13. Jahrgang. Sonntag, 6. August 1933 Rr. 182. Das Einschreiten der Mächte. Auch Hallen schließt sich an! Paris, 5. August.(HavaS.) Wie bekannt, hat Italien in Berlin bereits eine Demarche in Angelegenheit ver ventschen Flugzeuge unternommen, welche, aus österreichischem Territorium Flugblätter mit einem ver gegenwärtigen. österreichischen Regierung seinvseligen Inhaltes abwarsen. Nunmehr wurde auch ver britische Botschafter in Berlin beauftragt, in ver Wilhemstrahe vorzusprechen unv ven Protest ver britischen Regierung zum Ausdruck zu bringen. Den gleichen Protest wirv heute ver französische Botschafter in Berlin bei Ver Reichsregierung einlegen. Oesterreichs Kampf gegen die Nazis Die reichsdeutschen Journalisten werden aasgewiesen. M Immer 036.000 Arbeitslose! Prag, 6. August. Wie da» Fürsorgemini, sterium verlautbart, betrug di« Zahl der Arbeit», losen, d. h. derjenigen, die sich vei einer öffentlichen AroeitSvermittlungSstelle um Arbeit bewarben, jedoch nicht untergebracht werden konnten, Ende Juli d. I. nach den vorläufigen Zäb- lungsergebnissen 636.005. Ende Mai betrug die Zahl der Arbeitslosen nach den definitiven Ergebnissen 678.938. Im Monat Juli ist also die Arbeitülosen- zisser um 39.928, d. i. um 5.9 Prozent, zurvck- gegangen. Der Kamnl um den Roosevelt-Code. Stahlindustrien«» lehnen ab.— Drohung mit dem Boykott. Washington, 5. August.(Neuler.) Die Ber- treler der Stahlindustrie iiisorinierteii die Leitung M Nationalen Wiederaufbaus RNA(National Restauration Administration) dahin, daß nach ihrer Auffassung.der Lohn-Code dieser Industrie die Grenzen der Nlöglichkei en bereit» überschritten habe und ein Fortfahren in dieser Richtung unmöglich sei. Die Vertreter der Stahlindustrie erklärten, man niüsse ohne Aendrrung der bisherigen gesnnden Methode der PreiSregulierüng auf der Kalkulationsgrundlage sortfahre». Gene- ral Johnson bewilligte zwölf Industriezweigen modifizierte Codes und ordne e an, daß dielen Industriezweigen ztvei Wochen Frist eingeräumt werde» worauf die Oessentlichkeit zur Boykottierung derselben aufgrfordert werden soll, wodurch im Verein mit anderen Maßnahmen auf säumige Arbeitgeber ,eitt-JC-rud- in der Richtung auSgeübt werden soll, dami auch diese den Rooievelt-Cod« unterzeichnen. Die Arbeiter-Föderation erklärt in ihrem Juli-Bericht, daß die Einstellung neuer Arbeiter und die Kaufkraft nicht Hand in Hand mit der schnellen Entfaltung der Produk.ion gingen. Roosevelt unterzeichnete heute den Lohn-Code für die Konfektionsindustrie, wodurch die schlechten Arbeitsbedingungen, die in diesem Zweige bisher herrschten, besei igt tverden. Gleichzeitig unterzeichnete der Präsident den Lohn-Code für die Elektrizitäts-Industrie. Vie Roosevelt den Arbelts- Irleden schallen will. Hhd« Park(New Park), 5. August.(Tsch. P.-B.) Präsiden Roosevelt hat seine Absicht, einen Arbeitsfrieden zu proklamieren, rasch in die Tat umgesetzt. Er hat einen Rat von sieben Mitgliedern ernannt, dessen Aufgabe es ist, die Durchführung des Arbeitsfriedens zu. überwachen. In dem im Zusammenhang damit veröffentlichten Aufruf werden Unternehmer und Arbeiter aufgefordert, Streiks, Aussperrungen und ähnliche soziale Kampsmaßnahmen während der Dauer des Ar- beitSfrieden» zu unterlassen. Degen die Straßburger Polizei Eine Aeußerung de»„Populairr". Pari», 5. August.. Ter iözialistische„Vo- pulaire" protestiert gegen das brutale Borgeyen der Polizei im Straßburger Streik und beschuldigt den Präfekten de» Departements Unterthein, die Arbeiterklasse grundlos herauszusordern. Tas Blatt meldet,, daß bei den Streikunruhen. insgesamt 14.5 Personen zu Schaden gekommen sind. Davon seien gegen 100 schwer verletzt.worden» Ein dreijährige» Kind habe, als berittene Polizei gegen die Meng« vorgegangen sei, den.Tod gefunden. Neuer Bouicotiicampi In Indien Wegen Gandhis Berurtellung. London, 5. August.(AR.) Nachdem Gandh: zu zwölf Monaten Gefängnis verurteilt worden ist,, weil er sich weigerte, ip Poöiza zu bleiben, der politischen Tätigkeit zu entsagen und sich für den Widerruf der Kampagne des bürgerlichen Ungehorsams einzusetzen, haben gestern die Anhänger des allinoischen Kongresses in Bombay den Boykott wieder ausgenommen und Wachen vor den Geschäften mit britischen Waren aufge- stellt. Bier Männer und fünf Frauen würden verhaftet. Das'Geschäft auf den Märkten geht ungestört weiter. Wien, 5. August. Die gestern verhafteten Wiener Vertreter reichsdeutscher Blätter Schepky, Hoenig und Koth haben, wie die„Reichspost" meldet, die Ausweisung aus Oesterreich zu erwarten. Ter Vertreter der „Germania", Riedl, wurde bereits gestern von pnt Wiener Polizei zu 14 Tagen Arrest verurteilt und hat die Strafe angetreten. Riedl ist österreichischer Staatsbürger. Er hatte in seiner Wohnung eine Reihe von Aussätzen ausbewahrr, die für reichsdeutsche Blätter bestimmt waren, und durch deren Veröffentlichung die Interessen der österreichischen Republik. schwer geschädigt worden wären. In einem in den letzten Tagen in der„Gerrnania" erschienenen und von Riedl gezeichneten Artikel au» Wien war dir österreichische Regierung beleidigt worden. FUnisterllste der Nazi in Wien aulgefunden. Wien, 5. August(Eigenbericht): Die Aushebung der Propagandazetitrale der Nationalsozialisten in Wie«, die Donnerstag nachmittags erfolgte, hat, wie sich bei der Sichtung des Materials herauSstellte, eine Reihe von interessanten Ereignissen aufgezeigt. So wurde ein Karthotekblatt gefunden, in den» der bisherige Führer der österreichischen Nazis, der durch seinen Aufenthalt im Rothschild-Spital berühmt gewordene Eduard Frauenfeld, folgendermaßen gekennzeichnet wird: Er nahm die Sache der NauS nicht ernst genug, er Ist ein Schauspieler im braunen Hemd, der alles nur tut,, um etwas zu scheinen, dem aber der richtige Ernst für die Aufgaben des Nationalsozialismus fehlt. E« scheint überhaupt so gewesen zu sein, daß sich die illegale Agitationszentrale nn Laufe der Zeit zu einem Kristallisanonspunkt der Opposition gegen die offizielle Nazisühnmg in Oesterreich entwickelt hat. Allerdings wird auch behauptet, daß unter dem Material eine komplette Ministcrlistc gefunden worden ist. Nach dieser Liste sollte— nach dem Siege der Nazis in Oesterreich— der pensionierte General Bardolf Rcichsstatthalter, Herr Proksch Bundeskanzler von Oesterreich werden. Zum Justizminister sollte Dr. Riehl anscrsehen sein, Vropagandaministrr sollte Frauenfeld werden. Sicherheitsminister der frühere Wiener Po- lizcivrästdent Tr. Brandl und Chef des Bundes- pressedicnstes der inzwischen verhaftete Korrespondent des Wiener Scherl-Verlages,- Schepky. ... Freitaa Abend hatte die Wiener Polizei in einer Maschinenfabrik in Wien XV zwei Stanzmaschinen und eine Anzahl gestanzter Papier- Hakcnkrcnze beschlagnahmt. Drei Motorrad- kabrer, die diese Vapierhakenkreinr abholen sollten, wurden sestgenommen. Die Wiener Nazis Pfleaen derartige Hakenkreuze und Flugblätter.auf-den Wiener Straßen in großen Mengen äusznstreuen. Tod nnd Zuchthaus. Ein neues sdireckchsnrtell In oeutsdiland. Darmstadt, 5. August.. Das Sontzcrgericht fällte heute das Urteil im Prozeß wegen der Vorgänge am 26. Feber l. ,J., in Lindenfels, im Odenwald, in deren Verlauf ein HiUerjungc erstochen worden war. DaS Gericht verurteilte den Hauptangeklagten Büchler wegen schweren Land- fricdenSbruchcS in Tateinheit mit Totschlag zum Tode und Ehrverlust auf Lebenszeit. Tein Väter erhielt zehn Jahre Zuchthaus. Drei Angeklagte Nach den ans Berlin vorliegenden Meldungen würbe gestern abends der Kchährge Vertreter der„Neuen Freien Presse", Paul G o l d m a n n„ von der Staatspolizei verhaftet und in das PolizrigcfänaniS nach dem Alep/rnderplatz gebracht. Diese Maßnahme dürste als Repressalie gegen die Verhaftung reichsdcutscher Vertreter in Wien gelten. In Langenzersdorf in Niederösterrrich wurde der NeichSdeutscl)«.Heinrich von Klidzing verhaftet und zu drei Wochen Arrest verurteilt, woraus seine Ausweisung aus Österreich erfolgen wird. Bei ihm wurde eine chiffrierte Korrespondenz mit reichSdentschen Stellen gefunden, in l der er Nachrichten über Oesterreich writergab. erhielten Zuchthausstrafen« von vier bi» sieben Jahren,' zwei Angeklagte wurden zu Gefängnis verurteilt. Nazlversammlang In Linz aasgehoben. Wien, 5. August. Im Kasinosaal in Linz sollte gestern abenvS eine geheime Versammlung von Mitgliedern der verbotenen nationalsozialistischen Partei stattfindcn. Noch vor Beginn der Versammlung sand sich dir Polizei ein, welche 60 Versammlungsteilnehmer festnahm nnd dem Polizeikommissariat vorsührt«. Sämtliche Teilnehmer wurden zu Arrcftstrasen bis zu sechs Wochen verurteilt. Noch ein Kriegsbericht Doerings. Dortmund, 4. August. Bor einigen Tagen war im Präsidialbercich Dortmund die Umor- gcnisation des Unterbezirkskomitees der revolutionären Gcwerkschaftsopposition(RGO) zum Ab» fchluß gekommen. Für vier Stadtteile waren sogenannte Polizcileitrr eingesetzt, denen der Ausbau der Zcrsetzungs- und Wühlarbeit oblag.« In.den Morgenstunden des Freitag führten Beamte der Staatspolizeistellc Dortmund> mit Unterstützung der SA an verschiedenen Stellen der Stadt, insbesondere im Norden, eine Festnahme-Aktion durch. Sechs Funktionäre und einige bekannte Komiiiunisten, die sich verborgen hielten, wurden scstgenoipmen. Unter den Festgenommenen befindet sich ein brkannser'Kommu- mst, der vor einigen Tage» an einem Feuer- überfall auf SA-Männer beteiligt war und ans die Mutter eines SA-Truppfüyrcrs. schärf geschossen hatte. Eine Anzahl Hieb- und.Schußwaffen, größere Mengen Pistolrnmunition sowie illegales Schristenmcterial wurden sichergcstcllt. Generalstreik in Straßburg dauert fort. Straßburg, 5. August,(^lsch. P.-B.) Der Generalstreik hat auch Samstag mit unverminderter Schärfe fortgedauert. Entgegen dem ausdrücklichen Befehl der Straßenbahndircktion haben sich auch- die Angestellten geweigert, die Arbeit wieder aufzunchmen. Während der vergangenen Nacht haben Soldaten die Straßenreinigung vornehmen müssen. Etwa 20 Teil- nehmer an den Straßenkundgebungen sind gestern zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. Darunter sollen sich zwei Deutsche>«nd ein Saarländer befinden. Heute empfing der Arbeitsminister in Paris eine Delegation der Arbeitgeber. Hindenburg— die Verkörperung von „Ehre und Treue 1*. Bon einem Deutschen. In Deutschland lebt ein Mann, der Millionen Deutschen als das„leuchtende Beispiel", die„lebende Verkörperung" des Begriffes „Ehre und Treue" galt. Seine Freunde liebten ihn— lieben ihn vielleicht jetzt noch, seine politiscl)en Gegner achteten ihn zu einem großen Teil als Mann, der sein Wort hält, «ein Name ist v. Hindenburg. Meine Meinung über diese Verkörperung der Ehre nitd der Treue tvar schon immer eine besondere. Jetzt weilen meine Gedanken ofi bei ihm, der auf dem Gute seiner Väter in Neudeck die schmachvollste Epockze des dentscl-en Volkes über sich ergehen läßt uitd schweigt. Ich war noch nicht ganz 18 Jahre, als ich meine Jugend, die Jugend eines Proletarierkindes, abschließen muhte.„Mein Kaiser" rief mich und meine Brüder, wir sollten ihm die Treue erweisen und— bereit znm Tod— in den mörderischen Krieg ziehen. Die alten Eltern blieben daheim, voll Sorge, wir zogen hinaus und an der Spitze staich Hinden- burg, die„Verkörperung der Ehre und Treue". Es war Krieg, es gab„keine Parteien mehr", der Kaiser hatte es gesagt. Marxisten nnd Juden und die anderen Sorten Detitsche trugen den gleichen grauen Rock, zogen gemeinsam in den Tod fürs„Vaterland". Manche blieben daheim, sie schallten dem Kriege lieber von hinten und ans sicherer Entfernung zu. Herr Frick, der Innenminister des Dritten Reickzes kennt diese Sorte„Deutsche"— er gehört« als Heinckrieger von Pirmasens zu ihnen. Man rcchete viel vom Heldentum der feldgrauen Söhne nnd feierlich erklang in dem Toben der todspeienden Kanonen:„Des Dater- la»ldes Dank ist euch gewiß">«nd—— an der Spitze stand Hindenburg, die„Verkörperung der Ehre ulch Treue". Dann kam es, wie es kommen mußte. Das Produkt wahltsinnskvanker Gehirne brach zu- samnie». Es nützte nichts mehr, daß man kurz vor dem Ende des Krieges nock) Halde Kinder, das letzte Menschenmaterial— abgesehen von Herrn Frick und seinesgleichen— In die Schützengräben zur Erleidung des „Heldentodes" schleppte. Deutschland war von einer llebermacht besiegt, nachdem inan aus dem Volke(auch a«S dem„Marxistenschwein" und der„Jlldensau") das letzte an Kraft her- ausgepreßt hatte. Der Ruf nach dem Frieden lvar stark geworden und Hindenburg, die „Verkörperung der Ehre und Treue", ver- kiiildete.der ganzen Welt, daß Deutschland am Ende der Kraft sei. Hindenburg reichte dem Mann aus dem Volke, Friedrich Eberi, die Hand. zur Rettung des Deutschen Reick-es. Friedrich Ebert hielt sein Wort, das Werk gelang. Wenn Hindenburg das vergessen hat— im Alter läßt das Gedächtnis nach— dann soll er den Sohn Friedrich Eberts, desselben Eberts, der zwei- seiner Brüder im Weltkrieg verloren hat,.ans dem Konzentrationslager des Dritten Reiches holen lassen, er wird es ihm erzählen. Als die größte Gefahr für den Bestand des Reiches vorüber tvar, als sich Männer ans dem Volke gefunden hatten, die die unangeneh- nlen Folgen und die schweren Sorgen eines Krieges, den die anderen, angezetlelt halten, auf ihre Schultern nahmen, da kamen sie, die elenden Kreaturen von zweifelhafter Abstammung, diese„reinen Arier", die jeder Droschkenkutscher in Berlin für einen schlechten Juden hält, da krochen sie hervor und erfanden die schamlose Lüge vmn„Dolchstoß" der Sozialdemokratie. In tausenden von Versammlungen, in Millionen Zeitungsartikeln wnrde dem Volke vorgelogen, daß die Sozialdemokraten an den fürchterlichen Folgen des Krieges die Schuld tragen. Immer freierwurde die Lüge, matt sagte es. man schrieb eo, um nri.t dieser Lüge das Volk gegen die Sozial- etut 3 Sonntag, 8. August 1988."— Ri. 182. demokratie««tfzupeilfchen, weil ihr Wachstum, ihre Existenz innner mehr zu einer Gefahr für den Bestand des kapitalistischen MordsystemS wurdc. Schtnutzkübel von riesigen! Ausmaß tvnrden ausgegossen über die, die in ernster Stunde einem Hindenburg die Hand zur Erhaltung der Einheit de» Reiches gegeben hatten. Ueberall, ob vom obersten Führer der allein„nationalen" Deutschen, ob vom kleinsten Tintenkuli der„nationalen" Presse, ob von den blöden Bürgersöhnchen, denen das Ende des Kriege-«ine Einengung ihres auf Kosten des Herrn Papa geführten Faulenzerleben» brachte, wurde die Lüge al» Mittel zum Zweck gegen die Sozialdemokratie gebraucht. Immer maßloser wurde die Auspeitschung der niedrigsten Instinkte gewisser Bolkskrcise. Svzialocmvkratische Abgeordnete, im Kriege selbst zum Krüppel geworden, sie, die ihre Brüder, Verwandten dem Völkermorden opfern mußten, sic mußten sich im Parlament von braunen Rohfungen, die bäum zur Schule gekommen waren, als der Krieg tobte, als Valer- landsverräter, Feiglinge, Deserteure und ähnlich beschimpfen lassen. Di« Lüge und Geniein- heit feierte braun« Triumph« gegen die„Volksgenossen von gestern im grauen Ehrenkleid des Krieges". Der Präsident der deutschen Republik wurde ncugewäblr. Hindenburg gelobt«, die Verfassung zu schützen und zu wahren, ergab s e i n W o r t, er, die„Verkörperung der Ehre und Treue" ich übte Parteidisziplin. Abend für A-bcnd warb ich für Hindenburg, unter dem schlinnnsten Terror der Nazibanditen — jede Versammlung ein Einsatz von Leben und Gesundheit— die alten Eltern saßen zu .Haus, voll Sorg«, für Hindenburg, der einen Eid leistete, die Verfassung zu schützen—-- Ich sah die braune Mordflut steigen, ich sah in« Geiste de«« Galgen der Reaktion, der letzt offiziell errichtet wurde. Ich rief den Arbeitern in den Versammlungen zu:„Rüstet Euch zuni EntscheidungSkqmpf!" Dann kamen sie, die seelenlosen braunen Bestien. Dann kam des Vaterlandes Dank an seinen„ärm- sten, aber getreuesten Sohn", abgestattet von denen, die noch die Schulbänke drückten, als die„Marxistenschweine" im Schützengraben standen und ihren Körper den tödlichen Kugeln prcisgebcn mußten.„Ausrotten"—„Vernichten", das war die Parole eines Görings, der bis heut« der Welt noch den Betveis antreten muß,., daß er als geheilt aus der Irrenanstalt in Schweden entlassen wurde. Der„Bruder im grauen Rock auü den Tagen de» Kriege»" wird auf höheren Befehl durchs Land gejagt, gefoltert, erschlagen und—— an der Spitze steht H i n d e n b n r g, die „Verkörperung der Ehre und Treue"! Die großen Volksbetrüger haben«nit dem Gift der Lüg« die Se«le der braunen Jugend langst getötet, um sie al» Werkzeuge zum Verbrechen am de»tischen Volke nnßbrauchen zu können. Neber die Leichen der freiheitlich gesinnten Sozialisten, über die Trümmer der Arbeiterorganisationen kam da« Schwerkqpital, verkörpert durn) einen Thyssen, zur unumschränkten Macht, Die deutsche Arbeiterschaft stöhnt unter der Geißel de« Fascismus, blutet an« vielen,.vielen Wunden. Frauen wurden al» Geiseln genommen, das Gut der Kapitalisten nnd Großgrundbesitzer bleibt unberührt, der Arbeiterschaft wird alles gestohlen. Die braune Montur ist«in gesetzlich sanktionierter Freibrief für alle Stlwndtvten an eigenen Volksgenossen. Eü gibt kein Siecht mehr, nur schrankenlose Despotie, in vielen Fällen von Leuten, die naclMislich kriminell schwer belastet sind. Zehntausend« Volksgenossen müssen Unmenschliches in den Konzentrationslagern »ii«d Zuchthäusern des Dritten Reiches erdulden. Doll Verachtung schaut die Welt des Geistes ulch der wahren Kultur auf Deutschland. An der Spitze steht Hindenburg, die „Verkörperung von Ehre>md Trene" Nun bin ich seit vier Monaten von zu Haus fort, die altei« Eltern, gramgebeugt, die Augen vom Weinen yerötet, sie warten ans dei« Sohn. Ihr Haar ist grallcr geworden seit „Priwo Lidu", da» Zentralorgan unserer tschechischen Genossen, macht in einem sehr interessanten Lcltaufsatz in der Nummer vom Samstag, den 5. August, mit Recht darauf aufmerksam, daß gewisse tschechische bürgerliche Blätter sich wieder einmal bemühen, die Aufmerksamkeit der Menschen'von den wichtigen Fragen des Tages abzulcnken, indem sic Ihren Lesern jeden Tag mindesten» eine sensationelle Nachricht über die Deutschen des Landes Vorsitzen. Das Blatt weist weiters darauf hin, daß nicht immer der Kamvf der beiden Stationen, sondern auch ihre Zusammenarbeit geschichtliche Tradition sind nnd daß z. B. die Tschechen gemeinsam mit den Deutschen die ersten Kämpfe' um Konstitution und Demokratie geführt haben. Bor allem aber sollte« sich die tschechischen chauvmi- stischen Blätter dessen bewußt sein, daß sie mit der Entfachung der nationalen Leidenschaften dem Staat den schlechtesten Dienst erweisen. Da» Blatt fährt dann weiter fort: „Et ist wahr, die Deutschen und die andern Minderheit-Völker haben bei uns alle Freiheit, sic können sich kullnrell auSlebcn, sie können in Sicherheit arbeiten, sie beteiligen sich an der Regierung de» Staates— dat alle» ist zwar weder «in Geschenk noch eine Gnade, aber die Deutschen (wir reden allerdings nicht von den in gleicher Weise abstoßenden Ehauvinisten, wir et die Chauvinisten jeder andern Nation sind), schätzen dat zweifellos sehr, im Bewußtsein dessen, wie et ihren Nationtgenossen außerhalb der Grenzen geht. Soll man ihnen diese Erkenntnis verbittern, soll man ihnen zeigen, daß sie Staatsbürger zweiten Ränget«sind, denen man mißtraut und bei welchen hinter jedem einzelne«« ein Gendarm steht? Sollen wir in ihnen die Ueberzeu» gung wecken, daß alle loyal« Zusammenarbeit der deutschen Brrtrrter im Parlament und in der Regierung nicht die Borurteile der sogenannten Staatsnation überwunden hat und daß eigentlich die Minderheittnatlonen den Staat nicht» angehe?" Auch darüber, daß der nationale Friede für die Erhaltung d«r Demokratie unumgänglich notwendig ist, sagt da«„Prtvo Lidu" einige sehr vernünftige Worte: der Zeit, da Ich in den Krieg zog— unter Hindenburg. Ihr Rücken ist stärker gcbcitgt, die Falten im lieben Gesicht sind tiefer noch geworden seit der Zeit, da«ch Leben und Gesulchheit cinsetzt« nnd von Ort zu Ort, von! Versammlung zu Versammlung zog— für Hindenburg. Um» Hau» schleichen die Verbrecher in brauner Montur— ich kenne sie — sie spielten in d«n Gassen de» Orte», al« ich in den Krieg mußte,«ch kenne sie, einer war noch in« Zuchthaus wegen schweren Ein- bruchsdiebstahls, als ich h« den Wahlkampf zog für Hindenburg. Sie warten, daß«nich die Sehnsucht heimtreibt zu den alten Eltern, denen ich im Alter eine Stütze sein wollte— sie warten auf mich,>lm mich zu foltern, vielleicht z«« erschlagen—»veil ich anders denke als sic— weil ich Sozialdemokrat bin. Und Hindenburg, er sitzt i>« Ncudcck und schlveigt..! s„Die Deutsch«« führen heute«inen schweren, vielleicht entscheidenden Kamps um dir Demokratie, einerseits gegen de» eigenen Nationalismus, der sich in grober Gewalt und KriegSvorbrrei- tung äußert, andererseits gegen die Verzweiflung, di« aus dem durch die Wirtschaftskrise verursachten Elend hevorgeht, In national gemischten Staaten haben die Deutschen, wie ander« Minderheiten, ein besonderes Interesse an der Erhaltung der Demokratie, wohl wissend, daß die demokratischen Einrichtungen ihnen am besten Gerechtigkeit verbürgen. Den Kämpfern um die Demokratie im Deutsihen Reich können wir nur moralisch Helsen, aber dl« demokrastschm Element« der Deutsche« bei uns können und mlisten wir durch Taten unterstützen, denn damit stärken wir auch unseren Staat, dessen Sicherheit und freiheitliche Entwicklung in großem Maße aus der Demokratie und deren breitester Grundlage innerhalb des Staate» beruht. Ein Viertel unserer Bevölkerung melde» sich zur deutschen Nationalität, wo» vom deinokra- tischen Standpunkt ein umso verpflichtenderer Faktor Ist, je mehr man die Demokratie gegen ihre Feind« aut dem tschechischen Lager verteidigen muß. Zahlreiche Aeußerungen deut« scher politischer Führer und ihr Echo in der deutsche«« Öessentllchkeit sind genüg««ider Zeugnis dafür, daß dle große Mehrheit unserer deutschen Mitbürger ein ruhiges Verhältnis zur Republik hat, welche sie nicht nur als Ihre Heimat, sondern auch als ihren Staat betracht«». Diese Uebcrzeugung muß gepflegt und durch Bestrebungen unterstützt werden, daß dir nationalen Unterschiede durch das StaatSbewußtsein der Bevölkerung überwunden tvcrdcn. Da» ist aber nur dann möglich, wenn den Deutschen aus dem Verhalten der tschechischen Mehrheit klar wird, daß sie gleichwertig« Angehörige d«S Staates sind und daß verschied««»« staatlich« Maßnahmen nicht iq der Richtung d«S geringsten Widerstände«, da» heißt gegen sl«, de« an Zahl-«ringst«» Faktor, gerichtet sei« werd««. Die tschechische» politischen Parteien, welche sehr daraus achten, daß die KoalitionSgeineinschast über alle Jnteressingegensätz« hinweg nach außen hin s al» eine Einheit erschein», sollten in gleich« s Mise, ja noch viel mehr, darauf achten, daß ihn Zeitungen nicht täglich mit dummen antideutschen Hetzereien aiigefiillt sind. DaS leichtsinnige Herumgcrcdc von angeblich größerer Unterstützung deutscher arbeittlosei Arbeiter, die Ucberireibung jedes Fehlschrillet und di« Tatsache, daß man sür jede Büberei da« ganz« deutsche Volk verantwortlich macht, dir tat* torischen Nachrichten von irgend welchen Aesah. rei«, da» leideuschastlichr Beton««« dc» Unterschie. de» zwischen der sogenannten Sloat-natson und den Minderheiten,— da» all«! schwächt die innere demokratische Front. Besonder» zustiininen müssen wir aber den Lätze««, mit bene«« da»-„Prtvo Lidu" seine ebenso ausgezeichneten, wir aktuellen Ausführungen schließt: „Eben jetzt hat MasarykS letzte- Buch in der ausländischen Presse«in besondere» Echo gesun den, und c» wäre sehr nützlich, wenn den demokratischen Grundsätzen, welch« vom Schöpfer unserer Selbständrgkait verkündet werden, auch die politisch« Praxi» in tz«n national«» Frag« entspräche. Wir wissen allerdings, daß, so wie immer auch jetzt der Friede am besten geschaffen und Republik und Demokratie am besten zu sichern, Sorge der sozialistischen Arbeiterschaft sein wird. Denn gerade die arbeitend« Klass« hat rin Interesse daran, daß ihr Horizont nicht durch falsch«« Re- tionattSmuS eingeengt werde und daß nicht neu« und neue Hindernisse aufgetürmt werden auf dein Wege, auf dem sie ihrer historischen Sendung kntgegcngeht: Ter Verwirklichung de» Sozialit- mu»! Wir verzeichnen diese völkcrversöhnende, Wahrbast internationale Stimm« de»„Prtvo Lidu" heute umso freudiger, al» gleich, zeitig am heutige,« Tage tschechische und deutsch« Arbeiterturnrr in Aussig gemeinsam für Demokratie und SoztaliSnlU« demonstrieren. Die deutsche Oefsentlichkeit und alle ernsten Menscher» innerhalb deü deutschen Volke» in der Tschechoslowakei mögen einmal vorurteilsfrei und gewissenhaft die Frage sich beantworten, o b d a i Hauptblatt einer anderen tschechischen Partei über da» Deutschtum diese» Lande» je so gesprochen hat, wie eS dies unser tschechische» Bruderblatt diesmal—- nicht zum erstenmal— getan bat. Die nationale Verständigung i«» diesem Lande Ist auf niemanden andern gestellt al» auf die sozialdemokra- tische Arbeiterschaft auf die tschechische«lNd deutsche Sozialdemokratie! Abschreckung der ck-rislen Die„Deutsch« Presse" nimmt unter dem Titel„Abschreckung de» Verbrecher»" zu den nngchenerlichen Maßnahmen Stellung, die di« HItlerschen Bluthunde auf dem Gebiet de» Strafvollzug» soeben zum Schandrrn der gesamten Kulturwelt getroffen haben. Sie billigt sie — zur Abschreckung der Christen, zu ihrer Be« kehrung von dem Glauben, daß Die christlich- sozial« Bresse dazu hier sei, Menschentum und Bntdirnebe zu sordern. Auf dem gleichen Gebiet liegen auch di« Witzeleien der„Deutschen Presse" über den Boykott Hitler-Deutschlands, den sie silbstver- ständlich, da er die einzige wirksam« Waffe gegen daS Hunnentuin ist, nicht billigt. MM Friede— die Stütze der KWM. Das Zentralorgan der tsdiedilsdicn Sozialdemokratie aber die Notwendigkeit des nationalen friedens für den Staat. 45 Die Sache mit Boms Kriminalroman von Grote Hartwig „Das werden wir noch besprechen, Das muß ja«lieht heut« entschieden werden. Momentan sind Sie jedenfalls«rholunasbedürstig, da». „Ja", fiel Liman ein,„ich bin wirklich sehr «ni'lde und verbraucht. DaS wollt« Ich eben sage«». Ich möck)t« auf vierzehn Tag« fort, z»»«einer Erholung, entweder z»l meinen Eltern, oder irgendwo ander» hin, e» ist mir egal... ich hoffe, daß Ich in vierzehn Tage» wieder ganz her- gestellt bin... dann kann ich ja mit meinem Direktor noch verhandeln... ich möchte, sehr gern«, ivcnn ich gesund bin... wieder hierher zurück... denn... ich meine.. „WaS, Lillian?" Lillian schwieg. Dr. Kiinke beugt« sich nahe zu Ihr und sagte leise:„Uni meinettvMeu?" Lillian fuhr auf u««d wurde über und über rot:„Wieso? Ich.. fle versucht««Inen Protest, der nicht gelang. Sein Lächeln brachte sie vollends aus der „(sic sind ein sehr vernünftig«» Mädchen! Sie hab««» recht! Eie müllen sieb erhol«»." „Ja. aber Zuerst müllen Sie mit alles erzählen und erkläre». So lang« ich nicht klar seh«, wird mich all dies furchtbar bedrücke««. Rett««« Sie mich au» dieser mtälcnden Unwissenheit! Wer ist der Mörder? Wer sandte mir den Brief? Wein gehörte di« Tabaticr«? Wie ist man d«m Verbrecher auf die Spur gekommen? Wer konnte ihn dazu veranlassen, ein schriftliche» Geständnis niederzulegen? Sagen Sie mir alle», bitte!" Ihr« Wangen glühten. ^Lillian, ich habe ein« Bitt« an Sie! Zwin- gen Sie mich nicht, Ihnen alle Zusammenhänge jetzt aufzuklären. Sie sind kränker, al» Sie selbst glauben. Meine Erzählung würde so viel in Ihnen auswirbeln, auswühlen und zerquälen, daß ich da» momentan wirklich nicht verantworte»« !ann. Bitte gedulde«« Sie sich. Begnügen Sie sich mit der Tatsache, daß Sie wirklich frei sind und daß da» alle» Äe nichts«nehr angeht. Und morgen früh fahren wir fort." „Wir? Waö heißt da»? Wir?" „Wir beide. Sie u«»d ich." „Wie,.. stell««« Sie sich das vor?" „Ich bii« nämlich auch erholungsbedürftig. Habe» Sie etwas dagegen? Ich hab« nämlich ehr viel gearbeitet in den letzten Tagen, sehr viel kombiniert, spioniert und gegrübelt und sehr >v«««ig geschlafen. Ich möchte ein tvenig in» Gebirge. Aus vierzehn Tage, so wie Sie, Da könnte»» wir doch gemeinsam fahren. Wie wäre ei denn mit der Schweiz? Zweitausend Meter hoch licaciidc PrunkhotclS, dünne, klare, staubfreie Luft, Hirn und Hcq nahe der Sonn«. War würden Sie zu St, Moritz sagen?"„Aber..." „Sie könne«««nich doch gut leiden, nicht? Und wir sind doch gute Freund« geworden, wenn Sie»«»ich auch nicht gerade lieh«»«!" ,^0) habe me behauptet, daß Ich Sie nicht liebe!" rief Lillian unsicher und trotzig. „Um so bester!" rief er fröhlich,„Dann steht ja unserer Reis« nicht- in« Wege. Und dann, nach ein paar Tagen, wenn Sie erholt sind, dann sitzen wir auf der Friihstücksterrasse und ich er- 8le Ihnen die ganze Geschichte, die dann plod- so ferngcrückt sein wird, daß SI« sie ebenso ruhig anhören werden können, wie einen Roman, den man liest und dann wieder fortlegt, Nicht? Also, abgemacht?" „Aber.., e» geht doch nicht.." „Sie meinen, Ihr guter Ruf?". „Dar nicht!" „Gott sei Daick! Für so kleinlich hätte ich Sie auch nicht gehalten. Für so bürgerlich Im kchlimmsten Sinn." „Wat denn noch?" „Mein Gepäck..." „Da» ist schon besorgt. Ich Hobe Ihrer Hausfrau angeordnet,«inen Koffer mit einigen Kleidern, Schuhen, Wäsch« und Kleinigkeiten hierher ins Hotel zu schicken, Ich hab« am Abend noch eine Sitzung, noch einige» in der Kanzlei u ordnen und zu übergeben, morgen um neun Ihr bin ich vor dem Hotel. Ja? Haben Sie sonst noch Wünsche?" „Nein, danke,.Herr Doktor!" sagte Lillian kleinlaut. „Daitn kann ich Sie also jetzt beruhigt allein lassen, ja? E» Ist spät und ich muß fort." „Und ich soll jetzt so viel« Stunde«« allein sein? Ich... da»«st nicht schön von Ihnen!" Dr. Künke lachte. ,Lch kann Sie doch nicht zur Sitzung mit- «rehnlen? Da würden die Herren große Augen machen! Bis morgen,«renn Uhr! Das geht doch nichts Lillian!" Sie reichte»« einarrder die Hände und schieden. Wenige Minuten später kam der vou Dr. Künke angekundigte Koffer In den« Lillia«« sofort zu kramen begann. Es erwieS sich, daß die Hau»- sran so ziemlich die richtige«« Ding« cingepackt hatte u««d Lillian tvar zufrieden. Es fiel ihr plötzlich schwer auf» Herz, daß sie vergessen hatte, Dr. Künke für sein Palet zu danken. Und für alle seine Güte und Sorgfalt? Nun jä, morgen wollte sie da» nachholen. Sie freut« sich aus die Reise. Er hatte, wie Immer, da« Richtige getroffen. Er war gut! Er war treu und lieb. Ein wirklicher Freund. Nun war ihr doch ettva» leichter zumute. Eine Dame wurde Ihr gemeldet und in den« plötzlichen Bedürfnisse, mit irge«ch simandem zu reden, ließ sie sie heraufbttten. Es war eine Kollegin vom Scha>tspi«l. Sie, die mit Lillian nie sonderlich befreundet gewesen»var, siel ihr um den Hal» und küßt« le stürmisch. „Dandj Laß dich anschanen! Wie mir um dich bang war! Erzähl dock«! Wir haben uni alle so nach dir gesehnt. Anfang Dezember Üommt«in« neu« Revue herou», mit vielen Tänzen, da wirst du doch wieder austret«,«, gelt? Wir könne»« c» ja kaum erwarte,«, dich wieder in uirse» rcr Mitte zu haben. Wir haben natürlich nicht einen Allgenblick angenommen, daß du schuldig sei»« könntest, Und in deinem Prozeß stehen Scn- sationSenchullungen bevor, daS heißt: nicht in deinem Prozeß, denn du bist ja nicht mchr daran beteiligt, sondern in diesem Giftmord. Erzähl mir davon! Wir brennen alle vor Neugier, Wer Ist denn der Mörder?" „Ich weih«vcniger al» du, den» ich habe nicht einmal die Zeitungen gelesen. Ich muß dir ehrlich sagen, daß ich auch monlentan nicht neugierig bin. Ich bin so froh, endlich wieder frei zu feilt, daß ich an nicht» anderes zu denken imstande bin." „Ach!" sagte die Kollegin etwas beleidigt, „Du willst«S mir nicht sagen!" Lillian bat, ihr doch lieber etwas vom Theater zu erzählen, und nun lauscht« sie durstig t«nd mit gesunder Neugier den Trotschgeschichten, den Kulissengtcheimnissin, den viel»«« bunten und altvertraute«« Details, lachte, staunte, kritisiert« und stellt« viele Fragen. Beim Abschied sagte sie:„Ich reiche heute noch ei>« schriftliche- Urlaubsgesuch«in, in Vierzeh,« Tagen bin ich lvieder hier und trete wieder auf. Gruße mir alle Freunde und Koll>g«n!" Lillian begleitete di« Kollegin bi» aus den Gang und kehrte gedankenvoll«n ihr Zimmer zurück. Sogleich empfing sie wieder tiefe, bedrückende Einsamkeit- Irgend etwas zog tutib zerrte an Ihrem Herzen. Was tvar dar? Wal quälte sie? Jetzt war doch alle» gut! Hortjitzung folgt.) U- OMU< Nr. ISS. Lmrwag. g. August 1W8. Seit« 8 ""”*S?ä"...- I Der Aussiser Sporttag. Er gehört schon nicht mehr zu den bekannten Zeichen und Wundern, daß die Aunafafcisten ihr Tamurig-manövcr bis zur würdelosen Anbiederung an daS tschechische Bürgertum treiben: Seh», wir sind ausschließlich gegen Li« Sozis und «gen den Kapitalismus, also nehmt uns in Gnaden auf und gebt uir» Gelegenheit, unser Mütchen an ihnen zu kühlen. DaS tut er auch in seiner SamStagauSgabe unter dem riesen» Has en Titel:„Wühlarbeit der Partei deü Herrn Ministers Czcch." Unsere Blätter seien, so meldet„Der Tag" vom Samstag,„vom Anfang bis zum Ende mit den übelsten Tendenzmeldungen und Hetzartikcln gegen die deutsche RcichSregiernug angefüllt". Leibstvcrständlick nimmt sich die ehrenwerte Redaktion des GrubenhundeblaiteS nicht die geringste Mühe, auch nur eine der Tendenzineldun» gen zu w iL c r l cg e n, die in den meisten Fällen lediglich die amtlichen Nachrichten der Hitler, rcgierung wiedergeben; jene nämlich, di«„Der log" seinen Lesern vorenthält. Wir mögen unS, schreibt er, um die Arbeitslosen in der Tschechoslowakei kümmern, da» stehe un» besser an. Wenn Li« Arbeitslosen auf den„Tag" ange. wiesen und ans die Bruderpartri jenes Herrn Hitler, der die Erwerbslosen• in Arbci:Slager schickt und sic mit warmen Suppen bezahlt, so wären sie schon längst verhungert. Lange bevor „Ter Tag" und sein« Hintermänner ihr Herz für die Arbeitslosen entdeckt hotten, hott« die Sozialdemokratie di« Hilst» für Li« HungernLen schon bewerkstelligt. Herr Jmm hat um die Arbeitslosen nicht das geringste Verdienst und sie wisicn, Laß wir seine Ermahnungen nicht brauchen. Aber er will a b l« n k e» von Len Ereig« nissen in Deutschland, di« immer mehr all« An- ständigen mit Empörung erfüsten; und er verschmäht zu diesem Zweck auch niedliche Fälsch u n g c n nicht. In eben dem erwähnten Artikel behauptet er nämlich, wir hotten einen „G r r u e l b c r i ch t" mit der Aufforderung be- schlossen, Konzentrationslager für die völkischen Journalisten zu schossen und knüpft daran di« Bemerkung, die Blatter d«S Ministers Ezech hätten LaS Mitt«! entdeckst, die Freiheit in den Konzentrationslagern zu züchten. Dabei haben wir uns darauf beschränkt,«ine Schilderung der„Sudetendeutschen Tageszeitung" zu besprechen, Li« in so netter Weis« dargelegt batte, wie wunderschön eS in Len Konzentrationslagern LeS Dritten Reiches ist und wie erfolgreich ihre Insassen zur neudculfchen Freiheit erzogen lverden. Denn das Mittel der Konzentrationslager zur Erziehung der Freiheit(vom Leben) haben nicht wir. sondern die NaziS„entdeckt" und „Der Tag" lobt sie darob ununterbrochen. Damit sie die Schönheiten LeS LagerlebenS, für die sie so schlvarmen, auch vom Standpunkt deS Häftlings auS kennen lernen und«Mich einmal erfuhren, tvieviele der von ihnen gepriesen^ Lieblichkeiten ihnen die Tschechoslowakei l«id«r noch vorenthält — dazu wünschen wir für di« gleichgeschaltcten .Herrschaften Konzentrationslager herbei. Wir wären, nach dem Wunsch« der„Tag", bereit, di« Sorge um di« RegierungSresorm Deutschlands den reichsdeutschen Staatsbürgern zu überlassen, wenn«r uns beweisen könnt«, daß diese sorgen und wünschen dürfe«. Weil er unS aber den Beweis dafür schuldig bleiben muß, werden wir den Kampf gegen da« blutige Hitler» regim« trotz seinem Greinen und seinen Ablenkungsversuchen weiterführen— nicht obw o h l, sondern weil wir tschechoslowakische Staatsbürger sind, also noch frei reden können und weil wir Deutsch« sind, denen die wichtig« Kultur- Mission obliegt, daS Deutschtum vor dem völligen Versinken in die Hitlersche Barbarei und die Niederträchtigkeit ihrer Bejaher zu bewahren. Darum ist unser geschmähter Aufruf zum Boykott nur ein Anfang; den Worten wird die Tat folge»— unsere und die der internationalen Arbeiterbewegung, und„Der Tag" wird dann keinen Grund mehr haben, über tue mangelnd« UnttrftützungSbcreitschaft der Arbeiter aller Länder für di« deutsch« Arbeiterklasse zu klagen. Letzter Mlrrlsterrat vor den poMWen Ferien. In der SamStag, den 8. August Vormittag stattgcsundcnen Sitzung des Ministerrots wurden folgende RegierungsverordnungSrntwürse nach dem Gesetz über die außerordentliche Verord- nungSgcwolt genehmigt: Der Derordnungüentwurs über besonder« Vorschriften betreffend Borschußkassen und Kreditvereine, Krcditgcsellschastcn und wirtschaftliche sowie gewerbliche Kreditgenossenschaften sowie deren Verbände und der Derord- nungSentwurf über die außerordentliche Regelung der.Holzgewinnung und die Regelung der Mald- und Holzwirtschaft. Durchgesuhrt wurde die Ernennung der zeitweiligen Direktoren und der Stellvertreter des Generaldirektors der Mährischen Hypothekar- und LandwirtschaftSbonk in Brünn. Beschlösse»! wurden Maßnahmen im Zusammenhang mit der Aushebung deS Amtes (Ministeriums) für DolkSernährung.' Zur Kenntnis genommen wurde» die Bericht« der Sitzungen der engeren MinisterkomiteeS über die wettere Vorbereitung der Behandlung dringender Finanz- und Wirtschaftsfragen. Zur Vorbereitung deü Entwurfes des StaatSvor- a n s ch l a g c s und FinanzgesetzeS für das Jahr 19"4 wurde vorläufig der Ausgabenteil auf dem Gebiete der eigentlichen Staatsverwaltung festgesetzt und zwar sowohl im ganzen als auch hin- flchtlich der einzelnen Abteilungen deS Budgetmil dem Beifügen, daß im Monate September sämtliche Arbeiten zur endgültigen Entscheidung über den Budgeientwnrf, insbesondere im Hinblick aus alle Ersparungsanregungen, werden dnrcbocsührl werden. Zur Kenntnis genommen wurde die Mitteilung der Minister für Landwirtsck-aft und des Fnncrn, daß sie im Rahmen der gesetzlichen Bor- schrifien und Mittel Maßnahmen zur Linderung der schweren durch die letzten Elementar- k a t a st r o p h r n verursachten Schäden treffen werden. Genehmigt wurden die SyndikatSbeiträg« im Wirksamkeitsbcrcich des Syndikates für die Einfuhr von Getreide- und Mahlprodukten. Zugestimmi wurde den Vorschlägen betreffend die finanzielle Rekonstruktion der Prager Mustermesse. Schließlich wurden die aus der Tagesordnung stehenden Berwaltungs-, Wirlschasts- und Per- fonalangklegenheiten erledigt. kin Hakenlreuzneft ausgedeckl Deutsche Hakrnkreuzler der Tschrchoflowakei mit SA-Uniformen. Tav Tschechoslowakische Prcßbüro meldet: In Wostitz bei Pohrlitz in Mähren wurde eine Hakenkreuzorganisation aufgcdeckt. Gendarmen aus Nikolsbnrg sind bei den Nachforschungen über die irredentistischen Studentenverein«„Gothia" und„Eimbria" in Nikolsburg dem Umstand ans die Spur gekommen, daß mit diesen Organisa. tionen mehrere Bürger aus Wostitz in Verbindung standen. Die Gendarmerie hat sestgestell», daß in Wostitz eine nationalsozialistische Gruppe besteht, deren Mitglieder Legitimationen mit der Photographie Hitler- besaßen. In der Gemeinde wurden im ganzen 28 Haussuchungen vorgenom- men und eine große Zahl au» Deutschland geschmuggelter antistaatlicher Druckschriften beschlagnahmt. Bei sämtlichen Personen, bei denen die Haussuchungen vorgenommen wurden, sind komplette Sstl-Hakenkreuz-Unifornicn, und zwar Kappen mit Abzeichen, braune Heinden init aukgr- nähtem Hakenkreuz und kurze Hosen gesunden worden. Di« Untersuchung ist. noch nicht abgeschlossen. Bisher wurden 20 Strafanzeigen erstattet. Verhaftet wurde vorläufig niemand, doch erwartet man für morgen die Verhaftung von etwa 15 Personen, welche die direkten Vermittler zwischen den Vereinen„Eimbria" und„Gothia" in Nikolsburg und der nationalsozialistischen Ortsgruppe in Wostiz waren. Die Vermittlerrolle zwischen den Funktionären in Wostiz, NikolS- burg und Mitgliedern der Organisationen au- anderen Städten, wie Feldsberg, Lundenbuig u. a. spielte ein Geheimkurier aus Deutschland, dcr Direktiven der.Hakenkreuzbewegung überbrachte. Die Gendarmerie ist noch mehreren anderen derartigen.Hakenkreuznestern, die hart an der österreichischen Grenze liegen, auf der. Spur. Wik find auch beteiligt! „Der Tag" spielt sich gegen die französischen Berichte über deutsche Rüstungen selbstvtrständ- lich wieder als Anwalt Hitlers aus und bezeich- ne» die Meldungen schlankweg al»„marristische Schtvindelmanöver". Er fragt, ob der„Sozialdemokrat" beteiligt sei. Nun, wir haben schon lange vor dem „Populairc" und dem„Daily Herald" genaueste Meldungen über die deutschen Rüstungen vcr- öffentlich» und es ist sogar nicht ausgeschlossen, daß„Der Tag" jetzt auf dem Umweg über Pari- und London von Miseren Berichten erfahren hat. Uni die Neugier des„Tag" zu befriedigen, teilen toir ihm mit, daß wir den Vorwurf der Beteiligung an der Sicherung deS europäischen Friedens vor dem Treiben der Hitlerkanaillen mit dcr größten Gemütsruhe einstecken und eS als zweckmäßig erachteten, wenn„Der Tag", statt zu schimpfen, unsere Meldungen wider- legte. Um di« Ehepaar« im Staatsdienst. Die „Nar. Listy" hatten Freitag die Meldung gebracht, daß sich di« Rcgierung auch mit der Frage de- Abbaues derjenigen weiblichen Staatsange- stellten befasse, die mit StaatSangestcllten verheiratet sind. Heute sieht sich das Blatt gezwungen, eine Presseberichtigung der Minister rat S Präsidium zu veröffentlichen, daß die Meldung, wonach im Kollegium der Wirt- schastSminister„namentlich über die Frage der Restringierung der weiblichen Staatsangestellten, deren Männer gleichfalls im Staatsdienst stehen, verhandelt worden" sei, weder in ihrer Gesamtheit, noch in den Details auf Wahrheit beruht. Der Ministerrat habe weder als Ganzes, noch in einem seiner Komitcks über diese oder eine ähnliche Sache verhandelt und verhandle auch gegenwärtig darüber nicht. Sportliche Wettkämpfe.— Festversammlung Im Volkshaus. Die rote Fahne der Sachsenjugend nach Aussig gebracht. Kundgebung der Zehntausend. Aussig, 5. August. Aussig stand schon seit frühen» Morgen vollständig im Zeichen des I. Internationalen Sporttages. Neberall trifft man marschierende und singende Gruppen i»r der schmucken AtuS-Uniform und in beit Blaublusen der sozialistischen Jugend. Die Häuser der Arbeiterbewegung haben roten Fahnen- schnmck angelegt, rote Fahnen grüßen von den in den Straßen a»»sgestellten Fahnenmasten,, von den städtischen Gebäude»; urtb Schulen leuchten Fahnen in den rottveißen Farben dcr Stadt, selbst von den Straßenbahnwagen flattern luftige Winrpel. Auf den Sport« u»»d Spielplätzen herrscht seit bett ersten Morgenstunden lebhafter Betrieb. ölt! sportlldien Darhlelangen. Aussig, 5. August. An» heutigen Nachmittag begannen die verschiedenen Sportkämpse des Ersten Internationalen Sporttages. Herrliches Wetter»var diesem ersten Tag bcschieden und eine nach vielen Tausenden zahlende Zuschauermenge verfolgte interessiert die jeweilige»» Kämpfe. Auch reichsdeutsche Genosse»» und Genossinnen fanden sich ein, die früher schon Gäste hier waren>»nd jetzt uns noch unr so liebere Gäste sind. Das bisher Erlebte toird für sie ein Trost in dcr schweren Zeit sei», in der sic leben müssen, wird sie aufrichtcn und in dem Gedanken festige», daß dcr Sozialismus trotz allen» unbesiegbar ist ui»d bleibt. Ihre Namen können, soweit sie sich aktiv beteiligen, au» gewissen Gründen nicht angeführt werden. Im Stadion wickelten sich die Leichtathletikkämpfe ab, aber auch die Radballspiele und das Kunstfahren der Arbeiterradfahrcr, wurden von einer großen Menschenn»enge, die bi« zum Schluß an den manchmal überaus schönen und packenden Spielen lebhafte»» Anteil nahin, bewundert und init Beifall wurde nicht gekargt. Aber auch in dcr Leichtathletik gab eS trotz der Hitze und der ziemlich trockene»» Bahn verhältnismäßig guten Sport. Die einzelnen Wettkämpfe, ob eS sich um Einzelkampf oder Mehrkämpfe handelte, wäre»» gut organisiert und gi»»gei» rasch von statten. Alle Wettkämpfer gaben infolge der scharfen Konkurrenz ihr Bestes her und in vielen Disziplinen gaben die Genossen deS DTF. den Ton an. Dcr Ersolg diese- scharfen Wettbewerbes kon»mt auch in der Erzielung von zwei neuen Arten von Bestleistungen zum Ausdruck. Die Resultate der einzelnen Sportkämpfe bringen wir in der Ticnslag-Nunnncr. Roter Appell im Aussiger Volkshaus. Nach den sportlichen Wettkämpfen, di« den S>zru gestrigen Tag aussllllten, versammelten dir Abgesandten der einzelnen Sport« und Turnvereine um halb 8 Uhr«wend- im großen BolkShaussaal zum Roten Appell. Der große, weit« Raum war biS auf den letzten Platz besetzt, als di« Bläser der Aussiger sozialistischen Jugend mit einem Fansarenftoß die Festversammlung eröffneten und ein« Fahnrngruppe unter stürmischem Beifall«inmarschiertc. Den Gruß des Atuo überbrachte Genosse Storch, der in knappe»» Worten die Ausgaben der nächsten Zeit umriß. Sodann sprach Genosse 5 i m e k, dcr die internationale Verbundenheit zwischen Atuo und DTJ unterstrich und zu gemeinsamer sozialistischer Arbeit in diesem Staate aufries. Bon starren« Beifall begrüßt sprach sodann sür den Parteivorstand der deutschen sozialdemokratischen Arbetterpartei und den ParlamentSklub Genosse Abgeordneter Hak« n berg und sür di« tschechisch« Sozialdemokrati« Genoss« Heinrich I« n 5. Dann sprach Genoss« Nanninger vom Trplitzer Stadttheater mit packender Meisterschaft die Festparole: Die rot« Fahne wieder in Freiheit! An» dcr laugen Reihe der Fahnen löst« sich dann«in Fah. nrnträger. Sri»»« Worte verrieten feine Herkunft, er überbracht« di« Fahne der sächsischen sozialdemokratischen Arbeiterjugend, die er unter vielen Mühen und mit Gefahr seines Lebens über die Grenze gebracht hatte und die er nun den Aussiger Genossen anvertraute, bis wieder die rote Fahne siegreich in Deutschland werden wird. Seine Wort« gingen ii» einem Sturm von B e i s a l l u n t e r, der sich erneuert«, al« Genosse Jentsch im Name»« der Aussiger Arbeiterschaft ihm ii» die Hand versprach, die Fahi»e treu bis zu der großen Stunde hüten zu wollen. Da»»» erhob sich die Versammlung und sang gemeinsam die Internationale. Manchem standen»m weiten Saale die Tränen der Rührung in den Augen. Den Abschluß de- Roten Appells bildet« ein pok« kcndcö Festspiel, das gemeinsame Werk von Aussi» !>er Turnern, Äolkssinggemeinde und der soziali» tischen VeranstaltungSgrupp«. Mit dem gemeinsamen Gesang der Internationale sand die eindrucksvolle Feier Höhepunkt und Abschluß. Drau- ßei» formierte»» sich dann die Massen zu einen» Fackelzngc, der in schier endlosem Strome seinen Weg durch die mit Spalier gesäumte»- Straßen der Stadt zum Marktplatz macht«. Ule große Kundgebung. An der Kundgebung aus dem Marktplatze nahmen etwa zehntausend Menschen teil. Genoss« U l l m a n n wies in seinen Vrgriißnngsworten auf die politische und kulturelle Bedeutung deS Aufmärsche- hin. Dir Kundgebung wurde eingeleitet von der DolkSstnggemeinde Aussig und dann überbrachte der Genosse Abgeordneter Heinrich Müller die Grüße der Sozialistischen Arbeitersport-Internationale. Er betonte, daß dir Jugend bereit ist, die sozialistischen Ideal« mit aller Kraft z>» verteidigen. Für die tschechische Sozialdemokratie sprach sodann Genosse Abgeordneter N e»i m e i st c r, die Grüße deö Partcivor- siandeS der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei überbrachte Genosse Bürgermeister P ö l z l, dcr in einer ausgezeichneten und von stürmischem Beifall unterbrochenen Rede den blutgierigen Fasciöm»»S anprangerte und die Versammelten zum Kampfe ausries. Sein Hin» wriS darauf, daß auch in Deutschland der Tag; der Abrechnung kommen würde, sand stürmischen, Beifall in der Versammlung. Sodann sprach für den DTJ Genosse Paiiek. Nach dem Vortrast der Singgrmeinde sprach Genosse Nanninger. Die Versammlung sand ihren Abschluß im gc, meinsamen Gesang der Internationale. Sodann marschicrtcg die Massen zurück zum Vnlkvhause, wo sich dcr Zng anslöste. Beim Einmarsch aus den Marktplatz leuchtete vom Marienberg das Wort„Freiheit" ans. Tie wuchtige Kundgebung machte nicht nur ans die Teil- nrhmer, sondern auch aus die zahlreich verkam» »nrlten Gegner einen gewaltigen Eindruck. Tics zeigte den Kanipsesmut und di« Kraft dcr srzial- demokratischen Arbeiterbewegung nnd bildeten auch den Ausdruck des politischen Wollens dcr in Aussig versamniestcn sozialdemokratischen Sportjugend. Proletarischer Feierabend im Warmbad Klelsche. Zehntausend Menschen füllten Freitag die Anlagen des>m Lichte dcr untergchendcn Sonne leuchtende»» Warmbades, Menschen mit festes- frohe»» Gesichtern; vom Sprungturin weht die Fahne dcr Freiheit schaffender Arbeiter als Symbol proletarisch einigen kampfeSfrohcn Willens. Gegen halb 9 Uhr eröffne»» Fanfarenbläser den Reigen der Veranstaltungen. DaS Festlicd der Rotei» Fahne, gesunge»» von der BolkSsing- gemeinde Aussig, unter zielbewußtcr Leitung ihres Dirigenten M ö d l verklang. Genosse U l l m a n n begrüßte die Massen dcr Erschienenen, grüßte die geknechteten Brüder in Deutschlarid und sand herzliche DankeSworte sür alle Helfer und Förderer und Mittvirker deS begonnene»» I. Internationale»» Arbritcr-Sport- tagcS. Genosse M r a z ck als Vertreter des tschechischen BruderverbandeS D. T. I. wies auf die WillenSvcrbundenheit der deutsche» nnd tschechischen Arbeitcrsportbewcgung hin und wünschte ihr sroheS Gedeihen. Bürgermeister Genosse P ö l z l begrüßt in« Namen der Stadt Aussig die Festteilnehmcr. Während nun die Dämmerung ihre Schleier über Hong und Ferne deckte, die Nacht aufsticg, reihte sich in» Lichle der Scheinwerfer und Bogen- laiupcn, inmittcu spiegelnder, glitzernder Lich: reslcye aus de»» Wellen des großen Schwimm- bcckcnö eine Darbiclung an die andcre. Einen» exakten Slilschwimmrn der Aussiger, Trplitzcr nnd Bodenbacher Schwimmer, das dir Schönheit dieser Sportart in Prachtvoller Fülle nnd Form zeigte, folgte humoristisches Allerlei über und im Wasser, reine Klänge sinniger Lieder dcr Volkssinggemcinde»vcchscllen mil den vollen Akkord«»» des Bläserquartetts dco Stadt- thcaterorchcsterü Aussig ab. Tosender, langanhal tciidcr Beifall dankte dafür. Und als nach der ernsten, eindringlichen, Herz nnd Gewissen anfrültelndcn Rejilation„'Air »vicder Krieg", nach neuen Liedern, in blendenden» bengalischen Schwcinwcrferlicht, begleitet von glänzender Sprechkunst, die allegorischen Grnpv-» von»„Roten Fahnenträger" die Kainpscntschl"! seiihcit, das„Prolctaricrmädchcn" das rein.' Liebeslied arbeitender Menschheit bildhast eindringlich gestalteten, nach dcr„Sklaverei" d r „Fahnenschwur" in herrlich plastischer Äestallnn-z zu Herz und Versta»»d sprachen, kannte die crus': und doch sicgfrohe Begeisterung kein Ende. Funkelnde Kreise ocs Fackclschwiugcrs Nun den vo»» den« atcinraubcndcn Elan der Fruer- reifenspringcr überboten, während die Reigen- schwimmcr in ihren glänzenden Figuren wie bewegliche, zauberhafte Arabesken auf dunklem Seite 4 Sanutog, 8. August ItzgS. Die litauischen Flieger von den Nazis abgeschossen. Litauen verlangt Schadenersatz. London, 5. August.(Eig. Der.) Die litauische Regierung hat, wie em Telegramm de«„Daily H c r a l d" aus Kowno meldet, eine Untersuchung angeordnet, die die Ursachen des TodcssturzcS der beiden litauischen Ozeanflicgcr seststellen soll. In Kownoer Regierungskreisen neigt man der Ansicht zu, daß die Meldung, daß das Flug- zcug der litauischen Flieger in Ostpreußen von Nazi abgeschossen worden sei, auf Richtigkeit beruht. Die Maschine ist am 17. Juli abgestürzt, wobei die Flieger seit ihrem Start in New Dark 38 Stunden unterwegs waren. In der Nacht vom 16. auf den 17. Juli haben' sic das Konzentra tionslager von Soldin überflogen. Tic Nazi im Konzentrationslager hatten den Auftrag, gegen kommunistische Aeroplan« auf der Hut zu sein. Ale die litauischen Flieger sich dem Lager näherten und dabei niedrig flogen, tvurden die Scheinwerfer auf den Apparat gerichtet und das Flugzeug mit einem Hagel von Gewehr« schüsscn überschüttet. Das Flugzeug stürzte ab und verbrannte.• Die Nazis erkannten nun ihren verhängnisvollen Irrtum. Die litauische Regierung will nach Abschluß der Untersuchung an die Reichsregierung das Verlangen nach Entschädigung und vollen Schadenersatz für die Hinterbliebenen stellen. Wasscrgrund zueinanderstrebten und einander wieder mieden. Unter den Klängen der begeistert mitgesun- gencn Internationale endete der Festabend in später Nachtstunde. Und wenn es in einem Gedicht der abendlichen BortragSfolgc hieß,„Wir sind reich", so bedeutet dieser proletarische Feierabend eine Tckau wahren Reichtums der schaffenden lebensfrohen, wcltgestaltcndcn Arbeiterklasse. n&ssensdiwlminuntcrrldil der Kinder im Warmbad Klelsdie. Wo am Vortage ernste Menschen Feierstunde hielten, tummelten sich im frühen Morgenlicht helle Kinderscharen, sonnverbrannte Menschlein. Unter Leitung des bewährten VcrbandSschwimm- wartes Kuhn wurde der Jugend, etwa 400 Buben und Mädeln, Schwimmunterricht erteilt, nach einer Methode, die nach in Oesterreich schon geübten Vorbildern nun in Schrcckcnstcin erprobt wird und sich glänzend bewährt hat. Ohne technische Hilfsmittel, Gürtel und Westen^ erlernen die Kinder binnen weniger Stunden die Grundbegriffe des Schwimmens und ohne Mühe und Gefahr die weiteren Kenntnisse. Kindcrfrcudc und LebcnScrnst in kurze sonnige Stunden am Herzen der Natur gebannt, waren der Sinn und Inhalt dieser Lehrstunden im Warmbad Klcische. WWW^!lll1liWlIi1lWWWHWWWWiWMUWWHWWWWWWH Bindenhorg wollte Leebe befreien? Ein Bries Hindenburgs an Frau Lobe. In der soeben erschienenen Nummer 8 des„Neuen Vorwärts" lesen wir: Paul Lobe, der ehemalige RcichstagSpräsi- dent, in dessen Hände der Reichspräsident Hindenburg den Eid abgelegt hat, die Verfassung zu achtelt u>ld zu schützen, sitzt in Schutzhaft. Nun hat sich Frau Lobe an Hindenburg um Hilfe gewendet und von ihm die Antwort erhalten, daß er die Verhaftung ihres Manne» außerordentlich bcdaure. Sie möge versichert sein, daß er noch wie vor an der Lauterkeit Löbe» keinerlei Zweifel hege. Er habe sich mit dem Reichskanzler in Verbindung gesetzt, um dir Enthaftung ihre» Manne» zu erwirken. To weit der Brief, wie ihn ein bürgerliches Blatt wicdcrgibt. Ter Brief ist bereits vor 14 Tagen geschrieben worden, aber die Tatsache, daß Paul Löbe nach wie vor in der Gefängniszelle sitzt, beweist deutlich, daß die Hitler und Goering auf die Intervention des Reichspräsidenten einfach gepfiffen haben, lind diesen Gesellen haben Hindenburg senior und Hindenburg junior die Macht in die Hände gespielt. Ein Rechtsstaat? Ein Räubcrstaat, in dem selbst das höchste Oberhaupt des Staates nichts mehr zu sogen hat. Es fehlt nur noch, daß man für die Enthaftung unschuldiger Menschen Lösegeld nimmt. Wir buchen auch diese Schande für den Tag der Abrechnung. Goerlnds Erzählanden. „Kommunistische Kampftruppen." Licgnih, 5. August. Die StaatSpolizeistellc Liegniy hat, wie daS Wolff-Büro meldet, zahlreiche kvniinunistische Kampftruppen in Schmiedeberg(Ricsengebirge) und Umgebung festgestellt, die militärisch geschult wurden und dir geeignet waren, aus Befehl der Zentralstelle zu einem geeigneten Zeitpunkt loszuschlagen. Ferner hatte die KPD. versucht,-im RegicrnngSbczirk Liegnih einen'Nachrichtendienst rinzurichten und die Partei getarnt neu aufzubauen. Insgesamt sind 61 Kommunisten scstgenommen worden. So groß isi die Unzufriedenheit! W. Für die Stimmung in den Reihen der NSDAP, ist ein Rundschreiben des Propagandawartes der Gauleitung Groß-Berlin bezeichnend, das unS in die Hände gefallen ist. In diesem an die Ortsgruppen des Gaues gerichteten Rundschreiben, das vom s». Juli datiert ist, heißt cS: „I. Trotz fortgesetzter Unterrichtung über dir! politische Lage hören dir Falle nicht auf, in denen auch ältere Parteigenossen und Amtswalter ohne jeden Grund Kritik an der Partei und ihren Führern üben. Ich verpflichte hiermit jeden Amtswalter und Parteigenossen, Vorfälle dieser Art sofort der Vorgesetzten Dienststelle zu melde«. Unterlassung dieser Meldung ist st r a s b a r. 2. Da der politische Gegner ander» z. Zt. überhaupt nicht arbeiten kann, werden über unsere Parteiführer, di« die Bürd« eine» öffentlichen Amte» trage», üble Gerüchte in unserer Partei hineingebracht. Wer sich an der Verbreitung solcher Gerüchte auch nur im geringsten beteiligt, verfällt nach den bestehenden Gesetzen einer Gefängnis» oder Zuchthausstrafe. Die Partei denkt nicht daran, da» Schicksal Deutschland» durch Schwätzer gefährden zu lassen. Disziplinlose Parteigenossen und Parteigenossinnen habe» sich also das schwere Schicksal einer Verurteilung zu einer entehrenden Freiheitsstrafe selbst zuzuschreiben. 3. Dies« Klarstellung ist jedem Amtswalter, jedem Parteigenossen und jeder Parteigenossin de» Gaues Groß-Berlin bekanntzugeben. Für die restlose Durchführung dieser Verordnung trägt der Ortsgruppenleiter persönlich und allein die Verantwortung." Wie muß cS in einer Partei aussehen, deren Leitung gezwungen ist, die Mitglieder durch vervielfältigte Rundschreiben zu gegenseitiger Bespitzelung und Denunziation anzuhalten und sie mit Gefängnis- und Zuchthausstrafen zu bedrohen! Sonderbares ans Oesterreich Liebesdienste Feys für Hiller»Md Goering. AuS Wien wird uns geschrieben: Während Oesterreichs Bundeskanzler Dollfuß sich, bemüht, die Regierung und die Oeffent- lichkcit zu überzeugen, daß er einen entschlossenen Kamps gegen die Hitler«! führt, kommen aus dem gleichen Oesterreich merkwürdige Nachrichten, die geeignet sind, allerlei Zweifel aufzurührcn. ES scheint nämlich, als ob andere Teile der österreichischen Regierung Wert darauf legten, die Brücken zur Hitlerpartei nicht abzubrcchcn, andern sogar durch kleine Liebesdienste eine „Aktie des Dritten Reiches" zu erwerben, die im Falle deS Falles dann als Legitimation dienen oll. Nicht anders nämlich ist da» Vorgehen der Wiener Polizei gegen jene Oppositionsgruppe des Nationalsozialismus zu erklären, di« unter dem Namen„Schwarze Front" bekannt ist. Ihr gilt seit langem der besondere Haß der Hitler- x>rtc«, da sic den Verrat deS sozialistische» Gc- »ankrns durch Hitler rücksichtslos anprangert und ür die„zweite Revolution" eintritt. Ihr wachsender Einfluß auf die enttäuschten Massen der SA und besonder» der nationalsozialistische» Jugend führt« zu einer brutalen Berfolgungsaktion, der fast olle Führer, darunter der bekannte Major Buchrucker und der geistvolle Schriftsteller Blank zum Opfer fielen. An dir AuslandSzentrale der„Schwarzen Front", die in Wien saß, konnten die Schergen Goering» ober nicht heran. Diesen Liebesdienst leistete ihnen.Herr Feh, amtierender Poilzeiminister im Kabinett Dollfuß. Auf Verlangen der österreichischen Nazipreffe, die sichnicht entblödete, die Schwarze Front in Verbindung mit den gemeinen Hitler-Attentate» in Oesterreich zu bringen, verhaftete die Wiener Polizei Anfang Juli alle nichtdeutschcn Angehörigen der Auslandszentrale der Schwarzen Front, sowie eine Anzahl österreichischer Heiser, beschlagnahmte das gesamte Schriftenmaterial, die Kartothek, alle Post usw. usw. und legte damit die Arbeit dieser Feinde des HitlcrsasciSmuS zunächst lahm. Di« Größe des Liebesdienstes, den Herr Fey den Herren Goering und Hitler erwiesen hat, geht am besten aus dem augenblicklichen Kampf der Herrscher des Dritten Reiches gegen die„zweite Revolution" hervor und dürfte Herrn Fey für eine kommende Koalitionsregierung bestens empfehlen. Herr Dollfuß aber wird gut daran tun, seine Aufmerksamkeit diesen Vorgängen zu widmen, sonst könnte eS ihm entweder passieren, daß er eines Tages wie Brüning und Schleicher von hinten erdolcht wird oder— was für die österreichische Position fast das gleiche bedeutet— daß die Welt seinen Kampf gegen die Hitlerei nicht für ehrlich hält. Vom Rundlank Empfehlenswertes aus den Programme». Montag: Prag: 1100 Schallplatten. 18.30 Deutsche Sendung: Vorschau auf di« Reichenberger Mess«. 28.28 Klarinettenvorträge. 22.15 Deutsche Nachrichten.— Brünn: 10.10 BauevnblaSkaPelle. 17.88 Pfadfindevfunk. 18.25 Deutsche Sendung: Zeisel: Bon neuen Büchern. 20.45 Worin«st dl« Jugeiw groß?— Wien: 12.00 Mittagskonzerl. 15.55 Aus Operetten. 19.00 Fürs Her; und Gemüt. 19.45 „Orpheus und E u r y d i k e", Oper von Gluck. — Frankfurt: 20.00 Biolinmiffik. 21.80 Kammer- musik.— Leipzig: 15.10 Frauenfunk. 18.25 Gitarrenmusik. 21.80 Franz Schubert.— Berlin: 15.35 Für di« Jugend. 21.05 Der junge Beethoven.— München: 21.30 Hochsomm«rnacht.— Königtzwusterhausen: 18.85 Jugendspovtftunde. Dienstag: Prag: 10.10 Schallplatte» 12.30 Mittagekonzert. 18.30 Deutsche Sendung: Neuromantische Meister des Liedes. 20.00 Liederkonzerr. 20.20 Zitherquartett. 20.45 Schallplatte«.— Brünn: 14.50 Konzert. 18.25 D«utsche Sendung: Dr. Wokurek: Mütter, stillt Eure Kinder. 20.00 Chorkonzert. 20.85 Tschechische Humoreske.— Wien: 12.00 Mittagskonzert. 19.00 Um die Erde in neunzig Minuten. 2100 Bühnenfiguren erzählen ihr Schick- sql.— H«il»berg: 17.45 Klassische Kammermusik. 20.00 Heiteres Hörspiel. 21.00 Abendkonzert.— Breslau: 15.35 Kinderfunk.— Leipzig: 20.00 Orchcstcrfozert,— Berlin: 13 00 Franz Schuber:. 17.80 Stimmen aus deutscher Vergangenheit. 20.20 Wagnerlonzert. Tagesneuigkeiten Wahnsinniger als Massenmörder. Innsbruck, 8. August. Wie aus Bozen berichtet wird, hat am Donnerstag abends der Bauer Schalter bei Fels am Schiern in einem'Anfall von Irrsinn seinen 5jährigcn und sein 11jährigen Sohn mit dem Beil erschlagen, den vierjährigen Sohn des Nachbarn und seine 8jährigc Tochter erwürgt. Der Täter ist flüchtig. Er war seit längerer Zeit kränklich und litt schwer unter drückenden WirtschaftSvcrhältnissen. Seine Frau erfuhr die Untat erst bei ihrer abendlichen Heimkehr vom Felde. Die Leichen zweier Kinder hatte der Irrsinnige vergraben. Srfolgloser SlratosphSrenflug. Nur bi» 1800 Meter gekommen. Chicago, 8. August. Commander S e t t l e von der amerikanischen Kricgsinarinc unternahm heute vormittag» einen erfolglosen Versuch, in einem Ballon die Stratosphäre zu erreichen. Der Ballon gelangte nur bis zu einer Höhe von 1500 Meter, ging dann wieder herunter'und landete auf einem Eiscnbahndamm. Der Start erfolgte vom Gelände der Chicagoer Weltausstellung aus um 8 Uhr 05 früh. Die Startmannschaft wurde von Jean Piccard, oem Zwillingsbruder des berühmten Professor Piccard, befehligt. Der Ballon wurde nur halb gefüllt, um Gasverluste beim Erreichen der dünneren Luftschichten zu vermeiden. Er stieg schnell empor und entschwand schließlich den Blicken. Zehn Minuten später meldeten Beobachter aus dem Dach eines AuSstellungsgebäudeS, daß der Ballon in der Stadt Chicago niedergegangen sei.. Die Landung erfolgte auf einem Eisenbahn- dann ungefähr 30 Meter östlich des Ufers deS Chicago-FlusseS. Die Gattin des Fliegers, Feuerwehrwagen und Krankenwagen eilten sofort an Ort und Stelle, doch Settle entstieg unverletzt der Ballongondel. Seine ersten Worte waren „Zigaretten anSlöfchen!" Er berichtete:„Als der Ballon 1500 Meter erreicht hatte, zog ich die Vcntillcine, um eine Weile diese Höhe zu halten. Das Ventil klemmte aber und schloß sich nicht wieder. Ter Ballon begann zu fallen.^Jch fing an, Pallast auszuwerfen, 55 Sack im Gewicht von je 40 Pfund, aber der Ballon ging unaufhaltsam herunter." Commander Settle äußerte große Freude darüber, daß der Ballon und die wertvollen Instrumente unbeschädigt geblieben find und drückte die Hoffnung aus, daß er bald m der Lage sein werde, einen neuen Versuch zu unternehmen. Mit fünf Brathühnern über den Szean Zwei französische Flieger unterwegs. New Dark, 5. August. Die beiden französischen Flieger P o d o s und Rossi sind heute nach vier Uhr früh abgeflogen. Sie beabsichtigen Paris zu überfliegen und den Weltrekord zu brechen. Die Landung soll erst erfolgen, tvenn der Brennstoffvorrat, der 2000 Liter beträgt, vollständig erschöpft ist. Als Proviant haben sic fünf Brathühner, ein sehr starkes Fleischbrühengelee, 36 Orangen, starken Kaffee und 24 Zi- tronen mitgenommen. Diese Speisekarte hat ihnen den Spitznamen„fliegende Feinschmecker" emgcbracht. Moskau, 5. August.(Taß.) Im Zusammenhang mit dem erfolgreichen Abschluß des Baues des Stalinkanals von der Ostsee zum Weißen Meer wird. ein Beschluß deS Zentralexekutiv- komitäs der Sowjetunion veröffentlicht, wonach am Tage des Bauabschlusscs die geheime Staatspolizei OGPU 12.484 Personen freiläßt, die zu Freiheitshasten verurteilt worden tvaren und als völlig gebessert und nützlich für den sozialistischen Aufbau befunden wurden, sowie.59.516 Personen die Strafzeit gekürzt wird und 500 Personen die ihnen durch Urteile aberkannten bürgerlichen Ehrenrechte wieder zurügegeben werden. Di« ge- heim« Staatspolizei empfiehlt, den begabtesten Arbeitern unter den ehemaligen Häftlingen Stipendien zum Besuch der Lehranstalten zu ■ Nr. 182. Sieg der pennsylvanischen Bergarbeiter New Bork, 5. August. Der Streik im pennsylvanischen Kohlenbergbau, der beträchtlichen Umfang angenommen hatte und bei dem e» zu blutigen Zusammenstößen zwischen bcn Streikenden und den Truppen der Regierung gekommen ist, konnte nach den letzten Meldungen beigelegt werden. Man mißt dieser Tatfach, in Amerika erhebliche Bedeutung bei, da der Umsichgreifen einer Streikwelle im Kohlenbczirk von Pennfylvanien dem amerikanifcheu Ruhr, gebiet, da» Wiederaufbau-Programm Roosevelts empfindlich belastet hätte. Infolgedessen werden etwa 70.000 Bergarbeiter aufgrund de» bis. herigen Arbeitszeitabkommens und der bisherigcn Lohnvereinbarungen die Arbeit wiederaufnehmcn, Bergarbeiterstroik in Spanien. Madrid, 5. August. In Cordoba sind 2000 Bergarbeiter wegen Nichtbewilligung von Lohnforderungen in den Streik getreten. In Sevilla haben die Dockarbciter die Arbeit niedergelcgt. Bitte sich zu bedienen—. In der deutschen Nazipresse liest man die folgend« Notiz: „Das Kuppeldach des RcichstagsgcbäudeS erstrahlt jetzt von außen wie von innen in neuem Glanz. Der Reichstag hat wieder cin festes Dach pber sich, Heller und freundlicher denn je zuvor" Nun also! Da ergeben sich ja für gewisse, fliegerisch befähigte Herrschaften wieder die schönsten Gelegenheiten, erneut mit Streichhölzchen zu spielen? Wie wäre eS mit einer eindrucksvollen NcuauSgabe, Herr Minister? Miuifterurlaube. Eisenbahnministcr B c- chynö tritt seinen Urlaub an und wird bi» aus weiteres keine Besuche empfangen.— Der Minister für öffentliches Gesundheitswesen und Körpererziehung, Dr. Spina, empfängt bis auf weiteres keine Besuche. LandeSschulinspektor Lieblein gestorben. Frei- tag starb in Prag der deutsche LandeSschuliiispek- tor für Böhmen, Ministerialrat Dr. Robert Lieblein. Er war seit 1912 Landesschul- inspektor. Lieblein hat cin Alter von 64 Jahren erreicht und war ein Zwillingsbrnder bs» Chirurgen uild Universitätsprofessors Dr. Viktor Lieblein. Schon wieder ein Opfer des Dachstein. Der 28jährige Wiener Spenglergchilfe Theodor Steiner und die 19jährige Wiener Kontoristin Netto Javetz unternahmen am 1. August eine Tour auf den Dachstein. Dort wurden beide von einem Schneesturm überrascht und mußten zwei Me>r unterhalb des DachsteingipfelS verbleiben, wobei Theodor Steiner erfroren ist. Nelly Javetz erlin- Erfrierungen an beiden Füßen- bis zu den Waden. Im Osten nichts Neues. SamStag sruh wurde kein Bombardement der Nordwestgrmz? vorgenommen. 24 Bombardicrungüflugzcugc kreuz, ten nur über dem Gebiet des Bajanrislammrä. Freitag früh war die Ortschaft Kotkai neuerlich bombardiert worden. Berliner ,^empo" eingestellt. Tas voiu Ullstein-Verlag in Berlin gegründete„Tempo", daS fast fünf Jahre hindurch eines der golcsenstcn, Berliner Boulevard-Blätter grtvesen war, kiiu-" digt heute seine Einstellung an. In einem Artikel heißt es, die Aufgaben deS im Herbst 1928 gegründeten Blattes seien«S gewesen, lebendiges Ausdrucksmittel einer bestimmten Entwicklung? stufe der NachkriegSjahre zu sein. Run sind du"ch die Entwicklung des neuen Deutschland auch die Voraussetzungen fiir den Dienst nm Leser verändert. DaS„Tempo" sieht seine Aufgabe als beendet an und stellt somit sein Erscheinen mit heutigem Tage ein. In Wahrheit wird es wohl so gewesen sein, daß das„Tempo" ebenso, wie das gleichaeschaltetc„Berliner Tageblatt", das eS bekanntlich in der Zeit der Enftvicklung deS neuen Deutschland von einer Auflage von 240.000 auf 14.000 gebracht hat, wegen Leserschwund eingegangen ist. Wahrscheinliches Wetter heut«: Wechselnd bewölkt, im ganzen ohne Niederschlag, mäßig wann, mäßiger Nordwestwiud. IV. Kinder lernen Handgranatenwersen. In den Berliner Schulen(und sicher ebenso im übrigen Reichl werden jetzt die dreizehnjährigen Fungen an-Hand von Atrappen im.Handgranaten- werfen ausgebildet. erteilen. Durch Beschluß der Zentrale deS Exelu- tivkömitüs der Sowjetunion wurden die um den Kanalbau sich besonders verdient gemachten Mi:- arbeit«!, Ingenieure und Bauleiter mit deni Sotvjetorden ausgezeichnet. Mit dem Lenin »rden ausgezeichnet wurden der stellvertretende Leiter der Geheimen Staatspolizei(OGPttj Jagoda, der Bauleiter und die Obcringenieure, darunter der Stellvertreter des Gcsamtbaulciters Frankel, der stellvertretende Oberingenieur Werschbizki, die früher wegen des Verbrechens gegen den Staat und wogen Schädlinge- aktionen verurteilt worden waren. 28 Mitglieder erhielten den Roten Arbeitsbannerorden und den Rotsternorden, Groß« Amnestie In Rußland. 70.000 Menschen betroffen. W. IM». Sonntag, S. August 1988. Litt« 5 Luftangriff auf München. Spill« im Drittln Reich. Folgende« schöne Märchen wird von den Nochrichtrnstellen des Drittln Reich« > verbreitet! München, 5, August, Der Reichsluftschnh- bund veranstaltet« heute vormittag««inen Lust- schcinangrisf auf die bayrische Hauptstadt, der für 10 Uhr vö Minuten angesetzt war, Bereits lange vorher war die Innenstadt.so dicht belegt, daß der Fahrzeuavcrkewc vollkommen zu stocken drohte. Gegen«11 Uhr durchfuhren ungefähr SO Warnstrclscn auf Motorfahrzeugen die Stadt und machten die Bevölkerung durch Sirenen- und Huvengehvul auf den bevorstehenden Fliegcran- grlfs aufiiccrksam. Gegen% 11 Uhr erschien dann da« erste Bombenflugzeug über dem Stach»«. Sofort wurde der ganze Verkehr gestoppt. Zehn Minuten später wurde baten der Hauptangriff durch Glockengeläute angekündigt. Die überall in den Straßen postierten SA-Männer forderten da« Publikum aus, sich in Sicherheit, zu bringen. Kurz darauf erschienen die Bombenflugzeuge au« allen Himmelsrichtungen und tvarfen lange mit Sandsäcken beschwerte Papierfahnen ab, auf denen die Art der Bomben und ihre Verwendung «druckt war. ES ließ sich feststellen, daß ganze Stadtviertel, insbesondere di« Häuserblock« um den Maricnplatz, die Residenz und der Bahnhof im Ernstfälle in Schutt und Asche gelegt worden wären. ch E» sind kein« echten Bomben nötig, um in Deutschland etwa« in Schutt und Asche zu legen. I!« genügt Pctroleunc und ein entschlossener Ministerpräsident. Wenn die SA warnt, dürfte cs allerdings immer schon zu spät sein, sich vor 'hr in Sicherheit zu bringen. von Kreuzottern gesagt. Das sechsjährige Lähnchen eine« Lehrer« geriet dieser Tage an ein Kreuzottcrnnest in der Nähe von Olmüh. Betör sich der Junge in Sicherheit bringen konnte, züngelten ungefähr 19 Kreuzottcrköpfe nach dem Kinde, und zweien der Tiere gelang es, den jiütenden Junge,» zu erfassen und sich um seinen Hals zu ringeln. Durch einen glücklichen Zufall rutschte deut Kleinen der Hut in den Racken, so daß er„nur" drei Bisse erhielt. Schließlich gelang e« einigen herheieilendcn Kauern, die Untiere zu töten. Der Junge wurde sofort ins Krankenhaus gebracht und die Aerzte hassen, ihn retten zu können. Oesterreich» Fremdenverkehr. Die Devisen- klngonge aus oenl Fremdenverkehr sind, wie au« Wien gemeldet wird, wesentlich günstiger als man ursprünglich'angenommen Has, Di« Einnahmen au« dem Fremdenverkehr dürften sich in diesem Mr« auf rund 180 Millionen Schilling gegenüber 250 Millionen Schilling im Dorjahre stellen. Sehr besucht sind die kleinen Kärntner« Leen und seit einiger Zeit auch Gastein und Itsibl. Auch Salzburg weist seit den Festspielen einen erhöhten Fremdenbesuch auf. Kellner sollen spitzeln. In den Kellnerzim- m«rn der großen Restaurant« hängen Anschläge mit der Aufforderung:„Pg. Kellner! Achtet aus di« Gespräche der Gaste und meldet verdächtige Gälte sofort der SA. Das Ideal des national« sozialistischen Swate» Ist dies««: ein Drittel-er Bevölkerung bespitzelt das ztveite Drittel, welche» da« dritte Drittel, soweit«5 noch nicht verhaftet, zu verhaften sucht. Bemerkungen » und Amtshlinsern wieder die allen Kaiser- und Königrbllder der Hohenzollernära, die in den ocooem- beringen von.1918 verschwundv» sind, ansgchangl werden sollen. Fehlt nur noch Wilhelm Lehmann aus Doorn persönlich und da» Familienbild ist komplettI Aber da sage noch einer, daß die März» „Revolutionär«" von Itlnö teilt neue» Deutschland an» der Tanse gehoben halten! » Der Schandpsahl. Der Geist finstersten Mittelalter«, der die Trrrvrmaßnahmen«er Nationalsozia, listen gegen Andersdenkende beherrscht, kommt in besonders kennzeichnender Weise in einer Maßnahme zum Ausdruck, von der da« Berliner„12 Uhr Blatt" zu berichten. weiß. Danach ist in dem kleinen Harzstädtchen Wernigerode ein Schandpsahl aus dem Marktplatz errichtet worden. Der Bevölkerung wurde zugleich mitgeteilt, baß jeder, der Adolf Hiller beleidige oder Irgendwie gegen die öffentliche Ordnung verstoße, an diesen Pranger gestellt werden soll« Da« war entschieden überflüssig. Heute, wo daganze Dritte Reich am Tchandpfahl steht, ist eine solche Dokumentierung der Rückkehr ins Mittelalter nicht mehr nötig. Der„deutscheste Tod". Abendstimmung an, Deutschlandsendcr, die deutsche Seele wird erweckt mit Volksliedern im österreichischen Alpenland. Die «inen schmeißen Bomben, die anderen funken ge- sühlvolle Volkslieder.- Man nennt da« Arbeit«, letlung. Schluhpolntr: und nun, deutsche yunkhörcr und-HSrerlnuen. da« unvergeßliche Lied des deutschesten Manne«, der den deutschesten Tod kür unser BolkSlum gestorben ist: Zn Mantua in Banden Andreas Hofer lag!" Pardon! Dieser deutsche Mann kämpfte doch wohl für die Fretheit Tirol»? Steht nicht im vergewaltigten Meran sein Denkmal. Und ist nicht die Freiheit Tirol« von Hitler an Mussolini elend verschachert worden? Den„deutschesten" Tod? Gibt e« auch einen „polnischen, tschechoslowakischen, englischen und französischen" Tod? Wenn Lächerlichkeit töten könnte, dann wären die Idioten am Deutschlandsender längst den lächerlichsten Tod gestorben.(Deutsche Freiheit.") • Die Kaiserbild-„R«v»lutionöre"! T«r preußische Innenminister hat dieser Tage in einem Rundschreiben angeordnet, daß in den staatlichen Gebäuden f Bei nervösen Schmerzen MAR ttheuma, Dtchk.£c;tw he» nAhrt£o(,ai'dH Sie J>«rn!4ute,*lt stark X/»U Vvi «,insrtz J Apolffafc 5s«m LÜmrn Vrqn 11 vSim, Dkilopn U. Xl vom vraqer Auudlunl. „Wie du bist, so gehst du!" sagte uns Dr. Nikolaus Aranyost am letzten Montag. Man kann e« auch umdrehen und sogen:„Wir du gehst, so bist du!" und beidemale hat der Vortragende unstreitig recht. Richt umsonst hielten die weiland regierenden Fürsten daraus, sich wohin immer, doch stet«„elastischen Schrittes" zu begeben— sie wußten, was sie ihrer höher«« Wesensart schuldig waren. Im Ernst: in der Ausdeutung und wissenschaftlichen Erforschung der Körperhaltung und-gebärden, besonder» de» Ganges, liegt sicherlich ein noch wenig ausgenütztc- Hilfsmittel der Charaktcrkundr. Achte mal jeder ein wenig auf sich selbst und er wird staunen über die Wirkung, die Seelen- und Körperhaltung gegenseitig auseinander auSübcn. Sie sind eben doch ein« und können ernstlich von einander nicht getrennt werden. Wir übergeben dir fruchtbare Anregung der Wissenschaft und wenden nn« den Dingen zn, die uns fühlbarer auf die Haut brennen. Freilich, unsere deutsche Sendung überlädt nni nicht mit Aktualitäten. Anständige Leute haben jetzt tn der Sommerfrische zu sein oder doch dahin abzugehen, darum ersahren wir von Dr. Friedrich Beck allerhand über die Touristi k in Karpatho- r u ß l a n d, viel von der stillen und einsamen Schönheit dieser Vergwälder, von der Eigenart der kleinen Städte und auch Praktisches von der notwendigen Ausrüstung. Nichts freilich von der tiefen Not dieses armen Landes, von. den unglaublich primitiven Leben-Verhältnissen seiner Bewohner. die noch kaum aufgehellt sind durch die Kulturarbeit, die unsere Republik seit dem Umsturz dort verrichtet, E« wird Ihnen materiell gutlun, wenn westliche Touristen etwas Geld ins Land bringen, es wird ihnen nachdrücklicher Helsen, wenn möglichst viele mit eigenen Augen sehen, woran es dort fehlt und wie zu helfen wäre. Wenn man aber helfen will, dann darf es nicht so umständlich in« Werk gesetzt werden, wie z. B. die Unterstützung der Saisonarbeiter durch Ermäßi- gung der Fahrpreis« zum Arbeitsort. Da« erfuhren wir nämlich aus dem immer sehr lehrreichen B c- richt über den Arbeit«markt. Die Bestimmungen, nach welchen diese Fahrtermäßigung anzusprcchen und zu gewähren ist, sind derart verwickelt und verklausuliert, daß st« den Betroffenen mehr Schererei als Nutzen bringen. Da waltet die bürokratisch« Angst, daß nur ja kein Unberechtigter um ein Paar Heller zu wenig zahle, aber tauseno Berechtigten wird ihr Anspruch dadurch beengt. Ein bissel großzügig muß der Helfende schon sein in diesen außerordentlichen Berhiltnisien. Al« Griechenland die Millionen aus Kleinasien vertriebener Griechen aufzunehmen hatte, gaben dse dortigen Bahnen jedem der Flüchtlinge durch«in halbes Jahr freie Fahrt aus allen Strecken, damit sie Arbeit suchen und sich rin« Existenz gründen konnten. Die wärS, tvenn wir etwa« ähnliche« versuchten? Fällt da der heilige Bürokratius vor Schreck vom Amtsschimmel? lkr braucht gar nicht erst wieder hinaus- zuklettern! Denn er ist es ja, der immer wieder di« besten Absichten der Regierung und Volksvertretung in ihr Gegenteil verkehrt. Et scheint, daß er wirklich nichts gelernt hat, auch tn der„großen Z e t t" nicht, deren unseliges Angedenken uns Genossen Johann Giebenrath in der letzten Arbeilersendung herausbeschwor. Herausbeschwor mit schöner Wahrheit de« Gesühl«— der Verehrung für die Verblendeten, di« in idealem Schtvuug hinausgezogen in der Urberzeugung, es gelte„heiligste Güter" zu verteidigen, der Abscheu« vor jenen, die damals und heut« wieder an dem heiligen Feuer der Betrogenen ihr Süppchen der Habgier und Herrschsucht kochen. Grauenvoll lebendig ward da» Bild der Leiden in den Schützengräben und in den Hungerpolonaisen des Hinterlande-. Wahrhaftig, dar hat cs gegeben, da« war wirklich —. und«« gibt Menschen, die ci von. neuem ent sestrln wollen.! Mjt lchgrfgr,.geistvoller Satire zeichnete der Vorlragciuie. ihr. Gesicht: die phrasenmaskierte Fratz« der Gewaltanbetcr, der Hahprcdl- ger, der Iugendvergifter. Elndrtnakich erinnerte er an die Vervollkommnung der Vernichtungsmittel feit dem letzten Krieg, wir ahnen die Zerstörung, die der nächste bringen müßte. Freilich, wohl mit Rück- sicht aus die Zensur blieben unter den Erregern de« vergangenen und Zubereiter» des kommenden Krie ge« unerwähnt die große Rüstungsindustrie, der Impcriasismns, das kapitalistische Shstem im ganzen, das ans den Notweudlgkeiien der Konkurrenz zwangsläufig Immer wieder zu dem letzie» Mittel der Gewalt getrieben wird. Wir haben eS verstanden und wir danken dem Redner für diese Mahnung, für diesen Ruf an unser proletarische«, unser menschliches Gewissen. Wöchentlich nur e l n solcher Vortrag läßt uns selbst die Sauregurkenzeit unseres Senders überstehen. F ü r st e n a«. Au» alter Wett. Ein seltsamer Fundgegenstand. Regeni'chirme verlieren gehört zum guten Ton, Brieftaschen liegenlassen ist eine schlechte Angewohnheit und eine kostspielig« dazu, aber daß man ei» ganzes Flugzeug vergißt, dürst« wohl einzigartig sein. Ter Aeroplan wurde in Mon- kia In Indiana gesunden, abjuhvlen ist er bei den dortigen städtischen Behörden, Tic Maschine ist in der vergangenen Woche aus dem Felde ciiieS Farmers niescraeaangen, der di« Landung beobachtete nn- sah, daß zwei junge Leute dem Flugzeug entstiegen und sich eiligst oavonmachten. Man hofft, sie werden ihr Eigentum wieder hol«», da der glückliche Finder nichts damit anzusangen weiß. Der Rekord der Kellnerin. AIS vor kurzem eine Kellnerin im Löwen« bräukeller in Münck)en ihr sünfzigjährig?« Dienst- iubiläunt leierte, stellte ein Statistiker fest, daß di« diensteifrige Hebe mit der gleichen Gehleistuna, die sie im Laufe dieses halben Jahrhundert» vollbracht«, zeiinal nw die Erde hätte wandern können. Auch rin anderer Statistiker hat sich die Aufgabe gestellt, di« Krastlcistnngen einer Mün- citener Kellnerin zu bestimmen. und ist dabei zu drin Ergebnis gelangt, daß eine vielbeschäftigte Kellnerin in einem Zeitraum von zehn Jahren nicht»ve,tiger al- 2,180.000 Kilogramm an ge- süllien und leeren Maßkrügen zn tragen hat und daß sie inneAzalb der gleichen Zeit rund 10.000 Kilometer zurncklegt. Dergleichen Rckordleistnn- gen„blühen" zwar im Verborgenen, stellen ober dennoch eine ganz beachtliche Körperleistnng dar. Allerdings leisten sich auch andere Berufe Rekord«, die sich sali«» lassen können. So brrechnele der StatisAker Dr. Lanimel, daß die tägliche Körper- beweanng eine» Briefträger», der seine Briese von van» zu Haus und bis in die höchsten Stockwerke hinauftragen muß, einer Leistung von durchschnittlich 120.000 Kilogrammeter entspricht, d. h., daß er mit dem gl«ick>«n Kraftonswond«'n .tbllogrammgewicht I20.vt)0mal rin Meter hockt heben könnt«. Zu den Langschläfern unter den Tieren gehören die Schnecken; st« schlafen di« Halste des Jahre« und oft noch länger. Jin Londoner Natitrgeschichtftchen Musenm erzählt man sich, daß eine Schnecke erst ans dein Schlaf oilfgcwacht sei, al« sic schon zwei Jahre lang ans einer Karle in der-Schneckcnsoninilung klebte. Tie Bannt- rotte wird auch„Siebenschläfer" genannt, weil sic im November sich in ihr Rest zum Winterschlaf zurückjicht und sich vor Mai nicht wieder regt. Eine nächtliche Stechmücke verfällt bei Tagesanbruch in eine Art Starrkrampf nnd bleibt den ganzen Tag ganz steif nnd regungslos. Man kann das Tier Hinsehen wohin man will, e« wird doch weiterlchlafen. Der berühmteste Schlasvogel ist der in Australien heimische Poaarns, der so sest schläft, daß inan Ihn in dir Hand nehmen kann. Auch wenn geschosten wird, schläft er ruhig tveitcr, selbst wenn seine Genossen getötet werden. Lik Fechtmeister. Bon Pank Barsch. Alt di« letzten Häuser hinter mir lagen, wurde mir freier nnd leichter, Die Erregung hatte mich schnell vorwärts getrieben, und Franz war ein Stück zurückgeblieben. Während ich auf ihn wartete, sah ich, daß hinter ihm drein«In Mann kam. „Na, Kunden, wohin?" fragt« er laut, Ich glaubt«, der sonderbar« Mensch wollt« sich lustig über uns machen. „Donnerwetter, ihr seid doch Kunden?" fragte er, auf unser« Bündel deutend, Ich wußte nicht, was er damit meint«. „Könnt Ihr die Schnuten nicht»fsperren, wen»«in»öfter Kunde mit«uch redet?" Drohend hob er di«.Haselgerte, die er in der Rechten hielt, Ich verfiel auf di« Vermutung, daß der Manit von Sinnen sei. Damit er nicht wütend werde, fragte ich ihn bescheiden, ivaS er von n»s wolle. „Die Losung will ich!" schrie er, „WaS denn für ein« Losung?" „Na, da koof mir eener a Mässe! gebackene Pflaumen! Kennen dies« Nashörner di« Losung nicht!.Kenn'! ist die Losung. ,Kenn'! Per. slandibnS?" Ich sagte„fa", obgleich mir sein« Worte immer närrischer vorkamen. Er begann zu lachen und meint«, mit unserer Dummheit könnten wir Häuser rinrenn«», „Ihr komm« vor, Muttern", sprach er und beachtete uns tvohlpzollend.„Wie" lange seid ihr schon fori von derheeme?" Ich gab ihm Auskunft, und er entgegnete, daß wir ihm schon beim erste« Blick grasgrün vor- Mkommen seien..Funde", erläuterte«r,„ist die Losung,„Kenn" die Gegenlosuna. Wenn ich euch «Iso frage, ob ihr Kunden seid, wie habt ihr da zu antworte»?" „Kenn!" ries ich rasch. Mir war klar ge. worden, daß das Wort der ÄandwerkSburlchen. prache angehört.„Gut gesagt!" erwiderte er. I „Und wohin tippelt ihr?" Auch dieses Wort war mir neu. „Wohin öhr tippelt?" wiederholt« er heftig. „Wißt ihr nicht einmal, ttw« tippeln heißri Ta» heißt lausen. Könnt ihr lausen?" „O jal" „Dann vorwärt», wenn ihr mirwollt! Ich hab« nicht Lust, hier bei euch zn stehen!" Er sprach so herrisch, daß wir ihm gehorsam nachfolaten. „Schon drei Wochen tippelt ihr?" fragte er plötzlich, „Wei«, erst drei Tage." „Au, au! Ich kriege Leibschmerzen, wenn ich so was höre! Da seid ihr freilich noch nicht tasten! Ihr sollt sehn, daß ich kein schlechter Kerl bin, iverde euer Schulmeister sein!" Seinem Beruf nach war«r„Wagenschmierer", was Im gewöhnlichen Leben Lackierer heißt. Ei» Dorf kam in Sicht. Mein Schulmeister deutete mit der Hasclnußgerte darauf hin, belehrte mich, daß ein solcher Ort„Kaff" genannt werde, die Bauern demnach„Koffern" seien— und daß ich jetzt anfangen müsse, das Talfen zu erlernen. Er fügte hinzu, daß er APPejit verspüre und In dem Kaff eine« guten„PickuS"— nämlich ettvaS Zünftige« für den Magen— herausschlagen ivolle, „Wer von euch hat den meisten Mumm?" fragte er, als da« Dorf erreicht war.„Du, Dicker", ivandt« er sich an mich,„du siehst am dämlichstett an«. So einen brauch iw. Und du Kleener, gehst bi» hinter das Kaff und wagest auf unt!" Ich bekam einen Genickstoß und mußt« vor dem Schulmeister hertrotten. Flinken Schritte» marschierten wir zu einem Hau». „Hier müssen wir Speck rausschlagen!" raunte er mir zu. Mehret« Hunde sprangen»in» bellend entgegen. Ich fürchtete, der Bauer werde mit seinen Knechten herbeikomme» und uns zum Tor« yinausprügeln. Jetzt erschien«im Frau am Tür- i gatter. Der Schulmeister macht««In« komische I Nerbenanna.* „Wie gut junge Frau, daß wir Sie so hübsch allein treffen!"— so ungefähr fing er an.„T" Herr Gemahl ist sicher zu Markte gefahren! Er bringt Ihnen was Feine» mit. Wir kominen nicht etwa Kalber koofen, wir sind ztvei ganz arme Reisende und bitten um ein« Unterstützung. Sehen Sie bloß da» arme Züngel da an! Das bat zu .Hause bloß immcr Prügel und Wassersuppe ge» kriegt und nun ist e« forigeloosen. Jetzt quiencht «» vor Hunger.— Immer ran, Dicker, daß dich die Leute ordentlich sehen! Wenn er den Rock auszieht, können Sie seine Rippen zählen. Ach, gute, lieb« Frau, erbarmen Sir sich, sonst verhungert er mir unterwegs. Wir haben schon seit drei Tagen keinen vernünftigen Bisten in den Mund gekriegt.. Ei der Tausend! Schockschwerenot! I» da» hübsche Mädel da Ihre Tochter? Gehn Sie und holen Sie uns ein gutes Stück Schinken oder Speck, damit wir wieder zu Kräften kommen!,.. Potz, Dunnerkiel, iS da»'n hübsche», stramme» Madel!" Mir wurde zum ersten Mal völlig klar, daß ich wirklich ein dämlicher Mensch war. Die Bauersfrau schien Int Zweifel zu sein, ob sie schimpfen oder lachen sollte. Leise redete sie mit ihrer Tochter, die sich verschämt hinter der Mutter verborgen hielt. Tas Mädchen hüpft« davon. Der Schulmeister redete immersört. Tas Mädchen kehrte zurück nnd hielt ein große« Stück Speck in der Hand. Mich erfaßt« das Entzücken und ein gierig«» Verlangen. Aber die Frau sah den Speck, riß ihn dem Mädchen unwirsch au» der-Hand und Wollte in»-Hau». Mit einem Sprunge war der Schulmeister am Gatter, griff nach der Fran und bekam eine» ihrer Schürzenbander zu fasten. Die Bäuerin schrie und drohte, dir Hund« fuhren auf den Schulmeister Io». Er aber rang über da» Gatter hinweg mit der Frau.. „Wollen Sie Ihre Tochter zum Geiz erziehen? Da» Diä-rl ist ein Engel ohne Flügel... Geben Sie her das Zeug!" Er hatte das Stück Speck, da»«in« halbe Spann« lang war, erobert. Ich glaubte, da» Geschäft sei erledigt, und da di« Bäuerin tüchtig schimpft«, beeilte ich glich, dje Straß« zu gewinnen. Ein Zuruf de» Schulmeisters zwang mich zur Umkehr.■ „Haste leone Bildung?" schrie er.„Rennt fort, ohne sich zu bedanke»!" Er nahm mich hinten an den Haaren und drückte meinen Kopf vorüber. „So sichst du, gehört sich! Und jetzt bitte hübsch, daß wir noch ein wenig Käs« kriegen! Ein paar kleine Käse! Ich esse sie für mein Leben gern!" T!e Fra» sah ängstlich und verstört auS, sic schien sich zn fürchten.„Bleib do!" b^ahl sie-em Mädchen»nd ging in oaS Innere-cs.HanscS. Baid kant sie wieder und reicht« schweigend eine nette Gabe über da» Gatter: Käse. Der Schulmeister dankte.„Fertig", sagte er und wir gingen davon. „Das war een« dufte Winde. Rich grade«um besten; aber intmcrhin dufte... Haste gefehn, wieS gemacht wird?" Wir waren fchon wieder In einem Hofe. Die»- mal trat nn» ein Baner entgegen. Er zog eine wollene Börse aus der Tasche und gab jedem von »ns schtveigen- etwas Geld. Wir danften und gingen weiter.„Mit solcher Sorte IS nichts anzufangen", belehrt« mich der Schulmeister.„Man muß e« den Leuten gleich an der Landkarte ansehn." Nachdem ivlr noch einig« Bauernhöfe besucht und überall Kupfermünzen erhalten hatten, gelangten wir an da» Ende de» Dorfe», wo Fran; auf nn» wartete. Auf einem Steinhaufen wurde gegessen. Dec Schulmeister zerschnitt mit seinem Messer den Speck in drei gleiche Teil« und zog Brot aus seinem Rockfutter. Während meiner Lehrzeit halte ich mir oft eingebildet, daß ich Hunger leiden müsse. Den wirklichen Hunger aber hatte ich nun zum ersten Male kennengelernt. Die Sonne war bereits im Sinken, ivlr waren meilenweit gelaufen und hatten während der langen Zeit nicht» genossen. Gierig biß ich in da- Brot, gierig in den Speck und dachte dabei, daß mir noch kein Esten so gut I geschmeckt habe wie dieses. WWWMWWWWtzWMWWWWWWMMWWMWWWMW^MW WWWMWMMMM Seite 6 Sonntag, 8. August 1888. Rr. 182. Aber aus- Sport ♦ Spiel»KBrnerpneae I VERLANGET UEBERALL n da§ Selm des Nasienbemuhkev II Prager Zeitung• Dir beiden Mitroparup-Jinalisten streiten sich um die Termine. Austria will am 27. August und 8. Septcmbcr spielen, das paßt dcr Ambrosiana nicht, die den 8. und 10. September vorschlägt, daß paß» der Austria nicht.... ustv. und nun werden die Beranstalter des Cups wieder zu Reisediäten koni men, um in einer Sitzung die Termine endgültig festzusetzen. Es muß alles so hübsch in Ordnung bleiben— von wegen des vielen Geldes... Slovan Wien beginnt seine SanierungSreise in der Tschechoslowakei heute mit einem Spiele in Brünn. Ob die Wiener Tschechen, die bekanntlich vor der Auflösung stehen, aus den Wotttslplclcn so viel erübrigen werden, um die Schulten und die Gagenrückstände an die Spieler abzahlen zu können, wird eine andere Frage sein. Melkers gehört d. Aealralorgav. Deutsche« fozlaldemoke. Arbeiterpartei »Sozialdemokrat"— Bon der Stefanik-BolkSsternwart« in Prag. Die Sternlvarie ist im August täglich, außer Montag, um 6 Uhr abends geöffnet. Massenbesuche von Vereinen werden um 9 Uhr cnt- gegengenonlmen, müssen aber vorher bei der Kanzlei(Tel. 46805) gemeldet werden. Beobachtet lverden kann ttnter günstigen WittcrungSvcrhält- nissen der Saturn, an besonders klaren Abenden auch die VenuS. Der Mond kann in der letzten Augustwoche beobachtet werden. Außerdem werden dem Publikum Doppelgestirne ustv. gezeigt. Di« Klinik für Orthopädie und Kinderchirurgie in Prag(Vorstand Pros. Dr. Zahradniekek) ist ab 3. August für die Aufnahme von Kranken gesperrt, da an der Klinik Adaptierungsarbeiten vorgcnom- men werden. Die Ambulanz der Klinik ist aber wie sonst täglich von ll bis l l Uhr geöffnet. Die Wiedereröffnung der Klinik wird durch die Presse mitgeteilt werden. ZÜNDER SÖLOV^VÄ.S. l. Der- ein» ins- . Sie machte die auserkorenen Opfer in sich verliebt und gab sich dann mit ihnen auf einem nienschen- leeren Platz ein Rendezvous. Die Männer, die zum Stelldichein erschienen, wurden von ihren Komplizen empfangen und unschädlich gemacht. In allen 21 Fällen erhielt sie anstandslos daS gewünschte Lösegeld. Nun soll es ander- lverden. Roosevelt will die Todesstrafe gegen Menschellräuber einführen. Ob diese drakonische Maßnahme etwas nützen wird, ist allerdings noch recht fraglich. -tzanS Schreyvogel. — Alfa: „Auf der Spur/ Hollywood: ,"— Hvözda:„Die fliehenden — Julis:„Die weiße Welt."— .: Zeitbilder, Grotesken, Report.%3 „Phantom der Rennbahn.'— — Lucerna:„Don ,Ein Walzcrlramu."— '.*— Praha: 2 campo 1 o Die weiße — Avion: — Pastat: jubelt.'— Favorit: '— Kapitol:„Unter falscher „Die Dame vom Maxim."— — Louvre: Roxy:„Die :„Tie Flucht „Mädchen zum Heiraten." —(Illusion: „DäS Schiff eine Maiestät presierbriefe, in denen ihnen der Raub ihrer Kinder angekündigt wurde, falls sie nicht gut- lvillig Lösegeld erlegen. TV!r Meirschenraub ist in Amerika ein derart gut enttvirkelter Geschäftszweig. daß kürzlich in Colorado eine Banditeininiversität siir Menschenraub gegründet wurde. An dieser Hochschule unterrichten erfahrene Meister junge Menschen beiderlei HieschlechteS über die besten Methoden in der Kunst der Hochstapelei und deS Banditentums. Der Menschenraub tvar aber eines der Hauptfächer dieser Hochschule. Margyt Bahne, ein hübsches 26 Jahre altes Mädchen, war die Profesiorin für Äeikschenraub. Eines TageS denuit-ierte ein verliebter Schüler, der die Professorin hoffnungslos liebte, diese sonderbare Erziehungsstätte der Polizei, und so konnte die Verbrecher-Universität gehoben lverden. Die schöne Margit gestand bei ihrer Haftung, daß sie bisher nicht weinger als undzwanzig Männer raubte und für diese gesamt 320.000 Dollar Lösegeld erhielt. lvollte daS Kind in seine Anne nehmen. daS Kind bewegte sich nicht; es starrte nur mit groß aufgerisseilen Augen in die Ferne. Der Baler ahnte Bö'es. Er berührte den Körper seiner Tochter. Der Körper war kalt, das Mädchen tot. Nun kam das Schrecklichste. ES stellte sich heraus, daß die unteren Extremitäten fehlten. Der ruchlose Mörder halte das Kind erst geschän det, dann getötet und die Leiche verstümmelt. Ter Mörder wurde einige Wochen später in der Person eines 20jährigen Burschen namens Hitllnann gefunden. Hittmann wurde der Prozeß gemacht. Er wurde, da es in LoS Angeles keinen elektrischen Stuhl gibt, zum Tode durch den Strang verurteilt. Seit diesem Mord lverden in Amerika jahr aus, jahrein viele hundert Kinder und Erwachsene geraubt. Heute gibt es in der USA. eine richtig organisierte Unterweltindustrie des Kinder- und Menschenraubes. Die meisten Fälle kommen der Polizei überhaupt»richt zur Kenntnis. Unter dem Druck der Todesdrohungen von Seiten der Perbrecher schweigen die betroffenen Angehörigen und zahlen anstandslos die georderte Summe. Im Jahre 1932 wurde der Polizei die Cnl- führung von 279 Menschen gemeldet. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres aber schon 193. Voriges Jahr wurde auch Hollywood von den Menschenräubern arg heimgesucht. Viele berühmte Filmstars, u. a..Harold Lloyd, Douglas Fairbanks und Nornia Shearer, erhielten Er- Filme in Proper Liditspieinausero bis einschließlich Donnerstag, den 10. August. Adria:„Don Quichotte."— Alfa:„Tai- 1 un."— FSnix:„Au f der Spur.'— Flora: „Die Flucht nach Nizza."— Hollywood:„D a S blaue Licht/' Wb' Schatten." Klnoma B. d. bis>411.— Koruna: Kotva:„D o n Quichotte? Quichotte."— Metro:„i Passage:„Der Raub der Mona Lisa? „Der Rächer des Texas."— Staut:" —das Gassenmädel."— Svilozor: W e l t."— Alma:„Der Liedersänger." „Das Geheinmis der dritten Nacht." „Paris liebt und .„Kameradschaft." Flagge."— Konvikt:„Die Dame vom Maxim? Lido:„Paris liebt und jubelt." „Bomben aus Monte Carlo."— I Dame vom Maxi in'— Valdel: nach Nizza."— Belvedere: — Befeda:„Acht Mädel im Boot." „Bomben über Shanghai."— Sport: der Selbstmörder.'— U Bejvodu:„2 der Reisende." VOLKS 9ltenf^«irauP in Amerika. „Kidnapping".- 3« sechs Monate« 198 geraubte Measche«. Amerika versucht jetzt, die Entführungs- banditen auszurotten. In der letzten Zeit arbei teten die Banditen derart dreist,-aß sich nun auch der Staat gezwungen fühlt, einzugreisen. Die Unierwettindnstrie des Kinder» und Men» ichcnraubeS ist für die USA. keine Neuigkeit mehr. Als Lindberghs Kind entführt und er mordet wurde, erregte dieser Banditenstreich in der ganzen zivilisierten Well Abscheu. Schon da mals wollte man den Menschenräubern ihr Handlvevk legen. Aber eS blieb nur bei dem Wollen. Zum erstenmal wurden in Amerika Men schen vor 22 Jahren geraubt. Zn jener Zeit waren aber diese Entführungen sozusagen „interner" Art; denn die Unterlveltler raubten die Kinder ihrer Schicksalsgenossen. Geriet zu jener Zeit ein„Gangster" in MeinnngSverschic- deicheiten mit einem andere», so wurde ganz ein fach das Kind des Gegners geraubt, um auf diese Weüe in dem Streit die Oberhand zu ge winnen. Schon damals wurde für die geraubten Kinder Lösegeld verlangt. Dieses bewegte sich aber in angemessenen Grenzen. Für gewöhnlich betrug es 500 Dollar und überschritt nie die Grenze von 2000. Im Laufe der Jahre fanden aber die Pan diten Geschmack an dieser fast ungefährlichen Be schäftigung, und die Lösegeldfordenlngen wurden unaufhörlich erhöht. Im Jahre 1921 verlangten sogar einige Banditen für die Freiheit eines geraubten Kindes nickst_ weniger als 200.000 Dollar. Das Kind gehörte einem Unterwelt mann, und dieser lvollte utld konnte die gefor derte Summe nicht zahlen. Nach langwierigen Verhandlungen einigte man sich schließlich auf 75.000 Dollar. Zu jener Zeit gab eS aber nur gelegentliche Entführungen. Der Menschen, und Kinderraub wurde noch nicht als lohnendes Gelverbe be trieben. Erst im Jahre 1923 ist der„Kidnapping" sozusagen industrialisiert worden. Detroit, Chi cago und St. Louis waren die.Hauptzentren der Entführ» ngsbandeu. Sie richteten ihr Augen merk aus die Kinder der reichen Kaufmanns familien, entführten diese mit allerlei List, oft mals auch mit brutaler tHcwalt, traten dann mit de» Angehörigen in Perbindung und erpreßten auf diese Weise ziemlich hohe Summen. Wollte die Familie nicht zahlen, so wurden die entführ- ten Opfer regelet gefoltert. Ein 18jähriger geraubter junger Mann, der Sohn eines Chi cagoer Millionärs, wurde z. B., als der Vater, statt Lösegeld zu zahlen, die Hilfe der Polizei in Anspruch nahm, in eine» Taucheranzug gesteckt und aus den Meeresgrund hinnnlergelaffen. Um seine Qual zu erhöhen, hatte man ihm nur unzu- reichend Luft zugepumpt. Als der junge Mann wieder hcransgezogen wurde, zwang man ihn, in einen» Brief dem Vater über die ausgestandenen Torturen zu berichten. Dieser Brief hatte den gewünschten Erfolg: Der Vater zahlte das ge forderte Lösegeld, und der junge Mann wurde wieder frei. -Im Jahre 1926 ereignete sich in LoS Angeles ein reckst schauerlicher Fall. Eines Tages wurde die zwölf Jahre alte Tochter des Bankkassiers Parker geraubt. Der Vater setzte alles in Be wegung, um seine Tock)ter wiederzufiuden. Die Polizei konnte aber nichts ausrichten, und auch die Arbeit der Detektive blieb erfolglos. Einige Tage nach der Entführung kam ein Brief. In diesem Schreiben wurde bet Vater angewiesen, an einem bestimmten Platz 5000 Dollar einem Mann zu übergeben, der im Auto vorfahren werde. Der Vater erfüllte die Forderung deS Drief- schraiberS. Er erschien mit dem Geloe aus dem besagten Platze. Der Mann erwartete ihn, nahm daS Geld an sich und sprach:„Airs der anderen Straßenecke erwartet Sie Ihre Tochter!" Der glückliche Vater eilte zur nächsten Straßenecke und fand dort, an eine Gaslaterne angelehnt, seine Tochter. Er lies zu ihr hin und De SchtnchlnMr. Bon Lene Voigt. „Nee, so ä Glick, daß'ch Ihn wieder ämal brasse", freut sich die gute Bammlern, mein liebstes„Modell", als wir da neulich aus dem Leipziger Königsplatz fast zusammengerannt wären. Erst einge Fragen hin und her nach dem beiderseitigen Wohlergehen, dann setzte die brave Seele eine gewichtige Miene auf und verkündete mir, wie ich das von ihr nicht anders gewohnt bin, „s Allerneiste". „Wissense denn ooch, daß mei Gräitzchen aus- änandergegracht is? Jawohl, doddal nfsgeleest Hammer uns alle simse. Un warum? Wachen so änncr neimodschen Sckstahlngättc, Gommse, mir- machen jeh ämal in änne Gondittcrci nein un dadrbei erzähle ich Sie dn ganzen Salad aus- sierlich." Wir suchten uns also einen ungestörten Winkel im nahegelegenen Kaffeehaus, und die Bammlern legte weiter los!„Sc Hamm doch nadierlich ooch schon von Funkschmück geherrt, nick, wahr? De een glomm dran un de andern nich. So warsch ooch bei uns im Gränzchen. Ta habbch gesaacht, dr Mansch muß ähm alles ärscht ansbrobiern, bevor änne»»eie Sache beurdeilt warn gann. Na und da sin mer eenes Daaches alle Fimfc in so ä Laden neingerammelt, nm änne Wundergätte ju goosen. Selbstverschtändlicki eene fier alle- pl- samm, die dann reihum gehn sollte. Wär ähm grade seine Gobbschmärzen hatte oder sein Rci- madismus, där war dran mitn Draachen. Mer Hamm änne wärklich geschmackvolle rausgesucht, lauder gleene grine un gaffeebraune Bärllchen, was ja ooch zu alln Gleedern bassen dut. Un drotzdäm fing oadrmit's Unglick fiersch Gränzchen an. Bassen Se mal off: Sc warn grade alle bei mir. Ta grichte uff eenmal de Billeritschen ä Goller un fauchte de Mnshackcn an, se hätte van där ärscht de Wadenarämbse gegricht, denn seit se diräkt ncchr de Gälte gedraachen hätte, wärsche's ärschte Mal drvon befall» worden. Frieher hättest von solvas überhaupt nischt gewußt. Meine Mus- Hacken hnbbt in de Hehe, schmeißt drbei's Millich- gännichen runter. —— Se wissen doch; das hibsche mit»» Schtreibliemchenmuster— un fährt uff de Bil- lcritschen los. Nee, so äune Gemeeheet lvärer doch in ihrn ganzen Läbn noch»ich vorgegomm'. Ncr ich reimte schuällS gude. Gescharre ab, denn im sälm Oochenblicke behaubtete nämlich ooch de Gnallerten zur Mählhornschen, ihr wärsch mitn Ohrnsausen ganz genau so gegang. Borhär hättese solche Gobbgereische bloß vom Heernsaachen gegannt, un' seit se de Nachfolcherin bei dr Götte von dr Mählhornschen gewäsen wäre, da genn- teseS vor Sauserei ums Drommeltfäll rum nich »nähr aushalten. Druff sinse mitn Häkelnadeln uffänander losgegang, awer da habbch mich drzwischgemängt un habbe gedrillt:„Hier in meiner friedlichen Buwerzche ward geene Saalschlacht ausgefochten! Wenn Zlveeä was mit- änander auszuwärchen Hamm, dann sollnse das draußen im Frei» erledchen, wie das de Mann- sen aus bäsicrn Greisen mitn Duälls ooch so machen.(Ich weeß das nämlich von mein friehern Schtlldänten, wo solvas estersch vorgegomm iS.) Un wiese nu gar»»ich uff mich Heern wollten, da habbch von mein Hausrächte Gebrauch gemacht un habbe de ganze Golonne zum Dämbel nausgeschmissen. Sähnse, so is das gegoinn» mit dr Uffleesung von unfern scheen Gränzchen. Geene von allen Biern habbch feit där Zeit wiedergesähn. Un ich wäre doch nich de Aerschte machen mit dr Ber- sehnung. Wiech bahn an däm Uirglicksahmde uff mein Däbbich gucke, da säh'ch doch äwas Glitz- riches liechen. Un was isses? de dreimal verflixte Schtrahlngätte! Se genn mersch glomin oder nich: die hat so niedertrachtch geleichtet und gefunkelt, als wolltest unsereen noch verhehl»! Nee habbch da gesaacht, das gibbts ja nu nich, habbse ange- backt un bin mitr»lieber dorch de Anlaachcn nach dr Bleisie hingesockt, habbse hochgeschwung und mit ä Glatsch nein ins Wasser befärdert. So habbcher nachgcbrillt, d»» sollst geen Unfrieden mähr'unter dr Mänschheit schtiften, du schillriches Ungeheier, du! i« VIE soniAklr. FRISCHE NUR MIT LAKEROL-TABLETTEN. 81« wirken durststillend und erfrischend, beugen Heiserkeit und Infektionen vor. Unser Blatt der„SozialdemoKrar ist in Prag in folgenden Berfchleitzstellen zn haben: Bahnhofsbuchhandltinir, Wllsonhnhnhof. Nuit^k. bahnhof, Donlsbahnhof. Bnrtiik, Trafik, Prag II., Tyinor 2. Burok Hugo, Trafik, Prag I„ Staromiibki n|, mf.sti 32. Hodrova, Trafik, Smfchov, nibf. legll 13. Jollnkovn, Trafik. Näsle II„ Moitni domy..Ur. fbrniy“. Kotyza Jan, Trafik, Smlehov, Zborovakd tf. U, Krauaova A., Trafik, Karlin, Krilovaki 14. KroJSIk A„ knlhkupcctvt, Prac-Ltebcn,- Kralov- skii 1511. Kroupa JlndF„ Trafik, Prag IT- Ralfnovo nibf, stdnek 114. LUwcnaohn Karl, Trafik, Präs IU Nekazanka l Mare* Josef, knlhkopcctvi, Prag-Bubonfi, ul. tit. Brdfa 24. Monik, Trafik, Präs I., Parlament. Mrdikova, Trafik, Prag I., JosefakätK aUnek Ul, Mrdz Jan, Smichov, Radllekd tf. 43. Orbis A.-G., ZeitnnffsvorschlelB, Praha XI1„ Po- chova tf. 62. „Prag***, ZoltungsvonehlelB, Präs II., Havlffkoro mim. 23. Sedldk Viclav, Trafik, Dejvlce, Svecova. Skrabkova Anna, Trafik, Dejvlee, Hennorory üfcdnlckft domy 280. Strouhal Artur, Trafik, Prag IU M Mostccki 40. Tausslr E„ ZoltuncsvorschlcIQ. Prag II„ VOelav* ski näm. 45. Untermann Rudolf, Prag II„ Panski bei Palast* hotol. Üstfednf dfiln. knthkupeetvi, Svficcn#, Prag II, Hybernskd 7. Zemann, Trafik, Prä* I„ Perlten. Fenzl, ZeltunKsverschlelD, Prar II» Smctky 8*1* Und bei StraOenvcrkünfern: Wonxelsplats— Möstek— Masarykbahnho!— Wilsonbahnhot. Bad Liebwerda geblrge. Herz-, Rheuma-, Frauenleiden. Nervönc. Erholung»- bedürftige. Heilung und Kcrionauronlhalt. Niodr.ge Preis«. 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