Slvzelprek 70 Heller. ^Einschließlich 6 Heller Porto) 13. Saoraano. Dienstag, 8. August 1933 Nr iS3. Aussig im Zetmen der roten Jugend. Der Internationale Arbeiter-Sport- lind Spieltag hat zum Mißfallen des sudetendeutschen Bürgertums einen geradezu überwältigenden Verlauf genommen. Er war eine Widerlegung der albernen Märchen von der „sterbenden Sozialdemokratie", eine kraftvolle Polomik gegen die Aufsitzer bürgerliche Presse, die noch am Samstag von einem völligen Fehlschlag der Veranstaltung zu faseln wußte. Wir haben an dieser Stelle schon den Opfermut gewürdigt, der all die tausenden Jungen und Mädchen beseelte, die, der Widerstände nicht achtend, nach Aussig gekommen sind. Dieser Opfermut des Einzelnen— er wurde zum herrlichsten Beweis sozialistischer Stärk«, die sich in der politischen Kundgebung am Samstagabend und in den« mitreißenden Aufmarsch a,m Sonntag kundtar. Tie Veranstalter halten in Anbetracht der schlechten wirtschaftlicksen Verhältnisse mit einer Beteiligung von höchstens 3000 gcrcch nei. Der Spiel- und Sporttag wuchs jedoch schnell über diesen Nahnren hinaus. Nicht weniger als 6000 uniformierte Turner und Sportler marschierten", in Aussig, mif!. Hiezu kamen die Naturfreunde und diein unabsehbaren Mengen erschienenen Angehörigen der übrigen proletarischen Orgamsationen, die sich dem Fcstzug anschlossen und am Sonntag das Stadion bevölkerten. Früher war cs wohl so, daß sich auch Gegner proletarische Veranstaltungen ansahcn. Die tiefe Kluft, die sich nun zwischen uns und ihnen aufgctan hat, machte auch dieser„versöhnlichen" Haltung„neutraler" Bürger ein Ende. Haß und Ablehnung schlägt uns von bürgerlicher Seite entgegen. So ist cs doppelt bedeutsam,.daß 20.000 Menschen im Stadion versammel« waren. E s waren nur Genossen, Menschen, die sich zum Sozialismus bekennen und den Internationalen Spiel- und Sporttag als willkommene Gelegercheit benützten, um ihrer Gesinnung offen Ausdruck zu geben, nm in dieser Zeit der Gleichschaltung alles dessen, was ein Bürgerantlitz trägt, ihre Treue zur so-ialisti- schen Bewegung und damit zu den Kulturerrungenschaften der Menschheit zu beweisen. Es Warrn freilich auch Gegner in dem dichten Spalier, das die Marschierenden begrüßte. Sie werden belehrt nach Hause gegangen sein— mit einer starken Erschütterung des Glaubens an bürgerliche Zeitungsberichte. Sie haben nicht nur eine Jugend gcschn, die stolz und opferwillig ihre Gesinnung äußert, sondern auch eine Jugend, die sich trotz ihrem sammervollen Proletaricrdasein Gesundheit des Geistes und Körpers bewahrte, eine Jugend, die kämpfen kann und will. Am Samstag abends lohte die Erbitte- rung der Versammelten zu Heller Flamme auf, als die Redner der Verfolgten und Gemarterten jenseits der Grenze gedächten. Immer wieder, wenn festgestclli wurde, daß der Tag der Abrechnung kommen wird, brach sich die Leidenschaft der Massen in stürmisck-en Zurufen Bahn. Diese Abrechnung wird erfolgen, dafür ist das Vorhandensein, dieser Jugend eine Gewähr! Aber sie wird nicht allein in der Erfüllung des Grundsatzes Äug' um Äug', Zahn um Zahn bestehn— das wäre zu wenig, smrdern in der dauernden Sicherung proletarischen Lebens, in der dauernden Sicherung inenschlicher Freiheit und Kultur. Die Mörder und ihre Helfershelfer, das gleichgeschaltete Pack, das sich jeder Schandtat freut, di« an wehrlosen Proletariern begangen wird — sie haben Grund, zu zittern vor der Rache Der Festzug ein a. der Gepeinigten, deren Vollstrecker die proletarische Jugend sein wird! Das Proletariat hat Anlaß, der Zukunft hoffnungsfrcudig entgegcn- zusehn, die bei dieser Jugend in besten Händen ist. Die Massenffreiübungen. Unser Tag wird kommen! An I ihm wird diese Jugend kämpfen und siegen. Sic bereitet sich bei Sport und Spiel auf ihn vor, ihrer großen Sendung bewußt, der Menschheit Würde zu wahren und zu heben. Wir schwören: Treue unserer Partei. Mr geloben: Kamps der Reaktion, Kamps dem Faseismus, Kamps der Barbarei. Wir wollen, daß die arbeitende Klasse srei werde von jeder Ausbeutung.— Mr wollen, dost der deutschen Ar „40 Millionen Mark Vermögen National geben. Es war einfach großartig— und schwer mit irgend etwas zu vergleichen In Aussig wurde dir verantwortungsvolle Frage bcantwor- tct, die oft aus dem gegnerischen Lager gestellt wird: Mil>vem geht die Jugend? Aussig hat klar und eindringlich gcantivortct. Es wurde aufs neue bestätigt, daß auch der ärgste Angriff auf die Arbeiterjugend diese nicht vom Eintritt in die sozialdciiiokratischen Rcihrn abhalten kann. die Rückkehr zur alldeutschen Politik verschärft. Die wesentlichsten Züge dieser Reaktion sind da» Andauern der antisemitischen Verfolgungen und die Verstaatlichung des Katholizismus, die Verherrlichung des politischen Mordes, die systematische Hetze zum Kriege und die Entivicklung eines Rassenmaterialismus. Es handelt sich nni unbestreitbare Wahrheiten, schließt Herriot, die er ohne Leidenschaft und ohne Haß fcststellen nn'isic mit dem liefen Vedanern, daß Deutschland, das in gewissen Stunden in so hohem Maße am Werke der europäische» Zivilisation mitgear- bcitct hat, nunmehr so tief gesunken sei. Unter diesen Umständen müsse die französisch-.' Republik mehr denn je der geistige Hort aller Freiheiten in Europa bleiben, die durch den Nationalsozialismus verfolgt werden. Stadion,)vo sich inzwischen lebhaftes Fcsttreiben\ ligen. Die ungeheuren Eindrücke, deren Zeugen und ein ailsgedchnter sportlicher Betrieb ent-j wir waren, lassen sich mit Worten nicht wiederwickelt hatte. Tie Besucherzahl im Stadion ist' mit 20.000 sicher nicht überschätzt. Paris, 7. August. Ter Vorsitzende des Aus- tvärtigcn Ausschusses der Kammer, Ministerpräsident a. D. Herriot, veröffentlicht in der heutigen Ausgabe des„Petit Journal" eine Philippika gegen das neue Deutschland. Herriot schließt seine Ausführungen, wie folgt: Man fragt sich ost, ob daS nationalsozialistische Deutschland den Krieg oder den Frieden will.-Ich. bin überzeugt davon, daß cs eine Periode des Friedens braucht, um systematisch und wissenschaftlich einen Krieg yorznbcrcitcn. Tas ist auch der Grund für den geschickten Beitritt Deutschlands zum Virrniächte- pakt. Ter Nationalsozialismus hat das deutsche Volk nm die soziale Revolution betrogen. Das deutsche Volk wird diesen Betrug bald merken, denn wir sind überzeugt davon, daß die Arbeitslosigkeit in größtem Ausmaß fortbesteheii wird. I Andererseits hat sich die politische Reaktion und Herriot gclsclt Hitler. Hiller braucht den Frieden, um den Krieg vorzubereiten. Um 12 Uhr mittags begann der Zustrom der Fcstteilnchmcr zu ihren Sammelplätzen in den Längsstraßcn und Nebenstraßen zum Markt- platz. In leuchtenden Viclsarbcn zogen die Fußballer aus, die Marktgassc glich einem Heerlager in Blau und Weiß, cm Wald von Fahnen wogte in der Sonne. Knappe Anweisungen, kurze Kommandos klangen in den sonst geschästsstillcn Gassen und in kurzer Zeit standen die Hellen Scharen der Turner und Turnerinnen abmarschbereit. Um 1 Uhr kündeten Hornklängr und Marschmusik den beginnenden Anmarsch seststolzer Ar- beitermasscn, die in mustergültiger Ordnung auf dem freigehaltencn Marktplatz auszogen, Bild imposanter Geschlossenheit. Nach- kurzen begrüßenden Worten der Genosse» P o vapka und P ä L a setzte sich der Festzug, von tausenden Frcihcitsrufen der umsäumenden Menschenmengen begleitet, in Bewegung... ,. Ihn leiteten lange Reihen der deutschen und tschechischen Radfahrer ein, wie man überhaupt sagen kann, daß der 1. Internationale Sporttag der wohl bisher größte Aufmarsch der proletarischen Radfahrer war. Daran schloß sich eine kleine Delegation des polnischen Verbandes in der Tschechoslowakischen Republik. Deutschland Im Zuge. Eine Tafel verkündigte„D c u t s ch l a n d". Tann folgte ein großer leerer Raum, den wohl unsere Freunde aus Deutschland mehrfach gefüllt hätten, wären sic noch in Frcihcit. So aber wurden die freien Sportler Heloten des Hitlcrrcgimcs. Tic Ailfschristen»ichrcrcr Tafeln verkündigten da Schicksale beiterturner:„*“ gestohlen,— Körperkultur nur für svzialistcn— In Konzentrationslager gesperrt — Aus Arbeiterhcimen und Raturfreundch'ttcn wurden SA-Kasernen." Dieser Teil des Fcstzugcs machte überall tiefsten Eindruck, Irdvo Hdn“ Über dos Aussiger Turncrfest „Veöernik Pravo Lidn" vom Montag widmet dem Aussiger Turnfest auf der ersten Seite unter cinrui dreispaltigen Titel eine eingehende j Betrachtung, in der cs u. a. heißt: Ans allen I Ecken nud Enden der Republik kamen zahlreiche , Delegationen deutscher und tschechischer Arbcitcr- > an dein Es folgten sodann Abteilungen der Ord ner in ihrer schmucken Tieustlleidung und dann in langen Reihen die sack ae Fahne in ibrer Mitte die S 0 z i a l i st i s ch e Jugend. Ein ungemein farbenfrohes, lebendiges Bild! Ihr folgten tschechische Arbeiter- t u r n c r und Turnerinnen, deren strammer Marsch mit Licderklang besonderen Ein- druck machte. Ihnen galten vor allem die begeisterten Zurufe aus dem dichten Spalier. Hinter flatternden Vcrcinsfahncn, die in ihrer Buntheit unvergeßlichen Eindruck machten, marschierten in langem Zuge die T u r n c r i n- nen in Uniform, dann rote Sturmsahnen und Turner in Uniform. Tic neue einheitliche Kleidung gab ein packendes Bild von Einheit lichkeit und Geschlossenheit. Neue Fahnen leuch teten auf, und wieder neue Scharen von Tur nerinnen und Turner, diesmal in Leibchen und Hose. Ein recht farbenfrohes Bild bot auch der stattliche Zug der F u.ß baller in Dreß, die gleichfalls mit roten Stiirmfahncn ausmar- schiertcn. Ihnen schloß sich ein starker Zug der Naturfreunde mit drei leuchtenden roten Fahnen mit Abzeichen an der Spitze, an. Tann folgten die Reihen der Aussiger Arbeiter, ein schier endloser Strom, der sich, je näher er dem Stadion kan«, immer verlängerte und verbreiterte. 6000 im Festzug 20.000 im Stadion! Im Festzuge wurden rund>>000 uni formierte Teilnehmer gezählt und 140 Fahnen getragen; sein Vorbeimarsch in flottem Tempo dauerte 34 Minuten. Seine Spitze schwenkte 13.20 Uhr in die Tcplitzcr Straße ein, turner und-Sportler, damit sic sich sein Ende erreichte II Uhr 35 Minuten das Ersten Internationalem Arbcitersporttag bctei- Ne-b Abschluß der sportlichen Wettkampf sammelten sich nach 3 Uhr nachmittags Turner und Sportler auf den Stellplätzen, um dann in acht gewaltigen Säulen zu den internationalen Massen-, ireiübungcn am oberen Platze des Stadions aufzumarschieren. Es waren rund töM Freiiibungs- turncr und Tnrnerinne» ausgetreten. Tic Freiübungen, die mit bemerkenswerter Exaktheit geturnt wurden, waren ein herrliches Schauspiel. Immer wieder, wenn eine neue Bewegung über den weiten Platz rollte, ergaben sich neue Farbenzusammenstellunge». Tas Braun der lportgcstählten Körper, dys lenchlcndc Weiß der UcbungSkleidung, da und dort roie Tupfen im Bild, die Kopsbeklcidung der tschechischen Turnerinnen, die roten und bunten Fahnen, die den Aufmarsch begleiteten und die Szenerie wirksam abschlosscn, und über all dem daS flutende Licht eines herrlichen Sommcrnachmittags: cs war eine berauschende Symphonie von Schönheit und Kraft. Fuhncnsdiwur. Nach vollendeter Hebung sangen die Massen baS Lied:„Brüder, zur Sonne, zur Freiheit!" Hunderte geballter" Fäuste reckten sich znm schwur gen Himmel: Wir schwören: Treue der Arbeiter-Sportbewegung unseres Lande-, der sozialistischen Arbeiter.Sportiutcrnationalc. die arbeitend« Klasse gesund und kraftvoll werd« siir liniere» Kamps. Wir geloben: Kamps für den Sozialismus, Kamps für die Freiheit. Ans dem rauschenden Beifall ringt sich dann daS alte Kampflied empor, reißt die Masten in feinen Bann, bis der gewaltige Chor der Tausenden, die die Kampfbahn erfüllen, in den Ausruf auSklingt:„Tie Internationale wird die Menschheit sein!" Mit diesem Höhepunkte eilte der Sporttag seinem Abschluß zu. Noch wurden auf den einzelnen Spielfeldern Fußballkämpfc dnrchge- sührt, sportliche Leistungen vorgezcigt, dir an Akrobatik grenzten und allgemein bewundert wurden. Tamit war ein überaus reichhaltiges Programm des Festes erschöpft, das über seinen ursprünglichen sportlichen Bahnen zu einer gewaltigen und eindrucksvollen Denionstration für Arbeitersport und Arbeiterbewegung wurde. Tic I Veranstalter, die im Zentralratc vereinigten Körprrknlturvrganisationrn dürfen stolz auf ihre Leistung sein, binnen weniger Wochen eine derartige Veranstaltung organisiert nud ihr Pro- granini reibungslos dnrchgeführt. zu haben.. So wird der gUtgclnngenc t. Internationale Ar bcitersporttag.für sie wir für dir gesamte Arbeiterbewegung eine Quelle neuer, vermehrter Kraft zii künftigen neuen Aufgaben und Kämpfen sein. ch ch Hk Seite 1 Dienstag, 8. August 1988. Nr. 188. Niederträchtige Denunziation Dr. Czechs durch den„Tag“. Nun aber Heidt es Arbeit Waffen! Die gemeinsame gewerkschaftliche Landeszentrale über die Regierungsverordnung betreffend dir Arbeitslosenunterstützung. Die gemeinsame Lande-zentrale Odborvvö sdrniieni üeskoslovenskö hielt ain 3. August eine Sitzung ab, die sich mit der Regierungsverordnung über den Staatsbeitrag zur Arbeitslosenunterstützung beschäftigte. Sie nahm da« Bor gehen zur Kenntnis, mit welchem sich die Landeszentrale gegen die unbegründeten Forderungen des Finanzministeriums und der bürgerlichen Parteien gemehrt hat. Sie stellt aber neuerlich fest, daß die Frage der Arbeitsloscnfür- sorge nicht mit ihrer neuen Rcgtlnng oder mit der Herabsetzung der Unterstützungen gelöst ist, sondern einzig und dauernd nur durch Maßnahmen gelöst werde» kann, durch welche die Arbeitsgelegenheit erhöht und verbreitet wird. Deswegen erhebt die Landeszentrale neuerlich die Forderung nach Regelung der Arbeitszeit, Sicherung der Kündigungsfristen, Regelung des Paragraph 82 der Gewerbeordnung und der ArveitS- verinittliing. Notwendig ist auch raschestenS die Verpflichtung der Unternehmen auszusprcchcu, zu den Auslagen des Staates aus der Arbeitslosenunterstützung einen Beitrag zu leisten. In der Debatte wurde srstgesteüt, daß der Kampf um die Regelung der Arbeitslosennnterstütznng nicht beendet ist. Die Gewerkschaften stimmen mit der Vereinheitlichung der Untcrstütznngsfürsorge insbesondere mit einer ordentlichen Kontrolle überein, müssen aber entschieden jede Maßnahme ablehnen, die zur Verteuerung des Apparates und zu größerer Belastung der Organisationen und Staatsämter führen würde. Anträge dieser Art wären in direktem Gegensatz mit den Grundsätzen, die bei der Vereinfachung der Vcrtvalluug Vertvirklicht werden können. Au den„Tag"! Neuerdings jammert„Der Tag" über die Vernichtung der Demokratie, die dadurch erfolgt sei, daß nationalsozialistische Bürgermeister nicht ernannt tvcrdcn. Obzwar wir zu dieser Angelegenheit schon Stellung nahmen, sind wir bereit, mit dem„Tag" eine Diskussion abzuführcn. Wir stellen nur eine Bedingung. Die nämlich, daß er nachweise, gegen die Vernichtung der Demokratie durch die Hitlerbanditcn, die bei der Aberkennung der Mandate gegnerischer Volksvertreter nicht Halt machten, auch nur c i n Wort geschrieben zu haben. „Der Tag" rede nun! Schweigt bitte! Tie Naziprcssc fängt an, sich wegen deS Abbaues der Arbeitslosenunterstützung aufzuregen und spielt sich geradezu als Schützer!» der Hungernden auf. Wir raten ihr, zu schweigen! Cs könnte sonst sein, daß wir über die Bemühungen um die Arbeitslosensursorge reden, dir die Nazis zu einer Zeit unternahmen, da die Staatskassen voll waren. Der„Tag" hat am Sonntag die sudetendeutsche Oesseutlichkeit mit der Nachricht überrascht, daß das Ausscheiden des Genossen Czech aus der Regierung unmittelbar bevorstehe. Vier« s p a l t c n t i t e l:„Vor dem Sturze des Ministers Czech" und darunter rin« ganze Reihe niederträchtigster Denunziationen und Giftmischereien! Schon seit Wochen bemüh» sich die Jung- fascistrn um ein gutes Einvernehmen mit den tschechischen Agrarirrn. Erst haben sie Tag um Tag die„Staatsfeindlichkrit" der deutschen Svzialdcmokraieii aufgczrigt und die Gefahren in den düstersten Farben gemalt, die für die Tschecho- slowakische Republik aus der^sozialdemokratischen Wühlarbeit", nämlich aus unserem Eintreten für Recht und Wahrheit, entskehcn könnten. Nun haben sie, di« unentwegten Gleich- ichalter und Gnering-Freundc, eine neu« Methode gefunden: sic bemühen sich um die Freundschaft der tschechischen Agrarpartei, indem sie sich die Argumente der tschechischen Agrar- presse gegen den Genossen Dr. Czech zu eigen mache», von dem sie sage», daß er seine.Hauptaufgabe in der politischen Hetze gegen Deutschland und in gelegentlichen Ausfällen gegen die übrigen Koalitionsparteien sehe.— Ta hat man also zwei Fliegen mit einer Klarste: man hat sich an Hitler» n d an Branv angchündclt. So kanns nicht fehlen, daß der„Tag" auch»och die Bereit- schafi der tschechischen Sozialdemokraten erlügt, den Genossen Dr. Czech im Stiche zu lasten. Sie rückten, meinte er,„zusehends von ihm ab". Dabei passiert den Herrschaften das Unglück, daß an dem gleichen Tage, an dein sie's in die Druckerei gaben, di« Ueber- sctzung eines im„Pravo Lidn" erschienenen Artikels vorlag. in dem sich die tschechischen Genossen eindeutig hinter Czech stellen und ihn den fleißigsten Minister der Republik nennen. TaS kommt davon, wenn nian sich als tüchtiger„Tag"- Rcdaktcur über die tschechische Presse aus der „Iudetendcukschcn Tageszeitung" informiert! Wir seien„bedingungslose Gefangene der Koalition", nieint der„Tag". Tas ist zwar sehr schlechtes Deutsch, aber darum noch nicht wahr, wie lveiter oben bewiesen wird. Denn wenn die Aefangenschast so„bedingungslos" ist— wie kann es dann bei den tschechischen Agrariern Unzufriedenheit mit uns geben und gar eine solche, die geradezu zur Aechtung Dr. Czechs führte? Daß aber- der Wunsch der„Tag"-Redaktrure Vater ihrer verkrüppelten Gedankenkindcr ist, Drahtwerk Reu-Oderberg plant Massenent- lassunarn. Mittwoch, den 2. August, wurde dem BetriebSausschusse de« Neu. Oderberger Werkes über rasche ndcrwcise eine Entlassungslistc überreicht, worauf sich 1l4 Kollegen befinden, und gleichzeitig wurde dem BetrieosauSschusse mitgeteilt, daß noch 28 Prozent Kollegen entlassen wer- den sollen. Ter BetriebSausschuh intervenierte sofort bei der Direktion. Nach dreieinhalbstündiger Dauer der Verhandlung wurde doch die Kahl von 114 aus 83 Kollegen herabgesetzt. Hiemit gehen am II. August 31 Kollegen. Aus dem kann ma» ersehen, daß es doch ein gewaltiger Erfolg des ist. die geht auS der Denunziation hervor, di« sic ihren Schmonzes anhängen: Uns ist bekannt, daß die Versitzung zwischen siidelcndeutscheii und reichsbeultschen Sozialdemo- traten sogar so ureit geht, daß reichsdeutsche Flüchtling« durch Monate di« volle Arbeitslosen»»ter stütz» ng beziehen. Dieser unerhört« Schwindel mit Arbeitslosengeldern wird unter sozialdemokratischer Patronanz betvieben, ohne daß bisher von irgendeiner Seite dagegen ausgetreten worden wär«, trotzdem die lschcchoslmvakische Arbeitslosenversicherung vermutlich nicht zum Turchhalten politischer Hetzapustcl da ist. Di« Stellung des Ministers Czech, die nie besonders stark war, kanu als vollkommen erschüttert bezeichnet werden. Seine Gegner in der Koalition warten nur darauf, den entscheidenden Schlag gegen ihn bei günstüaer Gelegenheit zu führen. Der„Tag" weiß, daß den tschechischen Agrariern die ganze Arbeitslosenunterstützung ein Dorn im Auge ist und st« den Genossen Czech wegen seines beharrlichen Eintretens für die Arbeitslosen bekämpfen. Si« suchen nach Bor- wänden, suchen nach Mißbräuchen, um selbst In der weiteren Erledigung seiner Tagesordnung hat der sechste ordentliche Internationale Gewerkschaftskongreß Mittwoch, den 2. August zu Beginn seiner Arbeit den Bericht des Genossen I o u h a u x über die p l a u wirtschaftlichen Forderungen der JGB cntgcgcngcnomineii. Nachdem Jouhanx an die zahlreichen Aktionen und die Initiative des JGB erinnerte, die dieser seit 1919 auf wirtschaft- lichem Gebiet uvternommcn hat, und die planmäßige Weiterführung seiner Programmpunkte skizzierte, durch die der JGB zum Wiederaufbau der Weltwirtschaft beigetragen hat, wies er mit besonderem Nachdruck auf den überall sichtbaren Gegensatz zwischen Theorie und Praxis hin. Er führte aus, daß cs notwendig sei, die unmittelbaren Möglichkeiten und die Ergebnisse der verschiedenen Experimente auf wirtschaftlichem Gebiet aufmerksam zu beobachten. Er kommt auf den Plan von Roosevelt zu sprechen, dcsien Mut und Großzügigkeit anerkannt werden müssen, demgegenüber er aber alle Vorbehalte über das Gelinge» oder Nichtgclinaen zu machen für notwendig hält. Es ist die Pflicht der Arbeiterklasse, so sagt Jouhaux, diesen Plan ausmerksam zu studieren, dem man Erfolg wünschen muß. Er wies in seinem Referat darauf hin, daß man in der ganzen Welt eine Tendenz zur Planwirtschaft scststelle» könnte, zedoch sei die Zielsetzung, nach der diese Wirtschastsmethode orientiert ist, keineswegs in Uebereinstinimung mit den Gesichtspunklen und den Interessen der Arbeiterklasse; daraus muß die Arbeiterklasse scharf achten. Die gefährlichste Feststelliiiig, die man treffen müsse, ist die, daß man sich in der Welt häufig der Idee der Planwirtschaft bedient, um geschlossene autarke Wirtschaften zu bilden. Als zweiter Berichterstatter des Tages hielt die unzulängliche ErnährunaSaktionab. bauen zu könne». D c r„T a g" Li«f«t( b i c u Vorwände, wissend, daß di« tschechisch«» Agrarier für nichts so dankbar sind, wie für Material gegen die ArbeitSlssenfürsorg«. Dc»» cs dem„Tag" schon nicht auf anderem Weg« lungen ist, den Beifall der tschechischen Agrarier zu erringen und ihre BunoeSaenoffenschast im Kampf« gegen di« deutschen Flüchtlinge, so weint er, das Ziel durch di« Verdächtigung erreichen z» köniren, die ArbcitSlosenfüvsora« werde zur Unterstützung der deutschen Flüchtlinge oder, wie er sich ausdrückt, zum„Dltrchhalten politischer Hetz- apostel" mißbraucht. Di« Stellung des Genosieu Czech in der Koalition ist so stark, wie die sudetendeutschc Arbeiterbewegung. Für den entscheidenden Schlag, den Deutsche gegen den deutschen Minister führen zu»lüsten glauben, dem die deutschen ArbeitS- losen alle? verdanken, waS sie erhalten— dopi glaubt der„Tag" jetzt die günstigste Gelegenheit zu haben. Sein schändliches Manöver wiw Vorbeinlingen. Er sage, welche reichsdeutschen Flüchtling« durch Monat« hindurch di« volle Arbeitslose», Unterstützung bezogen! Wenn er schweigt, so ist er gerichtet. Nicht nur tu den Augen der Arbeitslosen, denen er die Unterstützung durch. deren Diskreditierung rauben möchte, sondern in den Augen oller, denen die Moral in der Politik noch etwas gilt! Genosse Mertens sein Reserat über das dem Kongreß vorgelcgtc sozialpolitische Programm des JGB. Er entwickelte im einzelnen die Grundlinien dieses Programms und forderte mit besonderem Nachdruck dazu auf, mehr als bisher dasür zu sorgen, daß die Genfer Konventionen ratifiziert würden. Mertens sprach besonders über Vic Notwendigkeit, bezahlte Ferien für die Arbeiter zu erkämpfen, einen besonderen Schutz für die Heimarbeiter zu schaffen und sie insbesondere in allen Ländern der Arbeitcrschnh. inspcktion zu unterstellen. Stolz(JGB) gab anschließend daran seinen Bericht über das internationale Schul- nnd Erziehungsprogram in, das dem Kongreß ebenfalls vorlicgt. Er zeigte die Notwendigkeit, die Kräfte des JGB auf dem Gebiete der Erziehung zn verstärken sowie die große Bedeutung für die Arbeiterbewegung aus. Für die Tschechoslowakei sprach in der Debatte Klei n, der einen Antrag aus Einführung einer ständigen Jnformations- und Verbindungsstelle für die aktuelle» Fragen der Wirtiwafi» Politik begründete. Am letzten Konarcßtage(Donnerstag, den 3. August) verhandelten die eingesetzten Kon^ Missionen, die zu den vorher besprochenen P»M tcn vorliegenden Anträge und erstattet-« ihre Berichte der Plenarsitzung. Zum Vorsitzenden der JGB wurde wiederum C i l r i n e> England und als Nachfolger Lciparts Schorf ch-Oesterreich in den Vorstand gewählt. Im übrigen wurden die bisherigen Vorstandsmitglieder, darunter auch T a h c r l c- Tschechoslowakei, wiedergewählt. Ter Kongreß war von 128 Delegierten be- sucht, die l8 Länder vertraten. Rücktritt Brodeckys. Wie„Bei-. Pravo Lidn" meldet, ist Abgeordneter Brodcckv von seiner Stelle al« Zentralsckretär der„Unie", der tschechischen Eisewbahncrorganisation, zurückgc- treten. An seine Stelle tritt Genosse Römer Brodeck^, der seit 1901 Sekretär der Eiscn- bahneroraanisation war, will jüngeren Kräften vuyiKwtH«niv», 1...D Internationalen Mctallarbeiterverbandcs in der Führung der Organisation Platz machen. Entlassungen soweit herabzudrücken. iinniiiliiiiiiiiiiiiniiimiiiminiiiiiiminiiiiiiniimiiiimniiiiiiiiinniiiiitnnintiimiiiiiiiininimiimiiiiiimniiitiiniiiiiinmiiiiimniiiinniii(iiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii{nmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinnn Bom Internationalen tSewerkschastskongretz. Wirtschaftlicher und sozialpolitisches Reserat.— Schul- und krzlehunus- Programm.- Schluß der Kongreffes. Ihr, ich ein Bein Tänzerin sich, wortlos«nd mit großer Leidenschaft. „Horst!" flüsterte sie. Lillian!" „Horst! Bitte, hab mich lieb!" „Da tue ich doch, mein dummes Mädel!" Weiter wurde sürS erste nicht viel gesprochen. SS. Die Wahrheit. „Liebste Eltern! Es geht mir ganz ausgc- nm-ij.»1-.1 n-«-, und zeichnet. St. Moritz liegt im tiefen ist zauberhaft schön. Alles Schlimme der letzten Wochen ist vergessen. Ich habe einen vierzehntägigen Urlaub erhalten und erhole mich zusehends. In den drei Tagen, dir ich hier bin, habe ich über ein Kilo zugenvmuieu. Ich wohne in einem fabelhaften Sporthotcl, cigeittlich schon mehr Palast, mit einem Koillsocl und einer Eleganz, die man sich kaum vorstclleu kann. Ich mache Schlittcupartieu und rodle auch selbst und mache herrliche Spaziergänge. Zu Mittag habe ich einen solchen Hunger, daß ich mich direkt vor den Kellnern schäme. Du, Pappa, hättest wirklich Deine Helle Freude an den Quantitäten, die ich verschlinge. Die letzten Wochen liegen wie ein Traum hinter mir. Ich denke gar nicht mehr daran. Jetzt ist ja alles gut. Ich habe einige Leute hier kennen gelernt, die sehr nett sind. Am Abend gibt cS Tanz, oder Kabarett oder eine Kartenpartic. Das ganze Hotel ist fabelhaft ge heizt, hier kann man es sich erlauben, blutarm zu sein, man friert nicht. Und die klaren Nächte! Diese Sterne! Zu Hause ist mir diese Himmelspracht nie ausgefallen. Ich schlafe natürlich bei offenem Fenster. Es ist wirklich schön hier. Auf der Rückreise besuche ich Euch, dann erzähle ich Euch alles noch ganz genau. Ich bin so frisch und froh, mir ist, als hätte ich jetzt ein ganz neues Leben begonnen. Ich möchte auch mit dem Skifahren anfangcu, oder glaubt sollt cs lieber lasse»? Wenn ich mir breche, dann ist meine Karriere als allerdings sehr gefährdet. Nun, ich ivill es mir noch überlegen. Ich erwarte bald Nachricht von Euch und küsse Euch tausendmal. Eure Lillian. Nachschrift: Dr. Horst Künkc ist auch J hier. Wir sind sehr viel beisammen und sind! sehr befreundet." Lillian überlas den Brief noch einmal. Der letzte Passus machte sir erröten. Warnm sagte sic den Eltern nicht, daß sic Horst liebte?— Warum verschleierte und ver-! flachte sic daS, was ihr Lebensinhalt, ihr Glück war? Während sie den Brief verschloß, beruhigte sic sich wieder. Die Eltern hielten ja Max noch' immer für ihren Bräutigam, wie sollte sie ihnen; da mit dem Geständnis einer‘ kommen? In den nächsten Briesen wollte sie ciufregen,-nicht? Dann wirst du schlecht schlafen!" dann einige Andeutungen machen, die Eltern j(Forrjetzung Mgi.) 4« Die Sache mii Boms Kriminalroman von Grefe Hartwig schonend auf ihre veränderten Herzcnsbezichun- gen aufmerksam machen. Jetzt sollten sich die guten Alten erst von dem Schrecken xrholen, den sie ihnen durch ihre Verhaftung bereitet hatte. Sie wollte eS auch vermeiden, daß die Eltern mit derben Fragen in ihren süßen LiebeSsrüh- ling brachen. Sie war ja so glücklich, die Eltern würden aber gleich nach der Zukunft fragen. Ob Horst ihre Liebe erwidere und was vorgefallen sei, ob sie sein« Geliebte wär« oder seine Brant, wohin cS führen sollte und waS daraus werden sollte und wo die Garantien lägen und ob der Mann sie ewig lieben und am Ende auch heiraten werd«. Und, WaS sollte sie aus diese vielen angstvollen und wohlmeinenden Fragen erwidern? In kurzer Zeit würde sie ja in die Stadt zurückkchrcu, in der er seine RechtSan- waltskanzlei hatte, und an die sic einstweilen durch rin Engagement gebunden war. Alles weitere würde sich finden. Lillian warf den Bries in den Aasten und ging in die Halle, wo Horst in viele Zeitungen vergraben war. „Fertig mit deinen Briefen?" „Ja, Horst!" „Willst du eine Parti« Schach spielen? „Nein, daiike! Ich bin zu müde." i„So? Willst du schon schlafen gehen?" „Da« kann man doch nicht! Es ist erst neun Uhr." „Oder willst du tanznc gehen?" „Nein, da müßte ich mich erst umziehen. DaS steht nicht dafür!" „Also, was willst da denn?" „Ich möchte, daß du... daß ich mich jetzt niederlege und du... daß du dich au inein Bett setzt und mir... die ganze Geschichte erzählst... i diese Geschichte... nun ja. du weih« lchon... -j. r nicht?" neuen„Liebe„Am Abend? Das wird pich doch wieder habe, damit er ihre Verteidigung übernehmen und ihr täglich nahe sein konnte. Da halle sic ihn Horst genannt und ihm ihre Liebe gestanden und er, er hatte sic geküßt! Heiß und heftig! Sie fühlte cs jetzt noch ini Wachen und konnte sich kaum davon lösen. Tann riß sie sich heftig los und als sie gewaschen war, gefrüystuckt yattc und die vielen Handgriffe geschehen waren, wurde ihr Dr. Künke gemeldet. Sie lies die Treppe hinunter, irgendjemand schaffte ihr Gepäck fort, die Rechnung fand sie bezahlt, sie begrüßte den Reisegefährten, der Autoschlag schloß sich hinter ihnen, Trager, Kaffenschalter, Träger,.Halle, Zug, Lärm, Coupö und Hast füllten ihr weiteres Denken aus, und erst als der Zug sich in Pcwcgung setzte, kam sie völlig zum Bewußtsein. In ihrem Coupö befand sim nur noch ein einzelner Herr, der nach etwa halbstündiger Fahrt m den Speisewagen ging. Da- Gespräch zwischen ihr und Dr. Künkc stockte, sie schlang die Arme um seinen Hals und drückte ihre Wange an sciue. Er preßte sic heftig an sich, wortlos und mit großer Leivcnschaft. Sehnsucht? Heimweh? Nach wem? Nein, daS Bild der Eltern und des Vaterhauses stand nun matt vor ihr. T«r Berus also? Nein, der ging ihr ja nicht verloren! Di« Unklarheit über den Prozeß? Bald würde sie ja alles erfahren! Dr. Klinke hatte ja versprochen, ihr alles... Dr. Künke? Ach, wäre er da! Könnte sie lein« begütigende, ties-sröhlich« Näh« fühlen! Wär« er da! Was war das für eine Bangigkeit? Morgen früh um neun Uhr wollte er za wiederkoiumen? Er konnte ja heute nacht sterben! Er konnte sich ja den Fuß brechen, beim Abspringen von der Straßenbahn! Er konnte es sich auch anders überlegen, mit einer anderen Frau seinen Erholungsurlaub ver- bringen, mit einer, die liebenswürdiger>var als sie, netter, sreundlicher. weniger schroff, ironisch und ablehnend. Warum war sie io gegen ihn? Stieß si« ihn von sich, wen besaß sie dann noch? Er mnßt« kommen! Er mnßte gutmachen, was si« in den letzten Wochen gelitten hatte. Er allein und nur er! Und ivenn er nicht kam? Spät begab sie sich zu Bett, im Herzen einen hämmernden Schmerz, im Kopse ein« böse Leere. Schließlich siel sie in tiefen, bleiernen Schlaf, «uS dem si« erst das Klopfen des Zimmermädchens riß. Ehe sie noch ganz zur Besinnung des Tages kam, hing sie noch eine Weile ihrem sonderbar süßen Traum nach. Sie war mit Dr. Künke auf einer Wiese gelegen, aber sie hatte ihn Bvrris genannt und ihm Vorwürfe geniacht über daS Ungemach, das er über sie gebracht hatte. Ta hatte er ihr erklärt, daß er dicS alles nur getan itr. 183. DkenStag, 8. August 1938. Leite 8 Nein olllrlelles rinschreiten Haltens. Wien, 6. August. Die Amtliche Nachrichtenstelle bemerkt zu der Meldung der offiziellen italienischen Nachrichtenagentur Stejani, daß Italien in Berlin in Angelegenheit des lieber- stiegen- österreichischen Gebietes durch deutsche Flugzeuge nicht eingefchritlen sei:„Diese Feststellung der amtlichen italienischen Nachrichtenagentur sei so zu verstehe», daß Italien schon sei! einiger Zeit in dieser Frage in srcundschasllicher Konversation mit der deutschen Ncichsrcgieruug stehl. Es ist anzunehmen, daß die auch von den Großmächten als Verletzung der Souveränität Oesterreichs empfundenen Handlungen sich nicht mehr wiederholen werden." der' französischen' Regierung die »rutsche Propaganda mit Bezug aus Oesterreich in gelvissen In der letzten Zeil vorgekommenen Fällen mit den bestehenden vertraglichen Bindun- gen nicht vereinbar sei. Dein französischen Botschafter wurde er- widert, daß-er Reichsregierung eine Anwendung »cs Bicrniäch.epaktes in dieser Form nicht angebracht erscheine, da aus deutscher Seite vertragliche Berletzungen irgendwelcher Art nicht vorliegen, und daß Deutschland daher diese Ein- mischung in die deutsch-österreichische Auseinandersetzung nicht für zulässig halte. Der engljsche Geschäftsträger, der nachmittags in der gleiche» Angelegenheit im Berliner Außenamt vorsprach, erhielt denselben Bescheid. * Demaröie FranWöis niü Englands in Berlin. Die rasclsten lehnen die„Einnilschund“ als unzulässig ah. Pari-, 7. August. Havas meldet aus Berlin: Ter französische Botschafter Francois Poncet hat heute gegen Mittag die angekündigte Demarche Berlin, 7. August. Das Wolfs-Büro meldet: Der französische Bolfchastcr hat heute vormittag ■,— u n—- o——u. a- im Auswärtigen Amt unter Bezugnahme auf den bei der Rrichsrcgierung wegen der dcutsch-östcc- Bicrniächtepak: zur Sprache gebrach«,, daß nach reichischcn Zwischenfälle unternommen. Man er- Auffassung''--- wartet am Abend eine analoge Demarche des'>.<>,>»?»,<> m britische» Geschäftsträgers. Paris, 7. August.„Paris Soir" gibt fol gende Einzelheiten über die französisch-englische Demarche m Berlin bekannt: Francois Poncet hat in freundschaftlicher Weise, aber mit großer Entschiedenheit die Borstrllungcn der sranzöji- s schen Regierung vorgebracht. Der britische Ge- j schäftstrager in Berlin hat seinerscitS den glci-1 chcn Standpunkt vertreten und hat ein Memo randum überreicht, in welchem die englische Re gierung Deutschland daran erinnert, daß die Be- dinanugcn des Versailler Vertrages nnd die Böikcrbnndfahungen die Unabhängigkeit Oester reichs garantirren. Dieses englische Memoran dum, das sich auf die Verträge stützt, hat eine viel größere Bedeutung als die Verbal-Demarche Frankreich- und Englands, die sich ausschließlich auf die Präambel zum Viermächtcpakt beruft. Ter Biermächtepakt vertveist zwar gleichfalls aus das Völkerrecht und verbietet die Einmengung in die Angelegenheit dritter Staaten, aber er bezieht sich nur aus die Signatarmächte. Wenn' man sein Anwendungsgebiet heute auf Oester reich ansdehnt, so besteht die Gefahr, daß Deutschland sich später hinsichtlich eines anderen Gebietes auf diesen Präzedenzfall berufen und daß dadurch der Revision ein Tor geöffnet wird. Ans diesem Grunde, schreibt der„Paris Soir", müsse man sich zu der energischen Haltung Eng lands beglückwünschen. Was Italien anbelangt, so habe cs zwar keine offizielle Demarche unter nommen, habe aber seinerseits freundschaftliche Borstellungen unternommen und habe sich kei neswegs von der französisch. englischen Aktion loSgelost. lllllllllllllllllllllllllltlllllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllltllllllllllllllllllllllllllUlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Die Schwindsucht der Reichsmark Wlrhlldie De des Zusammenbruches hinausschieben, um den Zusammenbruch aber kommt Schacht nicht herum! Er selbst bekannte vor einigen Wochen, kurz bevor er seine Reise nach Washington antrat, zu einer Zeit also, als die Loge gegen heute geradezu rosrg war, daß kein Ausländer auch nur eine einzige Mark annehmen würde, wenn er wüßte, wie es um die deutsche Währung bestellt ist. fasiung im Jahre 1928 war der erste Versuch, diese Grundsätze anziiwendc» und der heutige Entwurf will sic bis in ihre Konsequenzen durchführen. Ta die staatliche Gewalt unteilbar ist, ist es künftighin notwendig, diese Gewalt in der Hand des Präsidenten der Republik zu konzentrieren, dessen vornehmste Funktion darin besteht, daraus zu achten, die Tätigkeit einzelner dir Macht ausübender Organe in Einklang zu bringen. Eine zweite wichtige Aenderung in der neuen Verfassung betrifft den Senat, der künftighin aus der Elite der Nation gewählt werden soll. Der erste Senat, der nach der Annahme der Reformen konstituiert wird, wird zu zwei Dritteln von den Inhabern der beiden polnischen Orden„Birtuti militari" und des Unabhängigkeitskreuzes gewählt, da die mit diesen Orden ausgezeichneten Persönlichkeiten ohne Ansehen ihrer Klassenzugehörigkeit oder ihrer politischen Ueberzeuaung polnische Staatsbürger sind, die sich um das Vaterland verdient genracht haben. Den Rest der Senatoren.ernennt der Präsident der Republik. Tas Augustheft der „Iribüne M ist soeben erschienen und enthält folgend« Beiträge: Emil Franzet:„Tic Ausgaben der Internationale." Gregor Birnstock:„Fcrsall der Weltwirtschaft." Martin Berger:„National„soziaIiSin>iS"— PrivatkapitaliSmuS." Erich Heller:„Nach der Niederlage des Bnlgär- niarxismus." Th. Wclltvog:„Sudrteudeulsches Bürgertum." Heinrich Fischer:„Ter„Führer" spricht— die Führer schweigen." Bemerkungen. Bestellungen sind§n richten an die Vertrauensleute, Parteisekretäre,, Schriftenabteilungen und Volksbuchhandlungen oder direkt an die Verwaltung der„Tribüne", Prag kk.. btetazanko 18. Hitler unterschreibt nicht! , DaS von Göring angekündigte Gesetz, das nicht nur verschärfte Strafen gegen die politische Emigration und gegen jede illegale Opposition vorsieht, sondern das in Wahrheit auch dazu dienen soll, die vom Abstoppcn der Revolution enttäuschten Ml-Leute im Zaume zu halten, ist, obwohl seit seiner Ankündigung schon etwa zwei Wochen verstrichen sind, von Hitler bisher nicht unterschrieben worden. Das ist kein Zufall, sondern nach unserer Jnsorniativn ein Zeichen sür die ständig wachsende Spannung zwischen Hitler und G ö r i n a. Es heben sich innerhalb der herrschenden Politischen Kreise immer deutlich drei Gruppen voneinander ab: Tie Gruppe um Hindenburg, bestehend aus Stahlhelm, Reichswehr und Großgrundbesitz, Hitler, hinter dem noch immer die SA zu 90 Prozent und , die SS zu 100 Prozent steht, und der noch das Vertrauen der RSBO sowie der Parteimassen großenteils besitzt und schließlich Goring, der sich auf die preußische Polizei, insbesondere ans das von ihm geschaffene Instrument der Geheimen Staatspolizei nnd Teile der SA nnd SS in Preußen stützen kann und der ein ausgcsprochc- '»er Vertrauensmann der Schwerindustrie ist. Während in der Gruppe um Hindenburg und die Reichütvehr immer noch der Gedanke eines Aus- t nahmcznstandeS nicht völlig begraben ist. beruht , der zwischen Hitler»nd Goring sich verschärfende - Gegensatz vor allem darauf, daß Hitler immer j noch dem Antikapitalisnkus des kleinbürgerlich?» Mittelstandes anhängt und die wachsende llnzn- friedcnheit seiner alten SA-Mauuslbasteii'ürcb- tct, während Göring eine rein fascistische Tikti lur unter enger Anlehnung an dir Schwerindustrie nnd. unter Anwendung brutalster Gema!' Methoden erstrebt. Im Augenblick scheint cü so, als ob Göring am stärkeren Ende vebt, aber- v Widerstand auf der anderen Seite beginnt sich-n versteifen. Tag Hitler bisher Görings„Gesetz:nr Gewährleistung des Rcchtsfriedcns" nickt nn'-r- schrieben hat, ist in jedem Falle ein höchst beachtliches Symptom. Hitler belttüt die Wett. Itm di« Entsührnng der drei Saarländer. Berlin. Tas anrtliche Wolssbüro erzählt über die Entsühricng der drei Saarländer, über die wir berichteten, ein Märchen. ES behaupt?« selbstverständlich, daß„amtliche oder parteipolitische Stellen an der Entführung nicht beteiligt" seien, doch verurteilt es solche llebergriffe, „a u ch wenn sic von privater Seite erfolgen."— Bemerkenswert ist, daß die Enthaftung der drei Entsührten erst nach der schroffen Intervention durch die französische Gesandtschaft eriolgte und daß die deutschen Behörden die bei„liebergriffen Privater Personen" Entführten selbswcr- stündlich in Hast nehmen und behalten, ohne die Entführer zu bestrafen. Tie Tarstellungen der amtlichen deutschen Stellen tragen den Stempel der Lüge allzu sichtbar. Röhm rächt sich Nach einwandfreien Meldungen, dir allerdings amtlich noch nickt bestätigt sind(was allerdings im Tritte» Reich wenig heißt), wird der Prozeß gegen den bekannten Münchener Stras- vertcidiger Tr. Ma«: Hi r sch b e rg demnächst ciugeleitct. Dr. Hirschberg, der dem Vorstandes Vereins sozialdeniokratischcr Rechtsanwälte Deutschlands angehörl, l)atte seinerzeit die„Münchener Post" in dem bekannten Röhmprvzeß(in Sachen: Röhmbricsc) zusammen mit Tr. Phillip Locwcnfcld vertreten. Der Prozeß endigte, wie man weiß, mit einer vernichtenden Niederlage Röhms. Die berüchtigten Briefe, sadistische und gcuicin« Verhöhnungen vcrgclvalligter Negerjungen enthaltend, konnten in der„Münchner Post" veröffentlicht werden, um so das vcr- brccherische Treiben des.Herrn Röhm zu brand- niarteii. Nachdem Dr. Locwcnfeld sür die deutsche Tscheka unerreichbar ist, sperrte man Herrn Dr. Hirschberg, der mit der Sache weniger zu tun halle, ein.„Präventivhast." natürlich. Obwohl die Schutzliast allcrhöchstens drei Monate dauern dars und dann eine Begründung gegeben werden muß, wird Tr. Hirschberg unentwegt seil dem >0. März 1933 i:n Untersuchungsgefängnis in der Corncliusstraßc gcfangengchalien. Wer weiß, was es bedeutet, auf ungcivisic Zeil hinaus gefangen zu sein, der kann die seelische Pein cr- mesien, unter der Tr. Hirschbcrg— wie natürlich noch manch anderer— leidcl. Da natürlich lein Prozeßgrund besteht, tvird ein solcher konstruiert werden. llllllllllUlllllllllllllllllllllllllltlllllllllllllllUIIIIIIIIIIIIUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII(((lllltfll(l(lll((lllf(l(lim(lin(liin(HnHlllimilUHIIIIIHIIIIIHH(HIUimilllllH>l>HHIHMUN»lllflllMIIII»MilUI>Hll»»l»IIUWINI»n»nt Staatspräsident herrscht absolut. Seite 4 Dienstag, 8. August 198b. Nr. 183. Vorbildlicher Massensport. Acht neue Verbandtbeitieittunsen/ Kennzeichen des Aufschwungs Die sportlichen Wettkämpfe des Ersten In. ternatwnalen Arbeitersporttciges waren sehr vielgestaltig und wiesen in den einzelnen Konkurrenzen eine überaus rege und starke Beteiligung auf. Zu dem 100-Meter-Lauf wäret» acht Bor- laufe notwendig, um die Besten für das Finale zu ermitteln. Die Zeiten der Ausgeschiedenen waren nur um Bruchteile von Sekunden schlechter und trotz der starken Beteiligung lief ein großer Teil der Kurzstreckler, der beliebtesten Sportart unserer Wettkämpfer, unter 12 Sekunden. Das ist, im Vergleich zu früheren Jahren ein schöner Fortschritt. Der Aufschwung unserer Leichtathletik kommt auch schon allein durch den Umstand zum Ausdruck, daß nicht weniger als acht neue Bundesbestleistungen erzielt wurden, und zwar waren die Sportler sechsmal und die Sportlerinnei» zweimal an diesen beteiligt. Be» den Sportlern im 100- Meter- Lauf, 5000-Meter- Lauf, Kugelstoßen, Schleuderballwerfen, Fünfkainpf und im Speerwerfen(sie wurde von Schuster(AtuS-Prag) mit 49.87 Metern im Fünfkampf aufgestellt). Die Sportlerinnen verbesserten die Berbandsbest- leistungen im 100-Meter-Laus und im Schleuderballwersen. Zusammenfassend sei sestgestellt, daß die Organisation trotz der Vielheit der Kämpfe klappte und reibungslos von statten gingen. Die Arbeiter-Radfahrer trugen Wettkämpfe im Zweier- und Dreier- Radball und im K u n st s a h r e>t aus, die eine äußerst starke Znschauernrenge im Banue hielten. Ferner veranstalteten die Radfahrer ei»» Straßenrenne n über 60 Kilometer, das eine starke Beteiligung von feiten der tschechischen und unsere»» Rennfahrern aufwies. 2m Klcischcr Warmbad fanden die S ch w i m m- wettkämpfe statt, die gleichfalls in den meiste»» Konkurrenzen gute Besetzungen austvieien, aber in sportlicher Hinsicht blieben teilweise die Leistungen im Durchschnitt, was wohl auf das Fehlen einer starken Konkurrenz znrückzuführen ist, da die Kämpfe, mit Ausnahme der Stasseln, nur von unsere» Wassersportlern bestritten wurden. Die Kraftsporrler führten Kämpfe Im Ringen und Gewichtheben um die Festmeisterschaft durch. In» Ringen gab ft schöne und spannende Momente und im Stemmen wurden auch bessere Leistungen erzielt, so daß auch hier einige Bestleistungen zu verzeichnen sind. Die Tischtennis-Spieler führten erstmalig die Spiele um die Bundesmeisterschaft im Männer-Einzel,.Doppel, Frauen-Einzel und gemischten Doppel durch, die alle eine Beute der Prager Atus-Spieler wurden. Die S ch a ch s p a r I'e veranstaltete ihre Kämpfe um die Bundesmeisterschast. Die Einzelmeisterschaft gewann Gang!(Marienbad) mit fünf Punkten: die Mannschaftsmeisterschaft fiel an Marienbad, daS Komolau I mit 6:2 Punkten schlug. Ten Weltkampf b. Kreis gegen 8. Kreis, der auf 18 Breitern gespielt wurde, gewann der 5. K r e i S mit 11:7 Punkten. Die Turnspiele brachten eine große An- zahl von Spielen im Handball, Nassball und Fanst- ball, die teils um die Festmeisterschaft, teils um die Bundesmeisterschast gingen. Häzena, daS Handballspiel der tschechischen Genossen,»vurde ebenfalls zur Propaganda vorgesührt. Es sei aber sestgestellt, daß diese Spiele, so schön und lebendig sie verliefen doch nicht jenes Interesse fanden, das man sich eigentlich versprach. Unsere Handballspiele weilen in dieser Beziehung viel mehr Schwung aus und fesseln die Zuschauer bis ins kleinste Detail. Beide Tage denionstrlerten in wirksamster Weise wie Massensport ausgesaßt»verden soll. Fern von aller Star-Lobhudelei gaben alle die viele Hundert zählenden Sportler und Sportlerinnen ihr Bestes, sie kämpften ihm wahrsten Sinne des Worte-»nd Sieger wie Unterlegene sreuten sich über die Ec- solge. Da- Ist daS Schöne»nd Große zugleich, war Inhal, und Wert der Arbeitersportbewegung bildet Wir sind leider nicht in der Lage, alle Ergebnisse auf einmal zu bringe»» und veröffentlichen heute jene über die Leichtathltik und Teilergebnisse von den Spielen der Fußballer und Turnspielec. Alle übrigen»verden wir in dei» folgenden Tagen nachtragen. vle Ergebnisse In der leldit- athleilk: Sportler: 10(1 Meier: 1. Hall»(DTJ- Prag) 11.3 Sek., 2 Gerhard Hossmani»(AluS Prag) 11.4 (neue AluS-Bestle:stnng)— 200 Meter: 1. Hall») 234 Sek., 2 Langer.HanS 25.3 Sek. — 400 Meier' 1 Kraj'Lek(DTJ. Pilsen) 55.4 Sek., 2. Herberi Marschner 58 8, 3. Schuster(AtnS Prag) 57, 4 Breite(AtuS Aussig) 57.2 Tek.— 8 00 Meter: 1. TomaLek(TTJ Pilsen) 2:10.8 Min., 2. KlauSnitzer Erich 2:12.8. 3 Eckert Willi 2:14.3. 3a. König Anton lAtnS Drahoivitz) 4:14.3 Min.-- 1 50 0 Meter: 1 TomaSek(DTJ Pilsen) 4:88.5 Min., 2. Tichy(DTJ. Pilsen) 4:38.8, 3. Jäger Roben(Atus Aussig) 1: 895 Min.— 5000 Meter: , 1. Smetana(DTJ Prag) 17'04.8 Min.. 2. Tichy (DTJ- Pilsen) 17:17.1, 8. Purharo(DTJ Sobru- san) 17:87.8: 5 Piller Joses(Atu- Brüx) 17:59.8 (neue A t n S- B e st l e i st u n g).— 1 0.0 0 0 Meter: 1 Stanök(DTJ Prag) 36:49 Min., 2. Dobl Josef(A>uS Franzensbad) 89:15.8, 3. Jedl- »noyer(TTÄ Sobrusan) 41:13.8— 4X100 Meter: 1. DTJ. Pilsen 27 Sek., 2. Atus Aussig 48.8 Sek., 3. AiuS Biela 49.2 Sek. 4. Atus Krachwitz 49.9 Sek— W e i«l p r u n g: 1. Nitingr(DTJ. Prag) 8.57 Meier 2 Beleta(DTJ. Pilsen) 8.51, 8. Bruha(DTJ. Pilsen) 6.20 Meter.— Hochsprung: 1. Hally(DTJ. Prag) 1.67 Meter, 2. Ott Wenzel(Atus Eger) 1.55.— Stabhoch- !' p r u n g: 1. Baum(AluS Biela) 2.95 Dieter, la. Kivpl(Tschech.-Teschen) 2.95, 2. Eckl(Atus Chodau) 2.65, 3. Schmidt Karl 2.55 Dieter.— Speerwerfen: 1. Schuster(AtuS Prag) 49.07 Meter, 2. Hol-ck (Atus Aussig) 48.03, 3. Seidel(AtnS Aussig) 44.17 Meter.— Kugelstoßen: 1. SchöpS(DTJ. Prag) 11.05 Meter, 2. Unger(AtnS Unterrothau) 11.6» (neue A l u S- B e st l e i st u n g), 3. Frolik(DTJ. Pilsen) 11.89 Dieter.— Diskuswerfen: 1. Unger(AtuS Unterrothau) 34.47 Meter, 2. SchöpS (DTJ. Prag) 32.53, 3. Richter(AwS-Rosendorf).— 2chlenderball: 1. Seemann(Atus Pärchen) 52.47 Meter(neue Atus-Bestleistung), 2. Unger(AtuS Unterrothau) 49.55, 3. Ott(AtnS Eger) 47.10 Dieter.— Dreikampf(Jugend): 1. TeS!- tel(DTJ. Prag) 227.5 Punkte, 2. Nossek(Atus Prag) 222.88, 3. Gampe(Atus Klein-Priesen) 206.25, 4. Pillert(AluS Klein-Priesen) 205.19, 5. Günther (Atus Bikin) 203.63, 6. Schneider(AtuS Tatschen) 202.56, 7. KlauSnitzer 196.50, 8. Kühnel(Atus Ko« inotan) 194.75, 9. Ehrlich(AtuS Ladowih) 193.06.— Fünfkampf: 1. Schuster(AtuS Prag) 841.68 Punkte(A tu s«Be ft le I ft u n g), 2. Breite(AtuS Aussig) 334.17, 3. Richter(Mus Biela) 321.33, 4. Görrisch(AtuS Pechbach) 318.37, 5. Seemann(AtnS Pärchen) 309.28, 6. Endler(Atus Dux) 294.83, 7. .Heil(AtuS Altsattl) 287.40, 8. Rahm(AtuS Warnsdorf) 261.21 Punkte. Sportlerinnen: 8 0 Meter: 1. NeSmidalova (DT2. Pilsen) 8.4 Sek., 2. Heldmann(Aws Aussig) 8.5, 2a. Ccrira(DTJ. Königgrätz) 8.5, 3. Razkova (DTJ. Königgrätz) 8.6.— 100 Meter: 1. Eckert (Atus Tapl-ih) 13.8 Sek.(neue AtuS-Be st leist u n g), 2. NeSmidalova 18.7, 3..Heldmann 13.9.— Weitsprung: 1. Centn 4.69 Meter, 2. Razkova 4.53, 3. Jeirtsch 4.48, 4. Heldniann 4.44.— Hochsprung: 1. NeSmidalova 1.32 Meter, la. Jentsch 1.32, 2. Halikova(DTJ. Prag) 1.27.— Speer- mer feit: 1. Herodek(AluS Olmütz-Poulowitz) 27.10 Meter, 2. Helpert(Atus Tonih) 24.82, 3. Ne- ft>dlo(Atus Donitz) 23.55.— Kugelstoßen: 1. Jentsch 8.32 Meter, 2. Zvonak(Atus Schönfeld) 8.25, 8. Keilwerth(Mus Unterrothau) 8.03, 4. Nejodlo 7.96.— Schleuderball: 1. NeSmidalova 35.90 Meter, 2..Heldmann 35.50(n ene Atus- Bestlei- st u ng), 3. Zvonak 84.10.— DreikamPf(Jugend): 1. Centn 227 58 Punkte, 2. Selenka(AtiiS Schönfeld) 195.57, 3. Baier(Atus Schreckensteilt) 184.45, 4. Kirschner(Atus Falkenan-Kittlitz) 155.58. — Dreikampf: 1. Jentsch 224.00 Punkte. 2. Roz- kova 219.52, 8. Eckert 219.17, 4. Nejodlo 218.36, 5 Heldmann 216.89, 6. Keilwerth 201.34, 7. Schwab Rosl(AtuS Prag) 200.08. 8. Nachbar(AluS Dnitz) 199.89, 9 Mache(Atus Chodau) 179.42. Ergebnisse der Turnspiele. Handball: In der Dorrunde um die Bundesmeisterschast im Handball, daS Eger und H o l e i s ch e n bestritten und gleichzeitig als KreiSmeisterspiel des 6 Kreises galt, gewann Eger mit 5:1(3:1) verdient. Beide Mannschaften zeigten ein flotter Spiel, doch ihre Fangtechnik und Spielübersicht ist noch sehr verbesserungsbedürftig, besonders aber bei Ho- leischen. Das Endspiel um die Handball-Bundesineisler- fchaft trugen Predlitz(5. Kreis) und Eger(6. Kreis) aus. Predlitz war technisch und auch im Aufbau besser, doch glichen dieses Minus die Egerer durch eiltet» kolossalem Eifer der gesamten Mannschaft aus. Predlitz, das bis zur.Halbzeit in Führung lag, verlor nach der Pause das Selbswertrauen, als Eger ein Tor um das andere aufholt nnd knapp vor Schluß auch noch den Ausgleich erzielt Die Prcdlitzer zeigten in diesem Abschnitt ein unbedingt verurteilenStvertes rohes Spiel, dem wohltuend das sportliche und würdige Auftreten EgerS gegennberstand. Da die reguläre Spielzeit keine Ent- scheidung brachte und diese auch nicht in der Verlängerung erzielt»verdon konnte blieb eS 7:7(5:3). Bei Predlitz wurden vier Spiekr ausgeschlossen, das beweist wenig Disziplin in einer Meistermannschaft. Eger wurde der Bundesmeistertitel zugesprochen und sie sind nach dem Gezeigten dessen würdig. H o l e i s ch e n wurde in einem Handball-Freund- fchastSspiel von der D T I K o st e n mit 8:2(5:0) geschlagen. Kosten ist die einzige Mannschaft, die »m DTJ-Verbände Handball spielt! Faustball: Die Faustballspiele hatten u. a. folgende Ergebnisse: Pi hl gegen Lerchenfeld 53:45, damit wurde Lerchenfeld Meister deS 5. Kreises. FriederSreuth gegen Fischern 49:67, Frie- dersveuth wurde danii» Meister des 6, Kreises. — Weitere Ergebnisse: Oberaltstadt gegen Probstau 77:61, Olmütz-Paulowitz gegen Dessendorf 49: 60, Tessendorf gegen OberleutenSdorf 36: 55, Rumburg gegen Fischern 31:84. FuBball: DaS Blitzturnier brachte 70 Spiele, die in einer Spielzeit von je 2X10 Minuten absolviert wurden. Bei den Schüler-Mannschaften wurde Festmeister in der Siegergruppe K lei sch e- Aussig und in der Unterlegetren-Gruppe Aussig- Nord. Festtneister der I».-Mannschaften wurde in der Siegergruppe K l e i s ch e und in der Unterlegenen-Gruppe K r o ch w i tz. Den D r e i k a m P f der Fußballer gewann K o- vab(WeiÄirchlitz)»pit 182 Punkten vor Hackl (Aussig-Glashütte) mit 178 und Pokorny(Aussig- Glashütte) mit 175 Punkten. T agesneuigkeiten Die 70.000 streiken Wetter. BrownSville(Pennsylvania).(Reuter.) 7. August. Die Sprecher der auSstöndischen 70.000 Bergleute haben Sonntag abends mit überwältigender Mehrheit sÜr die Fortsetzung des Streikes bis mindestens Freitag gestimmt. Der Gouverneur des Staate» hat oie Berg- werksbefitzer veranlaßt, die Eröffnung der Grube aüfzuschieoen. Als Grund der Fortsetzung deü Streikes wird angegeben, daß die Bergleute da. mit unzufrieden feien, daß ihre örtlichen AuS» schüfse in dem industriellen Waffenstillstand nicht anerkannt werden sollen. Autounglück. Karlsbad, 7. August. Heute früh gegen 7 Uhr wurde der PrivatautobuS der Strecke Prag— Karlsbad auf der Fahrt nach Karlsbad be» einer Streckenkreuzung hinter Podersam von einem Lastauto, dessen Besitzer Johann Felrnta selbst chauffierte, in voller Fahrt geramtnt. Boi» den Passagiere»» des Autobusses wurden sechs Personen leicht verletzt. Felenta und sei»» Mitfahrer Leopold Kysela, beide aus den» Budweiser Bezirke, wurde» schwer verletzt. Tie Schwer- und Leichtverletzten wurden in das öffentliche Krankenhaus nach Podersam überführt. Die Leichtverletzten, durchwegs Prager, wurden nach Anlegung von Notverbänden nach LnLna bei Prag transportiert. Beide Autoinobile wurde»» schwer beschädigt. Selbstmordversuch des Briixer Rentmeisters. Brüx, 7. August. Heilte beging der 53jäh rige Brüxer städtische Rentmeister Richard Siege einen Selbstmordversuch, indem er sich die Pulsader»» an beiden Händen öffnete und sich dann einen tiefe»» Schnitt in den Hals beibrachte. Er wurde ins Krankenhaus überführt, fein Zustand ist jedoch lebensgefährlich. Am Samstag war festgestellt»vorbei», daß aus zwei Spar- kassabücheln, die von Pächtern städtischer Meierhöfe als Kautionen hinterlegt»vorden Ware», und die Siege in amtlicher Verwahrung hatte, Abhebungen im Betrage von 18.000 Kc erfolgt waren. Matuschka kehrt nach Stein zurück Wien, 7 August. Silvester Matuschka wurde heute aus Budapest in die österreichische Straf' anstatt in Stein überführt Auf dem Wege kant es ans dem Bahnhof in Kölenköld zu lärmenden Tentonslratiouen des Publikums gegen ihi», und als Maiuschka die. Demonstranten verhöhnte, »nußte die Polizei alle Bemühungen aufwenden, um seine Lynchung zu verhindern. Dom Sohn ermordet- Berlin, 7. August. Die 48 Jahre alte Frau Hedwig Ml a y»vurde in der Nacht zum Sonntag in ihrer Wohnung mit einer schlvereit Kopfverletzung tot anfgefunden. Ihr bei ihr weilender 24jäyriger Sohn H o r st»vurde vo>» de» herbeigerufenen Mordkömtnifsioi» verhaftet»»nd gestand, daß er seine Mutter nach vorauSgegan- geuem heftige»» Streik niedergeschlagen habe, de» dadurch entstanden war, daß ihm die Mutte» eine Geldsorderuug abgeschlagen hatte. Ayklo» über Leningrad. Leningrad, 7. August. Tie Stadt Leningrad befand sich an» 5. August im Zentru»»» eines ZiklonS, der vom Atlantischen Ozean über Skandinavien kam. Die Nord»vest»vinde erreichten die Windstärke 8 und riefen eilt starkes Paris, 6. August. Bon den französischen Fliegern Codas und Rossi, die gestern in New- Aork aufgestiegen sind, um niit ihrem Eindecker, der mit einen» 500 PiS-Hispano-Motor versehen ist, einen neue»» Langstreckenrekord aufzustellen, trafen'beim französischen Lustsahrtininisterium um Mitternacht die ersten Fuuksprücl>e ein. Das Flugzeug, das aus den Name»»„Le Brix" getauft ist, hatte voin Start fünf Stunden latrg gegen Regenböen, Sturtn und schlechte Sicht zu kämpfen. Kurz nach 18 Uhr mittags gaben die Flieger ihre Position mit 600 Kilometer von der französischen Küste entfernt an. Um 18 Uhr befanden sich die Flieger über Cherbourg. Sie teilten der Funkstation des Flughafens Le Bourget mit, daß sie Cherbourg in Richtung Paris überfliegen. Paris, 6. August. Mit dem Ueberfliegen des Flughafens Le Bourget haben die beiden französischen Flieger Codos und Rosji 5780 Kilometer in 35 Stunde»» 10 Minute»» zuruckgelegt. Sie hatten bein» Ueberfliegen von Le Bourget noch 2800 Liter Brennstoff a>, Bord, n»as für ungefähr 30 Flugstunden ausreicht. Die beide»» Flieger habe» durch Funkspruch bekanntgegeben, daß sie ihren Langstreckenflug über Straßburg, München, Wien, Budapest in der Richtung Aleppo und nach dem Persischen Golf fortsetzen und die feste Hofs- nung hegen, den Langstreckenrekord um ei» Bedeutendes zu schlagen. Ghrenerklürnng. Ich gefertigter Robert Korb, ehemals ver>- antwortlicher Redakteur der Internationale" m-) „Roter Vorwärts" bedauere, in den Nummern 12 j vom 26. Juli 1930, Nr. 148 vom 29. Juli 19;’o. Nr. 155 von» 6. August 1930, Nr. 156 vc.n 7. August 1930 und Nr. 162 vom 14. August lO’ij Herrn Theodor Dietl und die damaligen Vor- standsmitglieder des Verbandes der Arbeiter und Bediensteten im-Handel, Transport und Verkehr, mit dem Sitze in Aussig a. E., dadurch beleidig! zu haben, daß ich ihnen Korruption, Arbeiterftird, lichkeit, Geldgier, Ausbeutung der notleidenden Arbeiterschaft, Cliquenwesen vorlvarf, behaupi-!-, KorruvtionSersckeinungen feststelle»» zu»nüssen, d'- sowohl alü persönliche Verfehlungen, als auch als ein verfehltes System zu betrachte»» sind.',ch nehme alle diese Aeußerungei» als den Tatsachen nicht entsprechend und unwahr zurück und bitte die damaligen Vorstandsmitglieder des Verbandes d-r Arbeiter und Bedienstete»» im Handel, Transport und Verkehr, mit dem Sitze in Aussig a. E., mn Entschuldigung. Steigen der Newa hervor. Dos allmählich ansteigende Wasser erreichte um 14 Uhr 169 Jen, timeter und im Hafen 175 Zentimeter über dem Normalstand. Ter Wasserspiegel senkte sich dann wieder allmählich. Heule wird eil» Ansteigen des Wasserspiegels-»»>»» 180 bis 200 Zentimeter er, wartet. Tie Statistik. Statistiken bestehen aus nüchternen Ziffern, aber wie sprechend kann diese Nüchternheit sein! So ist jetzt statistisch festgestellt worden, daß in dieser kulluruberslu- teten nnd von technischen Energien erfüllten Well, in der inan sich von Kontinent zu Kontinent unterhält, in der die Flugzeuge den Erdball umqneren, als handele es sich um die einfachste Sache der Welt, in der der Aether die Wetten aus Süd und Nord, aus Ost und West ausspeit, als gelte es, Fran Schulz oder Frau Meier von nebenan ans Telephon zu rufen, fünf Millionen Sklaven existieren. Auf diesem mit hochentwickelten Bernunslwesen bevölkerten Planeten gibt es fünf Millionen Menschen, die, ihrer Selbstbestimmung beraubt, als Ware hin nnd her geschoben werden, fünf Millionei» Menschen, die vogelfrei der Willkür ihrer Herren ausgeliefert sind. Tiefe Skloven- schande des Jahres 1933 verteilt sich auf 19 Gebiete, Afrika und China sind die Hauptstützpunkte des Sklavenhandels. Aber stimmt denn das? Sind nicht weit»nehr Menschen versklavt? Schmachtei» nicht 60 Millionen Deutsche, vogelfrei geworden,. schutzlos und aller Rechte beraubt,-in den Ketten ihrer braunen Sklavenhalter? Sind nicht 40 Millionen Italiener zu Sklaven degradiert, Spielball ihrer faseistischei» Tyrannen? Wie sieht es im bol- schelvistischen Rußland ans? Und schließlich sei nicht zuletzt der unzähligen Sklaven des Ar- beitüniarktes gedacht, die als Opfer der Profitsucht ihrer Jndustrieherren die Fesseln des Gesellschaftssystems trage»» inüssen... Tie Statistik, die wir zitierten, war, wir sehen es äi» diesen» Ueberblick, so schauerlich ihre Ziffer voi» fünf Millionen an sich auch ist, durchaus lückenhaft tind unvollständig. Ein Flugzeug verbrannt. Auf dem Prager Flugplätze verbrannte um 9 Uhr 30 nach der Landung das Flugzeug 6 21-26. Ter Pilot blieb unverletzt. Tie Ursache des Unfalles wird unter- sucht: Arbeiterschicksal. Beim Transport fiel gestern in Neunkirchen eine eiserne Gußform in die flüssige Schlacke. Bei der hiebei entstandenen Explosion»vurden fünf Arbeiter leicht und einer schwer verletzt. Paris, 7. August. Die französischen Flieger C o d os und Rossi, die um 20.30 Uhr gestern Le Bourget überflogen haben, wurden später über Straßburg und dann über München gesichtet und haben nach dei» letzten Meldungen Wien erreicht. Sie stiege»» nach Budapest und Belgrad. Die Flieger teilen mit, daß ihr abnorinal großer Benzinverbrauch wohl darauf zurückzuführen ist, daß der Benzinbehälter undicht ist. Paris, 7. August. Nach einem von der französischen Funkstation Orly um 15 Uhr 17 Min. aufgefangenen Funkspruch teilen die Flieger Codas und Rossi mit, daß sie bis zum Einbruch der Dunkelheit ihren Flug fortseben wollen und in Rijik, 80 Kilometer nördlich von TamoSkus, zu landen beabsichtigen, wo sie tatsächlich niedergingen. * Meder ein Szeanflieger unterwegs. ThorShavn(Färörinfeln), 7. August. Ter britische Flieger John Grierson ist am Sonntag nachmittag auf seinem TranSatlantikfluge nach New Dori auf den Orkney-Inseln gelandet. De» britische Flieger versucht nachzulveisen, daß für Flüge nach Nordamerika und zurück der söge, nannte Nordweg günstig sei. Gleichzeitig erprobt er einen neuen drahtlosen Richtungsweiser, Codos«nd Rossis Llmgftreüenstug. 9400 Kilometer in knapst 88 Stunden durchflogen. Rr. 188. Dienstag, 8. August 1988. Seite B Englands Stfiienenzcppelin. Der Ttromlinienwagrn nach seiner Probefahrt ans einem Londoner Bahnhof. Auch das konservative England unternimmt jetzt Versuche, auf seinen Eisenbahnlinien di« modernen diesel-elektrisch angetriebenen Stromlinirnwagen cinznjühren. (iiniiitii(iiiiit(iiiiiiiiiiiiiiiiiii(iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiuuiniimiiiiiiiiiiiiniiniiiiiitiiiiiiiiiimiiiiiiiiiniiiiniiiiniiin(iini(i(iiiii(iiim(iiiiimniiiiiiitiin({iiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiui)ii)j)iiin UnmSgNche BerkehrszustSnve bestehen bei dem jeden Samstag in« Riesenge. birae abgehenden Sportzua, der den Wilsonbahn- hos um io.0'2 Uhr verlasse» soll. Ls gehört zu den absoluten Ausnahmen, daß dieser Zug fahr- planmäßig abgeht und Verspätungen di» zu einer Halden Ssundc sind keine Seltenheit. Am letzte» Samötaa fuhr der Zilg' mit etwa zehn- mmutiger Verspätung vom Wilsonbahnhos ab, hielt dann fahrplanmäßig in Vysoäan, anßer- sahrplanmäßig in Sutalice, um den von Reichenberg kommcndetl Persoirenzug vorbeizulasse», eiißerfahrplaninäßig in Lakovice und das ohne «inen offen ersichtlichen Grund und schließlich wieder außerfohrplanmäßig in Mkäice, um den Schnellzug Berlin—Wien vorbe.zulassen. Nach Ne- raiovice kam der Zug um 16.12 Uhr, also genau 70 Minuten nach der fahrplanmäßigen Aosahrt von Prag, was fiir die 85 Kilometer lange Streck« immerhin einen Schnelligkrilsrekord Lar- stellt. In Turuau soll dieser Sportzug Anschluß nach Reichenberg haben. Er soll fahrplanmäßig um 17.22 Uhr ankommcn, während der Rcicheit- berger Zug um 17.32 Uhr abgeht. Letzten Samstag kam nun der Sportzua um 17.88 Uhr an und die Passagkirrc, die nach Reichenbcrg weiter- sahrcn wollten, hatten gerade»roch das Vergnüge», de» Reichenberger Zug an sich vorbeisayren »u sehe». Er hatte etwa zwei Minuten vor Ankunft des Sportzuges die Station^ Turnau verlassen. Eine Stachsragc bei dem Verkehrsbea.nten ergab, daß die Wartezeit bei Verspätungen nur fünf Minuten betrag« und demzufolge habe man den Zug abgehen lallen müsse». Man kann sich die Freude der etwa 25 bis 30 Reisenden vorstcllen, die un Vertrauen auf den vorgesehenen Anschluß nach Reichenau, Gablonz und Reichenherg reile» wollten oder gar jener Personen, die über Rei- iheiiberg hinanSfahren sollte» und damit alle Anschlüsse bi» in die späte Nacht verpaßten. Solche Vorkommnisse dienen in keiner Weise dem Ansehen der Staatsbahucn und die Bemerkungen, die da siele», waren keineswegs besonders fckmeichclhast. Im konkreten Falle yätte eS wohl nicht allzu viel ausgemacht, wenn man den Rei- chenbergpr Zug noch ei» paar Minuten zurückgehalten hätte. Im allgemeinen darf man sagen, daß wenn die Strecke Prag—BSctat zwischen drei und vier Uhr nachmittag« so überlastet ist, daß sich regelmäßig ZwangSausenthalte in den Zwi- schcnstationen ergeben, die Abfahrtszeit des SportzugcS eben vor. oder nachvcrlcgt werden sollte, dainit der Zug auch tatsächlich fahrplanmäßig fahren kann. So, wir heute der Verkehr vor sich geht, ist er keineswegs ein Ruhmesblatt für die StaatSbahn. 1b. bhedrama in Lllttlch. Ein Tschechoslowake schießt auf sein« Frau. Der dreißigjährige tschechoslowakische Staatsbürger Jura Koval hat in der gemeinsamen Wohnung zu Montegnöc, einen» Vorort von Lüttich leine zwanzigjährige Frau, geb. Husia, gleichfalls aus der Tschechoslowakei, zu töten versucht. Seit langem horte die Nachbarschaft aus der Kövalschen Wohnung den Lärm schwerer Streitigkeiten und oftmals trug die Fran die Spuren von Schlägen zur Schau. D«r seit drei Wochen arbeitslose Koval hatte vier Tage lang seine Wohnung gemieden, war aber danit eines Abends gegen 23 Uhr heimgckehrt. Etwa zwei Stunden später wurde eine andere Tschechoslowakin, die eine benachbarte Stube bewohnte, durch den Knall eines RevolverschusscS geweckt, dem Hilferufe folgten. Koval hatte auf seine Fran geschossen, sie aber nicht getroffen. Darairf ist er gefluchtet. Auf seiner Verfolgung traf die Polizei eine Frau, die kurz vorher einem verdächtigen Mann begegnet tvar. Schließlich fand man Koval unter einer Hecke zusamniengekauert einige hundert Meter von seiner Wohnung. Er wurde verhaftet. HoLLndischrr Dampfer gescheitert. Moskau, 7. August. Der holländische Dampfer„Alkide" scheiterte bei der Einfahrt ins Weiße Meer nach Archangelsk in der Nähe des Lcuchtturmes von Orlow. Ein sowjetrussiscker Eisbrecher und zwei Hilfsschiffe sind zur Hilfe- lcistuna ausgelaufen. Die Situation des„Alkide" ist hoffnungslos. Das Schiff wurde bereits von der gesamten Besatzung mit Allsnahme des Kapitäns verlassen. Wafsernot in Prag. Das Wasieramt der S:adt Prag meldet: Am Santstag abends um 22 Uhr barst die von Karüny nach Prag führende Druckleitung unterhalb der Gemeinde M ste- tie«. Diese Störung wurde im MaschinenhanS der Wasserwerke Äarüny sofort bemerkt und in- solgcdessen all« Pumpaggregate stillgelcgt. Nach Feststellung des Ortes, wo der Rohrbruch er- folgte, fettens der WallertverkSinaenieure in Karänh wurden die NuSbesserungSarveiten begonnen. Da» Wasieramt in Prag ordnet««ine ausgiebiger« Pumptätigkcit an, so daß für genügende Wasscrzufuhr nach Groß-Prag während der Dauer der Reparaturarbeiten gesorgt ist. Wen» nicht irgendein unvorhergesehene» Hindernis auftaucht, dann kann das geborstene Rohr innerhalb zweier Tage repariert und die Lieferung von Karüny- wasser wieder ausgenommen werden. Nach bekannt«» Vorbildern. Auf Grultd einer Verfügung des Sicherheitsdirektors von Tirol werden ehemalige Führer und Mitglieder der NSDAP von der Sichcrheitsbehörde dazu ver- kälten, Beschmierungeu von öffentlich sichtbaren Flächen zu. resnia«n, bzw. für die Kosten der Reinigung aufzukommesi. Jtr Ausführung dieser Verfügung hat Samstag nachmittag in Innsbruck eine Razzia auf ehemalige Nationalsozialisten stattgefunden. ES wurden über 30 Personen zur Polizei gebracht und von diesen wurden 27, ehemalige Mitglieder der NSDAP, verhalten, Sonntag morgen» in Begleitung einer Abteilung der Heimatwehr unter dem Kommando eines Geitdarmeriebczirksinspekiors eine Wand unterhalb der 2200 Meter hohen Sattelspitze nördlich von Innsbruck anzusteige», wo sic das dort am Freitag von den Nationalsozialisten angcmalte weiß« Hakenkreuz entfernen mußten. ZngSzusammenstoß. In der Nähe von Oran ist ein Personenzug mit einem Gütrrzna zusäm- Mengestoßen. Drei Reisende wurden getötet, drei andere»«ehr oder minder schiver verletzt. Riesenbrand in Norwegen. In der Nähe von ASkim brach gestern in einer Aummiwarensabrik ein Großfeuer aus, durch da» die Abteilung für Gummischuhe und die Abteil»»« für Rohstoffe zerstört wurden. Di« übrigen Abteilungen, darunter das Lagergebäudc, konnten gerettet werden. Der Schaden wird auf annähernd zwei Millionen Ku geschätzt. Die zerstörten Abteilungen ollen baldigst wieder aufgcbaut werde»». E. v. Ter Karlellvcrband der katholischen ärbentragcnden Verbindungen(TV) hat sich jetzt, wie der Führer de» TV LandtagSabgeordncwr RcchlSanwalt Forschbach in einer Sitzung der tudentischen Verbände aus dem Studententag in Aachen erklärt«, von den ehemalige» C. V.- Korporationen in Oesterreich nicht nur organisatorisch gcirennt, sviidcrn auch jede geistige Gemeinschaft mit ihiie» gelöst. Der Konflikl innerhalb des C. B. ist, lvle bereit» vor einigen Tagen mitgeteilt wnrde, dadurch entstanden, daß die österreichischen C. V.-Korporationen sich der vaterländischen Front des Fürsten Starhemberg angrschlossen und damit sich gegen den National- sozlaliönlns gestellt l)aben. Die Toten des Weltkriegs. Im Departement PaS de Calais wurden im Juli>57 Leichen deutscher und französischer KrieSlcilnehmcr geborgen. Von den Deutschen konnten nenn an Hand der Erkennungsmarken identifiziert werden. Bei 23 war jede Feststellung unniöglich. Sie durchschwammen da» Frische Haff. Am Samstag unternahmen 15 beherzte Schwimmer und Schwimmerinnen eine Uebcrgüerung des Frischen Haffs. Um 8 Uhr früh erfolgte der Start an» PegelhäuSchen in Villa»» nach Balga (12 Kilometer Luftlinie), bcziehungSwesic nach Rosenberg(18 Kilometer Lustlinie). Sanitliche Schwimmer hatten Begleitbootc. Bier Teilneh- mer mußten ihr Vorhaben aufgcben. Die übrigen 11 konnten chr Ziel erreichen. Der Tod in der Ostsee. Die bewegte See hat an» Sonntag in Ostpreußen beim Baden eine Reihe von Todesopfern gefordert. Die Rcttungs- mannschaft der Deutschen LebcnsrettungSgesell- K hatte i,n Rauschen ungeheure Arbeit zu ii. Insgesamt konnten 10 Personen geborgen werden. B»cr Personen auS Königsberg sind ertrunken. Im Ostseebad Kranz lvurdcn ebenfalls 10 Personen gerettet. Ein Üjähriger Schüler aus Hamburg fand den Tod in den Wellen. Auch in Neukuhrcn sind 3 Königsberger ertrunken, die sich trotz Warnung zu weit»n die Ser hinaus gewagt hatten, gegen abend konnten zwei der Leichen geborgen werden. Gandhis Frau neuerdings verhaftet. Die Fran Gandhis und fünfzehn andere dem allindi- fchcn Kongreß angehöreiidc Swaradschistensraurn, wurden ans dem Gefängnis Sabarmat entlassen, wo sie sich seit dem 2. August befanden. Da sie es aber oblehnten, den Befehl, ein bestimmtes Gebiet nicht zu verlasfcn, Folge zu leisten, wurden sie sofort wieder verhaftet. Streit unter Dockarbeitern. Zwiischen den Dockarbeitern von Nantes, die um Taglohn, und jenen, die im Monatslohn arbeiten, herrscht seil einigen Wochen ini Hinblick aus den Abschluß eines neuen Kollektivvertrages eine leohafte Spannung, die jetzt zu schweren Zusammenstößen zwischen den beide» Gruppen geführt hat. Bier Taglöhner überfielen in einer Schenke am Hafen eine Gruppe von Monatsardeitern. ES entspann sich alsbald eine wütende Schlägerei mit Totschlägern und Hacken, die schließlich mit einem regulären Rcvolvergefrcht endete. Ein Dockarbeiter tvurde getötet und zehn andere schiver verwundet. Bon den Angreifern fehlt bisher jede Spur. Wahrscheinliches Wetter heute: Jin ganzen schön, sehr warm, später im Westen des Staates vereinzelte Lvkaigcivitter möglich. Rückgang der Arbeitslosigkeit in Polen. Aus Warschau wird berichtet: Die Zahl der beim Arbeitsamt angemeldeten Arbeitslosen betrug am 29. Juli 215.000 Personen(um 5000 weniger als in der Vorwoche). Dieser Rückgang der Arbeitslosigkeit in Polen ist kein zufälliger, sondern datiert bereit« mehrere Monate an. Jede Woche verringert sich die Zahl der Arbeitslosen um 5000 bis 10.000 Personen. DaS Dritte Reich und d«r Kapitalismus. In seiner Rede über das Thema„Das Tritte Reich und der Kapitalismus" meinte der Leiter der Kommission für Wirtschaftspolitik der Reichs- leitniig, Bernhard Köhler,„das Dritte Reich brauche keine Kapitalisten, hingegen sei der fähige Unternehmer als Mitarbeiter willkommen". Preisfrage: Was ist dieser Unternehmer'? Tote, über di« man berichtet. Am Freitag abend ereignete sich in Dresden ein folgenschweres Motorradunglück. Ein SA-Mann aus Dresden fuhr in voller Fahrt mit seinem Motorrad aus einen Anhängewagcn der Straßenbahn aus. Dem Manu wurde die Schädcldeckc zertrümmert, so daß der Tod auf der Stelle cintrat. Ein auf dem Toziiisfattel mitsahrcnder Hitlcrjunge ans Dresden wurde zu Boden geschleudert und so schwer verletzt, daß er auf dem Transport ins Krankenhaus verschied. Bomben an Roosevelt? Tie Bostoner Polizei hat vier Personell verhaftet, die im Verdachte stehen, gestern TränengaSbombc» in den Hauptsaal der New Yorker Effektenbörse geworden zu haben. Es heißt auch, daß die Polizei drei Höllenmaschinen beschlagnahmt hat, di« bereits eingepackt tvaren und die Adressen des Präsidenten Roosevelt, des vormaligen Präsidcnicn Hoover und des Präsidentschaftskandidaten Norman Thomas trugen. Der Doktorhut steht vor den Toten auf. In Zukunft werden die Promovierten im Staate New?)ork(der der Stadl New Uork entspricht) wieder wie vor grauen Zeiten Doktorhüte tragen. Diese Mode war inAmerika bisher völlig unbekannt. Aus den« einfache» Grund nämlich, weil der besagte Ehrcnhut«ine mittelalterliche Auszeichnung darstellle. Tie nordamcrikanischcn I n o i a n e r aber hatten keine Universitäten!— Der Hut wird nicht der üblichen akademischen Kopfbedeckung gleichen, die in Amerika von den Professoren und Dozenten getragen wird, sondern die gleiche hohe Form wie seine mittelalterlichen Vorläufer waren. Zu dem Prozeß gegen die streikenden Eisenbahner In 9iitmün>tn, Ti« rumänisch« tyesandtschaft wurde von der Liga für Menschenrechte m der Tlchecho llowakl«rsiichl, der rumänischen Regierung imvi- dem Vorsihcndeu de« Gerichtes gegen die Teunehuie an dem sich im Feber'1083 ereigne:«» Eisenbahner streik in Rumäuic» folgrllden Aufruf zu übergeben „Di« Liga für Menschenrecht« in der Tsciiechostowake verfolgt mit außergewöhnlicher Aufmerlsamkeit den Pro^ß geg«» di« Teilnehmer ail deut im Feder 1033 In Rumänien ailügebrocheuen Eiscnbohnerstreik. Ln der Ueberzeuguikg, daß der H'.»!erqrmü> dieses Vor- falles nicht in dem dösen Willen der Angeklagten, sondern.tu den sozialen Verhältnissen zu suchen sei, appelliert di« Liga für Mcnsck)elir«chlc in der Tschechoslowakei an Sie, Herr Vorsitzender, und au das ganz« hohe Gericht, bei der Beurteilung den menschlichen Standpunkt in'Betracht zu ziehen."'■ W aller Welt. Ei« Denkmal kllr di« Weltkrise. Die Gemeinde Vranod bei Pilsen hat dieser Tage be- j schlossen, ein Denkmal a>l» ChaMotte und Kaolin zu errichten, da» eine höhe von fünf Meter aufweisen wird und dem„Andenken an die Weltkrise 1931—1983" gewidmet ist. Das Denkmal stellt einig« Bergknappen auf ihrer Einfahrt in den Schacht dar und künstlerisch sehr beachtlich. In Vranov hat sich die Arbeitslosigkeit besonders stark ausgcwirkt, da dort die Bergwerke und Glashütten, von denen die Bevölkerung lebte, stilgclcgt worden sind. Mit einem Bein auf die Zugspitze! Der 'Münchener Tourist Sebastian Scheiol, der als Schuljunge ein Bein verlor, hat dieser Tage auf Krücken die Zugspitze durch oas Reintal bestiegen. Scheid! nahm auch in der gleichen Weise den Abstieg vom SchnrcfcrncrhanS durch das Reintal vor. Dec wackere Tourist hat schon in früheren Jahren ähnliche bewundernswerte alpine Leistungen vollbracht. Der kleinst« Artist der Welt begibt sich in» Ehrjoch. Andrea« Frey, genannt Freyton, ist al« der kelinfte„Dumnie August" der Welt bekannt! Er ist nur 70 Zrntimter groß, wurde vor 85 Jahren in«inem kleinen Schwabendors de» Komitat Balany geboren und hat eine» riesigen Buckel, verkrüppelte Hände, verkrüppelte Fuße und einen viel zu großen Kopf. In» Lause der Jahre wurde der Artist ein reicher Mann, und dieser Tage hat es sich mit der Tochter eine« Diamairtenhändler» verlobt Zu seinen» große»» Leidlvesen mußt« er seinem Schwiegervater der- sprechen, nach der Heiinsührnng seiner Tochter seine glänzende Laufbahn aufzugeben. Komödie um einen Gummischlauch. In Horst-Emscher bemerkte»» Passanten am Ufer des Rhciii-Hcrnc-KanalS, daß eine junge Fra»» mit Hilf« eines ausgepumpten Motorradschlauchcs Schwimmversnche macht«. AIS sich schließlich eine große Menschenmenge angesammelt hatte, die der Fran allerlei Ratschläge erteilte, ohne daß sich diese darum zu kiimmcri» schien, rutschte die Frau plötzlich dtlrch de»» Schlauch hindurch und verschwand im Wasser. Sofort lprairgen zehn bis fünfzehn schwimmkundigc Kavaliere ins Wasser und holten die junge Dame heraus. Ter Dank waren einige heiße.Küsse und etliche Umarmungen. Boshafte Horst-Eiirschcr sollen behauptet haben, diese Schwimmversnche fielen unter die Rubrik„Ehcanbnhnungsincchodcn"... Tambourstäbe mit Beleuchtung. Die Kapellen der englischen Gardercglmcnter habe»» beschlossen, in Zukuirst Tanibourstäbe mit Be- leuchtuna einzuführen. Schon mehrmals mußte kcstgestelit werden, daß die Spicllcutc bei nächt- lichcn Märschen einige Takte wcitcrtrominclten und Pfiffen, weil inan den Tambo»»rstab nicht in die Hohe hatte flitzen sehen, Durch einen Druckknopf soll die Beleuchtungsanlage nunmehr sehr leicht zu bedienen sein, und den falschen Takten ist der Krieg erklärt... ES Brennt! Lustige Anekdoten von der Feuerwehr. ?llü der all«.Hamburger Spaßmacher, der Loinenmakler Kirchhoff, einmal nachl- in sehr heiterer Stimmung den.Heimweg angetreten hatte, bat er einen Nachtwächter, ihm doch für «inen Augenblick sein Horn zu leihen. Der NachNvächter anttvortet«:„Nee, Herr Kirchhoff, da dörf ick nich!" Als ihm Kirchhoff für diese„kleine l'öesällig- keil" aber einen Preußischen Taler gab, ließ er sich dock) crlveichen. Und nun stürmt« Kirchhoff mit dem Horn davon, blieS toll hinein und rief nach jedem Hornstoß:„Feuer! Feuer!" Und der Nachtwächter rannte spornstreichs hinter ihm l)«r mit dem Nus:„IS nich wahr!" Auf der Polizei erschien ein Mann und sagt«) „Ich»nöchtc mich um dir Aenderung meine- Naniens bemühen." Mit der ihr angeborenen Höflichkeit erwidert« di« Polizei:„Bitte sehr, mein Herr, wi« heißen 2i« denn?" „Ich heiße Brenz." „Aber ich bitte Sie, das ist doch ein sehr ordentlicher, durchaus nicht gewöhnlicher Name. Was haben Sie denn daran ausznsetzen?" „Na, können Sie sich das nicht Hörstellen? Immer, wenn ich mich am Telephon melde: „Hier Brenz!", bekoiiiiii« ich zur Antwort: ,,Dan» rufen Sie doch die Feuerwehr an, Sie Idiot!" * Als der Komponist Gustav Mahler nock) Theaterkapellmeister in Leipzig war,. betrat er eines TageS, tief in Gedanken versunken, da» Biihnengebällde mit brennender Zigarre. Zu seinem Pech mußt« er gerade dem neuen Oberfeuerwehrmann in die Hände laufen. „Hch! Harn Se mal!", rief ihn dieser im strengsten Sächsisch an.„DaS wird gemeldet. Wer sein Sic denn?" „Ich bin der Mahler!", haucht« ihn der Tongewaltige an und wandle sich zum Gehen. Aber der brave Beamte faßte ihn am Rockärmel:„Komins« mol mit. Ob Sie Nit der Maler oder der Lackierer sein, gemeldet warn Se doch!" Heiteres. Die Premiere. Von der. Frau von Pollak erzählt inan sich folgendes: Eiinnal wird Frau v. P. gefragt, wie ihr die Erstaiiffuhriliig des ncucn Dramas des berühmten Bühnendichters Alois Müller-Meier gcsallen habe. Da zuckt sie verächtlich die Schullern und meint:-„Ach, wissen Sie, das ist kein Stück für eine Premiere.>• Veite 8 Dienstag, 8. August 1988. Sr. 188. PBAGEH lEIIlWfi. „Photoschnclldienst." In der Ankunftshalle deS MasarykbahnhofS befindet sich ein Kasten, in den man Filme und Platten versenken kann. Sie werden nach der aus dem Kasten befindlichen Aufschrift bis spätestens 2 Uhr des folgenden Tages von der den Kasten bedienenden Firma entwickelt und fixiert,' sogar Abzüge sind, noch der Aufschrift zu schließen, zu dieser Zeit schon fertig. Ein Reisender, der diesen Angaben glaubte, warf am Sonntag abends seine Filme ein; am nächsten Tage wurde ihm von der Firma milgctcill, daß er sie am— DienSiag nachmittags um halb 3 Uhr abholen könne.— Die Verwaltung-es MasarykbahnhofS täte gut daran, nicht zu dulden, daß die Reisenden von der Photo-Firma irre- geführt werden. Wichtige Mitteilung für die Telephont, lnehmer in Prag. Die Post- und Telegrapheudireklion teilt mit, daß laut Bestimmung der 8 22, Absatz 8 a) der Trlophonordnung d'e Telephonteilnchmer verpflichtet stich, den Angestellten der Telegraphenverwaltniig, die sich ordentlich answeisen, den Zutritt in di« Räume, in denen sich di« Tclephoneinrichtuug befindet, sowie d'e Benützung der envähnlen Ein. richnmg zu ermöglichen. Die Telegrapheuve»Wallung ersucht daher die Herren Telephonteilnehmer, den Telegraphenaugestelltcn bei der Beniitziing ihrer Telephoirstellen kein« Schwicrigkeitvn zu machen, da die Diensttelephonftellen, welche von den Angestellten angerufen werden, mit Rufnummern bezeichnet sind, welche mit 0 beginnen,' auf solche Anruf« reagieren die Zähler in den T« lnehmerslellen nicht. Dec-tvegen werden auch solche Anruf« nicht zum Nachteil der Telephonteilnehmer berechnet. Der Film Taifun. Nach Melchior Lengyel wurde von Robert Wien««in Sensatiousfilm gedreht, der deshalb außerordentlich beachtlich wurde, weil er im Drit- «en Rech auf der Berbotsstst« steht. Trotz aller Vorsicht; trotzdem würdige Japaner im Frontsargon von den heiligen vaterländischen Pflichten der Diplomaten sprechen, die sogar den Mord und Totschlag entschuldigen; trotzdem der französische Richter einen erstklassigen Schmiß über die Wange laufen hat; trotzdem das blonde Mädchen unendlich warm und verführen- ist; trotzdem der Sinn des ganzen von Manneszucht und Ordnung nur so wimmelt. Verboten wurde da- alle-, weil der Edelmut nicht von der weißen, sondern der gelben Raste verkörpert wird. Und da ist eben das Dritte Reich überempfindlich; die Herren ruhen auf so gutem Gewissen, daß schon eine Andeutung besten, daß es in EuropenS Gefilden weiße Erpresserjournaillen gibt, den Zensor au- dem Häuschen treibt. Armer gelber I n k i s ch i n o f f; vom„Sturm über A-sien" bis zu diesem Mcrilüsterl, in bezug auf di« Erotik, Taifun genannt, ist«in weiter Weg, der gepflastert sein muß mit fettem Honorar. Sogar di« Liane Haid, den Urtyp der gemütlichen Wirtshauspflanze, mußt du, gelber Mann, als Vamp hinnehnien, ja sogar rettungslos anbetcn. Aber deine Augen verraten noch nichts von der Schmach, daß dich di«.Herrn Filmwohltäter versklavt und gekauft iMben. Jede deiner Betvegungen steht turmhoch über allem, was sich in dieses» Werk noch Film zu nelmen erfrecht. Jedes deiner Worte fegt die öde Gestik des Victor de K o w a ins Dergesten, e- bleiben nur die herrlichen Momente hafieu, da deine dunklen Augen di« Dummheit und GeschäftSgier, die aus jeder Szene spricht, zutiefst verachten und das auch zeigen. Roben dir hält sich diesmal sogar Liane Haids süße MaSke; allerdings singt sie nicht ganz erträglich von den blühenden Kirschen au« Jokohama... W. Lg. Aus der Partei Jugendbewegung. S. I. I. H e u t« mn 8 Uhr abends Monatsversammlung im Heim(Ldborovy dum). Nachher werden Lieder cingeübt, Liederbücher mitbringen! Mitteilungen ans dem Publikum. XIV. Reichrnberger Messe, IS. bis 18. August 1933. Ein günstiger Einkaufsmarkt. Trotz der gegenwärtigen ungiinstigen Wirtschaftslage ist, die Rechenberger Messe in diesem Jahre wieder gut beschickt und wird heuer sogar«In Messehaus mehr austvei'en. Die Zteichenberger Atessc wird auch in diesem Jahre nachweisen, daß hier günstige Absatzmöglichkeiten gegeben sind und daselbst vorteilhaft eiuaekauft u»enden kaini. Die Mlgcmeine Mustermesse umfaßt 21 Wareng nippen mit den verschiedenste» Erzeugnissen der Textilindustrie, Glas- und Vorzellamvaven. Galanterie- und Spielwaren, BokleidungSartlkel. Erzeugnisse der Papienvaren- und Holzindustrie, chem.-technischc Erzeugnisse, Gebrauchs- und Luxusartikel etc. Der Technischen Mess« sind heuer wieder einige Spezialgruppen angegliedert, wie„Techirik im Gewerbe",„Rationelle HouAvirtschaft",„Elektrotzechnik",„Büromaschlnen und Bürobüdars', Erfindungen und Neuheiten. Besonder- umfangreich sind Erzeugnisse der heimischen Möbelindustrie vertreten und es wird hier jedem Wunsche entsprochen werden können.„Markenartikel" der Nahrung-- und Genußmitlel-Jndustrie sowie Erzeugnisse für das Hotel- und Gastgewerbe sind ebenfalls in mannigfachster Art auf der Mess« vorteilhaft einzukaufrn. Die„Radiomesse" weist in diesem Jahre eine Vielseitigkeit auf, welche das Vorjahr noch übertrifft. Di« führendsten Typen an Rundfunkgeräten können hier gesehen, gehört und gekauft werden. Eine besondere Sehenswürdigkeit stellt in diesem Jahre die große Ausstellung„Die Frau und da- Kind" dar, welche für Frauen und Männer gleich interessant und lehrreich stin wird. Jn Anerkennung der Bedeutung der Reichrnberger Messe wurde den Einkäufern und Besuchern in diesem Jahre wieder eine 83prozcntigc Fahrpreisermäßigung bewilligt, welche für Ausländer auf 59 Prozent erhöht wurde, sofern die Fahrstrecke über 100 Kilometer beträgt. «»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»» Genossen, leset und verbreitet die Arbeiterpresse. Fragen der Journalisten antwortete sie nur: „Ich habe geschlafen." Auf eine weitere Frage, ob sie geträumt hätte, winkte die Greisin mit der Hand verneinend. Dann fügte sie noch hin- zu:„Aber bevor ich einschlief, sah ich alle wich, tigen Ereignisse meine- Lebend an mir vorüber- ziehen." Die aus dem Tod Wiedererwachte lächelte:„Der Tod ist nichts Schlimmer", schloß sie. nm» li Prager UHtsiliUilostn bis einschließlich Donnerstag, den 19. August. Adria:„Don Quichotte."— Alfa:„Tai. fun."— Fönix:„Auf der Spur/— Flor,: „Die Flucht nach Nizza."— Hollywood:„Dat blaue Licht."— Hvözda:„Die fliehende» Schatten."— Julis:„Die weiße W«lt."— Kinoma B. d.: Zeitbilder, Grotesken, Report. Xz bis Xll.— Koruna:„Phantom der Rennbahn.'— Kowa:„Don Quichotte."— Luccrna:„Ton Quichotte."— Metro:„Ein Walzeriraum."— Pastage:„Der Raub der Mona Lisa."— Praha: „Der Rächer de- Texas."— Skaut:'S e a m p o l o —das Gossenmädcl."— Svötozor:„Die weiße Welt."— Alma:„Der Liedersänger."— Avion: „Das Geheinmis der dritten Nacht."— Bajkal: „Paris liebt und jubelt.'— Favorit: .„Kameradschaft."— Kapitol:„Unter falscher Flagge."— Konvikt:„Die Dame vom Maxim."— Lido:„P a.r i S liebt und jubelt."— Louvre: „Bomben auf Monte Carlo."— Roxy:„Die Dame vom Maxim.'— Bälde!:„Die Flucht noch Nizza."— Belvedere:„Mädchen zum.Heiraten" — Bes^da:„Acht Mädel im Boot."— Illusion: „Bomben über Shanghai."— Sport:«Da- Schiff der Selbstmörder."— U Bejvodu:„Seine Majestät der Reisende." Unser Blatt der„Sozialdemokrat“ ist in Prag in folgenden Berschleitzstellen zn haben: Vabnbofabnvbbandlnng, Wllsonbahnhof, Mwaryk- bahnhof, Denlibahnhof. Harter, Trafik, Prag IL, Tyünov 2. Uurok Hugo, Trafik. Prag L, StarnmirliM al- mSati 32. Hodrova, Trafik, Smichor, ndbf. legli 12. Jelinkora, Trafik, Kuala H- Moatni dotny»Re- formy“. Kotyaa Jan, Trafik, Smiehov, Zborovakd tf. 15. Krauiova A» Trafik, Karlin, KrAloviH 14. Krojtik A„ knlhkupcctvi, Prag-Lieben, Krdlor* ekd 1511. Kronpa JindF„ Trafik. Prag II.. Rallnovo nähr, atdnrk 114. LOwenaohn Karl, Trafik, Prag II., Nekaaanka 8. Maro* Josef, knihknpoctvf. Prag-Buben«, ul. Dr. Urdfa 24. Monik. Trafik. Prag I., Parlament. Mrdikova, Trafik, Prag L, JowfiM tf, tldnek 127. Mrdi Jan, Smiehor, Radllckd tf. 43. Orbla A.-G., Zellongaverschlelß, Praha XII» Fo- chova tf. 62. „Praga**, ZeltungavorschlcID. Prag IL» HavllikoTQ näm. 23. Sedldk Vdclav, Trafik, Dejrlce, fivecova. Skrabkova Anna, Trafik. Dejvlce. Hennerovy üfcdnlckä domy 2S0. Strouhal Artur, Trafik, Prag III., Moateckä<4. Tauaalg EL, ZeitnngsveraehlelS. Prag IL, Vdclav. ■ki näm. 45. Ungormann Rudolf, Prag II» Panakd bei Paiait- hotcl. Oatfedni d«ln. knihknpectri. Svfccnf. Prag II„ Ilybcrnskd 7. Zemann. Trafik, Prag I„ Perlten. Fanal, ZeltungiverachlelQ, Prag II., Smcüky 8-10. Und bei StraBenvorklufern: Wenxelsplata— MOatek— Maaarykbahnhof— Wllaonbahnhof. 25 RUnnten im Jenseits! cvlvenieuer einer Greisin im Reitye des Todes. Am Krankenhaus von Loreto in Italien hat sich ein Ereignis abgespielt, das in den Annalen der ärztlichen Wissenschaft wohl als beispiellos Vermerkt werden wird. Bor einigen Tagen wurde die ,68jährige Adalgise Bicini mit einem schweren Anfall von Angina pectoris in das Krankenhaus cingcliefert und noch in derselben Nacht stellte sich bei der Kranken die Agonie ein. Ihr Röcheln wurde immer schwächer, und um 1.37 Uhr— wie in XIV. Relchenberser Messe 1933 IS. bis 18. August 1983 Auskltafte: Messeamt Reichenherz, Tschechoslowakei. 700 aAAiAAA A A AA A AAA4A A A A A A4 J den Protokolley des Instituts zu lesen ist— hatte die Kränke aufgehört zu leben. Zumindestens im medizinischen Sinne, da sie weder atmete noch einen Puls hatte. Den im Sterbezimmer anwesenden Angehörigen teilten die behandelnden Acrzte den Eintritt des Todes mit, worauf sich alle in die Knie warfen und beteten. AuS dem Tode wiedererwacht. Einige Minuten später erschien der Leiter der Abteilung für innere Krankheiten, Professor Umberto Mule, und ließ sich sofort zu der gerade verschiedenen Patientin führen, die er nachmit tags persönlich behandelt hatte. Er untersuchte den leblosen Körper und erteilte dann blitzschnell seine Weisungen. Genau 15 Minuten nach der Feststellung des Todes nahm er eine sogenannte Injektion intcrcarniaca vor. Dann trat eine Pause ein; der Professor, die Assistenten, die Angehörigen im Nebenzimmer lvartetcn in fieberhafter Spanitung auf den Erfolg. Zehn Minuten nach dem Eingriff ging ein leises, kaum wahrnehmbares Frösteln über die Haut der Leblosen. Weitere fünf Minuten später stellte der Professor den ersten Atemzug fest. Gleichzeitig setzte der PulSschlag, allerdings nur ganz schwach, ein. Die Patientin war aus dem Reiche der Toten zu den Lebenden zurückgekehrt. Bicrund- zwanzig Stunden spater besserte sich ihr Zustand dermaßen, daß der Professor den Angehörigen die zu erwartende Genesung der Patientin mitteilen.konnte. „Der Tod— ein Schlaf ohne Traume!" Die wunderbare Heilung der Greisin erregt in ganz Italien großes Aufsehen, und bereits am dritten Tag nach dem glänzend gelungenen Eingriff erschienen die Reporter der große» Zeitungen im Krankenhaus, um den erfolgreichen Arzt und seine gerettete Patientin zu interviewen. Professor Mule gewährte zwei Zeitungsbericht- erstattcrn eine nur fünf Minuten währende Unterredung mit der Patientin, die sich noch immer so schwach fühlt, daß ihr ein längeres Gespräch nicht gestattet werden konnte. Auf die Stmrimikchlinhim....! Der Leser vernahni durch das„Hamburger Fremdcnblatt", daß„SA. und Polizeibeamte einen Häuserblock abacricgclt und die Wohnungen gründlich nach Hetzschriften durchsucht haben. Gefunden und beschlagnahmt wurden Flugblätter, Plakate, Waffen und Munition. Drei Personen sind verhaftet worden..." Nicht viele Leser werden eine Ahnung davon haben, wieviel Unheil so eine kleine Meldung in sich bergen kann. Ach habe nicht weniger als vier solche Hausdurchsuchungen über mich ergehen lassen müssen und ich lebe in steter Angst vor der fünften. Und mit mir viele Tausende im neuen Deutschland. .... Man versucht zu schlafen. Es ist spät am Abend. Eine innere Unruhe, die mich nicht verlassen will, erlaubt cs nicht. Seit Monaten habe ich nur noch den einen Wunsch: Laßt mich einnial gänzlich ungestört und völlig entspannt schlafen! Nehmt mir den Nervenschmerz ans dem Rücken, der mich Tag um Tag und Nacht um Nacht quält. Man liegt mit wachen Angen und überlegt: Seit wann eigentlich schlafen wir nicht mehr ohne Furcht? Das war, ich rechne nach— halt! DaS war die Nacht vom 4. zum 5. März! WaS alles habe ich seit damals erlebt! Mein Mann ist seit Wochen flüchtig; mein ältester Junge auch. Meine drei schulpflichtigen Kinder sind niehr als einmal mit der Klage nach Hause gekommen, daß man sie als„Marxisten" verprügelt habe. Ich selber bin von der Polizei einmal anständig, viermal roh und rüde gefragt worden, wo mein Mann und mein Junge sich verborgen hielten. Man glaubt mir nicht, wenn ich sage, daß ich cs nicht weiß. Drei Hausdurchsuchungen haben in meiner Wohnung stattgcfunhen. Jedesmal ist einiges„beschlagnahmt" worden. Ich werde bald! kein Buch mehr besitzen. Ich leide Not. Meine Kinder wollen essen; woher soll ich das Geld nehmen? Gewiß: Ick' arbeite, WaS ich an Arbeit erhalten kann. Biel ist cs nicht und reicht kaum für die Miete. Mein Hauswirt ist ein Nazi und hat mir gedroht, mich ohne Möbel ans der Wohnung zu werfen, wenn ich die Miete schuldig bleibe. Wenn ick allein wäre, hätte ich mit diesem Leben schon längst Schluß gemacht. Aber meine drei kleinen Kinder! Sie sind lustig, sic wissen und ahnen noch nicht, was eine Mutter leiden kann.... Wenn sic nur nicht imnicr fragen wollten, wo der Vater ist! So liegt man, so überlegt man! Ter ersehnte Schlaf will nicht kommen. Alle Nerven sind gespannt; die Sorge drückt aber auch zu sehr! Schließlich weine ich, das hat schon so oft geholfen! W Was war das? Feueralarm oder Polizei? Ich eile zum Fenster. Unten steht Polizei! Ein, zwei, drei Autos. Weiter fort noch einige Wagen! Ihre Scheinwerfer suchen die Häuserfront ab. „Licht ans! Fenster zu! Weg vom Fenster! Es wird geschossen!" Laut hallen die Befehle durch die Nacht. Die Kinder werden munter, sie weinen: „Mutter, tun sie uns was? Kommen die Nazi wieder zu uns? Was haben wir getan?" Ich beruhige sie«nd bin doch selber dem Weinen nahe. ck Still sitzen wir auf dem Bcttrand. Im Zimmer ist es finster. Das HauS Ist voll Lärm und Aufregung. Wir hören schimpfen, Fluchen und Geschrei. Auf den Treppen wird eilig gelaufen. Wir warten. I Die Kinder. flüstern;. mir bohrt der Schmerz im Rücken, der mich nicht mehr verläßt seit der Stunde, in der mein Mann verhaftet werden sollte, aber noch fliehen konnte. Jch fühle: jetzt! Nein, erst jetzt kommen sic zu u»Sl Es pocht laut:„Aufmachen! Polizei!" Die Kinder schreien auf:„Mutter! Hierbleiben!" Ich öffne. Herrin treten Ml und Polizeibeamte. „Na, hier sind wir ja keine Unbekannten mehr!" Höhnisches Lächeln folgt. „Los, wo ist der Vater!" schreit einer meinen Jungen an. Der wischt sich die Tränen, wird trotzig und— spuckt aus! Ich werde verlegen.„Marxistenbrut!" knurrt ein SA-Mann. Die anderen suchen. Unter den Papieren im Schreibtisch finden sie einen Brief meines Mannes, der vor einem Jahre aus Breme» geschrieben wurde. Es waren Grüße und persönliche Mitteilungen von einer Gcwerkschaftskvn- sirenz. „Aho! Also in Bremen ist er?" „Wer?" „Na, Ihr Mann! Hier, der Brief beweist es!" „So? Zeigen Sie." Ich lese und lache:„Bitte, beachten Sie das Datum! Der Brief ist genau ein Jahr alt!" „Verflucht!" Inzwischen haben die anderen„beschlagnahmt". Einer hält Büche c in der Hand, ein anderer das Luftgewehr meines flüchtigen Jungen, daß er vor acht Jahren zu Weihnachten brkam. „Hallo! Eine Waffe?" ruft der Kommissär. Ich sage ihm, sie sei-in Weihnachtsgeschenk, das nun bald zehn Jahre alt sei. „Werden wir sehen; vorläufig wird das Gewehr beschlagnahmt." Auf dem Polizeipräsidium hausen sich die „beschlagnahmten" Dinge bergehoch. Kein Beamter kümmert sich um sie: man hat auch gar keine Zeit dafür, wurde mir einmal geantwortet, als ich einige Sachen zurncklorderie Ich muß noch den Keller öffnen und dann oben den Boden. Hier noch ein Triumph: Im Gerümpel wird eine alte schwarzrotgoldene Kindrrsahnc gesunden. Die haben sie bisher übersehen gehabt. Endlich verlassen sie mich. Eine andere Wohnung kommt dran. Die Spannung läßt nach; ich weine wieder. Jetzt trösten mich die Kinder:„Mutter, bitte, nicht weinen! Es wird alles wieder gut werden! Wenn nur erst Vater wieder nach Hause kommt!" Jn den Straßen herrscht noch immer Alarmstimmung. Verstohlen schaue ich durch die Gardinen. Da— dort in dem Auto— Gefangene! Mein&ott! Auch der Möller! Wie konnte der Mann aber auch nach Hause kommen? Er wußte doch, daß er seit Wochen gesucht wird! Sein Verbrechen ist, daß er Kassierer der 2--- zialdcmokratischen Partei war. Die arme Frau! Fünf Kinder hat sie; das sechste erwartet sic! ♦ Erst in den frühen Morgenstunden tritt allmählich Ruhe ein. Die Kinder sind ringe- schlafen. Mir steigt ein Schluchzen auf; irgend etwa- würgt mich. Wie lange ist cS her, daß ich mit Mann «nd Kind zum letztenmal ruhig schlafen konnte? Bier Monate erst? Mir scheint, eS sind so viele Jahre! Ich bin so müde... oh...! Wenn ich nur nicht denken brauchte, daß auf diese Nacht ein Tag und auf den Tag wieder eine Nacht folgt! Nicht wieder eine Nacht mit Autohupcu, Scheinwerfern, Befehlen und HauSdurchsuchun- gen-_ Mein Gott! Wann endlich kommt der Retter diesem Lande?— so heißt es doch wohl in Schillers„Tell"? Lotte Peter. tiialiiiit: Cfegfrteb leit—< I■ 11,«> 11 e a e: SiHel-i Ni«ha««.— BrtautwntNcher fiebert««: St. EaU etraaft, Vraf.— Druck:-Hott' für Bettung. anb Buchbeuck, Vraa— tzür b«a Druck Muatkwttlttb: Otta H»!:k, UM.—«it BeiiungluarleiUtantan»«webe in bei Paß. a. lelegtopbenblteltin Mit Erlaß Nr U.soo/VIiaSN» bewilligt.— B««ugibeblngnngti: Bei Zustellung In« Hau« aber bei Bezug buech bi« Poft monatlich Li 18.—. oiarttiiätzUtch U U,—. MMiM'M■■auiktia M ML-i— a*KM KM iaa| M| ßiLst» taa&M. M UM mallMwilin Mni-wutzia».— ftMftdbu« Ma«taaa(lci*iM«Noigl aat M Eustenbung Mt WKwtnagriM,