Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. St damon u. DerwaNuiia: vn>„ n,orelic,->nka IS» Tklkvv-: 2070».»1««»,«ochlndaN. la»»l u»r) I 3303a ♦ DolWdamt: 5754* 13. Jahrgang. Samstag. 5. August 1933 Ar. 181. ftiozelprels 70 Heller. tNnfchlietzNch 5 Hell» Porto) Nazi-Krieg Mit Oeiterreidi geht woWGraß den Sportlern! Neue Ausweisungen von Oesterreidiern.■ Berlin, 4. August. Das Wolffbüro melvel: Nachdem in Oesterreich er» neut«ine Deutsche«Verfolgung eingesetzt hat, hat das Geheime Staats» polizeiamt seinerseits eine Anzahl vesterreicher, die sich in Deutschland als mistkiebige Ausländer betätigt haben, ausgewiesen. DaS lsonti-Btiro hört weiter, daft nicht anzunehmen ist, dast damit die deutscherseits ergrissenen Maftnahmen abgeschlossen sind. Sollten in Oesterreich die„Deutschenversolgungen" sortgeseht werden, so ist damit zu rechnen, vast gegebenenfalls in weiteren Fällen entsprechende lSegenmast» nahmen gegen mtftliebige Ausländer ergriffen werden. ReidisMsflie Journalisten in Wien verhaltet. Wegen fortgesetzter haKenhreuzlerlsdier Betätigung. Wien, 4. August. Mit der angeblich neuen Deutschenverfolgung in Oesterreich, ans die Hitlerdeutschland mit der weiteren Ausweisung von Oesterreichern auü dem Reichsgebiet antwortet, wird offenbar die AuShebungder geheimen Nazi-Zentrale in Wien gemeint, über die bereits gestern berichtet wurde, tzi^u wird heute noch amtlich milgeteilt, daß im Zusammenhang mit der Aufhebung der geheimen Nazi-Zentral« auf der Brandstätte gestern auch zwei Wiener Korrespondenten reichsdeutscher Blätter verhaftet wurden, nämlich der Eheskorrespondent des Scherlverlage« Schepky und der Korrespondent der „Münchner Zeitung" Hornig, wegen des Verdachtes, daß sie sich trotz dem Verbot weiterhin nationalsozialiltisch betätig t h a b« n. Ebenso wurde der frühere Chef» redaltenr der Blätter des Landesinspeltors Frauenfeld, Egon Kott, verhaftet. Auch der Wiener Eheskorrespondent der „Germania",«in österreichischer Student namens Riedel, wurde von der Wiener Staatspolizei verhaftet und sofort zu vierzehn Tagen Arrest verurteilt. Eine Rei^ von anderen Journalisten, darunter zahlreiche Redakteure verbotener nationalsozialistischer Blätter, wurden jur Polizei vorgeladen. 0er deutsche Gesandte protestiert. Im Bundeskanzleramt Protestierte heute der deutsche Gesandte Dr. Rieth gegen die Verhaftung der reichsdeutschen Journalisten. Später erschien auch ber Obmann der„Vereinigung der reichüdeutsche» Bresse" in Wien Dr. Hartmeier und verlangt« ihre Freilassung. Der diensthabende Beamte des AußruamteS versprach dem deutschen Gesandten sowie auch dem Obmann der reichsdeutschen Journalisten die beschleunigt« Erledigung der Angelegenheit. Sdiwarze listen liir Fememörüern vorbereitet! Die Verhaltungen in Wien dauern an. Bei der Revision des gestern in den Räumlichkeiten deS illegalen nationalsozialistischen Aktionskomitees beschlagnahmten Materials wurde u. a.«in« schwarze Liste sowie ein« Kartothek von dem Nationalsozialismus feindlich gesinnten Personen mit genauer Angabe der Adreste und der Beschreibung ihrer politischen Tätigkeit gefunden. Aus Grund d«S beschlagnahmte« Materials werden tveitere Verhaftungen von illegalen nationalsozialistischen Funktionäre» durchgesührt. Unter ihnen befinden sich, wie bereits gemeldet, auch die Wiener Korrespondenten von reichsdeutschen Blättern und, laut Blattermeldungen auch einige tschechoslowakische Staatsangehörige deutcher Nationalität. „Ocslerreldilsthe Legion“ in Dauern. Die Salzburger Polizei hat fcstgcstrllt, daß in Bayern ein« ilatlonali'ozialistiiche„ö st e r- reichische Legio n", der Yaup iächlich Flücht. linge auS Oesterreich angehören, gcjchasscn wurde und daß in letzter Zeit für diese österreichische Legion auch auf österreichischem Boden geworben wird. Gestern wurde der Nationalsozialist Mayer Leopold mit drei Komplizen v-erhaftet, die von Oesterreich nach Deutschland flüchten wollten. Man sand bei ihnen Legitimationen der„öfter, rcichischen Legion". Die Berhaf cten gestanden. daß sie sich von dem Salzburger Agenten der Legion S u m b ö ck für die Legion anwcrben liegen. Auch Sumböck wurde verhaftet, und zu vier Monaten Gefängnis verurteilt; Mayr« und zwei seiner Komplizen wur-cn zu je vier Wochen, der dritte Komplize zu vierzehn Tagen Gefängnis verurteilt. »0 Patronen tm Stefansdom. Mittwoch abends wurde in der Wiener stefanSkirch« ein Paket mit 150 Revolverpatronen gefunden, di« anscheinend von einem Nationalsozialisten, der sich vor einer der jetzt zahlreichen RazziaS nach Waffen und Agitationsmaterial fürchtete, dort hinterlegt worden sind. nmiiintiniiiiiiuiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiNiiiu(iiiiiiiiiii«iniiiuiiiHiiiiiuiii»Hiii»iiiiMU)MiiiuniHHiiui)iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiniiiiuiniiiiiiiitiiiiHiiiniiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiimiininiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiini In Erwartung der Paris, 4. Aug»st. HavaS meldet ans London: Die Aussprache zwischen London, Nom und Paris über die Möglichkeit und die Form einer diplomatischen Demarche in Berlin wegen der Spannung in den deutsch-österreichischen Bczie- Derlln:„Korrekt und loyal“! DaS offizielle Conti-Büro veröffentlicht heut« eine deutsche Stellungnahme zu den Mel- düngen über eine bevorstehende In ervcntion Frankreichs und Englands in Berlin. Darin wird behauptet, daß Frankreich lelbst durch finanzpolitisch« Maßnahmen offenbar die Hinausschiebung der Anleihe!) die Unabhängig- leit Oesterreichs untergraben habe, und daß„angesichts der Tatsache, daß Deutschland korrekt und loyal i(l!!) die Verträge einhaltc", eine Demarche in Berlin nur als«ine„n u e r t r ä g- Demarche. Hungen dauert sort. BiS zur Stund« ist jedoch noch kein Beschluß gefaßt worden. Bor allem steht noch nicht fest, ob«ine eventuelle Demarche aus Grundlage des Versailler Vertrages oder unter Berufung aus den Biermächtepakt erfolgen wird. « liche Belastung der europäischen Beziehungen" empfunden werden könne. Tas Conti-Büro, bzw. das hinter ihm stehende dcutsche Außenamt, gibt sich der Hoffnung hin, daß in den westlichen Hauptstädten sich die Erkenntnis Bahn brechen werde, daß cS mit der These der Unabhängigkeit Oesterreichs i nicht vereinbar sei, wenn man ein« Intervention s wegen„Spannungen" unternehme, die nur Deutschland und...Oeftc.trc.idj. unmittelbar berühren.*1 Zu Tausenden werden sich morgen und übermorgen in Aussig die roten Sportler versammeln, um Kunde zu geben von der Kraft ihrer Organisation, mn ihr Können, um den gewaltigen Umfang sozialistischer. Arbeiterkultur zu zeigen. Mil den Sportlern wird die Jugend aller proletarischen Kulturorganisa- tionen marschieren, zu den deutschen Sportlern werden sich die tschechischen gesellen. So kommt denn den Aussiger Veranstaltungen große Bedeutung zu. Der Erste Internationale Arbeitersporttag ist darum der unmittelbaren und ideellen Anteilnahme der gesamten proletarischen Oeffentlichkeit sicher. Er wäre auch in sozusagen normalen Zeiten eine wichtige.Kundgebung sozialistischen Wollens,, proletarischer Tatkraft. Er ist cs heute, da sich die sascistijche Welle durch ganz Europa zu ergießen droht, doppelt und dreifach. Kaum die Hälfte der Wackeren, die aus allen Teilen des Landes zusammcnkonuncn, ist so glücklich, Arbeit zu haben. Not und Entbehrung sind in den Stuben der Proletarier zuhause, karg sind die Verdienste der noch in Arbeit Stehenden. Junge und Alte, Männer und Frauen, Burschen und Mädchen— sie umschließt das gleiche Schicksalsband. Aber sie sind auch zusammengefiigt durch den gleichen proletarischen Trotz, durch das gleiche kühne Wollen, das in ihrer sportlichen Betätigung ebenso Ausdruck findet, wie in ihrem Bekenntnis zur Freiheit und zum Sozialismus. Der Sport, der Geist und Körper stählt, wird in dieser Zeit zum Mittel, Zaghaftigkeit und Müdigkeit zu überwinden; er wird zum Mittel richtiger, zielbewußter Eingliederung der jungen arbeitenden und arbeitslosen Proletarier in die Front der kämpfenden Klasse. Sie spielen, turnen, werfen, laufen, springen, tanzen, kämpfen, schwimmen nicht allein zu ihrer Zerstreuung; indem sic diese kraft- und gesund- heitspeiwenden Tätigkeiten treiben, helfen sie, die Klasse gesund und kampffähig zu erhalten. So ist die Teilnahme jedes Einzelnen aus der Gesanitheit der darbenden Klassengenossen an der Aussiger Veranstaltung der Ausdruck dafür, daß er sich durch Krise und FascistenkonjunÄur nicht nnterkriegen läßt, daß er kämpfen will trotz alledem und allcdeni! Der Sporttag wird aber auch Kunde geben von dem Geist, der die sozialistisckjcn Turner! und Sportler beseelt. Und er wird darum eine der wuchtigsten, eindrucksvollsten Demonstrationen gegen den F a sc i s m u s sein. Der. Charakter proletarischen Sportes! unterscheidet sich gruirdsätzlick« von dem des bürgerlichen^ Für aufmerksame Beobachter, die das nicht ohnehin schon wußten, gibt darüber ein Vergleich der Aussiger Tage mit dem Saazer Turnfest Aufschluß. Und»ich« nur über den grundsätzlichen Unterschied im Betreiben des Turnens und des Sports, sondern auch über den im Geistig-Politischen. Die Saazer Veranstaltung hat beivicscn, daß das völkische Turnen geistig-kulturell nicht einen Schritt vorwärts gekommen ist; äußerlich hat es seinen militaristischHrillarligen Charakter noch verstärkt. Blnrdes Unterordncn unter eine voir oben eingesetzte Führerschaft, marioncttcnhaftes Turnen und Marschieren, kurz: die Ertüchtigung der Jugend in« Geiste der Hitler und Goering, in« Geiste der Kcival- ten und der Kriegstreiber von einst, die Prä- parierung der jungen Menschen zuin Aufnehmen des fascistischcn Ungeists und zur widerspruchslosen Unterordnung— das hat das Turnfest in Saaz als das eigentliche Wesen deutschvölischcn Turnens und Sportclns offenbart.„Ich sehe nicht die Spur von ci««cn« Geist und alles ist Dressur!" Proletarisches Turnen, proletarischer Sport: sie setzen Menschen voraus, die nicht zum Unterordncn, sondern zun« organische«« Sich-E i n ordnen erzogen sind oder erzogen werden. In den proletarischen Kultur- organisationen weht freie Luft: sie können ihre große Aufgabe nur erfülle««, wem« sie sich stützen könne«« nicht nur auf die Opferbercii- schaft, sondern auch auf die Uebcrzcugung, wie auch auf den gesunden kritischen Sinn jedes Einzelnen. Erziehungsarbeit in den proletarischen Sportorganisalionen: das ist Erziehung zur Freihcitsliebe und zum Kampf nicht um des Kampfes, sondern um eilies hehren Menschheitszielcs willen. Tausende sind cs, die sich, vor« sozialistischer Uebcrzeitgung durchdrungen, auf der Aussiger Veranstaltung nicht nur zu den unmittelbare«« Aufgaben und Zielen des proletarischen Sportes bekennen werden, sondern a««ch zu den P o l i t i s ch c«« Tagesausgaben der Arbeiterklasse. So, wie ihre sporiliche Arbeit der Gegenpol zun« völkischen Turnen ist, so ist ihr Politisches Bekenntnis der Gegenpol zu dem fasristischen Wollen, der den Deutschen Turnverband beseelt. Und die Arbeitersportler wissen, daß ihre sportliche Arbeit nur gesichert werden kann in politischer Freiheit; sie wissen, daß die Verteidigung dieser Freiheit auch ihre Aufgabe und Pflicht ist. To wird die Aussiger Veranstaltung zu einer Kampfveranstaltung gegen den Fascismus. D i e „st erbende" Sozialdemokratie i st e s, d i c i n A u s s i g a u f n« a r s ch i e r e n wird! Seht sie euch an, fascistische und halb- sascijtische Bürger und ihr werdet eure Auf- Sette 2 TamStag, S. August 1988. Nr. 181. 44 Die Sache mit Borns Kriminalroman von Grete Hartwig Aus dem Tisch« lag ein verschlossener Bries, mit der Adresse einer deutsche»: Stadt und mit dem Namen: Lillian Band. Der Kapitän beschlagnahmte den Brief. 24. Dir Freiheit. Lillian tvarauf freiem Fuße. Sie konnte sich nicht zurechtsiuden, war benommen und weint« grundlos vor sich hin. um sich dann ebenso grundlos wieder zu lassen. Dr. Künke Ivar in ihre Zell« getreten und hatte gesagt: „Ich habe Wort gehalten. Sie sind frei! Kommen Sie! TaS Auto wartet!" Das war so plötzlich ans sie eingcstiirmr, daß die Erinnerung daran in ihr nun viele Lücken, beinah« nur Lucken aufwies. Sie war an seiner Seite im Auto gesessen, vollkommen willenlos und ihrer Freiheit nicht bewußt. Sie hall« cS nichl gewagt, irgendein« Frage an ihn zu stellen, aus Angst, in der Antwort irgendein« schr«ckliche Ueoerraschung zu hören. Sein aufgeräumtes Wesen hatte sie beinahe störend«mpsuuden und weder Dankgefühl noch Freude hatte in ihren: Herzen geklungen. ,Lch bringe Sie nicht in Ihre alle Wohnung, sondern ins Hotel. Ist Ihnen das nicht lieber? Fragen und Glückwünsche Ihrer Hausfrau würden Sic doch nur quälen und b«laste>i. Am Hotel haben Sie Rul-e und köirnen ungestört ins Leben zurückfinden." Da- war ihr recht gewesen. Er halle beim Portier alles für sie geordnet, niemand hatte sie mit einer Frag« belästigt, sie befand sich in einem eleganten Zimmer, mit bequemen Klubfauteuils, hellen Vorhängen, niodernen Beleuchtungskörpern, Teppichen, großen Fenstern, einem gemüt- lichen Kamin und einem reichen, schönen, nach Seide duftenden Bett. Heute morgen hatte ihr dar Stubenmädchen das Frühstück ans Bett gebracht, zum erste» Mal« hatte eine Art von Wohlgesühl von ibr Besitz ergriffen, als sie den Duft der Schokolade einsog, knusperig« Brötchen, Honig, Butter, Mar. niclade und Schlagsahne zu sich nechm und dieser Wohlbehagen hatt« sich, als sie ein Bad nahm, bis zu physischem Glücke gesteigert. Dann war ein Paket von Dr. Horst Klinke gekommen, das ein« Menge Toiletteartikel enthielt, Gesichtswasser, Eau de Cologne, Parfüm, ein« Puderdose, duftende Seife und ein Paar entzückender Hausschuhe. Ein Lächln, dessen ihr Gesicht schon entwöhnt war, huschte über ihre Züge. Kurz darauf waren auch Blumen von Direktor-Hammer gekommen und unzählige Menschen hatten sich zum Besuche augesagt, die sie aber alle abiueiicn ließ mit dem Hinweis aus Ihre große Müdigkeit. Wie konnte sie auch jemanden«mp- sangeu, da sie selbst noch nicht wnßte, wieso, warunt, weshalb sie fr«i war, Ihr Schicksal hatte sich über Nacht zum Guten gewendet und sie begriff nicht, wie dies so jllöhlich gekommen war. Sic fühlte sich wie aus einer Insel, abgeschlossen von dem übrigen Weltgeschehen. Daeinzige,>vaS sic bewußt wüirschtc, war der Besuch von Dr. Horst Kiinkc. Er wußte all«-, er mußte eS ihr erklären, sein« Pflicht war«S, sie wieder in die Reihen der Lebenden zu führen. Wenn sie sich im Spiegel betrachtet«, so sah sie in ein nahezu fremdes Gesicht. Sic war 'chmäler geworden, die Farbe ihrer Wangen war durchsichtig, wie nach langer Krankheit, das rötlich-blond« Haar zeigte nicht mehr di« gewohnten sanften Wellen wndern ein krauses, spröde- Gewirr, di« braunen Augen hatten«inen fiebrigen Schimmer. Sie saß müde in einem der großen Fauteuils und dachte so vor sich hin. Aber je mehr sie nachdachte, desto verworrener wurde alles. Es wurde spät und sie verspürte Hunger. Aber in den Speisesaal zu gehen, fehlt« ihr der Mut. Neugierige Blick« würden sie quälen, vielleicht würde sogar irgend jemand ein« Frage an sie richten. Sic war menschenscheu und fürchtete sich vor jeder«igenmächtigen Handlnng. Nach einigem Widerwillen, überhaupt au jemanden das Wort zu richten, bestellte sie eine kalte Platte und ein Glas Rotwein, die man ihr auf ihr Zimmer bringet: sollt«. Dann, nachdem sie gegessen hatte, tvnrde sie ruhiger, die nervliche Spannung löste sich, eine beinahe gilt« Laune stellt« sich ein. Sie vergrub ihr Gesicht in den Blumen, di« Direktor .Ham in ei: gesandt hatte, und sog-en süßen Duft ein. Dann sah sie nach der Tür«, al- müßt« g«- rade jetzt Dr. Äünk« eintrelen. AiS dies nicht der Fall war, wurde sie wieder verärgert und unnchig und ließ den Journalisten, der ihr eben gameldet wurde, auSnahmö- wcise Vor. Das Gespräch währte nicht lange. Sie gab ihm ein paar Auskünfte über ihr Befinden, ihre Pläne, ihre Absichten für Theater und Privatleben, im ganM schien ihr, als wisse«r nrehr als sie selbst und sie Verabschiedete ihn sehr plötzlich nnd unliebenowürdig. Dann war sie wieder allein und tveinle. Sie wußte nicht, warum, aber«S tat wohl. So in Tränen fand sie Dr. Horst Künke. „WaS ist denn geschehen?" fragte er besorgt, während er ablegt«. „Ach, nichts! Mir ist so eigen zumute. Ich verstehe gar nicht, was eigentlich loS ist? Bin ich wirklich frei?" „Gewiß!" rief er fröhlich.„Sie können gehen, wohin Sie wollen, können tun und lassen, was Ihnen beliebt." „So?" fragt« Lillian unsicher, Feierliche Eröffnung des internationalen Sporttages in Aussig. fassungen über die Lebenskraft der sozialistischen Bewegung revidieren! Denn diese Jugend, die da Sport treibt, turnt nnd marschiert, sie weiß in ihrer Gesamtheit, daß cs int Kampf um den Sozi al is- inns, im Kampf gegeit die bürgerliche Welt nicht mit Aufmärschen getan ist. Sie setzt darum ihre Kraft auf allen Gebieten des Kampfes ein und liebt die Freiheit zu sehr, als daß sie nicht bereit wäre, sie auch mit ihrem He r z b l n t zu verteidigen. Die Opfer, die der einzelne Proletarier brachte,»in an dei: Aussiger Tagen tcilnehmcn zu können— sic gelten nicht den: Sport allein, sic gelten ebenso der Freiheit, gelten ebenso der Partei. Die Arbcitersportler haben es nicht notwendig, sich zu tarnen: ihr Bekenntnis zur roten Fahne legen sie immer und überall ab, nie noch haben sie aus ihrer revolutionären Gesinnung ein Hehl gemacht. Die völkischen Turner allerdings Haber: auch das Tarnen ihrer fascistischen Gesinnung in wahrhaft treudeutscher Weise trefflich bewerkstelligt. Sie „halten ans im Sturmgebraus"— aber nur so lange, als das Lied nicht die rauhe Wirklichkeit kündet. Offenheit, KampfcSmut, Gesinnungstreue: das sind die Tugenden des proletarischen Sportlers, die sich beim Internationalen Arbcitcrsporttag trefflich entfalten werden. Tas Streben nach Völkerverständigung im Gegensatz zur Verhetzung im nationalen Lager — es wird durch den gemeinsamen Aufmarsch deutscher und tschechischer Sportler verkörpert, deren Organisationen zu einer festen, schlagfertigen Einheit zufammengefaßt sind. Der Internationale Arbeitersporttag— das ist ein Tag der F r e u d e und zugleich ein Tag des K o m p f« s, ein Tag des frohen Spiels und zugleich eine Kundgebung unbesiegbarer Kraft. Er ist darum em Tag aller Sozialisten. Sie alle grüßen unsere Turner nick» Sportler, Naturfreunde und Nadler, grüßen die sozialistische Jugend:„F r e i h e i t!" MWIlltltlltllltlltMMIWIIIllWIIlWWlWlllltllllllllllllltltllltltlltttllltltlttlttlttttl Exkronprinz Rriedit vor Hitler! Sa frei von Blutvergießen... London, 4. August. In einer vom„Evening Standard" veröffentlichten Ausführung wendet sich der ehemalige deutsche Kronprinz gegen die feindselige-Haltung und die„Verleumdungen" des Auslandes gegen das neue Deutschland. Durch diese Hinterhältige Propaganda einer internationalen Press«, unter der Marxismus und Judentum führende Faktoren seien, erhalte das Ausland ein falsches Bild über die Dinge in Deutschland, denen der Kronprinz im weiteren die„wahre n" Tatsachen- entgegenhält. Die Geschichte der Welt kann, heißt cs am Schluß der Ausführungen, kein anderes Beispiel einer Revolution liefern, die s o f r c i v o n den gewöhnlichen änHeren Begleiter s ch c i n u n g« n.„s o frei von Blutvergießen und Ungesetzlichkeiten" und so sicher, entschcideich und rasch war, wie die deutsche. Die beiden Männer, die in der Geschichte die Verantwortung tragen für diese Entwicklung, Reichspräsident von Hindenburg und Reichskanzler Hitler, haben eine Tat vollbracht, für die das deutsche Volk ihnen großen Dank schuldet. Aussig, 4. August. Die Veranstaltungen de» ersten Internationalen Arbeit«rjportag«s wurden mit einer überaus eindrucksvollen und feierlichen Kundgebung in: Aufsigcr Warmbad Kleische er- öffnet. Lange schon vor Beginn der Veranstaltung war daS mustergültig angelegte Bad das Ziel einer nach vielen Hunderten zählend«:: ivtenschen- menge, die das weit« Territorium überflutete. Bor Einbruch der Dunkelheit wurden wasser sportliche Wettkämpfe gezeigt, nachdem die Genossen Ullmann für den Atu», der tschechisch« Genosse M r a z c k-Prag und Bürgermeister Genosse P ö l z l für di« Stadt begrüßende Worte gesprochen hatten. Als dann die Nacht ihre langen Schatte«: über das Bad legte, glänzte die ganze Anlage in: Lichte rnächtiger Bogenlampen. Die dunklen Hänge des Slrisvwitzer Berges, zu dessen Füßen die Stadt Aussig, von tausenden Lichtern erhellt, Die Gemeindevertretungen sollen offenbar„gleichgeschaltct" werden. In gleichem Takt sollen die Herzen auf der Prager Rc- gierungSbank und in den Gemeindevertretungen schlagen. In Prag wird gepsissen und die Bürgermeister haben nach einer Melodie zu tanzen. „Teplitz-Schönaurr Anzeiger." Monatelang haben sich die Redakteure der bürgerlichen Presse damit geplagt, die Gleichschaltung im Sinne der Goebbels, Ley und G o e r i n g mitzumachcn und nun ntüßte man ihnen eine Vorlesung darüber halten, was sie ist: das Ersticken jeder freien Acußerung, das Entfernen und Einkerkern aller unliebsamen Ge- mcindevertreter, das Abschaffcn des Stimmens und Wählens, die Drosselung der letzten Reste der Autonomie, die Umwandlung des ganzen Landes in einen einzigen Kerker. Wäre die Gleichschaltung bei uns so weit gediehen, wie jene gediehen ist, die u. a. auch der„Teplitz- Schönauer Anzeiger" mit Eifer verteidigte, so hätte er am längsten gelebt. Aber cs acht ihnen allen, den bürgerlichen Redakteuren und Nebbich. Politikern, bei der Frage der Bürgermeisterei nicht um Grundsätze, sondern um Demagogie. Sie, die Lobpreise« des FasciSmuS, jammern über„Gleichschaltung", weil der Staat die Verneiner der Demokratie nicht in demokratischen Institutionen beläßt. Und wenn cS auch wahr ist, daß deutsche Parteien daS Gesetz über die Reinigung der Bürgermeistereien von Fasei- sten mit aus der Taufe hoben: eine freche Einstellung ist eS, zn behaupten, da» Gesetz sei von allen demokratischen Grundsätzen weit entfernt. ES ist nämlich dazu gemacht, die Demokratie zu schütze n; aber dem deutschen Bürgertum bchagt sie nur dann, wenn sie auch ihren Totengräbern Freiheit gibt. Für eine solche Demokratie haben wir, nach den deutsche n Erfahrungen, kein Verständnis mehr! Die Soldschreiber dr» FasciSmus, die von einer Schädigung deutscher Belange faseln, haben kein Recht, sich als Schützer der liegt, boten der nun beginnenden Feierstunde einen romantischen Rahmen. Die Wassersportler zeigten Marmorgruppen au» der Entwicklung der Arbeiterbewegung, die litt Schein>v«rserlichte besonders wuchtig wirkten. Durch Lautsprecher, wurde begleitender Text gesprochen. Chöre-er Volkssinggemcind«, ein Waldhornquartett, Fanfarenbläser nmrahnttcn die Feier, die im Schwur« zur roten Fahne einen be- geistcriiden Höhepunkt erreichte. Eine Lichtwcllc in allen Farben überflutete das Bad und die angrenzenden Höhen und aus der jubelnden Begeisterung, die oie versammelte Masse ergriff, rang sich jauchzend ein Schtvur und ein Bekenntnis in dem Liede„Wann wir schreiten Seit an Seit" zum nächtlichen Sternenhimmel. Damit war das Aussig« Sportfest eröffnet. Einen genauen Bericht über die sportlichen Leistungen und den Inhalt der Reden tragen wir in der morgigen Ausgabe nach. Freiheit aufzuspielen. In ihren Redaktionsküchen wurde und wird das Gift zur Vernichtung der Demokratie gebraut; sie klatschen nicht nur der Absetzung von Bürgermeistern Beifall, sondern auch dem politischen Massenmord— wenn die» int Dritten Reich von Fascisten bewerkstelligt wird. Es ist die alte Methode:„Haltet beit Dieb!" Sie ist nicht wirkungsvoller geworden im Laufe der Zeit. „Männer der Tat, die sich glänzend bewährten, mußten verschwinden.— Ter Erfolg der Sozialdemokraten:„Drosselung der freien Selbstverwaltung",— also überschreibt„D e r T a g" seinen Sermon. Derselbe„Tag", der sogar die Morderlässe GoeringS verteidigte, ganz zu schweigen von seiner Stelluitgnahme zur Vernichtung der Selbstverwaltung in den Gemeinden des Dritten Reiches. Manner der Tat, die sich glänzend bewährten, mußten in Deutschland nicht nur verschwinden, sondern wurden sogar in Konzentrationslager gebracht, oder, wie Stelling, ins K r e m a t o r i n m.„Der Tag" aber feixt dazu in Frellde und hunnischem Stolz. Die Kerle, die sich zetzt von allen großbürgerlichen Blättern bescheinigen lassen, daß sich ihre Bürgermeister bestens bewährt haben, sind die richtigen Preisfechter der Demokratie! Ihnen steht eS gut an, der Sozialdemokratie anzudichten, sie habe die Selbstverwaltung vernichtet, so gut, wie cS dem Gocring ansteht, von Kultur und Liebe zu reden. Wir werden daS Jammern der glcichge- schalteten Herrschaften auShalten. Hierzulande sind sie um eine Nasenlänge zu kurz gekommen; wenn sie könnten, be- schiedcn sic sich nicht mit der Amtsenthebung sozialistischer Bürgermeister, sondern forderten sie, wie ihre GleichschaltnngSbrüder im Reich, deren Ermordung und Aechtung. Wir haben kein Hehl daraus gemacht, daß für Fascisten die Demokratie keine Geltung haben kann und zahlen nur zum kleinsten Teil nrit der Münze zurück, die nicht wir, sondern die Feinde der Demokratie in Umlauf gesetzt haben. Ibr habt Euch gleichgeschaltet— also seid keine Memmen und tragt die Folgen eures Tuns! Wie sic denunzieren! Die Nummer deS„Nordb. Tagblalics" (Kopfblatt der„Sudcte,«deutschen TageSzeitima-i vom 4. August begeht eine unsagbar«we-.n, -Handlung: sie denunziert in sckxnnloscr Weise die reichödeutschen Etnigra,:. t e n. Es seien nach den offizielle» Angabe» in Bodenbach z. B. nur 30, aber es seien bestimzm doppelt so viel Eni grauten vorhanden, dir ober trotz den scharfen Vorschriften n i ch l g e m e l d e r sind. In gewissen Gassen, die angeführt w:r:?„, seien wahre Emigrautennester. Durch die»er- sogen« Behauptung, viele Emigranten seien n chl vorschriftsmäßig der Polizei gemeldet, will wa» erreichen, daß sie„aufgestöbert":rnd— abgc. schoben, den Mordbanden Hillers in die Hände geliefert werden solle'n. Dieser niederträchtige Wunsch wird nicht In Sn fulluug gehen! Nicht minder schäbig, dabei erzdumm ist de Darstellung des„Nordböhmischen Tagblatts", als ob sich unter den Emigranten sehr reiche Leute befänden, die sich sogar— B i U t n bauen lasscn wollen! Wer die miß. lichen Berhästnifle kennt, tveiß, wie schlimm ihm. sich aus einrm Fenster d«S Wach herauSjuftürjen. Er war sofort tot. Zu Schaden gc AuS dem vorliegenden Text geht mit aller wünschenswerten Deutlichkeit hervor, daß die Deutsche Reichsbahn damit gegen die bestehenden tschechoslowakischen StaatSgrundgcsehe aufs gröblichste verstößt. DaS Recht, ohne Rücksicht ans seine Abstammung und politische Gesinnung beschäftigt zu werden, ist wohl in Deutschland durch die Nasis, die sich als Ar- bcitcrvcrtrcter ausgrbcn, sich aber sehr rasch als Kapitalistenknechtc entpuppten, aufgehoben worden, nicht aber in der Tschechoslowakei. Wir erwarten, daß die tschechoslowakischen Behörden dem Gesche rasch Achtung verschaffen. V Breslau, 4. August. Am Freitag vor« mittag wurden ins Breslauer Konzentrationslager elngeliefert: Der frühere Reichstagspräsident L o e b e, welcher in Begleitung von mehreren Kriminalbeamten aus Berlin kam, sowie Frau L ü d e m a n n, die Frau des bereits im Konzentrationslager befindlichen früheren Oberpräsiden« ten von Riederfchlesten. Beiden wird„B«r« breitung unwahrer Behauptungen über das Konzentrationslager" zur Last gelegt. Auch der Journalist Frih Kunde, der frühere Herausgeber der jetzt verbotenen Wochenzeitung„Der Greifer", wurde in das Breslauer Konzentrationslager«ingrliefert. Damit gerät Paul Lobe unmittelbar in di« Gewalt des berüchtigten Fememörder« Heines, der in Schlesien unumschränkt regiert. Wird diese« Vorgehen gegen einen Mann wie Loebe nicht endlich daS Weltgewissen aus den Plan rufen? Tränengas vcrseadit die New Yorker Börse. New?)vrk, 4. August. Die New Barker Effektenbörse mußte heute kurz nach der Eröffnung geschlossen werden, da Gase die unteren Stockwerke des großen Börscngebäudcs ausüllten. Man hatte zuerst angenommen, daß die Gase einem undichten Ammoniakrohr im Luftküh- lungSsystcni rnt'irömt feien. Die Untersuchung hat jedoch ergeben, daß unbekannte Personen Tränengasbombcn in eine Mündung des Luft- kühlungssystcmS gelegt hatten, kommen ist niemand. Unterstützung der Gesamtheit der Arbeiterbewegung erfährt. Dadurch werden lvesentliche Boraussetzungen für die Aktionen derjenigen Arbeiter verwirklicht werden, die eine führende Rolle bii der Aktion zur Verhinderung des Krieges spielen: insbesondere die Seeleute, die Docker und die Transportarbeiter, sowie die direkt in der Rüstungsindustrie beschäftigten Arbeiter. Die internationale Arbeiterklasse ist sich nach wie vor der Tatsache bewußt, daß der Generalstreik die spezifische Waffe der Arbeiter gegen den Krieg ist. Die Tatsachen haben allerdings gezeigt, daß der Augenblick des Kriegsausbruchs nicht der geeignet« Moment für die Auslösung dieser Aktion ist. Die Aktion der Arbeiterklasse muß vielmehr schon zu Beginn der diplomatischen Spannung sich zeigen. Tas Kriterium, auf das sie sich gründen muß, ist die Verpflichtung zur Schiedsgerichtsbarkeit. Jeder Konflikt politischer, wirtschaftlicher oder anderer Art muß der Schieds- gcrichtsbarkeit»in erzogen werden, tvenn er nicht auf dem Wege friedlicher Schlichtung, wie ihn der Völkerbund vorsieht, gelöst werden kann. Jedes Land, das sich nicht der Schlichtung unterwirft oder die Schiedsgerichtsbarkeit nicht zulassen will, muß von der Arbeiterklasse als Angreifer angesehen tvcrden. Von diesem Angenblick an ist cs die Pflicht der organisierten Arbeiter dieses Landes, den Generalstreik durchzuführen. Rach diesem Referat ist der Kongreß in die Generaldebatte cingctrcten und alsdann wird die Frage den Kommissionen überwiesen. Danach nimmt der Kongreß den Bericht über die Aktion gegen den Faseismus entgegen. Dieser durch den Generalsekretär W. Schevenels gegebene Bericht behandelt insbesondere die Lage in Deutschland und die im Zusammenhang hiermit zii tresfciiden Rtaß- Befonderer Zugsverkehr zum Arbeitersporttag. Sonntag früh ab Bodenbach 6 Uhr 52, an Aus- ig 7.35 Uhr. Geht wenn notwendig doppelt. Sonntag abends Zug ab Aussig über Teplctz nach Osjcg, ab 18.17 Uhr, geht doppelt. Zug 7 Uhr 18 nach Eger darf nur von Fahrgästen, die weiter al- K o m o t a u fahren, benützt werden. Für die Fahrgäste, di« vor Komotau aussteigen, geht rin Borlrain. Auf den anderen Strecken werden nach Bedarf die Garnituren verstärkt, wenn notwendig auch noch doppelt« Garnituren eingelegt. Wir bitten die Fahrgäste mit Rücksicht ans dir kleinen Bahnhoi'sverhältnisse beim Einsteigen Disziplin zu hallen und nicht schon Stunden vor Abgang des Zuges den Perron zu belagern. Nazis als polltisdie Erpresser. Wir haben schon berichtet, daß seitens der Deutschen Reichsbahn auch gegenüber tschechoslowakischen Staatsangehörigen, die bei ihr bedienstet sind, unverschämter N a z i t e r- r o r geübt tvird. In welcher brutaler Weise an diesen Bediensteten politische Erpressung geübt wird, wie man die Marxisten„entlarven" will» zeigt der nachstehend abgedruckte Text einer Erklärung, die allen Bediensteten, Bahnärztcn etc. jetzt zur Unterschrift vorgclcgt wurde: Erklärung. Ich erklär« hiermit an Eides Statt, d a ß i ch drutscharischer Abstammung bin und daß auch meine Eltern und Großeltern detrtscharisch waren, bezw. sind. Weiter versichere ich, daß ich streng national«r Gesinnung bin und mich niemals an marxistischen Bestrebungen aktiv beteiligt habe. Abtckllhlie Begeisterung. Kattowitz, 4. August. Gestern abends im Laufe des heutigen Tages kehrten die beitSlosen aus der Ortschaft Nendorf und Umgebung wieder zurück. Bekanntlich hatten sie am 1. August nach einem Zusammenstoß mit der Polizei und nach Ruhestörungen in einigen Orten, die deutsche Grenze überschritten und waren nach der Ortschaft Hindenburg gekommen. Sie wurden aber von den deutschen Behörden überdie Grenze abgeschoben und beim Betreten der polnischen Grenze ihre Anführer festgenommen. Diese werden zur strafrechtlichen Verantwortung gezogen. Pau! Loebe in den Klauen des Fememörders Heines Waniin hat HMler Goerlnns Blu Wh- vorsdilao nodi nidi! in Kran geselzi? (DG.) lieber 14 Tage sind inzwischen seit der von Goering plötzlich inszenierten und ohne Beisein Hitlers durchgeführtrn Führersitzuna vergangen. Bis heut« hat die deutsche Oeffentlichkeit noch nicht erfahren, wie die Rcichsregierung zu den von Goering vorgcschlagcncn Mordgesrtzc» steht. Ans der Art, wie Goering mit seinen Gcsrhent- würfcn die Oeffentlichkeit überfiel, mußte ge- schlußfolgrrt werden, daß der Bestand des Tritten Reiches durch die kommunistische Arbeit aufs schwerste gefährdet sei und daß die Rcichsrrgic- rung nun ohne jede Verzögerung Gocrings Entwürfe zu gültigen Gesetzen inachcn würde. Tas ist jedoch noch nicht geschehen. Dieses Zögern und Stillschweigen der Rcichsregierung ist jedenfalls bemerkenswert. Hitler ist noch nicht schlüssig, wie er den Vorstoß Gocrings am besten beantwortet. Aus Hitler nahestehenden Kreisen kommt die Information, daß der Kanzler sich weigert, diese Gesetze vom Reichskabinett beschließen zu lassen und zu unterzeichnen. Richt etwa, weil Hitler humaner wäre als Goering und nicht ebenso für die brutalsten Mittel gegen die Proletarier ist, sondern weil er der Meinung ist, daß cs sich dabei garnicht so sehr um den Wortlaut dieses Gesetzes, als um Gocrings Aktion gegen den„Führer" handelt. Und dagegen will Hitler einen cntschcidciiden Gegenstoß führen. Er ist sich scheinbar aber noch nicht im klaren darüber, wie und in welcher Weise das geschehe» soll. Auf alle Fälle ist cs nicht ohne Bedeutung, daß trotz der „Gefährlichkeit" der Situation die Rcichsregierung Gocrings Geschcsvorschlägc noch inimer nicht zu gültigen Gesetzen gemacht hat. Er hals erreicht! Nazi-Pfarrer Müller wird Landesbischos. Berlin, 4. August. Der Kirchcnsenat der Altprcußischen Union hat am Freitag den Wehr- kreispfarrcr Müller einstinimig zum Landesbischof gewählt. Die„Deutschen Christen" lwben ihrem neuen Bischof ein Glückwunschtelegramm gesandt. nern verschiedener Nationalität organisiert damit die internationalen AntikricgSwochen bereitet werden. Bon ganz besonderem Interesse ist Stellungnahme der Arbeiterklasse zur Frage der Kriegsmaterialerzeugung. Ti« Aufgabe der gesamten Arbeiterklasse ist Mittel und Wege zu suchen und zu finden, dami: der Kanipf für die Beseitigung der privaten Er- zeugung von Waffen und KriegSmunition fortgeführt wird, um den kapitalistischen Profittrieb zu beseitigen, der auf dem Wege über die Steigerung des Wettrüstens eine Ursache des Krieges ist, und uni zu einer wirksamen nationalen und internationalen Kontrolle der Organisationen Heck und Königsberg gemeldet. Offensichtlich gibt es in den kommunistischen Organisationen viel zu viel Nazi-Spitzel. Wie es den Verhafteten ergeht, beweist folgende amtliche Conti-Meldung aus Berlin: „In der vergangenen Nacht gelang es der SA im Auftrage des GStPA.(Geheimen Staats, polizciamtes), kommunistische Flugblättervcrteiler festzunehmen und zu verhaften. Einer der Kommunisten, der u. a. Sowjetsterne und kommuni- stischc Flugblätter verteilt halte, wurde zur vorläufigen Ws"~ bracht. lang«S raume« Da gibt«S nur zwei Möglichkeiten: Ent. wedrr wurde der bedauernswerte Kommunist von den Nazi« so viehisch mißhandelt, daß er außer Sinnen lieber den sofortigen Tod vorzog, oder, wa« das Wahrscheinlichere ist, wurde er von den Bestien nach den obligaten Mißhandlungen selbst au« dem Fenster geworfen, um sich seiner auf di« einfachste Art zu entledigen. Der Zahltag für diese Bestien wird kommen! Es wird noch zu wenig gemordet! Verschärfter Schießerlaß des Berliner Polizeipräsidenten. Berlin, 4. August. Der Berliner Polizei« rräsident hat veranlagt, daß die Beamten noch ch 8 r s c r, als es bisher geschehen ist, nötigen- alls unter rücksichtlosem Gebrauch der Schußwaffe, jeden Bersnch kommunistischer Elemente, Propaganda und Hetzschriften gegen das nationale Deutschland zu vertreiben, im Keim« ersticken. Der Polizeikommandant von Lübeck Hot angeordnet, daß in Zukunft für alle Taten der Kommunisten oder anderer linksgerichteter Kreise im Lübecker Staatsgebiet, bei denen dir sofortige Ermittlung der Täter nicht gelingt, die kommunistischen bzw. marxistischen Führer als verantwortlich zur Rechenschaft gezogen werden. Für Taten, bei denen die Täter zwar bekannt, aber ihr« Festnahme unmöglich ist, werden sämtliche erwachsenen Angehörigen der Tater in Hast genommen werden. Die Kommunlstcn-Razzla. Die Razzia gegen kommunistische Organisationen und.Kuriere wird im ganzen Reich fortgesetzt. Aushebung von Gehcimorganisationen und Verhaftung zahlreicher Kommunisten wird u. a. aus Cottbus, Neuwied» Wanne-Eickel, Lü- Der Dal nadi dem Parlament Wegen„Aufwieglung" konfisziert. Wien, 4. August. Die Staatsanwaltschaft hat heute ein Plakat der sozialdemokratischen Partei, das für di« B o l k s a d r e s s e an den Bundespräsidenten werben sollte, beschlagnahmt. Konfisziert wurde folgender Sah: „Wir verlangen«in Parlament, wie e« England, Frankreich und die Tschechosiowakei haben." Außerdem wurde eine Stelle beschlagnahmt, di« im Zusammenhang mit den letzten Kürzungen der Arbeitslosenunterstützung aus die Wichtig- keil des Parlaments für die Arbeitslosen hinwies. Die Konfiskation wurde mit„Aufreizung gegen die Regierung" begründet. Auch das Blatt der ArbeitSloscn„Der S t e m p l e r" wurde tvcgen„Aufwiegelung" konfisziert, weil es ebenfalls im Zusammenhang mit den letzten Kürzungen der Arbeitslosenunterstützung aus die Wichtigkeit dcS Parlaments hingewiesen hatte. Gleichzeitig ist aber heute ein Erlaß des Ministers für soziale Verwaltung an die industriellen Bczirkskommissionen bekannt geworden, der weitere Verschlechterungen der Arbcits- losensürsorge vorsieht. Ole Gewerkschaftsinternationale Krieg und Abrüstung. zu Verhandlungen des VI. ordentlichen Internationalen Gewerkschaftskongreß. Der VI. Ordentliche Internationale Gewcrk- chaftskongreß seht« Mittwoch, den 2. August seine Arbeiten fort. Nachdem die Frage der organi satorischen Neugliederung der internationalen Berufssekretariate und die finanzielle Lage bc- handclt Worden waren, gab Generalsekretär W. Schcv eitel« zu Punkt 3 der Tagesord nung seinen Bericht über die Stellung der Arbei terklasse zur Frage des Krieges und der A b r ü st u n g. Tie international« Arbeitcrbetveguirg hält cs für nottvendig, die Propaganda gegen den Krieg ohne Unterbrechung und mit allen verfügbaren Mitteln weiterzuführen. Diese nnablässige Propaganda gegen den Krieg ist eine der Wesensaufgaben der organisierten Arbeiterklasse. Zu diesem Zwecke darf auf kein Mittel verzichtet werden. Dazu gehören an erster Stelle dir Doku- nientieruirg über die Tätigkeit der Rüstungs industrie, die Brandmarkung ihrer kriegerischen Propaganda, die Verbreitung photographischer Dokumente, Filme usw. Gleichzeitig und in ver schiedenen Ländern müssen Kundgebungen inter nationalen Charakters mit Teilnahme von Red- und vor- KsMI— ein lahr Gelüngnls. Wiederaufleben des passiven Widerstandes. Bombay, 4. August.(Reuter.) Nach langer Zeit der Untätigkeit haben heute indische Swa- radschistcnwachen ihre Tätigkeit wieder ausgenommen und Wachposten bei den Geschäften ausgestellt, die britische Waren führen. Die Wachposten verteilen vor diesen Geschäften den Kauflustigen Flugzettel, in dem zum Boykott britischer Waren aufgcfordert wird. Die Polizei hat neun dieser Wachposten verhaftet. Gandhi wurde heute früh in Poona in Freibeit gesetzt. Ta er es jedoch ablchntc, sich in Zukunft jeder politischen Tätigkeit zu enthalten und in Poona zu verbleiben, wurde er sofort wieder in Hast genommen und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Man erwartet, daß er in der Folgezeit wie ein gewöhnlicher Gcsangcner behandelt werden wird. über di« Erzeugung und den Handel mit Waffen j nahmen. unb KriegSmunition zu gelangen.. In der Debatte zu diesem bedeutsamsten Ber- Es müssen alle Möglichkeiten in Betracht gc- handlungSpnnkt« des Kongresses sprachen u. a. zogen und auSgelchöPft werden, dami: der Kampf der Delegierte aus Saarbrücken und für die sgegen den Krieg di« moralisch« und materiell«>Tschechoslowakei Genosse Kaufmann. Sdiwcre Strdhunruhcn in Straßburg. Dorrlhaden In den ndditlldien Straßen. Pari», 4. August.(6PB.) Spät abends sind gestern in Straßburg unter kommunistischer Führung neuerlich schwere Unruhen ausgebrochen, die mitunter einen außerordentlich ernsten Charakter annahmen. Die Streikenden löschten oll« Lichter der Straßenbeleuchtung, hielten Automobile an und belästigten Passanten. Die Polizei wurde von den Streikenden mit Messern und Eisenstöcken empfangen; zahlreiche Schüsse wurden abgefeucrt. Schließlich zerstörten die Streikenden di« Terrassen einiger Kaffeehäuser und errichteten an verschiedenen Stellen der Stadt Barrikaden. Die Zusammenstöße mit der Polizei dauerten in der Dunkelheit fort. Um 23 Uhr mußten fünf Polizisten in schwer verwundetem Zustand inS Spital gebracht werden. Spät nachts begannen die Demonstranten dann eine Reihe von Auslagen großer Geschäfte zu plündern. Um 3 Uhr früh war die Ruhe noch nicht vollständig wieder hergestcllt. Um diese Stunde waren gegen hundert Personen festgenommen worden, darunter mehrere saarländische Kommunisten. Den Blättern zufolge dürfte die Zahl der Streikenden heute 20.000 Personen erreichen. Die Streiklage hat sich im Lauf« des Freitag insofern verändert, als gegenüber den nächtlichen Unruhen inzwischen Ruhe cingekchrt ist. Die Streikleitung hat in einem Aufruf zur V e r m c i- düng jeder Gcwaltätigkeit aufgcsor- dcrt. Die Eisenbahner haben beschlossen, alle Vorbereitungen für eine aktive Unterstützung der Bewegung zu treffen»nd auch bei den Post, beamten macht sich die gleiche Tendenz bemerkbar. 15 Polizisten und 13 Gendarmen sollen bei den Zusammenstößen verletzt worden sein. Teile 4 Samstag, 8. August 1938. Nr. 18? Christlich-soziale Drehscheibe. Unsere heimischen Thristlichsozialen scheinen Lurch di« Ereignisse in Deutschland um den letzten Rest ihres Verstandes gebracht Warden zu sein. Unmittelbar nach der Machtergreifung Hitlers hat di«„Deutsch« Presse", ihr Zentralorgan, geschrieben, als ob st« ein glcichg«schalteteS Organ wäre, di« Brutalität, mit der Hitler gegen Kommunisten und Sozialdemokraten vorgegangen ist, hat das Herz der frommen Herren vor Freude nur so hüpfen lassen. Als aber die Hokenkrcnzler auch gegen das Zentrum vorgingen und schließlich Geistlich« verhaftet und eingesperrt wurden, da hat sich die„Deutsche Presse" anders besonnen und hat gegen die Nazis Front gemacht. Aber die Feindschaft der Christlichsozialen gegenüber der organisterten Arbeiterschaft ist noch stärker als die Solidarität mit ihren rcichsdcutschen Gesinnungsgenosse» und so kommt es vor, daß die„Deutsche Presse* von Zeit zu Zeit immer wieder für Hitler und gegen die von Hitler Verfolgten Stellung nimmt. In der Ausgabe vom 4. August will die „Deutsche Presse" der politischen Oeffentlichkeit damit Schrecken cinjagcn, daß die Sozialdemo- kraten Krieg gegen Deutschland sühren, daß di« Emigranten«in« zweit« Revolution machen wollen und nimmt gleichzeitig gegen den Boykott Hitler-Deutschland« Stellung, weil dadurch die deutschen Arbeiter brotlos würden. Eine rührende Sorge um die deutschen Arbeiter, die leider unsere Christlichsozialen uicht betätigt haben, als Tausende vo» deutschen Arbeitern von den Hitler- bauden verhaftet, gequält, gepeinigt und gemordet wurde». Die Hunvenvreffe im Delirium. Aerger noch al- di« offiziell« Hunnenprestr treibt das Lobpreisen der Gocringschen Mord- ges«^: die„R u m b u r g« r Zeitung". In der ausführlichsten Weis« bringt sic unter zustimmenden Titeln die amtlichen Acußerungen der Reichs- und d«r Preußenrcgicrung,-registriert sie jeden Tom den em Oberosaf oder einer der ganz hohen Gleichgeschalteten von sich gab. Und selbstverständlich unterläßt sie auch nichts, was oa» Ansehen und die Ehre der Emigranten in den Kot ziehen kann.„Goering- Kamps gegen Rot» ftont" rst di« Ueberschrift eines Berichtes über di« Mordtätigkeit di«ses sadistischen Morphinisten, „Zielbewußt« Bevölkerungspolitik" die Ueberschrift des Berichtes über die SterUistc» rungsäesetze. Es versteht sich, daß diesen Kultur. Produkten nicht nur großer Raum, sondern auch der besw Platz cingcräumt wird: daS Lob der Hunnen schmückt immer die erste Seit« dieses ehrenwerten Blattes. Dor einigen Tagen hat die„Rumburger Zeitung" die„Ehrenerklärung" kommentiert, die wir den.Herren Philipp und Müller in Rnmburg gaben. Sie britrgt di« Erklärung auf der ersten Seite, rahmt sie ein und führt einen Freuden» tanz auf:»Ein Fehlschlag des roten Dcnunzian» tentumS" überschreibt sie ihre Cchimpskanonade. Nachdem sie di«„Grcuetpropagcnida"„erledigt" hat, kriecht diese Gocring-Zcitung in der uuwur- digsten Weis« vor der politischen Behörde in Rum- bürg, di« das Verdienst habe, daß die„sozialdemo. kratischc Denunziationen" ohne Erfolg blieb«». Mittlerweile aber hat sich folgendes ereignet: Wir haben, im Zusammenhang mit der „Ehrenerklärung", eine Reihe iveiterer Beweise g«gen den„Tag" vorgebracht; wir l-abcn auf den Abgesandten der Drcsdn«r Polizeidirek- lion verwiesen, der den Auftrag hatte, sich bei Geldmangel an die sudetendeutschen Nazis zu welchen und haben auf eine R«ihe weiterer Umstände aufmerksanr gemacht, unt«r denen jener der wichtigste ist, daß die entscheidenden Teil« unterer Meldung über Verbindungen sudetendeutscher Nazis mit der SA nicht an- g«fochten werden können. Unsere Feststellungen haben dem„Tag" nit« den Mut genommen, noch einmal zu antworten. Er schweigt, weil er schweigen m u ß. Nur die„Rumburger Zeitung", di« nichi immer weiß, was ihren Schützlingen in Dux frommt, tut so, als ob sich nichts ereignete und als ob sie— in Gemeinschaft mit der Bezirksbehörde, versteht sich!— die Schützerin der tsche- choslowakischen Demokratie vor den gefährlickjen „Marxistenschweinen" tvärc. Die Nicdcrtrach: der Hunne'npresse wird nur noch von ihrer Tema- gogie über!rossen! Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Sonntag: Prag: 890 Gymnastik. 3.30 Waldhornquartetle 12.00 Konzert. 17.30 Schallplatte» 19.35 Konzert. 20.40 Radiofentlleton. 22.15 Schallplatten.— Brünn: 8.50 Schrammelkouzert. 18.00 Deutsche Sendung: Schrammeltrio.— Wien: 11.00 Sinfonie- konzert. 17.45 Blasmusik. 20.30 Domkonzert. 22.40 Abendkonzcrt.— Frankfurt: 18.00„Die M«i st«r- singer", Oper von Wagner(au- Bayreuth).— Breslau: 15.80 Lautenlieder.— Leipzig: 13.10 Mit- tagskonzcrl. 15.35 Lustige Schallplatten.— Laugenberg: 15.00 Kammermusik.— München: 14.50 Für di« Kinder. Knop gleichfalls lot.- Wichtige Funde in den Trilmmern.- Mn Brief Knops T agesneuigkeiten ßcrcr Sachschaden wurde nicht verursacht. i vor etwa einer Woche verlassen. Gestern trafen über t sich die beiden, un: noch einige gemeinsame An-I dürfte, gclegenheiten'zu regeln. I 8m Schacht ertrunken. Mexiko City, 4. August.(Reuter.) Zn dem Tilberbcrawerk im Staat Guanajuato erfolgte ein Wassereinvruch. An der betroffenen Stelle arbeiteten neun Bergleut«. Trotz der vorgenommenen Pumparbeiten zweifelt nian an ihrer Rettung. und ein Hemd gestlnden wurde», die al» dem Knopp gehörig agnosziert wurden. Außerdem wurde eilt Mantel der Irma Zwießel- ba»er gefunden, in besten Taschen sich ein Brief Knopps befand, aus dem wenigstens teilweise die Beweggründe hervorgehen, die das Paar zu diesem furchtbaren und unüberlegten Schritt getrieben haben. In dem Brief klagt Knopp über die Not und über seinen Nervenzustand und bittet seine Geliebte, sie möge ihm Zigaretten taufen. Außer diesem Brief wurde in den Taschen des Mantels der Zwicßelbauer ein Hausschlüstel gefunden. AuS den Trümmern wurden auch verschiedene Gegenstände geborgen, die dem Ehepaar Schopp gehören. Es bleibt nunmehr nur unaufgeklärt, welchen Sprengstoff Knopp verwendet hat. Ballon führt den Namen der Ausstellung:„Fehr, hundert des Fortschritts." Drel Arbeiter getötet. Wilna, 4. August.(PAT.) Bei Restaurierungsarbeiten am erzbischöflichen Palais in Wilna stürzt« heute«ine Wand ein, di« unter ihren Trümmern drei Arbeiter begrub. DaS artbewußte Fallbeil. Aus dem Lande des braunen Mittelalters wird über eine ungeheuerliche Verschärfung des Strafvollzuges berichtet. Die Nazisadisten schalten in jeher Beziehung gleich. Das BergeltuugSprinzip wird zum Grundsatz heinmunqalosester Rache, angewandt von einem System, dessen Repräsentanten und Exekutivi'rgane meist aufs schwerste kriminell belasrei sind. Um nur ein Beruichtung einer Familie. Görlitz, 4. August. In ihrer Wohnung wurden heute morgens von Hausbewohnern die aus vier Personen, Bater, Mutter, einem 11jährigen Knaben und einem vierjährigen Mädchen bestehende Familie dcS Kaufmannes Karl Wiedemann durch Gas vergiftet tot aufacfundrn. Wie die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und der Polizei ergeben haben, liegt Mord und Selbstmord vor. Die Eheleute sollen im gegenseitigen Einverständnis aus dem Leben geschieden sein und die Kinder mit in den Tod genommen habe». Waghalfiger Fallschirmabsprung. Moskau, 3. August. Einen lebensgefährlichen Rekord hat der russische Flieger I e w d o k i- m o w ausgestellt. Er sprang in der Nähe von Leningrad auS dem Apparat In einer Höhe von 0700 Metern, der Fallschirm öffnete sich jedoch erst nach 108 Sekunden nach dem Absprung, als der Pilot sich nur noch 480 Meter über dem Boden befand. Nach dem Verlassen des Gasthauses kani c.' zwischen den Beiden zu einem he'tigcn Mari- wechsel, in dessen Verlauf Karnold einige volverschüste auf die Martine! abgab und fk' selbst schwer verletzte. Di« schwerverwund.' Martine! starb einige Minuten nach ihrer Ew li«serung iuS Krankenhaus, Karnosd starb na Mitternacht, ohne das Bewußtsein wieder irfoir zu haben..Karnold hinterließ einen Briet, best Inhalt bisher noch nicht bekantit->». d über die Ursachen der Tat Aufschluß geben Bor dem«euer» Ausstieg in die Stratos-Hikre. Die Kugelgoudel des amerikanischen Flugkapitänr Seilte, in der dieser auf dem Gelände der Chicagoer Weltausstellung in den nächsten Tagen zu einem Stratosphärenslug aufstcigen wird. Der Bei der Arbeit getötet. Prag, 4. August. Heute um drewlertel 8 Uhr früh arbeitete der 24jährige ledig« Arbeiter Karl Has«k der Firma Kadett& Fanta im Keller des Neubaues Kostelni ul. 6 in Prag VII-, mit dem Schweitzapparat. Beim Füllen ves Karbidapparates kam eS zu einer Explosion, durch die Hajek {o schwer verletzt wurde, daß er wahrend der lcberfiihrung ins Krankenhaus starb. Ein grö- Glimpslicher Unfall eines Militärflugzeuges. Donnerstag und Freitag fanden in der Umgebung Pilsens militärische Feldübungen statt. Ter Landcsmilitärkommandant General B i l y traf aus einem Militärflugzeug in Pilsen cm uno landete Freitag vor 7 Uhr früh auf dem Flugplatz, Bory bei dichtem Nebel. Nach ihm trafen zwei weitere Flugzeuge ein, von denen eines, das sich nicht rechtzeitig orientieren konnte, gegen einen Baum stieß, wobei das Fl»gzeugge stell abgebrochen wurde. Der Unfall halte für die Besatzung keine gesundheitlichen Folgen. 37stündiger Segtlslug. Zn Ostpreußen hat der Königsberger Segelflieger Kurt Schmidt den Weltrekord im Segclflug, der bisher 21 Stunden betriig, mit 37 Stunoen erheblich Überboten. Schmidt war Donnerstag um halb 8 Uhr früh gestartet und blieb bis Freitag 8 Uhr abends in der Luft. Sein Segelflugzeug hielt sich durchschnittlich 200 bis 300 Meter hoch. Eintagsfliegen unterbinden den Verkehr. Aus der Straßenbrücke in Ungarisch-Hradisch lagen Donnerstag früh entlang der Brücke Masten von Eintagsfliegen in einer Höhe von einem halben Meter, die mit Schaufeln in den Fluß geworfen werden mußten. Die Menge der in Ungarisch- Hradisch niedergegangenen Eintagsfliegen ist so groß, daß der Verkehr behindert wurde. Di- Räder der Autos gleiten aus und den Fußgängern ist eS unmöglich, sich ordentlich fortzubcwegen. CotyS Geliebte erschießt sich. Zn der Pariser Oeffeutlichkeit hat Freitag der plötzliche Tod einer 2-tjährigen reichen Engländerin, dir sich in einem Pariser Hotel«rschosten hat, beträchtliches Aufsehen erregt. Die Engländerin, eine bekannte Erscheinung in cuglischcu Kreisen, stand in nahen Beziehungen mit dem französischen Zeitung», und Parfnmerieköuig C o t y. Die Tatsache, daß der tragische Vorfall sich heute krüh in den Räumen CotyS abgespielt hat, ist erst spät abends bekannt geworden. T«m Selbstmord scheint eine erregte Auseinandersetzung zwischen Cotv und dem snn- gen Mädchen voranSgcgangen zu sein. Wahrscheinliches Wetter heute: Am Nordwestrand deS Staates stärkere Bewölkung, keine wesentlichen Niederschläge, mäßig tvarm. mäßiger Nordwcstwind. Gekeimt. In Neid bei NonSperg erschien bei einem Landwirt ein Mann und bot ihm 25.000 Kronen für 5000 Kronen an. Ter Tausch sollte von Hand zu Hand am Rand eines nahegelegenen Waldes vor sich gehen. Der Landwirt verkaufte eine Wiese und eine Kuh und begab sich au den Waldrand, wo der Fremde auf ihn tvartcte. Ter Landwirt übergab ihm die 8000 Kronen, der Fremde dem Landwirt seine Brieftasche, in der sich di« 28.000 Kronen befinden sollten. Ehe der Landwirt dazu kam, de» Zuhalt der Tasche zu prüfen, blitzte im Gebüsch ein Geivehrlaus au.s und eine Donnerstimme schrie:„Halt, hier Fi- nanzwachc!" Beiden nahmen Reißaus. Als sich der Landlvirt in Sicherheit fühlte, öffnete er die Brieftasche, sie war leer. Dir Landjägerei forscht nach dem Schtviudler. Korinth von einem Riesenbrand bedroht. Korinth, 4. August. Ein Feuer, das heute nachts in den nach dem letzten Erdbeben errichteten Holzbaracken am hiesigen Marktplatz auSbrach, hat insgesamt 380 Baracken zerstört. Große Warenvorräte sind von den Flammen ebenfalls vernichtet worden. Um 7 Uhr früh war jede Gefahr beseitigt. Der Schaden wird aus 88 Millionen Drachmen geschätzt. Ministerpräsident Tsaldaris und seine Mitarbeiter waren auf die Nachricht von der Feuers- brunst nach Korinth geeilt. Eine Zeitlang hatte man den Eindruck, daß von der Stadt nichts mehr zu retten wäre. Dem Eingreifen der Feuerwehren aber gelang es schließlich, des Brandes Herr zu werden. Balbo fliegt über die Azoren. Rom, 4. August. Mit Rücksicht auf die anhaltende schlecht« Wetterlage zwischen Ncnsund land und Irland hat Balbo nach einem amtlichen Kommunique« sich entschlossen, für den Rückflug den Weg über di« Azoren einznschlagen und die nördliche Fluglinie aufzugcbcn. Die auf der Nordlinie stationierten Schiffe haben bereits Befehl erhalten, ihren Standort zu wechseln und sich entlang dek südlichen Flugstrecke auszustellen. Es wird angenommen, daß bis zum 10. August alle Vorbereitungen für den Flug über die Azoren abgeschlossen sein werden. Die gestern durchgcführten Aufräumungs arbeiten haben wieder einige» Licht in das Dun kel der furchtbaren Katastrophe gebracht. In den letzten Tagen hat sich nämlich in Brünn das Ge rücht aufrcchterhaltcn, daß Kn opp bei der Kata strophe gar nicht umö Leven kam, solcher» geflüchtet ist. Nun wurden aber neuerlich Leichen- teile gefunden, die von Knopp stam« men dürften. Man kann daher bereits mit ziemlicher Sicherheit sagen, daßKnoppgleich- falls getötet wurde. Es wurde numnehr auch festgestellt, daß sich die Explosion tatsächlich in dem Zimmer Nr. 7 ereignete. Gestern früh fanden die Feuerwehrleute den Teil eines linken MännerfaßeL,«ine Frauenhand, ein. Stück Schädelbein und den Teil einer Stirne. Sehr wichtig für die Frage, ob Knopp unter den Trüm- mern UMkam, ist die Tatsache, daß«in Mantel oniininniiinniiiiniimiinniiiiininiiiniiiiniiniiiiiiiiiniinniiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiniiiniiinnitniniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiii(iiiiiniiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiin kleines Beispiel zu nennen: die täglichen Untcr- haltskosten für Zuchthaushäftlinge sind von 1.50 Reichsmark auf— 47 Pfennige herab gesetzt worden. Aber wenn man auch sonst Tod und Vernichtung u>m sich verbreitet, in einem ist man zart und seclenvoll: die O p f e r der Gesellschaft und die u u s ch u l d i g e n p o li tis ch e n G c i s c l n, denen dieses System ent- arteicr CaligulaS ans Leben will, sollen von nun an auf art- und bodenverwurzelte Weise iuS Grab gesenkt werden. DaS Justizministe rium hat sich jetzt mi t der Methode der zur Zeit so populären und beliebten Hinrichtungen beschäftigt und festgestellt, daß die von Napoleon eingesührte Guillotine als volksfremdeS, welsches Gewächs keinem deutschen Verbrecher oder Nichtverbrecher zu nahe treten darf. Man bringt die Menschen uni, aber man killt sie in rassisch einwandfreier Weise. Das deutsche Fallbeil in der Welt voran! Bon nun an soll nicht mehr die Guillotine, sondern daS im VolkSbewnßtsein verwurzelte gut deutsche Beil den Segen des Dritten Reiches in aller Welt verkünden. Im Kommentar der Braunsadisten zu diesem Erlaß heißt eS wörtlich: .„Das Beil ist in deutschen Landen die allersicherste Todesart, die noch niemals zu Beanständungen Anlaß gab!" Dagegen kann man nichts machen. Das ist brauner Humor in ernstester Zeit. Einschränkung der e rsten und zweiten Wagenklassc aus de» Eisenbahnen. ES ist, so schreibt„Veöernik Prüva Lidn", bekannt, daß auf den Eisenbahnen die erste und zweite Wagenklassc sehr schwach besetzt, während die dritte Klasse oft überfüllt ist. ZuSbesonderc geschieht da» an Samstagen, Sonntagen, an den Tagen vor Feiertagen,, an Feiertagen und danach. Deswegen wurde bereits vor längerer Zeit die erste Klasse eingeschränkt. Im allgemeinen ist die erste Wagenklasse nur bei internationalen Zügen, aber auch' da ist sie schwach besetzt, so daß man sic wird einschranken können. Das soll auch geschehen. Die Frequenz in der ersten und zweiten Wagenklassc wird aufmerksam verfolgt werden und danach wird die Einschränkung der ersten beideu Wagenklassc» vorgenommen werden. Es wird also voraussichtlich zu einer Einschränkung der ersten.Wagenklassc bei Schnellzügen und der zweiten Wagenklasse bei Personenzuacn— Pcr- sonenzügc führen heute bereits nicht mehr die erste Klasse— kommen. Es werden also dann die Schnellzüge zwei Wagcicklassen, die Personcnzüge nur eine Wagenklassc haben. Schweres Autounglück. Auf der Straße unweit der Gemeinde Dravcc im Mhorodcr Be zirke ereignete sich ein Autounglück. Eine Autodroschke mit ncun Reisenden, die sich auf der Fahrt von U/.horod nach Muka-evo befand^ wollte einem' mit. Weizengarben beladenen Wagen ausweichen. Der Wagcninhaber Abraham Herskovic aus Seredne fuhr auf der falschen Straßenseite und wendete im letzten Augenblick den Wagen, so daß dieser in den Straßengraben stürzte. DaS Auto wurde zertrümmert, eine Frau wurde schwer und. fünf Personen leicht verletzt. Her8- kovic, der schon einmal mit einem staatlichen Autobus einen Zusamnienstoß gehabt hatte, wo- bei mehrere Personen schwer verletzt wurden und der durch unvorsichtiges Fahren in Mnkaöcvo einen sechsjährigen Knaben getötet hatte und bereits mehr als 40mal wegen Vergehen gegen d:e Fahrördnung bestraft wurde, flüchtete nach dem Unfall.... lllltllllllllilllllllllllllillllllllllllllllllllllllll!llllllllltllllltlltllllllllllllllllllllllllllllllllllllllnl,,llllllllllllllllllltlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllltlllltllllltlillllllllltllllltlllllllll„llllll^ LieveSdrama in HSttfen. 9Ror9 und GelBftmortt. Pilsen, 1. August. Heute nachts kam es in einer Straße in Pilsen zu einem Licbcsdrama, das zwei Menschenleben als Opfer gefordert hat. Gegen 1.0 Uhr kehrten aus einem ömsthausc in der Nähe der Skodawcrke die 28jährige geschie dene Schuelherin Mathilde M a r t i n e k aus Pilsen, und-er 50jährige geschiedene-Heizer Wen zel K a r.n o l d, gleichfalls anS Pilsen, nach Hanse zurück. Tic Martinek, die kurze Zeit mit Kar nold im.gemeinsamen Haushalte lebte, hatte Ihn Nr. 181. TamStag, 8. August 1888. Seite 8 Male Schnorrer! Wie der amerikanilche Autvmobilsabri» ; fen. Da» Ist«In Bild, zum Malen schön. Der Osas kommt gl» Schnorrerkönig, Um seit« Mütze umzudrehn, Banz eingeknickt und untertänig! So haben wie«ö uns gedacht, vorn seuerwerkt der braune Dege», Um sich vor jeder Beldschrankmacht Mit Schwung glatt auf den Bauch zu legen! Wie di« Point« prachtvoll sitzt, Der radikale Wortespietzer, Der vor den Herr» de» Beldschrank» schwitzt, Banz klein al» Absall-Restgenietzer. Ma« aus der Hintertreppe steht Und unsanft dort hinanSgeslogen, Kommt dann»total", al« Majestät, Banz maSken-ballecht angezogen! .-' Felo. 26 Hindus ertrunken. Benares, 4. August.(Reuter.) Ein Boot, das Passagier« über den anaeschwollenen Ganges se(te, schlug um. Hiebei sind 26 Hindu, zunt größten Teil Frauen, ertrunken. Fahrpreisermäßigung für Staatsbeamte au« der Slowakei. Das Eisenbahnministcrium hat die Begünstigung der VDprozenligen Fahrpreisermäßigung, die Staatsangestellten in der Slowakei und Karpachorußland für Urlaubsreisen nach Böhmen, Nähren und Schlesien gewährleistet werden, auch auf ilngestellte von StaatSämtern, Fonds, Anstalten und dom Staat verwalteten Unternehmungen, deren Dienst- und GehaltSverhältniss« nach 8 210, Abs. 1, de» BehaltSgesehcs Nr. 103, vom Jahre 1926 geregelt sind, erweitert. Ferner wurde diese Fahrpreisermäßigung auch für StaatSangestellle aus der Slowakei und Karpathorußland erweitert, die dienstlich nach Böhmen oder Mähren-Schlesien zugeicilt sind, und Mr für eine Fahrt auf eine Mindestentfernung von 899 Kilometer. Die Gesuche, die von der vorgesetzten Behörde beglaubigt sein müssen, sind an. die ZtoatSbahndirektion zu richten, in deren Bereich das betresfende Amt gelegen ist. Die Begünstigung, b«. zieht sich auch auf die Gattin und die Kinder, solange sie von den Eltern erhalten werden. SouderauSflugSzug, nach Jugoslawien. Zur Weinlese fertigt die StaatSbahudiraktion in Prag gemeinsam mit der internationalen Schlastvagrn- gosellschaft in den Tagen vom 9. bis 24. September einen Sonderzug nach Jugoslawien ab. Ter Preis beträgt pro Person 959 Ke. Anmeldungen mit 199 Kk Angabe beim Schalter 18, Mai'arykbahnhof, Prag, und In der Perkaufsstelle der Internationalen Lchla fwageng«'«ll seha ft. Eine gesalzen« Lt«u«rstrasc. Das Gericht in Krem« verurteilt« den.Kaufmann Franz Rauchegger aus Seiteirsletten wegen Steuerhinterziehung zu einer Geldstrafe von 96.969 Schilling, im. Nichtein- bringungSsasi« zu sechs Wochen Gefängnis. Di« Moldaubrücke bei Zbraslav gesperrt. Die BezirkSbehörd« Prag-Land hat gemäß 8 21 de» Gesetzes Nr. 47/1861 di« bei Zbraslav über di« Moldau führende Brück« gesperrt und den Perkahr auf dieser Brücke auS Grützen der öffentliche» Sicherheit verboten. An Stelle der gesperrten Brück« wurde«in« lkrsatzverbiudung zwischen den beiden Molöannfern durch eine Fähre in Lahoviee hergestellt. Di« schwersten Slesantenzähnr der Welt. Ein paar Elcfautenzähne, die schwersten ihrer Art auf der ganzen Welt, sind jetzt durch das Historische Nationalmuseum in London erworben worden. Sie stamme» von einem alten Elefanten, der vor dreißig Jahren erlebt worden ist. Durch das Eintrocknen des Elfenbeins sind die Zähne, die ursprünglich 236 und 226 Pfund wogen» um zehn Pfund leichter geworden. Ti« Zähne sind cn die drei Meter lang. Drahtlos, Hochzeit. Sie konnten zusammen nicht konnpcn,. das Master war viel zu tief. Lächerlich,'olle Kamellen, heutzutage ist alles möglich: heutzutage kann man sogar über Ozeane hinweg Ehebünd« fürs Leben schließen und in Konsequenz^ davon offenbar auch wieder auflöse». Mein braucht nur. zwei Mikrophone an jedem der beiden Ozeanenden, ein bißchen Nadio- Hokuspokus— und die Verbindungen der Liebe sind geleimt. Di« erste drahtlose Hochzeit hat venu auch:, schon wirklich stattgefundrn. Die ,,Opfer" lvaren- di« amerikanische Filmschauspielerin Benita Hnny und der englische Automobi. list B. Tunscr. Jene war in Hollywood, dieser in London beruflich festgehalten. Aber der Hoi- ratstermin war schon lange vorher bestimmt worden und au« irgendwelchen abergläubischen Gründen wollten sie ihn nicht mehr aufschieben. Bom Aberglauben zur»todernsten. Wissenschaft ist nur ein Schritt und' demgemäß handelten sie auch: jedes von beiden^ tritt mit Geistliche» und Trauzeugen vor ein. Mikrophon, jedes von beiden hauchte über tausende Kilometer Distanz hinweg ein seliges„Ja" in den Aether, die Geistlichen machten«ine kurze Predigt dazu und— aus und geschehen war». Die erste Radiohochzelt>var vollendet! Schanghai bekommt«inen Kreml. Nach dem Muster deS alten Moskauer Kreml wollen die in Schanghai ansässigen russischen Emigranten, deren eS dort eine große-Anzahl gibt, in Kürze mit dem Bau einer großen-Kathedrale beginnen.' Auf einem riesige» Platze will man em getreue« Nachbild des Moskauer Wahrzeichen»„Kreml" Mit feste« Mauern und Türmen errichten. Spsegelessr— auf dem Stratzenpflaster. Die große Hitzewelle der letzten Woche war auch in Holland so stark, daß,Spaßvögel in Amsterdam den Versuch machten, Eier auf dem glühendheißen Straßcnplaster zu braten. ES soll ihnen wirklich in viereinhalb Minuten gelungen sein. Gulliver entdefflt das Dritte Deich. Don Unus. Gulliver, kaum von feiner Reif« nach Liliput und Brobdignae zurück, zieht aus neu« Abenteuer auS, und wird noch Höllgoland verschlagen. Die wahrheitsgetreuen Schilderungen meiner abenteuerlichen Reisen und meiner Erlebnisse in Liliput und Brobdignae, für di« ich in London einen tüchtigen Verleger gefunden hatte, haben mir in meinem Vaterland ni«l)t nur viel Ruhm und Ehren, soiidcrn auch einen erkleck- lichcn Posten an englischen Pfunden ringcbracht, die mir ein sorgcnsrries Leben gcsiehert haben würden, hätte mich nicht mein unstillbarer Durst nach weiteren^Cocittcucrn, nach zwei Jahren läitdlieher Ruhe, zum dritten Riale von. meiner Familie Abschied nehmen lassen, um in der Entdeckung eines Dritten Reichs neuen Ruhm 4» erwerben— daS Kostbarste, ivaS ein liebender Vater feinen Kindern Hinterlasten kann? Ich überspring« den traurigen Untergang unseres stolzen Zweimasters„Good Hope" durch ein« riesige Windhose, die mich, al» einzigen llcberlebendcn, aus dem sinkenden Schiff in dir Höhe sog, in rasender Geschwindigkeit durch die Lüfte führte, und mich sauft an das Gestade eine» Landes absehte, da», wi« ich später erfuhr, den Namen Höllgoland führt, und, wie ich keststellen konnte, ziemlich in der Mitt« zwischen den Botokueten- und Kannibalen.- Inseln aeradc dort im Stillen Ozean liegt, wo er am tiefsten ist. War es in Liliput und Brobdignae .— in dem einen Land die Kleinheit, in dem anderen di« Größe chrer Bewohner, di« Niich in berechtigtes Erstaunen versetzte, so waren doch immerhin deren geistige Aenherungen von den unseren in England nur wenig verschieden;«Inders in Höllgoland, dessen Leute in der Größe' und?knSsshen unS Engländern ziemlich gleichen, in der sittlichen Au-ffostnng aber alles bessen, tvaS wir daheim unter dem Sammelnamen Kultur zusammeiifasten, so grundver- schieden sind von der nnsrigen. daß ich dies Volk unchristlichlich, barbarisch, räuberisch, grausam und zugleich feig«, kurz, mit jedem Schimpf bezeichnen müßte, würde mir mein Verstand nicht tagen, daß cs wohl in der Absicht des Schöpfers gelegen haben muß, durch ein abschreckendes Beispiel anderen Völkern zu zeigen, wie sie n i eh t sind und nie werden sollen! Die Verfastung dieses Volke», das wegen seine» kriegerischen Geistes von den Nachbarvölkern gefürchtet, wegen seiner Unmoral gehaßt, wegen seiner Grausamkeit gegen die eigenen Bewohner verabscheut wird, kennt drei Kasten: die braun«, die schwarze und die rote. Die Braunen nennen sich selbst di« Edel- oder auch Reinrassigen. Sie sind lang- 'chädlig, wa» gewisse Jndianerstäinme mit der Zeit auch werden, zu welchem Zweck sie schon di« Köpf« der Neugeborenen zwischen zivei Brettchen einpressen, haben oft bionde».Haar, wi««S unsere englischen Modedamen dnrch Waschungen mit Wasserstoffsuperoxyd hcrvorbringen, nnd blaue Augen, ähnlich dem verdünnten Ultramarin unserer Waschfrauen. Wa» wir Engländer nnter Liebe verstehen, di« zur Heirat und Nachkom- nienschast führen soll, sehen die Lent« in Höll- g o s a n d als ebenso überflüssig an, wie den Zwischenhändler. der di« Ware unnötig verteuert; dieses Geschäft— die Lieferung kriegstüchtiger Kinder(was wir in England„Kanonenfutter" nennen!) untersteht streng völkischen Berortniun- gen; in den staatlichen Aufzuchthäuern werden die der Lieferung würdigen Edeljungsrauen zum Frühlingsanfang(Baldurfest) cinge icfcrl; auf jede Gruppe von zehn Jungfrauen entfällt sc ein staatlich approbierter Teckmann,«ine Einrichtung, analog unseren englischen Gestüten zur Aufzucht unserer Rennpferde. DaS Neugeborene wird nicht, wie bei uns In England, auf die Waaae, sondern auf da» anfgeschlagene, hier als heilig verehrt« Buch„M ein Kampf" gelegt: wird «S von dem Kinde begossen, ist eS lebenstüchtig, beschmutzt es aber da».heilige Buch in unehr- «rbietiger Well'«, muß chm die.Hebamme so lange au» dem Buch vorlesen, bi»«S— gewöhnlich stell«,, sich dabei Krämpfe rin— hlnuberschläft. Am. achten Tag erfolgt di« Eingliederung des KindcS in die völkische Gemeinschaft durch Impfung mit dem G le ich scha l t u ngs- > e r u in:«S verliert dadurch den eigenen Willen, das e i g c n e Denken und die eigene M o r a l. die fiir den kriegerischen Geist der.höllgoländer ebenso überflüssig ist, wie der Blinddarm für die Verdauung— ähnlich, wie schon die antiken Amazonen ihre r«l)te Brust auSbrennen ließen, nm beim Bogenipannen nicht behindert zu sein. Die Braunen habeii alle itaatliehen und städti'ehen Aemtcr inne, erhalten aber diese nicht bloß dnrch das Vorrecht ihrer Geburt,, sondern erst nach schweren Prüfungen, wie dies auch bei den chinestsck)«» Mandarinen, den Bonze n, der Fall ist. R e i ch S m i n i» st e r z. B. wird nur der, der gegen jedes Quantum Morphium gefeit ist; Kultusminister, dem drei hervorragende Psychiater geistige Min» derweriigkeit attestieren, Polizeipräsident, der mindestens sechzehn Semester Zuchthaus und einige Semester schweren Kerkers studiert hat. Auch daS Theaterressort wird, um di« Damen de» Theaters keiner Anfechtung auSzusetzen, nur amtlich beglaubigten Pöderasten übertragen, und so übertreffen die Thoaterdainen an Tugend selbst di« R ö h m i s ch e n V e st a l i n« n! Die Rechtspflege ist ebenso eigenartig: in unserem Altengland werden die Schwervcrbre- cher ins Zuchthaus ein geliefert, hier werden sie au»dem Zuchthaus entlassen! Hervor- ragend gemeinen Männern werden nach ihrem mehr oder minder freiwilligen Tode Denkmäler errichtet; Minister feiern di« Mörder alS Helden und legen prächtig« Kränze am Sockel nieder! Raub und D i e b st a h l gelten als um so ehrenhafter, je größer die gestohlene Summe oder das geraubt« Wertobjekt ist! Symbol für Leben, Tod und Anserstehnng ist das Hakenkreuz. Ta die Leute von Höllgoland Meister-er Lüge sind, bestreiten sie den Kongoneger» das Eigentumsrecht und behaupten,«S sei ihnen von dem Heidengott Wotan persönlich verliehen worden! Sie eriveisen ihm göttlick-e Ehren, und bringen es überall an, wo nur Platz dafür vorhanden ist: auf ihren Fahnen, Armbindcn Zigarettenetuis, Cchwimni- hosen und an den Wänden der BcdürfniSanstal- ten. Die KastcderSchwarzen Ivar, als ich Höllgoland betrat, noch geduldet; dies« Leute dürfen ihr eigene- Symbol, ein einfaches Kreuz, verehren, was durch einen mit dem Blut der Roten unterzeichneten Pakt zwischen dem Führer des Landes und dem Kirchenobersten der Schwarzen gewährleistet Ist; man nennt hier einen solchen Pakt„Konkordat". Di« Kaste der Roten umfaßt alle Untermenschen des Landes, und dies« verrichten all«- niederen Arbeiten; sie sind das, waS im alten Griechenland die Heloten, und bei den amerikanischen Banmwollpslanzern di« Negersklaven waren; dies« wurden allerdings nur so weit gepeitscht, als sic noch zur Arbeit fähig waren, indes sic hier so lang gepeitscht werden, bis di« Bevölkerung HöllgolanvS nm di« zwanzig Millionen abnimmt, di««S— nach dein Ausspruch eitles fremden Philantropen namens Klecmannsoh— zu viel hat. Der Führer dieses Volkes, der sich, wie ein sagen-hafter.Held Arminius, der„-Herzog der Höllgoländer" nennt, bleibt dem Volke unsichtbar; es kennt ihn nur auS den Bildern der illustrierten Zeitungen, und kein« Stimme ans einem sonderbaren Instrument, daS einen entsetzlichen, furchterregenden To» von sich gibt, dem„Radio". Man spricht ihnr übernatürlich« Kräfte zli. Er soll ein« Stirne von E i s«>r, ein Herz von Sein und ein l^cwtsscn ans G u m m i haben. Viele halten ihn für unverwundbar, wozu wohl auch«ine kugelsichere Weste unter dem braunen Hench das ihrige beitragen mag. Von Attentaten seitens der Untermenschen ist er übrigens hinrelchlich geschützt durch den bombensichern Untertan« nunver st and feiner Getreuen, die eine, für die menschliche Vernunft undurchdringlich« Mauer um ihn aufgerichtet haben. Sein Name wird nie ausgesprochen, ohne daß man aus spuckt,„Poi! Poi! Poi!" jagt. und mit dem Fingerknöchel unter die Tisehkante llopst. Unter all den Merkwürdigkeiten, die ich in diesem Lande, ans dem ich nicht schnell genug abreisen kann, zu beobacht«» lHelegcnheit hatte, wunderte eS mich doch a-m meisten, daß auch hier die Sonne scheint, der Hilninel blau t und die Rosen duften——— die Sonne cheint eben über Gerechte und Ungerechte! Meyers Konzenlratlonslekiloi. Nach einem halbe» Jahr emsiger nationaler Erneuerung hat die zuständige AieichschallunzSst.-Ile zumi allgemeinen Entsetzen herausgefunden, daß das umfassendste Merk, Meyers Konversationslexikon. den Anschluß an das Dritte Reich noch nicht vollzogen hat. Ein Wink also— und die in Vorbereitung lchendc acht« Auflage wird eingestellt. Nach d-.-r lonsiskation neuuje Auslage. Ihr entnehmen wir 'olgand« Proben: Flucht, eine mit Borliede von Marxisten verwendet« Einrichtung, auf der sie dann euschossen werden. Gleichschaltung. Arteigene Dpr-achschöp- fnng des nenn Tentschlaud an Stelle des Artfremdwortes„Postensägcrei". Hitler, Adolf. Heil! llüxrsäkularsührer- phSnomen. In diesem profanen Rahmen nicht zu beschreiben. ES erscheint ein Sonderband in Lnxus- auSfühntng. Juda, auch Alljuda. Gesamtheit aller mauschelnden MazzeSsresser. Beinahe identiich mit dem Marxismus lsiche diesen). Einteilung J.'S in 2au- suden, Semiten, Hebräer nnd(bei Einkommen über 2666 Mk. monakl.).Herren Israeliten..Herrscht mit Hilfe der Weisen von Z-on lsiehe diere) über die arisehe Menschheit. Erst die deutsch« ReichSregiernng hat alle d'plomatischcn Beziehnitgen zu ihnen ab- gebrochen. I ist an allem schuld, z. B.: an Krieg, Pazifismus, Kapitalismus, Bolschewismus, Dokch- stoß von hinten und vorn, Nacktkultur, Presse, Psilchoanalys« nnd vielen andern, znm größten Teil nach nnersorschten Schandtaten.— Die vornehmste Ausgabe J's ist es, zu verrecken. K o IN m> s k a r. Fachmann, der von der Reichsregierung zur Sicherstellung seiner eigenen Lebens- hajtniig einge-'etzt worden ist. Marxismus, beinahe identisch mit Juda (siehe dieses)..Hergestellt von Mardocha!-Marx. im Auftrag der Wersen von Zion. Sammelname für vierzehn Jahre Weimarer Verfassung Tritt otfen als Sozialdemokratie nnd Kommunismus und getarnt als Zentrum nfw. auf. Der M. Ist.seit 5, März endgültig tot, erhebt aber trotzdem noch Immer frech lein Haupt und muß daher von Zelt zu Zeit neu auSgerottet werden Der M. enthält die sadanisclx Erfindung des Klassenkampse», di« riiekwirkenb bis ins Altertum den Frieden der BoltSgemeinschast zerrissen hat. Die Verhetzung der Arbeiterschaft geht lo weit, daß sic vor Lohirforderungen nickt zurückschreckt, auch wenn sic gegen daS Interesse der Unternehmer», und damit des BolkSganzen, gerichtet sind. Ab-'olitt volksfeindlich, dient der M. nur zur Bereicherung der fetten Rotbonzen, die aber setzt In den Konzentrationslagern Gelegenheit zu Abmagerungskuren haben.- Er ist an der Arbeitslosigkeit schuld, da er sich überall dort breittnacht, wo viel« Arbeitslose sind. Der M. will, daß die Arbeiter«w'g Proletarier bleiben. Mit dem Gedanken der Internationale möchte er da» deutselie Volk vom reinigenlden Stahlbad obhalte».. Programm. Nebulöses Gebilde, da» aber konkret genug ist. um Leut«, die sich auch nachher daran halten wollen, als zweit« Revolutionäre ins Konzentrationslager zu bringen. Rasse. Stiinni« des Blutes, Mythos. Ewiges Volkstum, jedoch nur bis zur Großmutter praktisch venvertbar D'e durch- Schädrl-sorm bedingt« instinktive Hinneigung zu artgleichen Volksgenosse». lllnab- hängig von eventuell slawischen Namen.1 Man untere scheidet di« arisehe Nass«. Di« andern sind minder« ivertkg, Im übrigen siehe nnter„undefinierbar". Zinsknechtschaft. Alldent'eheS Wort. Jetzt nicht mehr gebräuchlich. Karo. Vauchreden ist ein Scheidungsgrund. Was kann man eigentlich heutzutage nicht als Scheidungsgrund betrachten'?— Frau Given- dolyu Osman in Ehieago war der Meinung, ihre Ehe müsse aus Verschulden des Gatten geschieden werden. Und warum? Weit der böse Mann ihr Tag und Nacht allerlei Schabernack spielt. Herr Osman ist nämlich von Beruf Bauchredner;(aber früher war er einmal ein steinreicher Bankier!) in»einer Kunst, Interviews mit seinem eigenen Bauch an- zustcilen, hat er es schon so weit gebracht, daß die Frau keine ruhige Minute hatte. Im Restaurant machte der Bauch die unverschämtesten Bemerkungen den Gästen gegenüber, so daß man schon einigemal« drauf und dran war, wildfremd« Menschen zu verprügeln. Kurz, der Bauch entwickelte sich zum vollfettcu ScheidungSgrnndl Und— es gibt noch Richter in Ehieago— Frau Gwendolyn wurde vom Richter erhört und der böse Bauch In Straf« genommen. Da» heißt: mit langem Gesicht trollt« sich der Bauchredner aus dem AerichtSsaal. ... und sogar dem Bauch, so keck, blieb vor Sehreck die Sprache weg... Dß« trtf/Me illustrierte WscAcntcAri/t trMlkdn» Jeden tenntnd tfteraU eriUUUidk «eite 6 Sam-tag, 8. August 1933. Nr. 181. In einer fddltalienlfchen Töpferei.! Po» 0. F. War da in Taormina ein junges Mädel. Mit wunderhübschen Zähnen.(Ich will annchmen, daß sie nicht nur deshalb gern lachte. Sie lachte sogar, alS die Abschiedsstunde schlug; so jung war sie.) „Also Sie reisen jetzt ab. Fohren Sie über Salerno! Eine Station dahinter liegt Pietn. Dort steigen Sie aus und fragen nach Signore Riccardo." „Genügt daS: Riccardo?" Es genüg e. Viertri; Wolken am Himmel, drüben daS Meer! aber die Sonne kommt schon, also auS- steigen. Ta gibt es einen sehr freundlichen Bahnhofs- Vorstand und einen gerissenen Gepäckträger. Dieier Gepäckträger fragt, ob man etwas zum Rauchen hätte. Man hat nichts.(Wirklich nichts, denn daS Zeug schmeck: zu schlecht in Italien.) Tann verlangt er fürs Aufbcwahren eines Gepäckstücks eine Lira, zehn Centesimi. Es kostet nur ein« Lira. Er weiß cS genau so wie ich und so bringt er die zehn Centesimi brav wieder zurück, weil er an- nimmt, er darf sie dann für sich behalten. Er nimnlt richtig an. Man solle ihn ins Finanz- Ministerium berufen. Ich frage nach Signore Riccardo. Fragen Sie in einer deutsche» Kleinstadt auch nach.Herrn Richard, Albert, Paul oder Emil? Man würde die Achseln zucken. Hier aber heißt einer eben Riccardo oder Ernesto oder Giuieppe. Als solcher erst wird er auffindbar. Signore Riccardo wohnt nicht in Bietri,'sondern in Marina sul mar«. ES liegt also am Meere, ein kleines verwinkeltes in einen Talschlitz geklcxtcs Nest, und würde unzweifelhaft nach Fisch riechen, tuen» die Fischzüge der armen Teufel dort unten ertragreicher waren. Ich frag« mich kreuz und quer nach der Wohnung Riccardos durch, richte Grüße des Mädels mit den hübschen Zähnen auS und werdc nach dec Töpferei geführt. Tort haust er. Es geht hinaus und hinunter, durch ein Tal, an drsien Haug die Bahn nach Neapel klirrt. Grün alles ringsum und hell, von einer in jenen Brcitcgraden einsichtigen Sommcrsonne freundlich augrlächelt. „Da ist die Fabrik." Und da stand auch im weißgewcfenen Töpserkittel Signor« Riccardo, der mich mit leichtem schwäbiichen Akzent begrüßt«. Er stammt nämlich aus Deutschland und hat Italien nicht in V-Zugsstunden durchrast, sondern ist jahrelang hin und her gependelt, von Glücksgütern nur mäßig belästigt, war da und dort, vis er in Marina di Bietri landete. Nun modelliert er aus Ton Elefanten und Esel» Madonnen mit uift» ohne Kind, große»nd kleine Basen, malt Jerusalem oder sizilianische Motive auf Flachlverke und lädt. nach getaner Arbeit Fremde in sein gastliches Ha»S ein; Fremde, die überraschend schnell zu Freunden werden und wieder weiterziehen, oft vielleicht mit zu schwachem Erinnerungsvermögen. Jcb balanciere an lehmigen Becken vorbei in die Modellicrtverkstatt. Jedes einzelne Stück wird dort mit der-Hand gearbeitet. Maschinenlärm und lausendes Band sind unbekannt. Es geht recht still zu. An der Töpferscheibe, drinnen in einem dunklen Raum, sitzt ein Alter und formt Tonvasen. Immer wieder taucht er die Finger ins Wasser und drückt sie leicht gegen di« rotierende Tonglock«, bis allmählich sich die endgültige Form aus grauen-Händen schalt. DaS sieht gar nicht so schwierig auS... Gang durch die übrigen Räume. Auf langen Regalen stehen di« Figuren. Besonderen Spaß machten mir die kleinen bunten Eselchen mit ihren Heinrich. naivgroßen Augen, davor ein furchtbar stacheliger KaktuS. In gediegenen Farben und Formen: Tonkrüge aller Größen, Quadra c für Fußböden und Oefen... Wie das alles gemischt, geformt, gebrannt, bepinselt und wieder gebrannt wird, will ich hier nicht erörtern. Ich wurde die Rack)« der Fachkritiker auf daS von solchen Sorgen unbc- tchwert« Haupt deS Feuilletonisten lenken, und cS ist grundmtzlich schade um-Häup.er, deren-Haare sowieso gezahlt sind. ES mag auch di« freudigere Art deS Betrachtens sein, fern von Wissen und Stofflichen, Dinge kcnnenzulernen, anstatt BuchweiSheiten bestätigt zu finden. Dies« These hat natürlich keine Allgc- meingültigkeit, und es wird gut sein, wenn einer weiß, daß Demosthenes nicht Generaldirektor der Ein« Neuerung an der deutschen Universität in Prag. Wie wir dem BorlesungSverzeichnis der deutschen Universität in Prag siir das Wintersemester 1933/34 entnehmen, halten die Professoren Becking, Cysarz, Ehrenberg, Franz, Gcse- mann, Grohmann, Pfitzner, Sander Winter, Winternih, Wostry und Zatschek eine gemeinsame Vorlesung über das Problem„Osten und Westen" ab. Sport ♦ Spiel• Körperpnene Teplitzer FK. läßt«inen Prosispleler hungern. DaS klingt so unwahrscheinlich, hat aber anSnahmS- wesse den Vorzug wahr zu sein, denn da» Leibblatt der TF.sk-, der„Teplitz-Schönauer Anzeiger", berichtet selbst darüber. Es handelt sich um den Mittelläufer P o s P i ch a l, der bekanntlich aus 15 Wochen von der VPAF. gesperrt wurde. DaS Blatt schreibt u. a.:„Pospichal ist inzwischen nach Wien abgevesst, da» aber deshalb, weil er seit Wochen so gut wi« gar kein Geld seilens des Klubs erhielt und natürlich nicht ohne Einkommen existieren kann. DaS Jnteregnum beim TFK. hat dazu «»führt, daß er imrch Wochen auch nicht einhundert Kronen zum Laben bekommen konnte. Der alte Borstand tut nicht» mehr,«in neuer existiert nicht, Pospichal ist also zu seinen Eltern ge- ,sah«n, wo man ihm wenigstens da» nackt« Leben sichern wird, während er von den 2500 Ke, di« ihm der TFK. schuldet, nicht» erhallen konnte."— Haben wir nicht vecht, wenn wir eingangs festhollen, daß der TFK.«inen Spieler hungern läßt? Und di« übrigen Prosispicler?’ Dir wurden nach der l-ttägi- gen Sperre de» Vereines auf ein« Tournee geschickt, um am laufenden Band Spiel« zu absoivie- ren, damit der Verlust der 14 Tage und di« Gelder für di« Gagen zusammengekratzt werden können— denn in Taplitz findet sich anscheinend kein Finanzmann mehr, der drn TFK.„über Wasser" hallen will, der sich mit dem zitierten Fall Pospichal ein dauernde» Schand-Denkmal gesetzt hat. Staat»s«kretär wär« schön«» als Kommirzialrat. In den bürgerlichen Blättern sind jetzt über Oesterreich oft Dinge zu lasen, die den Tatsache» nicht entsprechen. Zu dieser Art von Meldungen, di« ihr Entstehen häufig den jetzt in Oesterreich herrschenden Verhältnissen zu verdanken Haden, gehört auch die außerordentlich kurios« Nachricht, daß der Präsident der bürgerlichen HauptverbandeS für Körpersport, der Kommerzialrat Dr. Schmidt, zum siamesischen Eisenbahn ist, so er zur Athener Akropolis cmporstcigt. Aber ich lass« mir gern erzählen, erklären, ohne di« strenge Absicht, cS für alle Ewigkeiten zu behalten. Irgendein« Zell« im Hirn ist gü ig g«nug, Eindrücke zu verkapseln und in einer angenehmen Stunde der Erinnerung wieder anzubceten. So dachte ich gerade heut« an jene Töpferei im Talarunde von Bietri, an ihre fleißigen Menschen, die da Krug an Krug stellen, formen und pinseln, an den Signore Riccardo, der sich freut, wenn nach dem Brand die Farbe bleibi, und die I-G»Vertr«t«r verwünscht, wenn dieses oder jene azuro nicht auKgehal'en Hot. Da» große Leben, da» schcckbuchbewaffnets. mit Allright-Gurgeln weiter nach Amalfi auto- cart, läßt Marina di Bierti ziemlich ungeschoren. So wandere ich endlich in Muße durch di« Gassen, hinunter an den Strand, wo wieder die Fischer geduldig leere Netze aus dem Meere ziehen. naiull wurde. L«sterreich:zch« Blätter, di« sich begreiflicherweise eine solch« Ernennung schwer vor- stellen können, schwächten dies« Meldung bereit» ab. S'e schrieben, daß Schmidt zum Staatssekretär er» nanm wcrdcn soll. Di« Beziehungen Dr. Schmidt- zum österreichischen Sport sind mannigfacher Art. Unvergeßlich sind sein« Huldigungsfahrten durch Oesterreich oder sein denkwürdiger Besuch beim Wüstenscheik. Besondere Verdienste hat sich Kom- merzialrat Schmidt für den bürgerlichen Sport erworben. daß er mehrmals im Jahre in seiner Hietzinger Villa Ban kalte für geschmeidige Meistersportler und für noch geschmeidigere Sportjournalisten veranstaltet In normalen Zeiten wär« eS nicht möglich, daß Dr. Schmidt an eine so wichtige staatliche Stell« bcrnsen werden würde. Man wird ja sehen, ob man setzt in ihm den richtigen Mann für ein« so bedeutend« staatliche Stelle, deren Notwendigkeit aber von den Sportlern selbst, welcher Richtung sie auch imnrer angehören mögen, durchaus nicht anerkannt wird, gefunden zu haben glaubt. Wenn„Autorität" auch im österreichischen Sport eiirzirhcn soll, so sei auch gleich eines Gerüchtes gedacht, dar von» Plan einer Verstaatlichung des Jugendturnens in Oesterreich erzählt. Die Erkundigungen des Askö haben ergeben, daß di« anttlichen Stellen gegenwärtig mit solchen Plänen n I ch t beschäftigt sind. Zwei neue Spielregeln im bürgerlichen Fußballsport sind mit 1. August international in Kraft getreten. Di«.«ine besagt, daß«in Spüler, der ohne Grund das Spielfeld verläßt, erst bei einer Spielunterbrechung auf daS Feld wieder zurückkehren darf und sich beim Schiedsrichter vielden muß. Bisher konnte«In Spieler jederzeit eintreteir. Ferner darf künftig«in Elfmeter auch dann verhängt werden, wenn sich der Ball außerhalb des Strafraumes befindet, aber im Strafraum von der verteidigenden Partei«in Foul verübt wird. Aus der Partei Jugendbewegung. S. I. I. Sonntag, den 8. August, Wanderung nach Z b r a s l a v(Badegelegenheit). Zusammentreffen um 7 Uhr an der Endstation der 21er< oder 17«r-Lini« in Hodkoviöky. Pünktlich sein! PRACHER IHTDIft Staatssekretär für Leibesübungen et* Vereinsnadiriditen Arbclter-Tnrn- und Sportverein Prag «ussig.Fahrer, Achtung! All« Zell nehmet fahren mit dem um 1.28 Uhr abgehenden Zu« in dem ein Waggon reserviert wird. Tveffpunh «in« halbe Stunde vor Abfahrt aus dem Per», Reiseleiter ist Genosse Titz«.— Wem et ni$i möglich sein sollt«, um diese Zett zu fahren, tt, soll den um 15.45 Uhr abgehenden Zug benützn, All« hier angeführten Züge gehan ab Masarhl. bahnhos. Nicht vergessen: Fahrtlegitimation bei, Schalter abstempeln lassen! e Ortsgruppe Prag. S o n n t a z, den 6. August, Treffpunkt am S m i. ch o w e r Bahnhof um M7 Uhr früh, Führt P l o tz. NI»» I» Praotr Limtspliihaoseri bi««inschließlich Donnerstag, den 1g. August. Adria:„Don Quichotte."— Alfa:„Tai. fun."— FSnix:„Auf der Spur."— glore: „Die Flucht»ach Nizza."— Hollywood:„Tat blau« Licht."— Hvözda:„Die fliehendc, Schatten."— Julis:„Die weihe Welt.'— Kinema v. d.: Zeitbilder, Grotesken, Repo«. bis Jill.— Koruna:„Phantom der Rennbahn.'- Kotvo:„Don Quichotte."— Luc«rna:„Ton Quicholt«."— Retro:„Ein Walzertraum."- Passage:„Der Raub der Mona Lisa."— Prohi: „Der Rächer des Texas."-- Skaut:"Scampvl, —das Gossenmädel."— SvStozor:„Die weift Welt."— Alma:„Der Liedersänger."— Adi«: „Das Geheimnis der dritten Nacht."— Bajkol: „Paris liebt und jubelt."— Favorit: Kameradschaft."— Kapitol:„Unter falsch« Flagge."— Konvikt:„Die Dame vom Maxim."- Lido:„Paris liebt und jubelt."— Lvnvn: „Bomben aus Mont« Carlo."— Roxy:„Tie Dam« vom Maxim."— Baldek:„Ti« Flucht noch Nizza."— Belvedere:„Mädchen zum.Heirate».' — Bes«da:„Acht Mädel im Boot."— Illusion: „Bomben über Shanghai."— Sport:„Tas Schiff der Selbftnrörder."— U Bejvodu:„Seme Majestät der Reisende." Vie richtige Brille Optiker Deutsch Prag IL, Prikopy, Palais Koruna. i ADDlo-Elemenlar ; Versicherung»-Aktien- I gesellschaft In Wien \ Direktion für die C. 8. R. In Prag, i Oeneral-Agentschaft Reichen bei g ' empfiehlt sieh tum Abschluß ton Feuer-, i Unfall-, Haftpflicht-, Einbruch-, Auto-, Trane i port-, Pferde- und Viehvertleherungen in * kulanten Preisen. sm i Bargarantlemlttel in der Ö.S. R. M Millionen! i Büros: Prag* Narodnf tf. 17. ' Reichen berg, Schfltseng. Nr. 31.[ Brünn, Theaterkasse Nr. 8. Fünfmal Baramont. Bon Tendenz znm Spiel. Uns wurden fünf älter« Film« der Paramounl vorgesührt; es war ein« T«inouftration. ES sollt« bewiesen werden, was unsere skandalöse offiziell,: Filmpolitik an der BolkSkultur gesündigt hat. Und was noch eventuell guizumachen ist. Wir sind nicht Anwälte der Kinoverdienst«; aber nach der ideell und mhaltlich schwachen Kostprobe der beiden Abende können wir ruhig behaupten, daß zede Film« kullur ohne Amerika«in« Lüg« ist; ebenso wie wir uns heul« noch den Film ohne Deutschlands Arbeit nicht vorslellen können. Amerika hat vor allem unzeh.ur« technisch« Mittel; di« Art, in der unS von Bor;age Hrmming- way Roman„I n«i n e m a n d e r n Land"(Nieder di« Wasstznl verfilmt wurde, zeigt di« Heber« le gen heil der amerikanischen Mittel; wohl seincs Geldrs, aber der Film ist nun einmal ohne Mittel und damit ln unserer Gesellschast ohne da- Geld undenkbar Ein Jsonzorückzug wird gezeigt, wi« er erschütternder nicht gezeigt werden kann: w:« nämlich Garry Looper, verliebt und aufrichtig liebend, al» Mensch durch das Grauen der Schlacht schreitet Tas mußt« in Amerika gedreht werden, dazu reicht eben Europas Geld nicht aus. WaS stört e» uneigentlich, daß der DesaltiSmus res Romans verwässert wurde? Daß hier kein« Propaganda reS Jungen für di« Desertion gezeigt wird? Daß sein« Liebe überdreht erschein« und daß sein KriegSgcauen gemildert wird? Auch in Amerika ist«in« Zensur: .aber durch sie hindurch dringt dieser Film mit seiner Tendenz; auch tm Stahlbad leben Menschen, di« nicht morden wollen, bi« lieben und leben. Und di« desertieren eben. In dem großartigen Milieu eines Mailänder Schloßspital». inmitten von Barockpracht und kalk, Looper einfach hinreißend und die kleine -tzayeS mit Augen, di« unvergeßlich sind. In ihr« Sentimentalität dröhnt der Krieg: und mit einemmal wird sogar das öde happy-end menschlich, wi« auf Befehl möchten wir weinen. ch Dies« Meisterschaft der förmlich gewerbsmäßigen StimmungSmacherei wird einzigartig in Sternbergs „Blonder B e n u S" mit Marlen« Dietrich. Man kann über ihre programmäßig« Dämon:k denken, wie es gerade der Stimmung entspricht. Aber die Art, wie sie an den Nerven des Publikum» zu zerren versteht, die Meisterschaft, mit de» sie von Sternberg in jeder Lebenslage«ine» der echtesten Kolportage- roman» der Welt barg«stellt wird, wi« sie Star ist und Hure, Dtutter und Landstreicherin zugleich, da» kann nur Amerika hcrvorzaubern. Da» muß oben dir Paramount finanzieren, der di« Tränensäcke des werten Publikum» jene Hunderttausende Dollars wert sind, dl««ine Marlen« Dietrich verdienen will. Ob mit Recht? Di« Milieus in diesem Film atmen unheimliches Leben. Und Leben ist eben Film. Tonnenglühend« Südstaaten ersfehen vor unfern Augen ebenso wie der Schwarzwald und«in Obdach» loftnasyl, da» direkt an Gorki gemahnt. Und durch alles Lachen, all« Tränen, all« weibliche, verlogene Verführung, schreitet, nein, ftiegt diese Dietrich, mit bewegungslosen Zügen und unheimlich sprechenden Augen; und neben ihr.der klein« Dickie Moore ein« Art Jackie Coogan und ihr« Liebhaber Marshall und Grant, ganz ln di« verschmocki« Bewegungslosigkeit der oberen Zehntausend gehüllt. Selbstverständlichkeit in di« Rhythmen der Schlager übergeht, di« erstaunlich ist, Paris erwacht und Lhevalier muß einfach singen; er führt als Schneider Kleider liefern und di« Prinzessin muß i n der Sonn« singen, weil schon die Landschaft«in Gedicht mit Rhythmen ist. Roger und Hart haben hier mit dem Regisseur komponiert; daS Tempo der Musi! führt int Schloß und hier verlachen wir mit klarer Selbstverständlichkeit di« Prinzen und Tanten und ihr« bellenden Stimmen. Kann denn dieser Naturbursche Lhevalier(daS ist an diesem Film di« Mei- sterlerstung, daß Maurice wirklich au» der Natur erwächst und hingehört) denn ander» als unwid-r- stehlich sein? Hier, in der unerhörten Detailavbeil, die jeder Szene twrausgegangen sein muß, hier steht man di« Kraft amerikanischer Routine, di« aus dem Gebiet der Operette wirklich lebendige Kunst geschaffen hat; und einen Humor zeigt, der bei aller derber Unterlag« eben grazil und leicht aüfgetragen wird. Wi« der Schneider die Prinzessin Me Donald ersingt und«rfchneidert, da» ist uns ganz klar und selbstvec- stündlich; Venn die andern vornehmen Männer kommen ja gar nicht in Betracht, di« Sentimentalität wird hier sympathisch begründet, di« Verlogenheit geht verloren: denn da» ganze Spiel ist ja nur ein milder Mondschauer. • Dr. I«kyll und Mr. Hyd«, vom gleichen Regisseur nach Stevensons Roma» gedreht, hat mit einfachem Schauer nichts mehr zu tun: hier geht «S um Grauen, um lächerliche». Schreckerzeugen, dar gerade in seiner naiven Realistik Erfolg haben kann. Ern Arzt trennt die gut« von der bösen Seel«. Mit einem Elixier, einem. Süppchen, das in Fausten« Küche vor unsern Augen gebraut wird. Und unser hübscher Fokyll verwandelt sich vor unsern gar nicht entsetzten, sondern belustigten Augen in einen privaten Orangulan, der di« schön« blonde Hopkins zu verspeisen verpflichtet erscheint. Den ganzen Film müssen wir auf diese» Lustnwrd warten; ihn zu sehen wird un» nicht ganz erspart, denn für unstr Geld bieten di« Amerikaner ganzes Spiel. Graue» bis zum Letzten; also wird erwürgt. Einige Dicinr Walzer, einig« schön« Ausstattungen und wunttr- vollr Bauten, einige hübsch« Frauen«Role Hobart und di« Hopkins),, ein realistisch klare», naturalistisch lächerliche» Spiel von Frederie March zeigt uns oie Kunst«irre» Regisseurs, der leider kein Mof kennt in seinem Bestreben, uns von der Möglichkeit und Wahrheit sein«- Film» zu überzeugen Ta er gar k«in«n Versuch macht, den Film expressionislffch zu stilisier«»:(wie e» der stumm« Film gleiche» Namens erfolgreich unternommen hat), bleibt du Erfolg wohl mir Recht aus. March, der Dr. Jekyll und Mr. Hyd« zugleich, soll un» al» schöner Stadtpräfekt von Rom in llcciie B. de Mille'S„Im Z«ichen de- Kreuze»" de» geistern. Hier wird unsere Mentalität gegen Uebcrmaß von Naivität und Verlogenheit rcvoNic- ren; hier werden wir nicht mehr mirkönnen, Im Schulsrbelweisheit in Großausstattung rrscheiiit unk doch als zu stark. Aber selbst in diesem Wust von Nero und Quo-vadis, in dieser Uebennischung von Lhristenadel und Heidenbrutalität, in dieser ge- schäftStüchtigen Vergewaltigung eines Glauben»,»et anderes verdient hat, selbst hier bewundern wir du Ausstattung,- dieses. ungeheure Stadion, diese» Massenaufgebot an Kämpfern, Tieren und Bauten. Selbst hier sehen wir eben etwas, was un» det Theater nicht geben kann: Schaustück«, große Szenrn und Gesten, Rom, wie«s wohl nicht gelebt Hai. aber wie wlr eS uns nun mal vorslellen dürfen. Und Elissa Landl oder Claude Colbert, werden auch Unbescheiden« befriedigen. Sollen wir eS leugnen? Auch der inhaltlos« Mm kann erträglich sein; da» ist Amerika, wie wir es kn diesen fünf Filmen sahen. Walter L u st i g. ch> Dies« Oberen Zehntausend werden entzückendes Milieu in MamoulianS Operette„Schloß im Mond"(Liebe mich des Nachts). Hier ist bildkont» postrorisch und musikalisch wohl ein« einzigartig« ILeistung gelungen; Renöe Claire ist ganz ver- und Kultur ipielen unser« Helden: Menfou salopp' arbeitet zu echtem Leben, das wieder mit einer eictrfnt» l■■,.. atlM»«!<»»•».— SoMtBndl4tt MMMat: Dr. Amu Dlraa», Pro,— Drackr JMP A.-O. hh ZvUaao- aa» Vachörach Bma— ae,»ch, tat amanantliC Cti» otlil — Da gtn-inj)iian<'rMtu-tonit»«ai wa Mi» ItlcatawctMnntoa ant Erlat Ni ctsölüviinsöv vtaUNar— Bäaevoidmiaavea: Bei gafteU»», tat Paa» im m em»arch»t« piß auaaMch U a~. atetMlIUnta U «■atliMi St UU-,— dal-tat» MCMu laai tad UM ImtM, M»Uni•*lnl1-,‘ 1 WmSaachlat.— XMftOaan Ma Wiaffrl>M nMI m|Fw|iain In IbniMhk^