchtbar schwer fallen, nach Nordaustvalien oder anderen unkultivierten Ländern zu gehen, um dort zunächst einmal Bäun>« ausruroden oder Sümpfe «rockcnzulegen. Aber sie werden es tun, wie di« Ehaluzim in Palästina e« tun— sie werden eS tun, damit ihre Kinder es einmal bester haben. Da« Aufkommen«iner ReichSr«gierung de» barbarischesten Antisemitismus hat die Agitation Theodor Herzl», lange nach seinem Tod«, vervielfacht. Ihm halte der Radau- Antisemitismus der Luegerei in Wien, der preußischen, ungarischen und tschechischen Ritualmordprozess« sowie der AntidrepfulachS in Part», die ihr« verbrecherisch«« Fälschertaten durch ein« Judenhetz« zu verdunkeln suchten, den zionistischen Gedanken eingegeben. Aber bi» nun war die zionistisch« Bewegung trotz allem Wachstum doch erst auf«inen Teil, besonders der jüdischen Jugend beschränkt, die sich al« Inden und nicht, wie ein sehr großer Teil, als Deutsche fühlten. Nun wird zum gemeinsamen Sehnen aller delttschen Juden, auch derer, di« sich längst vom Judentum loö« gelöst hatten: Fort von hier! Nach den Erklärungen der Regierungen von Großbritannien(für Palästina), Australien, der Türkei, Argentinien» und Brasiliens scheint diesem Sehnen Erfüllung zu winken, sobald die Finanzierung gesichert ist. Damit wird freilich nicht Herzl»„Judenstaat" hergestellt. den selbst da» Halbarabische Palästina nicht darstellt. Aber es werden größere jüdische Siedlungsgebiete entstehen, dnrch deren Dor- handcnsein sich ander« nicht beschwert fühlen können, weil dort noch niemand vorhanden ist. Eine andere Frage ist es, ob die Judxn, die dann in geschlossenen Siedlungsgebieten ferner Länder wohnen, auch noch Pioniere de» Deutschtum» sein werden? In vsteuropa sind sie es gewesen, obgleich st« ja gewiß auch nicht dankerfüllten Herzeno an da» Land gedacht haben werden, aus dein man st« verjagt hatte, vb si« auch tn türkisch oder spanisch sprechenden Ländern die Sprache pflegen werden, die vnthcr und Goethe, Hein? und Herzl gesprochen haben, und di« nun allerdings Hitler, Goering, Frick, Goebbels und Streicher al» Amtssprache gebrauchen, da» kann man der Zukunft überlasten, Noch liegt eine Erklärung der Hitler- rcgierung zu diesen Plänen und Absichten eine« Massenautzzug» der deutschen Juden nicht vor. Sollt» sie»ttva sich dagegen stellen, so muß man den Grund dazu richtig erkennet': Aus tv«n soll man di« Win der Betrogenen und Enttäuschten ablcnken, wenn di» Juden nicht mehr da sind? Bon diesem Standpunkt aus ist der Der- hselb der 000,000 Juden in Deutschland aller dings eine unerläßliche Noltvendigkelt des Hitlerrcgimes! II!I!IIi!iN!Ii!iIiiIII!I!Ii!I!N!iiI!!i!!iI>!!>IiUI>Iii!!>Ii!IiiIIiiIiiiiiI>!!!!i!iiIIiIIi!i!ii!ii!i!iI!iiI!IIIIj||j||,jIII!|j,I!I|,||iIlj||IVIIIiiIliiIijIII!ilIi!II!iIiiIil!W!iiiliiI!!i!i»iUiIiiii!iii!i!IiiMi!i!I!Ii!ii»I»Ii»»»i»ii»I»iI!N!I Pg. Juns antwortet nicht! Die sudetendeutsche Einheitsfront als Schwindel Wir berichteten vorgestcru, daß die Deu t s6) e Arp«"«, und W> r t scha ftage Nl« in schäft an die Nationalsozialistische Partei die bemerkenswerte Frag« gerichtet ba:. wi« ft« eigentlich zur Hitlervewegung stehe. Falls sic sie weiterhin als Bruderbeweguna bejahen, sei es keiner sudetendeutschen Partes möglich, sich mit ihren Leut«» an ein«« Tisch zu setz«». Die genaue Formulierung der Anfraae gestattete kein Ausweichen, und man durst« hoffen, nun endlich über den eigentlichen Sinn der Jungschen Eiuheitsfrontbestrel'ungen Klarheit zu gewinnen. Die Klarheit ist lchon geschaffen! Denn„Der Tag" hat gestern eine Antwort gebracht, aber sie ist keine. Sie Ist ein verlegene» Heruinrepen um die eigentlich Sache, obzwar sic sich in Ihrem Untertitel stolz al»„Antwort" bezeichnet.„DAWG torpediert die sude- tendeutsche Einheitsfront!"---„Der Hetzartikel der Bobemia"— das sind die Ücberschriften des Gestammels. Ma» erfährt aus ihm immerhin, daß der Pater des Gedankens einer fudetendcn Ischen Aktionsfront«tn— Abgeordneter der Arbelts. und Wirtschaftsgrmetn. schäft war, und man darf wohl annehmen, daß es sich um den Herrn Rosche handelt, Da« hat der Jung halt nicht bedacht, daß cs in der DAWG tatsächlich Leute geben könnte, die an seiner Ge« stnnungsgemetnschast mit Brandstiftrrn und Blutsäufern Anstoß nehmen. Er vermeinte, das sude- tendeut'che Bürgertum zu kennen und ist nun bitter enttäuscht. „Ter Tag" aisteht«in, daß der G«dank« btt sudetendentschrn Aktionsfront durch di« Anfraae der DANG bereit»„torpediert" ist; er gibt also zu, daß die Nationalsozialisten di« Gesinnungsgemeinschaft mit Hitler und Goering unter keinen Umständen aukaeben wollen und daß di« Aktionsfront nur ein Tarnunasversinb sein soll,«in Mittel. der DNSAB das Berwirklichcn ihrer dunklen Pläne zu erleichtern. Für den„Tag" ist die Anfrage der DAWG nur der perfid, Racheakt«ine» Juden, der»s zu den deutschen Emigranten näher hab« al» zum Sudetendeutschtum; der Aufsatz in der„Bohemia" verdolmetsche nicht di« wahr« Meinung der DAWG. Sie habe di« Ausgabe, sich von solch«» „zersetzenden Elementen" zu befreien. Da» sei di« Voraussetzung für da» Zustandekommen der Aktivüsfront. Nicht die Schaffung der so notwendigen Klar, hcit über die eigentlichen Beziehungen de» Herrn Jung zur Hitlerbcwegung. sondern di« Ausschaltung unbequemer Frager— da« dünkt Herrn Jung das notwendigste! Da« verschweigen der Hunnengesinnung unserer Nazi«, sa. ihr« stillschweigende Pillignng-- da» ist ihm«in« Voraus« lrtzuna zur„Rettung" de» Siideiendeutscktum-! Er möchte seine politischen Künste auch weiterhin so anfführen. al» ob In Deutschland nicht» geschehen sei. Die Legalisierung de« Morde« durch den Blutsäufer Goering Ist ihm eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem Erfolg, der durch die Betrauung des Herrn T h p s s e n verkörpert wird! Da hätte sich das sudctendeutsch« Bürgertum doch eigentlich mltzusreurn, statt einem Juixnbengel zu gestatten, di« Kreise der Bruderbewegung durch unangenehme Anfragen zu störens Die Anständigen unter den Bürgerlichen wissen nun, woran sic sind! Pg. Jung antwortet nicht, sondern schnarrt in schneidigem Leutnantston die Frechling« zusammen, die nicht kuschen Wall«». Wir, di« wir die sudetendeutschen Nationalsozialisten kennen, hätten uns allerdings gewundert, wenn tatsächlich«in« klärend« Antwort gekommen wäre und uns noch mehr gewundert, wenn st« den Erfordernissen der politischen Moral und der gesamtdeutschen Kultur ent- lvrochen hätte, deren Zertrampelung sich die Fr-unde de« Herrn Jung sehr angelegentlich sein lassen. Man darf nun neugierig lew. ob sich die DAWG auf die S>-Itc dcS Gk-IchschalterS Rosche oder auf jene de« Frager« schlägt. vas neueste Kommnnlsiisme FlasKo. Zu dem vollkommen verkrachlrn „Streik" der Bauarbeiter, den di» Nom. umnislen zur Auffrischung Ihrer politisch«, Reputation für Donnerstag aulonusen hatten, schreibt das gestrige Abendsblatt ta „P r»vu u i b ii" ii. a.: Dieses Fiasko, bas die Kommunisten dr« Bauarbeiter» abermals erlitten haben, sollte sie eine Warnung sein, Zu all den Sun- vf», bi« sic schon an der Arbcttcrschafl verübt haben, lst noch eine neue^Tünde dajiigekommcn: die Wirksamkeit der Mittel profaniert, die die den für den, Sie höben neuerlich den Ernst de» Kampfes und die Wirksamkeit der Mittel profaniert, die die Arbeiterklasse zur Verteidigung ihrer Interessen anwendet. Wir sind uns dessen bewußt, wie wenig wählerisch di« Feind» der Arbeiterklasse besonders in der letzten Zeit in der Wahl ihr« Mittel im Kampf gegen die Arbeiterschaft sinü. Wir wissen, welche Feinde die Bauorbsiln namentlich unter den agrarischen Führern haben, und wir wünschten, gegen unsere Klassenfeinde geschlossen auftreten zu rönnen. Wir sind»mir, unS seoerzeli an die Spitze eines«inheltllchkli Aufmarsches zu stellen, aber dieser einheitlich« Aufmarsch müßte auch von einem einheitlichen Geist erfüllt sein. Leider gib« cs diesen einheitlich«» Geist vorläufig nicht, und daher kann es auch keinen gemeinsamen Aufmarsch gehen. In die Einheitsfront mit den kommunistischen Führern können wir UN« d««Nt nicht stell«", weil wir gezwungen sind, auch ie unterbieFeindederArbaiterklasf, einzureihen. Di« Erfahrungen, di« wir gemacht hoben, sind der Beweis hlefürl vie Komödie Kann beginnen. Leipzig, 28. Juli. Bon zuständiger Stelle wird dem Wolffsch«n Büro zu der Reichstags- brandsach« folgende« mitgeteilt, daß der Präsident de« vierten tSrafsenatrs des Reichsgerichtes den Angeklagten Verteidiger von Amts wegen beigeordnet Hal, und zwar die Rechtsanwälte Seuffert und Huber. Außerdem ist noch Recht«anwalt Dr. Teichcrt bestellt worden. saiutzhftlfllnde müssen bezahlen W. Stuttgart, 27, Juli. Die Schubhäftlinge de» Hcuberge« bekommen nach ihrer Entlassung für den Aufenthalt Rechnungen in Höhe von vüü bis 3000 Mark, je nach ihrer Vermögenslage, zugcstellt. Hausvesitzrrn wurden zur Be- ateichung der„Aufenthaltskostcn" ihre Häuser beschlagnahmt. leldieniunde bei Berlin. Berlin, 28. Juli. Bet Hirschgarten am Müggelseedamm wurde die Leiche eine» Unbekannten gefunden; in Treptow eine 27jährige Sekretärin Klara Wagner erschossen; in der Nähe der Versuchsanstalt für Handfeuerwaffen der 88jährige Schneider Speer mit durchschnittener Kehle; in der Näh« der eisernen Brücke am Kupfcrgraben die Leiche einet 80jähriaen Man- ncs. Es handelt sich um politische Morde. Arthur Hendcrson, der Präsident der Inter- nationalen Abrüstungtkonserenz in Gens und langjährige Führer der Labour-Parly, hat«ine neue Kandidatur zum Unterhaus abgelehnt. Während seiner jüngste» Deutschlandreise, die Ihn ja sogar auch zu dem Hitler nach München führte, stand er von dort auS in telephonischer Vervin- dung mit London, da man ihm eine Kandidatur jzu einer bevorstehenden Nachwahl angeboten hatte. Wie der„Daily Herold" mltteilt, hat Arthur Henderson zunächst grundsätzlich zuaesagt, sich aber die Entscheidung bis nach seiner Heimkehr Vorbehalten. Al« er nun erfuhr, daß bereits vor ihm drei andere Labonr-Leule, sämtlich führende Gewerkschaftler, zur Kandidatur oufge. fordert worden waren, verzichtete«r auf seine Ausstellung. Belm Nazi-Appell erwischt. Salzburg, 28. Juli. In dem Gasthaus« „Zum Hl. Martin" In Pongau hat ein« Gcn- darmericpatrouille Nationalsozialisten bei dem sogenannten„Appell" überrascht. Gegen drei Teilnehmer de» Appells und die Besitzerin de» Gasthauses wurde ein Strasversahren eingcleitet. reisen! Borri« hatte seine Anordnungen au« Rücksicht für st« getroffen, durfte st« hn nicht mit ihrem eigenen Willen beglücken? Würde er nicht gerne seinen strampelnden, zappelnden, rosigen Sohn in den Arm nehmen, nicht mit tiefer Dankbarkeit seinen Ewtgkeitsgedankcn auS ihrem Schoße empfangen? Die glückliche Wendung ihres Geschickes änderte ihre ganze Lebenseinstellung. Wohl war sie ein dummes, kleines Mädchen, aber auch sie war Gefäß der Zeit, was sie nicht wußte, das fühlt» sie eben, wa» sie nicht al» geistig« Erkenntnis besaß, da» trieb in ihr Blüten sehnsüchtiger Empfindung. Sie wollte sein Kind, wollte c»I Sie wollte leben, nicht nur für den Augenblick, sondern darüber hinaus, ewig, Ihre heilige Zweisamkeit mit ihm sollt« besiegelt werden, mit Mut ultd Kraft und mit dem Willen zur Zukunft. Ein K'UV, sein Kind, trug sie, cs sollte leben und sollte geliebt werden, gehegt, gepflegt, ver- sorgt, erzogen. Run war ja alle» aut. Uno später sollte es ein brauchbarer, guter, glücklicher Mensch werden, mit de» Baiers starker Schönheit und der Mutter gläubigem Herze», sollte Mitarbeiten schaffen, Mitarbeiten an dem Bau«ine« neuen Zeitalter», für die Freiheit kämpfen, Krieg«? vielleicht! Wahrscheinlich sogar! Aber dann stand vorris' Sohn in der Roten Armee. Ein« Tochter? Auch sie würde sich Poll, lisch betätigen, deS Vater» Blut nicht verleugnen, seinen Idealen dienen. Da» Kind sollt» nicht nur leben, e» mußt«! ,, Aolzund ein neue» Berantwortunasgesühl schwellte Hildegards Herz, jlFortfetzuna solat.) Ar. 175 Samstag, 28. Juli 1888 Seite 8 Unerhörte Freiheiten der Hunnenpresse- und eritaunlidie Langmut der Behörden. Hemmungslose Propaganda der Naziblätter ihr die Goerlngsdie Galgenkultur.— Drohungen und Provokationen.— Die Geduld der Arbeiter wird bald ersdiöplt sein Vor einigen Tagen Hai sich die Ga b l o n-wirkliche Unlerfuchung des Falles, ohne ein ze r„V o l ks>v e h r", das Blatt des Nazi-Ab« ordentliches Gerichtsverfahren gehängt werden geordneten_itnb deutschen Lehrers, also„Volks- soll, mit einem„Offenen Bries" zu antworten, bildncrs", s i iii in, ein 2tiid geleistet, das Hof-der eine Schande ist und der in einem Staate, cntlich einmal seine gerechte Sühne finden wird, dessen Behörden den Auftrag haben, gegen die Es hat sich bemüßigt gesehen, aus die zahlreichen, fascistischc Seuche mit allen Mitteln des Gesetzes aus aller Welt erklingenden Proteste und Hilfe« vor,zugehen, ein Unikum ist. Dieses Dokument ruse zur Rettung des Komm» nisten Torglcr, der Henkersgesinnung lautet: der von den Reichstagsbrandstistcrn ohne jede Offener Brief. Armer Torgler- Unschuldsmann! Zu höherem warst Du geboren, zu höchstem— und jetzt sollst Dn bloß noch hoch oben am Galgen baumeln! Gemeinheit, Dir die Schuld am Reichstagsbrand zuzuschieben. Wir glauben Dir gern, datz Du mit Deinen zarten Nerven und arbeitsungewohnten Sammtpfötchen nicht imstande warst, den Feuerbrand zu schleudern. Du, desien hochsliegende Gedanken dem GeisleSstug Lenins glichen, konntest wohl daran denken, ganz Berlin In Brand zu stecken, um es Deinem Schutz patron Rero gleichzntun. Du konntest auch ein paar Millionen Deutscher nach russischem Borbitdr hinmorden lassen swas schert's Dich, Du bist ja kein Deutscher), aber mit Leuten wie van der Lübbe und anderem solchen Geschmeitz pslegtest Du, edler Grotzherr des Roten»Fahnen« Ordens, leinen Berkehr. Nicht einmal Thälm ann war Dir ebenbürtig, zur Rot noch Stalin; sonst aber entstammten Deine Freunde den Kön igShöusern David, Levy usw. Nicht wahr,— Doch Iaft Dich trösten und hör zu; Du wirst staunen! Besonders der Prager„Sozialdemokrat" mutz Dich gut kennen, denn er schildert in zu Herzen gehenden Worten, wie sehr Du den Reichstag liebtest,„dessen Geschäftsordnung geradezu das Feld Deiner sportlichen Betätigung war".(Sieh mal an, weich schöner Sport!) Deine sportlichen Gegner von friiher ober— Du kennst sie ja alle noch von Berlin her—, die sich im„Neuen Borw ärtS" zusammrngesunden haben, sie weinen bittere Tränen um Dich und beklagen Dein trauriges Los. Sag selbst, rührt Dich nicht' soviel Liebe? Oder, ob sie blotz heucheln?, nachdem Du, wie sie sagen, in Ketten schmachtest und ihr« Kreise nicht mehr stören kannst.— Dagegen wünschen wir Dir ausrichtig, datz D u recht bald in die Lage kommst, zusammen mit Deinem Busenfreund Lenin die Engel Im Himmel zu bolschewisteren. Du weiht ja:„Mit vereinter Kräfte Walten wird da» Schwerste leicht vollbracht.. Also, Glück auf! Mach'« gut!, und glaub uns, dah wir, zum hinaus bleiben Ein Aulmnrsdi der „Arbcllsironr In Chemnitz. Am 23. Juli sind in Chemnitz die Miiglie- der der Arbeitsfront angebltd)„freiwillig" auf« marschiert. Bon allen Betrieben muhten die Arbeiter mitmarschieren, damit mit einem wuchtigen Massenaufmarsch die„glänzenden" Erfolge der nationalcit Aufbauarbeit gezeigt werden können. Tw Arbeiter sind, dem Zwange solgcnd, mitgckommen, da ihnen sonst die Entlassung aus den Betrieben angcdrobt wurde. Em Genosse der mit dabei war, schildert die eigentliche Stimmung, die vorherrschte: Dw me>» sten der Gekommenen schlichen mit gemischten Gefühlen ich Zuge, ihre Gesichter zeigten alles andere cbcr als Begeisterung. Die Südkampf- bahn, aus der anschlirhcnd dtc Kundgebung statt« sand, muhte von der SS. abgesperrt werden, weil ein ebenso gewaltiger Zug der cm- marschierte, a>r ch sofort w t e d e r hinaus- st r ö>n t e, denn die meisten wollten sich dte Weisheiten des Arbeitsfrontführers Schuh- mann ersparen. Die Absperrung erfolgte etwas zu spät, denn viele Tausende waren bereits wieder hcrausgckommcn. Es wird berichtet, das Teilnehmer, denen schon der Umzug zu viel war und die sich wenigstens die Gemeinheiten deS Naztsiihrers nicht mit anhören wollten, über den Zaun gestiegen und wcggcgangcn sind. Man kann sich unschwer einen Begriff von der„Begeisterung" ntachcit, dtc die Massen beseelte. Die Ernüchterung auf den braunen Hexensabatt greift überhaupt sehr rasch um sich und dtc Nazi-Machthaber fürchten mit einigem Recht, dah sie bald dir Lackierten sein werden. Deutschland wird, also wirklich bald erwachen. Eine Nazizeitung verboten! Dresden, 26. Juli. Das„Nationalsozialistische Lausitzer Kampfblatt für Adolf Hitlers Aufbauarbeit" ist vom zuständigen Regierungspräsidenten auf vierzehn Tage verboten worden. Es handelt sich hierbei, wie ausdrücklich festzustcllcn ist, nicht um eine der Zeitungen, die sich nur zur Hitlcr-Veweguug bekennen, ohne offizielle Parteiorgane zu fern— das „Lausitzer Kampfblatt" ist eine p a r t e i a m t- liche, weit verbreitete Nazizeit uug. ES wurde verboten, weil«S in einrin Artikel den Gedanken der„zweiten Revolution" noch in einem Zeitpunkt vertrete« hat, in dem er von Hitler schon als staatsfeindlich abgetan worden war. Der Hauptredakteur, ein alter Nationalsozialist, wurde ins Konzentrationslager gebracht. Die Zeitung soll nach Ablauf der VerbvtS- frist von chnem zuverlässigeren Schriftleiter redigiert werden. Das Verbot ist der erste Fall der Mahregelung einer Nazizeitüng im-Dritten Reich. SdiieOerei zwischen SA und SS. Düsseldorf, 27. Juli..In den gestrigen Abendstunden kam cs in Düsseldorf in voller Lesfcntlichkeit zu schweren Schlägereien zwischen Angehörigen der SA ltnd der SS. Mehrere Schüsse wurden gewechselt; einige Pcrsotten sollen verletzt worden sein. Das telephonisch herbcigcrufene Ueberfall- kommando der Polizei verhaftete einige SA- Leute. Der Grund der Schlägerei ist unbekannt. Groher Demonstrationsstreik in der Messerindustrie Nixdors. Am 30. Juni l. I. hatten die Mcsscrindustricllcn in Nixdorf ihre Arbeiterschaft durch Anschlag verständigt, dah ab 1. Jul, ein Lohnabbau eintritt. Die Höhe sollte sich jeder Arbeiter im Betriebsbüro anschcn können. Am ersten Lohntag konnte n>m festgestellt werden, dah der Stundcnlohn bis zu 20 Prozent und der Akkordlohn bis zu 36 Prozent herabgesetzt wurde. In einer am 23. Juli stattgefundcnen Konferenz beschlossen nun die Mcsscrarbciter, a>n 27. Juli nachmittags die Arbeit einzustellcn und zu einer Versammlung zusammenzukommen, um das Weitere zu beraten. Die Versammlung, die zuerst von der Bczirksbehörde Schluckenau verraten worden war, wurde schliehlich unter der Bedingung gestattet, dah in der Versammlung nur über den Lohnabbau gesprochen werden sollte. An der Versammlung selbst nahm ein Regic- rungsvcrtreter teil. Die Gewerbetreibenden hatten aus Solidarität mit den betroffenen Arbeiter» am Nachmittag ihre Läden geschlossen und beteiligten sich zum Teil an der Versammlung. Die Versammlung, die von etwa 1500 Arbeitern besucht war, verlies in musterhafter Ordnung und Disziplin. ES sprachen für den Internationalen Mctallarbeitervcrband Komotau Genosse M ü l- l e r und Sekretär M e l z e r vom Jndustric- verband. In der Versammlung wurde beschlossen, eine Abordnung zum Obmann der Stahlwaren- industriellen zu entsenden, welche ihm den Wille» der Versammelten kundgebcn sollte, Die For- derungen bestanden darin, dah Verhandlungen über einen Lohnvertrag stattfindcn und der Lohnabbau zurückgcnommen werden soll. Herr Groh- mann, der-Obmann der Jndustriellcnorganisa- tion, gab bekannt, dah er mit feinen Mitgliedern reden will und die Antwort bis 1. August an den Internationalen Mctallarbeitervcrband cr- solgen wird. Auch eine Aborduung zur Bezirksbehörde wurde beschlossen. Nach dreistündiger Dauer wurde die Versammlung in voller Ruhe geschlossen. So musterhaft die Versammlung verlies, so entschlossen ist auch die Arbeiterschaft, ihr Recht durchzusctzcn. Sollten die Unternehmer das nicht begreifen wollen, so ist nicht abzusehen, welche Folgen eintreten werden. Wir brauchen wohl an dieser Stelle nicht erst die Frage au-fzuwerfen, werden Reichstag in Brand gesteckt l)a>. Kein Mensch in der weiten Welt, kein M e n s ch sagen wir und nehmeii diejenigen vo>i der Bezeichnung aus, die von der Braunen Pest infiziert sind, glaubt an eine Schuld Torglers oder sonst eines Kommunisten, jeder ist felsenfest davon überzeugt, dah die Ngzi selbst über Weisung und unter Anleitung sehr hochstehender Führer ihrer 3kv:lei den Reichstag in Brnnd gesteckt halben. Eine Kette schlüssiger Beweise für diese Mei- nung liegt vor und jedes Gerichtsverfahren, das nur Halbwegs in den Formen einer zivilisierten Justiz verliefe, würde binnen wenigen Stunden den lückenlosen Nachweis der Unschuld Torglers wie der Schuld seiner Henker erbringen. Jeder weitere Kommentar würde dieses Dokument einer viehischen Gesinnung nur ab- chwächen. Es genügt die Anprangerung. Dagegen möchten wir all« zuständen Stellen dieses Staates fragen, wie sic sich denn eine Bekämpfung des FascismuS vorstellen! Nachdem die Sauerei einmal das Licht der Oesfentlichkeit erblicken durfte, obwohl sie in einem Rechtsstaat hundertmal dein Rotstift verfallen mühte, läuft a jeder, der sie beim tvahren Namen und ihre Urheber als das, was sie sind, nennt, noch Gefahr von einem tschechoslowakischen Prehgericht wegen Eltrenbeleidigung verurteilt zu werden. Wir möchten also daS M i n i sk e r Präsidium und daS Innenministerium, und endlich auch das Schulmini ft cri um auf den Fall aufmerksam machen. Auch daS Schulministerium; den»»ran könnte ebensogut aus der Stell« all« Schulen sperren oder sie offiziell den Fascisten übergeben, wie dies« Ber. g»f t u n g des Volkes uno der Jugend widerspruchslos hinnehmen. ch Der Ruhm seiner Gablonzer Kollegen hat den.Herrn B i c r e r b l vom„T a g" nicht schlafen lassen. Und da rr, wie der Erfolg bewies, auf einen ebenso blinden oder ebenso nachsichtigen Zeiisoren zählen darf wie jener, hat er im Leitartikel des „Tag" vom 27. HcnertS das seine dazu getan, dah die Hunnen sich in den Gräbern unidrehen ob der Schande, mit deutschen Nationalsadisten auf eine Stufe gestellt zu werden. Als Ex-Offo-Anwalt des Goering, in dessen Namen der„Tag" ja in demselben Grade agitiert, in dem er seine staatstrcue Gesinnung beteuert, polemisiert der Viererbl gegen den Vorstand der SPD.„U n e r w ü n s ch t« G ä st e" nennt er die E m i g r a n t e» zunächst schon im Titel seines Bekenntnisses zum GocringsadiSmuS. Er schreibt weiter: „Emigranten, wie diese Prager Gesellen, sollen dankbaren Gemütes schweigen, sich freuen, daß sie ihr« verdienten Siras« entgangen sind.. Er bedauert also, dah di« nach Prag entkommenen— zum Teil ja nicht ohne vorherge- gangene Folterung durch braune Bestien in die Verbannung entronnenen— Sozialisten nicht das Los Stellings und Tausender anderen Unterschied von den anderen, bi» übers Grab Deine treuesten Feinde. teilen. Er hat aber die Stirn, ihnen zu drohen mrd sich als den Vcrtretcrder Tschechoslowakei aufzuspiclen, deren Asylrccht durch die Emigranten angeblich mihbraucht wird. Gate; als der Offiziös»« Hitlers, den er dauernd hervorkehrt, richtet er ein« Mahnung an den Auhenminifter Dr. B c n e 8, der es doch wohl aus einen Konflikt mit Deutschland nicht wolle ankommen lassen! Spricht er im Namen der Tschechoslowakei, so natürlich erst recht in dem der„Sudetendeutschen": „Sich vorzusrhrn ist Sache des Staate». W i r Sudotendeutschen worden wissen, wie wir mit diesen ungebetensn Gästen fertig werden..." Wohl, indem„w i r" sie der konsequent abgeleugneten Hitler-Tscheka auslie- fcrn?! Indem„wir" dafür sorgen, dah ihre Verwandte» drüben int Drillen Reich ans Messer kommen? Er hat ganz recht: es ist am Staat, sich vorzusehen! Aber anders! Der Staat sehe sich gegen die schamlos betriebene Verherrlichung des Barbarismus, des Mordes, gegen die ofsen angedrohten Fememaßnahmen der SA-Ableger vor! Den Gipfel erklimmt Viererbl aber mit folgenden faustdicken und provozierenden Lügen: „Die sozialdemokratischen Machthaber aber Hobe« 191819/20 die Todesstrafe an ihren Politischen Gegnern vollst r e ck t— ohne Gesetz, ohne Gerichtsverfahren. Nicht wahr, Herr Kuttner? In den sozialdemokratischen Gefängnisse« wurden Geiseln ermordet, in den Siraßenkämpsen Tausende und aber Tausende Polittische Gegner niedergemetzelt, da» Standrecht bedrohte auch Frauen und Kinder mit dem Tod«. DaS alles geschah unter einem sozialdemokratischen Reichspräsidenten und unter sozialdemolratischen RrichSministern! Und als di« nationalsozialistisch« Bewegung in Deutschland immer stärker wurde, da drückten preuhisch« Innenminister und Berliner Polizeipräsidenten, Oberpräsidentrn und andere staatliche Funktionäre ihren Parteigenosien Gewehre und Revolver in dir Hände, di« dann aus dem Hinterhalt« in dunkler Rächt Blutgericht über 5 00 N at i o n n l s o z i a l i st r n hielten." „Die roten Mörder wurden als Helden gesriert und autzerdem als Märtyrer verehrt, wenn rin solcher sozialidemokratischer Mörder einmal von der Polizei zufällig ermittelt wurde. DaS war«in„System, da« den Mord zum eigenen Borteil verherrlichte und begünstigte", daü war„Zerstörung des Rechtsstaates und Bürgerkrieg in Permanenz". Die geflüchteten Repräsentanten dieses Blutsystem» sollen schweigen, ihre Blutschuld ist ungeheuer und schreit zum Himmel, an ihren Fingern klebt daS Blut tausender Arbeiter und deutscher Frontsoldaten!" Natürlich ist kein Wort davon wahr. Möglich, dah Viererbl, der sich ja erst seit ettva einem Jahr mit Politik besaht und über die Vergangenheit im wesentlichen nur aus den Gruben hunden informiert wurde, die ihm massenhaft zuliesen und dir er im Stall des„Tag" unterbrachte, selbst glaubt, ivas er da niederschreibt. Wahrscheinlich ist, dah er sehr gut weih, dah Sozialdcmolratcn n jemals an politischen Gegnern die Todesstrafe vollstreckt, n i c Geisel» ermordet, n i c Gegner niedergemetzelt Haven, dah es die Nacht, in der 500 Nazi abgcschlachtct wurden, n i e gegeben hat, dah vielmehr vom Jänner 191!) bis zum März 1933 immer wieder Sozialisten und Republikaner von organisierte« Morderbandcn abgeschlachtet wurden, von Mördern, denen daü Dritte Reich offizielle Denkstein« setzt. Hätte die Sozialdemokratie in dieser Weise gegen die Söldner Thyssens gewütet, sie regierte» heute nicht Deutschland, Herr Thyssen wäre nicht der Wirtschaftsdiktator des national- sozialistischen Staates! Bedauerlich genug, dah zuviel Hnntanität am falschen Platze zu so üblen Folgen geführt hat. Aber zuviel der F r e ch y c 11, wenn jetzt noch gelogen wird, die Weimarer Republik und die SPD. hätten morden und hängen lasten! Viererbl ist wohlwollend genug, den Sozialdemokraten zu zeigen, wo sic kämpfen sollen und von ihm aus dürfen. Warum fragt er, rufen sie nicht „zum.U a m p f gegen die Barbareien in den französischen Fremdenlegionen, gegen die Barbareien jüdischer und ch i n e s i s ch 11 Mä d che n h ä n d l e r, gegen die Schandjustiz in den Negerlolonie», gegen die Diktatur»er jüdisch-französischen" Goldes..." Bierei bl braucht nicht zu wissen, dah die Sozialdemokratie gegen jede Barbarei und gegen jede Unterdrückung allezeit und überall gekämpft hat, so wie er nicht zu wissen braucht, dah seilte Angst vor dem chinesischen und jüdischen Mädchenhandel,(keine Besorgnisse, von daher droht der Primadonna Dolfi keilte Gefahr; wenn Hch und Röhnt sie tticht verführen, den Chinesen und Juden dreht sich vor so fraglicher Lust der Magen nm!), dah also seine Vorstellungen vom Madchcnraub der übertriebenen Lektüre von Schnndromancn entstammen. Aber Viererbl wisse, dah eS keine Barbarei in der Welt gibt, die nicht hinter der des Dritten Reichs weit zuriickbliebe und daher nur den Vorsatz stärken kann, zuerst diese zn bekämpfe«. In die Fremdenlegion ntuh man nicht unbedingt eintreten— dem Dritten Reich können dort Eingeborene nttr selten entfliehen. Wahrscheinlich aber würde sich mancher TA.-Mann, der jetzt über die Klinge des ttcncn Galgcngesetzcs springen ntuh, glücklich preisen, wenn er, der Heimat entronnen, in die Fremdenlegion etn- trcten dürfte. Mag sein, dah ste die Hölle ist, aber auch da gibt eS Grad und Rang. Mancher gäbe die Hälfte seines Lebens, wenn er ans dem siebenten Höllcnring in den sechsten, ans dem Tritten Reich in irgendeinen zivilisierteren Hun- nenstaat entrinnen könnte! Auch zu Biererblo, von ihm selbst nusgerichteten Lchonvmol hoben wir nur zn bemerke», das; wir die L a n g- m n t und Blindheit verantwortlicher Behörden bew» n- der», die hier nicht die hundertfach verübte„(S c f ö h r d u n g der ösfent- t i ch e» R u h e und Ordnung" sehe». Wen» ihnen nicht daran liegt, Akte der proletarischen Selbsthilfe gegen die braune Wanzenbrut heraufzubeschwören, dann mögen ste sich bald an Viererbl» Mahnung halten: Videant eonsnles! Der Staat sehe zu, nämlich nicht untätig, sonder» v o r- sorgend! 200 nalcenKreuzler in Herzogen borg dem Gericht Überstellt. Wien,^ 28. Juli. DaS kleine niedcröstcr- reichische Städtchen Herrogenburg wurde gestern von einer starken Abtctlnng des Bnudcshecres und der Gendarmerie beseht, worauf 200 ortsansässige Natioualsozialistkn, die mit den kürzlichen Ausschreitungen bei der Begrühung der aus der Hast entlassenen Nationalsozialisten in KrcntS in Zusammenhang gebracht wurden, dein Bezirksgericht vorgeführt wurden; sic wurden Ivcgen unzulässiger Propagierung des Hakenkreuzes vertirteilt. Tie Mehrzahl der Berurleillen sind Studenten: auch drei Frauen befinden sich darunter. Oesterreich verteuert ruttermltteleinluhr. Wien, 28. Juli. In allernächster Zeit werden Lizenzgebühren für dir Einfuhr von Futtermitteln festgesetzt werden. Der Ertrag wird zur Unterstützung der Alpcnbaucrn verwendet werden. Sette 4 SamStag, 29. JuN 193b Nr. 175 T agesneuigkeiten Furchtbarer Tod einer Mutter. Sie geht mit drei Kindern in den Tod, Tehl, 28. Juli. Seit einigen Togen ist der Steuereinnehmer Menzel des S'eucramteS Tcpl abgängig, Gestern abend badete Frau Menzel mit ihren drei Buben Im sogenannten Nod- Horm-Teich bei Tepl, Bei Einbruch der Dunkelheit band die Frau die drei Kinder zusammen und ertränkt« sich mit ihnen an der tiefsten Stelle de» Teiche-, Di« Ursache dc» Familiendramas ist ungeklärt, doch dürste sie in der Notlage, in der sich die Familie befand, zu suchen sein. Balbo startet nach Balenela Shoalharbour, 28. Juli.(Reuter.) General Balbo hat seine ursprüngliche Absicht, aus dem Rückflug über Irland zu fliegen, ausgegrbeu und wird morgen um 4 Uhr 80 früh in der Richtung Valenzia m Spanien starten. Aller Wahrsa^ein» lichkeit nach wird daS italienische Geschwader über die Azoren fliegen. Stu Vampir tu Pole». Marschau, 27. Juli. Die hiesige Polizei beschäftigt sich neuerlich mit einer austehemrregen' den Mordtat. In den letzten Tagen wurden in den Feldern bei Wilanow die Leichen zweier in gesegneten Umständen befindlicher Frauen gefunden, welche die Spuren eine» Lu st mordeS auswiesen. In beiden Fällen erfolgte der Mord durch Erwürgen dec Opfer. Charakteristisch für die beiden Mordtaten ist der Umstand, daH der Mörder in beiden Fällen seinen Opfern die Schuhe ausgezogcn hat, waS zu der Annahme berechtigt, daß eS sich um ei» und denselben Mörder handelt. Die Polizei glaubt bereits auf der Spur deH neuen„polnischen Vampirs" zu sein. Pottttfcher Mord tu Pole». Am DienStag wurde der Vizebürgermeister ton Pruszkow, Berent, durch einen Revol- verschuß getötet. Der Getötete war Mitglied der PPS»Änk«n, in der er durch die Schaffung der „Unabhängigen Sozialistischen Arbeiterpartei" eS zu einer Teilung kommen ließ. Der 42 Jahre al!« Stanislaw Berent wurde auf dem Weg« vom Bahnhof in Bruszkow, wo er von Warschau kommend, um 11.30 Uhr nacht» eintraf, nach seiner Wohnung von einigen Männern überfallen; einer der Männer schoß auf Berent, die anderen stachen aus ihn mit Messern ein. Sofort nach der Tat flohen die Män»i«r. Der bewußtlose Verwundere wurde ins örtlich« Krankenhaus überführt, wo er kurz darauf trotz sofortiger Hilfe an den Verwundungen erlag. Da die Pollreibehörden annehmen, da» Attentat hab« politischen Hintergrund, so wurden Haussuchungen und Verhaftungen bei gervesenen Parteigenossen de» Ermordeten vorgrnommen. Fünf Verhafte!« wurden dem Warschauer Untersuchungsamt«ingeliesert. Geueralstrett in der amerikanische« Seidenindustrie New tzsork, 28. Juli. Wenig« Stunden, nach- oem der Arbeitgeberverband der Seidenindustrie den UntcrstaaiSiekrctär für di« Arbeit gebeten hatte, mit der Vereinigung der Arbeitnehmer der Seidenindustrie Vermittlung-Verhandlungen aufzunebmen, ist von der Arbeiterschaft der Generalstreik erklärt worden, von dem 70.00» Arbeitnehmer erfaßt werden würden. Dir Slreikparolc richtet sich gegen die Annahme jedweden Tarifs. Mordplan gegen kharlp Shaplin. Tokio, 27. Juli. Bei der Vernehmung der elf Scckadeiten, die wegen der Ermordung des Premierminister» Jnukai und anderer terroristischer Maßnahmen vor dem Kriegsgericht stehen, erklärte einer der Verschwörer, daß sie die Absicht gehabt hätten, Charly Chaplin, den amerikanischen Filmschauspicler, bei seinem Besuch in Tokio im Vorjahr zu ermorden, um einen Krieg mit den Vereinigten Staaten heraufzubeschwören. Die Tat soll:c gelegentlich des Empfanges Chaplins im.Hause Jimkais ausgeführt werden und kam nur dadurch nicht zur Durchführung, weil der Empsang plötzlich abgesagt wurde.. Heuschrecke« verursache« Hungersnot. Schanghai, 27. Juli. Wie da» chinesische Landwirtschafismiuisterium mitteilt, sind iveite Gebiete Chinas, vor allem die Landstrccken am Gelben Fluß, die kürzlich von einer Wasserkata- strophe heimgcsucht wurden, seht da» Opfer gewaltiger Heuschreckenschwärm« geworden. Die Felder wurden vernichtet, die Ernte zerstört und 65 Millionen chinesische Bauern sind ohne Ge- treide und Leb«n»mltrel. Die chinesisch« Regierung hat umfangreiche Hilfsmaßnahmen zur Abwendung des drohenden Hungertodes der vielen Millionen Bauern getroffen. Wo st«d die fehlende« dreizehn KU«f»aufe«de,r Brünn, 28. Juli Der Hilfsbedienstet« des Scheckamt«» Heinrich R o v a»e k und sein« Frau, di« sich wegen Scheckbctrug» in der Höhe von 75K0V L beim Kr«>tstrafg«richt in Brünn in Die„Fürstin Marie Antoinette". Sin kostspieliges Kapitel von menschlicher Dummheit. In Prag wurde di« ncununddrrißlajährige Hausangestellte Maria Bi na, die al» Prinzessin Marie Antoinette Liechtenstein Betrügereien größten Stils verübt hatte, einem eingehenden Verhör unterzogen. Die von ihr erbeutete Summe übersteigt den Betrag von einer Million Kg bei weit«m. Der Fall der Hochstaplerin Bin« liest sich lebensunwahr wie ein wüster Kolportageroman. Er ist so kitschig und so romantisch, daß er der Phantasie des Alltags alle Ehre macht! DI« Bin«, Toch.cr eines südwestmährischcn Siein- klopfer», wird in völlig verwahrlostem Zustand von einer Philantropin aufgefunden. Die Menschenfreundin nimmt das Mädchen in Ihren HanShalt, nährt und kleidet c». Eine Bekannte dieser Dame gewinnt Interesse an der aufgeweckten Maria, führt sie i» die„Gesellschaft" ein; Maria, die Chance klug erfassend, wird elegant, spielt die Mondäne im Kreise gelangweilter großbourgeoiser Dämchen und kommt so langsam in den cinbringlicheu Ruf, einen blaublütigen Stammbaum im anonymen Köcher zu haben. Eines Tages lernt sie einen vermögenden Mann, Faktor eines Großverlag», kennen, den sie im Verlauf der nächsten sechs Jähr« um rund ein« Million Kö betrügt. Ter Faktor hält die Bina für ein«„Prinzessin Liechtenstein" und überhäuft sie mit Ehrungen. Bi» er«ine» Tage», al» ruinierter Mann, die unfeierliche Wahrheit erfährt. Die hochstaplerischen Abenteuer der Maria! Bina ähtreln einem anderen Fall, der sich vor einigen Jahren in Deutschland abgespielt hat. Wir meinen die tragikomischen Erlebnisse des „Prinzen".Harry Domela, den servile Untertanen zum Hohenzollernprinzen avancieren ließen. Hier wi« dort die naiv-gläubig« Dummheit de» unsicheren Bürger», dessen Mißtrauen und dessen haushälterischer Geiz dahinschwinden, wenn ein glänzender Titel ihn innerlich stramm stehen läßt. Dem Domela warfen sie sich seinerzeit in ekstatischer Verzückung zu Füßen. Sie legten ihm „königliches Geblüt" zu, den» bescheidenen Domela tväre au einem schlichten Grasen durchaus genug gewesen. Es gab Feiern, Festessen und Paraden; ehrwürdige«tadtvätcr hielten byzantinische Ansprachen und der kleine Gauner hörte sich da» alles angstschwibend mit an, immer gewärtig, mitten im Rausch seine» triumphalen Ausstiegentlarvt zu werden. Maria Bina aber ging es ganz ähnlich. Man sagte ihr auf den Kopf die aristokratische Ahnen- galeric zu. Was sollte sie tun? Sollte sie sich wehren? Nun, sie machte gute Miene zum riskanten Spiel und wurde so unverdientermaßen eine Fürstin Marie Antoinette zu Liechtenstein. Sic spielte ihre feudale Nolle so gut, daß am Ende der skurrilen Komödie ein subalterner Träumer mit viel Hinter reppenplxmtasie, um sein gesamtes Vermögen geprellt, mittellos dasteht. Da» ist das Ende einer Geschichte, die uns ein» wieder schlagend beweist: daß menschliche Dummheit uoerall in der Welt die gleichen Ausbeuter findet! iitmiiiiiiiininiiiiiinniiiiniiiin Haft befinden, bestreiten Ihre Schuld auch weiterhin, trotzdem durch die bisherige Untersuchung mit absoluter Sicherheit festgestcllt wurde, daß NovaSek und Chladil(der in seiner Zelle Selbstmord verübt hat), al» unmittelbare Täter in Betracht kommen. Der Polizei ist eS auch gelungen, sestzustcllcn, daß außer NovoLet auch Chladil eine 5000 ll-Banknote bei einem Schneider aowech- sclt hat, bei dem er sich zwei Anzüge ansertigen ließ. Die Polizei sucht angestrengt nach den übrigen dreizehn noch fehlenden 5000 X-Banknotc». Effenbahnunglück in Prag. Prag, 28. Juli. Die Staatsbahndircktion teilt mit: Am 27. Juli zerriß der Lastzug Nr. 3785 auf der Strecke vor der Station B r 4 o- viee-Nusl«. Der Hintere Teil de» Zuge», vierzehn Wagen, stießen heftig gegen den vorderen Teil de» Zuge» an der Einfahrt in die Station Drioviee-Nusle. Ein Kondukteur de» Zuge» wurde chwer, einer leicht verletzt. Sech» Wagen entgleisten. Die Streck« wurde am 28. Juli um 4 Uhr 20 Minuten freigemacht. Die Ursache de» Unfälle» wird untersucht. Balbos Kriegsjubel. General Balbo hat» als erster geschafft: mit fünfundzwanzig Bombenwerfern, mit vollster und komplettester Kriegsbelastung inklusive Propagandamaterial ist er von EuropenS friedlichen Gestaden zur neuen Welt vorgestoßen. Weder Sturm noch Regen, noch Islands Romantik und das Gewicht der eigenen Gas- und Flammenbom- bcn haben das Geschwader zurückyaltcn können. Der Beweis ist endgültig erbracht worden, daß der Ozean nicht mehr trennend ist für die Kriegskünste der Völker: die territoriale Inter- Nationalität erscheint geschaffen, da» große Wasser ist heute wirklich nur mehr ein Teich, der die allfälligen Kriegsoperationen höchstens um einige Stunden verschieben, nicht aber niehr unmöglich machen kann. Und darüber haben die Sportbegeisterten Amerikas gejubelt; sie haben ganz vergessen(oder cs nicht wissen wollen), daß sie nicht mehr vor der Freund- schaft ihrer europäischen Kriegskameraden geschützt sein werden. Auch ihre Städte wechen die Kunst von Armstrong-BickerS, von Junkers und Caproni kennen lernen: europäische Gasbomben und Brandwerfer können heute bis nach New Bork vorstoßen, sie müssen das nicht mehr einzeln tun, sie können sich in Gruppen zusammenschließen und dadurch sozu- sagen da» Kriegspotential und ihren Kampfes- wert stärken. Ja, müssen eS denn nur 25 Flieger sein, die im Ernstfall den heute so kurzen Weg über den großen Teich antreten Wecken? ES werden Hunderte sein, die Tod und Verderben hüben wie drüben auSspeien müssen; Hunderte und Tausende von Fliegern werden wechselseitig Europa und Amerika be- bomben, sie werden, wenn es zu neuer männerfreudiger Schlacht kommen sollte, zusammeir an dem Untergang der Menschheit arbeiten. Und darüber, daß der immer kriegslustige Fascismu» den Beweis erbringen konnte, wie sehr di« Welt heute dem Kriegsmoloch, der Bestie de» Mordens untertan ist, darüber hat einträchtig Europa wie auch Amerika gejubelt! Ja, ia, wir leben in einer ganz großen Zeit und der Intellekt der Menschen ist stets im Wachsen begriffen. ES wird wärmer! Die Prager Wetterwarte berichtete gestern: Bei völlig heiterem Himmel nimmt die Temperatur noch weiter zu. Heute früh um 8 Uhr wurden b-r-i«««n Ö^ten der Republik 20 Grad Celsius und darüber hinaus, stellenweise sogar 25 Grad Celsius gr< meldet. In Westeuropa hat sich da» Wetter beute früh etwas verschlechtert, auch bei uns durfte sich bereits im Laufe des morgigen TageS allmähliche Bewölkungszunahme einstrllen, wobei es jedoch noch heiß bleiben wird. Prag hatte heute früh 8 Uhr 23.2 Grad Celsius, das Nachtminimum betrug 16.4 Grad CelstuS.— Wahrscheinliches Wetter SamStag: Allmähliche Bewölkungszunahme, im Westen d«S Staates spater Gewitterneigung, heiß, schwacher bis mäßiger Wind südwestjicher Richtungen. Litauen beantragt Untersuchung de» Absturzes der Ozeanflieger. London, 28. Juli. (Jnpreß.)„Daily Hcrald" läßt sich durch «men Kownoer Spezialkorrcspondenten berichten, daß die litauische R« g i e r u n g den Absturz der Flieger TariuS und GirenaS untersuchen läßt, da man in Litauen annimmt, sie seien bet Soldin von Deutschen abgeschossen worden. Geflüchteter Räuber. Nach der mißglückten Flucht de» Führer» der Uthoroder Kassenknackerbande Slovka Silva» au» dem Uthoroder Gefängnis flüchtete Freitag beim Morgenspaziergang daS zweite Mitglied dieser Bonde, Ladislav B a b i e aus dem Gefängnis. Der Räuber klettert« über die hohe AesängniSmauer und verschwand. Die Nachforschungen nach dem Flüchtling wurden ausgenommen. Fünf polnische Student«« ertrunken. Bei der Ortschaft.Dymaczow bei Posen kentert« auf dem dortigen See«in Fischerboot, da» mit sieben Studenten besetzt war, die sich in dieser Ortschast auf Sommeraufenthalt befinden. Trotz der sofort cingeleiteten Rettungsaktion feiten» der Fiicher de» Orte» sind fünf der Studenten ertrunken. Europaflng eine» amerikanischen Luftschiffe». Zuverlässig verlautet, daß das amcrikani chc Luftschiff„Macon" demnächst eine Europareise unternimmt. Der amerikanische Konsul soll sich mit der hiesigen Luftfahrtbehörde bereits in Verbindung gesetzt haben, um Auskünfte über die Lan- dungSmogllchkeitcn zu erhalten. Postoffizial als Postdieb verhaftet. Bekanntlich war am 4. Juli ein Postamt in Wien-Döbling von drei Räubern überfallen und dabei«in Betrag von 22.000 Schilling entwendet worden. Die Nachforschungen der Polizei hatten binnen kurzen: utt Verhaftung zweier Täter, des Kaufmanns Wilhelm Lehmann und des Seifenagenten Anton Schmied geführt, bei denen rund 1Ö.000 Schilling sichergestellt werden konnten. Nun wurde a:n Freitag auch der dritte Täter und geistige Urheber des Verbrechens, der ehemalige Post- offiziäl Viktor P o t h in Ledenihen am Faak-See in Kärnten, wo er sich in einem kleinen Gasthof verborgen hielt, verhaftet und bei ihm ein Betrag von 8000 Schilling beschlagnahmt. Unter schwerem verdacht. Im Jahre 1026 war eine Familie au- A l t k i n s b e r g bei Eger nach Nestersitz a. d. Elbe übersiedelt. Die Frau und zwei Kinder kamen aber Im neuen Wohnort nicht an. Ein Verfahren, da« gegen den Ehegatten F. cingeleitet worden war, mußte eingestellt werden. Nunmehr wurde aber F. wieder verhaftet und dem BezirkSgerichtSqefängni» Aussig eingeliefert. ES sollen neue Verdacht». Momente bekannt geworden sein. Die Untersuchung wird weitergeführt. Ein verhängnisvoller Traum. Der Verwalter de» Gute» Pöglhof bei Bruck o. Mur, Franz S t a t t e g g r r, hatte nacht» eine« bösen Traum;«» träumte ihn, er sei mit einer Holz- schlägcrnng beschäftigt, al» plötzlich ein großer Baum, der gesollt wurde, gegen ihn stürzte. Der Verwalter, dessen Bett neben dem Fenster steht, erschrak derart, daß er im Traum« rasch einen Satz zur Seite machte; dabei stürzte er au» dem ersten Stock de» Wirtschattthauset in den Gut»- Hof, wo er mit einer schweren Kontusion de» Rücken» liegen blieb. Er durchschwamm d«n Niagara-Fall. William Eondrat, «in junger amerikanischer Schwimmer, be- zwang als Erster den gefährlichen Niagara- Fall. Al» er jedoch an der kanadischen Seite an Land stieg, erwartet« ihn dort«in Polizist, der ihn für verhaftet erklärte, da da» Schwimmen in: Niagara-Fall verboten sei. niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiniiiiiiniiiiinuiiiiiiiiiiiiiiniiniiiiiiiiiininiiiiiiiiiiiiiiiiininiiuin Sparmaßnahmen in Oesterreich. Blättermeldungen zufolge werden demnächst zwei Wiener Spitäler und eine Abteilung de» Allgemeinen Krankenhauses au» ErsparungSgründenaufgelas- sen werden. E» handelt sich um da» Orthopädische Spital, um da» Frauenspital in Klosterneuburg und um die.Hebammenklinik im Allgemeinen Krankenhaus. Zur Entgleisung de« Schnellzuge» Paris- Bordeaux wird gemeldet, daß die Ursache de» Unglücke- auf einen Schienenvruch zurückzufüh» ren ist. Zwölf Personen erlitten leichtere Verletzungen. Der Verkehr war für kurze Zeit unterbrochen. Die erste Tode«strase für Entführung. In Kansas City im Staate Missouri wurde zum ersten Male für da- Verbrechen der Einführung die Todesstrafe verhängt. Ein gewisser Waller M c G e c, der im Mai die Tochter de» Stadtbeamten McElroy entführt und nach dreißigstündiger Gefangenschaft gegen Zahlung von 30.000 Dollar wieder freigelassen hatte, wurde zum Tode durch den Strang verurteilt. verband proletarischer Freidenker aufgelöst. Donnerstag wurden die Sekretariate des kommunistischen Verbände» proletarischer Freidenker in Prag und Brünn von Polizei durchsucht. Die Verband-räume in Brünn wurden versiegelt und den Funktionären wurde mitaeteilt, daß der Verband durch Erlaß der Prager Polizeidirektion vom 25. d». aufgelöst wurde. Di« Prager Funktionäre haben noch keinen Bescheid erhalten. Der Brünner Bescheid einhält keine Begründung. Englische» Unterhaus begrüßt Einstein. Einstein erschien in: Unterhaus, um die Begründung der von Locker-Lampson einaebrachten Bill über di« Einbürgerung von Juden anzuhören. Er wurde bei seinem Eintritt vom Hause demonstrativ begrüßt und in der Rede Locker- Lampson», der den Hitlerismus scharf angriff, al» der berühmteste Bürger Deutschland» bezeichnet, der jetzt im Besucherbuch in der Spalte der Adresse „keine" schreiben mußte. Ein mexikanischer Ränberstreich. Einen cus- sehenerregenben tollkühnen Streich verübten vier mexikanische Banditen, denen es gelang, eine wohlausgestattete Lohnkassc gewissermaßen unter den Augen der schwerbewaffneten Wächter zu entführen. Zu der Räuberbande gehört en: Mann von zwerahaftem Wuchs, den seine Komplizen in ein Petroleumfaß mit abnehmbaren Deckel steckten. Der Versteckte hielt den Deckel von innen fest und das Faß wurde mit anderen Frachtstücken an Bord eine» Tankschiffes der „Mexico-Eagle-Petrol-Company" gebracht. Während der Nacht schlüpfte der Ztverg aus seinem Faß und ermögiichte seinen drei Spießgesellen, ebenfalls an Bord zu kommen. Während die bewaffneten Wachen da» Verdeck abpatrouillierten, waren di« Banditen in die Kajüte des Kapitäns gedrungen, hatten den Kapitän gebunden und geknebelt und die Lohnkasse mit einem Inhalt von 28.000 Peso» geraubt. Dann zwangen sie den Kapitän, durch das Bordtclephon ein Kommando zu geben, auf Grund dessen der Tankdampfcr in die Nähe de« Ufers kam. Als die« geschehen war, bestiegen die vier Räuber ein Boot, und ehe der Kapitän in der Lage war. die Wachen zu alarmieren, befanden sich die Flüchtlinge bereit» in Sicherheit. Vom Rundfunk Empfehlenswertes au» den Programmen. Sonntag: Prag: 6.30: Gymnastik. 8.30: Kinderfunk 9.15: Biolonerllokonzert. 10: Zigeunermelodien. 12: Mit- tagSkonzert. 17.30: Radiofeuillewn. 18: Druisch« Sendung: Musikprogramm. 22.20: Tanzlieder.— BrUnn: 0.15: Biolinkomposiiionen. 17.80: Lieder und Chanson». 17.45: Zitherlrio. 18: Deutsche S e n- düng Bauernkapelle. 21: Tschechische Serenaden.— Wien: 10.15: Lieder und Arien. 11: Orchesterkonzert. 16.25: Blick auf Tirol. 20:„Ein Märchen au» Florenz". Operette.— Frankfurt: 15: Stunde der Jugend.— Heilsberg: 15.30: Tas Jndianerzelt. 20: Au» det Knaben Wunderhorn.— VreSlau: 15.30: Kinderfunk.— Leipzig: 15.80: Chorkonzert 18.45: Unterhaltungsmusik.— München: 21! Puccini-Melodien. 11t. 175 EmnReg, 20. Y«N lin Seift 5 fetter. Bon Helene Krepinflh. Hast du st« schon gcsch», wenn sie am Abend An» den Fabriken hebdeinveise wandeln? ,;, Mit müden Schritten, stumpfe» Blicke» geh» dir einen, Und wie«olöst von langer Oiial die ander«. Sie all« sind voll Sehnsucht, voll Eiwartmig Der kargen Freuden, dl« der Abend bringt, Und ihre Buge«, seltsam grob und leuchtend, Erträumen etwas, das ini Nichts verklingt, Eh' noch die Feierstunden enden. Dann und wann Wagt» einer wohl und greist nach Trauingesichlern, DI« flimmernd sein« grauen Stunden leis« hegen.. Ti« nächst« grau« Stunde macht ihn nüchtern, Mell an Maschinen sie wie Kilo« jerschclle». ... Und wieder Tag für Tag siehst du sie wandern I» die Fabriken, heimwärts, müden Blicks, Boll Sehnsucht nach dem Lohen, nach de».,, andern. Di« ihre Brüder sind und di« sie dock, nicht kennen. Var Handschuh. Erzählung von Erich Gkisar. Wir hatten un» lange nicht gesehen. Ich weih nicht genau, wie lange, aber immerhin, et Ivar lange genug, um un» diese» Wiedersehen «i»i Ereignis werden zu lassen und in dem Augenblick, al» wir un» erkannten, streckte jeder von un» impulsiv dl« Hand an», um sie dein andern zu reichen. Da» heißt, ich streckte sie zuerst au» und hielt sie ihm hin, während er erst umständlich begann, sich den dicken Handschuh abzustrei^en. Dunkel entsann ich mich jener Regel bürgerliche» Takte», die vorschreibt, daß «in-Herr einer Dame nie die behandschuht« Hand zum Gruß reichen darf. Und so platzte ich denn heran»: So bürgerlich? Wieso bürgerlich? fragt««r zurück. Na ja, daß du dir die Handichuhe erst um» ständlich auSziehst. Geht doch auch so. Ach so. Nein, daran habe ich gar nicht ge» dacht, Ist da» bürgerlich? Ich weiß dos gar nicht. Ich tue da» immer. Ich hab mir da» so anqewöhnt. Weißt du, im Krieg. Nanu, sagte ich, da» ist ja ganz>vas Neue», Xiß man im Krirae Manieren lernt. Ich denke, >a lernt man Grissekloppen, Leutetotschießen und olche Sachen? Ja, das auch. Aber da» mit den Hand- chuhen habe ich auch au» dem Krieg« mltge- »rächt. Weißt du,«» war 1017. Wir lagen damals in der Bukowina. Bei Podfilippj, Zwi« chr» un» und den Russen floß der Zrbutschl Herrgott, dacht« ich, jetzt erzählt er mir den ganzen Ausinarschpla» von Ober-Ost, und ich «rgerte mich schon, daß ich ihn gefragt hatte, Von mir au» konnte er sich sein« Handschuh« ausrlehe», so oft al» er Lust hat. Aber da fuhr «r schon fort. Ja, weißt du, da» war di« Zeit, wo«» Mit dem Krieg« fachte zu Ende ging, Zwar Wurde im November wohl noch ab und zu feschoss«». Und Verluste haben wir auch noch«, labt. Aber da»>var mehr Uebermut. Weißt du, di« Russen waren so kriegtmüd«, daß sie sich um nicht» mehr kümmerten und mehr al« einmal vergaß sich einer und steckt« seinen Kops mit der «ärenfellmütze über di« Deckung. Nun hatten ie zu der Zeit b«i un» die ersten Zielfernrohre einaeführt und da gab e» denn immer so Hornochsen, di«. Wenn sie wo eine Pelzmütze sahen, meinten, sie müßten ein Loch In di« Lust schic, ßen. Ra und dann schossen di« drüben eben wieder. Aber«» war wirklich nicht» ernsthafte», MchtS war«» schon ungemütlicher. Da schossen di« drüben unaufhörlich. E« sgh a„z, al» hätten sie Angst, wenn es so still war. Vielleicht hatten sie auch nur Spaß am Knallen. Na gut. Eine» Tag«» jedoch war richtig Schluß»on oben kam ein Befehl, daß nicht mehr geschossen Grunde gehen, Aber ti war auch«ine bequeme Art und die Fische schmeckte» un» und den Russe» wirklich aut. Einen Tag kam auch der Feld' tvrbel, der sich sonst nie in der Stellung ichcn ließ, zum Fluß herunter und meinte, es ginge doch nicht, daß wir die gute Munition verschwe» beten. Nachher fehle sie, Dann nehmen wir«ine Angel, meinte ein alter Laiidsturmmann, oder wir spannen es» Netz. Aber so hatte der Feldwebel da» nicht gemeint. Er macht« nn» klar, daß da» deutsch-' Volk icde-Handgranate bezahlen müsse und da« c» unser« lzellig« Pflicht sei, dl« Waffen zu schon« und so weiter.and und reicht«.sie der junge» Fran, die ihm wirklich sehr nahe zu stehen schien. Ein Volk wird vergiftet! -loder achte Chlnone Ist dem Opium verfallen* Ralph Townlend, früherer amerikanischer Bizekonsnl in Shanghai. Im Avril dieses Jahres wurde in Genf nach sost zweijährigen,, hartnäckigem Meinungsstreik das Internationale Muschaiftiibereintsmmen ratifiziert, das dein Völkerbund die unumschränkt« Kontrolle über di« Ranschgiftprvduktion und den Rauichgiiihandel d-r Welt einränmt, In Europa, Nord, und Südamerika ist da» Raulchaiftprohstm hauptsächlich ein Problem der im Laboratorium erzeugt«» Drbgk» und dort wird sich die neue Konvention sicherlich gs»«in« wirkiame Masse i>n Kampf« gegen d«» unbefugten Nauschgifthanhel erweis«», Aber wie steht e» mit jenen entlegener«» Ge bieten, die von fcr VöllerbuMontroj e nicht er, faßt werde» kSn»«n, wo eine einfach» Aussaat ge, niigt, um di« Gier der Rauschgiftsijcht ge» zu ve, friedigen und in anderen diese Gier zu erwecken? Wie steht e» vor allem mit China? Für China Ist das RaMgistproblem eine landwirtschaftliche Angelegenheit, Der chinesisch' Bauer Hot vom Völkerbund noch nicht» gehört, Im größt«« Teil China» wird e» auch von der Be» seblsgrwalt der Zentralregirrunq nicht erfaßt, Er ist nur dem örtlichen Machthaber, sei«» nun Van* diiestsührer oder Kriegsherr, unterton. der eben thrannischt Macht über sein Gebiet ausübt. Und dieser örtlich» Machthaber ist stet« in dringender Geldperlegenheit. um sei Ni bewassneten Annöng«» msommenzubalten«nd sich einen kleinen Fond» für dis ungewisse Zukunft zurückzulegen. Opium ober ist in China besser al» jede andere Dar« ge* eignet, jederzeit in Baraeld umgesetzt zu werden, Sin aumahmsbereiter Markt wartet stet» begierig auf neu« War«. Die Chinesen kleben Ihre Opiuntpfeife mehr al» alle» in der West und da» Opinmranchen ist in fast allen Teilen Chinas im Schwünge, Niemand vermag mit Sicherheit anzugeben, wieviele OpiumlÜchtige«s in China gibt. Aber an» der Beliebtheit de» Opiuwranchens in allen Gklellschasttstchlckten und ans dein gewaltige» Aus maße der Mohnfelder kann man schließen, daß e» viele, viel» Million«« dem Odium ver fallener geben muß. Die besten Kenner Chinas behaupten, ooß zumindest drei Viertel der Angehör gen der Kuli-Klasse Opium rauche», Und vielen Kuli» Ist di« aschfahl« Farbe der Haut, die gering» Beug» samkeit der Muskeln, der abgemagerte Körper und btt starre, angespannt« Blick der Opiumsüchligktt vorgeschrittenen Stadium« zu eigen. Die chinesische Provinz Fukien hatte ini Vorjahre«ine ungewöhnlich reiche Oviumernte zu verzeichnen, wodurch die Preise verhältnismäßig niedrig wurden. Eine Oviunipseise in einer ver Opiumhöhlen niedrigster Art kostet, einschließlich de» Rechte», sich während de» Rauchen» auf eine Bank zu legen, drei bi» sechs Pfennige. Aber auch diese geringfügigen Beträge reichen au», uni da» Houshaltsbudget eine» Kuli» au» dem Gleich. gewicht zu bringen. Ein Rikscha- oder Lastkuli 1 muß in ganz China sehr hart arbeiten, um dreißig- bi» vierzig Pfennig im Tag zu verdienen. Zwei bi» drei Opiumpfeifcil im Tag— dar Durch- schnittsquantum des nicht übermäßigen Opium- räucher«— sind daher ein allzu kostspieliger Lupus kür Ihn. Man macht sich gew'ß keiner Uebertrclbung schuldig, wenn man die Zahl der Oplumlüchftgen China mit dreißig bis fünfzig Millio nen Menschen annimmt. Dreißig bi» fünfzig Millionen Opiumsiichtiae stellen auf den ersten Blick eine erstaunliche Schätzung dar, bclonder» im Verhältnis zu der Gesamtbevösstruna Chinas. di« wahrscheinlich nickt höher ist al» 350,000.tMt) Menschen— ein dem Opium Verfallener auk ach» oder vielleicht zehn Menschen, Frauen und Kinder mlteinaeschlossen, Aber In ausgedehnten dicht be- böllert«» Gebieten ist da» Verhältnis der Ovinm- raucher zur Gesamtbevölkenkng ein noch höheres als ein» zu acht. In der Provinz Fukien, wo sich di« Molmselder in nnunterbrochcner Reibe über mehr os» fl Kilometer erstrecken, und in anderen Teilen Chino» dient mehr Land dem Anbau pon Opium al» von Reiß oder Getreide, Gerad, al» die Lentralregiernng in Nanking im Boriabr»in„Edikt zur Ausrottung d«6 Opiumübel»" beransgab, überstütete die Opium- ernte de» Fri'chiahr» den chinesischen Markt. In Fn-Tlchon. wo ich mich damol» aushielt, richtete die chinesische Marine ein„Dgseninspektorat" ein. del- le.t Beamte alle einkanqendcn Dscknnken und Samvons nach Konterbande untersucht«'», Aber die Behörden waren Welt davon entkernt, die pyrgefitndenen Ovinmmenae» mit Beschlag zu be- lsaenr dl« Besitzer wurden lediglich mit einer „Buße" besegt, deren Höbe sich nach dem Ona», mm des Rai'schaistes richtete, und konnten unge- hind-r« ihre Ware wciterjran»Port'«r«N. Da« erstaunlichste aber war, daß Fang Shiin-Tao, der vrovinzgouveeneur. den vpiumanb«« in dar Provinz Fukien salbst anordnete und erzwang. Cr beauftragte sein« Soldaten, überall In den Niederung««, wo es gut« Ernten gibt, Samen m verteilen. Die Landleute wurden nicht Im Zweifel darüber gelassen, daß dem Mohnanbau entzogene» Lgnd grausam besteuert werde« Würde«nd wo Drohungen nicht fruchteten, schritte» die Behörden zum unmittelbaren Zwang. C» ist«in beliebter Trick der chinesischen Militärwachthaber, nachdem sie den Sp'umanbau■ erzwungen haben, ein längst vcrgesicnes Gesetz plötzlich zu neuem Leben zu erwecken,»ach welchem Opium»»gesetzlich ist, wenn di» Ernten«Ingebracht sind, verstehen sie eS auf diese Weis» sehr, erheblich« Geld« summen von den Landleuten zu erpressen. Auch Fang Shun-Tao wendete diele Methode an. Die Landleute, di» dem Bissehl be» Provinzgouver« nenrü gemäß oder unter Zwang Opium angebaur hatten, wurden plötzlich unter Berufung aus datote Gesetz der Naniittger Zentralregierung weg«» ungesetzlichen Opinmanbaus unter Anilage gestellt, In ihrer PerKvMung sieht» e.ne Gruppe von Landlcnten die Provinziglregiernng um Gnade an, Sie beklagt« sich in erschütternden Won«», daß sie, selbst wenn sie all ihre Besitz, tümer, Frauen und Kinder eingelcksiosien, verkauf, len, außerstand«»vären, den Steuerforderungen der Agenten Fang» nochzukommen. Di« Antwort war e n Befehl an die Soldaten ans sie z» feuern und die später» Beschlagnahm« ihrer gesamten Opiumernte. Kurz« Zeit daraus war Herr Fang i« der Lage, sich von seinen AmtSgeichästen in ein durch keinerlei geldliche« Sorge« getrübte» Privatleben zurückzuziehen. Auch in zahlreichen anderen Te'len Chino» wird, verläßlichen Berichten zufolge der Ovinm» anbau von den lokalen Machthabern erzwungen. Im Norden der Provinz Shcn-Si sind acht Zehn, tcl allen bewässerten Lande» Mohnfeldcr. Die Opiumhöhlen, i« denen all dir» Opium geraucht wird, sind nüchterne Lokale, schmutzig», finster» und von Gestank erfüllt« Räume, deren gesamt« Ausstattung au« mehreren nackten Holzbänken und kleinen Tischen iür die Opiumlampen und die Teetassen besteht. Die unmittelbaren Wirkungen de» Opiums sind, zumindest wa» den Chinesen betrifft, durch- ans nicht ausfallend. Auf den schwere Arbeit ver- richtenden Kuli scheint der Opiumgenuß zunächst anregend und kräftefteigernd zu wirken. Man kann häufig beobachten, daß der Rikscha-Kuli oder Lastträger, offenbar ans« äußerste erkchöpst, von Zeit zu Zeit ein« kurze Rast einschaltrt. um ein» Opiumpfeife zu rauchen, Hernach ist er wieder munter und arbeitsfähig. Aber nach einer gewissen Zeit, oftmals nach Monaten, manchmal erst nach Jahren, nimmt die Haut de» Opiumrauchers ein« charakteristische aschgrau« Farbe an, er magert zusehends ab. verliert jede Eßlust und scheint in, Opium Ersatz für Speis, und Trank zu finden, Eß ist kaum anzunehmcn, daß es der chincsst scheu Regierung in der nahen Zukunft gelingen wird, der Vergiftung eines ganzen Volkes Einhal, zu gebieten, Und doch könnten zielbewusste Anslrcn- gnngen da» Aergste verhüten, Die» erwies sich im Jahr« Mü, al«, in der Zeit der Monarchie, ei» Plan ins Werk gesetzt wurde, die Opinmproduk« tion durch zehn Jahr« um le«in Zehntel zu per- ringer». Bis zm» Jahr« lütt, da die Revolution siegle und das Programm zurüsteuje, nahm die Sltte des Oviumrgnchen» China sichtlich ab. Bald daraus nahm die republikanische Regierung den Feldzug gegen das Opium wieder auf unvollendete ihn 1817. Eine kurze Zeit hindurch wurde kaum ein einziger Mohnkopf in ganz China angebaut. Heut« dient«in großer Teil de- vielbesprochenen Straßenbauprogramm» der chinesischen Regst, rung der Förderung des Opiumhandels. Opium ivar die Triebfeder der jüngsten kriegerischen Uw, tcrnehmnnge» eines Generals Tang-?)»-Lin, der standhaft Iehol gegen die Japaner verteidigte. da» unter seiner Herrschaft mehr oder minder ein einzige» groß«» Opinmfeid war, an» dem er reiche Einkünfte bezog, t8anz China steht dem Opiumlwnbel weil rkfen. Man ist dort»eck weit van dem System der RegjerungSlitenzen entfernt, da» sich auf dem malaiischen Inkekarchspel, In Niederländilch-Ost, Indien und in Brltisch-Indstn. wo Opium lang« Zeit»in Fluch war. bewährt, Wohl fehlt» nickt an Bemühungen privater Organisationen China», gegen da» Opiumsaster anznkämpfen, Aber Pi« Anarchie, di« im größten Teil« Chinas herrscht, raubt jede Hoffnung auf«Ine Besserung in nächster Zeit. AuS ganz China langen Berichte ein, daß di« Opiumproduktion im starken Anwachsen begriffen ist. Solange da» gegenlvärtige Chaos und solange ungezählte Kriegsherren und Banditenführer stet» nach neuen Einnahmen trachten, solange wird di« Opiumproduktion China» eine gewaltige bleiben und dem Getreideanbau uiigchenre Flächen entziehen. Dem Reiche der Mitte wird dir neue Nansck- ailtkonventioii keinen Nutzen bringen. Ungezählte Millionen aschfahler Kuli» ivcrde» weiterhin dem Opium gehörig bleiben— zu Skelett abgemaaeri, au» dem Rauschgift trügerische Hoffnung schöpfend. Ich sehe Im Geist« einen R!k''cha-Kuli vor mir, der zwischen den Deichselstangen leine» Ge. fährt» keuchend einherschwankt. Er ist frühzeitig alt geworden und bleibt Iminer häufiger stehen, um Astm zu holen, unter dem Borwand, daß er seine Strohsandalen befestigen muß. Gr ist einer von den dreißig oder vielleicht fünfzig Millionen Chinas, die unreitbar dem Opium verfallen sind. Vom Völkerbund hat er noch nie etwa» gehört, sNochdruck, auch auszugsweise, vttboten.z werde» sollte. Aber dst Unterstände wurden trotzdem weiter aukgebaut. Man könnt« ja nst wissen. Und dann mußtet! wir ja auch Anschlu habe». Als die drüben erst merkten, daß bet un» I keiner mehr schoß, hörte auch nacht» das Knallen I aus. Tag» tauchte» die hohe» Pelzmützen immer i öfter auf. Wir mußten natürlich unsere Posten i iveiterstche», damit die Rondenoffiziere jemanden ' hatten, den sic anschnauzen konnte»-. Na ja, i i ja jetzt vorbei. Statt zu schieße», fingen die Ru ■ sen jetzt an. jede Nacht zu uns rükerzm'chrcien. : Kleba, Kleba, rief einer Immer. Brot, Brot, i Ich vergesse es nie und wenn ich hundert Jahre alt werden sollte. Kleba, die ganze Nacht Kleba. Ich weiß nicht, wa» er damit meinte, Ob er l Hunger yatte und nach Brot schrie, oder ob er meinte, daß wir Brot brauchten. Ich verstapl immer nzzr die» eine Wort: Kleba. Als von uirserer Sette dann einige AnNvort gaben, meldeten sich drüben welche, di« Deutsch konnten. So ivaren bald die schönsten Unterhaltungen im Gange. Ihr müßt Euern Wilhelm auf den Kopp scheiß««, rief einer jede Nacht ein paar Mal. Wir haben unser» Alexander auch auf den Kopp geschissen. Da« klingt ein bißchen hart, aber e» sind genau die Wort«, die der Russe immer rief. All die Jahre sind sie mir durch den Kopf gegangen. Ich habe sic damal» nicht so verstanden wie sie gemeint Ivaren, nur darum habe ich sie nicht vergessen. Na ja, do» niit un» erm Wilhelm hatte damal» noch gute Wege. Wir waren froh, daß erst mal nicht mehr geschossen wurde. Bald ließen sich die Russen auch ain lag« sthe» und so sehr man un» ermahnte, in unser» Unterständen zu bleiben und in den Häusern, die al» Feldwache eingerichtet waren, damit wir d«n Russe» unsere Stellung«» nicht verrieten, kletterten wir au» den Gräben und staitden bald am User und riesen z» den Russen hinüber, wa» un» gerade einficl. Ihr sollt mal sehen, wa» ihr Zunder kriegt, wemt es mal wieder los geht, mahnte nn« unser Hauptmann, aber wir glaubt«» nicht daran, daß tl mal wieder losgeben würde. Ich weiß nicht mehr, wa» alle» wir un» in jenen Tagen erzählten, Im ersten Ueberschwang und in der ent«» Erkenntnis dessen, daß di» auf der andern Seite Menschen waren wie wir, Ich glaube, wenn damals di« Verhandlungen geschei« er« wären, sie hätten keinen von uns mehr in den Graben und an sein Gewehr gekriegt, Ich age nur, daß ich das glaub«, wissen kann n«an so, wa» sa nicht. Nu» gut, Wir singe» Fische zusammen. Wir warfen unser«-Handgranaten in den Fluß, während die Russen auf einer alten mit Pfosten vernagelten Tür auf dem Wasser herumgondel- ten und di« hochkommenden Fische In Körben kitt- gen. E» war ein« primitive Art Fische zu fo«, gen. Richtig genommen, war e» Raubbau, denn oie-ganze Brut mußte auf diese Art mit zu Leite 6 Nr. 1,5 Samstag, 29. J»kk 1988 Vereinsnadiriditen Sport* Spiel* Karnerpneae Der Film der sie «in Bemerkanden. verlogen, da dort den lernwilligen Studenten ein regelmäßiger Besuch der Vorlesungen und Untvrrsi- lät-institute möglich ist~ von für Unentgeltliche Beratung», stunden der Arbeiterfttrsorge finde« jede« SamStag von 8—7 Uhr im Verein deutscher Arbeiter, Smeötkagasie Nr. 27, statt. wwwwmmmmmmmmmmmAww seiner technischen Leistungen unentbehrlich wird. So werden wir niemals eine gesunde hcnnischr Produkt tion ausziehen: ohne Lehrer ist noch niemand gebil- det worden! W Lg. Der Fall Ulanov, einer vielen, zeigt, daß der Nationalsozialismus auch den Sport ein KvitbSscheiden ist." * Weg mit dem Kulturballast! Bei der Eimvei- hung eiueS neuen Schulhauses hielt der Banrcn Decker aus Brandenburg«ine Rede, die den Geist des„Ausbruchs der deutschen Nation" atmet:„Was die Lehrer airbelangt, müssen sie von ä l t«st«in Schrot und Korn sei n. Bis 1830 nahm man für diesen Beruf in erster Linie ausgedient« und gut bewährte U»t e r o s s i z i«r e, wo fci man nicht schlecht gefahren ist. Sie haben * Röhm als Prophet. Am Grab« der Rathenau- Mörder Fischer und Kern sand«ine nationalsoziali stischc Kundgebung statt, an der u. a. Stabschef Röhm seinen braunen Lieblingen«'ne Rede hielt, in der ausführte: „Immer noch, wenn ein Volk dem Untergänge geweiht schien, Hal c« Helden gegeben, die Tyrannen beseitigten und an die Stell« von Sklaven- g e s i n n u n g, F r t g h«i t it it b UnIerwer. s» ng die Fahnen des Mut« S, der Einsatz- b e r e i t s ch a f t und der männlichen Tat in die Schmach ihrer Tag« pflanzten." Dem Stabschef Röhm ist«ine direkt phänomenale Voraiissehungsgabc nicht abznsprechcn; int ilbrigen ist anznerkennen, wie richtig er di« Nazi beweg» ng k«» n z« i ch ne t: Tyrannen. Sklavcngesinniing, Feigheit und Unterwerfung... Man kann auch einmal mit Röhm einverstanden sein! Das Endspiel um dir Fußball-Meisterschaft dell. Kreise- findet Sonntag nn Aussiger Stadion zwischen Lassalle Krochwitz und ASK. Saaz stall. Wir gehen nicht fehl, wenn wir heut« schon Krochwitz als den neuen Meister bezo'chnen. Saaz ist wohl eine Kampfmannschaft, der aber die tcch. nische Vollendung und die Spielroutine, w'« Krochwitz besitzt, mangelt. Auf jeden Fall ist spannender Kamps zu erwarten. I« der Westzone um die Europameisterschaft Arb-iterfußballer sind folgend« Kämpfe noch auSzu- tragen: Schweiz gegen Belgien, Belgien gegen Frank, «ich, Schweiz gegen Holland, Holland gegen Schweiz, Schweiz gegen Frankreich und Frankreich gegen Holland.. Belgien führt derzeit mit acht Punkten au- vi«r Spielen vor Holland in der Weftzon«. 18 Spiele um die Kreismeifterfchaft im Radball. Sonntag trägt der 1. Kreis(Teplitz-Schönau) d«r Avbeilerradfahrer die Kreismeisterschaft im Zweierund Dreier-Radball in Weiskirchfitz aus. 16 Spiele sind notwendig, um ditz beiden Kreismeist«r zu ermittelns die dann am 16. September in Teplitz an den diesjährigen Bundesm«isterschaften im Radball deilnehmen werden. . Die schweizerische fozialdemokratifche Partei für den Arbeitersport. In der letzten Vorstandssitzung der sozialdemokratische» Parte'' ln der Schwei; wurde folgend« Solidaritätskundgebung für den Satus gutgeheißen:„Der Parteivorstand der SPS. appelliert an die Sektionen, alles zu tun, um das Abkommen zwischen Partei und Satiis zu verwirklichen. Einmal durch Organisierung einer großzügigen A u S- triltsbewegung aus den. bürgerlichen oder scheinbar neutralen Turn- und Sportvereinen und sodann durch eine weitgehende Unterstützung der SatuS-Vereine." Nationalsozialismus auch für den Sport ein Krebsfchaden. Beim Prager DFC. spielt seit«ini- ger Zeit der Bruder des MittellänierS Ulanov als Flügelstürmer. Welche Gründe Ulanov, der bekannt, sich beim Wiener WAE spielt«, beivogen, nach Präg zurückzukehren. darüber schreibt der Wiener„Abend" u. a. folgendes:„Ulanov studiert Medizin und war durch die fortwährenden Nazibubercien an der Universität und die dadurch bedingten Sperren der Hochschule so in seinem Studienfortgang aufgehalten, daß « ei vorzog, seinen Wohnsitz wieder nach Prag zu ArbeHer-TOrn- und Sportverein Prag Anmeldungen von Teilnehmern zum Aussiger Arbriterfporttog werden nur noch bi» inkl. Montag, den 31. Juli, bei Gcnofsrn Schrader(Gee) sowie bei den Funktionären am Turnplatz (Hetzmsel) entgcgeng«nommen. llllp ro ze n tig« F a h r t c r m ä ß i g u ng, auch als Einzelfahrer,'o d-.ß die Hin- und Rückfahrt nur 26 sts beträgt. Die Festkart« intl. Nächtigung lMossenguariier) kostet 6 Ke und die Fahrtlegilimation 2.ä0 llö. Bei der Anmeldung ist sofort ein Betrag von 16 lls zu erlegen. Das Mitgl'edÄMch muß mit Photo versehen und die Marken bis September geklebt fein., Di« Abfahrt nach Aussig erfolgt Samstag, den 5. August, nachmittags Näheres wird rechtzeitig hier verlautbart werden. Wer also noch mitfahren will zu dieser großen sportliche» Veranstaltung, meld« sich raschesten-! eS gut fertiggebracht, neunzig und mehr Kinder gleichzeitig in Schach zu hallen. Zu diesem alten sriderizia Nischen Geist des 18 Jahrhunderts muß man zu- rückkehren und stets erkennen, daß in erster Linie Lesen, Schreiben, Rechnen getrieben und der übrige Ballast aus der Landesschule mehr oder weniger verschwindet." Los vom Nazisport! Oesterreich- Turner machen sich selbständig.— Fusion im Handball.— SASJ.-Unt«rfekr»tariat in Dien. Die österreichischen Arbcilersportler waren bereits vor dem Kriege im Jahre LOOS ein Teil de- Teutschen Arbeiter Turn- und Sportbundes. Im Jahre 1921 wurde dieses Verhältnis erneuert und Oesterreich bildete di« Kreise 17 und 18. Kurz nach dem Nazi-Umsturz in Deutschland hörte auch der Deutsche Avbeitcr-Turn- und Sportbund zu bestehen auf. Die beiden österreichischen Kreis« machten sich daher selbständig und führten bisher Berhaiiülungen in Liirz, bei denen mit der Ausarbeitung neuer Statuten begonnen wurde.. Diese.Verhandlungen laufen jetzt in Wien weiter. Es ist noch nicht sicher, ob ganz Oesterreich wieder in zwei Kreise«ingrteilt werden oder ob jedes Bundesland seinen eigenen Kreis bilden. wird. Die Einteilung in pvci Kreise schlagen vor allem di« Oberösterreicher vor, weil sie hoffen, daß für sie. in diesem Falle die Kosten de- Sporkbetri«bcs geringer fein werden. Für di« Einteilung in kleinere Kreise spricht andererseits wieder der dichter« Anschluß an d!e politischen Organisa- tionen. Di« Bemühungen, di« Doppelgeleisigkeit im Ar- beiterhandballsport, der bisher von den Turnern und Handballern gesondert betrieben wurde, zu beseitigen, gehen aus Jahre zurück. Jetzt ist es endlich so weit, daß sich die beiden Verbände vereinigen. Di« letzt« Gen«ralversammlnng deS ArbciierhandballverbanäiS hat, wie wir. schon berichteten, einstimmig den Anschluß an die Turnerhandballer bcschlosien. Ter Arbeiterhandballverband zählt gegen 1666 Spieler und Spielerinnen, während etwa 6000 Turner und Turnerinnen den Handballsport betreiben. Infolge des Ausscheiden- Deutschlands aus der internationalen ArbeitersporSbewegung mußte dafrüher in Berlin von W'ldung geführte Untersekretariat der SASJ. sür die deutschsprechenden Länder neu errichtet werden. Die- geschah mit 1 Juli in Wien; die Geschäfte führt Genoss« Hans Gastgeb, der Sekretär deS Askö. Vom Horst-Wessel-Film. Zn Berlin-Johan- niSthal durste die.Presse! die.erste Vorführung des beinahe serliggcdrehten Horst-Wesscl-Films sehcn. Zn diesem Film, der die Znhältertätigkcit des Natioualheldeu selbstverständlich nicht illustriert, spielt Paul Wegener, der unter Reinhardt bessere Seiten gesehen hat, einen„rnssischcn Funktionär", wie ihn sich der kleine Moritz vorstellt. ES wird eine Saalschlacht zwischen Kommunisten und Horst-Wessel-sturm vorgeführt und außerdem die Säbelmcnsnr tcutscher Studenten gezeigt, mit allem waS dazu gehört, auseinander- gehackten Kälbcrfrcfsen, dem Nähen der zcrpauk-. ten Studentenvifagk» und dem feierlichen Aussausen großer Töpfe schlechten Berliner Biers. Die deutsche Kultur, wie sie in der ganzen Welt vorgcführt werden sollte. veseftlose Praxis. Da- Handelsministerium, Abteilung Film, hat ohne ein« Verordnung zu publizieren, auf Grund bet WährnngSfchutzgesehe entschieden, daß der Film eine Deviseckbewilligung braucht. Diese Bewilligung wird nur erteilt, wenn«in« wieder vom zuständigen Referenten ohne Regierungsverordnung eingesetzte Kommission zustimmt. Zu dieser Kommission gehören Leut«, die selbst Filme erzeugen. Im gleichen Moment, da man zur Einfuhr die hinreißenden Werk«„Amor an der Leine" und„Stacht der großen Liebe"(beides Filme bei gleichgeschalteten Deutschland und rein ha-kenkreuzle risch-arischer Provenienz und Tendenz!!!; zuläßt, werden die paar tausend Märker für den ausgezeichneten Dolly- -HaaS-Ftlm„Das häßliche Mädchen"(Regie trotzdem Kosterlitz) nicht bewilligt, weil r» hier angeblich um rin nicht genug künstlerische- Werl geht. Wenn nicht alles täuscht,- ist di« Praxis der Fklmabterlung des. Handel-Ministerium- bereits'reis im Parlament dringlich interpelliert zu werden. Schriftliche Erl«, digung erhält mir diejenige Firma, der man die Bewilligung erteilt; andere Ansuchen werden eben nicht erledigt und ohne Erledigung gibt die Natio- nalbank(wieder ohne Angabe materieller Gründe) kein« Valuta; und ohne Valutenbavilligung darf das Zollamt die Kopie deS sonst von der Zensur erlaubten Film- nicht herauSgeben. W. L. Amerika, du haft es besser. Während unser Publikum die Kinos meiden muß, weil ihr« Programmarmut einfach grenzenlos ist, überraschen di« Reklamen und Anzeigen der amerikanischen Filme, die unsere Programme, wenn auch nicht ideologisch, so wenigstens Lurch flott« Handlung und glänzende Filmtechnit interessant machen könnten. So dürfen wir den ausgezeichneten Grela-Gardo-Film„Menschen im Hole!"(Regie Goulding) nicht sehen; fremd bleibt unS der herrlichste Tendenzsrlm mit Paul Muni(Regie Le Roy): „Ich bin ein entlaufener Äetkensträfling", eines der großartigsten Werke über die Unmenschlichkeit drt Strafvollzugs. King BidorS„Champion" wird hier ebenso unbekannt bleiben wie Marlene Dietrich im Film »Di« „Dr. Buch »Ich empfohlen wie der neueste Lubitsch-Film im Paradies"; die beiden letzten Werke sind Parodien geschmackvollster und humorvollster Art. Browns „Emma" oder ZukorS„Scheidebrief", beides Filme über Familien- und individualistische GesellschastS- Probleme müssen UNS unbekannt bleiben. Di« ganz großartigen Ausstattungsfilme Amerikas wie HawkS Gangfterstlm„Searface", BidorS einzigartiges Pro- letaviergemälde„Großstadtszene", oder gar Foxen- historisches Werk„Kavalkade" dürfen nicht zn unS. Borzags aktuelles Drama„Schlechte- Mädchen" und Milestone-(von ihm ist„Im Westen nichts'Neues"). «Die Titelseite" werde» wir nur aus fremden illustrierten Zeitungen und Kritiken schätze» lernen. In der gleichen Zeit, da sich Amerika wieder zu Weltstoffen durchgekämpft hat, da. es die ekelhaft« Atmosphäre seines Broadways, feiner Heuchelmoral und Wild-West-Schwindeleien verläßt, um lebensechte Stoffe zu bringen, dl« auf der ganzen Walt verstanden werden, zu einer Zeit, das der Welt größtes Filmzentrum die Barrikaden der Sprachautarkie ntoderreißt, da der Beweis erbracht wird, daß trotz englischer Sprache das Verständnis der ganzen Welt erhalten werden kann, in diesem Moment verschließen wir uns dem amerikanischen Film, trotzdem er jetzt für jeden Filmschaffenden gerade wegen „Da- hiche Lied" noch Sudermann oder in blonde Venus". Mamoulians beiden Film JekyU und Mr Hyde(nach dem bekannten von Stewenfon) oder|cin< reizvolle Operette liebe dich nur ein« 9 locht" werden uns ebenso „Trubel „Zum Juden ernannt." An den Jüdischen Frontkämpferbund, der zu den wenigen noch bestehenden nichtarischen Verbänden Deutschlands g«. hört, hot der bekannte Generaloberst v. L ins in- g e n, im Weltkrieg Kommandant einer Heeresgruppe an der Ostfront, der eine jüdische Großmut- ter hatte, folgende Zuschrift gerichtet:„Nachdem ich nenerding« zum Juden ernannt worden bin, bitte ich um Aufnahm« in Ihren Bund." * Kipling läßt da» Hakenkreuz entfernen. Jnpreß. Rudyard Kipling hat seinen Verleger angewiesen da- al»indische Zeichen des Hakenkreuzes, daseil mehr als.16 Jahren auf dem Schutzumschlag aller seiner Werk« angebracht war, zu entfernen.— Sicher eine sehr angebrachte Ehrcnretinng für die alten Indier. schenken, doch als er zum Beweis einen großen Klumpen goldhaltigen Erzes vorzeigte, setzte sofort ein« förmlich« Völkerwanderung nach dem Fundort ein. Wer kein«» Wagen und kein Reittier sein eigen nannte, machte sich zu Fuß aus den Weg und durchwanderte tagelang« Drecken. Immer neue Goldsucher tresfen in Canon-City ein. Die Nachricht von dem Vorkommen der kostbaren Metalls hat sich mit Blitzesschnelle verbreitet, Neber Nacht ist in der Nähr de- Fundortes eine ganze Zeltstadt entstanden. Inzwischen sind di« Angaben oeS Negers von mehreren Goldgräbern bestätigt worden, die in dem bezeichneten Gebiet goldhaltiges Gestein gefunden haben. Ford. Der französische Automobilsabrikant Citroen befindet sich auf einer Studienreise durch die Vereinigten Staaten. Er kommt auch nach Detroit und stattet Henry Ford einen Besuch ab. Als er das Zimmer seines größeren, amerikanischen Kollegen betritt, sagt dieser, ohne sich von seinem Sitz zu erheben: „Nehmen Sie Platz, mein Herr." Citroen, der von dieser Formlosigkeit etwas überrascht ist, wledevhvlt seinen Namen, in der Annahme, daß«S Henry Ford übersehen hat, was für ein prominenter Besucher bei. ihm ist. Er stellt sich also nochmals mit. den. Worten vor: ,^sch bin der bekannte französische Auwmo- bilsaorlkant!" „Ach so", sagt Ford,„dann nehmen Sie doch bitt« zwei Plätze!^ vefchichte« aus Amerika. Wolkenkratzer. Nach einem amtlichen amerikanischen Bericht stehen in New-Jork zur Zeit 35 Prozent aller Hochhäuser leer, wahrend die kleineren KoutoÄhäuscr weil besser besetzt sind. Daraus geht einwandfrei hervor, daß die New Zorker dir berühmten Wahrzeichen ihrer Stadt nicht gerade hochschätzen und lieber tiefer ihren Geschäften itachgehen. In weltberühmten Gebäuden, wie dem Equitable Trust Building mit seinem gewaltigen Turm sind zahlreiche Stockwerke überhaupt noch niemals vermietet worden. Man ist bemüht, dieser Abneigung eine plausible Erklärung zu geben. Zweifellos ist zum Teil die Wirtschaftskrise dafür verantwortlich zu machen. Aber das kann keineswegs allein der Grund sein; denn so groß ist der Unterschied nicht. Es scheint vielmehr tatsächlich, daß der Aberglaube, der unter der New Iorker Ge- schästswelt immer breiteren Boden gewinnt, ein gewichtiges Wort mitspricht. Di« Ansicht setzt sich immer weitergehend durch, daß das Wohnen m lustiger Höhe Unheil bedeutet und geschäftlichen Mißerfolg mit sich bringt. Goldsieber. Zn dem schwer zugänglichen Coldorado-Ge« biet in Amerika, in der Nähe Canon-City, hat «in Neger durch Zufall eine allen» Anschein nach überaus ergiebige Goldader entdeckt. Zuerst wollt« man seinen Erzählungen keinen Glauben cuu« aller Welt. 6000 Ehen aus einmal. In Charbin, der Hauptstadt der Mandsch«. wird eine der kuriosesten Feierlichkeiten, die Filme Ib Prager Uditsplelh&iisero bis einschließlich Donnerstag, den S. August. Adria:„David Golder."— Alfa:'„Der Jazz- König."— Flora:„Grün ist die Heide."— Gaumont:„Die lustigen HofralStöchter."— Hollywood: „Mädchen in Uniforin."— HdSzda:„Der Weg nach Rio."— Juki!:„Walzerp-iradieS."— Kinema, B.-Th.: Zeitbilder, Grotesken, Report, halb 8 bis halb 11.— Koruna:„Mephisto."— Metro:„Ariana."— Pasiage:„Dos Liedder Arbeit."— Skaut:„Ter Sänger von Sevilla."— Alma:„Mysterious Lady— Tie Tanic aus Loge Rr. 18."— Avion:„So lang noch ein Walzer von Strauß erklingt."— Bajkal:„Der geheimnisvolle Jäger."— Favorit:„Spiel mit dem Tode."— Kapitol:„Ihre Durchlaucht die Wäscherin."— Konvikt:„Grün ist die-Heide."— Lido:„F. P. 1 antwortet nicht."— Louvre:„Bomben auf Monte Carlo."— Maeeiika:„Tie Nacht gehört uns."— Rozy:„Ich bleib bei dir bis morgen früh." Baldek:„Grün ift die Heide."— Belvedere:„Orlow."— Befeda:„Jungfrau in Nöten."— Illusion:„Susanna im Bade."— Sport:„Wie sag' ich's meinem Dänin?"— U Dejvodü:„Kantor Ideal." Vie richtige Brille Optiker Deutsch Prag 11., Prikopy, Palais Koruna. rci, wird eine der kuriosesten Feierlichkeiten, die die Welt je gesehen hat, vorbereitej. 6000 Paare lnerden demnächst durch eine» einzigeu festlichen Akt getraut. Die japanische Regierung beschloß vor einem halben Jahr, eine Reihe von Hoch, schulen sür angehende Bräute einzurichten, um die Heranbildung der jungen Mädchen und künftigen.Hausfrauen im nationalen Sinne zu beeilt* flussen. In diesen Kursen, die in ieder größeren Stadt organisiert worden waren, lernte die heiratsfähige lvcibliche Jugend die Kunst einer ver- nünstigen-Haushaltsführung, die Pflichten ein« gute», häuslichen, im Sinne der japanischen Tra- dition ergebenen-Hausmutter, schließlich oie Gruitdlagc der Kinderpflege. Aus diesen Kursen gingen jetzt 6000 Mädchen zwischen 16' und 20 Fahren l-ervor und erhielten die staatlichen Atteste über ihre besondere Tauglichkeit zur Fa- niilicngründung. Nun sorgt der Staat auch für die Verheiratung. Ist den letzten Monaten sind tausende unverheirateter! Beamter in dem neuen, unter japanisckfem Protektorat stehenden Staat Mandschukuo angestellt worden, und dies« jungen Japaner sehnen sich nach.Häuslichkeit, di« den Sitten und Gebräuchen ihrer Heimat entspricht. Die japanische Regierung gab also-bekannt, daß alle icnen jungen Mädchen, die in den..Brautschulen ausgebildet worden seien,- sich-bei dem Ährkörper ihrer Schule melden und ihren Wunsch zur Verheiratung mit" jungen Japanern, dir im Staate Mandschukuo im Dienste des Vaterlandes stehen. mitteilen sollen. Mit wenigen Ausnahmen meldeten sich all« 6000 ,^>iglomiertrn" Bräute und gleichzeitig auch ebensoviele Bräutigam« auS der Mandschurei.. Di« Wahl war bald getroffen auf Grund der ausgetauschteil Photographien, und die Verlobung der 6000 Paare ist bereits vollzogene Tatsache. Fieber nicht immer ein Krankheitszeichen? In der„Münchener Medizinischen Wochenschrift" weist Professor Gräf« daraus hin, daß Temperaturerhöhungen durchaus nicht immer als Ficbcr zu werten sind. Bei. Rekonvaleszenten tritt bei dem ersten Aufstehen sehr häufig das sogenannte Bewegungsfieber auf. Dieses ist lediglich als Ausdruck starker Erschöpfung und Lei- stungseinschränklliig der Tomperaturr«gulation anzufehen. Es braucht keineswegs immer als das Zeichen eines Rückfalles betrachtet Zu werden. In dieselbe Kategorie deS Bewcgungsfiebers gehört auch das Schreificber der Säuglinge. Nur allzu oft werden nach längerem Schreien Temperaturerhöhungen bis 38 Grad und darüber beobachtet. Auch hierbei handelt es sich lediglich um eine Wärmestauung und nicht um«ine eigentliche Krankheit-, n öos gelm des llaffenbewußteu Meilers gehört d. Ientralorgav. Deutschen tojlaldemokr. Arbeiterpartei »Sozialdemokrat-— eitgftltk Z<«b.— Ck<|<•»«! i«■ t> ryUbel»«letz»»»— venuUw-nNche,«ediktoie:»r. U«u ettaifc. Pra».—»ruck: Jtota* A.-a. für Atltuna- nnb»uchdriut. Vtaa.— gür tea Druck»na«,worin»: Ott» a°m. Bua.— Ate ÄeiJiiiigtmQrfrnliantatui wurde von der Dost» M. Lelearapdendlrenion«tk Erlok Nr IS.WWVi THflSf) dewtlllgr.-7 vetug-bpümstunstrn: Bei Zustellung ins Hau».oder bei Vnup dl, Bast monatlich Kfi 16— vierteliLdÄft K* 7a_? taCUUtia Kt M.—. iaatliftii« U t«--»— äwMil«MM* tau MUaft SM SlM EWIsBlNWSW SuiMutlat.— KU|teUuag MR«auu,au au RuraimatUa,